atw 2018-04v6

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atw Vol. 63 (2018) | Issue 4 ı April

258

KTG INSIDE

mit der „Faszination Kerntechnik“. Unsere Mitglieder, das sind

aktive oder ehemalige Mitarbeiter bei den Betreibern, Herstellern,

Behörden und Gutachtern, der Lehre und der Forschung oder

Menschen in anderen Berufsgruppen, die die Kerntechnik spannend

finden und für die der Austausch in unserer (kerntechnischen)

Gesellschaft wichtig ist. Sie werden überrascht sein: Wenn Sie

nach „Faszination Kerntechnik“ googeln, ist der erste Treffer:

Faszination Kerntechnik |

Kerntechnische Gesellschaft e.V.

https://www.ktg.org/ktg/faszination-kerntechnik/

Darüber können wir uns freuen, darauf können wir stolz sein; in

puncto Kommunikation sind wir besser geworden, das zeigt auch

unsere neuer Internet-Auftritt. Wir Kerntechniker haben in Deutschland

– dem Land der Bedenkenträger – (eigentlich) häufig Grund zur

Freude:

• Die am Netz befindlichen deutschen Kernkraftwerke erzeugen im

sicheren Leistungsbetrieb umweltfreundlichen Strom, eine

Verantwortung, die wir bis zum letzten Tag des Jahres 2022 und

darüber hinaus haben.

• Der (leider größtenteils politische verordnete) Rückbau geht

voran: Im Februar dieses Jahres hat Unterweser als 5. Anlage

in der „Post-Fukushima-Ära“ die 1. Stilllegungs- und Abbaugenehmigung

erhalten.

• In vielen stillgelegten Anlagen wurden und werden die

abgebrannten Brennelemente aus den Lagerbecken in

Castoren geladen und in die standortnahen Zwischenlager

verbracht.

• Im letzten Jahr hat die Deutsche Rechtsprechung „ideologiefrei“

z. B. Urteile zur „Durchsetzung von Castor-Transporten auf dem

Neckar“ oder die „Nichtrechtmäßigkeit der Brennelement-Steuer“

verkündet.

• In unserem Nachbarland Schweiz darf das Kraftwerk Beznau den

Block 1 nach einer dreijährigen Betriebsunterbrechung wieder

in Betrieb nehmen. Der Betreiber Axpo konnte nachweisen, dass

die Einschlüsse im Stahl des Reaktordruckbehälters keinen

negativen Einfluss auf die Sicherheit haben. Die Schweizer

Gutachter und Behörden haben – ideologiefrei und gestützt auf

die Meinung internationaler Experten – die entsprechenden

technischen Nachweise geprüft und akzeptiert.

An diesen Entwicklungen haben auch Sie mit Ihren hervorragenden

kerntechnischen Kompetenzen beigetragen. Die deutschen Kerntechnikerinnen

und Kerntechniker verfügen über ein weltweit

anerkanntes und nachgefragtes Know-how, was wir in Deutschland

erhalten wollen, um unter anderem:

• den verbleibenden Leistungsbetrieb, den Nachbetrieb, die

Stilllegung und den Rückbau deutscher Anlagen sicherzustellen

und die Entsorgungsfrage nachhaltig zu lösen,

• das Exportgeschäft deutscher Anbieter und Dienstleister zu

sichern,

• nationale und internationale Sicherheitsbewertungen durchführen

zu können und

• auch in Zukunft den Beitrag deutscher Standards und Innovationen

zu internationalen Entwicklungen für neue Technologien

erhalten zu können.

Das ist – nach wie vor – die Perspektive, die ich als KTG-Vorstand

und Vorsitzender in die kerntechnische Gesellschaft einbringen

möchte. Die KTG muss als Verband der Beschäftigten der Kerntechnik

eine führende Rolle spielen, diesen Kompetenzerhalt zu

sichern. Neben wirtschaftlich erfolgreichen und weiterhin innovativen

Unternehmen brauchen wir auch eine leistungsfähige

wissenschaftliche Landschaft bei den Forschungseinrichtungen und

Universitäten. Dies alles kann bei einem absehbar schrumpfenden

Heimatmarkt durch Wachstum im Ausland gewährleistet werden,

das sowohl die wirtschaftliche Zukunft der Unternehmen als auch

die persönliche Perspektive der Kolleginnen und Kollegen unserer

Branche sichert.

Erwin Fischer

Dr.-Ing. (61), Rodenberg

Zur Person

Nach einer praktischen Ausbildung zum

Maschinenschlosser Studienabschlüsse im

zweiten Bildungsweg als Ingenieur (grad.)

für Maschinentechnik nach einem Fachhochschulstudium

und als Dipl.-Ing. für

Maschinenbau mit Vertiefungsrichtung Energie technik an der Ruhr-

Universität (RUB), Bochum. Promotion, ebenfalls an der RUB, am

Lehrstuhl für Reaktortechnik/Neue und Nukleare Energie systeme im

Fachgebiet Reaktortechnik 1991.

Zur Wahl als Schatzmeister

Seit meiner Promotion bin ich bei der PreussenElektra GmbH und

ihren Vorläuferunternehmen im Kernenergiebereich in der Nuklearen

Technik und dem Betrieb tätig. Meine Aufgaben bezogen sich auf

den Bau, Betrieb und Rückbau von Kernkraftwerken. Während

der nunmehr 27 Jahre Tätigkeit für PreussenElektra habe ich

Aufgaben in den Kernkraftwerken und der Zentralorganisation wahrgenommen.

Seit 2014 führe ich das Geschäftsführungsressort Technik

und Betrieb. Ich war 13 Jahre im KTA tätig und 5 Jahre Mitglied

der deutschen Reaktorsicherheitskommission. Seit 4 Jahren engagiere

ich mich als Governor bei der WANO – World Association for

Nuclear Operators – weltweit.

Während meines bisherigen beruflichen Werdegangs war und

ist der sichere, umweltverträgliche und wirtschaftliche Betrieb der

Kernkraftwerke mein prioritäres Anliegen. Die Kernkraft hat mich in

meinem ganzen Berufsleben fasziniert und die Faszination hält trotz

aller Rückschläge und der teilweise schwierigen Randbedingungen

für die Kernenergie in Deutschland an.

Seit 1991 bin ich Mitglied in der KTG und nunmehr schon seit

8 Jahren im Vorstand, jetzt als Schatzmeister. Ziel meiner erneuten

Kandidatur ist, die KTG als Interessengemeinschaft aller in der

Kerntechnik Tätigen und von ihr faszinierten Mitgliedern mit meinem

Wissen und meiner beruflichen Erfahrung zu unterstützen sowie die

Wissensübertragung und den Erfahrungsaustausch zu erhalten.

Wie politisch gewollt, sollten wir Kerntechniker den sicheren Betrieb

bis zum Laufzeitende und den Rückbau unserer Kernkraftwerke

in Deutschland mit Ehre abschließen. Kein Grund mit Blick auf das

Erreichte der letzten 50 Jahre nicht stolz sein zu dürfen!

Jörg Starflinger

Prof. Dr.-Ing. (51), Stuttgart

Zur Person

Nach dem Studium des Maschinenbaus an

der Ruhr-Universität Bochum (RUB) mit

Schwerpunkt Energietechnik Promotion

im Jahr 1997 am Lehrstuhl für Nukleare

und neue Energiesysteme der RUB, Prof.

Dr.-Ing. H. Unger. 1998 Wechsel als Nachwuchswissenschaftler zum

Forschungszentrum Karlsruhe, heute Karlsruhe Institut für Technologie.

Themenschwerpunkte: Wasserstofferzeugung bei schweren

Unfällen in Leichtwasserreaktoren und Kreislaufsimulation von

innovativen Reaktorkonzepten. 2006 Leiter der Gruppe „Kraftwerkstechnik“

am Institut für Kern- und Energietechnik (IKET), Prof. Dr.-Ing.

T. Schulenberg, in der innovative Kernkraftwerkskonzepte mit überkritischem

Wasser von mehreren Doktoranden untersucht wurden.

2010 Ruf an die Universität Stuttgart zum ordentlichen Professor des

Lehrstuhls für Kerntechnik und Reaktorsicherheit und Leiter des

Instituts für Kernenergetik und Energiesysteme (IKE). Neben der

Lehre im Bereich Kerntechnik Schwerpunkte in der Reaktorsicherheitsforschung,

z.B. in der Modellentwicklung zur Beschreibung der

späten Phase von Kernschmelzunfällen in Leichtwasserreaktoren

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