atw 2018-03v6

inforum

atw Vol. 63 (2018) | Issue 3 ı March

Die Option Kernenergie:

Kann das die Energiezukunft Afrikas sein?

NucNet | Seite 146

Heute sind 448 kommerzielle Kernreaktoren weltweit

in Betrieb, aber nur zwei davon, in Koeberg/

Südafrika, in Afrika. Wenn ehrgeizige Politiker ihre

Visionen durchsetzen, könnte sich dies bald ändern.

Zum ersten Mal haben viele afrikanische Länder ihr

Interesse an der friedlichen Entwicklung und

Anwendung der Kernenergie für die Energieerzeugung

deutlich gemacht. Nach Angaben der IAEO erwägen

bzw. bereiten mehr als 30 Mitgliedsstaaten

erstmals Kernenergieprogramme vor, ein Drittel

davon in Afrika. Eines scheint sicher zu sein. Wenn

Afrika beginnt, Kernreaktoren in Betrieb zu

nehmen, werden China und Russland und ihre

angeschlossenen staatlichen Unternehmen an der

Spitze der beteiligten Unternehmen stehen, um die

Technologie bereitzustellen. Scott Firsing, ein

Experte für internationale Beziehungen und Sicherheit,

der sich auf das Engagement ausländischer

Staaten in Afrika konzentriert, sagt, dass ihr Interesse

mit der Projektion strategischer Interessen und

Investitionen in Afrika verbunden ist, aber auch mit

der Sicherung des Zugangs zu Uranreserven.

Russische Kernenergietechnologien

für die Entwicklung der Arktis

Andrej Yurjewitsch Gagarinskiy | Seite 149

Kernkraftwerke im unteren Leistungsbereich sind

zu einem integralen Bestandteil von zwei wichtigen

Bereichen geworden, nämlich als Basis von nuklear

angetriebenen Schiffen und Forschungsreaktoren.

Letztere sind die Hauptausbildungsstätten für neue

Nuklearexperten auf der ganzen Welt sind. Trotz

großer und berechtigter Erwartungen ihrer Entwickler

ist es den kleinen Kernkraftwerken (SMR)

mit ihren offensichtlichen Vorteilen (gegenüber

konventionellen Energieträgern) z. B. in schwer

zugänglichen Gebieten jedoch noch nicht gelungen,

eine nennenswerte Rolle in der Energiewirtschaft

zu spielen. Dies gilt auch für die Aufgabe der

Nutzung von Nukleartechnologien für die Entwicklung

der Arktis, wo nur der nukleare Schiffsantrieb

als geeignete Technologie im Transportsektor

betrachtet werden kann. Russland ist das einzige

Land der Welt, in dem zivile Nuklearschiffe in

Betrieb sind.

US-Regulierungsbehörden lehnen

Vorschlag zur Subventionierung

von Kern- und Kohlekraftwerken ab

Jay R. Kraemer | Seite 152

Am 8. Januar 2018 lehnte die U.S. Federal Energy

Regulatory Commission („FERC“) einstimmig eine

vom Energieminister Rick Perry vorgeschlagene

Regelung ab, die es den Eigentümern von Kohleund

Kernkraftwerken ermöglichen sollte, höhere

Preise für den erzeugten Strom zu verlangen und

damit weitere vorzeitige Stilllegungen solcher

Anlagen zu verhindern. Der FERC hat die ausschließliche

Befugnis, im Rahmen des Bundesgesetzes

über die Energieversorgung Regeln für den

zwischenstaatlichen Großhandelsverkauf von Elektrizität

aufzustellen. Obwohl die FERC gleichzeitig

ein neues Verfahren einleitete, um zu prüfen, wie

die Verlässlichkeit der Stromversorgung und -lieferung

in den USA verbessert werden kann, erscheint

es unwahrscheinlich, dass dieses Verfahren den

Kernkraftwerken, für die eine Stilllegung ansteht,

aufgrund derzeit nicht gegebener wirtschaftlicher

Konkurrenzfähig kurzfristig Entlastungen bietet.

Hintergrund ist der Marktdruck aufgrund preisgünstigem

Erdgas als auch günstigen Steuerregelungen

für Erneuerbare.

Die Bedeutung der Integration von

deterministischen und probabilistischen

Ansätzen im Rahmen der integrierten

risikogerechten Entscheidungsfindung

für Kernreaktoren

Mohsen Esfandiari, Kamran Sepanloo,

Gholamreza Jahanfarnia und Ehsan Zarifi | Seite 154

Die Analyse von Unfällen und Transienten in Kernreaktoren

ist für die Analyse von Notfallbedingungen

sehr wichtig, da sie zur Kontrolle und Reaktion von

extremen Anlagenzuständen eingesetzt wird. Die

Unfalluntersuchung und die Sicherheitsanalyse

werden entweder mit probabilistischen oder deterministischen

Ansätzen durchgeführt. In diesem

Beitrag werden Untersuchungen zur Kombination

deterministischer und probabilistischer Ansätze und

integrierter risikoorientierter Entscheidungsfindung

(IRIDM) bei der Untersuchung von Ereignissen und

der Entscheidungsfindung für Kernreaktoren vorgestellt.

Die Bedeutung der kombinierten Ansätze

für eine umfassendere integrierte risikoorientierte

Entscheidungsfindung wird dargestellt. Durch die

Kombination beider Ansätze und den Einsatz von

IRIDM kann die Analyse von Nuklearunfällen angepasster

durchgeführt werden und es ist möglich,

Störfallszenarien mit hoher Genauigkeit abzuwägen.

Im Allgemeinen kann der IRIDM-Ansatz zum

Nachweis der Sicherheit von Kernreaktoren aller Art

verwendet werden.

Angewandte Zuverlässigkeitsbewertung

für passive Sicherheitssysteme von

Kernkraftwerken (KKW) unter Verwendung

von Systemdynamik (SD)

Yun Il Kim und Tae Ho Woo | Seite 158

Ein passives auf der Schwerkraft basierendes Sicherheitssystem

wird für Unfallszenarien von Kernkraftwerken

untersucht. Der komplexe Algorithmus der

Modellierung der Systemdynamik (SD) erfolgt im

passiven Kühlsystem. Die Eignung des Passivsystems

wird erfolgreich für den Verlust von Kühlmittelunfällen

(LOCA) modelliert. Konventionelle passive

System oder natürliche Zirkulation sind nur dann

zuverlässig, wenn die Rohrleitungssysteme in gutem

Zustand sind. Das externe Kühlmittelversorgungssystem

wird bei Ausfall des Rohrleitungssystems

aktiviert. Das Wasser wird in den Reaktor eingespeist.

Untersuchungen zum Geometrieeinfluss

von Hartmetalllamellen beim Betonfräsen

Simone Müller und Sascha Gentes | Seite 163

Die Minimierung kontaminierter Abfälle ist bei

Rückbauvorhaben im kerntechnischen Bereich von

höchster Priorität. Im Bereich der Gebäudedekontamination

ist hierbei eine effiziente Bearbeitung

aller betroffenen Betondecken, -wände und -böden

unerlässlich und führt schnell zu einer zu bearbeitenden

Fläche von mehreren tausend Quadratmetern.

Die Dekontamination erfolgt überwiegend

durch den Einsatz von Fräsen, z.B. Bodenfräsen. Im

Rahmen eines Forschungsprojektes (BMWI, ZIM,

Förderkennzeichen: KF2286004LL3) untersuchten

die Projektpartner Karlsruher Institut für Technologie

(KIT) und die Contec Maschinenbau &

Entwicklungstechnik GmbH (Alsdorf/Sieg) den

Geometrieeinfluss der Abtragswerkzeuge auf den

Betonabtrag. Dieser Artikel zeigt Ergebnisse aus

dem am Institut für Technologie und Management

im Baubetrieb (TMB) des KIT, Abteilung Rückbau

konventioneller und kerntechnischer Bauwerke

durchgeführten Versuchsprogramms.

Die Technologie der TVHTR-Kernkraftwerke

mit Kieselstein-Brennelementen

Urban Cleve | Seite 168

Die deutsche Entwicklung der HTR-Kraftwerke

wurde in erster Linie durch die Ideen von Prof. Dr.

R. Schulten initiiert. Er entwickelte diese Technologie

in den 1950er Jahrenbei Brown Boveri

beschäftigt war. Zwei HTR-Kernkraftwerke wurden

in Deutschland gebaut, in Betrieb genommen und

erfolgreich betrieben: Der AVR in Jülich und der

THRT-300 in Hamm-Schmehausen. HTR-Anlagen

sind geeignet, Energie für Meerwasserentsalzungsanlagen

bereit zu stellen, die mit dem Destillationsverfahren

oder als MSF (Multi-Stage-Flash)-Anlage

ausgeführt sind. Zusätzlich ist z.B. die Mitnutzung

von Solaranlagen möglich.

Zur Rationalität des

Deutschen Kernenergieausstieges

Wolfgang Stoll | Seite 178

Unsere Befindlichkeit erscheint dann im Gleichgewicht,

wenn sie sich zwischen Chance und Risiko

einpendelt. Dabei ist das Verhältnis zwischen individuellen

Glückserwartungen und ertragenem Risiko

je nach dem Gemütszustand des Einzelnen sehr verschieden.

Es liegt in unserem Selbstverständnis,

dass überschaubare individuelle Risiken eher eingegangen

werden als von außen unsteuerbar aufgezwungene.

Die Kernenergiegegner operieren zur

allgemeinen Angstmache geschickt mit dieser

Begriffsüberdehnung. Das Problem ist aber von

ganz allgemeiner Natur. Klassische wissenschaftliche

Erkenntnisse kommen überwiegend aus dem

Bereich der sehr hohen Wahrscheinlichkeit, die wir

vereinfacht als kausale Verknüpfung von Ursache

und Wirkung kennzeichnen. Ganz allgemein wird

aber im Vordringen unseren Wissens in immer

kompliziertere Zusammenhänge bis in das so

genannte statistische „Rauschen“ der Zusammenhang

von Ursache und Wirkung immer weniger

eindeutig. Diese Unschärfe eröffnet einen großen

Ermessensspielraum.

Kernkraftwerke: 2017 atw Kompaktstatistik

Editorial | Seite 182

Ende 2017 waren Kernkraftwerke in 31 Ländern

weltweit in Betrieb. Zum Stichtag waren 448 Kernkraftwerke

in Betrieb. Die Zahl hat sich im Vergleich

zum Vorjahresstichtag um 2 Blöcke verringert.

3 Kernkraftwerksblöcke haben den Betrieb aufgenommen,

5 Blöcke wurden stillgelegt. Die installierte

Kernkraftkapazität ist weiterhin auf sehr

hohem Niveau mit 420 GWe brutto. 56 Anlagen in

16 Ländern befanden sich in Bau. Darüber hinaus

befinden sich weltweit rund 125 Kernkraftwerksblöcke

in 25 Ländern in der Entwicklung.

Könnte unsere nukleare Vision von einem

Zauber der Tesla-Magie profitieren?

John Shepherd | Seite 202

Als ich diesem neuesten Artikel den letzten Schliff

gab, startete der US-Unternehmer und Chef des Tesla-Autoherstellers

Elon Musk erfolgreich eine neue

Rakete. Was hat das mit der Kernenergie zu tun?

Technologisch gesehen nichts. Aber denken Sie

über den Tellerrand hinaus – viele von Ihnen haben

in Corporate Management-Trainingskursen davon

erfahren haben. Die Antwort lautet:“Vision“. Die

Vision, kühn, gewagt und fantasievoll zu sein. Die

Vision, an die Technologie zu glauben und sich

nicht zu scheuen, auf den bisherigen Erfahrungen

und Kenntnissen aufzubauen, einschließlich der

Misserfolge, wenn die nächsten Schritte nach vorn

gemacht werden.

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ABSTRACTS | GERMAN

Abstracts | German

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