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FOCUS Magazin 21/2022 Vorschau

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AUSGABE 21 21. Mai 2022

EUROPEAN MAGAZINE AWARD WINNER 2022 POLITICS & SOCIETY /// INFOGRAPHIC

GESUNDHEIT

ISS DICH

S C H L AU !

Wie Brain Food

beim Denken

und Lernen

helfen kann

In den

Fängen des

Drachen

Das China-Problem

der deutschen Wirtschaft

NACHHALTIG INVESTIEREN

Was Anleger

jetzt wirklich

wollen


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E-PAPER LESEN:


Seite 4

Seite 6

EDITORIAL

Gibt es eine Moral für Verlierer?

Von Robert Schneider, Chefredakteur

Fo t o s : P e t e r R i g a u d / F O C U S - M a g a z i n , d p a

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der NRW-Wahlabend am vergangenen

Sonntag bot manche Überraschung,

vor allem aber auch irritierende

Momente. Zum Beispiel den

Auftritt des SPD-Generalsekretärs

Kevin Kühnert. Mit der ihm eigenen

freudlosen Mischung aus vorwurfsvoller

Pampigkeit und penetranter

Rechthaberei deutete Kühnert das

historische Wahldebakel seiner Partei

um in einen Wahlerfolg. Denn die

bisherige Koalition aus CDU und

FDP sei abgewählt worden. Und das

Wahlergebnis biete die Möglichkeit,

„einen Regierungswechsel für

Nordrhein-Westfalen herbeizuführen, den

sich viele Menschen gewünscht haben“.

Doch Kühnerts Vorgänger als SPD-

General, der heutige SPD-Chef Lars Klingbeil,

ging noch einen heiklen Schritt weiter.

Er scholt nämlich im SPD-Präsidium Karl

Lauterbach dafür, dass dieser schon kurz

nach Schließung der Wahllokale das Wahlergebnis

als das bezeichnet hatte, was es

war: eine klare Niederlage für die SPD.

Er nannte Lauterbach nicht beim Namen,

aber alle wussten, wer gemeint war. Nun

ist Karl Lauterbach nicht nur Bundesgesundheitsminister,

sondern auch frei gewählter

Abgeordneter des Deutschen Bundestags

und als solcher vor allem dem

deutschen Volk und seinem Gewissen verantwortlich,

keinesfalls aber der SPD-Führung.

Da wäre etwas mehr Respekt – um

einen Lieblingsbegriff des Kanzlers aus

dem Bundestagswahlkampf zu benutzen

– vor dem frei gewählten Abgeordneten

Lauterbach wünschenswert gewesen.

Frappierend – um nicht zu sagen: erschreckend

– ist offenkundig auch das

Kurzzeitgedächtnis von Lars Klingbeil. Am

Abend der Bundestagswahl am 26. September

vergangenen Jahres hatte sich

der Kanzlerkandidat der Union, Armin

Laschet, an Jamaika-Hoffnungen geklammert

wie ein Schiffbrüchiger an die

berühmte Holzplanke. Klingbeil

damals: Wer das historisch

schlechteste Ergebnis seiner Partei

eingefahren habe, solle nicht

Im ZDF-Studio Emily May Büning (Grüne) neben Kevin Kühnert,

der hier das Wahlergebnis sehr eigen interpretiert

regieren wollen. Und der damalige SPD-

Vorsitzende Norbert Walter-Borjans befand,

man könne auch als Zweiter versuchen,

eine Mehrheit zu kriegen, moralisch

richtig sei das aber nicht, wie CDU-Mann

Jens Spahn nach der NRW-Wahl beide

SPD-Politiker genüsslich zitierte.

Die Einlassung von Norbert Walter-Borjans

wirft die Frage nach einer Moral der

Verlierer auf: Gibt es sie über-

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PROMINENT IM HINTERGRUND

Günter Bannas über

den wirkungsvo lsten

Wahlkämpfer der Union

DER HAUPTSTADTBRIEF

EXKLUSIV

FÜR

FOCUS

ABONNENTEN

Herausgegeben von Ulrich Deppendorf und Ursula Münch

Denn ja auch Du

bist hier gemeint

Warum wir einen Neustart der

Generationenbeziehungen brauchen

Von Madeleine Hofmann

Seite 2

21. Mai 2022 | #28

haupt und worin besteht sie? Man

kann sich ja auf den Standpunkt

stellen: In der Demokratie wird derjenige

Regierungschef, der im Parlament

die Mehrheit der Stimmen

auf sich vereinigen kann – egal, wer

nach der Zahl der Wählerstimmen

gewonnen oder verloren hat. Kanzler

Helmut Schmidt und die sozialliberale

Koalition verfuhren so zum Beispiel

1976. Die Union kam mit ihrem

Kandidaten Helmut Kohl damals auf

48,6 (!) Prozent der Stimmen, die

SPD nur auf 42,6 Prozent. CDU und

CSU steigerten ihren Stimmenanteil

um 3,7 Prozent gegenüber Wahl

davor, die SPD verlor 3,2 Prozent.

Schmidt blieb dennoch Kanzler, weil die

FDP als dritte Partei im Bundestag zu ihm

und der SPD stand.

Ich weiß nicht, ob Kühnert und Klingbeil

diese historischen Beispiele vor Augen

hatten am vergangenen Sonntag oder ob

sie schlicht unter Schock standen, wie

der CDU-Mann Jens Spahn hämte. Doch

auf die Wähler, die gerade ihr Urteil über

die SPD im bevölkerungsreichsten

DEBATTENERWEITERUNGEN

Gwendolyn Sasse über

di einseitige Kriegsdebatte

in Deutschland

Mengstraße 4, Lübeck

Bundesland gesprochen hatten,

musste das abstoßend wirken.

Denn ich bin mir sicher, dass die

Bürger ein feines Gespür dafür

haben, wer zu Recht einen Anspruch

auf die Bildung einer neuen

Regierung anmelden kann und

wer diesen Anspruch verwirkt hat.

Und der SPD möchte man zurufen:

Man kann vom Wahlverlierer Moral

nicht nur einfordern, wenn man

selbst gerade der Sieger ist.

Was aber macht im Kern diese Moral

aus? Das ist ein wenig wie im Sport: Wer

verliert, erkennt seine Niederlage an und

gratuliert dem Sieger ehrlichen Herzens.

Das fällt niemandem leicht, aber so wahrt

man die eigene Würde und verschafft sich

Respekt bei den Bürgern.

Herzlich Ihr

Mit dem QR-Code können Sie auf die Abo-Seite gelangen

FOCUS 21/2022 3


Rückt auf

Muss Merz zittern?

NRW-Wahlsieger

Hendrik Wüst und

seine Ambitionen in

der Bundespolitik

Seite 28

Rückschritt

Gesetze, die Abtreibungen

wieder

unter Strafe stellen,

werfen die Frauenrechtsbewegung

in den USA

um Jahrzehnte

zurück

Seite 22

Rückwirkung

Lachs, Zwiebel

und Gewürze –

welche Lebensmittel

gut fürs

Gehirn sind

Seite 68

Rückkehr

Rapper Kendrick

Lamar und

sein neues, gewaltiges

Album

Seite 84

Rückblick

David Kross und

die gemeinen

Absurditäten

der Stasi

Seite 78

Rückansicht Der neue Range Rover zeigt sich runderneuert Seite 108

4 FOCUS 21/2022


Titelthema

INHALT NR. 21 | 21. MAI 2022

Wissen

68 Iss dich schlau!

Unser Gehirn ist unser hungrigstes Organ.

Brain-Food-Forscher erkunden, wie wir es

möglichst clever füttern können

72 Die Spur der Viren

Ist ein Labor in Wuhan Quelle der Pandemie?

Eine Kette von Indizien spricht dafür

Dieser Text

zeigt evtl. Probleme

beim

Text an

Titel: Shutterstock, Getty Images, Composing FOCUS Magazin

Fo t o s : Jelka von Langen, Verónica G. Cárdenas/beide für Focus Magazin, dpa,

Getty Images, Nadine Greeff / Stocksy United

52 Unser China-Problem

Die Lockdowns kosten Wachstum und

Wohlstand – auch in Deutschland

59 Wirtschaftsmacht in Fernost

So abhängig sind unsere Firmen von China

Agenda

22 Die neue Inquisition

Der Oberste Gerichtshof will das Recht auf

Abtreibung aus der US-Verfassung streichen.

In Texas kann man die Folgen sehen

Politik

28 Kann er auch Kanzler?

Hendrik Wüst triumphierte bei der NRW-

Wahl. Will er von dort weiter nach Berlin?

33 Grüne Chance

Warum die Grünen auf Länderebene kein

Industrie-Schreck mehr sind

34 Freie Demokraten im freien Fall

Die liberale Krise nach der Landtagswahl

36 Der Anwalt der Putin-Freunde

Zu Besuch bei einem Berliner Juristen, dem

der Zirkel um Wladimir Putin vertraut

40 Datenstrudel

Musk zögert, Melnyk wird beschenkt und

Weil lernt dazu

42 Das Kalkül am Bosporus

Wie Erdogan jetzt die Nato erpresst

44 Über Blut, Schwedt und Tränen

Was kommt nach dem Embargo?

48 Der eiserne General

Walerij Saluschnyj ist der Architekt des

ukrainischen Widerstands

Wirtschaft

60 Rendite mit gutem Gewissen

Nachhaltiges Investment: was Privatanleger

wirklich wollen – und was sie fürchten

75 Und sie hören doch

Katzen verstehen ihre Namen sehr wohl

3 Editorial

6 Kolumne von

Jan Fleischhauer

9 Nachrichten

10 Fotos der Woche

16 Grafik der Woche

Dividenden

18 Menschen

74 Echt irre

Kultur

78 Der Geschichteerzähler

David Kross ist Spezialist für historische

Figuren. Jetzt spielt er in „Leander Haußmanns

Stasikomödie“ einen naiven Spitzel

82 Verlorene Zeiten

Unsere Empfehlungen der Woche handeln

von Rück-, Augen- und Ausblicken

84 König wider Willen

Kendrick Lamar gilt gegenwärtig als einer

der einflussreichsten Musiker. Auf dem

neuen Album verarbeitet er Lebenskrisen

Leben

96 Wie schmeckt Wein von 1882?

Immer noch frisch und ein bisschen nach

Kaffee: zu Besuch bei einer Spätburgunder-

Weltraritätenprobe im Rheingau

101 Perfekt verpackte Leckereien

Ottolenghi picknickt mit Schottischen Eiern

102 Die Auswanderer

Thilo Mischke schreibt über zwei Influencer,

die auf Bali den deutschen Traum leben

104 Wenn die Katze jagen geht

Real Madrids Angreifer Karim Benzema

erobert sich gerade Legenden-Status

108 Britisches Pfund

Für die Landpartie: der Range Rover P530

Rubriken

83 Mein Salon

88 Bestseller/

Impressum

110 Die Einflussreichen

112 Leserbriefe

113 Nachrufe/

Servicenummern

114 Tagebuch

FÜR

DEINE

MUSKELN.

UND GANZ

NEUE

ZIELE.

DAS ORIGINAL IN DER APOTHEKE

Hochdosiert Schnell Rubriken Vegan

3 Editorial

6 Kolumne von Jan

Fleischhauer

Diasporal ® .

90 Salon

95 Buch & Welt

96 Kultur-Macher

9 Nachrichten

102 Bestseller

Für 8 Fotos dein der Leben Woche in 124 Bewegung.

Die Einflussreichen

16 Grafik der Woche 128 Nachrufe/ Namen

Magnesium-Diasporal® 18 Menschen 400 EXTRA 129 Impressum

direkt, Direktgranulat.

48 Leserbriefe Nahrungsergänzungsmittel 130 Tagebuch bei erhöhtem

66 Geldmarkt

Magnesiumbedarf. Mit Süßungsmittel (Sorbit), ohne

Titelthemen sind rot markiert

Zucker. Titelthemen Magnesium sind rot trägt markiert zu einer normalen Muskelfunktion

und zu einer normalen Funktion des Nerven-

5

FOCUS 21/2022

systems bei. Protina Pharm GmbH, D-85737 Ismaning


WIRTSCHAFT

Tetris in Shanghai

Weil die Lkw-Fahrer im

Lockdown sind, kommt

die Ware nicht zum

Hafen oder von dort

weg. Bis zu 400 Schiffe

warten auf Abfertigung

Fo t o : F i n n / G e t t y I m a g e s

52

FOCUS 21/2022


TITEL

Droht in diesen

Containern

nicht nur unsere

Ware, sondern

auch unser

Wohlstand

festzustecken?

Geschlossene Läden, verstopfte Häfen,

kaum Produktion: China lähmt mit

seinen Lockdowns die Globalisierung.

Das kostet Wachstum – auch bei uns.

So groß ist das China-Problem

der deutschen Wirtschaft

TEXT VON GUDRUN DOMETEIT, FABIAN KRETSCHMER,

LUKAS MÜLLER, CARLA NEUHAUS,

PETER STEINKIRCHNER UND SUSANNE STEPHAN

FOCUS 21/2022

53


WIRTSCHAFT

35 300

Milliarden Dollar

sind nachhaltige Investments

in den USA, Europa, Japan,

Kanada und Australien

(Zahlen von 2020)

Erst das Wissen, dann der Wandel

Der ökologische Umbau der Wirtschaft wird nur gelingen,

wenn auch private Geldgeber mitziehen. Was aber erwarten Anleger

wirklich von einer grünen Investition? In einer Umfrage beleuchtet die Firma

Union Investment jetzt die „nachhaltige Seele“ der deutschen

Anleger – ihr großes Interesse und ihre großen Ängste

TEXT VON ULI DÖNCH

60

FOCUS 21/2022


FINANZEN

8

Prozent

der weltweiten CO 2 -Emissionen

verursacht die Stahlindustrie.

Keine andere Branche produziert

so viel Treibhausgase

Fo t o : R o b i n U t r e c h t /d p a

Zu neuen Ufern

Windrad vor der Kulisse

des Stahlwerks

Tata Steel an der niederländischen

Küste bei

Wijk aan Zee

FOCUS 21/2022

61


LEBEN

Die Tester der Tafelrunde

Ein Weintasting wie dieses wird es nie wieder geben: 100 Spätburgunder

vom berühmten Assmannshäuser Höllenberg aus zwölf Jahrzehnten. An zwei Tagen.

Der älteste Wein ist 140 Jahre alt. Schmeckt der? Und warum macht man das?

Zu Besuch bei einer Weltraritätenprobe

Testerin

FOCUS-Redakteurin

Barbara Jung-Arntz

vor den ersten neun

Gläsern. Weitere

91 werden folgen

TEXT VON BARBARA JUNG-ARNTZ FOTOS VON ARNE LANDWEHR

Gastgeber

Der Wiesbadener

Verleger und Weinexperte

Ralf Frenzel hatte zur

Raritätenprobe geladen

96

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