ewe-aktuell 2/2020

eineweltengagement
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Magazin des eine-welt-engagement.de:
Interkultureller Freiwilligen Austausch zwischen Sambia und Deutschland
Erfahrungen, Analysen, Meinungen

Jahrgang 23 - Juni 2020

Good-bye Monze

WEITERE THEMEN IN DIESER AUSGABE

Zeitvertreib zu Corona-Zeiten Was macht eigentlich ...?


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Editorial

Inhaltsverzeichnis

Liebe Leser*innen,

Dear Reader,

auch am ewe ist die Corona-Pandemie nicht spurlos

vorübergegangen. Durch eine zwar berechtigte, aber

doch sehr kurzfristige Anordnung von weltwärts

sahen wir uns – hier wie in Sambia - mit der Aufgabe

konfrontiert, unsere Freiwillige

in Windeseile sicher wieder nach

Deutschland zurückzuholen. Auch

wenn uns dies mit vereinten Kräften

geglückt ist, so kam die Rückreise

für Naomie so unerwartet, dass

sie sich von vielen Menschen, die

ihr in Sambia ans Herz gewachsen

sind, nicht einmal mehr persönlich

verabschieden konnte - ein Ende

ihres Aufenthaltes, das wir uns alle

anders gewünscht hätten. Nun setzt

sie ihren Freiwilligendienst hier in

Deutschland fort, in dem sie den

ewe mit ihrer fachlichen Kompetenz

als Kommunikationsdesignerin bei

der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt.

Indessen haben sich unsere sambischen Freiwilligen

beide, ungeachtet der Corona bedingten

Einschränkungen, entschieden, ihren Dienst in

Deutschland zu Ende zu führen. Auch sie werden zum

Ende ihres Jahres in Deutschland sicher ein anderes

Fazit ziehen als ihre Vorgänger*innen.

Der ewe wiederum beobachtet mit Spannung, wie

sich die Pandemie in Sambia entwickelt und welche

Maßnahmen dort getroffen werden. Leider ist die

allgemeine Informations- und Datenlage sehr dünn.

Auch wenn das eigentliche Infektionsgeschehen nicht

so hoch zu sein scheint, ist dennoch zu befürchten, dass

die sambische Wirtschaft sowie die Lebensbedingungen

der Menschen stark beeinträchtigt werden. Zumindest

bis Redaktionsschluss lagen jedoch glücklicherweise

keine Nachrichten über unmittelbar Erkrankte oder

Betroffene aus dem Kreis unserer Partnerschaft und

unseres Austausches vor.

the Corona pandemic left traces with the ewe too.

Although placed upon us by weltwärts with good

cause – but on very short notice -, we and our

partners in Zambia saw ourselves confronted with

the task to bring our volunteer

back to Germany safely and at the

same time as quick as possible.

By combined effort, the mission

could be accomplished. But for

Naomie everything happened in

such a hurry that she could not

say good-bye to everyone that

grew close to her heart over her

time in Zambia – an ending of her

stay we all wished to be different.

Now she continues her voluntary

service in Germany, supporting the

ewe´s communication team with

her expertise as communication

designer.

Meanwhile, regardless all Corona restrictions, our

Zambian volunteers decided to follow through their

voluntary service in Germany. In the end, they as well

will come to different conclusions of their time here

than their predecessors did.

The ewe, in turn, is watching, how the pandemic is

developing in Zambia and what measures are taken.

But unfortunately, the availability of information

and data is sparse. And even though it seems like the

infection does not spread that much, there is a great

concern that the effects on the Zambian economy

and peoples´ living conditions will be grave. At least,

until the editorial deadline there have been no news

about infected or otherwise affected persons from our

partnership and exchange.

2

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Naomie

Eugine

Schon sechs Jahre

vergangen

Wer hat Angst vorm

Schwarzen Mann? –

Niemand!

Editorial

Priscilla

Was macht

eigentlich…?

Kommentar

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Bildnachweis/Proof of Images

Die Fotos in dieser Ausgabe wurden uns

freundlicherweise, wie folgt, zur Verfügung

gestellt/

the photos have been kindly provided by:

Seite/Page 1, 4, 7-8 Naomie Rothkamp,

S./P 10-12 Priscilla Daka,

S./P 13-16 Eugine Himunza,

S./P 18, Sangu Phiri

S./P 21, Chali Evans

S./P 23, Guido Schürenberg

S./P 2 Yoko Kuchiba

Lassen Sie uns/lasst uns zuversichtlich bleiben!

Ihre/Eure Yoko Kuchiba

So, let´s all stay confident!

Yours Yoko Kuchiba


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Früher als gedacht

Earlier than expected

Meine letzten zwei Monate in Monze

Meine letzten Monate in Sambia waren etwas

schwerer als erhofft. Dennoch war auch einiges im

positiven Wandel. Nachdem ich vom Seminar aus

Tansania wiederkam, war ich voller Hoffnung, dass

sich manche Probleme, die ich zuvor hatte, bessern

würden. Das erste halbe Jahr war nun geschafft, ich

hatte mich an so einiges gewöhnen können und hatte

meine Familie sehr ins Herz geschlossen. Meine

Schwierigkeiten lagen eher im Kirchenleben und auf

der Arbeit. Nach der Auszeit auf dem Seminar und

den Schulferien hatte ich mir erhofft, dass sich die

Zusammenarbeit mit der Lehrerin, mit der ich zu tun

hatte, verbessern würde. Leider war dies nicht der

Fall. Es gab keine Aufträge mehr für mich und oft saß

ich stundenlang im Klassenzimmer, machte private

Recherchen und Aufgaben. Das lag zum einen daran,

dass die neue Klasse deutlich weniger Schülerinnen

und Schüler hatte als die Klasse zuvor, und daran, dass

die Lehrerin nun häufiger da war, um sich selbst zu

kümmern.

Zu der Zeit ging es mir emotional nicht so gut, so

dass mir die Situation ziemlich an die Substanz ging.

Was mich aber sehr freute, war, dass eine Bekannte

aus der Kirche nun die Lehrerin der „Baby“-Klasse

war und ich ab und zu ihr gehen und mit ihr reden

konnte. Den besten Kontakt

in der Kirche hatte ich nach

wie vor zu Sister Charleen,

der ich alles anvertrauen

konnte und die mir sehr viel

half. Ich half ihr wiederum

bei kreativen Aufgaben und

Ideensammlungen. Oftmals

saßen wir aber auch zusammen

in ihrem Büro und redeten über

die verschiedenen Kulturen.

Sie erklärte mir viel und zeigte

bzw. brachte mir immer neue

Früchte aus Sambia. Einige

von ihnen schmeckten, andere

wiederum nicht. Einmal

brachte mir Sister Charleen

Litschis aus dem Garten der

Schwestern mit. Das waren die

My last two months in Monze

My last few months in Zambia were a little more

difficult than I had hoped, but there were also some

positive changes. After I came back from the seminar

in Tanzania, I was hopeful that some difficulties that I

had before would improve. Half of the year had gone

by and I had managed to get used to a lot and loved

my family very much. My difficulties were more in

church life and at work. After the seminar break and

the school holidays, I was hoping to improve working

together with the teacher at school. Unfortunately,

this was not the case. There were no more duties left

for me and I often spent hours in the classroom doing

private research and tasks. This was partly, because

the new class had less new students than before and

because the teacher was present more often.

At the time, I wasn‘t feeling well emotionally, so the

situation was pretty hard for me. What I was very

happy about, was that a friend from church was now

the teacher of the baby class, and that I occasionally

could go over and talk to her. At church, I still felt best

connected with Sister Charleen, who I could entrust

everything to and who helped me a lot. I on the other

hand helped her with creative tasks and collecting

ideas. But we often just sat together in her office and

talked about different cultures. She explained a lot

Abschied von der Gastfamilie/ Farewell to the host family

leckersten Früchte – abgesehen von den Mangos, die

ich dort essen durfte. Sehr lecker!

Die Regenzeit hatte zu dieser Zeit schon längst begonnen

und es regnete eine Menge. Die Straßenränder waren

voller Wasser und die Wassermengen flossen runter

in Richtung Stadt. Ich genoss es, wenn es regnete.

Denn, auch wenn es nicht mehr Sommer war, gab

es immer noch sehr heiße Sonnentage. Am liebsten

waren mir die Tage, an denen der Wind kühl und

die Sonne warm war. An solchen Tagen hatte ich ein

Gefühl von Leichtigkeit und meist waren diese Tage

am schönsten. Wenn es so stark regnete, kamen selten

Kinder in die Schule, so dass Sister Charleen uns nach

Hause schickte.

Die Arbeit in der Schule machte mich dennoch traurig.

Ich langweilte mich sehr oft. Und da ich in meiner

Freizeit, bis meine Schwestern von der Schule kamen,

viel allein war, hatte ich zu viel Zeit, um über blöde

Dinge nachzudenken, meine Familie zu vermissen,

mein Zuhause zu vermissen. Das ging leider so weit,

dass ich es nicht mehr aushielt. Es musste sich also

etwas ändern.

Zur selben Zeit kamen schon die ersten Informationen

über den Virus SARS-CoV-2 nach Sambia. Und

dazu kamen noch Meldungen über Ritualmorde im

Norden, die aber auch die Menschen an meinem

Wohnort beunruhigten und die die Gerüchteküche

brodeln ließen. Meine kleinen Schwestern kamen

jeden Tag mit neuen Geschichten nach Hause, eine

gruseliger als die andere. So kehrte jeden Abend erst

wieder Beruhigung ein, wenn auch meine Gasteltern

wieder zuhause waren. Eines Tages dann, als ich zur

Arbeit gehen wollte, stoppte mich mein Gastvater,

da es Aufstände in der Stadt und im uns gegenüber

liegenden Viertel gab. Mehrere Menschen wollten die

Justiz selbst in die Hand nehmen und fingen angeblich

Schuldige ein, um sie für ihre vermeintlichen Straftaten

zur Verantwortung zu ziehen. Polizei und Militär

schritten zwar ein, doch trug ihr rabiates Vorgehen

auch nicht gerade dazu bei, dass ich mich in meiner

Gesamtsituation wohler fühlte.

Insgesamt also zehrten diese Wochen sehr an mir.

Ich war die meiste Zeit allein in Monze unterwegs

to me and showed and brought me new fruits from

Zambia. Some of them tasted good, some didn‘t.

Once Sister Charleen brought lychees from the sisters‘

garden, they were the tastiest fruits I was allowed to

eat there – apart from the mangoes. Delicious!

The rainy season had already started long ago, and it

was raining a lot. The streets were full of water, and

the water flowed down towards the city. I enjoyed it,

when it was raining, because even though summer

had passed, there were still very hot, sunny days. I

preferred the days, when the wind was cool and the

sun was warm. During these days I had a feeling of

lightness, usually these days were the most beautiful

to me. When it rained like this, children rarely came

to school, so Sister Charleen sent us home.

The work at school made me sad, and I was bored very

often. Since I was alone in my spare time, until my

sisters came home from school, I had too much time

to think about stupid things, to miss my family and to

miss home. Unfortunately, this went so far that I felt I

couldn‘t stand it any longer. Something had to change.

At the same time, the first information about Covid-19

came to Zambia. And in addition, there were news

about ritual murders in the North that naturally

worried people in my town too, and the rumor mill

was buzzing. Every day my little sisters came home

with new stories, each one creepier than the other. So,

we would not relax, until my host parents came home.

One day, when I wanted to go to work, my host father

stopped me, because there were riots in the city and in

the opposite quarter of us. Several people wanted to

take justice into their own hands and caught alleged

culprits, in order to hold them to account for their

crimes. Although police and military intervened, this

did not make me feel better in the current situation

because of their ruthless handling of the situation.

So, these weeks tugged a lot on me besides work. I was

alone in Monze most of the time and most of the time

I was dependent on myself, because I was not very

lucky with the young people at church. Eventually, I

decided to talk to Sr. Chrisencia. It was often difficult

for me to go to the youth meetings on Sundays,


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und auf mich selbst angewiesen, da ich nicht so viel

Glück mit den Jugendlichen in der Kirchengemeinde

hatte. Schließlich fasste ich den Entschluss, mit Sister

Chrisencia zu sprechen. Es war oft schwer für mich,

sonntags zu den Jugendlichen hinzugehen, und der

Gedanke, dass ich es musste, machte es noch schwerer.

Ich sprach mit Sister Chrisencia über alles und es

fand sich für alles eine Lösung und verbesserte sich

schlagartig.

Während dieser Zeit habe ich verstanden, wie wichtig

es ist, über seine Gefühle zu reden und sich anderen

Menschen zu öffnen, sich selbst Dinge einzugestehen

und über sich selbst und Schwierigkeiten

hinauszuwachsen. Auch diese Erfahrung zu machen,

gehörte nun mal zu meinem FWD dazu. Es gibt Höhen

und Tiefen im Leben; nicht alles läuft so, wie man es

sich vorstellt, und das ist auch okay so. Denn nur so

können wir aus dem Leben lernen und schöpfen. Und

nur, wenn man mit anderen kommuniziert, können

sich Dinge zum Besseren verändern.

So sprach ich also auch mit dem Pfarrer unserer

Gemeinde und bat ihn um eine neue Aufgabe in

einer anderen Schule; auf diese Idee hatte mich

Sister Charleen gebracht. Nachdem ich mit dem

Priester gesprochen hatte, ging alles recht schnell.

Ich konnte mir eine neue, größere Schule anschauen.

Diese Schule war toll: sie hatte viele Klassenzimmer,

sie war bunt und es gab eine Menge zu tun und zu

lernen. Die Schulleiterin zeigte mir die gesamte

Schule, stellte mich allen Kolleginnen und Kollegen

vor und sie erzählte mir die Entstehungsgeschichte

der Schule. Diese wurde nämlich einst gegründet,

um Waisenkindern Zugang zu Bildung und Essen zu

ermöglichen. Sie entwickelte sich so gut, dass sie sich

auch für alle anderen Kinder öffnete. Heute ist es eine

gemischte Schule, in der die Schülerinnen und Schüler

untereinander und miteinander lernen können. Aber

leider kam es nie dazu, dass ich in dieser Schule

anfangen konnte zu arbeiten.

Abschied nehmen

Das Leben macht einem nämlich manchmal einen

Strich durch die Rechnung. Während die Situation

durch den Virus in Europa schlimmer wurde, war

especially having in mind that I was supposed to go

there. I talked to Sister Chrisencia about all that, and

there was a solution for everything, and the situation

quickly improved.

During that time, I understood how important it is

to talk about your feelings and to open up to other

people, to admit things to yourself and to grow beyond

yourself and the challenges you face. Having this

experience was part of my year as a volunteer. There

are ups and downs in life, not everything works as you

imagine it and that‘s okay. Only this way we can learn

and draw from life. And only when you communicate

with others, things can change for the better.

I also spoke to the parish priest and asked him for an

assignment in another school. Sister Charleen gave me

that idea. After I spoke to the pastor, everything went

very quickly. I was able to have a look at a new, larger

school. The school was great: it had a lot of classrooms,

it was colorful and there was a lot to do and to learn.

The headmistress showed me the whole school and

introduced me to all my colleagues and told me the

story of how the school came about. The school was

originally founded to give orphans access to education

and food. Then, it developed so well that they opened

the school to all other children. Nowadays it is mixed,

and the students can learn from each other and with

each other. Unfortunately, I never got the chance to

start working at this school.

Say Goodbye

But sometimes life makes a mess out of things. While

the virus situation got worse in Europe, there was

hardly anything to be felt in Zambia. I had followed

the news in Germany every day the previous weeks,

but everything felt so far away, and I never thought

that the virus would reach us and take me home. In the

week when I went back to Germany, only one case was

reported and all of Zambia started with prevention in

order to protect people.

The news came unexpectedly and rather by chance. In

our group of different volunteers, the first information

came over, and we exchanged ideas. That made me

ponder, and I asked Ewe about safety. Then everything

in Sambia kaum etwas davon zu spüren. Ich hatte

die Wochen zuvor jeden Tag die Nachrichten aus

Deutschland verfolgt. Dennoch fühlte sich alles so

weit weg an und ich hätte nie gedacht, dass auch uns

der Virus erreichen und mich gewissermaßen nach

Hause holen würde. In der Woche, in der es für mich

zurück nach Deutschland ging, wurde erst ein Fall

gemeldet und ganz Sambia startete mit der Prävention

zum Schutz der Menschen.

Die Nachricht kam unerwartet und eher per Zufall.

In unsere Gruppe von verschiedenen Freiwilligen, mit

denen ich zuvor meine Vorbereitungsseminare hatte,

kamen erste Informationen und wir tauschten uns

aus. Das brachte mich zum Grübeln und ich fragte

beim Ewe nach. Und dann mit einem Mal entwickelte

sich alles sehr schnell. Denn keiner wusste, wie

schnell die Länder ihre Grenzen schließen würden

und wie lange die Fluglinien noch fliegen würden.

So fing ich noch am selben Abend an zu packen.

Abends redete ich dann mit meinen Gasteltern. Es

war eine komische Situation und ich war froh, dass

sie die Nachricht meiner Rückholung schon erhalten

hatten. Wir redeten in der Küche, ich fühlte mich

emotional überfordert und wusste gar nicht so recht,

was ich sagen sollte - meine Gasteltern ebenso wenig.

Der Abend ging vorbei und die letzten Tage lagen vor

mir. Die Stimmung in diesen Tagen war bedeckt und

eher trüb. Trotzdem versuchte ich, das Beste daraus

zu machen und mit meinen Schwestern eine gute Zeit

zu verbringen, aber sie waren genauso traurig. Meine

liebste Schwester Sombo redete kaum mit mir, das

war sehr traurig für mich, da ich die meiste Zeit mit

ihr verbracht hatte.

Die letzten Tage empfand ich als sehr aufregend und

ungewiss, weil ich nicht wusste, ob alles klappen

würde oder nicht. So kam plötzlich eine Nachricht von

der Fluglinie Emirates, mit der ich nach Hause fliegen

sollte: der für mich gebuchte Flug war gestrichen

worden und meine Aufregung wurde größer. Am

Ende klappte aber doch alles und ich bekam einen

neuen Flug für einen Tag danach. Dieser Flug ging

über Simbabwe nach Äthiopien und von da aus nach

Deutschland.

Der letzte Tag war sehr emotional und meine

Abschied von Agnes und Sr Chrisencia/

Farewell to Agnes and Sr Chrisencia

developed very quickly, because nobody knew how

soon the countries would close the borders, and how

long the airlines would fly. I started packing the same

evening. In the evening I talked to my host parents. It

was a strange situation, and I was glad that the message

that I would have to go back to Germany had already

reached my host parents. We talked in the kitchen, I

felt emotionally overwhelmed and didn‘t really know

what to say - nor did my host parents. The evening

went around, and my last days in Zambia were ahead

of me. The mood was muted and rather cloudy. I tried

to make the best of it and had a good time with my

sisters, but they were just as sad. My dearest sister

Sombo hardly talked to me, and this was very sad for

me, because I spent most of the time with her.

Those last few days have been very exciting and

uncertain, and I was so anxious, whether everything

would work out or not. Then I got a message from

Emirates airline: my original flight got cancelled, and

so my excitement grew. In the end everything worked

out, and I got a flight for a day later. It would go via

Zimbabwe to Ethiopia and from there to Germany.

The last day was very emotional and my host family

called our Nana (grandmother) for a visit. My host

mother cooked for all of us, and the mood was not so

sad anymore. This day, all schools had to close, and

all children came home. Everywhere school buses and

school children on their way home were to be seen. My

two other sisters were also supposed to come. I picked

up my sister Angela by car with my brother, and she

was very happy to see me, but she still didn‘t know

about the bad news. We drove to the dam and walked

around there for a while, until we drove home. I could


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Gastfamilie brachte unsere Nana (Oma) zu Besuch.

Meine Gastmutter kochte für uns alle und die

Stimmung war nicht mehr so betrübt. An diesem

letzten Tag mussten auch alle Schulen schließen und

alle Kinder kamen nach Hause. Überall sah man

Schulbusse und Schulkinder auf ihrem Heimweg.

Auch meine zwei anderen Gastschwestern sollten an

diesem Tag kommen. Meine Schwester Angela holte

ich mit meinem Bruder mit dem Auto ab. Sie freute

sich sehr, mich zu sehen, wusste aber noch nichts

von den schlechten Nachrichten. Wir fuhren an den

Damm und liefen dort noch eine Weile herum, bis

wir wieder nach Hause fuhren. So konnte ich Monze

am letzten Tag noch einmal von einer anderen Seite

sehen.

Als ich Angela von der Nachricht erzählte, sah ich, wie

sie ihre Tränen zurückhalten musste. Das brach mir

mein Herz, denn auch sie war eine meiner liebsten

Schwestern.

Meine Schwester Laila kam und kam nicht, wir

warteten und warteten. Sie hätte längst da sein sollen,

aber leider kam es nie dazu, dass wir uns voneinander

verabschieden konnten. Der Abschied von der Familie

war emotional und kurz. Das Schönste war, dass mein

kleinster Bruder, der erst 2 Jahre alt ist, mich zum

Abschied in den Arm nahm und ganz fest drückte.

Das brachte mich zum Lachen.

Nach dem Essen fuhren Agnes und ich los nach

Mazabuka, um dort auf dem Weg Sister Chrisencia

abzuholen. Wir fuhren mehrere Stunden bis nach

Lusaka. Die Fahrt kam mir ewig vor und ich wurde

wieder nervös, ob alles funktionieren würde. Denn

es war zu diesem Zeitpunkt unklar, ob der Flug von

Äthiopien nach Deutschland stattfinden würde. Wir

übernachteten eine Nacht in einem alten Kloster und

am nächsten Tag sollte dann der Flieger gehen.

Der Rückweg nach Deutschland war dann doch

unkompliziert und nicht so schlimm, wie ich befürchtet

hatte. Denn es waren noch viele andere unterwegs nach

Hause. In Äthiopien traf ich auf Judith, mit der ich die

Vorbereitungsseminare gemacht hatte. Das war echt

verrückt, aber es war auch beruhigend, nicht allein am

Flughafen zu sein. Denn der war voller Menschen und

überall war etwas los. Die letzte Flugstrecke war am

Damm in Monze/ Dam in Monze

see a different side of Monze on the last day. When I

told the news to Angela, I could see her holding back

her tears. It broke my heart, because she too was one

of my favorite sisters. My sister Laila wasn’t coming

home, we were waiting and waiting. She should

have been there long ago, but unfortunately it never

happened that we could say goodbye to each other.

The farewell to the family was emotional and short.

The nicest thing was that my little brother, who is only

2 years old, hugged me goodbye and held me tightly.

That made me laugh.

After dinner, Agnes and I went to Mazabuka to pick

up Sister Chrisencia. We drove to Lusaka for several

hours, the ride seemed eternal, and I became nervous

again, if everything was going to work out. Because

at that time, it was unclear, whether the flight from

Ethiopia to Germany was going to take place. We slept

one night in an old monastery, the next day the plane

was to leave.

entspanntesten, denn das Flugzeug war nicht voll. Als

ich in Frankfurt ankam, holte mich mein Bruder ab.

Wir fielen uns in die Arme und ich hatte das Gefühl

von „zu Hause“ wieder im Herzen. Ich ging und kam

mit einem lachenden und weinenden Auge.

Zurück in Deutschland

Es dauerte eine Zeit, bis ich mich hier wieder an einiges

gewöhnen konnte. An manches sogar gar nicht mehr.

Die Zeit hier lief viel schneller als in Sambia und ich

hatte die ersten Wochen das Gefühl, dass mich alles

erdrückt. Und es war sehr kalt - an die Kälte werde ich

mich zum Beispiel nie wieder gewöhnen. Ich vermisse

meine Gastfamilie sehr und denke oft an sie. Ab und

an schreiben wir miteinander.

Zurück in Deutschland habe ich nun genug Distanz,

um über die Zeit in Sambia nachzudenken – über die

guten und harten Zeiten. Das gibt mir genug Raum,

um das Ganze zu reflektieren und zu verstehen.

Ich bin froh, nach Sambia gegangen zu sein - diese

Erfahrungen gemacht zu haben. Es gibt immer

zwei Seiten der Medaille und ich habe beide Seiten

betrachten können. Jetzt geht meine Reise hier in

Deutschland weiter und ich freue mich schon darauf.

Dennoch: es war nicht das erste und letzte Mal, dass ich

nach Sambia gereist bin - ich werde meine Gastfamilie

irgendwann besuchen. Denn jetzt habe ich dort eine

Familie. Rückblickend würde ich sagen, ich habe die

letzten knapp 8 Monate gefühlt bei meiner Tante

und meinem Onkel gelebt. Nun sind auch sie meine

Familie und ich bin ihre.

Naomie Rothkamp

The way back to Germany was uncomplicated and not

as bad as I thought, because there were many others on

their way home. In Ethiopia I met Judith, with whom

I did the preparatory seminars. It was really crazy, but

also reassuring not to be alone at the airport, because

it was very crowded, and there was something going

on everywhere. The last flight was the most relaxed

one, because the plane was not full. When I arrived in

Frankfurt, my brother picked me up. We fell into each

other‘s arms, and I had the feeling of being at home in

my heart again.

Back in Germany

It took me a while to get used to some things here again.

I didn’t manage to get used to everything though. The

time here was running much faster than in Zambia,

and the first few weeks I felt that everything was

crushing me. And it was very cold - I feel like I will

never get used to the cold again. I miss my host family

very much and think about them often. Sometimes we

text.

Back in Germany I have enough distance to think

about the time in Zambia - about the good and the

hard times. That allows me to reflect and understand

the whole thing. I am happy to have gone to Zambia

- to have had this experience. There are always two

sides to the coin, and I was able to look at both sides.

Now my journey continues here in Germany, and I‘m

looking forward to it. However, it was not the first and

last time that I traveled to Zambia. I will visit my host

family sometime. Because now I have a family there,

in retrospect I would say that I have felt living with my

aunt and uncle for the past 8 months. Now they are

my family and I am theirs.

By Naomie Rothkamp


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Einer der besten Momente

One of the best moments

Einer der besten Momente in letzter Zeit war das

Bergfest - weil ich eine schöne Zeit mit meinen

Freunden und Mitgliedern meiner Gastfamilie

verbracht habe. Silja kam schon am Nachmittag

vorher und half uns beim Kochen und allen anderen

Vorbereitungen. Das war wirklich nett von ihr. Wir

hatten viel Spaß und haben viel erzählt über unsere

Familien, die wir in Sambia zurückgelassen haben,

und über unsere verschiedenen Kulturen (Silja ist

Anfang August 2019 aus Sambia zurückgekommen).

Außerdem kochten wir unsere sambischen Gerichte.

Siljas Familie war dann beim Fest auch dabei, um uns

zu unterstützen.

Die Zeit verging und jetzt ist alles anders aufgrund

der Pandemie, die jeden überall betrifft.

Jeder muss für sich Vorsichtsmaßnahmen treffen

und einhalten, und natürlich gilt das auch für

mich. Wenn ich mit dem Bus zur Arbeit fahre und

auch bei Menschenansammlungen, muss ich eine

Gesichtsmaske tragen. Im Krankenhaus muss auch

jeder eine Maske tragen, und zwar die ganze Zeit mit

Ausnahme in den Pausen beim Essen. Und natürlich

muss ich mir die Hände viel öfter waschen und

desinfizieren.

Es gab Zeiten, in denen wir nur wenige Patienten

hatten, so dass meine Kinderstation 2 schloss und ich

auf der Kinderstation 3 gearbeitet habe. Im Grunde

genommen ist das dieselbe Arbeit, nur dass viele

Kinder dort Diabetes haben. Es war also nicht sehr viel

zu tun und manchmal war es ganz schön langweilig

und die Zeit verging nicht.

Die einzigen Momente, wo es lustiger war, waren

immer, wenn kein Elternteil bei den Kindern war,

und ich mich um sie gekümmert habe und mit ihnen

gespielt habe. Das Beste daran ist, dass die Kinder die

Zeit, die wir mit ihnen verbringen, so sehr genießen

und sie sich auch mit einer Bastelei dafür bedanken.

Erst vorige Woche habe ich von einem Kind, mit

dem ich gespielt habe, eine Papierblume und einen

Schmetterling bekommen. Zu sehen, dass meine

wenigen Bemühungen so gut ankommen, hat mir das

Herz sehr gewärmt.

One of the best moments was when I had the Bergfest,

because I got to spend time with friends and some

of my family members. Silja was also there and she

helped us with the food and every other preparation

which was really nice of her. And her family was also

there to support us. We had a lot of fun and talked

about our families back home and our cultures and we

also made dishes that we usually eat back in Zambia.

Time has passed by and everything everywhere is

now different when it comes to how you go by your

day because of the pandemic that is now affecting

each and every person out there. Everyone has to take

precautions and I for one also do the same. When

going to work or when around huge crowds of people

I have to wear a face mask. In the hospital everyone

has to wear a mask as well and you have to wear it

the whole time - only when you take a break to eat

not. And I have to sanitize and wash my hands more

frequently now.

Beim Klaverspiel/ Playing the piano

Karneval/ At the carnival

Normalerweise bleibe ich nach der Arbeit einfach

zuhause und übe Klavier spielen, gucke TV, unterhalte

mich mit meiner Gastfamilie und Freunden oder

mache einfach ein bisschen Pause. Während des

Corona Lockdowns war es allerdings ganz schön

schwierig, Klavierunterricht zu bekommen – ich

musste ihn per Videokonferenz nehmen. Das war

nicht so schlimm, aber direkt von Angesicht zu

Angesicht ist es doch besser. Außerdem hatte ich in

dieser Zeit auch ein paar Zeichnungen anzufertigen.

Einmal sind meine Gastfamilie und ich in einen

Nationalpark gegangen. Und – ich muss gestehen – ich

war ziemlich enttäuscht, dass ich gar keine Tiere zu

Gesicht bekam. Die Natur war schon beeindruckend

und es gab viele alte und schöne Bäume, aber dass ich

gar keine Tiere sah, hat mich schon sehr gewundert.

Jedenfalls haben die Nationalparks in Sambia, was die

Tierwelt anbelangt, mehr zu bieten.

Im Moment wird der Shutdown gerade ein wenig

gelockert. Und das ist gut. Denn die meisten Menschen

kehren zu ihrem Alltag zurück und die Busse sind

wieder normal voll -verglichen zur Zeit der ganz

strengen Beschränkungen.

Gerade jetzt hat auch mein Kunstkurs wieder

begonnen. Nur leider habe ich wegen der Arbeit meist

keine Gelegenheit, ihn zu besuchen. Auf der Arbeit

ist zur Zeit alles gut. Denn wir haben normalerweise

At some point we had very few patients in the hospital

and so my station closed, and I had to work in another

station (Kinder 3 – K3). It is just the same as my station

only that most children on K3 are diabetes children.

We had few children in the station and there wasn‘t

much to do and sometimes it got boring and long with

the time.

The only really fun part is when there‘s a child whose

parents aren‘t around, and so you have to watch over

the child and play with him/her. The best part about

all this is the fact that the children really appreciate the

time we spend with them and they give you something

to say thank you and all. Last week I got a paper flower

and a butterfly from one of the children I played with

and I have to say it really warmed my heart to see that

they appreciate the little efforts I put in.

After work I usually just stay at home and practice

the piano sometimes, watch TV, talk to my family

and friends or just rest a little. During the intense

lockdown it was really hard to have piano lessons and

so I had to have them via video conference. It wasn‘t

so bad but having them in person is better. I also had

some art drawings that I had to do during this time.

There was a time when my host family and I went

to visit a national park, and I can‘t lie I was pretty

disappointed at the fact that I didn‘t see any animals. I

mean the nature was really great and there were a lot

of old beautiful trees, but the fact that I didn‘t see any

animal made me really wonder. I guess the national

parks back in Zambia are much better when it comes

to wildlife.

The lockdown seems to be getting uplifted right now.

This is good, because most people are now getting

back to their daily activities and the buses are now

usually full again compared to when the lockdown

was intense.

Right now my art classes also resumed, but I mostly

don‘t get the chance to attend because of work. Work

is going on just well at the moment, because we don‘t

usually have a lot of children on the station which just

means no stress but sometimes it gets boring.

I am supposed to have my last seminar on the 22nd

of June. But I‘m sure we aren‘t going to be able to -


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Bye bye Deutschland

Bye Bye Germany

unless via video conference. If that will

be possible in accordance with the post

I received from my seminar group. I just

hope for the best and I wish we could

have it normally as it will be the last one

and we will probably never see each other

again.

All in all life under the quarantine hasn‘t

been easy, but I‘m glad that things are

slowly going back to normal.

By Priscilla Daka

Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug; mir kommt

es so vor, als wäre ich erst gestern in Deutschland

angekommen und dabei sind es schon die letzten

Wochen hier. Ich würde sagen, ich hab viel erlebt und

was mir schlimm erschien, ist jetzt ok.

Die ersten Tage und Monate in Deutschland waren

eine echte Umstellung für mich, weil alles neu war: die

Lebensweise, das Wetter, das Essen, die Gebäude und

die gesamte Umgebung. Diese so andere Lebensweise

ist mir anfangs sehr schwer gefallen – auch, dass

Deutsche so viel Brot essen und dann der ganze

Papierkram... Aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt.

Time really moves fast; it seems like yesterday when

I was arriving in Germany and yet here: I am writing

my last report in my last months. I would say the cup

is filled. Time really heals the wound.

It was challenging for me to adjust to the new

environment in the first days or months, because

everything was new: the way of life, weather, foods,

buildings and the surroundings at larger. But I would

say I complained a lot of the different life and changes

compared to Zambia way of life; people eat a lot of

bread in Germany and have a lot of paperwork. But

am used now to the German way of life.

Priscilla mit ihrer Gastfamilie/ Priscilla and her host family

nicht so viele Kinder auf der Station, was wenig Stress

bedeutet, es aber manchmal auch langweilig werden

lässt.

Am 22. Juni soll ich zu meinem letzten Seminar fahren.

Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das so gar nicht

möglich sein wird – außer per Video-Konferenz.

Wenn es der Post, die ich von meiner Seminargruppe

erhalten habe, nach überhaupt möglich sein wird. Ich

hoffe einfach das Beste. Und ich wünschte mir, wir

könnten ganz normal teilnehmen, weil es das letzte

Seminar ist und wir alle uns wahrscheinlich nie mehr

wiedersehen werden.

Meine Arbeit im Kindergarten ist soweit in Ordnung.

Aber ich kann nicht sagen, dass es einfach für mich war,

dort zu arbeiten. Ich habe mir eine Menge Gedanken

gemacht wie: warum habe ich den Kindergarten als

Arbeitsplatz ausgewählt und nicht das Krankenhaus?

warum habe ich an diesem interkulturellen Austausch

teilgenommen, statt einfach nur zuhause zu bleiben?

Dies kam auch immer wieder hoch, wenn es mal

Missverständnisse gab mit den Eltern von Kindern

oder mit Kollegen. Ungeachtet all dieser Probleme,

die ich hatte, haben wir sie mit Hilfe meiner Kollegen

gelöst und meine tägliche Arbeit im Kindergarten ging

weiter und der Kindergarten wurde mit der Zeit auch

ein schöner Arbeitsplatz für mich als Freiwilliger.

Working in the kindergarten has been just okay for me.

But I can‘t say it has been easy for me to work there.

I have had a lot of thoughts like: why did I choose to

work in the kindergarten instead of the hospital? why

did I take part in the intercultural exchange, than

me just staying back at home? I had these thoughts

because of the misunderstanding that have occurred

with some of the parents and sometimes with my

colleagues. Despite all the problems I had, we were

able to solve them with my colleagues, and my life

work in the kindergarten moved on, and as days went

Alles in allem war das Leben zu Shutdown-Zeiten

nicht einfach und ich bin froh, dass nun alles langsam

wieder normal wird.

Priscilla Daka

Ich verbrachte immer viel Zeit mit den Kindern meiner

Gruppe und deshalb war unser Verhältnis gut. Es gab

viele nette Möglichkeiten, etwas zusammen mit den

Kindern zu machen: verschiedene Feste oder Anlässe,

wie z.B. Sankt Martin, Weihnachten und Karneval,

vor allem das letzte hat mir sehr gut gefallen.

übersetzt von Irmela Kuhlen

Geschenk von einem Kind aus dem Krankenhaus/

A gift from a child at the hospital

Zu meiner Gastfamilie möchte ich gerne Folgendes

sagen: ich bin so demütig und dankbar in einer

christlichen Familie zu sein. Ich wurde in dieser

Familie mit offenen Armen empfangen und mein

Herz ist voller Dankbarkeit. Es ist wirklich ein Segen

für mich, in einer so guten Familie zu sein. Mir haben

das Weihnachtsfest und andere Feiern so gut gefallen,

auch mit der Familie zusammen zu arbeiten. Meinem

Gastvater bin ich wirklich sehr dankbar, weil ich so

viel von ihm und den anderen Familienmitgliedern

Beim Spargel stechen/ Eugine harvesting asparagus


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Beim Bergfest/ At the Bergfest

gelernt habe. In meiner Muttersprache Tonga sage ich

ihm „Ndalumba kapati“ = tausend Dank.

Schon als Kind habe ich viel über Karneval als ein

buntes Fest gehört. Und deshalb habe ich mich

sehr gefreut, mit meinem Gastvater und Priscilla

zusammen daran teilnehmen zu können.

Anfang Januar haben wir mit den Vorbereitungen

zum Bergfest begonnen, die Hälfte unseres Jahres

war vorbei. Wir sollten etwas Sambisches kochen

und unsere Kultur repräsentieren. Das hat mich

zunächst in Panik versetzt, weil ich nicht so recht

wusste, was ich zeigen und kochen konnte, aber mit

der Zeit entschied ich mich für einen sambischen

Tanz in unserer Kleidung. Am Bergfest selbst war

ich zuerst ganz schön nervös, aber sobald es losging,

war meine Nervosität komplett weg und alles lief gut.

Am Ende des Festes war ich glücklich, dass alle meine

Präsentation und das Essen gelobt haben.

by it was becoming a nice place to be as a volunteer.

I didn’t have any problems with the children, because I

always spent much time with them, so my relationship

with them was good. I have had very nice opportunities

with the children: that’s having different celebrations

or occasions with them like celebrating Saint Martin,

Christmas and carnival, which I enjoyed very much.

To my host family: I am very humbled and I am

grateful to be in a Christian family. I was welcomed

in the family and my heart is full of gratitude. It‘s

really a blessing to be in good family. I really loved

the Christmas feast, doing family jobs and other

celebrations. Indeed, I am very grateful because I

have learnt a lot from my host father and the family at

large. In Tonga - that’s my mother tongue - I would say

Ndalumba kapati - that’s thank you very much.

Since my childhood, I have been hearing about

carnival celebration as a colorful feast. So, I was glad I

attended it with my host father and Priscilla.

Early January we started preparing for the mountain

party. That‘s because we had stayed in Germany for

half a year. Therefore, we had to come up with what

we would present and food to cook. I panicked a lot,

because I didn’t really know what to present exactly

and the type of food to cook, but as time went on, I

came up with a Zambian dance and an outfit. When

the actual day came, I was really nervous, but as soon

as started to present, my nervousness was long gone,

zu Hause bleiben musste. Nicht

nur der Kindergarten und die

Schulen waren geschlossen, auch

alle öffentlichen Veranstaltungen

wurden verboten, damit sich das

Virus nicht weiter ausbreitet. Es war

eine fast komplette Ausgangssperre.

Das war für mich eine sehr

langweilige Zeit. Ich hatte nichts

zu tun. Deshalb kam der Vorschlag

auf, ob ich im Krankenhaus oder

bei einem Bauern arbeiten kann.

Die Arbeit im Krankenhaus war

für mich nicht möglich, weil allein

die Einarbeitung lange gedauert

hätte und wegen all der anderen

Anforderungen. Die Arbeit bei

einem Landwirt war möglich, da

ein Erntehelfer nur eine Anleitung

braucht. Und so begann ich damit, Spargel zu ernten.

Für mich war das eine tolle Arbeit, weil ich mich nicht

länger langweilte und alle, mit denen ich zusammen

arbeitete, waren mir gegenüber sehr freundlich. Ich

habe das wirklich gerne gemacht.

An Karneval/ At Carnival

Zwei Monate später im Mai wurde der Kindergarten

allmählich wieder geöffnet. Die Verhaltensregeln

wurden gelockert, aber noch nicht alle Kinder durften

den Kindergarten wieder besuchen. Nur Kinder

durften kommen, deren Eltern wichtige Berufe im

Gesundheitswesen haben, bei der Polizei oder in der

and all was well. By the end of day, I was happy that

everyone liked the presentation and the food.

After a few weeks in March, on 19th the kindergarten

was closed due to the outbreak of coronavirus. It was so

unfortunate that I wasn’t working during that period.

I had to stay home, and not only the kindergarten was

closed, but all public occasions and events were also

cancelled to reduce the virus from spreading. It was a

total lockdown.

During the lockdown I was very bored. I had nothing

to do. Therefore, a suggestion arose, whether I should

work in the hospital or with a farmer. Working in

the hospital wasn’t possible, because a lot is required,

and I would have to learn too many new things. But

working on a farm was possible, because no lessons

were required, only instructions.

I started working with a farmer by harvesting

asparagus. It was really nice working, because I was

no longer bored, and everyone who I worked with in

the field was very friendly with me. I really enjoyed it.

Im Kindergarten ging es so weiter bis zum 19. März, an

dem der Kindergarten wegen des Corona Ausbruchs

geschlossen wurde. Ich war ziemlich unglücklich, dass

ich in dieser Zeit nicht mehr zur Arbeit konnte und

Beim Bergfest/ At the Bergfest

An Karneval/ At Carnival

Two months later, that’s in May, the kindergarten was

open again. The lockdown has been eased. But still not

all children were allowed to report to the kindergarten.

Only children with parents who had very important


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Landwirtschaft. Für mich war das so in Ordnung,

ich war glücklich wieder arbeiten zu können, gerade

auch, weil es nur noch zwei Monate sind.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich sehr

dankbar für dieses freiwillige Jahr bin. Es war ein

langer Weg bis hierhin und eine gute Möglichkeit,

weil ich so viele Erfahrungen gemacht habe und

viele Dinge gelernt habe, die mir in Zukunft helfen

werden. Ich glaube auch, dass ich sie in meinen Alltag

einfließen lassen kann.

Noch einmal Daumen hoch für den ewe dafür, dass

ich die Gelegenheit bekam, am Austauschprogramm

ateilzunehmen. Vielen Dank!

Eugine Himunza

übersetzt von Irmela Kuhlen

jobs like for example health workers, the police service

or farmers. But it was okay. I was happy to get back to

work, because I am in my last months.

In conclusion, I am very happy and thankful about

my voluntary year. It has really been a long way and

a very nice opportunity, because I have experienced a

lot and I have learnt a lot of things that will help me

in my future. And I think that I can apply them in my

daily life.

Once more I give a thumbs up: thank you very much

EWE (Eine Welt Engagement) for the opportunity of

me taking part in the exchange program.

By Eugine Himunza

Was macht eigentlich… Sangulukani

Phiri?

Sangu: “Während diesem Gespräch saß ich in meinem

Raupenfahrzeug 777e bei der Arbeit und habe ein

System zur Feuerbekämpfung installiert. Ich habe es

wirklich sehr genossen, nach langer Zeit noch einmal

über meine Erfahrungen mit dem EWE zu reden!“

Wann warst du als Freiwilliger in Deutschland?

Das war 2000 / 2001. Es ist schon sehr lange her.

Was war damals deine Motivation, an diesem

Austauschprogramm teilzunehmen?

Ich war in der achten Klasse, als ich das erste Mal

darüber nachdachte, an dem Programm teilzunehmen,

aber mit dem Wunsch nach interkulturellem

Austausch hatte das noch nicht viel zu tun. Vielmehr

handelten meine Fantasien von Europa, von Menschen

in fliegenden Autos, das hatte ich in Filmen gesehen.

Also wollte ich selbst schauen, was davon stimmte.

Als die Gelegenheit dann kam, sah ich alles als

Herausforderung an und machte einige Sprachkurse.

In Deutschland wurde mir schnell klar, dass die

Menschen dort eigentlich ganz normal waren. Sie

gingen zur Arbeit, hatten ihre kulturellen Eigenheiten,

lachten viel oder wurden wütend, und feierten eine

Menge Partys.

Während der Zeit, in der ich mich versuchte

anzupassen, wollte ich auch all meine Erfahrungen

abspeichern, um sie wieder mit zurück nach Sambia

tragen zu können. Dieser Lernprozess war wundervoll

für mich.

Finding out what our former volunteers

do now: Sangulukani Phiri

Sangu: “This conversation was held while I was sitting

in a Caterpillar 777e Dump Truck at work, installing

the Fogmaker fire suppression system. I really enjoyed

talking about my experiences with the EWE again,

after a long time.”

When have you been in Germany as a volunteer?

I was in Germany in 2000 / 2001. That’s really a long

time ago.

What was your motivation to take part in the

exchange program?

I was in grade 8 when I thought about taking part in

the program, but at that time I never really bothered

about intercultural exchange. I just used to fantasize a

lot about Europe, and my phantasies were influenced

by the films I watched. I thought that maybe in Europe,

people are flying in futuristic cars, so I really wanted

to go and experience it myself.

When the opportunity came, I took it as a challenge

and got involved in language courses. When I then

finally was in Germany, I realized that people are

actually normal here. That they go for work, have their

own culture, they laugh, get upset and even know how

to party.

During the process of adapting I wanted to keep all

my experiences safe so that I could take some things I

learned back to Zambia. This process of learning was

wonderful to me.

Mit Gastschwester und -vater/ With host sister and host father

Wie erinnerst Du die Erfahrung des Nach-Hause-

Kommens nach Sambia?

Nach Hause kommen war sehr emotional für mich.

Meine deutsche Familie (bis heute nenne ich sie

Mama und Papa) versuchte, meinen Aufenthalt noch

zu verlängern, weil ich mich so gut eingelebt hatte und

erfolgreich war in der Schule. Meine Lehrerinnen und

How do you remember the experience of coming

back home?

Coming back home was extremely emotional for me.

The family I stayed with in Germany (up to now I

call them my German Mum and Dad) tried for me to

stay longer in Germany, because I was doing well in

school. My teacher and my friends in Germany were

very supportive. Unfortunately, the plan didn’t work


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Lehrer und meine Freunde haben mich auch immer

unterstützt. Leider ist dieser Plan nicht aufgegangen,

aber in meinem Kopf stellte ich mir oft vor, wie es

wohl wäre, hier zu studieren.

Das Ankommen in Sambia war auch emotional, aber

in einer guten Art und Weise. Das Gefühl, wenn Du

deine Familie wieder siehst, der Geruch von Sambia,

es macht mich einfach nur glücklich.

Und ich war jung und voller Energie und setzte

alles daran, mich in Sambia weiterzuentwickeln. Ein

weiteres Mal musste ich mich wieder anpassen, aber

diesmal an den Ort, an dem ich aufgewachsen war.

Wie würdest Du dein Leben jetzt beschreiben?

Ich lebe in Solwezi, einer Stadt im Nord-Westen

Sambias. Hier arbeite ich in der Nähe der Mienen. Ich

arbeite für eine südafrikanische Firma, Gigi Mining

Services. Hauptsächlich vertreiben wir Wasserpumpen

und Systeme zur Feuerbekämpfung.

Ich bin 100 % verantwortlich für meine Arbeit und

trage eine große Verantwortung, aber all das wäre

nicht möglich ohne meine Kolleginnen und Kollegen.

Sie stehen mir sehr nahe, fast wie eine Familie, und

das bereitet mir Freude bei der Arbeit.

Abgesehen davon ist meine Familie das Wichtigste in

meinem Leben. Seit ich meine Frau Brenda geheiratet

habe, liegt mir nichts näher am Herzen!

Und der EWE hat einen großen Einfluss auf all diese

Entwicklungen gehabt, in mir und in meinem Leben.

Durch den Austausch habe ich gelernt, wie wichtig

internationale Beziehungen sind. Das hilft mir sehr bei

meiner Arbeit. Er hat mich auch gelehrt, wie wichtig

Familie ist, unabhängig von Religion oder Herkunft.

Ein Teil einer deutschen Familie zu sein, bedeutet für

mich die Möglichkeit, zum Lachen und Verrücktsein

zu haben und mich selbst kennenzulernen. Es ist

möglich, zusammen mit sehr vielen verschiedenen

Menschen zu leben.

Sangu Phiri

out, but in my mind I kept on imagining how it would

be to study at a German university.

Arriving back home was also very emotional for me,

but in a good way. This feeling when you see your

family, the smell of Zambia, it just makes you happy, it

was a good feeling.

And I was young and energetic and started to think

about how to continue my life in Zambia. So, again

everything was about adapting, but this time to the

place where you have been growing up.

Can you describe your life now?

I am staying in a town called Solwezi now, it’s in the

north-western part of Zambia. I work around the

mines here. I work for a South African company called

Gigi Mining Services. I promote and do after sales

service for dewatering pumps and fire suppression

systems.

I am 100 % responsible for my business, but all the

work would never have been possible without my

colleagues. The people I work with me are very close to

me, almost like family, and that gives me joy at work.

Apart from that, my family is the most important thing

in my life. From the time I married my wife Brenda, I

have started to treasure family more than ever.

And the EWE has had a huge impact on all these

developments within me and in my life. The exchange

has taught me to open up my mind to international

relationships, which is so important for my work now.

It has also taught me to realize the importance of

Vermisst Du irgendwas aus Deutschland?

Natürlich. Ich mag Dinge, die lange fortbestehen. Das

können lang andauernde Beziehungen zu meiner

Familie und meinen Freunden in Deutschland sein,

aber auch Produkte wie Schuhe und T-Shirts, die ich

auch nach Jahren noch gerne trage.

Außerdem vermisse ich das kalte Bier, das ich

immer nach der Arbeit mit meinen Kolleginnen und

Kollegen in Deutschland getrunken habe. Weißt Du,

jede Region hat ein eigenes Bier, und ich vermisse den

Geschmack des deutschen Biers.

Was würdest Du Dir für die Entwicklung des EWE

wünschen?

Das ist ein wirklich gutes Thema! Ich muss zugeben,

dass ich oft nicht wusste, was im EWE gerade passiert

ist, nachdem der Austausch für mich vorbei war.

Jetzt sehe ich, dass sich immer noch viel tut, und

ich würde gerne wieder ein Teil davon sein. Ich bin

normalerweise sehr beschäftigt, aber ich könnte

organisieren und den EWE moralisch unterstützen.

Besonders jetzt, mit der Covid-19-Situation, bin ich

überzeugt, dass der Austausch weitergehen muss!

Mich würde sehr interessieren, wer die nächsten

Freiwilligen sein werden und wie sie diese intensive

Zeit erleben.

Hast Du einen guten Ratschlag für zukünftige

Freiwillige?

Ja, das ist einfach: Egal ob Deutsche oder Sambier,

macht es einfach!

Geht nicht in irgendein Land und stellt von Anfang

an Bedingungen an euch oder die anderen, sondern

probiert einfach alles mal aus und lernt daraus. Meine

deutsche Familie würde mir sicherlich zustimmen,

dass wir alles zusammen ausprobiert haben und erst

später entschieden, was wir gut fanden und was nicht.

Hauptsache ihr geht los und versucht euch daran!

Euer Sangu

(übersetzt von Jolina Bilstein)

family, regardless of race or religion. Being a part of

the German family, being able to laugh and be crazy

and explore myself, that really showed me that it is

possible to coexist with many different people.

Do you miss anything about Germany?

Yes, of course. I like things that are built to last. That

can be long lasting relationships to my family and

friends in Germany, as well as long lasting products

like shoes or T-shirts that you can wear for years and

years on.

I also really miss the cold beer that I used to have after

work with my friends. You know, every region has its

own beer, and I miss the taste of the German one.

How would you want the EWE to develop in the

near future?

Oh, that’s a good thing to talk about. I have to admit

that I never really knew what was going on in the EWE

after my program had ended. Now I see that things

are happening, and I would love to be committed back

to it. I am usually busy with my work, but I could do

logistics or just support morally what the EWE does.

Especially in this situation with Covid-19 I am

convinced that the exchange has to go on, I want to

know the new volunteers and would love to see that

happening.

Do you have an advice for our future volunteers?

Yeah, that’s very simple: whether German or Zambian,

I say: Just do it.

Don’t go to another country with any conditions but

allow yourself to try everything and learn from it. And

my German family would surely more than agree with

me on that, because all the things we tried together,

they are so precious. And whatever you try, you can

decide later if you like it or not, but go and try first!

Sangu

(Interview by Jolina Bilstein via phone)


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Schon sechs Jahre vergangen

Already six years gone by

Mein Name ist Evans Chali und ich habe 2014

am kulturellen Austauschprogramm des EWE

teilgenommen. Damals war ich 18, frisch aus der

Schule und wusste gar nicht, was die Welt zu bieten

hatte. Deshalb entschied ich mich, nach Deutschland

zu fliegen und dort ein Jahr in einer anderen Kultur

zu verbringen.

Aber in Deutschland fand ich viel mehr als nur

„eine“ Kultur. Schon nach einem Monat war ich in

Aachen verliebt und war von der RWTH Aachen total

begeistert. Ich lernte unglaublich viele unterschiedliche

Leute kennen. Dann fing ich an, in einer Grundschule

zu arbeiten und durch Sprechen mit den Kindern

lernte ich die deutsche Sprache. Meine Gastfamilie

war wie meine echte Familie und sie half mir Deutsch

zu lernen und sie war zum größten Teil meine erste

echte Verbindung zu den Leuten in Deutschland.

Nach dem Jahr bin ich nach Sambia zurückgeflogen,

wollte aber wieder nach Deutschland kommen, um

hier zu studieren. Deshalb hörte ich nach einem Jahr

mit dem Studium an der University of Zambia auf

und fing 2017 in Bochum wieder von vorne an, wo

ich das Studienkolleg besuchte. Nach einem Jahr in

Bochum konnte ich endlich an der RWTH Aachen

Bauingenieurwesen studieren und bin heute im 4.

Semester.

My name is Evans Chali and I took part in the cultural

exchange program done by the EWE in 2014. I was 18

back then, freshly out of high school and I knew not

what the world had to offer. Hence, I decided to fly to

Germany in order to spend a year in another culture.

I found more than just another „culture“ in Germany.

In about a month, I fell in love with the city Aachen

and I was very impressed by the RWTH Aachen

University. I got to know a lot of different kinds of

people. Then I started work at a primary school and

got to learn the language from the children. I lived

with a German family and they helped me learn

the language more. My host family was my first real

connection to the German people.

After my voluntary service year, I flew back to Zambia

but always thought of coming back to

Germany to study. That´s why I decided to end my

studies at the University of Zambia after a year and

started all over again in Bochum back in 2017. In

Bochum I completed my Pre-university Course after

a year and could then finally start studying Civil

Engineering at the RWTH Aachen University. I am

currently in the 4th Semester.

Quite a lot happened between Bochum and Aachen. I

experienced and learnt a lot.

ziemlich normal.

Außerdem habe ich mich entschieden, dem EWE zur

Unterstützung beizutreten, um zu helfen, wo ich kann.

Gerade helfe ich den sambischen Freiwilligen des

EWE in Deutschland, wo immer sie mich brauchen.

Zum Schluss kann ich nur sagen, dass ich mit meiner

Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, sehr

zufrieden bin. Die Welt ist zwar groß, aber sie wird

für mich immer kleiner, je mehr

Kulturen ich kennenlerne. Zwar ist

es schwer, sich in einem ganz neuen

Land einzuleben, aber nur dadurch

können wir die wundervollen

und vielseitigen Menschen, die

unsere EINE WELT hat, wirklich

kennenlernen.

Chali Evans

In conclusion, I can only say that I am quite happy

with my decision to come to Germany. The world

might be a big place, but for me it gets smaller the

more cultures I get to experience. Yes, it is difficult to

work yourself into a new country but only then can we

really get to know the various and wonderful peoples

that our ONE WORLD (EINE WELT) has to offer.

By Chali Evans

Einiges ist aber zwischen Bochum und Aachen

passiert. Ich habe vieles erlebt und gemacht.

Seit 2017 bin ich jetzt in Deutschland und ich musste

lernen, wie man allein wohnt und alles selber regelt.

Einfach war es nicht, aber ganz allein war ich auch

nicht. Durch WhatsApp und viele andere Social

Networks bleibe ich in Kontakt mit der Familie

in Sambia. Ich treffe mich ab und zu mit meiner

Gastfamilie aus meinem Freiwilligenjahr und das

ist schon eine große Hilfe. Außerdem habe ich eine

Gruppe netter Kommilitoninnen und Kommilitonen

an der Uni kennengelernt, mit der ich oft ausgehe

und lerne. Also ist mein Leben in Deutschland trotz

des immer mal wieder aufkommenden Heimwehs

I moved to Germany in 2017 and since then I have had

to learn how to live alone and how to work through

all complications. It wasn‘t easy but I also wasn‘t

completely alone. Through WhatsApp and other social

networks, I am able to stay in contact with my family

in Zambia. I meet my host family from my Voluntary

year often and that´s quite a big help. Apart from

all that, I made some good friends at the university

and we often learn together or go partying together.

Although I miss home often, my life in Germany is

quite normal.

I decided to join the EWE in order to help where I

could. At the moment, I help the Zambian

volunteers in Germany whenever they need me.

Chali Evans


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Wer hat Angst vorm Schwarzen

Mann? – Niemand!

Who is afraid of the black man? –

Nobody!

Dieses Spiel mit zwei gegenüberstehenden

Mannschaften spielten wir Anfang der 1960er Jahre

in den Pausen an unserer Grundschule (damals noch

Volksschule genannt, weil dem nachwachsenden

Volk Bildung beigebracht werden sollte) in meiner

Heimatstadt Essen, Zentrum des Schmelztiegels

(melting pot) Ruhrgebiet, auch Ruhr-Pott genannt.

Der Ruf, der sich anschloss an das furchtlose

„Niemand“ war „Und wenn er kommt?“. Darauf

wurde trotzig zurück geschrien „Soll er doch!!!“, und

die ohnehin schon dichte, mauerartige Menschenkette

wurde noch dichter, wir klammerten uns aneinander,

stemmten uns dem nun unmittelbar folgenden

oder taktisch verzögerten Ansturm des einzelnen

„Schwarzen Mannes“ entgegen, damit er diese

menschliche Mauer nicht durchbrechen konnte.

Was heute als rassistisch vom Schulhof verbannt

würde, war für uns Kinder im Wirtschaftswunderland

Deutschland der frühen 1960er Jahre eine unbewusste

Form des Umgangs unserer Angst vor den Fremden,

den Gastarbeitern aus Südeuropa und der Türkei,

die – fast alles Männer, dunkelhaarig, dunkelbraune

Hautfarbe, unserer Sprache nicht mächtig – uns

unheimlich waren und gegen die (und unsere Angst)

wir eine kollektive Abwehrmauer errichteten.

Dieses nunmehr 50 Jahre alte Spiel ging mir durch

den Kopf während der sog. Flüchtlings-Krise

2015 und jetzt wieder als ich den Protesten und

Solidaritätsbekundungen der #blacklivesmatter

Bewegung folgte und die nahegehenden Zeugnisse

von Alltagsrassismus in Deutschland gesammelt

aus dem Erleben von Schwarzen in Deutschland im

„Brennpunkt Rassismus“ von Carolin Kebekus sah.

Im Spiel, das wahrscheinlich bis in die Zeit der Pest

-des schwarzen Todes- zurückgeht, wird schwarz

mit böse assoziiert und so sind wir schnell in den

einfachen kindlich-kindischen Denkschemata von

gut/böse, hell/dunkel, weiß/schwarz ...

Das scheint auch in unserer global vernetzten,

liberalen Gesellschaft, die sich gerne als christliche

In the beginning 1960s in my hometown Essen – the

center of the melting pot “Ruhrgebiet” (a former

heavy industry area in Germany) – we used to play

a game during break time at elementary school. Back

then elementary schools were called “Volksschule”

(folk´s school), because the upcoming young folk was

supposed to be educated.

The game was called “Who is afraid of the black man?”.

In the beginning one player – the black man – stood

opposite to the group of other children and asked this

question. The fearless shouting of “Nobody!” by the

group was followed by an “And what if he comes?”. This

then was answered with a defiant “Let him try!!!”, and

the already tight, wall-like human chain of children

stuck together even more. We clutched together and

we stemmed against the immediately following or

tactically delayed attack of the solitary “black man”, so

that he could not break through this human wall.

Nowadays this game would be banished from the

schoolyard as being racist. Back then, in times of early

1960s´ German economic miracle, it was – for us

kids - an unconscious form to deal with our fear of the

foreign, the migrant workers from the south of Europe

and Turkey. These migrant workers, who were almost

all men with dark hair and dark skin, not capable of

our language were scary to us and by this we built a

collective defense wall against them (against our fear).

This 50-year-old game came to my mind during the

so-called refugee crisis in 2015 and again recently,

as I was following the protests and expressions of

solidarity of the #blacklivesmatter movement and as

I was watching the striking reports of daily racism

experienced by people of color in Germany – compiled

in the TV show “Brennpunkt Rassismus” by Carolin

Kebekus.

In the game, which probably goes back to the times

of the plague – the black death -, black is associated

with bad and this way we quickly get to immature,

childlike thought patterns of good/bad, bright/dark,

white/black …

Guido Schürenberg

Wertegemeinschaft etikettiert, immer noch oder

zunehmend wieder zu rassistischen Übertragungen

und Hass getrieben Gewalt-Exzessen zu führen,

überall auf der Welt.

Wirklich christlich dagegen wären wir, wenn wir uns

davon leiten lassen würden, dass vor Gott Hautfarbe,

Herkunft, Geschlecht, gesellschaftliche Stellung

irrelevant sind (Paulus an die Kolosser), und wir so

gemeinsam Verantwortung übernähmen für das

gemeinsame Haus –diese von Gott geschenkte Erde-,

um eine Gesellschaft der Gerechtigkeit und Liebe

aufzubauen und zu leben. (Papst Franziskus, Laudato

Si). Der erste Schritt dahin ist der Respekt vor der

Würde der Anderen. – Vielleicht gelingt es uns dann ja

auch unsere Angst zu überwinden und diese Anderen

vorurteilsfrei anzunehmen. Ja, vielleicht gelingt es uns

ja sie zu lieben.

Guido Schürenberg, 9. Juni 2020

It seems like in our globalized and liberal society,

which likes to label itself as a community with

Christian values, this is still leading or maybe even

increasingly leading to a transfer into racism and to

hate driven excesses of violence – all over the world.

However, true Christians should be guided by the

thought that before God color of skin, origin, gender,

social position is irrelevant (Paul to the Colossians),

and that we all together should take over responsibility

for our collective house – the earth given to us by

God – so that we would build and live in a society

of fairness and love (Pope Francis, Laudato Si). The

first step is to respect the dignity of the others. Maybe

then we will succeed in overcoming our own fear and

accept others without prejudice. Yes, and maybe we

even succeed in loving them.

By Guido Schürenberg, June 9th, 2020

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