unternehmen Juli 2013

suedwest.presse

unternehmen Juli 2013

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 34 | Juli 2013 | 2,00 €

4 197821 302003 3 4

Gold Ochsen

ist ihr Reich

Brauereichefin Ulrike Freund besteht im Spiel der

Großen – so gut, dass bei Gold Ochsen selbst Konzerne

anklopfen. Doch schlucken lässt sie sich nicht.

Coaching Der richtige Trainer weckt den Star in dir SEITE 6

Molkerei Omira laufen die Milchbauern scharenweise davon SEITE 18

Musik Elvis ist tot – was zwingend mit auf die Insel muss SEITE 38


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unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[inhalt]

26 38

28 18 6

Liebe Leserin, Lieber Leser,

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

Der Druck auf Unternehmen wächst. Ihre

Umgebung verändert sich rasant. Wer wettbewerbsfähig

bleiben will, braucht schnelle

Reaktion und hohes Anpassungsvermögen.

Die entscheidende Frage ist: Wie versetze

ich meine Mitarbeiter in die Lage, ihr Bestes

fürs Unternehmen zu geben? Das erklären

unsere Serie „Wie man gute Leute findet und

hält“ (Seite 34) und die Artikel über

Coaching (Seite 6) und Führung (Seite 26).

Große Unternehmen tun sich beim Personalmarketing

erfahrungsgemäß leichter; für

kleine Betriebe ist es umso wichtiger, aktiv

zu werden, damit sie künftig keine Nachwuchssorgen

haben. Firmen, die heute ihre

Beschäftigten nicht wertschätzen, erhalten

dafür in der Zukunft die Quittung: Sie werden

in Zeiten des Fachkräftemangels weder

gute Mitarbeiter bekommen noch halten.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein

[verantworten]

6 Der Trainer weckt den star in dir

Coaching für Chef – und Mitarbeiter

[titelthema]

10 Die Herrin der glänzenden Kessel

Ulrike Freund im Gespräch

[spezial]

18 Da wird die Milch im euter sauer

Wirbel um Ravensburger Großmolkerei

36 Mit Tempo zu neuem Personal

D ie Profi-Arbeitsvermittler

[machen]

20 Mit Druck in die Zukunft Druckereien

spielen ihre Stärken aus

23 Kreativität ist kein selbstzweck

Welche Agenturen taugen

24 Der riese und das Kellerkind

Die erstaunliche Geschichte eines

jungen IT-Unternehmers

[führen]

26 Der Hamster muss zum Adler werden

Wie man den Erfolg verkraftet

34 Wie man gute Leute findet und hält

Winfried Wanka von Mayser

[finanzieren]

28 Der eigene name steht für etwas

Gutes Für wen sich Stiftungen lohnen

31 r isikoschutz kommt zu kurz

Wer wann welche Versicherung braucht

[leben]

38 Mit Mozart auf die insel

Was Führungskräften ins Ohr geht

[namen & nachrichten]

4 Ulms neueste schönheitsoperation:

die sedelhöfe

4 e iliger Abschied von der Uni-Klinik

5 Handwerks-Präsident Gindele

geht 2014

41 Aitrach zeigt London das Parken

42 Verzaubert am bodensee

42 Impressum

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

Ulms neueste Schönheitsoperation: die Sed

„Stadt ist Wandel“, heißt es. Auch

so betrachtet ist Ulm eine Wucht

von einer Stadt. In den vergangenen

Jahren und Jahrzehnten hat

sie ihr Gesicht radikal verändert.

Ein verwegenes Bauprojekt jagt

das andere. Neue Mitte, Büchereipyramide,

Synagoge – um nur einige

zu nennen. Jetzt klafft wieder

ein gewaltiges Loch einen

Mäu sesprung vom Zentrum entfernt:

Aus dem Schmuddeleck

östlich des Bahnhofs soll auf einem

9000 Quadratmeter großen

Grundstück ein urbanes

Schmuckstück werden, in dem

sich Handel, Wohnen, Dienstleistung

und Cityflair aufs Trefflichste

ergänzen: die Sedelhöfe.

Das Modell: Die Stadt kauft die

Grundstücke, bezahlt den Abriss

(für insgesamt 30 Millionen Euro)

und verkauft das Paket dann

an einen Investor, der das Quartier

nach den Vorgaben der Stadt

verwirklicht: die Projektentwicklung

MAB Deutschland. Diese

geht von einem Investitionsvolumen

von 130 Millionen Euro aus.

Fertig sein soll das Ganze 2016.

Farny baut

Hotel in Dürren

Das Hofgut Dürren an der A 96

bei Wangen, Stammsitz der Edelweißbierbrauerei

Farny, wird zu

einem Hotelkomplex mit Veranstaltungsbetrieb

ausgebaut. Für

7 Millionen Euro entstehen 62

Zimmer, Gastronomieräume,

und ein Biergarten für 200 Gäste.

Zielgruppe sind Durchreisende

und Seminarteilnehmer. Das Hotel

ist als Ersatz für die Tank- und

Rastanlage gedacht, die an der

Grenze zu Österreich geplant

war. Farny beschäftigt 60 Mitarbeiter

und macht mit 100.000

Hektolitern Bier jährlich 11 Millionen

Euro Umsatz. [!] HAM

Eine gewaltige Baustelle klafft am Rande der Ulmer Innenstadt. Dort sollen die Sedelhöfe entstehen, ein modernes Viertel für Hand

Doch der Teufel ist ein Eichhörnchen.

Kaum sind die Nachkriegsbauten

geschliffen, platzt die

Nachricht, dass der Investor abgewickelt

werden soll. Es folgen

Wochen des Bangens. Ende Juni

dann die frohe Botschaft: Der

Konzern Rabo Real Estate Group,

zu dem MAB gehört, zieht das

Projekt doch noch durch.

Das freut viele. Der Handel in der

Fußgängerzone (Bahnhofstraße)

Eiliger Abschied von der Uni-Klinik

Prof. Reinhard Marre (65) hat drei

Monate früher als geplant als

Chef der Uni-Klinik Ulm aufgehört.

Sein Nachfolger als Leitender

Ärztlicher Direktor ist Prof.

Klaus-Michael Debatin (60), der

Chef der Klinik für Kinder- und

Jugendmedizin. Bis September

2014 werde er beide Ämter ausüben,

danach müsse er sich für

eines davon entscheiden, heißt es

in einer Mitteilung der Klinik.

Im zehnköpfigen Aufsichtsrat

der Uni-Klinik war angesichts

massiver Schwierigkeiten an der

Klinik ebenso Unmut groß geworden

wie schon zuvor unter

dem Pflegepersonal, den Ärzten

und Chefärzten. Der Rat nahm

deshalb Ende

Juni Marres

Angebot an,

vorzeitig in

den Ruhestand

zu gehen.

Dessen

Prof. Reinhard bisheriger

Marre hört vorzeitig

auf …

Debatin wur-

Stellvertreter

de schon zum

1. Juli ins Chefamt bestellt.

Unzufriedene Mitarbeiter, Personalausdünnung,

Mahnwachen

vor der Klinik, haben das Klima

zuletzt getrübt. Verdruss bereiteten

das zweite Millionendefizit in

Folge und Liquiditätsprobleme.

Und der Landesrechnungshof be-

freilich murrt: Er ist vom Hauptbahnhof

aus durch eine düstere

Unterführung – als Schwarzes

Loch verschrien – und eine umständliche

Straßenüberquerung

zu erreichen. Die Sedelhöfe dage-

scheinigte

dem vor einem

Jahr fertiggestellten

Chirurgieneubau

rund

40.000 Baumängel.

Die

Klinik hatte

Foto: Volkmar Könneke

… und Prof. Klaus-

Michael Debatin

übernimmt.

den 240-Mil-

lionen-Euro-

Bau zur Hälfte selbst finanziert.

Debatin sieht seine Aufgabe darin,

zunächst einmal Vertrauen zu

schaffen – „Gespräche zu führen

mit den Mitarbeitern, mit ihnen

Perspektiven abzuklopfen.“ Die

Mitarbeiter seien das „wertvollste

Potenzial“ der Klinik. [!] TROJ

4


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[namen & nachrichten]

elhöfe

el, Dienstleistung und Wohnen.

gen sollen mit einer schicken,

großzügigen Lösung angebunden

werden. Womöglich können

einige Kaufhäuser nicht mehr

von hinten beliefert werden, weil

sich dort schon die Sedelhöfe

Bankenfusion: Illertal

und Laupheim stimmen zu

Die Raiffeisenbank Illertal eG

und die Volksbank Laupheim eG

gehen gemeinsame Wege. Beide

Vertreterversammlungen stimmten

der Fusion zu – rückwirkend

zum Jahresanfang. Die Volksbank

Raiffeisenbank Laupheim-

Illertal eG ist damit die größte

Genossenschaftsbank mit Sitz im

Landkreis Biberach und das

zweitgrößte Genossenschaftsinstitut

zwischen Ulm und Friedrichshafen.

258 Mitarbeiter in 26

Geschäftsstellen betreuen künftig

mehr als 51.000 Kunden mit

einem Geschäftsvolumen von

mehr als einer Milliarde Euro.

Grafik: Stadt Ulm

spreizen. Dennoch bringen die

Stadträte das Bebauungsplanverfahren

auf den Weg. OB Ivo Gönner

empfiehlt angesichts der hitzigen

Debatte: „Den Topf vom

Herd nehmen.“ [!]

IST

Erst vor kurzem hatten die Leutkircher

Bank und die Waldseer

Bank fusioniert (935 Millionen

Euro Bilanzsumme). Sämtliche

Banken stehen derzeit vor großen

Herausforderungen: Die Folgen

der Banken- und Staatsschuldenkrise

stellen alles auf den Kopf,

sagte der Laupheimer Vorstandschef

Hans Flesch hut. Gesetzliche

Regelungen und die politisch gewollte

Niedrigzinsphase führten

zu mehr Bürokratie, zu niedrigeren

Margen aus dem Zinsergebnis.

Davor müssten sich die Institute

schützen, indem sie ihre

Strukturen optimieren. AMB

Handwerks-Präsident

Gindele geht 2014

TWS holt sich

Kapital

Weil den Technischen Werken

Schussental, TWS, die Mittel fehlen,

um in regenerative Energien

zu investieren, geben sie Genussrechte

an Privatpersonen und

Unternehmen aus. Bei einem

Mindesteinsatz von 1000 Euro

haben die Anleihen eine Laufzeit

von zehn Jahren und sollen eine

Mindestverzinsung von zwei bis

drei Prozent pro Jahr bringen.

Seither haben die TWS – vor

zwölf Jahren von den Städten Ravensburg

und Weingarten unter

Beteiligung der ENBW gegründet

– jährlich einen Gewinn zwischen

3 und 10 Millionen Euro

erzielt. 2013 entsteht eine Investitionslücke,

weil der Energieversorger

von den erwirtschafteten

4,3 Millionen Überschuss 4 Millionen

an seine Gesellschafter ausschüttet.

[!]

HAM

Der Präsident der Handwerkskammer

Ulm, Anton Gindele

(64), strebt keine zweite Amtszeit

an; er beendet seine Amtsperiode

nach fünf Jahren 2014. Seinen

Nachfolger bestimmt die 39-köpfige

Vollversammlung, die im

Frühsommer 2014 neu gewählt

wird. Der Präsident stammt aus

ihrer Mitte.

Die Satzung der Handwerkskammer

Ulm, deren Gebiet sich vom

Bodensee bis zum Ostalbkreis erstreckt,

sieht eine Altersgrenze

von 65 Jahren für den Präsidenten

vor. Gindeles Vorgänger Horst

Schurr hatte versucht, die Satzung

zu ändern, um eine weitere

Amtszeit zu erlangen. Gindele,

der eine Schreinerei in Horgenzell

(Kreis Ravensburg) führt, respektiert

die Satzung. Gindele amtiert

seit 2005

auch als Landesinnungsmeister

der

Schreiner

und ist in

Stuttgart gut

vernetzt.

Beim Präsidentenamt

in

der Hand-

Anton Gindele

strebt keine zweite

Amtszeit an.

werkskammer handelt es sich im

Gegensatz zur IHK nicht um

ein reines Ehrenamt; vielmehr

wird mit Verweis auf die hohe

zeit liche Belastung des Präsidenten

eine monatliche Aufwandsentschädigung

ausbezahlt, die an

die Bezüge des Hauptgeschäftsführers

gekoppelt ist und die in

Ulm zwischen 3000 und 4000 Euro

liegen soll. [!]

PAU

Niederlassung

vergrößert

Die Mercedes-Benz-Niederlassung

Ravensburg ist organisatorisch

nun beim bisherigen Niederlassungsverbund

Ulm/

Schwäbisch Gmünd angesiedelt.

Thomas Witzel ist damit Direktor

der Niederlassung Ulm/

Schwäbisch Gmünd/Ravensburg

und trägt nun auch die Verantwortung

für die bisher zur Niederlassung

Ravensburg gehörenden

Standorte Weißensberg,

Leutkirch und Pfullendorf.

Für Kunden und Mitarbeiter ergeben

sich laut Mercedes keine

Veränderungen. Die regionalen

Zuständigkeiten der Niederlassungen

bleiben. Der bisherige

Leiter der Mercedes-Benz-Niederlassung

Ravensburg, Siegfried

Bruckner, übernimmt eine neue

Funktion innerhalb der Daimler

AG. [!]

PAU

5


In der Pause rumbolzen – das tun auch Tennisprofis wie Maria Sharapova (oben) oder Venus Williams (unten).

Mit dem falschen Coach wären die beiden aber wohl nie zu Stars in ihrem Metier geworden. Fotos: Getty Images

6


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[verantworten]

Der Trainer weckt den Star in dir

Ist jeder Manager allen Aufgaben gewachsen? Mitnichten, muss er auch nicht. Er sollte aber wissen, wo es klemmt.

Immer mehr Führungskräfte setzen auf Coaching. Doch wie erkennen Firmen gute Anbieter?

Sie schleichen zwar nicht mit Sonnenbrille

und hochgeschlagenem Mantelkragen

durch die Hintertür, doch oft

sitzen Coaches inkognito im Büro des Geschäftsführers.

Viele Führungskräfte fühlen

sich dem Druck nicht mehr gewachsen und

suchen Rat. Häufig im Verborgenen, denn einen

Trainer zu engagieren, legen viele als

Schwäche aus. Doch das ist falsch. Für Petra

Bergmann aus Blaustein ist genau das Gegenteil

der Fall: „Wer sich einen Business-Coach

zur Seite nimmt, beweist Mut zur Veränderung.

Denn Menschen in Füh rungs positionen

müssen immer mehr Ver ant wortung übernehmen

und erkennen irgendwann, dass sie

bestimmten Situationen nicht mehr gewachsen

sind.“

Für die Inhaberin von „Bema Coaching“ ist

das der richtige Zeitpunkt, um sich an einen

professionellen Coach zu wenden, der nicht

als großer Besserwisser auftritt, sondern eher

als Ratgeber und feinsinniger Beobachter:

„Letztendlich sind wir Sparringspartner, die

mit Kompetenz und Erfahrung Verantwortung

für den Klienten übernehmen. Ein klassischer

Coach wird nie sagen, wie es besser

geht, sondern er hilft dem Kunden im Gespräch,

sein angestrebtes Ziel zu erreichen.“

Dabei ist es für die Beraterin, Referentin und

frühere Leistungssportlerin entscheidend,

dass ein Coach nicht nur eine fundierte Ausbildung

vorweisen kann, sondern ein klares

Profil entwickelt und aus eigener Erfahrung

weiß, was es bedeutet, Führungsverantwortung

zu übernehmen. Sieben Jahre lang war

Bergmann Personalleiterin: „Ohne die notwendige

Fachkompetenz funktioniert Coaching

nicht. Schließlich engagiert man ja

auch keinen Tennislehrer, wenn man das Fußballspiel

erlernen möchte.“

VorSiChT Vor AlleSkönnern

Auch für Christopher Rauen ist Fachkompetenz

das A und O in der Coaching-Branche.

„Ein guter Coach zeichnet sich insbesondere

durch seine Qualifikationen und Weiterbildungen

aus, die ihn zum Coaching befähigen

und die er auch – entweder von sich aus oder

auf Nachfrage – offenlegt“, sagt der Vorsitzende

des deutschen Bundesverbandes Coaching

e.V. (DBVC): „Coaches haben in der Regel psychologische

Kenntnisse und sollten auch soziologisch

mit Gruppenstrukturen vertraut

sein und ein möglichst breites Schnittfeld von

Wissensbereichen und Feldern abdecken.“

Rauen warnt vor schwarzen Schafen, die auf

der Coaching-Wiese grasen: „Vorsicht geboten

ist bei ,Alleskönnern‘, die behaupten für jedes

Anliegen geeignet zu sein und alle Probleme

kampf gegen

den Wildwuchs

Seit der Jahrtausendwende erlebt das

Business-Coaching einen steten Aufschwung

zwischen fünf und zehn Prozent.

Von einem regelrechten Boom

möchte der Coaching-Verbandsvorsitzende

Christopher Rauen nicht sprechen:

„Wir erleben einen kontinuierlichen

Anstieg, der den steigenden Bedarf

widerspiegelt. Inhaltlich hat sich

wenig verändert.“ Wie sieht der Coach

des Jahres 2020 aus? Rauen: „Das

Coaching entwickelt sich als Profession

weiter, und der Coach der Zukunft

wird sicherlich noch mehr Standards

erfüllen. Konkret bedeutet dies, dass

man von ihm verbindliche Aussagen

und Bekenntnisse zu Ablauf, Kosten,

Methoden, Verträgen erwarten darf, wo

jetzt noch viel Wildwuchs herrscht.“

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7


[verantworten] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

lösen zu können. Die meisten Coaches haben

sich auf bestimmte Probleme und Gebiete

spezialisiert und bereits in der Ausbildung

Schwer punkte gesetzt. „Gute Trainer kennen

ihre Grenzen und empfehlen einen Kollegen,

wenn sie einen Auftrag nicht bearbeiten können

– und sie lehnen Aufträge ab, die sie für

nicht erfüllbar halten.“

Freilich hilft auch der beste Trainer nicht,

wenn im Coaching der Funke nicht überspringt.

Für die gelernte Industriefachwirtin

Bergmann ist deshalb besonders wichtig, dass

die Chemie stimmt: „Der Coach muss mit

dem Klienten auf Augenhöhe stehen und

nicht darüber.“ Einzelcoaching hält sie für

effektiver als Gruppentraining: „Wir alle

werden bei unseren tagtäglichen Entscheidungen

von Emotionen gesteuert, auf die

man als Trainer eingehen muss. Dies ist in

einem Seminar einfach nicht möglich.“

DAS PoTenziAl

herAuSkiTzeln

Auch Roland Groß aus Neu-Ulm

setzt auf persönlichen Kontakt.

Der Freiberufler coacht seit neun

Jahren Außendienstmitarbeiter,

die er auf Einsätzen in ganz

Deutschland begleitet: „Empathie

ist alles.“ Die Arbeit im Außendienst

kennt er bestens. Als Diplomingenieur

(Chemie) hatte er sich berufsbegleitend

zum Vertriebsingenieur weiterbilden

lassen, bevor er eine Coachingausbildung

absolvierte. Heute

feilt er mit seinen Klienten

direkt vor Ort in

Nachbesprechungen an Ver-

kaufstechniken und den Feinheiten der Kundenbetreuung:

„Die Anforderungen an den

Außendienst haben sich in den vergangenen

20 Jahren grundlegend verändert, der Wettbewerb

ist härter.“

Das Coaching von Managern ist inzwischen

gang und gebe. Mittlerweile erkennen viele

Personalverantwortliche auch den Wert von

Mitarbeiter-Coaching – und setzen das Instrument

für die Personalentwicklung ein.

Roland Groß wird in der Regel beauftragt,

„wenn sich ein Unternehmen

langfristig noch mehr von

einem guten Vertriebsmitarbeiter

verspricht, der sich weiterentwickeln

kann und möchte.

Denn wer investiert schon gern

in ein lahmes Pferd?“ Als Coach

sieht der 47-Jährige seine Aufgabe

darin, Anregungen zu geben, vorhandenes

Potenzial zu erkennen und

herauszukitzeln: „Es macht keinen

Sinn, einem Klienten eine neue Persönlichkeit

überstülpen zu wollen.“

Ein Außendienstler habe ja keine

Chance, mal neben sich zu treten und

sich selbst zu beobachten. Das übernimmt

Groß. Selbst schaffe man das

kaum: „Im Alltag sind wir ständig mit

hunderten von Einzelaufgaben beschäftigt,

so dass wir den Blick für das Gesamte

leicht verlieren.“ [!]

STEFAN LOEFFLER

Vermeintliche Alleskönner sind im Sport

wie auch in der Wirtschaft mit Vorsicht

zu genießen. Foto: RTimages/Fotolia.com

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8


Mentalcoaching für junge unternehMer

und unternehmen geschäftsführer

[!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[rubrik]

Der kluge Umgang mit der Vielfalt der Möglichkeiten

nicola Buck begleitet in ihren einzel-coachings

junge unternehmer und geschäftsführer in

ihrer beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung.

an der universität salzburg absolvierte sie das

europaweit einzige universitätsstudium „Mentalcoaching“.

Ziele zu erreichen, grenzen erkennen,

lösungen zu entwickeln und konkrete handlungen

zu aktivieren, sind die säulen ihrer arbeit. Beim

regelmäßigen einblick in inhabergeführte mittelständische

unternehmen und größere handwerkerunternehmen

stellte sie fest, dass es Parallelen

bei den themen und anliegen ihrer Kunden gibt.

oftmals wird die anfängliche höchstleistungsphase

in der neuen Position trotz bester ausbildung

und hoher Motivation unterschätzt. es fehlt die

gewohnte orientierung. die bestehende unternehmenskultur

sowie Mitarbeiter und Kunden fordern

heraus. um hier immer klar, fit und voll verantwortlich

seine rolle auszufüllen, hilft ein coaching dabei,

die dinge objektiv und in der richtigen gewichtung

zu erkennen, um nicht selbst auf der strecke zu

bleiben.

Frau Buck, immer mehr Unternehmer

und Führungskräfte

haben erkannt, dass

die Herausforderungen ihrer

Positionen komplexer werden

und Selbstreflexion unabdingbar

ist. Hier kann ein

Coaching eine kompetente

Hilfe bieten. Doch wie erkenne

ich in dem großen Angebot

den guten Coach?

Nicola Buck ›› Einen guten

Coach erkennt man letztendlich

erst daran, wenn er wieder

überflüssig wird. Doch

zunächst sollte zwischen

Coach und Kunde einfach die

Chemie stimmen, damit ein

Vertrauensverhältnis entstehen

kann. Wichtige Kriterien

sind eine hochwertige Ausbildung

und fundierte Techniken.

Ebenso empathische

sowie psychologische Kompetenz,

um bewusste und

unbewusste Prozesse erkennen

zu können. Aber auch

Erfahrung und Kompetenz

im Arbeitsumfeld des Kunden,

denn ein Coach sollte

als Sparringspartner Rückgrat

zeigen. Empfehlungen sind

natürlich immer Gold wert.

Sie haben sich auf junge Unternehmer

und Geschäftsführer

spezialisiert. Braucht

man denn für die unterschiedlichen

Unternehmensbereiche

unterschiedliche

Coaches?

Nicola Buck ›› Als Coach sollte

man sich mit den Menschen

in ihrem Umfeld und ihren

Anforderungen auskennen.

Die Themen eines finalen

Entscheidungsträgers sind

durchaus andere als die der

Führungskräfte einer anderen

Hierarchiestufe. Als Teil

eines großen Familienunternehmens

am Bodensee weiß

ich: Gerade jungen Unternehmern

und Geschäftsführern

verschafft der Aufstieg in

diese Position zunächst Standing

und Selbstbewusstsein.

Doch der Rollenwechsel vom

Kollegen zum Vorgesetzten,

vom Handwerksmeister zum

Chef bedeutet ein enormes

Mehr an Verantwortung und

ein Umdenken in vielen Bereichen.

Ein objektiver Blick

aus der Distanz auf das Geschehen

erweist sich schnell

als hilfreich, um die eigenen

Rollen klar zu erkennen und

weitere Lebens- und Freiräume

zu erschließen, um die

Kraft und die Freude am Tun

zu erhalten.

Das ist nachvollziehbar. Man

sollte also gerade als Chef einen

Coach in Anspruch nehmen?

Nicola Buck ›› Coaching ist

eine zeitgemäße Dienstleistung.

Für Profisportler gehört

es schon lange dazu,

einen persönlichen Coach

zu engagieren. Vor allem in

Krisensituationen oder auch

zur Vorbereitung auf wichtige

Wettkämpfe baut man verstärkt

auf mentale Techniken.

Diese Haltung lässt sich

durchaus auch auf die Chefetage

eines Unternehmens

übertragen, denn ehrliches

Feedback wird in dieser Position

selten. Mentalcoaching

bietet Methoden, um in

eigener Regie Innenschau zu

betreiben und sein Profil zu

schärfen, um nach außen der

Rolle entsprechend wirken zu

können.

Das klingt nach Therapie?

Nicola Buck ›› Entgegen vieler

Vorurteile ist Mentalcoaching

keine Psychotherapie, denn

es geht immer um aktuelle

Anliegen aus dem beruflichen

Kontext. Der Kunde

bleibt federführend für das

was geschieht. In Hilfe zur

Selbsthilfe gilt es Lösungen

zu schaffen, klarer zu sehen,

um selbstbestimmter und

weitsichtiger handeln zu können.

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9


[titelthema] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

10


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[titelthema]

DieHerrinder

glänzendenKessel

Eigentlich ist UlrikeFreund gelernte Bankkauffrau. Doch als der Vater rief,

trat sie ins Unternehmen ein: die Ulmer Brauerei Gold Ochsen. Das war vor

28 Jahren. Heute steuert sie das Unternehmen durch stürmische Gewässer für

die Branche – so erfolgreich, dass auch Konzerne Begehrlichkeiten zeigen.

In Deutschland sind nur noch wenige große Brauereien

in Familienhand – und noch weniger in Frauenhand.

Fühlen Sie sich als Exotin in der Branche?

Ja, es gibt in Deutschland nur noch rund 20 größere eigenständige

Brauereien. Gold Ochsen gehört dazu.

Höchstens fünf werden von Frauen geführt. Als Exotin

fühle ich mich aber nicht. Der Begriff vermittelt etwas

„Auswärtiges“ oder „Fremdländisches“. Ich bin mit Leib

und Seele Brauereichefin und Ulmerin. Ich finde es

schön, dass man als Frau in einer Männerdomäne etwas

bewegen kann – auch wenn es nicht immer ganz

einfach ist.

Sie haben Bankkauffrau gelernt, stehen aber nicht

hinter dem Schalter, dafür sicher öfters im Sudhaus.

Welche Rolle spielt Ihre Ausbildung?

Die Bankausbildung ist ein Vorteil, zumal sie fundierte

Kenntnisse im betriebswirtschaftlichen Bereich vermittelt.

In der Braubranche muss man heute scharf

rechnen können. In unserer Brauerei habe ich ein zuverlässiges

Team mit Spezialisten und Fachleuten. Meine

Aufgabe besteht darin, dieses Team zu führen und

gemeinsam zu einem guten Ergebnis zu kommen. Mit

der Zeit lernt man automatisch vieles zum Handwerk,

auch wenn man selbst keine Brauerausbildung absolviert

hat. Ich hole die praktisch ausgebildeten Leute

und die Akademiker an einen Tisch, um Aufgaben gemeinsam

zu lösen. Das ist für mich das A und O.

Sie sind in der Brauerei aufgewachsen. Wann fiel

die Entscheidung, in den Betrieb Ihres Vaters einzusteigen?

Ich hatte das eigentlich nie vor. Meine Geschwister haben

den Betrieb mit umgetrieben. Sie haben sich dann

aber andere Aufgaben gesucht. Ich kam 1985 nach Ulm

zurück, weil mein Vater meinte, ich solle doch in der

Brauerei einsteigen und ihn unterstützen. Ich fing bei

Gold Ochsen in der Personalabteilung an, war im Einkauf

und in der Buchhaltung – und habe mich von unten

nach oben gearbeitet. Die Tragweite meiner Entscheidung

habe ich allerdings damals noch nicht

abgesehen. Mittlerweile arbeite ich seit 28 Jahren für

das Familienunternehmen; Geschäftsführerin der

Brauerei Gold Ochsen und deren Tochtergesellschaft

UGV (Ulmer Getränke Vertrieb) bin ich seit 1991. Ehrlich

gesagt: Bei meinem Einstieg hatte ich durchaus

gemischte Gefühle.

Warum das?

Ich kam von der Bank, dort ging es vergleichsweise vornehm

zu. In einer Brauerei ist der Ton auch mal rau,

sozusagen hart, aber herzlich. Daran musste ich mich

erst gewöhnen.

Wo hat Ihre berufliche Karriere angefangen?

Ich habe bei der Commerzbank in Ulm gelernt – es war

eine gute Ausbildung. Dann wechselte ich zur Privatbank

Merck Finck nach München. Eine Zeitlang habe

ich auch bei der Löwenbrauerei München gearbeitet.

Wie kam es dazu?

Ich wollte einfach mal etwas anderes machen. Bei der

Löwenbrauerei wusste allerdings niemand, dass ich ein

Kind der Branche bin.

Gold Ochsen gibt es seit 1597. Was versteht eines

der ältesten Unternehmen Ulms unter Tradition?

Zu dem Begriff fällt mir ein wunderbares Zitat des englischen

Staatsmannes Thomas Morus ein, der von 1478

bis 1535 gelebt hat: „Tradition ist nicht das Halten der

ZurPerson

UlrikeFreundist Ulmerin

und Brauereichefin

mit Leib und

Seele. Sie wurde 1955

geboren und ist die

Zweitälteste von vier

Geschwistern. Die gelernte

Bankerin ist

verheiratet. 1985

stieg sie ins Familienunternehmen

ein, das

sie seit 1991 in fünfter

Generation führt.

Ihren Beruf empfindet

Freund als Berufung

und setzt sich

für den Erhalt derTradition

ein. Für die

Hobbies Skifahren,

Reisen und Opernbesuche

bleiben ihr wenig

Zeit.

Eine Brauerei ist kein Streichelzoo. Aber es ist schön, als Frau in einer Männerdomäne etwas zu bewegen, sagt Ulrike Freund.

11


[titelthema] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

Ochsen Sherry Mandarina in einer limitierten Auflage.

Wir versuchen dem Zeitgeist zu folgen, neue Sorten zu

entwickeln; im Mittelpunkt steht aber immer die Braukunst.

Nur ein Beispiel: Die Aromabildung und der Geschmack

von Gold Ochsen Sherry Mandarina entsteht

erst während der Lagerzeit. Das funktioniert über eine

zusätzliche Kalthopfung mit einer ganz neuen Hopfensorte

– eine sehr aufwendige Geschichte.

Hat es Sie geschmerzt, dass Ihre Brauerei in den

vergangenen Jahren nicht den Zuschlag fürs Ulmer

Volksfest bekommen hat?

Das kann man so nicht sagen. Wir waren bis zum Jahr

2009 mit von der Partie. 2010 gab es einen Caterer-

Wechsel. Der Neue aus dem Fränkischen hat eine Brauerei

mitgebracht. 2010 hat Kulmbacher Mönchshof-

Bier ausgeschenkt, 2011 und 2012 war es die

Memminger Brauerei. Nach drei Jahren Pause gibt es

dieses Jahr wieder „Ulms flüssiges Gold“, also Biere von

Gold Ochsen.

Wie lukrativ ist das Ulmer Volksfest für eine Brauerei?

Viele meinen, dass sich die Brauerei dabei eine goldene

Nase verdient. Nur sehen sie nicht den Aufwand, der

hinter so einem Volksfest steckt. Für uns ist das in erster

Linie eine Marketinginvestition.

Auch eine traditionsreiche

deutsche Familienbrauerei

kann und will sich dem Zeitgeist

nicht verschließen – und

kreiert neue Getränke. Für

Ulrike Freund steht aber auch

bei diesen Produkten eines im

Mittelpunkt: die Braukunst.

Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“ Mir geht

es darum, das, was man geschaffen hat, zu erhalten –

vor allem mit Blick auf die Arbeitsplätze. Ich habe eine

Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern.

In einem so traditionellen Geschäft neue Ufer zu

beschreiten – geht das?

Aus Tradition und Braukunst kann auch Innovation

entstehen. In den vergangenen Jahren haben wir auf

neue Technologien gesetzt, beispielsweise in einen

neuen Lagerkeller und eine neue Abfüllanlage investiert.

Und das Bier?

Natürlich kamen auch neue Produkte dazu, zum Beispiel

das alkoholfreie und isotonische Biermischgetränk

OXX Sport oder unser erstes Jahrgangsbier Gold

Inwiefern?

Nur mal zum Vergleich: Als die „Toten Hosen“ im Jahr

2009 in Neu-Ulm auf einem Open-Air-Konzert gespielt

haben, konnten wir an einem einzigen Tag 240 Hektoliter

Bier und alkoholfreie Getränke ausschenken. Das

war fast doppelt so viel wie in zehn Tagen Ulmer Volksfest.

Das Ulmer Volksfest ist einfach eine schöne Tradition.

Deshalb unterstützen wir es auch und schielen

nicht auf einen möglichst hohen Gewinn. Aber es geht

natürlich nicht, dass wir als Brauerei die hohen Kosten

alleine tragen. Deshalb – eben aus wirtschaftlichen

Gründen – haben wir seinerzeit gesagt: Das können wir

nicht mehr machen.

In der Bevölkerung gab es gehöriges Gegrummel,

als bekannt wurde, dass Gold Ochsen nicht mehr

ausgeschenkt wird …

Es freut mich, dass wir Anhänger und Fans haben. Übrigens

kam auch aus dem Handel Zuspruch für uns.

Dieses Jahr ging die Interessensgemeinschaft Volksfest

auf uns zu – und wir machen gerne wieder mit.

Der Bierdurst der Deutschen lässt nach. Wie hat

sich der Ausstoß in Ihrer Brauerei entwickelt?

Wir können uns nicht beklagen. Unsere Absatzzahlen

sind recht konstant geblieben. Das liegt in erster Linie

daran, dass wir mit unserem Sortiment, zu dem alkoholfreie

Getränke und 16 verschiedene Biere gehören,

12


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[titelthema]

gut aufgestellt sind und eine breitgefächerte Zielgruppe

ansprechen können. Wir sind ein zuverlässiger Partner

für die Gastronomie und den Handel. Serviceleistungen

wie Logistik, Eventorganisation oder

Schanktechnik sind für eine positive Entwicklung

nach wie vor ausschlaggebend.

Welches Bier mögen Sie am liebsten?

Ganz besonders liebe ich unsere Weizenbiere. Wir haben

fünf verschiedene im Sortiment. Unser Kristallweizen

ist mein Favorit. Im vergangenen Jahr ist es beim

„World Beer Cup“ in San Diego sogar mit einem „Silver

Award“ ausgezeichnet worden.

Wie kam es zu der Teilnahme?

Das war eine spontane Idee von mir. Dass wir unter

4000 eingesendeten Bieren weltweit eine Silbermedaille

für unser Kristallweizen bekommen haben, macht

mich stolz. Das ist eine tolle Auszeichnung für unsere

Braumeister.

Wie oft trinkt eine Brauereichefin Wein?

An Wochenenden und bei Urlauben im Süden hin und

wieder. Ich trinke lieber Bier – nicht etwa, weil ich

Brauereichefin bin, sondern weil ich es mag. Mir

bekommt Bier sehr gut, weil es gekocht ist. Ein gekochtes

Getränk ist für den Magen grundsätzlich besser als

ein rein vergorener Wein. Aber natürlich ist jeder

Wein? Nun ja, zuweilen wochenends

oder im Urlaub im

Süden. Bier ist für Ulrike

Freund aber ohne jeden Zweifel

die bessere Wahl.

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verleihen Ideen konkrete Gestalt.

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13


[titelthema] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

Mensch anders. Bier in Maßen genossen, ist halt auch

eine gesunde Sache.

Und was ist mit den Kalorien?

Dass Bier dick macht, ist ein großer Irrtum. Wenn Sie

0,1 Liter Lager Bier mit der gleichen Menge lieblichen

Rotwein vergleichen, hat das Bier 43 Kalorien und der

Wein 78 Kalorien. Allerdings macht Bier in geselliger

Runde Hunger auf deftiges Essen. Der Hopfen weckt

den Appetit. Wenn man dem Hungergefühl nicht nachgibt,

nimmt man auch nicht zu.

Wo bekommt man Gold Ochsen?

Das Hauptaugenmerk richten wir auf einen Umkreis

von 100 Kilometern. Schließlich lautet unser Motto

„Qualität durch Frische“. Je mehr eine Brauerei in der

Region verankert ist, desto besseren Service kann sie

beispielsweise bei Veranstaltungen bieten. Wer jedoch

unsere Bierspezialitäten haben möchte, wird von unseren

Handelspartnern bedient und beliefert. Wer unser

Bier möchte, der bekommt es und dem bekommt es

auch.

In der Schweiz gibt es Ihr Bier zu kaufen. Dehnen

Sie das Vertriebsgebiet nach und nach weiter aus?

Wir wollen von Ulm aus wachsen. Der Vertriebsaufbau

benötigt allerdings auch seine Zeit. In der Schweiz haben

wir schon einen Handelspartner. Auch der italienische

Markt wird bereits durch einen unserer Geschäftspartner

bedient.

Deutsche Brauereien wie Gold Ochsen setzen auf

das Reinheitsgebot. Kann das nicht auch eine Fessel

sein? In anderen Ländern gehen die Brauer sehr

kreativ mit dem Thema Bier um …

Kreativ sind die deutschen Brauer auch. Für uns ist aber

das Reinheitsgebot als das älteste Lebensmittelgesetz

der Welt ein Garant für beste Qualität ohne Zusatzstoffe.

Es ist schon eine große Kunst der Braumeister und

Brauer, aus den vier bekannten Zutaten – also Brauwasser,

Malz, Hopfen, Hefe – eine derartige Vielfalt an Bieren

mit den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen

und Geruchsnuancen herzustellen. Die

Verbraucher sind ja oftmals sehr kritisch. Durch das

Reinheitsgebot weiß jeder, dass im Bier nur Brauwasser,

Malz, Hopfen und Hefe enthalten sind.

Für Brauer ist die Güte der Rohstoffe wichtig. Woher

beziehen Sie Ihre Zutaten?

Wir verwenden Aromahopfen aus Tettnang, die Braugerste

und der Weizen stammen von Landwirten aus

Oberschwaben und Hohenlohe, das Brauwasser

Bier macht dick? Das ist ein großer Irrtum, erklärt

Ulrike Freund: Es hat sogar weniger Kalorien als

lieblicher Wein.

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unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[titelthema]

kommt aus dem eigenen Tiefbrunnen. Zudem haben

wir eigene Reinzuchthefe. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit,

dass unsere Zutaten gentechnikfrei sind,

daher werben wir nicht mal damit.

Kommen auch Rohstoffe aus Übersee für Sie in

Frage?

Nein, so etwas mache ich nicht. Warum soll man nicht

mit den Lieferanten aus der Region zusammenarbeiten?

Ich arbeite gerne mit Leuten aus der Region zusammen,

die uns gutes Malz liefern – auch wenn es mal

teurer ist. Ich finde es nicht in Ordnung, wenn jeder nur

auf den Preis schielt. Lieferanten aus der Region schaffen

auch Arbeitsplätze und müssen ihre Mitarbeiter

bezahlen.

Sie haben vergangenes Jahr eine neue Abfüll- und

Flaschenwaschmaschine installiert und dafür 10,5

Millionen Euro investiert. Bis zur Inbetriebnahme

sind zweieinhalb Jahre vergangen. Warum dauert

so ein Projekt so lange?

Ein derartiges Großprojekt bedarf einer zeitintensiven

Planung und Vorbereitung und schließlich auch Umsetzung

in den vorhandenen Räumlichkeiten.

Das war nicht einfach.

Die Hauptmaschinenteile kamen

von zwei großen Firmen. Aber insgesamt

waren 43 Fremdfirmen an

diesem Projekt beteiligt. Wenn man

den unbeschreiblichen Aufwand

und die Koordination betrachtet,

sind zweieinhalb Jahre bis zur Inbetriebnahme

keine lange Zeit.

Wäre es nicht billiger gewesen, einen Neubau im

Ulmer Gewerbegebiet Donautal hochzuziehen?

Das kam für uns nicht in Frage. Wir haben hier am

Stammsitz einen sehr wertvollen Tiefbrunnen. Das

Esistnicht

inOrdnung,

nurnach

demPreis

zuschielen

Wasser versickert auf den Hochflächen der Schwäbischen

Alb, fließt durch reinigendes und mineralhaltiges

Karst-Gestein und gelangt innerhalb eines Jahres in

unseren 234 Meter tiefen Brunnen am Rande der Ulmer

Innenstadt. Wegen des Tiefbrunnens und der Felsenkeller

ist die Brauerei hier im Veitsbrunnenweg

gebaut worden.

Wie steht es mit der Flaschenrückgabe?

Was kostet Sie der

Schwund des Leerguts im Jahr?

Die Flaschenrückgabe ist ein großer

Aufwand für uns. Wir verzeichnen

dabei zwei Prozent „Leergut-Schwund“.

Das entspricht

etwa 90.000 Euro. Wir halten dennoch

am Mehrweg-System fest – und das hat mehrere

Gründe: Bei Umstellung auf Einwegflaschen müssten

ca. 45 Millionen Flaschen neu gekauft werden. Das

würde rund 550.000 Euro kosten. Mehrwegflaschen

Ulrike Freund und ihr Erster

Braumeister Stephan Verdi

zeigen das Sherry Mandarina:

trendy und nach dem

Deutschen Reinheitsgebot gebraut.

Ein spezieller Hopfen

prägt den Geschmack.

Ab sofort zu vermieten:

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Logistik oder Produktion im Industriegebiet Neu-Ulm

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[titelthema] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

Bier verdirbt nicht, erklärt

Ulrike Freund im Gespräch

mit Karen Emler, Alexander

Bögelein (links) und Gold-

Ochsen-Marketingleiter Stefan

Voggesser. Wird das Getränk

aber falsch gelagert,

leidet der Geschmack.

sind umweltfreundlicher und weisen eine positivere

Ökobilanz auf. Einwegglas muss eingeschmolzen werden,

Mehrwegglas kann gewaschen werden. Einwegglas

hat also einen höheren Energiebedarf. Wir setzen

unsere Mehrweg-Glasflaschen bis zu vierzigmal ein.

Spielen Dosen eine Rolle?

Kaum noch. Ihr Anteil liegt unter

1 Prozent.

Woher beziehen Sie Strom und

Wärme?

Der Strom kommt von den Stadtwerken,

Heizöl von diversen Lieferanten

und Ferndampf von der

Fernwärme Ulm. Außerdem gewinnen

wir Energie über unsere Photovoltaik-Anlage

und die eigene

Stromerzeugung durch eine Dampfturbine. Etwa ein

Fünftel des Gesamtstromverbrauchs decken wir mit

eigener Erzeugung. Dies ist unser Beitrag zur CO2-Reduzierung!

Die Energiepreise steigen immer weiter. Wie gehen

Sie damit um?

Ichbinstolz,

dassdie

Brauerei

inder

Familiebleibt

Wir setzen hier auf viele Maßnahmen. Beispielsweise

decken wir 80 Prozent unseres gesamten Heißwasserbedarfs

über Wärmerückgewinnungssysteme im Sudhaus.

Die neue Abfüllanlage verfügt über eine energiesparende

Flaschenwaschmaschine. Wir beheizen die

Schlosserei mit der Abwärme eines Luftkompressors

und haben seit 2010 eine automatische Lichtsteuerung

in unserer Vollgut-Halle – um nur

einige Beispiele zu nennen.

Wie sieht Ihr Konzept für die Zukunft

aus?

Wir werden regenerative Energien

zur Wärmerzeugung stärker in unser

Konzept mitaufnehmen, so

dass wir in Zukunft nicht mehr abhängig

von nur einem Energieträger

sind. Zudem werden wir die

Eigenstrom-Produktion erhöhen. Dazu laufen bereits

diverse Machbarkeitsstudien.

2006 haben Sie einen neuen Lagerkeller gebaut.

Wie wichtig ist die Lagerung für die Güte des Biers?

Eine lange und kalte Lagerung ist in unserem konventionellen

Herstellungsverfahren sehr wichtig: Erst da-

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unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[titelthema]

So sah 1930 das Stammhaus von Gold Ochsen in der Ulmer Herdbruckerstraße aus. Das Bild rechts zeigt Auszubildende im Schau-Hopfengarten.

Traditionsbewusst

undinnovativ

DieBrauereiGoldOchsen gehört zu den

ältesten Unternehmen der Stadt Ulm. Ihre

Geschichte lässt sich bis in das Jahr 1597

zurückverfolgen. Seit 1867 befindet sich

das Unternehmen in Besitz der Familie

Lei binger. Die traditionsbewusste Brauerei

gehört zu den modernsten in Baden-Württemberg

und zu den 20 größten fa mi liengeführten

Brauereien in Deutsch land. In

den vergangenen 21 Jahren in ves tierte das

Unternehmen in den Aus- und Umbau der

Brauerei sowie der eigenen Immobilien

rund 72 Millionen Euro. Das jüngste Großprojekt

war der Bau einer der leistungsfähigsten

Abfüllanlagen in Süddeutschland.

Gold Ochsen besitzt bereits seit Jahrzehnten

eine Konzession für Produkte des USame

rikan i sch en Getränke- und Lebensmittelkonzerns

PepsiCo. Dieses Geschäft

hat die Brauerei seit 1960 in der Ulmer

Getränke Vertrieb GmbH gebündelt. Zum

Sortiment gehören alkoholfreie Getränke

sowie 16 verschiedene Biere. Der jährliche

Ausstoß beträgt 660.000 Hektoliter Bier

und alkoholfreie Getränke, die in erster Linie

in einem Umkreis von 100 Kilometer

um Ulm an Handel und Gastronomie vertrieben

werden. Die Brauerei Gold Ochsen

beschäftigt 200 Mitarbeiter. Für diese gibt

es eine Reihe von Vergünstigungen. Neben

dem für Brauereien üblichen Haustrunk

beteiligt sich Gold Ochsen beispielsweise

an den Ausgaben seiner Mitarbeiter fürs

Ulmer Drachenbootrennen, für den Einstein-Marathon

und das 24-Stunden-

Schwimmen. [!]

AMB

durch ist eine volle Geschmacksentfaltung des Bieres

möglich. Die Biere werden 5 bis 6 Wochen gelagert –

wir geben ihnen also genügend Zeit.

Stimmt es eigentlich, dass Bier nicht schlecht werden

kann, wenn es richtig gelagert wird?

Im Prinzip ist das richtig. Bier kann nicht „verderben“,

aber bei falscher Lagerung leidet der Geschmack. Das

kann beispielsweise in Folge von Temperaturschwankungen

und Hitze vorkommen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum

stellt ein Geschmackversprechen dar.

Der Braumarkt schrumpft, die Konzerne kaufen die

kleineren Brauereien auf. Haben bei Ihnen schon

Große angeklopft?

Ja. Und es ehrt uns, dass Interesse an unserer Brauerei

besteht. Die Brauerei Gold Ochsen ist ein Schmuckkästchen

geworden. Solche Anfragen sind ein Lob für

uns alle.

Nichten und Neffen. Bis die soweit sind, eine Brauerei

zu führen, dauert das noch ein paar Jahre. Darüber können

wir uns vielleicht in ungefähr 10 Jahren noch mal

unterhalten …

DAS GESPRäcH FÜHRTEN

KAREN EMLER, LEITERIN

DER WIRTScHAFTSREDAKTION DER SÜDWEST PRESSE,

UND ALExANDER BöGELEIN,

REDAKTIONSLEITER UNTERNEHMEN [!]

FOTOS: MARc HöRGER

Was antworten Sie auf derlei Anfragen?

Wir haben keinerlei Interesse an einem Verkauf. Ich

bin stolz darauf, dass wir die Brauerei erhalten können

und sie auch in Zukunft im Besitz und unter der Führung

der Familie bleiben wird. Wissen Sie, ich habe

17


Fein fürs Foto herausgeputzte Kühe: Trotz prall gefüllten Eutern sind die Aussichten für die Omira-Bauern alles andere als rosig.

Foto: dpa

Da wird die Milch im Euter sauer

Darf man hoffen, oder führt der Befreiungsschlag ins nächste Desaster? Die krisengeschüttelte Großmolkerei Omira

versucht mit einer radikalen Wende unter neuer Führung wieder ruhiges Fahrwasser zu erreichen.

Wurde gefeuert: Wolfgang

Nuber. Foto: Felix Kaestle

Es ist die schwerste Krise in der 84-jährigen

Geschichte der Oberland-Milchverwertung

Ravensburg GmbH, kurz Omira

– dabei hatte es in den vergangenen Jahren

dort nicht eben an Skandalen gemangelt. Sie

beginnt Anfang dieses Jahres: Die Lieferanten

der Omira, rund 4000 Milchbauern, machen

ihrem Ärger über gekürzte Abnahmepreise

mit Protesten und Austritten aus der Genossenschaft

Luft. Nun wird der Aufsichtsrat

hellhörig, er interveniert, prüft die Bücher,

streitet sich intern so heftig, dass vier Mitglieder

das zwölfköpfige Gremium verlassen.

Letztlich weiß er sich nicht anders zu helfen,

als der zweiköpfigen Geschäftsführung Anfang

Juni die Stühle

vor die Tür zu

stellen. Einer der

Geschäftsführer,

Wolfgang Nuber,

muss sofort seinen

Schreibtisch räumen,

geht aber

rechtlich dagegen

vor. Der andere,

Stefan Bayr, erhält

eine Frist bis Ende

Oktober, um die

Geschäfte geordnet an eine neue Geschäftsführung

übergeben zu können. Zwischenzeitlich

übernimmt der Unternehmensberater

Ralph Wonnemann als Generalbevollmächtigter

die Verantwortung für die Geschäfte der

Großmolkerei; er hatte bereits mit Nuber und

Bayr versucht, die Schieflage zu beheben.

WaruM sinD DiE KOntEn lEEr?

Mit dem Rauswurf der Geschäftsführer bricht

für altgediente Mitarbeiter und Geschäftspartner

eine Welt zusammen. Sie erinnern

sich noch an die Zeiten, in denen Omira für

Solidität und Qualität gestanden war: 40 Jahre

lang, von 1961 bis 2001, führte Wolfgang Nubers

Vater Karl die Geschicke der Omira als

unumschränkter und mitunter gefürchteter

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unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[spezial]

Herrscher. Er setzte konsequent auf Expansion.

Wichtige Etappen sind die Eingliederung

der Allgäuer Emmentaler-Käserei 1987 und

der Bodensee-Albmilch Rottweil 1993, darüber

hinaus das Kooperationsabkommen mit

den Neuburger Milchwerken 1999. Noch

2008 erhält die Omira zehn goldene und zwei

silberne Qualitätsauszeichnungen der Deutschen

Landwirtschafts-Gesellschaft. Im selben

Jahr bestreiken die Milchbauern die Genossenschaft

erstmals wegen zu geringer

Abnahmepreise. Die Molkerei gehört ihnen

und hat in erster Linie einen Geschäftszweck:

hohe Milchpreise zu erzielen

Als der Aufsichtsrat wegen der Querelen im

Januar mit seinen Nachforschungen beginnt,

gibt es böse Überraschungen: Die Geschäftsführung

sieht sich in Gesprächen außerstande

zu erklären, weshalb die Milchbauern

schlecht vergütet werden. Nachforschungen

bei der Hausbank ergeben, dass die Kontosalden

ungewöhnlich wenig Guthaben ausweisen,

dass keine überprüfbaren Zahlen über

Gewinne und Verluste des vergangenen Geschäftsjahres

verfügbar sind und dass niemand

einen Überblick darüber hat, mit welchen

Laufzeiten existierende Verträge

abgeschlossen sind. In einem der Verträge ist

eine ungewöhnlich lange Laufzeit für die Lieferung

von Milchpulver vermerkt. Ausgerechnet

dieser Vertrag lautet auf eine große

Menge zu einem äußerst niedrigen Preis. Die

vereinbarte Milchpulvercharge übersteigt sogar

die Produktionskapazitäten der Omira, so

dass diese zukaufen muss. Das kostet die Molkerei

Millionen. Allein für 2013 werden sieben

Millionen Euro Verlust veranschlagt.

Als missglückt und unprofessionell bewertet

der Aufsichtsrat auch die Einführung des SAP-

Warenwirtschafts- und Controllingsystems

im vergangenen Jahr. Bekannt ist, dass diese

Phase selten problemlos verläuft, weshalb

man sie nicht in Krisenzeiten legen sollte. So

kommt es, dass dem Management in der zweiten

Jahreshälfte kein brauchbares Zahlenmaterial

zur Verfügung steht, um eine Planung

zu initiieren, wie man der Milchquotenaufhebung

begegnen könnte, die 2015 ansteht. Die

Milchbauern bekommen die Perspektivlosigkeit

zu spüren, als der Abnahmepreis im Frühjahr

kurz nach einer Erhöhung auf 33 Cent

wieder auf magere 31 Cent sinkt.

nEuE aBnEHMEr in siCHt

Inoffiziellen Zahlen zufolge belaufen sich die

Verluste der Omira im vergangenen Geschäftsjahr

auf 15,7 Millionen Euro. Von einer

Existenzgefährdung des Unternehmens ist

aber nicht die Rede, denn Omira soll über ein

Eigenkapital von 37,6 Millionen Euro verfügen,

während die Verbindlichkeiten bei der

Hausbank 38 Millionen betragen.

Im Internet kursieren Gerüchte, dass Omira

an den dänisch-niederländischen Großkonzern

Arla Foods, der kürzlich die Allgäuland

Käsereien in Wangen übernommen hat, oder

Omira GmbH als

Genossenschaft

Gegründet wurde die Omira im Jahr

1929 von Franz Schenk Freiherr von

Stauffenberg. Sie war für die vielen

oberschwäbischen Dorfmolkereien die

Plattform für die überregionale Vermarktung.

Nach früheren Angaben befindet

sich die Omira GmbH, die 500

Mitarbeiter beschäftigt und zu den größten

Molkereien Deutschlands gehört, im

Besitz von rund 4000 Milcherzeugern.

Medienangaben zufolge haben aber bis

zu einem Drittel der Milchlieferanten

die mehrjährigen Verträge gekündigt.

Laut Omira ist die Versorgung mit

Milch fürs Jahr 2014 aber gesichert.

die Bayerische Milchindustrie verkauft werden

könnte. Das allerdings seien Spekulationen,

heißt es in Unternehmenskreisen.

Vielleicht gibt es doch Chancen, die Krise zu

bewältigen: Zurzeit steigen die Preise für

Milchprodukte am internationalen Markt –

das brächte bessere Erlöse. Außerdem ist es

der Interimsgeschäftsführung gelungen, neue

Verträge über die Lieferung von Frischmilch

und Desserts mit Discountern auszuhandeln

und Gespräche über die Belieferung der

Schokoladenmarke Milka in die Wege zu

leiten. [!]

HARTMUT MAUSCH

skandale um tricksende lieferanten

und getürkte Etiketten

Zwei Skandale brachten die Omira in jüngerer

Zeit in die Schlagzeilen. Einmal ging es um

Schummeleien von Lieferanten bei der Milchquote,

im anderen Fall um falsche Etikettierungen

von Produkten.

DEals Mit DEr MilCHQuOtE

Die Milchquote, die jedem Milcherzeuger vorschreibt,

wie viel Liter Milch er produzieren

darf, dient der Eindämmung von Überproduktion.

Ende der 80er Jahre hatte der Zoll herausgefunden,

dass einige Milchbauern der Omira

sich nicht an die Vorgaben hielten. Sie hatten

in Tauschgeschäften nicht ausgeschöpfte

Mengen an andere Höfe übertragen, sodass

das Gesamtkontingent nicht überschritten

wurde, obwohl einzelne Bauern mehr Milch

Wo Mainau-Käse draufsteht, muss auch Mainau-Käse

drin sein. Foto: HLPhoto/Fotolia.com

als bewilligt ablieferten. Omira

selbst bestritt, an den Deals beteiligt

gewesen zu sein.

Unbestritten ist, dass die

Omira zwischen 2003 und

2009 rund 316 Tonnen Käse

als Eigenprodukte unter

den Etiketten „Mainauer

Schnittkäse“, „Bodenseekäse“

und „Der mildwürzige Käse vom

Bodensee“ auf den Markt gebracht hat,

obwohl der Käse aus Bayern und aus Holland

stammte. Wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz

wurde ein Prokurist verurteilt.

Das Verfahren gegen die Geschäftsführer Nuber

und Bayr wurde gegen die Zahlung einer

Geldbuße von 100.000 Euro eingestellt. In einem

Verfahren vor der Wirtschaftsstrafkammer

Stuttgart wurde Omira zu einer Strafe

von 450.000 Euro verurteilt. [!] HAM

19


[machen] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

MitDruckindieZukunft

Briefpapier, Plakate oder Prospekte: Drucksachen kann man heute mit wenigen Klicks günstig online bestellen. Die

regionalen Druckereien spielen gegen die mächtige Konkurrenz ihre Stärke aus: perfekten Service vor Ort.

Man muss kein kühler Rechner sein,

um zu erkennen, dass das digitale

Zeitalter nicht für alle nur ein Segen

ist. Auch Uwe Anspach kann eins und eins

zusammenzählen: „500 Visitenkarten für

knapp fünf Euro. Mit diesem Angebot können

wir nicht mithalten.“ Dennoch steckt der Geschäftsführer

der Druckerei Muttscheller Medien

GmbH in der Ulmer Karlstraße den Kopf

nicht in den Sand: „Warum? Wir haben unsere

Stammkundschaft aus der Region, die nach

wie vor auf die Qualität unserer buchbinderischen

Verarbeitung setzt.“

Gewissenhaftes Nummerieren, Perforieren,

Rillen, Stanzen und Prägen – dies sind nur einige

der Eigenschaften, mit denen Anspachs

sieben Mitarbeiter dem Trend der Online-

Shops trotzen. „Individuelle Beratung und

Flexibilität sind unsere Stärke, und das findet

kein Kunde im Internet“, davon ist der Chef

überzeugt. Von der Idee, sich mit den anonymen

Anbietern im Netz auf deren Spielfeld zu

messen, hält Uwe Anspach nichts: „In diesen

Preiskampf gehe ich nicht. Das ist nicht wirtschaftlich.

Wer sich darauf einlässt, ist zum

Scheitern verurteilt, denn es kommt der Tag,

an dem sie die Ware und ihre Mitarbeiter

nicht mehr bezahlen können.“

Onlinegibt‘snurstanDarD

Auch für Joachim Braun, den Geschäftsführer

der Braun Digitaldruck Ulm GmbH in Ulm-

Jungingen, ist klar: „Die Kunden erhöhen den

Preisdruck, auch wegen der Online-Anbieter.“

Doch stimmt die Leistung? „Wer 90-prozentige

Qualität möchte, der kommt mit den

Standardprodukten eines Internet-Anbieters

klar, wer 99 Prozent möchte, der nicht. Einmal

abgesehen davon, dass man mit den anonymen

Druckereien im Netz keinen Druck-

Die Vorteile regionaler Druckereien: angefangen

bei persönlicher Beratung über exklusive Papierauswahl

bis hin zum Feinschliff vor Ort. Im Bild

der Abgleich mit der Farbskala und das Falzen.

20


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[machen]

425sendungenproJahrundKopf

Ihr Partner für Büro-

Technik &Einrichtung

wiestehtes um die Zukunft der Printindustrie?

Der Bundesverband Druck und

Medien (bvdm) in Berlin zeigt sich optimistisch

und gibt die Antwort auf www.

bvdm­online.de: „Print wächst. In den

zwanzig Jahren der Internet­Revolution ist

der preisbereinigte Output der Druckindustrie

gewachsen – mit den üblichen

konjunkturellen Schwankungen und auf

sehr hohem Niveau.“

Beeindruckende Zahlen findet

man auf der Internetseite

www.die­zukunft­wird­gedruckt.de:

Christof Burscheid sieht

die Umwälzung gelassen.

schritt individuell

abstimmen kann.“

Braun beobachtet

sogar einen neuen

Trend in der Branche:

„Es gibt Kunden,

die Medienagenturen

mit

Druckvorbereitungen

beauftragen

und mit den

aufbereiteten

Druckunterlagen

82.000 Neuerscheinungen im Jahr verleihen

dem deutschen Buchmarkt eine

führende Position.

3,5 Milliarden Euro geben Unternehmen

pro Jahr für gedruckte Werbemittel aus,

vom Plakat bis zum Kuliaufdruck.

Der Papierverbrauch ist elfmal so hoch

wie in den 50er Jahren.

Rund 34 Milliarden gedruckte Sendungen

landen in deutschen Briefkästen, darunter

Kataloge, Zeitschriften, Zeitung en,

Bücher und Prospekte. Dies ent spricht

425 Sendungen pro Kopf und Jahr.

dann zum Online-Shop gehen“, berichtet er.

Dennoch sieht Braun die kleinen und mittleren

Betriebe in der Druckindustrie noch lange

nicht aufs Abstellgleis gestellt: „Kreative Produkte

mit besonderen Prägungen und speziellen

Stanzungen oder Kaschierungen können

hochmaschinell nicht bewerkstelligt werden.“

Auch die mediaGroup le Roux setzt auf Qualität

und Kundenservice pur. Unter anderem

druckt der Erbacher Dienstleister CO2-neutral

sowie mit chemiefreier Druckplattenherstellung

und dies garantiert in Baden-Württemberg.

Auch die Speicherung aller

Druckdaten der Kunden für mindestens fünf

Jahre ist im Serviceangebot enthalten.

Christof Burscheid gibt sich ebenso gelassen.

Der Geschäftsführer der Geiselmann Print-

Kommunikation GmbH ist von der Umwälzung

in der Druckindustrie betroffen, wenn

auch nur am Rande. Er setzt auf intensive Aufklärung:

„Viele Kunden glauben, dass eine im

Internet bestellte Großauflage automatisch

billiger ist. Doch das ist ein Trugschluss. Deshalb

fordern wir unsere Kunden ganz bewusst

auf, die Preise zu vergleichen.“

Keineextrawürste

Die Internet-Druckereien können nur deshalb

so preiswert anbieten, weil sie mehrere

Aufträge sammeln und effizient über eine

Maschine laufen lassen, erklärt Burscheid:

„Doch diese Standardisierung hat eben ihre

Grenzen, denn sobald ein Kunde einen Sonder-

oder Änderungswunsch hat, geht das

nicht mehr.“ Deshalb setzt auch das Laupheimer

Unternehmen, in dem 70 Mitarbeiter be-

Kopiersysteme

» Managed Print Services

» Multifunktionale Systeme

» Dokumentenmanagement

» LED-Drucktechnik

IT-Lösungen

» IT-Dienstleistungen

» Hard- &Software

» Medientechnik

» Digitale Beschilderung

Büroeinrichtungen

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Kontakt

Günzburg

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Eisleben

Tel 03475 6799-99

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21


[machen] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

Will der Kunde genau das Rot auf dem Spachtel, bekommt er es – und nicht Fuchsia oder Magenta.

schäftigt sind, auf Service und bietet von der

ersten Beratung bis zum Versand von personalisierten

Aussendungen, so genannten Lettershops,

ein Gesamtpaket an: „Der eigentliche

Druckvorgang ist nur ein minimaler Teil.

Vielmehr muss man die Geschäftspartner bei

der Wahl der Materialien und Formate, der

Papierqualität und auch bei der optimalen

Höhe der Auflage beraten. Dies ist ein Service,

den der Kunde ganz einfach verlangt und immer

mehr fordert.“

Probleme bereitet Burscheid der steigende

Leistungsanspruch der Kunden jedoch nicht.

Im Gegenteil, denn der Geschäftsführer blickt

trotz Preisdrucks der Online-Shops zuversichtlich

nach vorne: „Es wird in Zukunft sogar

eine noch stärkere Kombination mit dem

Internet geben, denn auf eine Vielzahl von digitalen

Verkaufsseiten wird der Verbraucher

noch immer über ein klassisches Druckerzeugnis

geführt, zum Beispiel mit Katalogen;

die sind heutzutage jedoch schon mit persönlichen

Codes versehen.“ Der Druck-Experte ist

überzeugt davon, dass auch die zunehmende

Spezialisierung von interaktiver Werbung der

Druckindustrie nicht schaden wird: „Es wird

mehr gedruckt denn je.“

einKOnZeptMussher

Die Medienbranche verändert sich auch für

Michael Hack, Geschäftsführer der Estampado

GmbH, in geradezu atemberaubendem

Tempo: „Heute genügt es nicht mehr, nur gut

drucken zu können. Der Mediendienstleister

von heute sollte

eine ganz klare Fokussierung

auf eine

sehr eng umrissene

Zielgruppe

haben, für die er

eine Lösung erarbeitet

und anbietet,

die oft weit

über das Produkt

,Drucksache‘ hinausgeht“,

erläutert

Hack.

Michael Hack: Nur gut

drucken reicht nicht.

Deshalb rät der Marketingexperte allen Druckereibetrieben

lieber rechtzeitig zu agieren,

als zu spät zu reagieren: „Eines ist sicher: Von

den heute noch etwa 9000 Druckereien in

Deutschland werden vielleicht noch 3000 bis

4000 Druckereien übrigbleiben. Besonders betroffen

werden alle ,Me-too-Druckereien‘ sein:

Druckereien, die wohl meist über eine hervorragende

technische Ausstattung und modernste

Maschinen verfügen, denen aber ein

Unternehmenskonzept fehlt.“

Eine allgemeine Strategie für alle gibt es laut

Hack nicht: „Jedes Unternehmen sollte seine

eigene individuelle Unternehmensstrategie

erarbeiten, um so einzigartig zu werden.“ Da

kleine und mittelständische Unternehmen

die Druckbranche prägen, findet Hack, sei es

besonders wichtig, dass das Konzept zum Unternehmer

passt, der meist ja auch die Geschäfte

führt: „Der Unternehmer muss für

seine Idee brennen! Sie muss außerdem

zwingend eine echte Verbesserung für den

Kunden darstellen und sollte nicht leicht kopierbar

sein.“ [!]

Stefan LOeffLeR

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22


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Ohne Ziel führen die buntesten

Ideen ins Nichts.

Foto: alphaspirit/Fotolia.com

Werbung ist alles. Unternehmen, die ihr

Image aufpolieren oder ein neues Produkt in

der Öffentlichkeit präsentieren möchten, benötigen

maßge schnei derte Marketingkonzepte

von Werbe agen turen. Doch welche ist

die richtige?

Geschäftsführer und Marketingleiter kennen

das Problem. Wo sitzen die kreativsten

Köpfe, um Ideen zu entwickeln

und ein neues

Produkt zu einem

Erfolg zu machen

– und was kostet

effektive Werbung? „Das

kommt natürlich auf die Dimension

des einzelnen Auftrags

an. Je höher die Zielvorgaben

sind, umso mehr Zeitaufwand steckt in

der kreativen Arbeit. Man sollte als Auftraggeber

jedoch nicht zu sehr sparen, denn wenn

man den Aufwand gering hält, stimmt auch

die Qualität nicht mehr. Die Folge: Der Kunde

ist unzufrieden“, sagt Markus Hitzler, einer

der drei Geschäftsführer von „Halma“, der in

der Ulmer Donaubastion angesiedelten Agentur

für Kommunikation und Design. Er kann

jedoch beruhigen: „Nicht bei jedem Telefonat

läuft die Uhr mit, und nicht für jede Leistung

kommt gleich eine Rechnung.“

Für Hitzler ist bei einem Auftrag vor allem Eigeninitiative

wichtig: „Eine gute Agentur

denkt mit und überzeugt ihre Auftraggeber

immer wieder mit individuellen Vorschlägen

und Lösungen. Der Blick über den Tellerrand

sollte selbstverständlich sein, um für den

Kunden immer die beste Lösung zu finden.“

So sieht das auch Dr. Volker Walter. Für den

Geschäftsführer des „team schostek“ muss die

schöpferische Leistung von Werbespezialisten

immer mit den Zielvorgaben des Auftraggebers

einhergehen: „Eine nicht zielgerichtete

Kreativität ist reiner Selbstzweck und in der

Werbung fehl am Platz.“

DieiDeen-VerKÄuFer

Was kostet das? „Der Preis allein ist nicht aussagekräftig,

denn Kosten und Leistung müssen

immer gegengerechnet werden. Es macht

keinen Sinn, wenn eine Agentur einen günstigen

Stundensatz anbietet, jedoch die dreifache

Zeit zur Umsetzung ihrer Dienstleistung

benötigt“, erklärt der Werbeprofi, der derzeit

selbstironisch beweist, dass zumindest guter

Rat nicht teuer sein muss.

In „Dr. Walters Werbesprechstunde“ in der

Neu-Ulmer Turmstraße können Unternehmer

erste Konzeptideen von ihm auf Herz und

Nieren überprüfen lassen: „Unverbindlich

und ohne neuen Agenturvertrag.“ Walter

weiß, dass sich vor allem Existenzgründer

regelrecht davor scheuen, gleich zu Beginn

der Selbstständigkeit eine Agentur für den

Marktauftritt zu beauftragen: „Dadurch geht

leider sehr viel Potenzial verloren. Eine gute

Geschäftsidee wird nämlich dann als solche

erkannt, wenn die Kommunikation eindeutig

und der Marktauftritt professionell ist.“ [!]

Stefan LOeffLeR

23


Die Arbeit der IT-Experten beginnt immer mit exakter Bestandsanalyse und Bedarfsermittlung. Im Bild: Stefan Hohner (links) und Jan Simmendinger.

Der Riese und das Kellerkind

Hier ein völlig unbekannter Gründer, da ein etablierter Riese – und beide profitierten voneinander. Die Firmenhistorie

des Ulmer IT-Systemhauses IT sure ist kurz, ungewöhnlich und erfolgreich.

Das Jahr, in dem bei der IT sure GmbH

erstmals richtig die Post abging, kann

Gründer und Inhaber Manuel Staiger

noch aus dem Stehgreif benennen: 2005. In

diesem Jahr fasste sich der damalige Student

der Wirtschaftsinformatik ein Herz, fuhr

nach Bratislava, wo der US-Computerriese

Dell sein Europageschäft gebündelt hatte,

klopfte bei ihm an die Tür und fragte, ob man

nicht daran dächte, das eigene Geschäftsmodell

etwas zu modifizieren. Er habe da einen

Vorschlag zu machen.

Bislang hatte Dell, der Computer-Hardware-

Hersteller und -Händler, sein Endkundengeschäft

ausschließlich via Call-Center betrieben.

Staiger brachte sich als Wiederverkäufer

ins Spiel, verknüpft mit dem Angebot, ausschließlich

auf Dell-Produkte zu setzen. Das

war bereits die zweite – und entscheidende –

gute Idee Staigers, die ihm als Gründer Auftrieb

verschaffte. Die erste war, es überhaupt

mit der Selbstständigkeit zu probieren. 2003

legte er 15 Euro auf den Tisch und meldete ein

Autistische

Zausel sind

nicht mehr

vermittelbar

Manuel Staiger, IT sure

Kleingewerbe an. Als er mit einem Partner die

Wartung der IT-Infrastruktur von zwei Kunden

übernahm, hatte der ausgebildete Fachinformatiker

noch kein Abitur und auch das

Studium noch vor sich. Kleinaufträge. 2004,

nun das Abi in der Tasche, zog das Mini-Startup

einen kleineren Bundeswehr-Auftrag an

Land. Die Frau Mama mimte am Telefon die

Sekretärin, im Keller des elterlichen Hauses

wurden zwei PC-Arbeitsplätze eingerichtet.

Der Gewinn aus dem Auftrag genügte, um

für ein Jahr ein kleines Büro zu finanzieren,

das sich bald für die Kommilitonen zu einer

Art privatem Schulungszentrum entwickeln

sollte. Ein paar Wartungsaufträge kamen

hinzu.

Dann das entscheidende Abendessen in Bratislava.

Staiger erhielt als Ergebnis tatsächlich

Ende des Jahres einen Vertrag. Für Dell ein Novum,

wurde doch erstmals offiziell ein Wiederverkäufer

anerkannt. Der junge Gründer

hatte einen sehr günstigen Augenblick

erwischt, weil Dell damals dabei war, sein

24


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[machen]

Geschäftsmodell zu ändern. 2008, da erzielte

Staiger bereits gute Umsätze, öffnete sich der

Konzern weiter. IT sure hatte da längst einen

Vorsprung: „Wir sprangen sofort in die höchste

Partnerstufe“, erinnert sich Staiger. 2012

heimste die junge Firma sogar den Mittelstands-Award

von Dell ein.

Dieses Zeitfenster ist längst wieder geschlossen.

So aber bekam Staiger die Chance – eingebettet

in das neue Dell-Konzept, gefördert

vom Konzern –-, seine Firma in Schwung zu

bringen und zu wachsen.

WAs DARf In DIe ClouD?

IT sure begann, genau auf Kundenbedürfnisse

abgestimmt, Rechenzentren zu konzipieren,

die heute mit etwa 70 Prozent der Hauptumsatzbringer

sind; Dell lieferte die Komponenten.

Dabei ist es geblieben, abgesehen davon,

dass IT sure mittlerweile 20 Mitarbeiter beschäftigt.

Zu den Kunden zählen Kommunen

ebenso wie Firmen, darunter die Neue Pressegesellschaft,

bei der die SÜDWEST PRESSE

und auch Unternehmen [!] erscheinen.

Rechenzentren sind kostspielig. Je genauer

und effizienter sie arbeiten, Stromspareffekte

inklusive, desto besser für die Investoren. Staiger

zufolge geht seine Firma besonders gezielt

vor, hat die jeweiligen Unternehmensprozesse

und spezifischen Anforderungen genau im

Blick: Welche Datenpakete bedürfen eines

Hochgeschwindigkeitsspeichers? Für welche

reichen langsamere Strukturen aus? Was

kann und darf ausgelagert werden in die

„Cloud“, einen virtuellen Speicherplatz im Internet?

Wie schnell muss im Falle eines Ausfalls

eine gespiegelte Anlage als Sicherheitsnetz

betriebsbereit sein? Wo soll sie stehen?

Gutes Personal mit der lupe gesucht

ein stetiges und profitables Wachstum,

das hat sich IT-sure-Chef Manuel Staiger

als Zukunftsziel gesteckt. Ob es auch weiterhin

so rasant – mit jährlichen Umsatzsteigerungen

von 60 Prozent – vonstatten

geht, wird maßgeblich von der Lösung

eines gravierenden Problems abhängen:

der Rekrutierung geeigneter neu er Mitarbeiter.

„Wir haben gerade offene Stellen,

im Bereich Vertrieb und im Consulting.

Und Schwierigkeiten, sie zu besetzen“,

erläutert Staiger. „Unsere mit Abstand

größte Herausforderung, alles andere

kriegt man leichter gelöst.“ Wegen des

unmittelbaren Kontakts zu den Kunden

zählten eben nicht allein fachliche Fähigkeiten,

sondern auch andere Faktoren: die

Umgangsformen, das äußere Erscheinungsbild

etwa. Skurrile Figuren, Schrate

Die Arbeit beginne daher immer mit der Aufnahme

des Ist-Zustands und der genauen Bedarfsanalyse,

sagt Staiger. In den nächsten

Schritten würden die Ansprüche an ein neues

Re chen zentrum abgefragt und die künftig benötigten

Ressourcen hochgerechnet. „Mit einfließen

muss die Strategie des Kunden. Was

wird zukünftig noch dazukommen? Etwa ein

Web-Shop?“ Dann werde das Zentrum endgültig

konzipiert, so dass die Anwendungen

(sprich: die Programme) auf das neue System

übertragbar sind.

Die restlichen 30 Prozent des Umsatzes erzielt

IT sure laut Staiger mit Dienstleistungen, etwa

Systemmanagement. Das ursprüngliche

Geschäftsmodell allein hält er heute für nicht

mit Ziegenbart

oder autistische

Zausel, so

fundiert ihr

Know-How

auch sein mag,

hält er in seinem

Umfeld für

nicht vermittelbar.

Was heißt

das? Die Erwartungen

von Auftraggebern

de-

Gespür für den richtigen

Moment: Manuel Staiger

cken sich nicht

mit den medial

vermittelten Klischeebildern vom entrückten

Computertüftler, dem die reale

Welt und der Common Sense in der freien

Wirtschaft nichts bedeuten.

TV

mehr tragfähig. Ein Glück, dass Dell ihn auf

eine neue Spur brachte.

Wer mit dem 30-Jährigen spricht, der gerade

am Ende seines Zweitstudiums des „Strategischen

Informationsmanagements“ mit MBA-

Abschluss angelangt ist, erlebt im Übrigen einen

sehr optimistischen Firmenchef: „IT, egal

in welcher Branche, wird einen immer höheren

Anteil haben. Allein bis 2018 ist eine Zunahme

der Datenmenge auf das Fünfzig fache

prognostiziert.“ Die Nachfrage nach immer

leistungsfähigeren Rechenzentren ist in

solchen Zahlen schon einberechnet. Dazu

kommt: „Etwa alle fünf Jahre müssen bestehende

Rechenzentren ausgetauscht werden.“

[!]

ThomasVogel

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[führen] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

DerHamstermusszumAdlerwerden

Rasant wachsende Unternehmen vergessen gerne, dass es auch bei ihnen menschelt. Wer sich nicht rechtzeitig darum

kümmert, tappt in die Falle. Petra Hoffmann, Psychologin und Coach, zeigt, wieFührung funktioniert.

Erfolgreiche Unternehmen stehen sich

manchmal selbst im Weg, sagt Petra

Hoffmann. Die Psychologin, die seit 15

Jahren an der IHK Ulm Seminare gibt, kennt

solche Fälle aus ihrer Praxis als Business-

Coach zur genüge: Immer dann, wenn Unternehmen

schnell wachsen, das tägliche Geschäft

den Alltag dominiert, steuern sie auf

gefährliche Klippen zu.

„Was in solchen Phasen oft auf der Strecke

bleibt, ist die Beschäftigung mit zwischenmenschlichen

Problemen“, sagt Hoffmann.

Können wir ja später nachholen, wenn es mal

etwas ruhiger ist, heißt es dann. Im operativen

Bereich ist das Team womöglich spitzenmäßig

besetzt. Nachhaltige Teamentwicklung

und die damit einhergehenden strategisch

wichtigen Maßnahmen werden dagegen allzu

oft sträflich vernachlässigt.

DieFlAscHenHAls-THemATik

Die Folgen sind absehbar: „Über kurz oder

lang steht sich eine solche Firma selbst im

Weg.“ Neue Mitarbeiter wollen gut eingearbeitet

werden. Das kostet Zeit, die nicht da ist.

Die Einarbeitung erfolgt dann häufig nebenbei.

Wissen wird dabei nur sehr zögerlich weitergegeben.

„Die Flaschenhals-Thematik“,

nennt dies Hoffmann. Statt Entlastung bringt

die Situation den Stammkräften erst einmal

neue Belastungen, bei gleichzeitig gestiegener

Verantwortung. Die Leistungsträger des Unternehmens

fühlen sich in dieser Situation

wie in einem Hamsterrad, das stetig schneller

läuft. Der Erfolg droht seine eigenen Kinder

zu verschlingen.

Solche Situationen gehen an die Substanz der

Beschäftigten: „In den vergangenen zehn Jahren

sind psychische Krankheiten um etwa 80

Prozent gestiegen“, zitiert Hoffmann eine Studie.

Jeder zweite Arbeitnehmer arbeite unter

großem Termin- und Zeitdruck. Mehr als ein

Wer im Hamsterrad tritt, verliert zwangsläufig

den Überblick..

26


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[führen]

Drittel der Arbeitnehmer arbeite auch an

Sonn- und Feiertagen. Aber 70 Prozent der Firmen

in Deutschland haben sich mit diesem

Problem noch nie auseinandergesetzt.

In der Gründungsphase kennt der Chef noch

jeden Mitarbeiter persönlich, die Mannschaft

ist überschaubar, und er verfügt über sämtliche

Informationen. Sind es erst einmal 50, 100

oder mehr, sei dies nicht mehr möglich. Jetzt

sei es entscheidend, erläutert Hoffmann, eine

passende Struktur aufzubauen und das betriebsinterne

Informationssystem an sie anzupassen.

„Zwangsläufig sind die meisten der

Mitarbeiter nicht mehr nah am Chef dran.

Das Familiäre, lässt unweigerlich nach. Bei

einzelnen Mitarbeitern kann so der Eindruck

entstehen, die Wertschätzung ihnen gegenüber

habe nachgelassen. Die Betroffenen fühlten

sich nicht mehr richtig eingebunden. Ihre

Motivation und Leistung sinken, weil sie meinen:

„Ich bin ja nur noch ein anonymes Rädchen,

das funktionieren muss“.

nurnicHTsänDern

Wandel und Anpassungen an das sich ständige

ändernde Umfeld stehen zwar für Unternehmen

an der Tagesordnung. Doch diese geschehen

häufig nur langsam. „Nur 20 Prozent

der Mitarbeiter sind gegenüber Veränderungen

spontan offen“, zeigt Hoffmann die hohe

Hürde auf, 60 Prozent hingegen reagierten

erst einmal abwartend, 20 Prozent neigten sogar

eher zur Blockade.

Zwangsläufig verändere sich die Firmenkultur

durch eine Expansion. Daher gelte es, „die

Mitarbeiter mitzunehmen“ und begleitend

„fördernde Rahmenbedingungen zu schaffen“.

Organisatorische Faktoren wie Klarheit

und Konsequenz in der Umsetzung seien mit

menschlichen Faktoren wie Wertschätzung

zu kombinieren.

Wer als Unternehmer oder Geschäftsführer

ins Unternehmen hineinwirken will, sollte

seine Strategie und Ziele nicht nur verständlich

kommunizieren, authentisch und glaubwürdig

sein, sondern auch über gute Führungskräfte

verfügen. Hoffmanns dringender

Rat: Die Auswahl muss sorgfältig geschehen.

Zudem müssen die Personen gut auf ihre neue

Rolle vorbereitet werden. Hohe Motivation

und großes Engagement böten noch keine

Gewähr für eine Eignung zur Führungskraft.

Fehlten die psychologische Stabilität und die

innere Balance, stehe sie sich oft selbst im

Weg – und damit auch dem Unternehmenserfolg.

ratgeberfürdiesuchenachinnererBalance

„Scheinriesen“ nennt die Trainerin diese Starken;

ihre Schwäche: Sie neigten dazu, vor sich

selber zu fliehen. Motivation aus der Kompensation

eigener Defizite heraus hält Hoffmann

für sehr riskant: „Je vergeblicher die Flucht in

den Aktionismus, je abhängiger die Person

von Statusdenken, je mehr für sie ein höheres

Einkommen nach vorne rückt und je weniger

sie einem Werte-Kompass folgt, desto größer

das Risiko einer späteren psychischen Erkrankung.

Selbst wenn das Unternehmen fördernde

Rahmenbedingungen schafft.“

Um die wirkliche Eignung für leitende Funktionen

zu testen, greift Hoffmann zum klassischen

Mittel des langen Gesprächs. Da merke

man schnell, wenn der Gegenüber etwas vorspiele.

Dabei komme es darauf an, die richtigen

Fragen zu stellen und gegebenenfalls dafür

zu sorgen, dass der Gesprächspartner ohne

Gesichtsverlust aus der Situation hervorgehe.

Um den Kopf frei zu bekommen für Führungsthemen,

sollten sich die Entscheider in

gewissen Abständen „aus dem operativen

Hamsterrad rausnehmen und eine Adlerperspektive

einnehmen“. Aus der Distanz erkenne

Dr.PetraHoffmann, Jahrgang 1969,

studierte Psychologin, Pädagogin und

Germanistin, in Ludwigsburg wohnhaft,

ist seit 15 Jahren als freie Trainerin und

Beraterin für Unternehmen wie Institutionen

sowie als Coach für Führungskräfte

tätig. Ihr theoretisches Wissen

und die geballten Erfahrungen aus ihrer

beruflichen Praxis hat sie jetzt in einem

kompakten Buch zusammengefasst: „Auf

Leistung getrimmt. Dem Hamsterrad entkommen“

ist bei www.book­on­demand.

de für 19,80 Euro abrufbar. In dem Sachbuch

beschreibt sie, was passiert, wenn

Leistungsträger angesichts von Arbeitsverdichtung,

Wettbewerbsdruck und kollektiver

Beschleunigung im Hamsterrad

rotieren – und wie Unternehmen das vermeiden

können. Darüber hinaus zeigt

Hoffmann Wege auf, was der Einzelne

tun kann, um sein Gleichgewicht zu bewahren.

TV

man leichter „Flaschenhälse“, sei es bei Führungskräften

oder Spezialisten. Beseitigt werden

könnten diese durch das Umverteilen von

Aufgaben oder das Schaffen neuer Stellen. Das

Ziel laute: Diejenigen im Hamsterrad werden

entlastet, damit sie sich wieder auf ihre Kernkompetenzen

konzentrieren können. Davon

profitiert die Firma.

Bei der Berufung von Führungskräften setzen

viele Unternehmen routinemäßig auf „alte

Hasen“. Das birgt eine Gefahr, warnt Hoffmann.

„Die Unternehmen verlieren gute

Fachkräfte und gewinnen mittelmäßige Führungskräfte.“

Für Unternehmer selbst ist eine

gute Selbstorganisation die Basis, um sich auf

die wichtigen und dringenden Themen zu

konzentrieren. Sie müssten lernen, weniger

wichtige Aufgaben abzugeben und bewusst,

nein zu sagen. Vor allem aber sei es wichtig,

dass sie sich nicht an sieben Tagen 24 Stunden

lang verschleißen. Wer sich Zeit nehme für

andere Werte im Leben, komme energiegeladen

zurück und gewinne den nötigen Abstand,

um Aufgaben im Arbeitsalltag zu

lösen. [!]

Thomas Vogel

27


[finanzieren] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

dereigeneNamestehtfüretwasgutes

Was wird aus dem Unternehmen, wenn ich nicht mehr bin? Das fragen sich etliche Mittelständler. Ein attraktiver Weg

sind stiftungen. Sie sichern den Fortbestand des Unternehmens – und tragen den Stifter-Namen in die Zukunft.

So wie Sieglinde Vollmer entscheiden sich

viele, die ihr Unternehmen nicht an eigene

Kinder weitergeben können oder wollen.

„Wir verzeichnen ein anhaltendes Interesse

am Stiftungsmodell als dem rechtlichen

Rahmen und Basis einer dauerhaften Unternehmensfortführung“,

sagt Hans Rauth, stellvertretender

Vorstand der Sparkasse Neu-Ulm

- Illertissen und Geschäftsführer der Sparkassen-Stiftungstreuhand

GmbH. Sie berät

Mittelständler bei Gründungen und ist selbst

Träger und Verwalter von Stiftungen.

Gute Stiftungen sorgen dafür, dass das Unternehmen auch in ferner Zukunft wächst und gedeiht.

Um ein solides Fundament für die Zukunft

der familiengeprägten Vollmer

Werke Maschinenfabrik GmbH in Biberach

zu schaffen, hat Sieglinde Vollmer im

Mai 80 Prozent ihres Unternehmens in eine

Stiftung eingebracht. Der Rest bleibt im Familienbesitz.

Das oberschwäbische Technologieund

Dienstleistungsunternehmen wurde

1909 von Sieglinde Vollmers Vater Heinrich

gegründet. Heute stellt es mit 700 Mitarbeitern

Schärfmaschinen für die holz- und metallverarbeitende

Industrie her. Zur Gründung

einer Stiftung habe sie sich entschieden,

damit die Werke im Sinne ihres Vaters weitergeführt

werden können – und um den Mitarbeitern

eine langfristige Perspektive zu geben,

erklärt die 88-Jährige. Seit den 60er Jahren hat

sie selbst im Unternehmen gearbeitet und es

geführt – bis zur Gründung der Sieglinde-Vollmer-Stiftung

als Hauptgesellschafterin und

Mitglied des Aufsichtsrats. Künftig wird sie

als einzige, die im Unternehmen noch den Namen

Vollmer trägt, im Kuratorium der Stiftung

und im Aufsichtsrat sitzen.

VorzügedesModells

Stiftungen sind Einrichtungen, denen ein Vermögen

bestehend aus Kapital, Aktien, Kunstsammlungen,

Immobilien oder Firmenanteilen

für einen bestimmten Zweck dauerhaft

und unwiderruflich gewidmet ist. Aus den Erträgen

des Stiftungsvermögens in Form von

Zinsen, Dividenden, Pacht oder Mieten werden

die Stiftungsziele finanziert.

Für Mittelständler kann das Modell aus drei

Gründen interessant sein:

Erstens bleibt das Unternehmenskapital erhalten.

„Dem Unternehmen wird keine Liquidität

entzogen, sieht man einmal von den

Abwicklungskosten ab“, erläutert Rauth.

Zweitens brauchen weder Erbschafts- noch

Schenkungssteuer bezahlt werden. Allerdings

falle in 30-jährigem Turnus die Erbersatzsteuer

an. Um dafür Rücklagen zu bilden,

ist aber in der langen Spanne genügend

Zeit. Eine hohe Erbschaftssteuer hingegen,

insbesondere wenn sie überraschend etwa

durch den plötzlichen Tod des Unternehmers

anfällt, kann das Unternehmen Rauth

zufolge in Schwierigkeiten bringen.

Drittens bleiben in eine Stiftung eingebrachte

Unternehmen als Ganzes erhalten. Ist vertraglich

nichts anderes vereinbart, können

sie weder zerschlagen noch verkauft werden.

„Schon eine Minderheitsbeteiligung einer

Stiftung an einem Unternehmen kann

einen Schutz gegen feindliche Übernahmen

28


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[finanzieren]

bilden“, sagt Bettina Plöger, Stiftungsberaterin

bei der Volksbank Ulm-Biberach eG. Allerdings

könne ein in eine Stiftung eingebrachtes

Vermögen nicht mehr entnommen

werden: Die Stiftung gehört nur sich selbst.

erbstreitVerhiNderN

Aktuell gibt es bis zu 2000 Stiftungen mit Unternehmensbezug,

schätzt das Deutsche Stiftungszentrum

(DSZ). Sprich: Sie wurden von

einem Unternehmenseigner oder einem Unternehmen

gegründet. Der Bundesverband

der Deutschen Stiftungen hat 19.000 rechtlich

selbstständige Stiftungen erfasst – doppelt

so viele wie zur Jahrtausendwende.

Die meisten Stifter möchten soziale Verantwortung

übernehmen – und „selbst bestimmen,

wo und wie ihr Vermögen wirkt – insbesondere

wenn sie keine eigenen Kinder haben

oder Streit im Erbfall verhindern wollen“, sagt

Prof. Annette Zimmer, Stiftungsexpertin an

der Uni Münster. Begünstigt werde der Trend

vom starken Anwachsen von Vermögenswerten

in privater Hand und von zwei Stiftungsreformgesetzen,

die Gründungen erleichtert

und steuerlich attraktiver gemacht hätten.

Dem Bonner Institut für Mittelstandsforschung

(IfM) zufolge steht jährlich in 22.000

eine Stiftungsgründung sinnvoll sein könnte“,

empfiehlt Mirjam Schwink, Leiterin Stiftungsmanagement

bei der Baden-Württembergischen

Bank (BW-Bank). In der Region

betreut die Bank etwa 640 Stiftungen, die zumeist

von Unternehmern errichtet wurden.

Auch die Unternehmen selbst profitieren. So

steigt ihr Ansehen in der Öffentlichkeit, hat

die Studie „Stiftungsunternehmen in

Deutschland“ des Instituts für Demoskopie

Allensbach und der Unternehmensberatung

BDO im September 2012 ergeben. 71 Prozent

der Deutschen glauben, dass Stiftungsunternehmen

die besseren Unternehmen seien.

Wenn ein Unternehmen in eine Stiftung eingebracht

wird, wird die Stiftung laut Rauth

Mehrheits- oder Alleineigentümer des Unternehmens.

Der Unternehmensanteil gilt für

die gemeinnützige Stiftung als Vermögensanlage,

deren Erträge der Stiftung steuerfrei zufließen

und die sie für die Stiftungszwecke

verwendet. Die Stiftung darf also nur einen

reduzierten Einfluss auf das Unternehmen hastiftungen

schützen

voreiner

feindlichen

übernahme

Familienunternehmen die Übergabe an. Experten

schätzen, dass 86 Prozent der Übergaben

altersbedingt – also planbar – sind. „Wer

in den kommenden fünf Jahren die Nachfolgethematik

angehen muss, sollte jetzt das Gespräch

mit seiner Bank, seinem Steuerberater

und seinem Anwalt suchen, um zu prüfen, ob

Stiftung Sparkasse Ulm

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29


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Sieglinde Vollmer will sicherstellen, dass das Unternehmen im Sinne ihres Vaters weitergeführt wird.

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ben und hält sich aus dem operativen Geschäft

heraus. Rauth zufolge müssen folgende

Fragen geklärt werden: „Was soll die Ausrichtung

des Unternehmens sein? Was die der Stiftung?

Und in welchen Dimensionen ist die

Versorgung der Familie geplant?“

Eine gewisse Mindestgröße – etwa ein Umsatzvolumen

im zweistelligen Millionenbereich

– sei sinnvoll, sagt Schwink: „Sonst steht

der Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis

zu den Erträgen, schließlich verursachen

die Stiftungsgründung und die laufenden Arbeiten

auch Kosten.“ Zudem brauche der Unternehmer

für ein so weitreichendes Vorhaben

den Konsens in der Familie. Den

Stiftungszweck bestimmt der Stifter per Satzung

selbst. „Es sollte etwas sein, das ihm Spaß

und Freude macht“, rät Plöger. Allerdings sollte

er sich mit allzu konkreten Vorgaben zurückhalten,

denn die Stiftung brauche einen

gewissen Entscheidungsspielraum. Da eine

Änderung nachträglich kaum möglich ist, fassen

viele den Stiftungszweck weit: 31 Prozent

entscheiden sich laut Bundesverband Deutscher

Stiftungen für Soziales, je 15 Prozent für

Bildung und Erziehung sowie Kunst und Kultur,

13 Prozent für Wissenschaft und 4 Prozent

für Umweltschutz.

Sieglinde Vollmers Stiftung unterstützt wohltätige

Organisationen aus der Region und fördert

die künstlerische und berufliche Ausbildung

von Jugendlichen sowie Studenten der

Ingenieurs- und Betriebswissenschaften. [!]


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Anstaltsträgerstifungen:Sie kommen

zum Beispiel Kliniken oder Museen zugute.

Die Art der Einrichtung gibt den

Zweck der Stiftung vor.

b ürgerstiftungen: Bürger für Bürger

ist hier das Motto. Meist wird das Gemeinwesen

einer bestimmten Region

oder Stadt unterstützt.

rechtsfähigestiftungenbürgerlichen

rechts: Sie sind der Klassiker unter

den Stiftungen. Verfolgt wird ein auf

Dauer angelegter Zweck. Diese Stiftungen

unterstehen der staatlichen Stiftungsaufsicht.

Die Voraussetzungen regelt

das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB)

in den Paragraphen 80 ff.

Unternehmensverbundene

s tiftungen: Sie halten wesentliche Anteile

an Unternehmen oder betreiben

diese selbst. Diese Variante wird häufig

als Instrument zur Regelung der Unternehmensnachfolge

eingesetzt.

treuhandstiftungen: Sie werden auch

als unselbständige, nichtrechtsfähige

oder „fiduziarische“ Stiftung bezeichnet.

Basis ist ein Vertrag zwischen dem

Stifter und dem Treuhänder als Träger

der Stiftung; „fiduziarisch“ kommt vom

lateinischen „fiduciarius “, übersetzt

„auf Treu und Glauben anvertraut“.

z ustiftungen: Hier werden bestehende

Stiftungen aufgestockt.

PH

30


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[finanzieren]

risikoschutzkommtzukurz

Viele Selbstständige und Mittelständler unterschätzen, welche Gefahren ihre Betriebe in die Bredouille bringen können.

Die Experten Helge Müller und Oliver Freiwald geben Tipps zum Thema Versicherungen.

Die Bilder der Hochwasserkatastrophe

sind noch in den Köpfen präsent. Die

Schäden gehen in die Milliarden. Die

Flut setzte abertausende Wohnungen unter

Wasser – und hunderte Firmen.

In Baden-Württemberg sind 95 Prozent der

Gebäude gegen Schäden dieser Art versichert

und zu einem großen Teil auch die Produktionsanlagen,

eher selten ist das aber bei Warenvorräten

der Fall.

In Bayern sind nur etwa ein Fünftel der Gebäude

und Betriebe gegen solche Schäden abgesichert.

„Unternehmen sollten sich bewusst

sein, welches Schadensspektrum sie treffen

kann und mit welchen Versicherungsverträgen

sie sich absichern sollten, damit ein solches

Desaster oder andere Schäden nicht zu

einer brenzlichen betrieblichen Situation

führen“, sagt Helge Müller, Vorstand im Ulmer

Bezirksverband des Bundesverbandes Deutscher

Versicherungskaufleute e.V. (BVK).

Er hält es naturgemäß für unabdingbar, dass

Selbstständige und Unternehmen in erster Linie

die Risiken absichern, die die Existenz des

Betriebes gefährden können. Während es in

der Industrie und bei großen Unternehmen

eigene Versicherungsabteilungen gebe, sei bei

Land unter: Viele Firmen im Südwesten haben ihr Gebäude, nicht aber die Warenvorräte versichert.

Mittelständlern das Thema Versicherungsschutz

häufig beim kaufmännischen Leiter

oder beim Inhaber angesiedelt. Diese sollten

einige wichtige Regeln beachten. Das erste Gebot:

selbst für die Sicherheit der Betriebsabläufe

zu sorgen. Dazu gehört, die Unfallverhütungsvorschriften

der zuständigen

gesetzlichen Berufsgenossenschaft einzuhalten.

Kommt es hier zu Versäumnissen, drohen

dem Unternehmen hohe Kosten, etwa durch

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31


[finanzieren] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

Regressforderungen der Versicherungsträger.

Das zweite Gebot: eine Versicherungsanalyse

von einem Fachmann erstellen zu lassen, die

viele Unternehmer erst in die Lage versetzen,

die Risiken ihres Betriebes zu erkennen und

gegebenenfalls zu versichern. Sind die Betriebsrisiken

definiert,

gilt es diese

drei Fragen zu beantworten:

„Was muss versichert

werden, da es

die Existenz des

Unternehmens bedrohen

kann? Was

sollte versichert

Versicherungsexperte

Helge Müller

werden, weil es

wirtschaftlich

sinnvoll ist? Und

welche Risiken

kann das Unternehmen selbst tragen?

dreiblöckesiNdwichtig

Ein Patentrezept gibt es nicht, da die Gefährdungen

der Firmen höchst unterschiedlich

sind, betonen Oliver Freiwald, Vorsitzender

des BVK-Bezirksverbandes Ulm und Helge

Müller. Sie empfehlen die Kompetenz eines

Versicherungsexperten zu nutzen. Um sich

einen ersten Überblick zu verschaffen und

um sich auf ein solches Gespräch vorzubereiten,

können Firmengründer und Freiberufler

die nebenstehende Checkliste nutzen. Dabei

gilt es, diese drei Themenblöcke abzudecken:

Vermögen abzusichern über Haftpflicht-,

Warenkredit- und Vertrauensschadenversicherung,

Sachwerte über Sachversicherungen, Technische

Versicherungen und Transportversicherungen,

Erträge über Betriebsunterbrechungsversicherungen.

Als absolutes Muss bezeichnet Müller die Betriebshaftpflichtversicherung,

bei Produktionsbetrieben

unter Einschluss der Produkthaftpflichtversicherung.

Sie schützt die

Unternehmen vor Forderungen aus dem betrieblichen

Umfeld und Schadenersatzansprüchen

von Dritten, verursacht durch das

produzierte Gut. Die Prämie ist von der Art

des Risikos abhängig und von der Höhe der

Deckungssumme, die mindestens 3 Millionen

Euro für Personen-, Sach- und Vermögensschäden

betragen sollte. Entsprechend den

betrieblichen Risiken muss sie möglicherweise

wesentlich höher ausfallen.

Wie sogenannte mittlere Risiken junge Unternehmen

in Gefahr bringen können, zeigt ein

Beispiel des Gesamtverbandes der Deutschen

Versicherungswirtschaft: In einem Metall verarbeitenden

Betrieb hat eine vergleichsweise

neue, elektronisch gesteuerte Drehbank einen

Defekt. Bis das benötigte Ersatzteil geliefert

und eingebaut ist, vergehen drei Wochen.

Dadurch fallen Einnahmen in erheblicher

Höhe weg. Der Hersteller liefert zwar das Ersatzteil

im Rahmen der Garantie kostenlos,

doch für den Produktionsausfall haftet er

nicht. Etablierte Firmen können so einen

Schaden verkraften, für junge Firmen kann es

dagegen eng werden.

checklistefürFirmengründerundFreiberufler

hinsichtlichderwichtigstenrisiken

Ist für den Ersatz von

Schäden gesorgt, die Sie

... beruflich verursachen?

... privat verursachen?

Sind Sie versichert, wenn Sie

einen Kunden falsch beraten?

Ist Ihre Firmen- und Wohnungseinrichtung

bei Schäden durch

Feuer, Leitungswasser, Sturm,

Hagel, Einbruchdiebstahl und

Vandalismus versichert?

Wenn Sie mit Öl heizen: Sind Sie

bei Schäden durch Lecks in Tank

oder Anlage versichert?

Haben Sie schon geprüft, ob

sich Ihre Finanzierungskosten

durch Umschuldung senken

lassen?

Kommt eine Versicherung für den

Schaden auf, wenn sich jemand

auf Ihrem Grundstück verletzt?

Übernimmt die Versicherung

die Kosten, wenn Sie um Ihr

Recht streiten?

Wenn Ihre Firma nach einem

Schaden nicht mehr arbeiten

kann: Zahlt dann die Versicherung

die Löhne weiter und kommt für

den entgangenen Gewinn auf?

Allen Unternehmern gleichermaßen raten

die BVK-Experten Freiwald und Müller dazu,

Jahresgespräche mit der Versicherung zu führen.

„Hier gibt es so viele Änderungen, dass die

Verträge laufend überprüft und angepasst

werden müssen.“

Doch neben der Absicherung des Unternehmens

müsse der Unternehmer die Geschäftsführungsrisiken

bedenken, insbesondere,

wenn in einer GmbH Geschäftsführer ohne

Unternehmensbeteiligungen tätig sind. Zu

prüfen ist in diesem Fall, ob eine Managerhaftpflichtversicherung

sinnvoll ist. Die so genannte

D&O-Versicherung schützt Führungskräfte,

insbesondere Geschäftsführer und

Frage ja nein Frage ja nein

Quelle: Gesamtverband Deutsche Versicherungswirtschaft

Übernimmt eine Versicherung

die Reparaturkosten, wenn Ihr

Computer beschädigt wird?

Tritt eine Versicherung ein,

wenn Kunden Ihre Rechnungen

nicht bezahlen?





Persönlicherisiken

Sind Sie abgesichert für den Fall,

dass Sie wegen einer Erkrankung

längere Zeit kein Geld verdienen

können?

Sind Sie bei Berufsunfähigkeit

finanziell geschützt?

Haben Sie schon einmal geprüft,

ob Ihnen eine private Krankenversicherung

Vorteile bringt?

Wissen Sie, wie es um Ihre

persönliche Alterssicherung

bestellt ist?

Haben Sie Ihre Hinterbliebenen

abgesichert?

Haben Sie für den Fall vorgesorgt,

dass Sie durch Unfall, Krankheit

oder im Alter Pflege benötigen?

32


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[finanzieren]

Computer und Akten abgesoffen – für Unternehmer ist das ein Desaster.

Mitglieder in Aufsichtsgremien, vor Ansprüchen,

die seitens der Unternehmenseigentümer,

aber auch von Dritten an diese gestellt

werden können. Die D&O-Versicherung zahlt

für Vermögensschäden, die beispielsweise als

Folge von Fehlentscheidungen eines Geschäftsführers

entstehen können. Das kann

für Unternehmen und mittlerweile auch für

die Führungskräfte infolge der persönlichen

Haftung sehr teuer werden. Zwar gab es die

Haftung der Führungskräfte bei Nichtbeachtung

von gesetzlichen Bestimmungen gegenüber

den Unternehmen schon früher, doch

war diese lange eher theoretischer Natur. Seit

der Finanzkrise im Jahr 2008 hat sich das aber

geändert.

In Sachen Sicherheit muss der Firmeninhaber

aber auch an sich selbst denken: Ohne seine

Arbeitskraft und seine Ideen läuft das Unternehmen

nicht. Deshalb muss er sich, seine

Familie und sein Unternehmen absichern für

den Fall, dass er berufsunfähig werden sollte

oder stirbt. Selbstständigen, die nicht vorsorgen,

droht im Falle einer schwerwiegenden

Krankheit oder Invalidität der finanzielle und

auch der soziale Absturz, warnen die BVK-

Experten. „Eine Absicherung für den Fall einer

Berufsunfähigkeit ist am dringendsten“,

mahnt Helge Müller, „danach kommen Familienabsicherung

und Altersvorsorge“. [!]

AlExANdERBögElEiN

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und die Beratung

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33


[führen] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

WiemanguteLeutefindetundhält

Um guten Nachwuchs zu bekommen, setzt die Mayser-Gruppe auf Bildungspartnerschaften. GroßenWert legt das

Unternehmen auf Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter, sagt PersonalchefWinfriedWanka in unserer Umfrage.

Wie sieht denn Ihr Ausbildungsmarketing

aus?

Neben der Teilnahme an Bildungsmessen sind

wir aktiver Bildungspartner der Ulrich-von-

Ensingen-Realschule in Ulm und versuchen,

potenzielle Auszubildende frühzeitig von unserem

Unternehmen zu überzeugen. Dies geschieht

zum Beispiel bei gemeinsamen Veranstaltungen

von Schülern mit unseren

Auszubildenden und Ausbildern. Zudem bieten

wir zahlreiche Schulpraktika an. Während

der Ausbildung finden spezielle Events

unserer Azubis mit denen unserer Schwesterfirma

im Allgäu statt. Die Gestaltung von Themenbooten

beim Nabada und eine soziale

Projektwoche sind weitere Beispiele für die

Integration unserer Nachwuchskräfte.

Eine offene Informationsatmosphäre ist Personalchef Winfried Wanka wichtig.

Welche Themen beschäftigen Sie derzeit

am meisten?

In einigen Bereichen standen und stehen Generationswechsel

an. Hierbei gilt es, interne

sowie externe Nachfolgeregelungen in einem

ausgewogenen Verhältnis zu realisieren und

den Wissenstransfer zu gewährleisten. Aufgrund

der technologisch immer anspruchsvolleren

Aufgaben als internationaler Automobilzulieferer

ist das Recruiting von

ausreichend qualifizierten und motivierten

Ingenieuren ein dauerhaftes Thema. Hierfür

wollen wir uns in den nächsten Jahren verstärkt

als High-Tech-Arbeitgeber in der Region

etablieren.

Wo und wie finden Sie die richtigen Mitarbeiter?

Langfristiges Ziel ist es, den gesunden Mix in

unserer Altersstruktur beizubehalten. Somit

haben wir weiterhin Bewerber aus allen Altersstufen

im Fokus. Allerdings ist es inzwischen

nicht einfach, qualifizierte Mitarbeiter

zu finden. Wo früher eine einfache Zeitungsanzeige

reichte, muss heute meist die ganze

Bandbreite der Bewerberansprache betrachtet

werden. Der Kontakt zu Praktikanten und Diplomanden

ist eine weitere Möglichkeit, frühzeitig

Kontakt zu potenziellen neuen Mitarbeitern

zu bekommen. Ein nicht

unbedeutender Bereich ist die Weiterentwicklung

unserer Auszubildenden zu qualifizierten

Fach- und Führungskräften.

Was tun Sie, um Mitarbeiter langfristig ans

Unternehmen zu binden?

Wir können sehr stolz darauf sein, dass unsere

Mitarbeiter bereits ein hohes Maß an Bindung

zu Mayser haben. Dies zeigt sich darin, dass

wir eine Vielzahl von Jubiläen feiern können,

zuletzt ein 50-jähriges. Ziel ist es, unseren Mitarbeitern

einen sicheren Arbeitsplatz sowie

langfristige Weiterentwicklungsmöglichkeiten

zu bieten. Dieses kann zum Beispiel – wie

bei mir auch – über sehr unterschiedliche

Unternehmensbereiche hinweg erfolgen. Die

intensive Unterstützung von Potenzialträgern

durch interne und externe Weiterbildungsmaßnahmen

führt dabei in die richtige

Richtung.

Welche Instrumente nutzen Sie, um das

Wissen der Mitarbeiter im Unternehmen

besser zu nutzen?

Hierzu dienen zum einen eine strukturierte

Dokumentation, die im Zuge der zahlreichen

Zertifizierungen sowieso unumgänglich ist

ZurPerson

WinfriedWanka(48) stieg 1992 als

Produktionsleiter bei Mayser ein.

2002 übernahm er nach weiteren Führungspositionen

das Ressort Personal.

Seit 2012 ist er als Kaufmännischer

Geschäftsleiter für die Bereiche Einkauf,

IT, Haustechnik, Verwaltung und

Personal verantwortlich.

34


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[führen]

und zum anderen der Austausch von Informationen

im Team. Dabei gilt es, alle Beteiligte

durch ein angenehmes Betriebsklima zur offenen

Weitergabe von Informationen und Erfahrungen

zu animieren. Planmäßige Projektreviews

schaffen die Möglichkeit, aus Fehlern

zu lernen und sorgen für eine offene Informationsatmosphäre.

SpezialistfürSensoren

Wie viel investieren Sie in Weiterbildung?

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir solche

Zahlen nicht veröffentlichen. In einem

seit langem implementierten Prozess werden

zweimal pro Jahr die Weiterbildungsbedarfe

unserer Mitarbeiter von deren Vorgesetzten

ermittelt und an die Personalabteilung gemeldet.

Daraus generieren sich die entsprechenden

Weiterbildungsmaßnahmen. Darüber hinaus

sind natürlich kurzfristig notwendige

Schulungen möglich. Die Qualifizierung unserer

Führungskräfte schafft die Voraussetzung

dafür, dass dieser Prozess entsprechend

konsequent und nachhaltig abläuft. [!] AMb

DieMayser-Gruppe hat sich in ihrer

212-jährigen Geschichte zum europaweit

führenden Hersteller von taktilen Sensoren

für die Sicherheitstechnik entwickelt

und beschäftigt am Standort Ulm heute

rund 300 Mitarbeiter.

Die Kunden stammen unter anderem

aus den Branchen Industrie, Tür- und

Torbau sowie öffentlicher Personenverkehr.

Etwa die Hälfte des Umsatzes entfällt

auf das Geschäft mit internationalen

Kunden der Automobilindustrie. Hierfür

wurde 2012 in der Nähe von Detroit ein

weiterer Produktionsstandort aufgebaut.

Die Mayser-Gruppe beschäftigt an fünf

Standorten wund 600 Mitarbeiter. AMb

Betriebliches Gesundheitssystem

wird immer wichtiger

Anzeige

Beim P 15 aktiv + fit mit Besitzer Alexander

Brender am Neu-Ulmer Petrusplatz

steht das Betriebliche Gesundheitsmanagement

(BGM) hoch im Kurs.

„Die Begeisterung ist unseren Mitarbeitern

immer anzumerken“, sagt Alexander Brender,

„das spiegelt sich auch bei unseren Mitgliedern

wider.“ Das hat eine jüngst durchgeführte

Mitgliederbefragung ergeben. Bei

allen Punkten, wie zum Beispiel Freundlichkeit

des Teams, Betreuung der Mitglieder

und deren Trainingserfolge, hat das P15

mit der Note eins

vor dem Komma

abgeschlossen.

„Das P15 hat einen

absoluten

Marketing-Ansatz“,

erzählt Alexander

Brender,

„wir müssen auf

einem hart umkämpften

Alexander Brender

Markt

bestehen und mit Leistung, Qualität und

Innovationen überzeugen.“

Für die Zukunft sieht Alexander Brender

für Unternehmen das Betriebliche Gesundheitsmanagement

immer mehr im

Kommen. „Klar ist doch“, sagt Alexander

Brender, „ein Unternehmen ist nur so gesund

und so leistungsfähig wie es seine

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind.“

Durch den demographischen Wandel sei es

unerlässlich, dass alle Mitarbeiter an Bord

sind und die krankheitsbedingten Fehlzeiten

minimiert werden. „Das BGM ist für uns

als Gesundheitsdienstleister deshalb ein

Schwerpunkt, für den wir uns diesbezüglich

über die IHK speziell ausgebildet haben“,

fügt Brender hinzu. Das P15 ist zertifizierter

BGM-Netzwerkpartner und bietet Fitnesstraining

und Gesundheitsdienstleistungen

an, die in die BGM-Programme integriert

werden können. Programme und Beratungen

sind beim P15 zu erhalten, Informationen

zum BGM gibt es unter www.gesundheitimbetrieb.de.

Die Plattform ist von der

deutschen Hochschule für Prävention und

Gesundheitsmanagement in Saarbrücken

entwickelt worden.

P 15 · Petrusplatz 15 · 89231 Neu-Ulm

Telefon: (0731) 76 00 6

E-Mail: info@p15.de · www.p15.de

35


Lisa Schrade und Sven Baran vom Amstettener Zaunteam: Wohl selten hat ein Unternehmen eine freie Stelle so schnell besetzt.

Mit Tempo zu neuem Personal

Arbeitsagentur klingt für viele nach einem drögen Beamtenapparat. Von wegen. Dass die Arbeitsmarkt-Profis private

Konkurrenten ausstechen können, zeigt das Beispiel des Amstettener Zaunteams.

Sven Baran steht unter Druck. Nur noch

zwei Wochen ist seine Kollegin da, bevor

Sie sich in den Schwangerschaftsurlaub

verabschiedet. Der junge Regionalleiter

des Unternehmens Zaunteam Alb-Donau

(Amstetten) hat zwar rechtzeitig nach einer

Vertretung Ausschau gehalten. Doch in der

Probezeit wird beiden klar: Das passt nicht.

„Wir haben uns zusammengesetzt, offen miteinander

über die Situation gesprochen und

haben uns im Guten getrennt“, erzählt Baran.

Jetzt läuft ihm die Zeit weg. Ihm fehlt bald eine

Arbeitskraft, die die Endkunden betreut,

sich mit dem Sortiment und der Vielfalt des

Zubehörs auskennt. Die Firma vertreibt in

Amstetten mit zehn Mitarbeitern Zäune, von

Privatgärten bis hin zur Werkschutzanlagen

samt Zutrittskontrolle für großen Untermnehmen.

Dem Zaunteam droht das Problem,

das viele kleine Betriebe kennen: Geht ein

Mitarbeiter, fällt auch der Umsatz.

Baran entscheidet sich spontan, bei der Arbeitsagentur

Ulm vorbeizufahren. Von der

Anmeldung wird er nach oben geschickt und

platzt aus Versehen in eine Besprechung des

Arbeitgeberservice-Teams. Doch Baran wird

nicht etwa hinauskomplementiert. Sein zuständiger

Berater Berkay Uysal nimmt ihn mit

in sein Büro, notiert die Eckdaten: Die neue

Mitarbeiterin soll belastbar sein, zeitlich flexibel

sein und Organisationsgeschick haben

und das Potenzial, sich in dem Job weiterzuentwickeln.

Angesichts der Dringlichkeit

schlägt der Arbeitsvermittler Baran vor: „Ich

treffe für Sie eine Vorauswahl.“ Es ist Donnerstagnachmittag.

Berkay Uysal veröffentlicht das Stellenangebot

intern. Damit haben zunächst nur Vermittler

der Agentur für Arbeit darauf Zugriff,

und die wissen genau, wer frei ist und wer auf

die Stelle passt. „Innerhalb kürzester Zeit sind

so einige Bewerbungen eingegangen“, erläutert

Fabian Schneider, der Teamleiter des Arbeitgeber-Service

in Ulm. „Passende Bewerber

wurden an die Firma weitergesandt.“ Und das

so schnell, dass es Sven Baran kaum glauben

kann. Am Samstagnachmittag, er spielt gerade

mit seinem achtjährigen Sohn, geht die

Mail der Arbeitsagentur auf seinem Smartphone

ein. Er ist überrascht vom Tempo der

Agentur und von der „perfekten Bewerbung“.

Am Montagmorgen ruft er eine Bewerberin

an. Es ist die 26-jährige Lisa Schrade, die nachmittags

zum Vorstellungsgespräch kommt –

36


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[spezial]

Ausgefeilter Service für Arbeitgeber

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Jura J9.3TFT Aroma +

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* Aktionspreis

inkl. Inbetriebnahme und

Lieferung (Umkreis 20km)

Der Arbeitgeberservice der Arbeitsagenturen

ist beim Erstkontakt über die gebührenfreie

Rufnummer 0800 4 5555 20 erreichbar.

Der Anrufer wird zu seiner

zuständigen Arbeitsagentur geroutet. Die

Dienstleistungen des Arbeitgeber-Service’

gliedern sich in vier große Bereiche: In der

betrieblichen Ausbildung beraten und vermitteln

die Arbeitsagenturen im Netzwerk

mit den Kammern von IHK und Handwerk,

bieten Förderleistungen an, wie beispielsweise

ausbildungsbegleitende Hilfen

sowie Einstiegsqualifizierungen für lernschwächere

junge Menschen auf dem Weg

in eine Ausbildung.

In der Personalbeschaffung unterstützt die

Agentur die Unternehmen mit Beratung,

Vermittlung, der Jobbörse, Großkundenbetreuung,

der Zentralen Auslands- und

Fachvermittlung und Förderleistungen,

Praktika, Förderung beruflicher Weiterbildung.

Das am meisten gefragte Arbeitsmarktinstrument

ist der Eingliederungszuschuss.

Beratung und finanzielle

Förderung stehen bei der Personalentwicklung

im Vordergrund. Im vierten Themenbereich,

der Personalfreisetzung, reicht die

Bandbreite der Dienstleitungen von Transferleistungen

über Kurzarbeiter- bis zum

Insolvenzgeld.

AmB

und die Chemie zwischen den beiden passt.

Sven Baran räumt freimütig ein, dass dieses

Erlebnis seine Sicht auf die Arbeitsagentur

nachhaltig verändert

hat. „Das Engagement

und der

Enthusiasmus von

Herrn Uysal waren

bemerkenswert“,

lobt er seinen Arbeitsvermittler.

„So schnell und

reibungsfrei

Peter Rasmussen leitet die

Ulmer Arbeitsagentur.

klappt die Vermittlung

nicht immer“,

räumt Peter

Rasmussen, Leiter

der Ulmer Arbeitsagentur, ein. Das liegt auch

daran, dass es derzeit weniger qualifizierte

Kräfte auf dem Arbeitsmarkt gibt als vor vier

Jahren. Für die Unternehmen hat die Zusammenarbeit

laut Rasmussen mehrere Vorteile,

um geeignetes Personal zu bekommen. Die 25

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Arbeitgeberservices

sind gut vernetzt in den Agenturen,

arbeiten branchenbezogen und haben

durch ihr Netzwerk mitunter Lösungsmöglichkeiten,

an die die Arbeitgeber vielleicht

gar nicht gedacht haben, sagt Rasmussen. Dabei

gehe es nicht nur um die passgenaue Vermittlung,

sondern auch um eine Vielzahl von

Fördermöglichkeiten.

Eine Woche nach dem Vorstellungsgespräch

fängt Lisa Schrade beim Zaunteam an. Ihre

neue Aufgabe beschreibt die Bürokauffrau als

spannend und abwechslungsreich. Auch sie

ist baff: „Der neue Job kam schneller, als ich

gucken konnte.“ [!] AlexAnder Bögelein

37


[leben] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

Mit Mozart auf die Insel

Im Beruf geben sie den Ton an. Auch privat greifen viele Führungskräfte in die Tasten – oder zu den Drums. In

unserer Umfrage erzählen sie Stefan Loeffler, was sie lieben –und was nicht in die Gehörgänge kommt. In

einem Punkt sind sich übrigens alle einig: Elvis ist tot.

Laurence Lachnit hat jeden

Tag mit Musik zu tun. Die

34-Jährige leitet seit 2011 das

Kulturzentrum Roxy in der

Ulmer Donaubastion.

Werner Utz ist im November

1947 in Ulm geboren. Der Vater

von drei Kindern ist seit 1997

Vorstandsvorsitzender der Uzin

Utz AG, einem weltweit agierenden

Komplettanbieter von

Bodensystemen.

1) Ich spiele ganz gut Klavier. Früher habe ich auch gesungen und irgendwann

mal Schlagzeug und Percussion gespielt. Das ist aber

schon ganz schön lange her.

2) Ich hatte eine strenge Klavierlehrerin und es nicht so mit dem Üben.

Da gab es regelmäßig Reibungspunkte.

3) Es ist unmöglich, mich auf drei Lieblingsbands festzulegen. Wenn

ich drei Beispiele toller Musiker nennen darf: Camille, Sophie Hunger

und Jamie Lidell.

4) Drei sind viel zu wenig, aber gut: „Young blood” von „The naked and

famous“, „Last goodbye” von Jeff Buckley und eine „Nocturne“ von

Frédéric Chopin.

5) Wir sind uns da ziemlich einig. Nur wenn es um Titel aus den 80ern

geht, wird mein Partner kompromisslos: Das geht für ihn gar nicht.

Da bin ich vielleicht schmerzfreier.

6) Keine Ahnung. Ist mir auch nicht so wichtig.

7) „Die ultimative Chartshow“ – die halte ich keine zwei Minuten aus.

Oder dieses völlig überholte und niveaulose Format von und mit

Dieter B.

1) Nein, leider habe ich das Klavierspielen schon sehr lange aufgegeben.

2) Ja, da meine Begeisterung für das Singen nur wenig ausgeprägt war,

versuchte mich mein Musiklehrer mit der „Aufmunterung“, „Utz

sing, oder ich schlag Dich tot“ zu motivieren.

3) The Rolling Stones, Roy Orbison, Berliner Philharmoniker.

4) „Satisfaction“, „Pretty Woman“, Brahms Sinfonie Nr. 4.

5) Sie hält nicht viel davon.

6) Ja.

7) Praktisch immer, ich höre Musik lieber live oder auf CD.

38


unternehmen [!] Ausgabe 34 | Juli 2013

[leben]

1) Machen Sie selbst Musik, spielen Sie ein Instrument

oder singen Sie in einem Chor?

2) Erinnern Sie sich noch an schöne oder gemeine

Erlebnisse im Musikunterricht?

3) Ihre drei Lieblingsbands bzw. Musiker sind …?

4) Welche drei Musiktitel müssen mit auf die einsame

Insel?

5) Was sagt Ihr Partner zu Ihren musikalischen Ambitionen?

6) Ist Elvis Presley wirklich tot?

7) Bei welchen Musiksendungen im Fernsehen schalten

Sie um?

Gunter Czisch ist 50 Jahre alt,

verheiratet und hat drei Kinder.

Seit August 2000 ist der Jazz-Begeisterte

erster Bürgermeister

der Stadt Ulm mit dem Fachbereich

„Zentrale Steuerung“.

Thomas Handtmann ist

60 Jahre alt, verheiratet und hat

sechs Kinder. Er ist ausgebildeter

Maschinenschlosser und Diplomingenieur

Maschinenbau.

Seit 1998 führt er die Unternehmensgruppe

Handtmann in Biberach,

die unter anderem als

Zulieferer der Automobilindustrie

agiert.

1) Nein.

2) Ja. Singen, Klavierkonzerte des Musiklehrers, Märsche,

„Ring of Fire“…

3) Beatles, Bob Dylan, Pink Floyd.

4) „Anatevka“, „While my guitar gently weeps“ …

5) „Nicht so laut!“

6) Ja.

7) Musik im Fernsehen geht gar nicht.

1) Ja, Schlagzeug. Gelegentlich – viel zu selten – freue ich mich darauf,

in kleinen Jazzformationen auftreten zu dürfen.

2) Musikschulen gab es vor 38 Jahren noch nicht. Deshalb fuhr ich jeden

Mittwoch von Dietenheim nach Ulm zum Privatunterricht.

Das war weder besonders schön noch besonders gemein. Das war

jede Woche ein kleiner Ausflug nach Ulm.

3) Ich höre sehr viel Jazz, gleichwohl ohne besondere Lieblinge. Besonders

beeindruckt bin ich noch heute von Lillian Boutte wegen ihrer

besonderen Art, ein Konzert zu zelebrieren. Vor zwölf Jahren hatte

ich die Ehre, mit ihr zu musizieren.

4) Nur Drei?!?

5) Bei uns in der Familie spielt Musik immer schon eine wichtige Rolle

und ist ziemlich präsent.

6) Körperlich schon, in der Erinnerung? Mit dieser Frage und den vielen

Antworten leben und verdienen viele schon sehr lange. Typisch

amerikanisch.

7) Volksmusik ist nicht wirklich meine Sache, wenn es ums Zuhören

und Zusehen geht. Ansonsten ziehe ich „selbst gemacht“ und „selbst

interpretiert“ dem Gegenteil vor.

Foto: Iakov Kalinin/Fotolia.com

39


[leben] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

1) Machen Sie selbst Musik, spielen Sie ein Instrument

oder singen Sie in einem Chor?

2) Erinnern Sie sich noch an schöne oder gemeine

Erlebnisse im Musikunterricht?

3) Ihre drei Lieblingsbands bzw. Musiker sind …?

4) Welche drei Musiktitel müssen mit auf die einsame

Insel?

5) Was sagt Ihr Partner zu Ihren musikalischen Ambitionen?

6) Ist Elvis Presley wirklich tot?

7) Bei welchen Musiksendungen im Fernsehen schalten

Sie um?

Hautarzt Prof. Dr. Ralf U. Peter

ist Direktor der Gefäß- und

Hautklinik sowie des Medizinischen

Versorgungszentrums

Blaustein. Der ehemalige ärztliche

Direktor der Dermatologie

an der Uni Ulm und des Bundeswehrkrankenhauses

hat

sechs Kinder und ist in der Freizeit

Vorsitzender des Vereins

„Musica Margaretha Reutti“.

Götz Maier ist verheiratet und

hat drei Kinder. Der 38-Jährige

studierte in Konstanz Jura und

ist seit 2001 Anwalt. Seit drei

Jahren ist er Geschäftsführer

der Bezirksgruppe Ulm des

Arbeitgeberverbands

Südwestmetall.

1) Ja, ich musiziere schon seit vielen Jahren. Zunächst in einem

Knabenchor, dann in vielen Orchestern mit der Oboe. Aktuell spiele

ich in der Jungen Philharmonie Schwaben, einem Symphonieorchester,

das pro Jahr ein Konzertprogramm erarbeitet.

2) Musikunterricht hat mir immer gefallen, selbst wenn‘s ans Vorsingen

ging. Wie Sport oder Kunst hat er den Schulalltag doch ziemlich

aufgelockert.

3) Es gibt so viele großartige und unterschiedliche Musiker. Aber ganz

vorne dabei sind: Richard Wagner in der Klassik, Ella Fitzgerald im

Jazz und unter den aktuellen Sängerinnen ZAZ.

4) Mozarts „Requiem“ für die traurigen Momente, „Breakfast in America“

von Supertramp gegen den Hunger und „I Will Survive“ von

Gloria Gaynor zum Durchhalten.

5) Meine Frau und ich haben uns im Orchester kennengelernt und

spielen auch heute zusammen im Orchester – wunderbar, das Hobby

teilen zu können.

6) Seine Musik lebt in jedem Fall weiter.

7) Musikantenstadl & Co.

1) Ich singe im Kirchenchor Reutti, spiele Flöte, Gitarre und Kontrabass.

Bevorzugte Musikstile: Renaissance/Barock/Klassik, Jazz, in

Grenzen Minimal music. Weniger bevorzugte Richtungen: Spätromantik,

so genannte E-Musik des 20. Jahrhunderts, Zwölftonmusik

und fast alles danach, also Musicals und Pop.

2) „Gemeine“ Erlebnisse: Unser Musiklehrer in der Unterstufe hatte

ein individuelles Notensystem. Für besonders schlechte Leistungen

erhielt man eine „7“, für besonders gute eine „0“. Ich kam in den

Genuss beider Noten innerhalb eines halben Jahres. Die „7“ erhielt

ich, weil ich nicht wusste, dass im Gegensatz zum temperiert gestimmten

Klavier „Fis“ und „Ges“ auf Streichinstrumenten unterschiedliche

Töne darstellen; die „0“, weil ich beim Vorsingen des

Liedes „Verstohlen geht der Mond auf“ durch unsere Klassenbeste

gehört hatte, dass sie den „Mond“ einen Halbton zu tief gesungen

hatte.

„Schöne“ Erlebnisse: viele Anregungen und Einblicke in die Welt

der Musik durch meinen Musiklehrer in der Oberstufe, den späteren

Kantor in der Jugendkantorei und Dirigenten im Barockensemble,

Wolfgang Schult, mit dem mich heute noch eine enge Freundschaft

verbindet.

3) Jaques Loussier und Band, King Singers, Philippe Jaroussky (Kontratenor).

4) „Due Seraphim“ aus der „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi,

„Mondscheinsonate“ von Beethoven, die „Goldberg-Variationen“

von Johann Sebastian Bach.

5) Meine Frau toleriert und schätzt diese Aktivitäten.

6) Hoffentlich – aber ist das wirklich wichtig?

7) Musikantenstadl, DSDS, Grand Prix dÈurovision.

40

Foto: Iakov Kalinin/Fotolia.com


[namen & nachrichten]

Aitrach zeigt London das Parken

Foto: © Sellar Property

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PLATZ HAUS 21 GmbH

Tel. +49 7581 201-0

www.platz.de

Im 95 Stockwerke hohen Shard-Tower installierte Klaus Multiparking 48 Stellplätze.

Die Aussichtsplattform des imposanten Wolkenkratzers

„The Shard – at London Bridge

Tower“ ist bereits eine Touristenattraktion.

Im Keller des jetzt eröffneten 310 Meter hohen

Glasturms, den Experten für eines der

aufsehenerregendsten Neubauprojekte in

Westeuropa halten, hat die Klaus Multiparking

GmbH aus Aitrach bei Memmingen ein

erstaunliches Vorhaben verwirklicht. Der

Mittelständler aus dem Allgäu installierte ein

vollautomatisches sechsstöckiges Parksystem

mit 48 Parkplätzen, auf denen in erster Linie

die Gäste des Shangri-La-Luxushotels ihre

Edelkarossen auf Knopfdruck parken lassen.

Nur 24 Quadratmeter groß ist die Grundfläche

im Erdgeschoß, die für die Aufnahme der

Fahrzeuge nötig ist, sagt Geschäftsführer

Günther Seiderer. Von Vorteil für das Aitracher

Unternehmen war es, dass es bereits mehere

Projekte seines automatischen Parksystems

in London erfolgreich umgesetzt hatte.

Ausarbeitung, Fertigung und Montage dauerten

nur elf Monate. Das prestigeträchtige Projekt

hat dem Aitracher Unternehmen nach

eigenen Angaben bereits zu einigen interessanten

Anfragen verholfen. [!]

HAM

Saint Gobin stellt

selbst Biogas her

Die Saint Gobin Oberland AG in Bad Wurzach,

Hersteller von Behälterglas, will mit grüner

Energie einen großen Teil ihres Wärmebedarfs

decken. Zu diesem Zweck errichtet sie

auf ihrem Firmengelände ein eigenes Kraftwerk,

das aus aufbereiteten Speiseresten und

verdorbenen Lebensmitteln Biogas erzeugt.

Die gärfähige Substanz wird von einer Aufbereitungsanlage

bei Stuttgart per Lkw nach Bad

Wurzach geliefert. Weil es sich um ein geschlossenes

System handelt, komme es für die

Bevölkerung nicht zu Geruchsbelästigungen,

verspricht Saint Gobin. Das Projekt sei bisher

in Europa einzigartig. [!]

HAM

Robishop steuert

Getränkeverkauf

Nach 16 Jahren Entwicklungsarbeit hat es

Markus Elbs, geschäftsführender Gesellschafter

der Robishop GmbH in Weingarten, geschafft:

Er hat einen vollautomatisierten Getränkemarkt

zur Serienreife gebracht, der

einen Verkauf an 365 Tagen rund um die Uhr

ganz ohne Verkaufspersonal ermöglicht.

Schwierig war vor allem die Koordination der

Transportbänder mit unterschiedlichen Neigungswinkeln

von den Lagerregalen zu den

Ausgabestellen. Nun hat Elbs alle Schwierigkeiten

überwunden und geht mit der Gründung

von Filialen und der Kooperation mit

Unternehmen an die Vermarktung. [!] HAM

41


[namen & nachrichten] Ausgabe 34 | Juli 2013 unternehmen [!]

Verzaubert am Bodensee

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein

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Tobias Lehmann

Druck

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Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Auflage: 15 000 Exemplare

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www.swp.de/unternehmen

unternehmen@swp.de

Telefon 0731 156-515

Fax 0731 156-481

Nächste Ausgabe

4. Oktober 2013

Anzeigenschluss

13. September 2013

Riguzzi geht und

bleibt Hartmann

erhalten

Neun Jahre war Dr. Rinaldo Riguzzi

Vorstandsvorsitzender

der Paul Hartmann AG, die

mehrheitlich

der

Ulmer

Schwenk-

Gruppe gehört.

Der gebürtige

Rinaldo Riguzzi

wechselt in den

Aufsichtsrat.

Schweizer

machte den

Hygieneund

Verbandspezia-

listen wieder profitabel und

richtete ihn neu aus. Er stand

für klare Ansagen ebenso wie

für einen menschlichen Stil.

Der 66-Jährige ist ein begeisterter

Akkordeonspieler und stellte

in Aussicht, dass er auch mal

wieder mit dem Hartmann-

Chor oder dem Hartmann-Bläserensemble

auftreten wird. Riguzzi,

der von Andreas Joehle

abgelöst wurde, wechselt in den

Aufsichtsrat. Hartmann (Eigenkapitalquote

56,3 Prozent) erzielte

im Jahr 2012 mit rund

10.000 Mitarbeitern einen Umsatz

von 1,8 Milliarden Euro.

Ulrich Dohle

leitet Tognum

seit Juli

Ulrich Dohle ist seit 1. Juli Chef

der Tognum AG (Friedrichshafen).

Der 1953 geborene

Dohle ist studierter Maschinenbauer,

seit 2009 im Un ter nehmen

und war seit 2011 stellvertretender

Vorstandschef. An die

Spitze rückte er, weil sein Vorgänger,

Joachim Coers, auf eigenen

Wunsch ausschied und

sich dem Privatleben widmet.

Unruhe beim Betriebsrat rufen

Pläne des Spezialisten für Energieanlagen

und Antriebssysteme

hervor, ab 2015 in Russland

Motoren zu fertigen. Dazu

gründete Tognum ein Gemeinschaftsunternehmen.

2012

erwirt schaftete Tognum mit

10.500 Mitarbeitern einen Umsatz

von 3 Milliarden Euro.

Wer seinen Geschäfts- oder Ehepartner einen

Abend mit Zauberwesen am Bodensee bescheren

will, der muss sich sputen. Für die

28 Aufführungen der Mozart-Oper „Zauberflöte“

waren zum Redaktionsschluss des „unternehmen[!]“

bereits 80 Prozent der Karten vergriffen.

Zu den Veranstaltungen der Bregenzer

Festspiele gGmbH kommen 61 Prozent der Besucher

aus Deutschland. Die Ticket-Telefonnummer

0043 5574 4076.

Aluschmelzwerk

Oetinger meldet

Insolvenz an

Die Firmengruppe Oetinger

(Weißenhorn) hat Insolvenz beantragt.

Davon betroffen sind

500 Mitarbeiter, davon 320 im

Kreis Neu-Ulm. Den Angaben

zufolge mangelt es nicht an

Aufträgen, vielmehr hat Oetinger

Probleme, Rohstoffe günstig

einzukaufen und höhere Preise

am Markt durchzusetzen.

Hymer steht vor

radikalem

Umbau

Nach dem Tod des Gründers Erwin

Hymer steht dem Reisemobilbauer

ein radikaler Umbau

bevor. Alle Standorte, selbst der

Stammsitz in Bad Waldsee,

kommen auf den Prüfstand.

Grund ist der starke Umsatzrückgang.

Zuletzt erzielte Hymer

mit 2780 Beschäftigten einen

Jahresumsatz von 859

Millionen Euro. [!]

42


Perfektion in einer neuer Dimension.

Die neue S-Klasse.

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Niederlassung Ulm/Neu-Ulm.

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Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken zwischen verschiedenen

Fahrzeugtypen. Abbildung enthält Sonderausstattungen.

Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart

Partner vor Ort: Daimler AG, Mercedes-Benz Niederlassung Ulm/Neu-Ulm, Von-Liebig-Straße 10, 89231 Neu-Ulm,

Telefon 0731 7 00-0, www.ulm.mercedes-benz.de

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