Artikel Mix am Mittwoch Ausgabe 2016-02-03

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Seite12

VITAL

Mittwoch,3.February2016

TELEGRAMM —

Das Leben ändert sich

Was die Diagnose Krebs bedeutet, das weiß die Frankfurterin Beate Düerkop-Scheld nur zu gut

Beate Düerkop-Scheld aus Frankfurt ist als junge

Frau zweimal an Krebs erkrankt. Zwei Mal

hat sie die Krankheit überwunden. Von diesen

positiven Erfahrungen möchte sie heute gerne

etwas an andere Betroffene weitergeben. Mix

sprach mit der Heilpraktikerin für Psychotherapie

anlässlich des morgigen Weltkrebstag über

die Diagnose, die das Leben verändert und wie

Angehörige mit Trauer, Wut, aber auch Hoffnung

umgehen.

VonStefanieD.Stobbe

EsgibtMomenteimLeben,

indenenwirprofessionelle

Hilfebenötigen.DieDiagnoseKrebsisteinesolche.

Wiegehtmandamitum?

Beate Düerkop-Scheld: So

vielfältigwirMenschensind,

so unterschiedlich reagieren

wir auch auf die Diagnose

Krebs. Manche Patienten gehen

damit sehr pragmatisch

um und überlegen sich, was

nun zu tun ist. Andere sind

erst einmal geschockt und

fühlen sich völlig handlungsunfähig.

Manche wollen

dann nicht glauben, dass die

Diagnosestimmtundvermuten

einen Irrtum seitens der

Ärzte.

Andere Patienten berichten,

dass sie sich nach der Feststellung

der Erkrankung wie

betäubt gefühlt hätten. Sie

wären so geschockt gewesen,

dass sie die Nachricht einfach

ausgeblendet hätten.

Oft wird diese „Ohnmacht

und Fassungslosigkeit“ von

vielfältigen Ängsten abgelöst.

WelcheRollespieltIhrer

Meinungnacheinestarke

PsycheundeineoptimistischeEinstellung,um

eineKrankheitwieKrebs

zuheilen?

Düerkop-Scheld: Die Belastungen

des Alltags wirken

sich unmittelbar auf unsere

Gesundheit aus. Jeder von

uns hat schon die Erfahrung

gemacht, dass wir in Zeiten

von Überlastung oder Niedergeschlagenheit

anfälliger

für Erkrankungen sind, während

wir seltener krank werden,wenn

wir uns glücklich,

ausgeglichen und zufrieden

fühlen. Dies bestätigen meine

eigenen Erfahrungen. Vor

meiner Krebserkrankung

warichsehrangespannt,hatte

mich häufig selber überfordertundsehrhoheErwartungen

an mich. Und dann

kam die Krankheit, die mir

die Endlichkeit meines Lebens

deutlich vor Augen

führte.IndiesemAugenblick

traf ich für mich die Entscheidung,

den Krebs offensiv

anzugehen und mein Lebenzuverändern.

BeateDüerkop-Scheldaus

FrankfurtistHeilpraktikerin

fürPsychotherapiemitdem

SchwerpunktPsychoonkologie.

Dennochkommtesnach

einersolchenDiagnose

immerwiederzumentalen

RückschlägenundTiefs.

Wiekommtmanauseinem

solchen„Loch“ambesten

wiederheraus?

Düerkop-Scheld: Das ist

sehr individuell und es gibt

hierfür kein Patentrezept. Es

kommt auch darauf an in

welchem„Loch“mansichgerade

befindet und ob man

bereit ist, sich Hilfe zu suchenunddieseanzunehmen.

JederMenschhatdaseineeigenen

Strategien. Der

Spruch: „Wenn’s hilft, dann

mach mehr davon. Wenn’s

nichthilft,dannlassessein“,

trifftessehrgut.Fürmanche

sind Gespräche in diesenAugenblicken

sehr wichtig, andere

brauchen vielleicht einfachnurjemanden,dersiein

den Arm nimmt. Aber auch

Rückzug und sich eine Auszeit

nehmen können mögliche

Reaktionen oder Verhaltensweisensein.Fürmichist

in diesem Augenblick die

Hoffnung am wichtigsten.

Solange ich diese habe,kann

ich auch ein Tief ertragen.

Wenn es diese Hoffnung

aber nicht mehr gibt, kann

ich nur jedem raten sich professionelle

therapeutische

Hilfezusuchen.

WielässtsichdieLebensqualitäteinesKrebspatientensteigern?

Düerkop-Scheld: Wichtig ist

hierbei vor allen Dingen die

neue Situation erst anzunehmen

wie sie ist. Das Leben

ist deswegen nicht vorbei.

Nur die Sichtweisen verändern

sich. Ganz wichtig hierbei,

den Blick wieder auf die

kleinen,machbarenDingezu

lenkenundzulernensichan

diesenzuerfreuen.Vielleicht

ist eine Tageswanderung

nicht mehr möglich,aber ein

20-minütiger Waldspazierganggehtimmernoch.

DerMix-Tipp

Kurse bei der VHS

AuchdasfamiliäreUmfeld

triffteinesolcheDiagnose

wieeinSchock.Wiesollten

AngehörigemitGefühlen

vonTrauer,WutoderHoffnungslosigkeitumgehen?

Düerkop-Scheld: Oftmals

sind Lebenspartner und Familienangehörige

durch die

neue Situation ebenfalls belastet.

Trauer,Wut und Hoffnungslosigkeit

bei Angehörigen

sind ganz normal, wie

bei Krebspatienten auch.

Wichtig ist vor allen Dingen

das offene Gespräch. In meiner

Praxis habe ich oft Anfragen

von Angehörigen von

Krebspatienten, die nicht

wissen wie sie mit der Situation

umgehen sollen. Häufig

setzen sie sich selbst sehr

stark unter Druck, weil sie

für denAngehörigen (Patienten)

da sein wollen. Mit dem

Missachten der eigenen

Grenzen und dem UnterdrückeneigenerGefühleistdem

an Krebs Erkrankten aber

nichtgeholfen.

Selbstverständlich benötigen

Angehörige sehr viel Kraft.

Quellen für das Generieren

solcher Kräfte können zum

BeispielGesprächemitAnderen,

oder das Finden eines

gesunden Ausgleichs sein.

Die meisten Patienten wünschensichwiedereinen„normalen“

Alltag und Umgang

mitihrenPartnernundihren

Familien, auf keinen Fall

aber übertriebene Rücksichtnahme.

Eine Krebserkrankung

ist für alle Beteiligten

eine Herausforderung, aber

aucheineChance!

Aktuell bietet Beate Düerkop-Scheld ab Mitte Februar

Kurse in der Volkshochschule in Bad Homburg an. Informationen

zu ihren Therapieangeboten finden Interessierteauchaufwww.hp-psychotherapie-frankfut.de.

Weitere Informationen bietet auch der Frankfurter

Krebswegweiser des Frauenreferates. Er kann unter Telefon069/212-35319kostenlosangefordertwerden.

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