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Burschenschaftliche Blätter 2015 - 1

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Burschenschaftliche

Blätter

1/2015

130. Jahrgang ISSN 0341-5352 www.burschenschaftliche-blaetter.de

Nonkonformes Europa

Die Alte Welt und ihre Zukunft – Ein Kontinent zwischen

Niedergang und Renaissance.

Mit Beiträgen von Martin Sellner, Carlos Wefers Verástegui,

Johannes Konstantin Poensgen, Philip Stein, uvm.


Burschenschaftliche

Blätter

Impressum / Inhaltsverzeichnis

Burschenschaftliche Blätter

www.burschenschaftliche-blaetter.de

Zeitschrift für den deutschen Burschenschafter. Begründet im Januar 1887

von G. H. Schneider (Germania Jena), 130. Jahrgang, Heft 1, 1. Quartal 2015

Impressum

Herausgeber: Vorsitzende Burschenschaft

der Deutschen Burschenschaft

Marburger Burschenschaft Germania

Lutherstraße 3

D-35037 Marburg/Lahn

vorsdb@burschenschaft.de

Verlag:

Im Selbstverlag der Deutschen Burschenschaft.

Schriftleiter, Anzeigen:

Dirk Taphorn, M.A.

(Normannia-Nibelungen Bielefeld)

Postanschrift:

Dirk Taphorn

Postfach 32 02 07, D-01014 Dresden

Telefon: +49 (0)351 16063872

bbl-schriftleitung@burschenschaft.de

BBl-Anschriftenverwaltung:

C. F. Lindemann (Cruxia Leoben)

Postanschrift:

BBl-Anschriftenverwaltung

Postfach 101232, D-20008 Hamburg

bbl-anschriftenverwaltung@burschenschaft.de

Gesamtherstellung und Vertrieb:

Gieseking Print- und Verlagsservices GmbH

Deckertstraße 30, 33617 Bielefeld

Telefon +49 / (0)521 / 961496-55

Telefax +49 / (0)521 / 98890439

Erscheinungsweise:

Viermal im Jahr

Auflage: 7.000

Bezugspreis:

„Für Bezieher, die der Herausgeberin angehören, ist dieser

im Verbandsbeitrag enthalten. Für Bezieher, die nicht

der Herausgeberin angehören, jährlich 21 Euro zuzüglich

MwSt. bei Lieferung frei Haus im Inland, 26 Euro zuzüglich

MwSt. ins Ausland. Einzelhefte im Inland 6,50 Euro,

zuzüglich MwSt., inkl. Porto und Verpackung. Auslands

bezug 8,50 Euro zuzüglich MwSt. und Versandkosten. Bestellungen

beim Schatzmeister. Adresse und Bestellformular

am Ende des Heftes.“

Blattlinie:

Mit dem Namen des Verfassers versehene Beiträge

stellen nicht immer die Meinung des Herausgebers, des

Schriftleiters oder der Burschenschaft des Verfassers dar.

Die Verantwortung für die in diesen Artikeln zum Ausdruck

gebrachte Meinung trägt ausschließlich der Verfasser.

Sie bedeutet in keinem Falle eine amt liche Stellung -

nahme des Verbandes.

Nachdruck:

Nachdruck nur mit genauer Quellenangabe („Burschen -

schaftliche Blätter“, Jg., Heft, Seite, Verfasser) und mit

Genehmigung des Schriftleiters gestattet.

Beiträge:

Wir erbitten die Zusendung aller Beiträge ausschließlich

per E-Post in gängigen Digital-Formaten. Die Manuskript -

richtlinien sind verbindlich und können bei der Schriftleitung

angefordert werden. Handschrift liche Texte werden

nicht berücksichtigt. Einsender von Bei trägen werden

gebeten, sich vorher mit dem Schriftleiter in Verbindung

zu setzen. Rezensionen dürfen maximal 3.000 Zeichen

(inkl. Leerzeichen) umfassen. Ein Anspruch auf Abdruck

von Manuskripten und zu einem bestimmten Termin

besteht nicht. Für unverlangt eingesandte Manuskripte,

Bilder und Besprechungsexemplare wird keine Haftung

übernommen. Bei einer Nichtveröffentlichung handelt

es sich nicht um Zensur. Die Verfasser, auch von Leserbriefen,

fügen ihrem Namen ihre Burschenschaft und das

Jahr des Eintritts hinzu. Die Schriftleitung behält sich ausdrücklich

Streichungen und Kürzungen vor.

Redaktionsschluß:

Siehe unter Mitteilungen der Schriftleitung.

Inhaltsverzeichnis

Mitteilungen der Schriftleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

Martin Sellner: „Von Nouvelle Droite bis Front National“ . . . . . . . . . . . 4

Moritz Schellenberg: „Ein Land am Scheideweg“ . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

Johannes Konstantin Poensgen: „Grenzwacht PEGIDA“ . . . . . . . . . . . 8

Carlos Dieter Wefer Verástegui: „Das Recht der Nationalismen“ . . . . . 11

Philip Stein: „Aufstand der Kleinen“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

Alexander Markovics: „Vom Internet auf die Straße“ . . . . . . . . . . . . . . 15

Armin Allmedinger: „Sonderweg Osteuropa“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Interview mit Adriano Scianca . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

Aus dem Burschenschaftlichen Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

Jörg R. Mayer: „Warum ich Burschenschafter geworden bin“ . . . . . . . 22

Interview mit Professor Menno Aden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29

Raphael Thiermann: „Kontrolierte Einwanderung in Gegenden der

Besserverdienenden“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36

Essay: „Der Krieg und das Volk“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37

Rezensionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

Unsere Toten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42

Burschenschaftliche Amtsstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42

Die Schriftleitung informiert:

Adreßänderungen für den Bezug der „Burschenschaftlichen Blätter

richten Sie bitte immer an:

bbl-anschriftenverwaltung@burschenschaft.de oder postalisch an:

BBl-Anschriftenverwaltung, Postfach 101232, 20008 Hamburg

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2 Heft 1 - 2015


Mitteilungen der Schriftleitung

Mitteilungen der Schriftleitung

Burschenschaftliche

Blätter

Sehr geehrte Herren Burschenschafter,

liebe Leser,

vergangenen Winter konfrontierte ich unseren

Schriftleiter, Herrn Verbandsbruder Dirk

Taphorn, mit der Idee, den zahlreichen, derzeit

erstarkenden „nonkonformen Bewegungen“

in Europa ein eigenes Themenheft,

also eine Ausgabe unserer Burschenschaft -

lichen Blätter zu widmen. Wenige Monate

später halten Sie nun diese Ausgabe in den

Händen, deren Schwerpunkt ich federführend

planen, lektorieren und auch erstellen

durfte. An dieser Stelle darf ich Ihnen bereits

versprechen: Diese Ausgabe hat es in

sich!

Dem einen oder anderen unter Ihnen dürfte

etwa das provokante Interview mit Casa

Pound-Kultursprecher Adriano Scianca –

immerhin geht es um Südtirol! – bitter aufstoßen.

Doch wer wären wir als Deutsche

Burschenschaft, als bedeutendster burschenschaftlicher

Akademikerverband,

wenn wir nicht auch Kontroversen zulassen

würden? Sie können sich weiterhin auf eine

tiefgehende, etwas andere Analyse der PE-

GIDA-Bewegung freuen, einen historischen

Blick auf die französische Rechte – die Nouvelle

Droite – werfen oder die Entstehung

der österreichischen Identitären Bewegung

aus Sicht eines Mitbegründers verfolgen.

Darüber hinaus stehen die politischen Situationen

in Großbritannien, Spanien sowie

Osteuropa im Fokus unserer Betrachtung.

Es haben jeweils Personen zur Feder gegriffen,

die durch längere Auslandsaufenthalte,

Studienaustausch oder ethnische Abstammung

einen besonderen Draht zum Thema

haben. Konservative und rechte Bewegungen

befinden sich derzeit im Aufwind. Werfen

wir einen Blick über den Tellerrand und

schauen, wer für uns Burschenschafter anschlußfähig

ist.

Gleichzeitig starten wir mit dieser ersten

Ausgabe des Jahres 2015 in ein geschichtsträchtiges

Jahr, das jedem unter uns, jedem

Burschenschafter, das Herz höher schlagen

läßt. Beeindruckende 200 Jahre burschenschaftliche

Bewegung – ein Jubiläum, das

seinesgleichen sucht! Dieses Jubiläum steht

jedoch nicht nur für eine fortlaufende, couleurstudentische

Tradition. Es steht auch, ja

vor allem für einen zweihundertjährigen Freiheitskampf,

an dessen Spitze wir Burschenschafter

stets präsent waren. Daß wir dafür

heute an einem gesellschaftlichen, politischen

und medialen Pranger stehen, ist zwar

grotesk, gar paradox, entbindet aber keinen

Burschenschafter unserer Deutschen Burschenschaft

von seiner Pflicht, für Ehre, Freiheit

und Vaterland zu streiten. Sollte sich unser

Verband weiterhin so entwickeln, wie er

es derzeit tut, dann habe ich keinen Zweifel

daran, daß die Fahne der Urburschenschaft

auch in den kommenden 200 Jahren der

Freiheit vorangehen wird!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Freude mit

dieser kontroversen Ausgabe!

Philip Stein

(Germania Marburg 2011)

Stellv. Sprecher der Deutschen Burschenschaft

Werte Herren Burschenschafter,

zum Start in das Jubiläumsjahr 2015 suchen

die Burschenschaftlichen Blätter nach dem

„nonkonformen Europa“ – nach anderen

Vorstellungen und Ideen zu Politik und Gesellschaft

auf dem alten Kontinent. Federführend

hat Verbandsbruder Stein diesen

Schwerpunkt bearbeitet und dafür junge

Experten gewonnen.

Daß die Jugend kontroverse Ansichten ins

Spiel bringt und versucht, alte und ausgetretene

Wege zu verlassen, ist nicht immer

einfach und bequem. Aber bequem zu

sein, kann nicht der Anspruch eines Burschenschafters

sein – wie auch die vergangene

Ausgabe zum Thema Sport verdeutlichen

sollte. Als sich die burschenschaftliche

Bewegung vor 200 Jahren gründete, war

sie vor allem unangepaßt. Auch daran sollten

wir denken, wenn wir uns und unsere

Ideale dieses Jahr – zu Recht – ausgiebig

feiern.

Nur mit einem jungen Geist werden wir

auch in Zukunft bestehen können. Nun aber

wünsche ich Ihnen eine spannende Lektüre.

Dirk Taphorn

(Burschenschaft Normannia-Nibelungen

zu Bielefeld 2003/04)

Titelbild

Eine Abwandlung des Motivs „Der Wanderer

über dem Nebelmeer“ von Caspar

David Friedrich durch den Künstler Ariald

Fuhsaz.

Nächste Schwerpunkte

Ausgabe 2/2015 widmet sich dem Thema

„200 Jahre Burschenschaft“.

Ausgabe 3/2015 berichtet über den Burschentag

2015.

Redaktionsschluß

Für die Ausgabe 2/2015: 22. April 2015

Für die Ausgabe 3/2015: 15. Juli 2015

Heft 1 - 2015 3


Burschenschaftliche

Blätter

Von Nouvelle Droite bis Front National

Schwerpunkt

Von Martin Sellner

Frankreich ist ein Land, in dem geistige

Aufbrüche und Revolutionen fast schon

eine paradoxe Tradition ausgebildet haben.

Das trifft sowohl auf die Begründung

der modernen Philosophie durch

René Descartes zu, als auch auf den Beginn

der Moderne mit der Französischen

Revolution. Wie schaut es nun heute aus?

Könnte von Frankreich aus wieder ein

Impuls ausgehen, der ganz Europa erfaßt?

Es ist vielleicht etwas vermessen, die „Neue

Rechte“ hier zu nennen. Nach meiner Ansicht

ist dieses Phänomen aber zu „unabgeschlossen“,

um es überhaupt abzuhaken

und irgendwo hinstellen zu können. Ja, es

ist noch zu lebendig und dynamisch, um

diese politische Strömung abschließend

Er ist das Urgestein der intellektuellen französischen

Rechten: Alain de Benoist. alaindebenoist.com

bewerten zu können. Auf jeden Fall steht

aber unbestritten fest, daß dieses Phänomen

seinen Ursprung in Frankreich nahm,

was – rein aus Erfahrung – vielleicht einen

günstigen „Geburtsumstand“ für eine

größere, geschichtliche Bedeutung darstellt.

Diese Herkunft ist so unbestritten,

daß die „Neue Rechte“ oft auch als Nouvelle

Droite kursiert und untrennbar an Namen

wie Alain de Benoist, Julien Freund,

Pierre Vial und Guillaume Faye geknüpft ist.

In diesem kurzen Abriß soll es nicht um die

Frage der Rezeption der Nouvelle Droite in

Deutschland, oder die Unterschiede zwischen

ihr und der deutschen Neuen Rechten

gehen. Zum besseren Verständnis des

französischen Phänomens soll seine Entstehungsgeschichte

anhand einiger Wegmarken

geistig abgeschritten werden.

Das rechte Lager in Frankreich

Die Entwicklung von Frankreichs „rechtem

Lager“ im 20. Jahrhundert weist einige Parallelen

zu Deutschland auf. Die zahlreichen

Einflüsse von Charles Maurras über Maurice

Barrès bis hin zu „Renegaten“ wie Georges

Sorel sind bekannt. Alle diese Denker haben

die Rechte in ganz Europa geprägt.

Bedeutend für Frankreich ist allerdings, daß

das nationale Lager traditionell stark an einen

Katholizismus und Royalismus gebunden

ist. Das hat sich bis in die Songtexte

patriotischer Rockbands niedergeschlagen.

Gleichzeitig ist das, was in Frankreich als

„Nation“ gilt, relativ umstritten und oft

stark von Ideen der Aufklärung beeinflußt.

Die französische „Willensnation“ mit ihrer

zivilisatorischen fraternité (Brüderlichkeit),

ihrem ius solis (Geburtsortprinzip) und inklusiven

Staatsbürgerverständnis ist in der

deutschen, rechten Ideengeschichte als

fast schon sprichwörtlicher Antagonist, als

„chemische Nation“, bekannt.

Der Front National vertritt im Großen und

Ganzen aus pragmatischen Gründen diesen

Standpunkt. Die Tricolore und das emphatische

Bekenntnis zum französischen

Zentralstaat stellt die stärkste rechte Partei

im gleichen Atemzug auch auf gewisse

Weise in die aufklärerisch-universalistische

Tradition Frankreichs. Fast alle Bewegungen,

die einen ethnokulturellen Identitätsbegriff,

eine identité charnelle, wie es in der

entsprechenden Kreisen in Frankreich

heißt, vertreten, waren und sind in Frankreich

daher traditionellerweise regionalistisch,

anti-etatistisch und anti-aufklärerisch

eingestellt. Hier findet sich auch eine große

Schnittmenge mit der katholischen Reaktion,

was den starken Einfluß des Katholizismus

und Traditionalismus in Frankreichs

„ethno“-nationalem Lager erklären könnte.

Wenn in Deutschland die Schaffung einer

nationalen Einheit, gegen die „Kleinstaaterei“

die Sache des populären Nationalismus

und erklärtes Ziel aller Verfechter einer

„Blutsnation“ war, ist in Frankreich paradoxerweise

die Bindung an die Region bis hin

zum Separatismus integraler Bestandteil eines

„nationalen Lagers“, das sich gegen

die universalistisch-aufklärerische Idee der

zentralistischen Staatsnation richtet. Überhaupt

kommt man mit dem Schlagwort

„national“ nicht sehr weit, wenn es gilt, die

unüberschaubare Vielfalt und seltsam verschlungene

Entwicklung der rechten Zusammenhänge

in Frankreich zu beschreiben.

Selbst das Wort „rechts“ scheint sich

hier rasch zu erschöpfen. In diesem, gerade

für Außenstehende recht exotischem Sammelbecken

– das auch für mich bei meinen

Besuchen in Frankreich immer wieder neue

Überraschungen bereit hielt – bildete sich

nach dem Zweiten Weltkrieg eine Strömung

heraus, die wie keine andere an Einfluß

und Bedeutung gewinnen sollte.

Die Nouvelle Droite

Diese Strömung war angetreten, um einen

Strich zu ziehen, ideologische Abwege zu

verlassen und sich die Weltanschauung des

eigenen Lagers, kritisch neu zu erschließen.

„Rechts“, im klassischen Sinne, wollte sie

eigentlich niemals sein. Es ist daher auch

kein Zufall, daß die Nouvelle Droite, also

die „neue Rechte“, eher eine Feindbezeichnung

war, die jener Strömung aufgedrückt

wurde, die sich ab 1968 daran

machte, die geistige Hegemonie dieses

oben beschriebenen Lagers zu erobern. Im

Wesentlichen kann man sie als einen intellektuellen

Denkerzirkel beschreiben, der in

Frankreich in den 70er Jahren wie aus dem

Nichts auf der metapolitischen Bühne erschien.

Und damit ist auch bereits ein zentraler

Begriff für diese neue Strömung genannt:

Metapolitik.

Sie wurde von den Vertretern der Nouvelle

Droite als ein politisch-revolutionäres Konzept

des italienischen Marxisten Antonio

Gramsci übernommen. Die eigene Intellektualität,

der Abstand zu pragmatischer Parteipolitik

und tagespolitischen Fragen

wurde als bewußte Strategie verstanden.

Man sah sich in einem Krieg der Ideen, in

dem man durch die Herrschaft über die Begriffe

die Debatten dominieren wollte. In

diesem Krieg stand die Nouvelle Droite, sowohl

gegen den herrschenden Liberalismus,

gegen transatlantische und neokonservative

Strömungen, als auch gegen den

Marxismus verschiedenster Couleur. Ein radikaler

Anti-Egalitarismus und Anti-Universalismus

bildete den Kern dieser neuen

Idee, die sich selbst eigentlich jenseits von

rechts und links einordnete. Viele Aspekte

einer „linken“ Kritik wurden aufgegriffen,

während unter dem Begriff des „Totalitarismus“

wesentliche Aspekte der rechten

Ideologien verworfen wurden.

Man grenzte sich inhaltlich scharf gegen Rassismus

ab und prägte die Idee des Ethnopluralismus,

in der die Vielfalt der Völker und

Kulturen mit einem pluralistischen, nicht-universalistischen

Wahrheitsverständnis vereint

wurde. Friedrich Nietzsche und die Autoren

der Konservativen Revolution wurden von

den „Neuen Rechten“ gelesen. Oswald

Spengler und Carl Schmitt waren die geistigen

Paten dieser Denkströmung, die scho-

4 Heft 1 - 2015


Schwerpunkt

Jean-Marie Le Pen und seine Tochter Marine Le Pen dominieren den Front National (FN) seit seiner

Gründung im Jahr 1972.

Blandine Le Cain/flickr/CC

nungslos mit Konservativen religiöser und

nationaler Prägung ins Gericht gingen. Damit

stand man auch in Frankreich zwischen

den Fronten: auf der einen Seite waren die

etablierten Ideologien und auf der anderen

die alten Rechten, die hofften, in eine vermeintlich

„heile Welt“ der Vergangenheit

zurückflüchten zu können. „Man war für Europa

und gegen den französischen Etatismus,

für Griechenland und die alten Götter

und gegen die abendländische und die katholische

Tradition“, bringt es der deutsche

Historiker Karlheinz Weißmann auf den

Punkt. Dies beschreibt auch sehr schön die

Ausrichtung der Nouvelle Droite, wie sie von

Alain de Benoist mit der Zeitschrift Nouvelle

École forciert wurde.

Benoist selbst, der unumstrittene Kopf dieser

Bewegung, hatte eine radikale, aktivistische

Jugend hinter sich. Ebenso radikal

und impulsiv wollte er nun mit einem neuen

Denken und einem neuen Ansatz die Geistesgeschichte

prägen. Guillaume Faye

nennt sie rückblickend einen „Verband diverser

Anti-Liberaler, die hofften, die gescheiterten

Ideen des Petainismus, Neo-Faschismus,

Katholischen Traditionalismus,

Regionalismus, Kolonialismus und Poujadismus

(eine in den 60er Jahren aus

kleinbürgerlichen Kreisen erwachsene

Strömung, die für die Besatzung Algeriens,

gegen Steuern und allgemein recht

populistisch für den „kleinen Mann“ eintrat.

Jean-Marie le Pen erlebte in dieser Bewegung

seine politische Premiere) abzu -

lösen.“ In der von Studenten dominierten

Organisation GRECE (Groupement de

recherche et d’études pour la civilisation

européenne) fand diese Strömung eine

Zentrale und in der von Benoist gegründeten

Zeitschrift éléments ein offizielles

Organ.

Das linksintellektuell dominierte Frankreich

reagierte mit Faszination und Entsetzen auf

diese junge, radikale, selbstbewußte Strömung,

die gerade in ihrer Kritik an der jüdisch-christlichen

Denktradition des Universalismus

wesentliche Elemente der Postmoderne

aufgriff. Hunderte Fernseh-, Radio-

und Zeitungsbeiträge erschienen und

rasch wurde diese Nouvelle École als Nouvelle

Droite bezeichnet. Es handelt sich dabei

also um einen Feindbegriff, der sich bis

heute erhalten hat.

Die Nouvelle Droite und der

Front National

Die Beziehung zwischen der Denkschule

von Benoist und dem Front National (FN)

Guillaume Faye (1949) war zusammen mit Alain de

Benoist einer der führenden Köpfe der Nouvelle

Droite. Claude Truong-Ngoc/wikimedia/CC

Burschenschaftliche

Blätter

ist ein eigenes Kapitel für sich, das hier nur

in groben Zügen beschrieben werden kann.

Der radikale Rundumschlag der Nouvelle

Droite richtete sich auch gegen den „Poujadismus“,

den an wirtschaftlichen Themen

orientierten, nationalen Populismus. Wenig

reflektiert, plädierte die Partei in ihren Anfangsjahren

gegen den „Sozialismus“ und

die steuerlichen Belastungen des Mittelstandes,

um im Zuge der Globalisierung vor

allem für einen starken Staat und Protektionismus

einzutreten. Ihre „Frankreich zuerst“-Politik

bezieht sich grundsätzlich positiv

auf die französische Nation, ohne allerdings

genau zu klären, was das überhaupt

sein soll. Zwar gegen Masseneinwanderung

eingestellt, vertritt die Partei bis heute im

Wesentlichen eine „law and order“-Position.

Die Interessen Frankreichs und des

„französischen Volkes“ sollen also mit einem

starken Staat verteidigt werden. Der

Front National ist damit klassisch, eurokritisch,

populistisch, unreflektiert und paßt

sich im typischen Pragmatismus ideologiebefreiter

Tagespolitik den sich ändernden

Umständen immer neu an.

Die Nouvelle Droite mit ihrem selbstbewußten,

ideologiekritischen Verständnis

konnte das in keinster Weise ernst nehmen.

Man sah die Partei, wie Guillaume Faye

schreibt, als eine „Splittergruppe von Versagern“

an. „Spießer, Papisten, Reaktionäre,

Amerika-Unterstützer und Hurra-

Patrioten“ würden darin eine Heimat finden.

Tatsächlich war der Front National zur

Hochzeit der Nouvelle Droite keinesfalls

die dominierende und bedeutende Kraft,

die sie heute darstellt.

Im Wesentlichen kann man die neurechte

Kritik an ihr, die auch heute nichts an Gültigkeit

verloren hat, folgendermaßen zusammenfassen:

Indem die Partei es versäumt,

eine metapolitische Lageanalyse

und eine dahingehende Strategie im

Kampf der Ideen anzustrengen, verliert sie

sich in kurzfristigen populistischen Wellen,

die keine konstante und konsequente Linie

verfolgen. Da sie die Frage nach der eigenen

Identität nicht klar stellt, kämpft sie für

eine diffuse „französische Bevölkerung“

und ihre größtenteils wirtschaftlichen „Interessen“,

ohne die Gefahr des großen ethnokulturellen

Bevölkerungsaustauschs wirklich

zu erkennen oder bekämpfen zu können.

Auch der engstirnige eurokritische

Kurs, der mit der EU die Idee Europas über

Bord wirft, wurde von der Nouvelle Droite,

die sich immer schon als „europäisch“ verstand,

scharf kritisiert.

Das Scheitern der Nouvelle

Droite

Trotz der beeindruckenden intellektuellen

Schärfe und Weitsichtigkeit ist es um die

Nouvelle Droite heute recht still geworden.

GRECE oder die éléments sind nur noch

Heft 1 - 2015 5


Burschenschaftliche

Blätter

linken Politikwissenschaftlern oder rechten

Intellektuellen ein Begriff. Der kühne

Ansatz, über journalistische und denke -

rische Tätigkeit, die medialen Debatten

von ganz Frankreich und Europa verändern

zu wollen, scheiterte. Nach einem Zenit

im Jahr 1979, der tatsächlich zu einer

massiven Beeinflussung des französischen

Geisteslebens, zu Querverbindungen mit

linken Intellektuellen bis hin zu einem

Eintritt einiger GRECE-Mitglieder in die

Redaktion des Figaro führte, verlor die

Strömung immer weiter an Einfluß und

Boden.

Guillaume Faye, einer der wesentlichen

„Motoren“ und Impulsgeber der französischen

„Neuen Rechten“ hat in seinem Buch

Archäofuturismus dieses Scheitern genau

analysiert. Wesentliche Elemente sind für

ihn die versponnene Intellektualität, die bis

zu einer apolitischen Eitelkeit führte, die

Unfähigkeit, konkrete politische Fragen anzusprechen,

die Gefallsucht gegenüber

dem linken Feuilleton, die in einem Distanzierungswahn

mündete, sowie die Blindheit

für geopolitische Fragen.

Vor allem sieht Faye in gewissen radikalen

Ausprägungen der Universalismus-Kritik

der Nouvelle Droite einen gewissen ethnomasochistischen

Zug, der die Gefahr und

Bedrohung der Islamisierung und Masseneinwanderung

verkannte. Die wahre Bedrohung,

so immer wieder Alain de Benoist,

sei der eigene Liberalismus: Die Errichtung

eines Fast-Food-Restaurants sei

demnach viel bedrohlicher als der Bau einer

Moschee.

Der Ethnopluralismus wurde so mehr und

mehr zu einem multikulturellen Kommunitarismus

umgedeutet, der die Verteidigung

der ethnokulturellen Identität und

Integrität Europas außeracht ließ. In einem

affektgeladenen Anti-Amerikanismus

wurde alles und jeder, der irgendwie gegen

die Hegemonie der USA auftrat, automatisch

als Verbündeter angesehen. Faye

sieht darin auch und vor allem einen Verrat

an der breiten Masse an patriotischen

Franzosen, die die Nouvelle Droite als

Avantgarde eigentlich hätte ansprechen

und anleiten sollen. Er betont, daß das

„Publikum der Nouvelle Droite von unserer

Dritte Welt-Solidarität und unseren

pro-islamischen Ideen“ vergrault wurde.

Diese Ideen seien „ideologisch für sie absolut

unverständlich“ gewesen. Man habe

sie „als Ausdruck eines ‚bourgeoisen‘

Denkens“ angesehen, „das gleichgültig

gegenüber den Problemen der Einwanderung

war oder sogar mit den nicht-jakobinischen

Linken flirtete“. Sukzessive übernahm

der Front National dieses Publikum

und führte es als populistische Massenpartei

auf einen Weg, der alles andere als

jene Wende war, die die Nouvelle Droite

ursprünglich im Sinn hatte.

Marion Maréchal-Le Pen, die Enkelin des

FN-Urgesteins Jean-Marie Le Pen, ist nicht nur

politisch ein echter Hingucker.

Gauthier Bouchet/wikimedia/CC

Im Jahr 1998, so konstatierte damals Faye,

belief sich der einzige Einfluß des Kreises

um GRECE auf das persönliche Wirken jener

Aussteiger, die zum Front National gewechselt

waren. Er sieht ihren wesentlichen

Einfluß darin, einen anti-amerikanischen,

anti-transatlantischen Kurs in ihr gefestigt

zu haben.

Die Identitären als Erben der

Nouvelle Droite?

Fayes Analyse, und keiner könnte es besser

wissen als er, ist meiner Ansicht nach größtenteils

richtig. Die Nouvelle Droite hatte

sich in intellektueller Eitelkeit so sehr auf die

eigenen ideengeschichtlichen Erkenntnisse

versteift, daß sie echte Metapolitik und Strategie

aus den Augen verlor. Ihre oft krasse,

antichristliche Stoßrichtung, die sie aus der

Erkenntnis der judäo-christlichen Genealogie

des liberalen und marxistischen Egalitarismus

zog, verschreckte viele katholische

Traditionalisten. Ihre arrogante Haltung gegenüber

der mühsamen Parteiarbeit und damit

dem notwendigen „populistischen“

Treiben der patriotischen Massen verunmöglichte

eine Zusammenarbeit.

Schwerpunkt

Tatsächlich, so hält Faye fest, vollzieht sich

ein metapolitischer Kampf der Ideen niemals

im „leeren Raum“ akademischer Debatten

und gelehrter Journale, sondern

braucht als Träger und Partner immer eine

politische Partei und aktive Massenbewegung.

Genau die hatte sich die Nouvelle

Droite über ihren eitlen Intellektualismus,

dessen Grund auch eine gewisse Gefallsucht

gegenüber linksintellektuellen Kreisen

war, vergrault.

Welche Rolle kann heute die Identitäre Bewegung

oder die französische Generation

Identitaire (GI), die sich positiv auf die Neue

Rechte beziehen, spielen? Es fehlt hier die

Zeit, intensiv auf die Entwicklung dieser Jugendbewegung

einzugehen, die vor einigen

Jahren mit einem viralen Video und der

Besetzung einer Moschee in Poitiers europaweit

auf sich aufmerksam machte.

Der heidnisch, volksbezogene Geist, das

klare Bekenntnis zu Europa, die Ablehnung

des französischen Staatsnationalismus und

ein positiver Bezug auf die antike Tradition

der Völker Europas waren wesentliche Elemente

des Milieus, aus dem die GI als aktive

Bewegung hervortrat. Wenn ihre führenden

Köpfe auch oft Studenten und Intellektuelle

sind, unterscheidet sich die GI aber wesentlich

von der Nouvelle Droite. Als metapoli -

tische Bewegung geht es ihr vor allem um

Aktionen, die die mediale Schweigespirale

durchbrechen und die Massen begeistern.

Auf der Leseliste ihrer Aktivisten stehen

eher die Bücher von Domi nique Venner und

Faye als die Essay von Benoist oder Gramscis

Gefängnisbriefe.

Esoterische Idiosynkrasien, Sektierertum,

intellektuelle „Radikalität“ und andere

subkulturelle Gewächse wurden in einem

jahrelangen „Reinigungsprozeß“ aus der

Bewegung entfernt. Wesentlicher Erfolg

ist, daß nun Christen und Heiden, erklärte

Regionalisten und „Frankreich-Patrioten“,

Islamkritiker und „Nationale“, Pfadfinder

und Hooligans, Studenten und Arbeiter

gemeinsam in einer Bewegung arbeiten,

die sich auf ein identitäres Minimum geeinigt

hat.

Unser Autor Martin Sellner, Jahrgang 1989, studiert Philosophie

(BA) sowie Rechtswissenschaften in Wien. Er ist Leiter der dortigen

Identitären Bewegung (IB) und wird von vielen Kritikern

sowie Sympathisanten gleichzeitig auch als einer der führenden

Köpfe der gesamten österreichischen IB wahrgenommen. Sellner

publizierte zuletzt in der rechtskonservativen Zeitschrift Sezession

zu seinem persönlichen Idol, dem Philosophen Martin Heidegger.

6 Heft 1 - 2015


Schwerpunkt

Ein Land am Scheideweg

Burschenschaftliche

Blätter

Die Briten stecken im Jahr 2015 in einer

Identitätskrise. Während das Erbe des

einstigen Weltreiches allgegenwärtig

scheint, ist das heutige Großbritannien

mit sich selbst beschäftigt. Spätestens

seit der Bankenkrise rächt sich die Deindustrialisierung

und die Hinwendung zum

Bankensektor und angesichts von tagelangen

Unruhen (riots) in englischen

Großstädten 2010 wird die gefährliche

Einfalt der multikulturellen Gesellschaft

sichtbar.

Parlamentarisch fügt sich ein Bild, das man

auch aus anderen europäischen Ländern

kennt, stellenweise aber auch dem der USA

ähnelt: Durch das Mehrheitswahlrecht kristallisiert

sich ein Zweiparteiensystem heraus.

Seit 1945 stellen entweder die konservativen

Tories oder die sozialdemokratische

Labour Party die Regierung. Die Liberal

Democrats erzielten bei den Unterhauswahlen

2010 zwar 23 Prozent der Stimmen,

erreichten aber nur ca. 9 Prozent der Mandate.

England wählt tendenziell konservativ,

Wales und Schottland linksliberal. Die

Nordiren wählen je nach Volksgruppe die

irisch-republikanische Sinn Fein oder unionistische

Parteien. Die nationalistische BNP

hält mittlerweile nur noch eine Anzahl von

kommunalen Mandaten.

Das gewohnte Parteiensystem wird jedoch

seit einigen Jahren durch UKIP erschüttert.

Die EU-skeptische Partei setzt sich unter

ihrem redegewandten Anführer Nigel Farage

für den Austritt aus der EU, eine geregelte

Einwanderung und mehr innere Sicherheit

ein. Weitere Themen sind ein einfacheres

Steuersystem, die Betonung der

britischen Identität und eine Kontroverse

über den sogenannten Klimawandel. UKIP

verfügt neben vielen kommunalen Mandaten

über zwei Sitze im Unterhaus und wird

diese Zahl bei den Unterhauswahlen in diesem

Jahr Umfragen zu Folge ausbauen

können. Bei der Europawahl erreichten die

EU-Gegner 28 Prozent und wurden somit

stärkste Kraft.

Daneben existieren außerparlamentarische

Gruppen wie die English Defence League

(EDL) oder Britain First. Diese Organisationen

machen vor allem durch Demonstrationen,

Flugblätter und politische Schockaktionen,

die anschließend im Internet verbreitet

werden, auf sich aufmerksam. Ihre

Bemühungen richten sich gegen die Masseneinwanderung

von Nichteuropäern

nach Großbritannien und die befürchtete

Islamisierung. Besonders in sozialen Netzwerken

sind solche Bewegungen erfolgreich,

so gefällt zum Beispiel Britain First

650.000 und die EDL immerhin 180.000

Facebook-Nutzern. Zum Vergleich: Die

Labour Party zählt auf ihrer Seite nur 210.00

„Gefällt mir“-Angaben.

Die britische Jugend unterscheidet sich in

ihrem Lebensstil wenig von ihrem deutschen

Pendant. Eine UNICEF-Studie aus

dem Jahr 2011 ergab, daß britische Heranwachsende

besonders konsumfixiert seien.

Das erklären die Forscher mit dem Vorhandensein

einer ausgeprägten Ellenbogengesellschaft.

Aus dieser Betrachtung stechen

die Jugendlichen in Schottland heraus:

Beim Unabhängigkeitsreferendum 2014

votierte die Mehrzahl der 16–25-Jährigen

für eine Abspaltung Schottlands und setzten

so ein Zeichen für ein Europa der Regionen.

Extrem hohe Studiengebühren - insbesondere

bei den Eliteuniversitäten Cambridge

und Oxford – sorgen dafür, daß junge Akademiker

hoch verschuldet ins Berufsleben

starten. Entsprechend teuer wird auch ein

Überschreiten der Regelstudienzeit. Neben

dem Anspruch, möglichst schnell das Studium

zu beenden, erzeugt zusätzlich die eigene

materielle Erwartungshaltung einen

ökonomischen Druck, der wenig Zeit für

außeruniversitäres Engagement oder gar

Politik bietet. Gleichzeitig werden pseudowissenschaftliche

Disziplinen wie „kritisches

Weißsein“ oder „Feminismus Studien“

großzügig gefördert.

Politische Veränderungen in Großbritannien

sind nötiger denn je. Umbrüche nehmen

ihren Anfang stets in der Jugend, die

sich zur Zeit noch auf Sinnsuche befindet.

Sollte die britische und besonders die akademische

Jugend diesen Sinn in einer

Rückbesinnung auf die Werte finden, auf

denen einst ein Weltreich gegründet werden

konnte, ergreift sie damit die einzige

Chance, in einem sich schließenden Zeitfenster

ihre Heimat von der vorherrschenden

Lethargie zu befreien. Nur wenn Großbritanniens

Jugend aus dem Teufelskreis

aus Materialismus und kultureller Selbstverleugnung

ausbricht, könnten sich politische

Veränderungen ihre Bahn brechen. Großbritannien

steht am Scheideweg, das

England in 30 Jahren wird ein grundlegend

anderes sein. Das Kommende zu gestalten,

ist Aufgabe der politischen Akteure und

der Jugend, die eine Zukunft zu verlieren

hat.

Moritz Schellenberg

(Germania Hamburg 2015)

Nigel Farage und seine UKIP haben das britische Parteiensystem erschüttert. Führt er die Briten aus der EU?

Euro Realist Newsletter/flickr/CC

Heft 1 - 2015 7


Burschenschaftliche

Blätter

Grenzwacht PEGIDA

Schwerpunkt

Von Johannes Konstantin Poensgen

Das Jahr 2014 war vieles, doch sicher

nicht langweilig. Ukraine-Krieg, Wahlerfolge

zahlreicher EU-Gegner, Islamischer

Staat und, als Weihnachtsgeschenk, auch

noch PEGIDA. Diese Aufzählung ist keineswegs

willkürlich. In der „Lügenpresse“,

dem Wort oder Unwort des Jahres,

wittert man inzwischen eine Achse

des Bösen, die von Präsident Putin über

Marine le Pen und Lutz Bachmann zu Abu

Bakr al-Bagdadi reicht. Was macht PE-

GIDA aus? Eine Analyse.

Der Mainstream, jenes Lager von CSU bis

Grüne und von der Welt bis zur taz, ist von

diffusen Abstiegsängsten erfüllt. Parteien

und Medien fürchten den Verlust der eigenen,

prädestinierten Stellung. Bedauerlicherweise

müssen wir diese Ängste ernst

nehmen. Denn die Reaktionen auf PEGIDA

haben den latenten Bürgerkrieg auf eine

neue Stufe gehoben. Wem diese Formulierung

zu hart erscheint, der denke einmal

über die folgerichtige Fortentwicklung der

bisherigen Maßnahmen nach. Angefangen

mit der Diffamierung der Bewegung in der

gesamten „Systempresse“, über die Weigerung

PEGIDA vor Terroranschlägen zu

schützen, die Duldung des schwerkriminellen

Treibens der Leipziger Antifa, bis zum

Verbot der LEGIDA-Demonstration am

9. Februar 2015 durch staatliche Behörden

– die Repression eskalierte beständig!

Doch wer kämpft hier gegen wen? Diese

Frage erschöpft sich nicht in Studien über

den sozialen Hintergrund von Demonstrationsteilnehmern.

In Deutschland ist mit einiger

Verspätung ein Kampf entbrannt, der in

vielen unserer europäischen Nachbarländern

bereits seit einem Jahrzehnt tobt. Dieser

Kampf ist an keiner einzelnen Streitfrage

wirklich festzumachen. Je weiter er

voranschreitet, desto deutlicher schälen

sich zwei Lager heraus, die mehr als grob

mit „rechts“ und „links“ bezeichnet werden.

Es gibt aber nicht nur einen, sondern

eine ganze Reihe von Punkten, die in unterschiedlichsten

Themenbereichen beide Lager

trennen. Euro, EU, Einwanderung, Islamisierung,

Familienpolitik, Bildungswesen,

Volksabstimmungen – doch nichts davon

taugt als binäres Unterscheidungsmerkmal.

Jeder dieser Punkte trennt jedoch zwei Lager,

die beide für sich in Anspruch nehmen,

Volk und Demokratie zu vertreten.

Die herrschende „Linke“ untermauert ihren

Anspruch die Allgemeinheit zu vertreten

dadurch, daß sie die herrschenden Parteien

sowie die als seriös eingestuften Medien

kartelliert. Die politische „Rechte“ bezieht

ihren Anspruch darauf, eine „schweigende

Mehrheit“ zu vertreten, durch die Organisation

von Alternativmedien, vor allem aber

von Graswurzelbewegungen, die sich gerade

dadurch auszeichnen, trotz des medialen

Gegenwindes erfolgreich zu sein. PE-

GIDA und Konsorten sind deshalb ein doppelter

Schlag gegen das herrschende System.

Denn daß eine Handvoll Privatleute

Woche für Woche Demonstrationen auf die

Beine stellten, die an Zahlenstärke mit denen

gleichzogen, die von der Gegenseite

mit weit größeren Mitteln organisiert wurden,

hat deren Anspruch „die Bevölkerung“

zu repräsentieren, deutlich geschmälert,

gar öffentlich bloßgestellt. Besonders

zentral ist jedoch der von PEGIDA

etablierte Begriff der „Lügenpresse“. Denn

durch ihn wird den großen Leitmedien genau

das abgesprochen, was sie überhaupt

so wirkmächtig macht: „die Seriosität“.

Die „Systempresse“

als Herrschaftsinstrument

Letzten Endes kommt die Macht immer aus

den Gewehrläufen. Doch ein politisches System

funktioniert wesentlich reibungsfreier,

wenn das Volk die jeweilige Herrschaft als

legitim betrachtet. In demokratischen Staaten,

die sich die Ideologie der Herrschaftslosigkeit

auf die Fahne geschrieben haben,

ist die Presse sogar das wichtigste Herrschaftsinstrument.

Im Verlauf des letzten

Jahrhunderts bildete sich in jedem Land

der sogenannten „freien Welt“ eine inzestuöse

„Systempresse“ heraus, die in allen

wichtigen Fragen einer Meinung ist und

vom überwältigenden Teil des Volkes als

seriös eingestuft wird. Eine „Systempresse“

westlich-demokratischer Prägung ist das

Monopol eines Milieus auf die als seriös

geltende veröffentlichte Meinung. Sie ist

wesentlich gefährlicher als jedes staatlich

gelenkte Pressemonopol, weil sie die Zensur

verschleiert. An die Stelle des für alle

Umbrüche entzünden sich zumeist an einem Funken. Rund 70 Verbandsbrüder schürten die Flammen von PEGIDA.

Enrico Schneider/PixelWunder

8 Heft 1 - 2015


Schwerpunkt

Die Farben der Urburschenschaft bereicherten bisher so ziemlich jede PEGIDA-Veranstaltung.

Die DB mittendrin!

Burschenschaftliche

Blätter

denen aus PEGIDA bekämpft wird. Die gegenwärtige

Auseinandersetzung findet unter

dem Schatten eines sich anbahnenden

ethnischen Konfliktes statt. Aber es handelt

sich (noch) nicht um einen Kampf zwischen

Völkern oder Religionen. Ist es also ein

weltanschaulicher Konflikt? Damit kommt

man der Sache näher, trifft sie aber doch

nicht ganz. Auf beiden Seiten stehen

„breite Bündnisse“. PEGIDA und Konsorten

reichen vom versprengten „rechten

Rand“ bis in die bei Soziologen ebenso gefürchtete

Mitte der Gesellschaft. Daß die

„Ritter der Weltoffenheit“ heute für die Homosexuellen

und morgen für die Moslems

in den Kampf ziehen, ist inzwischen auch

ein älterer Witz. Der Begriff der Weltanschauung

erlaubt eine Annäherung insoweit,

als auf beiden Seiten Schlagworte und

Programme herumschwirren, auf die man

sich bei Bedarf beruft. Die herrschende

Linke versucht die sie herausfordernde

Rechte mit dem Vorwurf zu treffen, sie sei

nur von diffusen Ängsten getrieben. Diesen

Vorwurf könnte man jederzeit in die andere

Richtung zurückschleudern. Er trifft auf

beide Seiten zu.

sichtbaren Propagandaministeriums tritt

das Milieu der Meinungsmacher. Ein Klüngel,

der sich durch die bevorzugte Aufnahme

weltanschaulich verwandter Nachwuchsjournalisten

selbst reproduziert. Dieses

Milieu, in seinem Aufbau der politischen

Kaste der Parteienoligarchie nicht

unähnlich, ist die schärfste Waffe des „linken“

Lagers. Mehr als jede andere Institution

formt die Presse die öffentliche Meinung.

Was aber kein Mediensystem produzieren

kann, ist Wirklichkeit. Vielmehr produziert

die „Systempresse“ Wahrheiten. So

schrieb Oswald Spengler etwa: „Drei Wochen

Pressearbeit, und alle Welt hat die

Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so

lange unwiderleglich, als Geld vorhanden

ist, sie ununterbrochen zu wiederholen.“

Aber Wirklichkeit? Was das eigentlich ist,

wissen wir gar nicht so recht. Es ist deshalb

leicht, sich in seinen Wahrheiten einzurichten,

solange um uns herum die Welt funktioniert.

Und solange diese Wahrheiten

Deutungsmuster für das bereitstellen, was

um einen herum geschieht, gibt es für den

durchschnittlichen Bürger keinen Grund,

daran zu zweifeln.

Nur was, wenn die Wirklichkeit außer Kontrolle

gerät? Wenn die gültigen Deutungsmuster

mit jedem verstreichenden Jahr absurder

werden? „Das große Experiment

vom neuen, globalisierten, jederzeit austauschbaren

Menschen ohne Heimat ist unseren

Politikern über den Kopf gewachsen.“

Dieser Satz aus der Rede Götz Kubitscheks

auf der PEGIDA-Kundgebung von 9.

Februar 2015 beschreibt nicht nur den Anlaß,

sondern auch die tiefere Stoßrichtung,

die dem Protest gegen das polit-mediale

Establishment in ganz Europa innewohnt.

Der Vorwurf lautet: Ihr habt die Lage nicht

mehr im Griff! Und zwar nicht nur hier oder

dort. Euch entgleitet die Gesamtsituation.

Anstatt das in Ordnung zu bringen, tischt

ihr uns ein Märchen nach dem anderen auf.

Mit dem Schlagwort „Lügenpresse“ ist PE-

GIDA ein brillanter Streich gelungen. Aus

einer Bewegung, die sich ursprünglich nur

der Islamisierung des Abendlandes entgegenstellen

wollte, wurde ein Mißtrauensvotum

gegen den Teil des herrschen Systems,

der bisher bei allem Unmut über die journalistische

Zunft praktisch unangreifbar war.

Weit stärker noch als die Politiker der etablierten

Parteien, waren die Journalisten

der Leitmedien als Kaste durch die kartellierten

Strukturen ihres Gewerbes gesichert.

Durch die Verschlagwortung zur „Lügenpresse“

sind diese Strukturen greifbar

und damit angreifbar geworden. Deshalb

bellen die getroffenen Hunde der „Lügenpresse“

über diese Bezeichnung ihrer

selbst in einer neuen Lautstärke und Tonhöhe.

Das mediale Trommelfeuer zwischen

Dezember und Januar übertraf alles, was

die Bundesrepublik seit Jahren in dieser

Hinsicht erlebt hatte.

Das „Eigene“ von links und

rechts

Was unterscheidet im Kern zwei Lager, die

sich auf der Oberfläche in einer Vielzahl von

Punkten streiten? Auch wenn die Demonstrationen

sich dem Namen nach gegen die

Islamisierung des Abendlandes richten, stehen

doch auf der anderen Seite der Polizeiabsperrungen

fast ausschließlich Deutsche.

Noch mehr Deutsche findet man in den

Parteibüros und Redaktionsstuben, den

Gewerkschaftshäusern und Kirchen, von

Kann man den Konflikt auf die „Verteidigung

des Eigenen“ (Martin Lichtmesz) und

eine dem gegenüberstehende „Verachtung

des Eigenen“ (Frank Lisson) herunterbrechen?

Wenn man unter dem „Eigenen“

nur Deutschland, Europa oder das Abendland

verstünde, so hätte man es damit wohl

getroffen. Aber auch die andere Seite hat

ein „Eigenes“, und die hysterische Reaktion

auf PEGIDA scheint sich nicht zuletzt

aus der Angst vor dem Verlust dieses „Eigenen“

zu speisen. Das „Eigene“ des „linken“

Lagers ist keine Einheit. Dieses „Eigene“

reicht von den klischeehaften Reggae-Nächten

linker Jugendlicher bis zum

Weltbürgertum des Jetsets. Bürgerliche

Mittelschicht und Parteifunktionäre, orientalische

Migranten und Homosexuelle, Eurokraten

und autonome Randalierer teilen

sich weniger eine Lebenswelt, als daß sie

eine unter sich aufteilen. Der Teilungsschlüssel

ist ein gesellschaftlicher Grundkonsens,

den zu definieren völlig sinnlos

wäre, da er nie aus mehr als ein paar

Schlagworten bestand. „Demokratie“, „Toleranz“

oder „Soziale Marktwirtschaft“, anhand

solcher Leitlinien kann man irgendwie

miteinander oder besser nebeneinander leben.

Freilich gehörten auch hier nie alle

dazu. Nationalisten oder streng gläubige

Christen müssen draußen bleiben, gar vehement

bekämpft werden.

Der Kampf zweier Welten

An dieser Stelle beginnen sich die Verhältnisse

zu verschieben. Damit sind wir wieder

bei der außer Kontrolle geratenen Wirklichkeit.

Die Initialzündung für PEGIDA waren

die Krawalle, die auf deutschem Boden zwischen

Kurden und den Sympathisanten des

Heft 1 - 2015 9


Burschenschaftliche

Blätter

Schwerpunkt

Nachdem viele glaubten, PEGIDA sei tot, folgte die Überraschung. Rund 10.000 Spaziergänger vor der Frauenkriche in Dresden.

Islamischen Staates ausbrachen. Aber dies

erklärt kaum den rasanten Anstieg, den PE-

GIDA innerhalb kürzester Zeit verbuchen

konnte. Es zeichnet sich ab, daß der Platz in

der geteilten Lebenswelt enger wird und

daß jene breite, aber schlecht organisierte

Gruppe, die man als bürgerliche Mittelschicht

bezeichnet, dabei den kürzeren ziehen

wird. Unter den Problemfeldern, auf

denen sie das Nachsehen hat, stechen zwei

heraus:

Zunächst wäre da die Masseneinwanderung.

Mit der neuesten Asylantenflut zeigte

sich einmal mehr, daß ein entgrenztes Menschenrechtsverständnis

in diesem Land

wichtiger ist, als die Lebenswelt der eigenen

Landsleute. Eines der beachtlichsten

Phänomene, die man kurz vor dem Auftreten

von PEGIDA in Deutschland beobachten

konnte, war die Unterbringung von Asylanten

in den besseren Wohngegenden.

Damit hat die Politik eine unausgesprochene

Vereinbarung verletzt. Die Masseneinwanderung

erfolgte bis dahin so,

daß die Negativfolgen weitestgehend auf

die deutsche Unterschicht beschränkt blieben.

Unter dem jüngsten Andrang war dieses

Prinzip nicht zu halten und es zeigte

sich, daß viele Leute nicht mehr so weltoffen

und tolerant sind, wenn die Zigeuner

ins eigene Viertel kommen. Die „Eurorettung“

hat bereits in Gestalt der Alternative

für Deutschland (AfD) eine beachtliche Gegenreaktion

hervorgerufen. Hier ist es nicht

direkt die Lebenswelt der Mittelschicht die

angegriffen wird, aber die Angst vor dem

Verlust der eigenen Ersparnisse und die

Unverschämtheit einer „Eurorettung“ machen

immer größeren Teilen des Volkes

klar, daß sie Bürger zweiter Klasse sind, deren

Interessen hinter denen der Banken

und den Lebenslügen der Europafanatiker

zurückstehen müssen. Vor diesem Hintergrund

ist PEGIDA Aktion und Symptom zugleich.

PEGIDA ist einmal ein Schlag gegen

die Schweigespirale der Bundesrepublik.

Zum anderen zeigt aber die bloße Existenz

einer solchen erzdemokratischen Bewegung

an, in welchem Maße das durchgehend

FDGO-kompatible Bürgertum aus

dieser Republik hinausgedrängt wird.

Es klafft inzwischen ein Riß durch Deutschland

und teilt jene, die sich im herrschenden

System eingerichtet haben oder gar davon

profitieren, von denen, denen immer unverhohlener

gezeigt wird, daß für sie keine

Platz ist. Daß sie in der schönen neuen Welt

nur stören. Die Fronten verhärten sich zusehends,

da beide Seiten nach und nach merken,

daß der Gesellschaftsentwurf der Gegenseite

ihre Lebenswelt zerstören würde.

Bleiben die Deutschen eine Nation, oder

soll auf deutschem Boden ein buntes Völkergemisch

siedeln? Bleibt Deutschland

souverän oder geht es in der EU auf? Aber

auch welches Familienbild und welche Geschlechterrollen

gelten als normal und sind

damit normativ? Keine dieser Fragen kann

durch das pluralistische „soll doch jeder machen

was er will“ beantwortet werden.

Beide Seiten werden um ihre Welt kämpfen,

sie können gar nicht anders.

Und was wird aus PEGIDA? Demonstrationen

sind ein Rammbock im öffentlichen

Diskurs. Als solcher Rammbock hat PEGIDA

ein dickes Loch in die Schweigespirale der

politischen Korrektheit gestoßen. Die Demonstranten

werden wieder nach Hause

gehen. Aber die nächste Protestwelle

kommt so sicher wie das Amen in der Kirche.

Um das zu verhindern, müßte die Politik

jenen Deutschen, die Deutsche seine

und bleiben wollen, mehr bieten als Be -

leidigungen und eine düstere Zukunft.

Das könnte sie vielleicht, aber sie will es

nicht.

Unser Autor Johannes Konstantin Poensgen, Jahrgang 1992,

studierte zwei Semester Jura in Bayreuth, wechselte danach zum

Studium der Politikwissenschaft und Geschichte nach Trier. Seit

2013 ist er Autor des Jugendmagazins Blaue Narzisse, wo er im

Herbst 2014 ebenfalls ein Praktikum absolvierte. Poensgen

schreibt dort vor allem zur Außenpolitik und zu politischen Theorie.

10 Heft 1 - 2015


Schwerpunkt

Das Recht der Nationalismen

Burschenschaftliche

Blätter

Von Carlos Dieter Wefers Verástegui

Mit der simulierten Volksbefragung der

Katalanen vom 9. November 2014 ist das

Problem der nicht-spanischen Nationalismen

erneut einer deutschen Öffentlichkeit

ins Bewußtsein gerückt. Die Deutschen

haben längst begriffen, daß es in

Spanien Nationen gibt, die für ihre Unabhängigkeit

kämpfen. Nur läßt der Deutschen

Wissen darüber meist zu wünschen

übrig.

Sympathiegefühle, unkritisch rezipierte Allgemeinplätze

wie „das urwüchsige Volk der

Basken“ oder „die fleißigen Katalanen“ anstelle

von fundierter Sachkenntnis sowie

Fehlinformationen, die den deutschen Medien

mundfertig von den Propagandaleuten

des katalanischen Nationalismus, wie

Bayern-Trainer Josep „Pep“ Guardiola, geliefert

werden, verhindern die sachliche

Auseinandersetzung mit dem Phänomen

der Spanien abholden Nationalismen. Aufklärungsarbeit

zu leisten, ist schwer. Vor allem

dann, wenn sich dazu noch Wunschvorstellungen

gesellen, die wohl auch einer

gewissen Schadenfreude nicht entbehren

mögen.

Seit über 200 Jahren ist die spanische Gesellschaft

mit ihrer Selbstzersetzung beschäftigt.

1815, als Spanien noch ein Überseereich

war, gab es keinen baskischen und

katalanischen Nationalismus. Die Mär, daß

die „Katalanen“ im Zuge des spanischen

Erbfolgekrieges (1700–1714) erobert, „Katalonien“

von Spanien annektiert worden

seien, war damals undenkbar. Diejenigen

katalanischen Eliten, Adel, Klerus, hohes

Bürgertum, die den Habsburger Karl (später

Kaiser Karl VI.) unterstützt hatten, hielten

bis zu ihrem Weg ins Exil (1713/15) und

darüber hinaus genau so zu Spanien, wie es

1815 die vom bourbonischen Zentralismus

und Absolutismus vereinnahmten Katalanengenerationen

taten. Gerade derselbe

Absolutismus und Zentralismus war

es auch, der sich in den ersten Jahrzehnten

des 19. Jahrhunderts verpflichtete, den

Sonderrechten (fueros) der jeweiligen

Landstände (diputaciones generales) in den

drei baskischen Provinzen Álava, Vizcaya

und Guipúzcoa sowie dem Königreich Navarra

den Garaus zu machen. Mit derselben

Hartnäckigkeit, mit der die Stände sich zu

behaupten versuchten, verteidigten sie

aber auch Einheit und Charakter der spanischen

Monarchie. Sonderrechte, ohne in

die Monarchie eingefügt zu sein – kam keinem

dieser Edelleute in den Sinn.

1833 führten ein Streit in der Thronfolge sowie

unversöhnliche Gegensätze zwischen

Anhängern des ancien régime und jenen

des Liberalismus zum Bürgerkrieg. Dabei

hieß es nicht: „Spanier gegen Basken“,

sondern Parteiung gegen Parteiung, Legitimisten

gegen Liberale, Carlistas gegen Cristinos.

Ganz Spanien war gespalten, nur

hielten und organisierten sich die legitimistischen

Karlisten in den baskischen Provinzen

sowie Navarra besser als anderswo und

fanden dort auch mehr Rückhalt. Unter dem

Eindruck der militärischen Niederlage von

1876 gegenüber dem „liberalen Spanien“

sowie veränderten sozialen und wirtschaftlichen

Bedingungen entwuchs dem baskischen

Karlismus der nationalistische Sproß:

Aus der Enttäuschung, Gott, Vaterland und

„König“, d.h. die legitime Dynastie, nicht

mehr in ihre alten Rechte eingesetzt zu sehen,

sowie gewissen historischen Reminiszenzen,

wie den Sonderrechten und der

„allgemeinen edlen Abstammung aller Basken“

(hidalguía universal), ward der Traum

eines urwüchsigen baskischen Volkes herausgezaubert.

Der neue baskische

Nationalismus

Dieser Nationalismus der Baskischen Volkspartei

(PNV) war seiner Abkunft nach klerikal

und antimodern. Folglich stellten ihn Erfahrungen

mit der modernen und antiklerikalen

Zweiten Spanischen Republik

(1931–1939) vor ein Dilemma: Er befürwortete

sie, insoweit sie seinen Autonomiebestrebungen

nachkam, verabscheute sie

aber dennoch wegen ihres Antiklerikalismus.

Der Putsch General Francos vom 18.

Juli 1936, der sich zum Ziel nahm, dem radikalen

republikanischen Treiben ein Ende

zu setzen, beschleunigte den inneren Bruch

der PNV: Während der ältere Bruder des

Nationalismus, der immer noch lebendige

Karlismus in Álava und Navarra wieder einmal

für Gott, Vaterland und Sonderrechte

aufstand, und Franco in seinem Kampf gegen

die verhaßte Republik nach Kräften unterstützte,

wurden die Ereignisse des Sommers

1936 der PNV zur definitiven Feuer-

Die Katalanen protestieren leidenschaftlich und entschlossen für die Unabhängigkeit ihrer Nation. Wann kommt das offizielle Referendum?

Merche Pérez/flickr/CC

Heft 1 - 2015 11


Burschenschaftliche

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Schwerpunkt

Eine katalanische Kundgebung am 10. Juli 2010 in Barcelona unter dem Motto: „Wir sind eine Nation. Wir entscheiden!“

amadalvarez/wikimedia/CC

probe. Die Republik, obzwar links, modern

und antiklerikal, versprach Autonomie im

Sinne des demokratischen Selbstbestimmungsrechts

der Völker. Franco erhob sich

zwar im Namen des spanischen Nationalismus

und Zentralismus, sein Putsch aber

wurde von der Kirchenhierarchie schnell

zum „Kreuzzug gegen den Bolschewismus“

deklariert. Zudem brachte der Kampf gegen

die Republik die Hoffnung, die legitimistische

Linie der Bourbonen doch noch

„restaurieren“ zu können. Kurzum, die PNV

brach entzwei, ein Teil ging offen zu den

Karlisten über, der andere hielt es bis zum

Schluß mit der Republik.

Während der Franco-Dikatur (1936–1975)

diversifizierten sich die Trägergruppen des

baskischen Nationalismus. Die PNV, teils im

Exil, teils im Untergrund, stand bald nicht

mehr allein da. Im Kampf gegen Franco waren

dem baskischen Nationalismus neue

Generationen erstanden, die betont links

waren und sich durch rein nationalistische

Zielsetzungen von ihren reaktionären Vettern

und Vätern (Karlisten und alte PNV) unterschieden.

Dazu gehörte die Terrororganisation

ETA.

Das Verhältnis der PNV zum spanischen Nationalstaat

ist bis heute ein zwiespältiges geblieben.

In diesem Zusammenhang spricht

der baskische Historiker Santiago de Pablo

von einem „patriotischen Pendel“: Je nachdem,

wer gerade am Ruder ist, strebt die

PNV bald nach mehr Autonomie, bald

nimmt sie mehr Kurs auf die Unabhängigkeit.

Trotzdem arbeitet alles in der PNV bewußt

oder unbewußt auf die Unabhängigkeit

hin. Den linken radikalen Gruppierungen

hingegen ist vollkommen klar, daß ihr

Ziel nur die Unabhängigkeit sein kann. Objektive

Gründe für die Unabhängigkeit gibt

es nicht, auch sind Basken nicht „rein“, also

ohne spanischen oder sonstigen „fremden“

Einschlag geblieben. Die heutigen „Basken“

sind in ihrer Mehrzahl ein rezentes vielschlägiges

Mischmasch, eine „De-facto-Nation“,

die auch staatsrechtlich Nation zu sein anstrebt.

Als Gründe für die Unabhängigkeit

können die Nationalisten nur angeben, daß

es eben der „baskischen Gesellschaft“ bzw.

der „Basken“ Wille sei, von Spanien loszukommen.

Der Weg der Katalanen

Einfacher stellt sich der Fall für die Katalanen

dar. Auch sie haben nie einen Nationalstaat

besessen. Katalonien war gegen

Ende des 15. Jahrhunderts Bestandteil der

föderativen Krone Aragoniens, eine aus

feudalen Überresten (Grafschaften, Unterkönigreichen,

Landständen und eigenständigen

Territorien usw.) zusammengesetzte

Monarchie, zu der auch einige Mittelmeerinseln,

Teile Italiens sowie Südfrankreichs

gehörten. Und mit Aragonien fügte sich

auch Katalonien in die spanische Monarchie

ein. Alle „katalanischen“ Aufstände bis

ins 18. Jahrhundert hinein waren lediglich

ein Aufbegehren eines mehr oder minder

großen Teils der dortigen Oligarchien gegen

die erstarkende Königsmacht. Erst die

wirtschaftliche Modernisierung Kataloniens

im „liberalen“ 19. Jahrhundert und die kulturelle

und politische Selbstbesinnung auf

die eigenen „Wurzeln“ (Renaixença) führten

zur Ausdifferenzierung eines katalanischen

Nationalbewußtseins, das erst spät

anti-spanisch ausartete.

Im Unterschied zum baskischen, war der katalanische

Nationalismus viel „moderner“

ausgerichtet. Es lag in seiner Dialektik, sich

von seinen bürgerlichen Positionen aus immer

weiter nach links, bis hin zum Anarchismus

zu verschieben. Während der baskische

Nationalismus der PNV noch um 1930

die verlorene „Gemeinschaft“ idealisierte,

standen die Katalanen ideologisch bereits

inmitten der individualistischen „Wirtschaftsgesellschaft“.

Jenes radikaldemokratische

Ferment hat der katalanische Nationalismus

in seine Erbmasse mit aufgesogen.

Als in den ersten Jahrzehnten des

Franco-Regimes die katalanische Sprache

und Kultur unterdrückt waren, war die ideologische

Fusion von Demokratismus und

Katalanismus bereits vollzogen. Im kollektiven

Bewußtsein der meisten demokratisch

gesinnten Spanier wurden der Kampf gegen

Franco und für Katalanentum (aber

auch für das „baskische Volk“) und „Demokratie“

zu einer festen Gleichung hochstilisiert,

während der überzogene spanische

Nationalismus der Franco-Anhänger das

Prestige der spanischen Nationalidee überhaupt,

bis in die Gegenwart hinein, zerstörte.

Der spanische Nationalstaat als

einzige Lösung

Das Intermezzo des Franco-Regimes hat

den Niedergang Spaniens nicht aufgehalten,

es war selbst nur ein weiteres Symptom

desselben. Mit Einzug der Demokratie haben

dann die allgemeine Kurzsichtigkeit,

der Zynismus und Opportunismus der kulturellen,

sozialen und ökonomischen Eliten

sowie die persönliche Unzulänglichkeit aller

politischen Führer, denjenigen Verfallsprozeß

sanktioniert, dessen Wurzeln zwischen

dem 17. und dem 18 Jahrhundert liegen,

der das 19. Jahrhundert zu einem blutigen

12 Heft 1 - 2015


Schwerpunkt

Chaos gemacht, und das 20. und auch noch

das 21. Jahrhundert mit einer unsäglichen

Korruption belastet hat.

Der „moderne“ spanische Zentralstaat, wie

ihn die Liberalen ab 1833 errichten wollten,

war weder in der Lage, ein neues nationales

Zusammenleben herzustellen, noch das

Gros der Bevölkerung zu nationalisieren.

Sein Mißkredit, sein Versagen und sein

schlußendlicher Zerfall förderten das Aufkommen

von alternativen Nationalismen,

die bodenständiger oder zumindest zugkräftiger

waren als die spanische Nationalidee.

Aber auch diese Nationalismen sind

genau so falsch und verdorben wie ihr

Feindbild. Anschaulich wird das erst im Vergleich

mit dem alten Österreich-Ungarn.

Mit der Charakterisierung der dortigen Nationalismen,

wie sie der Soziologe Gustav

Ratzenhofer um 1900 angestellt hat, verfügen

wir über allgemeine Einsichten, die

auch heute ihre Vollgültigkeit bewahren:

„Mit dem Verfalle der Sittlichkeit wendet

sich das Sozialinteresse immer engeren Sozialverbänden

zu; das Individualinteresse

hebt gleichsam aus den Objekten menschlichen

Interesses diejenigen heraus, mit

welchen es persönliche Vorteile verfechten

kann. Alle sozialen Angelegenheiten erhalten

einen leidenschaftlichen Charakter, als

wenn sich die Menschen für die Nation,

den Stamm oder die Klasse aufopfern wollten;

dies ist jedoch nur Schein; die Menschen

ziehen nur den betreffenden Sozialverband

für ihre Interessen in Mitleidenschaft.“

[…] Je mehr den Menschen das Individualinteresse

regiert, desto wahrscheinlicher

ist, daß er 1. den zugehörigen Verband

nur als Mittel für seine individuellen

Zwecke mißbraucht; 2. seine Beziehungen

auf immer engere Gemeinschaftskreise beschränkt,

die größeren und weiteren, weil

nicht direkt nützlich, aufgibt oder endlich 3.

sich ganz und gewissenlos auf die eigenen

Interessen zurückzieht.“ – Das alles paßt

haargenau auf den Katalanismus und seine

Wortführer.

Burschenschaftliche

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Genauso, wie die Liebe vieler Katalanen zu

ihrer Sprache und Kultur oftmals eine neurotische

– oder einfach nur fingiert – ist, so

wirkt sich ihre sprichwörtliche echte Liebe

zum Geld mal in Kleingeistigkeit, mal in

Größenwahn aus. Dazu gehört auch das liederliche

„ökonomische Argument“, also

wenn es darum geht, „objektiv“ zu beweisen,

daß Katalonien als der „bessere“ Teil

von Spanien – und deshalb eben

„Nichtspanien“ – ohne Spanien besser dastünde.

Daß man das, und vieles mehr, den

katalanischen Nationalisten durchgehen

läßt, ist nur ein weiteres Zeugnis für die

Fahnenflüchtigkeit, Inkompetenz und Korruption

aller spanischen Regierungen seit

Wiedereinführung der Demokratie.

Unser Autor Carlos Dieter Wefers Verástegui, Jahrgang 1979,

studierte bis 2010 Geschichte, Romanistik und Europäische Studien

(Máster en Estudios de la Unión Europea) in Salamanca

und Köln. Seit seinem Masterabschluß im September 2010 arbeitet

er als Mitarbeiter im Außendienst (Sektion Telemarketing)

beim spanischen Unternehmen Santa Lucía S.A. Companía de Seguros.

Verástegui spricht vier Sprachen und ist seit einigen Jahren

auch als freier Autor im konservativen Milieu tätig.

Heft 1 - 2015 13


Burschenschaftliche

Blätter

Aufstand der Kleinen

Ein Gespenst geht um in Europa: In vielen

Staaten streben Regionen, die sich von

der Zentralregierung benachteiligt

fühlen, nach Unabhängigkeit. Nach dem

Referendum in Schottland steht in Katalonien

ein ähnlicher Kampf bevor.

Der europäische Separatismus ist ein erstaunliches

Phänomen. Während sich die

rechten und linken politischen Lager in

Deutschland spinnefeind sind, arbeiten Separatisten

jedweder politischer Couleur europaweit

mühelos zusammen. Im deutlichen

Kontrast zu linken Strömungen in der

Bundesrepublik Deutschland tritt anderswo

bei zahlreichen links-, gar grünorientierten

Bewegungen und Parteien ein deutlicher

nationaler Einschlag zutage, der sich auf

den örtlichen Regionalismus und das inhärente

Bekenntnis zum eigenen Volk und

dessen Geschichte sowie Tradition bezieht.

So etwa in Spanien, wo der rechte katalanische

Regierungschef Artur Mas mit der

linksrepublikanischen Partei Esquerra Republicana

de Catalunya (ERC) zusammenarbeit,

um die Sezession Kataloniens voranzutreiben.

Auch der ehemalige schottische

Ministerpräsident Alex Salmond und seine

Scottish National Party (SNP) sind links der

politischen Mitte einzuordnen.

David Cameron vs. Alex Salmond: Wird Schottland nach dem gescheiterten Referendum

jemals unabhängig?

Surian Soosay/flickr/CC

Dieser Beitrag erschien erstmals in der

Ausgabe 11/2014 des Magazins Compact

und wird hier mit freundlicher Genehmigung

des Verlags veröffentlicht.

Mehr Informationen unter:

compact-online.de

In Flandern und Süd-Tirol dominieren hingegen

konservative und rechte Kräfte die Sezessionsbewegungen.

Dieses Synergiepotenzial

macht den Regionalismus zu einer

Bewegung, die Europa durcheinanderwirbeln

kann. Auch wenn Mitte September das

Sezessionsreferendum in Schottland scheiterte,

hatte schon das bloße Stattfinden der

Volksabstimmung Ausstrahlungskraft auf

den ganzen Kontinent. Die im Finish des Urnengangs

von David Cameron gemachten

Autonomiezugeständnisse an Salmond und

seine Landsleute sind eine deutliche Ermunterung

für die Separatisten auch in anderen

EU-Staaten. Stefan Zelger von der Süd-Tiroler

Freiheit äußerte etwa: „Auch wenn das

Ergebnis im ersten Moment enttäuscht, so

bleibt die Tatsache, daß ein reiches Volk im

Herzen Europas selbst über seine Zukunft

entscheiden durfte.“

Besonders in Spanien wurde der Ausgang

der schottischen Wahl mit Argusaugen beobachtet.

Die katalanische Sezessionsbewegung,

die am Wahltag mit Hunderten

Yes-Unterstützern in Edinburgh vertreten

war, erlebt derzeit eine rasante und bemerkenswerte

Entwicklung. Hunderttausende

gelb-rote

Esteladas, die symbolträchtige

Fahne

der katalanischen

Unabhängigkeit,

ziehen als gigantisches

Farbenmeer

seit einigen Jahren

durch die Straßen

Barcelonas. Es ist

eine beeindruckende

Machtdemonstration

der

Regionalregierung,

die mit den immer

wiederkehrenden

Demonstrationen

Druck auf die spanische

Zentralregierung

will.

ausüben

Premier Mas, der nach sechs Jahren als Oppositionsführer

im katalanischen Parlament

nunmehr seit vier Jahren als Regierungschef

die Fäden zieht, brachte 2013 eine

bemerkenswerte Resolution in das regionale

Parlament ein „Das Volk von Katalonien

[...] ist in politischer und rechtlicher

Hinsicht ein souveränes Subjekt“, heißt es

in der „Souveränitätserklärung“, für die

neben dem konservativen Parteibündnis

von Artur Mas, Convergència i Unió (CiU),

auch die linksrepublikanische ERC, die

Ökosozialisten der Iniciativa per Catalunya

Verd (ICV) und die radikale linke Separa -

tionspartei Candidatura d’Unitat Popular

(CUP) gestimmt hatten.

Seither hat sich einiges getan. Für den

9. November 2014 ist in Katalonien ein Unabhängigkeitsreferendum

geplant. Doch

während die schottische Volks abstimmung

von Großbritannien offiziell genehmigt

wurde, stellt die spanische Zentralregierung

unter Ministerpräsident Mariano Rajoy

sich quer. Sie hält das Referendum für verfassungswidrig

und kündigte an, notfalls

auch auf militärische Mittel zurückzugreifen,

um eine Sezession der Katalanen zu unterbinden.

Im März 2014 erklärte das spanische

Verfassungsgericht das geplante Referendum

überdies für offiziell verfassungswidrig

und auch das spanische Parlament

lehnte es im April 2014 mit deutlicher

Mehrheit ab. „Das Parlament kann ein Gesetz

ablehnen, aber es kann nicht den Willen

des katala nischen Volkes aufhalten“,

entgegnete Mas selbstsicher. Ob der Urnengang

im November tatsächlich stattfindet,

bleibt ungewiß.

Für die zahlreichen Sezessionsbewegungen

bedeutet die zunehmende Verarmung Europas,

die damit einhergehende Unzufriedenheit

vieler Bürger sowie der immer deutlicher

zu Tage tretende Zentralismus der Europäischen

Union eine Chance, die eigenen

Bestrebungen erfolgreich voranzutreiben.

Viele separationswillige Regierungen haben

unterdes erkannt, daß sie auf wirtschaftliche

Themen setzen müssen. Ob Katalonien, Venetien

oder Flandern, die jeweiligen Regionen

zählen durchweg zu den starken, gar

stärksten wirtschaftlichen Standorten ihrer

Staaten. Der Unmut, allzu oft Zahlmeister

schwächerer Regionen zu sein, mit denen es

darüber hinaus meist kein historisches oder

kulturelles Zugehörigkeitsgefühl besteht,

verleiht den Separatisten Rückenwind. Im

Gegensatz zu Süd-Tirol, das eine weitgehende

steuerliche Autonomie besitzt,

fließen von Venetien jährlich etwa 21 Milliarden

Steuereinnahmen nach Rom.

Philip Stein

(Germania Marburg 2011)

Schwerpunkt

14 Heft 1 - 2015


Schwerpunkt

Vom Internet auf die Straße

Burschenschaftliche

Blätter

Von Alexander Markovics

Als am 17. Mai 2014 rund 300 junge

Menschen aus ganz Europa in Wien gegen

die Überfremdung und Islamisierung

Österreichs und unseres Kontinents auf

die Straße gingen, fand ein bis dahin

nicht für möglich gehaltener „Tabubruch“

(Jungle World) statt. Trotz linksextremer

Hetze im Vorfeld der Demonstration

und rund 400 zum Teil gewalttätigen

Gegendemonstranten konnte unter

dem Motto „Festung Europa – macht

die Grenzen dicht!“ ein machtvolles Signal

gegen die europäische Asylindustrie

und die sie unterstützende Politik in

Österreich gesetzt werden. Doch wie gelang

einer erst zwei Jahre existierenden

Jugendbewegung dieser Durchbruch,

der ein Monat lang die österreichischen

Medien beschäftigte? Ein identitärer Burschenschafter

berichtet.

beschäftigt – genau so lautete das Signal

an all jene Österreicher, die aus Unzu -

friedenheit alle paar Jahre FPÖ wählen

gehen, aber nicht auf die Straße

gehen. Auch in Österreich muß etwas passieren!

Doch wie konnte es überhaupt so weit

kommen? Warum hat diese Demonstration

in Österreich stattgefunden, aber nicht in

der Bundesrepublik Deutschland? Wieso

schaffte die Identitäre Bewegung in Österreich

jenen titelgebenden Sprung vom Internet

auf die Straße? Gerade im Angesicht

der in der Bundesrepublik Deutschland

stattfindenden Montagsspaziergänge der

Bürgerbewegung PEGIDA, möchte ich in

diesem Beitrag über die Anfänge der patriotischen

Zivilgesellschaft in Österreich

schreiben.

Als im Februar 2012 die erste identitäre

Gruppe in Wien, W.I.R (Wiens identitäre

Richtung), entstand, konzentrierten wir uns

neben kulturellen Aktivitäten, die den

Österreichern vor allem wieder die eigene

Kultur und Tradition vor Augen führen sollten,

auf Aufklärungsarbeit in den großen

Einkaufsstraßen Österreichs. Regelmäßig

verteilten wir Flugblätter über katastrophale

demographische Situation in Wien

und die damit einhergehende Überfremdung

und Islamisierung unserer Stadt. Internetgraphiken,

die eine Verbindung zwischen

popkulturell bekannten Motiven und

patriotischen Botschaften herstellten, wurden

mittels Aufklebern in die Straßen Wiens

getragen.

Von Anfang an waren wir also eine „Bewegung

zum Anfassen“ – sei es bei Flugblattaktionen

in den wichtigsten Straßen Wiens

oder unseren kulturellen Stadtspaziergängen.

Doch blieb es nicht ausschließlich bei

diesen Aktivitäten: Im Herbst desselben

Jahres bildete sich eine aktivistische

Gruppe in Wien. Als unter dem Titel „Zertanz

die Toleranz“ schließlich eine multikulturelle

Propagandaveranstaltung der Wiener

Caritas gestört wurde, steigerte sich

Die Identitäre Bewegung trägt ihre Ideen am 17. Mai 2014 erstmalig auf die Straße. Verbandsbruder und Autor Markovics marschiert in erster Reihe.

Privat

Zunächst gilt es mit einem – wenngleich

positiven – Vorurteil aufzuräumen. Auch in

Österreich, das von vielen bundesdeutschen

Verbandsbrüdern bekanntlich als

das Land betrachtet wird, wo aus patriotischer

Sicht Milch und Honig fließen, war

dies die erste zahlreich besuchte und heimatbewußte

Demonstration seit Jahrzehnten.

Patriotismus ist demonstrierbar – auch

wenn er sich mit wesentlichen Themen wie

Masseneinwanderung und Islamisierung

Identitärer Aktivismus – von den

Anfängen bis zum Durchbruch

auch in Wien das Interesse an dem neuen

Wort „identitär“, das zum Erstaunen der

damaligen Journalisten nichts mit dem Nationalsozialismus,

Grenzrevisionsdebatten

oder dem Leugnen von Vernichtungslagern

zu tun hatte, sondern sich lediglich für den

Erhalt unserer ethno-kulturellen Identität,

und somit gegen Islamisierung und Überfremdung

einsetzte. Neben dem alltäglichen

Aktivismus kamen schließlich auch

nächtliche Aktionen hinzu: Straßenschilder

am Rande Wiens wurden mit „Istanbul?“

Heft 1 - 2015 15


Burschenschaftliche

Blätter

dem Eindruck der Ankündigung linker Gegenproteste

eine Demo absagte, ergriffen

wir die Gelegenheit und taten, was getan

werden mußte.

Das Lambda, unser gewähltes Symbol,

wurde plötzlich – überwiegend durch die

Berichterstattung der Medien – zu einem

Symbol, über das sich viele Leute Gedanken

machten. Wir Identitären wurden auf

einen Schlag bekannt und hatten somit

auch die Möglichkeit, ein patriotisches Bewußtsein

im bisher lethargisch-apolitischen

Teil der Österreicher zu bilden. Ab dem folgenden

Stammtisch stiegen die Besucherzahlen

sowie Spenden rapide an. Bisher

apolitische Jugendliche stießen zu uns, was

uns als Identitäre Bewegung wiederum in

die Lage versetzte, größere, regelmäßigere

und auch örtlich breiter angelegte Aktionen

durchzuführen. Der nächste Schritt bestand

schließlich darin, unsere Botschaft stärker

als bisher auf die Straße zu tragen und die

Asyllobby direkt dort anzugreifen, wo sie

ihren Sitz hat. Auf meine Initiative hin fand

Schwerpunkt

im Winter 2013 unsere erste Kundgebung

in Wien statt, auf der wir kurz nach der

Flüchtlingstragödie vor Lampedusa gegen

den EU-Kommissar Morten Kjaerum protestierten.

Dieser hatte die Österreicher nach

der Lampedusa-Katastrophe dazu aufgefordert,

endlich einzusehen, „daß Österreich

ein Einwanderungsland ist.“ Der diffusen

Interessengemeinschaft für Masseneinwanderung

und Islamisierung wurde ein

Name gegeben. Hierauf folgte schließlich,

auf Initiative des Wiener Landesleiters Martin

Sellner, unsere erste Demonstration im

Mai 2014. Die Identitäre Bewegung kam

durch dieses Ereignis endgültig vom Internet

auf die Straße. Unlängst protestierte

überdies die steirische Landesgruppe

durch Transparentaktionen unter dem Titel

„Asylwahn stoppen!“ und „Wehr Dich! Es

ist Dein Land!“ gegen die dezentrale Unterbringung

von Wirtschaftsflüchtlingen in

kleinen Gemeinden und dem damit verbundenen

Asylwahn. Was dem Kommunismus

die Produktionsquoten waren, sind

dem Liberalismus die Flüchtlingsquoten.

Eine Aktionsform, die zahlreiche Nachahmer

in den Landesgruppen von Kärnten bis

nach Traiskirchen in Niederösterreich gefunden

hat.

Vom virtuellen Raum auf den

Asphalt

Wie war das möglich? Geht man nun also der

Frage nach, wie dieser Sprung vom virtuellen

Raum in das Bewußtsein eines nicht unbeträchtlichen

Teils der Österreicher möglich

war, so stößt man auf mehrere Faktoren:

1) Innerlich gefestigte und disziplinierte Aktivistengruppen.

Durch regelmäßigen Aktivismus,

vom einfachen Flugblattverteilen

über das Aufhängen von Transparenten,

aber auch die Bildung einer festen Gemeinschaft

durch gemeinsame Aktivitäten, auch

im ideologischen Sinne, konnte eine

Gruppe eingefleischter Aktivisten gebildet

Die Identitären sind international vernetzt. Regelmäßige Seminare und Schulungen auf europäischer Ebene gehören zum Programm.

Privat

überklebt, aus einem Dutzend junger Menschen

bildete sich eine Gruppe eingefleischter

Aktivisten. Als schließlich etwa

zeitgleich auch in anderen wichtigen Städten

Österreichs, wie Graz und Salzburg,

identitäre Gruppen entstanden, begannen

wir gemeinsam etwas Größeres zu planen.

Wirtschaftsflüchtlinge und Linksextreme,

also eben jene Asyllobby, von der am Anfang

die Rede war, besetzten nach der Räumung

ihres „Refugee Camps“ die Votivkirche

in Wien. Die Wut in den patriotischen

Kreisen Österreichs stieg, doch der Staat

sah dem Treiben – wie so oft – machtlos zu.

Auf einer Heimfahrt von Schnellroda – Aktivisten

hatten das Institut für Staatspolitik

um Götz Kubitschek und Erik Lehnert besucht

– wurde schließlich vom Leiter der

steirischen Landesgruppe, Patrick Lenart,

die Idee geboren, die Kirche ebenfalls zu

besetzen. Am Morgen des 10. Februars

2013 besuchten acht Identitäre aus Wien

und Graz den internationalen Gottesdienst

in der Votivkirche. Nach dessen Ende

ließen wir uns, darauf eingestellt auch notfalls

länger zu bleiben, im rechten Seitenschiff

der Kirche nieder. Als schließlich der

damalige Flüchtlingsbetreuer, ein gewisser

Klaus Schwerdtner von der Caritas, uns zum

Verlassen der Kirche aufforderte, schallte

ihm ein lautes „Die Besetzung ist hiermit

besetzt!“ entgegen. In kürzester Zeit wurde

über das Internet und insbesondere Facebook

unser Protest gegen den Mißbrauch

der Kirche und die österreichische Asylindustrie

durch die Medien bekannt. Wir nahmen

die Bühne in Besitz, welche uns bereitet

wurde und sprachen den Zorn der

schweigenden Mehrheit aus. Aber nicht, indem

wir ihn in diffusen Forderungen verhallen

ließen, sondern nutzten die Gelegenheit

zu einem Generalangriff auf jene augenscheinlich,

und dennoch verleugnete

Verbindung von Antifa, Wirtschaftsflüchtlingen,

Schlepperkriminalität und hoher Politik.

Wo andere nur die Faust im Hosensack

zusammenballten, oder etwa die FPÖ unter

werden. Die ständige Ausweitung der

Komfortzone des Einzelnen in der Gruppe

bereitet ihn auf größere und riskantere Aktionen

vor. Denn:

2) Ohne zuvor einfache Aktionen gemacht

zu haben, sind größere nicht möglich. Bei

einer Aktion, etwa unserer Gegenbesetzung

der Votivkirche, muß man sich auf seinen

Nebenmann hundertprozentig verlassen

können – erst recht auf einer Demonstration.

Das vorherige Überprüfen neuer

Leute, ob man sich auch in weniger extremen

Situationen wie beim Flugblattverteilen

auf sie verlassen kann – schon unsere

ersten Verteilaktionen wurden von der Antifa

angegriffen –, läßt diese Stück für Stück

wachsen. Nur wer bei so einem Zwischenfall

gelassen reagiert, kann auch bei Aktionen

wie in der Votivkirche oder etwa an vorderster

Front in einem Demonstrationszug

mitmachen.

16 Heft 1 - 2015


Schwerpunkt

Burschenschaftliche

Blätter

Das schwarze Lambda auf gelbem Grund ist das Markenzeichen einer jungen, aktiven Bewegung geworden.

Privat

3) Diese erfordern schließlich eine ausgeklügelte

und minutiöse Planung im Vorfeld.

Nur wenn man alle Eventualitäten einkalkuliert,

Notfallpläne für einen möglichen Abbruch

im Gepäck hat und auf eine Änderung

der Umstände flexibel reagieren kann,

wird die Aktion von Erfolg gekrönt sein. Die

Bühne die man selbst betritt, muß gut gewählt

sein, die Aktivisten müssen wissen,

auf welche möglichen Risiken sie sich einlassen.

Eine gute Planung entscheidet über

den Unterschied zwischen Erfolg und

Mißerfolg einer Aktion.

4) Der wichtigste Punkt ist schließlich die

Bereitschaft zum Aktivismus selbst. Es mag

gut und wichtig sein, die politischen Probleme

unserer Zeit zu analysieren, und

ohne eine gute Theorie ist auch keine Praxis

möglich. Jedoch kann es ohne Praxis

auch keinen Erfolg der Theorie, also einen

Bewußtseinswandel im Volk geben. Nur

wenn man die Probleme, die man sieht,

auch in der Öffentlichkeit benennt und

diese anderen Leuten in Form von Flugblättern

bewußt macht, kann man das revolutionäre

Bewußtsein des Volkes verändern.

Dazu ist es nötig, das Heft des Handelns

in die Hand zu nehmen – beginnend

mit einer Flugblattaktion, über Transparente

bis hin zur Demonstration. Eine Sache,

die am Anfang auch schon mit fünf

Mann oder einem Dutzend Leute möglich

ist – entscheidend ist vor allem der Wille,

etwas zu tun.

Durch das schrittweise Hinausgehen auf

die Straße war der Identitären Bewegung

Österreich dieser Erfolg möglich. Ich

hoffe, daß auch in der Bundesrepublik

Deutschland diese Schritte unter -

nommen werden, damit sich auch dort

eine aktivistische Avantgarde heraus -

kristallisiert, um etwa in Zukunft ent -

stehenden Bürgerbewegungen im Sinne

einer patriotischen Zivilgesellschaft, einer

Front der Patrioten, eine Richtung geben

zu können.

Heft 1 - 2015 17


Burschenschaftliche

Blätter

Sonderweg Osteuropa

Schwerpunkt

Es hat sich in den vergangen Jahren nicht

nur im Westen und der Mitte unseres

Kontinents viel getan. So gab es auch in

Osteuropa – und hier sei nicht nur die aktuell

oft erwähnte Ukraine gemeint – interessante

und vielseitige Entwicklungen.

Gibt es einen Sonderweg Osteuropas?

Besonders in Ungarn gab es seit 2009 weitreichende

politische Veränderungen. Die

konservativ-bürgerliche Partei Fidesz wurde

zweimal in Folge bei den Parlamentswahlen

mit Abstand stärkste Kraft und dominiert

seither die ungarische Politik. Der Parteivorsitzende

Viktor Orbán minimierte durch

den anhaltenden Siegeszug seiner Partei

den Einfluß sozialdemokratischer und postkommunistischer

Parteien auf die ungarische

Politik. Neben einer Stärkung des heimischen

Patriotismus wurden durch Orbán

viele Reformen angestoßen, die vor allem

in Brüssel Kritik auslösten. So gab es neben

einer überarbeiteten und sehr patriotischen

neuen Version der Verfassung immer wieder

Streit wegen Gesetzesänderungen, die

gegen das EU-Recht verstoßen würden.

Dies nahm die linke Opposition in den letzten

Monaten immer wieder zum Anlaß, Orbán

zu kritisieren und so im Windschatten

der EU gegen eine Regierung auf die

Straße zu gehen, die nach wie vor sehr

großen Zuspruch innerhalb des Volkes genießt.

Politisch aktive Leute vor Ort berichten,

daß dieses Oppositions- und Demonstrationsbündnis

eigentlich nur durch die

gemeinsame Ablehnung der Person Orbáns

zusammengehalten wird.

Neben Fidesz hat sich in Ungarn außerdem

die deutlich radikalere rechte Jobbik-Partei

etabliert, die vom dem erst 36 Jahre alten

Gábor Vona mitgegründet und geleitet

wird. Jobbik ist seit ihrer Gründung im Jahr

2003 zu einer Partei aufgestiegen, die sich

jenseits der 20-Prozent-Marke etablieren

und hinter Fidesz sowie einem politischen

Linksblock als ernstzunehmende Kraft festsetzen

konnte. Interessant ist auch ihre bis

heute enge Verbundenheit zu den Universitäten

des Landes. Einst als national-patriotische

Hochschulgruppe entstanden, ist

Jobbik laut einer Umfrage aus dem Jahr

2014 die beliebteste Partei unter der Studentenschaft

des Landes und dominierend

in deren Vertretungen. Jobbik selbst versteht

sich als eine „werteorientierte, konservative,

aber radikal agierende, christliche

und patriotische“ Partei. Die mittlerweile

drittstärkste ungarische Partei erfährt

aus dem Ausland immer wieder Kritik, weil

ihre Ziele und Symbolik stark an die faschistischen

ungarischen Pfeilkreuzler erinnere.

Im Gegensatz zu anderen etablierten rechten

Parteien überrascht Jobbik immer wieder

durch sehr spezielle Aussagen. So bezeichnete

etwa der Jobbik-Abgeordnete

Márton Gyöngyösi den französischen Front

National, den niederländischen Politiker

und Islamkritiker Geert Wilders, die österreichische

FPÖ sowie den flämischen

Vlaams Belang in einem Interview mit der

Budapest Times als „Zionisten“ und warf ihnen

vor, durch ihren Haß auf den Islam zu

verkennen, wer der wahre Feind sei: Liberalismus

und Zionismus. Besagte rechte Parteien

meiden den Kontakt zu Jobbik.

Auch in Ländern wie Rumänien oder der

Slowakei kann man eine Stärkung von patriotischen

und/oder nonkonformen Gruppen

ausmachen. In Rumänien ist neben der

„Großrumänischen Partei“ auch die junge

aktivistische Partei „Neue Rechte“ (Noua

Dreapta) mit ihren aktuellen und modernen

Veranstaltungen auf einem Erfolgsweg. Erste

kommunale Wahlergebnisse machen

dies deutlich. Was jedoch auch bis heute

ein Problem bei einer Kooperation der patriotischen

Kräfte darstellt, sind die andauernden

Grenzstreitigkeiten zwischen Ungarn

und Rumänien. Hier kommen immer

wieder – vor allem unter Rechten – Forderungen

nach Gebietsrückgaben auf, was

eine Zusammenarbeit aus internationaler

Sicht erschwert.

In der Slowakei kann man neben einer konservativ-katholisch

geprägten Grundstimmung

auch mit der „Slowakischen Nationalpartei“

(SNS) eine Kraft ausmachen, die

sich den Werten und Traditionen des Landes

verbunden fühlt. Positiv ist hier zu nennen,

daß die SNS in freundschaftlichem, kooperativen

Kontakt mit den österreichischen

Freiheitlichen steht. Zwar scheiterte

bei der letzten Europa-Wahl der Einzug ins

Europaparlament knapp, doch ist auch in

der Slowakei aus patriotischer Sicht eine

positive Grundstimmung zu erkennen. Die

katholische Kirche des Landes unterstütze

etwa die patriotischen Kräfte bei ihrem Referendum

gegen die Einführung beziehungsweise

Gleichstellung der Homo-Ehe

und zeigte somit auf, daß Patriotismus und

Kirche durchaus eine Einheit bilden können.

Jedoch gibt es mit „Demo für alle“

auch in Deutschland eine ähnliche Organisation,

die für christliche Werte und die

traditionelle Familie auf die Straße geht.

Neben Stuttgart – die grün-rote Landes -

regierung plante eine umfassende

„Reformierung“ der Erziehung – waren

diese auch in anderen Städten organisiert

worden.

Abschließend läßt sich sagen, daß die

Skepsis gegenüber der EU, ihren Repräsentanten

und der von ihnen ausgehenden

Bürokratie, auch in Osteuropa wächst.

Wenn man das Auftreten oder Engagement

in jenen Ländern vergleicht, ist diese

durchaus „handfester“ oder auch radikaler

als jene Kritik, die von Parteien wie der

Alternative für Deutschland (AfD) geübt

wird. Osteuropa steht definitiv vor

einer interessanten Entwicklung, die man

aus deutscher Sicht zukünftig verfolgen

sollte.

Der „Friedensmarsch“ am 29. März 2014 versammelte zehntausende Unterstützer des Fidesz-Vorsitzenden

Viktor Orbán.

Derzsi Elekes Andor/wikimedia/CC

Armin Allmedinger

(Rheinfranken Marburg 2012)

18 Heft 1 - 2015


Schwerpunkt

Burschenschaftliche

Blätter

„Südtirol ist italienisches Territorium.“

CasaPound

Die neofaschistische Bewegung CasaPound (CPI) ist in der deutschen Rechten bereits

seit Jahren ein vieldiskutiertes Thema. Mit über 50 rechtsalternativen Jugendzentren

und besetzten Häusern in ganz Italien, eigenen Kneipen, Restaurants, Buch- und Klamottenläden,

Tonstudios sowie Kunstgalerien haben sich die selbsternannten „Faschisten

des 3. Jahrtausends“ eine beeindruckende Welt erschaffen, von der Rechte in ganz

Europa nur träumen können. Die italienischen Neofaschisten, deren Name auf den USamerikanischen

Dichter Ezra Pound zurückgeht, haben im Dezember 2003 mit der Besetzung

eines sechsstöckigen Hauses in einem Migrantenviertel Roms den Grundstein

für ihren heutigen Erfolg gelegt. Ursprünglich ging es den jungen Aktivisten vornehmlich

darum, notleidenden römischen Familien eine Alternative zu bieten. Die Via Napoleone

III 8 in Rom dient seit ihrer Besetzung vor elf Jahren daher als sozialer Wohnraum

für jene Familien. Hinzugekommen sind Schulungsräume, ein Tonstudio und viel Platz

für die Vorbereitung jener politischen Aktionen, für die CPI berühmt geworden ist. Es

sind überwiegend die Mißstände von damals, die CPI auch heute noch kritisiert. Schlagwörter

wie Kapitalismus, Zinswucher, Lohndrückerei und Massenkonsum sind es, die von

den Aktivisten immer wieder mit ihren spektakulären politischen Aktionen kritisch thematisiert

werden. Offensiv verkaufen sich die Italiener dabei sowohl als überzeugte und

militante Faschisten als auch als sozial engagierte und fortschrittliche Aktivisten. Es ist

also die authentische Verquickung von faschistischem Stil und sozialem Engagement,

die CPI in Italien so erfolgreich macht.

Adriano Scianca ist Kultursprecher der

neofaschistischen italienischen Casa

Pound-Bewegung, die in der deutschen

Rechten bereits seit einigen Jahren kontrovers

diskutiert wird. Besonders die

„Südtirol-Frage“ führt immer wieder zu

Auseinandersetzungen mit deutschen

Aktivisten. In unserem Interview steht

Scianca Frage und Antwort, ohne dabei

ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Ein

kontroverses Interview!

BBl: Herr Scianca, die provokante Gretchenfrage

zuerst: Gehört Südtirol zu Italien

oder zu Deutschland?

Scianca: Südtirol, oder auch Alto Adige, ist

italie nisches Territorium. Dort leben auch

italienische Staatsbürger mit deutscher

Muttersprache.

BBl: Damit haben Sie sich ziemlich eindeutig

positioniert. Ist das auch die offizielle

Position von CasaPound? Oder würden

Sie sagen, das Thema Südtirol ist

auch in Ihren Reihen umstritten?

Scianca: Die offizielle Positionen von Casa-

Pound Italien (CPI) zu Südtirol entspricht

der, die ich bereits oben geäußert habe: Es

handelt sich um italienisches Territorium, in

dem auch italienische Staatsbürger mit

deutscher Muttersprache leben. Innerhalb

von CPI ist das beileibe kein umstrittenes

Thema ‒ unsere Position ist klar.

BBl: 2011 organisierte CasaPound

einen provokanten Protestmarsch

durch Bozen, der auch überregional

Beachtung fand. Viele führende Köpfe

Ihrer Bewegung, u.a. Gianluca Iannone,

waren vertreten. Was ist das Ziel solcher

Aktionen?

Das Casa Pound-Hauptquartier in der römischen Via Napoleone III ist nicht nur politischer Veranstaltungsort,

sondern auch die Heimat vieler hilfsbedürftiger Familien.

Barbicone/wikimedia/CC

Scianca: Es handelte sich nicht um einen

„provokativen“ Protest: Unser Demonstrationszug

präsentierte sich mit einem zweisprachigen

Transparent, auf Italienisch und

auf Deutsch, mit der Aufschrift: „Ja zum Zusammenleben/zur

Gemeinschaft, nein zur

Arroganz“. Diese Kundgebung entstand in

Reaktion auf die Unterzeichnung einer Vereinbarung

durch den damaligen italienischen

Kulturminister Sandro Bondi (ehemalige

Berlusconi-Partei Popolo della Libertà)

mit der SVP zur Demontage faschistischer

Denkmäler in Bozen. Diese Denkmäler aber

repräsentieren einen Teil unserer Geschichte

und das vergossene Blut tausender

italienischer Soldaten. Uns gefiel der

Gedanke nicht, daß sie für ein paar

Wählerstimmen mehr im italienischen

Parlament und zur Aufrechterhaltung der

damaligen Regierung abgerissen werden

sollten.

Heft 1 - 2015 19


Burschenschaftliche

Blätter

Schwerpunkt

Für Freund und Feind gut erkennbar: Hier regieren die „Faschisten des 3. Jahrtausends“.

Jose Antonio/wikimedia/CC

Es handelte sich also um eine Demonstration,

die sich zuerst gegen die italienische

Regierung wandte. Die Aktivisten von CPI

in Bozen haben keine Probleme mit der

deutschsprachigen Gemeinschaft. Unsere

Feinde sind nicht die Deutschen, die Österreicher

oder die Südtiroler, sondern ein politisches

und wirtschaftliches System, daß

sowohl uns als auch sie erdrückt. Trotzdem

lassen wir es nicht zu, daß man unsere Geschichte

und unsere Identität niedertrampelt.

BBl: Sagen Sie mir, wieso soll Südtirol

Teil des italienischen Staates bleiben?

Was ist mit dem Selbstbestimmungsrecht

der Völker, das besonders von nationalen

Menschen immer wieder verteidigt

wird?

Scianca: Das Prinzip des Selbstbestimmungsrechtes

der Völker wurde vom USamerikanischen

Präsidenten Woodrow Wilson

anläßlich des Versailler Vertrages aufgestellt.

Das geschah also in einem internationalistischen

und Deutschland äußerst

feindlich gesinntem Kontext. Deshalb

scheint es mir kein guter Präzedenzfall für

deutsche Patrioten zu sein. Ich glaube persönlich,

daß die italienischen Staatsbürger

deutscher Muttersprache unter der

Führung des italienischen Staates die Möglichkeit

haben und haben müssen, ihre eigene

Kultur neben der der Nation, in der

sie leben, zu pflegen.

Das findet bereits im Rahmen einer Autonomie

statt, die es in diesem großen Umfang

kaum in anderen Regionen Europas

gibt. Aber wenn Italien heute diese Grenzen

hat, dann ist das die Folge eines gewonnenen

Krieges und des Opfergangs

von tausenden Soldaten. Ich denke, daß

die Verteidigung dieses Opfergangs für einen

Nationalisten ein höheres Prinzip sein

sollte als ein vages „Recht auf Selbstbestimmung“.

Selbstverständlich glaube ich

auch, daß diese Streitereien im Hinblick auf

ein wirklich freies, souveränes und vereintes

Europa, daß wir alle wollen, zweitrangig

sind. Ich hoffe, die Italiener und die Deutschen

können gemeinsam gegen den wahren

Feind, den beide Völker haben, kämpfen.

BBl: Damals wie heute existieren in

Österreich viele Freiheitskämpfer, die für

die Autonomie Südtirols streiten. Was

denken Sie darüber?

Scianca: Sie haben meine absolute Hochachtung.

Ich habe nicht gegen das österreichische

oder deutsche Volk, im Gegenteil,

beide haben meine tiefe Sympathie.

Wer auch immer, egal, in welchem Teil der

Welt, für die Freiheit kämpft, hat meine

Hochachtung.

BBl: Sie sind der Kultursprecher von

CasaPound und bezeichnen sich selbst als

überzeugten Faschisten. Wie viele Ihrer

vergangenen Aktionen gezeigt haben,

verstehen Sie es, faschistische Theorie

und Praxis zusammenzuführen. Wäre es,

wenn Sie den Faschismus wirklich wiederbeleben

wollen, nicht folgerichtig, mit

den rechten Kräften Österreichs zu kooperieren?

Ein neuer Eurofaschismus mit

Südtirol als symbolischem Startpunkt.

Wäre das nichts?

Scianca: Ich glaube, alle europäischen Nationalisten

sollten zusammenarbeiten. Wir

haben bei CPI übrigens häufig österreichische

oder deutsche Gäste, die uns besuchen,

weil sie sich für unser politisches Modell

interessieren. Ebenso würdigen wir die

politische und metapolitische Realität in

Deutschland und Österreich. Ich persönlich

liebe Deutschland und ich wurde von vielen

deutschen Autoren geprägt, zuerst von

Nietzsche, der ein unabdingbarer Autor

bleibt. Daß die Nationalisten beider Länder

zusammenarbeiten können, ist einer meiner

grundlegenden Wünsche. Aber man muß

sich aus beiden Perspektiven respektieren.

Es ist schwierig, mit jemanden zusammenzuarbeiten,

der dir zwischenzeitlich sagt: „Wir

sind Freunde, aber ein Teil deines Hauses

gehört mir.“ Es ist notwendig, in die Zukunft

und auf die Herausforderungen der

Gegenwart zu schauen, ohne aufgrund von

Problemen der Vergangenheit blockiert zu

werden.

BBl: Ein nicht unerheblicher Teil der deutschen

Rechten verweigert aufgrund der

Südtirol-Problematik eine Zusammenarbeit

mit Ihnen. Ist es nicht Zeit, diese

Streitigkeiten beizulegen und die Kräfte

zu bündeln?

Scianca: CPI arbeitet mit jeder politischen

Kraft zusammen, die mit ihr reden will.

Wenn jemand Probleme mit CPI oder den

Italienern hat, wird eine Zusammenarbeit

offenkundig unmöglich. Der Streit um Südtirol

war kein Problem, als Italien und

Deutschland gemeinsam in einem Weltkrieg

verbunden waren, die deutsche

Führungsrolle in dieser Epoche hat allen

verdeutlicht, daß diese Frage abgeschlossen

ist. Mir erscheint es surreal, daß Südtirol

heute ein unüberwindbares Problem

darstellen soll. Auch die Franzosen und die

Deutschen sind zwei große Völker: Wollen

wir etwa, daß sie sich die ganze Zeit bekriegen

und über Elsaß-Lothringen streiten?

20 Heft 1 - 2015


Schwerpunkt

Burschenschaftliche

Blätter

Popkultur trifft Faschismus. CPI-Kopf Gianluca Iannone und seine Mannen sind für extravagante Auftritte bekannt. Die Jugend spricht es an.

grigioscuro/flickr/CC

Oder wollen wir, daß sie gemeinsame Front

gegen ein wirtschaftliches und politisches

System machen, daß beide Völker unterdrückt?

Ich glaube deshalb, daß die Beziehungen

zwischen CPI und den deutschen

Nationalisten noch stärker und stabiler

werden sollten. Wenn aber jemand,

wenn er über den Imperialismus, der

die Völker vernichtet, die Italiener in Bozen

im Kopf hat, dann wird jeder Dialog

unmöglich.

BBl: Herr Scianca, vielen Dank für das

Gespräch!

Das Interview führte Philip Stein. Aus

dem Italienischen wurde es von Johannes

Schüller übersetzt. Eine gekürzte

Version des Interviews sowie die beiliegende

Infobox erschienen 2014 in der

österreichischen Zur Zeit.

zurzeit.at

Heft 1 - 2015 21


Burschenschaftliche

Blätter

Aus dem burschenschaftlichen Leben

Warum ich Burschenschafter geworden bin

Von Jörg R. Mayer

Der nachfolgende Artikel, den ich auf

Einladung des Jugendmagazins VICE

verfasst habe, ist am 10. Februar als

Gastbeitrag in der deutschen Ausgabe

erschienen, nachdem uns bereits vor

dem Wiener Akademikerball ein Kamera-Team

drei Tage lang begleitet

hatte. VICE ist mittlerweile eine feste

Größe in der internationalen Medienwelt

mit einer starken Ausstrahlung auf

die Jugendkultur und einem Themenspektrum,

das vornehmlich um Sex,

Drugs & Rock'n'Roll kreist, aber gleichfalls

intelligente und hintergründige Reportagen

beinhaltet. Von Anfang an

stand fest, daß auch die Gegner des

Wiener Akademikerballs einen Beitrag

schreiben werden, was seitens der linksextremen

Initiative „NoWKR“, mittlerweile

umbenannt in „Offensive gegen

Österreich“, auch geschehen ist.

Darin wird zwar der Versuch gemacht,

meine liebe Burschenschaft Teutonia zu

dämonisieren, tatsächlich aber jene

Wut, jener Haß und vor allem jener Ärger

offenbart, den mein Gastbeitrag in

VICE in den Kreisen der Antifa hervorgerufen

hat. Gut so. Denn währenddessen

erreichten mich täglich Nachrichten

von Lesern, die mit der burschenschaftlichen

Bewegung meist nicht das Geringste

gemein haben, manchmal sogar

bekennende Linke sind, und trotzdem

schrieben, sie hätten nun zum ersten

Mal einen Burschenschafter auch als

Menschen „wie du und ich“, als einen

Studenten mit denselben Höhen und

Tiefen des Lebens, wie sie selbst sie erleben,

ansehen können, und nicht als

eine Bestie, die im Keller kleine Kinder

frißt.

Darum möchte ich an dieser Stelle gern

der Zuversicht Ausdruck verleihen, daß

nach den vielen medialen Verrissen der

letzten Jahre die Burschenschaft sicher

bald wieder stärker in die Gesellschaft

ausstrahlen und das Zerrbild, das von

uns gezeichnet wurde, korrigieren kann.

Viele Menschen denken burschenschaftlich,

distanzieren sich aber von uns, weil

sie der Dämonisierung glauben. Wenn

sie überwunden sein wird, haben wir

schon gewonnen! Ich danke dem Schriftleiter

unserer Burschenschaftlichen Blätter

für den Abdruck des folgenden Gastbeitrags,

auch wenn er stilistisch dem

Jugendmagazins VICE angepasst ist und

nicht einer akademischen Verbandszeitschrift.

Doch mag hier das Goethe-Wort

gelten: Und wenn's euch Ernst ist, was

zu sagen, ist's nötig, Worten nachzujagen?

Ende Jänner fand in Wien wieder einmal

der Akademikerball statt. Wie jedes Jahr

war der Ball auch dieses Jahr extrem umstritten

und führte zu heftigen Gegendemonstrationen.

Was in der Beschäftigung

mit der Veranstaltung oft fehlte, war ein

Bericht aus der Sicht eines Burschenschafters.

Deshalb haben wir uns entschieden,

nicht nur von der Demo zu berichten

und selbst den Ball zu besuchen,

sondern auch diesen Gastbeitrag eines

Teutonia-Mitglieds zu veröffentlichen,

damit ihr euch selbst ein Bild machen

könnt—auch darüber, dass der Punkt,

dass Burschenschaften trotz allem immer

wieder ein Zufluchtsort für Rechtsextreme

ist, in dem gesamten Text nicht behandelt

wird.

Ich heiße Jörg, bin 27 und komme aus der

Gegend von Wels, Oberösterreich. Mein

Leben ist wahrscheinlich total durchschnittlich

– ganz nette Eltern, Schule klappte

auch irgendwie und an einer Geisteskrankheit

scheine ich nicht zu leiden, abgesehen

von ein wenig Melancholie. So weit, so gut.

Nach der Matura hat es mich wie die meisten

nach Wien verschlagen, in diese Stadt

voller Kultur und Vielfalt, die einem am Anfang

so unglaublich groß vorkommt. Eine

tolle Stadt eigentlich. Man kann sich in sie

verlieben. Hier gibt es zwar auch soziale

Brennpunkte wie daheim in Wels, aber so

verschlafen ist es hier nicht.

Trotzdem habe ich – wie viele, die irgendwie

vom Land kommen – eine Weile gebraucht,

um mich zu akklimatisieren. Man

studiert ein wenig vor sich hin, Philosophie

war es bei mir, geht mit Freunden fort,

schaut Fernsehserien, oder tut einfach gar

nichts. Ein komisches Zeitalter: man ist erwachsen,

man genießt seine Freiheit, aber

so richtig verantwortlich ist man noch nicht,

und leisten kann man sich erst recht nichts.

Mittlerweile studiere ich Jus. Der Ernst des

Lebens hat mich eingeholt. Der 30er rückt

näher und damit auch das schlechte Gewissen,

noch meilenweit von einem „seriösen"

Leben entfernt zu sein.

Warum wollen wir überhaupt seriös leben?

Vielleicht, weil es irgendwann ein unerträglicher

Zustand wird, alle anderen zu sehen,

wie sie ihre Schäfchen ins Trockene bringen,

und wie man selbst—der Revoluzzer,

der Aussteiger, der Querulant—übrig

bleibt. Vielleicht aber auch, weil man sich

so wie ich verliebt hat und plötzlich daran

denkt, auch einmal eine Familie gründen zu

wollen.

Man hält sich mit Nebenjobs über Wasser,

versucht seine Miete und die Überzugszinsen

auf dem Bankkonto zu zahlen und irgendwie

auch sein Studium abzuschließen.

Die Eltern unterstützen einen auch noch, es

geht sich schon alles aus. Man hat auch

noch genug Freizeit, um damit etwas anzufangen.

Manche verwenden sie, um neue

vegane Rezepte auszuprobieren. Andere

singen im Uni-Chor. Ich hab eine etwas seltsame

Art, meine Freizeit zu verbringen: Ich

bin Burschenschafter.

Eine Burschenschaft ist überschaubar,

zeitbeständig, „entschleunigt“. Sie

bietet einen Rahmen, in dem man

von Mensch zu Mensch im Guten wirken

kann.

Wie wird man das, warum wird man das?

Wahrscheinlich ist es so wie mit allem im

Leben: durch Zufall. Man trifft jemanden,

der selbst bei einer Burschenschaft ist, lernt

ihn kennen und schätzen, geht irgendwann

zu einer Veranstaltung mit und ist dann entweder

verwirrt, schockiert, fasziniert oder

begeistert. Oder alles zugleich. (So wie es

bei mir war.) Man kann hundert Bücher

über Japan lesen und hat immer noch keine

Ahnung, wie sich die japanische Kultur anfühlt.

Genauso ist es bei einer Burschenschaft.

Vielleicht hat jede ihre ganz eigene Art,

vielleicht würde ich mich auch nur hier

wohlfühlen, im Kreise meiner Burschenschaft

Teutonia. Kann gut sein. Wegen der

großartigen Menschen, die ich dort kennenlernen

durfte. Wegen der Erfahrungen,

die ich machen durfte. Wegen der Erlebnisse,

an die ich mich mein Leben lang erinnern

werde. Und nicht zuletzt auch wegen

der Geisteshaltung bei Teutonia, Strenge

und Härte gegenüber einem selbst, aber

Freundschaft und Güte gegenüber seinen

Farbenbrüdern zu leben.

Vielleicht sind Burschenschaften ein Mikrokosmos.

Aber die Welt ist ja unglaublich

groß geworden, haltlos, schnelllebig. Eine

Burschenschaft ist überschaubar, zeitbeständig,

„entschleunigt“. Sie bietet einen

Rahmen, in dem man von Mensch zu

Mensch im Guten wirken kann. Es ist etwas

ganz anderes, tatsächlich und spürbar zu

22 Heft 1 - 2015


Aus dem burschenschaftlichen Leben

wirken, als abstrakte Weltverbesserungsideen

vor sich herzutragen. Es ist die kleine,

aber ausgeführte Tat, die einen Unterschied

macht auf der Welt, es sind nicht die

großen geschwungenen Reden.

Man wirft uns vieles vor – es ist so viel dabei,

dass man fast gar nicht auf alles eingehen

kann. Wir seien ewiggestrig, zum Beispiel.

Gut, vielleicht stimmt das ein bisschen.

Ich will das gar nicht abstreiten: Wir

sind etwas aus der Zeit gefallen. Vielleicht

sind wir Menschen, die eben nicht mitkommen,

wenn jede Woche eine neue Mode

ausbricht, der man nachlaufen soll. Wir nehmen

uns die Freiheit, nach unserem eigenen

Willen zu leben.

Man wirft uns Sexismus vor. Da weiß ich

beim besten Willen nicht, warum. Natürlich,

ich bin kein Feminist. Ich bin auch kein Maskulinist,

falls es dieses Wort gibt. Es ist mir

einfach egal, welches Geschlecht mein Gegenüber

hat, und ich sehe keinen Grund,

daran Vorrechte, Quoten oder Diskriminierung

zu binden. Wir sind alles Menschen

und danach sollten wir beurteilt werden.

Wenn es dem Feminismus um solche

Gleichberechtigung geht, ist daran nichts

falsch. Ich frage mich nur, warum er dann

Feminismus und nicht Humanismus heißt.

Kein Verein ist in seiner ganzen Grundausrichtung

so rebellisch, so staatskritisch, so

freiheitsversessen wie die Deutsche Burschenschaft.

Man wirft uns Rassismus vor. Was soll man

dazu überhaupt sagen? Wann haben Burschenschafter

Asylantenheime angezündet,

Einwanderer verprügelt oder zu rassistischen

Gehässigkeiten aufgestachelt? Wie

kommen wir dazu, dass uns solche Dinge

vorgehalten werden, zu denen wir nicht das

Geringste beigetragen haben? Oder liegt

es allein in dem Umstand, dass die Deutsche

Burschenschaft sich eben als Verein

von vornehmlich deutschen Studenten betrachtet,

so wie es auch viele andere Verbände

mit anderen Prinzipien gibt? Dann

möchte ich gerne wissen, wem es nur irgendetwas

helfen soll, wenn wir uns wie andere

halt in einen internationalen Studentenverein

umwandeln. Wem ist damit geholfen?

Unsere Kritiker beschäftigen sich

mit solchen Albernheiten, während wirkliche

rassistische Verfolgung in der Welt an

der Tagesordnung ist. Das ist Heuchelei

und Gutmenschentum per definitionem.

Man wirft uns vor, wir seien reaktionär. Kein

Vorwurf tut so weh wie dieser. Denn kein

Verein ist in seiner ganzen Grundausrichtung

so rebellisch, so staatskritisch, so freiheitsversessen

wie die Deutsche Burschenschaft.

Uns haben Kaiser verboten und

„Führer“ auflösen lassen. Denken die linksradikalen

Gruppierungen, die uns attackieren,

wirklich, wir würden uns von ihnen einschüchtern

oder unterdrücken lassen? Wir

haben schon ganz andere Zeiten überstanden.

Soweit käme es noch.

Burschenschaftliche

Blätter

Am liebsten wirft man uns Nähe zum Nationalsozialismus

vor. Das geht so weit, dass

uns unterstellt wird, wir würden den Holocaust

toll finden oder leugnen. So als ob es

nicht komplett widersprüchlich wäre, etwas

toll zu finden, dessen Existenz man leugnet,

oder etwas zu leugnen, das man doch toll

findet. Aber wahrscheinlich ist dies einfach

nur ein weiterer Fall von Godwin's Law, das

ja besagt, dass mit zunehmend aufgeheizter

Stimmung in einer Debatte irgendwann

zwangsläufig ein Nazi-Vergleich fällt. Und

die Debatte über Burschenschaften ist ja

wirklich schon am hinterletzten Niveau angelangt.

Wie auch immer: Ich verstehe

nicht, warum man das unsagbare Leid, das

die europäischen Juden im letzten Jahrhundert

durchmachen mussten, ein ums

andere Mal für so billige tagespolitische

Propaganda missbraucht. Wer wirklich mitempfindet,

kann dafür kein Verständnis aufbringen.

Fußballverletzungen sind auch nicht ohne.

Und ja, Mensurfechten ist ein bisschen verrückt.

Na und?

Man wirft uns auch noch vor, Mensuren zu

fechten. Offenbar sind manche mit ihrem

eigenen Leben so unausgelastet, dass sie

sich ernsthaft ständig darüber Gedanken

machen müssen, was andere in ihrer Freizeit

tun. Und ich verstehe wirklich nicht,

warum man an einer völlig traditionellen

sportlichen Betätigung so viel Anstoß findet

– es wird ja auch geboxt, sogar im Fernsehen,

und das ist jedem egal. Übrigens:

Fußballverletzungen sind auch nicht ohne.

Eishockey, Rugby, Schifahren, Formel 1,

Paragleiten sind alles gefährliche Sportarten,

bei denen auch Schlimmes passieren

kann.

Das gehört zum Sport! Beim Mensurfechten

ist es nichts anderes. Wer das nicht versteht

und irgendwelche abstrusen Theorien

entwickelt, dem kann ich nicht helfen. Ich

persönlich finde das akademische Schlägerfechten

einen ganz faszinierenden

Sport, und wenn jemand wissen will, warum

man sich das antut, kann ich nur sagen: weil

es ein Abenteuer ist. Ich kann doch nicht 90

Jahre auf diesem Planeten rumbringen und

dabei nie irgendetwas Neues, Ungewohntes,

Verrücktes ausprobieren. Ja, Mensur ist

ein bissl verrückt. Na und?

Ich möchte manchmal einfach fragen: Was

stört euch an uns? Was verdammt tun wir

euch denn? Und was können wir tun, damit

ihr ertragen könnt, dass wir auch da sind?

Oder seid ihr erst zufrieden, wenn wir alle

nicht mehr da sind? Wenn ihr uns weggemacht

habt? Warum lasst ihr mich nicht einfach

mein Leben nach meinen Wünschen

leben? Ich akzeptiere eure Lebensvorstellungen

doch auch. Soll doch jeder, wie er

oder sie mag. Ich finde, sein eigenes Leben

gelingend und sinnvoll zu gestaltend, ist

Aufgabe genug. Man sollte nicht meinen,

anderen vorschreiben zu dürfen, wie sie gefälligst

zu leben haben.

„Vielleicht sind Burschenschaften ein Mikrokosmos. Aber die Welt ist ja unglaublich groß geworden, haltlos,

schnelllebig. Eine Burschenschaft ist überschaubar, zeitbeständig, ,entschleunigt’. Sie bietet einen Rahmen,

in dem man von Mensch zu Mensch im Guten wirken kann.“

Schon gar nicht, wenn man einfach keine

Ahnung hat. Es werden von unseren Kritikern

Dinge konstruiert, die einfach bar jeder

Grundlage sind. Meist nach dem Prinzip:

Der ist in einer Burschenschaft, wo es

mal einen gab, der einen Freund hatte, der

dort und dort fotografiert wurde und so

weiter. Nach diesem Prinzip findet man

noch bei jedem Bürger irgendwelche Verknüpfungen

zu irgendwelchen Verrückten,

Radikalen und Häfenbrüdern. Wollen wir in

so einer Schnüffelgesellschaft leben, wo jeder

Angst haben muss, dass ihm Nähe zu ir-

Heft 1 - 2015 23


Burschenschaftliche

Blätter

gendetwas Verbotenem konstruiert wird?

Ich nicht. Wo führt uns das denn hin?

Ich habe nichts dagegen, wenn man für

seine Überzeugung auf die Straße geht.

Auch wenn ich nicht verstehe, warum man

immer nur gegen etwas auf die Straße geht

und nie für etwas. Der Akademikerball, gegen

den es ständig geht—was ist das so

furchtbar Schlimmes? Ein Ball ist ein Ball ist

ein Ball ist ein Ball ist ein Ball. Es ist eine Privatveranstaltung,

seit wann ist Politik so allumfassend

wichtig geworden im Leben

der Menschen, dass sie jede Privatsphäre

zur politischen Öffentlichkeit erklären? Das

ist nichts anderes mehr als 1984 auf freiwilliger

Basis.

Meine Ballabende fühlen sich eigentlich immer

so an wie bei Harry Potter und der Feuerkelch

. Früher war ich wahlweise Ron oder

Harry, mittlerweile schwelge ich ein bisschen

wie Neville.

Wisst ihr, woraus der Ball für uns junge Burschenschafter,

die ihr jeden Mittwoch auf

der Unirampe beschimpft, besteht? Aus einer

stundenlangen Nervosität, sich hoffentlich

bei der Eröffnung nicht völlig zu vertanzen,

gefolgt von den paar Bier, die man

sich als Student gerade so leisten kann.

Meine Ballabende fühlen sich eigentlich immer

so an wie bei Harry Potter und der

Feuerkelch. Früher war ich wahlweise

Ron oder Harry, mittlerweile schwelge ich

ein bisschen wie Neville. Gott sei Dank,

andernfalls wären Bälle wirklich unerträglich.

Es wird behauptet, der Akademikerball sei

ein Vernetzungstreffen Rechtsextremer. Ist

euch überhaupt bewusst, dass ihr, wenn ihr

uns am Bummel anschreit, praktisch die

Hälfte aller aktiven Burschenschafter,

Landsmannschafter, Corpsstudenten und

so weiter vor euch habt? Wir sind ein paar

Dutzend Studenten, diese Stadt hat 2 Millionen

Einwohner. Wie kommt ihr dazu,

euch gerade uns als Feindbild auszusuchen?

Wie kommt ihr dazu, euch einzubilden,

wir würden irgendwelche Machtpositionen

innehaben? Beim Akademikerball

treffen sich rund 1.000 Leute, das soll ein

Vernetzungstreffen sein? Ich verrate euch

jetzt den Witz des Jahres: Die brauchen

sich nicht vernetzen, die kennen sich alle

schon. Wir sind nämlich nicht mehr.

Wir haben in diesem rotschwarzen Land genau

nichts zu sagen, an keiner Uni, in keinem

Ministerium, nirgends. Wie kommt

man bitte auf die abstruse Idee, vor einer

so total marginalisierten Minderheit wie uns

auch nur die geringste Angst zu haben? Wir

dürfen doch nicht einmal mehr einen Saal

für eine Podiumsdiskussion mieten. Wisst

ihr, was wir sind? Lauter halbverrückte Idealisten,

die ihre Berufschancen opfern und

sich öffentlich beschimpfen lassen, nur um

Burschenschafter sein zu können. Und

warum nehmen wir

das auf uns? Weil es

wunderschön ist,

Burschenschafter zu

sein, weil es erfüllend

ist, weil es

sinn- und freundschaftsstiftend

ist.

Weil es die beste

Entscheidung ist,

die man im Leben

treffen kann. Und

weil das jemand,

der noch nie ein

Burschenband getragen

hat, einfach

nicht begreifen

kann.

Was wäre, wenn der

Akademikerball

nicht mehr stattfinden

kann? Habt ihr

dann den Kapitalismus

besiegt? Oder

das Flüchtlingselend beseitigt? Oder das

Bildungssystem reformiert? Wie kommt ihr

denn bitte auf die Idee, wir wären überhaupt

die richtigen Adressaten für eure Anliegen?

Demonstriert vor dem Bundeskanzleramt,

lasst euch von der ÖH einen Bus

nach Frankfurt zahlen und demonstriert vor

der Europäischen Zentralbank, oder fahrt

nach Brüssel und demonstriert vor den

Bürotürmen der Europäischen Kommission.

Dort werden nämlich die Entscheidungen

getroffen. Am Akademikerball werde im

besten Fall nur ich meiner Freundin

tollpatschig auf die Füße steigen. Das ist

zwar ärgerlich, aber immer noch nicht verboten.

Ich kann eure Anliegen nicht verwirklichen.

Ich bin kein geheimer Machthaber, sondern

nur irgendein Student, der versucht sein Leben

auf die Reihe zu bekommen. Was erwartet

ihr? Dass ich Hitlerbilder in meinem

Zimmer aufstelle? Ich könnte mir einreden,

ich hielte euch nur für verblendet, aber ihr

hättet ein gutes Herz und so weiter. Aber

ich finde, das ist Blödsinn. Ihr wisst genau,

was ihr tut. Es ist eine Freizeitbeschäftigung

für euch. Wenn ihr wirklich etwas verändern

wolltet, würdet ihr es nämlich tun.

Ihr habt keine Ahnung von der Welt, euer

Tellerrand ist eure schicke WG und euer

Horizont reicht bis zum Küsschen im Kaffeehaus.

Stattdessen liefert ihr so fadenscheinige

Statements wie: Was sind schon ein paar

zerstörte Fenstergläser in der Innenstadt

gegen das Leid der Flüchtlinge allerorts?

Nein wirklich, mit dem Zertrümmern

von Glas helft ihr den Flüchtlingen ungemein

– schön dass ihr euer Verhalten

mit ihrem Leid rechtfertigt. Als ich neulich

euer Refugees-Welcome-Transparent sah,

Aus dem burschenschaftlichen Leben

Der Autor, Verbandsbruder Mayer (Teutonia Wien), fühlt sich den burschenschaftlichen

Traditionen verpflichtet.

ist mir eingefallen, wie damals beim

Flüchtlingsprotest in der Votivkirche irgendwann

die Forderung nach freiem

WLAN in Asylheimen aufkam. Für mich

sagt das alles über die österreichische

Linke.

Ihr habt keine Ahnung von der Welt, euer

Tellerrand ist eure schicke WG und euer

Horizont reicht bis zum Küsschen im Kaffeehaus.

Ihr seid nicht mondän und weltoffen,

ihr seid beschränkt und unglaublich befangen

in eurer eigenen kleinen Lebenswelt

mit ihren eigenen Regeln und 1.-Welt-Problemen.

Wer an WLAN in Asylunterkünften auch nur

einen Gedanken verschwendet, hat keinen

blassen Schimmer davon, wie es in solchen

Unterkünften ausschaut und was diese

Menschen wirklich brauchen: eine Perspektive,

endlich Sicherheit, die Möglichkeit zu

arbeiten, psychische Betreuung und

schnelle Verfahren. Was sie nicht brauchen,

sind eure Anti-Burschenschafter-Demos –

weder auf der Unirampe noch in der Wiener

Innenstadt.

Ob ihr begreift, dass Geld nicht auf den

Bäumen wächst und dass man die Probleme

der Welt nicht mit lautem Parolen-

Geschrei löst, sondern nur mit knochenharter

Arbeit, dem kühlen Rechenstift und

offenen, sachlichen, demokratischen Debatten,

oder ob ihr weiter meint, die Weisheit

gepachtet zu haben und euch nie

selbst reflektieren zu müssen, ist mir eigentlich

egal.

Vielleicht habt ihr ja Recht, und ich vollkommen

Unrecht. Mag sein, man kann es nie

genau wissen. Das ist auch der Grund,

warum ich nie auf die Idee käme, Gewalt

gegen euch anzuwenden.

24 Heft 1 - 2015


Aus dem burschenschaftlichen Leben

Burschenschaftliche

Blätter

Dritter Akademikerball in der Wiener Hofburg

Die Wiener Korporationen

weichen nicht!

Die Szenen, die sich jährlich am letzten

Freitag im Jänner in Wien abspielen, könnten

kontrastreicher nicht sein. In der Hofburg

ein nobler Ball in den Prunksälen, bei

dem Korporierte und deren Freunde eine

rauschende Ballnacht nach Wiener Tradition

erleben. Draußen rund 2.500 Polizisten,

die diesen Ball durch ihren Einsatz ermöglichen.

Irgendwo in der Stadt Straßenschlachten,

Haß und Gewalt. Medien, die

so tun, als seien diejenigen das Problem,

die einen Ball feiern und nicht jene, die

Wien verwüsten wollen.

Im Grunde spannt sich alles bereits Anfang

Jänner und vielleicht noch viel früher an.

Angestiftet durch eine Österreichische

Hochschülerschaft (ÖH), die ständig gegen

Korporationen agitiert, und durch grünlinke

Politiker, die Korporationen

grundsätzlich aus der Öffentlichkeit verbannen

wollen, sammeln sich die Gegendemonstranten

bereits Wochen im Voraus. Einerseits

ist das bestimmt ein legitimer Protest

gegen was auch immer, andererseits

einzig und allein die Lust an Gewalt, an

Straßenkampf und am Kampf gegen die

Korporationen. Da werden Korporationshäuser

nicht nur beschmiert und zum Angriffsziel

erklärt, sondern auch mutwillig beschädigt

und Scheiben eingeschlagen. Jeder

weiß, was für einen öffentlichen Aufschrei

es geben würde, wenn es nicht Korporationen,

sondern irgend eine andere

Vereinigung treffen würde. Daß man uns

damit öffentlich ächten will, ist klar. Es ist

nur nicht besonders zielführend, wenn sich

unter denen, die uns ächten wollen, Gewaltverherrlicher

und Linksextremisten befinden.

Besonders hervorgetan hat sich bei diesem

Treiben wiederholt das linke Bündnis

„NoWKR“. Dessen Sprecher ließ noch am

Tag vor dem Ball verlauten: „Es ist legitim,

sich nicht ans Gesetz zu halten“ und man

wolle Ballbesucher „nicht mit Handschuhen

anfassen“. Mehr noch, angesichts der

Dramatik der Flüchtlingskatastrophe seien

auch Linksextreme aus halb Europa, so

etwa aus Osteuropa, die die Polizei schwer

bewaffnet an der Grenze abfangen mußte.

Von den Demo-Veranstaltern hat sich bis

dato niemand von diesen Linksextremisten

distanzieren müssen. Wenn es um die

so genannte „gute Sache“ geht, ist wohl

jede Gewaltanwendung recht.

FPÖ-Bundesparteiobmann Waffenbruder Heinz-Christian Strache (Wiener pennale Burschenschaft Vandalia) und Verbandsbruder Udo Guggenbichler (Albia Wien,

Arminia Graz) bei der Eröffnung des Wiener Akademikerballs.

ein paar eingeschlagene Schaufenster in

der Wiener Innenstadt „das geringere Problem“.

So oder so ähnlich kann man natürlich

jede Gewaltanwendung rechtfertigen.

Der Polizei wurde es schließlich zu bunt

und sie untersagt dem Bündnis die Demonstration,

als sich dieses nicht von der

Gewaltanwendung distanzieren wollte.

Die Straßenschlachten, die sich andere

Demonstranten lieferten, standen den

Ankündigungen von „NoWKR“ aber in

nichts nach. Und unter den 4.000 bis 6.000

Gegendemonstranten waren natürlich

Als Ballbesucher selbst bekommt man von

den straßenschlacht-artigen Szenen, die

sich irgendwo in Wien abspielen, kaum etwas

mit. Es sei denn, man hat das Pech

und gerät auf dem Weg zur Hofburg in

den linken Mob. Oder der Taxifahrer wählt

die „falsche“ Route. Oder man ist einfach

nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Ansonsten

riegeln 2.500 Polizisten die gesamte

Innenstadt ab. Vor der Hofburg stehen

gleich mehrere Absperrzäune. Ballbesucher

werden mittels Polizei zur Hofburg

eskortiert. Und die Korporationshäuser

müssen rund um die Uhr bewacht werden.

Sicherlich, es gibt Ballgäste, die angesichts

einer derartigen Situation Angst verspüren.

Ein Großteil der Ballgäste dürfte

das alles aber eher als eine Aufwertung

wahrnehmen und sich fragen, wie es sein

kann, daß man uns so wichtig nimmt und

so viel in uns hineininterpretiert. Als Ballteilnehmer

hat man sowieso keine Zeit,

sich mit dem zu beschäftigen, was

draußen in der Stadt bei Schnee und Re-

Heft 1 - 2015 25


Burschenschaftliche

Blätter

gen abspielt – man genießt diesen rauschenden

Ball.

Da erwartet einen vorerst der Einzug der

Debütantinnen und Debütanten, die ihren

Eröffnungstanz samt Rechtswalzer hinlegen.

Der Einzug der WKR-Chargierten und der

Ansprache des Bundesparteiobmannes der

FPÖ, Heinz-Christian-Strache, der

erneut zur Wahrung des Rechtes auf

Versammlungs- und Meinungsfreiheit,

auch gegen linke Chaoten und Extre misten,

ermahnte. Dann Tanz, unterhaltsame Gespräche,

Erlebnisse und Emotionen.

Aus dem burschenschaftlichen Leben

sondern den Feinden die Stirn zu bieten.

Das Bewußtsein, sich keinem Zeitgeist und

keiner Öffentlichkeit zu unterwerfen. Die

Gewissheit, wie vor 200 Jahren für Werte

einzutreten, die nie an Aktualität verlieren

und die vielleicht heute zeitgemäßer als je

zuvor sind. Es ist und bleibt wichtig, nicht

Ehrengäste. Die Einlage einer Schützenkompanie

und Musikkapelle aus Südtirol,

die ein besonderes Zeichen der Verbundenheit

zum südlichen Tirol waren. Dann

Operngesang und Tänzer. Die Festrede zu

650 Jahre Studieren in Wien, bei welcher

einmal mehr die Rolle hervorgehoben

wurde, die in diesen 650 Jahren auch die

Wiener Korporationen gespielt haben. Die

Abgesehen von persönlichen Emotionen

und Erlebnissen nimmt jeder Ballbesucher

auch etwas ganz anderes für sich mit: Das

sind nicht nur diese Erinnerungen an eine

gesellige Veranstaltung, wo Freunde getroffen

und Freundschaften geschlossen

werden. Das ist etwas ganz anderes, nämlich

das Bewußtsein, nicht zu weichen, nur

weil linke Gegner das von einem so wollen,

zu weichen und weiterhin für eine Sache

zu kämpfen – das ist das, was man von einem

Akademikerball mitnimmt. Da sind die

paar tausend Gegendemonstranten

nicht Hindernis, sondern zusätz liche Motivation.

Michael Demanega

(Teutonia Wien)

26 Heft 1 - 2015


Aus dem burschenschaftlichen Leben

Burschenschaftliche

Blätter

Impressionen vom Wiener Akademikerball

Blick auf die Ehrengäste

und Chargen-Abordnungen

der Bünde (oben) sowie der

Einzug der WKR-Chargierten

(links).

Am 3. Wiener Akademikerball

nahm auch eine Schützenkompanie

aus Südtirol

teil (unten).

Die Wiener Hofburg diente abermals als prachtvoller

Veranstaltungsort für den 3. Wiener Akademikerball.

Nagesh Kamath/flickr.com/CC

Heft 1 - 2015 27


Burschenschaftliche

Blätter

Aus dem burschenschaftlichen Leben

„Hat sich der Mob ausgetobt?“

So fragte eine Wiener Zeitung in der Überschrift

ihres Artikels einen Tag nach dem 3.

Akademikerball (vormals WKR-Ball), „Heuer

keine Eskalation beim Akademikerball“, titelte

eine andere. In der Tat waren am 30.

Januar 2015 deutlich weniger Proteste um

die Hofburg festzustellen, als im vergangenen

Jahr.

Zwar schrieb Die Tagespresse tags zuvor,

es habe sich ein 23-jähriger Dschihadist

eine Karte für den Ball beschafft und

wünschte spöttisch „Allahs Walzer!“ Doch

ist niemandem eine solche Figur in den feierlichen

Festsälen der Hofburg aufgefallen.

Vermutlich wollte man im Vorfeld möglichst

vielen Ballgästen mit dem Gotteskrieger

Angst einjagen. Dazu reimt sich die Presse

ja manches zusammen – daher wohl Unwort

des Jahres.

Neben einem Bündnis, genannt „NoWKR“,

waren von weiteren Gruppen Demos durch

die Innenstadt angekündigt. Die sind auch

am Ballabend herumgezogen. Die befürchteten

heftigen Krawalle rund um die Hofburg,

wie im Vorjahr, blieben jedoch aus.

Obwohl die Demonstranten wieder mit

Sprüchen wie „Nazis raus aus dem Parlament“

und „FPÖ-Akademikerball blockieren“,

reichlich und unüberhörbar präsent

waren, kam es nicht zu den letztjährigen widerwärtigen

Zwischenfällen. Schon im Vorfeld

warnte die Polizei, sie werde heuer verstärkt

um Deeskalation bemüht sein: „Wir

werden mit allen Mitteln verhindern, dass

es zu Ausschreitungen kommt“, so ein

Sprecher. Die Ordnungshüter berichteten

von 2.000, laut einer anderen Zeitungen

von 3.000 Demonstranten. 2014 waren

noch 8.000. Sie waren selbst mit einer

Stärke von beachtlichen 2.500 Beamten im

Einsatz. Ein Polizist sei dabei von einem

Böller verletzt worden, 54 Gegner habe

man festgenommen, so der Kurier.

Die Lageberuhigung hat vermutlich im

wesentlichen zwei Gründe. Einmal ist

wohl die Strategie der Exekutive aufge -

gangen. Die bestand in einer starken

Präsenz, einer sehr weiträumigen Absperrung

der Hofburg und in der Kontrolle

von anreisenden Demonstranten. So sind

Busse mit verdächtigen Personen aus München

und aus Tschechien(!) an der Grenze

zurückgeschickt worden. Die Fahrgäste hatten

Schlagringe, Messer, Pyrotechnik und

Sturmhauben an Bord. Bemerkenswert sind

die Anreisenden aus dem nordöstlichen

Nachbarland – gehen der „sozialistischen

SA“ (Strache, FPÖ) die Mitstreiter in Österreich

aus?

Der zweite Grund liegt wohl darin, daß sich

die Ballgäste auf die Situation eingestellt

haben. So reisten zahlreiche Besucher sehr

viel früher an. Viele machten vom Angebot

eines reichhaltigen Buffets seitens der Hofburg

in den Ballräumlichkeiten schon ab

18:00 Uhr gebrauch. Angereist wurde auch

oft in Gruppen mit großen Bussen. Ein Hotel

hatte tatsächlich seine Gäste in mehreren

Taxen mit Polizeischutz ausgestattet.

Vorne und hinten mit Blaulicht abgesichert,

sei die Karawane so über rote Ampeln zur

Hofburg begleitet worden, berichtete mir

der Eisenachbeauftragte, Verbandsbruder

Laun.

Der dritte Akademikerball konnte dieses

Jahr wieder ohne Verspätung beginnen

und in gewohnt festlicher Form ablaufen.

Auch schien die Zahl der Ballbesucher

leicht gestiegen zu sein. Wenn wir das fortsetzen

können, kommen wir wie der Opernball

hoffentlich bald aus der Schußlinie heraus.

Sie sollten dieses Spitzenereignis der

Wiener Verbindungen für den 29. Jänner

2016 einplanen, wenn es wieder korrekt

heißt „Alles Walzer“!

Wolfgang Gäbler

(Cheruscia Dresden, Vandalia Hamburg,

Salamandria Dresden)

28 Heft 1 - 2015


Aus dem burschenschaftlichen Leben

Burschenschaftliche

Blätter

„Unsere westliche Gesellschaft ist zu verstört

und zu feige!“

Professor Menno Aden beim 25. Herrschaftsfreien Dialog im Danubensalon

Sonntag, 18. Januar 2015, vormittags ab

11.00 Uhr: Der Altherrenverband der

Münchener Burschenschaft Danubia hatte

am Reichsgründungstag zum

25. Herrschaftsfreien Dialog im Danuben-

Salon eingeladen. Gast war der ehemalige

Präsident des Oberkirchenrates der

Evangelisch-Lutherischen Landeskirche

Mecklenburgs, Professor Dr. Menno

Aden. Er diskutierte mit den Teilnehmern

das aktuelle Thema „Islam und Islamismus

auf dem Vormarsch: Was bleibt vom Christentum

in Deutschland und Europa?“.

Im Interview mit den Burschenschaftlichen

Blättern ging Professor Aden auf

wesent liche Gesichtspunkte der beim

25. Herrschaftsfreien Dialog erörterten Fragen

ein.

BBl: Herr Professor Aden: Die islamistischen

Anschläge von Paris und Kopenhagen

und die Befürchtung, daß sie nur der

Auftakt einer Terror-Serie sein könnten,

beherrschen zur Zeit deutschland- und

europaweit die öffentliche Diskussion.

Was signalisieren Ihnen diese Gewaltakte

und ihre Folgen?

Aden: Die Gewaltakte von Paris und Kopenhagen

sind offensichtlich Handlungen

von muslimischen Fanatikern, welche, gestützt

auf bestimmte Lesarten des Koran,

ein besonders gottgefälliges Werk zu

tun glauben, wenn sie die wirkliche

oder angebliche Beleidigung des Pro -

pheten in dieser Weise rächen. Vor Ver -

brechen dieser Art kann man sich kaum

schützen, sie werden wohl immer wieder

vorkommen.

Terrorakte kommen näher an

uns Deutsche heran

Allerdings handelt es sich nicht um Einzelfälle,

und es sieht so aus, als ob diese Terroranschläge

nicht nur häufiger werden,

sondern auch immer näher an uns Deutsche

heran kommen. Damit erinnern sie uns

an die Gewaltausbrüche der 1968er, welche

mit relativ friedlichen, dann immer gewalttätiger

werdenden Demonstrationen

begannen und schließlich in Morde der

RAF mündeten.

Wir dürfen über diese Vorgänge also nicht

zur Tagesordnung übergehen, wie es nach

dem Abklingen des ersten Entsetzens offenbar

bereits geschieht. Es ist daher bezeichnend,

daß uns nun von allen Seiten,

auch vom Papst, entgegenschallt, man

dürfe den Propheten Mohammed halt nicht

beleidigen. Das ist zwar richtig, es zeigt

aber doch, daß unsere westliche Gesellschaft

zu verstört oder zu feige ist, das Problem

wirklich ins Auge zu nehmen. Stattdessen

beginnen wir damit, uns selbst zu

bezichtigen und uns für diese Beleidigungen

zu entschuldigen, womit die ohnehin

bedrohte Meinungsfreiheit weiter geschwächt

wird.

Die Gewalttaten und ihre Folgen signalisieren

mir – um direkt auf die Frage zu antworten

– daß unsere westliche Gesellschaft

nicht wirklich bereit ist, das Problem des

Eindringens von Menschen, die in unsere

Kultur nicht oder nur schwer integrierbar

sind, anzugehen. Unsere mutlose, feige

Gesellschaft – manche haben sie auch als

dekadent bezeichnet – geht hier wie so oft

den Weg des geringsten Widerstandes. Sie

glaubt, mit einigen entschuldigenden Gebärden

das Problem aus der Welt geschafft

zu haben und denkt damit sei Frieden.

Doch das ist ein Trugschluß.

BBl: Deutschland sei kein klassisches Einwanderungsland.

Das verkündeten die

Vertreter – parteiübergreifend – aus den

Führungsetagen der Bundesrepublik

Deutschland und von Österreich jahrzehntelang

dem gläubigen Wahlvolk.

Auch Helmut Schmidt warnte eindringlich

vor überhöhter Einwanderung: „Das ertragen

die Gesellschaften nicht. Dann

entartet die Gesellschaft“, sagte er wörtlich

(Frankfurter Rundschau vom 12. September

1992). Doch die politische Klasse

bei uns und in Europa ist dem Rat von

Schmidt nicht gefolgt. Was bedeutet das

für unser Land heute?

Aden: Hier haben wir dasselbe Phänomen

wie gerade erwähnt: Schlichte Feigheit, die

sich als Weltoffenheit ausgibt. Deutschland

ist ein Land mit einer der höchsten Bevölkerungsdichte.

Trotz einer guten wirtschaftlichen

Konjunktur haben wir weiterhin rund

fünf Prozent Arbeitslose. Es ist also völlig

abwegig, Deutschland als Einwanderungsland

zu bezeichnen. Indem wir diesen Unsinn

ausschreien, nehmen wir zu derselben

Zeit kritiklos hin, daß die USA, Kanada

und Australien, wo auf rund 30.000.000

Quadratkilometern, also einem Viertel

der Erdoberfläche, nicht einmal fünf Prozent

der Weltbevölkerung hausen, ihre

Tore für Einwanderer praktisch geschlossen

haben.

Seit fünfzig Jahren weg -

geschaut: Entfremdung von

unserer Kultur

In der Mitte Europas, eng mit allen umliegenden

Staaten verbunden, darf es uns

Deutschen aber natürlich nicht in den Sinn

kommen, uns gegen Ausländer gänzlich zu

schließen. In vielen Fällen haben wir

tatsächlich ein vertretbares Interesse an der

Zuwanderung von qualifizierten Menschen

oder auch Wanderarbeitern. Was in

Deutschland aber seit 50 Jahren geschieht,

ist ein völlig unverantwortliches Wegschauen

gegenüber einer noch zwar nicht

eingetretenen, aber täglich in unserem

Straßenbild deutlicher werdenden Einfremdung

unserer Kultur.

BBl: Beschwichtigend wird von führenden

Multikulti-Propagandisten immer

wieder behauptet, daß der gewalttätige

Islamismus mit dem – eigentlich fried -

lichen – Islam nichts zu tun habe. Andererseits

dokumentieren viele Quellen im

Koran, der Grundlage des Glaubens dieser

Religion, das Gegenteil. Sie erwähnten

es ja eingangs. Warum wird das so

Offenkundige von einem Großteil der politischen

Elite in Deutschland übersehen,

ja geleugnet?

Aden: Von keiner Religion kann man sagen,

daß sie nur friedlich sei. Die christliche Religion

hat eine unglaublich blutige und grausame

Vergangenheit. Man sollte allerdings

genauer sagen: die katholische Ausprägung

dieser Religion, welche in den Albigenserkriegen

des 13. Jahrhunderts, der

Bartholomäus-Nacht von 1572 in Frankreich

und der namentlich in Spanien wütenden

Inquisition im Namen Christi Verbrechen

begangen hat, an welche der Islam

bei weitem nicht heran reicht.

BBl: Was wollen Sie damit sagen?

Aden: Ich glaube, daß wir es hier mit einem

Entwicklungsproblem zu tun haben. Die

brutalen, zum Mord an Un- oder Andersgläubigen

aufrufenden Suren des Koran (es

gibt davon eine ganze Reihe), sollten in

ihrem geschichtlichen Kontext verstanden

werden. Sie stammen aus einer Zeit, als

Mohammed und seine Nachfolger, die den

Koran ja erst nach Mohammeds Tod schriftlich

fixieren ließen, unter erheblichem inneren

und äußeren Druck stand, um seine

junge Lehre und Gemeinde zu verteidigen.

Man wird diese Mordaufrufe bedauern,

Heft 1 - 2015 29


Burschenschaftliche

Blätter

kann sie aber – insbesondere wenn man die

damalige Zeit bedenkt und die Schuld, welche

Christen auf sich geladen haben – in

einem milderen Licht sehen.

Was man aber nicht verstehen und auch

nicht dulden kann, ist, daß heutige Muslime

– zwar nicht deren Mehrheit, aber doch

eine offenbar zunehmende Minderheit –

den geschichtlichen Kontext dieser Gewaltaufrufe

nicht erkennt, sondern in der Annahme,

daß es sich bei dem Koran um unmittelbar

verbindliches Gottesgebot handelt,

mit solchen Sprüchen Gewalttätigkeiten

aller Art rechtfertigen. Die in Afrika zwischen

Christen und Muslimen ausgetragenen

ständigen mörderischen Kleinkriege

nehmen wir dabei kaum zur Kenntnis.

Was wir dem Islam abfordern müssen, was

wir ihm allerdings auch wünschen möchten,

ist, daß er eine Reformation bei sich zuläßt,

die ihn dahin belehren wird, daß der Koran

ein zeitgebundenes Glaubensdokument ist,

von welchem viele seiner anstößigen Aussagen

der seither eingetretenen Entwicklung

der Menschheitsgeschichte angepaßt

werden müssen.

BBl: Auf der einen Seite ein kraftvoller

Vormarsch des Islam, auf der anderen

Seite ein schwaches Christentum. Selbst

der naheliegende Auftrag zur Missionierung

gegenüber fremdgläubigen Migranten

wird seitens der christlichen Kirchen

bei uns in geradezu unfassbarer Form

vernachlässigt. Herr Professor Aden:

Warum werden eher leer stehende Gotteshäuser

an zivile Nutzer verkauft anstatt

christlich missioniert?

Aden: Bei allem im Einzelfall verständlichen

Unmut, ja sogar Zorn über das, was in den

Kirchen (nicht) geschieht, müssen wir folgendes

sehen: Katholiken neigen mit ihrem

traditionellen Kirchenverständnis dazu, die

Kirche an ihrer Statt glauben zu lassen.

„Herr, siehe nicht auf unserem Unglauben,

sondern sieh auf den Glauben der Kirche“ –

so wird im großen Kirchengebet in der

Messe gebetet. So geht es aber nicht. Die

Kirche kann nur so gläubig sein, wie die

Menschen. Viele Gründe haben dazu geführt,

daß die Glaubensbereitschaft des

modernen Menschen offenbar abnimmt, jedenfalls

dann, wenn wir von dem herkömmlichen

in uralte Dogmen und Mythen eingepackten

christlichen Glauben sprechen.

Verfallsgrund unserer Kirchen:

Das Fehlen aktiver Seelsorge

Gravierend ist auch: Der völlige Wegfall

jeglicher aktiver Seelsorge, bei der man

Menschen aufsucht, und zwar auch die, die

nicht mehr zur Kirche gehören, ist wohl der

Hauptgrund für den offensichtlichen Verfall

der christlichen Kirchen und des herkömmlichen

Kirchenglaubens.

BBl: Sie beklagen den „Verlust von Einfachheit“

im derzeitigen Christentum,

was zu der Frage führt: Was ist die

Grundfrage jeder Religion und wie müsste

sie heute neu gestellt werden?

Aden: Die meisten, der das Christentum

bis heute prägenden mythologischen und

theologischen Figuren stammen aus der –

wenn man sich so ausdrücken darf –

Kampfzeit der jungen Kirche. Das war die

Zeit, als nach dem Abschluss des Kanons

des neuen Testamentes die christliche Religion

sich gegen zahlreiche, Dutzende

Jahrhunderte von Abspaltungen (Stichwort

Moses) durchsetzen mußte um ihren

Weg in die Geschichte zu gehen. Ich

glaube, daß die meisten, etwa im apostolischen

Glaubensbekenntnis weiterhin mit

geschleppten theologischen Figuren, dem

Glauben an Jesus als den Boten Gottes,

eher abträglich sind. Sie sind ein interessantes

Betätigungsfeld für Theologen.

Den Menschen ist aber weder im Leben,

noch im Sterben damit gedient, daß man

die Trinität erklärt oder Maria als eine

Jungfrau im physischen Sinne ausgibt. Ich

habe in meinem Buch Apostolisches

Glaubensbekenntnis versucht darzulegen,

daß Christen heute die Aufgabe haben,

das traditionelle Glaubensgut abzubauen,

am Ende ganz aufzugeben um den

einfachen Menschen Jesus wieder zu erkennen.

Aus dem burschenschaftlichen Leben

BBl: Wir stehen heute oftmals vor der

Frage: Was ist das Eigene und was ist –

im religiösen Sinne – das Fremde. Wie

verknüpfen wir die beiden Fragen zugunsten

einer Zukunft des Eigenen, ohne das

Fremde abzuwerten?

Aden: Diese Frage rührt wohl an das entscheidende

Problem nicht nur des Christentums,

sondern an jede Religion. Die

Einzigartigkeit wird am besten dadurch gesichert,

daß man das Fremde nicht wahrnimmt,

so sind zum Beispiel Ameri kaner

und Franzosen wohl deswegen viel bessere

Patrioten als wir Deutschen, weil diese in

viel geringerem Maße ins Ausland reisen

und in ihrer großen Mehrzahl nichts anderes

kennen als ihr eigenes Land. Und das

halten sie natürlich für das Beste, wie ein

Kind die eigene Familie für die bei weitem

beste hält, bis die Begegnung mit anderen

Familien die Blicke schärft.

Das eigene einer jeweiligen Religion ist oftmals

gar nichts Eigenes, sondern besteht

vielleicht nur darin, daß man die jeweiligen

Werte der anderen Religion nicht zur

Kenntnis nimmt. Wir befinden uns im Zeitalter

des Internet und der Globalisierung. Wir

sind – ich sage es bewußt – vom Heiligen

Geist aufgefordert, weniger das Eigene an

unserer Religion zu sehen, sondern das Gemeinsame.

Dieses Gemeinsame sehe ich in

der Verantwortung des Menschen für sein

eigenes Leben, für welches er nach seinem

Tode Rechenschaft ablegen muss, wie auch

in der Verantwortung für seinen Mitmenschen

oder die Welt als ganze.

Im Grunde wußte doch schon die griechische

Antike, daß – unbeschadet der verschiedenartigen

Götternamen – letztlich

eine einheitliche Gottheit über der Welt

waltet. Dieser Gedanke scheint heute weltweit

allgemein zu werden. Das Eigene des

Christentums besteht darin, daß Gott sich

in Jesus Christus gezeigt hat, das Gemeinsame

aber der Religionen besteht dann

darin, daß Gott sich den Menschen überhaupt

zeigt.

BBl: Vielen Dank für das Gespräch.

+++ Eine Anzeige in den Burschenschaftlichen

Blättern ...

kostet weniger, als Sie denken!

+++

Sprechen Sie uns an – die Schriftleitung

sendet Ihnen gerne die

aktuellen Mediadaten zu.

bbl-schriftleitung@burschen

schaft.de

30 Heft 1 - 2015


Aus dem burschenschaftlichen Leben

Burschenschaftliche

Blätter

Salamandria ehrt Friedrich Ludwig Jahn

Die zu tiefster „DDR“-Zeit 1966 in Dresden

geheim gegründete Burschenschaft Salamandria,

die 2014 zur Probe in unseren

Verband aufgenommen wurde, beging Anfang

Dezember ihren 48. Gründungstag.

Der veranstaltende Bundesbruder hatte

Freyburg in Sachsen-Anhalt, nahe Naumburg,

für die Feier ausgesucht. Aus diesen

Anlaß hatten sich alle Bundesbrüder und

zahlreiche Gäste eingefunden.

In Freyburg hatte Friedrich Ludwig Jahn

lange Zeit gewohnt, als er nach seiner Haftentlassung

einen Wohnsitz in einer Stadt

wähnen mußte, in der es keine Universität

und kein Gymnasium gab. Freyburg führt

heute den Zusatz der „Wein- und Jahnstadt“

in der Ortsbezeichnung. Im Programm

der Gründungsfeierlichkeiten war

neben Naumburg auch der Besuch in

Jahn’s Wohnhaus vorgesehen. Das ist

heute ein empfehlenswertes Museum.

Darin werden seine Person und sein Wirken

gewürdigt. Schwerpunktmäßig geht es dabei

um die Turnbewegung, die auch das

Museum unterhält, doch ist sein Wirken für

die Einrichtung der Burschenschaft

keinesfalls ausgespart. Für Burschenschafter

ein stets lohnendes Ausflugsziel, zumal

an der Unstrut eine sehr trinkbarer Wein

wächst.

Im ehemaligen Garten vor dem Haus hat

Jahn im Jahre 1936 auch seine letzte Ruhestätte

gefunden, nachdem er vorher schon

einmal umgebettet wurde. So lag es nahe,

daß die Salamandria die Gelegenheit

nutzte, um am Grab eine Ehrung vorzunehmen.

Nach einer Ansprache wurde ein

Salamandria ehrt „Turnvater“ Jahn als einen der Ideengeber der Burschenschaft an seinem Grab in Freyburg.

Kranz niedergelegt. Einleitend erklang das

Jahn gewidmete Lied „Wenn alle untreu

werden“, das Burschenschafterlied schloß

die würdige Ehrung ab.

Anwesend war auch der Bürgermeister von

Freyburg, der die Burschen begrüßte. In

seiner Ansprache vor der Ehrung sprach er

vor allem über die angestrebte Ernennung

der Region Saale- und Unstruttal zum Weltkulturerbe.

Über den Antrag wird die UNE-

SCO Mitte 2015 entschieden. Begründet

wurde der Antrag mit der Einzigartigkeit

und Zahl von Monumenten des Hochmittelalters

in der Region. So heißt es: „Keine

zweite Landschaft weist auf so engem

Raum eine derart hohe Dichte an qualitativ

herausragenden Monumenten und Elementen

der Kulturlandschaft aus der Zeit

zwischen 1000 und 1300 auf.“ In der Kernzone

sind 13 aufgelistet – zum Beispiel der

Naumburger Dom, Schloss Neuenburg,

Stadtkirche und Altstadt Freyburg, Kloster

Schulpforte, die Rudelsburg, Burg Saaleck

oder die Weinberge. Nach dem das Gründungstagtreffen

in jeder Hinsicht in

betont herzlicher Gastlichkeit durchgeführt

werden konnte, wünscht Salamandria

viel Erfolg für den Antrag bei der

UNESCO.

Wolfgang Gäbler

(Cheruscia Dresden, Vandalia Hamburg,

Salamandria Dresden)

Heft 1 - 2015 31


Burschenschaftliche

Blätter

Aus dem burschenschaftlichen Leben

„Kontrollierte Einwanderung“ in Gegenden der

Besserverdienenden?

Eine Situationsbeschreibung aus Hamburg von Raphael Thiermann

Es war wieder einmal ein typischer Wahlkampf

in Hamburg: man überbot sich im

Rahmen von Materialschlachten mit inhaltslosen

Parolen. Den Beinen der FDP-

Spitzenkandidatin wurde mehr Interesse

entgegengebracht als der Frage, welche

Inhalte die „neue“ FDP eigentlich vertritt.

Wer nun auf den Plakaten „Hamburg

weiter vorn“ oder „Mehr tun für

Wirtschaft und Wissenschaft“ forderte,

dürfte den meisten Wählern bereits kurz

nach der Wahl nicht mehr in Erinnerung

gewesen sein.

Die etablierten Parteien scheuen sich, wie

virtuos von Angela Merkel vorgemacht, vor

inhaltlichen Positionierungen. Der Sieg der

SPD unter Olaf Scholz schien ohnehin ausgemacht.

Kein Wunder, ist die CDU in dem

nördlichsten Stadtstaat doch noch konturloser

als im Rest der Republik. Einmal Stellung

beziehen? Fehlanzeige! Dabei hätte es

ein Thema gegeben, welches zahlreichen

normalen Bürgern durchaus auf den Nägeln

brennt: die zunehmende Flüchtlingsproblematik,

mit all ihren unangenehmen

Begleiterscheinungen. Aber dieses Thema

faßt die Politik nicht mit der Kneifzange an.

Dabei finden sich selbst in den Hamburger

Leitmedien zunehmend Meldungen über

wachsende Kriminalität, Wohnraumverknappung

und steigende Mieten sowie

sonstige unangenehme Begleiterscheinungen

der als „Bereicherung“ bezeichneten

Zuwanderung. Selbst die sonst eher „senatshörige“

Hamburger Morgenpost berichtete

von einem skandalösen Fall: In der

berüchtigten Feuerbergstraße, Unterbringungsort

minderjähriger „Flüchtlinge“,

kam es zu einer Messerattacke auf einen

Betreuer. In den Polizeiberichten tauchte

dieser Vorfall zunächst nicht auf, wurde

aber dennoch später vom Hamburger

Abendblatt veröffentlicht. Der Vorwurf,

die Sozialbehörde würde solche Vorfälle

vertuschen wollen, stand im Raum.

Aussagen des ansässigen Kinder- und

Jugendnotdienstes erhärteten den Verdacht.

Die von Gutmenschen-Ideologie infizierte

Hamburger Politik kann offensichtlich keine

Rücksicht mehr auf ihre Klientel nehmen.

So plante der Hamburger Senat beispielsweise

an der Sophienterrasse im Herzen

des Hamburger Nobelviertels Harvestehude

die Umwandlung des ehemaligen

Kreiswehrersatzamtes in eine Flüchtlingsunterkunft.

Die Aufregung bei den Anwohnern

war groß, obgleich die Wohlbetuchten

in der Vergangenheit mit über 70 Prozent

einwanderungsfreundliche Parteien

wie Grüne, SPD und Die Linke gewählt hatten.

Anwohner erhoben Klage gegen die

geplante Unterkunft und bekamen in einem

Eilantrag Recht. Das Verwaltungsgericht

Hamburg stoppte den Umbau des Gebäudes.

Begründung: Das Gebiet an der Sophienterrasse

ist als besonders geschütztes

Wohngebiet auszuweisen.

Nicht in meiner Nachbarschaft

...?

Auf ihrem Flugblatt heißt die Hamburger Burschenschaft Germania Flüchtlinge auch in Wohlstandsvierteln

Willkommen.

Die Empörung ließ nicht lange auf sich warten,

die zahlreichen Flüchtlingslobbys aus

dem gleichen politischen Umfeld waren

entsetzt. Schützenhilfe gab es dann aber

von unerwarteter Seite: Die Hamburger

Burschenschaft Germania startete in der

32 Heft 1 - 2015


Aus dem burschenschaftlichen Leben

Burschenschaftliche

Blätter

Plaktat am Haus der Hamburger Burschenschaft Germania.

Nacht vom 11. auf den 12. Februar eine

Kampagne zum Thema „Refugees Welcome

in Wohlstandsvierteln“. Zu diesem

Zwecke klebten unsere aktiven Mitglieder

Plakate und verteilten Flugblätter in Harvestehude

rund um die Sophienterrasse.

Darin hieß es: „Refugees Welcome in

Harvestehude, in der Schanze, in Eppendorf!

Die gutsituierten Porsche-Fahrer sollten mal etwas Platz machen...

… Und in all den anderen Vierteln, in denen

diejenigen gutsituierten Wohlstandsgrünen

leben, die am lautesten aufschreien, wenn

Nicht-so-gut-Verdiener nur die leiseste Kritik

an der völlig ungesteuerten Zuwanderung

äußern.“ Und weiter: „Wer Bleiberecht

für alle fordert, sollte selber einmal erfahren,

was das in der Realität bedeutet.

Die Anwohner der Feuerbergstraße, die

täglich von kriminellen ,Flüchtlings’-kindern

aus dem dortigen Heim terrorisiert werden,

sowie die Polizei und die Sozialarbeiter in

den Heimen haben diese Erfahrungen

schon machen dürfen.“

Aus unserer Sicht ist es nicht hinnehmbar,

daß ein Flüchtlingsheim in Harvestehude,

ein Wohngebiet mit mehrheitlich wohlhabenden

Bewohnern, angeblich nicht „gebietsverträglich“

sein soll, während das

Problem der Unterbringung

in ohnehin

überlasteten

Stadtteilen wie Billstedt

aber kein Problem

zu sein

scheint. Als Reaktion

darauf erhielten

wir Post eines

linken Journalisten,

der uns unterstellte,

wir würden pauschal

gegen alle

Asylsuchenden

Stimmung machen.

Dazu erkläre ich:

„Wir unterscheiden

in unserer Aktion

deutlich zwischen

Asylsuchenden, die

tatsächlich vor Krieg und Verfolgung flüchten

müssen und somit ein unbestreitbares

Recht auf Asyl haben, und denen, die lediglich

aus wirtschaftlichen Gründen ihre

Heimat verlassen und versuchen, hier als

‚Asyl suchende‘ ein Bleiberecht zu erwirken.

Letztgenannte Gruppe diskreditiert mit

ihrem Gebaren in letzter Konsequenz auch

Menschen, die aufgrund von Verfolgung einen

tatsächlichen Anspruch auf Asyl

haben.“

Letztendlich führte der Streit um das geplante

Flüchtlingsheim zu keinem unerwarteten

Wahlergebnis in Hamburg. Die

SPD darf die nächsten fünf Jahre wohl mit

den Grünen regieren, damit wird der unkontrollierte

Zustrom von illegalen Flüchtlingen

wahrscheinlich weiter geduldet

werden. Die Hamburger Burschenschaft

Germania begrüßt das Wahlergebnis daher

auf ihre Art: Seit dem Tag nach der

Wahl prangt am Balkon ihres Hauses in

der Sierichstraße im Hamburger Stadtteil

Winterhude ein großes Transparent

mit der eindeutig zweideutigen Aufschrift:

„REFUGEES WELCOME IN WOHL-

STANDSVIERTELN – Wer Zuwanderung

will, der soll auch Platz machen!“ Ob die

linksgrünen Wohlstandsbürger das ver -

stehen?

Raphael Thiermann

(Germania Hamburg 2011, Raczeks Breslau

zu Bonn 2013)

Heft 1 - 2015 33


Burschenschaftliche

Blätter

Ein Bund stellt sich vor:

Burschenschaft Normannia-Nibelungen

zu Bielefeld

Aus dem burschenschaftlichen Leben

In diesem Jahr feiert unser Bund sein 110-

jähriges Bestehen! Es gibt viele Bünder mit

einer sehr viel längeren Tradition, aber

wohl kaum solche mit einer so wechselvollen

Geschichte, wie sie unser Bund vorweist.

Schon die Gründung war ungewöhnlich:

In der damals schon bedeutenden Industriestadt

Riesa an der Elbe eröffnete

1904 das „Technikum Riesa“ seinen Lehrbetrieb

mit den Schwerpunkten Elektrotechnik

und Schiffs- und Schiffsmaschinenbau.

Ein Großteil der ersten Studenten

wechselte von Mittweida nach Riesa, um

dort das Studium fortzusetzen. Offensichtlich

gab es damals in Skandinavien kaum

Möglichkeiten für ein solches Studium,

weshalb ein Großteil der Studenten an den

mitteldeutschen Ingenieurschulen aus

Skandinavien stammte, so auch in Riesa. So

wundert es nicht, daß am 15. Mai 1905 vier

Studenten mit vier verschiedenen Nationalitäten

(ein Deutscher, ein Däne, ein

Schwede und ein Finne) den „Fechtclub

Normannia“ gründeten. Sein Wahlspruch

lautete: „Einigkeit macht stark!“ Dieses Ereignis

gilt als unser Gründungsdatum. Die

Aktivitas wuchs schnell, und bereits 1909

wurde der Altherrenverband gegründet. Es

gab in Riesa insgesamt drei Verbindungen,

und es herrschte reger Fechtbetrieb. Trotzdem

wurden die ersten Säbelpartien erst

1911 in der am anderen Elbufer gelegenen

Röderau geschlagen. Nachfolgende Mensurtage

fanden ausnahmslos in Mittweida

statt. Größtes farbenstudentisches Ereignis

in Riesa war der jährlich stattfindende gemeinsame

„Kaiserkommers“. Doch die

Freude in Riesa währte nicht lange. Mit

Ausbruch des I. Weltkrieges schloß das

Technikum seine Pforten, weil fast alle Studenten

entweder zum Wehrdienst eingezogen

wurden oder sich dafür freiwillig meldeten.

15 Aktive und 26 Alte Herren zählte

der Bund damals. Nach Kriegsende öffnete

das Technikum nicht wieder.

Von Riesa nach Neustrelitz

Nach Beendigung des Krieges setzten einige

ehemalige Normannen ihr Studium an

der Ingenieurschule in Neustrelitz fort. Das

zuständige Ministerium und die Direktion

des Technikums genehmigten die Gründung

am neuen Standort, verlangten aber

einen Zusatz zum Namen „Normannia“.

Fechtclub wollte man nicht wieder heißen,

und so hieß der Bund nun Fechtsportverein

„FSV Normannia“. Burschenschaften wurden

zur damaligen Zeit nicht genehmigt,

und so nannte man sich erst ab 1920 stillschweigend

„Burschenschaft Normannia“.

Im Juli 1919 feierte man den offiziellen

Konstituierungskommers. 1920 wurden

wieder Mensuren geschlagen, und da die

Strelitzer Normannen als ausgezeichnete

Fechter galten, nannte man sie respektvoll

auch „Säbel-Normannen“. 1929 fielen einige

Bundesbrüder durch ihre frischen

„Schmisse“ auf. Dies führte zu Verfahren

wegen Verstoßes gegen den „Zweikampf

mit tödlichen Waffen“. Fünf Bundesbrüder

wurden daraufhin zu einer „nicht entehrenden

Festungshaft mit täglichem Ausgang“

verurteilt. Bald drohte aber wieder das

„Aus“. 1935 begann in Strelitz das Verbot

studentischer Verbindungen. Für unseren

Bund wurde dies am 1. November 1935

wirksam. Nach der Zwangsauflösung blieb

jedoch der Kontakt unter den Bundesbrüdern

erhalten, die in „alle Winde“ zerstreut

waren und entweder in der Wehrmacht

dienten oder als Ingenieure in der Rüstungsindustrie

eingesetzt wurden.

Unser Bundesbruder Armin Leistner spürte

nach dem II. Weltkrieg viele seiner früheren

Bundesbrüder in beiden Teilen Deutschlands

wieder auf und gründete mit ihnen

den AHV der „Burschenschaft Normannia

zu Hamburg“. Leistner war Mitbegründer

des BDIC und deren Vorsitzender des LV

Nord. Wichtigstes Ziel des AHV Hamburg

war die „Wiedergeburt“ einer Aktivitas,

doch blieben die Bemühungen lange ohne

Erfolg. Bbr. Leistner schlug übrigens 1953

im Alter von 46 Jahren seine letzte Mensur,

um das Fechten in den BDIC-Bündern wieder

populär zu machen.

Gründung der

Nibelungen

An der nach dem

Krieg wieder eröffneten

Ingenieurschule

in

Lage/Lippe gründeten

am 7. November

1946 sieben

ehemalige Kriegsteilnehmer

die

„Freie christliche

Studentenvereinigung“.

Da solche

Gründungen durch

die Militärregierungen

zu genehmigen

waren, mußte abermals

auf eine Bezeichnung

als Burschenschaft

verzichtet werden. Ab 1951

nannte sich der Bund nun „Freie christliche

Burschenschaft Nibelungen“ und hatte immerhin

schon 36 Alte Herren. Die „Nibelungen“

waren seit 1952 Mitgliedskorporation

des BDIC. Dessen erster Generalkonvent

fand am 24./25. Mai 1952 auf der Festung

Ehrenbreitstein bei Koblenz statt. Hier trafen

auch die Mitglieder des AHV Normannia

zu Hamburg und der Freien Christlichen

Burschenschaft Nibelungen zusammen und

fielen sich gegenseitig durch gleiche Farben,

gleichen Zirkel und gleiche Mützen

auf. Kein Wunder: Ein AHV ohne Aktivitas

und ein junger Bund mit starker Aktivitas,

aber noch kleinem AHV, fanden erstes Interesse

aneinander. Anläßlich des 6. Stiftungsfestes

1952 der „Nibelungen“ konnten

diese einige Alte Herren der „Normannia“

als Gäste begrüßen, in längeren Gesprächen

fiel zum ersten Mal das Wort „Fusion“

und sie mündeten Anfang 1953 in

konkrete Fusionsverhandlungen. Im September

des gleichen Jahres richtete der

AHV Normannia dann ein offizielles Fusionsgesuch

an die „Nibelungen“, und ein

gemeinsamer AHC und ein feierlicher Festkommers

besiegelten dann die gemeinsame

Zukunft. Der neue Name war „Christliche

Burschenschaft Normannia-Nibelungen“,

der gemeinsame Wahlspruch der der

„Nibelungen“: Per aspera ad astra. Das

neue Wappen war ein Doppelwapppen

beider Ursprungsbünder. Die ersten Mensuren

des neuen Bundes wurden 1954 geschlagen.

Natürlich blieb das Zusammenwachsen

zweier Bünder mit so unterschiedlicher Ge-

Das Wandbild ziert den Thekenraum im Bielefelder Verbindungshaus in der

Schloßhofstraße 96.

34 Heft 1 - 2015


Aus dem burschenschaftlichen Leben

schichte nicht völlig problemlos. Die Bezeichnung

„Christlich“ gab immer wieder

Anlaß zu lebhaften Diskussionen mit den alten

Normannen, und auch „ideologoisch“

wuchs man erst mühsam, aber schluß endlich

doch sehr, sehr erfolgreich zusammen.

Das kleine Städtchen Lage mit seinen rund

10.000 Einwohnern und der im nord- und

nordwestdeutschen Raum hoch renommierten

Ingenieurschule für Maschinenbau,

Elektrotechnik, sowie Hoch- und Tiefbau

war mit seinen ca. 1.000 Studenten ein Paradies

für das Farbenstudententum. 26 Korporationen

hatten so stattliche Mitgliederzahlen,

daß manche sogar temporäre Aufnahmestops

verfügen mußten, weil die Versammlungsräume

aus allen Nähten platzten.

Doch leider neigte sich die Ära Lage

dem Ende zu. In Bielefeld eröffnete 1958

eine neue stataliche Ingenieurschule ihre

Pforten, gegen die die private, aber staatlich

anerkannte Ingenieurschule Lage nur

noch wenig Chanchen hatte; ihr Ende kündigte

sich an.

Bielefeld als neue Heimat

1987 stellten wir dann als erste Burschenschaft

mit Ingenieur- bzw Fachhochschulhintergrund

mit sehr starker Unterstützung

der VAB Bielefeld den Antrag auf Vollmitgliedschaft

in der DB. Dieser Antrag wurde

abgelehnt. Wir waren für den damaligen

Rechtsausschuß wohl nicht „fein“ und „intellektuell“

genug...

Aber wir waren, wiederum mit der VAB Bielefeld,

hartnäckig und stellten 1988 zum

Burschentag in Landau erneut einen Antrag

auf Aufnahme. Er wurde angenommen –

und sind seitdem sind wir treues Mitglied

der Deutschen Burschenschaft!

Da unser erstes Haus einen sehr hohen Erhaltungsaufwand

erforderte und verkehrstechnisch

sehr ungünstig zur Universität

lag, gingen wir auf die Suche nach einer

neuen Immobilie, die bis heute unser „Zuhause“

ist.

Möglich wurde der Kauf aber erst durch die

VAB Bielefeld. Diese hatte seit vielen Jahren

einen „Sparstrumpf“ angelegt, mit dem

man, falls sich an der Uni Bielefeld eine Burschenschaft

etablieren sollte, beim Erwerb

Burschenschaftliche

Blätter

eines Hauses helfen wollte. Wir waren dann

die Glücklichen, die den Hauskauf ohne

diese Hilfe nicht hätten realisieren können.

Nach wie vor sind wir die einzige Burschenschaft

in Bielefeld und hoffen auf ein noch

langes „vivat, crescat, floreat“ Normannia-

Nibelungen.

Willi Flöttmann

(Normannia-Nibelungen Bielefeld 1956)

www.normannia-nibelungen.de

Also beschloß der AHV des Bundes einen

neuen Studienort zu suchen, wobei natürlich

Bielefeld erste Wahl war. Es wurden erste

Gespräche mit Bielefelder Studenten

aufgenommen und ihnen unser Bund vorgestellt.

Diese führte zu einigen Reformen,

die überfällig waren: Die Bezeichnung

„Christlich“ entfiel im Namen, und der

neue Wahlspruch hieß „Gott, Ehre, Freiheit,

Vaterland“. Am 11. April 1959 konnten

wir dann mit einer gelungenen Konstituierungskneipe

in Bielefeld unsere „Wiedergeburt“

am vierten Standort feiern. Hinderlich

war die permanente Suche nach immer

neuen Versammlungsräumlichkeiten

für den Bund, die wir meist in Nebenräumen

von Gaststätten fanden. Durch einen

glücklichen Umstand konnten wir dann

1970 ein zwar marodes, aber doch gut gelegenes

Anwesen ersteigern, daß mit sehr

viel Eigenleistungen zu einem Verbindungshaus

mit etlichen Studentenbuden

und einer schicken Konstanten hergerichtet

wurde.

1975 kam es zu einer ersten, sich später als

segensreich entwickelnden Kontaktaufnahme

mit der VAB Bielefeld, die im ersten

Schritt zum Beitritt in die Deutsche Ingenieur-Burschenschaft

(DIB) führte. Unsere

Mitgliedschaft im BDIC gaben wir dafür auf.

1979 übernahmen wir den Vorsitz der DIB.

Schon 1972 öffneten wir uns zur 1969 gegründeten

Universität Bielefeld. Zahlreiche

Studenten waren bereits unserem Bund

beigetreten und der Gedanke, zur „Hochschul-Burschenschaft“

zu mutieren, verstärkte

sich.

90 Jahre Waffenring

Paderborn

Im Sommer des Jahres 1925 suchte ein

junger Gerichtsreferendar in Paderborn

Kontakt zu gleichgesinnten Waffenstudenten

und fand diesen bei zwei jungen

Kandidaten der Agrar- und der Ingenieurwissenschaften.

Er brachte diese jungen

Studenten mit den wenigen damals

in Paderborn lebenden alten Waffenstudenten

zusammen.

Hieraus entwickelte sich bald eine regelmäßig

tagende Stammtischrunde, die

sich den Namen Waffenring gab. Der

Zusammenhalt zwischen den jungen

und den alten Mitgliedern beschränkte

sich dabei nicht nur auf Stammtischabende,

sondern man gestaltete auch

die Freizeit miteinander. Der „Waffenring-Stammtisch

Paderborn“ war geboren.

Die Mitglieder rekrutierten sich zunächst

nur aus den vier alten Farben tragenden

und schlagenden Verbänden. Erst später

stießen auch Mitglieder der nicht

Farben tragenden, aber Satisfaktion gebenden

Korporationen hinzu. Etliche

Mitglieder hatten nie gefochten; der

Name Waffenring blieb aber bis heute

erhalten. In der Zeit des Nationalsozialismus

bis zum Kriegsende wurden die

Treffen seltener und kamen bald ganz

zum Erliegen. Erst in den späten 40er

Jahren trafen sich Kriegsheimkehrer und

zugereiste Korporationsangehörige wieder

regelmäßig.

Die Gästebücher dieser Jahre belegen

die noch heute praktizierten Aktivitäten:

neben den monatlichen Stammtischabenden

mit zum Teil sehr interessanten

Referaten der Mitglieder über „Gott und

die Welt“ finden zahlreiche Damenveranstaltungen

und Ausflüge in die Natur

statt oder auch zu Theaterbesuchen und

Besichtigungen.

In Fortsetzung seiner Tradition feiert der

intercorporative Waffenring Paderborn

im Sommer dieses Jahres also seinen

90. Geburtstag und hofft auf ein weiteres

Blühen, Wachsen und Gedeihen.

Hierzu ist jedes in und um Paderborn

herum lebende Verbandsmitglied herzlich

willkommen.

Der Stammtisch finden üblicherweise an

jeden letzten Mittwoch des Monats

statt.

Peter Böttger, Vorsitzender

(Corps Frisia Braunschweig im WSC)

www.waffenring-paderborn.de

Heft 1 - 2015 35


Burschenschaftliche

Blätter

Burschenschaftsdenkmal soll saniert werden

Das Burschenschaftsdenkmal vor dem

Hauptgebäude der Universität Jena soll

noch in diesem Jahr restauriert werden.

Das derzeit mit einer Fotoplane verhüllte

Burschenschaftsdenkmal ist durch Witterung,

Abgase und Farbanschläge stark geschädigt.

Laut Experten ist das gesamte

Marmorgefüge inzwischen instabil. Die Kosten

für die Restaurierung des 1883 vom

Weimarer Künstler Adolf Donndorf geschaffenen

Denkmals liegen nach Angaben

der Stadt Jena bei etwa 50.000 Euro, die

Ausschreibungen für die Restaurierungsarbeiten

laufen bereits. Weitere 50.000 Euro

seien zudem nötig, um die historische Marmorskulptur

mit einer Glashaube zu schützen,

teilte die Stadt mit. Dafür hat Oberbürgermeister

Albrecht Schröter (SPD) nicht

nur die Jenaer um Spenden gebeten, sondern

er hofft auch auf Unterstützung von

den Burschenschaften. Dazu wurde ein

Spendenkonto eingerichtet, teilte Evelyn

Halm, die bei Jenakultur für die Verwaltung

und Pflege der Denkmale zuständig ist, mit.

Nachrichten

Spendenkonto Burschenschaftsdenkmal:

Sparkasse Jena-Saale-Holzland

Kontonummer: 18038115

BLZ: 83053030

IBAN: DE88 8305 3030 0018 0381 15

BIC: HELADEF1JEN

Das Burschenschaftsdenkmal.

Burschenschafter in der

Bürgerschaft

Dr. Alexander Wolf / alternative-hamburg.de

Bei der Hamburger Bürgerschaftswahl

am 15. Februar 2015 schaffte die Alternative

für Deutschland (AfD) erstmals

den Sprung ins Parlament. Auf der

Landesliste erhielt die AfD insgesamt

214.833 Stimmen (6,1 Prozent) und

entsendet zukünftig acht Abgeordnete

in die Bürgerschaft – der Rechtsanwalt

und Verbandsbruder Dr. Alexander

Wolf (Danubia München) wird einer

davon sein. Die SPD um den Ersten

Bürgermeister Olaf Scholz verpaßte

mit 58 Sitzen die erneute absolute

Mehrheit (61 Sitze) knapp und wird

zukünftig die Hansestadt mit den

Grünen regieren. Die Wahlbeteiligung

lag bei 56,5 Prozent (2009: 56,9 Prozent).

Das Hamburger Rathaus ist der Sitz der Bürgerschaft

(Parlament) und des Senats (Landesregierung)

der Freien und Hansestadt Hamburg.

Daniel Schwen/Wikimedia/CC

36 Heft 1 - 2015


Essay

Der Krieg und das Volk

Burschenschaftliche

Blätter

Der Krieg hat eigene Regeln. In einem Konfliktfall

gelten zwischen beiden beteiligten

Parteien bilaterale Abkommen mittels

Selbstverpflichtungen, wobei heutzutage

von dem Grundsatz ausgegangen wird,

daß nur Staaten als offizielle Vertragspartner

gelten. Dies begünstigt den Status quo

und benachteiligt neue Bewegungen, die

dann als „Terroristen“ oder „radikale, gewaltbereite

Extremisten“ von bisher bestehenden

Organisationsformen tituliert werden.

Aber was macht einen Staat nun zu einem

Staat und was ist demgegenüber Terrorismus?

Nach der Drei-Elemente-Theorie verfügt

ein Staat über ein Staatsgebiet, ein

Staatsvolk und eine Staatsgewalt. Der akademischen

Ansicht nach strebt ein Terrorist

nicht danach, einen Staat zu errichten. Hiervon

unterscheidet er sich vom Freischärlertum,

welches das Ziel hat, einen Staat zu

begründen. Historisch für Deutschland sind

beispielsweise für ein solches Freischärlertum

die Freiwilligenverbände im Kampf gegen

Napoleon 1813, die Kämpfer der Märzrevolution

1848/49 und die Freikorps nach

dem Ersten Weltkrieg, also historisch jene

Gruppen, auf die sich Burschenschaften berufen.

So das Selbstbild und die juristische

Betrachtung. Anders das Bild von Politik

und Medien. Hier gibt es keine idealisierten

Freischärler, nur Terroristen – außer man ist

gerade selbst Unterstützer dieser Freischärler.

Daher sind im Konflikt in Syrien die Kurden

Freischärler und der Islamische Staat

(IS) Terroristen, also die Kurden die Guten

und der IS die Bösen. Aber was macht eine

Gruppe gut oder böse? Sind es Gewalt -

Während der Besetzung des Iraks wurden Insassen

des Abu-Ghuraib- Gefängnisses vom US-amerikanischen

Wachpersonal mißhandelt, vergewaltigt und

gefoltert – oft bis zum Tod.

akte, die Ansichten über die Behandlung

der „Anderen“, der Standpunkt zur Demokratie?

Ein Atombombenabwurf verursacht

mehr Tote als das Niederbrennen einer

Kleinstadt. Berichte über die Behandlung

von Gefangenen in Guantanamo oder Abu

Ghuraib dokumentieren genauso Folter,

wie die Behandlung der amerikanischen

Gefangenen durch die Nordvietnamesen.

Trotzdem sind die Amerikaner die Guten.

Bleibt also die Demokratie. Wie wir alle wissen,

ist die republikanische, parlamentarische

Demokratie die beste Staatsform die

es je gab und die es je geben wird. Menschen,

die nicht in einer solchen Demokratie

leben oder sie erstreben sind dumm.

Daher waren die Deutschen vor 1945

dumm, ungebildet und menschenverachtend.

Erst die Amerikaner haben uns die

Weißheit und Erleuchtung gebracht. Endlich

durften wir diese Weißheit mit Löffeln

fressen. So jedenfalls erzählen es Schule

und Medien, und da heute die Generation,

die die Zeit vor 1945 erlebt hat, rar wird,

glaubt man diese Geschichten nur zu gern,

ja man schmückt sie sogar mit neuen „Erkenntnissen“

aus.

Krieg für die Freiheit?

Daher auch das deutsche Verständnis über

Krieg: Nie wieder Krieg! Friede-Freude-Eierkuchen.

Nur leider sind nicht alle Menschen

auf der Welt zu dieser glorreichen Erkenntnis

der Beliebigkeit und grenzenlosen

Toleranz gekommen, sondern haben noch

Ideale. Ideale, für die sie bereit sind zu

kämpfen und sogar zu sterben. Das versteht

der „Neue Mensch“ in der westlichen

Welt natürlich nicht, für ihn gilt nur sein Verständnis

von Menschenrechten und Staatsauffassung.

Er tituliert es dann „Toleranz“

gebenüber Anderen, meint aber in Wirklichkeit

nur Toleranz für die, die genauso

denken, wie er. Dementsprechend fehlt jedes

Verständnis dafür, wie Leute den Islamischen

Staat, ein nationalsozialistisches

Deutschland oder ein bolschewistisches

Rußland stützen konnten. Es ist die Auffassung,

daß Freiheit nur die Freiheit des Einzelnen

ist und die Negierung der Freiheit

der Masse. Leider ist eine solche Auffassung

auch schon in den Köpfen mancher

Burschenschafter verankert. Freiheit meint

eben nicht nur die Freiheit eines einzelnen

Individuums in Deutschland sich frei entfalten

zu können, sondern auch die Freiheit

des gesamten deutschen Volkes. Das waren

auch die Gründe, wieso man historisch

gesehen als Burschenschafter zur Waffe gegriffen

hat und die Speerspitze der Freiheit

gebildet hat, auch wenn man dafür in Kauf

nehmen mußte, die Freiheit des Einzelnen

zugunsten einer übergeordneten Freiheit

zu beschränken. Und genau ein solches

Denken macht das Soldatentum aus. Man

schränkt die Freiheit des einzelnen Soldaten

ein, zu entscheiden, ob und wo er

kämpfen, siegen oder fallen wird, weil er einem

übergeordneten Ziel, für die Freiheit

des Volkes dient. Folgt er nicht diesem

Ideal, kann stellt er sich außerhalb seines

Volkes. Auch im zivilen Leben stellt sich

eine solche Frage, handelt man nur aus

egoistischen Motiven oder nützt das, was

man tut, auch der Mehrheit?

Eine solche Mehrheit zu repräsentien ist die

Aufgabe des Staates. Hierbei ist nicht revalant

die quantitaive Mehrheit, also aller

Bewohner des Staatsgebietes, sondern die

qualitative Mehrheit, also die Mehrheit derer,

die für den Staat stehen. Die besten

Beispiele hierfür sind Sparta und das ursprüngliche

Rom, zwei Staaten, deren Bürger

über eine Mehrheit von Nicht-Bürgern

herrschten. Konsequenterweise zogen sie

auch nur ihre eigenen Bürger zum vollwertigen

Militärdienst heran, da nur diese ihre

Idee eines Staates vertreten konnten. Unterworfene,

aber akzeptierte Völker taten

hierbei nur flankierende Kriegsdienste. Den

Unterschied hierzu bilden Söldner, die keinen

unmittelbaren Bezug zu dem Land haben

müssen, für das sie kämpfe, sondern

für die das Soldatensein ein Beruf ist. Fragt

man heute einen deutschen Soldaten nach

seiner Motivation, wird er oft zweites betonen,

da ersteres als verwerflich gilt und er

mit dienstlichen Konsequenzen zu rechnen

hat. Daher steht erste Gruppe für das Volk

und zweite Gruppe für die Regierung. Söldner

können dementsprechend problemlos

auch gegen das von dem Staat der Idee

nach zu repräsentierende Volk und für im

Volk unpopoläre Kriege eingesetzt werden.

Jedoch bergen Söldner für die Regierung

die Gefahr, daß sich die Söldner gegen sie

wendet, wenn sie nicht entsprechend entlohnt

werden. Für Rom und viele mittelalterliche

Fürsten war dies der Untergang.

Entscheidene Kriegsfaktoren

Wie führt man einen Krieg aus? Hier ist zu

unterscheiden, welches Ziel man verfolgt:

Brutale Kriege mit vielen Opfern unter der

Zivilbevölkerung ereignen sich zumeist,

wenn man eine expansive Politik betreibt,

weniger zivile Opfer ereignen sich, wenn

die zivile Gruppe als Teil der Eigenen gesehen

wird. Am Russischen Bürgerkrieg kann

man ersteres gut ablesen. Er mußte entsprechend

blutig und mit Terror geführt

werden, weil beide Seiten keinen entsprechenden

Rückhalt beim Volk hatten und

sich erst „ihr Volk“ bilden mußten. Vergewaltigungen,

Massenhinrichtungen und

Verbannungen sind daher nicht als Neben-

Heft 1 - 2015 37


Burschenschaftliche

Blätter

erscheinungen zu verstehen, sondern als

unumgängliche militärische Machtmittel.

Die deutschen Einigungskriege des 19.

Jahrhunderts sind ein gutes Beispiel für die

Schonung der Zivilbevölkerung, die man in

seinen künftigen Staat zu integrieren

wünschte.

Mischt man aber beide Faktoren, muß der

Krieg langfristig scheitern. Die Sowjetunion

scheiterte in Afghanistan, die USA im Irak.

Beides aus dem Grund, weil man die Zivilbevölkerung

zu sehr schonte, aber expansive

Politik betrieb. Auch scheiterte der Vietnamkrieg

für den Süden und die USA,

weil man genau das Gegenteil tat, man

produzierte massenhaft zivile Opfer, wollte

aber defensiv agieren. Man sieht also, daß

Kriege nicht nach dem Prinzip der Schonung

der Zivilbevölkerung funktionieren –

wie es uns eine ominöse „Weltgemeinschaft“

à la UN suggerieren möchte – sondern

nach den Zielen zu unterscheiden

sind. Ein Moralkodex kann daher nicht allumfassend

gelten, da nicht für jede Seite

die Erreichung ihrer Ziele mit Schonung der

Zivilbevölkerung möglich ist. Auch wenn

ein Amerika, daß die Indianer ausrottete,

dies von ihnen nicht genehmen Kriegsparteien

verlangt, ohne sich selbst daran zu

halten. Auch kann eine andere Kriegspartei

nicht dafür bestraft werden, ein Krieg nach

seinen Maßstäben, und nicht nach den

Maßstäben der Gegner geführt zu haben.

Ein Krieg ist eine bilaterale Angelegenheit,

beide Seiten verhalten sich ähnlich der anderen.

Tritt eine dritte Seite im Krieg auf,

muß dieser Krieg nicht zwangsläufg nach

den gleichen Maßstäben wie der andere

geführt werden. Hierfür ist der Zweite Weltkrieg

das beste Beispiel. Während man im

Westen die Zivilbevölkerung schonte und

Kriegsgefangene nach der Haager Landkriegsordnung

behandelte, mußte im

Osten der Krieg auf dem Rücken der Zivilbevölkerung

ausgetragen werden und

Kriegsgefangene wie Verbrecher behandelt

werden, weil beide Seiten expansiv

agierten, also nach ihrer Doktrin logisch

vorgingen.

Daher waren die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse

eine Farce, weil dem Verhalten

im Krieg zufolge nur die Sowjetunion

berechtigt war, expansiv zu urteilen.

Die Westmächte handelten nur in selbstherrlicher

und infamer Siegerjustiz. Daher

auch die Nachkriegszeit, die Sowjets mußten

logischerweise eine Zeit Terror und

Verwüstung in Deutschland verbreiten,

aber reichten dann dem deutschen Volk

die Hand mit den Worten: „Die Vergangenheit

ist vergessen, laßt uns neu beginnen.“

Für die Westallierten galt jedoch der

Vorsatz: „Wir schonen euch, aber die Vergangenheit

werden wir euch ewig vorwerfen!“

Die ähnliche Idee, die der Versailler

Vertrag hatte: den Gegner auf ewig

niederhalten und ihn zur Rache zu zwingen,

da er täglich an die Schmach erinnert

wird.

Der dritte Weg scheitert

Und wie behandelt man die Träger des

Krieges im eigenen Land? Auch hier gibt

es zwei verschiedene Ansätze: Vertrauen

und Mißtrauen. Für die Idee des Vertrauens

kann man die deutsche Kriegsführung

im Zweiten Weltkrieg heranziehen. Man

unterhielt eine möglichst kleine Gestapo

um Widerstände im eigenen Volk zu erkennen

und versuchte politische Gegner

umzuerziehen. Nicht-Integrationsmögliche

wurden hingegen isoliert und entfernt.

Der Galgenbaum – Zeitgenössische Darstellung von Kriegsgräueln während des Dreißigjährigen Krieges des

französischen Zeichners Jacques Callot (1632).

Dadurch war der Rückhalt beim Volk gegeben,

aber es waren auch Attentate wie

das vom 20. Juli 1944 auf den deutschen

Reichskanzler möglich. Der Preis hierfür

war die konsequente Konzentration auf

die eigene Gruppe und die lückenlose

Versorgung mit Konsumgütern. Anders

machte es die Sowjetunion. Von Anfang

an war der Staat auf einen totalen Krieg

ausgerichtet, die Versogung mit Konsumgütern

war immer der Kriegswirtschaft untergeordnet.

Der Staat konnte die Rüstung

und Modernisierung des Landes somit maxieren,

mußte aber im Gegenzug einen

hohen Aufwand zur Kontrolle des eigenen

Volkes aufwenden: das Prinzip des

Mißtrauens. Man mußte Soldaten und Zivilisten,

die sich ohne ausdrücklichen Befehl

zeitweise in Feindesland aufgehalten hatten,

als Diversanten ansehen und auch

massenhaft Erschiessungen und Deportationen

durchführen, um die Ordnung aufrecht

zu halten. Beide Ideen funktionieren.

Die USA jedoch versucht einen dritten

Weg, das Volk konsequent zu überwachen,

ihm Mißtrauen gegenüber zu hegen,

und die Produktion zu maximieren, das

Volk aber auch mit Konsumgütern zu überfluten.

Volkswirtschaftlich gesehen muß

dies zum Wirtschaftskollaps führen. Dann

kann auch kein Krieg mehr geführt werden.

Zusammenfassend kann man sagen, daß

es nicht um die Frage geht, ob Kriege geführt

werden, sondern wie. Denn daß

Kriege geführt werden, haben die letzten

Jahre gezeigt und es liegt auch in der

menschlichen Natur. Es gibt Menschen mit

Idealen, nur nicht alle Ideale sind miteinander

zu vereinbaren. Daher gibt es

Kriege. Aber ein Krieg wird gegen Organisationsformen

geführt, nicht gegen einen

Terrorismus. Ein solcher ist nicht möglich,

dies ist nur ein Kampf gegen Luftschlößer.

Der Konflikt um den Islam in Europa ist daher

nicht als Terrorismus anzusehen, sondern

als Teil eines Freischärlertums – zwischen

den Leuten, die Europa in einer traditionellen

Form erhalten wollen und den

„Erneuerern“, die sich neben vielen anderen

Ideen auch dem des Islamismus bedienen.

Für beide Seite ist die Auffassung soldatisch

zu denken und zu handeln gegeben,

nur eine dritte Gruppe sieht dies

nicht so, die Gruppe der „Träumer von

einer besseren Welt ohne Krieg“.

Umso mehr die Konflikte zunehmen, umso

mehr reden sie von weltweiten Idealen.

Im Endeffekt erreichen sie das Gegenteil:

die hochgerüsteten Staaten ver -

suchen den Krieg zu vermeiden, um ihr

Volk zu schonen, die abgerüsteten Staaten

provozieren mit ihrer Haltung den Krieg.

Daher ist ein wehrhaftes Volk der beste

Garant für den Frieden. Und auch die

Bereitschaft die Interessen seines Volkes

mit der Waffe zu schützen, ist ein gutes

Ideal.

Gerrit Winterboer

(Cheruscia Dresden 2006)

Essay

38 Heft 1 - 2015


Nachrichten

Anregung zu neuen Mensurklingen

Burschenschaftliche

Blätter

Die Fechtklinge des Paukanten ist mindestens

genauso wichtig wie das Können und

das Geschick selbst. In meiner Aktivzeit gab

es für Österreich und die südliche Bundesrepublik

einen namhaften Klingenhersteller,

den alle Verbindungen kannten und der

qualitativ hochwertige Klingen für den

Pauk- und Mensurbetrieb anfertigte. Dieser

Schmied trat jedoch vor wenigen Jahren

seinen wohlverdienten Ruhestand an, wodurch

es zu Engpässen kam.

Dies führte dazu, dass viele metallverarbeitende

Betriebe begannen Pauk- und Mensurklingen

auf eigene Faust zu konstruieren

und herzustellen, ohne jedoch die relevanten

Anforderungen für eine Klinge genauer

zu kennen. Dadurch entstand ein Wildwuchs

an Klingen, der durch verschiedenste

Querschnittsformen, Längen, Schliffe

und vor allem Ausgangsmaterialien gekennzeichnet

waren. Es kam vor, dass Paukklingen

bereits nach wenigen Paukstunden

sprichwörtlich zerbröselten oder dass Mensurklingen

nach wenigen Gängen unbrauchbar

wurden.

Sollte die Klinge materialtechnisch versagen,

ist dies zwar finanziell relevant, schlimmer

ist jedoch die erhöhte und unberechenbare

Verletzungsgefahr durch minderwertige

Mensurklingen. Eines der Hauptprobleme

war eine zu weiche Klinge, die

sich entlang ihrer Achse verdrehte. Falsche

Härtemedien, Oberflächenentkohlung und

schlecht gewählte Glühzeiten verschlimmerten

oftmals das Problem. Der fehlende

Bezug der Hersteller zum akademischen

Fechten wurde augenscheinlich.

Um unnötige, schwere Verletzungen in Zukunft

zu vermeiden, den Klingenwildwuchs

einzudämmen, sowie dem Unparteiischen

seine Klingeninspektion zu erleichtern, sollten

in Zukunft die Klingen ganz genau spezifiziert

werden und mit einer Art DB-Siegel

„Zugelassen für Mensuren“ gekennzeichnet

werden. Die DB müsste einen genauen

Anforderungskatalog (Abmaße, Härte,

Schliff, Querschnitt, Gewicht) für qualitativ

hochwertige Mensurklingen entwerfen und

gemeinsam mit einem Hersteller umsetzen.

Natürlich sollen die namhaften Couleurhändler

eingebunden werden.

Natürlich hat jeder Studienort und jeder

Comment bezüglich der Klingen seine Eigenheiten.

Trotzdem sollte man damit beginnen,

die Klingen gewichtsmäßig einzuteilen:

Innerhalb der DB soll es in Zukunft

einheitlich vier genau definierte Gewichtsklassen

(0-1-2-3) geben. Auch durch einen

einheitlichen Querschnitt, ist das Schleifen

verschiedener Winkel (30°-45°-60°) zukünftig

möglich.

Wenn die DB es schafft, sich auf definierte

Klingen zu einigen, könnte das Risiko komplizierter

Schmisse zumindest stark reduziert

werden. Es muss im Sinne jeder schlagenden

Verbindung sein, seinen Paukanten

bestmöglich vor vermeidbaren Verletzungen

zu schützen – dazu zählt vor allem

hochwertiges und qualitatives Klingenmaterial.

Armin Krenn (Burschenschaft Wiking zu

Mödling)

Zur Person:

Armin Krenn, Alter Herr der Burschenschaft

Wiking zu Mödling und Student

der Werkstoffwissenschaft/Metallurgie

an der Montanuniversität Leoben, beschäftigt

sich seit einiger Zeit mit der

Herstellung, Optimierung und dem Verkauf

von Klingen für den akademischen

Fechtbedarf.

Anfragen und weitere Informationen

unter :

armin.krenn@stud.unileoben.ac.at

oder +43 660 6529406

Heft 1 - 2015 39


Burschenschaftliche

Blätter

Rezensionen

„Die Ausländer“

Mit „Die Ausländer. Warum es immer

mehr werden“ erscheint die fünfte Ausgabe

der „Anstoß“-Schriftenreihe des Jugendmagazins

Blaue Narzisse. BN-Mitbegründer

Felix Menzel greift hier ein vermeintlich

klassisches Thema „rechter“ Autoren

auf. Er wagt es jedoch Perspektiven

einzunehmen, die gerade im konservativen

oder rechten Spektrum oftmals vernachlässigt

werden. Menzel beschäftigt

sich nicht vorrangig mit Existenzängsten

oder prangert die Auswirkungen von Migration

an. Vielmehr stellt er die Frage

nach den Ursachen der weltweit expandierenden

Migrationsströme und dem Umgang

mit diesen. Durchweg beschäftigt

sich Menzel auch mit anderen Autoren

oder Migrationsforschern aus unterschiedlichen

Bereichen. Ganz gleich, ob er deren

Thesen oder Prognosen unterstützt oder

ablehnt, unterstreicht er seine Haltung

stets mit Zahlen und Fakten. Genau dieser

Ansatz macht das Büchlein zu keinem politischen

Pamphlet, sondern führt dem Leser

die Ausmaße der Migrationsproblematik

vor Augen. Menzel betreibt hier keine

Panikmache, aber belegt, daß Europa

selbst bei den optimistischsten Prognosen

nicht nur wirtschaftspolitisch vor einer seiner

größten Herausforderungen steht.

Und daß die Lösung nicht die Forderung

nach einer „Festung Europa“ sein kann,

die ihre Verantwortung in der Weltpolitik

von sich weist. Ob Flüchtlingsbewegungen

oder Wirtschaftsmigration – die

Gründe hierfür sind global und haben –

auch – europäische Ursprünge. Wer eine

Lösung für sie finden möchte, kommt nicht

umher, sie auch aus einer weltpolitischen

Perspektive zu betrachten.

Menzel hinterfragt gar die westliche Interpretation

der Menschenrechte und stellt

diesen das Konzept eines „menschlichen

Minimums“ entgegen. Ob dieser sehr

theoretische Ansatz realpolitisch umsetzbar

und hinsichtlich seines Problemlösungsansatzes

überhaupt praktikabel ist, darf diskutiert

werden. Aber es sind eben jene Thesen,

mit denen das Buch dazu anregt, migrationspolitische

Normen und Strukturen

und auch die Ansätze des Autors zu hinterfragen.

Rezensionen

Der umfangreichste Teil ist konkreten Problemfeldern

gewidmet, die nicht zuletzt

auch gerne von Einwanderungsbefürwortern

thematisiert werden. Ob „Fachkräftemangel“

oder „Überalterung“ – Menzel negiert

keines dieser Probleme. Aber er argumentiert,

warum diese Probleme nicht

durch Einwanderung gelöst werden können.

Die Lösungsansätze der Migra -

tionsbefürworter führten hingegen, neben

wenigen Ausnahmen, vielmehr zur Verschlechterung

der Lage aller Parteien.

Es wird deutlich, daß die Migration nicht

mit einfachen Lösungen zu behandeln ist.

Dies wird anhand verschiedener Ansätze

deutlich, welche Menzel präsentiert. Auch

wenn seine Lösungsansätze teilweise zu

abstrakt erscheinen und nicht immer konsequent

genug wirken. Doch es ist auch

nicht die Absicht Menzels, ein minuziös

geplantes politisches Programm zu präsentieren.

Vielmehr wird das Büchlein „Die

Ausländer“ dem Anspruch der BN-Schriftenreihe

gerecht und liefert Denkanstöße.

Denkanstöße, die im hier behandelten Politikfeld

gerade im konservativen Spektrum

notwendig sein dürften.

Marcel Grauf (Germania Marburg 2010)

Menno Aden:

„Deutsche Fürsten auf

fremden Thronen“

Dem ein oder anderen Jura-Studenten eher

durch seine rechtswissenschaftlichen Veröffentlichungen

bekannt, beschäftigt sich der

Wirtschaftsjurist Menno Aden auch mit historischen

Themen. Sein jüngstes Werk,

„Deutsche Fürsten auf Fremden Thronen –

Das europäische Netzwerk des Hochadels

bis 1914“, beschäftigt sich mit der Bedeutung

des deutschen Hochadels in den Herrscherhäusern

Europas.

Adens zentrale These lautet: Zu Anbruch des

20. Jahrhunderts saßen auf nahezu allen

wichtigen Thronen Monarchen deutscher

Fürstenhäuser. So regierten 1914 zum Beispiel

die Häuser Holstein-Gottdorf in Rußland,

Sachsen-Coburgs in Großbritannien

oder Oldenburgs in Dänemark. Die hohe

Zahl Adeliger deutscher Abstammung im

Ausland erklärt sich aus dem „Prinzip der

Ebenbürtigkeit“: Ein Mitglied des Hochadels

konnte nur heiraten, wenn der Partner

einer als gleichrangig betrachteten Familie

angehörte. Deutschland war aufgrund seiner

Zersplitterung in Kleinstaaten mit eigenen

Fürstentümern besonders geeignet, angemessene

Heiratskandidaten zu stellen.

Durch die Reformation konnte außerdem sowohl

in katholische wie reformierte Herrscherhäuser

eingeheiratet werden.

Durch Familienbande und ein enges Geflecht

gegenseitiger Beziehungen war der

Menno Aden: Deutsche Fürsten auf

Fremden Thronen – Das europäische

Netzwerk des Hochadels bis 1914.

Verlag Druffel & Vowinckel, gebunden,

256 Seiten. ISBN-13: 978-

3806112412

Europäische, und mehrheitlich deutsche

geprägte Hochadel, um die Jahrhundertwende

zu dem diplomatischen und politischem

Netzwerk auf dem Kontinent geworden.

Den heraufdämmernden Weltkrieg

konnte es dennoch nicht verhindern. Im

Gegenteil verleitete der aufkommende Nationalismus

europäische Monarchen deutsche

Herkunft dazu, ihr Deutschtum zu verleugnen,

um so den vermeintlichen Makel

ihrer Abstammung zu kompensieren. Die

Umbenennung des Hauses Sachsen-Coburg

in Windsor 1917 folgt dann dieser

Entwicklung, die einer Deeskalation auf internationalem

Parkett sicher nicht half.

Das Buch ist in zwei Teile strukturiert. Den

ersten Abschnitt nimmt eine Darstellung

der Situation und Geschichte des Hochadels

bis 1914 ein und erklärt Funktionsweise

und Regeln dieser abgeschlossenen

Gemeinschaft. Im Weiteren erläutert Aden

chronologisch die Entwicklung der Thronhäuser

jeweils in den einzelnen Ländern

und auf den „vergessenen Thronen“ wie

Polen, Korsika oder Kurland. Den Anhang

bilden Tabellen über die Staatsformen und

jeweiligen Herrscherhäuser Europas.

Der Leser merkt Aden den Juristen an,

wenn er zum Beispiel unter Rückgriff auf die

„lex salica“ erläutert, warum das Erbrecht

für einen Thron ausschließlich über erstgeborene

Söhne und dann über andere

männliche Verwandte des Inhabers weitergibt.

Insgesamt ist das Buch ein solides

Grundlagenwerk europäischer Geschichte.

Die wechselvolle Geschichte der Dynastien

wird nicht heruntergespult, sondern durch

viele Einlassungen, Abbildungen und Erläuterungen

im historistischen Kontext geschildert.

Moritz Schellenberg (Hamburger Burschenschaft

Germania 2014)

40 Heft 1 - 2015


Rezensionen / Unsere Toten

Das Vermächtnis des

Richters Herbert Pautz

Wieso sollte man die Familienchronik einer

Person lesen, mit der man weder in irgendeiner

Beziehung steht, noch daß es sich um

eine historisch bedeutsame Persönlichkeit

handelt?

Zumindest in diesem Fall lautet die Antwort:

weil man nicht nur als Außenstehender

Einblicke in die Geschichte der Familie

sowie in die Gedankenwelt des Herbert

Pautz bekommt, sondern vor allem, weil

hier die politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts

aus Sicht eines einfachen Bürgers

geschildert werden.

„Ein Augenzeuge ist so wertvoll, wie zehn

Berichte aus zweiter Hand“, sagte der römische

Dichter Titus Maccius Plautus einst.

Der Augenzeuge Herbert Pautz berichtet

klar und ehrlich – heute würde man wohl an

einigen Stellen sagen „politisch-unkorrekt“.

Lobt er doch rückblickend auf seine

Jugend die Pracht des alten deutschen Kaiserreiches

und offenbart, daß die 20er Jahren

vor allem eines nicht waren für die meisten

Deutschen – golden. Positiv in jener

Zeit hebt er jedoch seine Studienzeit hervor.

So war der angehende Jurist Pautz bei

der Berliner Burschenschaft Sigambria

Charlottenburg sowie später bei Rhenannia

Burschenschaftliche

Blätter

Halle aktiv. „Seine Ehre hatte der Burschenschafter

damals noch mit der Waffe zu verteidigen“,

schreibt Pautz, „und Ehre – mit

der Waffe verteidigt – wiegt schwer. Wer

das nicht wollte, brauchte ja nicht eintreten.“

Insbesondere vermittelt die Beschreibung

der Zwischenkriegsjahre einiges über

die politische Situation der damaligen Zeit.

Seine Kriegserlebnisse und die Vertreibung

seiner Familie aus den Ostgebieben werden

anschließend ebenso beschrieben sowie

politische Vorkommnisse und Veränderungen

kommentiert: „In Österreich, einem

der Kernländer des alten deutschen Reiches,

hat man den 'österreichischen Menschen'

erfunden, als ob die Österreicher

nicht ebenso gut Deutsche wären wie wir.“

Insgesamt ist „Das Vermächtnis des Richters

Herbert Pautz“ angenehm-amüsant zu

lesen. Nicht nur, weil der Rezensionist einige

bekannte Orte darin wiederfand. Für

den außenstehenden Leser können einzelne

Passagen etwas langatmig wirken, so

wird der Familienstammbaum doch sehr

Detail-verliebt aufgeschlüsselt und kommentiert.

Dennoch bleibt diese sympathische

Chronik im Gedächtnis, vermittelt sie

doch manchmal den Eindruck, man säße

bei Großvater Pautz auf dem Schoß und

bekommt die Geschichte lebendig vermittelt.


Dieter Kaul (Germania Marburg), Studiendirektor a.D., verstorben in Remscheid am 24. Dezember 2010

Unsere Toten

Martin Dippel (Germania Marburg), Pfarrer a.D., verstorben in Kassel am 22. Januar 2011

Gerd Sümenicht (Germania Marburg), Studiendirektor a.D., verstorben in Hannover am 6. Dezember 2011

Günter Schmidt VI (Germania Marburg), Studienrat a.D., verstorben in Marburg am 9 Dezember 2011

Dr. rer.pol. Hans-Joachim Lorenz (Hansea Hamburg, Hansea-Alemannia Hamburg), Diplom-Betriebswirt, verstorben in Hue,

Vietnam, am 28. Oktober 2013

Udo Themar (Alemannia Straßburg zu Hamburg, Hansea-Alemannia Hamburg), Rechtsanwalt u. Notar a.D., verstorben zu Ahrensburg

am 3. November 2014

Dr. med. Dr. med. dent Herbert Stoppelhaar (Alemannia Straßburg zu Hamburg, Hansea-Alemannia Hamburg), praktischer Arzt,

verstorben in Wolfsburg-Vorsfelde am 18. November 2014

Johann Peter Meyer (Alemannia Straßburg zu Hamburg, Hansea-Alemannia Hamburg), Realschulrektor a.D., verstorben zu

Scheeßel am 18. Februar 2015

Dipl.-Ing. Rainer Overlack (Libertas Brünn zu Aachen), verstorben in Bottrop am 23. Februar 2015

Dipl.-Volkswirt Hartmut Pratschke (Suditia München 1964), Geschäftsführer, verstorben in Taino/Italien am 11. Februar 2015

Heft 1 - 2015 41


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7.–10. Mai 2015

110. Stiftungsfest der Burschenschaft

Normannia-Nibelungen zu Bielefeld.

Um Anmeldung wird gebeten

28.–31. Mai 2015

Burschentag in Eisenach. Das Programm

entnehmen Sie bitte der gesondert erfolgten

Einladung.

Stammtisch der VAB Starnberg

Der VAB-Stammtisch findet von nun an jeden

zweiten Freitag im Monat, ab 19 Uhr im

„Gasthaus in der Au“, Josef-Jägerhuber-

Straße 15 in 82319 Starnberg statt.

Peter Rochell (Arminia Hannover)

Anschriften der Burschenschaftlichen Amtsstellen

1. Deutsche Burschschaft

Vertreten durch die Vorsitzende Burschenschaft,

siehe unter Herausgeber im Impressum.

Verbandsobmann für Hochschul- und allgemeine Politik

Patrick Koerner (Brixia Innsbruck),

Innstrasse 18, A-6020 Innsbruck

Telefon: +43 (0)650 3245591,

E-Post: politik@burschenschaft.de

Verbandsobmann für Nachwuchswerbung und Sport

Fritz Hoewer (Germania Köln),

Bayenthalgürtel 3, D-50968 Köln,

Telefon: +49 (0)157 38836135,

E-Post: nachwuchs@burschenschaft.de

Beisitzer im Verbandsrat

Dr. Wilhelm Haase (Saxo-Silesia Freiburg),

Detmolder Straße 52 a, 33813 Oerlinghausen,

Telefon: +49 (0)5202 5230,

E-Post: beisitzer@burschenschaft.de

Beisitzer im Verbandsrat

Daniel Stock (Stauffia München),

c/o Münchener Burschenschaft Stauffia,

Stollbergstraße 16, D-80539 München,

E-Post: beisitzer@burschenschaft.de

Schatzmeister

Volker-Ralf Lange (ABB Raczeks Bonn),

Drachenfelsstraße 35, D-53757 Sankt Augustin

Telefon: +49 (0)171 7799000

E-Post: schatzmeister@burschenschaft.de

Konto

Deutsche Burschenschaft,

Raiffeisenbank Sankt Augustin,

IBAN: DE48 3706 9707 1007 0190 13,

BIC: GENODED1SAM

Vorsitzender des Rechtsausschusses

der Deutschen Burschenschaft

Christian Balzer (Rheinfranken Marburg),

Barmer Straße 4, D-40545 Düsseldorf,

Telefon: +49 (0)176 22365876,

E-Post: rechtsausschuss@burschenschaft.de

Referent für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit

Walter Tributsch (Teutonia Wien),

Landstraßer Hauptstraße 4, A-1030 Wien,

Telefon: +43 (0)676 7379745,

E-Post: presse@burschenschaft.de

2. Verband der Vereinigungen Alter Burschenschafter

(VVAB)

Vorort des VVAB: Vereinigung Alter Burschenschafter

Oberösterreich zu Linz

Vorsitzender: Arch. Dipl.-Ing. Paul-Ernst Huppert (Suevia

Innsbruck, Arminia Czernowitz zu Linz),

Tel. +43 (0)664 5528515,

Kassenwart: Mag. Wolfgang Rochowanski (Oberöster -

reicher Germanen zu Wien), Tel. +43 (0)650 7222332,

Kanzleiadresse: Rechtsanwälte Klicnik Lang,

Taubenmarkt 1 / Domgasse 22, A-4020 Linz

Über die E-Post-Adresse obmann@burschenschafter

turm.at werden alle Amtsträger des Vorortes parallel erreicht.

3. Bund Chilenischer Burschenschaften (BCB)

B! Vulkania zu Valdivia

Los Manzanos 040, CL-5110665 – Valdivia, CHILE

info@bcb.cl

4. Burschenschaftlicher Verein für nationale

Minderheiten

Vorsitzender: Dr. Bruno Burchhart (Olympia Wien),

A-9184 St. Jakob i. Ros. 130, Tel.: +43 (0)664 9163853,

E-Post: minderheiten@burschenschaft.de

5. Burschenschaftsdenkmalverein in Eisenach

Vorsitzender: Dr. Marc Natusch (Cheruscia Dresden,

Rheinfranken Marburg), Leiblweg 12, D-70192 Stuttgart,

Tel. +49 / (0)711 82086679, Fax +49 (0)711 82086683,

E-Post: post@marc-natusch.de

6. Denkmalerhaltungsverein Eisenach e.V.

Thomas Mayer-Steudte (Normannia Heidelberg),

Auf dem Hundshövel 6, D-46446 Emmerich am Rhein,

Telefon: +49 (0)172 2093255,

E-Post: thomas.mayer-steudte@t-online.de

7. Sonstige burschenschaftliche Amtsstellen

Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung

e.V.

Vorsitzender: Dr. Klaus Oldenhage (Norddeutsche und

Niedersachsen, Germania Trier), Bismarckstr. 9–11,

D-56068 Koblenz, Tel. +49 (0)261 36256,

E-Post: k.oldenhage@online.de

1. Stellvertretender Vorsitzender und Schatzmeister:

Hans-Jürgen Schlicher (Alemannia München, Germania Trier)

Am Zieglerberg 10, D-92331 Lupburg-Degerndorf,

Tel. +49 (0)9492 6168, Fax +49 / (0)9492 7449,

E-Post: hans-juergen.schlicher@gmx.de,

Bankverbindung: Gesellschaft für burschenschaftliche

Geschichtsforschung e.V., BW-Bank Stuttgart,

Konto-Nr.: 4 320 061, BLZ: 600 501 01,

IBAN: DE37 6005 0101 0004 3200 61, BIC: SOLADEST600

2. Stellvertretender Vorsitzender und Schriftenempfänger:

Dr. Frank Grobe M.A. (Teutonia Aachen),

Dotzheimer Straße 56, 65197 Wiesbaden,

Tel.: +49 (0)176 20123495,

E-Post: frank.grobe@gmx.de

8. Archiv und Bücherei der Deutschen Burschenschaft

PD. Dr. Dr. Harald Lönnecker (Normannia-Leipzig zu Marburg,

Normannia Leipzig, Germania Kassel, Ghibellinia zu

Prag in Saarbrücken EM, S! Normannia-Danzig Braunschweig

EM)

Bundesarchiv, Potsdamer Straße 1, D-56075 Koblenz,

Tel. +49 (0)172 4255965,

E-Post: archiv@burschenschaft.de

42 Heft 1 - 2015


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