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High Society Aktuelle Hochhausarchitektur und der Internationale Hochhauspreis 2006

ISBN 978-3-936314-77-9

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Inhalt Content

6 GruSSwort – Stadt Frankfurt/Main

Greeting – City of Frankfurt/Main

8 GruSSwort – DekaBank

Greeting – DekaBank

10 GruSSwort – Hochtief Construction AG

Greeting – Hochtief Construction AG

12 Vorwort – DAM

Preface – DAM

14 Internationaler Hochhaus Preis 2006 – Auszeichnungen

tHe International Highrise Award 2006 – Laureates

16 Torre Agbar

ateliers Jean Nouvel

26 Turning Torso

Santiago Calatrava LLC Architects and EngineerS

32 Hochhaus Wienerberg Highrise Wienerberg

delugan Meissl Associated Architects

40 Montevideo

Mecanoo architecten b. v.

46 Jian Wai SOHO

riken Yamamoto & Field ShoP

54 Aktuelle Hochhausarchitektur – Essays

contemporary Highrise Architecture – Essays

56 Stolz und Prestige

Pride and Prestige

layla Dawson

64 Stack to move – Dynamic Vertical Design

ellen Kloft, Georg RombuSCH

72 Ökonomie, Ökologie und Komfort im Hochhausbau –

unvereinbar oder zukunftsträchtig?

Economy, Ecology and Comfort in Highrise Construction –

Incompatible or Seminal?

Volkmar Bleicher

78 Nimm Zwei! Zwillingstürme im Hochhausbau

Take Two! Twin Towers in the Architecture of Skyscrapers

Christina Gräwe


86

Aktuelle Hochhausarchitektur – Projekte

contemporary Highrise Architecture – Projects

88 Airport Tower

Zechner & Zechner ZTGmbH

94 Hearst Headquarters

Foster and Partners

100 Shimao International Plaza

ingenhoven Architekten

104 Shanghai World Financial Center

kohn Pedersen Fox AssociateS

108 Federation Tower

Planungsgesellschaft Föderationsturm Moskau mbH

114 Guangzhou Zhujiang New Town West Tower

wilkinson Eyre ArchitectS

118 Burj Dubai

Skidmore Owings and Merrill

120 Freedom Tower

Skidmore Owings and Merrill

124 Opernturm Frankfurt/Main

Prof. Christoph Mäckler Architekten

128 Neubau der Europäischen Zentralbank New European Central Bank

Coop Himmelb(l)au Prix & Swicinsky & Dreibolz GmbH

132 Vienna DC Tower 1 + 2

dPA Dominique Perrault Architecture

136 Flyotel

Mahmoudieh Design Mahmoudieh concepts, ONL [Oosterhuis_Lénárd]

140 Iceberg Qatar

JSK Dipl. Ing. Architekten

144 The Vortex

Make architectS

148 Ray of the Century

léon Wohlhage Wernik Architekten

152 Jinmen Tower

Jo. Franzke Architekten

156 Autoren / Authors

157 AbBildungsnachweise / Illustrations Credits

159 Impressum / Imprint


Vorwort – Dam

Preface – Dam

Peter Cachola Schmal

Direktor Director Deutsches Architekturmuseum (DAM)

Christina Gräwe

Kuratorin curator

Der Hochhausbau boomt – wieder

verursacht kontroverse Diskussionen – weiterhin –

stellt ungeahnte Höhenrekorde auf

und bringt technische und ästhetische Innovationen hervor.

Highrise construction is booming – once again –

triggering controversy – once again –

setting unprecedented records for height,

and spawning technological and aesthetic innovations.

Aktuell entstehen spektakuläre Wolkenkratzer mit Wahrzeichencharakter,

es werden ganze Hochhaus-Stadtviertel aus dem Boden

gestampft, in Dubai, in Moskau oder in Peking. Man liest vom rasanten

Hochhausbau in der (Fach-) Presse. Auf einschlägigen Seiten

im Internet findet man täglich neue Eintragungen. Namhafte

und weniger bekannte Architekturbüros gründen weltweit Filialen,

vorwiegend in Asien, wo ein Schwerpunkt im aktuellen Hochhausbau

liegt. Die Recherche zeigt, und das haben die Einsendungen

zum Internationalen Hochhaus Preis 2006 bestätigt: Hochhäuser

sind ein virulentes Thema.

Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) nimmt diese Entwicklung

zum Anlass, besonders interessante Hochhausarchitektur zu

präsentieren und einen Querschnitt durch das aktuelle Geschehen

im Hochhausbau zu legen. Dabei richten wir den Blick bewusst

auf die Gegenwart und nähere Zukunft. Die Ausstellung

»High Socie ty« zeigt kürzlich realisierte Gebäude und solche, die

sich noch im Bau befinden, Entwürfe für die nächsten Jahre und

solche, die vielleicht immer Vision bleiben. Im Kern präsentiert die

Ausstellung im DAM den siegreichen Turm des Internationalen

Hochhaus Preises 2006, den »Torre Agbar« in Barcelona des Pariser

Büros Ateliers Jean Nouvel und seiner örtlichen Partner, dem

Büro b720, sowie vier weitere ausgezeichnete Gebäude. Interessanterweise

sind das vier Wohnhochhäuser: der »Turning Torso« in

Malmö von Santiago Calatrava LLC Architects and Engineers, das

»Hochhaus Wienerberg« in Wien von Delugan Meissl Associated

Architects, »Montevideo« in Rotterdam von mecanoo architecten

b.v. und »Jian Wai SOHO« in Peking von Riken Yamamoto & Field

Shop. Letztere ist eine Planung, die sich mit Gebäuden unterschiedlicher

Höhe auf einen ganzen Stadtblock erstreckt.

Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung im doppelten Wortsinn

herausragende Hochhäuser, die durch den Kampf um den Höhenrekord,

ihre äußere Erscheinung, neueste technische Innovationen,

ihren ungewöhnlichen Standort, ihre Nutzung oder auch ihre

Fantasie auffallen. Darunter sind skulpturale Gebilde, die symbolhaft

in den Himmel ragen, Gebäude, die außen wie innen mit einem

Entwurfsthema spielen, Diven, die wie ein riesiger Diamant

in der Stadt sitzen, aber auch schlicht-funktionale Türme.

At present, spectacular skyscrapers are arising to create new landmarks

– and entire highrise districts are being built, from Dubai to

Moscow to Beijing. The trade press is full of articles on the fastpaced

boom in highrise construction and key sites on the Internet

offer new entries every day. Renowned and less renowned

architectural offices are founding branches world-wide, primarily

in Asia, now a focal point of highrise building. Research reveals,

and the entries to The International Highrise Award 2006 bear this

out, that skyscrapers remain a hot issue.

Deutsches Architekturmuseum (DAM) has taken this trend as the

occasion to showcase especially interesting examples of highrise

architecture and offer a cross-section of current activity in highrise

construction work. In this context, we are consciously focusing on

the present and the near future. The “High Society” exhibition displays

buildings recently commissioned and those still being built,

designs for the near future and those that will possibly remain only

visions. The heart of the DAM’s exhibition will be the winning submission

to The International Highrise Award 2006, namely the “Torre

Agbar” in Barcelona, designed by the Paris studio Ateliers Jean

Nouvel and his local partner, the b720 office, as well as four other

buildings that received commendations. Interestingly enough, they

are all four residential towers: the “Turning Torso” in Malmö, created

by Santiago Calatrava LLC Architects and Engineers; the “Highrise

Wienerberg“ in Vienna, designed by Delugan Meissl Associated

Architects; “Montevideo” in Rotterdam, devised by mecanoo

architecten b.v.; and “Jian Wai SOHO” in Beijing, the brainchild of

Riken Yamamoto & Field Shop. The latter is planning that covers an

entire block of a city with buildings of different heights.

Moreover, the exhibition presents towering highrise achievements,

in the double sense of the word, buildings that stand out for their

efforts to set new height records, their external appearances, the

latest technological innovations, their unusual locations, their uses,

or the imaginative approaches they manifest. They include sculptural

structures that aspire symbolically to reach the heavens, buildings

that play with a design theme on the inside and outside, divas

that sit in a city like huge diamonds, or straightforward, functional

towers.

12

Vorwort


Einige der Beispiele, denen man derzeit beim Wachsen zusehen

kann oder die in Kürze begonnen werden sollen, waren nur mit

viel Überzeugungsarbeit zu entleihen, ein klares Zeichen dafür,

wie politisiert und entsprechend brisant der Umgang mit Hochhäusern

sein kann.

Dieser Katalog beleuchtet in vier Essays Hintergründe des Hochhausbaus:

Die Hamburger Architekturkritikerin Layla Dawson ist

profunde Kennerin des chinesischen Baugeschehens und geht der

Frage nach, warum und wie der Hochhausbau gerade dort so auffallend

boomt. Wie sind die Rollen der an solchen Riesenprojekten

beteiligten Darsteller verteilt? Entwickelt sich dort eine eigene Architektursprache,

oder werden westliche Vorbilder importiert? Die

Darmstädter Architekten Ellen Kloft und Georg Rombusch untersuchen

das Entstehen einer neuen Hochhaustypologie anhand einiger

jüngst entstandener Spiralhochhäuser unter dem bezeichnenden

Titel »Stack to move – dynamic vertical design«. Eine häufig

diskutierte Frage und gleichzeitig Forderung im Hochhausbau ist,

ob ein Hochhaus überhaupt ökologisch sein kann und, dass dahingehende

haustechnische Innovationen von Nöten sind. Der Klimaingenieur

Volkmar Bleicher von Transsolar, den Stuttgarter Fachingenieuren,

die weltweit an Großprojekten beteiligt sind, widmet

sich den Neuerungen in der Fassadentechnik und der Beeinflussung

des Raumklimas. Das Zwillingsmotiv taucht bei der Recherche

zu aktuellen Hochhäusern zu häufig auf, als dass das dem Zufall

zuzuschreiben wäre. Wofür steht es: die Reminiszenz an die

zerstörten Twin Towers in New York? Die Doppelung einer Machtgeste

für Firmenzentralen? Erfüllen Doppeltürme immer eine Torfunktion?

Die Kuratorin Christina Gräwe geht diesem Phänomen

auf den Grund.

Das DAM dankt der Stadt Frankfurt/Main und vor allem ihrer Oberbürgermeisterin

Petra Roth für die Offenheit, den Internationalen

Hochhaus Preis im Jahr 2003 ins Leben gerufen zu haben. Spezieller

Dank geht dabei an den ehemaligen Kulturdezernenten

Hans-Bernhard Nordhoff, der als Jurymitglied sowohl 2004 als

auch 2006 persönlichen Einsatz gezeigt hat. Dank auch an den

nun amtierenden Kulturdezernenten Felix Semmelroth, der das

Thema aufmerksam verfolgt und für die Stadt im Jahr 2008 in der

Jury vertreten sein wird. Doch bekanntermaßen ist ohne finanzielle

Unterstützung auch die beste Idee nur Theorie. Deshalb sei

insbesondere der DekaBank Deutsche Girozentrale für die Finanzierung

des mit 50 000 Euro dotierten Preises, seiner Organisation

und der Ausstellung gedankt. Die HOCHTIEF Construction

AG unterstützt »High Society« ebenfalls großzügig – auch dafür

herzlichen Dank. Den Juroren Werner Sobek vom gleichnamigen

Ingenieurbüro in Stuttgart (Vorsitz), David Leventhal von Kohn Pedersen

Fox Associates, London (Gewinner des Internationalen

Hochhaus Preises 2004), Peter P. Schweger von ASP Schweger

Assoziierte, Hamburg, sowie Johannes Haug von der DekaBank

sei für ihre Mitwirkung gedankt, außerdem dem Frankfurter Architekten

Ingo Schrader für die Vorprüfung der Wettbewerbsbeiträge.

Und schließlich sei der ehemaligen Direktorin des DAM,

Ingeborg Flagge, gedankt – ohne sie wäre der Internationale Hochhaus

Preis nicht entstanden.

Wir wünschen unseren Besuchern einen aufschlussreichen Ausstellungsbesuch

und den Lesern eine genussreiche Lektüre dieses

Katalogs.

Some of the projects, which one can watch growing today or which

are soon to be begun, were only initiated after much persuasion

– a clear sign of how politicized and thus controversial the subject

of highrises can be.

This catalog features four essays that shed light on the background

of highrise construction: Hamburg-based architecture critic Layla

Dawson is intimately familiar with the Chinese construction world

and examines why and how highrise construction is so clearly

booming there. How are the different roles assigned to the actors

involved? Is a unique architectural idiom arising there, or are Western

models simply being imported? Darmstadt-based architects

Ellen Kloft and Georg Rombusch investigate the emergence of a

new highrise typology, taking as an example various recent spiral

highrises and discussing them under the title of “Stack to move

– dynamic vertical design”. An issue often discussed is whether a

highrise can be ecological in the first place; and this is also often

the brief. A subordinate issue is what facility management innovations

are necessary to achieve this. Building service engineer

Volkmar Bleicher from Transsolar, the Stuttgart engineering specialists

committed to various large projects world-wide, focuses on

new ideas in façade technology and for adjusting ambient temperatures

in buildings. Research on current highrises comes across

the motif of “twins” so frequently that this cannot be a matter of

coincidence. What is the reason, assuming there is more to it than

just a reminiscence of the destroyed Twin Towers in New York? Is

it the duplication itself a gesture of the power held by a corporate

head office? Do twin towers always function as a gateway? Curator

Christina Gräwe explores the background to this phenomenon.

DAM would like to thank the City of Frankfurt and first and foremost

Lady Mayoress Petra Roth for the open-mindedness in

founding The International Highrise Award back in 2003. Our specific

thanks also go to former Deputy Mayor of Culture Hans-Bernhard

Nordhoff who, as a member of the jury in both 2004 and

2006, has personally devoted much effort to the prize. Our thanks

also go to the new Deputy Mayor of Culture Felix Semmelroth,

who has been closely following developments and will in 2008 be

the City’s representative on the jury. It is a well-known fact that

in the absence of financial support, even the best idea remains

theory. Therefore, we are deeply grateful to DekaBank Deutsche

Girozentrale for financing the Prize, which is worth EUR 50,000,

as well as funding its organization and the exhibition. HOCHTIEF

Construction AG is also generously supporting “High Society” –

for which we are most sincerely thankful. We would like to thank

jury members Werner Sobek from the engineering office of the

same name in Stuttgart (chairman), David Leventhal from Kohn

Pedersen Fox Associates, London (winner of The International

Highrise Award 2004), Peter P. Schweger of ASP Schweger Assoziierte,

Hamburg, and Johannes Haug of DekaBank for their dedication,

and are very grateful to Frankfurt-based architect Ingo Schrader

for his pre-selection of the entries. And last but not least our

thanks go to the former Directress of DAM, Ingeborg Flagge –

without her, The International Highrise Award would never have

seen the light of day.

We would like to wish all our visitors an interesting time at the

exhibition and readers much enjoyment when leafing through this

catalog.

Preface

13


Torre Agbar

gewinner des internationalen hochhaus preises 2006

winner of the international highrise award 2006

Barcelona, Spanien Barcelona, Spain

Architekten Architects Ateliers Jean Nouvel, Paris Projektleitung Project management Jean Pierre Bonhana, Cristiano Benzoni mit with b720, Fermín Vázquez,

Barcelona Bauherr Developer Layetana Developments, Barcelona Nutzer Users Aigües de Barcelona Sociedad General de Aguas de Barcelona SA Höhe Height

142 m Geschosse Floors 34 Bruttogrundfläche Gross floor area 50 500 m 2 Nutzung Use Verwaltung administration Fassade Façade Arnauld de Brussiere

Tragwerk Load-bearing structure Brufan/Obiol SA, Barcelona Lichtdesign Light design Yann Kersalé, Paris Bauzeit Construction period 2000–10/2004

ó Juryerklärung Der Torre Agbar erhält den Internationalen

Hochhaus Preis 2006, da er auf mehreren Ebenen einen herausragenden

Beitrag zur aktuellen Hochhausdebatte bietet. Er ist das Symbol

für die Entwicklung eines neuen Stadtviertels in Barcelona. Seine

expressive Gestalt, eine Form, die scheinbar aus dem Erdboden aufsteigt,

markiert die pulsierende Dynamik einer städtebaulichen Revitalisierung.

Die architektonische Form ist auf eine elementare Geste

reduziert, gleichzeitig aber geometrisch komplex. Eine mehrschichtige

Gebäudehülle führt zu seiner vielfältigen und spannungsreichen

Erscheinung. Im Gegensatz zu üblichen Hochhäusern mit ihren gläsernen

Vorhangfassaden reagiert die Gebäudehülle des Torre Agbar

auf das heiße spanische Klima. Der Schaft des Gebäudes besteht aus

einer Betonaußenwand, die scheinbar regellos von einzelnen Fensteröffnungen

durchbrochen wird. Auf diese Weise bietet die massive Betonwand

nicht nur Stabilität für den Turm, sondern gleichzeitig einen

Hitzeschutz. Eine weitere außenliegende Schicht aus beweglichen

Glaslamellen bildet eine thermische Pufferzone für die dahinter liegende

massive Betonhülle. So wird durch einfache, intelligente Maßnahmen

ohne hohen technischen Aufwand energiebewusstes Bauen

demonstriert. Im Inneren des Gebäudes entstehen durch die außermittige

Anordnung des Kerns große zusammenhängende Räume, die

eine Atmosphäre von Offenheit und Gemeinschaftsgefühl erzeugen.

Bei Nacht erstrahlt die Gebäudehülle in farbigem Licht. Die flimmernden

Schatten der verschiedenen Schichten schaffen eine Aura mit der

Anmutung einer farbigen Wolke, die das Gebäude in ein »sfumato«

hüllt, einen Nebel aus Licht, der dieses magische Gebäude gleichzeitig

geheimnisvoll und aufregend erscheinen lässt.

ó Statement by the Jury Torre Agbar has won the International

Highrise Award 2006 because it makes an outstanding contribution

to the current debate on highrises on several different levels.

It is a symbol for the development of a new quarter in Barcelona. Its

expressive shape, a form that seems to rise up out of the ground,

highlights the pulsating dynamism innate in the revitalization of the

district. The architectural form is reduced to an elementary gesture,

while remaining complex in terms of geometry. A multi-layered outer

skin engenders a varied and exciting appearance. Unlike conventional

highrises with their glass curtain walls, the skin of the Torre Agbar

responds to the hot Spanish climate. The building’s shaft comprises

a concrete outer wall that is punctuated, seemingly irregularly, by

individual openings for windows. In this way, the solid concrete wall

not only provides stability for the tower, but also serves as a shield

against the heat. An additional outer layer composed of movable

glass lamellas forms a thermal buffer zone for the solid concrete

skin behind it. This is an excellent demonstration of an energy-conscious

edifice built using simple, intelligent means rather than relying

on great technological complexity. Inside the building, the off-center

arrangement of the core allows for large interconnected rooms that

foster a sense of openness and a feeling of community. At night,

the building’s skin radiates colored light. The shimmering shadows

of the different strata create an aura which gives the impression of

a colored cloud and shrouds the building in a “sfumato” – a mist of

light that gives this magical building an appearance as mysterious

as it is exciting.

16 Torre Agbar


Torre Agbar


Stadtpanorama: Torre Agbar und Sagrada Familia Panorama of the city: Torre Agbar and Sagrada Familia

ó Ateliers Jean Nouvel Das jetzige Büro wurde als Zusammenschluss

vieler einzelner unter der Leitung von Jean Nouvel

1994 gegründet. Neben dem Hauptsitz in Paris hat das Büro

Zweigstellen in London, Kopenhagen, Rom, Madrid, Barcelona und

Minneapolis. ó Jean Nouvel wurde 1945 geboren. 1966 wurde er auf

der Ecole Nationale Superieure des Beaux Artes zugelassen, wo er

1972 sein Diplom ablegte. Während des Studiums war Nouvel drei

Jahre lang Assistent von Claude Perent und Paul Virilio. Er war unter

anderem Mitbegründer einer unter dem Begriff »Mars 76« bekannt

gewordenen Architekturbewegung und Mitbegründer sowie

künstlerischer Berater der Architektur Biennale im Rahmen der Pariser

Biennale. Den Wettbewerb zu einem seiner bekanntesten Gebäude

gewann Nouvel 1981 für das Institute du Monde Arabe in Paris.

Das Gebäude wurde durch die Übertragung fototechnischer Methoden

auf die Glasfassade berühmt. Ebenfalls sehr bekannt wurde der

Umbau des Opernhauses in Lyon. Jüngst realisierte Gebäude sind

das Museum Reina Sofia in Madrid und das Museum Quai Branly

in Paris.

ó Ateliers Jean Nouvel The current office was founded in

1994 as an amalgamation of many individual studios under the direction

of Jean Nouvel. In addition to its headquarters in Paris, the company

has branches in London, Copenhagen, Rome, Madrid, Barcelona

and Minneapolis. ó Jean Nouvel was born in 1945. He began studying

at the Ecole Nationale Superieure des Beaux Artes in 1966, and

graduated in 1972. During his studies, Nouvel was research assistant

to Claude Perent and Paul Virilio for three years. Among many

other activities, he was co-founder of an architectural movement

which went by the name of “Mars 76” and was both co-founder and

artistic advisor of the Architecture Biennial section of the Paris Biennial.

Nouvel won the competition for the Institute du Monde Arabe

in Paris in 1981 – it was to become one of his best-known buildings.

The building was soon famous for the use of photo-technical methods

on its glass façade. The renovation of the Opera House in Lyon

is another of his most well-known projects. His recently completed

buildings include the Reina Sofia Museum in Madrid and the Quai

Branly Museum in Paris.

18

Torre Agbar


torre agbar aus verschiedenen Perspektiven torre agbar from different perspectives

ó Dies ist kein Turm »Dies ist kein Turm, und es ist auch kein

Wolkenkratzer im amerikanischen Sinn: Es ist ein einzigartiges Gewächs

inmitten dieser eher ruhigen Stadt. Aber es ist auch nicht die

schlanke nervöse Vertikalität der Turmspitzen und Glockentürme, die

oft die horizontale Stadtsilhouette durchbrechen. Es ist vielmehr eine

flüssige Materie, die den Grund durchstoßen hat – ein Geysir unter

wohlberechnetem konstanten Druck. ó Die Oberfläche dieser Konstruktion

ruft den Gedanken an Wasser wach: fließend und beständig,

aber auch pulsierend und durchscheinend, weil sie sich mit farbiger

Tiefe zeigt – veränderlich, leuchtend und nuanciert. Die Architektur

kommt aus der Erde, ohne das Gewicht von Steinen zu haben. Sie

könnte sogar das ferne Echo alter katalanischer Form-Obsessionen

sein, herüber getragen von den Anhöhen von Montserrat durch einen

geheimnisvollen Wind. ó Die Unbestimmtheit von Materie und

Licht lässt den Agbar-»Campanile« in Barcelonas Silhouette vibrieren:

ein entferntes Trugbild bei Tag und bei Nacht; ein präziser Wegweiser

aber auch zum Eingang der neuen Diagonale, die an der Plaça de

las Glorias beginnt. Dieses einzigartige Objekt wird zu einem neuen

Symbol für eine internationale Stadt.« ó Jean Nouvel

ó This is Not a Tower “This is not a tower. It is not a skyscraper

in the American sense of the expression: it is a unique growth in the

middle of this rather calm city. But it is not the slender, nervous verticality

of the spires and bell towers that often punctuate horizontal

cities. Instead, it is a fluid mass that has perforated the ground

– a geyser under a permanent calculated pressure. ó The surface

of this construction evokes the water: smooth and continuous, but

also vibrating and transparent because it manifests itself in colored

depths – uncertain, luminous and nuanced. This architecture comes

from the earth but does not have the weight of stone. It could even

be the faraway echo of old formal Catalan obsessions, carried by a

mysterious wind from the rise of Montserrat. ó The uncertainties

of matter and light make the campanile of Agbar vibrate in the skyline

of Barcelona: a faraway mirage day and night; a precise marker

to the entry of the new diagonale that starts at Plaça de las Glorias.

This singular object becomes a new symbol for an international

city.” ó Jean Nouvel

Torre Agbar

19


ó Die beiden Zylinder Für seinen Entwurf des Torre Agbar

ließ sich Jean Nouvel von dem in Barcelona sehr präsenten Erbe

Antonio Gaudís und der Form der Montserrat-Berge der Umgebung

inspirieren. So ragt in der Silhouette Barcelonas neben der

Sagrada Familia seit zwei Jahren ein weiteres Wahrzeichen der

Stadt empor: der Torre Agbar, mit 142 Metern das höchste Gebäude

der Stadt. Es dient als Hauptsitz des Wasserversorgungsunternehmens

Aigües de Barcelona. ó Der Turm zeichnet sich durch

eine Doppelfassade aus, deren innere und äußere Schale vollkommen

unterschiedlich behandelt wurden, aber zusammen wirken.

Der innere Baukörper ist eine tragende Stahlbetonkonstruktion,

in die in scheinbar zufälliger Streuung und Größe 4 500 Fensteröffnungen

geschnitten sind. Dieses Betonnetzwerk ist an seiner

Außenseite mit gewellten farbigen Aluminiumplatten verkleidet.

Über den inneren Baukörper ist ein zweiter Zylinder gestülpt, der

aus 56 619 Glaslamellen mit variablen Neigungswinkeln besteht.

Diese Haut dient nicht nur dem Sonnenschutz – ein wichtiger Aspekt

im heißen spanischen Sommer. Durch die Glaslamellen ist

zudem eine natürliche Belüftung möglich. Der Luftstrom gelangt

in den Zwischenraum der beiden Zylinder. Die Luft zirkuliert nach

oben und zieht durch die Doppelverglasung der abschließenden

Kuppel am Kopf des Turms wieder nach draußen ab.

Lageplan Site plan

20 Torre Agbar


Längsschnitt longitudinal section

grundriss direktionsgeschoss

plan board of directors

Grundriss Normalgeschoss

Typical floor plan

ó The Two Cylinders When designing his Torre Agbar, Jean

Nouvel was inspired by both Antonio Gaudí’s legacy, which is so

very present in Barcelona, and by the shape of the Montserrat mountains

in the surrounding area. Thus for two years now, in addition

to the Sagrada Familia another landmark has also defined Barcelona’s

skyline: the Torre Agbar. At 142 meters it is the city’s tallest

building. The tower is the headquarter of the Aigües de Barcelona

water company. ó The tower is characterized by a double façade,

whose inner and outer layers are completely different, but which

work together. The inner wall is a load-bearing reinforced concrete

structure with 4,500 windows of seemingly random sizes and distribution.

This concrete network is disguised with wavy, colored aluminum

panels on its outer skin. A further cylinder consisting of 56,619

glass lamellas with variable angles of inclination was placed over

the inner structure. The skin not only shields the building’s interior

from the sun – an important consideration in the hot Spanish summer

– but the glass lamellas also allow natural air to circulate. Air

enters the space between the two cylinders, circulates upwards

and leaves again through the double glazing in the dome at the top

of the tower.

Torre Agbar 21


Turmspitze bei Tag Spire during the day

ó Das »Reptil« Das Charakteristische des Gebäudes entsteht

durch das Zusammenspiel der bunten Aluminiumplatten an der Außenseite

des inneren Zylinders, die durch die äußere Glashaut schimmern.

Dieser Effekt gibt dem Turm seinen »Reptilienhautcharakter«

und soll das Element Wasser symbolisieren. Bei Nacht steigern 4 500

bunte Leuchten diese Wirkung. Die Farben Rot und Blau dominieren

den Gesamteindruck. Tatsächlich aber wurde mit 25 unterschiedlichen

Farben gearbeitet. Die Farbigkeit löst sich in der Höhe zunehmend

auf. Der Turm endet in einer dreigeschossigen Glas-Stahlkuppel, die

von einer Aussichtsebene einsehbar ist.

22 Torre Agbar


¯ Fassadenausschnitt Detail of the façade

ó The “Reptile” The building’s characteristic appearance is a

result of the interplay between the colored aluminum panels on the

outside of the inner concrete cylinder that shimmer through the outer

glass skin. This effect gives the tower its “reptile skin character” and

is meant to symbolize the element of water. At night, 4,500 bright

lights heighten the effect. The colors red and blue dominate overall,

although in fact 25 different colors were used. The intensity of the

color increasingly fades towards the top of the tower. The tower finishes

in a three-storey glass and steel dome visible from one viewing

level.

Turmspitze bei Nacht Spire during the night

Torre Agbar 23


Kuppelraum Dome

Innere Schale mit Fensteröffnungen Inner layer with windows

ó Die Statik An die Statik stellt der Torre Agbar hohe Ansprüche.

Durch die unterschiedlichen und scheinbar wahllosen Fensterausschnitte

mussten die Druckverhältnisse in jedem Stockwerk individuell

berechnet werden. Der Turm ist bis in 30 Meter Tiefe gegründet,

um ausreichend Stabilität zu erhalten.

ó Das Innere In der inneren Organisation fällt der außermittig gelegene

Betonkern auf, der Fahrstuhlschächte und Haustechnik beinhaltet.

Auf elliptischem Grundriss entstehen so zwischen Kern und

äußerer Glasfassade große, stützenfreie, flexibel nutzbare Räume mit

einer lichten Höhe von 2,75 Metern. Auf 28 Stockwerken sind Büros

untergebracht. Je nach Platzbedarf können sie durch Glaswände flexibel

unterteilt werden. Teilweise sind Möbelmodule in die Fassade

integriert. Eine Etage beherbergt eine Cafeteria, eine ist für unterschiedliche

Nutzungen vorgesehen. Außerdem sind drei Geschosse

der Technik vorbehalten. Die vier Untergeschosse verteilen sich auf

zwei Etagen mit Auditorien und zwei Parkdecks.

ó Position in der Stadt Der Torre Agbar wird als Auftakt für

die Entwicklung des gesamten Gebiets gesehen, das sich unter dem

Namen »22@« zu einem neuen Geschäftsviertel mausert. Der Turm

steht am Knotenpunkt dreier großer Verkehrsachsen: Den Avenidas

Diagonal, Gran Via und Meridiana. Die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel

ist entsprechend gut. ó Die Türme der Sagrada Familia

und der Torre Agbar werden nicht als Konkurrenten wahrgenommen;

im Stadtpanorama scheinen sie sich in ihrer Wirkung eher gegenseitig

zu steigern.

ó Load-bearing Properties Torre Agbar makes high demands

on load-bearing properties. The different and apparently haphazard

windows meant that pressure ratios had to be individually calculated

for each floor.The tower’s foundations descend 30 meters in order

to ensure sufficient stability.

ó The Interior In terms of interior organization, the off-center

central core catches the eye; it houses elevator shafts as well as facility

management systems. This arrangement creates large, unsupported

spaces in the elliptical area between the core and the outer

glass façade, spaces affording 2.75 meters of headroom and that can

be used for a number of purposes. Twenty-eight floors are used for

offices. They can be divided in different ways as required by means

of glass partitions, and some of the furniture is integrated into the

façade. There is a cafeteria on one level, and another level is set aside

for various uses. In addition, three levels are reserved for technical

equipment. The four lower stories are divided into two levels with

auditoriums and two parking decks.

ó Location in the City Torre Agbar is regarded as a stimulus

for the development of the entire area, which is blossoming into a

new commercial quarter under the name “22@”. The tower is at the

intersection of three major traffic routes: Avenidas Diagonal, Gran

Via and Meridiana. Public transport connections are also good. ó The

towers of the Sagrada Familia and Torre Agbar are not seen as rivals.

Instead, in the panoramic view of the city they appear to complement

each other.

˘ Farbspiel im Foyer Colorplay in the Entrance hall

˘ Innenräume der Büroetagen Interiors of the Office floors

24 Torre Agbar


Torre Agbar 25


Plaza 66 Tower, Shanghai

Ray of the Century, Guangzhou

sumzeitalters in China und steht an prominenter Stelle in Shanghais

vorrevolutionärer Einkaufsstraße Nanjing Xi Lu. Nachts leuchtet es

wie ein chinesisches Neujahrsfeuerwerk und verkündet stolz, dass

eine wachsende chinesische Mittelschicht inzwischen über dieselben

Einkaufsmöglichkeiten verfügt wie ein Hollywoodstar am Rodeo

Drive. In seinem Modernisierungsreport von 2006 6 setzt China

sich bis 2050 folgende nationale Ziele: die Umsiedlung von 500 Millionen

Bauern in städtische Zentren, die Unterbringung von 600 Millionen

Städtern in hochtechnisierten Vorstadtwohnungen und die

Ausmerzung von »Armut«. Experten sagen voraus, dass die Hälfte

der 1,50 Milliarden Einwohner dann ein Auto besitzen wird und sich

Auslandsreisen leisten kann. Eine große gebildete Mittelschicht,

die ihrerseits für weiteres wirtschaftliches Wachstum sorgt, kann

aber nur bedeuten: noch mehr Hochhaus-Konsumtempel, internationale

Firmenniederlassungen und Luxuswohnungen.

Wer allerdings heute in China ein Gebäude errichten will, muss mit

einer Menge Hindernissen rechnen. Auch gestandene Profis, die

sich um chinesische Projekte bewerben, bekommen inzwischen

sehr deutlich den Unterschied zwischen gewinnen und bauen zu

spüren. Offiziell belobigte Entwürfe existieren in einem Paralleluniversum

jenseits politischer Realität und nationalen Zweckdenkens,

und gerade Letzteres trägt dabei häufig den Sieg über architektonische

Qualität davon. So gewannen die deutschen Architekten

Léon Wohlhage Wernik Architekten, Berlin den ersten Preis für den

Fernsehturm von Guangzhou 7 . Doch nur einen Monat später wurde

bekannt gegeben, dass die niederländische IBA (Information Based

Architecture), die auch einen ersten Preis gewonnen hatte, ihren

Entwurf zusammen mit dem Amsterdamer Büro der Arup-Gruppe

und dem Design-Institut von Guangzhou 8 verwirklichen werde. Der

Fernsehturm wird nun ein ovaler Zylinder sein, dessen Grundfläche

von 60 x 80 Meter sich nach zwei Dritteln der Gesamthöhe

auf 40,5 x 54 Metern verjüngt. Diagonale Verstrebungen und breite

Stahlbänder bilden die Hülle für mehrere aufeinander getürmte

and the nouveau-riche savour. gmp – architects von Gerkan, Marg

und Partner, suffered a similar disappointment after they were

declared the winners of a new Science and Technology Museum

on the Beijing Olympic site in late 2005. The Hamburg head office

had only one day to celebrate before they were informed that the

Chinese government had decided that two non-Chinese architectural

designs already being built on the main Olympic site were

more than enough and a “Chinese” architect should be chosen

instead. Nationalist sentiments play a major role in China’s contemporary

architecture. Why is the Jin Mao Tower, designed by

SOM Skidmore Owings & Merrill, every Chinaman/woman’s most

beloved piece of modern architecture? Apart from its superlative

height, it is hardly innovative but it has endeared itself to the Chinese

because it apes a recognizable historical form, that of the

pagoda. In this foreign object, designed on a foreign continent

and constructed using materials and systems developed in the

west, Chinese can at least find some reflection of their past and

be deluded into thinking this is a national achievement arising out

their own tradition. Self-deception finds glorification in the adoption

of a western tower as national icon.

China has not had time to nurture star architects. I.M. Pei, China’s

only internationally recognized architect, although for decades an

American citizen, has designed several cultural and government

projects for his Motherland. His opinions carry weight because he

can fulfill the traditional role of illustrious sage. In Beijing his headquarters

for the Bank of China, completed for the 50 th anniversary

celebrations of the founding of The People’s Republic on 1 October

2000, was another benchmark for national pride. The construction

contained many firsts for architecture in China, from the storey

high steel trusses which supported the floors above first floor

and created a column free ground level plaza, to the sophisticated

use of internal landscaping to create a pastiche classical garden.

For a prestige object, visited by foreign dignitaries and staffed by

60 Stolz und Prestige


Skyline von Shanghai mit Jin Mao Tower

Skyline of Shanghai with Jin Mao Tower

Jin Mao Tower, Fassadenausschnitt

Jin Mao Tower, detail of the FAçade

umschlossene Räume. 2009 soll der Turm fertig sein. Dass man sich

die besten ausländischen Produkte und Ideen einfach herauspicken

kann, ist eine völlig neue Erfahrung für die Volksrepublik China, und

Politiker, Bürokraten und Neureiche genießen diesen Luxus gleichermaßen.

gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner mussten

eine ähnliche Enttäuschung hinnehmen, nachdem sie Ende 2005 zu

den Gewinnern des Wettbewerbs für ein neues Wissenschafts- und

Technologiemuseum auf dem Olympiagelände von Peking erklärt

worden waren. Die Zentrale in Hamburg konnte nur einen einzigen

Tag lang feiern, bis man sie informierte, dass die chinesische Regierung

beschlossen habe, zwei nichtchinesische Bauprojekte auf dem

zentralen Olympiagelände seien mehr als genug, weshalb jetzt ein

»chinesischer« Architekt genommen werden müsse.

Nationalistische Gefühle spielen in Chinas zeitgenössischer Architektur

eine große Rolle. Wieso ist zum Beispiel der von SOM Skidmore

Owings & Merill entworfene Jin Mao Tower in Shanghai das

beliebteste moderne Gebäude aller Chinesen? Abgesehen von seiner

exorbitanten Höhe hat das Hochhaus kaum innovative Merkmale

aufzuweisen. Doch vom Volk wird es geliebt, weil es eine

wiedererkennbare historische Form, die Pagode, imitiert. Und so

spiegelt dieses fremde Gebilde, das auf einem fremden Kontinent

entworfen und mit im Westen entwickelten Systemen und Materialien

gebaut wurde, für die Chinesen zumindest ein bisschen von

ihrer eigenen Vergangenheit wider, und sie können sich einbilden,

das Gebäude sei ihrer eigenen Tradition entwachsen und somit eine

nationale Errungenschaft. Die Selbsttäuschung findet ihre Krönung

darin, ein westliches Hochhaus zur nationalen Ikone zu erklären.

China selbst hat sich bislang keine Stararchitekten heranziehen

können. Der einzige international anerkannte Architekt des Landes,

I.M. Pei, ist seit Jahrzehnten US-amerikanischer Staatsbürger,

hat allerdings auch einige Kultur- und Regierungsgebäude für

sein Mutterland entworfen. Seine Ansichten haben Gewicht, da er

die traditionelle Rolle des berühmten Weisen auszufüllen versteht.

foreign nationals and many returned Chinese, money appears to

have been no object with bamboos and artificially weathered rocks

hauled across China from Yunnan, and marbles, water features and

art objects mined and commissioned from distant corners of the

kingdom. In a capital city, which at this time had no multi-storey

structures, the Bank headquarters was a sensational project occupying

a whole city block. The Shanghai World Financial Centre in

Pudong, also a KPF design, has had a long and rocky prehistory, but

already, before completion, it has the makings of another national

icon. The group photo taken at the ground-breaking ceremony on

16 November 2005 records for posterity the 100 percent Chinese

building team of client, contractors and consultants. As a record of

how far sexual equality has regressed since 1978 the one woman

in this–all–male club stands modestly in the back row.

Unlike many other Third World countries newly joining the global

economy The People’s Republic had a head start in Hong Kong.

Cantonese was spoken on both sides of the political border and

the London and Hong Kong administration collaborated with Beijing

on the learning curve necessary to implement Open Door policies.

Mainland China’s state construction companies competed for,

and often won, construction contracts for Hong Kong government

buildings, which gave them the opportunity “to learn by doing”. The

unsophisticated results of those early lessons in the 1980s were

light years away from the 2003 completed IFC Towers, headquarters

for the Hong Kong Monetary Authority on Central Waterfront.

These two state of the art skyscrapers sitting on a podium block,

a joint design between Hong Kong architect, Rocco Yim, and the

American architect, Cesar Pelli, combine offices with a major transport

hub, four levels of luxury shopping, cinemas, restaurants and

a 1,000 room six star hotel.

The price China has had to pay for entry to the world’s High Society

is as high as its towers but it has been paid by a totally different

sector of the population. People have been forcibly evicted from

pride And Prestige 61


Monument der III. Internationale, Vladimir

Tatlin, 1919/20 Monument for the III. International,

Vladimir Tatlin, 1919/20

Der Turmbau zu Babel, Athanasius Kircher,

um 1679 The Tower of Babel, Athanasius

Kircher, around 1679

Faust, Inszenierung von Peter Stein, Hannover 2000 Faust, production

by Peter Stein, Hanover 2000

Das Hochhaus kommuniziert heute wie in den Anfängen wirtschaftliche

Prosperität und technologischen Fortschritt. Eine fortwährende

Tendenz im Hochhausbau bleibt es deshalb, mit prestigeträchtigen

Einzelprojekten in immer höhere Regionen vorzudringen.

In der Gegenwart taucht nun ein Hochhaustyp auf, der unabhängig

von seiner Höhe vorrangig über eine neuartige innere Ordnung

und die hieraus entstehenden Qualitäten Aufsehen erregt.

Die äußere Gestalt des Hauses kann sich dabei aus dem inneren

Raumgefüge ergeben, aber auch unabhängig davon durch die äußere

Hülle gebildet werden. Das Thema des »Spiralisierens« gewinnt

hier in vielfältiger Ausprägung an Aktualität.

Schon in den frühen 1990er Jahren baute der malaysische Architekt

Ken Yeang Hochhäuser, deren innere und äußere Gestalt sich

aus der Berücksichtigung klimatischer Bedingungen entwickelte. In

dem Hochhaus Menara Mesiniaga in Subang Jaya, Malaysia, ordnete

er Kernbereiche und Büroräume dem Sonnenverlauf entsprechend

an. Dreigeschossige, begrünte Außenterrassen sind spiralförmig

angeordnet und sollen den Außenraum in die Architektur

integrieren. Wenn auch für die speziellen klimatischen Bedingungen

von Malaysia geplant, nimmt das Hochhaus damit eine internationale

Vorreiterrolle für die Anwendung von ökologischen Prinzipien

in der Architektur von Hochhäusern ein. 4

In Europa wurde das 1997 fertig gestellte, 259 Meter messende

Hochhaus für die Commerzbankzentrale in Frankfurt/Main von den

Londoner Architekten Foster and Partners als das erste »ökologische

Hochhaus« betitelt. Im Vergleich zu einem konventionellen

Bürohochhaus sollten der Energiebedarf reduziert und erstmals

natürliche und Systembelüftung kombiniert werden. »Auch wenn

sich das Fenster nur einen Spalt kippen lässt, der größte Gewinn

neben der frischen Luft ist, dass mit einem Mal entfernter Straßenlärm

hereindringt. (...) Das Hochhaus wird aus der akustischen

Isolation wieder mitten in die Stadt versetzt.« 5 Insgesamt neun

»Gärten« mit einer Höhe von je vier Geschossen schrauben sich

Even in the early 1990s, Malay architect Ken Yeang was building

highrises, whose internal and external design was derived from a

consideration of climatic conditions. In Menara Mesiniaga, a highrise

in Subang Jaya, Malaysia, Yeang configured the cores and

office space in line with the path of the sun. Three-story outdoor

patios with greenery are arranged in a spiral and are intended to

integrate the outside area into the architecture. Though planned

with Malaysia’s special climatic conditions in mind, the highrise

played a pioneering role in the international application of ecological

principles in highrise architecture. 4

In Europe, the 259-meter high Commerzbank Headquarters highrise,

designed by the London-based office Foster and Partners and

completed in 1997, was the first skyscraper to be awarded the

title “ecological”. The brief was to reduce energy levels compared

with conventional office highrises, and combine natural and system

ventilation for the first time. “Even though the windows can

only be tilted slightly, in addition to ‘fresh’ air the greatest advantage

is that all of a sudden the distant sound of the street penetrates

… the highrise is transported from acoustic isolation back

into the heart of the city.” 5 A total of nine “gardens”, each four

floors high, spiral upwards around the central atrium. Depending

on the direction in which they face, the “gardens” feature Mediterranean,

Asian or American plants. With regard to ventilation,

they and the offices are linked to each other via the atrium, so

that in mo derate weather the chimney effect allows natural air to

circulate. The 12-meter-deep office footprints are lit by means of

the “gardens,” and in addition to serving as areas for communication,

they provide employees with the necessary link to the outside

world. In its outward appearance the Commerzbank highrise

reflects its inner structure. On cloudy days, however, it is difficult

to differentiate between the areas and it is only at night, when

the building is illuminated, that the garden façades can be distinguished

from office façades.

66 Stack to Move – Dynamic Vertical Design


Menara Mesiniaga, Subang Jaya, Malaysia

Commerzbank, Hauptverwaltung, Frankfurt/Main

Commerzbank, Headquarters,

Frankfurt/Main

spiralförmig um das zentrale Atrium in die Höhe. Je nach Himmelsrichtung

befinden sich in den »Gärten« mediterrane, asiatische

oder amerikanische Pflanzenwelten. Die Gärten und die Büros

sind über das Atrium lufttechnisch miteinander verbunden, so

dass über den Kamineffekt bei moderater Witterung eine natür liche

Luftzirkulation stattfindet. Über die »Gärten« werden die zwölf Meter

tiefen Bürogrundrisse belichtet und bieten den Mitarbeitern neben

Bereichen der Kommunikation den notwendigen Außenbezug.

In seinem äußeren Erscheinungsbild spiegelt das Commerzbank-

Hochhaus seine innere Struktur wider. An trüben Tagen gehen jedoch

die Bereiche visuell ineinander über, und erst in der inszenierten

Nachtwirkung ist die Differenzierung der Gartenfassaden

im Vergleich zu den Bürofassaden deutlich ablesbar.

Als weiteres Hochhausprojekt der Architekten Foster and Partners

wurde im Jahr 2003 in London das Hochhaus 30 St Mary Axe mit

180 Metern fertig gestellt. Der im Grundriss kreisförmige Hochhausschaft

weitet sich bis zur halben Gebäudehöhe, verjüngt sich

dann und endet in einem kuppelförmigen Abschluss. Neben dem

tragenden Kern befindet sich im äußeren Bereich eine weitere

Tragwerksebene in Form eines gekrümmten rautenförmigen Rasters,

das die Gestalt der Außenhülle maßgeblich bestimmt. Diese

äußere Tragstruktur eröffnet Freiheiten hinsichtlich einer größeren

Flexibilität der Flächennutzung und bietet die Möglichkeit, großformatige

Öffnungen in den Geschossdecken vorzusehen. Sechs dreieckige

Aussparungen, die bis zu einem Drittel der Gebäudetiefe

einschneiden, bilden Lichthöfe und ermöglichen eine natürliche Belichtung

und Belüftung bis ins Gebäudeinnere. Durch die leichte Verdrehung

von fünf Grad in den übereinander liegenden Geschossen

entstehen die charakteristischen spiralförmigen Innenräume. Neben

der klimatechnischen Funktion bilden die Lichthöfe Orte der

Erholung. Die Öffnungen der Geschossdecken schaffen darüber

hinaus vertikale Blickbeziehungen und sollen die Kommunikation

der Mitarbeiter untereinander fördern.

Another Foster and Partners highrise project was the 180-meter

high 30 St Mary Axe in London, which was completed in 2003. The

building, whose footprint is circular, expands to mid-height before

tapering to a dome shaped summit. In addition to the load-bearing

core there is an additional load-bearing level located in the external

section in the form of a curved, diamond-shaped grid, which to a

large extent determines the shape of the outer skin. This external

supporting structure allows greater flexibility in the use of available

space and provides an opportunity for large perforations in the

ceilings. Six triangular recesses, which penetrate up to a third of

the building’s depth, create atriums, which are a source of natural

light and ventilation on the inside of the building. The slight fivedegree

rotation of the floors above results in the characteristic spiral-shaped

interiors. Alongside their air-conditioning function the

atriums serve as relaxation areas. Furthermore, the perforations

in the ceilings provide vertical views and are intended to promote

communication between employees.

Also in 2003, Frankfurt architects schneider + schumacher completed

the 100-meter high Westhafen Tower in Frankfurt/Main. The

outer façade is cylindrical in shape, with square floors positioned

on top of each other. This superimposing of circles and squares creates

space between the inner office façades and the outer façade.

Like steps, these circular sections are sealed by ceilings, so that

four-story winter gardens spiral upwards around the office block.

These provide natural ventilation. Furthermore, they make it possible

to connect rental space – spread over several levels – with

additional steps and not via the general access areas.

The most recent example of a tower, whose rotation results in its

exterior resembling an apparently dynamic sculpture, is Santiago

Calatrava’s Turning Torso highrise in Malmö, mentioned previously.

The building, which pivots on its own axis, consists of nine cubes,

whose footprint represents a tapering pentagon, and is stabilized

by means of an external “steel backbone”. The ceiling on each floor

Stack to Move – Dynamic Vertical Design 67


Aufwand betrieben werden. Das hat einen hohen Flächenbedarf

für Lüftungszentralen und -schächte zur Folge. Zusammen mit

den notwendigen Flächen für Aufzüge und weitere Versorgungsschächte

(Heizung, Kühlung, Wasser, Abwasser, Elektroinstallation,

Datentechnik) entsteht ein ungünstiges Verhältnis von Nutz- zu

Bruttogesamtfläche. Für die verstärkte Kühlung der Räume müssen

leistungsfähige Systeme eingesetzt werden. Dies geschieht

hauptsächlich über Umluftkühlgeräte und über Kühldecken mit entsprechend

niedrigen Temperaturen und damit verbunden über Zusatzsysteme

wie Kondensatleitungen für die Entfeuchtung. Dies

steht nun wiederum im Widerspruch zur Ökonomie.

Primäre Ziele (auch) beim Hochhaus

Fasst man nun die oben diskutierten Punkte zusammen, zeigen

sich vor allem drei Faktoren, der Komfort, die Ökonomie und die

Ökologie, welche auch im Hochhausbau eingehalten bzw. optimiert

werden sollten. Durch die Abhängigkeit dieser Faktoren untereinander

wird deutlich, dass ein gesamtheitlicher Planungsansatz und

damit eine integrale Planung erforderlich sind.

ó Komfort: Möglichkeit der Fensterlüftung / natürlich unterstützte

Lüftung / effizienter Sonnenschutz / Niedertemperaturstrahlungsflächen

/ individuelle Regulierung für Heizung, Kühlung, Lüftung,

Sonnenschutz ó Ökonomie: geringe Investitionskosten / geringe

Betriebskosten / maximale Nutzfläche / Reduzierung der Nebennutzflächen

(Schächte, etc.) ó Ökologie: Nutzung natürlicher Ressourcen

Lösungen

Fensterlüftung

Durch einen so genannten Windschutz kann auch im Hochhausbau

eine Fensterlüftung ermöglicht werden. Hierfür können zweischalige

Konstruktionen wie Doppelfassaden oder Kastenfenster eingesetzt

werden. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Konstruktionen.

Bei einschaligen Konstruktionen besteht die Möglich keit,

über spezielle windgeschützte Öffnungselemente auch natürliche

Lüftung zu garantieren.

Sonnenschutz

Wesentlich für einen geringen Energieverbrauch für die Kühlung

und für einen hohen Komfort im Sommer ist ein effizienter Sonnenschutz.

Hierfür ist seine Lage (außen/innen) entscheidend. Gegen

einen außenliegenden Sonnenschutz spricht die Windanfälligkeit.

Es gibt zwar sturmsichere Varianten, diese kommen jedoch aus

Gründen der Optik sehr selten zum Einsatz. Eine Alternative liegt

auch hier in einer zweischaligen Konstruktion, wodurch der Sonnenschutz

vor Witterungseinflüssen geschützt wird. Für einschalige

Konstruktionen können mittlerweile effiziente Sonnenschutzbehänge

im Scheibenzwischenraum (SZR) eingesetzt werden. Hier

werden annähernd die physikalischen Werte eines außenliegenden

Behangs erreicht.

Die Vorteile liegen auch bei SZR-Konstruktionen in der Witterungsunabhängigkeit

und in der Optik, die Nachteile in einem sehr anspruchsvollen

Bauteil (Mechanik, thermische Beanspruchung, Regelung),

das im Schadensfall den Austausch der gesamten Einheit

bzw. der gesamten Scheibe zur Folge haben kann. Eine weitere

Möglichkeit stellt ein System mit einer Dreifach-Verglasung dar. Dawater,

electrics, data technology), a poor ratio between gross floor

area and netfloor area emerges. High-performance systems need

to be used to accommodate the increased level of cooling. Typically,

this is achieved by re-circulating cooling systems and cooling

ceilings with correspondingly low temperatures, which are

connected via additional systems, such as condensation pipes for

de-humidifying purposes. This, however, is a solution which is not

very economical.

Primary goals for highrises (as well)

Considering the points discussed above, three main factors

emerge – comfort, economy and ecology – which should be considered

critical in the building of highrises. Since these factors are

all inter-dependent it is clear that both a holistic planning approach,

as well as integral planning is necessary.

ó Comfort: window ventilation possible / natural ventilation / efficient

solar protection / low temperature radiation surface / individually

adjustable heating, cooling, ventilation, solar protection

ó Economy: low investment costs / low operating costs /

maximum usable space / reduction in other usable space (shafts

etc.) ó Ecology: use of natural resources

Solutions

Window ventilation

Ventilation using operable windows is also possible in highrises by

means of so-called wind protection. This involves making use of

double-skin constructions such as double façades and double windows.

There is a wide variety of these constructions. In the case

of single-shell constructions special wind-protected opening elements

can guarantee natural ventilation.

Solar protection

Efficient solar protection is fundamental in low energy consumption

for cooling purposes and a high degree of comfort in summer.

Therefore, its location (outside/ inside) is crucial. Exposure to

wind discourages outdoor mounting. Though storm-proof varieties

are available, these are very rarely used because of their appearance.

There is an alternative in the form of a double-skin construction,

in which the solar protection is not subject to the influences

of the weather. In the case of single-shell constructions, efficient

solar protection hangings are now available, and are inserted in the

space between the panes. These approach the effects achieved by

outside-mounted hangings.

In the case of solar protection between panes, advantages include

their appearance and the fact that they are not subject to the influences

of the weather, while the major disadvantage is that the part

itself is highly sophisticated (mechanics, thermal load, regulation)

and if damaged can require replacement of the entire unit. A triple

glazing system is yet another possibility. Here, the solar protection

is located in the rear-ventilated gap, which can be opened

for repair work.

De-central, mechanical ventilation

An important criterion for comfort and acceptance on the part of

users is the possibility to regulate their own environmental conditions.

In the case of a central, mechanical ventilation system, indi-

74 Ökonomie, Ökologie und Komfort im Hochhausbau


Deutsche Post, Hauptverwaltung,

Bonn

Deutsche Post, Headquarters,

Bonn

DPH, fassadendetail DPH, Detail of the

façade

Westendduo, Frankfurt/Main Fassadendetail Detail of the façade

bei liegt der Sonnenschutzbehang im äußeren, hinterlüfteten Zwischenraum,

der für Reparaturarbeiten geöffnet werden kann.

Dezentrale, mechanische Lüftung

Individuelle Regulierungsmöglichkeiten der Raumbedingungen

durch den Nutzer sind ein wichtiges Kriterium für Komfort und

Akzeptanz. Über eine zentrale, mechanische Lüftung kann die Luftmenge

nur mit enormem Aufwand individuell geregelt werden.

Nachteilig sind zudem der hohe Energieverbrauch für den Lufttransport

und der große Flächenbedarf für die notwendigen Schächte.

Eine Alternative der mechanischen Lüftung mit individueller Regelung

kann durch dezentrale Lüftungseinheiten geschaffen werden.

Diese sind in verschiedene Dezentralisierungsgrade wie Einheiten

für vier bis fünf Stockwerke, Stockwerks- und Raumeinheiten möglich.

Alle Varianten haben systembedingt Vor- und Nachteile. Ein Vorteil

ist, dass mit allen Gerätetypen mittlerweile alle thermodynamischen

Behandlungsarten – auch Be- und Entfeuchtung – möglich

sind. Durch die Verwendung solcher Einheiten kann die Laufzeit

der Lüftung auf die notwendige Zeit reduziert und damit der Energieverbrauch

um ca. 30 Prozent gesenkt werden.

Natürlich unterstützte Lüftung

Luftwechselraten bei natürlicher Lüftung werden hauptsächlich

durch zwei Parameter bestimmt, der Temperaturdifferenz und der

Höhendifferenz. Durch Nutzung der Höhendifferenz von Zu- und

Abluft über zentrale Abluftschächte kann der Energieaufwand für

die mechanische Abluft nahezu auf null reduziert werden, auch bei

einer effizienten Wärmerückgewinnung.

Niedertemperaturstrahlungsfläche

Die tatsächlich empfundene Raumtemperatur ergibt sich aus dem

Mittelwert der Lufttemperatur und der Temperatur der Umschließungsflächen.

Durch gezielte Temperierung dieser Flächen kann

vidually regulating the amounts of air is highly complex. The disadvantages

involved are high energy consumption for the air transport,

as well as the large amount of space needed for the requisite

shafts. De-centralized ventilation units with individual regulation can

provide an alternative to mechanical ventilation. These are possible

in various degrees of de-centralization such as units for four to

five floors, or units for individual floors and spatial units. Depending

on the system, there are advantages and disadvantages to each

approach. One advantage is that all types of thermodynamic treatment

including humidification and dehumidification are now possible

with all devices. Using units such as these the duration of ventilation

can be reduced to the amount of time necessary and energy

consumption cut by approximately 30 percent.

Natural ventilation

With natural ventilation, air renewal rates are basically determined

by two parameters, the temperature difference and the difference

in height. Exploiting the difference in height in air intake and air

exhaust via central exhaust shafts enables energy required for

mechanical air exhaust can almost be reduced to zero, even in the

case of efficient heat generation.

Low temperature radiation surface

The ambient temperature is determined by the median air temperature

and that of the surrounding surfaces. General comfort

can be increased by deliberate climate control in these surfaces,

while at the same time air conditioning requires only a low level

of energy consumption. Natural resources such as cool night air

and geothermal energy are ideal for activating these areas to a low

temperature basis (higher temperatures in summer, lower temperatures

in winter).

The examples and solutions quoted demonstrate that in the construction

of highrises, economy, ecology and comfort do not

Economy, Ecology and Comfort in Highrise Construction 75


Wohnhochhäuser am Central park West, New York City Highrise Apartment buildings,

Central park West, New York City

1860–1886 Lakeshore Drive, Chicago

Marina City des Architekten Bertrand Goldberg, eines Studenten

Mies van der Rohes. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung 1964 waren

sie die höchsten Wohntürme weltweit. Die beiden Zylinder

erwecken den Eindruck überdimensionaler Maiskolben. Ihre gesamte

Fassade wird durch eine Wabenstruktur gebildet. Die Zwillingstürme

gliedern sich in zwei Abschnitte, die durch einen dreigeschossigen

Einschnitt ablesbar sind. Hinter den Waben des unteren

Drittels verbergen sich Garagen. Darüber befinden sich heute Wohnungen,

ein Hotel und Restaurants. Die beiden Türme stehen am

Ufer des Chicago River, der die Innenstadt durchschneidet.

Die Zwillingstürme des Lippo Center auf Hongkong Island wenden

ihre Hauptfassaden der Bucht und dem gegenüberliegenden

Kowloon zu. Sie bilden ein Tor zwischen Hongkongs Geschäftsviertel

und dem Wasser. Sie weisen dem Betrachter aber auch den Weg aus

Hongkong heraus, da in unmittelbarer Nähe der beiden Bürohäuser

die Anlegestellen der Tragflächenboote nach Macao und auf das chinesische

Festland liegen. Das Lippo Centre wurde von dem amerikanischen

Architekten Paul Rudolph entworfen und 1988 fertig gestellt.

Als typisches Merkmal für diese Zeit sind die Fassaden durchgängig

mit reflektierendem Glas verkleidet. Die Zwillinge stehen auf einem

vierstöckigen Sockel und wachsen auf achteckigen Grundrissen 36

beziehungsweise 40 Stockwerke in die Höhe. Sie sind von außen

deutlich ablesbar in drei Zonen gegliedert. Die Geschossebenen ragen

über den zentralen Kern heraus. Diese Auskragungen sind so

gestaltet, dass es den Anschein hat, riesige Koalabären würden zueinander

versetzt zwei Baumstämme hochklettern.

Solchen Toranlagen begegnet man auch im Gefüge europäischer

Städte. Die Doppeltürme der Deutschen Bank in Frankfurt/Main

– die Architekten sind Walter Hanig, Heinz Scheid und Johannes

Schmidt – markieren den Übergang zwischen dem gründerzeitlich

geprägten Wohnbezirk Westend und dem durch seine Hochhäuser

dominierten Bankenviertel. Wie das Lippo Center stehen

die 1984 vollendeten Türme auf einem viergeschossigen Sockelders

look like oversized ears of corn, their entire façade consisting

of a honeycomb–like structure. Both towers consist of two parts,

outwardly visible through a three-story indentation. Behind the

segments of the lower third lie hidden parking garages and above

them, we find today condominiums, a hotel and restaurants. The

towers stand on the banks of the Chicago River that divides the

inner city into two parts.

The twin towers of the Lippo Center on Hong Kong Island direct

their main façades toward Hong Kong bay on one side and Kowloon

on the other, forming a gate between Hong Kong’s downtown

business district and the water. Simultaneously, they guide

the observer’s gaze away from Hong Kong and out onto the water:

directly adjacent to the two office buildings are the piers for the

hydrofoils bound for Macao and the Chinese mainland. Designed

by American architect Paul Rudolph and completed in 1988, Lippo

Centre is constructed with reflective glass façades, a typical feature

of the time. The twin buildings stand on a four-story base, rising

from the octagonal footprint 36 and 40 floors respectively into

the heavens. Easily visible from the outside, the building is divided

into three zones which extrude above a central core. These extrusions

generate the impression of giant koala bears – offset from

each other – climbing up two tree trunks.

Such tower assemblages functioning as gates can also be found

in Europe embedded within the city itself. The twin towers of Walter

Hanig, Heinz Scheid and Johannes Schmidt’s Deutsche Bank

in Frankfurt/Main, which were completed in 1984, mark the transition

from the Wilhelminian style residential neighborhood Westend

and the skyscraper dominated banking district. Like the Lippo

Center, the towers stand on a four-story base and are entirely covered

with reflective glass. Both have the same irregular, wing-like

groundplan, standing almost like mirror images across from each

other. The moniker “Twin Towers“ given to the Deutsche Bank

building as a tribute to the destroyed World Trade Center has not

80 Nimm Zwei! Zwillings türme im Hochhausbau


Marina City, Chicago Lippo Centre, Hong Kong Deutsche Bank, Hauptverwaltung, Frankfurt/Main

Deutsche Bank, Headquarters,

Frankfurt/Main

gebäude und sind vollständig mit Spiegelglas verkleidet. Beide haben

den gleichen unregelmäßigen, flügelförmigen Grundriss und

stehen einander fast gespiegelt gegenüber. Sie in Anlehnung an

das durch die Terroranschläge zerstörte World Trade Center »Twin

Towers« zu nennen, hat sich nicht durchgesetzt. Stattdessen hat

sich in der Frankfurter Bevölkerung der Spitzname »Soll und Haben«

eingebürgert.

Als Tor zur Geschäftswelt nicht nur Kuala Lumpurs, sondern ganz

Malaysias gelten die Zwillinge Petronas Towers, von Cesar Pelli entworfen

und 1997 fertig gestellt. Bis zur Vollendung des Taipei 101 in

Taiwan 2004 galt das Gebäudepaar mit 452 Metern als das höchste

Gebäude der Welt. Die Türme verbinden modernste Technologie

mit traditionellen regionalen und religiösen Elementen. Pelli wurde

gebeten, ein »malaysisches« Gebäude zu entwerfen. Es ist durch

einen unterirdischen Wald aus Pfählen im Boden verankert. Die

Türme sind Stahlbetonkonstruktionen mit einem stützenden Säulenring.

Der Grundriss orientiert sich an der strengen Geometrie

islamischer Architektur: Zwei Quadrate überlappen sich und bilden

einen achteckigen Stern. Durch eine zweigeschossige Brücke, die

die Türme auf Höhe der 41. und 42. Etage verbindet, entsteht ein

riesiges Tor. Dieses Bild verwendet Pelli in Anlehnung an die östliche

Philosophie, in der die Kraft der Architektur nicht in erster Linie

durch die physischen Bauteile bestimmt wird, sondern sich durch

den Raum entfaltet, den diese beschreiben. Pelli geht in seinem

Buch Petronas Towers. The Architecture of High Construction so

weit, von einem »Tor zur Unendlichkeit« zu sprechen. So betrachtet,

ist es also ein Symbol für wirtschaftliche Kraft, aber zugleich

auch ein Übergang zwischen Geschäftswelt und »Höherem« entstanden,

eine mehr als selbstbewusste Geste.

Wahrzeichen- und Symbolcharakter über ihre eigentliche Funktion hinaus

haben die meisten der Zwillingshochhäuser. Das berühmteste

und zugleich tragischste Beispiel ist das New Yorker World Trade Center.

Es war schon zu »Lebzeiten« eines der Wahrzeichen der Stadt.

taken hold. Instead, the Frankfurt populace likes to call them “Soll“

(“debit”) and “Haben“ (“credit”).

Architect Cesar Pelli’s twin Petronas Towers, completed in 1997,

act not only as a gate into the business world of Kuala Lumpur,

but that of all of Malaysia. Before Taiwan’s completion of Taipei

101 in 2004, Pelli’s pair of buildings towering at a height of 1,483

feet, was hailed as the world’s tallest building. The towers combine

ultra-modern technology with traditional regional and religious

elements. Pelli was asked to design a “Malaysian” building.

Anchored into the ground by an underground forest of columns,

the towers are reinforced concrete constructions with a ring of

internal supports. The groundplan refers back to the strict geometry

of Islamic architecture – two overlapping squares which form

an eight pointed star. A two-story bridge which connects the towers

on the 41 st and 42 nd floor helps to form an immense gate. Pelli

uses this image in reference to Eastern philosophy which holds

that architecture does not primarily derive its power from its physical

components but from the space which they circumscribe. In

his book Petronas Towers. The Architecture of High Construction,

Pelli describes the structure as a “gate to infinity”, creating not

only a symbol of economic power, but at the same time a passage

between the world of business and “something higher” –

quite a gesture of braggadocio.

Most of the double skyscrapers not only serve a function, but also

assume the character of monuments or symbols. The most famous

example is at the same time the most tragic: New York’s World

Trade Center. Even during its “lifetime”, it was one of the major

sights of the Big Apple, with a visit to the observation deck of the

South Tower a must for every tourist. Most likely, the reason why

the 9/11 terrorists chose the Twin Towers as their target was to

destroy this most potent symbol of American economy and power.

The symbolic aura of the World Trade Center has not diminished

through its destruction. On the contrary, it has increased, with the

Take Two! Twin Towers in the Architecture of Skyscrapers 81

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