Friedenswettbewerb 2014

frauenkirche

Begleitend zu den Reden von Friedensnobelpreisträgern in der Frauenkirche Dresden findet ein Schülerwettbewerb statt. 2016 stellte der Botschafter Dr. Mohamed ElBaradei die Wettbewerbsaufgabe und traf am Tag seiner Rede drei Preisträgergruppen.

Friedensnobelpreisträger

in der Frauenkirche Dresden

18. März 2014

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»Friedenswettbewerb«

Sächsische Schülerinnen und Schüler wurden zu einem Ideenwettbewerb eingeladen

Der Friedensnobelpreis ist Auszeichnung für eine Lebensleistung.

Einzelpersonen oder Organisationen werden für

einen Impuls gewürdigt, der herausragend für das friedliche

Zusammenleben zwischen Menschen dieser Welt gewirkt

hat. Der Preis ist rückblickend eine Anerkennung für Geleistetes

und vorausblickend eine Verpflichtung. Schülerinnen

und Schüler suchen ihr Leben zu gestalten. Dabei spielt die

Ausbildung in der Schule eine wesentliche Rolle. Sensibilität

für Friedensfragen kann in unterschiedlichen Fächern inhaltlich

entwickelt werden. Junge Menschen denken und kommunizieren

in der Regel weltweit und stehen zugleich vor

der Herausforderung ihr persönliches Lebensumfeld sinnvoll

und friedlich zu gestalten. Die Erfahrung, dass das persönliche

Engagement Beachtung findet und Wirkungen entfalten

kann, die weit über das individuelle Umfeld hinausreichen, ist

kostbar. Nicht zuletzt sind es auch persönliche Vorbilder, an

denen sich Schülerinnen und Schüler orientieren. Inhalte vermitteln

sich nachhaltiger, wenn sie mit Emotionen verbunden

werden können. Persönliche Wertschätzung und menschliche

Begegnungen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Insofern liegt es nahe, Friedensnobelpreisträger unmittelbar

mit jungen Menschen in Verbindung zu bringen. Für beide

kann die Begegnung im besten Fall eine Bereicherung sein.

Im Zusammenwirken mit dem Sächsischen Staatsministerium

für Kultus konnte durch die Stiftung Frauenkirche ein Schülerwettbewerb

ausgelobt werden, der die Rede des Friedensnobelpreisträgers

Dr. Mohamed ElBaradei inhaltlich flankiert

und im Blick auf die Situationen von jungen Menschen

heute aktualisiert. Eine Welt ohne Nuklearwaffen – Illusion

oder Auftrag an die junge Generation in dieser Welt? Mit

dieser Frage beschäftigten sich Schulklassen und kleine

Arbeitsgemeinschaften auf Anregung des Friedensnobelpreisträgers

im Vorfeld der Rede. Ziel ist es, Jugendliche nicht nur

in besonderer Weise zur Rede des Friedensnobelpreisträgers

in die Frauenkirche einzuladen, sondern sie am histo rischen

Ort der Verwundung und Versöhnung als Partner auf Augen -

höhe am politischen Diskurs mit namhaften Politikern teilhaben

zu lassen. Der Preis für die Siegergruppen war bewusst nicht

die Füllung der Klassenkasse, sondern ein ideeller Wert: Ein

Tag an der Dresdner Frauenkirche, der in einem gesonderten

Format die Geschichte und Botschaft dieser Kirche erleben

lässt, Möglichkeiten eröffnet, andere Schülerinnen und

Schüler mit ihren Ideen kennenzulernen, gemeinsam zu essen

und zu entdecken, und auf kreative Weise die Fragen und

Interessen zu entwickeln, die man am Abend im exklusiven

Gespräch mit dem Friedensnobelpreisträger erörtern will.

Die Gedanken und Wünsche der jungen Menschen für eine

friedvolle Zukunft fanden in einer transparenten »Wunsch-

Welt« Platz, die in den zukünftigen Jahren in der Frauen -

kirche ausgestellt sein wird, als Ansporn zur Friedensarbeit. Die

persönliche Würdigung der Schülerinnen und Schüler durch

die hochrangig besetzte Jury und den Ministerpräsidenten

bot eine gute Grundlage für ein beiderseitig wertschätzendes

und interessiertes Gespräch zwischen dem Friedensnobelpreisträger

und den ausgezeichneten Schülergruppen. Das ge -

schützte Format eines nichtöffentlichen Gesprächs für zwei

Stunden in der Unterkirche unmittelbar vor dem öffentlichen

Vortrag im Hauptraum eröffnete die exklusive Möglichkeit,

Dr. ElBaradei nicht nur als politischen Akteur vor dem Hintergrund

seiner Lebensleistung kennenzulernen, sondern auch

als Menschen wie du und ich mit Hoffnungen, Enttäuschungen

und Idealen.

Holger Treutmann, Pfarrer der Frauenkirche

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Die Siegerbeiträge

des Schülerwettbewerbs

125 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten dem Aufruf

der Stiftung Frauenkirche Dresden am Friedenswettbewerb

»Schüler treffen Friedensnobelpreisträger in der Frauenkirche

Dresden« teilzunehmen. Dr. Mohamed ElBaradei fragte: »Eine

Welt ohne Nuklearwaffen – Illusion oder Auftrag an die junge

Generation in dieser Welt?« und rief die Schülerinnen und

Schüler auf, sich intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen

und ihre Wünsche, Ängste, Ideen und Lösungsansätze

vorzustellen. Die Stiftung Frauenkirche Dresden erreichten Beiträge

u.a. in Form von Film, Hörspiel und Schülerzeitung. Die

drei Jurymitglieder lobten das Engagement der Teilnehmenden

und die hohe Qualität der Einreichungen. Besonders wurde

die Kreativität hervorgehoben, mit der die Schülerinnen

und Schüler einerseits die Gründe für das Streben nach Atomwaffen

darstellten und zugleich die Folgen des Besitzes für die

internationale Sicherheit und einen möglichen Einsatz dabei

nicht außer Acht ließen. Anders als noch in den 1980er Jahren

nahmen die Schülerinnen und Schüler nicht nur eine europäische

Perspektive ein, sondern thematisierten die globalen Aspekte

der (Nicht-)Verbreitung und Möglichkeiten der Kontrolle

von Atomwaffen. Aus den dreizehn Gruppeneinreichungen

benannte die Jury drei gleichrangige Sieger, die das Wettbewerbsthema

in herausragender Weise bearbeitet hatten. Zur

Jury gehörten neben der Bundesbeauftragten für Fragen der

Abrüstung und Rüstungskontrolle, Ministerialdirigentin Antje

Leendertse, Herbert Wolff, Staatssekretär

des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

und Dr. Oliver Meier, Stiftung Wissenschaft

und Politik am Deutschen Institut für

Internationale Politik und Sicherheit.

»Frieden statt

Bekriegen«

Auf dem Weg in eine Welt ohne Nuklearwaffen

Victoria Lê, Livia Koenitz, Charlotte Bäcker, Hannes Lienig,

Silvia Dietze, Anna Dorothea Uschner, Sophia Lehne, Nora

Hartmann, Oleksiy Bezugly, Jenny Steinert, Mei Yang, Stefanie

Pusch (Lehrerin) – Gymnasium Dresden-Plauen

In einer Spezialausgabe des fiktiven politischen Jugendmagazins

„The Road“ thematisierten die Jugendlichen die Fragestellung

des Wettbewerbs. Zunächst setzten sie sich mit der

Geschichte der Atomwaffen und den gegenwärtigen weltweiten

Standorten von Atomwaffen auseinandergesetzt und

führten im Anschluss beim »Tag der Offenen Tür« ihres Gymnasiums

eine Umfrage und Aktionen durch, um auf das Thema

aufmerksam zu machen und sich eine Meinung zu bilden.

»Das Magazin fällt durch seine sachliche Kompetenz, professionelle

Gestaltung und den überaus differenzierten Umgang

mit dem Wettbewerbsthema positiv auf. Es ist ein exzellent

recherchiertes, bestens durchdachtes Heft, das Interesse für

das Thema (nicht nur) bei Jugendlichen weckt«, so die Jury in

ihrer Begründung des Siegerbeitrages.

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»zehn«

Thesenanschlag

»Die Entscheidung

liegt bei Euch!«

Für eine Zukunft ohne Atomwaffen

Adrian Laugsch, Valentin Gies, Daniel Hofmann, Pia Weigel,

Helena Kieß – Evangelisches Kreuzgymnasium Dresden

Milena Hauser, Henriette Weiß, Charlotte Pech,

Victoria Tost – Evangelisches Kreuzgymnasium Dresden

Die Einreichung umfasste eine filmische Performance und ein

begleitendes Essay und thematisierte visionär zehn grundsätzliche

Thesen. »Kühn und mutig sollen zehn Thesen künden

von einer friedlicheren Welt der Sicherheit und Freiheit von

atomaren Bedrohungen der Existenz der Menschheit«.

»Neben der sehr schlüssigen Streitschrift, die Sehnsüchte,

Appelle, Bedenken und Begehren der jungen Generation

auf- und anzeigt, haben die Schülerinnen und Schüler eine

filmische Übersetzung der Worte eingereicht, die in ihrer expressiven

Symbolhaftigkeit einem apokalyptischem Aufschrei

nahekommt«, waren sich die Jurymitglieder einig. Lobend erwähnt

wurde zudem die hervorragende Filmmusik, die vom

15-jährigen Adrian Laugsch, einem der jüngsten Komponisten

in Sachsens, stammt.

»Der Beitrag wirft vor allem die Frage auf, welche Dilemmata

sowohl eine atomwaffenfreie Welt als auch das Festhalten an

Atomwaffen mit sich bringt. Eine solch differenzierte und für

den Zuschauer manchmal überraschende Analyse, verbunden

mit der Aufforderung, selbst zu entscheiden welche Welt die

bessere ist, dürfte ein nachhaltigeres Engagement für die nukleare

Abrüstung hervorbringen als plakative Warnungen vor

dem Atomkrieg«, äußerte sich die Jury in ihrer Begründung.

Die Jugendlichen reichten einen Kurzfilm ein, der über einen

historischen Überblick zur Entwicklung von Atomwaffen einen

Entwurf alternativer Zukunftsszenarien aufzeichnete.

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Jugendliche erleben Frauenkirche

Wie haben die Schülerinnen und Schüler des Schülerwettbewerbs die Frauenkirche erfahren?

»Ich höre einen Ton aus vielen Tönen: Frieden, Frieden, wo

Gott wohnt« – die letzten Worte des Gedichts, das Christian

Lehnert 2003 anlässlich der Weihe der neuen Frauenkirchenglocken

für die Friedensglocke Jesaja schrieb, verklingen. Dicht

beieinander stehen die Jugendlichen in den beiden schmalen

Glockenstuben, vor Augen die Glocken, deren Namen und

Zier auf ihre liturgische Funktion hinweisen. Warum sich ins

achtstimmige Geläut der Frauenkirche neben sieben neuen

Glocken auch die fast fünfhundert Jahre alte Gedächtnisglocke

einfügt, ist eine von vielen Entdeckungen auf dem Weg der

Schülerinnen und Schüler durch die Frauenkirche.

Der Weg beginnt in der Unterkirche, dem Raum der Stille. Ehemals

Grablege, Kirchenkeller und Schutzraum in Kriegszeiten

trägt der sparsam gestaltet Sakralraum sichtbare Spuren existenzieller

Themen wie Tod und Auferstehung, Krieg und Zerstörung,

Verletzung und Heilung. Hier in Stille anzukommen,

selbst still zu werden, die Aufmerksamkeit dem Nebeneinander

alter und neuer Steine und dessen Botschaft zuzuwenden,

Zitate laut zu lesen, wie Augenzeugen den Bombenangriff auf

Dresden erinnerten, die Bedeutung moderner Gestaltungselemente

bewusst wahrzunehmen und schließlich die eigene

Stimme aufschwingen zu lassen in einem Gesang, der den

schlichten, steinsichtigen Raum mit lebendigem Klang erfüllt,

eröffnet die Frauenkirchenerkundung. Ihr Ziel ist die Ermöglichung

individueller Begegnung mit der Frauenkirche und ihrer

Botschaft, die aus sich selbst heraus nahelegt, warum die Rede

eines Friedensnobelpreisträgers hier ihren richtigen Platz hat.

Von der Unterkirche steigen wir auf in den Kirchenraum, wo das

Leben in der Frauenkirche hauptsächlich stattfindet: in Gottesdiensten,

Konzerten, Vorträgen und Zeiten offener Kirche.

Von der zweiten Empore schweift der Blick durch den Raum:

nach unten zu den Tagesbesuchern, die besichtigend einhergehen,

in Betrachtung versunken sitzen oder im Gespräch mit

einem gastgebenden, ehrenamtlichen Kirchenführer stehen,

nach oben zu den Bildfeldern der Innenkuppel und natürlich

nach vorn zum Altar. Nach wenigen einleitenden Worten zu

geschichtlichen Rahmendaten und warum der Kirchenraum

gebaute evangelische Theologie ist, wechseln wir eine Etage

tiefer und treten auf der Sängerempore dicht an den gebrochenen

Altar heran. Aus der Fülle des Bildprogramms fokussiert

die Wahrnehmung in der zentralen Altarszene, wo sinnfällig

Kriegszerstörtes belassen wurde, etwa an der Figur des

Judas und wo »Narben der geheilten Wunde« sich dem zweiten

Blick entbergen. Woran diese Narben erinnern und wozu

sie mahnen, wiederholt das im Kirchenraum aufgestellte alte

Turmkreuz. Bevor die Erkundungstour weiter nach oben führt,

wird die Einladung ausgesprochen, später am Tage unten am

alten Turmkreuz ein Gebetslicht anzuzünden: in Gedenken

an... Es folgen der Aufenthalt in den Glockenstuben und danach

der Aufstieg hinauf zur Aussichtsplattform.

Wie sich der Blick von hier über Dresden hinaus in die Weite

richtet, weist auch die Botschaft der Frauenkirche über räumliche

und zeitliche Grenzen hinweg in eine zukünftige Welt, für

die die Jugendlichen von heute in besonderer Weise einstehen

werden. Dass sie sich dieser Verantwortung stellen wollen,

haben die Schülerinnen und Schüler in ihren preisgekrönten

Beiträgen eindrücklich gezeigt.

Anja Häse

Dr. Anja Häse ist seit 2002 Leiterin des Besucherdienstes

der Stiftung Frauenkirche Dresden.

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»Es gibt sie also noch, die Menschen mit Vision, die Furchtlosen

und Mutigen: Das Treffen mit Mohamed ElBaradei euphorisierte

mich und stimmte mich nachdenklich zugleich.

Im alltäglichen Trott scheint man manchmal den Blick für das

Ganze zu verlieren, wenn man sich in Nichtigkeiten verrennt,

anstatt den großen Weltproblemen mit Weitsicht, Klugheit

und Zähheit zu begegnen, so wie der Friedensnobelpreisträger

es Tag für Tag zu tun pflegt. Besonders beeindruckt

hat mich seine Bodenständigkeit, die uns verriet, dass er im

Moment, als ihm der begehrte Preis verkündet wurde, einen

Schlafanzug trug, und seine Liebe zum Menschen, die er als Motiv seines Handels in vielen

Sätzen durchblicken ließ. Die Kuppel der Frauenkirche wurde für mich zum Zelt einer friedvolleren

und gerechteren Welt, als ElBaradei am Abend dieses Tages der Momente des Friedens

seine Forderungen verkündete. Der 18. März: für mich ein sich tief in mein Gedächtnis

einbrennender Tag und die Zusammenkunft mit einem Helden.« Helena Kieß

»Meiner Meinung nach war der Tag in der Frauenkirche

sehr gelungen. Neben den Veranstaltungen zum Wettbewerb

hat mir besonders die Führung durch die Frauenkirche

gefallen. Dort hat man Dinge erfahren, die man als

›normaler‹ Tourist nicht lernt. Die Rede am Abend fand ich

sehr anschaulich, da ElBaradei so viele Argumente vorbrachte.

So war meiner Meinung nach besonders überzeugend,

dass er gezeigt hat, dass nicht nur Regierungen und hohe

Institutionen Veränderungen bewirken können. Jedem Einzelnen

ist es möglich, sich gegen Atomwaffen einzusetzen.«

Sophia Lehne

»Ich bin froh, an diesem Projekt teilgenommen zu haben.

Dadurch habe ich zum ersten Mal genauer nach

Atomwaffen geforscht und mich mit diesem Thema

auseinandergesetzt. In diesem Zusammenhang stellte

die Kirche für mich einen Ort des Friedens, aber auch

der Stärke dar. Die Begegnung mit dem Friedensnobelpreisträger,

welche im Laufe des Tages stattfand, war

einer der Höhepunkte.« Livia Koenitz

»Die Ankunft im Raum der

Stille war für mich etwas sehr

besonderes. Wir durften erst

einmal zur Ruhe kommen und

haben dann die Akustik des

Raumes ausprobiert, indem

wir einen alten Kirchengesang

eingeübt und dann gesungen

haben. Das Gespräch war das

Spannendste. Wir durften mit

dem Friedensnobelpreisträger

über das Thema Atomwaffen

diskutieren. Eine große Ehre!

Ich habe durch das Gespräch

auch eine neue Ansichtsweise

erhalten. ElBaradei hat uns ermutigt,

sich gegen Atom- und

Nuklearwaffen einzusetzen. Er

hat uns klar gemacht, dass wir

endlich etwas machen müssen,

denn es ist allerhöchste

Zeit. Es hat mich beeindruckt,

dass er Hoffnung in eine

Gruppe ganz normaler Kinder

setzt und extra angereist ist,

um uns anzuspornen.«

Mei Yang

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»Da ich als Dresdnerin bis zu diesem Tag noch nie auch nur

einen Fuß in die Frauenkirche gesetzt habe, sind mir persönlich

besonders die Momente im Glockenturm und – trotz des Windes

– auf der Kuppel in Erinnerung geblieben, was sicherlich

auch an den vielen interessanten, teilweise auch historischen,

Informationen lag. Das Gespräch mit dem Friedensnobelpreisträger

Mohamed ElBaradei war sicherlich für jeden Zuhörer oder

sogar Fragenden ein einmaliges Erlebnis. Vor allem die Aussage,

dass die Zukunft unserer Welt in den Händen der Jugend liegt,

hat mich in meinem Denken bestätigt.« Silvia Dietze

»Die Führung durch die Frauenkirche war schön und für mich

etwas ganz besonderes, da ich noch nie in der Frauenkirche

war. Der Friedensnobelpreisträger hat eine wunderbare Rede

gehalten, welche auch noch einmal die allerwichtigsten Aspekte

für eine friedvollere Welt aufgezeigt hat. Auch hat mir seine

Rede noch einmal gezeigt, dass alle Menschen der Gemeinschaft

etwas dafür tun müssen, damit wir unserem Ziel, in eine

atomwaffenfreie Welt zu gehen, ein Stück näher kommen. Alles

in allem war es ein unvergesslicher Tag, den ich gegen nichts

eintauschen würde.« Nora Hartmann

»Ich fand den Tag der Preisverleihung, des Gespräches und die

Rede super. Eigentlich ist das die erste Veranstaltung, in der die

Realität die Erwartungen überstieg. Das Gespräch war sogar

wichtiger als die Rede, da dort alles kürzer, verständlicher und

direkter als in der Rede war. Die Auffassung, dass ›wenn die USA

heute globale Überwachung betreiben kann, werden es morgen

viele andere auch können‹ ist eigentlich für mich das Wichtigste,

was ich aus den Gesprächen mitgenommen habe, da meine Motivation

schon zu Beginn des Projekts war, eine bekanntere Person,

die tatsächlich stark überwacht wurde, fragen zu können, wie man

eigentlich dazu steht, wie es sich anfühlt, zu erfahren, dass man überwacht wurde. ElBaradeis

Gedanke, dass unser Denken friedlicher werden müsse, damit sich etwas auf der Welt ändert, hat

mich sehr zum Nachdenken gebracht. Denn tatsächlich denken wir mehr an Krieg als an Frieden.

Und es gibt mehr Medien, die von Krieg handeln, als Medien, die von Frieden handeln. Ob sich

das ändern kann, ist ungewiss.« Aljoscha Bezugly

»Ich habe die Frauenkirche an

diesem Tag sowohl als Rückzugsort,

als auch als Raum der

Begegnung vieler verschiedener

Menschen erlebt, vor allem aber

als Ort mit einer Geschichte, die

uns ermahnt, Frieden zu stiften

und zu erhalten. ElBaradei persönlich

begegnen zu können,

ihm Fragen zu stellen und zuhören

zu können, war und ist

für mich ein unvergessliches

Erlebnis. Es fällt mir schwer, genau

zu sagen, was an diesem

Tag ganz besonders besonders

war. Jeder Ort, den wir gemeinsam

in der Frauenkirche

besucht haben, der Raum der

Stille, die Empore, die Glocken

und zuletzt die Kuppel sowie

die Zeit, die wir mit dem Friedensnobelpreisträger

verbringen

konnten, sind für mich in

ihrer eigenen Art und Stimmung

so beeindruckend gewesen.«

Anna Dorothea Uschner

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Dr. Mohamed

ElBaradei

B i o g r a fi e

Dr. Mohamed ElBaradei wurde 1942 in Kairo geboren. Er

schloss das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität

Kairo ab und wurde später im Fachbereich Internationales

Recht an der New York University School of Law promoviert.

Seinen beruflichen Werdegang hatte er 1964 im diplomatischen

Dienst Ägyptens begonnen, wo er in der Ständigen

Vertretung seines Landes bei den Vereinten Nationen in New

York und in Genf für politische, rechtliche und sicherheitspolitische

Belange zuständig war. Er arbeitete zudem u.a. für die

Generalversammlung der Vereinten Nationen, den UN-Sicherheitsrat,

die Genfer Abrüstungskonferenz, die UN-Menschenrechtskommission,

die Weltgesundheitsorganisation und die

Organisation für Afrikanische Einheit und die Arabische Liga.

Von 1974 bis 1978 war Dr. ElBaradei Rechtsberater im ägyptischen

Außenministerium. 1989 verließ er den diplomatischen

Dienst und wechselte zu den Vereinten Nationen. Er hat auf

der ganzen Welt über internationales Recht, internationale Organisationen,

Weltsicherheit, Waffenkontrolle und friedliche

Nutzung von Atomenergie doziert und ist Autor zahlreicher

Veröffentlichungen.

Dr. Mohamed ElBaradei war von 1997 bis 2009 Generaldirektor

der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), der

er seit 1984 angehörte. Im Oktober 2005 wurde Dr. ElBaradei

gemeinsam mit der von ihm geleiteten Internationalen Atomenergie-Organisation

der Friedensnobelpreis zugesprochen.

Das Nobelpreiskomitee in Oslo würdigte damit den Einsatz der

IAEO und ihres Generaldirektors gegen die Ausbreitung von

Atomwaffen. Der Bedrohung durch Nuklearwaffen müsse mit

einer umfassenden internationalen Zusammenarbeit begegnet

werden. »Dieser Grundsatz findet heute seinen klarsten

Ausdruck in der Arbeit der IAEO und ihres Generaldirektors«,

erklärte das Preiskomitee.

In seinem Heimatland war der Ägypter die zentrale Figur der

Nationalen Bewegung für Veränderung, zu der sich 2010 zahlreiche

Oppositionspolitiker zusammengeschlossen hatten. Sie

setzte sich für demokratische Reformen ein. Im September

2010 rief ElBaradei zum Boykott der anstehenden Parlamentswahl

in Ägypten auf. Ende April 2012 gründete er eine eigene

politische Partei namens »Verfassungspartei«. Im Juli 2013

wurde ElBaradei zum Vizepräsidenten der Übergangsregierung

Ägyptens ernannt, trat jedoch schon am 14. August 2013

zurück und begründete dies mit dem Versuch der ägyptischen

Regierung, die politische Krise in Ägypten gewaltsam zu lösen.

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Friedensnobelpreisträger

2014 – 1970

2014 Kailash Satyarthi und Malala Yousafzai

»für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern

und für das Recht aller Kinder auf Bildung«

2013 Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW)

»für ihre umfangreichen Bemühungen für die Abschaffung

chemischer Waffen«

2012 Europäische Union (EU)

»für ihren gewaltlosen Kampf für die Sicherheit von

Frauen und für das Recht der Frauen zu voller Teilhabe

an der Friedensarbeit«

2011 Ellen Johnson Sirleaf, Leymah Gbowee

und Tawakkol Karman

»für ihren gewaltlosen Kampf für die Sicherheit von

Frauen und für das Recht der Frauen zu voller Teilhabe

an der Friedensarbeit«

2010 Liu Xiaobo

»für seinen langen und gewaltlosen Kampf für grundlegende

Menschenrechte in China«

2008 Martti Ahtisaari

»für seinen bedeutenden, mehrere Kontinente und

mehr als drei Jahrzehnte umspannenden Einsatz für

die Lösung internationaler Konflikte«

2007 Zwischenstaatlicher Ausschuss über Klimaveränderung

(IPCC) und Albert Arnold (Al) Gore Jr.

»für ihre Bemühungen, das Wissen über die vom

Menschen verursachte Klimaveränderung zu erweitern

und zu verbreiten und die nötigen Grundlagen für

Maßnahmen gegen diese Veränderung zu legen«

2006 Muhammad Yunus und Grameen Bank

»für ihr Engagement für eine wirtschaftliche und

soziale Entwicklung von unten«

2005 Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und

Mohamed ElBaradei

»für ihr Engagement, die Anwendung der Kernenergie

für militärische Zwecke zu verhindern und sicherzustellen,

dass Kernenergie für friedliche Zwecke auf

möglichst sichere Weise genutzt wird«

2004 Wangari Muta Maathai

»für ihren Einsatz für nachhaltige Entwicklung,

Demokratie und Frieden«

2003 Shirin Ebadi

»für ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte.

Im Mittelpunkt steht für sie der Kampf für die Rechte

von Frauen und Kindern«

2009 Barack H. Obama

»für seine außergewöhnlichen Anstrengungen zur

Stärkung der internationalen Diplomatie und der

Zusammenarbeit zwischen den Völkern«

2002 Jimmy Carter

»für seine jahrzehntelangen unermüdlichen Anstrengungen

bei der Suche nach friedlichen Lösungen für

internationale Konflikte, für die Förderung von Demokratie

und Menschenrechten und für die Förderung

wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung«

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2001 Vereinte Nationen (U.N.) und Kofi Annan

»für ihre Arbeit für eine besser organisierte und

friedlichere Welt«

2000 Kim Dae-jung

»für sein Wirken für Demokratie und Menschenrechte

in Südkorea und in Asien generell und insbesondere für

Frieden und Versöhnung mit Nordkorea«

1999 Ärzte ohne Grenzen

»in Anerkennung der medizinischen Pionierarbeit der

Organisation auf mehreren Kontinenten«

1998 John Hume und David Trimble

»für ihren Einsatz für eine friedliche Lösung des

Konflikts in Nordirland«

1997 Internationale Kampagne für das Verbot von

Landminen (ICBL) und Jody Williams

»für ihren Einsatz für das Verbot und die Beräumung

von Anti-Personen-Minen«

1996 Carlos Filipe Ximenes Belo und José Ramos-Horta

»für ihr Wirken für eine gerechte und friedliche Lösung

des Konflikts in Ost-Timor«

1995 Joseph Rotblat und die Pugwash Conferences on

Science and World Affairs

»für ihren Einsatz für eine Verringerung der Rolle der

Nuklearwaffen in der internationalen Politik und, auf

lange Sicht, für die Abschaffung dieser Waffen«

1994 Yasser Arafat, Shimon Peres und Yitzhak Rabin

»für ihre Bemühungen, Frieden im Nahen Osten zu

schaffen«

1993 Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk

»für ihr Wirken für die friedliche Beendigung des Apartheid-Regimes

und die Schaffung der Grundlagen für

ein neues, demokratisches Südafrika«

1992 Rigoberta Menchú Tum

»in Anerkennung ihres Wirkens für soziale Gerechtigkeit

und ethno-kulturelle Versöhnung auf der Grundlage der

Achtung der Rechte der indigenen Völker«

1991 Aung San Suu Kyi

»für ihren gewaltfreien Kampf für Demokratie und

Menschenrechte«

1990 Michail Gorbatschow

»für seine Führungsrolle im Friedensprozess, der heute

bedeutende Teile der internationalen Gemeinschaft

charakterisiert«

1989 der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso

1988 die Friedenstruppen der Vereinten Nationen

1987 Oscar Arias Sánchez

1986 Elie Wiesel

1985 Internationale Physiker für die Verhinderung eines

Atomkriegs

1984 Desmond Mpilo Tutu

1983 Lech Walesa

1982 Alva Myrdal und Alfonso García Robles

1981 Büro des Hohen Flüchtlingskommissars der UN

1980 Adolfo Pérez Esquivel

1979 Mutter Teresa

1978 Mohammad Anwar Al-Sadat und Menachem Begin

1977 Amnesty International

1976 Betty Williams und Mairead Corrigan

1975 Andrei Sacharow

1974 Seán MacBride und Eisaku Sato

1973 Henry A. Kissinger und Le Duc Tho

1972 Es wurde kein Friedensnobelpreis in diesem Jahr

verliehen.

1971 Willy Brandt

1970 Norman Ernest Borlaug


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Die Stiftung Frauenkirche Dresden

dankt für die freundliche Unterstützung:

Ein besonderer Dank gilt zudem allen beteiligten Mitarbeitenden und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern der Frauenkirche,

die diese Veranstaltung durch ihren Einsatz maßgeblich ermöglicht haben.

Stiftung Frauenkirche Dresden

Georg-Treu-Platz 3 | 01067 Dresden

Telefon 0351.65606-100 | Telefax 0351.65606-112

stiftung@frauenkirche-dresden.de

www.frauenkirche-dresden.de

Impressum

Herausgeber: Stiftung Frauenkirche Dresden | Georg-Treu-Platz 3 | 01067 Dresden | stiftung@frauenkirche-dresden.de

Geschäftsführung: Pfarrer Sebastian Feydt | Dipl. rer. pol. Christine Gräfin von Kageneck | Pfarrer Holger Treutmann

Redaktion: Mandy Dziubanek

Text: Mandy Dziubanek, Grit Jandura (sofern nicht anders ausgewiesen)

Grafisches Konzept | Umsetzung: THORN werbeagentur Leipzig

Fotos: Steffen Füssel, Grit Jandura (WunschWelt), Bundesregierung/Fotograf: Steffen Kugler (Staatssekretär David Gill)

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