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goEast Katalog 2020

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A B C D E F G H I

J K L M N O P Q

R S T U V W X Y Z

Brecht machte daraus ein Drama, Schiller eine Tragödie, und

bei Heine war’s ein Gedicht. Wir machen daraus eine der besten

Tageszeitungen der Welt.

Kultur ist vielseitig – wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Allen Freunden von Film und Kino wünscht die F.A.Z. ein

spannendes 20. goEast Filmfestival 2020.

Kostenloses Probeabo:

0180 2 52 52*

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* 6 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkhöchstpreis 42 Cent pro Minute.

DEUTSCHES

FILMINSTITUT

FILMMUSEUM

WWW.DFF.FILM

DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

Schaumainkai 41 | 60596 Frankfurt am Main

ALLES IST FILM

EVERYTHING IS FILM


KATALOG 2020


für Frankfurt

und Rhein-Main

Botschaft der Republik Lettland

in der Bundesrepublik Deutschland

FÖRDERER

H

ADOLF

UND LUISA

HAEUSER-STIFTUNG FÜR

KUNST UND KULTURPFLEGE

SPONSOREN

Kaffee . Rösterei . Barista

MEDIENPARTNER

East European Film Bulletin

FILMNEWEUROPE.COM

D A S K U L T U R M A G A Z I N

PARTNER

Wiesbadener

Musik- & Kunstschule

2

Mäzen/innen: Nico Leschhorn, Veronika Sellner


INHALT /

CONTENT

Grußworte / Greetings 4

Einleitung / Introduction 10

goEast Team 12

goEast-Trailer 13

20 Jahre goEast / 20 Years of goEast 14

Dank / Thanks 22

WETTBEWERB / COMPETITION 24

Sprachkürzel / Language Abbreviations 25

Jury 26

FIPRESCI 28

Filme / Films 30

PANEUROPÄISCHES PICKNICK /

PAN-EUROPEAN PICNIC 64

Jury 66

RheinMain Kurzfilmpreis /

RheinMain Short Film Award 68

Fotoausstellung / Photo Exhibition #1m2 71

A Wall is a Screen 72

Memes aus Slawistan /

Memes from Slavistan 73

BIOSKOP / BIOSCOP 128

SPECIALS 136

Matinee 138

Archivpräsentation / Archive Presentation:

Dovzhenko Centre 139

Festivalkooperation / Festival Cooperation:

DokuBaku 140

Schools goEast 142

EAST-WEST TALENT LAB 74

Jury 76

OPEN FRAME AWARD 78

Jury 80

Projects 81

Index 150

Impressum und Veranstaltungsorte /

Imprint and Festival Locations 156

SYMPOSIUM 84

Einleitung / Introduction 85

Filme / Films 99

EUROPA, EUROPA 110

PORTRÄT / PORTRAIT RADU JUDE 116

Einleitung / Introduction 117

Filme / Films 122

GOEAST

ON DEMAND

Eine Vielzahl der Programmpunkte finden

in der Festivalwoche vom 5.-11. Mai 2020

online statt.

www.filmfestival-goeast.de

goEast ist ein Projekt des DFF – Deutsches

Filminstitut & Filmmuseum e.V. /

goEast is a project of DFF – Deutsches

Filminstitut & Filmmuseum e.V.

EIN PROJEKT DES

A large part of the programme will take place

online during the festival week from 5th to

11th May.

www.filmfestival-goeast.de

3 CONTENT


4

HELEEN

GERRITSEN

FESTIVALLEITERIN

Am Anfang dieses Jahres

habe ich mich sehr auf das

runde Jubiläum von goEast

gefreut. Doch als sich ab Ende

Februar die Ereignisse um die

Covid-19-Pandemie zunehmend

überschlugen, fiel mir ein, dass

auch das zehnjährige Jubiläum

von goEast schon unter einem

eher unglücklichen Stern stand:

Damals hinderte der Ausbruch

des Vulkans Eyjafjallajökull in

Island viele Filmgäste daran

nach Wiesbaden zu reisen. Dank

der Improvisationskünste der

Gästebetreuung wurden aber

Lösungen gefunden und das

10. goEast Filmfestival fand

trotz allem in Wiesbaden statt.

2020 haben wir weniger Glück:

Während ich dieses Grußwort

schreibe sind die Grenzen zu,

in vielen Ländern weltweit

herrschen Ausgangssperren

und das gesamte goEast-Team

arbeitet aus dem Home-Office.

Öffentliche Veranstaltungen

werden im Mai 2020 nicht

stattfinden.

goEast steht für hochkarätige

Filmkunst, aber auch für

Zufallsbegegnungen mit

Menschen unterschiedlichsten

Hintergrunds, unterschiedlichster

Altersgruppen und

unterschiedlichster politischer

Ansichten. Im Kino und in der

Bar im Festivalzentrum wird

zusammen gelacht, gefeiert und

gestritten. Dass dieser Aspekt

ausgerechnet zur 20. Ausgabe

Covid-19 zum Opfer fällt, ist

schwer zu verkraften. Dazu

kommen diverse Hiobsbotschaften

von Kolleg/innen und

Freund/innen aus Mittel- und

Osteuropa: Das Kulturbudget

in Ukraine und somit auch die

Filmförderung wird auf Null

reduziert, das Staatsoberhaupt

von Turkmenistan behauptet, es

gäbe in seinem Land gar keinen

Coronavirus und Viktor Orban

ändert das ungarische Grundgesetz,

um auf unbestimmte Zeit

per Dekret zu regieren.

Unser goEast-Jubiläumsfilmprogramm

heißt „Europa

Europa“, da wir auch schon vor

der Pandemie das Europäische

Haus bekräftigen und feiern

wollten. Es ist jetzt unserer

Meinung nach aktueller denn

je, auch wenn man sich oft

mehr gemeinsamen Elan aller

Beteiligten erhoffen würde. Die

Filme des Programms, die sich

kritisch mit diversen Aspekten

des europäischen Daseins

auseinandersetzen, stehen

während der Festivalwoche

allesamt als Video-on-Demand

zur Verfügung und werden von

einem Online-Diskussionspanel

“What Would We Do Without

Europe?” begleitet.

Von Anfang an war uns klar, dass

goEast aber kein Online-Festival

wird. Filmkunst gehört auf die

große Leinwand! Deshalb haben

wir uns sehr gefreut, als vom

Wiesbadener exground filmfest

eine Handreichung kam und

uns spontan eine Partnerschaft

vorgeschlagen wurde: Die 16

Filme des Wettbewerbs und

der Eröffnungsfilm werden

im November in Anwesenheit

der Filmgäste in der Caligari

Filmbühne vorgeführt. Und um

unserem Anspruch der Unterstützung

der osteuropäischen

Filmbranche gerecht zu werden,

kam von Programmkoordinator

Dominik Streib der Vorschlag,

das Preisgeld der beiden

Hauptwettbewerbe unter den

Filmschaffenden einfach

aufzuteilen. Gesagt, getan! Wir

danken unseren Förderern, die

diese Entscheidung mitgetragen

haben.

Was steht noch auf dem

Programm? Wenn im restlichen

Jahr keine Katastrophen mehr

passieren, werden circa 80 von

den ursprünglich 111 geplanten

Filmen unserem Publikum

gezeigt. Das Symposium und das

Porträt von Radu Jude werden

auf Ende Juli verschoben. Das

Paneuropäische Picknick findet

im August statt. Der Open Frame

Award findet zum ersten Mal

komplett virtuell statt und wird

online übertragen. Das East-West

Talent Lab für unsere Nachwuchsfilmemacher/innen

wird

komplett online stattfinden,

inklusive Project Pitch.

Mittel- und Osteuropa sind

krisenerprobt: Die Umbruchszeit

der neunziger Jahre, die auch

im Mittelpunkt des diesjährigen

Symposiums steht, beweist

das eindrücklich. Nur ein

Beispiel: Das Filmfestival in

Sarajevo wurde während des

Bürgerkriegs gegründet und

während die Stadt beschossen

wurde gingen die Menschen auf

Rockkonzerte. Der postsozialistische

Raum wird von Überlebenskünstler/innen

bewohnt.

Das heißt aber nicht, dass wir

unsere Kolleg/innen dort jetzt

alleine lassen dürfen. goEast

bietet, zusätzlich zum regulären

Programm aus erstklassiger

Filmkunst, in diesem bizarren

Jubiläumsjahr den Sorgen und

aktuellen Entwicklungen in

unserer Schwerpunktregion

eine Plattform. Und hoffentlich

treffen wir uns bald wieder

persönlich in Wiesbaden.


From the private archive: festival director

Heleen Gerritsen 20 years ago, on May 6th

2000 in Moscow.

HELEEN

GERRITSEN

FESTIVAL DIRECTOR

As the year began, I was really

looking forward to goEast’s

milestone anniversary. Alas,

when events surrounding Covid-

19 began to snowball rapidly

from late February, it occurred

to me that the tenth anniversary

of goEast had also been rather

ill-fated: back then the eruption

of Iceland’s Eyjafjallajökull

volcano prevented many of our

film guests from travelling to

Wiesbaden. However, thanks to

the improvisational gifts of our

guest management staff at the

time, solutions were found and

the 10th edition of goEast Film

Festival took place in Wiesbaden

in spite of everything. In 2020,

we are less fortunate: while I

sit here writing these words of

welcome, the borders are closed,

there are curfews in effect in

many countries around the

world and the entire goEast team

is working from home. Public

events will not take place in May

2020.

goEast stands for high-calibre

cinematic art, but also for

chance encounters with

individuals from a vast variety

of backgrounds, age groups and

political views. In the cinema

and at the Festival Center bar, we

laugh, celebrate and argue with

one another. The fact that this

aspect of the week-long event has

now fallen victim to Covid-19 in

the festival’s 20th anniversary

year, is hard to bear. On top of

that, there is dramatic news

reaching us from colleagues and

friends in Central and Eastern

Europe: the cultural budget in

Ukraine (including film funding)

has been reduced to zero,

Turkmenistan’s head of state

is claiming that coronavirus

doesn’t exist at all in his country

and Viktor Orban has had the

Hungarian constitution amended

to allow him to rule indefinitely

by decree.

Our goEast anniversary

programme is entitled “Europa

Europa”, since we had also

already intended to strengthen

and celebrate our shared “house

of Europe” before the pandemic

erupted. In our opinion, this

notion is now timelier than ever,

even if one would often love to

see greater élan on the part of

all involved. The films of the

programme that deal critically

with diverse aspects of European

existence will all be available

during the festival week as

video-on-demand and will also

be accompanied by an online

panel discussion with the title

“What Would We Do Without

Europe?”.

However, from the start it was

clear to us that goEast would

not become a purely online

festival. Cinematic art belongs

on the big screen! Thus, we were

absolutely delighted when our

friends at Wiesbaden’s exground

filmfest extended a helping hand

and spontaneously offered to

partner with us this year: the

16 films of the Competition and

our planned opening film will be

screened in November with film

guests in attendance at Caligari

Filmbühne. Furthermore, in

order to do justice to our aim of

supporting the Eastern European

film industry, our programme

coordinator Dominik Streib

came up with the proposal that

the prize money in the two

main competitions simply be

divided up equally among the

filmmakers. No sooner said than

done! We would like to thank our

funders, who generously gave

their blessings to this decision

as well.

What else is on the programme?

Provided there aren’t any

more catastrophes in store for

the rest of the year, around

80 of the originally planned

111 films will be shown to our

audience. The Symposium and

the Portrait of Radu Jude have

been rescheduled for late July.

The Pan-European Picnic will

take place in August. The Open

Frame Award will take place

100% virtually for the first time

and will be broadcast online.

The East-West Talent Lab for our

emerging filmmakers will take

place entirely online, including

the Project Pitching Session.

Central and Eastern Europe have

weathered their share of crises:

the transitional period of the

1990s, which also stands at the

centre of this year’s Symposium,

is an impressive testament to

this ability. Just one example:

the film festival in Sarajevo

was founded during the civil

war and people went to rock

concerts while the besieged

city was being bombarded. The

post-socialist space is inhabited

by survival artists. Still, that

doesn’t mean that we can just

leave our colleagues there to

fend for themselves. In addition

to our regular program of

first-class cinematic art, in this

bizarre anniversary year goEast

will provide a platform for the

concerns and current developments

in our region of focus. And

hopefully we will meet again

soon in person, in Wiesbaden.

5 INTRODUCTION


6

Sämtliche der nachfolgenden Grußworte wurden

vor den jüngeren Entwicklungen um die Covid-

19-Situation geschrieben.

All of the following words of welcome were

written before the recent developments in the

Covid-19 situation.

STAATSMINISTER A. D.

PROF. DR. H. C.

BERND NEUMANN

GOEAST-SCHIRMHERR

Zum 20. Mal blicken wir

in diesem Jahr nach Osten:

Deutschlandpremieren von

bedeutenden aktuellen Filmen

aus Mittel- und Osteuropa im

Wettbewerb – und in der Sektion

Bioskop ein buntes Programm

aus Festival-Hits und besonderen

filmischen Werken, die viele

Facetten des Filmschaffens jener

mehr als 30 Länder zeigen, die

vor knapp 30 Jahren durch den

Eisernen Vorhang brutal von

„unserem“ Teil der Welt getrennt

waren. Damals konzipierte das

DFF – Deutsches Filminstitut &

Filmmuseum osteuropäische

Filmwochen und schickte sie

auf Tournee durch die Bundesrepublik,

um so Einblicke in die

weithin unbekannte Filmlandschaft

des Ostblocks zu geben.

Daraus ist goEast – Festival des

mittel- und osteuropäischen

Films geworden, wo das reine

Filmprogramm aber längst

durch Workshops, Präsentationen

und andere Aktivitäten

ergänzt wurde. Eine davon ist

das Symposium, das sich in

diesem Jahr unter dem Titel

„Filmerbe der Umbruchszeit“

mit dem Filmschaffen in der

Zeit zwischen 1985 und der

Jahrtausendwende in Mittel- und

Osteuropa befasst. Die radikalen

politischen Verwerfungen

beendeten die staatlich gesteuerte

und damit auch gesichert

finanzierte Filmproduktion,

beendet waren aber auch Zensur

und ideologische Gängelung.

Auf der Strecke zu bleiben droht

nun aber das Filmerbe dieser

Zeit, da Förderprogramme zur

Restaurierung und Digitalisierung,

wie wir sie zum Beispiel

in Deutschland, Frankreich

oder Großbritannien haben,

dort fehlen. Darum geht es

beim Symposium in Vorträgen

und Panels, daneben gibt es ein

umfassendes Filmprogramm aus

Kurz- und Langfilmen, das diese

spannende Zeit zurück auf die

Leinwand holt.

Ich wünsche den Besucherinnen

und Besuchern, den Filmschaffenden

und Kinobegeisterten

aus Ost-, Mittel- und natürlich

auch Westeuropa großartige

Filme, inspirierende Begegnungen,

neue Einsichten – und

überhaupt ein wunderbares 20.

goEast – Festival des mittel- und

osteuropäischen Films!

FORMER MINISTER OF STATE

GOEAST PATRON

For the 20th time, we look to

the East again this year: for

German premieres of significant

contemporary films from

Central and Eastern Europe in

the Competition – and in the

Bioscop section for a vibrant

programme of festival hits and

special cinematic works that

showcase the many facets of

filmmaking of these more than

30 countries, which were still

brutally separated from “our”

part of the world by the Iron

Curtain just about 30 years ago.

Back then, DFF – Deutsches

Filminstitut & Filmmuseum

came up with the concept for the

Eastern European Film Weeks

and toured the event throughout

the Federal Republic of Germany,

to provide insight into the

largely unknown film scenes of

the East Bloc. This evolved into

goEast – Festival of Central and

Eastern European Film, where

the initially exclusive film

programme has long since been

expanded to include workshops,

presentations and other

activities.

© Bundesregierung/Kugler

One of these is the Symposium,

which, under the title “Film

Heritage in Transition” this year,

aims to examine filmmaking in

Central and Eastern Europe in

the period between 1985 and the

turn of the century. The radical

political upheavals brought

an end to state-run and thus

reliably funded film production,

while they also meant the end

of censorship and ideological

patronising. However, the film

heritage of this period is now

threatened with extinction,

since these regions lack funding

programmes for restoration and

digitisation akin to the ones

we have in Germany, France

or Great Britain for instance.

These are among the issues to

be discussed in the scope of

the Symposium in lectures and

panels, alongside an extensive

film programme with short and

feature-length films that will

bring this exciting era back to

the big screen.

I would like to wish all attendees,

film guests and cinema fans

from Eastern, Central and

of course Western Europe

extraordinary film experiences,

inspiring encounters, new

insights – and in general a

wonderful 20th edition of goEast

– Festival of Central and Eastern

European Film!


HESSIAN STATE MINISTER FOR HIGHER

EDUCATION, RESEARCH AND THE ARTS

ANGELA DORN

HESSISCHE MINISTERIN FÜR

WISSENSCHAFT UND KUNST

Congratulations on 20 years of

festival history! Over the past

two decades, goEast has developed

into the Hessian hotspot

for showcasing the full artistic

range of the cinema scene in

Central and Eastern Europe

and become an important part

of the diverse Hessian festival

landscape.

Herzlichen Glückwunsch zu 20

Jahren Festivalgeschichte! In den

vergangenen zwei Jahrzehnten

hat sich goEast zum hessischen

Hotspot für die künstlerische

Vielfalt des Filmschaffens in

Mittel- und Osteuropa entwickelt

und ist ein wichtiger Teil der

vielfältigen hessischen Festivallandschaft

geworden.

Dieses Jahr widmet sich das

goEast Festival zum Beispiel

einem Thema, das nicht oft

beleuchtet wird: Der Fall der

Berliner Mauer 1989 und der

Zusammenbruch der Sowjetunion

bedeuteten auch für die

Filmschaffenden zwischen

Leipzig und Wladiwostok

einen Systemwechsel. Es gab

Massenentlassungen, aber

auch plötzliche künstlerische

Freiheit und Gelegenheit für

Experimente. Das hochspannende

filmische Erbe dieser

Zeit steht im Mittelpunkt eines

Symposiums mit internationalen

Filmwissenschaftlerinnen und

-wissenschaftlern, Kulturtätigen,

Filmemacherinnen und

Filmemachern.

Genauso wendet das Festival

seinen Blick auch auf unsere

gesellschaftliche Gegenwart

und die Zukunft des Films.

Junge Filmschaffende aus allen

Ecken Mittel- und Osteuropas

kommen in der Festivalwoche

in Wiesbaden für Vorträge,

Diskussionen und Workshops

zusammen. Wer die Jury bei

einem Pitch überzeugt, hat

unter anderem die Chance auf

ein Recherchestipendium für

Dokumentarfilmprojekte, die

sich mit den Menschenrechten

beschäftigen.

Auch Kinder und Jugendliche

nimmt das Festival ernst: In

diesem Jahr gibt es Schools

goEast für Klassen inklusive

Diskussionen mit den Filmemacherinnen

und -machern. Damit

leistet das Festival einen Beitrag

zur Medien- und Filmbildung

und gewinnt junge Menschen für

das Kino.

Allen Gästen sowie Filmfreundinnen

und Filmfreunden

wünsche ich spannende und

inspirierende Festivaltage.

Willkommen in Hessen!

This year for instance, goEast

Film Festival is devoting its

attention to a topic that is largely

relegated to the shadows. The

fall of the Berlin Wall in 1989

and the collapse of the Soviet

Union also represented a

systemic change for filmmakers

from Leipzig to Vladivostok.

There were mass lay-offs, but

also the sudden possibility for

creative freedom and opportunities

to experiment. The highly

exciting cinematic legacy of this

period is the focus of a symposium

featuring international

film scholars and researchers,

representatives from cultural

fields and filmmakers.

The festival devotes equal

attention to our societal present

and the future of film. During

the festival week, young filmmakers

from all over Central and

Eastern Europe come together

in Wiesbaden for lectures,

discussions and workshops.

There’s even a research grant up

for grabs for documentary film

projects focussing on human

rights issues, to be awarded by a

jury following a public pitching

session. The festival also takes

children and young individuals

seriously: this year classes can

take part in Schools goEast,

including discussions with the

featured filmmakers. Through

these efforts, the festival also

plays a constructive role in

media and film education, while

winning a young audience over

for the world of cinema.

I would like to wish all our

festival guests and film friends

exciting and inspiring festival

days. Welcome to Hesse!

7 GREETINGS


AXEL IMHOLZ

KULTURDEZERNENT DER

LANDESHAUPTSTADT WIESBADEN

Zum 20-jährigen Bestehen

von goEast gratuliere ich dem

DFF – Deutsches Filminstitut

& Filmmuseum sehr herzlich.

Es ist fantastisch, dass ein so

herausragendes Festival in der

Caligari FilmBühne hier in

Wiesbaden beheimatet ist.

Über den neu eingeführten

Publikumspreis in diesem Jahr

freue ich mich sehr. Durch

diesen erhält das Publikum

nun auch eine Stimme bei der

Preisvergabe.

Neben dem erfolgreichen

Paneuropäischen Picknick, das

nun in die zweite Runde geht,

macht goEast mit einem weiteren

Programmpunkt im öffentlichen

Raum, dem neuen Kurzfilmspaziergang

in Wiesbaden-Klarenthal,

auch Nicht-Cineasten auf

das Festival aufmerksam.

Im goEast Porträt ist mit Radu

Jude in diesem Jahr einer der

wichtigsten rumänischen

Regisseure der Gegenwart

zu Gast in Wiesbaden. Sein

filmisches Werk, in dem er auch

immer wieder Stilmittel des

Theaters nutzt, ist von hoher

gesellschaftlicher und politischer

Relevanz. Radu Jude wird

während seines Festivalbesuchs

auch an einer Veranstaltung der

Internationalen Maifestspiele

teilnehmen. Auf diese Weise hat

sich eine wunderbare Kooperation

zwischen dem Staatstheater

Wiesbaden und dem Festival

ergeben.

Das vielfältige Rahmenprogramm

und die besonderen

Filme im Wettbewerb und den

weiteren Sektionen, in denen

sich goEast auch für Filmkunst

und Filmerbe einsetzt, machen

das Festival einmalig. Heleen

Gerritsen und ihr engagiertes

Festivalteam bieten in diesem

Jahr wieder ein interessantes,

anspruchsvolles Programm

mit hochkarätigen Filmgästen,

aktuellen Filmen, Diskussionen

und vielem mehr und laden

Filmschaffende, Festivalgäste

aus Ost und West und das

Wiesbadener Publikum ein,

miteinander ins Gespräch zu

kommen.

Ihnen, liebe Festivalbesucherinnen

und -besucher, wünsche

ich eine anregende Zeit mit

vielen interessanten Filmen und

Begegnungen.

HEAD OF THE DEPARTMENT OF CULTURAL

AFFAIRS OF THE STATE CAPITAL WIESBADEN

I would like to offer my

warm congratulations to

DFF – Deutsches Filminstitut &

Filmmuseum for twenty successful

years of goEast Film Festival.

It is fantastic that Wiesbaden’s

Caligari FilmBühne is home to

such a brilliant festival.

I am delighted to see the

introduction of the new audience

award this year. This now gives

the audience a voice too when it

comes to selecting prize winners.

In addition to the successful

Pan-European Picnic, which is

celebrating its second edition,

goEast is also drawing the

attention of non-cinephiles

to the festival with a further

programme point in public

space, the new short film walk in

Wiesbaden-Klarenthal.

This year’s goEast Portrait is

devoted to Radu Jude, one of

the most significant Romanian

directors of the present era,

who will be in Wiesbaden for

the festival. Jude’s cinematic

work, in which he has repeatedly

made use of the stylistic means

of theatre, is of vital social and

political relevance. During his

festival stay, Radu Jude will also

take part in an event for the

International May Festival. This

represents a wonderful collaboration

between Wiesbaden’s

Staatstheater and the festival.

The multi-faceted supporting

programme and the special films

in the Competition and further

sections, in which goEast also

shows a deep commitment to

cinematic art and heritage, make

the festival a one-of-a-kind

event. Heleen Gerritsen and

her dedicated festival team are

once again this year offering

an interesting, sophisticated

programme with high-calibre

film guests, contemporary

productions, discussions and

much more, while inviting

filmmakers, festival guests

from East and West and the

Wiesbaden audience to enter into

dialogue with one another.

I would like to wish you, dear

festival attendees, an exciting

time with many interesting films

and encounters.

8


osteuropäischer Lebenskultur

in der Rhein-Main-Region wird

so vom Festival bewusst in

besondere Veranstaltungen

kanalisiert.

KARIN WOLF

GESCHÄFTSFÜHRERIN DES KULTURFONDS

FRANKFURT RHEINMAIN

Nach einem erfolgreichen

Start in der zurückliegenden

Festivalausgabe geht 2020 das

Paneuropäische Picknick bei

goEast in die zweite Runde. Mit

der umfangreichen Veranstaltungsreihe

tritt das Festival der

Bevölkerung des Rhein-Main-Gebietes

insbesondere an Orten des

öffentlichen Lebens entgegen.

Namensgeber und spiritueller

Pate des Programms ist das

Paneuropäische Picknick in

Sopron, das 1989 als Kunstaktion

den Eisernen Vorhang für einige

hundert DDR-Bürger anhob und

damit ein historischer Zwischenschritt

für das Zusammenwachsen

Europas wurde.

goEast steht für Verständnis

und für die Faszination für den

Lebensstil und die Kunst unserer

östlichen Nachbarn. Dieser

kulturelle Aspekt ist dieser Tage

auch ein explizites Politikum.

Denn nationalistische Tendenzen

versuchen, das europäische

Gemeinschaftsgefühl auf dem

Kontinent zu untergraben.

Das Paneuropäische Picknick

führt zusammen, sei es im

Sprachkurs, in Ausstellungen,

beim Filmspaziergang des

Kunstkollektivs „A Wall is a

Screen“ in Wiesbaden-Klarenthal

oder beim gemeinsamen

Picknick. Das große Potential

Dass wir in diesem Rahmen

auch im zweiten Jahr einen

Kurzfilmpreis stiften können,

freut uns ungemein. Denn so

bietet goEast nicht nur einer

spannenden filmischen Gattung

Raum, sondern liefert einen

zusätzlichen Beitrag in seinen

Anstrengungen, gerade junge

Filmschaffende der Region zu

fördern und zu vernetzen. In

Zusammenarbeit mit regionalen

Programmkinos geht das

Kurzfilmprogramm nach dem

Festival auf Tour durch das

Rhein-Main-Gebiet.

Als langjähriger Unterstützer

des Festivals freut sich der

Kulturfonds auf die 20. Ausgabe

von goEast und wünscht dem

Publikum sowie dem Team ein

spannendes und erfolgreiches

Jubiläum.

MANAGING DIRECTOR OF KULTURFONDS

FRANKFURT RHEINMAIN

After a successful launch during

last year’s festival, the Pan-

European Picnic returns in 2020

for its second edition at goEast.

With this extensive series of

events, the festival reaches

out to the inhabitants of the

Rhine-Main region, especially

in places associated with public

life. The namesake and “patron

saint” of the programme is the

Pan-European Picnic held in

Sopron, an artistic intervention

in 1989 that raised the Iron

Curtain for several hundred East

German citizens, thus marking

a historical step on the path to

creating a unified Europe.

© Kulturfonds Frankfurt RheinMain

goEast stands for understanding

and for a fascination with the

lifestyle and the art of our

neighbours to the East. These

days, this cultural aspect is also

an explicit political stance, as

nationalist currents attempt

to undermine the sense of

European solidarity across the

continent.

The Pan-European Picnic brings

people together, whether in a

language course, in exhibitions,

for the film walk of the artist

collective “A Wall is a Screen”

in Wiesbaden-Klarenthal or

for the communal picnic. In so

doing, the festival manages to

consciously channel the great

potential of Eastern European

lifestyle culture in the Rhine-

Main region into extra special

events.

We are incredibly happy to have

the opportunity to sponsor a

short film award once more

in this second year. goEast not

only provides a platform for an

exciting cinematic format here

– the competition also represents

an additional contribution to its

efforts to foster and connect the

region’s young filmmakers in

particular. In co-operation with

regional independent cinemas,

the short film programme will

go on a tour of the Rhine-Main

region following the festival’s

conclusion.

As a long-time supporter of the

festival, Kulturfonds is looking

forward to the 20th edition of

goEast and wishes the audience

and the team an exciting and

successful jubilee year.

9 GREETINGS


STEFAN MUMME

GESCHÄFTSFÜHRER DER BHF BANK STIFTUNG

Das Anliegen des goEast

Filmfestival ist es, eine

grenzüberschreitende Plattform

für den Film aus Mittel- und

Osteuropa zu schaffen. Um

eine zeitgemäße und lebendige

Plattform bleiben zu können,

nimmt das Festival regelmäßig

neue Formate in sein Programm

auf, wenn diese für die künstlerische

und inhaltliche Auseinandersetzung

in der Filmkunst

an Bedeutung gewonnen haben.

Eine dieser Veränderungen war

vor zwei Jahren die Umwidmung

des Open Frame Awards für

Virtual-Reality- und 360°-Werke.

Für die BHF BANK Stiftung und

die mit ihr gemeinsam fördernde

Adolf und Luisa Haeuser Stiftung

für Kunst und Kulturpflege ist

dieses Format eine spannende

Entwicklung. Der Open Frame

Award ist mit 5.000 Euro der am

höchsten dotierte Wettbewerb

für Virtual-Reality-Formate in

Europa und richtet sich nicht

nur explizit an den filmischen

Nachwuchs, den die beiden

Stiftungen unterstützen wollen,

sondern fordert zudem die

Kreativen heraus, ihre Themen

eindrucksvoll mit der neuesten

Medientechnik zu erzählen.

Beide Stiftungen unterstützen

also zugleich das Experiment,

den nicht abgesicherten Versuch,

neue Wege und Sichtweisen zu

erproben. Auch dies entspricht

dem gemeinnützigen Auftrag der

kunstfördernden Stiftungen.

Bereits nach den zwei bisherigen

Ausgaben des Open Frame

Awards mit Virtual Reality und

360°-Werken lässt sich allerdings

feststellen, dass dieses Format

kein Wagnis mehr ist, denn

längst hat es sich erfolgreich

etabliert. Die Ausstellung der

Wettbewerbsbeiträge bei goEast

2019 hat über 4000 Besucher/

innen angezogen. Zudem wurden

für den diesjährigen Open

Frame Award ca. 500 Projekte

für den Wettbewerb eingereicht,

was eindrucksvoll zeigt, welche

große Resonanz dieser Preis in

der Filmbranche gefunden hat.

Den jungen Filmemacher/innen,

den Organisator/innen

von goEast und dem Publikum

in Wiesbaden und Frankfurt

wünschen wir deshalb viele

spannende Filmerlebnisse,

anregende Diskussionen und

erfolgreiche Festivaltage.

MANAGING DIRECTOR OF BHF BANK

FOUNDATION

The mission of goEast Film Festival

is to create a boundary-crossing

platform for cinema from

Central and Eastern Europe. In

order to remain a contemporary

and vital platform, the festival

has regularly incorporated new

formats into its programme as

they have grown in significance

for artistic and thematic

exploration in the cinematic

arts. One of these changes was

the re-conception of the Open

Frame Award two years ago as

a space for Virtual Reality and

360° works.

For the BHF BANK Foundation

and our funding partner the

Adolf und Luisa Haeuser Stiftung

für Kunst und Kulturpflege, this

format represents an exciting

development. With its 5.000 euro

prize, the Open Frame Award is

the most generously endowed

competition for virtual reality

formats in Europe. In addition,

not only is it explicitly addressed

to emerging film artists, whom

the two foundations wish to

support – it also challenges

these creatives to convey their

subject matter in an impressive

manner using the newest

media technology. Thus, both

foundations are at the same time

supporting them in exploring

experimentation, trials without

a safety net, and new paths

and perspectives. This is also

a good fit with the charitable

mission of these art-supporting

foundations.

After the successful realisation

of the two previous editions of

the Open Frame Award featuring

Virtual Reality and 360° works,

we can already attest that this

format is not a daring gamble

any longer, for it has long since

established itself. The exhibition

of the entries to the competition

at goEast 2019 attracted over

4000 visitors. In addition,

around 500 projects were

submitted to the competition for

this year’s Open Frame Award,

an impressive testament to the

great resonance that this prize

has experienced in the film

industry.

For these reasons, we would like

to wish the young filmmakers,

the organisers at goEast and

the audience many exciting

film experiences, stimulating

discussions and a successful

festival week.

10


ELLEN M.

HARRINGTON

DIREKTORIN DFF – DEUTSCHES FILMINSTITUT &

FILMMUSEUM

Willkommen zur Jubiläumsausgabe

von goEast! Es ist

ein Privileg, diesen wichtigen

Meilenstein mit unserem treuen

Publikum und Freund/innen

der Filmgemeinde Deutschlands

und des „neuen Ostens“ zu

feiern. Dieses Jahr haben wir

die einzigartige Gelegenheit,

auf die Geschichte des Festivals

und seine Ursprünge im DFF,

das selbst unlängst seinen 70.

Geburtstag feierte, zurückzuschauen.

Zunächst haben wir einige

Neuerungen im Gepäck; unsere

erfolgreiche Crowdfunding

Kampagne zeugt von der

großen Unterstützung der

goEast-Gemeinde und ermöglicht

uns einen speziellen Publikumspreis

zu etablieren, alle

Wettbewerbs-Filme deutsch zu

untertiteln sowie nachhaltigere

Reiseoptionen für unsere

Filmgäste zu wählen.

Im internationalen Wettbewerb

präsentieren wir wieder viele

Deutschlandpremieren, die

unter den 16 Spiel- und Dokumentarfilmen

um die Preise für

den Besten Film, die beste Regie

und für Kulturelle Vielfalt, sowie

zudem um zwei FIPRESCI-Preise

konkurrieren. Neben ihrem

Screening in Wiesbaden sind die

Wettbewerbsfilme auch im Kino

des DFF in Frankfurt zu sehen.

Das DFF ist eine Institution, die

Filmkultur weltweit erhält und

präsentiert. Unsere Archivvorführungen

spielen dabei eine

bedeutende Rolle und enthüllen

häufig verborgene Perlen sowie

schwer auffindbare Klassiker.

Dieses Jahr präsentiert das

Dovzhenko Centre einen Film

aus seiner Sammlung, und die

Screenings des Symposiums

„Filmerbe der Umbruchszeit”

offenbaren die aufregende Welt

einer sich schnell verändernden

und faszinierenden Zeitspanne

im mittel- und osteuropäischen

Film.

Auf den Zeitraum des Wandels

zwischen 1985 und der

Jahrtausendwende blickend,

untersucht das Symposium die

widersprüchlichen Resultate der

sich verändernden politischen

Situation in den Ländern

Mittel- und Osteuropas, die viele

etablierte Institutionen destabilisierte

und verschwinden ließ.

Die Errungenschaft erhöhter

kreativer Freiräume ging einher

mit dem Verfall bestehender

Filmfinanzierungsstrukturen

und Filmerbe-Institutionen.

Ich hoffe, dass all das Sie

fasziniert und freue mich

darauf, Sie bei dieser besonderen

Jubiläumsausgabe von goEast zu

sehen!

DIRECTOR DFF – DEUTSCHES FILMINSTITUT &

FILMMUSEUM

Welcome to the 20th Anniversary

of goEast! It’s a privilege

to celebrate such an important

milestone with our loyal audiences,

and with great friends

from the filmmaking community

throughout Germany and the

‘New East.’ This year presents

us with a unique opportunity

to look back at the history of the

festival, and its origins in the

DFF, which just celebrated its

own 70th birthday.

Looking forward, we have some

new innovations this year;

our successful crowdfunding

campaign showed the depth of

our support from our fans, and

will allow us to present a special

audience award, subtitle all

Competition films in German,

and provide more sustainable

travel for our VIP guests.

For the International Competition

we will again present many

German premieres, which will

be among the 16 fiction and

documentary films competing

for the Best Film, Best Director,

and Cultural Diversity awards,

as well as two FIPRESCI-Prizes.

In addition to their screening

in Wiesbaden, the competition

films will also be shown in the

Kino at DFF in Frankfurt.

The DFF is an institution that

preserves and presents film culture

globally, and our archival

showings play an important part

in this, often revealing hidden

gems and hard-to-see classics.

This year the Dovzhenko Centre

is presenting a film from its

collection, and screenings at

the Symposium “Film Heritage

in Transition” open up the

exciting world of a fast-changing

and fascinating time period in

Central and Eastern European

cinema.

Focussing on the transitional

timeframe between 1985 and

the Millenium, the Symposium

examines the contradictory

outcomes that arose when the

changing political situation

in the countries of Central

and Eastern Europe led to the

destabilization and disappearance

of many established

institutions. The achievement

of more creative freedoms must

be considered alongside the

decline of previously existing

film funding structures and film

preservation institutions.

I hope all of these topics sound

intriguing to you, and I look

forward to seeing you at this

special anniversary edition of

goEast!

11 GREETINGS


GOEAST

TEAM

12

Direktorin des DFF – Deutsches Filminstitut

& Filmmuseum / Director DFF – Deutsches

Filminstitut & Filmmuseum

Ellen M. Harrington

Festivalleitung & Künstlerische Leitung /

Festival Director & Artistic Director

Heleen Gerritsen

Leitung / Head of Festival Organisation &

Management

Jan Peschel

Programmkoordination / Programme

Coordination

Dominik Streib

Leitung Redaktion / Head of Editorial

Department

Tim Gieselmann

Leitung Presse / Head of Press

Roman Polanski

Leitung Gästebetreuung / Head of Guest Service

Mariora Bozhinova

Organisation & Marketing

Anouk Berning

Kuratorinnen und Leitung Symposium / Curators

and Heads of Symposium

Schamma Schahadat, Margarete Wach

Symposiumsassistentin / Symposium Assistant

Ansley Falk

Koordination / Coordination East-West

Talent Lab

Andrea Wink

Koordination Paneuropäisches Picknick /

Coordination Pan-European Picnic

Romain Thibaud-Rose

Kurator/innen Ausstellungen / Curators

Exhibitions

Vassilis Economou, Anastasiia Melai, Vladan

Petković

Kurator / Curator Open Frame Award

Georgy Molodtsov

Controlling

Claus Wiedemann, Birgit Wickenhäuser, Helen

Kahsai

Kino / Cinema Management

Andreas Heidenreich, Natascha Gikas

Website

Jan Peschel (Redaktion), Andrea Dittler

(Programmierung), Dominik Streib

Social Media

Wiebke Brand, Roman Polanski

Fotodokumentation / Photo Documentation

Peter Fischer

blogEast (Redaktion / Editors)

Nico Angiola, Wiebke Brand, Tina Waldeck

Festival Trailer

Oleksandr Soldatov

Auswahlkommission / Selection Board

Gaby Babić, Heleen Gerritsen, Andreas

Heidenreich, Rudolf Worschech, Barbara Wurm

Assistent/innen / Assistants

Nico Angiola (Festivalleitung)

Wiebke Brand (Presse)

Liv Gerlach (Organisation und Marketing)

Katharina Kauth (Programm)

Hannah Knierim (East-West Talent Lab)

Kilian Petsch (Gästebetreuung, Organisation)

Natalia Severina (Open Frame Award)

Alina Sotiieva (Gästebetreuung)

Tina Waldeck (Redaktion)

Jurybetreuung / Jury Assistant

Ioana Moldovan

Kundenbetreuung / Customer Service

Anouk Berning, Mariora Bozhinova, Liv Gerlach,

Kilian Petsch, Alina Sotiieva

Moderator/innen / Hosts

Brigid O’Shea, Andrea Wink, Heleen Gerritsen,

Dominik Streib

Dolmetscher/innen / Interpreters

Irina Bondas

Filmvorführer/innen / Projectionists

Pramila Chenchanna, Hans-Peter Marbach

Untertitelung / Subtitles

Ministry of Subtitles

Mitarbeiter/innen / Staff

Ines Bayer, Susanne Becker, Marie-Luise

Brüggemann, Antonio Cuccuzzella, Barbara

Dierksen, Jenni Ellwanger, Frauke Haß, Moritz

Hingott, Maria Käppele, Michael Kinzer,

Christine Kopf, Ismail Merzak, Stefanie

Plappert, Achim Schäfer, Michael Schurig,

Roswitha Schwabenland


GOEAST

FESTIVAL

TRAILER

Director and Screenplay Oleksandr Soldatov

Producer Alona Stulii

Camera Jane Bondarenko

Cast Mariia Trepikova, Vital Karaban, Taras

Savchenko, Vitalii Dyakiv, Lily Anthonissen,

Oleksandr Vasin, Pavlo Suslyakov, Arsenii

Petrov

First Assistant Camera Vados Kal’vados

Second Assistant Camera Yaroslav Naumenko

Costume Designer Oleksandra Godova

Makeup Artist Daria Dukhnivska

Colorist Kostiantyn Lishchyna

Creative Consultant Patsany agency

Composer Dmytro Vasylets

Link youtu.be/tagaKgSd688

13 TEAM / TRAILER


20 JAHRE

GOEAST/

20 YEARS

OF

GOEAST

Wir haben einige bedeutende

Persönlichkeiten der Geschichte

(und Gegenwart) des Festivals um

Stellungnahmen gebeten. Das hatten

sie zu sagen:

We asked a number of influential

personalities from the festival’s rich

history (and present) to comment.

Here’s what they had to say:

KRZYSZTOF

ZANUSSI

POLEN, REGISSEUR, JURYPRÄSIDENT 2001 /

POLAND, DIRECTOR, JURY PRESIDENT 2001

Ihr Festival eröffnet einen Raum

für ein besseres Verständnis

zwischen Nachbarn. Das macht

es wertvoll. Außerdem erinnere

ich Ihre Wärme und Wohlwollen,

Ihre Offenheit und freundliches

Vorgehen.

14

Falls mich meine Erinnerung

nicht trügt (was angesichts

meines fortgeschrittenen Alters

jedoch wahrscheinlich ist), habe

ich Ihr Festival drei Mal besucht

und jedes Mal seinen Namen

beanstandet. Um Wiesbaden

anzusteuern, muss ich gen Westen

gehen! Nicht Osten! Ich weiß

Ihre taktvolle Unterscheidung

zwischen Mittel- und Osteuropa

zu schätzen. Sie hat tiefe Wurzeln

und ist für uns im Osten

heute relevanter als je zuvor.

Mitteleuropa gehört mental

zum Westen. Doch hier bewegt

sich ein Teil des „Westens“ nach

Osten (Griechenland) und ein

Teil des „Ostens“ nach Westen:

Polen, die baltischen Länder, die

Finnen, Tschechen, Slowaken

und Ungarn. Mitteleuropa ist

enigmatisch und das ist Teil

seines Charmes.

If my memory doesn’t fail me

(considering my advanced age

it is more than likely), I’ve been

to your festival three times

and every time I expressed my

objection concerning its name. In

order to go to Wiesbaden I have

to go west. Not east! I appreciate

your tactful distinction between

Eastern and Central Europe. It

has deep roots and for us in the

East it is now more relevant than

ever. Central Europe mentally

belongs to the West. But here

a part of the “west” goes East

(Greece) and part of the “east”

goes West: Poland, the Baltic

countries, the Finns, Czechs,

Slovaks and Hungarians. Central

Europe is enigmatic and that is

part of its charm.

Your festival opens a space for

better understanding between

neighbours. That makes it

precious. And more. I recall your

warmth and good will, your

openness and friendly approach.


CLAUDIA DILLMANN

EHEMALIGE DIREKTORIN DES DFF, GRÜNDERIN

UND EHEMALIGE FESTIVALLEITERIN VON

GOEAST /

FORMER DFF DIRECTOR, FOUNDER AND FORMER

HEAD OF FESTIVAL OF GOEAST

Die ungläubigen Mienen von

Kulturpolitikern, als sie 1999

erstmals die Höhe der gewünschten

Fördersumme hörten, und

wie sie dann zu überzeugten

Unterstützern wurden. Die

Nachtschichten im Institut, die

gemeinsame Kraftanstrengung,

all die Aufregung, das Herzklopfen,

das Bangen vor dem ersten

goEast. Die abendlichen Gespräche

während des Festivals, der

unvergessliche Glanz der alten,

schäbigen Villa Clementine. Vor

allem aber die jungen, uneitlen,

hoffnungsfrohen Regie-Talente,

warmherzig und mit Selbstgebranntem

im Gepäck, welch

großartige Begegnungen mit

Menschen und Filmen!

Wie viele Krisen gab es seither,

seit der ersten Ausgabe von

goEast in 2001? Wie viele

Spannungen, politische, ökonomische,

kulturelle, zwischen

West-, Mittel- und Osteuropa? In

den Ländern selbst, zwischen

den Staaten, innerhalb der EU?

Das „gemeinsame europäische

Haus“ wird heutzutage nur noch

selten beschworen. Es soll wohl

niemand an etwas Halbfertiges

denken, etwas Windschiefes

und Wackeliges. Und auch wenn

goEast nur ein kleiner kultureller

Baustein sein kann, lautet die

Aufgabe dennoch: unverdrossen

weiterbauen!

The incredulous looks on the

cultural policy makers’ faces

when they first heard the size of

the desired funding amount in

1999 and how they then became

enthusiastic supporters. The

night shifts at the institute,

the tremendous amount of

energy everyone put in, all the

excitement, the butterflies, the

worries in the run-up to the first

edition of goEast. The conversations

every evening during

the festival, the unforgettable

splendour of the raggedy old

Villa Clementine. Above all

though, the young, humble,

joyously optimistic directorial

talents, warm-hearted and with

homemade schnapps in their

bags, such fabulous encounters

with individuals and films!

How many crises have there

been in the intervening years,

since the first edition of goEast

in 2001? How many tensions,

political, economic, cultural,

between Western, Central and

Eastern Europe? In the countries

themselves, between nations,

within the EU? The “shared

European house” is invoked only

rarely these days. No one is supposed

to think of it as something

half-finished, something shaky

and leaning in the wind. And yet,

even if goEast can only be a little

cultural building block, the task

still remains: to keep building,

undaunted!

ANDREA WINK

LEITERIN EXGROUND FILMFEST WIESBADEN,

SEIT 2001 KOORDINATORIN GOEAST-

NACHWUCHSPROGRAMME /

HEAD OF EXGROUND FILMFEST WIESBADEN,

COORDINATOR OF THE GOEAST TALENT

PROGRAMMES SINCE 2001

Da ich bei 19 Festivalausgaben

Teil des Teams sein durfte, gibt

es natürlich unendlich viele

wunderbare Momente, die einem

in Erinnerung bleiben. Am

schönsten finde ich jedes Jahr die

große Freude der Preisträger/innen

im Nachwuchsbereich und

die Zusammenarbeit mit den

jungen Filmemacher/innen.

Die Arbeit des goEast Festivals

ist besonders im Bereich der

Nachwuchsförderung relevant.

goEast fördert seit dem ersten

Festival junge Talente aus

Mittel- und Osteuropa. Filme und

VR-Arbeiten werden präsentiert

und neue Projekte beim Festival

entwickelt. Mit dem goEast-Development

Award können die

Filmideen dann realisiert

werden.

Since I have had the pleasure

of being part of the team for 19

festival editions, of course there

are infinitely many wonderful

moments that remain with

me. I think the most beautiful

part every year is the great

joy of the prize-winners in the

up-and-coming categories and

the collaboration with the young

filmmakers.

The work of goEast Film Festival

is particularly relevant in the

area of talent development.

Since its inception, goEast

has supported young talents

from Central and Eastern

Europe. Films and VR works

are presented and new projects

developed at the festival. The

film ideas can then potentially

be realised with the funds from

the goEast-Development Award.

20 YEARS OF GOEAST

15


GABY BABIĆ

FESTIVALLEITERIN VON GOEAST 2011-2017 /

HEAD OF FESTIVAL OF GOEAST 2011-2017

Das gemeinsame Wiedersehen

von Márta Mészáros, Agnieszka

Holland und Artur Brauner

bei goEast 2017, das war toll zu

sehen. Dann Marlen Chucievs

Besuch 2015 – ein sehr feiner

Mensch und wunderbarer

Regisseur. (…) Weiterhin werden

Filme aus den goEast-Ländern

hierzulande zu wenig gezeigt.

Und weiterhin gilt es einer

gewissen westlichen Überheblichkeit

entgegenzutreten. In den

Filmgeschichten Osteuropas gibt

es immer noch viel zu entdecken

und wieder zugänglich zu

machen.

Márta Mészáros, Agnieszka Holland

and Artur Brauner being

reunited at goEast 2017, that was

beautiful to witness. Then there

was Marlen Khutsiev’s visit in

2015 – such a classy person and

a wonderful director. (…) Films

from the goEast countries are

still shown far too little in Germany.

And it is still necessary

to counter a certain Western

sense of superiority. There is

still a lot to be discovered and

made accessible again in the film

histories of Eastern Europe.

ANDREY PLAKHOV

RUSSLAND, FILMKRITIKER, JURYMITGLIED

2005, JURYPRÄSIDENT 2010 /

RUSSIA, FILM CRITIC, JURY MEMBER 2005,

JURY PRESIDENT 2010

Ich erinnere mich sehr gut an

mein erstes goEast Festival.

KOKTEBEL von Popogrebsky

und Khlebnikov erhielt den

Hauptpreis. Das war echte Unterstützung

für die Russische Neue

Welle, wir waren stolz darauf

und hegten große Erwartungen.

Das Kino Mittel- und Osteuropas

sowie der Länder der ehemaligen

Sowjetunion sprüht vor

Talent und Ideen. Es ist schade,

dass dieses Kino immer noch

im Verborgenen bleibt. goEast

nimmt sich dieses Teiles der

Welt an: eine sehr, sehr wichtige

kulturelle Mission.

I remember very well my first

goEast festival. KOKTEBEL by

Popogrebsky and Khlebnikov

collected the main prize. It was

real support for the Russian New

Wave, and we were proud of it

and felt great expectations. The

cinema of Central and Eastern

Europe and countries of the

former Soviet Union is extremely

rich in talent and ideas. It is

a pity that this cinema still

remains in the shadows. The

goEast festival puts this part of

the world in focus: a very, very

important cultural mission.

IOANA MOLDOVAN

LEITERIN GÄSTEBETREUUNG 2014-2015,

SEIT 2016 JURY-BETREUERIN /

HEAD OF GUEST MANAGEMENT 2014-2015,

JURY COORDINATOR SINCE 2016

goEast fühlt sich wie eine

Familie oder ein Wiedersehen

gleichgesinnter Freunde an,

und eine der vielen Freuden

der Festivalwoche ist, jedes

Jahr Gäste und Teammitglieder

wieder zu treffen.

goEast verdankt seine Dringlichkeit

der großen Sorgfalt,

Reflexion, und nicht zuletzt Leidenschaft,

mit der es klassische

und aktuelle (filmische) Sichten

auf Themen beleuchtet, die die

jeweiligen Länder und Zeiten

bewegen.

goEast feels like a family, or like

reuniting with friends that are

on the same wavelength, and one

of the many joys of the festival

week is meeting up again with

guests and team members every

year.

goEast owes its urgency to the

great care, reflection and, not

least of all, passion with which it

illuminates classic and contemporary

(cinematic) views of

issues that move the respective

countries and eras.

16


PROF. DR. BOJIDAR

MANOV

BULGARIEN, FILMKRITIKER,

FIPRESCI JURY 2003 /

BULGARIA, FILM CRITIC, FIPRESCI JURY 2003

Seit dem ersten goEast im April

2001 habe ich das Gespür für

die tägliche Schnittstelle dreier

distinkter Realitäten behalten:

die herrliche, ruhige Gemütlichkeit

des modernen Wiesbaden;

die wunderbare Retro-Atmosphäre

des alten Caligari-Kinos

(erbaut 1926); und den Mangel

an Gemütlichkeit Osteuropas auf

der Leinwand, aufgewühlt durch

allerlei Veränderungen. Drei

Welten in einer physischen Zeit!

Nach dem Mauerfall gab es

einen sichtbaren Unterschied

zwischen den dominierenden

Themen im Kino des Westens

und den neuen Ostdemokratien.

Ich definierte das als „Dramen

im Osten – Depression im Westen.“

Allmählich verschob sich

der Längengrad der Depression

mehr und mehr ostwärts. goEast

fängt den Puls dieses komplexen

ökonomischen, sozialen und

kulturellen Prozesses ein.

Ever since the first goEast in

April 2001, I have kept the sense

of daily intersection of three

different realities: the beautiful

calm coziness of modern

Wiesbaden; the wonderful retro

atmosphere at the old Caligari

Cinema (built in 1926) and

the lack of coziness of Eastern

Europe on the screen, shaken by

all changes. Three worlds in a

single physical time!

After the fall of the Wall, there

was a noticeable difference

between the dominant themes

in cinema in the west and in the

new east democracies. I defined

them as “dramas in the east

- depressions in the west”. Gradually,

the meridian of depression

shifted more and more eastward.

goEast captures the pulse of this

complex economic, social and

cultural process.

LAILA PAKALNIŅA

LETTLAND, FILMEMACHERIN,

JURYPRÄSIDENTIN 2017 /

LATVIA, FILMMAKER, JURY PRESIDENT 2017

Warum ist die von goEast

erbrachte Arbeit so wichtig

und auch heute noch relevant?

Vielleicht, weil das Festival

2001 entstand und nicht in den

90ern, als im Trend lag, „in den

Osten zu gehen“. Vielleicht, weil

es ernsthaftere Existenzgründe

hatte und hat als „bloß ein

Trend“ zu sein. Vielleicht, weil

einer dieser Gründe Film war

und ist, inklusive allem, was echter

Film Menschen geben kann.

In anderen Worten: Unsere

Supermärkte gleichen sich so

sehr an, aber nicht unsere Filme.

Wir brauchen einander und die

Filme des anderen.

Why is the work that goEast is

doing so important and still

relevant today? Maybe because

the festival was born in 2001 and

not in the 90ies, when “going

East” was a trend. So maybe

because it had and still has more

serious reasons than being “just

a trend”. Maybe because one of

those serious reasons was and

is film and everything that real

film can bring to people. In other

words: our supermarkets are

becoming so much alike, but not

our films. We need each other

and we need each other´s films.

20 YEARS OF GOEAST

17


MARTIN BLANEY

GROSSBRITANNIEN / DEUTSCHLAND,

FILMKRITIKER /

UNITED KINGDOM / GERMANY, FILM CRITIC

Ich habe einige andauernde

Erinnerungen der Zeit, die ich

in den letzten zwei Dekaden bei

goEast verbracht habe: Zunächst

die lebendigen und faszinierenden

Q&As mit dem rumänischen

Regisseur Lucian Pintilie und

dem polnischen Schauspieler

Jerzy Stuhr. Ein anderes Mal

leitete ich eine Diskussion

über das serbische Kino und

konnte irgendwann kaum noch

das Publikum sehen, weil alle

Diskutanten Kette rauchten

und große Mengen Rauch

produzierten! Ein weiterer

Höhepunkt war die Diskussion

„Let’s Keep Talking“, die ich

2014 mit Filmschaffenden aus

Russland und der Ukraine hatte,

nur Wochen nach Russlands

Annexion der Krim.

Während das Filmfestival

Cottbus seinen CoCo Co-Production

Market hat, hat goEast sich

clever auf die Unterstützung der

nächsten Generation Filmschaffender

aus Ost und West durch

eine Vielzahl an Initiativen

fokussiert. Die Karrieren von

Jasmila Zbanić, Cristian Mungiu

und Kornél Mundruczó sind

beispielsweise unwiderruflich

mit der von goEast offerierten

Plattform verbunden.

I have several abiding memories

of my times spent at goEast over

the past two decades: firstly,

the lively and fascinating Q&As

with the Romanian director

Lucian Pintilie and the Polish

actor-director Jerzy Stuhr. On

another occasion, I chaired

a discussion about Serbian

cinema and, at some point,

could hardly make out the

audience as practically all of the

panelists were heavy smokers

and produced large amounts of

dense smoke! Another highlight

was the discussion - "Let's Keep

Talking" - I had with filmmakers

from Russia and Ukraine in

Wiesbaden in 2014, only weeks

after Russia's annexation of

Crimea. While FilmFestival Cottbus

has its CoCo co-production

market, goEast has been astute

in focusing on supporting the

next generation of filmmakers

from East and West through its

various initiatives. For example,

the careers of such directors as

Jasmila Zbanić, Cristian Mungiu

and Kornél Mundruczó are

inextricably linked with the

platform offered by goEast.

18


CHRISTINE KOPF

FESTIVALLEITERIN VON GOEAST 2004-2008 /

HEAD OF FESTIVAL OF GOEAST 2004-2008

Mit goEast werde ich wohl

immer die lebendigen Nächte

damals noch in der Villa

Clementine verbinden, wo wir in

internationaler Runde bis in die

Morgenstunden intensiv über

Filme, Politik und das Leben

diskutiert, getanzt, gelacht

und manchmal auch gesungen

haben. Und natürlich unser

hochengagiertes Dreier-Dream-Team:

Swetlana Sikora,

Karin Schyle und ich.

Das Kino aus Mittel- und

Osteuropa ist heute auch im

Westen präsenter als zu meiner

Zeit, Plattformen für Begegnung

brauchen wir dagegen weiterhin

dringend. Das Konzept, einen

ästhetischen Anspruch an

Filmkunst mit der immer wieder

neu auszuhandelnden Idee von

einem gemeinsamen Europa

zu verbinden, gemeinsam

laut gegen nationalistische

Tendenzen zu sein und für eine

Solidargemeinschaft zu streiten,

das verdient jede Unterstützung.

What I will definitely always

associate with goEast are the

vibrant nights in Villa Clementine

back then, where we, an

international crew, hung out till

morning intensively discussing

films, politics and life in general,

dancing, laughing and sometimes

even singing too. And of

course our super dedicated trio

dream team: Swetlana Sikora,

Karin Schyle and I.

Cinema from Central and

Eastern Europe is also more

present today in the West than it

was in my day, although we are

still in urgent need of platforms

for encounters. The concept of

connecting an aesthetically high

level of cinematic art with the

idea of a shared Europe (which

has to be renegotiated afresh

on a constant basis), speaking

up loud and clear together in

opposition to nationalistic

tendencies and fighting for a

community based on solidarity

– that is worthy of any and all

support.

STEFAN ADRIAN

LEITER MANAGEMENT & ORGANISATION

VON GOEAST 2009-2018 /

HEAD OF MANAGEMENT & ORGANISATION

OF GOEAST 2009-2018

In den zehn Jahren, in denen

ich bei goEast war, haben

sich natürlich sehr viele tolle

Erinnerungen und Geschichten

angesammelt, am intensivsten

erinnere ich mich aber an den

Vulkanausbruch auf Island zum

10-jährigen Jubiläum von goEast.

Durch die anschließenden

Flugverbote über Europa ist

da einiges in Gefahr geraten.

Doch wir hatten damals tolle

Partner/innen, die z.B. unseren

Jurypräsidenten mit dem Shuttle

aus Warschau abholten und wir

hatten fantastische Gäste, die

sich bis zu 28 Stunden in den Zug

setzten, um gemeinsam mit uns

ein fantastisches Jubiläum zu

feiern.

Um die Bedeutsamkeit von

goEast zu bewerten, muss man

ja nur auf das Weltgeschehen

blicken. So wie es scheint, ist

die Zivilgesellschaft mehr

denn je gefordert, für Frieden

und Freiheit einzustehen. Das

ist es schließlich auch, was

goEast sich von Beginn an auf

die Fahne geschrieben hat. Seit

nun 20 Jahren leistet goEast

wertvolle Beiträge, nicht nur zur

Völkerverständigung, sondern

bezieht Stellung gegen jegliche

xenophoben Denk- und Verhaltensmuster.

In the ten years that I was with

goEast, I built up a huge store

of great memories and stories

of course – my most intense

memory though is of the volcano

eruption on Iceland coinciding

with the 10-year anniversary

edition of goEast. The resulting

flight bans over Europe put

quite a few things in jeopardy.

Luckily, we had great partners

back then that did things like

fetching our jury president from

Warsaw with a shuttle, and we

had fantastic guests, who sat on

trains for up to 28 hours in order

to come celebrate an incredible

anniversary together with us.

To appreciate the significance of

goEast, one need only take a look

at what’s happening around the

world. It seems that civil society

is called upon more than ever

to take a stand for peace and

freedom. And in the end that is

also the banner that goEast took

up from the very beginning. For

20 years now, goEast has been

making valuable contributions,

not only to the understanding

between nations, but also

by taking a stand against all

manifestations of xenophobic

thinking and behavioural

patterns.

20 YEARS OF GOEAST

19


RUDOLF

WORSCHECH

CHEFREDAKTEUR EPD FILM, MITGLIED DER

GOEAST AUSWAHLKOMMISSION SEIT 2001 /

EDITOR IN CHIEF EPD FILM, MEMBER OF THE

GOEAST SELECTION BOARD SINCE 2001

Claudia Dillmann, die frühere

Leiterin, und ich waren

Nachbarn und haben oft

zusammen Filme gesichtet.

Auf dem Porno-Sofa. Ich besaß

damals einen blauen Zweisitzer,

das billigste Schlafsofa, das

IKEA jemals angeboten hat.

Und es spielte eine wichtige

Rolle in einem Film, nämlich

in Lukas Moodyssons A HOLE

IN MY HEART. Da geht es um

zwei Jungs, die Amateurpornos

drehen – quasi auf meiner

Couch, zumindest auf meinem

Modell. Daher der Name. Und auf

dieser Couch haben wir dann

immer gesessen, Claudia und

ich, bewaffnet mit Pizza und Bier

und ein paar VHS-Kassetten für

den Abend. Ab und zu ist einem

von uns der Kopf nach hinten

gefallen, ein sicheres Anzeichen

für eine partielle Absenz. (…)

„Im Kino schlafen, heißt dem

Film vertrauen“, heißt ja ein

berühmter Cineastenspruch.

Nun, für die Couch galt das

gleiche, denn man konnte ja

darauf vertrauen: der andere

wird den fehlenden Teil schon

gesehen haben.

Rund 600 Filme starten jedes

Jahr in Deutschland. Wer soll

das alles schauen? Die schiere

Zahl sagt aber gar nichts über

die Bandbreite aus. Neben den

20 Prozent heimischen Filmen

dominiert natürlich die USA,

und von den sonstigen Filmnationen

kommen Werke aus

Großbritannien und Frankreich

in die Kinos. Filme etwa aus

Russland, Ungarn oder Nordmazedonien

nur, wenn bekannte

Regisseur/innen sie realisieren

oder sie einen Ruf haben.

Darum brauchen wir goEast:

weil niemand anders Filme aus

Mittel- und Osteuropa zeigt.

20


Claudia Dillmann, the former

director, and I were neighbours,

and we often viewed films

together. On the “porn couch”.

Back then, I owned a blue

two-person sofa, the cheapest

sofa-bed that IKEA has ever

featured in their inventory. And

it played a crucial role in a film,

namely in Lukas Moodysson’s

A HOLE IN MY HEART. The film

is about two guys who make

amateur porn films – basically

on my couch, at least on the same

model. That’s why I call it that.

So, we always sat on this couch,

Claudia and I, armed with pizza

and beer and a couple VHS tapes

for the evening. From time to

time, one of our heads tilted

back, a sure sign of a partial

absence. (…) “Sleeping in the

cinema is a display of trust in the

film,” as the famous saying goes

among cinephiles. Well, the same

applied for the couch, because

you could always trust that the

other person would catch the

part you missed.

Around 600 films open in

theatres each year in Germany.

Who’s supposed to watch all of

that? The sheer number doesn’t

say anything at all about the

range though. Besides the 20%

that are domestic productions,

the USA dominates of course, and

from the other cinema nations

works from Great Britain and

France manage to make it into

theatres. Films from Russia,

Hungary or North Macedonia

only make it if they were

realised by a famous director

or one with an established

reputation. That’s why we need

goEast: because no one else

shows films from Central and

Eastern Europe.

DENNIS VETTER

VORFÜHRER /

PROJECTIONIST

DIABEŁ von Andrzej Żuławski

läuft auf 35mm, das Fenster

ist offen, draußen der Mond.

Ein irre heißer Abend. Ich lege

fieberhaft den nächsten Akt

ein, um nichts zu verpassen.

Ein Wahn aus Bild, Ton und

Maschinen. goEast ist wichtig,

weil das Festival zeigt, dass die

Nähe zwischen Ost und West sich

nicht in Metern misst.

Andrzej Żuławski’s DIABEŁ is

rolling on 35mm, the window is

open, the moon is up outside. An

insanely hot night. Feverish, I

insert the next reel, in order not

to miss anything. A delirium of

images, sounds and machines.

goEast is important because the

festival shows that the proximity

between East and West cannot be

measured in metres.

20 YEARS OF GOEAST

21


DAS FESTIVAL DANKT DEN FOLGENDEN PERSONEN /

THE FESTIVAL THANKS THE FOLLOWING PERSONS

Aurelia Aasa, Sarah Adam, Katrin Ahnemann,

Gleb Aleinikov, Stefan Arsenijević , Polina

Arsenteva, Ayse Asar, Jane Balfour, Stanislaw

Bardadin, Peter Barth, Darya Bassell, Franziska

Bauer, Marius Baumeister, Melina Baumgardt,

Nina Baumgärtner, Ilinca Belciu, Kermit Berg, Ralf

Bergknecht, Andreas Bergmann, Dieter Bingen,

Zdenek Blaha, Ema Bleyová, Anne Boschan, Jürgen

Brand, Helene Breining, Beate Brendel, Weronika

Bromberek, Sabine Bubeck-Paaz, Christine

Buchheit, Nadeschda Büse, Barbara Buss, Dovilė

Butnoriûtė, Louis Cacciuttolo, Volia Chaikouskaya,

Julia Cloot, Catherine Colas, Alexandra Crasnaru,

Hanne Dannenberger, Jörg Daur, Sarah Dawson,

Cathy de Haan, Michael Dienes, Andrea Dittler,

Angela Dorn, Natasha Drubek, Marie Dudzic, Egor

Efimov, Michael Elster, Petra Ernstberger, Marc

Ewert, Joachim Falcke, Katrin Farner-Kölle, Dirk

Fellinghauer, Monika Fiala, Katharina Filbert,

Claudiu Florian, Achim Forst, Katarzyna Fortuna,

Sylvia Franzmann, Martina Freymann-Dederichs,

Peter Fries, Bernd Fülle, Jörg-Uwe Funk, Terézia

Füssenhäuser, Borjana Gaković, Maria Galland,

Maximilian Garth, Stefan Gehrke, Stavroula

Geronimaki, Ion Gnatiuc, Slavoljub Gnjatovic,

Marko Godec, Masha Godovannaya, Bernd Granzin,

Philomena Grassl, Tilman Günther, Ivo Hanus,

Sven Hartlep, Ewa Hartmann, Imamaddin Hasanov,

Peter Haueis, Andreas Heidenreich, Ute Hellwig, Dr.

Andreas Henning, Elżbieta Herezińska-Brzezicka,

Thorsten Hermann, Julia Hofmann, Christoph

Holderrieth, Alexandra Hroncová, Annett Ihme,

Axel Imholz, Markus Ingenlath, Mona Intemann,

Francis Ipgrave, Imam Jabirowich Hasanow,

Veronika Janatkova, Jürgen Janovsky, Wouter

Jansen, Lidia Helena Jansen, Tomáš Jelínek, Dörthe

Johann, Durren Jordan, Susanne Junk-Müller, Pavla

Kallistova, Andrzej Kaluza, Anna Kaminsky, Ralph

Kaube, Jens Kaufmann, Ulrike Kiesche, Sebastian

Kink, Andrzej Klamt, Diana Kluge, Esther Koch,

Evgeny Kondratiev, Sigrid Konrad, Merit Kopli,

Ivica Kosak, Ivan Kozlenko, Kirill Krasovski,

Michal Kříž, Jutta Krug, Monika Kumiega, Marcel

Kurth, Tamina Kutscher, Rolandas Kvietkauskas,

Uwe Eric Laufenberg, Joseph Lechner, Olaf

Legenbauer, Anna-Marita Leibbrand, Nick Lewis,

Barbora Ligasova, Christoph Lindemann, Brigitta

Loehr, Peter Oliver Loew, Pavla Lubovská, Maria

Magdalena Ludewig, Manfred Mack, Jan Macola,

Tobias Mahlow, Evgenii Maizel, Egidijus Mardosas,

Wojtek Markowski, Philipp Mehler, Andrij Melnyk,

Gert-Uwe Mende, Suzan Mesgaran, Fritz Mettal,

Olha Mishkina, Ivana Mladenović, Ralph Müller,

Thomas Müller-Boehr, Stefan Mumme, Sarah

Muthke, Vladimir Nadein, Tamara Nagy, Dalia

Nakutytè, Oktay Namazov, Helga Nell, Alexander

Nenow, Susan Newman Baudais, Evgenia

Norvatova, Anna Onufriienko, Brigid O'Shea,

Susanne Ossendorf, Arthur Ostwald, Martin

Otto, Adam Papliński, Moritz Pfeifer, Antonie

Pietsch, Wojchiech Poczachowski, Piotr Potega,

Oleksandr Prokopenko, Markus Quiring, Maria

Rakusanova, Mark Rance, Francine Raveney,

Stefan Reeb, Andreas Reinberger, Elina Reitere,

Christian Ress, Stefan Ress, Catherine Ress-Aubry,

Christine Rother-Ulrich, Annette Rückert, Liana

Ruokytè-Jonsson, Marketa Santrochova, Carsten

Schack, Katharina Schenk, Sigrid Scherer, Nina

Schilawa, Franz Schindler, Peter Schirmer,

Sebastian Schnurr, Gregor M. Schubert, Maximilian

Schulz, Thomas Schumann, Annette Schüren,

Jens Schüring, Jochen Seehuber, Guy Seligmann,

Denis Semionov, Rada Šešić, Natalia Severina,

Adnan Shaikh, Otar Shamatava, Anna Shevchenko,

Alex Shiriaeff, Victoria Shkarovskaya, Ismet

Sijarina, Milan Šimandl, Inga Skujina, Tatyana

Soboleva, Karolina Socha-Kalinowska, Oleksandr

Soldatov, Ada Solomon, Brigitte Stephan, Holger

Stern, Maja Stunz, Katarzyna Szarecka, Oleksandr

Teliuk, Yvonne Thorwarth, Stefan Tolz, Ira

Tondowski, Ofelya Tovmasyan, Ioana Uricaru, Petr

Václav, Katalin Vajda, Stefan Vidikov, Dorothee

von Haugwitz, Sibylle von Oppeln-Bronikowski,

Susanne von Verschuer, Gerd Waliszewski, Claus

Wecker, Elena Weigl, Uwe Werner, Maria Weyer,

Aileen Wiebicke, Ansgar Wimmer, Erik Winkler,

Hannes Wirth, Katarzyna Wisniewiecka-Brückner,

Karin Wolff, Sahand Zamani, Eduard Zeiler,

Harald Ziegler

DANK /

THANKS

22


DAS FESTIVAL DANKT DEN FOLGENDEN INSTITUTIONEN /

THE FESTIVAL THANKS THE FOLLOWING INSTITUTIONS

3sat, A WALL IS A SCREEN e.V., Adami Media Prize,

Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst- und

Kulturpflege, Alamode Filmverleih, Alfred Toepfer

Stiftung F.V.S., alief, Amnesty International,

ANTIPODE, Apparatus, Argumenty i Fakty,

ARTE, Athanor, Atoms & Void, Auswärtiges Amt,

Autlook Filmsales, Avala Studios, Aventis Foundation

– kulturMut, B+M Entertainment, Balassi

Institut, Balthasar Ress Weingut, BEAST IFF, Best

Friend Forever, Beta Cinema, BHF BANK Stiftung,

BORCO-MARKEN-IMPORT Matthiesen GmbH & Co.

KG, Botschaft der Republik Estland, Botschaft der

Republik Lettland, Botschaft der Ukraine, Brähler

ICS, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur,

Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V.,

Caligari FilmBühne, Capitol & Palatin, Celluloid

Dreams, Czech Film Center, DAE - Documentary

Association of Europe, dekoder.org, Delphi-Filmverleih,

Deutsch-Bulgarische Gesellschaft

Darmstadt e.V., Deutsche Kinemathek – Museum

für Film und Fernsehen, Deutsches Polen-Institut,

Deutschlandfunk Kultur, Deutsch-Tschechischer

Zukunftsfonds, Deutsch-Ungarische Gesellschaft

Darmstadt, Die Hofköche, DokuBaku, East Doc

Platfrom, eefb - eastern european film bulletin,

epd Film, Estonian Film Institute, Eurimages,

Factum Film, FAMU, Film a doba, FilmNewEurope,

Films Boutique, Filmtheaterbetriebe Manfred

Ewert KG, Frankfurter Allgemeine Zeitung,

Freiwilligenzentrum Wiesbaden, Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung,

Fritz Kunder GmbH, Fritz

Mettal Kinotechnik, fritz-kola GmbH, FUMI Studio,

Georgica e.V., GIZO - Gießener Zentrum Östliches

Europa, Grandfilm , Greek Film Centre, HERUS

e.V., Hessisches Ministerium für Wissenschaft und

Kunst, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Hi

Film Productions, Hotel Achat, Hotel Oranien, HTC,

Hungarian Film Magazine / Magyar Nemzeti Filmalap,

InFilm Praha, Institute of Documentary Film

/ East Silver, Intercinema Art Agency, Intramovies,

Iskusstvo Kino, Jane Balfour Services Limited,

Kaufmanns Kaffeerösterei, KFF Sales & Promotion,

Kinocenter Gießen, Kroatische Kulturgemeinschaft

Wiesbaden e.V., Kulturfonds Frankfurt RheinMain,

Kulturpalast Wiesbaden, Kulturportal Russland,

Landeshauptstadt Wiesbaden, Landeshauptstadt

Wiesbaden - Kulturamt, Latido Films, Le

monde diplomatique, LICHTER Filmkultur e.V.,

Lithuanian Film Centre, Loco Films, M.K. Verlag,

Media Futura, Medienzentrum Wiesbaden e.V.,

mieff - Moscow International Experimental Film

Festival, Mimesis FIlm, Ministry of Subtitles, Mix

GmbH Lebensmittelhandel, Modern Times Review,

Museum Wiesbaden, NFI Hungary, Oleksandr

Dovzhenko National Centre, OMNIMAGO, Pallas

Film, Pfungstädter Brauerei Hildebrand, Piffl

Medien, Pink Productions, PÖFF - Tallinn, Polish

Film Institute, Polish Television, Polnischer

Kultursalon Pokusa e.V., Polnisches Institut

Düsseldorf, Port 01, Programmkino Rex, Radiator

Sales, Ralph Müller Fernsehtechnik, Rapid Eye

Movies, Renovabis, Rolf Theile Filmtheaterbetriebe

GmbH & Co. KG, Rumänisches Kulturinstitut Berlin,

Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur,

Sarajevo International Film Festival, SCHENKER

Technologies GmbH, Schloss Freudenberg, Schüren

Verlag, sensor, Slowakisches Institut in Berlin,

Square Eyes Film, Stadt Eschborn, Strandgut,

Studio Slon, Syndicado, Taskovski Films, The Match

Factory, Vesilind, videmic, viermension / dialog.

messe.erlebnis, VRrOOm, Watchmaker Films,

webspezi.com, Weingut Bacchus Speicher, Weingut

Meine Freiheit, WIDE Management, Wiesbadener

Casino-Gesellschaft, Wiesbadener Musik- und

Kunstschule, Wytwórnia Filmów Dokumentalnych

i Fabularnych, ZDF

23 THANKS


WETTBE–

WERB/

COM–

PETITION


Der goEast Wettbewerb steht im Mittelpunkt des Festivals

und ist mit sechzehn Langfilmen dessen umfangreichste

Sektion. Er spiegelt das Filmschaffen Mittel- und

Osteuropas in seinem großen Facettenreichtum mit Filmen

aus 19 Produktionsländern wider. Die Filme haben die

Chance auf von einer fünfköpfigen internationalen Jury

verliehene Preise: die „Goldene Lilie“ für den Besten

Film, den Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die

Beste Regie sowie den Preis für Kulturelle Vielfalt des

Auswärtigen Amtes. Zudem werden zwei FIPRESCI-Preise

der internationalen Filmkritik vergeben. Erstmals gibt es

in diesem Jahr anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von

goEast auch einen Publikumspreis, der durch eine lokale

Crowdfunding-Kampagne finanziert wurde.

Im April 2020 wurde die Entscheidung getroffen, das

gesamte goEast-Preisgeld unter den Filmschaffenden

des Wettbewerbs aufzuteilen, als Zeichen der Solidarität

während der Covid-19-bedingten Krise, die die

Kulturbranche in ganz Europa stark getroffen hat.

Einzig der mit 1.500 Euro dotierte Publikumspreis wird

im Rahmen der Screenings des goEast Wettbewerbs beim

exground filmfest im November verliehen.

The goEast Competition is the centrepiece of the festival,

and is, with sixteen feature-length films, also its most

substantial section. It reflects the rich diversity of

filmmaking in Central and Eastern Europe with works from

19 production countries. The films have the opportunity

to win prizes determined by a five-member international

jury: the Golden Lily for Best Film, the Award of the City of

Wiesbaden for Best Director as well as the Award of the

Federal Foreign Office for Cultural Diversity. In addition,

a dedicated jury representing FIPRESCI presents two

International Film Critic’s Awards. To mark the occasion

of goEast’s twentieth anniversary edition, this year for the

first time ever the festival will also feature an audience

award, made possible by a local crowdfunding campaign.

In April 2020 goEast decided to divide the prize money

equally among all filmmakers in its competition, as a sign

of solidarity during the crisis caused by Covid-19, which

heavily affected the creative industries all over Europe.

Only the Audience Award, endowed with 1.500 euros in

prize money, will be presented to a film in the scope of

the goEast Competition screenings at exground filmfest

in November.

SPRACHEN / LANGUAGES

SPRACHFASSUNGEN / LANGUAGE VERSIONS

OV

Originalfassung / Original version

+ eng SUB englische Untertitel / English subtitles

+ deu SUB deutsche Untertitel / German subtitles

+ fra SUB französische Untertitel / French subtitles

alb

ara

aze

bul

cze

deu

eng

est

fra

geo

gre

hbs

heb

hrv

hun

isla

ita

kaz

kur

lav

lit

mkd

nld

pol

rom

rum

rus

slk

srp

tur

ukr

vie

Albanisch / Albanian

Arabisch / Arabic

Aserbaidschanisch / Azerbaijani

Bulgarisch / Bulgarian

Tschechisch / Czech

Deutsch / German

Englisch / English

Estnisch / Estonian

Französisch / French

Georgisch / Georgian

Griechisch / Greek

Serbokroatisch / Serbo-Croatian

Hebräisch / Hebrew

Kroatisch / Croatian

Ungarisch / Hungarian

Interslawisch / Interslavic

Italienisch / Italian

Kasachisch / Kazakh

Kurdisch / Kurdish

Lettisch / Latvian

Litauisch / Lithuanian

Mazedonisch / Macedonian

Niederländisch / Dutch

Polnisch / Polish

Romani / Romany

Rumänisch / Romanian

Russisch / Russian

Slowakisch / Slovak

Serbisch / Serbian

Türkisch / Turkish

Ukrainisch / Ukrainian

Vietnamesisch / Vietnamese

25 COMPETITION


JURY

Zane Balčus Sie ist Leiterin des Baltic

Sea Forums für Dokumentarfilme in Riga,

Forschungsassistentin am wissenschaftlichen

Forschungszentrum der lettischen

Kulturakademie und freischaffende

Filmkritikerin. Sie verfügt über weitreichende

Erfahrungen in Programm-, Kuratierungs- und

Managementbereichen in verschiedenen

Organisationen. Sie war von 2014 bis 2019

Direktorin des Filmmuseums in Riga, ist zudem

Ko-Autorin mehrerer Bücher über das lettische

Kino und schreibt für zahlreiche Publikationen

über das Kino (einschließlich Film New

Europe). Sie war Mitglied der FIPRESCI-Jury

beim Internationalen Dokumentarfilmfestival

Amsterdam 2019. Ein Jahr zuvor war sie als

Teil des goEast Symposiums zum Kino der

baltischen Länder in Wiesbaden zu Gast.

26

Vorsitzender der Jury / Jury President

Christoph Terhechte

Der Jounalist und Filmkritiker ist Intendant und

künstlerischer Leiter von DOKLeipzig – dem

Internationalen Festival für Dokumentar- und

Animationsfilm. Von 2001 bis 2018 war

er Direktor im Internationalen Forum der

Berlinale, bei dem er bereits seit 1997 zum

Auswahlgremium gehörte. 2018 und 2019

übernahm er die künstlerische Leitung des

Internationalen Filmfestivals von Marrakesch.

Terhechte wurde 1961 in Münster geboren. Er

studierte Politikwissenschaft und Journalistik

an der Universität Hamburg. Als Filmjournalist

und -kritiker arbeitete er ab 1984 unter

anderem für die Tageszeitung „taz“ in

Hamburg. 1988 zog er als freiberuflicher

Journalist nach Paris, bevor er von 1991 bis

1997 die Ressortleitung Film des Berliner

Stadtmagazins „Tip“ übernahm.

Journalist and film critic Christoph Terhechte

is the artistic and managing director of

DOKLeipzig – the International Festival for

Documentary and Animated Film. From 2001

to 2018, he was director of the International

Forum at the Berlinale, where he had been

a member of the selection committee since

1997. Between 2018 and 2019 he took

over the artistic direction of the Marrakech

International Film Festival. He was born in

Münster in 1961 and studied political science

and journalism at the University of Hamburg.

He worked as a film journalist and film critic

starting in 1984 for the "taz" daily newspaper

in Hamburg, among other periodicals. In

1988, he moved to Paris as a freelance

journalist before becoming the head of the film

department of the Berlin city magazine “Tip”

from 1991 to 1997.

Zane Balčus is the head of the Baltic Sea

Forum for Documentaries in Riga, Latvia,

a junior research assistant at the Scientific

Research Centre of the Latvian Academy of

Culture and a freelance film critic. Balčus

has extensive experience in programming,

curatorial and management fields in different

organizations. She served as director of Riga

Film Museum from 2014 to 2019. She is a coauthor

of several books on Latvian cinema and

contributes to various publications on cinema

(including Film New Europe). She has been a

member of the FIPRESCI jury at International

Documentary Film Festival Amsterdam

2019. A year prior she was part of the goEast

Symposium on Baltic cinema.


Vlad Ivanov Geboren 1969 in Botoșani,

Rumänien. Er wirkte in vielen prämierten

Filmen als Schauspieler mit. 2005 wurde

er von dem rumänischen Präsidenten

mit der Medaille für kulturelle Verdienste

ausgezeichnet. Mit seiner Darstellung als

Abtreibungsarzt Dr. Bebe in 4 MONATE,

3 WOCHEN UND 2 TAGE, der die Goldene

Palme in Cannes gewann, gelang ihm 2007

der internationale Durchbruch.

Es folgten Rollen in preisgekrönten Filmen,

wie Sergei Loznitsas IM NEBEL (2012) oder

SNOWPIERCER (2013) von Bong Joon-Ho.

2016 war er in drei Filmen auf dem Cannes

Film Festival zu sehen: TONI ERDMANN

(Maren Ade), GRADUATION (Cristian Mungiu)

und DOGS (Bogdan Mirica). Mit seiner

Vielseitigkeit ist es Ivanov gelungen, sich als

einer der anerkanntesten Charakterdarsteller in

Europa zu positionieren. Er ist seit langem ein

erfolgreicher Theaterschauspieler in Rumänien.

Born in Botoșani, Romania, in 1969, Ivanov

has taken part in many prestigious movies as

an actor. In 2005, Ivanov was awarded a Medal

For Cultural Merit, presented by the President

of Romania. His role as the abortionist Dr.

Bebe in 4 MONTHS, 3 WEEKS AND 2 DAYS,

which won the Golden Palm in Cannes, led to

his international breakthrough.

Roles in prestigious films like Sergei Loznitsa’s

IN THE FOG (2012) or SNOWPIERCER (2013)

by Bong Joon-Ho followed. In 2016, he was

involved in no less than three movies screened

at Cannes Film Festival: TONI ERDMANN

(Maren Ade), GRADUATION (Cristian Mungiu)

and DOGS (Bogdan Mirica). Vlad Ivanov’s

versatility has established him as one of

Europe’s great character actors. He has also

enjoyed a long career in Romanian theatre.

Nino Kirtadze Geboren in Tiflis, Georgien.

In den 1990er Jahren arbeitete Kirtadze als

Kriegskorrespondentin im Tschetschenienkrieg

und anderen Konflikten in der Kaukasus-

Region. Nach ihrem Umzug nach Frankreich

etablierte sie sich schnell als eine der

führenden Dokumentarfilmemacherinnen

Europas. Kirtadzes Filme wurden weltweit

auf Festivals ausgezeichnet, unter anderem

gewann sie den Preis für die Beste Regie

beim Sundance Film Festival für DURAKOVO:

VILLAGE OF FOOLS, den Europäischen

Filmpreis sowie den Visions du Réel

Grand Prize für EINE PIPELINE DURCH

DEN KAUKASUS. Kirtadze ist zudem als

Schauspielerin aktiv. Sie ist Mitglied der

Europäischen Filmakademie sowie der

Französischen Gesellschaft für Regisseur/innen

und Autor/innen SCAM. Seit 2019 ist sie die

georgische Vertreterin bei Eurimages, dem

Filmförderungsfonds des Europarates.

Born in Tbilisi, Georgia, Kirtadze worked as a

war correspondent in the 1990s, covering the

war in Chechnya and other armed conflicts in

the Caucasus region. She made her cinematic

debut in France and quickly established

herself as one of the leading documentary

filmmakers in Europe. Kirtadze’s films have

won numerous prestigious awards at festivals

worldwide. The highlights include Best Director

Prize at Sundance for DURAKOVO: VILLAGE

OF FOOLS, the European Film Award and

the Visions du Réel Grand Prize for PIPELINE

NEXT DOOR. Kirtadze works as an actress as

well. She is a member of the European Film

Academy, a member of France’s directors and

authors society SCAM and since 2019 also

the Georgian representative for Eurimages, the

cultural support fund of the Council of Europe.

Darya Zhuk Mit 16 Jahren verließ Darya Zhuk

Minsk, Belarus, um in den USA zu studieren.

Sie entdeckte das Filmemachen während ihres

Wirtschaftsstudiums an der Harvard University,

bevor sie ihren MFA in Regie von der Columbia

University erwarb. Ihr Debütfilm CRYSTAL

SWAN war der erste Film aus Belarus, der nach

22 Jahren wieder bei den Oscars als bester

fremdsprachiger Film eingereicht wurde. Er

eröffnete den „East of the West“-Wettbewerb

beim Internationalen Filmfestival Karlovy

Vary und gewann zahlreiche Preise, etwa auf

dem Odessa Film Festival oder dem Tbilisi

International Film Festival. 2019 lief er zudem

in der Bioskop-Sektion von goEast.

Darya Zhuk left Minsk, Belarus, at the age

of 16 to study in the US. She discovered

filmmaking while studying Economics at

Harvard University. Consequently, she went

on to earn her MFA in directing from Columbia

University. Her debut feature film CRYSTAL

SWAN was the first Belarusian submission into

the Academy Awards’ Best Foreign Language

category in 22 years. The film opened the

prestigious “East of the West” competition at

Karlovy Vary International Film Festival and

won many prizes, such as the Grand Prix at

Odessa Film Festival and the Grand Prix at

Tbilisi International Film Festival. It was also

part of the Bioscop section at goEast in 2019.

27 COMPETITION / JURY


FIPRESCI – Internationaler Verband der Filmkritik

Dieser Virus hat sehr viele Menschen arbeitslos

gemacht. Wir Filmkritiker und -kritikerinnen sind da

vergleichsweise fein heraus: Wir können Filme sehen,

wenn schon nicht auf der großen Leinwand, dann eben

auf dem kleinen Monitor. Und wir können über Filme

schreiben, wenn schon nicht in unseren gewohnten

Zeitungen und Zeitschriften, dann eben auf den

Filmseiten im Internet. Eine der Erfahrungen, die wir

alle machen, ist, dass die realen Grenzen enger und

dichter geworden sind, und dass das öffentliche Leben

aus der Öffentlichkeit so gut wie verschwunden ist –

dass das Internet aber soziale Kontakte weiterführt und

vielleicht sogar vertieft (wenn schon nicht real, dann

eben virtuell). Natürlich gehören Filme auf die große

Leinwand (gerade bei einem Festival), natürlich macht

es weniger Spaß, sie auf dem Laptop oder Tablet zu

sehen. Aber dort sind sie wenigstens zu sehen. Für viele

Filmemacher und Filmemacherinnen ist dies wichtig,

eine Chance, künstlerisch zu überleben. Ums Überleben

geht es zur Zeit, in jeder Hinsicht. goEast auch online

stattfinden zu lassen, wenigstens teilweise, ist nicht

einfach und erfordert Mut und Erfahrung (und ein Budget).

Glückwunsch an Heleen Gerritsen und ihr Team, dass

sie sich auf dieses Experiment einlassen – damit für uns

die Grenzen zum Osten, die von kleinmütigen Politikern

und Politikerinnen aufgebaut wurden, wieder abgebaut

werden. Glückwunsch, und viel Glück.

Klaus Eder

FIPRESCI – International Federation of Film Critics

www.fipresci.org

FIPRESCI

FIPRESCI – International Federation of Film Critics

This virus has cost a whole lot of people their jobs. We

film critics are relatively well off in comparison: we can

watch films, if not on the big screen then at least on a

little monitor instead. And we can write about films, if not

in the newspapers and periodicals we’re used to, then

at least on film sites on the Internet. One of the things

that all of us are experiencing is that real boundaries

have gotten tighter and denser, and that public life has

all but vanished from public – but that the Internet also

extends social contacts and maybe even deepens them

(if not “for real”, then at least virtually). Of course, films

belong on the big screen (especially when it comes to

festivals), of course it’s less fun to watch them on a

laptop or tablet. But at least we can watch them at all.

For many filmmakers, this is important, it’s a chance to

survive artistically. At the moment, it’s all about survival,

in every regard. It’s also not easy to have goEast take

place online, at least partially, it requires courage and

experience (and a budget). Congratulations to Heleen

Gerritsen and her team for being willing to embrace this

experiment – so that the borders to the East put up by

timid politicians can be taken down again for us. Bravo,

and good luck.

Klaus Eder

FIPRESCI – International Federation of Film Critics

www.fipresci.org

28


Albert Gabay Geboren in Israel. Er hat einen

Abschluss der Universität Tel Aviv, wo er sich

auf Filmproduktion und -geschichte sowie

Drehbuchschreiben spezialisierte. In den

letzten dreißig Jahren hat er als Filmjournalist,

-dozent und -historiker sowie als Produzent

und Regisseur gearbeitet. Er ist seit 25

Jahren Moderator, Cutter und Produzent

der ältesten Filmsendung des israelischen

Fernsehens, die Filmkritiken und Interviews

mit Filmschaffenden aus dem In- und Ausland

ausstrahlt. Gabay ist Regisseur hunderter

Fernsehprogramme und Dokumentarfilme.

Sein letzter Film HIGH ROAD TO CHINA

begleitet die Reise einer israelischen

Theatergruppe durch China, die dort ihr

Programm auf Hebräisch vor chinesischem

Publikum spielt.

Born in Israel, Gabay graduated from Tel

Aviv University, where he specialised in film

production, cinema history and screenwriting.

For the last thirty years, he has worked as a

film journalist, film lecturer and film historian

as well as a director and producer. He has

been hosting, editing and producing Israel’s

longest-running film programme on television

for 25 years, which features film reviews and

interviews with actors and directors from

Israel and abroad. He has directed hundreds

of television programmes and documentary

films. His last documentary film HIGH ROAD

TO CHINA accompanies an Israeli theatre

group through China, where they perform their

program in Hebrew in front of thousands of

Chinese viewers.

FIPRESCI

JURY

Angelo Nicolae Mitchievici Geboren 1972 in

Drăgășani, Rumänien. 2008 promovierte er

in Philologie mit Summa cum Laude an der

Universität Bukarest und ist derzeit Professor

an der Fakultät für Geisteswissenschaften

der Universität Ovidius in Constanţa, wo

er vergleichende Literaturwissenschaften

unterrichtet. Seit 2010 ist er Mitglied im

rumänischen Schriftstellerverband (USR), im

rumänischen Verband der Filmschaffenden

(UCIN) und Mitglied der Rumänischen

Vereinigung für Amerikanistik (RAAS). Als

Filmkritiker und Redaktionsassistent arbeitet er

für das „România literară“, das am weitesten

verbreitete rumänische Literaturjournal, und

für die Zeitschrift „Ex Ponto. Text, imagine,

metatext“. Seit 2017 ist er zudem Mitglied im

Verwaltungsrat des rumänischen Rundfunks.

Born in 1972 in Drăgășani, Romania,

Mitchievici obtained his PhD in Philology

with a summa cum laude distinction from

the University of Bucharest in 2008 and is

currently a professor at the Faculty of Letters,

University Ovidius of Constanţa, where he

teaches comparative literature. Since 2010, he

has been a member of USR (Writer’s Union of

Romania), UCIN (The Romanian Filmmakers

Union) and RAAS (Romanian Association

for American Studies). As a film critic and

assistant editor, he works for “România

literară”, the most distinguished Romanian

literary journal, and for “Ex Ponto. Text,

imagine, metatext” magazine. Since 2017,

he has also been a member of the Council

of Administration of the Romanian Radio

Broadcasting Company.

Carolin Weidner Geboren 1989, studierte sie

Filmwissenschaft und Publizistik in Berlin. Als

freie Filmjournalistin arbeitete sie u.a. für taz,

SPIEGEL ONLINE und das Filmmagazin Cargo.

Sie war Jurymitglied bei dem Internationalen

Film Festival Eurasia in Kasachstan, dem

Internationalen Filmfestival Busan (BIFF) in

Südkorea, dem Internationalen Filmfestival

in Moskau, dem Internationalen Filmfestival

Rotterdam sowie den Internationalen

Kurzfilmtagen in Oberhausen. Seit 2017

ist sie Vorstandsmitglied des Verbandes

der deutschen Filmkritik (VDFK). Im selben

Jahr begann sie, Filmjournalismus an der

Universität Hildesheim zu unterrichten. Sie ist

Teil der Auswahlkommission von DOK Leipzig

und war 2020 in der Auswahlkommission der

Berlinale-Sektion Generation14Plus.

Born in 1989, Weidner studied film studies

and journalism in Berlin. As a freelance

film journalist she worked for the German

newspaper taz, SPIEGEL ONLINE and the

film magazine Cargo. She was a jury member

at the Eurasia International Film Festival

in Kazakhstan, the Busan International

Film Festival (BIFF) in South Korea, the

International Film Festival in Moscow, the

International Film Festival Rotterdam and the

International Short Film Festival Oberhausen,

Germany. Since 2017, she has been a board

member for the Association of German Film

Critics (VDFK) and also started teaching film

journalism at the University of Hildesheim in

the same year. She is part of the selection

committee for DOK Leipzig and was part of the

selection committee for the Berlinale section

Generation14Plus in 2020.

29 COMPETITION / JURY


30

VALENTYN VASYANOVYCH

Geboren 1971 in Zhytomyr, Ukraine. Er

studierte Kamera und Dokumentarfilm an

der Nationalen Universität Karpenko-Kary

für Theater, Kino und Fernsehen in Kiew,

sowie Filmregie an der Wajda School &

Studio in Warschau. Bereits sein erster Kurz-

Dokumentarfilm AGAINST THE SUN von 2004

erhielt auf internationalen Filmfestivals diverse

Auszeichnungen. 2014 arbeitete Vasyanovych

als Produzent und Kameramann für Myroslav

Slaboshpytskyis THE TRIBE, welcher als einer

der erfolgreichsten ukrainischen Filme des

21. Jahrhunderts gilt.

Born in Zhytomyr, Ukraine, in 1971,

Vasyanovych studied cinematography and

documentary filmmaking at the Kyiv National

Karpenko-Kary University of Theatre, Cinema

and Television, and film directing at the Wajda

School & Studio in Warsaw. His first short

documentary AGAINST THE SUN received

several awards at international film festivals.

In 2014, Vasyanovych worked as a producer

and director of photography for Myroslav

Slaboshpytskyi’s THE TRIBE, which became

one of the biggest international successes of

Ukrainian film in the 21st century.

Filmography

2004 // PROTY SONTSYA / AGAINST THE

SUN (short)

2013 // KREDENS

2014 // CREPUSCULE

2017 // RIVEN CHORNOHO

2019 // ATLANTIS


ATLANTIS

Valentyn Vasyanovych

Ukraine 2019

108 min, DCP, colour / OV + eng SUB

Screenplay Valentyn Vasyanovych

Camera Valentyn Vasyanovych

Editor Valentyn Vasyanovych

Sound Serhiy Stepansky

Producers Vladimir Yatsenko, Iya Myslytska, Valentyn Vasyanovych

Cast Andriy Rymaruk, Liudmyla Bileka, Vasyl Antoniak

Production

Studio Garmata Film, Ukraine

Rights/Sales

Best Friend Forever, Belgium

sales@bffsales.eu

Infolge einer Naturkatastrophe ist das Inselreich

Atlantis laut dem griechischen Mythos innerhalb

„eines einzigen Tages und einer unglückseligen

Nacht“ untergegangen. In Vasyanovychs Film

sind die postapokalyptischen Landschaften im

Ostukraine der nahen Zukunft dagegen über einen

längeren Zeitraum entstanden. Geblieben ist eine

Wüste, in der die Folgen von Krieg, Industrie und

Ausbeutung von Bodenschätzen menschliches

Leben unmöglich gemacht haben. MAD MAX meets

STALKER. In sorgfältig durchkomponierten Tableaus

fahren große Bagger und Militärfahrzeuge

langsam durch den Schlamm. Hier wohnt Serhii,

ein an einer posttraumatischen Belastungsstörung

leidender Kriegsveteran, alleine in seiner kaputten

Wohnung. Wenn das Stahlwerk schließt, in dem er

arbeitet, will er die „Zone“ endlich verlassen. Doch

die Begegnung mit Katya, einer ehrenamtlichen

Mitarbeiterin der Organisation „Schwarze Tulpe“,

die Leichen von Kriegsopfern birgt und identifiziert,

ändert seine Perspektive auf das Leben. (hg)

According to Greek mythology, the island kingdom

of Atlantis sank to the bottom of the sea within “a

single day and a single fateful night” in the wake

of a natural disaster. In Vasyanovych’s film, by

contrast the post-apocalyptic landscapes in Eastern

Ukraine of the near future have taken shape over a

longer period of time. What remains is a desert, in

which the consequences of war, industry and the

extraction of mineral resources have made human

life impossible. MAD MAX meets STALKER. In

painstakingly composed tableaus, huge excavators

and military vehicles drive slowly through the

mud. Amid this hellscape lives Serhii, a veteran

suffering from PTSD, alone in his broken-down

home. When the steel foundry where he works

closes, he thinks about finally leaving the “zone”.

Then an encounter with Katya, a volunteer

working for the “Black Tulip” organisation, which

recovers and identifies the bodies of war victims,

changes his way of looking at life.

31 COMPETITION


Filmography (selection)

2013 // STROITELI / CONSTRUCTORS

2014 // UKILI KAMSHAT / THE OWNERS

2018 // NOCHNOY BOG / NIGHT GOD

2018 // LASKOVOE BEZRAZLICHIE MIRA

/ THE GENTLE INDIFFERENCE OF THE

WORLD

2019 // A DARK, DARK MAN

ADILKHAN YERZHANOV

Geboren 1982 in Schesqasghan,

Kasachstan. 2009 schloss er sein Studium

der Filmregie an der Staatlichen Akademie

der Künste Kasachstans ab, anschließend

studierte er in New York. Neben vielen

Kurzfilmen hat er Langspielfilme sowie einen

Dokumentarfilm inszeniert. Bereits 2013 war

er mit seinem Film KONSTRUKTEURE bei

goEast, ebenso 2019 mit DIE ZÄRTLICHE

GLEICHGÜLTIGKEIT DER WELT, für

den er den Preis für die Beste Regie der

Landeshauptstadt Wiesbaden sowie den

FIPRESCI-Preis als bester Spielfilm gewann.

Born in Dzhezkazgan, Kazakhstan, in 1982,

Yerzhanov studied film directing at the Kazakh

National Academy of Arts up to 2009. After

graduating, he continued to study in New York.

Alongside many shorts, Yerzhanov has written

and directed full-length feature films and a

documentary. In 2013, he participated in the

goEast Competition with CONSTRUCTORS,

returning in 2019 with THE GENTLE

INDIFFERENCE OF THE WORLD, for which he

was given the Award of the City of Wiesbaden

for Best Director as well as the FIPRESCI

Award for best fiction feature.

32


A DARK, DARK MAN

Adilkhan Yerzhanov

Kazakhstan, France 2019

130 min, DCP, colour / kaz, rus OV + eng SUB

Screenplay Adilkhan Yerzhanov, Roelof Jan Minneboo

Camera Aydar Sharipov

Editor Adilkhan Yerzhanov

Music Galymzhan Moldanazar

Sound Ilya Gariyev

Producers Serik Abishev, Olga Khlasheva

Co-Producer Guillaume de Seille

Cast Daniyar Alshinov, Dinara Baktybayeva, Teoman Khos

Production

Short Brothers, Kazakhstan

olga.khlasheva@gmail.com

Astana Film Fund, Kazakhstan

Arizona Productions, France

Nach DIE ZÄRTLICHE GLEICHGÜLTIGKEIT DER

WELT meldet sich Adilkhan Yerzhanov mit

einem temperamentvollen Genre-Mix zurück: In

einem kleinen kasachischen Dorf wird ein Junge

ermordet aufgefunden. Der Polizist Bekzat wird

auf den Fall angesetzt und erhält die Lösung „von

oben“ gleich mit – der Täter sei der geistig zurückgebliebene

Pekuar. Verbrecher werden hier durch

Korruption, Folter und Willkür überführt. Als Bekzat

den Fall bereits nach einem Tag abschließen

will, durchkreuzt die junge Journalistin Ariana

seine Pläne. Ihr penibles Rechtsbewusstsein und

ihre Kontakte zum Ministerium sorgen für großen

Unmut – auch bei den mächtigen Männern der

Gegend, die bereits Pläne schmieden, die Journalistin

schnellstens aus dem Weg zu räumen.

Anstatt Camus' Existenzialismus zitiert Yerzhanov

diesmal den demokratischen Vordenker Montesquieu

in einer Welt, die das Recht nach ihrem

Belieben biegt. Das Eindringen der Journalistin

gibt den Anstoß zum Einsturz des korrupten

Systems. Sogar Maschinen wie Bekzats Dienstwagen

geben den Geist auf. Und auch die Schatten

des dunklen Mannes werden nach und nach ans

Tageslicht geführt. Ein hoffnungsvoller Schimmer

am weiten Horizont der kasachischen Landschaft.

(jp)

DEUTSCHLANDPREMIERE

Following THE GENTLE INDIFFERENCE OF THE

WORLD, Adilkhan Yerzhanov is back again with

a spirited genre mixture. A young man is found

murdered in a tiny Kazakh village. Detective

Bekzat is assigned to the case and promptly

provided with a perpetrator by his “higher-ups”:

mentally handicapped Pekuar is supposed to have

committed the deed. Criminals in these parts are

“caught” through corruption, torture and arbitrary

methods. When Bekzat moves to close the case

after a one-day investigation, young journalist

Ariana nixes his plans. Her fastidious sense of

justice and contacts inside the ministry spark

resentment – and make the conscientious reporter

a thorn in the side of powerful men in the region,

who are already forging plans to get rid of her at

the first opportunity.

Instead of Camus' existentialism, this time out

Yerzhanov draws inspiration from that pioneer

of democratic theory Montesquieu in a world that

bends the law any way it sees fit. Ariana’s dogged

intervention triggers a collapse of the corrupt

system – even Bekzat’s official vehicle gives up the

ghost, as the hidden machinations of the man in

the dark are gradually brought to light. A hopeful

glow comes into view on the vast horizon of the

Kazakh landscape.

GERMAN PREMIERE

33 COMPETITION


ILYA POVOLOTSKY

Geboren 1987. Er beendete 2009 ein Studium

an der Finanzuniversität der Regierung der

Russischen Föderation und gründete die

Produktionsfirma Black Chamber. Er begann

als Regisseur für Werbefilme und spezialisierte

sich auf experimentelle und künstlerische

Projekte. So wurde sein Werbefilm PUSH

THE LIMIT (2016) für Toyota Russland bei

dem 27. Internationalen Festival für Werbung

und Marketing "Red Apple" in Moskau

ausgezeichnet. Für seinen letzten Film FROTH

erhielt er 2019 eine Lobende Erwähnung

auf dem Dokumentarfilmfestival IDFA in

Amsterdam.

Born in 1987, Povolotsky graduated from the

law department of the Financial University

under the Government of the Russian

Federation in 2009, and founded the Black

Chamber production company. He started out

as a director of advertisements specializing

in experimental and artistic projects. The

commercial project PUSH THE LIMIT (2016)

for Toyota Russia was honoured with an

award at the 27th "Red Apple" International

Advertising Festival in Moscow. With his

most recent film FROTH he earned a Special

Mention at the International Documentary Film

Festival Amsterdam in 2019.

Filmography

2017 // SEVERJANE / NORTHERNERS

2019 // PENA / FROTH

34


FROTH

PENA /

SCHAUM

Ilya Povolotsky

Russia, Qatar 2019

84 min, DCP, colour / rus, deu OV + eng SUB

Screenplay Ilya Povolotsky

Camera Evgeny Rodin

Editors Alexander Kletsov, Ilya Povolotsky, Anton Koloskov

Sound Alexander Krotov, Andrey Dergachev

Producers Yaroslav Kozlov, Ekaterina Krasovitskaya, Anna Shalashina

Production

BlackChamber, Russia

cd@blackchamber.ru

Rights/Sales

Antipode Sales & Distribution, Russia

documentary@antipode-sales.biz

Ein kleines Dorf an der Barentssee. Die meisten

Häuserblöcke sind leer und verwittern unter dem

peitschenden Regen, doch einige Eigenbrötler

harren aus: Bardak war bei der Marine. Nachdem

seine Einheit sich auflöste und seine Kameraden

ihr Glück anderswo suchten, blieb er zwischen

leeren Gebäuden zurück. Sein Freund Dima, ein

Wilderer, macht einen Sport daraus, gegen Regeln

zu verstoßen, doch zu seiner kleinen Tochter hat

er eine zärtliche Beziehung. Fährmann Aleksandr

befindet sich in einem stillen Generationskampf

mit seiner Tochter Mascha, die von einem anderen

Leben in der großen Welt träumt. Die Männer

verbringen ihre meiste Zeit am oder auf dem

Wasser – die Natur beherrscht hier alles. Zum

Überleben braucht man eine gewisse Resilienz.

Es gibt sogar noch eine kleine funktionierende

Wetterstation. Man fragt sich: für wen? Regisseur

Ilya Povolotsky gelingt mit SCHAUM ein empathischer

und stilsicherer Debütfilm. (hg)

DEUTSCHLANDPREMIERE

A tiny village at the Barents Sea. Most of the

housing blocks are vacant and decomposing in

the driving rain. Nevertheless, a few lone wolves

choose to stick it out here. Bardak served in the

navy. After his unit disbanded and his comrades

went off to seek their fortunes elsewhere, he stayed

behind amidst empty buildings. His friend Dima,

a poacher, has made a sport out of breaking the

rules, but has an affectionate relationship with

his little daughter. Ferryman Aleksandr is mired

in a silent generational struggle with his daughter

Masha, who dreams of another life out in the

wider world. The men spend most of their time on

the water, or next to it – nature rules everything

here. It takes a certain resilience to survive. The

settlement even has a little working weather

station still. But who is it for exactly? With FROTH,

director Ilya Povolotsky has succeeded in creating

a sensitive and stylistically sure-handed debut.

GERMAN PREMIERE

35 COMPETITION


NADIA PARFAN

Geboren in Iwano-Frankiwsk, Ukraine. Sie

studierte Kulturwissenschaften, Anthropologie

und Stadtplanung. 2014 belegte sie einen Kurs

zur Dokumentarfilmregie an der Wajda School

& Studio in Warschau. Ihr Studentenfilm REVE

TA STOHNE ON TOUR feierte seine Premiere

auf dem Internationalen Filmfestival in

Warschau und bekam eine lobende Erwähnung

bei Docudays UA. Sie ist eine der Produzent/

innen der Dokuserie „MyStreetFilmsUkraine“

und Mitbegründerin des Festivals für Film und

Urbanismus "86".

Born in Ivano-Frankivsk, Ukraine, Parfan

studied cultural studies, anthropology, and

urbanism. In 2014 to she took a documentary

film directing course at Wajda School & Studio

in Warsaw. Her student film REVE TA STOHNE

ON TOUR premiered at Warsaw International

Film Festival and received a Special Mention

at Docudays UA. She is one of the creative

producers of the “MyStreetFilmsUkraine”

documentary series and a co-founder of the

Festival of Film and Urbanism "86".

Filmography

2016 // REVE TA STOHNE ON TOUR (short)

2017 // PARAPETÓWKA (short)

2019 // SPIVAYE IVANO-

FRANKIVSKTEPLOKOMUNENERGO / HEAT

SINGERS

36


HEAT SINGERS

SPIVAYE IVANO-FRANKIVSKTEPLOKOMUNENERGO /

DIE HEIZKRAFTWERKSSÄNGER

Nadia Parfan

Ukraine 2019

63 min, DCP, colour / OV + eng SUB

Camera Dmytro Burko, Vasyl Goshovsky

Editor Mykola Bazarkin

Music Margaryta Kulichova

Sound Andriy Borysenko

Producer Illia Gladshtein

Production

Phalanstery Films, Ukraine

pha.films@gmail.com

Ziemlich unerwartet wurde Nadia Parfans

Dokumentarfilm in Ukraine zum Box Office-Hit.

Er porträtiert die Besatzung eines Heizkraftkombinats

in der Stadt Iwano-Frankiwsk. Mit viel

Empathie und Humor verfolgt die Regisseurin die

Belegschaft in ihrem Alltag: Wir begleiten Installateure

zu Menschen nach Hause, wo die Heizung

seit Monaten nicht funktioniert. Wir gehen durch

marode Keller, in denen das Wasser kniehoch steht

und beobachten Mitarbeiter/innen der Kundenhotline,

die auch bei den wüstesten Beschimpfungen

Ruhe bewahren. Dass die Fernheizung in dieser

Stadt überhaupt noch funktioniert, so bekommt

man den Eindruck, ist nur den Improvisationskünsten

der Belegschaft zu verdanken. Damit die

Arbeitsmoral hoch bleibt, organisiert das Unternehmen

ein Freizeitprogramm, das vom Team mal

mehr, mal weniger enthusiastisch angenommen

wird: Der Arbeiter/innenchor in traditionellen

Vyshyvankas sorgt auf jeden Fall für Team-Spirit

und Zusammenhalt. Ein sympathischer Film über

Heldinnen und Helden der Arbeiterklasse inmitten

eines kaputten Systems – mit ganz besonderem

Soundtrack. (hg)

DEUTSCHLANDPREMIERE

Nadia Parfan’s documentary film portraying the

trials and tribulations of the staff of a district heating

plant in the city of Ivano-Frankivsk became

a surprise hit at the Ukrainian box office. With

great empathy and humour, the director follows

the crew around on their everyday missions. We

tag along with technicians to customers’ homes

where the heating hasn’t worked for months. We

wade through rotten basements, flooded knee-deep,

and observe employees of the customer service

hotline keeping their cool when confronted with

the nastiest insults known to man. The fact that the

district heating system still works at all here seems

uniquely due to the improvisational genius of the

perseverant crew. To keep morale up, the company

organizes a leisure programme that is embraced by

the team with varying levels of enthusiasm: clad in

their traditional embroidered shirts, the workers’

choir certainly generates a surplus of team spirit

and solidarity. A congenial film about a band of

working class heroes fighting to maintain a system

in disrepair – featuring a very special soundtrack.

GERMAN PREMIERE

37 COMPETITION


Born in 1989, Okhapkina graduated in 2012

from St. Petersburg State University of Film

and TV. Since 2014, she has maintained a

collaboration with Estonian producer Riho

Västrik and his film studio Vesilind. Her first

documentary, COME BACK FREE, a poetic film

about life in a war-torn Chechen village, was

produced there in 2016. It won the Special

Jury Award at the International Documentary

Film Festival in Amsterdam.

Filmography

2016 // COME BACK FREE

2019 // SUREMATU / IMMORTAL

KSENIA OKHAPKINA

Geboren 1989, schloss sie 2012 ihr Studium

an der Staatlichen Universität für Film und

Fernsehen in Sankt Petersburg ab. Seit

2014 arbeitet sie eng mit dem estnischen

Produzenten Riho Västrik und seinem

Filmstudio Vesilind zusammen. Hier wurde

2016 ihr erster Dokumentarfilm COME

BACK FREE produziert, ein poetischer Film

über das Leben in einer kriegsgebeutelten

tschetschenischen Stadt. Er gewann auf

dem Internationalen Dokumentarfilmfestival

Amsterdam den Spezialpreis der Jury.

38


IMMORTAL

SUREMATU /

UNSTERBLICH

Ksenia Okhapkina

Estonia, Latvia 2019

61 min, DCP, colour / rus OV + eng SUB

Screenplay Ksenia Okhapkina, Pauls Bankovskis, Kersti Uibo

Camera Aleksandr Demyanenko, Artem Ignatov, Ksenia Okhapkina

Editors Ksenia Okhapkina, Stijn Deconinck

Music Robert Jürjendal, Arian Levin

Sound Alexander Dudarev

Producer Riho Västrik

Co-Producer Uldis Cekulis

Production

Vesilind OÜ, Estonia

riho.vastrik@vesilind.ee

Co-Production

VFS Films, Latvia

uldis@vfs.lv

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion

öffneten sich in Apatiti, einem ehemaligen

Straf- und Arbeitslager, zwar die Gefängnistüren,

doch seine Insass/innen blieben, siedelten sich

an und gründeten Familien. Ihr Leben wird noch

immer von einer strengen Ordnung bestimmt, die

auch die Kinder prägt, die von Geburt an Teil des

Systems sind. Ohne zu urteilen und mit einem sensiblen

Blick beobachtet Ksenia Okhapkina ihren

Alltag: Junge Tänzer/innen, die mit verkniffenen

Gesichtern üben. Das Klackern der Tanzschuhe,

das in das donnernde Hallen von Gewehrschüssen

übergeht: Ein Trainingslager, in dem junge

Soldaten den Umgang mit ihren Waffen erlernen.

Im stetigen Wechsel dieser beiden Schauplätze

werden die unterschiedlichen, antrainierten Bewegungsabläufe

der Kinder den Momenten gegenüber

gestellt, in denen die Erwachsenen selbst zwischen

dem Eis wie festgefroren verharren. So entsteht

das Bild eines kollektiven Schicksals. Und trotz

einer bedrückenden Atmosphäre porträtiert

der Film die Ideologien mit einer prägnanten,

malerischen Dichte, löst die Strenge der Disziplinierungsmaßnahmen

immer wieder subtil auf und

entwickelt sich damit zu einem sehr durchdacht

komponierten Gesamtwerk. (tw)

DEUTSCHLANDPREMIERE

Following the collapse of the Soviet Union, though

the prison doors were flung open at Apatiti, a

former forced labour camp, the inmates chose

to stay, settling there permanently and starting

families. Their lives are still determined by a strict

regimen that also extends to the children, who are

essentially born into the system. Without passing

judgement and with a sensitive gaze, Ksenia

Okhapkina observes their everyday existence.

Young dancers practice with pained expressions.

The clattering of the dancing shoes gives way to

the thunderous reverberation of gunshots from

a training camp where young soldiers learn how

to handle their weapons. In a steady alternation

between these two settings, the children’s

different acquired movements are juxtaposed

with moments in which the adults endure, as if

frozen in place themselves in their icy surroundings.

What emerges is a portrait of collective

fate. Despite its oppressive atmosphere, the film

manages to depict its protagonists’ ideologies with

a concise, painterly intensity while repeatedly

finding a subtle way to resolve the harshness of

the discipline, which determines daily life here.

An impressive, painstakingly composed piece of

cinema.

GERMAN PREMIERE

39 COMPETITION


IVANA MLADENOVIĆ

Geboren in Serbien, studierte sie zunächst

Jura in Belgrad, bevor sie nach Bukarest

zog und 2011 ihr Masterstudium der

Filmregie an der Nationalen Hochschule

für Film und Theater (UNATC) beendete.

Ihre studentischen Kurzfilme wurden auf

verschiedenen Filmfestivals weltweit gezeigt.

2009 begann sie mit der Arbeit an ihrem

ersten dokumentarischen Langfilm, LUMEA IN

PATRATELE, den sie 2012 beendete. In Radu

Judes gefeiertem Spielfilm SCARRED HEARTS

(2016) trat sie zudem als Schauspielerin auf.

Filmography

40

Born in Serbia, Mladenović studied law in

Belgrade before moving to Bucharest, where

she received her master’s degree in film

directing at the National School of Film and

Theatre (UNATC) in 2011. Her short student

films were shown at various film festivals

around the world. She started working on

her first feature documentary, LUMEA IN

PATRATELE, in 2009 and finished it in 2012.

She also appeared as an actress in Radu

Jude’s acclaimed feature film SCARRED

HEARTS (2016).

2010 // SKIN (short)

2012 // LUMEA IN PETRATELE

2017 // SOLDATII. POVESTE DIN FERENTARI

2019 // IVANA THE TERRIBLE / IVANA CEA

GROAZNICĂ


IVANA THE TERRIBLE

IVANA CEA GROAZNICĂ /

IVANA DIE SCHRECKLICHE

Ivana Mladenović

Romania, Serbia 2019

89 min, DCP, colour / rum, srp OV + eng SUB

Screenplay Adrian Schiop, Ivana Mladenović

Camera Carmen Tofeni

Editors Cătălin Cristuţiu, Patricia Chelaru

Sound Alexandru Dumitru

Producers Ivana Mladenović, Ada Solomon

Cast Ivana Mladenović, Luka Gramić, Gordana Mladenović, Miodrag

Mladenović, Kosta Mladenović, Živka Sorejević, Andrei Dinescu, Anca

Pop

Production

microFilm, Romania

ada.solomon@gmail.com

Dunav 84, Serbia

ivanamladeno@gmail.com

Rights/Sales

Syndicado Film Sales, Canada

admin@syndicado.com

Was passiert, wenn man die eigenen Verwandten

und Freund/innen einlädt, in einem autobiografischen

Spielfilm sich selbst zu spielen? Regisseurin

Ivana Mladenović wagt den Versuch. Sie selbst

spielt die Mittdreißigerin Ivana – eine in Bukarest

lebende Schauspielerin mit psychosomatischen

Beschwerden, die in ihre serbische Heimatstadt

Kladovo zurückkehrt, um Ruhe zu finden und

ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun. Doch

schon im Zug legt Ivana sich mit einer älteren

Mitreisenden an, die behauptet, Yoga sei ein

bösartiger Kult und korrumpiere die Jugend. In

den siebziger Jahren ließen Tito und Ceaușescu im

beschaulichen Kladovo gemeinsam eine „Freundschaftsbrücke“

bauen. Doch von Freundschaft ist

nach Ivanas Rückkehr eher wenig zu spüren: Der

Vater nörgelt, die Oma schreit, Ivana hat Angst,

dass ihre Affäre mit dem 21-jährigen Nachbarsjungen

auffliegt, und ihre Familie nimmt weder ihre

Filmkarriere noch ihre körperlichen Beschwerden

ernst. Absurd-komische Generationskonflikte

ziehen sich durch den ganzen Film, kulminierend

darin, dass ausgerechnet Ivana „die Schreckliche“

von der Stadtverwaltung Kladovo als Gesicht des

rumänisch-serbischen Freundschaftsfestivals

ausgewählt wird. (hg)

What happens when one invites one’s own friends

and relatives to play themselves in an autobiographical

feature film? Director Ivana Mladenović

dares to do just that – personally occupying the

role of thirty-something Ivana, a Bucharest-based

actress with psychosomatic ailments who returns

to her Serbian hometown of Kladovo seeking peace,

quiet and an improvement to her health. Alas, on

the train ride home Ivana already gets in a fight

with an older female passenger who claims that

yoga is an evil cult intent on corrupting young

minds. In the 1970s, Tito and Ceaușescu teamed

up to build a “friendship bridge” in humble

Kladovo, but there is little trace of friendship left

upon Ivana’s arrival: her father nags, grandma

screams, Ivana is worried that her affair with the

21-year-old neighbour boy will be discovered and

her whole family fails to take her film career or

her physical afflictions seriously. Absurdly comical

generational conflicts abound throughout the film,

coming to a head when none other than Ivana “the

Terrible” is selected by Kladovo’s city government

to serve as poster girl for their annual festival of

Romanian-Serbian friendship.

41 COMPETITION


KASIA MATEJA

Die Filmemacherin und Fotografin absolvierte

das Edinburgh College of Art in Schottland

an der Fakultät für Film und Fernsehen. Sie

hat als Regisseurin, Kamerafrau, Cutterin,

Tontechnikerin und Produzentin gearbeitet und

drehte dokumentarische und experimentelle

Filme in Schottland, Irland, Argentinien,

Bolivien, Peru und der Mongolei. Ihr

Dokumentarfilm SILENCE ON THE WAY TO

THE REINDEER PEOPLE wurde auf Festivals

weltweit ausgezeichnet. Sie leitet außerdem

Filmworkshops für benachteiligte Jugendliche.

42

MAŁGORZATA GOLISZEWSKA

Die Dokumentarfilmerin absolvierte 2012

einen DocPro-Kurs an der Wajda School &

Studio. Sie erwarb ihren Master in Multimedia

Art und arbeitete an der Akademie der

bildenden Künste in Stettin in der Abteilung

Experimentalfilm. Häufig kombiniert sie

in ihren Arbeiten Dokumentarfilm und

zeitgenössische Kunst. Sie drehte mehrere

Kurzfilme, darunter THIS TYPE OF BIRDS, der

auf vielen internationalen Festivals, wie auf

dem Internationalen Dokumentarfilmfestival

Amsterdam, dem Filmfestival Krakau und

dem Internationalen Dokumentarfilmfestival in

Sheffield gezeigt wurde.

A documentary filmmaker, Goliszewska

completed a DocPro course at the Wajda

School & Studio in 2012. She received her

master’s degree in multimedia art and worked

at the Academy of Fine Arts in Szczecin in

the Experimental Film Department. She often

combines documentary and contemporary art

in her work. To date, she made several short

films, including THIS TYPE OF BIRDS, which

has been shown at many international festivals

like the International Documentary Film

Festival Amsterdam, Krakow Film Festival and

Sheffield International Documentary Festival.

Filmography

2012 // THIS TYPE OF BIRDS (short)

2013 // HAPPINESS (short)

2014 // EIGHTEEN (short)

2019 // LESSONS OF LOVE / LEKCJA

MIŁOŚCI

A filmmaker and photographer, graduate of

Edinburgh College of Art in Scotland from the

faculty of Film and TV, Mateja has worked

as a director, cinematographer, editor, sound

technician and producer. She has made short

documentaries and experimental films in

Scotland, Ireland, Argentina, Bolivia, Peru and

Mongolia. Her documentary SILENCE ON THE

WAY TO THE REINDEER PEOPLE won awards

at festivals worldwide. She also conducts film

workshops for disadvantaged youth.

Filmography

2012 // SILENCE ON THE WAY TO THE

REINDEER PEOPLE

2019 // LESSONS OF LOVE / LEKCJA

MIŁOŚCI


LESSONS OF LOVE

LEKCJA MIŁOŚCI /

LEKTIONEN DER LIEBE

Kasia Mateja, Małgorzata Goliszewska

Poland 2019

75 min, DCP, colour / OV + eng SUB

Screenplay Anna Stylińska, Małgorzata Goliszewska

Camera Kasia Mateja, Tymon Tykwiński, Mateusz Czuchnowski

Editor Alan Zejer

Music Paweł Juzwuk

Sound Marcin Lenarczyk

Producer Anna Stylińska

Co-Producers Anna Bławut Mazurkiewicz, Izabela Łopuch, Mateusz

Wajda

Production

Widok Films, Poland

stylowa@gmail.com

Co-Production

Aura Films, Poland

contact@aurafilms.pl

HBO Europe, Poland

Pomerania Film, Poland

mx35, Poland

Rights/Sales

Autlook Filmsales, Austria

welcome@autlookfilms.com

Die 69-jährige Jola schminkt sich aufwändig, während

ihr Mann aus dem Hintergrund pöbelt: Sie

habe noch nie viel im Kopf gehabt und eigentlich

sei sie doch wertlos. Da fährt Jola mit dem Zug

aus Italien fort. Am Strand in ihrer polnischen

Heimat erinnert sie sich mit ihren Freundinnen an

die Jugendjahre: Sie heiratete damals den jungen

Mann, von dem sie schwanger war, schwor „In

guten, wie in schlechten Tagen“, zog ihre sechs

Kinder groß und ertrug Schläge, Demütigungen

und seine Alkoholabhängigkeit. Und nun? Sie

kleidet sich vornehm und nimmt Gesangs- und

Tanzstunden. Dabei trifft sie auf den gleichaltrigen

Wojtek und die beiden freunden sich an. In dem

Alter noch eine Scheidung? Was sagen die Familie,

ihre Freunde und die Kirche dazu? Natürlich

kann man gehen, jeder ist frei, doch ist der Schritt

richtig? Es sei besser Schmerz zu spüren, als

überhaupt nichts zu fühlen, scherzt Wojtek, als er

sich den Arm bricht. Gespickt mit derlei eleganten

Analogien sowie einer Prise Humor erzählt der

Film in sanften Bildern von der Emanzipation

einer Frau: von der Unterdrückung in einer

toxischen Beziehung, dem weiblichen Selbstwertgefühl

und dem Bedürfnis nach Verständnis, Nähe

und Verbundenheit. (tw)

DEUTSCHLANDPREMIERE

69-year-old Jola puts on elaborate make-up, while

her husband spouts casual abuse in the background,

how she never had much in her head and

is basically worthless when it comes down to it.

So Jola leaves Italy on a train bound for her native

Poland. There, on the beach, she takes a trip down

memory lane with her girlfriends: how she married

the young man who got her pregnant, swore to

care for him “in good times and in bad”, raised her

six children and put up with punches, put-downs

and her husband’s drinking problem. And now?

Now she dresses elegantly, and takes singing

and dance lessons. In the process, she meets a

gentleman her age, Woitek, and the two strike up a

friendship. But divorce, at her age? What will her

family, her friends or the church say? Of course,

one can just leave, everyone is free to choose, but

is it the right move? It’s better to feel pain than

nothing at all, as Wojtek jokes when he breaks his

arm. Sprinkled with wonderful analogies, as well

as a pinch of humour, the film tells of one woman’s

self-emancipation in gentle images: of oppression

in a toxic relationship, female self-esteem and the

need for understanding, intimacy and connection.

GERMAN PREMIERE

43 COMPETITION


Filmography

2012 // NA DRUGOJ OBALI / THE OTHER

SHORE (short)

2013 // GDE JE NADJA? / WHERE IS NADJA?

(short)

2016 // BEE STUNG IN BIG LITTLE BEES

(short)

2019 // MOJ JUTARNJI SMEH / MY MORNING

LAUGHTER

MARKO ĐORĐEVIĆ

Geboren 1988 in Kragujevac, Serbien.

Während des Studiums an der Fakultät der

dramatischen Künste der Universität Belgrad

drehte er den Kurzfilm THE OTHER SHORE

(2012) und gewann damit den Preis für den

besten Film in der Low Budget-Kategorie auf

dem Cinema City Festival in Novi Sad. Seinen

Debütlangfilm MY MORNING LAUGHTER

entwickelte er gemeinsam mit seinen

Schauspieler/innen, die von Anfang an in den

Schreibprozess eingebunden waren.

Born in 1988 in Kragujevac, Serbia, while

studying at the Faculty of Dramatic Arts in

Belgrade Đorđević made his short film THE

OTHER SHORE (2012), which won the award

for the best Serbian film in the Low Budget

category at the Cinema City Festival in Novi

Sad. He developed his first feature film, MY

MORNING LAUGHTER, together with the

actors, who were involved in the writing from

the beginning.

44


MY MORNING LAUGHTER

MOJ JUTARNJI SMEH /

MEIN MORGENDLICHES LACHEN

Marko Đorđević

Serbia 2019

94 min, DCP, colour / OV + eng SUB

Screenplay Marko Đorđević

Camera Stefan Milosavljevic

Editor Marko Đorđević

Music Dino Merlin

Sound Stevan Milošević

Producer Miloš Pušić

Co-Producer Ivica Vidanović

Cast Filip Đuric, Ivana Vuković, Jasna Đuričić, Nebojša Glogovac

Production

Altertise, Serbia

milospusic@gmail.com

Co-Production

Cinnerent, Serbia

Dejan ist 28 Jahre alt, Geschichtslehrer und Eigenbrötler.

Zu Hause wird er von der Mutter behütet.

Dank seines unbeholfenen Sozialverhaltens hat er

auch mit den Frauen so seine Probleme. Der Besuch

bei einem Wahrsager, der Dejan seine Marotten

vorhält, aber auch der Mutter die Leviten liest,

wird für die beiden zum Moment der Wahrheit.

Und dann stirbt auch noch Dejans Vater, zu dem er

ein eher kindliches Verhältnis pflegte. Schließlich

folgt das Unerwartete: Zunächst komplett

unempfänglich für die Annäherungsversuche

seiner Kollegin Kaća, kommen sich die beiden in

einer durchzechten Nacht näher.

Mit seinem Spielfilmdebüt gelingt Marko Đorđević

eine bemerkenswerte Tragikomödie, die in

statischen Kameraeinstellungen die bescheiden

eingerichteten Räume und die Körper der

Schauspieler/innen in ungewohnte Perspektiven

rückt. Ein wahrer Genuss ist dabei der Hauptdarsteller

Filip Đurić, der in jeder gehemmten

Körperbewegung, jeder nervösen Geste und dem

stets unsicheren Mienenspiel die Unbeholfenheit

und Verlegenheit Dejans darzustellen weiß. (ds)

DEUTSCHLANDPREMIERE

28-year-old Dejan is a history teacher and a bit of a

loner. At home, his mother looks after him. Thanks

to his lack of social skills, he has trouble with the

ladies too. A visit to a fortune teller, who calls

attention to Dejan’s quirks but also gives his mom a

piece of his mind, turns into a moment of truth for

the two of them. And then Dejan’s father dies, to

whom he still had a rather child-like relationship.

Finally, the unexpected occurs: after at first

completely failing to read the signals coming

from his co-worker Kaća, the two get closer to one

another over the course of a boozy night.

With his feature-film debut, Marko Đorđević pulls

off a remarkable tragicomedy that shows its humbly

furnished rooms and performers’ bodies from

unaccustomed perspectives in static shots. Lead

actor Filip Đurić is a veritable delight here, for

his ability to telegraph Dejan’s awkwardness and

helplessness with every self-conscious movement,

every nervous gesture and his unending range of

anxious facial expressions.

GERMAN PREMIERE

45 COMPETITION


Born in Rustavi, Georgia, in 1987, Beria

graduated in 2009 from the Shota Rustaveli

University of Theatre and Film, Faculty

of Television and Film (at T. Chabukiani's

workshop) with a B.A. in Film and TV Directing.

In 2011, he also received his Master of Fine

Arts in the field of screenwriting in Kote

Jandieri´s workshop. He is the author of

numerous short films such as BROADLANDS

10 and FERRIS WHEEL. Additionally, he is

co-screenwriter of the feature film THE LAST

STROLL by Oscar-nominated director Zaza

Urushadze.

UTA BERIA

Filmography

46

Geboren 1987 in Rustavi, Georgien. Er

erlangte seinen Bachelor of Arts im Bereich

Film- und TV-Regie an der Schota-Rustaweli-

Universität für Theater und Film in Tiflis im

Jahr 2009 bei T. Chabukiani. 2011 erwarb

er zusätzlich seinen Master of Fine Arts in

Drehbuchschreiben bei Kote Jandieri. Er ist

Autor zahlreicher Kurzfilme wie BROADLANDS

10 oder FERRIS WHEEL. Zudem ist er Co-

Autor des Langspielfilms THE LAST STROLL

des oscarnominierten Regisseurs Zaza

Urushadze.

2008 // TSVIMASHI / IN THE RAIN (short)

2009 // CHAI / TEA (short)

2011 // BROADLANDS 10 (short)

2013 // ESHMAKIS BORBALI / FERRIS

WHEEL (short)

2019 // NEGATIVE NUMBERS


NEGATIVE NUMBERS

NEGATIVE ZAHLEN

Uta Beria

Georgia, France, Italy 2019

93 min, DCP, colour / geo OV + eng SUB

Screenplay Uta Beria

Camera Tato Kotetishvili

Editors Alexander Khuranov, Nodar Nozadze, Joel Jacovella

Music Thomas Rozes, Tete Noise

Sound Olivier Leroy

Producers David Isakadze, Kote Takaishvili

Co-Producers Alfredo Federico, Brett Walker, Loïc Magneron, Miguel

Govea, Simona Banchi

Cast Sandro Kalandadze, Viktor Barbakadze, Tedo Bekhauri, Lexo

Gugava, Sandro Abashidze

Production

Magnet Films, Georgia

david@magnet.ge

Co-Production

39 Films, Italy

Wide Management, France

alief, United Kingdom

Rights/Sales

Wide Management, France

infos@widemanagement.com

„Du musst negative Zahlen nutzen [...]. Sie existieren,

aber gleichzeitig auch nicht. Die verwendest

du, wenn jemand Schulden bei dir hat.“ In einer

Jugendstrafanstalt in Tiflis, Anfang der 2000er

Jahre, hat jeder Schuld auf sich geladen. Nicht

immer durch eigene Straftaten: So sitzt Nika etwa

für seinen älteren Bruder ein und sorgt unter den

Mithäftlingen für Ordnung. Per Telefon wird ihm

eine Gangsterkarriere versprochen, wenn er seine

Mitinsassen für eine nationale Gefängnisrevolte in

Stellung bringt. Doch als im Knast Rugbytrainings

angeboten werden, entsteht ein eigener Teamgeist

bei den Jugendlichen und die Anordnungen rücken

in den Hintergrund.

Die Handlung des Films fußt auf den Erfahrungen

zweier ehemaliger Rugbyprofis, die jugendliche

Straftäter mit Sport resozialisiert haben. Zu

Beginn des neuen Jahrtausends steckt Georgien in

einer schweren Wirtschaftskrise. Perspektivlos

geraten viele junge Erwachsene auf die schiefe

Bahn und landen in Anstalten wie im Film. Uta

Beria gelingt mit seinem Debüt eine detaillierte

Schilderung des Gefängnisalltags seiner Protagonisten,

der auch Genre-Kenner/innen willkommene

Abwechslung bietet. (jp)

DEUTSCHLANDPREMIERE

“You have to use negative numbers [...]. They exist,

but at the same time they don’t. You use them when

somebody owes you a debt.” In a juvenile detention

facility in Tiflis in the early 2000s, everyone is burdened

by some kind of debt, though not always for

their own crimes. Take Nika for instance: he took

the rap for his older brother and now keeps his

fellow inmates in line on the inside. A telephone

call from the outside promises a lucrative career

as a gangster, if he can get his fellow convicts in

position for a national prison riot. Alas, then the

facility starts offering rugby practice, a genuine

team spirit begins to grow among the incarcerated

adolescents and the remote directives slowly fade

into the background.

The film’s plot is based on the experiences of two

former professional rugby players who used sports

to re-socialise young offenders. At the beginning

of the new millennium, Georgia was caught in a

serious economic crisis. Without any prospects

for the future, many young adults ended up on the

wrong path and landed in facilities like the one

depicted in the film. With his debut feature, Uta

Beria succeeds in creating a detailed depiction of

the everyday prison life of his protagonists that

also offers genre connoisseurs welcome variety.

GERMAN PREMIERE

47 COMPETITION


KAROLIS KAUPINIS

Geboren 1987 in Vilnius, Litauen, erwarb er

seinen Master an der Universität Vilnius in

vergleichender Politikwissenschaft. Sein erster

Kurzfilm THE NOISEMAKER (2014) wurde

auf mehr als 50 internationalen Filmfestivals,

etwa dem Locarno Film Festival, gezeigt und

hat zwei litauische Filmpreise gewonnen. Sein

zweiter Kurzfilm WATCHKEEPING (2017)

hatte auf dem portugiesischen Filmfestival

IndieLisboa Premiere und wurde zu 20

internationalen Filmfestivals eingeladen. NOVA

LITUANIA ist sein erster Langspielfilm.

Filmography

Born in Vilnius in 1987, Kaupinis graduated

from Vilnius University with a Master’s Degree

in Comparative Politics. His first short film

THE NOISEMAKER (2014) was screened

at more than 50 international film festivals,

among them Locarno Film Festival, winning

two Lithuanian Film Awards. Kaupinis' second

short, WATCHKEEPING (2017), premiered at

IndieLisboa Film Festival and was selected to

screen at 20 international film festivals. NOVA

LITUANIA is his debut feature film.

2014 // TRIUKSMADARYS / THE NOISEMAKER

(short)

2017 // BUDEJIMAS / WATCHKEEPING (short)

2019 // NOVA LITUANIA

48


NOVA LITUANIA

Karolis Kaupinis

Lithuania 2019

97 min, DCP, b/w / OV + eng SUB

Screenplay Karolis Kaupinis

Camera Simonas Glinskis

Editor Silvija Vilkaité

Sound Julius Grigelionis

Producer Marija Razgutė

Co-Producer Martynas Mickėnas

Cast Alesksas Kazanavičius, Vaidotas Martinaitis, Valentinas Masalskis,

Rasa Samuolytė, Eglė Gabrėnaitė, Julius Žalakevičius

Production

M-Films, Lithuania

marija@m-films.lt

Co-Production

Kino Studija, Lithuania

info@kinostudija.eu

Rights/Sales

Square Eyes Film, Netherlands

info@squareeyesfilm.com

Im Jahr 1938 wird Litauens dreißigjährige

Unabhängigkeit durch den aufziehenden Krieg

bedroht. Während der Präsident aus gesundheitlichen

Gründen die Verantwortung gegenüber

dem Land auf seinen Premierminister Jonas

Servus abwälzen will, widmet sich der schrullige

Geografieprofessor Feliksas Gruodis dem bizarren

Projekt eines Backup-Litauens, das die Bevölkerung

vor Gefahrensituationen schützen soll, indem

Litauen auf einen unbevölkerten Landstrich

umgesiedelt wird. Der Pitch des verunsichert

wirkenden, aber entschlossenen Geografen wird

allerdings vom Premierminister abgelehnt. Zu

allem Überfluss steht auch seine Ehe vor banalen,

aber gleichzeitig unlösbar scheinenden Kommunikationsbarrieren.

Nachdem die ersten Truppen in

Litauen einmarschieren und der Premierminister

einen symbolischen Herzinfarkt erleidet, zieht

er den kuriosen Backup-Plan erneut in Betracht.

Wird Feliksas schließlich doch Litauen und seine

Ehe retten können? In schwarz-weißen, idyllisch

anmutenden Einstellungen erschafft Karolis

Kaupinis mit seinem Langfilmdebüt ein gleichermaßen

groteskes wie melodisches Drama, das

seine Charaktere stark, emotional, intelligent und

gleichzeitig nostalgisch, verträumt und unsicher

imaginiert. (af)

It’s 1938 and Lithuania’s thirty years of independence

are threatened by impending war. While

the president seeks to shift responsibility for

the country to Prime Minister Jonas Servus for

health reasons, quirky geography professor

Feliksas Gruodis devotes himself to the bizarre

project of creating a backup Lithuania intended

to protect its citizens from dangerous situations

by offering the possibility to resettle the whole

population to an uninhabited swathe of land.

Alas, the prime minister rejects the anxious but

determined geographer’s pitch. To top it all off, the

scientist’s marriage is also plagued by mundane

but seemingly unresolvable communication

issues. When the first troops invade and the prime

minister suffers a symbolic heart attack, the statesman

begins to reconsider the peculiar backup

plan. Will Feliksas perhaps really be able to save

Lithuania and his marriage? In seemingly idyllic

black-and-white shots, Karolis Kaupinis creates

an equally melodious and grotesque drama in his

feature film debut, one that imagines its characters

as strong, emotional, intelligent and – at the same

time – nostalgic, dreamy and insecure human

beings.

49 COMPETITION


50

STEPHAN KOMANDAREV

Geboren 1966 in Sofia, Bulgarien, machte er

seinen Abschluss an der Neuen Bulgarischen

Universität im Bereich Film & Fernsehregie

im Jahr 1999. Sein Film DIE WELT IST

GROSS UND RETTUNG LAUERT ÜBERALL

war der erste bulgarische Film, der es 2010

in die Oscar-Vorauswahl für den besten

ausländischen Film schaffte. Sein Spielfilm

DIRECTIONS – GESCHICHTEN EINER

NACHT war 2017 in der offiziellen Sektion

der Filmfestspiele von Cannes. Stephan

Komandarev ist Mitglied des bulgarischen

Verbandes der Filmregisseur/innen, im Verband

der bulgarischen Filmproduzent/innen sowie

Mitglied der europäischen Filmakademie.

2003 und 2004 gewann er den goEast

Dokumentarfilmpreis.

Born in Sofia, Bulgaria, in 1966, Komandarev

graduated with a degree in film and TV

directing from the New Bulgarian University

in 1999. His film THE WORLD IS BIG AND

SALVATION LURKS AROUND THE CORNER

was the first Bulgarian film shortlisted for the

Academy Award for Best Foreign Language

Film in 2010. His feature film DIRECTIONS

was in the official section at the Cannes

Film Festival in 2017. He is a member of the

Bulgarian Film Directors´ Association and the

Bulgarian Film Producers´ Association, as well

as a member of the European Film Academy.

In 2003 and 2004 he won the goEast

Documentary Award.

Filmography (selection)

2000 // PANSION ZA KUCHETA / DOGS'

HOME

2008 // SVETAT E GOLYAM I SPASENIE

DEBNE OTVSYAKADE / THE WORLD IS BIG

AND SALVATION LURKS AROUND THE

CORNER

2014 // SADILISHTETO / JUDGMENT

2017 // POSOKI / DIRECTIONS

2019 // V KRAG / ROUNDS


ROUNDS

V KRAG /

AUF STREIFE

Stephan Komandarev

Bulgaria, Serbia, France 2019

106 min, DCP, colour / bul OV + eng SUB

Screenplay Simeon Ventsislavov, Stephan Komandarev

Camera Vesselin Hristov

Editor Nina Altaparmakova

Sound Tzvetelina Tzvetkova

Producers Katya Trichkova, Stephan Komandarev

Co-Producers Dobromir Chochov, Elie Meirovitz, Marie Dubas, Nenad

Dukić

Cast Ivan Barnev, Assen Blatechki, Stoyan Doychev, Vassil Vassilev, Irini

Jambonas, Stefan Denolyubov, Ovanes Torosian

Production

Argo Film, Bulgaria

producer@argofilm.eu

SEE Film PRO, Serbia

seefilm@eunet.rs

Co-Production

Contrast Films, Bulgaria

Doli Media Studio, Bulgaria

Rights/Sales

Beta Cinema, Germany

beta@betacinema.com

Drei Polizeistreifen, eine Nacht in Sofia: Zwischen

selbstmordgefährdeten Ehemännern, entlaufenen

Demenzkranken, Menschenschmuggel und

Streitgesprächen über kommunistische Vergangenheit

und europäische Gegenwart wird auch

schon mal eine Leiche ein paar Meter weiter in den

nächsten Bezirk gehievt, denn wer will schon den

Papierkram haben? Alle Diensthabenden kämpfen

nicht nur mit den Geschehnissen in ihrem Umfeld,

sondern auch mit sich selbst, seien es Probleme

zu Hause, polizeiliche Vorschriften oder innere

Dämonen. Zwischen ergreifenden Schicksalen,

leichten und lustigen Momenten sowie plötzlich

auftauchenden Einblicken in menschliche

Abgründe zeichnet AUF STREIFE in komplexen

Sequenzen ein Sittenbild, das über die bulgarische

Gesellschaft hinaus Relevanz erlangt. Die anthropomorphe

Kamera von Vesselin Hristov sorgt mit

enorm langen und beweglichen Einstellungen

dafür, dass Zuschauer/innen- und Figurenwahrnehmung

miteinander verschmelzen und der sich

teilweise in einer Einstellung abspielende Wandel

der Hauptfiguren umso wirkungsvoller ist. (tg)

DEUTSCHLANDPREMIERE

One night in Sofia, three separate police cars on

patrol. Between suicidal husbands, wandering

dementia sufferers, human traffickers and arguments

about the communist past and European

present, it’s no wonder a corpse might get heaved

a couple meters from its final resting place, into

the next precinct’s jurisdiction – there’s enough

paperwork as it is. All of the public servants here

are struggling with themselves (in addition to trying

to stay on top of events in their surroundings),

whether it’s domestic problems, police regulations

or inner demons. With its emotionally moving

personal destinies, light and humorous moments

and suddenly occurring glimpses into the depths of

human depravity, ROUNDS paints a milieu portrait

in its complex sequences that can lay claim to

relevance beyond the confines of Bulgarian

society. With its enormously long and nimble shots,

Vesselin Hristov’s anthropomorphic camerawork

causes viewer and character perceptions to merge,

rendering the protagonists’ transformations,

which sometimes play out in a single take, that

much more compelling.

GERMAN PREMIERE

51 COMPETITION


SERGEI LOZNITSA

52

Geboren 1964 in Baranovichi, wuchs er in

Kiew auf. 1987 erlangte er einen Abschluss in

Angewandter Mathematik. Bis 1991 arbeitete

der international gefeierte Dokumentar- und

Spielfilmregisseur als Wissenschaftler am

renommierten Institut für Kybernetik Kiew

[IKK] im Bereich der künstlichen Intelligenz.

1997 studierte er an dem Moskauer Institut

für Kinematographie – VGIK und gründete

2013 die Filmproduktions- und Vertriebsfirma

ATOMS & VOID. 2012 war ihm bereits die

Porträtsektion von goEast gewidmet, 2019

war er zudem mit seinem Film DER PROZESS

zu Gast.

Born in Baranovichi, USSR, in 1964, Loznitsa

grew up in Kiev. In 1987, he received a

degree in applied mathematics. Until 1991,

the internationally renowned director of

documentaries and fiction features worked as

a scientist at the Kiev Institute of Cybernetics

[IKK], specializing in artificial intelligence

research. In 1997, he graduated from VGIK

Film Academy Moscow and launched his film

production and distribution company ATOMS

& VOID in 2013. In 2012 the goEast Portrait

was dedicated to him and, in 2019, he took

part at goEast with his archive documentary

THE TRIAL.

Filmography (selection)

2010 // SCHASTE MOE / MY JOY

2017 // A GENTLE CREATURE

2018 // DONBASS

2018 // PROCESS / THE TRIAL

2019 // PROSHANIE SO STALINYM / STATE

FUNERAL


STATE FUNERAL

PROSHANIE SO STALINYM /

ABSCHIED VON STALIN

Sergei Loznitsa

Netherlands, Lithuania 2019

135 min, DCP, colour and b/w / rus OV + eng SUB

Screenplay Sergei Loznitsa

Editor Danielius Kokanauskis

Sound Vladimir Golovnitski

Producers Sergei Loznitsa, Maria Choustova

Co-Producer Uljana Kim

Production

Atoms & Void, Netherlands

contact@atomsvoid.com

Co-Production

Studio Uljana Kim, Lithuania

kim@lfc.lt

Sergei Loznitsa widmet sich den historischen

Zeremonien in der Sowjetunion nach dem Tod

von Josef Stalin im Jahr 1953. Schon zu Beginn

ist der Leichnam aufgebahrt. Schwarz-Weiß

und Farbfilm-Aufnahmen wechseln sich ab und

evozieren Gefühle, die zwischen der Distanz einer

vergangenen und der verstörenden Stimmung

einer gegenwärtigen Beerdigung liegen. „Der Tod

ist gekommen und nun sind wir allein“, tönt es

eindringlich aus den Lautsprechern. Staatsgäste

aus aller Welt landen am Flugplatz, Kranz um

Kranz wird getragen und niedergelegt. Stalins

Unsterblichkeit wird anhand von ernstem Händeschütteln

der Regierenden bekräftigt. Stalin ist

tot, lang lebe Stalin! Lang lebe der Kommunismus!

Scheinbar unendliche Schlangen drängen sich zu

seinem Sarg und lange Trauermärsche wandern

durch das Land.

Mithilfe des umfassenden Archivmaterials hat

Sergei Loznitsa durch seine Montage ein besonderes

Zeitdokument geschaffen, welches den Blick

des Publikums auf den schmalen Grat zwischen

Leben und Tod in einer überinszenierten Realität

lenkt. Der Film lädt ein zum Nachdenken über

Manipulation und Täuschung, gefühlte Normalität

und groteske Scharade. (tw)

Sergei Loznitsa hones in on the historic ceremonies

in the Soviet Union following Joseph Stalin’s

death in 1953. The corpse is already lying in state

as the film commences. Black-and-white and

colour images alternate, evoking emotions that

lie between distance to a bygone burial and the

unsettling mood of a contemporaneous one. “Death

has come and now we are alone”, as the haunting

message emanating from the public address

system drones. Guests of state from all over the

world land at the airport, wreath after wreath is

carried and set down in commemoration. Stalin’s

immortality is reinforced by the earnest handshakes

of the ruling class. Stalin is dead, long live

Stalin! Long live Communism! Seemingly endless

lines press forward to his coffin and long funeral

marches wind their way through the nation.

Bolstered by extensive archival materials and his

own adept editing, Sergei Loznitsa has created a

special testimony to a singular moment in time

that allows the viewer to perceive the fine line

between life and death in an over-mediated reality.

The film is an invitation to reflect on manipulation

and deception, perceived normality and grotesque

charade.

53 COMPETITION


Filmography (selection)

SVETLANA PROSKURINA

Geboren 1948. Sie schloss 1976 ihr Studium

an der Russischen Kunstakademie in Sankt

Petersburg und 1981 die Höheren Kurse

für Drehbuch und Regie in Moskau ab.

Ihr filmisches Schaffen fand auf etlichen

internationalen Filmfestivals, wie Locarno,

Montreal, Rotterdam, Venedig oder Cannes

Anklang. Ihr erster Langfilm ACCIDENTAL

WALTZ gewann den Goldenen Leoparden

in Locarno. 2002 schrieb sie zudem das

Drehbuch für Aleksandr Sokurovs RUSSIAN

ARK - EINE EINZIGARTIGE ZEITREISE

DURCH DIE EREMITAGE.

Born in 1948, Proskurina graduated in

1976 from Russian Academy of Arts in Saint

Petersburg and in 1981 from the Higher

Courses for Scriptwriters and Directors in

Moscow. Her cinematic works have found

acclaim at various international film festivals

like Locarno, Montreal, Rotterdam, Venice or

Cannes. Her first feature film ACCIDENTAL

WALTZ won the Golden Leopard in Locarno.

She is also known for her work on the script of

RUSSIAN ARC, directed by Aleksandr Sokurov.

1990 // SLUCHAYNYY VALTS /

ACCIDENTAL WALTZ

2007 // LUCHSHEYE VREMYA GODA / THE

BEST OF TIMES

2010 // PEREMIRIE / TRUCE

2014 // DO SVIDANIYA MAMA /

GOODBYE MOM

2019 // VOSKRESENYE / SUNDAY

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SUNDAY

VOSKRESENYE /

SONNTAG

Svetlana Proskurina

Russia 2019

82 min, DCP, colour / OV + eng SUB

Screenplay Ekaterina Tirdatova

Camera Ertem Emelianov

Editor Maxim Smirnov

Sound Evgeniy Goryainov

Producers Sabina Eremeeva, Yuliya Timofeeva

Cast Aleksey Vertkov, Vera Alentova, Vladimir Ilin, Alexandra Rebenok,

Ilya Viktorov, Maksim Bityukov, Elena Molchenko, Agniya Kuznetsova,

Masha Leonova, Marina Brusnikina

Production

Studio Slon, Russia

info@studioslon.com

Rights/Sales

Antidote Sales, Russia

info@antidote-sales.biz

Der Samstag des Beamten Dmitry endet noch

unspektakulär. Einzig eine Notiz lässt Böses

ahnen: „Du wirst bald sterben.“ Am Sonntag

dann überschlagen sich die Ereignisse: Auf den

Suizidversuch seiner Affäre folgen Proteste von

Umweltschützer/innen bei seinem Bauprojekt. Ein

seltsamer Friedhofsbesuch, eine unangenehme

Begegnung mit Ex-Frau und Tochter und auch die

kranke Mutter schlagen aufs Gemüt. Einzig im

Auto bei seinem engagierten Fahrer findet Dmitry

Ruhe, doch auch diese offenbart sich schließlich

als trügerisch. Der Tag ufert sukzessive aus. Mit

Geld versucht Dmitry sich aller Probleme zu

entledigen, eilt von Station zu Station und bleibt

doch distanziert, lakonisch, pragmatisch und

korrupt. Bis zum Ende.

In einem allegorischen Werk voller prägnanter

Einzelsituationen fängt Svetlana Proskurina

in betont nüchterner Manier immer absurder

werdende Alltagssituationen im Leben eines

höheren Beamten ein. Korruption – von charmant

bis skrupellos – wird zum primären Mittel der

Interaktion Dmitrys mit seiner Umwelt. Erst als

diese an ihre Grenzen stößt, wird er befreit. (tg)

DEUTSCHLANDPREMIERE

For civil servant Dmitry, Saturday comes to an

unspectacular close. However, a little note he

sees is just a wee bit foreboding: “You will die

soon”, it proclaims. Then Sunday rolls around

and unwelcome events start to pile up quickly. A

suicide attempt by his mistress is followed by environmental

protests at the site of his construction

project. An odd trip to the cemetery, an unpleasant

encounter with his ex-wife and daughter and his

mother’s ill health combine to further darken his

mood. It is only seated in his car with his chauffeur

that Dmitry can get a little peace, but soon even

this proves illusive. The day continues to run off

the rails. Dmitry attempts to make his problems

disappear by throwing money at them, rushing

from stop to stop while still managing to remain

aloof, laconic, pragmatic and corrupt. Until the

bitter end.

In an allegorical work full of concisely constructed

individual scenes, Svetlana Proskurina captures

progressively more absurd everyday situations

in the life of a high-ranking civil servant in

a markedly sober fashion. Corruption – from

charming to ruthless – becomes Dmitry’s primary

mode of interaction with his surroundings. Only

when this corruption finally reaches its limits can

he be liberated.

GERMAN PREMIERE

COMPETITION

55


RADOVAN SÍBRT

56

Geboren 1975 in Prag, hat er Abschlüsse

von der geisteswissenschaftlichen Fakultät

und der Kunstfakultät der Karls-Universität,

sowie der Prager Filmakademie FAMU

vorzuweisen. 2009 war er Mitbegründer der

Produktionsfirma PINK. Sein Abschlussfilm

ON DECENCY bekam 2013 eine Nominierung

für den Pavel Koutecky Preis und sein erster

Langfilm THE PRISON OF ART feierte

2012 Premiere auf dem internationalen

Dokumentarfilmfestival Jihlava. Er war Ko-

Produzent von TOUCH ME NOT, der 2018 den

Goldenen Bären auf der Berlinale gewann.

Born in 1975 in Prague, Síbrt graduated from

Charles University in the Faculty of Humanities

and the Faculty of Arts, and from Prague Film

Academy FAMU. In 2009, he co-founded the

production company PINK. His thesis film

ON DECENCY earned a nomination for the

Pavel Koutecky Award in 2013 and his first

feature documentary THE PRISON OF ART

premiered in 2012 at the Jihlava International

Documentary Film Festival. He was the coproducer

for TOUCH ME NOT, which won the

Golden Bear at the Berlinale in 2018.

Filmography

2012 // VEZENÍ UMENÍ / THE PRISON OF

ART

2012 // ON DECENCY

2019 // POSTIŽENI MUZIKOU / TWO ROADS


TWO ROADS

POSTIŽENI MUZIKOU

Radovan Síbrt

Czech Republic 2019

79 min, DCP, colour / OV + eng SUB

Screenplay Radovan Síbrt

Camera Radovan Síbrt, Lukáš Milota, Šimon Dvořáček

Editors Tomáš Elšík, Jorge Sánchez Calderón

Music The Tap Tap

Sound Dominik Dolejší

Producers Alžběta Karásková, Karel Poupě, Hanka Kastelicová, Tereza

Polachová

Production

Pink Productions, Czech Republic

petra@bypink.cz

HBO Europe, Czech Republic

„Niemand leidet hier. Sie leben mit einer Diagnose.“

Dieser Satz, gesprochen von Bandgründer Šimon

Ornest, ist repräsentativ für das Selbstverständnis

der tschechischen Band „The Tap Tap“. Komplett

aus Menschen mit Behinderung bestehend, hat sie

es in ihrer langen Geschichte schon zu einigem

Ruhm gebracht. Zwischen Proben und Konzerten,

Promo- und Politikauftritten sowie privaten

Hoch- und Tiefpunkten legt Radovan Síbrts

Dokumentarfilm den Fokus nicht auf die Diagnose

der Bandmitglieder, sondern zeigt sie als menschlich

komplexe Individuen mit Träumen, Zwängen

und Trieben, mit Licht- und Schattenseiten, wie sie

allen Menschen zu eigen sind. Dabei streiten die

Protagonist/innen auch um politische und ethische

Werte; sie heiraten, trennen sich und flirten; und

sie frönen dem Hedonismus mit Zigaretten und (zu

viel) Bier. So wird Síbrt schon in der Ausrichtung

seines Filmes dem besonderen Spirit der Truppe

und ihrer Botschaft der Gleichbehandlung gerecht.

Ein überaus stimmiges Denkmal für ausdrucksstarke

Menschen. (tg)

“No one is suffering. They live with a diagnosis.”

This sentence, spoken by founding member Šimon

Ornest, is representative of the self-conception of

the Czech band “The Tap Tap”. Made up entirely of

individuals with handicaps, the group has gained a

fair amount of fame over its long history. Between

footage of rehearsals and concerts, promotional

and political performances as well as private

ups and downs, Radovan Síbrt’s documentary

film places the focus not on the band members’

diagnoses, but instead shows them as personally

complex individuals with dreams, compulsions

and drives, with light and dark sides, like all

humans possess. In the process, the protagonists

argue about political and ethical principles too;

they get married, split up and flirt; and they

indulge in hedonism with cigarettes and (too much)

beer. By choosing this approach from the start,

Síbrt manages to do justice to the group’s special

spirit and their message of equality. A thoroughly

coherent tribute to a troupe of wonderfully

expressive human beings.

DEUTSCHLANDPREMIERE

GERMAN PREMIERE

57 COMPETITION


Filmography (selection)

58

VINKO BREŠAN

Geboren 1964 in Zagreb, als Sohn

des Drehbuchautors Ivo Brešan. Sein

Debütspielfilm war 1996 das komödiantische

Drama WIE DER KRIEG AUF MEINER INSEL

BEGANN. Seine Komödie MARSCHALL TITOS

GEIST erhielt 2000 bei dem Internationalen

Filmfestival Karlovy Vary den Preis für die

Beste Regie. 2003 setzte er, basierend auf

einer Novelle von Jurica Pavičić, den Film

WITNESSES um, der 2004 auf der Berlinale

mehrfach ausgezeichnet wurde. Sein Film

GOTT VERHÜTE! wurde 2013 in der Kategorie

Komödie des Jahres für den Europäischen

Filmpreis nominiert. Brešan arbeitet auch als

Theaterregisseur.

Born in 1964 in Zagreb as the son of

screenwriter Ivo Brešan, Vinko Brešan debuted

in 1996 with the feature-length comedy drama

HOW THE WAR STARTED ON MY ISLAND.

Four years later his comedy MARSHAL TITO'S

SPIRIT received the Best Director Award at

the Karlovy Vary International Film Festival. In

2003, he made the film WITNESSES, based

on a novel by Jurica Pavičić, which received

several awards at the Berlinale’s 2004 edition.

His film THE PRIEST’S CHILDREN was also

nominated for the European Film Award in

2013 in the Comedy of the Year section.

Brešan also works as a theatre director.

1996 // KAKO JE POCEO RAT NA MOM

OTOKU / HOW THE WAR STARTED ON MY

ISLAND

1999 // MARSAL / MARSHAL TITO`S SPIRIT

2003 // SVJEDOCI / WITNESSES

2013 // SVECENIKOVA DIECA / THE PRIEST’S

CHILDREN

2019 // KOJA JE OVO DRŽAVA / WHAT A

COUNTRY!


WHAT A COUNTRY!

KOJA JE OVO DRŽAVA /

WAS FÜR EIN LAND

Vinko Brešan

Croatia, Serbia, Poland 2019

118 min, DCP, colour / hrv OV + eng SUB

Screenplay Mate Matišić

Camera Branko Linta

Editor Sandra Botica

Music Maciej Zielinski

Sound Bartosz Putkiewicz

Producer Ivan Maloča

Co-Producers Jacek Kulczycki, Lazar Ristovski, Magdalena Zimecka,

Radosława Bardes, Slaven Knezović

Cast Krešimir Mikić, Lazar Ristovski, Nikša Butijer, Sebastian Cavazza,

Daniel Olbrychski

Production

INTERFILM Production, Croatia

interfilm@interfilm.hr

Co-Production

Orka Film, Poland

ZILLION FILM Production, Serbia

Rights/Sales

Polish Television, Poland

Karolina.Socha-Kalinowska@tvp.pl

Drei kroatische Staatsdiener, drei Ereignisse:

Ein suizidgefährdeter, hochdekorierter General

kämpft mit seinem Sterbewunsch. Der Innenminister

schließt sich in einer Gefängniszelle ein

und will nicht herauskommen. Eine Bande alter

Männer stiehlt den Sarg des ersten Präsidenten

Franjo Tuđman. Während die Schnittstellen und

Hintergründe der Ereignisse anfänglich beliebig

erscheinen, wachsen die Erzählstränge schon

bald enger zusammen. Der kroatische Staatsapparat

wird bis hin zum Präsidenten höchstselbst

mit immer neuen, beizeiten unüberwindbar

scheinenden Hindernissen konfrontiert, bis die

Spitzenpolitiker sich schließlich selbst die Finger

dreckig machen müssen.

Mit trockenem Humor und absurden bis surrealen

Momenten legt der Film – unterhaltsam und doch

tiefgründig – die Finger in die Wunden der nationalen

Vergangenheit, die bis in die heutige Zeit

ihre Wirkung entfalten. Die Folgen des Jugoslawienkrieges,

gesamtgesellschaftlich wie individuell,

sind die treibende Kraft des Geschehens. (tg)

DEUTSCHLANDPREMIERE

Three Croatian public servants, three events.

Stalked by suicidal ideation, a highly decorated

general struggles with his death wish. The interior

minister locks himself inside a prison cell and

refuses to come out. A gang of old men steals

the coffin of the nation’s first president, Franjo

Tuđman. While the incidents’ backstories and

points of intersection at first seem random, the

plotlines soon grow more tightly entwined. The

Croatian state apparatus is confronted with a virtually

endless supply of seemingly insurmountable

obstacles, reaching all the way to the president

himself, until the top dogs are obliged to get their

own hands dirty too.

With dry humour and moments ranging from the

absurd to the surreal, WHAT A COUNTRY! tackles

those painful subjects of the national past that

continue to echo into the present day, in a manner

that proves both entertaining and profound. The

aftereffects of the Yugoslav Civil War, both for

society as a whole and on the individual level,

are the driving force behind the film’s escalating

events.

GERMAN PREMIERE

COMPETITION

59


ANTONETA KASTRATI

In Los Angeles beheimatete Filmemacherin

aus Kosovo. Nachdem sie dort in den späten

90er Jahren den Krieg überlebte, begann

sie, zusammen mit ihrer Schwester Sevdije,

Dokumentarfilme über die Probleme der

Nachkriegsgesellschaft zu drehen. Sie hat

einen Master-Abschluss in Journalismus und

studierte Filmregie am American Film Institute.

Ihr letzter Kurzfilm SHE COMES IN SPRING

feierte seine Premiere auf dem Busan Film

Festival. ZANA ist ihr Langfilmdebüt.

Kastrati is a Los Angeles based filmmaker

from Kosovo. After surviving the war in the late

1990s, she began making documentary films

about the issues of post-war society with her

sister, Sevdije. She has an MA in journalism

and studied directing at the American Film

Institute. Her most recent short SHE COMES

IN SPRING premiered at Busan Film Festival.

ZANA is her debut feature film.

Filmography (selection)

60

2011 // KOFJA E ZBRAZET / THE BUCKET IS

EMPTY (short)

2012 // ROBIN (short)

2012 // LALEH (short)

2013 // SHE COMES IN SPRING (short)

2019 // ZANA


ZANA

Antoneta Kastrati

Kosovo, Albania 2019

97 min, DCP, colour / alb OV + eng SUB

Screenplay Casey Cooper Johnson, Antoneta Kastrati

Camera Sevdije Kastrati

Editors Brett W. Bachman, Antoneta Kastrati, Michal Reich

Music Dritero Nikqi

Sound Igor Popovski

Producer Casey Cooper Johnson

Co-Producers Brett Walker, Dritan Huqi, Miguel Govea, Sevdije Kastrati

Cast Adriana Matoshi, Astrit Kabashi, Fatmire Sahiti

Production

Crossing Bridges Productions, Kosovo

info@crossingbridgesfilms.com

Co-Production

On Film, Albania

alief, United Kingdom

Rights/Sales

alief, United Kingdom

miguel@alief.co.uk

Lume und ihr Ehemann Ilir leben mit dessen

Mutter in einem Dorf in Kosovo. Das Paar war

einmal verliebt und glücklich, doch seit dem Krieg

und dem Tod ihrer Tochter ist davon wenig übrig

geblieben. Besonders Lumes Schwiegermutter

drängt darauf, die Leere in der Familie mit einem

neuen Baby (am besten einem Jungen!) zu füllen.

Mehr und mehr setzen sie und Ilir Lume unter

Druck, die laut ihres Arztes kerngesund und

fruchtbar ist. Nach Lumes Meinung wird nicht

gefragt.

Die gesellschaftliche Aufarbeitung von Krieg

sowie dessen persönliche Folgen sind für den Weg

der traumatisierten Lume entscheidend. Wo die

moderne Medizin keine Erklärung bereithält, wird

in Heilerinnen, Schamane, okkultistische Rituale

und Exorzismus vertraut, anstatt eine psychische

Ursache auch nur in Betracht zu ziehen. Und selbst

der Ehemann steigert in seinem verzweifelten

Wunsch, gesellschaftlichen Erwartungen gerecht

zu werden, das Leid seiner Frau ins Unerträgliche.

Lumes Schicksal ist für Regisseurin Antoneta

Kastrati repräsentativ für das vieler Frauen,

Mütter, Witwen und Waisen – nicht nur in Bezug

auf den Kosovokrieg. Ein Langfilmdebüt, das

intensiv nachwirkt. (kk)

DEUTSCHLANDPREMIERE

Lume and her husband Ilir live with his mother in

a village in Kosovo. The couple was once happy and

in love, but not much remains of their joyous past:

war and the death of their daughter have left them

deeply shell-shocked. Now, Lume’s mother-in-law,

among others, has been “encouraging” them to

fill the family void with a new baby (preferably

a boy!). Ilir and his mother put more and more

pressure on Lume, who is otherwise fit as a fiddle

and still fertile according to her doctor. No one

seems interested in Lume’s opinion though.

Society’s processing of the horrors and personal

reverberations of war is the central factor

determining traumatised Lume’s path through

life. Where modern medicine fails to provide an

explanation, faith is placed in healers, shamans,

occult rituals and exorcism, instead of just once

considering the potential reality of a psychological

root cause. Even the husband multiplies his wife’s

suffering, until it becomes unbearable, in his

desperation to conform to society’s expectations.

For director Antoneta Kastrati, Lume’s fate is

representative of those of many women, mothers,

widows and orphans – not only in relation to the

war in Kosovo. A feature-film debut that deeply

haunts both mind and heart.

GERMAN PREMIERE

61 COMPETITION


62

IVAN OSTROCHOVSKÝ

Geboren 1972 in Žilina, Slowakische Republik.

Er studierte Dokumentarfilm an der Akademie

der darstellenden Künste in Bratislava und an

der Akademie der Künste in Banská Bystrica.

Seitdem drehte er einige fiktionale Kurzfilme

und mehrere Kurz- und Langdokumentarfilme,

darunter den preisgekrönten Dokumentarfilm

VELVET TERRORISTS, der 2014 in der

goEast-Sektion Beyond Belonging gezeigt

wurde. Außerdem ist er Mitinhaber und

Produzent bei Sentimentalfilm und Punkchart

Films.

Born in 1972 in Žilina, Slovakia, Ostrochovský

studied documentary filmmaking at the

Academy of Performing Arts in Bratislava

and the Academy of Arts in Banská Bystrica.

Since then, he has directed a few fiction short

films and several short and feature-length

documentaries, including the award-winning

documentary VELVET TERRORISTS, which

was shown at goEast in the Beyond Belonging

section in 2014. In addition, he is a coowner

and producer at Sentimentalfilm and

Punkchart Films.

Filmography

2013 // ZAMATOVI TERORISTI / VELVET

TERRORISTS

2015 // KOZA / GOAT

2020 // SLUŽOBNÍCI / SERVANTS


SERVANTS

SLUŽOBNÍCI /

DIE DIENER

Ivan Ostrochovský

Slovakia, Romania, Czech Republic, Ireland 2020

80 min, DCP, b/w / slk OV + eng SUB

Screenplay Rebecca Lenkiewicz, Marek Leščák, Ivan Ostrochovský

Camera Juraj Chlpík

Editors Jan Daňhel, Martin Malo, Maroš Šlapeta

Music Miroslav Tóth, Cristian Lolea

Sound Tobiáš Potočný, Miroslav Tóth, Michal Novinski

Producers Albert Malinovský, Ivan Ostrochovský, Katarína Tomková

Cast Samuel Skyva, Samuel Polakovič, Vlad Ivanov, Vladimír Strnisko,

Martin Šulík

Production

Punkchart Films, Slovakia

katarina@punkchart.sk

Co-Production

Film and Music Entertainment, Ireland

Hai Hui Entertainment, Romania

Libra Film Productions, Romania

Negativ Film Productions, Czech Republic

POINT FILM, Romania

Radio and Television of Slovakia

Sentimentalfilm, Slovakia

Rights/Sales

Loco Films, France

international@loco-films.com

Mit kompromissloser Filmkunst in Schwarz-

Weiß startet goEast in die Jubiläumsausgabe.

1980: ein Kloster in der Tschechoslowakei. Der

Prager Frühling ist weit entfernt. Die katholische

Kirche wird durch die Organisation Pacem in

Terris kontrolliert und zur Kollaboration mit der

tschechoslowakischen Regierung gezwungen.

Beflügelt durch die Wahl von Johannes Paul II, dem

polnischen Dissidentenpapst, zwei Jahre zuvor,

fangen einige Priester an, außerhalb der Kirche

zu predigen. Das Regime jedoch schlägt hart

zurück. In durchkomponierten Bildern erzählt

Ivan Ostrochovský in seinem zweiten Spielfilm von

zwei jungen Seminaristen, Juraj und Michal, die

ihnen bis dahin unbekannten Regeln unterworfen

werden. Regeln der katholischen Kirche, aber eben

auch Regeln des politischen Regimes, durchgesetzt

vom Geheimdienst, der in Form des grausamen,

von einer Hautkrankheit geplagten Doktors Ivan

(gespielt von goEast-Jurymitglied Vlad Ivanov, der

speziell für diese Rolle Slowakisch lernte) immer

mitmischt. Ostrochovský verarbeitet wahre Begebenheiten

in einem Neo-Noir-Thriller, basierend

auf einem Drehbuch von IDA-Autorin Rebecca

Lenkiewicz. Ein radikales Werk, spektakulär

konsequent umgesetzt. (hg)

goEast kicks off its special anniversary edition

with uncompromising cinematic art in striking

black and white. The year is 1980, the setting: a

monastery in Czechoslovakia. The Prague Spring

is a distant memory. The Catholic Church is

controlled by Pacem in Terris, a regime-sponsored

organisation and forced to collaborate with the

Czechoslovak government. Animated by the recent

election of John Paul II, the Polish dissident pope,

a handful of priests begin to preach outside of

the church. Alas, the regime strikes back with a

vengeance. In the meticulously composed images

of his second feature film, Ivan Ostrochovský

relates the experiences of two young seminary

students, Juraj and Michal, who must submit to

a range of regulations previously unknown to

them. Rules of the Catholic Church, but also rules

of the communist regime, enforced by the secret

police, namely the ceaseless meddling of the cruel,

dermatologically challenged doctor Ivan (played

by goEast jury member Vlad Ivanov, who learned

Slovak especially for this role). Ostrochovský

processes real-life events in his neo-noir thriller,

based on a screenplay by IDA author Rebecca

Lenkiewicz. A radical work, realised in a spectacularly

uncompromising manner.

63 OUT OF COMPETITION / OPENING FILM


PAN–

EURO–

PÄISCHES

PICK–

NICK


Das „Paneuropäische Picknick“ ist eine interdisziplinäre

Veranstaltungsreihe von goEast, welche die enge

Verbundenheit und die vielfältigen Verflechtungen Mittelund

Osteuropas mit dem Rhein-Main-Gebiet bewusst

machen möchte. Im Fokus steht: Kulturelle Teilhabe

zu schaffen und Brücken zu bauen zwischen dem gut

etablierten Filmfestival, kleine(re)n Kulturvereinen und

anderen Orten, an denen sich Menschen mit mittel- und

osteuropäischen Wurzeln aus dem gesamten Rhein-Main-

Gebiet treffen.

Mit Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain

präsentiert goEast ein überaus facettenreiches

Programm, das von Filmvorführungen, Lesungen und

Masterclasses bis zu Sprachkursen im osteuropäischen

Supermarkt, Ausstellungen und weiteren Veranstaltungen

reicht. Überall werden mittel- und osteuropäische

Aspekte der hiesigen Kultur direkt und indirekt vermittelt

und unser „deutsches“ Verhältnis zu Osteuropa sowie

dem postsowjetischen Raum thematisiert. Auch der 2019

ins Leben gerufene RheinMain Kurzfilmpreis wird erneut

vergeben.

Die Ausstellungen des Paneuropäischen Picknicks

werden online stattfinden, die Publikumsveranstaltungen

sind Covid-19-bedingt auf den späten Sommer verlegt

worden.

The “Pan-European Picnic” is an interdisciplinary

event series presented by goEast that aims to increase

awareness for the close connection and diverse

interrelations between Central and Eastern Europe and

the Rhine-Main region. The focus here is on promoting

cultural participation and building bridges between

the well-established film festival, small(er) cultural

associations and other locations where individuals with

Central or Eastern European roots from the entire Rhine-

Main region meet.

With the generous support of Kulturfonds Frankfurt

RheinMain, goEast has created a thoroughly multifaceted

programme that encompasses film screenings,

readings and master classes as well as language courses

in an Eastern European supermarket, exhibitions and

other events. All across the city, this initiative presents

Central and Eastern European aspects of the local

culture both directly and indirectly, while examining our

“German” relationship to Eastern Europe and the post-

Soviet space. The RheinMain Short Film Award, initiated

in 2019, will also once again be presented in the scope

of the Pan-European Picnic.

The Pan-European Picnic exhibitions will take place

online, while the audience events have been postponed

until late summer due to the situation surrounding

Covid-19.

65 PAN-EUROPEAN PICNIC


RHEINMAIN

KURZFILM-

PREIS/

RHEINMAIN

SHORT FILM

AWARD

Der RheinMain Kurzfilmpreis wird

2020 zum zweiten Mal vergeben.

Acht Filme mit einer Länge von

maximal 15 Minuten konkurrieren

um einen vom Kulturfonds Frankfurt

RheinMain gestifteten, mit

2.500 Euro dotierten Preis, der

in diesem Jahr von einer Jury aus

Betreiber/innen von Programmkinos

aus dem gesamten Rhein-Main

Gebiet verliehen wird. Die Sektion ist

Teil des Paneuropäischen Picknicks.

Die Kurzfilmemacher/innen nehmen

während des Festivals zusätzlich

am Nachwuchsprogramm East-West

Talent Lab teil.

The RheinMain Short Film Award is

being presented for the second time

in 2020. Eight films with a maximum

length of 15 minutes compete for

the award, sponsored by Kulturfonds

Frankfurt RheinMain and endowed

with prize money in the amount of

2.500 euros. This year the winner

will be selected by a jury composed

of operators of arthouse cinemas

from the entire Rhine-Main region.

The section is part of the Pan-

European Picnic programme. The

short film directors will also take

part in the development program of

the East West Talent Lab during the

festival week.

JURY

Dimitrios Charistes Geboren 1987 in

Aschaffenburg. Nach seinem Studium

der Medienkommunikation und des

Kulturjournalismus in Köln sammelte er erste

Berufserfahrungen bei Rapid Eye Movies und

arbeitete in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit.

Seit vier Jahren ist er Theaterleiter des

Harmonie-Kinos in Frankfurt und zuständig

für den Verbund „Arthouse Kinos Frankfurt“.

Hier plant, koordiniert und organisiert

er u. a. die hausinternen Filmreihen und

Filmgespräche. Zudem arbeitet er als Filmund

Kulturjournalist.

Born in 1987 in Aschaffenburg, Charistes

studied media communication and cultural

journalism in Cologne. He gained his first

professional experience at Rapid Eye Movies

and worked in public relations. For four

years, he has been the theatre director of the

"Harmonie" Cinema in Frankfurt, Germany, and

is responsible for the "Arthouse Kino Frankfurt"

association. There he coordinates and

organises, amongst other things, the in-house

film series and film talks. He also works as a

journalist focusing on film and culture.

Arthouse Kinos Frankfurt

In den traditionellen Frankfurter Arthouse

Kinos „Harmonie“ in Sachsenhausen

und „Cinéma“ in der Innenstadt wird ein

anspruchsvolles Filmprogramm abseits

des Mainstreams geboten. Zweimal in der

Woche laufen Filme in Originalfassung

mit deutschen Untertiteln. Zudem gibt es

Sonderveranstaltungen wie Filmpremieren

und Filmgespräche. Das Kino wird hier

als soziokultureller Ort angesehen, in dem

Filmkultur, Diskurs und politische Kulturarbeit

die Motivation allen Handelns sind.

Dennis DiRienzo Geboren in Biedenkopf an

der Lahn, studierte er Kulturpädagogik an

der Frankfurt University of Applied Sciences.

Nach 20 Jahren ohne Kino in Bad Vilbel baute

er dort 1991 den kommunalen Spielbetrieb

des Kinos Alte Mühle auf. Neben diesem

Indoor-Kino in den Räumlichkeiten des

Kulturzentrums Alte Mühle, etablierte DiRienzo

das Open Air Kino im Bad Vilbeler Freibad,

welches nach beinahe drei Jahrzehnten

zu einer festen Institution der hessischen

Kinolandschaft geworden ist.

Born in Biedenkopf an der Lahn, Germany,

Dennis DiRienzo studied cultural education at

Frankfurt University of Applied Sciences. The

town of Bad Vilbel had gone without a cinema

for twenty years when DiRienzo established the

municipal cinema Kino Alte Mühle in 1991. In

addition to the indoor cinema on the premises

of Kulturzentrum Alte Mühle, DiRienzo

established the Open-Air Cinema at the

outdoor pool in Bad Vilbel, which after almost

three decades has firmly established itself in

the Hessian cinema landscape.

Kino Alte Mühle

Das Kino Alte Mühle ist fester Bestandteil

des kulturellen Angebots der Stadt Bad

Vilbel. Theater und Kino teilen sich den

Saal des Kulturzentrums Alte Mühle,

weshalb das Filmprogramm auf vierzehn

Monatstage beschränkt ist. Doch es erfreut

sich dank eines vielfältigen Angebots mit

durchschnittlich vier Filmen pro Woche,

untertitelten Originalfassungen, kulinarischen

Zusatzangeboten sowie saisonalen Open-

Air-Vorstellungen auch überregional großer

Beliebtheit.

66

The traditional arthouse cinemas “Harmonie”

and “Cinéma” in Frankfurt offer a

sophisticated film programme far from the

mainstream. Films in original versions with

German subtitles are shown twice a week

and special events are offered, such as film

premieres and film talks. We perceive the

cinema as a sociocultural place for film culture,

discourse and political cultural activities that

motivate every move that is made.

Kino Alte Mühle is an integral part of the

cultural landscape of the town of Bad Vilbel. As

theatre and cinema activities share the same

space within the cultural centre Alte Mühle, the

film programme is limited to fourteen days a

month. However, due to its broad palette, with

an average of four films per week, subtitled

original versions, additional culinary offers and

seasonal open-air screenings, it is popular far

beyond the town limits.


Ariane Hofmann Geboren 1969 in

Düsseldorf, studierte sie ab 1991

Erziehungswissenschaften, Kunstpädagogik

und Psychoanalyse an der Johann Wolfgang

Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

1994 begann sie neben dem Studium im Mal

Seh’n Kino als Filmvorführerin zu arbeiten

und wurde ab 1998 Teil des Leitungsteams

der Programmarbeit. Heute ist sie angestellte

Theaterleiterin des Kinos.

Born in 1969 in Düsseldorf, Ariane Hofmann

studied educational sciences, art education

and psychoanalysis from 1991 at Johann

Wolfgang Goethe University in Frankfurt am

Main. In 1994, alongside her studies, she

started working as a film projectionist at

Mal Seh’n Kino and made the leap into the

programming team in 1998. Today she is the

cinema’s manager.

Mal Seh’n Kino

Mit 80 Plätzen und dazugehörigem Café ist

das 1984 gegründete Mal Seh’n Kino bis heute

ein Programmkino, das sich durch Vielfalt

auszeichnet: Neben Filmen aus aller Welt, die

im Original mit Untertiteln gezeigt werden und

einem hohen Anteil an Dokumentarfilmen,

gibt es zahlreiche Sonderveranstaltungen

mit Gästen und Regisseur/innen, regionale

Kooperationen, sowie Filmreihen, Kurzfilmund

Experimentalfilmprogramme, Filmfestivals

und ein regelmäßiges Kinderfilmprogramm.

With 80 seats and an associated café, MAL

SEH'N Kino, founded in 1984, is a programme

cinema that is characterized by diversity. In

addition to films from around the world, which

are shown in their original languages with

subtitles, and a high share of documentaries,

the cinema hosts numerous special events with

guests and directors, regional co-operations,

as well as film series, short and experimental

film programmes, film festivals and a regular

children's film programme.

Natalia Tolstikhina Geboren 1995 in

Sibirien. Schon früh brachte ihr Interesse für

Fremdsprachen sie zunächst zu „Deutsch

lernen mit Rammstein“ und später dann zu

einem Studium der deutschen Linguistik.

Bereits in jungen Jahren führte sie ihr

Weg durch Werke wie „Cloud Atlas“, „Der

Elefantenmensch“ oder „Der Tod in Venedig“

auch ins Kino. Seit 2017 ist sie Teil vom Team

des Kommunalen Kinos Weiterstadt.

Born in Siberia in 1995, Tolstikhina’s interest

in foreign languages early on lead her first

to “learning German with Rammstein” and

consequently to studying German linguistics.

Even at a young age, she found her way to

cinema through works like “Cloud Atlas”, “The

Elephant Man” or “Death in Venice”. Since

2017, she has been a part of the team behind

“Kommunales Kino Weiterstadt” in Germany.

Kommunales Kino Weiterstadt

Das Kommunale Kino in Weiterstadt ist weit

über die Stadtgrenze hinaus in der Fachwelt

für seine hervorragende und ungewöhnliche

Arbeit bekannt, die etliche Auszeichnungen,

darunter gleich mehrere Hessische Filmpreise,

erhielt. Das Kommunale Kino ist außerdem

Veranstalter des jährlich stattfindenden

Weiterstädter Open Air Filmfestes: Hier wird

die ganze Stadt für vier Tage zum Mekka des

Kurzfilms.

Familiar far beyond the city limits, the

municipal cinema in Weiterstadt is known

within the film industry for its excellent and

unusual work, which has been rewarded with

numerous prizes, among them several Hessian

Film Awards. The cinema also organizes the

annual Open Air Film Festival in Weiterstadt:

over the course of four days the whole city is

transformed into a short-film Mecca.

Achim Weidinger Er wuchs in einer Familie

selbstständiger Unternehmer/innen auf: Nach

seinem Studium der Elektrotechnik arbeitete

er über viele Jahre in einem großen, deutschen

Industriekonzern. Als seine Eltern vor 20

Jahren jedoch das von ihnen geführte Kino aus

gesundheitlichen Gründen schließen wollten,

war für ihn sofort klar, dass er das Filmtheater

übernehmen und somit für den Erhalt des

Familienbetriebes sorgen würde.

Achim Weidinger grew up in a family of

independent entrepreneurs. After studying

electrical engineering, he initially worked for

many years for a large German industrial group.

However, when his parents wanted to close

down their cinema 20 years ago due to health

concerns, it was immediately clear to him

that he would take over and thus continue the

tradition of the family business.

Filmtheater Friedrichsdorf

Der erste Film im Filmtheater Friedrichsdorf

lief im November 1918 über die Leinwand.

Heute ist der Schwerpunkt des Programms

im Arthouse-Bereich zu verorten, doch auch

Mainstreamtitel mit Tiefgang schaffen es

immer wieder in die Filmauswahl, die von den

Betreiber/innen mit viel Hingabe kuratiert wird.

Das traditionsreiche Kino wird mittlerweile in

fünfter Generation der Familie geleitet.

The first film at the Friedrichsdorf Film

Theatre, Germany, was screened in November

1918. Nowadays the main part of its

programme is dedicated to arthouse cinema,

but mainstream titles with significant depth

are also welcomed in the film selection,

which is curated with a lot of dedication by

the operators. The cinema is run by the fifth

generation in a row of the same family.

67 PAN-EUROPEAN PICNIC / JURY


ARRIVAL

ON PRIDET /

ANKUNFT

BLESS YOU!

NA ZDROWIE! /

GESUNDHEIT!

CAUCASUS

KAUKAZAS /

KAUKASUS

Alina Nasibullina

Russia, Belarus, United States 2019

14 min, DCP, colour / rus OV + eng SUB

Paulina Ziółkowska

Poland 2018

5 min, DCP, colour / no dialogue

Laurynas Bareiša

Lithuania 2018

14 min, DCP, colour / OV + eng SUB

Es waren einmal zehn junge

Frauen, die auf einen Zug

warteten – oder warten sie

doch auf einen Prinzen auf dem

weißen Pferd? Sie wissen, dass

der Zug bald fahren soll, doch

sie können den Zeitpunkt nicht

beeinflussen – die Abfahrt

verzögert sich auf unbestimmte

Zeit. Aber das macht nichts,

denn schon in der Wartehalle

begeben sich die Protagonistinnen

gemeinsam auf eine Reise,

ohne sich dabei von der Stelle zu

bewegen. (wb)

Once upon a time there were

ten young women waiting for a

train – or are they waiting for a

prince on a white horse instead?

They know the train is supposed

to leave soon, but they have no

control over the exact departure

time – in fact, it appears to

be delayed indefinitely. Alas,

that hardly matters, as the

protagonists set out together on

a journey in the station’s waiting

area, without taking a single

step.

Gesundheit! Menschen warten

an einer Bushaltestelle. Plötzlich

niest jemand, dann noch jemand.

Schneller als man gucken kann

bricht ein Chaos aus Farben, Formen

und Figuren los, während

sich die Krankheit der laufenden

Nasen und wirren Viren immer

weiter ausbreitet. (wb)

Bless you! The scene: a group of

commuters waiting at a bus stop.

Suddenly, one of them sneezes,

then another. Faster than you

can say “Bless you!”, a chaos of

colours, forms and characters

breaks loose, while a pandemic

of runny noses and crazed

viruses spreads and spreads.

Eine junge Mutter fliegt mit

ihrer Tochter nach Litauen,

um die Oma zu besuchen. In

dem ausgestorbenen Wohnort

wirken die beiden allerdings

fehl am Platz. Es ist Winter

und die Stimmung bedrückend.

Trotzdem darf die Kleine alleine

mit Hund Kedra losziehen. Alles

kein Thema, bis ihre Oma davon

Wind bekommt und sofort die

Polizei alarmiert. Was folgt,

ist eine Suchaktion durch den

gesamten Ort. (kk)

DEUTSCHLANDPREMIERE

A young mother flies to

Lithuania with her daughter

to visit grandma. But, once

there, the two seem out of place

in the gloomy residence. It’s

wintertime and the mood is

oppressive. Still, the little girl

receives permission to take the

dog, Kedra, for a walk alone. No

big deal, until grandma finds

out and immediately notifies the

police, resulting in a search and

rescue mission that leaves no

stone unturned.

GERMAN PREMIERE

68

Screenplay Natalina Ochneva, Alina Nasibullina

Camera Sergey Komarov

Editors Anna Matskova, Konstantin Saltykov

Sound Anton Karpov, Tommy Simpson

Producer Dasha Kashirina

Co-Producer Vladimir Nadein

Cast Ingeborga Dapkunaite, Dina Gubaidullina,

Taso Pletner, July July, Valentina Zubkova, Yana

Gladkikh, Darya Vorokhobko

Contact vladimirnadein@mieff.com

Animation Paulina Ziółkowska

Screenplay Paulina Ziółkowska

Editor Piotr Baryła

Music Max Litvinov

Sound Michał Wilczewski

Production

Film School Łodz, Poland

Rights/Sales

KFF Sales & Promotion, Poland

info@kff.com.pl

Screenplay Laurynas Bareiša, Tekle Kavtaradze

Camera Narvydas Naujalis

Sound Julius Grigelionis

Producer Klementina Remeikaitė

Cast Laura Sofia Buzaite Pereira, Tekle

Kavtaradze, Vilija Grigaityte Klemaniene

Production

Afterschool, Lithuania

klementina@aftschool.lt

Rights/Sales

VARICOLOURED, Estonia

info@varicoloured.eu


ELECTRICIAN’S DAY

ELEKTRIĶA DIENA /

ELEKTRIKERTAG

Vladimir Leschiov

Latvia 2018

8 min, DCP, colour / no dialogue

In einer psychiatrischen Klinik

gibt es einen Stromausfall, weil

an den Überlandleitungen

gearbeitet wird. Fernsehen

ist also keine Option mehr.

Stattdessen laufen die Insassen

in den Garten, wo ihr Treiben

von dem Elektriker oben

am Strommast verwundert

beobachtet wird. Und zack:

einmal nicht aufgepasst, verliert

er das Gleichgewicht, fängt sich

einen Stromschlag, plumpst

bewusstlos in den Garten – und

wacht in einer Zelle wieder

auf. Was folgt, ist ein exquisiter

Animationstrip. Verrückt. (kk)

A blackout occurs in a psychiatric

clinic due to maintenance

work on the power lines. With

televised distraction no longer

an option, the residents head

out into the yard, where their

actions are observed with

bemusement by the electrician

from his spot up on the utility

pole. That is until the latter

loses his balance in a moment of

carelessness, gets electrocuted

and crashes down into the

garden unconscious – only

to awake inside a cell. What

follows is an exquisite animated

trip. Sheer insanity.

Animation Vladimir Leschiov

Screenplay Vladimir Leschiov

Editor Vladimir Leschiov

Music Vladimir Leschiov

Producer Vladimir Leschiov

Production

Lunohod Animation Studio, Latvia

vl@lunohod.lv

IN BETWEEN

NË MES /

DAZWISCHEN

Samir Karahoda

Kosovo 2019

14 min, DCP, colour / alb OV + eng SUB

Für ihre Kinder und Geschwister

bauen Familien in einem

kosovarischen Dorf identische

Häuser, obwohl diese im

Ausland leben. Samir Karahoda

gewährt Einblick in diese

Tradition, welche ihre eigenen

kleinen Geschichten schreibt.

Ein Porträt rührenden und

ungewöhnlichen Familienzusammenhalts

trotz Migration

und Entfernung. (na)

Families in a Kosovar village

construct identical houses for

their children and siblings,

although they actually live

abroad. Samir Karahoda offers

insight into this tradition that

spawns its own little stories.

A portrait of a touching and

special sort of family solidarity

that persists in spite of migration

and distance.

Screenplay Samir Karahoda

Camera Samir Karahoda

Editor Enis Saraçi

Music Shaqir Ninaj

Sound Memil Kelmendi, Gëzim Rama

Producer Eroll Bilibani

Production

SK Pictures, Kosovo

eroll.bilibani@gmail.com

Rights/Sales

Radiator IP Sales, Belgium

ben@radiatorsales.eu

JAN ŠVANKMAJER

Petr Michal, Vojtěch Dvořák

Czech Republic 2018

6 min, DCP, b/w / OV + eng SUB

Der tschechische Künstler und

Filmemacher Jan Švankmajer

ist weltweit vor allem für seine

surrealistischen Werke bekannt.

In dieser Kurzdoku lässt er

uns jedoch an einem privaten

Moment teilhaben – dem Leben

nach dem Tod seiner Frau und

langjährigen Mitarbeiterin

Eva. Durch philosophische und

biografische Anekdoten lädt

dieser Kurzfilm zum Mitfühlen

und Spaß haben ein. Das liegt an

der eindrucksvollen Schwarz-

Weiß-Optik ebenso wie am

sehr herzlich auftretenden Jan

Švankmajer. (na)

INTERNATIONALE PREMIERE

The Czech artist and filmmaker

Jan Švankmajer is known

around the world above all for

his surrealist works. In this

brief documentary, however, he

allows us to share in a private

moment – namely, life after the

death of his wife and long-time

collaborator Eva. Through

philosophical and biographical

anecdotes, this short film invites

the viewer to empathise and

have fun. That has as much to

do with the striking black-andwhite

visuals as it does with the

warm, jovial presence of Jan

Švankmajer himself.

INTERNATIONAL PREMIERE

Screenplay Petr Michal, Vojtěch Dvořák

Camera Vojtěch Dvořák

Editor Mariana Kozáková

Music Wolfgang Amadeus Mozart

Sound Šimon Herrmann

Production

FAMU, Czech Republic

alexandra.hroncova@famu.cz

69 PAN-EUROPEAN PICNIC


SEPTEMBER 3RD 2015

3. RUJNA 2015 /

3. SEPTEMBER 2015

Sara Jurinčić

Croatia 2018

9 min, DCP, colour / OV + eng SUB

Nachrichten werden real. Sara

Jurinčićs Vater liegt seit dem

3. September 2015 wegen der

Auseinandersetzung um einen

Parkplatz im Krankenhaus. Über

den Vorfall liest Sara in der

Zeitung – für andere nur eine

Nachricht von vielen. Eine visuell

beeindruckend inszenierte,

emotionale Geschichte über die

tiefgründigen Schicksale, die

sich hinter den Schlagzeilen

massenmedialer Berichterstattung

verbergen können. (na)

Newsprint comes to life. Sara

Jurinčić’s father has been in

the hospital since September 3,

2015, after an argument over a

parking spot. Sara learns of the

incident while reading the paper

– for others just one informative

item among many. A visually

stunning, emotional story

about the profound personal

fates one can discover behind

the headlines of mass media

coverage.

VIRAGO

Kerli Kirch Schneider

Estonia 2019

15 min, DCP, colour / OV + eng SUB

In Estland geht der Sensenmann

um! Ein alter Fluch liegt auf dem

kleinen Dörfchen Virago, wo

seit Generationen kein Mann

mehr über 40 wird. Das gibt

den Frauen allerhand zu tun:

Nicht nur die Arbeit der Männer

müssen sie übernehmen, nein,

sie müssen auch in ständiger

Voraussicht alle möglichen

Gefahrenherde eliminieren. So

ein tödlicher Unfall passiert

schneller als man(n) denkt!

Herrlich spitz erzählt, in

märchenhaft satten Farben. (kk)

The grim reaper is making the

rounds in Estonia! An old curse

lies upon the tiny village of

Virago, where for generations

not a single man has survived

beyond the age of 40. That has

kept the womenfolk busy: not

only are they forced to take over

the men’s work, no, they have to

constantly be on the lookout for

the slightest sources of danger

and eliminate them immediately

too. Fatal accidents can pile up

faster than you would think!

A story told in a magnificently

pointed manner, and saturated

in fairy-tale hues to boot.

70

Screenplay Sara Jurinčić

Camera Sara Jurinčić

Editor Sara Jurinčić

Music Ivan Zelić

Sound Ivan Zelić

Producer Anita Bastasic

Production

Restart, Croatia

restart@restarted.hr

Screenplay Kerli Kirch Schneider

Camera Mart Ratassepp

Editor Marion Koppel

Music Ann Reimann

Sound Ann Reimann

Producer Diana Mikita

Cast Tiina Tauraite, Juhan Ulfsak, Anneli

Rahkema, Hilje Murel

Production

Nafta Films OÜ, Estonia

info@nafta.ee


AUSSTELLUNG/

EXHIBITION

#1M2

VREDITEL_LI

Geschichten aus dem russischen

Alltag inszeniert die dreiköpfige

Künstlergruppe Vreditel_li an

der Außenwand eines fünfstöckigen

Gebäudes. Auf Höhe

des vierten Stocks ist eine Plattform

angebracht, die nur einen

Quadratmeter umfasst und zur

Bühne für unterschiedlichste

Geschichten und Szenen aus dem

Leben der jungen Männer wird.

Ihre Fotografien machen auf

soziale Missstände wie Wohnungsnot,

Einkommensungleichheit

oder auch die ungerechte

Behandlung von körperlich

beeinträchtigten Menschen in

ihrer Heimat aufmerksam. Ein

Teil der Ausstellung befasst sich

zudem mit den Waldbränden

in Russland 2019. Neben der

gesellschaftskritischen Ader

ihrer Kunst zelebrieren die

Arbeiten auch kulturelle Aspekte

des Alltags. Darunter fällt etwa

die Nachbarschaftskunst, eine

postsowjetische Gepflogenheit,

gemäß der die Bewohner eines

Häuserblocks ihr Territorium

aufwendig „dekorieren“.

The three-member artists

collective Vreditel_li orchestrates

scenes of everyday life in

Russia on the external facade

of a five-story building. A

platform has been mounted at

the level of the fourth floor: only

one-square-metre large, it serves

as a stage for the exhibition of a

wildly diverse range of stories

and scenes from the lives of the

young men. Their photographs

call attention to social injustices

in their homeland, such as

housing shortage, income

inequality or the unfair treatment

of physically challenged

individuals. A portion of the

exhibition deals additionally

with the Russian forest fires of

2019. Aside from the socially

critical vein found in their art,

Vreditel_li’s works also celebrate

cultural aspects inherent in

everyday life. These include

neighbourhood art for instance,

a post-Soviet custom according

to which the inhabitants of an

apartment block elaborately

“decorate” their territory.

71 PAN-EUROPEAN PICNIC


A WALL IS

A SCREEN

Häuserwände werden zu

Leinwänden bei „A Wall is a

Screen“. Die filmische Stadterkundung

mit der Hamburger

Künstler/innengruppe belebt

das abendliche Wiesbaden und

beleuchtet dessen unbekanntere

Ecken. Gemeinsam mit dem

Publikum und mobiler Projektionstechnik

wandert „A Wall

is a Screen“ zu Fuß durch den

Wohnbezirk Klarenthal und

zeigt osteuropäische Kurzfilme

an bisher wenig bekannten

Orten. Im Bezirk leben bereits

viele Wiesbadener/innen mit osteuropäischen

Wurzeln, während

des Stadtspaziergangs wird ihre

Kultur sichtbar gemacht. Durch

die gemeinsame Intervention

wird der öffentliche Raum

umdefiniert, Architektur wird

zur Leinwand und Film und Ort

werden in einen neuen Kontext

gesetzt.

„A Wall is a Screen“ begeistert

das Publikum jedes Mal aufs

Neue, die visuelle Stadterkundung

ist einmalig, einzigartig

und diesmal speziell auf

Wiesbaden-Klarenthal und

goEast zugeschnitten.

“A Wall is a Screen” turns the

facades of buildings and houses

into surfaces for the projection

of moving pictures. The cinematic

urban exploration staged

by the Hamburg-based artists

collective aims to animate the

Wiesbaden evening and shine a

light on the city’s lesser-known

corners. Together with the

audience and armed with

modern mobile projection equipment,

“A Wall is a Screen” will

stroll through the residential

district of Klarenthal and show

Eastern European short films

at places that have remained

largely neglected to date. The

neighbourhood is already home

to many Wiesbadeners with

Eastern European roots – their

culture will also be made visible

in the scope of this unique

outing. The shared intervention

seeks to redefine public space,

transforming architecture into

open-air “big screens”, while

placing both film and location in

a new context.

“A Wall is a Screen” always manages

to delight audiences anew:

this year’s visual exploration of

the city is one-of-a-kind, unique

– and specially conceived this

time for Wiesbaden-Klarenthal

and goEast.

72


AUSSTELLUNG/

EXHIBITION

MEMES

AUS SLAWISTAN/

MEMES FROM

SLAVISTAN

Where are

we?

In Eastern

Europe

Memes sind die allgegenwärtigste Form der

Populärkultur, die den sozialen Medien zu eigen

ist. Als Kombination aus recycelten Bildern und

Text sind sie meist als Witze oder Kommentare

zu allem gedacht, was in der Welt passiert. Mit

der Ausstellung slawischer Memes, die von den

Filmjournalisten und Meme-Connaisseurs Vassilis

Economou und Vladan Petković kuratiert wird,

wollen wir das Verständnis des slawischen (und

osteuropäischen) Geistes und seiner Kultur in

der westlichen Wahrnehmung erweitern. In

Kategorien, die von Essen, Kultur und Geschichte

bis hin zu Mode, Musik und Wissenschaft

reichen, wurden die Memes ausgewählt und auf

im Westen verständliche Weise präsentiert. So

werden Aspekte des Lebens, der Tradition und der

Denkweise von Slaw/innen auf einer Metaebene

zugänglich gemacht. Mit dieser Ausstellung hoffen

wir, die kulturelle Verbindung zwischen den Slaw/

innen (und Ehren-Slaw/innen) und dem Westen,

die goEast traditionell durch sein Programm

erforscht, zu ergänzen und zu erweitern.

Die Ausstellung ist ab dem 5. Mai 2020 online zu

sehen unter www.memeslav.de

Memes are the most ubiquitous form of popular

culture inherent to online social media. Through

a combination of recycled images and text, they

are most often intended as jokes or comments

on literally everything happening in the world.

With the exhibition of Slavic Memes, curated by

film journalists and meme connoisseurs Vassilis

Economou and Vladan Petković, we aim to expand

the understanding of the Slavic (and Eastern

European) spirit and culture in the Western

perception. With categories ranging from food,

culture and history to fashion, music and science,

the memes will be selected and presented in a way

accessible for Western consumers, who will be able

to understand these aspects of the life, tradition

and mindset of Slavs on a different, meta-level.

With this exhibition, we are hoping to complement

and expand the cultural connection between Slavs

(and honorary-Slavs) and the West that goEast

traditionally explores through its programme.

The exhibition goes online on May 5 2020.

www.memeslav.de

73 PAN-EUROPEAN PICNIC


EAST

–WEST

TALENT

LAB


goEast fördert junge Filmschaffende und Kreative

aus Mittel- und Osteuropa, und vernetzt sie mit

Gleichgesinnten aus Deutschland. In Zeiten von Social

Distancing, Reisebeschränkungen, geschlossenen

Kinos und Veranstaltungsverboten wird goEast das

East-West Talent Lab virtuell durchführen. Für die

rund dreißig Teilnehmer/innen wurde ein vielseitiges

Fortbildungsangebot konzipiert, das sich online

umsetzen lässt. Die jungen Talente kommen u.a. aus

Albanien, Aserbaidschan, Kasachstan, Kosovo,

Kroatien, Rumänien, Russland, Slowakei, Tschechische

Republik, Ukraine und Ungarn. Bei zahlreichen Events

haben die Labteilnehmer/innen die Gelegenheit zum

Austausch und Networking. Sie treffen auf Branchenvertreter/innen,

können ihre Projektideen vorstellen

und Partner/innen für Koproduktionen finden. Neben

einem Vortrag zur Förderung von Koproduktionen in

Europa gibt es auch eine Case-Study zu einem aktuellen

Wettbewerbsbeitrag aus mehreren Ländern. Der

tschechische Schauspieler, Regisseur und Produzent

Václav Marhoul spricht in einer Masterclass über seinen

Werdegang und sein letztes Werk THE PAINTED BIRD.

Besondere Schwerpunkte in diesem Jahr sind Ethik im

Umgang mit Schauspieler/innen sowie die Produktion

von Serien. goEast bietet den Teilnehmer/innen

neben einem Pitching-Workshop und Mentoring in der

Projektentwicklung auch die Möglichkeit, Einzeltermine

mit einer Projektleiterin von Eurimages und

Redakteur/innen von 3sat und ARTE wahrzunehmen.

Project Market Pitch

Die Teilnehmer/innen des East-West Talent Lab

präsentieren vor Publikum und einer dreiköpfigen

Fachjury ihre 15 ausgewählten Projektideen aus den

Bereichen Kurzspiel- und Experimentalfilm, Videokunst

sowie kurzer und abendfüllender Dokumentarfilm. Die

jungen Talente kommen aus Mittel- und Osteuropa

sowie Deutschland. Der jeweilige Pitch dauert fünf

Minuten, dem schließt sich ein direktes Feedback der

Fachjury an, die dieses Jahr aus der Redakteurin Jutta

Krug (WDR/ARTE), der Produzentin und Autorin Ira

Tondowski und dem Spielfilmproduzenten Kirill Krasovski

besteht. Der beste Pitch gewinnt den

mit 3.500 Euro dotierten und seit 2014 vergebenen

goEast Development Award. Die Jury vergibt ebenfalls

das Renovabis-Recherchestipendium in Höhe von

3.500 Euro für ein Dokumentarfilmprojekt, das

sich mit Menschenrechtsthematik beschäftigt. Die

Preisträger/innen werden auf der Homepage und in einer

Pressemitteilung bekannt gegeben.

goEast supports young filmmakers and creatives from

Central and Eastern Europe and connects them to

like-minded peers from Germany. In this time of social

distancing, closed cinemas and bans on gatherings,

goEast has decided to carry out the East-West Talent Lab

virtually. A development program has been conceived for

the approximately thirty participants that can be adapted

and realised as an online format. The young talents hail

from Albania, Azerbaijan, Kazakhstan, Kosovo, Croatia,

Romania, Russia, Slovakia, Czech Republic, Ukraine and

Hungary, among other places. In the scope of numerous

events, the lab participants have the opportunity to

exchange ideas, know-how and experience while

expanding their professional networks. They meet

industry representatives and can present their project

ideas and find partners for co-productions. In addition to

a presentation on funding options for co-productions in

Europe, the lab also features a case study on a current

competition entry from several countries. In the scope

of a master class, Czech actor, director and producer

Václav Marhoul will speak about his artistic path and his

most recent work THE PAINTED BIRD. This year there will

be a particular focus on the ethics of dealing with actors

as well as on the production of series. In addition to a

pitching workshop and mentoring in project development,

goEast also offers participants the chance to schedule

one-on-one meetings with a project director from

Eurimages and editors from 3sat and ARTE.

Project Market Pitch

In front of a live audience, the participants of the East-

West Talent Lab present their selected project ideas from

the areas of short and experimental film, video art and

short and feature length documentary film to a threemember

expert jury. The young talents come from Central

and Eastern Europe as well as Germany. Each pitch takes

a maximum of five minutes and is immediately followed

by feedback from the expert jury, which consists this year

of editor Jutta Krug (WDR/ARTE), producer and author Ira

Tondowski and fiction-feature producer Kirill Krasovski.

The best pitch wins the goEast Development Award,

initiated in 2014 and featuring prize money in the amount

of 3,500 euros. The jury also awards the Renovabis

Research Grant (also endowed with 3,500 euros) for a

documentary film project treating human rights issues.

The prize-winners will be announced on the festival

homepage as well as in a press release.

75 EAST-WEST TALENT LAB


JURY

EAST–

WEST

TALENT LAB

Jutta Krug Studierte Politikwissenschaften,

Literatur und Medien in München sowie an der

Deutschen Journalistenschule (DJS). Ab 1992

arbeitete sie als Redakteurin und Reporterin

bei ARTE in Straßburg. 1994 erhielt sie den

Deutsch-Französischen Journalistenpreis.

Seit 2000 ist sie in der ARTE-Redaktion des

WDR in Köln zuständig für Dokumentarfilm

und Themenabende und seit 2005 im

Programmbereich Kultur des WDR. Sie ist eine

ehemalige EURODOC-Teilnehmerin (2001) und

Organisatorin der EURODOC-Veranstaltung in

Köln 2002. Sie leitete verschiedene Pitchings,

unter anderem bei dem Internationalen

Dokumentarfilmfestival Amsterdam (IDFA)

und war schon in verschiedenen Festivaljurys

Mitglied, wie zu Beispiel dem Guangzhou

Internationalen Dokumentarfilmfestival und

dem TV Festival in Chengdu, China.

Kirill Krasovski 1982 in Russland geboren,

zog er 2004 nach Deutschland. Von 2009

bis 2015 studierte er Produktion an der

DFFB – Deutsche Film- und Fernsehakademie

Berlin. Er hat als Line Producer bei nationalen

und internationalen Filmproduktionen für

Projekte von Sergei Loznitsa, Alexander

Mindadze und Viktor Kossakovsky gearbeitet.

2013 gründete er in Berlin seine eigene

Filmproduktion faktura film, die sich auf

Autoren- und Dokumentarfilme spezialisiert: so

hatte SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN

HUNDES unter der Regie von Julian Radlmaier

2017 Weltpremiere in Rotterdam und lief auf

der Berlinale, wo der Film mit dem Preis der

Deutschen Filmkritik für den besten Debütfilm

ausgezeichnet wurde. Neue Projekte, an

denen er arbeitet, sind BLUTSAUGER (Julian

Radlmaier) und KÖNIG ÖDIPUS (Angela

Schanelec).

Krug studied political science, literature and

media in Munich, as well as at the German

Journalism School (DJS). From 1992, she

worked in Strasbourg, France, for the European

cultural channel ARTE, as an editor and

reporter. In 1994, she received the German-

French Journalism Award. Since 2000, she has

been responsible for documentaries and theme

evenings in the ARTE editorial office of WDR,

Cologne, and since 2005 in charge of the WDR

culture department as well. She is a former

EURODOC participant (2001) and organized

the EURODOC event in Cologne in 2002. She

has led various pitching sessions, including

at the International Documentary Festival

Amsterdam (IDFA) and has been a member

of various festival juries, for instance at the

Guangzhou International Documentary Festival

and the TV Festival in Chengdu, China.

© Sandra Buschow-sanstories.com

Ira Tondowski Die Produzentin, Autorin,

Dozentin und Regisseurin ist an der Seite von

Alex Tondowski Mitbegründerin von Tondowski

Films. Die beiden produzieren Filme, welche

sich gesellschaftlich relevanten Themen auf

eine humanistische Art und Weise nähern

und einen außergewöhnlichen Blick auf die

Umwelt und das menschliche Miteinander

haben. So zum Beispiel den IDFA-Preisträger

SONG FROM THE FOREST (2013), FAITH

HOPE LOVE (2017) sowie BORN IN EVIN

(2019), welcher die Berlinale Perspektive

gewinnen konnte und auch für den Deutschen

Filmpreis 2020 nominiert war. Mit ihrem

eigenen Kurzfilm SONNTAGS feierte sie

2014 auf dem Palm Springs Internationalen

Kurzfilmfestival Premiere, 2019 realisierte sie

als Ko-Regisseurin den Dokumentarfilm ICH

WILL GERECHTIGKEIT! für ZDF/3sat.

76

Born in Russia in 1982, Krasovski moved to

Germany in 2004. From 2009 to 2015, he

studied film production at the DFFB - German

Film and Television Academy in Berlin. He

worked as a line producer for national and

international film production companies

on projects by Sergei Loznitsa, Alexander

Mindadze and Viktor Kossakovsky. In 2013, he

established his own film production company,

faktura film, based in Berlin, which produces

author-driven feature films and documentaries.

For faktura he produced SELF-CRITICISM

OF A BOURGEOIS DOG, directed by Julian

Radlmaier. The film premiered in 2017 in

Rotterdam and received the German Film

Critic’s Award for the Best Debut Film at the

Berlinale. New titles currently in production

are BLOODSUCKERS (Julian Radlmaier) and

OEDIPUS THE KING (Angela Schanelec).

A producer, author, lecturer and director,

Tondowski is also a co-founder of Tondowski

Films, together with Alex Tondowski. They

produce films that approach socially relevant

topics in a humanistic way and have an

extraordinary view of the environment and

human interaction. Examples include the

IDFA award-winning SONG FROM THE

FOREST (2013), FAITH HOPE LOVE (2017)

and BORN IN EVIN (2019), which won an

award in Berlinale's Perspective section and

was nominated for the German Film Award

in 2020. Her own short film SONNTAGS

celebrated its premiere at the Palm Springs

International Short Film Festival in 2014.

She co-directed the documentary ICH WILL

GERECHTIGKEIT! for German broadcaster

ZDF/3sat in 2019.


Zusammen mit goEast hat

der ADAMI Medienpreis für

kulturelle Vielfalt in Osteuropa

einen Dialog zwischen west- und

osteuropäischen Sendeanstalten

und Produzent/innen von

TV- oder Online-Serien gestartet,

der ihr Potential beleuchtet,

kulturelle Vielfalt zu fördern.

Ursprünglich sollten die

Konferenzergebnisse im Rahmen

einer Diskussionsrunde mit

Produzent/innen aus Osteuropa

und dem Kaukasus bei goEast

präsentiert werden. Covid-19-

bedingt findet in diesem Jahr

stattdessen eine Online-Präsentation

mit Q&A von drei Serien

aus Osteuropa statt.

Der ADAMI Medienpreis wurde

2015 ins Leben gerufen, um

Filmschaffende, Journalist/

innen und Medienschaffende in

den EU-Ostpartnerschaftsländern

(Armenien, Aserbaidschan,

Belarus, Georgien, Moldau,

Ukraine) zu ermutigen, Themen

wie Migration, Toleranz und

kulturelle Vielfalt zu fördern.

Der Preis steht Sendeanstalten

und audiovisuellen

Medienschaffenden der sechs

teilnehmenden Länder offen und

prämiert außergewöhnliche TV-,

Film- und Online-Programme,

die Themen mit Vielfaltsbezug

verhandeln. Neben dem Preis

organisiert ADAMI Networking-Events

und fördert den

Austausch zwischen Medienschaffenden

in Osteuropa und

der EU.

In partnership with goEast, the

ADAMI Media Prize for Cultural

Diversity in Eastern Europe has

launched a dialogue between

Eastern and Western European

broadcasters and producers of

TV or online series, focusing

on their potential to promote

cultural diversity. The original

idea was to present conference

outputs followed by a discussion

and Q&A with producers

from Eastern Europe and the

Caucasus. However, because of

Covid-19, this year an online

presentation of three Eastern

European series will take place,

with Q&As.

The ADAMI Media Prize was

created in 2015 to encourage

filmmakers, journalists and

audio-visual media professionals

in the EU Eastern Partnership

countries (Armenia, Azerbaijan,

Belarus, Georgia, Moldova,

Ukraine) to promote topics

of migration, tolerance and

cultural diversity. The prize

is open to broadcasters and

audio-visual media producers in

the six participating countries,

rewarding outstanding TV, film

and online programmes that deal

with diversity-related issues.

Alongside the prize, ADAMI

organises networking events and

fosters exchange among media

professionals in Eastern Europe

and the EU.

ADAMI

SERIEN

–PRÄSENTATION/

SERIES

PRESENTATION

PAPER DREAM

TGHTE YERAZANQ

Armenia 2019

arm OmeU

Broadcaster SHANT TV

Production SHANT Production

Episodes 24

T.A.F.U.

40 M2

Belarus 2019

rus OmeU

Georgia 2019

geo OmeU

Broadcaster Silk Universal

Production Predator

Episodes 1 (pilot episode)

Broadcaster Belsat TV

Production Tuzinas TV

Episodes 6

77


OPEN

FRAME

AWARD


Seit dem Wechsel zur Virtual Reality und dem 360°-Kino

2018 experimentiert der Open Frame Award mit neuen

Formen und Medienformaten. Wir verstehen das als

wechselseitigen Lernprozess: Jedes Jahr fördern und

kreieren wir als Festival größere Sichtbarkeit für mittelund

osteuropäische VR-Projekte in der Welt und unter

„traditionellen“ Filmschaffenden, doch wir begegnen

auch Kreativen, die uns lehren, die technischen und

kreativen Horizonte des Mediums zu erweitern. Diese

Lernkurve lässt sich bestmöglich durch physisches

Zusammenarbeiten in der Festivalwoche erreichen,

wenn Filmschaffende, VR-Schaffende, Jurymitglieder

und Publikum aufeinandertreffen und ein gemeinsames

Verständnis davon bekommen, wohin die Reise geht.

Doch jetzt ist dieser Prozess unterbrochen durch die

Notwendigkeit die Covid-19-Pandemie einzudämmen, die

eine Zusammenkunft unmöglich macht.

Der bloße Umstand, dass ein Projekt zum Virtual

Reality-Genre gehört, heißt nicht, dass es sich leicht

virtuell präsentieren ließe, denn die Hauptleistung

eines VR-Projekts ist das Schaffen einer anderen Form

von Realität. Doch die experimentelle Natur unseres

Awards und die Lektionen, die wir von unseren furchtlos

agierenden Teilnehmer/innen der letzten Jahre gelernt

haben, motivieren uns, unser Bestes zu geben.

Obwohl wir weder Gewinner/innen auf dem Podium der

Caligari FilmBühne küren noch Filme in komfortablen

Sitzen schauen können, bringen wir das Caligari zu einem

weitaus größeren Publikum. Mithilfe unserer Partner und

vorigen Open Frame Award-Gewinnern haben wir unsere

Hauptspielstätte im virtuellen Raum nachgebaut und

halten dort die meisten der VR-Aktivitäten ab. Wir laden

Jury und Fachbesucher/innen aus allen Ecken der Welt ein

die Kunstwerke zu erleben und deren Schöpfer/innen zu

treffen. Schließlich wird der Open Frame Award verliehen,

der erneut von der BHF BANK Stiftung und der Adolf

und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege

unterstützt und mit 5.000 Euro Preisgeld dotiert ist.

Since its shift to Virtual Reality and spherical cinema in

2018, the Open Frame Award has continued to experiment

with new forms and media formats. We see this as a

mutual learning process: Each year we as a festival

promote and create better visibility for Central and

Eastern European VR projects in the world and among

“traditional” filmmakers, but we also encounter creators

who teach us to expand the horizons of the medium, both

creatively and technically. This learning curve is best

surmounted by physical collaboration during the festival

week, when filmmakers, VR creators, jury members and

audiences meet and find a common understanding of

where the road is leading us. However, now this process

is interrupted by the need to flatten the curve of the

Covid-19 pandemic, which makes it impossible to meet

in person.

The mere fact that a project belongs to the genre of

Virtual Reality does not mean that you can easily present

it virtually, as the main achievement of VR projects

is the creation of a different form of reality. But the

experimental nature of our award and the lessons we

have learned from participants of past editions, who

are fearlessly moving into the unknown, give us the

motivation to do as much as we can.

So, even though we won’t be able to stand on the stage

of the Caligari cinema to award the winner or to watch

films in its comfortable seats, we are going to bring the

Caligari to a much wider audience. With the help of our

partners and former Open Frame Award winners, we have

recreated our landmark venue in virtual reality and will

be holding most of our VR activities there. We invite the

jury, as well as professionals from much more distant

places than we are usually able to reach with our efforts,

to experience the works and meet the creators. In the

end, the Open Frame Award will be given out, once again

funded and endowed with 5.000 euros in prize money

by BHF BANK Foundation and Adolf und Luisa Haeuser-

Stiftung für Kunst und Kulturpflege.

Ich hoffe, dass wir großartiges VR-Storytelling weiterhin

zugänglicher und populärer machen, besonders unter den

aktuellen Umständen. Wir gehen diesen Weg nicht aus

Verzweiflung und mit der Intention im nächsten Jahr zum

alten Format zurückzukehren. Stattdessen wollen wir

neue Kombinationen aus hybriden Online- und Offline-

Events erschaffen, die möglicherweise das „new normal“

in dieser neuen Welt werden – eine Welt, die sich mit

Sicherheit weiter verändern wird.

Georgy Molodtsov, Kurator des Open Frame Award

I hope that we are moving closer to making great VR

storytelling more accessible and popular, especially

under the current circumstances. We are not taking this

step out of desperation with the intention of moving back

to the old format next year. Instead we want to create

a new combination of hybrid online and offline events,

which might become the “new normal” in this new world -

a world that will definitely keep on changing.

Georgy Molodtsov, curator of the Open Frame Award

79 OPEN FRAME AWARD


JURY

Mária Rakušanová Leitete zunächst das

Produktmarketing für Mixed und Virtual Reality

bei Microsoft und Samsung Europe, bevor sie

sich den Bereichen Platform Partnership und

Content Acquisition bei HTC VIVE in Europa

annahm. Sie ist bestrebt, eine Gemeinschaft

von Entwickler/innen und Partner/innen

aufzubauen, die die Grenzen der XR-

Entwicklung sprengen, und will dazu beitragen

die Branche profitabler zu machen. Dreimal

kuratierte sie das „Raindance Immersive“,

den XR-Strang für interaktive Formate vom

Raindance Film Festival in London.

Mária Rakušanová led mixed and virtual

reality product marketing and administration

at Microsoft and Samsung Europe, before

moving to platform partnerships and content

acquisition for HTC VIVE in Europe. She drives

efforts to create a community of creators

and partners who push the boundaries of XR

development and strives to help create a path

of profitability for the industry. She has curated

three editions of “Raindance Immersive”,

the XR strand for interactive projects of the

Raindance Film Festival in London.

Averie Timm Sie ist Produzentin bei Facebook

AR/VR (Oculus) und auf das Erzählen

von interaktiven Geschichten im Raum

spezialisiert. Sie hat bereits VR-Inhalte mit

Partnern auf der ganzen Welt produziert.

Ihre aktuellsten Projekte sind EVEREST:

JOURNEY TO THE TOP OF THE WORLD, eine

dreiteilige immersive Videoserie von Jonathan

Griffith, und THE KEY von Celine Tricart, eine

interaktive Erfahrung des Oculus VR for Good-

Programms, die beim Tribeca Film Festival

von der Jury mit dem Storyscapes Award

ausgezeichnet wurde.

Averie Timm is a producer at Facebook AR/

VR (Oculus), specializing in interactive spatial

storytelling experiences. She has produced

VR content with partners around the world

including, most recently: EVEREST: JOURNEY

TO THE TOP OF THE WORLD, a three-part

immersive video series by Jonathan Griffith,

and THE KEY by Celine Tricart, an interactive

experience from the Oculus VR for Good

program that won Tribeca Film Festival’s juried

Storyscapes award.

Akmyrat Tuyliyev Geboren in Turkmenistan,

studierte er in den Vereinigten Staaten

Film- und Fernsehproduktion am Savannah

College für Kunst und Design und erwarb

seinen Master an der NYU Tisch School of

the Arts im Interactive Telecommunications

Program (ITP). Er produzierte Augmented-

Reality-Anwendungen für Fernsehsender,

weitere Arbeiten wurden zudem in Museen

ausgestellt. Heute ist er Produzent von

interaktiven Anwendungen bei POV Spark,

zugehörig zur PBS-Dokumentarfilmreihe POV.

Hier produziert er unabhängige interaktive

non-fiktionale Projekte und leitet Initiativen

zur Unterstützung unabhängiger interaktiver

Kunstschaffender.

Born in Turkmenistan, Tuyliyev studied film and

television production in the USA at Savannah

College of Art and Design and earned his

master’s degree from NYU’s Tisch School of

the Arts in the Interactive Telecommunications

Program (ITP). He has produced augmented

reality experiences for TV networks and his

work has been showcased in many museums.

Today, he is a producer in the interactive

department of the PBS documentary series

POV: the POV Spark. Here, he produces

interactive independent non-fiction projects

and leads initiatives supporting interactive

independent storytellers.

80


APORIA. THE CITY

IS THE CITY

Krzysztof Garbaczewski

Poland 2019

20 min, colour / OV + eng SUB

INTERACTIVE EXPERIENCE

In Aporia erfährt man, wie es

sich anfühlt, an zwei Orten

gleichzeitig zu sein. Zwei Städte,

in denen die Bewohner in

Parallelwelten leben. Jeder Ort

ist gedoppelt und entwickelt

sich – oft in unterschiedliche

Richtungen. Vielfältige

Strukturen, die sich bis an die

Randzonen ausdehnen, bieten

eine Sicht auf die dort lebenden

Gemeinschaften und deren

Rituale. Die Erfüllung einer

Utopie, in der die Städte stetig

wachsen, sich immer wieder neu

verbinden und ausdehnen. Eine

offene Raumerfahrung für das

Publikum.

In Aporia, the participant learns

what it feels like to be in two

places at the same time. Two cities

in which the inhabitants live

in parallel worlds. Each place

is doubled and evolving – often

in different directions. Multifaceted

structures that expand

all the way to the peripheral

zones permit a glimpse into the

communities and rituals of those

living there. The fulfilment of a

utopian vision, in which cities

constantly grow, forming evernew

connections as they spread

out. An open spatial experience

for the audience.

Music Jan Duszyński

Producer Wojtek Markowski

Production

Dream Adoption Society, Poland

wojtek.markowski@flux-vr.com

Shadow Architecture, Poland

BABYN YAR.

VIRTUAL MEMORY

Alona Stulii

Ukraine, 2020

15 min, colour / ukr, eng OV + eng SUB

INTERACTIVE EXPERIENCE

Die Geschichte beginnt am

19. September 1941 in Babyn

Yar, an dem Ort, wo eine der

größten Massenhinrichtungen

des Holocausts stattfand. Diese

Tragödie wird sowohl von der

Seite der Opfer als auch der Seite

der Täter erzählt. Das Projekt

bietet Einblicke in das Schicksal

jüdischer Menschen, Roma,

ukrainischer Nationalisten,

Kriegsgefangener und vieler

weiterer Gruppen, die von den

Nationalsozialisten in Babyn Yar

ermordet wurden.

The story begins on 19 September

1941, in Babyn Yar, the site

where one of the largest mass

executions of the Holocaust took

place. This tragedy is told from

the side of the victims and the

perpetrators. The project offers

insight into the fates of Jewish

individuals, Roma, Ukrainian

nationalists, war prisoners and

many other groups that were

murdered by the Nazis at Babyn

Yar.

Producers Kirill Pokutnyy, Sergey Tereshchenko

Contact kp@sensoramalab.com

CAT'S WINTER TALE

Oleg Nikolaenko

Finland 2020

11 min, colour / OV + eng SUB

INTERACTIVE EXPERIENCE

Diese Weihnachtsgeschichte für

Kinder handelt von der Freundschaft

zwischen einer Tigerkatze

und einem Engel. Beide treffen

sich in einem Baum und fliegen

daraufhin gemeinsam durch die

Stadt. Zu klassischen Klängen

wird das Publikum von einer

Erzählerstimme durch die

charmante Geschichte geführt.

This Christmas tale for children

is about the friendship between

a tiger-cat and an angel. The

two meet in a tree and fly away

together through the town.

Classical music and a narrator’s

voice guide the audience

through this charming story.

Screenplay Oleg Nikolaenko

Producer Elli Niaria

Production

AXiiO VR Studio, Finland

info@axiio.fi

81 OPEN FRAME AWARD


PSYCHOSIS

PSYCHOSE

AES+F

Russia 2018

18 min, colour / eng OV + eng SUB

VR INTERACTIVE / MIXED REALITY

PSYCHOSE basiert auf dem Text

„4.48 Psychosis“ der britischen

Theaterautorin Sarah Kane

(1971-1999), den sie während

eines Psychiatrie-Aufenthaltes

kurz vor ihrem Selbstmord

verfasste. Das Werk macht die

surrealen Visionen von Sarah

Kanes Protagonistin erfahrbar

und wurde vom Künstlerkollektiv

AES+F ursprünglich

als interaktives Theaterstück

konzipiert.

PSYCHOSIS is based on the text

“4.48 Psychosis” by British playwright

Sarah Kane (1971-1999),

which she composed during a

stay in a psychiatric hospital

shortly before taking her own

life. This work, originally

conceived by the artist collective

AES+F as an interactive piece for

theatre, allows the audience to

experience the surreal visions of

Sarah Kane’s protagonists.

THE RAIN THAT IS

FALLING NOW WAS

ALSO FALLING BACK

THEN

Christian Zipfel

Romania, Germany 2019

38 min, colour and b/w / rom OV + eng SUB

360° DOCUMENTARY

Botoșani, an der äußersten

Außengrenze Europas. Cristian,

Busliuc und Manix sitzen die

letzten Tage ihrer Haftstrafe ab.

Hinter Gittern hatten die drei

viel Zeit zum Nachdenken. Was

bedeutet es glücklich zu sein?

Die Antworten auf diese Frage

haben sich eingeprägt…

Botoșani, on the very edge of

the external border of Europe.

Cristian, Busliuc and Manix are

sitting out their last days in jail.

Behind bars, the three men have

had a lot of time to think. What

does it mean to be happy? The

answers to this question have

left their mark…

VERINNERUNG – VR

Alexander Flatau

Germany 2019

10 min, colour / OV + eng SUB

360° VIDEO-EXPERIENCE

Wo hört die Realität auf und

fängt die Fiktion an? Andrew

wird während eines spontanen

Dates mit Emma in einen Banküberfall

verwickelt. Filmriss.

Gefesselt an einen Stuhl wachen

beide in einer verlassenen

Fabrik wieder auf. Was nun?

Where does reality end

and fiction begin? During a

spontaneous date with Emma,

Andrew gets wrapped up in a

bank robbery. Blackout. The two

awake strapped to a chair in an

abandoned factory. What now?

82

Music Dmitry Kourliandski

Contact anton@aesf.art

Screenplay Christian Zipfel

Camera Christian Zipfel, Jonas Römmig, David-

Simon Groß, Siri Klug

Editor Jonatan Lorincz

Music Christian Dellacher

Sound Fabian Koppri, Kevin Jahnel

Producers Viktoria Janssen, Lisa Wischer

Production

Film University Babelsberg KONRAD WOLF,

Germany

info@filmuniversitaet.de

UNATC Bucharest, Romania

Contact

zipfel.christian@gmail.com

Festival Contact

c.marx@filmuniversitaet.de

Screenplay Alexander Flatau

Camera Nicolas Jansky

Music Nicolas Wohlleben

Sound Stefan Woidig, Jan Schulten

Producer Alexander Flatau

Cast Idan Weiss, Jördis Trauer, Erdogan

Kasimogli

Contact mail@alexanderflatau.de


WHISPERS

GEFLÜSTER

WINGS

ARIPI

Patryk Jordanowicz, Jacek Naglowski

Poland 2019

21 min, colour / eng OV + eng SUB

Dmitry Voloshin

Moldova 2019

7 min, colour / no dialogue

360° DOCUMENTARY

INTERACTIVE EXPERIENCE, 360° ANIMATION

Im ländlichen Grenzgebiet von

Polen und Ukraine lebt die

„Flüsterin“, eine Wunderheilerin.

Sie verwendet die Kraft von

Worten, Gesten und Bildern,

um Menschen zu heilen. In

ihrer Welt sind Leben und Tod

nicht nur biologische Prozesse,

sondern Kräfte, die man

anwenden kann.

In the rural zone on the border

between Poland and Ukraine

lives the “Whisperer”, a faith

healer. She uses the power of

words, gestures and images to

cure people. In her world, life

and death are not only biological

processes – they are energies

that one can channel and use.

Screenplay Jacek Naglowski

Camera Patryk Jordanowicz

Editor Maciej Gryzełko

Music Anna Ujma

Sound Pierre Carsalade, Anna Ujma,

Marek Titow

Producer Jacek Naglowski

Cast Irina Kotelnikova

Production

Centrala Distribution, Poland

naglowski@centralafilm.pl

Rights/Sales

Wide Management, France

infos@widemanagement.com

Jedes Kind träumt vom

Fliegen – in WINGS scheint sich

dieser Traum für die zentrale

Figur erfüllt zu haben. In einer

kleinen Raumkapsel fliegt der

Astronaut durch das All. Doch

dann führen kleinere Probleme

innerhalb des Gefährts zu

immer größeren Problemen und

es kommt zu einem dramatischen

Absturz. Noch ein Mal

will der Astronaut seine Flügel

ausbreiten – und zu dem Traum

seiner Kindheit zurückkehren.

All children dream of flying – in

WINGS this dream seems to

have come true for the central

character. An astronaut flies

through outer space inside a

tiny space capsule. Alas, then

little problems inside the vehicle

start to snowball, ending in a

dramatic crash. The astronaut

wants to spread his wings and

fly once more – and return to his

childhood dream.

Screenplay Sergiu Chirillov, Anastasia Berzoy,

Dmitry Voloshin

Music Elias Tadeus

Producer Dmitry Voloshin

Production

Simpals, Moldova

e.saraeva@studio.simpals.com

OPEN FRAME AWARD

83


FILMERBE DER

UMBRUCHSZEIT

MITTEL- UND OST-

EUROPA

1985–1999

FILM HERITAGE

IN TRANSITION

CENTRAL AND

EASTERN

EUROPE

1985–1999

SYM

84

–POSIUM


FILMERBE

DER

UMBRUCHSZEIT

Schamma Schahadat / Margarete Wach

Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 war nicht nur

ein (geo)politisches Ereignis, sondern vor allem

auch ein kulturelles – ein Schockerlebnis, das für

die Menschen, aber auch für die Institutionen ein

Neu- und Umdenken bedeutete. Soziale Sicherheiten

wurden durch das ideologische Erdbeben

ebenso in Frage gestellt wie nationale Identitäten.

Ost und West mussten sich neu sortieren.

Die Folgen für die Kinematographien in Ost-,

Ostmittel- und Südosteuropa betrafen sowohl die

Filminhalte und -ästhetiken als auch die Filminstitutionen.

Auf der einen Seite ermöglichten (und

erforderten) die neue Freiheit und die neue Zeit

neue Themen und neue Formen. Manche Filmschaffende

versuchen die spätsozialistische Zeit in

ihren Filmen festzuhalten, ein Beispiel ist Helke

Misselwitz‘ WINTER ADÉ von 1987/88. In Interviews

mit Frauen fängt Misselwitz die Endzeitstimmung

der DDR subtil ein, die Wende kündigt

sich an. „Machen, wat wir wollen“, so beschreiben

zwei Teenager ihre Wünsche und Träume in einer

Welt, die einerseits voller Regeln und andererseits

bereits dem Untergang geweiht ist. In den 1990er

Jahren behandeln die Filme Unsicherheiten und

soziale Verwerfungen (OKRAINA / RANDBEZIRK,

Russland 1998, Regie: Pyotr Lutsik), Kriminalität

und Mafia (PSY / HUNDE, Polen 1992, Regie: Władysław

Pasikowski) oder aber die Traumata einer

lange verschwiegenen Vergangenheit (CHEKIST /

DER TSCHEKIST, Russland/Frankreich 1992, Regie:

Aleksandr Rogozhkin). Daneben experimentieren

die Filmemacher/innen ab etwa Mitte der 1980er

Jahre mit ästhetischen Neuerungen, so dass spätsowjetisches

Underground-Kino unter den Namen

„Paralleles Kino“ und „Nekrorealismus“ kleine,

eingeweihte Kreise erreicht. Subversiv-affirmativ

besingen die Brüder Aleinikov in dem Kurzfilm

TRAKTORA / TRAKTOREN (Sowjetunion 1987) geradezu

hymnisch den Aufbau eines Traktors, eines

zentralen Symbols des sozialistischen Mythos von

Fortschritt, Modernisierung und Kommunismus,

doch sie tun es auf eine Weise, die diesen Mythos

ad absurdum führt – aus der Hymne wird eine Parodie.

Der Nekrorealismus von Evgeny Kondratiev

wiederum zelebriert grotesk-absurde Mysterien,

die nicht nur die spätsowjetische Wirklichkeit

zerlegen, sondern zugleich eine Hommage an das

frühe Stummfilmkino sind. Zu den ästhetisch

radikalsten Erneuerern gehört der Ungar Béla

Tarr. Seine ausgedehnten, schwarz-weißen

Filmkompositionen sorgen dank ihrer abstrakten

Bilder, extrem langen Einstellungen und Kamerafahrten

sowie ihres geschärften Bewusstseins

des Moments international für Furore. Mit einer

Laufzeit von 450 Minuten gilt etwa sein gefeiertes

Mammutprojekt SÁTÁNTANGÓ / SATANSTANGO

(Ungarn 1994) als einer der längsten Filme aller

Zeiten, dessen Vorführbarkeit jedes Festival vor

enorme Herausforderungen stellt. Auch Ildikó

Enyedis Spielfilmdebüt AZ ÉN XX. SZÁZADOM /

MEIN 20. JAHRHUNDERT (Ungarn/Deutschland

1989), das in Cannes 1989 begeistert aufgenommen

wurde, zählt zu den innovativen Filmen der

Umbruchsphase, in der viele der ungarischen

Filmschaffenden sich düster apokalyptischen

Endzeitvisionen hingaben. Enyedis allegorische

Zeitreise zu den Ursprüngen des 20. Jahrhunderts

zeichnet in ironischen Brechungen und mit einem

feministischen Gestus die Lebensstationen zweier

Zwillingsschwestern als Verweise auf nicht

eingelöste Zukunftserwartungen nach.

Neue Themen, neue Formen also auf der einen

Seite. Auf der anderen: das Chaos der Institutionen,

was für die verschiedenen nationalen Kinematographien

nicht nur eine Chance bedeutete, sondern

auch verheerende Folgen hatte. Die Auflösung

staatlicher Institutionen führte dazu, dass die

Filmförderung zu großen Teilen wegbrach, neue

Finanzierungsmöglichkeiten mussten gesucht

werden. Zudem wurden Filme nicht mehr – wie in

der Epoche einer von oben gelenkten Kulturpolitik

– systematisch archiviert. So war das slowakische

Kino in den 1990er Jahren praktisch vom Aussterben

bedroht, bevor es um die Jahrtausendwende zu

einer Art Wiederauferstehung kam. Und dennoch

gibt es den wunderbar poetischen Film ZÁHRADA

/ DER GARTEN des slowakischen Regisseurs,

Drehbuchautors und Schauspielers Martin

Šulík, eine slowakisch-tschechisch-französische

Koproduktion von 1995. Der Protagonist des Films

wird dazu gezwungen, aus seinem gleichmäßigen,

ereignisarmen Leben auszusteigen und sich

neuen, fast mystischen Erlebnissen zu öffnen. Sein

bisheriges Dasein wird damit nicht nur auf den

Kopf, sondern vollständig in Frage gestellt. Aber,

wie gesagt, hier handelt es sich um eine Koproduktion,

und Koproduktionen waren eine Möglichkeit,

mit der institutionellen und finanziellen Krise

umzugehen.

85 SYMPOSIUM


86

Auf manche Filme dieser Umbruchszeit trifft man

zwar in der Fachliteratur, doch die Filme selbst

sind nicht aufzutreiben. Besonders hart betroffen

war hier die rumänische Filmindustrie: Zur Zeit

des Kommunismus wurden etwa 30 Filme pro Jahr

produziert, während in den 1990er Jahren sowohl

die Produktion als auch die Qualität der Filme dramatisch

zurückgingen – soweit, dass im Jahr 2000

kein einziger rumänischer Film gedreht wurde.

Ab 2001 kam es dann zu einem Aufschwung, der

fast „unheimlich war, was die Produktivität und

Qualität der Filme anbetraf“ (Uricaru 2012: 428).

Dennoch liegen die Anfänge einiger rumänischer

Filmemacher, die in den 2000er Jahren reüssierten,

in den 1990er Jahren. Cristi Puiu, der 2001 MARFA

ȘI BANII / WARE UND GELD (Rumänien 2001) in

Cannes präsentierte und dessen Film MOARTEA

DOMNULUI LĂZĂRESCU / DER TOD DES HERRN

LAZARESCU (Rumänien 2005) mit mehreren

internationalen Preisen ausgezeichnet wurde,

drehte etwa in der zweiten Hälfte der 1990er

Jahre einige wegweisende Dokumentarfilme, die

wichtige Themen der Transformationszeit in den

Fokus nahmen.

Nicht überall war die Situation der Kinematographie

so desolat wie in Rumänien – wie aber sah

es in den einzelnen Ländern aus? Für Polen zum

Beispiel wird eine „erfolgreiche Transformation“

der Filmbranche behauptet (Durys 2016) – und das,

obwohl die polnische Kinematographie, wie viele

der anderen in den ehemals kommunistischen

Staaten, zunächst um ihr Überleben kämpfen

musste. Einerseits herrschte nach dem Ende des

Kommunismus eine Atmosphäre der Hoffnung auf

eine bessere Zukunft, andererseits fiel schlagartig

die staatliche Finanzierung weg. Die Filmbranche

stand plötzlich in Konkurrenz zu internationalen

Filmen – vor allem zu der weltweit kommerziell

maßgebenden Hollywood-Produktion – und musste

sich den Regeln eines globalen freien Marktes wie

auch den neuen Formaten und neuen Vertriebswegen

anpassen. Eine Lösung – nicht nur für

die polnische Filmbranche – war das öffentliche

Fernsehen, das den Filmemacher/innen unter die

Arme griff und in vielen Fällen Produktionen (mit-)

finanzierte. Die Filmschaffenden versuchten auch

in ihrer Themenwahl auf diese Krise zu reagieren;

so entstanden einige Publikumserfolge nach

Hollywood-Muster, die vorzugsweise das Chaos

und die Kriminalität bzw. die mafiösen Strukturen

abbildeten, wie zum Beispiel Pasikowskis schon

genannter Film HUNDE über die Karrieren

ehemaliger Geheimdienstler im Nachwende-Polen

als Polizisten oder Mafiosi. Krzysztof Krauzes

herausragender Thriller DŁUG / DIE SCHULD von

1999, der in Kreisen hoffnungsvoller Jungunternehmer

spielt, beleuchtet das Thema Kriminalität

aus einer anderen Perspektive, aus jener der Opfer,

die unversehens in die Fänge krimineller Machenschaften

geraten und sich nur daraus befreien

können, indem sie selbst zu Tätern werden. Vor

allem HUNDE ging in die polnische Alltagskultur

ein: „Pasikowskis Actionfilm beeinflusste und

konstruierte die gesellschaftliche Wahrnehmung

der realen Gegebenheiten und führte zur Herausbildung

einer eigenen mentalen Landschaft.

Zahlreiche Repliken aus dem Drehbuch sind in

die Umgangssprache eingegangen“ (Klejsa 2013:

425). Ausgerechnet diese beiden Filme entstanden

aber ohne Beteiligung des polnischen Fernsehens

TVP, sondern wurden von dem sehr erfolgreichen

Regisseur und Produzenten Juliusz Machulski und

seiner Produktionsfirma Zebra in Verbund mit

ausländischen Investoren wie der Kinosparte von

Canal+ oder dem Verleih ITI Cinema auf den Weg

gebracht.

Neben dem massentauglichen Kino waren gerade

in den 1990ern auch ästhetisch ambitionierte

Filme zu verzeichnen, so Krzysztof Kieślowskis

vorwiegend in Frankreich produziertes Spätwerk,

LA DOUBLE VIE DE VÉRONIQUE / DIE ZWEI LEBEN

DER VERONIKA (Frankreich/Polen/Norwegen 1991)

und TROIS COULEURS: BLEU, BLANC, ROUGE / DREI

FARBEN: BLAU, WEISS, ROT (Frankreich/Schweiz/

Polen 1993-1994). Allesamt internationale Koproduktionen,

denen bereits der weltweite Erfolg

von Kieślowskis DEKALOG-Fernsehserie (Polen

1989) und ihrer Kino-Auskopplungen KRÓTKI

FILM O ZABIJANIU / EIN KURZER FILM ÜBER DAS

TÖTEN (Polen 1988) und KRÓTKI FILM O MIŁOŚCI

/ EIN KURZER FILM ÜBER DIE LIEBE (Polen 1988)

vorausgegangen war. Und, um noch ein drittes

Phänomen zu nennen: Durch das Eindringen

westlicher Theorien der Postmoderne mit ihrem

autoreflexiven Fokus wurde das Medium Film,

einschließlich des Kinoraums und der Zuschauer/

innen, zu einem populären Thema des Nachwendefilms.

Beispiele sind UCIECZKA Z KINA WOLNOŚĆ

/ FLUCHT AUS DEM KINO FREIHEIT (Polen 1990)

von Wojciech Marczewski und HISTORIA KINA

W POPIELAWACH / DIE GESCHICHTE DES KINOS

IN POPIELAWY (Polen 1998) von Jan Jakub Kolski.

Hier haben wir einerseits in Anlehnung an Woody

Allens THE PURPLE ROSE OF CAIRO (USA 1985) den

Aufstand der Filmfiguren gegen ihr vorgegebenes

Script, was als politisches Statement angelegt

ist, und andererseits im Gefolge von Giuseppe

Tornatores CINEMA PARADISO (Italien/Frankreich

1988) eine nostalgisch affirmative Erzählung über

das Kino als Sehnsuchtsort.


Polen und Rumänien weisen also ganz unterschiedliche

Entwicklungen der Nachwende-Kinematographie

auf: Während das rumänische

Kino in den 1990er Jahren fast inexistent war,

hatte die polnische Filmproduktion sich trotz des

anfänglichen Kahlschlags im Laufe der 1990er

Jahre etwas erholt. Damit vergleichen lässt sich

die Lage in Tschechien; dort entzündete sich in der

unmittelbaren Nachwendezeit die Debatte über die

Zukunft des Films an der geplanten Privatisierung

der Barrandov Film Studios; diese hatten bis 1989

das Monopol zur staatlichen Filmproduktion. Der

geplante Verkauf erschien vor allem den älteren

Filmschaffenden als Ausverkauf ihrer Ideale, denn

trotz der ideologischen Kontrolle, die die Filmindustrie

bis 1989 dominierte, bedeutete Barrandov

auch Stabilität und Sicherheit für die Filmemacher/

innen. Während ausländische Filme, speziell aus

Hollywood, den einheimischen Markt eroberten,

sorgten sich tschechische Filmemacher/innen

um die Authentizität ihrer Kunst. Dabei war die

Diskussion um die Privatisierung von Barrandov

nicht nur eine über Kunst und Kommerz, sondern

sie legte auch einen Konflikt zwischen den Generationen

offen – vor allem die Filmemacher/innen

der älteren Generation hingen an Barrandov (Vĕra

Chytilová, Jiří Menzel), während die Jüngeren, wie

zum Beispiel Jan Hřebejk, Jan Svěrák, Tomáš Vorel,

Petr Zelenka und Irena Pavlásková, entspannter

mit der Situation umgingen und sich auf innovative

Formen und Medien einließen. Dennoch:

der Verkauf von Barrandov und der Verlust von

hunderten Arbeitsplätzen, der darauf folgte, war,

wie die Filmpublizistin Jindřiška Bláhová konstatiert,

„eine der traumatischsten Erfahrungen für

die [tschechische] Film-Community in den 1990er

Jahren“ (Bláhová 2019: 49).

Schauen wir auf die Qualität der tschechischen

Filme der 1990er Jahre, so ist auch hier die

Situation zunächst trostlos. Die postsozialistische

tschechische Filmlandschaft lässt sich in drei

Bereiche einteilen: populäres Kino, Arthaus-Kino

und Debüts. Das populäre Kino wurde vor allem

von Jan Svĕrák vertreten, dessen OBECNÁ ŠKOLA

/ DIE VOLKSSCHULE 1991 für den Oscar als bester

fremdsprachiger Film nominiert wurde und

dessen Film KOLJA / KOLYA diesen Oscar dann

1996 auch tatsächlich bekam – beide Filme waren

konventionell in der Form, dabei aber in der

Umsetzung sehr professionell. Und so spannend,

dass die Zuschauer/innen sie gerne sahen: In

DIE VOLKSSCHULE entspinnt sich ein Drama

um einen Lehrer im Nachkriegs-Prag, der von

seinen Schüler/innen verehrt und im Endeffekt

gerettet wird; KOLYA ist eine warmherzige

Komödie, die kurz vor der Samtenen Revolution

spielt und in der es um die Scheinehe eines

kaltgestellten Cellisten mit einer Russin, einen

zurückgelassenen Jungen und die Bespitzelung

durch die Staatssicherheit geht. Beide Filme lösen

die Konflikte auf und enden harmonisch. Für

das Arthaus-Kino stehen die Regisseur/innen der

tschechischen Neuen Welle, die diese Tradition

in den 1990er Jahren wieder aufgreifen, darunter

auch Drahomíra Vihanová und Vĕra Chytilová.

Erstere lässt die Nouvelle Vague-Ästhetik in ihrem

Film PEVNOST / DIE FESTUNG (1994) auferstehen,

letztere greift in PASTI, PASTI, PASTIČKY / GROSSE

FALLEN, KLEINE FALLEN (1998) und DEDICTVÍ

ANEB KURVAHOSIGUTNTAG / DAS ERBE ODER

FUCKOFFJUNGSGUTNTAG (1992) typische formale

Elemente aus ihren früheren Filmen auf und setzt

diese ein, um die Konsumorientierung der 1990er

Jahre parodistisch zu behandeln. Und die Debüts?

Diese richteten sich vor allem auf gesellschaftliche

Probleme: Alkoholismus, Verbrechen, Prostitution.

Als Ausnahme erscheint Saša Gedeon, der in

NÁVRAT IDIOTA / RÜCKKEHR DES IDIOTEN von

1999 Dostojewskis Romanvorlage „Der Idiot“ in die

böhmische Provinz verlegt.

Im südslavischen Raum sind die Jugoslawien-

Kriege natürlich das dominante Thema der

Filme. Die nationalistischen Tendenzen, die sich

nach 1989 in einem grausamen Krieg entluden,

führten dazu, dass viele Filme sich mit der

Frage nach religiös-ethnischen Zugehörigkeiten

beschäftigten. Die Jugoslawien-Kriege spielen

in zwei Filmen beim diesjährigen Festival eine

Rolle: in Milcho Manchevskis preisgekröntem Film

PRED DOZHDOT / VOR DEM REGEN, einer mazedonisch-britisch-französischen

Koproduktion von

1994, und in dem Dokumentarfilm des kroatischen

Regisseurs Nenad Puhovski von 1997, GRAHAM I

JA – ISTINITA PRIČA / GRAHAM UND ICH – EINE

WAHRE GESCHICHTE, entstanden im Rahmen von

FACTUM, einer kroatischen Initiative für unabhängige

Dokumentarfilme. Manchevskis Protagonist

ist der Fotograf Aleks, der im Westen mit dem

Pulitzer-Preis ausgezeichnet wird und doch in

sein mazedonisches Heimatdorf zurückkehrt. Mit

dieser Rückkehr verwoben sind die Geschichten

seiner englischen Geliebten Anne, der muslimischen

Albanerin Zamira und des orthodoxen

87 SYMPOSIUM


Mönchs Kiril. Indem Manchevski die Zeitabläufe

durcheinanderbringt, da die Ereignisse einer

irrealen Chronologie folgen, stört dieser Film den

orientalisierenden westlichen Blick auf diese aus

den Fugen geratene Region (Jenkins/Tonkin 2015:

210). Der Dokumentarfilm GRAHAM UND ICH

verschränkt zwei Perspektiven miteinander, die

des Engländers Graham, der sich aus Protest gegen

die britische Haltung in den Jugoslawien-Kriegen

verbrennt, und die des Filmemachers Puhovski,

der Grahams Schicksal und seine eigene künstlerische

Biographie zusammenschließt. Der Titel

GRAHAM I JA verweist ironisch auf einen der

letzten in Jugoslawien produzierten Filme, Goran

Markovićs TITO I JA / TITO UND ICH (Jugoslawien

1992). TITO UND ICH vermischt dokumentarische

und fiktionale Elemente und thematisiert ironisch

den Tito-Kult der 1950er Jahre. Bezieht man diese

beiden Filme aufeinander, so erscheint die Darstellung

des Jugoslawien-Verfechters Graham auch als

eine Art Kult, eine posthume Verherrlichung eines

Märtyrers, dessen Opfertod kaum zur Kenntnis

genommen wurde. Der Film ist auch ein Beispiel

für die (post)jugoslawischen Filme, die sich nicht

nur um den Krieg drehen, sondern sich zudem

mit der jugoslawischen Vergangenheit und deren

Mythen auseinandersetzen. In der bulgarischen

Kinematographie lässt sich eine „postkommunistische

geistige Obdachlosigkeit“ (Trifonova 2016:

128) beobachten, die sich in der Dualität einer

national begründeten Stilistik und westlicher Genre-Imitate

niederschlug. Man bediente einerseits

die Klischees des Balkan-Kinos à la Kusturica, mit

absurder Komik und Gypsy Musik, und schielte

andererseits auf westliche Erfolgsrezepte. Vor

diesem Hintergrund sticht der Wendefilm AS,

GRAFINJATA / ICH, DIE GRÄFIN (Bulgarien 1989,

Regie: Petar Popzlatew) heraus, der retrospektiv

die Spannung zwischen der Sehnsucht nach Freiheit

und dem sozialistischen Disziplinierungsdrill

einfängt. Ein Kultfilm, der mit seinen Tabubrüchen

die totalitäre Bevormundung der Gesellschaft in

der Zhivkov-Ära demaskiert.

Einen großen Filmmarkt bilden natürlich Russland

und die postsowjetischen Staaten: Ukraine,

Belarus, das Baltikum, die Länder des Kaukasus,

Zentralasien. Den baltischen Kinematographien

war das goEast Symposium 2018 gewidmet, so dass

sie dieses Jahr nicht mit im Programm sind. Unter

dem autoritären Regime Lukaschenkos sind kaum

nennenswerte eigene Filme in Belarus entstanden.

Nach der staatlichen Unabhängigkeit 1991 ging es

mit der traditionsreichen und gut organisierten

staatlichen Filmindustrie in Georgien bergab.

Fielen georgische Filme vormals durch ihre

Originalität und Kritik auf, so bot nach der Wende

vielen Filmschaffenden einzig das Exil im Westen

einen Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere

ihres Landes. Neben Frankreich (Otar Iosseliani)

wurde auch Deutschland (Nana Dzhordzhadze,

Dito Tsintsadze) zu einem Standort des georgischen

Films im Ausland. In Russland kam es im Zuge von

Perestroika und Glasnost zuerst zu einer Lockerung

der Zensur. Der wenig konforme Elem Klimov

wurde Direktor des Verbands der Filmschaffenden,

und eine Konfliktkommission wurde gebildet, die

bisher verbotene Filme aus den Schubladen hervorholte

und unzensierte Versionen von zensierten

Filmen herausbrachte. Aleksandr Askoldovs KOM-

MISSAR / DIE KOMMISSARIN (Sowjetunion 1967)

und einige von Andrey Tarkovskys Filmen waren

jetzt erstmals einem größeren Publikum zugänglich.

Der Erfolg der georgischen Stalin-Abrechnung

MONANIEBA / REUE (Sowjetunion 1984) von Tengiz

Abuladze, die nach einem dreijährigen Verbot 1987

in Cannes mit dem Großen Preis der Jury und dem

FIPRESCI-Preis ausgezeichnet wurde und auch eine

Oscar-Nominierung erhielt, führte mit dazu, dass

die Nachfrage nach Perestroika-Filmen auf den

internationalen Filmfestivals wuchs.

Die Zeit von Glasnost und Perestroika war somit

durch die Wiederentdeckung von verbotenen

Filmen geprägt. Der nächste Schritt waren

sozialkritische Filme, die eine ungeschönte

Wirklichkeit im Stile des britischen „in your

face“ zeigten, mit Handkamera und extremen

Close-ups; dafür steht der internationale Erfolg

von Vasily Pichuls MALENKAYA VERA / DIE

KLEINE VERA (Sowjetunion 1988) – hier fiel das

letzte Tabu des sowjetischen Films, expliziter

Sex auf der Leinwand. Während die Kinos in

den Perestroika-Jahren noch gefüllt waren (DIE

KLEINE VERA hatte 55 Millionen Zuschauer), kam

es in den 1990er Jahren zu einem Kinosterben, das

der ökonomischen und politischen Krise folgte.

88


Russland hatte dieselben Probleme mit dem Ende

des staatlichen Produktionsmonopols und der

Privatisierung der Vertriebswege wie die anderen

postsozialistischen Staaten auch. Zudem wollte das

russische Publikum nicht mit Problemen konfrontiert

werden, die seinen Alltag ausmachten, und

das waren genau die Themen der Filme in den

1990ern: Gewalt, Drogen, Willkür, Gesetzlosigkeit,

sexuelle Übergriffe gegen Frauen, Selbstjustiz,

Armut, Tschetschenien-Kriege. Stattdessen

reüssierten amerikanische Filme, die zum Teil

über Videopiraterie vertrieben wurden.

Für das goEast Symposiumsprogramm haben wir

nicht jene Filme ausgewählt, die bereits mehrfach

gezeigt wurden, wie zum Beispiel Pavel Lungins

in Cannes prämiertes Debüt TAKSI-BLYUZ /

TAXI BLUES (Sowjetunion 1990), Sergey Bodrovs

Antikriegsfilm KAVKASSKI PLENNIK / GEFANGEN

IM KAUKASUS (Russland/Kasachstan 1996),

Aleksey Balabanovs Mafia-Drama BRAT / DER

BRUDER (Russland 1997) oder Rashid Nugmanovs

postmoderner Kultfilm IGLA / DIE NADEL

(Sowjetunion 1988), sondern Filme, die brutale

Verbrechen der Vergangenheit erstmals für eine

breite Öffentlichkeit im Kino aufgedeckt haben:

Aleksandr Rogozhkins russisch-französische

Koproduktion DER TSCHEKIST von 1992, der

erste Nachwende-Film, der ein negatives Bild

der Bolschewiki im Bürgerkrieg zeigt, ROZPAD

/ DER ZERFALL (Sowjetunion/USA 1990) des

sowjetisch-ukrainischen Regisseurs Mykhailo

Bielikov über die Unwissenheit, die Angst, aber

vor allem auch das anfängliche Vertuschen der

Tschernobyl-Katastrophe, und HOLOD 33 / HUNGER

33 (1991), ein ukrainischer Film von Oles Yanchuk

über den Holodomor, die Hungerkatastrophe in der

Ukraine 1932-33, die das Ergebnis der brachialen

stalinschen Politik der Entkulakisierung und

Zwangseinrichtung der Kolchosen war.

Mit DIE NADEL ist schon ein Bereich angedeutet,

der sich nach dem Ende der Sowjetunion auf ganz

neue Weise herausbilden konnte: die Filme der

zentralasiatischen Republiken, die noch bis 1991

unbemerkt an der Peripherie des Moskauer Zentrums

entstanden. Waren diese Staaten ehemals

eingespannt zwischen ideologischen Anforderungen

der Sowjetunion und ihren eigenen kulturellen

Kontexten, so blieben nach dem Loslassen der

zentralen Kontrolle zwar einige sowjetische Traditionen

erhalten, doch die Nachfolgestaaten, die

sich unterschiedlichen Herausforderungen stellen

mussten, begannen eine autonome Entwicklung,

was um die Jahrtausendwende zur Herausbildung

der kasachischen Neuen Welle führte und in ihrem

Gefolge Filmen aus zentralasiatischen Republiken

internationale Aufmerksamkeit bescherte.

Die Filmlandschaften aus dem Einzugsbereich des

goEast Festivals, so lässt sich festhalten, waren

alle gleichermaßen den Herausforderungen des

(globalen) Marktes ausgesetzt, und sie alle brauchten

über eine Dekade, um mit unterschiedlichem

Erfolg neue Produktionsformen oder öffentliche

Filmförderungsmodelle zu generieren. Dafür

bedurfte es auch entsprechender Gesetzgebung,

was bei den oft undurchsichtigen politischen

Verhältnissen, in hoher Frequenz wechselnden

politischen Akteuren oder als Profiteure ausgewiesenen

Marktteilnehmern, die nicht bereit waren,

für die Filmförderung Abgaben abzuführen, je

nach Land lange oder gar nicht durchsetzbar

war. Damit waren auch die Konsequenzen für das

kulturelle Gedächtnis der Transformationsländer

enorm, denn seit dem Kollaps des staatlichen

Mäzenats wurden die Filme nicht mehr systematisch

archiviert. Doch während der Umbruchszeit

dokumentierte der Film wie kaum eine andere

Kunstform die Transformation der Gesellschaften

des gesamten ehemaligen Ostblocks, und genau

diese Werke drohen nun verloren zu gehen.

89 SYMPOSIUM


Bei der Sicherung des osteuropäischen Filmerbes

könnte den Filmfestivals eine Schlüsselrolle

zukommen, wie etwa im Fall von Aleksandr

Sokurov, der 1990 mit SOVETSKAYA ELEGIYA

(Sowjetunion 1989, Großer Preis in Oberhausen

1990) international Aufsehen erregte. So gelang es

den Kurzfilmtagen Oberhausen 2019 sein bislang

schwer zugängliches Frühwerk zu recherchieren,

zu digitalisieren und dank Archivierung vom eigenen

Verleih zugänglich zu machen. Interessante

Fälle für das Thema Filmerbe der 1990er bilden

aus unserer Sicht Cristi Puius Dokumentarfilme

25.12.1995 BUCUREȘTI, GARA DE NORD (Rumänien

1996), 13-19 IULIE 1998 (Rumänien 1998) und

CRAIOVA, AZILUL DE BATRANI (Rumänien 1998),

die zwar immer wieder in der Fachliteratur,

auf einschlägigen Internet-Plattformen oder bei

Streamingdiensten (Mubi) erwähnt werden, als

Film aber nicht zu finden sind. Einen anderen

Aspekt des historischen Filmerbes markieren

Arbeiten, die wegen ihres brisanten Themas

illegal entstanden sind. Ein Beispiel dafür liefert

Marcel Łozińskis Dokumentarfilm ŚWIADKOWIE

/ DIE ZEUGEN (Polen 1987). Gedreht auf Super

8 und in diversen, als Überschuss anderer

Projekte verbliebenen Videoformaten ist er heute

wegen seiner schlechten Materialqualität kaum

vorführbar. Doch die Rekonstruktion des Pogroms

an Holocaust-Überlebenden in Kielce 1946 brach

anhand von Zeugenaussagen eines der bestgehüteten

Tabus der Volksrepublik Polen. Dies ist ein

Beispiel für einen Untergrundfilm, der ausgerechnet

im Archiv des Staatssenders TVP so gut

wie unauffindbar schlummert und als wichtiges

Dokument der Zeitgeschichte danach verlangt,

durch digitale Restaurierung und Untertitelung

international verfügbar gemacht zu werden.

Überblickt man die Filmländer des diesjährigen

Symposiums, so wird offensichtlich, dass erst

nach 2000 im Zuge der Umstrukturierung alter

und Herausbildung neuer Filminstitutionen, die

adäquate Restaurierungsprogramme auflegten,

Filme durch die Digitalisierung aufbewahrt

oder in Nationalarchiven, Kinematheken und

Filmmuseen wieder archiviert werden. Ein Panel

mit Spezialist/innen wird sich ausführlich mit dem

Thema des Filmerbes der Wendezeit befassen.

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zurück. In: Konrad Klejsa/Schamma Schahadat/Margarete Wach (Hgg.):

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90

https://mubi.com/de/notebook/posts/the-dead-person-is-the-cameratalking-with-cristi-puiu-about-sieranevada

(Zugriff 4.3.2020).


FILM

HERITAGE

IN

TRANSITION

Schamma Schahadat / Margarete Wach

The fall of the Iron Curtain in 1989 was not merely

a (geo)political event, it was above all a cultural

one as well – a traumatic experience that entailed a

rethinking and reimagining for institutions as well

as individuals. This ideological earthquake called

both social certainties and national identities

into question. East and West were compelled to

rearrange themselves.

The resulting consequences for the cinematographies

of Eastern, Central Eastern and South Eastern

Europe extended both to cinematic subject matter

and aesthetics as well as film institutions. On the

one hand, the newfound freedom and new era

enabled (and demanded) a turn to new subjects and

new forms. More than a few filmmakers attempted

to hold on to the late-socialist period in their films,

as for example Helke Misselwitz with WINTER ADÉ

/ AFTER WINTER COMES SPRING from 1987/88. In

interviews with various women, Misselwitz subtly

captures the end-of-days atmosphere of the GDR;

the systemic transition is prefigured. “To do what

we want”, as two teenagers describe their wishes

and dreams in a world that is at once full of rules

and already destined for collapse. The films of

the 1990s treat uncertainties and social upheaval

(OKRAINA / OUTSKIRTS, Russia 1998, directed by

Pyotr Lutsik), criminality and mafia (PSY / PIGS,

Poland 1992, directed by Władysław Pasikowski)

or, alternatively, the trauma of a long concealed

past (CHEKIST / THE CHEKIST, Russia/France 1992,

directed by Aleksandr Rogozhkin). In addition,

from roughly the mid-1980s onwards filmmakers

here experimented with aesthetic innovations,

prompting late-Soviet underground cinema to

reach small circles of initiates under the labels

“Parallel Cinema” and “Necrorealism”. In their

almost anthemic short film TRAKTORA / TRACTORS

91 SYMPOSIUM


(Soviet Union, 1987), the brothers Aleinikov sing

subversively and affirmatively of the construction

of a tractor, a central symbol of the socialist myth

of progress, modernisation and communism, in

such a way, however, that this myth is extended

ad absurdum – the hymn becomes a parody. The

Necrorealism of Evgeny Kondratiev, on the other

hand, celebrates grotesque-absurd mysteries that,

aside from dismantling late-Soviet reality, at the

same time pay homage to the early silent film era.

Hungarian auteur Béla Tarr is among the most aesthetically

radical innovators of the period. Thanks

to abstract images, extremely long takes, tracking

shots and heightened awareness of the moment,

his expansive black-and-white film compositions

caused an international sensation. For instance,

with a running time of 450 minutes, his celebrated

mammoth project SÁTÁNTANGÓ / SATANSTANGO

(Hungary 1994) is considered one of the longest

films of all time and poses a tremendous challenge

to any festival interested in screening it. Ildikó

Enyedi’s fiction-feature debut AZ ÉN XX. SZÁZA-

DOM / MY 20TH CENTURY (Hungary/Germany

1989), which was received with great enthusiasm

in Cannes, also numbers among the innovative

films of the transition period, an era in which

many Hungarian filmmakers devoted themselves

to grimly apocalyptic visions. Characterised by

ironic ruptures and a feminist attitude, Enyedi’s

allegorical journey back in time to the origins of

the 20th century depicts stages in the lives of two

twin sisters while tracing their expectations of a

future that failed to materialise.

Thus, on the one hand we witness the advent of

new topics and new forms. And on the other: the

chaos of the institutions, which, though it may

have represented an opportunity for the various

national cinematographies, also had devastating

consequences. The dissolution of state-run

institutions led in large part to the disappearance

of film funding and new financing options had to

be found. In addition, films were no longer being

archived systematically, as had been the case in

the era of cultural policies dictated from above.

For instance, Slovak cinema was practically on

the verge of extinction in this regard in the 1990s,

before experiencing a sort of resurrection around

the turn of the millennium. And yet we have the

wonderfully poetic film ZÁHRADA / THE GARDEN

by Slovak director, screenwriter and actor Martin

Šulík, a Slovak/Czech/French co-production from

1995. The film’s protagonist is forced to leave a

monotonous, uneventful life behind and open

himself to new, almost mystical experiences. His

previous existence is not only turned upside down

in the process – indeed, it is completely called into

question. However, as mentioned, we are dealing

with a co-production here, and co-productions

were one possibility of coping with the institutional

and financial crisis.

Although one does encounter films from this

transitional period in the specialist literature, the

films themselves are often nowhere to be found.

The Romanian film industry was hit particularly

hard in this regard: in the communist era, some 30

films were produced annually, while in the 1990s

both the production and quality of films declined

dramatically – to such an extent that not a single

Romanian film was made in the year 2000. From

2001 on, a revival took place, one described as

almost “eerily productive in terms both of quantity

and quality” (Uricaru, 2012: 428). Still, a number of

Romanian filmmakers who experienced success in

the 2000s had their roots in the 1990s. For instance,

Cristi Puiu, who presented MARFA ȘI BANII / STUFF

AND DOUGH (Romania 2001) in Cannes in 2001 and

whose film MOARTEA DOMNULUI LĂZĂRESCU /

THE DEATH OF MR. LAZARESCU (Romania 2005)

was honoured with several international awards.

In the second half of the 1990s Puiu made several

ground-breaking documentaries that focussed on

important topics from the transformational period.

Elsewhere, the situation for national cinematographies

was not necessarily as desolate as it was in

Romania. But how did things look in the individual

countries? For Poland, for example, there are

claims of “successful transformation” within the

film industry (Durys: 2016) – and that in spite of

the fact that Polish cinematography, like many of

its counterparts in the former communist states,

was initially engaged in a struggle for survival. On

the one hand, an atmosphere of hope for a better

future prevailed following the end of communism,

while, on the other, state funding had vanished

practically overnight. The film industry was

suddenly locked in competition with international

films – above all with the typical Hollywood

production, which had become the international

commercial standard – and was now forced to

adapt to the rules of the global free market as well

as to new formats and distribution channels. One

solution – not just for the Polish film industry – was

public television, which offered filmmakers a

helping hand by largely covering the financing

of productions. Filmmakers also attempted to

respond to the crisis in their choice of thematic

material; for instance, a number of box office

hits in a Hollywood mode arose which primarily

depicted chaos and criminality, or mafia-like

structures, such as for example Pasikowski’s previously

mentioned film PIGS, which treats the police

and underworld careers of former Polish state

intelligence operatives during the post-transition

period. Krzysztof Krauze’s excellent thriller DŁUG

92


(THE DEBT, 1999), which is set amidst the milieu

of hopeful young entrepreneurs, illuminates the

subject of crime from another perspective: from

that of victims who get unexpectedly caught in

the claws of criminal machinations and are only

able to get free again by becoming perpetrators

themselves. PIGS in particular had an impact on

everyday Polish culture: “Pasikowski’s action film

influenced and constructed the societal perception

of real-life circumstances and led to the formation

of its own mental landscape. Numerous one-liners

from the script became part of the vernacular”

(Klejsa 2013: 425). What is remarkable is that

precisely these two films were made without any

involvement on the part of Polish television broadcaster

TVP – instead they were helped along by

successful director and producer Juliusz Machulski

and his production company Zebra, in association

with foreign investors like the cinema division of

Canal+ and the distributor ITI Cinema.

Aside from cinema with mass appeal, the 1990s

especially witnessed a number of aesthetically

ambitious films, such as Krzysztof Kieślowski’s

late-period work (primarily produced in France),

LA DOUBLE VIE DE VÉRONIQUE / THE DOUBLE

LIFE OF VÉRONIQUE (France/Poland/Norway

1991) and TROIS COULEURS: BLEU, BLANC, ROUGE

/ THREE COLOURS: BLUE, WHITE, RED (France/

Switzerland/Poland 1993-1994). All international

co-productions, which followed on the international

success of Kieślowski’s DEKALOG television

series (Poland 1989) and its cinema spin-offs

KRÓTKI FILM O ZABIJANIU / A SHORT FILM

ABOUT KILLING (Poland 1988) and KRÓTKI FILM

O MIŁOŚCI / A SHORT FILM ABOUT LOVE (Poland

1988). And, to name yet a third phenomenon:

through the encroachment of western theories

of postmodernism, with its self-referential

focus, the medium of film, including the cinema

space and viewers, became a popular subject for

post-transition films. Examples for this tendency

are UCIECZKA Z KINA WOLNOŚĆ / ESCAPE FROM

‘LIBERTY’ CINEMA (Poland 1990) by Wojciech

Marczewski and HISTORIA KINA W POPIELAWACH

/ THE HISTORY OF CINEMA IN THE VILLAGE OF

POPIELAWY (Poland 1998) by Jan Jakub Kolski.

Here we have on the one hand, under the influence

of Woody Allen’s THE PURPLE ROSE OF CAIRO

(USA 1985), film characters rebelling against the

pre-determined script, although the device is

employed here as a political statement, and on the

other hand, in the mould of Giuseppe Tornatore’s

CINEMA PARADISO (Italy/France 1988), a nostalgically

affirmative story about the cinema as a place

of longing.

Poland and Romania therefore exhibit totally

different developments in their post-transition

cinematographies: while Romanian cinema is

nearly non-existent in the 1990s, Polish film

production managed to recover somewhat over the

course of the 1990s in spite of the initial slashing of

support. The situation in the Czech Republic can be

compared here. In the immediate post-transition

period, the privatisation of the Barrandov Film

Studios sparked a debate about the future of

film within the country (Barrandov had held a

monopoly on state film production up until 1989).

The planned sale appeared to older filmmakers

in particular as a selling-out of their ideals, for,

in spite of the ideological control that dominated

the film industry up until 1989, Barrandov

also represented stability and security for the

filmmakers. While foreign films, specifically those

from Hollywood, were conquering the domestic

market, Czech filmmakers were concerned about

the authenticity of their art. In this regard, the

discussion surrounding the privatisation of

Barrandov was not only one of art and commerce,

it also laid bare a generational conflict: it was

above all the filmmakers of the older generations

who felt attached to Barrandov (Vĕra Chytilová, Jiří

Menzel), while the younger ones, like Jan Hřebejk,

Jan Svěrák, Tomáš Vorel, Petr Zelenka and Irena

Pavlásková for example, dealt with the situation in

a more relaxed manner and showed a willingness

to embrace innovative forms and media. However:

the sale of Barrandov and the loss of hundreds of

jobs that followed was, as film writer Jindřiška

Bláhová stated, “one of the most traumatic

experiences for the [Czech] film community in the

1990s” (Bláhová, 2019: 49).

When we look at the quality of Czech films from

the 1990s, the situation here is also bleak at first

glance. The post-socialist Czech film landscape

can be divided into three areas: popular cinema,

arthouse cinema and debuts. Popular cinema

was above all represented by Jan Svĕrák, whose

OBECNÁ ŠKOLA / ELEMENTARY SCHOOL was

nominated for the Academy Award for best foreign

language film in 1991, and whose film KOLJA /

KOLYA then actually won said prize in 1996. Both

films were conventional from a formal perspective,

though they did display very high production

values, and they were so exciting that audiences

were delighted to watch them: in ELEMENTARY

SCHOOL, a drama unfolds around a teacher in

post-war Prague who is worshiped and ultimately

saved by his students; KOLYA is a warm-hearted

comedy set shortly before the Velvet Revolution

that deals with a marriage of convenience

between a laid-off cellist and a Russian woman, an

abandoned boy and the state security service. Both

films resolve their conflicts and end harmoniously.

For the arthouse cinema category, we have the

directors of the Czech New Wave, who took up this

93 SYMPOSIUM


tradition once again in the 1990s, also including

Drahomíra Vihanová and Vĕra Chytilová. The

former resurrects the New Wave aesthetic in

her film PEVNOST / THE FORTRESS (1994), while

in PASTI, PASTI, PASTIČKY / TRAPS (1998) and

DĚDICTVÍ ANEB KURVAHOŠIGUTNTAG / THE

INHERITANCE OR FUCKOFFGUYSGOODDAY (1992)

the latter revisits typical formal elements from

her earlier films, now deploying them to parody

the consumerist orientation of the 1990s. And the

debuts? These predominantly addressed societal

problems: alcoholism, crime and prostitution.

Saša Gedeon appears to be the exception here – his

1999 film NÁVRAT IDIOTA / RETURN OF THE IDIOT

adapts Dostoyevsky’s novel “The Idiot” to provincial

Bohemia.

In the South-Slavic region, the Yugoslav wars are

of course the dominant theme for the films of this

era. The nationalistic tendencies that erupted

in a gruesome war after 1989 led to many films

examining questions of religious and/or ethnic

affiliations. The Yugoslav wars play a role in two

films featured at this year’s festival: in Milcho

Manchevski’s award-winning PRED DOZHDOT

/ BEFORE THE RAIN, a Macedonian/British/

French co-production from 1994, and in the 1997

documentary film GRAHAM I JA – ISTINITA PRIČA

/ GRAHAM AND I – A TRUE STORY by Croatian

director Nenad Puhovski, which was realised in

the scope of FACTUM, a Croatian initiative for

independent documentary cinema. Manchevski’s

protagonist is the photographer Aleks, who though

honoured with the Pulitzer Prize in the west still

chooses to return to his home village in Macedonia.

The depiction of his return is interwoven with the

stories of his English lover Anne, the Albanian

Muslim woman Zamira and the Orthodox monk

Kiril. By mixing the different timelines, as the

events here follow an irreal chronology, Manchevski’s

film disrupts the orientalising western

view of this out-of-control region (Jenkins/Tonkin,

2015: 210). The documentary film GRAHAM AND I

interweaves two perspectives: that of the Englishman

Graham, who sets himself on fire to protest

the British stance towards the Yugoslav wars, and

that of the filmmaker Puhovski, who combines

Graham’s fate and his own artistic biography. The

title GRAHAM I JA is an ironic reference to one of

the last films produced in Yugoslavia, Goran Marković’s

TITO I JA / TITO AND I (Yugoslavia 1992),

which blends documentary and fictional elements

in an ironic look at the Tito cult of the 1950s. If one

considers the two films in relation to one another,

the portrayal of the Yugoslavia defender Graham

also appears as a sort of cult, a posthumous glorification

of a martyr whose sacrificial death was

barely acknowledged. The film is also an example

of those (post)Yugoslavian films that didn’t revolve

exclusively around the war, but instead additionally

took on the Yugoslavian past and its myths. In

the Bulgarian cinematography, one can observe a

sort of “post-communist spiritual homelessness”

(Trifonova, 2016: 128), which expressed itself

in the duality of nationally rooted stylistics and

western genre imitation. On one hand, Bulgarian

films serviced the clichés of Balkan cinema à la

Kusturica, with absurd comedy and “Gypsy” music,

while on the other hand eyeing western recipes

for success. Against this backdrop, the transition

film AS, GRAFINJATA / THE COUNTESS (Bulgaria

1989, directed by Petar Popzlatew) sticks out, as it

retrospectively captures the tension between the

longing for freedom and the drills of socialistic

discipline. A cult film, THE COUNTESS succeeds

in unmasking the totalitarian infantilisation of

society during the Zhivkov era by breaking all

manner of taboos.

Of course, Russia and the post-Soviet states make

up a large cinema market: there is Russia itself,

Ukraine, Belarus, the Baltic states, the countries of

the Caucasus and Central Asia. 2018’s goEast Symposium

was devoted to the cinematographies of the

Baltic region, which explains their absence from

this year’s programme. Under the authoritarian

Lukashenko regime, Belarus has hardly brought

forth any notable films of its own. After Georgia

achieved independence in 1991, its tradition-rich

and well-organised state film industry went downhill.

Where previously Georgian films had made an

impression through their originality and critical

stances, after the transition many filmmakers were

left with no other option for escaping the economic

misery of their country than to accept exile in the

West. Alongside France (Otar Iosseliani), Germany

(with for example Nana Dzhordzhadze and Dito

Tsintsadze) also became a new centre for Georgian

cinema abroad. In Russia, there was an initial

relaxation of censorship in the wake of Perestroika

and Glasnost. Elem Klimov, not much of a conformist

himself, became first secretary of the Soviet

Filmmakers’ Union, and a conflict commission

was established that rescued previously banned

films from the vault and released uncensored

versions of previously censored films. Aleksandr

Askoldov’s KOMMISSAR / COMISSAR (Soviet Union

1967) and several of Andrey Tarkovsky’s films were

now made available to a wider audience for the

94


first time. The success of the Georgian reckoning

with Stalin’s legacy MONANIEBA / REPENTANCE

(Soviet Union 1984) by Tengiz Abuladze, which

was honoured with the Grand Prize of the Jury

and the FIPRESCI Award at Cannes in 1987 after a

three-year ban and which also received an Oscar

nomination, led to an increase in the demand for

Perestroika films at international film festivals.

The age of Glasnost and Perestroika was thus

characterised by the rediscovery of forbidden

films. The next step were socially critical films

that depicted an unsanitised reality in the style of

the British “in-your-face” school, with hand-held

cameras and extreme close-ups; representative

here is the international success of Vasily Pichul’s

MALENKAYA VERA / LITTLE VERA (Soviet Union

1988) – a film that broke the final remaining taboo

of Soviet cinema, namely explicit sex on the big

screen. While cinemas remained full during the

Perestroika years (LITTLE VERA had 55 million

viewers), the 1990s witnessed a mass extinction

of cinemas in the wake of economic and political

crisis. Russia experienced the same problems as

the other post-socialist countries with the end of

the state production monopoly and the privatisation

of distribution channels. In addition, Russian

audiences did not wish to be confronted with the

problems that shaped their everyday existence,

and those were precisely the topics that the films

of the 1990s tackled: violence, drugs, arbitrariness,

lawlessness, sexual assaults on women, vigilante

justice, poverty, the wars in Chechnya. Instead,

American films enjoyed great success, distributed

in part through pirated videos.

For the goEast Symposium programme, we have

chosen not to feature those films that have already

had wide exposure, as for instance TAKSI-BLYUZ

/ TAXI BLUES (Soviet Union 1990), Pavel Lungin’s

debut that was honoured in Cannes or Sergey

Bodrov’s anti-war film KAVKASSKI PLENNIK /

PRISONER OF THE MOUNTAINS (Russia/Kazakhstan

1996), Aleksey Balabanov’s mafia drama BRAT

/ BROTHER (Russia 1997) or Rashid Nugmanov’s

post-modern cult film IGLA / THE NEEDLE (Soviet

Union 1988). Instead we selected films that exposed

brutal crimes of the past for the first time to a

wide cinema audience: Aleksandr Rogozhkin’s

Russian-French co-production THE CHEKIST from

1992, the first post-transition film that painted a

negative picture of the Bolsheviks in the civil war,

and ROZPAD / DECAY (Soviet Union/USA 1990) by

Soviet-Ukrainian director Mykhailo Bielikov, about

the ignorance, fear and above all initial cover-up

of the Chernobyl disaster, and HOLOD 33 / FAMINE

33 (1991), a Ukrainian film by Oles Yanchuk, about

the Holodomor, the disastrous famine in Ukraine of

1932-33, which was the result of the brutal Stalinist

policies of dekulakisation and the forced establishment

of kolkhozes.

With THE NEEDLE, we have already alluded to a

phenomenon that was able to manifest itself in an

entirely new way after the end of the Soviet Union:

the films of the Central Asian republics, which

were created without notice up to 1991 on the

furthest periphery of Moscow’s power centre. Once

these states were caught between the ideological

demands of the Soviet Union and their own

cultural contexts, although following the relinquishing

of centralised control mechanisms some

Soviet traditions did indeed remain preserved. The

successor states, faced with diverse challenges,

began their own autonomous development, which

led to the crystallisation of the Kazakh New Wave

around the turn of the millennium and brought

international attention to films from the Central

Asian republics in its wake.

For the record, the film landscapes under the

purview of goEast Film Festival were all equally

exposed to the challenges of the (global) market,

and all of them needed over a decade to generate

new forms of production or public film funding

models, with varying degrees of success. This

also required corresponding legislation, which,

depending on the country, with the often murky

political circumstances, frequently shifting

political actors or markets dominated by obvious

profiteers unwilling to pay contributions towards

film funding, could either not be passed at all or at

best only after significant time had elapsed. Thus,

the consequences for the cultural heritage of these

“transformation” countries were also enormous,

as the systematic archiving of film works had come

to an end with the collapse of state patronage.

Alas, during this transformational period the

central role of cinematic art in documenting the

changes of the societies of the entire former East

Bloc remained virtually unchallenged, and it is

now precisely these works that are threatened with

extinction.

95 SYMPOSIUM


Film festivals could assume a key role in the

preservation of Eastern European film heritage,

like in the case of Aleksandr Sokurov, who caused

an international sensation in 1990 with SOVETS-

KAYA ELEGIYA / SOVIET ELEGY (Soviet Union

1989). In 2019 the International Short Film Festival

Oberhausen managed to research and digitise his

early work, which had previously been difficult

to access, and to make it available thanks to the

archiving efforts of their own distribution wing.

In our view, interesting cases for the topic of film

heritage of the 1990s include Cristi Puiu’s documentary

films 25.12.1995 BUCUREȘTI, GARA DE

NORD (Romania 1996), 13-19 IULIE 1998 (Romania

1998) and CRAIOVA, AZILUL DE BATRANI / SEVEN

DAYS WITH OLD PEOPLE (Romania 1998), which,

although frequently mentioned in specialist literature,

on relevant internet platforms or by streaming

services (Mubi), are themselves nowhere to be

found. Works that were created illegally due to the

treatment of controversial subject matter represent

another aspect of this historical film heritage. An

example for this category is provided by Marcel

Łoziński’s documentary film ŚWIADKOWIE /

WITNESSES (Poland 1987). Shot on Super 8 and in

diverse other video formats left over from other

projects, today it is barely screenable due to the

material’s poor condition. This reconstruction of

the 1946 pogrom against Holocaust survivors in

Kielce, with its eyewitness accounts, broke one

of the best-protected taboos of the Polish People’s

Republic. An underground film and vital document

of contemporary history that lay dormant,

effectively unlocatable, in the archive of state

broadcaster TVP of all places, which demands to

be made available internationally through digital

restoration and subtitling.

When one surveys the film countries of this year’s

Symposium, it becomes evident that it was not until

the year 2000, in the course of the restructuring of

old and the establishment of new film institutions

that initiated adequate restoration programmes,

that films began once again to be preserved

through digitisation or stored in national archives,

cinematheques and film museums. A panel

featuring specialists in these fields will explore the

topic of the film heritage of the transition period in

depth in the scope of this year’s event.

96


Prof. Dr. Schamma Schahadat

Symposiumsleiterin; Professorin für

Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft

an der Universität Tübingen. Ihre

Forschungsschwerpunkte umfassen Literaturund

Kulturtheorie, Gender Studies, Translation

Studies, sowie Fotografie und Film. Sie ist

Mitherausgeberin (mit Konrad Klejsa und

Margarete Wach) von „Der Polnische Film - Von

seinen Anfängen bis zur Gegenwart“ und von

„Erweiterung des Horizonts. Fotoreportage in

Polen im 20. Jahrundert“, 2019 (mit Iwona

Kurz, Renata Makarska, Margarete Wach).

Schahadat is professor of Slavic literatures

and cultures at the University of Tübingen and

this year's head of Symposium. Her research

interests cover literary and cultural theory,

gender studies, translation studies, film

and photography. She is the co-editor (with

Konrad Klejsa and Margarete Wach) of „Der

Polnische Film - Von seinen Anfängen bis zur

Gegenwart“ and (with Iwona Kurz, Renata

Makarska, Margarete Wach) of „Erweiterung

des Horizonts. Fotoreportage in Polen im 20.

Jahrundert“, 2019.

Vortrag Der Osten, der Film und das Archiv

– Filmkultureller Umbruch in Mittel-, Ostund

Südosteuropa nach 1989 und sein

ungesichertes Filmerbe

Lecture The East, the Film and the Archive –

Changes in Film Cultures of Central, Eastern

and South-Eastern Europe after 1989 and its

Unsecured Film Heritage

Dr. Margarete Wach Symposiumsleiterin;

wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für

Medienwissenschaften der Universität Siegen.

Von 2003-2013 künstlerisch-wissenschaftliche

Mitarbeiterin an der Kunsthochschule für

Medien Köln. Seit 1994 arbeitet sie als

Dramaturgin, Filmkritikerin und -kuratorin, und

unterrichtet seit 2014 Film an der Universität

Tübingen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten

gehören das Kino Mittel- und Osteuropas,

Geschichte und Ästhetik des Dokumentarfilms,

Filmkoproduktionen, Filmkultur und

Fotografie. Neben Herausgeberschaften,

zahlreichen Aufsätzen in Sammelbändern

und Fachperiodika zählen zu ihren

Veröffentlichungen u.a. „Krzysztof Kieślowski.

Zufall und Notwendigkeit“ (2. Aufl., 2014)

und „Nouvelle Vague Polonaise?“ (2015, poln.

Ausgabe 2017).

Wach is a researcher at the University of

Siegen’s Seminar for Media Studies and is

this year's head of Symposium. From 2003 to

2013, she was a staff member in both artistic

and scholarly capacities at the Academy of

Media Arts Cologne. She has worked since

1994 as a dramaturge, film critic and film

curator, and since 2014 she teaches seminars

on film at the University of Tübingen. Among

other topics, her research focuses on the

cinema of Central and Eastern Europe,

the history and aesthetics of documentary

cinema, film co-productions, cinema culture

and photography. Alongside co-edited

works, numerous essays in anthologies

and professional journals, her publications

include “Krzysztof Kieślowski. Zufall und

Notwendigkeit” (2nd edition 2014) and

“Nouvelle Vague Polonaise?” (2015, Polish

edition 2017).

Vortrag Der Osten, der Film und das Archiv

– Filmkultureller Umbruch in Mittel-, Ostund

Südosteuropa nach 1989 und sein

ungesichertes Filmerbe

Lecture The East, the Film and the Archive –

Changes in Film Cultures of Central, Eastern

and South-Eastern Europe after 1989 and its

Unsecured Film Heritage

VORTRÄGE

/ LECTURES

Dr. habil. Marcin Adamczak

Professor der anthropologischen und

kulturwissenschaftlichen Fakultät der

Adam-Mickiewicz-Universität Posen und

Gastprofessor an der Hochschule für Film,

Fernsehen und Theater in Łódź und an

der Universität Danzig. Er hat drei Bücher

veröffentlicht, darunter „Obok ekranu.

Perspektywa badań produkcyjnych a

społeczne istnienie filmu“ (2014) und

hat darüber hinaus zahlreiche Beiträge in

akademischen Zeitschriften veröffentlicht.

Adamczak ist Mitglied der FIPRESCI und des

Verbandes Polnischer Filmschaffender sowie

Mitbegründer der Verleihfirma Velvet Spoon.

Adamczak is a professor at the Faculty of

Anthropology and Cultural Studies at the Adam

Mickiewicz University in Poznań and visiting

professor at the Łódź Film School and the

University of Gdańsk. He is the author of three

books, "Obok ekranu. Perspektywa badań

produkcyjnych a społeczne istnienie filmu"

(2014) among them, but also has numerous

publications in academic journals and coedited

books. He is a member of FIPRESCI

and the Polish Filmmakers Association, as well

as a co-founder of the distribution company

Velvet Spoon.

Vortrag Transformation durch permanente

Krise: Filmmarkt und begrenzte öffentliche

Förderung in der polnischen Kinematografie

der 1990er Jahre

Lecture Transformation as Ongoing Crisis: Film

Market and Limited Public Support in Polish

Cinema of the Nineties

SYMPOSIUM

97


Prof. Dr. Birgit Beumers Emerierte Professorin

der Filmwissenschaft der Aberystwyth

Universität. Zurzeit vertritt sie den Lehrstuhl

für Slavistik an der Universität Passau. Ihre

Forschungsschwerpunkte umfassen die

russische Kultur, Kino und Theater sowie die

Kinematografien ehemaliger Sowjetgebiete.

Sie hat ausgiebig über russisches und

zentralasiatisches Kino publiziert, darunter

auch „A History of Russian Cinema“ (2009).

Sie ist unter anderem Herausgeberin der

Buchreihe KINO sowie der Zeitschrift „Studies

in Russian and Soviet Cinema“.

Beumers is professor emeritus in film studies

at Aberystwyth University. She is currently

also filling the chair in Slavic studies at Passau

University. Her expertise is in the field of

Russian culture, cinema and theatre, and

the cinematographies of the former Soviet

territories. She has published widely on

Russian and Central Asian cinema, including

“A History of Russian Cinema” (2009).

She is editor of the book series “KINO” and

the journal “Studies in Russian and Soviet

Cinema” among other things.

Vortrag Brüche und Zusammenhänge im Kino

der Perestroika: von Moskau nach Almaty und

zurück?

Lecture Ruptures and Continuities in

Perestroika Cinema: from Moscow to Almaty

and Back?

Dr. Jana Dudková Senior Researcher an der

Slowakischen Akademie der Wissenschaften

in Bratislava. Ihre Forschungen beinhalten

postkoloniale und multikulturelle

Wissenschaften, Balkanismus sowie

transkulturelle Einflüsse im slowakischen und

balkanischen Kino. Sie ist Autorin mehrerer

Aufsätze und Monografien, darunter: „Slovak

Cinema in the Era of Transculturality“ (2011).

Momentan leitet sie ein Projekt über die

institutionelle und ästhetische Geschichte des

slowakischen Kinos nach 1989.

Dudková is a senior researcher at the Slovak

Academy of Sciences in Bratislava. Her

main research focuses on postcolonial

and multicultural studies, Balkanism and

transcultural influences in Slovak and Balkan

cinemas. She is the author of numerous papers

and monographs, among others: “Slovak

Cinema in the Era of Transculturality” (2011).

Currently she is leading a project on the

institutional and aesthetic history of Slovak

cinema after 1989.

Borjana Gaković Medienpolitische Sprecherin

des Bundesverbandes kommunale Filmarbeit

und Redakteurin der kinopolitischen

Quartalszeitschrift „Kinema Kommunal“.

Sie präsentiert historische Filmprogramme,

moderiert Filmgespräche sowie

Podiumsdiskussionen und hält Vorträge über

Film und Kino. Mit Sabine Schöbel gab sie

2016 die 68. Ausgabe der Zeitschrift „Frauen

und Film“ heraus mit dem Titel „AUFBRUCH.

Regisseurinnen der 60er“. Zudem war sie Ko-

Kuratorin des Symposiums „Feministisch wider

Willen“ beim 17. goEast.

Gaković is the media policy spokesperson

of the German Association of Municipal and

Cultural Cinema and editor of the journal

“Kinema Komunal”. She presents historic

film programmes and moderates film talks

and panel discussions. She also gives lectures

about film and cinema. In 2016, she published

the 68th edition of the journal “Frauen und

Film” titled “AUFBRUCH. Regisseurinnen

der 60er” together with Sabine Schöbel.

Furthermore she was the co-curator of the 17th

goEast Film Festival’s Symposium “Reluctant

Feminism”.

Vortrag Von sozialen Dramen,

emotionalisierenden Geschichts-Politiken und

kriegsverherrlichenden Ethno-Nationalismen:

(Post)Jugoslawisches Kino (1985-1999) im

Dienst der nationalistischen Ideologien

Lecture Social Dramas, Emotional History

Politics and Ethno-National War Myths: (Post-)

Yugoslav Cinema as Platform for Nationalist

Ideologies (1985-1999)

Vortrag Räume des slowakischen Films in den

1990er Jahren

Lecture Spaces of Slovak Film in the 1990s

Copyright Alexandra Krampe

98


Dr. Elżbieta Ostrowska Filmwissenschaftlerin

an der University of Alberta, Kanada. Zu ihren

Veröffentlichungen zählen „The Cinematic

Bodies of Eastern Europe and Russia“,

herausgegeben mit E. Mazierska und M.

Mroz, sowie „Women in Polish Cinema“ als

Ko-Autorin zusammen mit E. Mazierska

(2006). Zudem gab sie mit J. Orr „The Cinema

of Roman Polanski: Dark Spaces of the World“

(2006) und „The Cinema of Andrzej Wajda:

The Art of Irony and Defiancel“ (2003) heraus.

Ihre Artikel erschienen u.a. in „Slavic Review“,

„Studies in Eastern European Cinema“ und

„Holocaust and Genocide Studies“.

Ostrowska teaches film at the University of

Alberta, Canada. Her publications include

“The Cinematic Bodies of Eastern Europe

and Russia”, co-edited with E. Mazierska and

M. Mroz, and “Women in Polish Cinema”,

co-authored with E. Mazierska (2006). Also,

she co-edited “The Cinema of Roman Polanski:

Dark Spaces of the World” (2006) and “The

Cinema of Andrzej Wajda: The Art of Irony

and Defiance” with J. Orr (2003). Her articles

have appeared in “Slavic Review”, “Studies

in Eastern European Cinema” and “Holocaust

and Genocide Studies”.

Vortrag Feminismus vor Gericht: Verhandlung

von Geschlechterrollen im osteuropäischen

Kino nach 1989

Lecture Feminism on Trial: Negotiating Gender

in Post-1989 Eastern European Cinema

THE COUNTESS

AS, GRAFINJATA /

ICH, DIE GRÄFIN

Petar Popzlatew

Bulgaria 1989

119 min, 35 mm, colour and b/w / OV + deu, eng SUB

Im Sommer 1968 finden in Sofia die Weltfestspiele

der Jugend und Studenten statt. Sie dienen dem

Schiwkow-Regime als Aushängeschild vorgeblicher

Liberalität. Einige Jugendliche, darunter

Sybille, auch „die Gräfin“ genannt, testen dabei

ihre Vorstellungen der deklarierten Freiheit mit

Popmusik und Drogen aus, bis eine Polizeirazzia

dem kurzen Aufbruch ein Ende setzt. Für Sybille,

die verhaftet wird, beginnt eine leidvolle Odyssee

durch staatliche Resozialisierungsanstalten:

Umerziehungsheime, Arbeitslager, Gefängnis

und Psychiatrie. Mit seiner Farbdramaturgie und

seinen Tabubrüchen demaskiert der bulgarische

Kultfilm die totalitäre Bevormundung der

Gesellschaft. (mw)

In the summer of 1968, the World Festival of

Youth and Students takes place in Sofia. It serves

the Zhivkov regime as a prominent symbol of

ostensible liberality. Some young individuals,

among them Sybille, or “the countess”, as she

is also known, decide to put their ideas of this

advertised freedom to the test by indulging in pop

music and drugs, until a police raid puts an end to

their brief revolt. For Sybille, who is placed under

arrest, thus begins a painful odyssey through state

re-socialisation facilities: re-education homes,

forced labour camps, prison and psychiatric wards.

With its dramaturgy of colours and broken taboos,

this Bulgarian cult film unmasks the way in which

totalitarianism infantilises society.

Screenplay Petar Popzlatew,

Rajmond Wagenstein

Camera Emil Christow

Editor Madlen Raditschewa

Music Georgi Genkow

Producer Stojan Keremitschijew

Cast Swetlana Jantschewa,

Alexandr Dojnow, Itzchak

Finzi, Katja Paskalewa, Petar

Popjordanow, Marija Statulowa

Production

Boyana Film Studios, Bulgaria

Rights/Sales

Artistauthor, Bulgaria

artistauthor@abv.bg

Bulgarian National Film Center,

Bulgaria

nfc@nfc.bg

Filmautor, Bulgaria

office@filmautor.org

Provided By

Deutsche Kinemathek – Museum

für Film und Fernsehen, Germany

info@deutsche-kinemathek.de

99 SYMPOSIUM


THE FALL OF ROCK AND ROLL

KAKO JE PROPAO ROCKNROL /

WIE ROCK'N'ROLL RUINIERT WURDE

Goran Gajić, Zoran Pezo, Vladimir Slavica

Yugoslavia 1989

98 min, DCP, colour / hbs OV + eng SUB

MY 20TH CENTURY

AZ ÉN XX. SZÁZADOM /

MEIN 20. JAHRHUNDERT

Ildikó Enyedi

Hungary, Germany 1989

105 min, DCP, b/w / hun OV + eng SUB

Drei voneinander unabhängige Musikkomödien

mit absurdem Humor bilden einen Omnibusfilm,

der die spätjugoslawische Untergangs- und Aufbruchsatmosphäre

einfängt: Junge Rebellen und

ein Jugo-Ninja. Dracula, eine verführte Unschuld,

und dann die ewige Liebe. Eine Schneiderin, ein

eifersüchtiger Ehemann und geheime Briefe.

Und überall Musik: Volksmusik, Rock'n'Roll,

Punkrock, Rap. Die Musik und ein Übermaß an

popkulturellen Zeichen sind Ausdruck inoffizieller

Subkulturen, ohne jedoch politisch zu sein. Ganz

im Gegenteil – den Protagonist/innen dieser Filme

geht es im Wesentlichen um sich selbst, um ein

unbeschwertes, musikalisches Lebensgefühl. (scs)

Three separate musical comedies, all marked by

absurd humour, brought together in an anthology

film that captures the atmosphere of downfall and

revolt during the final days of socialist Yugoslavia.

We encounter young rebels and a Balkan ninja.

We get to know Dracula, seduced innocence and

eternal love. We learn of a seamstress, a jealous

husband and secret letters. And there is music

everywhere: folk music, rock'n'roll, punk rock,

rap. These tunes and the abundance of pop-cultural

symbols are the expression of unofficial

subcultures, though they may not be political.

Quite the opposite in fact – the films’ protagonists

are primarily concerned with themselves, with

cultivating a carefree, musical attitude towards

life.

Im Gleichklang mit Edisons Erfindung des

elektrischen Lichts erblicken die Zwillingsschwestern

Dóra und Lili das Licht der Welt. Während

der Kindheit getrennt, halten sie auf unterschiedlichen

Pfaden mit dem neuen Jahrhundert Schritt:

Lili als Anarchistin, Dóra als Schwindlerin. Ihre

Wege kreuzen sich immer wieder, zumal beide

eine Affäre mit einem geheimnisvollen Aristokraten

haben. In seiner Vorstellung verschmelzen

sie zu einer Person, der perfekten Frau. Enyedis

allegorische Zeitreise zu den Ursprüngen des 20.

Jahrhunderts zeichnet in ironischen Brechungen

Stationen zweier Lebenswege als Verweise auf

nicht eingelöste Zukunftserwartungen nach. (mw)

Twin sisters Dóra and Lili emerge from the womb

to see the light of the sun the exact day that Edison

unveils his revolutionary incandescent bulb.

Separated during childhood, they keep pace with

the new century on differing paths: Lili as an

anarchist, Dóra as a con artist. Their lives intersect

repeatedly, particularly as they are both having

an affair with the same mysterious aristocrat. In

the gentleman’s imagination, they blend into a

single individual, the perfect woman. Full of ironic

ruptures, Enyedi’s allegorical trip back in time

to the roots of the 20th century depicts stations

in the lives of its two female protagonists as

manifestations of an envisioned future that would

fail to materialise.

100

Screenplay Aleksandar Barišić,

Biljana Maksić, Branko Vukojević

Camera Radan Popovic

Editors Snežana Ivanović, Mustafa

Preševa, Goran Terzić

Music Vladimir Divljan, Srđan

Gojković, Dušan Kojić

Sound Snežana Lalić

Cast Nebojša Bakočević, Dragan

Bjelogrlić, Branimir Brstina, Velimir

Bata Živojinović, Srđan Todorović,

Sonja Savić, Anica Dobra, Vesna

Trivalić, Branko Đurić

Production

Avala Film, Yugoslavia

Faculty of Dramatic Arts Belgrade,

Yugoslavia

Maestro Film, Yugoslavia

Rights/Sales

Avala Studios, Serbia

office@avalastudios.com

Screenplay Ildikó Enyedi

Camera Tibor Máthé

Editor Mária Rigó

Music László Vidovszky

Sound István Sipos

Producers Gábor Hanák, Norbert

Friedländer

Cast Dorota Segda, Oleg Jankovski,

Péter Andorai, Gábor Máthé,

Paulus Manker, Gyula Kéri, Andrei

Schwartz, Dietrich Kuhlbrodt

Production

Budapest Filmstudio, Hungary

Friedländer Filmproduktion,

Germany

Rights/Sales

National Film Institute – Film

Archive, Hungary

info@filmarchiv.hu


DECAY

ROZPAD /

DER ZERFALL

Mykhailo Bielikov

Soviet Union, United States 1990

96 min, 35 mm, colour / rus OV + eng SUB

FAMINE 33

HOLOD 33 /

HUNGER 33

Oles Yanchuk

Ukraine 1991

93 min, 35 mm, colour and b/w / OV + eng SUB

Der Film beginnt harmlos, mit spätsowjetischem

Charme und Freunden in Feierlaune. Plötzlich

ertönen überall Sirenen. Es ist der 26. April

1986, Tschernobyl, der Reaktor ist explodiert.

Während Menschen die Stadt verlassen und das

Schreckenswort „Strahlung“ von Mund zu Mund

wandert, drohen, lügen und vertuschen die

offiziellen Stellen. Bilder aus Kiew, das sich für

ein Radrennen rüstet, stehen neben solchen, die

das Ende einer Stadt und den Zerfall eines Landes

ankündigen. Nur langsam verstehen die Menschen,

was passiert. Die gefeierte HBO-Serie CHERNOBYL

ließ sich u.a. von diesem erstaunlich kritischen

Perestroika-Film inspirieren. (scs)

Die Roten ziehen durchs Land und nehmen den

Bauern, was sie noch an Essbarem haben. Bilder

von Hunger, Tod und Gewalt wechseln einander

ab, in Farbe, Schwarz-Weiß, Sepia. Im Zentrum

steht eine Bauernfamilie, die versucht, Widerstand

zu leisten. Durch ihr Schicksal erleben wir den

„roten Hunger“, das „nackte Leben“: leere Augen,

hungrige Gesichter, lebende Tote. Dabei wechseln

Visionen einer satten Vergangenheit und Bilder

einer hungrigen Gegenwart einander ab. HUNGER

33 behandelt eines der dunkelsten Kapitel und

großen Tabus sowjetischer Geschichte: den Holodomor,

die Hungersnot in der Ukraine 1932-33, die

Millionen von Menschen das Leben kostete. (scs)

The film begins innocently enough, with late-Soviet

charm and friends in the mood for a celebration.

Suddenly, the air is full of screaming sirens. The

day is April 26, 1986, the scene is Chernobyl, and

the reactor has just exploded. While some residents

abandon the city and the horrifying syllables “radiation”

pass from mouth to mouth, the authorities

resort to threats, lies and cover-up. Images from

Kiev, preparing for a bicycle race, stand alongside

pictures signalling the demise of a city and the

collapse of a country. Only gradually do the people

begin to grasp what has happened. Among other

sources, the celebrated HBO series CHERNOBYL

drew inspiration from this astonishingly critical

Perestroika film.

Screenplay Mykhailo Bielikov, Oleh

Prykhodko

Camera Vasyl Trushkovskyi,

Oleksandr Shyhaiev

Editor Tatjana Magalias

Music Ihor Stetsiuk

Producers Peter O. Almond,

Michail Kostjuskowski

Cast Sergey Shakurov, Tatyana

Kochyemasova, Heorhii Drozd,

Aleksei Serebryakov, Marina

Mohilyevskaya, Oleksii Horbunov,

Stanislav Stankevich

Production

Dovzhenko Film Studios, USSR

Pacific Film Fund, United States

Rights/Sales

Oleksandr Dovzhenko National

Centre, Ukraine

info@dovzhenkocentre.org

The Reds are sweeping across the country, seizing

anything edible that farmers may still harbour.

Images of hunger, death and violence alternate in

colour, black and white and sepia. At the centre

of the story stands a peasant family attempting to

resist. Through their fate, we experience the “Red

Hunger” and “life stripped bare”: empty eyes, famished

faces, the living dead. The starving present is

juxtaposed with visions of a well-fed past. FAMINE

33 treats one of the darkest chapters and greatest

taboo subjects of Soviet history: the Holodomor, as

the Ukrainian famine of 1932-33 is known, which

claimed the lives of millions of individuals.

Screenplay Serhii Diachenko, Les

Taniuk

Camera Vasyl Borodin, Mykhailo

Kretov

Music Viktor Patsukevych, Mykola

Kalandionok

Sound Viktor Bryunchugin

Producer Oleksii Chernishov

Cast Halyna Sulyma, Heorhii

Moroziuk, Oleksii Horbunov,

Maksym Koval, Olena Kovtun,

Kostiantyn Kazymyrenko, Neonila

Svitlychna, Leonid Yanovsyi

Production

Dovzhenko Film Studios, Ukraine

Rights/Sales

Oleksandr Dovzhenko National

Centre, Ukraine

info@dovzhenkocentre.org

101 SYMPOSIUM


THE CHEKIST

CHEKIST /

DER TSCHEKIST

Aleksandr Rogozhkin

Russia, France 1992

90 min, 35 mm, colour / rus, fra OV + fra, eng SUB

PIGS

PSY /

HUNDE

Władysław Pasikowski

Poland 1992

110 min, DCP, colour / pol, deu, eng OV + eng SUB

Russland, kurz nach der Revolution. Es dauert nur

Sekunden, Menschen zum Tode zu verurteilen.

Andrey Srubov, Leiter der neu gegründeten

Geheimpolizei einer russischen Provinzstadt,

lässt sie alle erschießen – Popen, Frauen, die

Bourgeoisie. Wie Tiere werden sie hingerichtet,

doch die Tiere sind die anderen: jene, die schießen,

die Leichen wegschleppen und verscharren.

Srubov versucht, die Exekutionen philosophisch

zu begründen und verliert dabei allmählich den

Verstand. DER TSCHEKIST war der erste Perestroika-Film

über die Verbrechen der Bolschewiki.

Schonungslos, kalt, fast dokumentarisch. (scs)

Russia, just after the revolution. It takes mere

seconds to condemn an individual to death. Andrey

Srubov, director of the newly founded secret police

unit in a provincial Russian city, has them all

shot – clerics, women, the bourgeoisie. Slaughtered

like animals, but the real animals are the others,

those who pull the trigger and dispose of the

corpses. Srubov tries to justify the executions

philosophically, only to gradually lose his mind in

the process. THE CHEKIST was the first Perestroika

film to treat Bolshevik crimes. Unflinching, cold,

with an almost documentary-like feel.

Kurz nach der Wende gliedert man eine Gruppe

von ehemaligen Stasi-Agenten in den Polizeidienst

ein. Franz Maurer, der seine Geheimdienstkarriere

der Ehe mit der Tochter eines Politbüro-Mitglieds

verdankt, verliert im Einsatz gegen die Automafia

drei Männer. Bald wird klar, dass hinter der

brutalen Ermordung der Polizisten nur seine

Ex-Kollegen stecken können, deren Auftraggeber

über dem Gesetz zu stehen scheinen. Sein Rachefeldzug

gegen die korrupte und zynische Mitwelt

generiert eine Allegorie der postkommunistischen

Verhältnisse, die den bilderstürmerischen und

provokativen Mafia-Thriller zum Publikumsschlager

eines Kinos der „unmoralischen Unruhe“

machte. (mw)

Not long after the Fall of the Wall, a group of

former Polish Stasi agents are integrated into the

police force. Franz Maurer (whose intelligence

career was aided by his marriage to a Politburo

member’s daughter) loses three of his men in the

line of duty while fighting organised crime. Soon it

becomes clear that the brutal slayings could only

have been carried out by his ex-colleagues – and

whoever is pulling the strings seems to be above

the law. Maurer’s vendetta against his corrupt and

cynical social environment serves as an allegory of

post-Communist conditions. Capturing the essence

of the era, this iconoclastic and provocative mafia

thriller became an audience favourite within the

new cinema of “immoral unrest”.

102

Screenplay Jacques Baynac, André

Milbet

Camera Valery Myulgaut

Music Dmitry Pavlov

Sound Nikolay Astakhov

Producers Oleg Konkov, Guy

Séligmann

Cast Igor Sergeev, Aleksey Poluyan,

Mikhail Vasserbaum, Sergei

Isavnin, Nina Usatova

Production

Troitsky Most, Russia

La Sept Cinema, France

Sodaperaga, France

Rights/Sales

Métis Films, France

metisfilms2001@gmail.com

Provided By

Guy Séligmann

Screenplay Władysław Pasikowski

Camera Paweł Edelman

Editors Wanda Zeman, Zbigniew

Niciński

Music Michał Lorenc

Sound Aleksander Gołębiowski

Producer Juliusz Machulski

Cast Bogusław Linda, Marek

Kondrat, Cezary Pazura, Janusz

Gajos, Agnieszka Jaskółka

Production

ZEBRA Film Studio, Poland

Rights/Sales

WFDiF – Documentary & Feature

Film Studio, Poland

wfdif@wfdif.com.pl


BEFORE THE RAIN

PRED DOZHDOT /

VOR DEM REGEN

THE GARDEN

ZÁHRADA /

DER GARTEN

Milcho Manchevski

United Kingdom, Macedonia, France 1994

113 min, DCP, colour / mkd, eng, alb OV + eng SUB

Martin Šulík

Slovakia, Czech Republic, France 1995

99 min, Betacam, colour / slk OV + eng SUB

London und Mazedonien werden zu Schauplätzen

dreier Liebesgeschichten, deren Figuren ein

junger Mönch, eine engagierte Bildredakteurin

und ein desillusionierter Kriegsfotograf sind. In

drei miteinander verwobenen Kapiteln wird die

unbarmherzige Natur des Krieges erforscht, der

alle Beteiligten durch unlösbare Konflikte in den

Abgrund zieht. Die Titel der Episoden, „Words“,

„Faces“ und „Pictures“, spielen auf kulturelle Verständigungsbarrieren

sowie Fotos einer Exekution

an und somit auf die ambivalente Rolle der Medien

im Krieg. Nur dank seiner Form gelingt es dem

rückwärts erzählten Episodenfilm, die tödliche

Spirale der Gewalt zu durchbrechen. (mw)

Als Jakub, Mittdreißiger und Lehrer, von seinem

Vater aus der Wohnung geworfen wird, zieht

er in das verfallene Landhaus seines toten

Großvaters. Hier findet er ein altes, spiegelverkehrtes

Tagebuch, das eine alternative, eng mit

dem Garten verbundene Schöpfungsgeschichte

erzählt. In seinem verwunschenen Garten tauchen

biblische und historische Wiedergänger auf,

die ihm ihre Weisheiten verkünden, dazu die

Mariengestalt Helena. Jakub erfährt eine innere

Verwandlung, bricht alte Verbindungen ab und

findet seinen inneren Frieden. DER GARTEN ist ein

märchenhafter, ruhiger Film in der Tradition der

tschechoslowakischen Neuen Welle. (scs)

London and Macedonia serve as the backdrop

for three love stories, featuring a young monk, a

dedicated photo editor and a disillusioned war

photographer as protagonists. The film’s three

intertwined chapters explore the merciless

nature of war, as its unresolvable conflicts drag

all involved into the abyss. The episodes’ titles

(“Words”, “Faces” and “Pictures”) refer both to barriers

to cultural understanding and to the photos of

an exhibition, and thus to the media’s ambivalent

role in times of war. Looking backwards from

the present, this episodic reverse-chronology

narrative only succeeds in breaking through the

deadly spiral of violence thanks to its form.

Screenplay Milcho Manchevski

Camera Manuel Teran

Editor Nicolas Gaster

Music Anastasia

Sound Peter Baldock

Producers Judy Counihan, Cedomir

Colar, Sam Taylor, Cat Villiers

Co-Producers Frederique Dumas-

Zajdela, Gorjan Tozija, Marc

Baschet

Cast Katrin Cartlidge, Rade

Serbedzija, Gregoire Colin, Labina

Mitevska

Production

Aim Productions, North Macedonia

Noé Productions, France

Vardar Film, North Macedonia

Rights/Sales

Banana Film, North Macedonia

tino@unet.com.mk

Jakub is a teacher in his mid-30s. When his dad

kicks him out of their flat one day, he decides to

move into his deceased grandfather’s run-down

country house. Here he finds an older, mirror-image

diary that tells an alternative genesis closely

connected to the garden on the property. In this

enchanted setting, Jakub encounters biblical and

historical revenants, eager to share their wisdom,

as well as the Blessed Virgin-like Helena. Jakub

undergoes a spiritual transformation, breaking off

old associations and discovering his own version

of inner peace. THE GARDEN is a fairy-tale-like,

serene film in the tradition of the Czechoslovakian

New Wave.

Screenplay Marek Leščák, Martin

Šulík

Camera Martin Štrba

Editor Dušan Milko

Music Vladimír Godár

Sound Catherine D'Hoir

Producer Rudolf Biermann

Co-Producer Joël Farges

Cast Roman Luknár, Marián

Labuda, Zuzana Šulajová, Jana

Švandová, Katarína Vrzalová,

Dušan Trančík

Production

Charlie's, Slovakia

Co-Production

Artcam Films, France

Slovak Radio & TV, Slovakia

SFT Koliba, Slovakia

Rights/Sales

In Film Praha, Czech Republic

infilm@infilm.cz

103 SYMPOSIUM


ULYSSES' GAZE

TO VLEMMA TOU ODYSSEA /

DER BLICK DES ODYSSEUS

Theo Angelopoulos

Greece, France, Italy, Germany 1995

176 min, 35 mm, colour and b/w / eng, gre, rum, alb, bul, srp, kur OV

+ eng SUB

OUTSKIRTS

OKRAINA /

RANDBEZIRK

Pyotr Lutsik

Russia 1998

95 min, DCP, b/w / OV + eng SUB

104

Auf der Suche nach verschollenen Filmrollen der

Brüder Manaki, die 1905 den ersten griechischen

Film gedreht haben, kommt ein seit langem in

den USA lebender Regisseur in seine Heimat

zurück. Wie einst Odysseus irrt er durch ein ihm

fremd gewordenes Europa, das sich im politischen

Umbruch der Wendezeit befindet. Er landet im

von Serben belagerten Sarajevo, wo der Archivar

des Filmmuseums drei Rollen der Manaki-Brüder

versteckt. Inmitten der Kriegszerstörung findet

er die Negative aus vergangener Zeit. Eine surreal

anmutende, bisweilen visionäre Kinomeditation,

die eine individuelle Geschichte mit Zeit- und

Filmgeschichte verschränkt. (mw)

In search of the lost film rolls of the Manaki

brothers, responsible for the first Greek film in

1905, a director who has been living in the USA for

a long time returns to his homeland. Like Odysseus

before him, he wanders aimlessly through a

Europe that has become unfamiliar, caught up

in the political turmoil of the transition period.

He ends up in Sarajevo, under siege by Serbs,

where the archivist of the city’s film museum is

hiding three rolls shot by the pioneering Greek

brothers. Amidst the destruction of war, he finds

the negatives from a bygone era. A surreal, at

times visionary filmic meditation that interweaves

contemporary and cinematic history with the

journey of an individual.

Screenplay Theo Angelopoulos,

Tonino Guerra, Petros Markaris,

Giorgio Silvagni

Camera Giorgos Arvanitis

Editor Yannis Tsitsopoulos

Music Eleni Karaindrou

Sound Thanassis Arvanitis

Producers Giorgio Silvagni, Eric

Heumann, Dragan Ivanovic-Hevi,

Ivan Milovanovic

Cast Harvey Keitel, Maia

Morgenstern, Erland Josephson,

Thanasis Vengos

Production

Greek Film Centre, Greece

La Generale d'Images, France

La Sept Cinema, France

MEGA Channel, Greece

Paradis Films, France

Theo Angelopoulos Film

Production, Greece

Rights/Sales

Theo Angelopoulos Heirs

Association, Greece

Provided By

Greek Film Centre, Greece

info@gfc.gr

Das friedliche Dasein eines Bauern endet, als sich

eine Gruppe zwielichtiger Männer brutal seines

Landes bemächtigt, um das dortige Ölvorkommen

auszubeuten. Daraufhin trommelt er einige seiner

mürrischen Nachbarn zusammen, die sich die

Übeltäter vornehmen und eine tödliche Spur der

Verwüstung hinterlassen. Der Showdown führt sie

nach Moskau, in das alte neue Machtzentrum. In

symbolischen bis surrealen Schwarz-Weiß-Bildern

zielt das wortkarge Roadmovie auf den Raubkapitalismus

der Jelzin-Ära und die verwestlichte

russische Filmindustrie, indem es visuell an

die Tradition des sowjetischen Vorkriegsfilms

anknüpft und ironisch seinen Propagandacharakter

umcodiert. (mw)

A farmer’s peaceful existence comes to an end

when a gang of shady characters brutally takes

possession of his land in order to exploit the oil

reserves it harbours. In response, the farmer

recruits a handful of his surly neighbours to

take on the trespassers, promptly leaving a trail

of death and destruction in their wake. The

showdown takes them to Moscow, into the old/new

centre of power. In black-and-white images both

symbolic and surreal, this taciturn road movie

takes aim at the predatory capitalism of the Yeltsin

era and the westernised Russian film industry, by

making visual allusions to the tradition of Soviet

pre-war cinema while ironically recoding its

propagandist DNA.

Screenplay Pyotr Lutsik, Alexei

Samoryadov

Camera Nikolay Ivasiv

Editor Svetlana Guralskaya

Music Igor Kantyukov, Georgy

Sviridov, Gavriil Popov

Sound Slawa Klyuchnikov

Producers Pyotr Lutsik, Lev Kagno

Cast Yuriy Dubrovin, Nikolay

Olyalin, Alexey Pushkin, Rimma

Markova, Alexey Vanin, Victor

Stepanov

Production

Goskino, Russia

The Morning of the Twenty First

Century, Russia

Rights/Sales

Intercinema Agency, Russia

post@intercinema.ru


FROM MY WINDOW

Z MOJEGO OKNA /

AUS MEINEM FENSTER

Józef Robakowski

Poland 1978-1999

20 min, DigiBeta, b/w / OV + eng SUB

Ende der 1970er Jahre bezieht

Robakowski eine Hochhaus-

Wohnung im Manhattan

genannten Łódźer Neubauviertel.

Vom Küchenfenster

beobachtet er den Platz zwischen

den Wohnblocks und einer

Straße. Seine Antigeschichte

der Solidarność- und Wendezeit

endet, als dort ein Hotelgebäude

errichtet wird.

At the end of the 1970s,

Robakowski moves into a

high-rise apartment in Łódź,

in a neighbourhood known as

Manhattan. From his kitchen

window, he watches the square

below between the apartment

blocks and the nearby street.

His anti-story of the Solidarność

and transition periods comes to

an end when a hotel building is

erected on the property.

NACHRICHTEN

AUS DEM

UNTERGRUND:

DOKU–

MENTARISCHE

KURZFILME AUS

POLEN/

NEWS

FROM THE

UNDERGROUND:

DOCUMENTARY

SHORT FILMS

FROM POLAND

WITNESSES

ŚWIADKOWIE /

DIE ZEUGEN

Marcel Łoziński

Poland 1987

26 min, DCP, colour and b/w / OV + eng SUB

Rekonstruktion des Pogroms

von Kielce 1946, dem 42

Holocaust-Überlebende aus

einem Übergangsheim zum

Opfer fielen und bei dem weitere

40 schwer verletzt wurden.

Illegal auf Super 8 gedreht,

bricht der Untergrundfilm eines

der bestgehüteten Tabus der

Volksrepublik Polen.

A reconstruction of the Kielce

pogrom of 1946, which claimed

the lives of 42 Holocaust

survivors quartered in a home

for displaced persons, and left

a further 40 seriously injured.

Shot illegally on Super 8, this

underground film broke one of

the best-observed taboos of the

Polish People’s Republic.

BIRTHPLACE

MIEJSCE URODZENIA /

GEBURTSORT

Paweł Łoziński

Poland 1992

47 min, DCP, colour / OV + eng SUB

Der Schriftsteller Henryk

Grynberg, 1967 wegen einer

antisemitischen Kampagne

des Parteiapparates in die USA

emigriert, kehrt in sein Heimatdorf

zurück, wo sein Vater

während des Krieges erschlagen

und anonym verscharrt wurde.

Die Reise in die Vergangenheit

offenbart das Fortwirken des

Antisemitismus.

The writer Henryk Grynberg,

who emigrated to the USA in

1967 due to an anti-Semitic

campaign by the communist

apparatus, now returns to his

home village, where his father

was murdered and buried in

an unmarked grave during the

war. This journey into the past

reveals the continuing influence

of anti-Semitism.

105 SYMPOSIUM


SERGEY

DVORTSEVOY:

DOKUMENTAR–

FILME/

DOCUMENTARIES

THE BREAD DAY

KHLEBNYY DEN /

BROTTAG

Sergey Dvortsevoy

Russia 1998

54 min, DCP, colour / OV + eng SUB

PARALLELES KINO /

NEKROREALISMUS

PARALLEL

CINEMA /

NECRO-REALISM

106

PARADISE

SCHASTYE /

GLÜCK

Sergey Dvortsevoy

Kazakhstan 1995

23 min, DCP, colour / OV + eng SUB

Porträt des einfachen Lebens

der Nomaden in Dvortsevoys

Heimat Kasachstan, in dem alles

ewig erscheint und nichts sich

verändert. Eine Frau bereitet

Teig zu. Ein Kind sitzt mit

verschmiertem Gesicht auf dem

Boden. Einem Kamel wird ein

Seil durch die Nase gezogen.

Sieht so das Glück aus?

A portrait of the simple life of the

nomads in Dvortsevoy’s Kazakh

homeland, in which everything

seems eternal and nothing

changes. A woman prepares

dough. A child with a smeared

face sits on the ground. A rope is

drawn through a camel’s nose.

Is this what happiness looks like?

Ein verlassenes Dorf in der Nähe

von Sankt Petersburg. Auf einem

Abstellgleis wird ein Waggon

mit Brot abgestellt und ins Dorf

geschoben. Die sozialen Kontakte

ordnen sich um dieses immer

wiederkehrende Ereignis an:

das gemeinsame Schieben des

Waggons, die Gespräche beim

Verkauf des Brotes.

A desolate village near Saint

Petersburg. A railroad car

car rying bread is placed on a

sidetrack and pushed into the

village. Social interactions

here are arranged around the

regularly recurring event: the

combined efforts to push the

carriage, the conversations

while buying and selling bread.

NANAYNANA

Evgeny Kondratiev

Soviet Union 1985

6 min, DCP, b/w / no dialogue

Dadaistisch, avantgardistisch,

futuristisch? NANAYNANA

ist eine Attacke auf unsere

Sehgewohnheiten. Der Film

greift die Ästhetik des frühen

Stummfilms auf und kombiniert

diese mit experimentellen

Formen der frühen Avantgarde.

Bilder, Wörter und Körper(teile)

ergeben ein absurdes Gesamtkunstwerk.

Dadaist, avant-gardist, futuristic?

NANAYNANA is an attack

on our habits of seeing. The film

takes up the aesthetics of the

early silent film era, combining

them with experimental forms

from the early avant-garde.

Images, words, bodies and body

parts coalesce into an absurd

total artwork.


offizielle sowjetische Sprache zu

unterlaufen. So schaffen sie eine

parodistische Hymne auf den

Traktor als eines der Symbole

des Sozialismus.

SPRING

VESNA /

FRÜHLING

Yevgeny Yufit

Soviet Union 1987

9 min, 35 mm, b/w / no dialogue

FRÜHLING gilt als Manifest des

Nekrorealismus. Dieser setzt der

sozrealistischen Verherrlichung

des Lebens die Präsentation des

Todes entgegen und verweist so

auf das Ende des Systems. Eine

eigentliche Handlung bietet der

Stummfilm nicht; dafür groteske

Körper, exaltierte Gesten und die

Eisenbahn als Filmzitat.

SPRING is regarded as a

necro-realist manifesto. It counters

social realism’s glorification

of life with the bald presentation

of death, an allusion to the end of

the system as it were. This silent

film doesn’t actually feature

a genuine plot – but it does

offer grotesque bodies, exalted

gestures and the railroad as a

filmic quote.

TRACTORS

TRAKTORA /

TRAKTOREN

Igor Aleinikov, Gleb Aleinikov

Soviet Union 1987

12 min, 35 mm, b/w / rus OV + eng SUB

Die Brüder Aleinikov, Begründer

des sowjetischen „parallelen

Kinos“, nutzen hier die

konzeptualistische Technik der

subversiven Affirmation, um die

The Aleinikov brothers,

founders of Soviet “parallel

cinema”, employ the conceptualist

technique of subversive

affirmation here, with the

aim of circumventing official

Soviet language. The result is a

parodistic hymn to the tractor

as one of socialism’s most sacred

symbols.

THE SEVERE ILLNESS

OF MEN

ZHESTOKAYA BOLEZN MUZHCHIN /

DIE BRUTALE KRANKHEIT DER MÄNNER

Igor Aleinikov, Gleb Aleinikov

Soviet Union 1988

10 min, DigiBeta, b/w / rus OV + eng SUB

Bilder von Häuserblöcken,

Rohren, Gleisen, begleitet von

atonaler Musik, demontieren

sowjetische Heldenmythen.

Anstelle des Aufbaus des Sozialismus

wird eine fragmentierte

Industrielandschaft gezeigt, und

der „Held der Arbeit“ hat sich

in einen Leichnam, eine Puppe,

einen Feigling verwandelt.

Set to atonal music, images of

residential blocks, pipes and

rails chip away at Soviet hero

mythology. Instead of witnessing

the construction of socialism,

we see a fragmented industrial

landscape, where the “working

class hero” has morphed into a

corpse, a doll, into a coward.

SUICIDE MONSTERS

VEPRI SUITSIDA

Yevgeny Yufit

Soviet Union 1988

4 min, 35 mm, b/w / no dialogue

Yufit kombiniert hier sado-masochistische

Folterszenen mit

Originalaufnahmen, die den

Sozialismus feiern: im Takt

marschierende Mädchenbeine,

ästhetische Flugformationen,

Piloten als Helden des Volkes.

Vor einer Naturkulisse zerstören

die Helden einander, was bleibt,

sind blutende Körper.

Here Yufit combines sado-maso

torture scenes with original

footage celebrating socialism:

girls’ legs marching in step,

aesthetically pleasing flying

formations, pilots as heroes of

the people. The heroes destroy

one another in front of a natural

backdrop – all that remains are

bleeding bodies.

107 SYMPOSIUM


VORFILM / SUPPORTING FILM

GRAHAM AND I –

A TRUE STORY

GRAHAM I JA – ISTINITA PRIČA /

GRAHAM UND ICH – EINE WAHRE

GESCHICHTE

Nenad Puhovski

Croatia, Sweden, Belgium 1997

52 min, DCP, colour and b/w / eng OV

Ein junger Engländer, ein

jugoslawischer Filmemacher, der

Krieg in Bosnien. Graham zündet

sich vor dem britischen Parlament

an, als Protest gegen den

Umgang mit diesem Krieg. Nenad

Puhovski verwebt in seinem eindrücklichen

Anti-Kriegsfilm den

Weg Grahams mit seiner eigenen

jugoslawischen Biographie.

A young Englishman, a

Yugoslavian filmmaker, the

conflict in Bosnia. Graham sets

himself on fire in front of the

British parliament, to protest

the handling of the war. In his

striking anti-war film, Nenad

Puhovski interweaves Graham’s

story with his own Yugoslavian

biography.

FACTUM

DOCUMENTARY

FILM

PROJECT AUS

KROATIEN/

FACTUM

DOCUMENTARY

FILM PROJECT

FROM

CROATIA

VIRILE GAMES

MUŽNÉ HRY /

MÄNNERSPIELE

Jan Švankmajer

Czechoslovakia 1988

15 min, DCP, colour and b/w / no dialogue

Was könnte hier wohl gemeint

sein? Fußball, natürlich! Poster

an der Wand, Männer auf dem

Spielfeld oder auch nur im

Fernsehen. Und währenddessen

macht der Zuschauer es sich mit

einem Bier und ein paar Keksen

(!) gemütlich… Ein witziger

Film über Männerträume, für

Fußballhasser.

What could irreverent Mr.

Švankmajer be referring to here?

Why, football, of course! Posters

on the wall, men on the field – or

instead just on TV. As the action

rages, the viewer can curl up

with a beer and cookies (!)... A

funny film about manly dreams,

for all the footie haters.

Short Films provided by:

108

DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

(SPRING, SUICIDE MONSTERS, TRACTORS)

Masha Godovannaya (Rights for: SPRING,

SUICIDE MONSTERS)

Polish Television (BIRTHPLACE, WITNESSES)

Deutsche Kinemathek – Museum für Film und

Fernsehen (FROM MY WINDOW, THE SEVERE

ILLNESS OF MEN)

Factum (GRAHAM AND I – A TRUE STORY)

Jane Balfour Services (PARADISE, THE

BREAD DAY)

Yevgeny Kondratjev (NANAYNANA)

Athanor (VIRILE GAMES)


dokweb.net

Ex Oriente Film 2020 East Doc Platform 2021

international training programme

for creative documentary films

in development

1st workshop:

June 2020 | Banská Štiavnica (SK)

2nd workshop:

October 2020 | Jihlava (CZ)

3rd workshop:

March 2021 | Prague (CZ)

the largest co-production platform

for Central / East European docs

March 2021, Prague (Czech Republic)

→ East Doc Market

→ East Doc Forum

→ East Doc Interactive

→ East Doc Series

Submission deadline:

November 13, 2020

East Silver Market 2020

KineDok

market for completed documentary

films from Central and Eastern Europe

→ Silver Eye Awards

→ East Silver Caravan

October 27 – November 1, 2020

Jihlava | CZ

Submission deadlines:

Finished films in 2019: March 31, 2020

Finished films in 2020: May 31, 2020

Rough cuts: July 31, 2020

international innovative

distribution of creative

documentaries

BG / CZ / HR / HU /

NO / RO / SK / PL

kinedok.net

FINANCIAL SUPPORT

109


EUROPA

EUROPA


Als goEast 2001 gegründet wurde, stand die EU-

Osterweiterung dicht bevor. Jetzt, 20 Jahre später, ist die

Europäische Union auf vielen Ebenen gelebte Realität

und muss doch in Ost wie West häufig als Sündenbock

herhalten. Genau dieser Tendenz steht goEast entgegen

und feiert die europäische Einheit mit vielfältiger

Filmkunst. Sechs ausgewählte, länderübergreifende

und auch thematisch breit gefächerte, aktuelle Filme

im Programm greifen diverse Aspekte der europäischen

Erfahrung in Ost und West auf: 75 Jahre Kriegsende,

Migration, Xenophobie und grenzüberschreitende Liebe.

Die Filmschaffenden sind zum Gespräch und Austausch

mit dem Publikum eingeladen. In einer speziellen

Diskussionsrunde debattieren die Gäste zudem über

die Bedeutung von europäischer Kooperation, gerade

auch für die nationalen Filmlandschaften Mittel- und

Osteuropas.

Während der Festivalwoche steht das Programm als

Video-on-Demand auf der goEast-Webseite zur Verfügung.

As goEast was founded in 2001, the EU’s expansion to

the east was imminent. Now, 20 years later, the European

Union is lived reality on many levels, and is often

treated as a political scapegoat in both East and West.

goEast stands in opposition to precisely this tendency

and celebrates European unity with multifaceted

cinematic art. Six specially selected current films in the

programme, which span multiple countries and tackle

a range of thematic material, take up diverse aspects

of the European experience in East and West: the 75-

year anniversary of liberation from fascism, migration,

xenophobia and love that transcends borders. The

filmmakers are invited to take part in conversations and

enter into dialogue with the audience. In a special panel

discussion, the guests will also debate the significance

of European cooperation, especially regarding the

national film scenes of Central and Eastern Europe.

During the festival week, the programme will be available

as video-on-demand via the goEast website.

111 EUROPA EUROPA


112

MAREK EDELMAN… AND THERE

WAS LOVE IN THE GHETTO

MAREK EDELMAN… I BYŁA MIŁOŚĆ W GETCIE /

MAREK EDELMAN… UND ES GAB LIEBE IM GHETTO

Jolanta Dylewska, Andrzej Wajda

Poland, Germany 2019

80 min, DCP, colour and b/w / pol OV + eng SUB

Marek Edelman (1919–2009) war einer der letzten

Überlebenden des Aufstands im Warschauer

Ghetto und fragte sich zu Lebzeiten oft, warum

die Liebe im Ghetto nie thematisiert werde.

Jolanta Dylewska hat dies kurz vor Edelmans Tod

nachgeholt und zusammen mit dem mittlerweile

verstorbenen Altmeister Andrzej Wajda einen

einfühlsamen Film inszeniert. In ausgiebigen

Passagen erzählt Edelman von Liebesgeschichten

aus dem Ghetto, die Dylewska in poetische

Bilder kleidet und virtuos mit Archivmaterial

kombiniert. Ein Film über die Kraft der Liebe, die

es auch in dunklen Zeiten vermag – zumindest

für Augenblicke – Sicherheit und Geborgenheit zu

vermitteln. (ds)

One of the last survivors of the Warsaw ghetto

revolt, Marek Edelman (1919–2009) often asked

himself over the course of his life why the theme

of love in the ghetto was never properly treated.

Shortly before Edelman’s death, Jolanta Dylewska

sought to rectify this by creating an empathetic

film together with (since deceased) venerable

master Andrzej Wajda. In sprawling passages,

Edelman recounts love stories from the ghetto,

which Dylewska clothes in poetic images, combined

adeptly with archival footage. A film about

the power of love, which even in dark times is

capable, if only for fleeting moments, of providing

a sense of safety and comfort.

Screenplay Jolanta Dylewska,

Agnieszka Holland

Camera Jakub Kijowski, Jolanta

Dylewska

Editor Izabela Pająk

Music Raphael Roginski

Sound Zofia Moruś, Paulina

Bochenska, Aleksandra Pniak

Producers Thanassis Karathanos,

Martin Hampel, Anna Wydra

Cast Marek Edelman, Aleksandra

Poplawska, Marek Kalita, Alina

Swidowska, Maria Semotiuk

Production

Otter Films, Poland

info@otterfilms.pl

Pallas Film GmbH, Germany

office@pallasfilm.de

OLEG

OĻEGS

Juris Kursietis

Latvia, Belgium, Lithuania, France 2019

108 min, DCP, colour / eng, rus, pol, lav, fra, nld OV + eng SUB

Oleg kommt aus Lettland nach Belgien, um in

einem Schlachthof zu arbeiten. Als er ungerechtfertigt

für einen Arbeitsunfall verantwortlich

gemacht wird, verliert er seine Stelle. Andrzej

bietet ihm einen Ausweg: neuer Job, neuer Pass,

neue Freunde und bald auch Bezahlung. Besonders

tückisch ist jedoch die Abhängigkeit, auf die sich

Oleg unwissentlich einlässt. Sämtliche Emanzipationsversuche

enden doch wieder beim zunehmend

labilen und kriminellen Andrzej. Mit einer

immensen filmischen Nähe zu seiner Hauptfigur

vermittelt Juris Kursietis das Gefühl der Heimatund

Ausweglosigkeit eines jungen Mannes, den das

Schicksal an seine Grenzen treibt. (tg)

Oleg leaves Latvia for Belgium to work in a slaughterhouse.

Unfortunately, he is fired after being

unfairly blamed for an accident on the job. Andrzej

offers him a way out of his predicament: a new

job, new passport, new friends and the promise

of payment to follow soon. More significant than

all that, however, is the dependent relationship

that Oleg unconsciously enters into by agreeing

to the deal. All attempts at self-emancipation find

him right back again with increasingly unstable

and criminal Andrzej. With its intense cinematic

proximity to its protagonist, Juris Kursietis’ film

brilliantly conveys the desperation and rootlessness

of a young man pushed to his limits by fate.

Screenplay Juris Kursietis, Līga

Celma-Kursiete, Kaspars Odiņš

Camera Bogumił Godfrejów

Editor Matyas Veress

Sound Vytis Puronas

Producers Alise Ģelze, Aija Bērziņa

Co-Producers Guillaume de Seille,

Isabelle Truc, Lukas Trimonis

Cast Valentin Novopolskij, Dawid

Ogrodnik, Anna Próchniak, Adam

Szyszkowski, Guna Zarina

Production

Tasse Film, Latvia

aija@tasse.lv

Co-Production

Arizona Productions, France

In Script, Lithuania

info@inscript.lt

Iota Production, Belgium

Rights/Sales

Best Friend Forever, Belgium

sales@bffsales.eu


SKOKAN

Petr Václav

Czech Republic, France 2017

93 min, DCP, colour / cze, rom, fra, eng, ita OV + eng SUB

Quer durch ganz Europa improvisierte Petr Václav

mit Laiendarsteller/innen. Der Film beginnt mit

einem Zitat aus Denis Diderots Roman „Jacques der

Fatalist und sein Herr“, in dem alle Entscheidungen

der Hauptfigur von jemand anderem getroffen

werden. Skokan, ein tschechischer Roma und

Ex-Sträfling, glaubt indes, Herr seines Schicksals

zu sein: Er hört einen Bericht über die Filmfestspiele

in Cannes und will dort nicht nur sein Glück,

sondern auch seine ehemalige Freundin suchen,

die irgendwo in Europa als Prostituierte arbeitet.

Trotz existenzieller Sorgen und Sprachbarrieren

singt er auf der Straße über die Liebe und hält an

seinem Optimismus fest. (tw)

THE PAINTED BIRD

NABARVENÉ PTÁČE

Václav Marhoul

Czech Republic, Slovakia, Ukraine 2019

169 min, DCP, b/w / isla, cze, rus, deu OV + eng SUB

In den Wirren des Zweiten Weltkriegs vertraut ein

jüdisches Paar seinen sechsjährigen Sohn einer

älteren Pflegemutter auf dem Land an. Als die

Frau stirbt, ist der Junge auf sich selbst gestellt.

Er wandert von Dorf zu Dorf. Auf seiner Reise

erlebt er außergewöhnliche Brutalität, nicht nur

von Soldaten, sondern vor allem von den ignoranten,

abergläubischen Landbewohnern. Als der

Krieg endet, hat sich der Junge für immer verändert.

Václav Marhoul hat den Roman „Der bemalte

Vogel“ des polnisch-jüdischen Schriftstellers Jerzy

Kosinski aus dem Jahr 1965 mit Star-Besetzung,

auf 35mm und in Schwarz-Weiß verfilmt. (hg)

Petr Václav ad-libbed his way across the European

continent with a cast of amateur actors to bring

us SKOKAN. The film begins with a quote from

Denis Diderot’s novel “Jacques the Fatalist and His

Master”, in which the main character’s decisions

are all made by someone else. The eponymous hero

here, a Czech Roma and ex-convict, believes himself

to be the master of his own destiny however:

after hearing a report about a certain film festival

in Cannes, Skokan heads out to seek his fortune, as

well as an ex-girlfriend who works somewhere in

Europe as a prostitute. In spite of existential angst

and language barriers, he sings love songs on the

street and refuses to let go of his optimistic outlook.

Screenplay Petr Václav

Camera Priscila Guedes, Štěpán

Kučera

Editor Florent Mangeot

Sound Michael Míček, Daniel

Němec

Producer Jan Macola

Co-Producers Sophie Herbs, Tom

Dercourt

Cast Julius Oračko, Karidja Touré,

Klaudia Dudová, Leslie Joy, Milan

Cifra

Production

Mimesis Film, Czech Republic

jan@mimesis.cz

Co-Production

Cinéma Defacto, France

Amid the confusion of World War Two, a Jewish

couple entrusts their 6-year-old son to an older

foster mother who lives in the countryside. Alas,

when the woman dies, the young boy is left to

fend for himself, henceforth hiking from village

to village. Along the way, he witnesses and

experiences extraordinary brutality, not only at

the hands of soldiers, but above all perpetrated by

the ignorant, superstitious rural population. By

war’s end, the boy has been forever transformed.

Václav Marhoul adapted Polish-Jewish writer Jerzy

Kosiński’s 1965 novel “The Painted Bird” for the

screen, shot in black-and-white on 35mm film and

boasting a star-studded cast.

Screenplay Václav Marhoul

Camera Vladimír Smutný

Editor Luděk Hudec

Co-Production

Sound Pavel Rejholec, Jakub Čech CertiCon Group, Czech Republic

Producer Václav Marhoul

Czech Television, Czech Republic

Co-Producers Igor Savychenko, Directory Films, Ukraine

Karel Kraus, Richard Kaucký,

Eduard & Milada Kucera, Czech

Vladimír Mařík, Zuzana Mistríková,

Republic

Ľubica Orechovská

Innogy, Czech Republic

Cast Petr Kotlár, Harvey Keitel,

Stellan Skarsgård, Udo Kier, Barry PubRes, Slovakia

Pepper

Slovak Radio & TV, Slovakia

Production

Rights/Sales

Silver Screen, Czech Republic Celluloid Dreams, France

silverscreen@oasanet.cz

info@celluloid-dreams.com

EUROPA EUROPA

113


114

WESTERN

Valeska Grisebach

Germany, Bulgaria, Austria 2017

121 min, DCP, colour / ger, bul, eng OV + eng SUB

Eine Gruppe deutscher Bauarbeiter soll auf dem

bulgarischen Land ein Wasserkraftwerk bauen –

kein leichtes Unterfangen. Zu den Einheimischen

halten die Männer bewusst Distanz, untereinander

pflegen sie einen rauen, aber herzlichen Umgang.

Einzig Meinhard, der Neuling der Truppe, lernt auf

seinen Streifzügen mit einem freilebenden Pferd

die Menschen im nahegelegenen Dorf kennen,

zeigt Interesse an ihrem Leben und offenbart sich

allmählich selbst. Valeska Grisebach bedient sich

bei visuellen Motiven des Westerns, um feinfühlig

verschiedene Männlichkeitskonzepte und

Lebensrealitäten zu untersuchen. (tg)

A crew of German construction workers is tasked

with building a hydroelectric power plant in the

Bulgarian countryside – no simple assignment.

The men consciously keep their distance from the

locals, while interacting amongst themselves in

a rough but affectionate manner. Only Meinhard,

the newbie in the group, gets to know the people

in the nearby village – during his rambling forays

atop a free-range horse – only he displays an

interest in their lives and gradually opens up to

them himself. Valeska Grisebach draws on visual

tropes from the Western genre to conduct a deeply

sensitive examination of diverse experiential

worlds and conceptions of masculinity.

Screenplay Valeska Grisebach

Camera Bernhard Keller

Editor Bettina Böhler

Sound Uve Haußig, Martin Steyer,

Fabian Schmidt

Producers Valeska Grisebach,

Michel Merkt, Maren Ade, Jonas

Dornbach, Janine Jackowski

Co-Producers Antonin Svoboda,

Borislav Chouchkov, Bruno Wagner,

Viktor Chouchkov

Cast Meinhard Neumann, Reinhardt

Wetrek, Waldemar Zang, Detlef

Schaich, Syuleyman Alilov Letifo,

Veneta Frangova, Vyara Borisova

Production

Komplizen Film, Germany

info@komplizenfilm.de

Co-Production

Chouchkov Brothers, Bulgaria

Coop99 Filmproduktion, Austria

ZDF - Das kleine Fernsehspiel,

Germany

Rights/Sales

Films Boutique, Germany

contact@filmsboutique.com

German Distribution

Piffl Medien, Germany

info@pifflmedien.de

WHITE GOD

FEHÉR ISTEN /

UNDERDOG

Kornél Mundruczó

Hungary, Germany, Sweden 2014

119 min, DCP, colour / hun OV + eng SUB

Als Mischlingshunde in Ungarn eines Tages per

Gesetz für unerwünscht erklärt werden und hohe

Abgaben für Hundebesitzer anfallen, missfällt dies

Lilis Vater so sehr, dass er ihren Hund Hagen aussetzt.

Für das Haustier beginnt eine Tour de Force,

die vom gefährlichen Leben auf der Straße und

zwielichtigen Tierhändlern bis zu Hundekämpfen

führt. Doch Hagen und weitere geschändete

Vierbeiner schlagen zurück und übernehmen die

Kontrolle über Budapest. WHITE GOD funktioniert

als Parabel auf xenophobe Bewegungen in unserer

Gesellschaft wie auch als packender Fantasy-

Thriller. Die Dreharbeiten fanden ohne Effekte

mit mehreren Hundert Hunden statt. (jp)

When a law is passed in Hungary declaring

mixed-breed dogs undesirables and rendering

their owners subject to high fines, Lili’s father

is so upset that he decides to abandon her dog

Hagen. This marks the beginning of an incredible

journey for the former pet, one that leads from the

dangerous life on the streets and shady animal

dealers all the way to the world of dogfighting,

before Hagen and a pack of other disgraced fourlegged

friends finally strike back by taking control

of Budapest. WHITE GOD functions both as a

parable of xenophobic currents in our society and

as a gripping fantasy thriller. The film was realised

without special effects and with an ensemble cast

of several hundred canines.

Screenplay Kornél Mundruczó,

Viktória Petrányi, Kata Weber

Camera Marcell Rév

Editor Dávid Jancsó

Music Asher Goldschmidt

Sound Thomas Huhn, Gabor

Balazs

Producers Eszter Gyárfás, Viktória

Petrányi

Cast Zsófia Psotta, Sándor Zsótér,

Lili Horváth, Szabolcs Thuróczy,

Lili Monori

Production

Proton Cinema, Hungary

Pola Pandora Filmproduktion,

Germany

Co-Production

Film i Väst, Sweden

Filmpartners, Hungary

ZDF, Germany

Rights/Sales

The Match Factory, Germany

info@matchfactory.de

German Distribution

Leonine, Germany

info@leoninestudios.com


24th Ji.hlava

International

Documentary

Film Festival

27. 10.— 1. 11. 2020

Ji-hlava.com

Special English

Issue 2019

Download for free

WWW

FILMADOBA

EU

115


PORTRÄT/

PORTRAIT

RADU

JUDE


RADU JUDES KINO DER

MACHTDISPOSITIVE –

VON DER

GEGENWART IN

DIE VERGANGENHEIT

Dominik Streib

Seit 2005 sorgt die rumänische neue Welle in der

internationalen Filmszene immer wieder für

Aufsehen. Sie startete mit drei Filmen: MOARTEA

DOMNULUI LĂZĂRESCU / DER TOD DES HERRN

LAZARESCU (2005) von Cristi Puiu, A FOST SAU N-A

FOST? / 12:08 JENSEITS VON BUKAREST (2006) von

Corneliu Porumboiu und 4 LUNI, 3 SĂPTĂMÂNI

ŞI 2 ZILE / 4 MONATE, 3 WOCHEN UND 2 TAGE

(2007) von Cristian Mungiu. Seitdem ebbt die Welle

zyklisch ab, um sich dann wieder an die Oberfläche

zu arbeiten. Auch Radu Jude war als Assistent

von Cristi Puiu bei den Dreharbeiten zu DER TOD

DES HERRN LAZARESCU von Anfang an Teil der

Bewegung. Ihrem Impetus ist Jude zu Beginn seiner

Karriere in seiner Auseinandersetzung mit dem

gegenwärtigen Rumänien, einem realistischen

Zugang und einer Portion schwarzem Humor noch

ganz verhaftet, in seinen späteren Werken widmet

er sich immer mehr der rumänischen Geschichte

sowie deren Auswirkungen in der Gegenwart und

definiert sich ästhetisch immer wieder neu.

Radu Judes erster Kurzfilm LAMPA CU CĂCIULĂ

/ THE TUBE WITH A HAT (2005) ist eine Parabel

über die Konsumgesellschaft, deren Natur er

konsequent in seinem ersten Langfilm CEA MAI

FERICITÃ FATÃ DIN LUME / DAS GLÜCKLICHSTE

MÄDCHEN DER WELT (2009) weiterführt: Eine

filmische Karikatur des Kapitalismus, die diesen

mit lakonischem Gestus ad absurdum führt. Die

18-jährige Delia hat bei einem Preisausschreiben

ein Auto gewonnen und will es mit ihren Eltern in

Bukarest in Empfang nehmen. Doch die kapitalistische

Welt funktioniert nicht ohne Leistungsdruck

und Begehrlichkeiten, denn die Übergabe des

Autos ist an den Dreh eines Werbespots gekoppelt.

In etlichen Takes muss Delia immer und immer

wieder den gleichen Slogan aufsagen und dabei

einen Schluck Limonade trinken. Die Werbeästhetik

muss stets perfekt sein; Kompromisse gibt es

nicht. Die Erschöpfung schreibt sich allmählich in

Delias Körper ein: Sie wird zum modernen Sisyphos

im gegenwärtigen Rumänien. Und als wäre

dies nicht schon schlimm genug, drängen ihre

Eltern darauf, das Auto zu verkaufen; sollte Delia

sich weigern, wird sie enterbt. Die kapitalistische

Struktur der Konsumgesellschaft dringt in ihrer

Konsequenz auch in die intimsten Sphären hinein

und schließlich gibt Delia nach. An die Stelle der

Diktatur unter General Ion Antonescu (1940–1944)

sowie unter Nicolae Ceaușescu (1965–1989) – denen

sich Radu Jude in späteren Werken noch widmen

wird – tritt der Konsumismus, den der schillernde

Filmemacher Pier Paolo Pasolini in den 1970er

Jahren als einen neuen Faschismus beschrieben

hat: „Die Zerstörung der Kultur des Einzelnen

durch die Konsumgesellschaft“.

Auch sein zweiter Langfilm TOATĂ LUMEA DIN

FAMILIA NOASTRĂ / EVERYBODY IN OUR FAMILY

(2012) ist eine Erweiterung eines frühen Kurzfilms,

ALEXANDRA (2008); beide verhandeln Machtspiele

innerhalb der Familie. Ausgangspunkt von

EVERYBODY IN OUR FAMILY ist eine alltägliche

Situation: Marius möchte mit seiner Tochter einen

Ausflug ans Meer unternehmen, doch seine Ex-Frau

macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Ihr

neuer Partner lässt Marius und Sofia nicht gehen,

ehe die Mutter zurück ist und ihr Einverständnis

gibt. Während in ALEXANDRA noch eine halbwegs

friedliche Lösung gefunden werden kann, eskaliert

in EVERYBODY IN OUR FAMILY der Konflikt. An

dessen Ende stehen: ein Polizeieinsatz, Kidnapping

und ein blutüberströmter Marius, der durch die

Straßen von Bukarest flüchtet. Immer wieder

sind es die Erwachsenen und Eltern, die ihre

gekränkten Befindlichkeiten auf Kosten der Kinder

austragen.

Ab Mitte der 2010er Jahre emanzipiert sich Radu

Jude stärker von der Stoßrichtung der neuen Welle

und befasst sich mit den dunklen und vergessenen

Seiten der rumänischen Geschichte, denen er sich

stets mit neuen ästhetischen Mitteln nähert, um

ganz unterschiedliche Machtverhältnisse aufzudecken.

Zunächst ist es vor allem die Kontinuität des

rumänischen Antisemitismus: In AFERIM! (2015)

verfolgt er den Antiziganismus und Antisemitismus

in eindrücklichen Schwarz-Weiß-Bildern

ins 19. Jahrhundert zurück und inszeniert einen

stilisierten Western, der durch eine feindliche Welt

führt, die durchdrungen ist von Vorurteilen, Hass

und stereotypen Zuschreibungen – für AFERIM!

erhielt Radu Jude 2015 den Silbernen Bären der

Berlinale. Ganz anders seine Herangehensweise

in INIMI CICATRIZATE / SCARRED HEARTS (2016),

der – basierend auf dem gleichnamigen autobiographischen

Roman von Max Blecher – im Rumänien

117 PORTRAIT


der 1930er Jahre angesiedelt, eine Variante des

Mann’schen „Zauberberg“ ist. Ein Film, inszeniert

in wunderschönen Tableaus – jedes einem Gemälde

gleich –, in dem die gefährlichen antisemitischen

Zeitläufte der Zwischenkriegszeit allmählich auch

in die scheinbar isolierte Abgeschlossenheit des

Sanatoriums am Schwarzen Meer eindringen.

In unmittelbarem Zusammenhang stehen die

beiden nächsten Filme ȚARA MOARTĂ / DIE TOTE

NATION (2017) und ÎMI ESTE INDIFERENT DACĂ

ÎN ISTORIE VOM INTRA CA BARBARI / MIR IST

ES EGAL, WENN WIR ALS BARBAREN IN DIE

GESCHICHTE EINGEHEN (2018), die die Auseinandersetzung

mit dem rumänischen Antisemitismus

weiterführen, vor dem Hintergrund historisch

manifest gewordener Verstrickungen Rumäniens

in den Holocaust sowie deren Fortwirken in der

heutigen rumänischen Gesellschaft. DIE TOTE

NATION ist dabei Radu Judes erster Ausflug in die

Gattung des essayistischen Dokumentarfilms.

Ausschließlich mit historischem Ausgangsmaterial

entwirft er ein erschütterndes Bild Rumäniens in

den Jahren 1937–1946: Die antisemitisch-faschistische

Legionärsbewegung gewinnt immer mehr

an Zuspruch, gipfelnd in der Machtübernahme

Ion Antonescus im September 1940 und den

ersten Massenmorden an Juden auf rumänischem

Boden 1941. Im Film spricht Radu Jude selbst

auf der Tonebene Auszüge aus dem Tagebuch

des jüdischen Arztes Emil Dorian. Dorians Texte

lassen die zunehmende Bedrohung durch den

um sich greifenden Antisemitismus spürbar

werden; dazwischen schieben sich immer wieder

nationalistische Lieder und Radioausschnitte

faschistischer Führer. Zu sehen sind ausschließlich

Schwarz-Weiß-Fotografien der Zeit – aufgenommen

von dem Fotostudio Splendid –, die eindrücklich

sowohl die einfache Landbevölkerung zeigen,

aber auch die weitreichende Militarisierung

dokumentieren. Während die Tagebuchauszüge

zunehmende Verzweiflung erahnen lassen, wird

auf der Bildebene die Faschisierung der Körper

deutlich. Am eindrücklichsten anhand einer

Montagesequenz, bei der Mädchen und Jungen

stramm vor der Kamera posieren und die rechte

Hand zum Saluto romano, dem römischen Gruß,

recken, unterlegt mit faschistischer Marschmusik.

Die Ideologie des Faschismus greift auch auf die

noch unschuldigen Körper der Kinder über. Der

Untertitel des Films, „Fragmente paralleler Leben“,

könnte wahrlich nicht treffender sein.

Konsequent führt Radu Jude diesen Weg in MIR

IST ES EGAL, WENN WIR ALS BARBAREN IN DIE

GESCHICHTE EINGEHEN fort: Während er in DIE

TOTE NATION ausschließlich mit historischem

Bild- und Tonmaterial inszeniert, wird die

Suche nach historischem Ausgangsmaterial

nun als Handlungselement dafür benutzt, die

Regisseurin Mariana Marin (einprägsam gespielt

von Ioana Iacob) bei ihren Vorbereitungen eines

Reenactments zu begleiten: Es soll die Vernichtung

rumänischer Juden in Odessa 1941 aufarbeiten.

In hybrider Form – die fiktive Erzählung wird

selbstreflexiv als solche ausgestellt, während

immer wieder Dokumentarisches eindringt

– verfolgt Radu Jude den Prozess der Erarbeitung

der Inszenierung, die Probleme mit der

Zensurbehörde, die dieses Massaker nur als eines

unter vielen weltweit „begreift“, und schließlich

die Aufführung auf einem Bukarester Platz,

die vollkommen zur Farce gerät. Mit virtuoser

Leichtigkeit gelingt es dem Filmemacher, einen

unterhaltsamen, zugleich aber auch zutiefst

erschütternden Film zu entwerfen. Dabei ist die

Macht der rumänischen Geschichte stets in der

Gegenwart präsent: Bei der Inszenierung versucht

einer der gespielten Juden der Deportation zu

entgehen, wird aber von den Zuschauermassen

zurückgedrängt. Eine schreckliche Szene, die

zeigt: Die dunklen Seiten der Geschichte sind nicht

vergessen, sondern ziehen ihre kontinuierlichen

Spuren unheilvoll in die Gegenwart hinein – nicht

zuletzt aufgrund von Verdrängung und mangelnder

Geschichtsaufarbeitung.

Bei der diesjährigen Berlinale feierte Radu Jude die

Weltpremiere seines neusten Films: TIPOGRAFIC

MAJUSCUL / UPPERCASE PRINT (2020). Wieder ist

es eine Auseinandersetzung mit der rumänischen

Geschichte; dieses Mal jedoch mit der Diktatur

unter Nicolae Ceaușescu. Der Film verhandelt

die Frage nach der Macht staatlicher Repression

auf zwei Ebenen. Auf der einen Seite wird die

Geschichte des Jugendlichen Mugur Călinescu

aufgearbeitet, der in den 1980er Jahren in das

Fadenkreuz der Securitate gerät, weil er regimekritische

Slogans verbreitet. In einer deutlich ans

Theater angelehnten Inszenierung und basierend

auf dem gleichnamigen dokumentarischen

Theaterstück von Gianina Cărbunariu, die sich an

den Geheimakten der Securitate orientierte, wird

die Durchdringung der Privatsphäre deutlich:

Befragungen von Schulkameraden und Eltern,

118


Abhören der Wohnungen und schließlich Prozesse

gegen Mugur. Dazwischen wird immer wieder

zeitgenössisches Fernseharchivmaterial platziert:

Prozessionen zu Ehren Ceaușescus, aber auch

alltägliche Berichte über sportliche Aktivitäten,

Verordnungen über das Teppichklopfen oder

Kochsendungen. Die rumänische Gesellschaft der

Ceaușescu-Zeit ist also von zweierlei Machtstrukturen

durchdrungen: Einerseits der Zersetzung

des Individuums durch die Geheimpolizei und

andererseits die gesellschaftliche Beeinflussung

durch das Massenmedium Fernsehen, das versucht

eine heile Welt zu evozieren, die sich jedoch als

eine Chimäre entpuppt und zielstrebig auf den

Staatszerfall Ende der 1980er Jahre zusteuert.

Beide Sphären stehen im engen Wechselspiel zueinander:

Beides sind Inszenierungen von Macht, die

sich realiter in die Wirklichkeit einschreiben.

Das Werk Radu Judes erscheint demnach

vielgestaltig im Stil und variantenreich in der

Themensetzung: Seine frühen Filme setzen sich in

ästhetisch-realistischer Weise mit Problemen im

gegenwärtigen Rumänien auseinander, während

AFERIM! und SCARRED HEARTS zwei stilisierte

Beschäftigungen mit der rumänischen Geschichte

sind. Seine drei jüngsten Werke beschreiten einen

eigenen Weg: Es sind hybride Filme, die zwischen

den Gattungen Spiel- und Dokumentarfilm

operieren und unterschiedlichste Materialien

integrieren – Tagebücher, Fotografien, Theater

und Archivmaterial. Doch trotz dieser von Film zu

Film unterschiedlichen Herangehensweise lässt

sich eine dezidierte Handschrift des Filmemachers

erkennen: Alle Filme arbeiten sich an Machtdispositiven

und Machtverhältnissen ab, die sowohl die

Gesellschaft als auch das Individuum prägen und

sich diesem körperlich einschreiben: von aktuellen

Gesellschaftsthemen im gegenwärtigen Rumänien

zu den großen geschichtlichen Verwerfungen,

die ihre Schatten bis in die Gegenwart ziehen. Die

Machtverhältnisse werden dabei jedoch nie isoliert

betrachtet, sondern stets wechselseitig gespiegelt

zwischen dem intimen, oft familiären Kreis und

dem großen gesellschaftlichen Zusammenhang.

Und vielleicht ist es gerade dieser thematische und

ästhetische Variantenreichtum, der die Filme Radu

Judes so erschütternd, interessant und aktuell

macht: Sich nicht der Macht eines ästhetischen

Konzepts zu unterwerfen, um gerade dadurch

unterschiedliche Machtstrukturen offenzulegen

und künstlerisch subversiv zu intervenieren.

RADU JUDE’S CINEMA

OF

POWER DISPOSITIVES –

FROM THE

PRESENT INTO

THE PAST

Dominik Streib

Since 2005, the Romanian New Wave has repeatedly

caused a stir in the international film world. It

all began with three films: MOARTEA DOMNULUI

LĂZĂRESCU / THE DEATH OF MR LAZARESCU

(2005) by Cristi Puiu, A FOST SAU N-A FOST? /

12:08 EAST OF BUCHAREST (2006) by Corneliu

Porumboiu and 4 LUNI, 3 SĂPTĂMÂNI ŞI 2 ZILE / 4

MONTHS, 3 WEEKS AND 2 DAYS (2007) by Cristian

Mungiu. Ever since that initial trio hit, the wave

has ebbed in cycles, only to work its way to the

surface once again. As an assistant to Cristi Puiu

during filming for THE DEATH OF MR LAZARESCU,

Radu Jude has been a part of the movement from

day one. Whereas at the beginning of his career

Jude was still completely beholden to its impetus

in his examination of contemporary Romania, his

realistic approach and his frequent use of black

humour, in his later works he has gone on to devote

himself increasingly to Romanian history and its

echoes in the present, while constantly re-defining

himself through his aesthetic choices.

Radu Jude’s first short film LAMPA CU CĂCIULĂ

/ THE TUBE WITH A HAT (2005) is a parable of

consumerist society, whose nature he continues to

probe in his debut feature CEA MAI FERICITÃ FATÃ

DIN LUME / THE HAPPIEST GIRL IN THE WORLD

(2009), a cinematic caricature of capitalism with a

laconic attitude that extends the system ad absurdum.

The protagonist, 18-year-old Delia, travels to

Bucharest with her parents to take possession of an

automobile she won in a prize drawing. Alas, the

capitalist world can’t function without greed and

compulsory production: the car may only change

hands after shooting for a commercial has been

completed. In countless takes, Delia is forced to

recite the same slogan over and over while taking a

sip of lemonade. The advertising aesthetic has to be

perfect at all times – there is no room for compromise.

Exhaustion gradually leaves its mark on

Delia’s body: she becomes a modern-age Sisyphus

in present-day Romania. And as if that weren’t bad

enough already, her parents insist that she sell

the car, threatening to disown her if she should

refuse. In its rigour, the capitalistic structure of

consumerist society even manages to force its

119 PORTRAIT


120

way into the most intimate spheres. Finally, Delia

acquiesces. Consumerism, or “the destruction of

the culture of the individual through consumerist

society”, which iridescent director Pier Paolo

Pasolini described as a new form of fascism in

the 1970s, has taken the place of the dictatorships

under General Ion Antonescu (1940–1944) and

Nicolae Ceaușescu (1965–1989) – to which Radu Jude

will devote himself in later works.

Jude’s second feature-length film, TOATĂ LUMEA

DIN FAMILIA NOASTRĂ / EVERYBODY IN OUR

FAMILY (2012), is also an expansion on the themes

of an earlier short film, ALEXANDRA (2008); both

treat power struggles within the family unit. The

departure point for EVERYBODY IN OUR FAMILY is

an everyday situation: Marius would like to undertake

an excursion to the seaside with his daughter,

but his former wife is intent on spoiling his plans.

Her new partner doesn’t allow Marius and Sofia

to leave until the mother returns and gives her

consent. Where in ALEXANDRA the characters

are still able to come up with a halfway peaceful

solution, in EVERYBODY IN OUR FAMILY the

conflict escalates uncontrollably, ending in police

intervention, a kidnapping and a blood-soaked

Marius fleeing through the streets of Bucharest.

Time and again, the adults and parents portrayed

here indulge their resentment and wounded pride

at the expense of their children.

From the mid-2010s onward, Radu Jude emancipated

himself more vigorously from the main

thrust of the Romanian New Wave, turning his

attention to the dark and forgotten chapters of

Romanian history, consistently approaching

them using new aesthetic means, with the aim

of exposing a wide variety of power dynamics.

Initially, his focus lies above all on the continuity

of Romanian anti-Semitism: in AFERIM! (2015), he

traces anti-ziganism and anti-Semitism back to the

19th century in striking black-and-white images,

constructing a stylised western that guides the

viewer through a hostile world saturated with prejudice,

hate and stereotypical attributions. AFERIM!

earned Jude a Silver Bear at the 2015 Berlinale. His

approach is entirely different in INIMI CICATRI-

ZATE / SCARRED HEARTS (2016), which – based

on the autobiographical novel of the same name

by Max Blecher – is a variation on Thomas Mann’s

“Magic Mountain” set in Romania of the 1930s.

Staged in exquisitely beautiful tableaus, each akin

to a painting, the film depicts how the dangerous

anti-Semitic undercurrents of the interbellum

period gradually seep into the seemingly isolated

seclusion of a sanatorium on the Black Sea.

Both of Jude’s next two films, ȚARA MOARTĂ / THE

DEAD NATION (2017) and ÎMI ESTE INDIFERENT

DACĂ ÎN ISTORIE VOM INTRA CA BARBARI /

I DO NOT CARE IF WE GO DOWN IN HISTORY

AS BARBARIANS (2018), are situated in this

immediate context as well, as they continue the

examination of Romanian anti-Semitism against

the backdrop of Romania’s entanglements in the

Holocaust, rendered historically evident, as well as

their reverberations in contemporary Romanian

society. In addition, THE DEAD NATION is Radu

Jude’s first outing in the genre of the essayistic

documentary film: exclusively employing original

historical materials, he paints a devastating

picture of Romania in the period from 1937 to 1946,

during which the anti-Semitic/fascist legionnaire

movement made steady gains in popularity,

culminating in Ion Antonescu’s seizure of power

in September 1940 and the first mass murders of

Jews on Romanian soil in 1941. In the film, Radu

Jude’s own voice speaks from off-camera, reading

excerpts from the diary of the Jewish doctor

Emil Dorian. Dorian’s texts allow one to feel the

growing threat of rampant anti-Semitism; these

passages are repeatedly intercut with nationalistic

songs and radio recordings of fascist leaders. On

screen, the viewer is exposed to black-and-white

photographs from the period (shot by the Splendid

photography studio), no more, no less – in what

amounts to an impressive display of the simple

rural population and an equally striking documentation

of the widespread militarisation of the era.

While the diary excerpts allow one to perceive the

sense of increasing desperation, the fascisation of

bodies becomes clear on the visual level. This is

most strikingly captured in a montage sequence

wherein posing girls and boys stand at attention

in front of the camera, right hands outstretched in

the saluto romano, the Roman salute, accompanied

by fascist marching music. The ideology of fascism

encroaches onto the still-innocent bodies of

children as well. The film’s subtitle, “Fragments of

Parallel Lives”, truly could not be more apt.

Radu Jude sticks firmly to this path with I DO NOT

CARE IF WE GO DOWN IN HISTORY AS BARBAR-

IANS. Whereas in THE DEAD NATION he worked

exclusively with historical material for both