atw 2018-02

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atw Vol. 63 (2018) | Issue 2 ı February

KTG-Sektion Ost:

Exkursion

Die KTG-Exkursion 2017 der Sektion Ost führte uns in das

mitteldeutsche Braunkohlegebiet zur MIBRAG südlich von

Leipzig. Die erste Station war das Braunkohlekraftwerk

Deuben mit der angeschossenen Brikettfabrik. Das Kraftwerk

stammt aus den 1930er Jahren. Der erste Eindruck

des Kraftwerkskomplexes überraschte uns mit der gelungenen

Architektur der erhaltenen Industrie gebäude in Ziegelbauweise.

Nach dem Besuch des Leitstandes konnten

wir im Kraftwerksgebäude in einen stillgelegten Braunkohle-Feuerungskessel

einsteigen und erhielten anschaulich

einen Einblick in die Funktionsweise und die technischen

Herausforderungen des Kraftwerks. Beim anschließenden

Rundgang durch den Generatorsaal erfuhren wir,

dass ein Großteil der erzeugten Energie für die Großgeräte

des angeschlossenen Tagebaus und für den Transport der

Braunkohle mit Förderbändern und E-Loks benötigt wird.

Leider konnte die geplante Besichtigung der Brikettfabrik

wegen eines Stillstandes nicht stattfinden.

freigesetzten elementaren Quecksilbers führte zum

Auftragseingang. Heute werden unter anderem quecksilberhaltige

Schlämme und Rückstände mit natürlicher

Radioaktivität behandelt. Diese Rückstände in Form

von Schlämmen entstehen beispielsweise bei der Erdgasförderung.

Die Schlämme werden thermisch behandelt

und dabei Quecksilber gewonnen, das dann hochrein

vermarktet wird. Die Rückstände mit natürlicher Radioaktivität

werden immobilisiert und auf spezielle Deponien

verbracht. Bei einem Rundgang durch die Produktionshallen

wurden uns anschaulich die Technologien beim

Metallrecycling erläutert.

Mit vielen neuen Eindrücken, die auf uns in den zwei

Tagen einwirkten, haben wir dann die Heimreise angetreten.

Besonderer Dank geht an die Mitarbeiter der beiden

Firmen für die intensive und offene Betreuung während

der Führungen.

B. Standfuß et al.

Zwischen Forschung, Rückbau

und Entsorgung – aktuelle Aufgaben

in der Kerntechnik

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KTG INSIDE

| | KTG-Sektion Ost: Exkursion 2017

Im Tagebau Profen konnten wir uns von der Besucherplattform

aus einen Überblick über die Ausmaße des

Tagebaus verschaffen. Am Nachmittag fuhren wir dann

zum Tagebau Schleenhain. Nach dem Besuch der Kaue und

des Leitstandes des Tagebaues fuhren wir im Besucherbus

im Tagebau direkt bis an die Schaufelradbagger, die Eimerkettenbagger

und die kilometerlangen Bandanlagen. Es

wurde erläutert, dass die Sanierung der Tagebauflächen

nach der Verfüllung noch sechs Jahre vom Tagebauunternehmen

durchgeführt wird. Mehrere Anpflanzungen und

Fruchtfolgen garantieren, dass danach das Gelände wieder

mit hoher Ackerzahl landwirtschaftlich ertragreich

genutzt werden kann. In Gesprächen mit MIBRAG-

Mitarbeitern wurde von diesen die technikfeindliche

Einstellung von zunehmenden Teilen der Gesellschaft

bedauert, die bei der Einstellung des Braunkohlentagebaus

allein in Mitteldeutschland mehrere zehntausend

Arbeitsplätze kosten würde.

Mit einem geselligen Abend und Diskussionen,

beendeten wir den sehr informativen Tag.

Am nächsten besuchten wir die Gesellschaft für

Metallrecycling Leipzig (GMR) in der Produktionsstätte

Espenhain. Während eines informativen Einführungsvortrages

erhielten wir einen Einblick in die Tätigkeitsfelder

der Firma. Der Ursprung der Firma stammt aus einem

Auftrag zur schadlosen Vernichtung von Munition für

Sturmgewehre der ehemaligen NVA; insbesondere die

Alleinstellung in der BRD mit der Fähigkeit zur Rückhaltung

des bei der Verbrennung von Knallquecksilber

Nachwuchstagung der Jungen Generation

der KTG vom 8. – 10. November 2017

Deutschland war über Jahrzehnte führend in der Entwicklung

der Kerntechnik und dem sicheren und

wirtschaft lichen Betrieb kerntechnischer Anlagen. Seit

dem im Jahr 2011 beschlossenen beschleunigten Ausstieg

aus der Kernenergienutzung ist die Hälfte der Zeit vergangen,

bis das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz

genommen werden soll.

Knapp 50 Teilnehmer waren der Einladung der Jungen

Generation der KTG zur Nachwuchstagung nach Karlsruhe

gefolgt. Der Campus Nord des Karlsruher Institut

für Technologie (KIT), das frühere Forschungszentrum

Karlsruhe, war seit den 1950er Jahren eine der Hauptstützen

der kerntechnischen Entwicklung Deutschlands.

Viele kerntechnische Forschungsrichtungen mit ihren

Versuchs-, Pilot- und Forschungsanlagen, aber auch Einrichtungen

der kerntechnischen Industrie waren hier

beheimatet, einige sind es bis heute. Wie im restlichen

Land stehen auch hier die Zeichen auf Rückbau – zum

einen, weil einige Anlagen unterdessen das Ende ihrer

Nutzungszeit erreicht haben, zum anderen aber auch,

weil Rückbau, Entsorgung und Endlagerung wichtige

Forschungsthemen sind.

Als Teil der „Energiewende“ wird der anstehende

Rückbau der Kernkraftwerke immer konkreter – Grund

genug, sich direkt bei einem Elektroenergieerzeuger zu

informieren, wie die Unternehmen damit umgehen. Die

Teilnehmer konnten der Einladung in die EnBW-Zentrale in

Karlsruhe folgen, um dort bei einem Get-together in

entspannter Atmosphäre eine kurze Ansprache des

Geschäftsführers der EnBW Kernkraft GmbH, Herrn Jörg

Michels, zu hören. Seinen Worten zufolge hat EnBW den

Rückbau auch seiner noch im Leistungsbetrieb befind lichen

KKW zeitlich und monetär auskömmlich geplant. Er ermunterte

die Teilnehmer ausdrücklich, optimistisch in die

Zukunft zu sehen! Dieser Optimismus fußt auf mehreren

Gründen: Der Rückbau der KKW wird nicht innerhalb einer

Dekade abgeschlossen sein. Weiterhin erwirbt man in

einem Rückbauprojekt Kompetenzen, die sich mühelos auf

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