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Lichtereignisse

Carla Helga Culemann



Carla Helga Culemann


Atelier auf La Palma


Wege zum Licht

Wahrlich lichtvolle Malerei begegnet uns in der Malerei von Carla Helga Culemann.

Eine hell leuchtende Leinwand wird von einer oder zwei Gestalten beherrscht. Vor gelbem

Licht ist die Umgebung blaugrau und fliederfarben. Handelt es sich um eine Begegnung

oder eine abstrakte Lichterscheinung? Was dargestellt wird, bleibt offen, wie so oft in der

Malerei von Carla Helga Culemann. Sicher ist, dass es um Licht geht. Die pure leuchtende

Farbe ist dünn in Lasuren aufgetragen, so dass das einfallende Licht von der weiß

grundierten Leinwand durch die Farbschichten hindurch zurückgeworfen wird.

In einer Serie zu diesem Motiv untersucht sie mit Hilfe minimaler Veränderungen in

Farbauftrag und Formsetzung die Komposition. Ähnlich wie es Piet Mondrian in seiner

Serie „Pier und Ozean“ rund hundert Jahre davor getan hat. Für ihn war es ein spiritueller

Weg in die Abstraktion. Schritt für Schritt wurde das Motiv abstrahiert.

Da Carla Helga Culemann bereits seit Jahrzehnten abstrakt arbeitet, entfaltet sich der

Prozess bei ihr eher umgekehrt. Auch bei ihr scheint es mir ein spiritueller Weg zu sein.

Aus der Abstraktion heraus erscheint eine stilisierte menschliche Figur mit ausgebreiteten

Armen vor blauem Hintergrund. Überstrahlt wird das Ganze von einer gelb leuchtenden

Fläche.


o. t., 2008 , Eitmpera auf Leinwand, 70 x 90 cm


In der sakralen Kunst würde es als Auferstehungsmotiv gedeutet werden. Auch ohne

diesen Kontext bleibt es ein lichtvolles, befreiendes Motiv, das auf Transzendenz und

Spiritualität verweist.

Wie kam es zu diesem Höhepunkt in ihrer Arbeit? Woher kommt das Licht und die

entspannte Atmosphäre? Die meditative, perfekt ausbalancierte Energie?

Während einer schwierigen Phase, 2014 bis 2018, in der sie auf ein eigenes Atelier zugunsten

anderer Prioritäten verzichtet, gerät ihre künstlerische Praxis in Bedrängnis. In dieser Zeit

wechselt sie das Medium und beschäftigt sich mit der Herstellung von Mosaiken. Für die

Arbeit in der freien Natur, direkt aus dem Material, ist kein Atelier notwendig. Auf Terrassen,

Wegen und Wänden entstehen Mosaike ohne vorherigen Entwurf. Die Motive entwickeln

sich zu stilisierten Ornamenten, die man eher im angewandten kunsthandwerklichen Bereich

erwartet. Carla Helga Culemann findet zu einem neuen dekorativen Stil. Klar abgesetzte

Blütenmotive breiten sich aus, durch Ranken verbunden, bedecken sie Boden und Wände. Ihr

geschulter Blick für Farben und Formen verschafft ihr einen schnellen und gekonnten

Zugang zu diesem neuen Medium, das ihr seither, neben der Malerei, zur Verfügung steht.

Eine sicher wichtige Erfahrung, die eine Station ihres abwechslungsreichen Lebens markiert.


o. t., 2008 , Eitempera auf Leinwand, 90 x 70 cm


Doch ihre malerische Energie kann sich in dieser Zeit nicht entfalten. Erst nach vier

Jahren kommt es in einem Schaffensrausch zum Ausbruch. In einer Serie von Bildern, die

unter dem Titel „Glut unter der Asche“ innerhalb von 14 Tagen auf die Leinwand

geworfen werden, wird die aufgestaute Energie in kreative Bahnen gelenkt. Dieser

Ausbruch markiert den Übergang in eine neue Phase. Abstrakte, glühende Rottöne und

tief leuchtende Blautöne strahlen den Betrachtern in einer Ausstellung im Jahr 2018

entgegen. Im Gegensatz zum zweidimensional angelegten Mosaik entstehen in dieser

Zeit Gemälde mit starken plastisch-räumlichen Effekten. Die modellierten Rottöne

drängen nach vorne, während die Blautöne Tiefe geben. Gelb und Orange tauchen als

ergänzende Farben auf, die die Leuchtkraft und den Kontrast verstärken. Carla Helga

Culemann steht wieder ein Atelier zur Verfügung. Sie kann an ihre malerische Praxis von

früher anknüpfen, wodurch einer kontinuierlichen Entwicklung nichts mehr im Weg

steht.

Ist es der Aufenthalt in Taos, New Mexiko, im Jahr 2019, der sie dazu inspiriert, weniger

Energie sondern mehr Licht in ihrer Malerei aufscheinen zu lassen? Sie berichtet, dass

die Wüste mit ihrer Leere und Weite, dazu geführt habe, auf sich selbst zurückgeworfen

zu sein.

„Wenn vom Außen nichts kommt, bleibt nur der Weg in das eigene Innere“.


Ocean drum ø 55 cm


Man könnte durchaus von einer transzendenten Erfahrung sprechen, vielleicht ähnlich wie es

von Agnes Martin und Georgia O'Keeffe berichtet wird. Beide Malerinnen haben lange Zeit in

New Mexiko gelebt und gearbeitet.

Kann es sein, dass durch diesen Aufenthalt ausgelöst, ein sanftes Echo aus der Vergangenheit

ihres Studiums auf anthroposophischer Grundlage ertönt? Dass sich dieses zum wohltuenden

Klang entwickelt und in jüngster Zeit ihre malerische Praxis bereichert?

Helligkeit, Tiefe, Licht, Energie, Spiritualität und Transzendenz sind Qualitäten und Zustände,

die beim Betrachten ihrer Bilder aufscheinen. Schwer fassbar, meist abstrakt und schwebend,

sind die Formen, mehr und mehr transparent im Farbauftrag. Sie fordern den Sehsinn heraus

und verschließen sich einer vorschnellen Interpretation.

„Mit dem Herzen sehen, Zeit verbringen, meditieren, beten“.

Gefühle, Empfindungen stellen sich ein, aus denen Wahrheit, Weitsicht und Erkenntnis

sprechen. Gefühlstiefe, Versenkung und Offenheit fordern diese Bilder, sonst bleibt das Erleben

oberflächlich. Die Bereitschaft der Betrachtenden, sich darauf einzulassen, ist notwendig.

Mögen diese wunderbaren Bilder ihr entsprechendes Publikum finden und ihre heilsamen

Kräfte entfalten.

Alexander Fluhr


2 x o. t., 2016, Mischtechnik auf Leinwand, 70 x 60 cm



Glut unter der Asche, 2018, Mischtechnik auf Leinwand, 80 x 100 cm



Glut unter der Asche, 2018, Mischtechnik auf Leinwand, 80 x 80 cm



Glut unter der Asche, 2018, Mischtechnik auf Leinwand, 80 x 80 cm



New Mexico, 2019, Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm



New Mexico, 2019, Mischtechnik auf Leinwand, 70 x 50 cm



Licht, 2019, Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 50 cm



Licht, 2019, Mischtechnik auf Leinwand, 60 x 70 cm



Licht, 2019, Mischtechnik auf Leinwand, 46 x 65cm



4 x Lichtöffnung, 2020, Mischtechnik auf Leinwand, 20 x 20 cm



Licht, 2020, Mischtechnik auf Leinwand, 45 x 65 cm



Licht, 2020, Mischtechnik auf Leinwand, 60 x 70 cm



4 x o.T., 2020, Mischtechnik auf Leinwand, 40 x 40 cm



o.T., 2020, Mischtechnik auf Leinwand, 40 x 40 cm



2 x o.T., 2020, Mischtechnik auf Leinwand, 40 x 40 cm



Triptychon, 2020, Mischtechnik auf Leinwand, 40 x 120 cm



o.T., 2020, Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm



o.T., 2020, Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm



Mosaikarbeiten im Nordwesten von La Palma



o. t., 2016, Mischtechnik auf Leinwand, 70 x 100 cm


aus der Farbe heraus malen

geheimnisvoll

der Farbe Leben verleihen

Farbe löst Empfindung aus

Empfinden in der Tiefe der Seele



Carla Helga Culemann

1952 geboren in Hannover

Lebt vorwiegend auf La Palma,

Kanaren

Ausstellungen

Berlin, Hannover, München

Österreich

New York

Teneriffa

La Palma, Kanaren



Impressum:

© Carla Helga Culemann

www.artemillia.de

Gestaltung:

Carla Helga Culemann

Fotografie: Carla Helga Culemann

Pia Odorizzi, Wien

Alexandra Luna Vidal, La Palma

Text: Alexander Fluhr

www.zeichnung.org


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