14.06.2022 Views

Old Master Paintings – Part 1

Create successful ePaper yourself

Turn your PDF publications into a flip-book with our unique Google optimized e-Paper software.

ONE OF THE LEADING

AUCTION HOUSES

IN EUROPE

CATALOGUE II

OLD MASTER PAINTINGS PART 1

Auctions: Thursday, 30 June 2022

Exhibition: Saturday, 25 June Tuesday, 28 June 2022


OLD MASTER

PAINTINGS

PART I


262

DENYS CALVAERT,

GENANNT „DIONISIO FIAMMINGO“,

1540 ANTWERPEN 1619 BOLOGNA

Zunächst war Denys Calvaert, der in Antwerpen geboren

wurde, Landschaftsmaler und wurde dann in

Bologna u.a. bei Antonio da Correggio (1489-1534)

und Tibaldi da Bologona (1527-1596) als Figurenmaler

ausgebildet. Neben großformatigen Werken waren

schon seinerzeit vor allem die auf Kupfer gemalten

Bilder besonders erfolgreich.

ANBETUNG DER KÖNIGE

Öl auf Kupfer.

57 x 41,4 cm.

In vergoldetem profiliertem Holzrahmen.

Beigegeben ein Gutachten von Andrea Donati, Rimini,

2. Februar 2015, in Kopie.

Wenngleich Calvaert zunächst in Antwerpen unter

Christian van den Queborn lernte, dann in Bologna jedoch

unter Prospero Fontana und Lorenzo Sabbatini,

deren kompositionelle Auffassung in seinem Werk

nachklingt. So atmet auch das hier angebotene beeindruckende

Gemälde den Geist Bolognas, besonders

auch in Hinblick auf die über den Köpfen der dicht aneinander

dargestellten Figuren angeht.

DENYS CALVAERT,

ALSO KNOWN AS “DIONISIO FIAMMINGO”,

1540 ANTWERP 1619 BOLOGNA

THE ADORATION OF THE MAGI

Oil on copper.

57 x 41.4 cm.

Accompanied by a copy of an expert’s report by

Andrea Donati, Rimini, 2 February 2015.

Notes:

Fondazione Zeri lists a comparable painting by Calvaert

showing the “Adoration of the Magi”, however, in

a larger format and painted on canvas instead (no.

38612).

€ 60.000 - € 80.000

Sistrix

INFO | BID

Anmerkung:

In der Fondazione Zeri ist ein vergleichbares ein Gemälde

von Calvaert verzeichnet, das die „Anbetung

der Hirten“ zeigt, jedoch größer und auf Leinwand

(Nr. 38612). Weitere vergleichbare Gemälde sind

die „Krönung Mariae“ in der Kirche San Domenico

in Bologna; „Der Heilige Michael und der Heilige

Raphael“ in der Kirche von San Martino in Bologna;

eine „Immaculata Conception“ in der Kirche San.

Antonio Abbate, Bologna. (1320841) (13)

14 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


263

POLIDORO DA CARAVAGGIO,

UM 1497 CARAVAGGIO UM 1543 MESSINA

(WEITERE ABB. FOLGENDE SEITEN)

Der Maler ist bereits in den Künstlerviten des Vasari

genannt. Demnach kam er 18-jährig nach Rom, wo er

wahrscheinlich in der Werkstatt von Giulio und Giovanni

da Udine lernen konnte. Schon zu seiner Zeit

wurde er durch seine Malereien an Gebäudefassaden

in der monochromen Sgraffito-Technik gerühmt. Die

Thematik seiner Werke greift fast ausschließlich in die

Mythologie der Antike. Verblüfft hatte er seine Zeitgenossen

mit seiner damals völlig neuen Chiaroscuro-

Malerei. Auch die Tatsache, dass er als Erster in Italien

Heiligenfiguren als winzige Gestalten in die Landschaften

setzte, lediglich als Staffagefiguren. Die Pestepidemie

und der Sacco di Roma veranlassten den

Maler 1527 nach Neapel zu ziehen, um dann 1530 in

Messina Aufträge des spanischen Konsuls anzunehmen,

Werke die jedoch dem Erdbeben 1908 zum Opfer

fielen. Die letzte Nachricht über seine Tätigkeit ist der

Auftrag der Stadt Messina, den Sieg Kaiser Karls V

auf ein hölzernes Triumphtor zu malen. 1543 starb der

Maler eines gewaltsamen Todes. Quellen nennen

seinen Schüler Tonno Calabrese als den Täter, der angeblich

an sein Geld kommen wollte. Neben Deodato

Guinaccia waren Antonio Catalano, Stefano Giordano,

Jacopo Vigneri und Mariano Riccio seine letzten

Schüler in Messina. Werke seiner Hand finden sich in

zahlreichen bedeutenden öffentlichen Sammlungen

und Museen, wie der National Gallery London, der

Royal Collection Windsor, dem Nationalmuseum

Capodimonte Napoli oder dem Metropolitan Musem

of Art, N.Y.

Gemäldepaar

RÖMISCHER TRIUMPHZUG

sowie

BACCHANAL

Jeweils Öl auf Leinwand. Doubliert.

Je 34 x 100 cm.

Die beiden Gemälde in extremem Längsformat, in Entsprechung

antiker bzw. Renaissance-Friesmale reien

oder -Reliefs. Möglicherweise wurden sie als Supraporten

oder für Kabinettfelderungen geschaffen. Die

Farbigkeit in beige-bräunlichem Camaieu lässt die

Figuren im Sinne eines Steinreliefs erscheinen, jedoch

mit völlig dunklem Hintergrund, vor dem sie sich

betont abheben. Im erstgenannten Bild zieht ein römischer

Triumphzug nach links. Die Hauptfigur, ein

Feldherr oder Imperator, sitzt mit erhobenem Feldherrnstab

und einer Siegespalme in der Linken auf

einer Biga, von zwei Pferden gezogen. Er hält den

Kopf zurückgewandt und blickt auf den behelmten

Träger einer Legionsstandarte, dem zwei Krieger folgen.

Dazwischen ein Mann mit Helm, der den Rotulus mit

der Aufschrift „SPQR“ hochhält. Kannen und Amphoren

tragende Frauen sowie ein Musiker mit Doppelaulos

und Lorbeerkranz begleiten den Zug. Die Gefangenen,

zwei davon in langen Philosophenmänteln, ziehen

voraus, die Köpfe gesenkt. Am linken Bild rand ein geharnischter

weiterer Standartenträger zwischen einem

Jüngling mit erhobener Beuterüstung sowie einem

weiteren, der mit geschultertem Beil einen jungen

Stier führt, der zum Tempel als Opfertier geführt wird.

Im Gegenstück wird das wilde Treiben eines antiken

Bacchanals präsentiert. Die Ausführung in entsprechender

Farbigkeit. Auch hier findet sich die Hauptfigur

rechts im Bild, ein beleibter Bacchus mit Weinschale

schwankend auf einem Esel reitend, gestützt

von einem Satyr und einem Knäblein, der sein Bein

sichert. Davor ein Ziegenbock, Symbol der Trunkenheit.

In die rechte untere Ecke hat der Maler eine junge

Frau eingefügt, darüber ein Hornbläser. Die linke

Bildseite ist durch eine Herme betont, die mit einem

Kranz geschmückt wird. Die gesamte Mittelzone wird

von musizierenden Jünglingen und Mänaden im Tanzschritt

belebt, mit Triangel, Serpenthorn, Doppelauloi,

Becken oder Tyrsosstab. Der bocksbeinige Pan mit

Panflöte.

Die Darstellungen evozieren den Eindruck eines

Hoch relief-Plastikfrieses, dies besonders durch die

Beleuchtung von links, mit entsprechenden Schattenbildungen

und dunkler gehaltenen Figuren im Hintergrund.

A. R.

Literatur:

Die beiden Gemälde sind besprochen und abgebildet

in: Maurizio Marini (Hrsg.), Polidoro Caldara da Caravaggio.

L‘Invidia e la fortuna, Venedig 2005. (1281111)

(11)

POLIDORO DA CARAVAGGIO,

CA. 1497 CARAVAGGIO CA. 1543 MESSINA

(FURTHER ILL. FOLLOWING PAGES)

Works by his hand are held in numerous important

public collections and museums, such as the National

Gallery London, the Royal Collection Windsor, the

National Museum Capodimonte Napoli or the Metropolitan

Museum of Art, N.Y.

A pair of paintings

ROMAN TRIUMPHAL PROCESSION

and

BACCHANAL

Each oil on canvas. Relined.

34 x 100 cm each.

The two paintings are painted in an extreme landscape

format in line with antique or Renaissance

frieze paintings or reliefs. They may have been created

as overdoor paintings or as cabinet landscaping.

The colouration in brownish-beige Camaieu makes

the figures look like stone reliefs standing out against

a completely dark background.

Literature:

Both paintings are illustrated and discussed in:

Maurizio Marini (ed.), Polidoro Caldara da Caravaggio.

L’invidia e la fortuna, Venice 2005.

€ 30.000 - € 50.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

17


264

GIULIO CESARE PROCACCINI,

1574 BOLOGNA 1625 MAILAND

Der Maler war Sohn des ebenfalls im Stil des Manierismus

arbeitenden Ercole Procaccini d. Ä. (1515-

1595) und Bruder des Camillo Procaccini (1561-1629)

sowie des Carlantonio Procaccini (um 1555-um 1605).

Sein Stil zeigt sowohl den Manierismus Bolognas als

auch den Kolorismus der Venezianischen Schule am

Beginn der Barock-Epoche.

MARIA MIT DEM KINDE UND JOHANNES

Öl auf Holz.

50 x 39 cm.

Ungerahmt.

GIULIO CESARE PROCACCINI,

1574 BOLOGNA 1625 MILAN

THE VIRGIN AND CHRIST CHILD AND SAINT JOHN

Oil on panel.

50 x 39 cm.

Accompanied by a copy of an expert’s report by Emilio

Negro, Bologna, n.d.

€ 17.000 - € 20.000

Sistrix

INFO | BID

Beigegeben eine Expertise von Emilio Negro, Bologna,

ohne Datum, in Kopie.

Zunächst als Bildhauer ausgebildet, ist es nicht verwunderlich,

dass Procaccini dazu neigte, seine Gemälde, von

einem Horror Vacui ergriffen, weitestgehend mit den

dargestellten Figuren auszufüllen. Nicht nur in diesem

hier vorliegenden Gemälde, dessen guter Zustand

von Emilio Negro hervorgehoben wird, ist dies

der Fall, sondern auch bei Gemälden seiner Hand in

öffentlichen Sammlungen: Besonders bei der „Madonna

mit dem Kinde und den Heiligen“ im Metropolitan

Museum of Art in New York, aber auch bei einem

Gemälde in der Eremitage in St. Petersburg, das die

Heilige Familie mit Johannes dem Täufer und einem

Engel zeigt, ist diese Neigung deutlich spürbar.

(1301511) (13)

20 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


265

JUSEPE DE RIBERA,

GENANNT „LO SPAGNOLETTO“,

1588/91 XÀTIVA/ VALENCIA 1652 NEAPEL

Bevor Ribera nach Neapel ging, studierte er bei Francisco

Ribalta (1565-1628) in Valencia. In Rom setzte er

sich mit den Werken Raffaelo Santis (1483-1520) und

Agostino (1557-1602) und Annibale Carraccis (1560-

1609) auseinander, in Parma und Modena mit denen

von Antonio Allegri Correggio (um 1489-1534). Später

stand er stark unter dem Einfluss von Michelangelo

Merisi il Caravaggio (1570/71-1610). Die Qualität seiner

Bilder erhoben ihn zum Hofmaler des Herzogs

von Osuna sowie des Königs von Neapel. Im Jahr

1644 wurde er durch den Papst zum Ritter des Christusordens

geschlagen. 1630 war er bereits Mitglied

der Accademia di San Luca in Rom. Neben Caravaggio

ist er der bedeutendste Naturalist der Neapolitanischen

Malerei mit Betonung des Chiaroscuro. Ein

Hauptmerkmal seines Wirkens ist die bewusste Wahl

der Darstellung von meist alten, asketisch knochigschlanken

Gestalten wie Einsiedlern oder Philosophen.

APOSTEL ODER EVANGELIST

Öl auf Leinwand.

50 x 49 cm.

Ungerahmt.

Dem Gemälde ist eine ausführliche Expertise von

Nicola Spinosa, Napoli, 12. Mai 2022 beigegeben.

Das Gemälde wird im kommenden Jahr aufgenommen

in der Monographie: Nicola Spinosa, Aniello Falcone e

i pittori influenzati da Ribera e attivi a Napoli.

Spinosa weist in seiner Expertise eine Reihe von Vergleichsbildern

auf, die dem hier vorliegenden Bildnis

nahestehen. So etwa „Hl. Petrus als Büßer“, „Mathäus

und der Engel“ oder der „Hl. Andreas im Gebet“.

Was die Datierung des vorliegenden Werkes betrifft,

so verweist Spinosa auf die Schwierigkeit der Feststellung,

ob es noch zu den letzten Monaten von Riberas

Aufenthalt in Rom (1614/15- bis 1615) gehört,

oder in den Beginn seines letzten Aufenthaltes in Neapel

von 1616-1618 zu setzen ist, als Ribera in der

Stiftskirche in Osuna malte.

Letztendlich scheint dem Experten eine Datierung

zwischen 1615 und 1616 als überzeugend.

Damit zählt das vorliegende Werk zu den wenigen

erhaltenen dieser von Spinosa genannten Schaffungsperiode.

Das bisher unveröffentlichte Gemälde kann hier als

eine sensationelle Neuentdeckung für das Werk des

bedeutenden Malers Ribera vorgestellt werden. Dementsprechende

gut dokumentierte, jüngste Forschungsergebnisse

des zuständigen Experten Nicola Spinosa

belegen die Autorschaft des Künstlers (s. u).

Es liegt uns hier ein Gemälde vor, das den Kopf eines

kräftigen bärtigen Mannes in brauner Kutte zeigt. Das

Haupt kahl, dem Betrachter nahe, schräg nach rechts

ins Bild gesetzt. Nachdenklich blickt er von seinem

offenen Buch auf. Von der Hand, die das Buch hält, ist

am unteren Bildrand ein Finger zu sehen. Mit den geöffneten

Seiten, die eine Abbildung erkennen lassen,

fügt sich das Buch mit hochgeschlagener Seite kompositionell

überlegt in die rechte untere Ecke ein. Das

Bildnis zeigt die meisterliche Handschrift des genannten

Malers, mit allen Aspekten, die seine malerische

Charakteristik ausweisen, wie die bräunlich-goldene

Farbgebung, die Lichtreflexe, bis hin zur überzeugenden

psychologischen Erfassung,

Die Identifizierung des Dargestellten stößt an Grenzen,

da eindeutige Attribute fehlen und man auf Ähnlichkeiten

mit weiteren Bildnissen von Heiligen, Aposteln

oder Evangelisten im Werk Riberas zurückgreifen

muss. Das Buch mag vornehmlich an einen Evangelisten

denken, etwa Matthäus oder Markus, die ebenfalls

in vorgeschrittenem Alter und kahlköpfig gezeigt

wurden. Möglicherweise haben wir es hier mit einem

Gemälde der kastilianisch genannten Serie der „Apostolado“

zu tun, die Ribera in seiner langen Karriere

zu verschiedenen Zeiten schuf. Erstmals zwischen

1609 und 1610 zu Beginn seines Aufenthaltes in Rom

(Spinosa 2008, S. 303 f.). Eine zweite Serie entstand

im Auftrag von Pedro Cosida von Saragossa, den Vertreter

des spanischen Königs beim Papst. Vier Bilder

dieser Serie finden sich in der Fondazione Roberto

Longhi in Florenz. Weitere Serien entstanden bis in

die späten 1630er Jahre.

Wie durchdacht die Komposition insgesamt ist, zeigt

die Beobachtung, dass der Lichteinfall von links oben

in einer nach rechts unten führenden Diagonale - über

Kopf, Nase und Bart hinweg - auf die Buchseite weist.

Als Gegen-Diagonale sind die Mantelfalte und die

Schrägstellung des Buches zu sehen.

Dies und der malerische Duktus liegen Riberas „Hieronymus“-Themen

nahe, auch, weil hier wie dort erkennbar

wird, wie Ribera in den Armenvierteln Roms

seine Charaktermotive suchte. Nahezu identisch zeigt

sich ein Petrus-Bildnis, Teil der erhaltenen Serie in den

„Girolamini“, die sich in Neapel befinden. A.R.

Literatur:

Nicola Spinosa und A.E. Perez Sánchez, Jusepe

de Ribera 1591-1652, Ausstellungskatalog; Napoli

Madrid New York 1992.

G. Papi, Ribera a Roma. Soncono/Cremoa, 2007.

J. Milicua und J. Portús (a cura) Il giovane Ribera tra

Roma, Parma e Napoli, Ausstellungskatalog, Madrid

Napoli 2010-2011. (1321691) (11)

JUSEPE DE RIBERA,

ALSO KNOWN AS “LO SPAGNOLETTO”,

1588/91 XÀTIVA/ VALENCIA 1652 NAPLES

APOSTLE OR EVANGELIST

Oil on canvas.

50 x 49 cm.

Accompanied by a detailed expert’s report by Nicola

Spinosa, Napoli, 12 May 2022. Next year, the painting

will be included in the forthcoming monograph:

Nicola Spinosa, Aniello Falcone e i pittori influenzati

da Ribera e attivi a Napoli.

In his expert’s report, Spinosa points to a series of

comparable paintings very similar to the present portrait

such as “The Penitent Saint Peter Matthew and

the Angel” or “Saint Andrew in Prayer”. With regards

to dating the present work, Spinosa finds it difficult to

determining whether the painting was created in the

last months of Ribera’s stay in Rome (1614/15- to

1615) or at the beginning of his last stay in Naples in

1616-1618 when Ribera was painting in the collegiate

church in Osuna.

Ultimately, a dating between 1615 and 1616 seems

convincing to the expert.

This makes the present work one of the few surviving

works from this creative period.

The previously unpublished painting can thus be

presented as a sensational new discovery for the

work of the important painter Ribera. It is accordingly

well-documented and recent research results of the

responsible expert Nicola Spinosa prove the authorship

of the artist (see below).

The present painting shows the head of a strong,

bearded man in a brown robe. The bald head, close to

the viewer, is placed diagonally to the right in the picture.

He looks up thoughtfully from his open book.

One finger of the hand holding the book can be seen

at the bottom of the painting. In a considered composition

the open pages reveal an illustration and the

book with the page turned up fits into the lower right

corner. The portrait shows Ribera’s mastery and typical

painterly characteristics such as the brownishgolden

colouration, the light reflections, and the convincing

psychological assessment.

It is difficult to identify the depicted, since there are

no clear attributes, so one must revert to similarities

with other portraits of saints, apostles, or evangelists

in Ribera’s œuvre. The book suggests an evangelist,

such as Matthew or Mark, who are usually also depicted

as advanced in age and bald. It is possible that

we are dealing here with a painting from the Castilian

series called “Apostolado”, which Ribera painted at

various times during his long career. For the first time

between 1609 and 1610 at the beginning of his stay

in Rome (Spinosa 2008, p. 303 f.). A second series

was commissioned by Pedro Cosida of Zaragoza, the

Spanish king’s representative to the Pope. Four pictures

from this series are held at the Fondazione Roberto

Longhi in Florence. Other series continued into

the late 1630s.

The painting’s sophistication is obvious when following

the direction of light pointing from the top left in a

diagonal direction to the bottom right across the

head, nose, and beard towards the book page. The

fold of the cloak and the slanting position of the book

create a counter-diagonal. This and the painting style

are close to Ribera’s Hieronymus subjects, as it is

clear in both cases how Ribera drew from character

motifs in the slums of Rome. A portrait of Saint Peter,

part of the surviving series in the “Girolamini” in

Naples, is almost identical.

Literature:

Nicola Spinosa and A.E. Perez Sánchez, Jusepe de

Ribera 1591 - 1652, exhibition catalogue; Napoli/

Madrid/ New York 1992.

G. Papi, Ribera a Roma, Soncono/Cremona 2007.

J. Milicua and J. Portús (ed.), Il giovane Ribera tra

Roma, Parma e Napoli, exhibition catalogue, Madrid/

Napoli 2010-2011.

€ 100.000 - € 120.000

Sistrix

INFO | BID

22 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


266

RHEINISCHER MEISTER DES 15. JAHRHUNDERTS

STIFTERTAFEL MIT MADONNA UND HEILIGEN

Öl auf Eichenholz, verso zwei Festigungsklötze.

60 x 52 cm.

Rheinisch, zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Ungerahmt.

Die nahezu quadratische Bildtafel war ehemals wohl

Mittelbild eines Haus- oder Kapellenaltars. Maria mit

dem Kind ist im Zentrum zwischen seitlich je zwei

Heiligen gezeigt. Vor einem roten Brokat-Baldachintuch

ist sie stehend wiedergegeben. Das Kind in ihren Armen

hält eine Rosenkranzkette und blickt auf den

links unten knienden Stifter. Die Heiligenfiguren im

Sinne einer Sacra conversazione nahezu gleichrangig

nebeneinandergestellt. Links der Heilige Joseph mit

seinem Attribut, einem Winkel, das seinen Zimmermannsberuf

andeutet, gefolgt von Katharina, hier mit

Krone, in goldfarbenem Brokatkleid und Hermelin und

mit einem goldenen Ring zwischen den Fingern, Attribut

der Heiligen, gleichzeitig ein deutlicher Hinweis

darauf, dass sie als Namenspatronin der Gattin des

Stifters gemeint ist, dementsprechend auch in der

Vertikale zu diesem positioniert. Rechts steht Barbara

mit dem Turm, sowie Johannes Evangelist, hier in rotem

Mantel und mit dem Schlangen-Kelch.

Am Boden das Familienwappen. Die Wahl der Heiligenfiguren

stehen üblicherweise in Bezug zu den Taufnamen

der Stifterfamilie. So ist Josef als Taufpatron

des Stifters zu sehen, auf den er auch mit dem Finger

weist. Bei der Wiedergabe der Gesichter handelt es

sich daher auch um Portraits der Familie. Der Stifter

selbst trägt einen weißen Mantel, was auf seine Zugehörigkeit

zu einer Kongregation hinweist. Die gotischen

Minuskeln der Aufschrift: „O fili(us) dei miserere

mei“ (O Sohn Gottes erbarme Dich meiner) nennen

sein Gebet.

Die Gesichter sind weich modelliert, das Inkarnat zartfarbig.

Der helle Gesamtton des Gemäldes lässt sich

in der Stilphase der Kölner Schule während des sogenannten

Weichen Stils beobachten. Die ebenfalls weiche

Hügellandschaft im Hintergrund zeigt vor allem in

der Wiedergabe der Bäume italienischen Einfluss.

A.R. (1321463) (11)

RHENISH SCHOOL, 15TH CENTURY

DONOR PANEL WITH MADONNA AND SAINTS

Oil on oak panel, two parquetting slats on the back.

60 x 52 cm.

Rhenish, second half of the 15th century.

€ 25.000 - € 30.000

Sistrix

INFO | BID

24 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


267

LOMBARDISCH-VENEZIANISCHER MALER

DES 16. JAHRHUNDERTS

SCHOOL OF LOMBARDY/VENICE,

16TH CENTURY

KREUZABNAHME CHRISTI

Öl auf Holz. Teils parkettiert.

133 x 101 cm.

Ungerahmt.

Erzählerische Darstellung der Kreuzabnahme in weiter

Landschaft mit Fluss. Im Vordergrund der abgenommene

Leichnam, um den verschiedene Figuren in einem

Kreis gruppiert sind. Hinter ihnen im Zentrum

das zum oberen Bildrand führende Kreuz. Im Vordergrund

der auf einem weißen Laken liegende Jesus,

nur mit einem rötlichen Lendentuch bekleidet, dessen

Oberkörper leicht von Josef von Arimathäa gehalten

wird. Oberhalb Jesu Maria, in rot-blauem Gewand sitzend

mit schmerzverzerrtem Gesicht, die wiederum

von dem hinter ihr stehenden Johannes mit rötlichem

Umhang gehalten wird. Rechtsseitig drei Christus

beweinende Frauen in langen blauen und rötlichen

Gewändern. Am unteren linken Rand ein Schädel als

Verweis auf Golgatha. Im Hintergrund rechts wird auf

einer Anhöhe die Kreuzigung mit zahlreichen Figuren

wiedergegeben: In der Mitte die Aufrichtung des

Kreuzes mit Christus, zu seinen Seiten die beiden

Kreuze der Schächer. Auf der linken Seite zwei Soldaten

im Gespräch vor einer großen Gebäudeanlage. Im

Hintergrund die Stadtanlage mit weiter See, auf der

einige Boote zu erkennen sind, sowie am Horizont,

hinter einer Berggruppe, die in einer leuchtenden rötlichen

Kugel hinter dem Meer versinkende Abendsonne.

Rechts des Kreuzbalkens wird zudem durch eine

Höhle und einen verzierten Sarkophag die Grabstätte

angedeutet. Qualitätvolle Malerei in teils kräftigen

leuchtenden Farben, bei der jedoch hier mehrere

Episoden der Kreuzigungsgeschichte wiedergegeben

sind. Rest., teils Retuschen, teils Farbabrieb.

(1321361) (3) (18)

THE DEPOSITION FROM THE CROSS

Oil on panel. Partially parquetted.

133 x 101 cm.

€ 35.000 - € 50.000

Sistrix

INFO | BID

Detail des Gemäldes

rechts oben

26 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


268

MEISTER DES 17. JAHRHUNDERTS

DIE KREUZIGUNG CHRISTI

Öl auf Leinwand. Doubliert.

90,5 x 72 cm.

In vergoldetem Prunkrahmen.

Die Komposition dürfte wohl nach einem Vorbild des

Roger van der Weyden (1399-1464) entstanden sein.

Im Zentrum der am Kreuz hängende Jesus mit weißem

bewegtem Laken um seine Hüfte, oberhalb seines

Kopfes das befestigte Schild mit der Inschrift

„INRI“, rechts und links von ihm die Kreuze der beiden

Schächer. Unterhalb des Kreuzes auf der linken

Seite Maria in blau-weißem Gewand, vor Schmerz

zusammengesunken mit geschlossenen Augen, dabei

wird sie gestützt von dem hinter ihr stehenden Johannes

in rotem Gewand. Jesus wendet seinen Blick den

beiden zu. Das Kreuz umklammert hat Maria Magdalenda,

die in feinem Gewand und langen, welligen

Haaren auf Jesus hinaufblickt. Rechtsseitig mehrere

Männer im Gespräch und zwei Soldaten in Rüstung. Im

Hintergrund der abendliche Himmel über dem Mauerzug

um die Stadt Jerusalem. Figurenreiche Darstellung

in differenzierten Farbtönen. Teils rest., Retuschen.

(1300491) (18)

MASTER OF THE 17TH CENTURY

THE CRUCIFIXION OF CHRIST

Oil on canvas. Relined.

90.5 x 72 cm.

The composition is probably based on a paragon

by Roger van der Weyden (1399-1464).

€ 8.000 - € 12.000

Sistrix

INFO | BID

28 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


269

JUSEPE DE RIBERA,

GENANNT „LO SPAGNOLETTO“,

1588/91 XÀTIVA/ VALENCIA 1652 NEAPEL

Bevor Ribera nach Neapel ging, studierte er bei Francisco

Ribalta (1565-1628) in Valencia. In Rom setzte er

sich mit den Werken Raffaelo Santis (1483-1520) und

Agostino (1557-1602) und Annibale Carraccis (1560-

1609) auseinander, in Parma und Modena mit denen

von Antonio Allegri Correggio (um 1489-1534). Später

stand er stark unter dem Einfluss von Michelangelo

Merisi il Caravaggio (1570/71-1610). Die Qualität seiner

Bilder erhoben ihn zum Hofmaler des Herzogs

von Osuna sowie des Königs von Neapel. Im Jahr

1644 wurde er durch den Papst zum Ritter des Christusordens

geschlagen. 1630 war er bereits Mitglied

der Accademia di San Luca in Rom. Neben Caravaggio

ist er der bedeutendste Naturalist der Neapolitanischen

Malerei mit Betonung des Chiaroscuro. Ein

Hauptmerkmal seines Wirkens ist die bewusste Wahl

der Darstellung von meist alten, asketisch knochigschlanken

Gestalten wie Einsiedlern oder Philosophen.

DER PHILOSOPH DIOGENES

Öl auf Leinwand.

96 x 72 cm.

Das Gemälde größerformatig angelegt und, wie bei

Ribera und dessen Hell-Dunkel-Malstil üblich, in caravaggesker

Malweise mit dunklem Hintergrund, vor

dem der hier alt und graubärtig wiedergegebene Philosoph

in hellem Licht erscheint. Der aus Sinope

stammende griechische Denker (um 412-323 v. Chr.)

wird hier, wie üblich, mit einer Laterne dargestellt.

Der Sinn dieses attributiven Gegenstandes geht aus

der Legende hervor, wonach Diogenes bei der Befragung,

warum er bei Tageslicht eine Laterne hält, geantwortet

haben soll „Ich suche einen Menschen“.

Dieser Skeptizismus ist auch der Inhalt der Lehre der

damaligen griechischen Philosophie geworden. Hier

in Dreiviertelansicht in Lebensgröße wiedergegeben,

hat der Maler ihn leicht nach rechts gebeugt gezeigt,

mit nachdenklichem Blick, die Laterne in der Linken,

ein großes Buch in der Rechten haltend. Als Kleidung

dient ihm lediglich ein bescheidener brauner Kittel mit

weißem darunterliegendem Hemd, wobei jedoch die

gesamte rechte Brust- und Schulterpartie freigelassen

wird. Das weithin bekannte Gemälde von Ribera,

das ebenfalls den Philosophen zeigt, befindet sich in

der Gemäldegalerie Dresden, stellt aber den Philosophen

in noch jüngerem Alter vor, in noch stolzer aufrechter

Haltung und mit nahezu vorwurfsvollem Blick,

wodurch sein Satz nach der Suche des wahren Menschen

noch herausfordernder thematisiert ist. Im vorliegenden

Gemälde jedoch erscheint der gealterte

Philosoph bereits in einer Resignation dargestellt.

Ribera, bekannt für mehrere seiner Philosophendarstellungen,

hat speziell diesen Diogenes mehrfach in

unterschiedlichen Bildauffassungen geschaffen, wobei

das vorliegende Gemälde wohl zu den ausdrucksvollsten

aus dieser Serie zu zählen wäre.

Provenienz:

Galerie Jacques Leegenhoek, Paris, November 1996.

Literatur:

Das hier angebotene Gemälde ist abgebildet in:

Nicola Spinosa, Ribera. La obra completa, Madrid

2008, Nr. B2, S. 485. Spinosa datiert das Gemälde

auf ca. 1612-1613. (1241111) (2) (11)

JUSEPE DE RIBERA,

ALSO KNOWN AS “LO SPAGNOLETTO”,

1588/91 XÀTIVA/ VALENCIA 1652 NAPLES

THE PHILOSOPHER DIOGENES

Oil on canvas.

96 x 72 cm.

Provenance:

Galerie Jacques Leegenhoek, Paris, November 1996.

Literature:

The painting on offer for sale here is illustrated in:

Nicola Spinosa, Ribera. La obra completa, Madrid

2008, no. B2, p. 485. Spinosa dates the painting to

ca. 1612-1613.

€ 40.000 - € 60.000

Sistrix

INFO | BID

30 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


270

BERNARDINO LUINI,

UM 1480/85 RUNO 1532 MAILAND,ZUG.

BILDNIS DER HEILIGEN MARIA MAGDALENA

Öl auf Leinwand. Doubliert.

65 x 52 cm.

Ungerahmt.

Beigegeben eine Expertise von Didier Bodart vom 14.

April 2001, darin Zuweisung an Bernardino Luini.

Die jugendliche Heilige im Halbbildnis hält in der linken

Hand das Salbgefäß, die Rechte an den Gürtel gelegt.

Kopf mit Blick nach links gewendet. Im Bildaufbau und

in der Farbgebung eindeutig die Schule Leonardo da

Vincis (1452-1519) erkennbar. (†) (13220015) (11)

BERNARDINO LUINI,

CA. 1480/85 RUNO 1532 MILAN, ATTRIBUTED

PORTRAIT OF SAINT MARY MAGDALENE

Oil on canvas. Relined.

65 x 52 cm.

Unframed.

Accompanied by an expert´s report by Didier Bodart

dated 14 April 2001 with attribution to Bernardino

Luini.

The youthful saint is shown in half-portrait and holds

the ointment vessel in the left hand while her right

hand is placed on her belt. Her gaze is turned to the

left. The composition and colouration clearly shows

the School of Leonardo da Vinci (1452-1519). (†)

€ 35.000 - € 45.000

Sistrix

INFO | BID

32 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


271

BARTOLOMEO SIGNORINI,

1674 1742

SOFONISBE EMPFÄNGT DEN GIFTBECHER

Öl auf Leinwand.

204 x 165 cm.

Beigegeben eine Expertise von Prof. Ugo Ruggeri,

ohne Datum, in Kopie.

Massinissa, der früh mit Sofinisbe verlobt wurde, jedoch

hinnehmen musste, dass diese aufgrund der

Heiratspolitik ihres Vaters König Syphax heiraten

musste, heiratete sie später und versucht nun, ihre

Auslieferung an Scipio zu verhindern. Er reicht ihr soeben

den Giftbecher, der das Bildzentrum des hier angebotenen

Gemäldes bildet. Ihre Unschuld wird unterstrichen

durch das weiße Textil, in das sie gehüllt

ist, eine sichtbare Brust zeigt die weiße Haut, die

ebenfalls auf die Unschuld anspielen dürfte. Ihre adelige

Herkunft wird durch eine kleine Krone unterstrichen,

die ihr Haupt ziert.

BARTOLOMEO SIGNORINI,

1674 1742

SOPHONISBA RECEIVING THE CUP OF POISON

Oil on canvas.

204 x 165 cm.

Accompanied by a copy of an expert’s report by

Prof Ugo Ruggeri, n.d.

Literature:

cf. Proposte e restauri. I Musei d’arte negli anni

Ottanta, Verona, Museo di Castelvecchio, 1987,

pp. 243-248.

cf. Le vite dei pittori, scultori e architetti Veronesi,

Verona, Guiseppe Biadego (ed.), 1891, p. 340.

€ 15.000 - € 20.000

Sistrix

INFO | BID

Literatur:

Vgl. Proposte e restauri. I Musei d‘arte negli anni

Ottanta, Verona, Museo di Castelvecchio, 1987,

S. 243-248.

Vgl. Le vite dei pittori, scultori e architettti veronesi,

Hrsg. Giuseppe Biadego, Verona 1891, S. 340.

(1321161) (3) (13)

34 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


272

JAN ADRIAENSZ VAN STAVEREN,

UM 1613 LEYDEN UM 1668, ZUG.

DER HEILIGE FRANZISKUS IN EINER HÖHLE

IM GEBET

Öl auf Holz. Parkettiert.

44 x 33 cm.

Rechts unten monogrammiert. Verso alter angehefteter

Zettel mit Resten einer Aufschrift mit Künstlerbezeichnung

„Stav...“ sowie die Jahreszahl „1569“.

Das fein gemalte Bild vereint mehrere Kategorien der

Malerei: Bildnis, Stillleben und Landschaft. Im Zentrum

der Darstellung, nach links in einer braunen Kutte kniend,

der Heilige Franziskus, vor sich einen Folianten

auf einem Felssockel. Links davor ein Holzkreuz mit

Corpus Christi, dem der Blick des Heiligen gilt. Den

Vordergrund hat der Maler genutzt, um beinahe stilllebenhaft

Pflanzen und niedere Tierwelt darzustellen,

wie Disteln, die als Symbol der Selbstkasteiung als

Attribut des Heiligen gedacht sind. Daneben bunte

Vögel, auf die bereits Marder lauern, ein Ausdruck des

Memento mori-Gedankens. Rechts unten zwei Frösche

neben Blättern und Blüten. Der Höhleneingang eröffnet

einen Ausblick in bergige Landschaft mit kühnem

Felsenbogen, Kirchengebäude und erhöht stehender

Burg. Das Gemälde besticht insgesamt durch die

gekonnte Feinmalerei aber auch durch den außergewöhnlichen

Bildeinfall zu diesem Thema. (13220013)

(11)

JAN ADRIAENSZ VAN STAVEREN,

CA. 1613 LEIDEN CA. 1668, ATTRIBUTED

SAINT FRANCIS PRAYING IN A CAVE

Oil on panel. Parquetted.

44 x 33 cm.

Monogrammed lower right. Old attached note with

remains of an inscription “Stav...” and date “1569” on

the reverse.

€ 18.000 - € 25.000

Sistrix

INFO | BID

Monogrammiert oberhalb

des Froschkopfes

36 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


273

VINCENT MALO,

UM 1595 1656

MOSES TEILT DAS ROTE MEER

Öl auf Holz.

Ca. 55,5 x 78 cm.

Links unten monogrammiert „I.V.M.“ und

datiert „1631“.

Beigegeben Gutachten von Dr. Klaus Ertz, Lingen,

vom 2. September 2018.

Das Gemälde ist insbesondere wegen der seltenen

ikonografischen Darstellung von höchstem kunsthistorischen

Interesse. Der Auszug aus Ägypten wird

hier in einer weiten hügeligen Landschaft wiedergegeben,

rechts das Ufer des Roten Meeres mit

Darstellung des Unterganges der ägyptischen Reiterarmee,

die dem Auszug gefolgt war. Am Ufer hervorgehoben

die Gestalten von Moses und Aaron, wobei

Moses den rechten Arm mit Stab erhoben hält, mit

Blick auf den Untergang der Verfolger. Das Volk zieht

in großen Scharen in den Vordergrund. Unter den hier

größer wiedergegebenen Figuren noch einmal Moses

und Aaron. Daneben ein Steinsarkophag, in dem die

Leiche des Josef liegt, die dem Bibeltext gemäß beim

Auszug aus Ägypten mitgeführt wurde um später im

Grab der Patriarchen beigesetzt zu werden. Diese

Darstellung findet sich in den gemalten Exodusschilderungen

kaum bzw. so gut wie nicht. Meisterliche

Feinmalerei. (†) (13220011) (11)

VINCENT MALO,

CA. 1595 1656

MOSES PARTS THE RED SEA

Oil on panel.

Ca. 55.5 x 78 cm.

Monogrammed „I.V.M.“ and dated „1631“ below left.

Accompanied by an expert’s report by Dr. Klaus Ertz,

Lingen, dated 2 September 2018.

The painting is of great art historical interest, particularly

due to its rare iconography. The figures of Moses

and Aaron are highlighted on the banks. This subject

is very rarely found in exodus paintings. Superb fine

painting. (†)

€ 28.000 - € 40.000

Sistrix

INFO | BID

38 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


274

FRANCESCO SOLIMENA,

1657 CANALE DI SERINO 1747 BARRA DI NAPOLI

Neben Luca Giordano (1632/34-1705), von dem er sich

stark beeinflussen ließ, gilt er als einer der führenden

Vertreter der neapolitanischen Malerei seiner Zeit. Da

Neapel etliche Jahre aufgrund des Spanischen Erbfolgekriegs

an das österreichische Habsburg ging, erhielt

Solimena auch zahlreiche Aufträge aus Wien (z.B.

Hochaltarbild der Kapelle im Schloss Belvedere) und beeinflusste

so auch die öster reichischen Barock-Maler

wie Daniel Gran (um 1694-1757) oder Paul Troger

(1698-1762).

RUHE AUF DER FLUCHT NACH ÄGYPTEN

Öl auf Leinwand.

99 x 135,5 cm.

In plastisch verziertem und vergoldetem Rahmen.

Solimena lässt keine Zweideutigkeiten zu, wenn er uns

hier die Flucht nach Ägypten zeigt: Auf einem Sockel

ganz rechts, der zudem als Repoussoir dient, ruht

eine nach links blickende Sphinx und wird von einer

Palme überragt. Davor Maria in den von ihr typischen

Farben auf ihrem Schoß das blonde Jesuskind, vor

der Figurengruppe zwei geflügelte Putti, deren blonde

Haare mit den dahinterliegenden Sonnenblumen

korrespondieren. Die linke Bildhälfte wird von allerlei

Hausrat eingenommen, der von der Heiligen Familie

mitgenommen worden ist, daneben ein Rind, ein Esel

und ein Huhn. Dahinter, sich abzeichnend vor einem

Hügel mit Häusern, sitzt Joseph.

Provenienz:

Julius Weitzner, New York.

1950 bei der University of Kansas Museum of Art.

Sotheby‘s, Montecarlo, 23. Februar 1986, lot 477.

Paul Ganz, New York.

Everett Fahy.

Christie‘s New York, 26. Oktober 2016.

Anmerkung:

Von dem hier angebotenen Gemälde existiert ein

Kupferstich mit seitenverkehrter Wiedergabe des

Themas (siehe Vergleichsabbildung) von 1724 durch

Bernard Baron.

Literatur:

K. Berger, A picture by Sebastien Bourdon, in: The

Register of the Museum of Art of the University of Kansas,

Juni 1951, Nr. 1, Abb. 1, als Sebastien Bourdon.

P. Rosenberg, Quelques tableaux inédits du dix-septième

siècle français, Art de France : revue annuelle

de l‘art ancien et moderne, Paris, IV, 1964, S. 299,

als zugeschrieben an Giuseppe Bartolomeo Chiari.

B. Fredericksen and F. Zeri, Census of Pre-Nineteenth-

Century Italian Paintings in North American Public

Collections, Cambridge 1972, p. 52, als Giuseppe

Bartolomeo Chiari.

A.M. Clark, Studies in Roman eighteenth-century

painting, Washington, D.C. 1981, S. 8, n. 5, als Sebastiano

Conca.

N. Spinosa, Pittura napoletana del Settecento, Neapel,

1988, S. 185, Nr. 13.

G. Finaldi and M. Kitson et al., Discovering the Italian

Baroque: The Denis Mahon Collection, London 1997,

S. 160, Nr. 76.

S. Carotenuto, Francesco Solimena: Dall‘attività giovanile

agli anni della maturità (1674-1710), Rom, 2015,

S. 169-70, under no. A27, Abb. A27.3.

N. Spinosa, Francesco Solimena (1657-1747) e le Arti

a Napoli, Rom 2018, S. 247, Abb. 76d. (1321981) (13)

FRANCESCO SOLIMENA,

1657 CANALE DI SERINO - 1747 BARRA DI NAPOLI

REST ON THE FLIGHT INTO EGYPT

Oil on canvas.

99 x 135.5 cm.

Provenance:

Julius Weitzner, New York.

1950 at the University of Kansas Museum of Art.

Sotheby’s, Montecarlo, 23. Februar 1986, lot 477.

Paul Ganz, New York.

Everett Fahy.

Christie’s New York, 26 October 2016.

Literature:

K. Berger, A picture by Sebastien Bourdon, in: The

Register of the Museum of Art of the University of

Kansas, June 1951, no. 1, ill. 1, as Sebastien Bourdon.

P. Rosenberg, Quelques tableaux inédits du dix-septième

siècle français, Art de France: revue annuelle

de l’art ancien et moderne, Paris, IV, 1964, p. 299,

as attributed to Giuseppe Bartolomeo Chiari.

B. Fredericksen and F. Zeri, Census of Pre-Nineteenth-

Century Italian Paintings in North American Public

Collections, Cambridge 1972, p. 52, as Giuseppe

Bartolomeo Chiari.

A.M. Clark, Studies in Roman eighteenth-century

painting, Washington, D.C. 1981, p. 8, no. 5, as Sebastiano

Conca.

N. Spinosa, Pittura napoletana del Settecento, Neapel

1988, p. 185, no. 13.

G. Finaldi and M. Kitson et al., Discovering the Italian

Baroque: The Denis Mahon Collection, London 1997,

p. 160, no. 76.

S. Carotenuto, Francesco Solimena: Dall’attività

giovanile agli anni della maturità (1674-1710), Rome

2015, p. 169-70, under no. A27, ill. A27.3.

N. Spinosa, Francesco Solimena (1657-1747) e le Arti

a Napoli, Rom 2018, S. 247, Abb. 76d. INFO | BID

€ 30.000 - € 40.000

Sistrix

40 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


275

FRANCESCO SALVATOR FONTEBASSO,

1707 VENEDIG 1769 EBENDA

CHRISTUS UND DIE EHEBRECHERIN

Öl auf Leinwand.

97 x 114 cm.

In teilvergoldetem Rahmen.

Die Perikope über Christus und die Ehebrecherin

steht in Vers 7,53-8,11 des Johannesevangeliums. Sie

beschreibt die Konfrontation zwischen Christus und

den Schriftgelehrten und Pharisäern zu der Frage, ob

eine Frau, die soeben beim Ehebruch ertappt wurde,

gesteinigt werden muss. Das Gemälde zeigt Jesus

im Tempel, um ihn herum die Schriftgelehrten und die

Pharisäer, die ihm links die Ehebrecherin in rotem Gewand

mit goldenem Tuch gebracht haben. Sie hat ihre

Hände hinter dem Rücken gefesselt und den Kopf

reuig zu Boden gesenkt. Hinter ihr stehend Soldaten

in Rüstung und mit hohen Lanzen. Christus wird von

einem der Pharisäer, der mit ausgestreckten Händen

auf die Frau weist, gefragt was sie tun sollen. Christus

in rotem Gewand und blauem leuchtendem Mantel

hat sich niedergebückt und weist darauf hin, was er

auf den Boden geschrieben hat. Schließlich spricht er

zu ihnen die berühmten Worte „Wer von Euch ohne

Sünde ist, werfe als erster den Stein auf sie“. Dieser

dramatische Momennt ist Gegenstand der Darstellung.

Als Repoussoir hat der Maler an den linken Rand

einen Jungen mit Hund und am rechten unteren Rand,

vor einer steinernen Brüstung, ein Mädchen, ebenfalls

mit einem Hund spielend, gesetzt. Durch die hohen

Bögen der Architektur des Tempels fällt der Blick auf

einen hellblauen Himmel mit weiteren Gebäuden.

Figurenreiche Darstellung mit bewegten Gesten und

feiner Lichtführung, die insbesondere Christus im

Mittelpunkt und die Ehebrecherin hervorhebt. Minimal

Retuschen.

Literatur:

Die Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des

Museum Ludwig e.V. (Hrsg.), Wallraf-Richartz-Jahrbuch

für Kunstgeschichte, Bd. 78, Köln 2017, S. 253,

Abb. 21. (1302011) (18)

FRANCESCO SALVATOR FONTEBASSO,

1707 VENICE 1769 IBID.

CHRIST AND THE ADULTERESS

Oil on canvas.

97 x 114 cm.

Literature:

Die Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des

Museum Ludwig e.V., Wallraf-Richartz-Jahrbuch für

Kunsgeschichte, vol. 78, Cologne 2017, p. 253, ill. 21.

€ 12.000 - € 15.000

Sistrix

INFO | BID

42 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


276

MARCELLUS COFFERMANS,

1520/30 ANTWERPEN UM 1578 EBENDA,

ZUG./ KREIS DES

Gemäldepaar

DIE GEBURT CHRISTI

sowie

SAMUEL ALS RICHTER

Öl auf Holz.

14 x 9 cm und 13,5 x 9,5 cm.

Auf dem zweiten Gemälde bezeichnet „.z.Samuelis..“

Je in teilvergoldetem Holzrahmen.

Das erste Gemälde zeigt in einem stallartigen Innenraum

die Geburt Christi: auf einem steinernen Block,

von dem zwei weitere Teile auf dem Boden liegen,

ein kleinerer Holzblock auf dem Stroh liegt und darauf

auf einem weissen Laken das nackte neugeborene

Jesuskind. Rechts von ihm die kniende Maria in langem

roten Gewand mit blauem Mantel, die Hände

behutsam zusammengelegt und liebevoll auf das

Kind herabschauend. Hinter ihr der stehende Josef

mit leuchtend rotem Mantel in seiner linken Hand einen

Stock haltend. Linksseitig und hinter dem Jesuskind

Engel mit großen Flügeln in farbenfrohen Gewändern.

Im Hintergrund des Stalles sind Ochs und

Esel zu erkennen. Durch die Fenster und die Tür fällt

der Blick auf eine Landschaft mit Hirten und ihren

Schafen, denen gerade in einem hellen, vom Himmel

herabfallenden Lichtstrahl ein schwebender Engel erscheint,

der ihnen die Geburt Christi verkündet. Das

zweite Gemälde zeigt in einem Saal den auf einem

Thron sitzenden Samuel in prachtvollem goldenen,

besticktem Gewand, um über einen vor ihm stehenden

Mann und einen Soldaten zu urteilen. Im Hintergrund

vor landschaftlichem Ausblick eine Vielzahl an

Männern in langen Gewändern, die der Urteilssprechung

beiwohnen. Im Vordergrund zudem ein stehender

Mann mit roter, geschlitzter Jacke, einen am Boden

sitzenden weißen Hund an der Leine haltend. Vielfigurige

qualitätvolle Malerei, die Figuren mit feinen

Gesichtern und teils prachtvollen farbigen Kostümen.

Vereinzelt kleine Retuschen.

Provenienz:

P. de Boer, Amsterdam.

Privatsammlung, Monaco.

Anmerkung:

Coffermans, der seit 1539 Meister in der Antwerpener

Malergilde war, interessierte sich nicht für den italienischen

Manierismus seiner Zeit, sondern ließ sich

vor allem von den Werken der Künstler inspirieren,

die zwei oder drei Generationen vor ihm tätig waren.

Seine Darstellung der Geburt Christi ist ausgesprochen

traditionell. (1302163) (18)

MARCELLUS COFFERMANS,

1520/30 ANTWERP CA. 1578 IBID.,

ATTRIBUTED/ CIRCLE OF

Pair of paintings

THE BIRTH OF CHRIST

and

SAMUEL AS A JUDGE

Oil on panel.

14 x 9 cm and 13.5 x 9.5 cm.

On the second painting inscribed “.z.Samuelis..”

Provenance:

P. de Boer, Amsterdam.

Private collection, Monaco.

€ 40.000 - € 60.000

Sistrix

INFO | BID

44 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

45


277

LUCA GIORDANO,

GENANNT „LUCA FA PRESTO“,

1634 NEAPEL 1705 EBENDA

Der vor allem für seine Fresken berühmte Maler war

Sohn eines Kunsthändlers aus Apulien, der sich ebenfalls

der Malerei widmete. So erhielt er seinen ersten

Unterricht bei seinem Vater, während jedoch allgemein

angenommen wird, dass er ein Schüler des

Giuseppe José de Ribera (1588/91-1652) war. Etliche

seiner Werke lassen auch dessen Einfluss erkennen,

während das enorm umfangreiche Werk Giordanos

zeigt, dass er sämtliche Stilvarianten seiner Zeit beherrschte.

Auch die Themenbreite in seinem Werk, in

sämtlichen Bereichen der Historienmalerei, religiöse

Darstellungen aber auch mythologische Szenen, zeigt

Einflüsse zunächst der Caravaggisten, später aber

auch der Maler Pietro da Cortona (1596-1669), Mattia

Preti (1613-1699) oder Peter Paul Rubens (1577-1640).

Im Bildaufbau mancher seiner Werke sind auch die

venezianischen Meister wie Paolo Veronese (1528-

1588), Tiziano Vecellio (1485/89-1576) oder Domenico

Robusti Tintroretto (1560-1635) spürbar.

CHRISTUS UND DIE EHEBRECHERIN

Öl auf Leinwand. Doubliert.

182 x 230 cm.

In schmaler moderner Holzleiste.

Beigegeben ein Gutachten von Professor Oreste Ferrari

vom März 1998, Rom, in Kopie.

Ebenfalls in Kopie ein Gutachten von Maria Letizia

Paoletti vom 25. Februar 1990, in dem Paoletti genau

wie Ferrari zu dem Schluss kommt, dass es sich um

ein eigenhändiges Werk von Luca Giordano handelt,

das um 1660-1670 entstanden sein kann.

Paoletti vergleicht die hier angebotene Darstellung

mit dem Gemälde „Christus unter den Gelehrten“

in der Sammlung Conte Leonardo Viletti, der „Santa

Lucia“ im Museum Museo di Capodimonte in Neapel

und natürlich dem Werk „Christus und die Ehebrecherin“

im Museo di Reggio Calabria, das dem hier angebotenen

Gemälde in vieler Hinsicht ähnelt.

Anmerkung:

Ein Gemälde mit der gleichen Komposition nach

Luca Giordano wird in der Kirche Pio Monte della

Misericordia in Neapel verwahrt. (1301021) (3) (13)

LUCA GIORDANO,

ALSO KNOWN AS “LUCA FA PRESTO”,

1634 NAPLES 1705 IBID.

CHRIST AND THE ADULTRESS

Oil on canvas. Relined.

182 x 230 cm.

A copy of the certificate of authenticity by Professor

Oreste Ferrari from March 1998, Rome, is enclosed

as is an expert's report by Maria Letizia Paoletti dated

25 February 1990. Both experts infer that this is an

original by Luca Giordano which may have been created

between 1660 and 1670.

Paoletti compares the present depiction with a painting

of “Christ among the Scholars” held in the collection

of Conte Leonardo Viletti, the “Santa Lucia” held

in the Museo di Capodimonte in Naples and a work

titled “Christ and the Adulteress” held at the Museo

di Reggio Calabria, which is similar to the present

painting in many respects.

Notes:

A painting with the same composition after Luca

Giordano is held at the Pio Monte della Misericordia

church in Naples.

€ 34.000 - € 38.000

Sistrix

INFO | BID

46 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


278

JACOB ADRIAENSZ BACKER,

1608 HARLINGEN 1651 AMSTERDAM, ZUG.

DER ZINSGROSCHEN

Öl auf Leinwand.

141 x 159 cm.

Das Bildthema illustriert die bekannte Bibelstelle nach

Matthäus (Mt 22,21). Danach kamen während der Zeit

der für das Volk schwer zu ertragenden römischen

Steuererhebungen Vertreter der jüdischen Obrigkeit zu

Jesus, zeigten ihm eine Münze mit der Frage, ob das

Steuergeld an Rom gezahlt werden müsse. Jesus

antwortete, auf das Cäsarenbildnis der Münze weisend:

„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott,

was Gottes ist“. Damit war für die Jesuspartei der politische

Konflikt mit Rom vorläufig beruhigt.

Das Thema war in allen Epochen von hoher vor allem

auch politischer Bedeutung, da der Bibeltext auch

den jeweiligen Regierungen Europas das finanzielle

Führungsrecht zu geben bedeutete. Vor allem aus diesem

Grunde fand das Bildthema weite Verbreitung,

von nahezu allen Malern aufgegriffen, von Masaccio,

Caravaggio, Tizian oder Rubens, bis hin zu Malern der

jüngeren Neuzeit.

Backer hat hier großformatig das Thema nahezu theatralisch

in Szene gesetzt, die Figuren in Betrachternähe

nahezu lebensgroß gemalt. Der Gestalt des

Jesus, der gleichzeitig auf die Münze und zum Himmel

weist, steht den bärtigen Männern gegenüber, die

teils fragend, teils überrascht blicken.

Von Backers Gemälde sind einige Wiederholungen

bekannt, die im Werkverzeichnis (siehe Literatur) aufgeführt

wurden. Davon befindet sich eine

Version im Nationalmuseum Stockholm (Inv.Nr. 382),

eine weitere in Privatsammlung, ferner wird ein Exemplar

in unbekanntem Verbleib genannt (diese?).

Backer kam als Kind mit seiner Familie nach Amsterdam,

ging dann etwa 20-jährig nach Leeuwarden, um

bei Jacobsz. Lampert (1598-1636) zu studieren. Von

diesem Lehrer übernahm er auch die Thematik der

Historienmalerei und religiöser Inhalte. A.R.

Literatur:

Zu Biografie und Werk siehe:

Peter van den Brink, Jaap van der Veen, Heinrich

Becker, Jacob Backer (1608/09-1651), Katalog anläßlich

der Ausstellung „Der große Virtuose, Jacob Backer“

(1608/09-1651), 12. März-7. Juni 2009 im Suermondt-

Ludwig-Museum in Aachen, 29. November 2008-22.

Februar 2009 unter dem Titel „Jacob Backer

(1608/09-1651), Rembrandts tegenpool“ im Museum

Het Rembrandthuis in Amsterdam, Zwolle 2009.

Darin: Peter van den Brink, Œuvrekatalog der Gemälde

Jacob Backers, S. 204, A1ff. (1320132) (11)

JACOB ADRIAENSZ BACKER,

1608 HARLINGEN 1651 AMSTERDAM,

ATTRIBUTED

THE TRIBUTE MONEY

Oil on canvas.

141 x 159 cm.

The painting's subject illustrates the well-known passage

from the Bible according to Matthew (22:21).

During the time of the tax collection by the Romans,

which was financially hard for the people, representatives

of the Jewish authorities came to Jesus and

showed him a coin and asked him whether the tax

money had to be paid to Rome. Jesus replied, pointing

to the image of Caesar on the coin: “So give back

to Caesar what is Caesar's, and to God what is

God's”.

A few versions of Backer's painting are known and

are listed in the catalogue raisonné (see literature).

One of these versions is held at the National Museum

in Stockholm (inv. no. 382), another in a private

collection, and a copy with unknown whereabouts

(this one?).

Backer and his family arrived in Amsterdam when he

was a child, aged ca. 20 he went to study and work

with Jacobsz Lampert (1598-1636) in Leeuwarden.

He adopted the genres of history and religious paintings

from his teacher.

Literature:

Regarding his biography and works:

Peter van den Brink, Jaap van der Veen, Heinrich

Becker, Jacob Backer (1608/09 - 1651), on occasion

of the exhibition “Der Große Virtuose. Jacob Backer

(1608/09 - 1651)”, 12th March-7th June 2009 held

at the Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen, 29th

November 2008-22nd February 2009 titled “Jacob

Backer (1608/09-1651), Rembrandts tegenpool” at

the Museum Het Rembrandthuis in Amsterdam,

Zwolle 2009.

Therein: Peter van den Brink, Œuvrekatalog der

Gemälde Jacob Backers, p. 204, A1 ff.

€ 70.000 - € 100.000

Sistrix

INFO | BID

48 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


279

DIRCK VAN BABUREN,

UM 1594 UTRECHT 1624 EBENDA

Bedeutender Caravaggist der Utrechter Schule, dessen

Romaufenthalt von 1612 stark auf seinen Stil eingewirkt

hat, besonders aber die Hell-Dunkel-Malweise

Caravaggios. Zu seinen bekanntesten Arbeiten in

Italien gehört die Ausstattung einer Kapelle in San

Pietro in Montorio in Rom (1615-1625). Danach kehrte

er in seine Heimatstadt Utrecht zurück und unterhielt

sein Atelier zusammen mit Henrick ter Brugghen

(1622-1623). Zusammen mit diesem Kollegen und mit

Honthorst begründete er den hohen Ruf der Utrechter

Schule für den caravaggesken Stil.

PETRIS VERLEUGNUNG

Öl auf Holz.

57 x 85 cm.

Beigegeben eine Expertise von Prof. Gianni Papi,

Florenz, vom 3. September 2019.

Die Darstellung in betontem Breitformat, wodurch die

nebeneinander stehenden Figuren nahe an den Betrachter

herangeführt werden. Gezeigt ist die Szene des

Neuen Testaments, wonach Petrus nach der Gefangennahme

Jesu die Zugehörigkeit zu dessen Jüngerkreis

leugnet, um sich der Gefangennahme zu entziehen.

Das Thema, in der Bildkunst seit jeher aufgegriffen,

hat der Maler hier in Halbbildnissen vorgestellt: rechts

die Magd, die anschuldigend auf Petrus weist, während

dieser mit leicht hochgezogenen Schultern und abwehrender

Geste leugnet. Seine innere Erregung drückt

sich im Blick, aber auch im aufgelösten grauen Haar

aus. Zwischen den beiden Figuren erscheinen im Hintergrund

zwei Männergesichter, die sich skeptische

Blicke tauschen. Ein Gemälde desselben Themas malte

Dirk van Baburen in den Jahren zwischen 1620 und

1624. (Nationalmuseum Krakau).

Der Maler zählt zur Utrechter Schule. 1612 zog er nach

Rom. Seitdem stand er unter dem bestimmenden

Einfluss Carravaggios und dessen Hell-Dunkel-Malerei,

was zu einem bleibenden Merkmal seiner Bildauffassung

wurde, und auch in vorliegendem Gemälde zu

sehen ist.

In der beiliegenden Expertise sieht Gianni Papi den Malstil

des Bildes in Nähe der Werke, die der spanische

Diplomat, Mentor und Sammler Pietro Cussida (gest.

1622) in Auftrag gab oder erworben hat. Unter dessen

Patronat schuf Barburen die Pietà in der Kirche San

Pietro in Montorio, zusammen mit David de Haen,

ferner die Lunetten der Kapelle etc. Papi datiert das

Gemälde in das Jahr um 1620 und sieht Verwandtschaft

mit dem Gemälde des Martyriums von „San

Bartolomeo“. A.R.

Provenienz:

Sammlung Luigi Koelliker, Mailand.

Literatur:

Wayne E. Franits, The Paintings of Dirck van Baburen,

Amsterdam/ Philadelphia 2013. (13207828) (2) (11)

DIRCK VAN BABUREN,

CA. 1594 UTRECHT 1624 IBID.

THE DENIAL OF PETER

Oil on panel.

57 x 85 cm.

Accompanied by an expert’s report by Professor

Gianni Papi, Florence, 3 September 2019.

Provenance:

Collection Luigi Koelliker, Milan.

Literature:

Wayne E. Franits, The Paintings of Dirck van Baburen,

Amsterdam/ Philadelphia 2013.

€ 70.000 - € 120.000

Sistrix

INFO | BID

50 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

51


280

MATTIA PRETI,

1613 TAVERNA/ CATANZARO 1699 VALLETTA/

MALTA

Der in Kalabrien geborene und auf Malta verstorbene

Maler hatte nach Auskunft seiner Zeitgenossen ein

äußerst bewegtes Leben. Er war nicht allein Maler,

sondern auch Ordensritter der Malteser und wurde

aufgrund des Ruhmes seiner Familie „Il Cavalier Calabrese“

genannt. In Rom erhielt er Aufträge von

Papst Urban VIII sowie von Kardinal Rospigliosi. Sein

Werk zeigt die Schule des Guercino (1591-1666), Giovanni

Lanfranco (1582-1647) und Domenico Zampieri

(1581-1641) sowie den starken Einfluss der tenebristischen

Malerei der Caravaggisten. Werke seiner Hand

finden sich in den bedeutendsten öffentlichen Sammlungen

und Museen wie etwa: Museum of Fine Arts,

Houston, Nationalmuseum, Warschau, Prado, Madrid,

Pinacoteca di Brera, Mailand, Galleria dell‘Accademia,

Venedig; sein Selbstbildnis befindet sich in den Uffizien,

Florenz.

DIE VERLEUGNUNG DES PETRUS

Öl auf Leinwand.

93,7 x 124 cm.

Ungerahmt.

Anbei in Kopie ein Gutachten von Nicola Spinosa,

Neapel, 22. Februar 2020.

Die Szene bezieht sich auf eine Stelle, die unter anderem

im Markusevangelium Erwähnung findet (Mk,

14,66-72): „Und Petrus war unten im Hof. Da kam

eine von den Mägden des Hohenpriesters; und als

sie Petrus sah, wie er sich wärmte, schaute sie ihn an

und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus von

Nazareth. Er leugnete aber und sprach: Ich weiß nicht

und verstehe nicht, was du sagst. Und er ging hinaus

in den Vorhof, und der Hahn krähte. Und die Magd

sah ihn und fing abermals an, denen zu sagen, die

dabeistanden: Dieser ist einer von denen. Und er

leugnete abermals.

Und nach einer kleinen Weile sprachen die, die dabeistanden,

abermals zu Petrus: Wahrhaftig, du bist einer

von denen; denn du bist auch ein Galiläer. Er aber fing

an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne

den Menschen nicht, von dem ihr redet. Und alsbald

krähte der Hahn zum zweiten Mal. Da gedachte Petrus

an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe

der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Und er fing an zu weinen.“ Eindrücklich fing

Mattia Preti diese Szene im Geschmack des Chiaroscuro-Caravaggismus

seiner Zeit ein und lässt die

Hauptfiguren im Schlaglicht gleißend hell aus dem

Dunkel des Grundes heraustreten. Spinosa stellt in

seinem Gutachten den guten Erhaltungszustand des

Gemäldes heraus und datiert es auf um 1650, als Preti

in Rom weilte. (†)

Literatur:

Vgl. Bernardo De Dominici, Vite de‘ pittori, scultori ed

architetti napoletani,

Napoli 1742-1745, Bd. 3, S. 583-725, Neapel 2008.

Vgl. Mattia Preti tra Roma, Napoli e Malta, Ausstellungskatalog,

Museo di Capodimonte, Neapel 1999.

Vgl. John T. Spike, Mattia Preti. Werkverzeichnis,

Florenz 1999. (1320129) (13)

MATTIA PRETI,

1613 TAVERNA/ CATANZARO - 1699 VALLETTA/

MALTA

His works are held in most important public collections

and museums such as the Museum of Fine Arts

in Houston, the National Museum in Warsaw, the Prado

in Madrid, the Pinacoteca di Brera in Milan and the

Galleria dell‘Accademia in Venice. His self-portrait can

be found in the Uffizi Gallery, Florence.

THE DENIAL OF PETER

Oil on canvas.

93.7 x 124 cm.

A copy of the expert’s report by Nicola Spinosa,

Naples, 22 February 2020 is enclosed. (†)

€ 80.000 - € 120.000

Sistrix

INFO | BID

52 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

53


281

JUSEPE DE RIBERA,

GENANNT „LO SPAGNOLETTO“,

1588/91 XÀTIVA/ VALENCIA 1652 NEAPEL

Bevor Ribera nach Neapel ging, studierte er bei Francisco

Ribalta (1565-1628) in Valencia. In Rom setzte er

sich mit den Werken Raffaelo Santis (1483-1520) und

Agostino (1557-1602) und Annibale Carraccis (1560-

1609) auseinander, in Parma und Modena mit denen

von Antonio Allegri Correggio (um 1489-1534). Später

stand er stark unter dem Einfluss von Michelangelo

Merisi il Caravaggio (1570/71-1610). Die Qualität seiner

Bilder erhoben ihn zum Hofmaler des Herzogs von

Osuna sowie des Königs von Neapel. Im Jahr 1644

wurde er durch den Papst zum Ritter des Christusordens

geschlagen. 1630 war er bereits Mitglied der

Accademia di San Luca in Rom. Neben Caravaggio ist

er der bedeutendste Naturalist der Neapolitanischen

Malerei mit Betonung des Chiaroscuro. Ein Hauptmerkmal

seines Wirkens ist die bewusste Wahl der

Darstellung von meist alten, asketisch knochigschlanken

Gestalten wie Einsiedlern oder Philosophen.

SAN PIETRO IN LACRIME

Öl auf Leinwand.

138 x 98 cm.

Beigegeben eine Expertise von Prof. Vincenzo Paccelli,

Neapel, der in dem Gemälde ein Werk von Jusepe de

Ribera sieht; zudem ein technischer Untersuchungsbericht

von Ing. Claudio Falcucci „Pentimenti“ unter der

Malschicht feststellend (beides in Kopie vorliegend).

Das Bildthema geht an die Stelle des Neuen Testaments

zurück, wonach der Heilige Petrus in schuldhafter

Reue seines Verrats an Jesus gedenkt. Diese

Bibelstelle wurde von mehreren bedeutenden Malern

aufgegriffen. Der Blick ist, wie auch hier, zumeist

nach oben gerichtet. Hier sitzt der Heilige an einem

Tisch, den Kopf auf den rechten Arm gestützt. Die

Qualität der Oberflächen des Heiligen lässt keinen

Zweifel an der vollen Eigenständigkeit des Gemäldes

durch Ribera, in dem die charakteristische Rauheit

der Hände und die Falten der Stirn, die verwelkte

Haut und die Rötung um die Augen, verursacht durch

Weinen und Alter, deutlich wahrnehmbar sind. Das

Motiv finden wir auch in Darstellungen des Guido

Reni oder Diego Velázquez. Für das Gemälde hat Prof.

Vincenzo Pacelli, Autor des Werkes „Pittura del'600

nelle collezioni napoletane“, Vergleichsbeispiele genannt,

wie etwa ein Werk in einer Londoner Privatsammlung,

signiert „Jusepe R“ (Spinosa 2003, S.

272, Nr. A. 67), ebenfalls dargestellt in einem intimen

und bußfertigen Gespräch mit der Gottheit, sowie die

halbfigurige Interpretation desselben Modells, dargestellt

in der identischen physiognomischen Haltung,

aufbewahrt in der Eremitage von Sankt Petersburg

(Spinosa 2003, S. 276, Nr. A80). Durch die diagnostischen

Untersuchungen von Claudio Falcucci wurde

bestätigt, dass die Leinwand des untersuchten

Werks, das „d‘imperatore“ genannt wird, eine in der

Malerei von Caravaggio und seinen ersten römischen

Nachfolgern sehr verbreitete Malart aufweist; durch

die dokumentarischen Hinweise ist es zudem nicht

ausgeschlossen, dass das fragliche Gemälde mit der

Leinwand „San Pietro in d'imperatore“ identifiziert

werden könnte, die im Giustiniani-Inventar von 1638

von Spagnoletto erwähnt wird (Danesi Squarzina

2003, S. 325). Kopien aus dem Inventar des Conti

Gonzaga di Novellara liegen vor. Kehrt man zu den Erkenntnissen

zurück, die aus Falcuccis diagnostischen

Untersuchungen hervorgehen, so offenbaren sie ein

weiteres entscheidendes Datum für die Zuschreibung

des Heiligen Petrus an Ribera, nämlich das Vorhandensein

von Pentimenti, die den Finger der vorgelegten

und anschließend bewegten Hand betreffen. Bekanntlich

beweist das Vorhandensein von Pentimenti

die Originalität eines Werkes und im vorliegenden Fall

ist somit klar, dass es von dem genannten Künstler

Jusepe de Ribera stammt. A. R.

Bevor Ribera nach Neapel ging, studierte er bei Francisco

Ribalta (1565-1628) in Valencia. In Rom setzte er

sich mit den Werken Raffaelo Santis (1483-1520) und

Agostinos (1557-1602) und Annibale Carraccis (1560-

1609) auseinander, in Parma und Modena mit denen

von Antonio Allegri Correggio (um 1489-1534). Später

stand er stark unter dem Einfluss von Michelangelo

Merisi il Caravaggio (1570/71-1610). Die Qualität seiner

Bilder erhoben ihn zum Hofmaler des Herzogs

von Ossuna sowie des Königs von Neapel. Im Jahr

1644 wurde er zum Ritter des Christusordens durch

den Papst. 1630 war er bereits Mitglied der Accademia

di San Luca in Rom. Neben Caravaggio ist er der

bedeutendste Naturalist der Neapolitanischen Malerei

mit Betonung des Chiaroscuro. Ein Hauptmerkmal

seines Wirkens ist die bewusste Wahl der Darstellung

von meist alten, asketisch knochig schlanken Gestalten

wie Einsiedlern oder Philosophen.

Provenienz:

Privatsammlung, Barcelona.

Anmerkung:

Pentimenti sind Veränderungen, die während des

künstlerischen Schaffensprozesses an Gemälden

vorgenommen werden.

Literatur:

Nicola Spinosa, Ribera. L‘opera completa, Mailand

1979.

Silvia Danesi Squarzina, La collezione Giustiniani,

3 Bde., Turin 2003.

James Hall, Dizionario dei soggetti e dei simboli

nell'arte, Mailand 2003.

Nicola Spinosa, Ribera, L‘opera completa, Neapel

2003. (1270713) (2) (11)

JUSEPE DE RIBERA,

ALSO KNOWN AS “LO SPAGNOLETTO”,

1591/91 XÀTIVA/ VALENCIA 1652 NAPLES

SAINT PETER'S TEARS

Oil on canvas.

138 x 98 cm.

Enclosed is an expert’s report by Prof Vincenzo Paccelli,

Naples, who considers the painting to be a work

by Jusepe de Ribera; also a technical examination report

by engineer Claudio Falcucci, who found “pentimenti”

beneath the painting surface (both available as

copies).

Provenance:

Private collection, Barcelona.

Literatur:

Nicola Spinosa, Ribera. L’opera completa, Milan

1979.

Silvia Danesi Squarzina, La collezione Giustiniani,

3 vol., Turin 2003.

James Hall, Dizionario dei soggetti e dei simboli

nell'arte, Milan 2003.

Nicola Spinosa, Ribera, L’opera completa, Naples

2003.

€ 90.000 - € 120.000

Sistrix

INFO | BID

54 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


282

LUIGI MIRADORI,

GENANNT „GENOVESINO“,

1600/10 UM 1656, ZUG.

Gemäldepaar

ERZENGEL MICHAEL DEN TEUFEL BEZWINGEND

und

HEILIGER GEORG MIT DEM DRACHEN

Öl auf Leinwand. Doubliert.

230 x 93 cm.

Jeweils in ihrer Rüstung zeigt uns der Künstler die

schlanken Bildfelder fast vollends ausfüllenden Figuren

des Erzengels und des Georg in bewegter Gestik.

Eine Berührung der Gliedmaßen der Figuren mit den

Bildrändern ist zu erahnen oder auf Grund der suggerierten

Bewegung doch zumindest vorauszuahnen.

Während der Erzengel ein dämonisches Wesen mit

menschlichem Gesicht zu Boden drücken vermag,

ohne die Waagschale in seiner Hand in Bewegung zu

versetzen, hält er das erhobene Richtschwert in seiner

Hand. Der Heilige Georg tritt scheinbar mühelos mit

einem Fuß auf das Haupt eines Drachen, dessen heraushängende

Zunge von der Entmachtung seines

Wesens zeugt. Das schlanke Format ist für Genovesino

nicht ungewöhnlich; wir kennen es zum Beispiel

aus zwei hochformatigen Blättern seiner Hand in der

Kirche Marcellino e Pietro in Cremona. Die flächenfüllende

Anlage seiner Figurenmalerei ist hingegen in

einigen der Portraits seiner Hand überliefert, wie sie in

verschiedenen Privatsammlungen zu finden sind. Rest.

(1322031) (3) (13)

LUIGI MIRADORI,

ALSO KNOWN AS “GENOVESINO”,

1600/10 CA. 1656, ATTRIBUTED

A pair of paintings

ARCHANGEL MICHAEL VANQUISHING SATAN

and

SAINT GEORGE AND THE DRAGON

Oil on canvas. Relined.

230 x 93 cm.

€ 25.000 - € 35.000

Sistrix

INFO | BID

56 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


283

CARLO FRANCESCO NUVOLONE,

1608/09 1661/65, ZUG.

DIE HEILIGE MARIA MAGDALENA

Öl auf Leinwand. Doubliert.

118 x 95 cm.

Ungerahmt.

Darstellung der büßenden Maria Magdalena mit langem

wallenden dunkelblonden Haar, leicht zurückgelehnt

sitzend mit nacktem Oberkörper und um die Hüfte

und Schulter verlaufendem weißen Gewand und rötlichem

Tuch. Links von ihr, unterhalb des Tuchs, ein aufgeschlagenes

Buch und am linken unteren Rand ein

goldenes Salbgefäß, eines ihrer Attribute. Ihre linke

Hand ruht auf einem Totenschädel, während sie ihren

rechten Arm zum Kopf hin angebeugt hat. Sie hat ein

helles weiches Inkarnat, rote Lippen, leicht gerötete

Wangen und ihren Kopf mit den großen glänzenden

tränenreichen Augen hat sie ehrfurchtsvoll und reuig

zum Himmel gewandt. Malerei mit starker Hell-Dunkel-Akzentuierung,

in der für die Zeit üblichen Darstellungsweise

der Heiligen. Auf der rechten Seite noch

vertikale Leinwandfalte erkennbar. Vereinzelt leichte

Farbabsplitterungen, wenige Retuschen.

(1270712) (2) (18)

CARLO FRANCESCO NUVOLONE,

1608/09 1661/65, ATTRIBUTED

SAINT MARY MAGDALENE

Oil on canvas. Relined.

118 x 95 cm.

Unframed.

€ 15.000 - € 25.000

Sistrix

INFO | BID

58 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

59


284

FRANCESCO DE ROSA,

1580 1656

AMOR EMPFÄNGT DIE GABEN DER FLORA

Öl auf Leinwand. Doubliert.

130 x 200 cm.

In vergoldetem ornamental verziertem Rahmen.

Beigegeben ein Gutachten von Prof. Giancarlo Sestieri,

Rom, 30. Oktober 2007, in Kopie.

Die mehrfigurige Darstellung in musealem Format,

von Sestieri dem neapolitanischen Maler Francesco

de Rosa zugeordnet, der auch Pacecco genannt wird,

zeigt Amor, wie er von der links neben ihm stehenden

Flora Blumen erhält, die er benötigt, um seine

Liebesvermittlungen zu begünstigen. Das Gemälde

ist vergleichbar mit der „Flora“ im Kunsthistorischen

Museum in Wien, mit „Venus und Adonis“ im Musée

des Beaux Arts in Besancon sowie mit dem „Urteil

des Paris“ im Museo di Capodimonte. Fast raumfüllend

sind die Figuren in minimaler Staffelung nicht

nur in dem hier angebotenen Gemälde, sondern auch

in den Vergleichswerken dargestellt, so auch in dem

Gemälde „Jakob und Rachel“ in Bari, das auf ca. 1630

datiert werden kann.

FRANCESCO DE ROSA,

1580 1654

CUPID RECEIVES FLORA’S GIFTS

Oil on canvas. Relined.

130 x 200 cm.

Accompanied by a copy of an expert’s report by Professor

Giancarlo Sestieri, Rome, 30 October 2007.

Literature:

cf. Nicola Spinosa, Pittura napoletana del `600,

Milan 1984.

€ 70.000 - € 90.000

Sistrix

INFO | BID

Literatur:

Vgl. Nicola Spinosa, Pittura napoletana del `600,

Mailand 1984. (1321221) (4) (13)

60 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


285

GUIDO RENI,

1575 BOLOGNA 1642 BOLOGNA, ZUG.

MARIA MAGDALENA

Öl auf Leinwand.

75 x 50 cm.

Vor dunklem Grund hebt sich das Brustbildnis der

Maria Magdalena ab mit über der Brust gekreuzten

Händen. Ihr Haupt geziert durch große Perlen und ein

schimmerndes Diadem. (†)

Provenienz:

Palazzo Colonna, Piazza SS. Apostoli, Rom, zwischen

1667 und 1678 (dort im Inventar 1679 erwähnt).

Per Erbschaft an Filippo II Colonna (1663-1714), 9.

Herzog und Prinz von Paliano (in dessen Inventar 1714).

Per Erbschaft an den dritten Sohn Fabrizio II Colonna

(1700-1755), 10. Herzog und Prinz von Paliano (in

seinem Inventar 1730).

Per Erbschaft an seinen Sohn Lorenzo II Colonna

(1723-1779), 11. Herzog und Prinz von Paliano.

Per Erbschaft an seinen Sohn Filippo III Giuseppe

Colonna (1760-1818), 12. Herzog und Prinz von

Paliano (in dessen Inventar von 1783).

Privatsammlung Frankreich.

Colnaghi, London. (13211310) (13)

GUIDO RENI,

1575 BOLOGNA 1642 IBID., ATTRIBUTED

MARY MAGDALENE

Oil on canvas.

75 x 50 cm. (†)

Provenance:

Palazzo Colonna, Piazza SS. Apostoli, Rome, between

1667 and 1678 (mentioned in the inventory 1679

there).

By inheritance to Filippo II Colonna (1663-1714), 9th

Duke and Prince of Paliano (in his inventory 1714).

By inheritance to his third son Fabrizio II Colonna

(1700-1755), 10th Duke and Prince of Paliano (in his

inventory 1730).

By inheritance to his son Lorenzo II Colonna (1723-

1779), 11th Duke and Prince of Paliano.

By inheritance to his son Filippo III Giuseppe Colonna

(1760-1818), 12th Duke and Prince of Paliano (in his

inventory of 1783).

Private collection, France.

Colnaghi, London.

€ 85.000 - € 100.000

Sistrix

INFO | BID

62 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


286

MEISTER DER BOLOGNESER SCHULE,

FRÜHES 17. JAHRHUNDERTS

ERMINIA BEI DEN HIRTEN

Öl auf Leinwand.

114 x 148 cm.

Das Bildthema geht auf die Erzählung von Torquato

Tassos (1544-1595) und seinem literarischen Werk „La

Gerusalemme liberata“ zurück. Die Heldin Ermenia

ist hier im Zentrum wiedergegeben, zwischen einem

Hirtenpaar, links eine Frau mit Kopftuch, rechts

ein bärtiger Mann, der seine Hand auf einen Korb gelegt

hat. Sie überreicht soeben Perlenhalskette und

einen Ohrring, den der Alte prüfend betrachtet. Das

Gemälde ist ganz dem Malstil der Bologneser Schule

verpflichtet, die Hauptfigur stärker als die beiden Assistenzfiguren

beleuchtet, in deutlicher Hell-Dunkel-

Manier des Caravaggismus. In der Farbigkeit wird auch

der Einfuß Guercinos deutlich (1290144) (10)

MASTER OF THE BOLOGNESE SCHOOL,

EARLY 17TH CENTURY

ERMINIA AND THE SHEPHERDS

Oil on canvas.

114 x 148 cm.

This scene is drawn from “Jerusalem Delivered”, an

epic poem by the Italian Renaissance author Torquato

Tasso (1544-1595). It is executed in typical Caravaggisti

chiaroscuro manner of painting.

€ 125.000 - € 150.000

Sistrix

INFO | BID

64 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

65


287

CIRO FERRI,

1634 ROM 1689 EBENDA, ZUG.

MOSES VERTEIDIGT DIE TÖCHTER VON JETHRO

Öl auf Leinwand. Doubliert.

126 x 174 cm.

In teilvergoldetem Rahmen.

In der hier gezeigten biblischen Darstellung begegnet

Moses den Töchtern des Jethro, des Priesters von

Midian, an einem steinernen Brunnen mit ihrer Herde.

Er trägt ein leuchtend gelbes Gewand, hält mit beiden

Händen einen großen Stock und mit entschlossenem

Gesichtsausdruck will er mit voller Kraft drei Hirten

verjagen, die ihrerseits zuvor die Frauen vom Brunnen

vertrieben hatten. Zwei der Hirten sind bereits zu Boden

gegangen, von denen einer abwehrend die Arme

erhoben hat, während im Hintergrund in Rückenansicht

ein Hirte die Flucht ergriffen hat. Erschrocken

über den energischen Einsatz des Moses stehen die

Frauen um den Brunnen. Eine am Boden in blauem

Gewand sitzende Frau weist mit großem Armgestus

auf das Geschehen hin. Im linken Hintergrund ein

Baum mit einem großen Ast, von dem ein Flaschenzug

in das Brunneninnere führt. In der hinteren Bildmitte

eine bergige Landschaft mit einem größeren

Gebäude und zwei Frauen, die ihre Tiere tränken.

Qualitätvolle Malerei in frischen, leuchtenden Farben.

Von Ciro Ferri gibt es mehrere Gemälde und eine

Zeichnung zu dem gezeigten Thema; die Komposition

stimmt überein, jedoch variiert die Zahl der Frauen

am Brunnen und der Hirten. Neu bei dem vorliegenden

Werk ist die Einfügung eines Flaschenzuges am

Brunnen. Teils Retuschen, Holzrahmen teils mit altem

Wurmstich.

Anmerkung 1:

Nach der Vertreibung tränkte Moses die Tiere der

Töchter. Eine der Töchter, von insgesamt sieben,

wurde später die Frau des Moses.

Anmerkung 2:

Ferri war Schüler von Pietro da Cortona und vollendete

nach dem Weggang seines Meisters aus Florenz

dessen Fresken im Palazzo Pitti. (1301551) (18)

CIRO FERRI

1634 ROME 1689 IBID., ATTRIBUTED

MOSES DEFENDS THE DAUGHTERS

OF JETHRO

Oil on canvas. Relined.

126 x 174 cm.

High-quality painting in fresh bright colouration. Ferri

created several paintings and a drawing of this subject

the composition is consistent, but the number

of women at the well and the shepherds varies. A

new element in the present work is the addition of a

pulley at the well. The movement of the figures and

the colouration of the clothes could suggest a collaboration

with Berrettini.

€ 40.000 - € 60.000

Sistrix

INFO | BID

66 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


288

HENDRIK VAN BALEN D. Ä.,

1575 ANTWERPEN 1632 EBENDA, ZUG.

DIANA JAGT MIT IHREN NYMPHEN

Öl auf Kupfer. Parkettierleisten.

75 x 100 cm.

In teilvergoldetem breitem Rahmen mit Wellenprofil.

Von außergewöhnlicher Größe ist diese große Kupferplatte

auf uns gekommen, die als Malgrund in Flandern

besonders beliebt war, da der kupferne Grund die Farben

besonders brillieren lässt. Eine Waldlichtung neben

einem sich durch die Hügel windendem Wasserlauf.

Die einzelnen Einbuchtungen bieten Bäumen, die in

ihrer Größe gestaffelt sind, Gelegenheit, eine besondere

Vielfalt zu entfalten. Der Vordergrund wird in

besonderer Weise beleuchtet, und rechts sehen wir

Diana in himbeerrotem Chiton, ihre Nymphen anweisend.

Diese haben soeben ein Netz geleert, das eine

Vielzahl von Fischen enthielt, die als Sinnbild für die

Jagd im Wasser insgesamt dienen. Als Zeichen für

die Jagd zu Erde dient ein erlegter Hirsch, der rücklings

an einem Baum ganz links hängt; unter ihm ein

Kranich, der die Jagd zu Luft symbolisiert. Das Gemälde

lässt sich hervorragend mit einem Gemälde

von Hendrik van Balen vergleichen, das in der Alten

Pinakothek in München verwahrt wird und das gleiche

Thema in abgewandelter Form zeigt. Es ist mit um

1621 datiert (RKD Nr. 289576).

Anmerkung:

Vgl. Alte Pinakothek München, Inv.Nr. 1950.

(13217711) (13)

HENDRIK VAN BALEN THE ELDER,

1575 ANTWERP 1632 IBID., ATTRIBUTED

DIANA HUNTING WITH HER NYMPHS

Oil on copper.

75 x 100 cm.

Exceptionally large copper plates like the one on offer

for sale in this lot, were particularly popular as a painting

ground in Flanders, since the copper background

gave the colours great luminosity.

€ 22.000 - € 26.000

Sistrix

Vergleichsbild: Alte Pinakothek München

INFO | BID

68 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


289

CIRO FERRI,

1634 ROM 1689 EBENDA, ZUG.

MOSES VERTEIDIGT DIE TÖCHTER DES JETRO

GEGEN FREMDE HIRTEN

Öl auf Leinwand.

116,5 x 164,5 cm.

Die Bibelgeschichte (Ex 2,16) berichtet, wie der junge

Moses während seines Aufenthaltes bei Jetro, dem

Priester von Midian, fremde Hirten vom Brunnen vertrieb,

um die Töchter Jetros zu schützen, und deren

Tiere tränkte. In der Folge gab Jetro Moses die älteste

seiner sieben Töchter, Zippora, zur Frau.

Dieses Bildthema ist auch noch in einer weiteren Version

von Ciro Ferri bekannt, das sich Museum of Fine

Arts in Houston/ Texas befindet. Die Bildauffassung,

mit dem Brunnen in der Bildmitte und den seitlichen

Figuren in beiden Bildern, ist weitgehend identisch,

ebenso die Position der Gestalt des mit dem Stock

agierenden jungen Moses rechts neben dem Brunnen.

Allerdings zeigt sich hier bereits eine Änderung

in der Bildgestaltung, nämlich in der unterschiedlichen

Körperhaltung des Moses. Auch zeigt das Bild

in Houston im Hintergrund bergige Landschaft, während

in unserem Bild am Horizont ein Meeresufer zu

sehen ist. Völlig unterschiedlich jedoch ist die Komposition

der Figuren.

Man muss annehmen, dass die Verwendung des

wertvollen Lapislazuli-Blau bei Darstellung der Frauen

nur der in der Bibel genannten Zippora, der Frau Moses´,

zugedacht war. So kann in beiden Bildern nur

die weibliche Gestalt im Vordergrund links gemeint

sein. Hier im Bild hält sie einen Wasserkrug, in der

Houston-Fassung wird das Blau im Kleid noch mehr

hervorgehoben, und Zippora weist mit dem Fingen auf

ihren Helden. Neben weiteren Unterschieden, wie

etwa, dass im Hintergrund des vorliegenden Bildes die

Stadt des Jetro gezeigt wird, ist jedoch beiden Gemälden

der frühe Stil Ferris gemeinsam, nämlich beeinflusst

von seinem Lehrer Pietro da Cortona (1596-

1669).

Im Palazzo Pitti in Florenz vollendete Ferri die Fresken

seines Lehrers, bevor er wieder nach Rom zurückzog,

wo er sich fernerhin als Architekt betätigte. A.R.

Literatur:

Vgl. Allgemeines Künstlerlexikon, Bd. 39, München

u.a. 2003, S. 110. (1320991) (3) (11)

CIRO FERRI,

1634 ROME 1689 IBID., ATTRIBUTED

MOSES DEFENDING THE DAUGHTERS OF JETHRO

Oil on canvas.

116.5 x 164.5 cm.

Literature:

cf. Allgemeines Künstlerlexikon, vol. 39, Munich at

all 2003, p. 110.

€ 27.000 - € 30.000

Sistrix

INFO | BID

70 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


290

FRANCESCO FERNANDI,

GENANNT „IMPERIALI“,

1679 1740, ZUG.

PAAR ARKADISCHE SZENEN

Öl auf Leinwand.

146 x 122 cm.

In breitem vergoldetem Rahmen.

Offensichtlich als Pendants gearbeitet sind diese zwei

Gemälde mit arkadischen Darstellungen. Als Repoussoir

dient einmal ein violettes Velum, das von einem

Putto gehalten wird, einmal ein auskragender Baum,

der den Beginn einer Baumkaskade in verschiedenen

Abtönungen bildet. Unter dem violetten Velum ist

Diana zu sehen, welcher der von zwei Putti gefesselte

Satyr vorgeführt wird. Das andere Bild zeigt einen

schlaftrunkenen Bachhus, der von zwei Satyrn gestützt

wird und ein der Baumkaskade eingegliedertes Standbild,

das von mehreren Personen umspielt wird.

(1320881) (1) (13)

FRANCESCO FERNANDI,

ALSO KNOWN AS “IMPERIALI“,

1679 1740, ATTRIBUTED

PAIR OF ARCADIAN SCENES

Oil on canvas.

146 x 122 cm.

In a wide gilt frame.

€ 30.000 - € 40.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

71


291

FRANS FLORIS D. Ä.,

UM 1516 ANTWERPEN 1570 EBENDA, WERKSTATT

LOT UND SEINE TÖCHTER

Öl auf Holz.

76,5 x 107,5 cm.

In vergoldetem Rahmen.

Dargestellt wird eine Szene aus dem Alten Testament:

Nach der Rettung aus dem brennenden Sodom

und Gomorra war Lot mit seinen beiden Töchtern ins

Gebirge geflüchtet. Aus Sorge um fehlende Nachkommen

und in Ermangelung fehlender Ehemänner

wussten sich die beiden Frauen nicht anders zu helfen

als ihrem Vater Wein einzuflößen und ihn zu verführen.

Auf dem Gemälde sind auf der linken Seite

die drei Figuren zu sehen, von denen linksseitig eine

weiße Decke auf einem Felsblock liegt, auf welcher

sich Brot, ein Messer und eine Zinnschale mit Früchten

befinden. Im Zentrum der am Boden auf einem

roten Tuch sitzende graubärtige Vater, zärtlich umarmt

von seiner Tochter in elegantem, grün glänzendem

Kleid mit Haarschmuck, die versucht ihn zu verführen.

Er hält in seiner erhobenen rechten Hand eine goldene

Tazza, die von der hinter ihnen stehenden zweiten

Tochter, in leicht durchsichtigem rosafarbenem Gewand,

mit Wein aus einem Krug gefüllt wird. Im Hintergrund

rechts, eingebettet von zwei alten Baumstämmen,

fällt der Blick in die Ferne mit den brennenden Städten

mit leuchtenden hohen gelben und orangefarbenen

Flammen und aufsteigendem Rauch und Qualm. Malerei,

bei der die großfigurige Darstellung der Verführung

des Lot im Vordergrund steht. Diese Bibelszene wurde

von dem Künstler und seinem Umkreis, sowie von

vielen anderen Künstlern seiner Zeit und Nachfolgern

dargestellt. Teils rest. (1321468) (18)

FRANS FLORIS THE ELDER,

CA. 1516 ANTWERP 1570 IBID., WORKSHOP

LOT AND HIS DAUGTHERS

Oil on panel.

76.5 x 107.5 cm.

€ 25.000 - € 35.000

Sistrix

INFO | BID

74 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

75


292

NICOLAAS MARTEN FIERLANTS,

UM 1622 DEN BOSCH UM 1694 ANTWERPEN

VENUS IN DER SCHMIEDE DES VULKAN

Öl auf Leinwand.

104 x 123 cm.

Rechts unten signiert und datiert „1660“.

In ebonisiertem passendem Profilrahmen des

20. Jahrhunderts.

In einem für diesen Künstler typischen Format wird vor

einem Gebäudeprospekt Vulcanus an einem Amboß

dargestellt. Komplementär zu diesem hell strahlenden

Moment stellt Fierlants die Figur der Venus entgegen,

welche nicht nur durch ihr helles Inkarnat und das

weiße sie kleidende Tuch heraussticht, sondern auch

durch einen Rundbogen überfangen wird und dadurch

an Bedeutung gewinnt. Minimal rest.

Provenienz:

L. Moorthammers, Brüssel (dort 1961 nachgewiesen).

Privatsammlung Belgien. (12821043) (13)

NICOLAAS MARTEN FIERLANTS,

CA. 1622 DEN BOSCH CA. 1694 ANTWERP

VENUS AT THE FORGE OF VULCAN

Oil on canvas.

104 x 123 cm.

Signed and dated “1660” lower right.

In matching ebonised 20th century frame with

moulding.

With minimal restorations.

Provenance:

L. Moorthammers, Brussels (recorded there in 1961).

Private collection, Belgium.

€ 22.000 - € 30.000

Sistrix

INFO | BID

76 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


293

NICCOLO RICCIOLINI,

1687 ROM 1772, ZUG.

ALLEGORIE DER HOFFNUNG UND GLÜCKSELIGKEIT

Öl auf Leinwand.

187 x 126 cm.

Im Oval auf einer Wolke schwebend die Personifikation

der Allegorie, umhüllt mit einem faltenreichen, gelben

Tuch, die Fingerspitzen vor der Brust aufeinandergelegt

und den Kopf und Blick nach oben zum Himmel

gewendet, in Ehrfurcht vor Gott. Unter dem langen

Tuch versucht sich ein kleiner Putto zu verbergen. Ein

großer Engel mit Flügeln schwebt unterhalb ihrer

Füsse. Unter ihrem linken Arm hält sie einen langen

Anker, der bis zu jenen Engel reicht. Als weitere Attribute

sind ein Füllhorn und eine liegende Krone erkennbar.

Im wolkigen Himmelsbereich, der von der Mitte

oben herab gelblich erhellt wird und dann in einen

hellblauen Himmel übergeht, schweben weitere Engel.

NICCOLO RICCIOLINI,

1687 ROME 1772, ATTRIBUTED

ALLEGORY OF HOPE AND FELICITY

Oil on canvas.

187 x 126 cm.

There is a model by the artist with the same motif, a

so called cartoon for the mosaic furnishings of the

Santa Maria degli Angeli Basilica in Rome. Copies of

illustration and literature available. A certain proximity

to Giacomo del Po (1654-1726) is undeniable. (†)

€ 30.000 - € 50.000

Sistrix

INFO | BID

Von dem Künstler existiert ein Modell mit dem gleichen

Motiv, ein sogenannter Karton, für die Mosaikausstattung

der Basilika Santa Maria degli Angeli in Rom.

Abb. und Literatur in Kopie vorhanden.

Eine gewisse Nähe zu Giacomo del Po (1654-1726) ist

nicht zu verkennen. (†) (12821023) (18)

78 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


294

NICCOLO RICCIOLINI,

1687 ROM 1772, ZUG.

ALLEGORIE DER STÄRKE

Öl auf Leinwand.

187 x 126 cm.

Im Oval im Himmel auf einer Wolke schwebend die

Personifikation der Stärke als ein römischer Soldat mit

Feder besetztem Helm und einem gelben Gewand,

unter dem ein Teil seines Brustpanzers hervorschaut.

Er hält zudem eine Lanze in seiner rechten Hand, mit

der Spitze nach unten. Im wolkigen Himmelsbereich,

der von der Mitte oben herab gelblich erhellt wird und

dann in einen hellblauen Himmel übergeht, schweben

ein größerer und zwei kleinere Engel.

NICCOLO RICCIOLINI,

1687 ROME 1772, ATTRIBUTED

ALLEGORY OF STRENGTH

Oil on canvas.

187 x 126 cm.

There is a model by the artist with the same motif, a

so called cartoon for the mosaic furnishings of the

Santa Maria degli Angeli Basilica in Rome. Copies of

illustration and literature available.

A certain proximity to Giacomo del Po (1654-1726) is

undeniable. (†)

€ 30.000 - € 50.000

Sistrix

INFO | BID

Von dem Künstler existiert ein Modell mit dem gleichen

Motiv, ein sogenannter Karton, für die Mosaikausstattung

der Basilika Santa Maria degli Angeli in Rom.

Abb. und Literatur in Kopie vorhanden.

Eine gewisse Nähe zu Giacomo del Po (1654-1726) ist

nicht zu verkennen. (†) (12821019) (18)

80 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


295

JAN BRUEGHEL D. J., 1601 1678

UND HENDRICK VAN BALEN, 1575 1632

DIANA UND IHRE GEFÄHRTINNEN IM SCHLAF

BELAUSCHT VON SATYRN

Öl auf Kupfer.

45,7 x 61,2 cm.

Beigegeben eine Expertise von Dr. Klaus Ertz, Lingen,

12. Februar 2022.

Das Bildthema entstammt der antiken Mythologie,

durch den Schriftsteller Ovid überliefert. Mehrere

Künstler insbesondere im 17. Jahrhundert haben

sich dem Motiv angenommen, wie etwa Frans Snyders

(Museum Kassel). Wie auch Rubens, so haben die

Künstler im Gegensatz zu einer früheren prüden Zeit

solche antiken Themen als Gelegenheit gesehen,

Nacktheit darstellen zu dürfen. Hier im Bild haben

sich die jungen Nymphen um ihre Herrin Diana zum

Schlaf nach der Jagd unter einem Baum und einem

schützenden großen Velum gruppiert. Sie sitzen und

lagern auf farbigen Tüchern, tief eingenickt. Dabei

werden sie von zwei jugendlichen Satyrn belauscht,

von denen der eine das Dachvelum hochhält, der andere

das rote Seidentuch einer Nymphe ergreift. Einzig

Diana selbst und die neben ihr Sitzende scheinen

mit halbgeöffneten, aber noch schlaftrunkenen Augen

aufmerksam zu werden. Dass der Übermut der Satyrn

bittere Folgen haben wird, beweist das parallel dazu

tradierte Thema, wonach der Jäger Aktäon ebenfalls

seine Neugier damit bezahlen musste, dass er in einen

Hirsch verwandelt und von den Jagdhunden zerrissen

wurde. Höchst abwechslungsreich und in hoher Qualität

gemalt sind die Jagdgeräte am Boden rechts und

am Baum links sowie das erlegte Wild im Vordergrund.

Die Wiedergabe des hellen Inkarnats der Frauengestalten

jedoch überwiegt in der Bildwirkung vor

mälde ist in Zusammenarbeit der beiden genannten

Künstler entstanden. Jeweils beste Könner auf den

einzelnen Gebieten haben so Werke geschaffen, wie

sie von einem Einzelnen gewöhnlich nicht zu leisten

war. So sind hier die Figuren der Beitrag des Hendrick

van Balen. Während die schlankeren Körperformen

seiner frühen Werke noch von Hans Rottenhammer

beeinflusst waren, zeigen sie sich hier deutlich bereits

in der Auffassung des P. P. Rubens. A.R.

Literatur:

Vgl. Klaus Ertz, Jan Brueghel der Jüngere. Die Gemälde

mit kritischem Œuvrekatalog, Freren 1984.

Vgl. Bettina Werche, Hendrick van Balen. Ein

Antwer pener Kabinettmaler der Rubenszeit, Turnhout

2004.

Vgl. Klaus Ertz, Christa Nietze-Ertz, Jan Brueghel d.

Ä. Kritischer Katalog der Gemälde, Bd. I-IV, Lingen

2008-10. (1321606) (11)

JAN BRUEGHEL THE YOUNGER, 1601 1678

AND HENDRICK VAN BALEN, 1575 1632

THE SLEEPING DIANA AND HER COMPANIONS

BEING SPIED ON BY SATYRS

Oil on copper.

45.7 x 61.2 cm.

Accompanied by an expert’s report by Dr Klaus Ertz,

Lingen, 12 February 2022.

Literature:

cf. Klaus Ertz, Jan Brueghel der Jüngere. Die Ge mälde

mit kritischem Œuvrekatalog, Freren 1984.

cf. Bettina Werche, Hendrick van Balen. Ein Antwerpener

Kabinettmaler der Rubenszeit, Turnhout 2004.

cf. Klaus Ertz, Christa Nietze-Ertz, Jan Brueghel d. Ä.

Kritischer Katalog der Gemälde, vol. I-IV, Lingen

2008-10.

€ 15.000 - € 25.000

Sistrix

INFO | BID

82 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


296

HENDRICK VAN BALEN D. Ä., 1575 1632,

UND JAN BRUEGHEL D. J., 1601 1678

RAUB DER PROSERPINA

Öl auf Holz. Parkettiert.

47,5 x 73 cm.

Beigegeben Expertise von Dr. Klaus Ertz, Lingen, 8.

Februar 2022. Die Figurenszene von Hendrick van

Balen, der Blumenkorb und das Arrangement von Jan

Brueghel.

Die Szene illustriert den griechischen Mythos, wonach

Persephone, die Tochter der Fruchtbarkeitsgöttin

Ceres, von Pluto, dem Herrscher der Unterwelt, gegen

ihren Willen entführt wird. Die verzweifelte Mutter ließ

nach vergeblicher Suche nach ihrer Tochter alle Ernten

versiegen. Gott Zeus jedoch veranlasste zum Wohl

der Menschheit, dass ihr die Tochter zurückzugeben

sei. Pluto aber erreichte, dass die Geraubte vier Monate

in seiner Unterwelt- den Rest des Jahres frei

bliebe. Dieser Mythos symbolisiert also die fruchtbaren-

bzw. unfruchtbaren Zeiten des Jahres. Die erste

gemalte Darstellung dieser Szene schufen die beiden

genannten Maler im Jahre 1610. Das Gemälde (39 x

53 cm) befindet sich in den Sammlungen des Royal

Pavilion & Museums Trust, Brighton. Die hier vorliegende

Version hat deutlich größere Maße. Der Bildaufbau

und die Figurationen sind identisch. Gezeigt

ist Entführung durch den hier muskulös dargestellten

Pluto, links ist die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter mit

bäuerlichem, mit Blüten bestücktem Strohhut und

entblößten Brüsten zu sehen, die sich angesichts des

Vorfalles entsetzt an die allegorischen Frauengestalten

des Frühlings, der Ernte und der Vegetation zuwendet.

Gott Amor, als Verursacher, der Pluto verliebt

gemacht hatte, macht sich hier davon. A.R.

(1321607) (11)

HENDRICK VAN BALEN THE ELDER, 1575 1632,

AND JAN BRUEGHEL THE YOUNGER, 1601 1678

THE RAPE OF PROSERPINA

Oil on panel. Parquetted.

47.5 x 73 cm.

An expert’s report by Dr Klaus Ertz, Lingen, 8 February

2022 is enclosed. The figural scene by Hendrick van

Balen,the folower basket and the arran gement by Jan

Brueghel.

The scene illustrates the Greek myth according to

which Persephone, the daughter of Ceres, the goddess

of fertility, is abducted against her will by Pluto,

ruler of the underworld. The first painting of this

scene was created by the two above mentioned

painters in 1610. The painting (39 x 53 cm) is held in

the collections of the Royal Pavilion & Museums

Trust, Brighton. The version on offer for sale here is

significantly larger, but the composition and the figurations

are identical.

€ 15.000 - € 25.000

Sistrix

INFO | BID

Detail des Blumenkorbes

links unten

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

83


297

FRANS FLORIS D. Ä.,

UM 1516 ANTWERPEN 1570, UMKREIS DES

NIEDERSTRECKUNG DES HELIODORUS

IM TEMPEL

Öl auf Holz.

135,7 x 228 cm.

Rechts unten mit Inschrift: „MACHABEI.IB/ 2°...AD“.

In glattem schwarzem Rahmen.

Anbei ein umfangreicher Untersuchungsbericht von

A.M. Rorda Boersma-Pappenheim, Rotterdam 2010/12.

Das Thema stammt aus dem zweiten Buch Makkabäer,

III:25-29. Heliodorus erhielt vom syrischen Seleukidenkönig

den Auftrag, die Schätze aus dem Tempel

des Königs Salomo in Jerusalem zu stehlen. Doch wie

auf diesem Gemälde dargestellt, wurde er von einem

Reiter niedergestreckt und von dessen Begleitern, die

hier als Engel dargestellt sind, gegeißelt. Das Sujet,

das oft als eine Vorwegnahme der Vertreibung der

Geldwechsler aus dem Tempel durch Christus angesehen

wird, ist oftmals zu sehen in der niederländischen

Kunst des 16. Jahrhunderts. Dieses Bild ist in

Stil und Ausführung eng mit dem Antwerpener Maler

Frans Floris (1519/20-1570) verbunden. Floris, der von

1541 bis 1547 in Rom lebte, galt unter den nordischen

Malern als einer der besten Vertreter des römischen

Stils. Die robusten und skulpturalen Figuren des vorliegenden

Werks spiegeln offensichtlich Floris´ monumentalen

Stil wider, der auf seiner Vertrautheit mit den

Werken berühmter italienischer Meister wie Raffael

beruht, dessen Fresko zu diesem Thema im Vatikan er

möglicherweise gesehen hat. Einige der Kopftypen,

insbesondere die der Frauen im Vordergrund, erinnern

an Werke von Floris, die in die 1550er und 1560er Jahre

datiert werden können, wie z. B. eines, das am 16.

Mai 1996 bei Sotheby´s in New York verkauft wurde

(Los 189), und ein anderes, das am 23. Januar 2004

bei Christie´s in New York verkauft wurde (Los 18).

Provenienz:

Christie‘s, London, 25. Oktober 1974, Lot 88

(als Frans Floris).

Christie‘s, London, 15. Juli 1977, Lot 156

(als Frans Floris).

Sotheby‘s, London, 18. Dezember 1980, Lot 44

(als Frans Floris).

Sotheby‘s, Amsterdam, 18. Mai 2010, Lot 5

(als Frans Floris Umkreis). (1320098) (13)

FRANS FLORIS THE ELDER

CA. 1516 ANTWERP 1570, CIRCLE OF

EXORCISM OF HELIODORUS IN THE TEMPLE

Oil on wood.

135,7 x 228 cm.

Lower right with inscription “MACHABEI.IB/ 2°...AD“.

Enclosed a comprehensive report by A.M. Rorda

Boersma-Pappenheim, Rotterdam 2010/12.

Provenance:

Christie’s, London, 25 October 1974, lot 88

(as Frans Floris).

Christie’s, London, 15 July 1977, lot 156

(as Frans Floris).

Sotheby’s, London, 18 December 1980, lot 44

(as Frans Floris).

Sotheby’s, Amsterdam, 18 May 2010, lot 5

(as Frans Floris circle).

€ 45.000 - € 60.000

Sistrix

INFO | BID

84 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


298

JUSEPE DE RIBERA

GENANNT „LO SPAGNOLETTO“,

1588/91 XÀTIVA/ VALENCIA 1652 NEAPEL,

UND WERKSTATT

Bevor Ribera nach Neapel ging, studierte er bei Francisco

Ribalta (1565-1628) in Valencia. In Rom setzte er

sich mit den Werken Raffaelo Santis (1483-1520) und

Agostino (1557-1602) und Annibale Carraccis (1560-

1609) auseinander, in Parma und Modena mit denen

von Antonio Allegri Correggio (um 1489-1534). Später

stand er stark unter dem Einfluss von Michelangelo

Merisi il Caravaggio (1570/71-1610). Die Qualität seiner

Bilder erhoben ihn zum Hofmaler des Herzogs

von Osuna sowie des Königs von Neapel. Im Jahr

1644 wurde er durch den Papst zum Ritter des

Christus ordens geschlagen. 1630 war er bereits Mitglied

der Accademia di San Luca in Rom. Neben Caravaggio

ist er der bedeutendste Naturalist der Neapolitanischen

Malerei mit Betonung des Chiaroscuro.

Ein Hauptmerkmal seines Wirkens ist die bewusste

Wahl der Darstellung von meist alten, asketisch knochig-schlanken

Gestalten wie Einsiedlern oder Philosophen.

BILDNIS DES PHILOSOPHEN THALES

MIT PAPIERROTULUS

Öl auf Leinwand.

120 x 94,5 cm.

Verso Provenienz-und Ausstellungs-Etikett.

Beigegeben Expertise von Claudio Strinati o. J. sowie

Prof. Riccardo Lattuada, Juli 2021.

Das in Variationen vom Künstler wiederholt gemalte

Werk ist mehrfach dokumentiert. (Dokumente beigegeben).

Dargestellt ist die Gestalt eines Philosophen

in Dreiviertelfigur, der aus dem dunklen Hintergrund

hervortritt, von links oben beleuchtet. Das Gesicht,

mit tiefliegenden Augen und kurzem, dunklem Bart,

ist dem Betrachter zugewandt, während er uns demonstrativ

einen aufgerollten Papierrotulus zeigt, auf

dem geometrische Zeichnungen mit Kreisen zu erkennen

sind. Mit dem rechten Arm nach unten gerichtet

hält der Dargestellte eine Sanduhr in der Hand.

Aufgrund der Zeichnungen auf dem Rotulus mit Kreisdarstellungen,

aber auch von Beschriftungen weiterer

Versionen, ist die Identifizierung als „Tales von Milet“

gesichert. Der Philosoph hat bekanntlich im 6. Jahrhunderts

v. Chr. neben anderem den Satz formuliert:

alle Winkel in einem Halbkreis sind rechtwinkelig.

Bildnisse bedeutender Philosophen kennen wir auch

von anderen Malern, wie etwa „Thales“ von Luca Giordano,

mit der nämlichen Zeichnung. Die Annahme,

es könne sich um den Skeptiker Sextus Empiricus

des 2. Jhdts. handeln, stellt sich daher nicht mehr.

Nicola Spinosa erwähnt weitere Versionen der Darstellung,

so zum Vergleich etwa in der Sammlung

Wemys, London, in der National Gallery of Scotland,

Edinburgh, eine weitere „replica autografa“ in einer

Pariser Sammlung aus der Collection des Marchese

di Remisa. Darüber hinaus ist ein Gemälde bekannt

geworden, das nur den Kopf zeigt, in einer Privatsammlung

Kopenhagen. Auf Seite 296 f. des Werkverzeichnisses

von Spinosa (2003) ist eine dem vorliegenden

Gemälde vergleichbare Version abgebildet

(A 89), am Oberrand beschriftet „TALES MILESIO“.

Letztlich folgert Riccardo Lattuada in seiner hier beigegebenen

Expertise aus den ebenfalls beiliegenden

Unterlagen, dass es sich hier um ein Werk Riberas

unter Mitwirkung seiner Werkstatt handelt.

Provenienz:

Sammlung Matarazzo di Licosa, Neapel (bis 1974).

Ausstellung Galleria Previtali, 1974.

Das Gemälde in der Literatur besprochen und

abgebildet:

S. Ortolani, in: Ausstellungskat. „La mostra ella pittura

napoletana del ’600 ’700 ’800, Neapel 1938

scheda 215. Ganzseitige Abbildung S. 71.

F. Parlato, La collezione del Conte Giuseppe Matarazzo

di Licosa, Neapel 1950, S. 64-75, Teil p. 71

(vermutet als: „L‘Architetto“).

Katalog: Galleria Privitali, Bergamo, Dipinti Antichi,

1974, S. 32, Abb. S. 33

Nicola Spinosa, Ribera, L‘Opera Completa, Neapel

2003: La obra completa, Fundaciòn Arte His pánico

Madrid. 2009.

Weitere Literatur:

August Liebmann Mayer, Jusepe de Ribera, Leipzig

1908.

Nicola Spinosa und A.E. Perez Sánchez, Jusepe de

Ribera 1591-1652, Ausstellungskatalog; Neapel

Madrid New York 1992.

G. Papi, Ribera a Roma. Soncono/Cremoa, 2007.

J. Milicua und J. Portús (a cura) Il giovane Ribera tra

Roma, Parma e Napoli, Ausstellungskatalog, Madrid

Neapel 2010-2011. (13207829) (2) (11)

JUSEPE DE RIBERA,

ALSO KNOWN AS “LO SPAGNOLETTO”,

1588/91 XÀTIVA/ VALENCIA 1652 NAPLES,

AND WORKSHOP

PORTRAIT OF THE PHILOSOPHER THALES

WITH PAPER ROTULUS

Oil on canvas.

120 x 94.5 cm.

Provenance and exhibition label on the reverse.

Accompanied by an expert’s report by Claudio Strinati,

n.d. and by Professor Riccardo Lattuada, July 2021.

Provenance:

Collection Matarazzo di Licosa, Naples (until 1974).

Exhibition Galleria Previtali, 1974.

The painting is discussed and illustrated in:

S. Ortolani, in: La mostra ella pittura napoletana del

‘600 ‘700 ‘800, exhibition catalogue, Naples

1938, file card 215. Full-page illustration p. 71.

F. Parlato, La collezione del Conte Giuseppe Matarazzo

di Licosa, Naples 1950, pp. 64-75, part p. 71 (assumed

as: “L’Architetto”).

Dipinti Antichi, exhibition catalogue, Galleria Privitali,

Begamo 1974, p. 32, ill. p. 33.

Nicola Spinosa, Ribera. L’Opera Completa, Naples

2003: La obra completa, Fundación Arte Hispánico,

Madrid 2009.

€ 90.000 - € 130.000

Sistrix

INFO | BID

86 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

87


299

BARTOLOMÉ ESTEBAN MURILLO,

1618 SEVILLA 1682 EBENDA

GENRESZENE HIRTENFAMILIE MIT SCHAFEN

Öl auf Leinwand.

20,5 x 37,4 cm.

Verso auf dem Keilrahmen gedruckter Aufkleber:

„COLLECTIE GOUDSTIKKER / AMSTERDAM -

KALVERSTR. 73“ mit handschriftlicher „No 1609“.

Ferner rotes Lacksiegel mit Palette und Umschrift

„Collectie Goudstikker“.

Beigegebene Dokumente: Original Kaufrechnung von

der Galerie J. Goudstikker, Schilderijen, Kalverstraat

73, Amsterdam, ausgestellt an: Mr. W. Suermont,

Westersingel 84, Rotterdam. 8. Dec. 1925.

Ferner: Quittung der Fa. Goudstikker an M. Suermont,

Rotterdam, über 8.000 holl. Gulden., Amsterdam 8.

Dec. 1925.

Ferner: N. Pappenheim-Luitweiler, „Restaurator van

Schilderijen“, Essenweg 25, Rotterdam 16. Mit Text:

„Voor restauratie. Herdersfamilie met schapen, geschilderd

door Murillo“, ausgestellt an Mr. W. Suermondt,

Dartheuvel-Leersum, 8. Febr. 1965.

Das nicht allzu große Gemälde führt uns in skizzenhaftem

Pinselstrich in die Szene einer Schäferfamilie.

Links die Mutter mit Kind an der Brust, zwischen zwei

weiteren Kindern und links einem Mädchen mit Wasserkübel.

Die Mutter blickt auf die beiden Kleinkinder

herab, von denen eines einen Brei löffelt, während sich

das nackte Knäblein dazustellt. Weiter rechts zwei

Schafe. Dahinter, in nebeligem Dunkel die Gestalt des

leicht gebückt schreitenden Schäfers mit geschultertem

Hirtenstab.

Im Vordergrund ein Tonkrug und eine große Schale

mit Brei oder Milch. Dieser weiße Farbeffekt verleiht

betonenden Akzent und korrespondiert zu den weiteren

helleren Partien im Bild.

Das Gemälde zeigt Studiencharakter. Das Bildthema

führt das einfache ländliche Hirtenleben realistisch vor.

Kinder in diesem Milieu zählen ohnehin zur spezifischen

Charakteristik in Murillos Werk, nicht selten im

Beisein von Schafen.

Das Werkverzeichnis setzt die Entstehung dieser

Studie in die letzten Jahre Murillos, zwischen 1670

und 1680. Das erklärt wohl, dass diesem Entwurf keine

großformatige Ausführung folgte. Vorausgegangen

sind etwa Murillos „Häusliche Toilette Entlausung

eines Knaben“ oder „Die geldzählenden Obstverkäufer“.

Das Gemälde ist im Werkverzeichnis auf Seite 217 abgebildet,

dort mit Besitzerangabe: „Amsterdam, Sammlung

Dr. Lanz“.

Der Autor des Werkverzeichnisses, August Liebmann

Mayer war Hauptkonservator für Altspanische Malerei

an der Alten Pinakothek München. Er galt für die

Spanische Kunst weltweit als die Autorität schlechthin.

Sein Murillo-Werkverzeichnis erschien 1913.

Bereits in den 1930er-Jahren wurde Mayer Opfer einer

beispiellosen antisemitisch motivierten Kampagne,

unterstützt vom „Völkischen Beobachter“. Die Behauptungen

angeblicher Falschzuschreibungen erwiesen

sich als unbegründet. Besonders um den als extrem

nationalsozialistisch bekannten Wilhelm Pinder, keineswegs

für die Malerei zuständig, scharten sich Gelehrte,

die nun gegen die Fachautorität Mayers polemisierten.

Das zeigte leider bis heute Wirkung, etwa

wenn sich der Handel gelegentlich unsicher zeigt.

Erst in jüngster Zeit wurde die Reputation Mayers

wiederhergestellt (Kolloquium zu Ehren von August

Liebmann Mayer, Zentralinstitut für Kunstgeschichte

München, Oktober 2021).

So sollten weder an Mayers Werkverzeichniseintrag,

noch an der Autorschaft Murillos Zweifel bestehen.

Dies sowohl ob der hervorragenden Malqualität, als

auch aufgrund der hervorragenden Provenienz. A.R.

Provenienz:

Vor 1912 Sammlung Dr. Lanz, Amsterdam.

Vor 1925 Goudstikker, Amsterdam.

1925 Sammlung Mr. Suermondt, Rotterdam.

1965 Mr. W. Suermondt, Leersum.

Literatur:

August Liebmann Mayer, Murillo. Der Meisters Gemälde

in 287 Abbildungen, Stuttgart/ Berlin 1913,

Werkverzeichnis-Abb. Seite 217. (13210713) (11)

€ 7.000 - € 9.000

Sistrix

INFO | BID

88 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Abgebildet in „August Liebmann Mayer, Murillo“

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

89


300

JUAN DE ZURBARÁN,

1620 1649 SEVILLA

BODEGÓN MIT GRANATÄPFELN

Öl auf Leinwand. Doubliert.

34,5 x 39 cm.

In plastisch beschnitztem Holzrahmen.

Juan wurde in Llerena, 130 Kilometer nördlich von

Sevilla, als Sohn des Malers Francisco de Zurbarán

geboren, bei dem er seine Ausbildung erhielt. Um

1629, als Juan etwa neun Jahre alt war, zog die Familie

nach Sevilla, wo sein Vater die Kunstszene bis Mitte

des 17. Jahrhunderts beherrschte. 1641 heiratete Juan

Mariana de Quadros, die wohlhabende Tochter eines

Prokuristen der Real Audiencia von Sevilla, die ihm

eine beträchtliche Mitgift einbrachte und mit der er

zwei Kinder hatte (geboren 1642 und 1644). Tragischerweise

fanden Leben und Karriere von Juan ein

jähes Ende: Er starb 1649 im Alter von nur neunundzwanzig

Jahren als Opfer der Pestepidemie, die Sevilla

heimsuchte und fast die Hälfte der Bevölkerung der

Stadt auslöschte. Juans Gemälde sind äußerst selten.

Obwohl er (wie sein Vater) religiöse Werke gemalt

haben soll, sind diese nicht erhalten geblieben, und er

ist heute ausschließlich als Stilllebenmaler bekannt. Es

wurden weniger als zwanzig Gemälde von Juans

Hand identifiziert, von denen nur drei signiert sind.

Trotz ihrer Seltenheit wird Juans Stillleben eine wich -

t ige Rolle bei der Entwicklung der Bodegón Tradition

des Goldenen Zeitalters in Spanien zugewiesen. Die

signierten Werke befinden sich in einer Privatsammlung

in Bordeaux, im Museum in Kiew (datiert 1640)

und in der Gösta Serlachius Fine Arts Foundation in

Mänttä in Finnland (datiert 1643). Trauben und Granatäpfel

wie sie hier zu finden sind, gehören zum

Repertoir des begehrten Malers. Ein weiteres Gemälde

mit Granatäpfeln befindet sich in der Sammlung Abelló.

JUAN DE ZURBARÁN,

1620 1649 SEVILLA

BODEGÓN WITH POMEGRANATE

Oil on canvas. Relined.

34.5 x 39 cm.

In three-dimensionally carved wooden frame.

Literature:

Rafael Romero Asenjo, El bodegón español en el

siglo XVII desvelando su naturaleza oculta, 2009,

p. 188, ill. 45, with x-ray photography ill. 46.

Museo de Bellas Artes de Murcia, Maestros del

Barroco espanol, pp. 68.

€ 100.000 - € 150.000

Sistrix

INFO | BID

Literatur:

Rafael Romero Asenjo, El bodegón español en el

siglo XVII desvelando su naturaleza oculta, 2009,

S. 188, Abb. 45, mit Roentgenfotografie Abbildung

46.

Museo de Bellas Artes de Murcia, Maestros del

Barroco espanol, S. 68 f. (1320681) (13)

90 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

91


301

LUIS MELÉNDEZ,

1716 NEAPEL 1780 MADRID

STILLLEBEN MIT KIRSCHEN, APRIKOSEN

UND EINEM HONIGTOPF

Öl auf Leinwand. Doubliert.

34 x 47,5 cm.

Dem Gemälde ist ein ausführliches Gutachten der

Prado-Expertin Carmen Garrido, o.J. beigegeben, mit

der schlussfolgernden Datierung des Bildes in das

Jahr 1771. Des Weiteren ein technischer Untersuchungsbericht

mit Radiographie etc. „I & R“, Rafael

Romero Asenjo und Adelina Illán Gutiérrez, Madrid,

August 2018.

In betontem Breitformat hat der Maler die Früchte

dargestellt auf einer hölzernen Tischplatte nebeneinander

ausgebreitet. Lichteinfall von links. Die Komposition

zeigt überlegte Positionierung, indem die goldleuchtenden

Aprikosen das Bildzentrum zwischen

den beiderseits dichtliegenden Kirschen beherrschen.

Der intensiven Rotfarbe wirkt das Grün der Blätter

eines Fruchtzweiges farbkomplementär gegenüber.

Nur leicht aus der Mitte nach rechts verschoben, hebt

sich der Melero, ein durch Tuch und Schnur verschlossener,

glasierter schlanker Honigtopf in Talavera-

Keramik, vor dem dunklen Hintergrund ab. Denselben

Topf hat Meléndez auch ins Zentrum seines Stilllebens

mit „Orangen, Konfektschachteln und Wassermelonen“

gesetzt (Prado Madrid, Garido und Cherry,

2004, Nr. 4, S. 117).

Wie viele weitere Künstler spanischer Herkunft begab

auch Meléndez sich zum Studium und Wirken

nach Italien. Als Schüler des hervorragenden französischen

Portraitisten und Hofmalers Louis-Michel van

Loo (1707-1771) gelangte er bald zu hohem Ansehen

und erhielt auch Aufträge vom Hof. So portraitierte er

u.a. etwa Ferdinand VI von Spanien und Philipp V

(1683-1743). Rest. A.R.

Provenienz:

Privatbesitz.

Anmerkung:

Schon vor Bemalung durch Nahtverbindung oben

angesetzt, wie dies auch bei anderen Bildern seiner

Hand zu beobachten ist (siehe Garrido & Cherry,

2004, Nr. 24, S. 117 und 246).

Literatur:

Carmen Garrido, Peter Cherry: Luis Meléndez. La

serie de bodegas para el Principe de Asturias, 2004.

(1321681) (10)

LUIS MELÉNDEZ,

1716 NAPLES 1780 MADRID

STILL LIFE WITH CHERRIES, APRICOTS

AND HONEY POT

Oil on canvas. Relined.

34 x 47.5 cm.

Accompanied by a detailed expert’s report by the

Prado expert Carmen Garrido, n.d., with conclusive

dating of the painting to 1771. Furthermore, a technical

report with radiography etc. by “I & R”, Rafael

Romero Asenjo and Adelina Illàn Gutièrrez, Madrid,

August 2018.

Provenance:

Private property.

Literature:

Carmen Garrido, Peter Cherry: Luis Meléndez. La

serie de bodegas para el Principe de Asturias, 2004.

€ 120.000 - € 150.000

Sistrix

INFO | BID

Röntgen-Aufnahme

92 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

93


302

JACOB ROTIUS,

1644 HOORN 1681/82 EBENDA

FRÜCHTESTILLLEBEN MIT VOGEL

UND SCHMETTERLINGEN

Öl auf Leinwand. Doubliert.

61 x 50 cm.

Rechts auf Säulensockel signiert und datiert „JRotius

f. 1681“, verso Etikett mit Inventarnummer „537“.

In dekorativem Rahmen.

Beigeben eine Korrespondenz mit Fred Meijer vom

RKD, Den Haag, vom 03. Juli 2014, der darin berichtet,

dass ihnen das vorliegende Gemälde bereits bekannt

ist durch eine Ausstellung im Palais des Beaux-Arts,

Brüssel vom 25. Februar 1969. Er verweist

auf Gemälde des Künstlers im RKD.

Auf den rot bezogenen Stufen vor einer Säule und

Ruinen im linken Hintergrund mit Blick auf den

grau-blauen Himmel hat der Künstler, der laut Houbraken

ein Schüler von Jan Davidsz de Heems (1606-

1683) war, ein Früchtestillleben mit dreierlei Weintrauben,

zwei samtigen Pfirsichen, Aprikosen, Mispeln,

Granatapfel und Himbeeren drapiert. Zwischen diesem

sommerlichen und saftig-frischen Obst tummeln

sich vier Schmetterlinge, ein Vogel, wohl ein Gimpel,

und eine kleine Schnecke. Qualitätvolle Malerei bei

der durch die Farbgebung die Früchte besonders hervorgehoben

werden.

Das Gemälde entstand im letzten Lebensjahr des

jung verstorbenen Künstlers, was durch die Datierung

am rechten Bildrand bestätigt wird. Die Kombination

aus Früchten und Architektur findet sich auch in einem

anderen, dem Künstler zugeschriebenen Gemälde

(RKD Image Archiv Nr. 0000048445). Teils Retuschen.

Provenienz:

Van Herck, Antwerpen, 14. und 15. Mai 1934

(Hofstede de Groot fiche Nr. 1444343).

Versteigerung Christie´s, London, 19. März 1954,

Nr. 37 (irrtümlich als Jan Albertsz. Rotius)

Versteigerung Palais des Beaux-Arts, Brüssel, 25.-27.

Januar 1969, Nr. 20 mit Abb. (in Kopie vorliegend).

Privatsammlung, Europa.

Versteigerung Christie´s, London, 19. März 1954,

Nr. 37.

Anmerkung:

Laut Fred Meijer war Rotius‘ Themenwahl vielfältig,

und es sind nur wenige Stillleben mit einer solchen

Komposition von ihm bekannt. Ein ähnliches, aber

größeres Gemälde, signiert und datiert „1674“, wurde

am 26.9.1980 in München (Weinmüller) versteigert,

Kat.Nr. 261. Ähnliche Motive finden sich auch in anderen

Stillleben von seiner Hand.

Literatur:

Vgl. Hendrik Fredrik Wynman, De stillevenschilder

Jacob Rotius, in: Oud Holland, Nr. 47, 1930, S. 60-67

(in Kopie vorliegend).

Vgl. Invar Bergström, Dutch Still-Life Painting in the

Seventeenth Century, London 1956, S. 220.

Vgl. Laurens J. Bol, Holländische Maler des 17. Jahrhunderts

nahe den großen Meistern. Landschaften

und Stilleben, München 1982, S. 301.

Vgl. Peter Mitchell, European Flower Painters,

London 1973, S. 2, 18, 19.

Vgl. Walther Bernd, Die Niederländischen Maler

des 17. Jahrhunderts, München 1969-1970.

Vgl. Erika Gemar-Koeltzsch, Holländische Stillebenmaler

im 17. Jahrhundert, Lingen 1995, Bd. III, S. 831f.

Vgl. Adriaan van der Willigen, Fred G. Meijer, A Dictionary

of Dutsch and Flemish Still-Life Painters

Working in Oils. 1525-1725, Leiden 2003, S. 171.

(1320571) (1) (18)

Detail rechts unten

94 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


JACOB ROTIUS,

1644 HOORN 1681/82 IBID.

FRUIT STILL LIFE WITH BIRD AND BUTTERFLIES

Oil on canvas. Relined.

61 x 50 cm.

Signed and dated „JRotius f. 1681“ on column base

on the right, verso label with inventory no. “537”.

Accompanied by correspondence by Fred Meijer from

the RKD, The Hague, dated 3 July 2014, who reports

that he is already familiar with the present painting

from an exhibition at the Palais des Beaux-Arts, Brussels

from 25 February 1969. He references paintings

by the artist at the RKD.

The painting was created in the last year of the artist‘s

life, which is confirmed by the date on the right

edge of painting. The combination of fruit and architecture

can also be found in another painting attributed

to the artist (RKD Image Archive no. 0000048445).

Provenance:

Van Herck, Antwerp, 14 and 15 May 1934 (Hofstede

de Groot fiche no. 1444343).

Auction Christie‘s London, 19 March 1954, no. 37

(erroneously described as Jan Albertsz. Rotius)

Auction Palais des Beaux-Arts, Brussels, 25 - 27

January 1969, no. 20 with ill. (copy enclosed).

Private collection, Europe.

Auction Christie‘s London, 19 March 1954, no. 37.

Literature:

cf. Hendrik Fredrik Wynman, De stillevenschilder

Jacob Rotius, in: Oud Holland, no. 47, 1930, p. 60-67

(copy available).

cf. Invar Bergström, Dutch Still-Life Painting in the

Seventeenth Century, London 1956, p. 220.

cf. Laurens J. Bol, Holländische Maler des 17. Jahrhunderts

nahe den großen Meistern. Landschaften

und Stilleben, Munich 1982, p. 301.

cf. Peter Mitchell, European Flower Painters, London

1973, p. 2, 18, 19.

cf. Walther Bernd, Die Niederländischen Maler des

17. Jahrhunderts, Munich 1969-1970.

cf. Erika Gemar-Koeltzsch, Holländische Stillebenmaler

im 17. Jahrhundert, Lingen 1995, vol. III, p. 831f.

cf. Adriaan van der Willigen, Fred G. Meijer, A Dictionary

of Dutsch and Flemish Still-Life Painters Working

in Oils. 1525-1725, Leiden 2003, p. 171.

€ 40.000 - € 60.000

Sistrix

INFO | BID

96 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


303

FRANS YKENS,

UM 1601 ANTWERPEN UM 1693 BRÜSSEL

(WEITERE ABB. FOLGENDE SEITEN)

Der Maler war um 1615 Schüler seines Onkels Osias

Beert d. Ä. (um 1580-1623/24), von dem er auch die

spezielle Stilllebenauffassung mit vereinzelt im Bild

nebeneinandergestellten Objekten übernommen hat.

Kein geringerer als Peter Paul Rubens (1577-1640),

ein Freund des Malers, erwarb mehrere seiner Stillleben,

die heute im Rubenshaus in Antwerpen gezeigt

werden. Frans Ykens hielt sich in den Jahren

1630/31 in Frankreich auf, wurde anschließend Mitglied

der Malergilde Sankt Lukas in Antwerpen.

PAAR FLORALE KRÄNZE MIT FRÜCHTEN

UND MYTHOLOGISCHEN SZENEN

Öl auf Leinwand. Altdoubliert.

111 x 79 cm.

Unten mittig signiert.

In vergoldetem reliefdekoriertem Rahmen.

Als Trompe l‘œil gebildete Camaieu-Kartuschen mit

Rollwerk bzw. mit Puttodekor umspielt von einer Blütengirlande

bzw. von einer solchen aus Frucht-Blüten-

Komposition. Darin einmal eine Venus-Adonis-Gruppe

ein Derivat aus der Komposition Tizians, wie sie

etwa im Prado in Madrid, im Metropolitan Museum in

New York oder auch in der National Gallery in London

verwahrt wird bzw. ein liebendes Paar mit Amorknabe.

Rahmen minimal besch.

Literatur:

Dieses Gemälde ist abgebildet in: Patrizia Consigli,

Nature morte del seicento e settecento, Parma 1987,

S. 188 und 189, Abb. 191 und 192.

The Burlington Magazine, Nr. 807, Bd. CXII, Juni 1970,

S. 430 - 431, Tafel XXX.

Marie Louise Hairs, Les peintres flamands de fleurs

au XVIIe siècle, Paris/Brüssel 1965, S. 208 und 427.

(1321341) (3) (13)

FRANS YKENS,

CA. 1601 ANTWERP CA. 1693 BRUSSELS

(FURTHER ILL. FOLLOWING PAGES)

A PAIR OF FLORAL WREATHS WITH FRUIT

AND MYTHOLOGICAL SCENES

Oil on canvas. Old relining.

111 x 79 cm.

Signed at bottom centre.

Literature:

This painting is illustrated in: Patrizia Consigli, Nature

morte del seicento e settecento, Parma 1987, p. 188

and 189, ill. 191 and 192.

The Burlington Magazine, no. 807, vol. CXII, June 1970,

pp. 430 - 431, panel XXX.

Marie Louise Hairs, Les peintres flamands de fleurs

au XVIIe siècle, Paris/Brussels 1965, p. 208 and 427.

€ 40.000 - € 60.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

97


304

HIERONYMUS GALLE D. Ä.,

1625 UM 1679

MADONNENBILD IM BLUMENKRANZ

Öl auf Leinwand. Doubliert.

78 x 68 cm.

Das Gemälde im RKD-Bildarchiv unter Nummer

0000026656.

Die Bildmotividee, von Jan Brueghel d. Ä. (1568-

1625) bis Peter Paul Rubens (1577-1640) mehrmals

aufgegriffen, zeigt auch hier ein gemaltes gerahmtes

Madonnenbildnis, in Grisailletechnik. Die Rahmung

mit seitlichen Voluten in Art einer Steinrahmung. Um

das Bildnis zieht sich ein, vor dunklem Grund, hell aufleuchtender

Kranz, der unterschiedlichsten Blüten

und Blätter. Darunter rosafarbene Rosen, Malven,

weiße Hortensien, gefiederte Tulpen, Feuerlilien, Iris

sowie Blütenrispen und andere Frühsommerblumen.

Die Blütenblätter äußerst fein gemalt, scheinen vor

dem dunklen, nahezu schwarzen Hintergrund herauszustrahlen.

(12814511) (11)

HIERONYMUS GALLE THE ELDER,

1625 CA. 1679

A MADONNA IN FLORAL WREATH

Oil on canvas. Relined.

78 x 68 cm.

The painting is listed in the RKD image archive, no.

0000026656.

This image motif, repeatedly taken up from an Brueghel

the Elder (1568-1625) to Peter Paul Rubens

(1577-1640), shows a painted framed Madonna portrait

in grisaille. The frame is painted in the style of a

stone frame with volutes on each side. The painting is

encircled by a wreath of flowers and leaves with pink

roses, hollyhocks, white hydrangeas, feathered tulips,

fire lilies, irises and further panicles and early summer

flowers. The petals are painted very finely and

are luminous against the dark, almost black background.

€ 14.000 - € 18.000

Sistrix

INFO | BID

100 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

101


305

JAN DAVIDSZ DE HEEM,

1606 UTRECHT 1683/84 ANTWERPEN, ZUG.

JÜNGLINGSBÜSTE, UMGEBEN VON FRUCHT-

UND BLUMENGEBINDEN

Öl auf Leinwand.

170 x 123 cm.

Das äußerst großformatige Gemälde, in betörender

Qualität ausgeführt, zeigt im Zentrum der schwarzgrundigen

Gesamtdarstellung eine steinerne Jünglingsbüste

im Stil der Antike. Sie ist umrahmt von

einem trompe-l‘oel-artig gemalten, großen barocken

Steinrahmen mit ausziehenden Voluten und einem, unterhalb

der Büste angemeißelten, geflügelten Engelskopf,

in Art eines Epitaphs. Die Wiedergabe der Bildhauerelemente

in Steingrau, leicht verschattet. Umso

mehr bricht die leuchtende Farbenfülle der Fruchtund

Blumengebinde hervor, die in vier größeren Partien

zusammengefasst sind. Zwischen Blattwerk zeigen

die einzelnen Gebinde helle Trauben, Rosen und Hibiskusblüten,

daneben Nelken und entsprechendes Blattwerk.

Dazwischen gebunden sind Pfirsiche, ein geöffneter

Granatapfel, Zitrusfrüchte und Pflaumen, am

Unterrand etliche reife Feigen. Himbeeren und leuchtend

rote Kirschen fügen sich in die Farbkomposition

ein, jeweils vor dem fein gemalten Blattwerk bewusst

abgehoben. In der Blumenstilllebenmalerei der Zeit

üblich, lassen sich auch Insekten wie Maikäfer und

Schmetterling finden. Gemäß der Blumensymbolik

der Zeit erscheinen die einzelnen Blüten und Früchte

auf die Jugend der Knabenbüste zu verweisen, möglicherweise

als eine persönliche Hommage. (†)

(12901422) (11)

JAN DAVIDSZ DE HEEM,

1606 UTRECHT 1683/84 ANTWERP, ATTRIBUTED

BUST OF A YOUNG MAN SURROUNED

BY BOUQUETS OF FLOWERS AND FRUIT

Oil on canvas.

170 x 123 cm. (†)

€ 70.000 - € 100.000

Sistrix

INFO | BID

102 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


306

GIACOMO RECCO,

1603 NEAPEL NACH 1653

GROSSER BLUMENSTRAUSS

IN EINER FAJENCEVASE

Öl auf Leinwand.

75x60 cm.

Beigegeben eine Expertise von Nicola Spinosa, Neapel,

8. September 2012.

Das Gemälde im typischen Erscheinungsbild der

vergleichbaren Werke des Malers.

Spezialisiert auf Blumenstilleben, hatte Recco fast

ausschließlich einen dunklen, eher schwarzen Hintergrund

gewählt. Nicht selten auch legte er Wert auf

unterschiedlichste Vasen- und Gefäßformen. In vorliegendem

Gemälde entwickelt sich das farbenprächtige

Bukett aus einer ovalen, weißglasierten und blau

bemalten Vase mit eingezogenem vergoldetem Fuß.

Neben dunkleren Grüntönen der Blätter überwiegen

die Farben Rot und Weiß für die Blüten. Eine zentral

gesetzte weiße Rosenblüte korrespondiert zur Vase,

wird jedoch fast ausschließlich von roten Blumen, wie

Tulpen, Riesenanemonen und Fingerhut umgeben.

Nach den Seiten und oben hin zeigen sich die Blüten

aufgelockert.

Erst 1961 hat sich der Kunstexperte Raffaello Causa

mit dem Werk Reccos auseinandergesetzt und damals

ein zuvor Giovanni da Udine zugewiesenes Stillleben

(„Die Blumenvase des Cardinale Poli“) dem

Werk Reccos gegeben, wie auch die „Blumenvase

der Spada-Familie“. Zudem hat sich Giuseppe De Vito

mit dem Maler beschäftigt. 1984 hat Antonio Delfino

eine Dokumentation zum Maler zusammengestellt.

Werke der Hand Reccos befanden sich im Eigentum

von Ferdinando II. de´ Medici, heute im Museum des

Palazzo Pitti in Florenz: „Vase mit Tulpen, Anemonen

und Kaiserkronen“ von 1626. 1997 wurde ein Stillleben

seiner Hand bei Christie´s New York verauktioniert.

GIACOMO RECCO,

1603 NAPLES AFTER 1653

LARGE FLOWER BOUQUET

IN FAIENCE VASE

Oil on canvas.

75 x 60 cm.

Accompanied by an expert’s report by Nicola Spinosa,

Naples, 8 September 2012.

Literature:

Nicola Spinosa, Pittura del Seicento Napoli. Da Mattia

Preti a Luca Giordano, Naples 2011, ill nos. 303 and

305, pp. 274.

€ 25.000 - € 40.000

Sistrix

INFO | BID

Literatur:

Nicola Spinosa, Pittura del Seicento Neapel. Da Mattia

Preti a Luca Giordano, Neapel 2011, Abb. Nr. 303 und

305, S. 274 f. (13207826) (2) (11)

104 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


307

JAN BRUEGHEL D. J.,

1601 ANTWERPEN 1678 EBENDA

STILLLEBEN MIT GOLDENER PRUNKTAZZA,

PREZIOSEN UND BLUMEN

Öl auf Eichenholz. Parkettiert.

55,4 x 66,3 cm.

Gerahmt.

Beigegeben ein Gutachten von Dr. Klaus Ertz, Lingen.

Das ausgesprochen ungewöhnliche Stillleben zeigt

die Gegenstände in höchst eleganter Komposition

und äußerst feiner Maltechnik. Weiträumig nebeneinandergestellt,

kommen sie vor dem nahezu schwarzen

Hintergrund besonders zur Geltung. Gezeigt ist

eine Tischplatte, darauf links eine frühbarocke Tazza

mit glatter Schale über reich im Relief verzierten

Schaft, in leuchtendem Gold. Darüber hinweg ist ein

Blumenkranz gelegt, mit unterschiedlichen Sommerblüten,

wie Rosen, Nelken, Anemonen und kleinen

Strauchblüten. Weiter rechts korrespondiert dazu ein

fein gemaltes Bukett mit Tulpen, Röschen, Iris und

weiteren Frühlingsblumen in einem chinesischen,

blaubemalten Porzellanväschen. Von Interesse ist hier

die Gegenüberstellung von Frühling und Sommer

durch die dargestellten Blüten.

Von besonderem Reiz die Preziosen, wie Perlenkette,

Goldringe, Brosche, Gliederarmband und Goldmünzen

in einer geöffneten Chinoiserie-Schatulle in Rot- und

Schwarzlack, der daneben abgelegte Deckel mit chinesischen

Szenen dekoriert.

Die Präzision und Feinheit in der Wiedergabe der

Gegenstände verleihen dem Bild eine besondere Qualität.

In feinstem Detail sind die Goldschmiedearbeiten

wiedergegeben, etwa die beiden Ringen links, die

mit Diamanten im Pyramidenschliff besetzt sind. Die

Dokumentierung einer barocken Tazza neben den hier

sehr früh gezeigten Chinoiserie-Objekten macht das

Gemälde für den Zeitraum der Entstehung besonders

interessant. (1322041) (1) (11)

JAN BRUEGHEL THE YOUNGER,

1601 ANTWERP 1678 IBID.

STILL LIFE WITH MAGNIFICENT GOLD TAZZA,

PRECIOUS ITEMS AND FLOWERS

Oil on oak panel. Parquetted.

55.4 x 66.3 cm.

Accompanied by an expert’s report by Dr Klaus Ertz,

Lingen.

The juxtaposition of spring and summer through the

depicted flowers are interesting in this painting. The

depiction of precious items, such as pearl necklaces,

gold rings, brooches, link bracelets and gold coins in

an open red and black lacquer chinoiserie casket, with

the lid decorated with Chinese scenes placed next to

it, are particularly appealing. The precision and delicacy

in the rendition of the objects give the painting a

special quality. The goldsmith’s work is reproduced in

the finest detail, such as the two rings on the left,

which are set with pyramid-cut diamonds. The very

early documentation of a baroque tazza next to the

chinoiserie objects makes the painting particularly

interesting for the period in which it was created.

€ 70.000 - € 90.000

Sistrix

INFO | BID

106 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


308

FLÄMISCHER MEISTER DES 17. JAHRHUNDERTS

ADAM UND EVA IM PARADIES

Öl auf Holz.

Durchmesser: 26,5 cm.

Das Gemälde ist als Rundbild geschaffen und zeigt das

erste Menschenpaar nackt im Schatten eines großen

Baumes vor dunklem Waldhintergrund. Am Baum

eine Frucht, die Eva mit ausgestreckter Hand ergreift.

Um den oberen Teil des Baumes der sogenannte

Baum der Erkenntnis eine Schlange gewunden, die

mit ihrem Kopf den Apfel berührt, gleichsam symbolisch

dem Menschenpaar übergibt. Am linken Bildrand

der Kopf eines Rehbocks, weiter unten ein lagert

ein Hündchen, gefolgt von Katzen und weiteren, den

Menschen näheren Haustieren wie Hasen, Hühner,

Rinder und Ziegen. Rechts im Hintergrund Blick in das

paradiesische Gefilde mit heller erleuchteten Bäumen

und Wildtieren wie Löwe, Bären und anderes Getier,

dazwischen Vögel. Thematisch wie inhaltlich geht die

Darstellung zurück auf Brueghels gleichnamiges großformatiges

Gemälde „Adam und Eva im Paradies“, das

in Zusammenarbeit mit Peter Paul Rubens (1577-1640)

entstand, wobei Rubens dort die Figuren schuf. Das

vorliegende Bild ist aber insofern völlig eigenständig,

als der Bildaufbau zwar vergleichbar, die Figurenkomposition

jedoch völlig unterschiedlich zu den üblichen

brueghelschen Vorbildern dieses Themas erscheinen.

Die genannte frühere Fassung entstand 1617 (Öl auf

Holz, heute im Mauritshuis, Den Haag). Das Rundbild

von hoher malerischer Qualität sowohl in der Figurenwiedergabe,

die den nachhaltigen Einfluss von Rubens

verraten, als auch in der landschaftlichen Wiedergabe

im Hintergrund mit fein ausgeführtem Laubwerk, das

sich in helles türkis-grün nach hinten entwickelt. (†)

(13013110) (11)

FLEMISH MASTER OF THE 17TH CENTURY

ADAM AND EVE IN PARADISE

Oil on panel.

Diameter: 26.5 cm. (†)

€ 45.000 - € 65.000

Sistrix

INFO | BID

108 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


309

PAUL BRIL,

UM 1553/54 BREDA 1626 ROM, ZUG.

Bril hatte schon zu Lebzeiten, vor allem in Rom, viele

Maler beeinflusst, wie etwa den Niederländer Cornelis

van Poelenburgh (1586-1667), oder den Frankfurter

Adam Elsheimer (1574/78-1610/20).

FELS- UND FLUSSLANDSCHAFT MIT BIBLISCHER

SZENE „JESUS HEILT EINEN BESESSENEN“

Öl auf Holz. Parkettiert.

72 x 120 cm.

Häufig in der niederländischen Malerei der Zeit sind

Landschaft und das Geschehen im Bild symbiotisch

miteinander verknüpft. Gewissermaßen soll auch hier

die weite Landschaft ein Weltbild darstellen mit den

unterschiedlichsten Formationen wie Flusslauf, aufragende

Felsen, sanftere Hügel, Städte am Ufer, Befestungstürme

oder eine Burganlage auf dem Felsen,

wie hier links oben hinter den Bäumen, die als Repoussoir

eingefügt sind. So wird das biblische Geschehen

in der unteren Zone in eine zeitgenössische Landschaft

eingefügt, um die tröstenden Aussagen der

Bibelgeschichte als zeitlos erscheinen zu lassen. Hervorgehoben

ist in der links unten heraufziehenden

Menschenmenge die Gestalt Jesu, der mit seinem

Zeigefinger auf einen vom Wahn besessenen Jüngling

weist und ihn von der Besessenheit kuriert, was als

Beispiel des Gedankens des Exorzismus zu deuten ist.

Der Jüngling taumelnd wiedergegeben, seinem Mund

entweicht ein schwarzer Rauch, weiter unten ist eine

Schweineherde zu sehen, als symbolische Entsprechung

der bösen Besessenheit, wobei die Schweine

hier dabei sind, sich in den Fluss zu stürzen, um zu

ertrinken. So hat der Maler die Szene, die sich der

Bibel gemäß am See Genezareth zugetragen haben

soll, hier in eine nordische Flusslandschaft versetzt.

Die Figuren in der Gruppe links der Jesusfigur sind einzeln

zu deuten, jedenfalls ist Petrus mit grauem Bart

zu erkennen, daneben wohl Johannes Evangelist sowie

die weiteren Apostel, gefolgt von einer größeren

Menschenmenge, die sich im Tal verliert. Der Dramatik

des Geschehens entspricht auch die Wiedergabe

der bewegten Wolken über der Flusslandschaft. Der

Bildaufbau ist für Werke von Bril durchaus typisch,

insbesondere für Flusslandschaften mit links höher

stehendem Felsgelände und bekrönenden Burgen.

Einige Restaurierungen wie etwa oben links und

rechts unten. (†)

Anmerkung:

Ein kleinerformatiges Gemälde auf Kupfer (Maße 28,5

x 35 cm) mit demselben Bildinhalt befand sich im Besitz

von Johnny van Haeften, London, dort als Paul Bril bezeichnet

und datiert „1608“. Bril hatte schon zu Lebzeiten,

vor allem in Rom, viele Maler beeinflusst, wie

etwa den Niederländer Cornelis van Poelenburgh

(1586-1667), oder den Frankfurter Adam Elsheimer

(1574/78-1610/20). (1301319) (11)

PAUL BRIL,

CA. 1553/54 BREDA 1626 ROME, ATTRIBUTED

ROCK AND RIVER LANDSCAPE WITH BIBLE

SCENE “JESUS HEALING A POSSESSED MAN”

Oil on panel. Parquetted.

72 x 120 cm.

As is typical for Dutch painting of the time the landscape

and the events are symbiotically intertwined.

Restored in several places, as for example on the left

and lower right. (†)

Notes:

A small-format painting on copper (28.5 x 35 cm) with

the same subject was owned by Johnny van Haeften,

London, inscribed Paul Bril and dated “1608”.

€ 45.000 - € 65.000

Sistrix

INFO | BID

110 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


310

MARTEN VAN CLEVE,

1527 ANTWERPEN 1581

DER KINDERMORD ZU BETHLEHEM

Öl auf Holz. Parkettiert.

74,8 x 106,5 cm.

In teilgerahmten Rahmen

Beigegeben ein Gutachten von Dr. Klaus Ertz, Lingen,

vom 1. Juni 2022 (im Original vorliegend).

Als Kindermord in Bethlehem bezeichnet die christliche

Tradition die in der Weihnachtsgeschichte des

Mattheus Evangeliums überlieferte Tötung aller männlichen

Kleinkinder in Bethlehem, die von König Herodes

angeordnet wurde um den Neugeborenen König

der Juden, Jesus von Nazareth, zu beseitigen. Am

bekanntesten ist das gleichnamige Gemälde von Pieter

Breugel dem Älteren, von 1565 in der Royal Collection

im Winstor Castle. Die bekannteste Kopie befindet

sich im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Auf dem Gemälde in Windsor wird ein winterliches,

flämisches Dorf geplündert. Darauf sind Fußsoldaten

und Söldner, sowie schwarz gepanzerte Reiter mit

Lanzen als spanische Truppen zu identifizieren. Hilfesuchende

Dorfbewohner umringen einen Herold der

die Aktion überwacht. Auf dem vorliegenden Gemälde

ist ebenfalls ein winterliches Dorf zu erkennen unter

dunkelgrauem Himmel mit weiße Wolkenformationen

in sfumato. Rechtseitig ein Soldat in glänzender Rüstung,

ein Kind unter seinem rechten Arm haltend, das

er soeben einer Familie entrissen hat, die erschrocken

und trauernd vor der Tür eines großen verschneiten

Hauses steht. Davor ein weiterer Soldat der mit einem

Dolch eine Frau verfolgt, die ein Kind in ihrem

Arm hält und versucht vor dem Mann zu flüchten. Ein

kleiner Hund bellt sie dabei an. In der Mitte der Bildes

weitere bewaffnete Soldaten in Rüstung und mit Standarte.

Am linken Bildrand schließlich ein rötliches Haus,

in das mehrere Soldaten versuchen einzudringen, sei

es linksseitig einer durch das Fenster, sei es drei

Männer beim Aufstoßen einer Tür unter Zuhilfenahme

eines Baumstumpfes.Im Hintergrund des Dorfes weitere

Soldaten die Frauen mit Kindern verfolgen oder

rechtsseitig ebenfalls versuchen in ein weiteres Haus

einzudringen.

Dr. Ertz sieht in dem Urheber dieser Darstellung des

Kindermordes Martin van Cleeve. Von der vorliegenden

Komposition hat Cleve eine Zeichung und fünf

weitere Versionen geschaffen. Auffallend ist auf allen

Bildern das eigenartige sfumato und die runden Figuren

der agierenden Personen, sowie der kleine Hund

unten rechts der fast so etwas wie eine Signatur

darstellt. Dieses im ausgehenden 16. Jahrhundert sehr

beliebte Thema hat nicht nur Martin van Cleve fasziniert,

sondern auch nachfolgende Generationen, wie

die Brüder Breughel. Zeitlich wird das Werk zu Beginn

der 1650er-Jahre eingeordnet. Rest. teils Retuschen.

(1321618) (18)

MARTEN VAN CLEVE,

1527 ANTWERP 1581

THE MASSACRE OF THE INNOCENTS

Oil on panel. Parquetted.

74.8 x 106.5 cm.

Accompanied by the original expert’s report by Dr

Klaus Ertz, Lingen, dated 1 June 2022.

€ 60.000 - € 80.000

Sistrix

INFO | BID

112 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

113


311

JAN BRUEGHEL D. J.,

1601 ANTWERPEN 1678 EBENDA

BLUMENKORB MIT PFINGSTROSE

Öl auf Holz.

48,5 x 65 cm.

In aufwändig teilweise à jour gearbeitetem Louis XV-

Rahmen.

Beigegeben im Original eine Expertise von Dr. Klaus

Ertz, Lingen, welcher die Eigenhändigkeit des hier

angebotenen Gemäldes bestätigt und es in die 1640er-

Jahre datiert. Anbei auch eine Pigmentanalyse von

Prof. Dr. Manfred Schreiner, Ordinarius für Farbenlehre

und Farbenchemie, Akademie der Bildenden Künste

Wien, vom April 2022. Schreiner stellt zusammenfassend

fest, „dass in dem Gemälde ‚Korb mit bunten

Blumen‘, Jan Brueghel d.J. (1601-1678) [...] Farbmittel

nachzuweisen sind, welche seit der Antike bekannt

und in der europäischen Malerei in Verwendung sind:

Bleiweiß, Zinnober, Azurit und ein kupferhaltiges

Grünpigment. Vor allem der Nachweis von Blei-Zinngelb

lässt auf eine Entstehung der Darstellung im 17.

Jh. schließen. Farbmittel, welche erst seit dem 18.

oder 19. Jh. bekannt sind, konnten in den originalen

Farbpartien nicht nachgewiesen werden. Aus materialtechnologischer

Sicht ist daher kein Einwand gegen

die Entstehung des Gemäldes in der Schaffensperiode

von Jan Brueghel d.J. (1601-1678) zu erheben.“

Auf einer horizontal den Raum gliedernden Tischplatte,

die über eine Tischzarge zu ragen scheint, steht zentral

ein Korb, wie wir ihn auch von anderen Gemälden

Brueghels kennen mit feinem Flechtwerk und Durchblicken,

die verschiedenfarbige Blüten innerhalb des

Korbes erkennen lassen. Während der florale Inhalt

des blickdurchlässigen Korbes begrenzt ist, steigen

feuerwerksgleich Blüten unterschiedlichster Couleur

aus dem Flechtgitter und füllen den gesamten Bildraum.

Neben einer Pfingstrose sind Klatschmohn,

Vergissmeinnicht, teils gefüllte Rosen, gelbe Windröschen,

Narzisse und Glockenblumen zu sehen, deren

Blüten und Knospen teils auf der Stellfläche liegen,

die Kante überkragen und somit einen Bezug zum

Betrachterraum zu erlangen suchen. Das Gemälde erhält

einen dekorativen Wert mit einer unterschwelligen

symbolischen Bedeutung für die Eitelkeit. Die

vergängliche Schönheit eines Blumenstraußes feiert

die göttliche Schöpfung und lädt uns ein, über die

Kurzlebigkeit des Lebens nachzudenken. Die extreme

Sorgfalt, mit der die Frische und der Glanz dieser Blumen

wiedergegeben werden, spiegelt auch den Geschmack

für ästhetischen Genuss und Kontemplation

wider typisch für eine kultivierte Gesellschaft.

Literatur:

Vgl. Klaus Ertz, Jan Brueghel. Flemish painters in

the circle of the great masters, Freren 1984, Bd. I,

S. 449 ff. (1320951) (13)

JAN BRUEGHEL THE YOUNGER,

1601 ANTWERP 1678 IBID.

FLOWER BASKET WITH PEONIES

Oil on panel.

48.5 x 65 cm.

Accompanied by an expert’s report by Dr Klaus Ertz,

Lingen, confirming authenticity of the painting and

dating it into the 1640s. Also attached is a pigment

analysis by Professor Dr Manfred Schreiner, professor

for colour theory and colour chemistry, Academy of

Fine Arts Vienna, from April 2022. Schreiner states in

summary, that in the painting “Basket with colourful

Flowers” by Jan Brueghel the Younger (1601-1678)

paints can be found that have been known since

antiquity and are used in European painting: lead

white, vermilion, azurite, and a green pigment containing

copper. Evidence of lead- pewter yellow implies

the painting’s creation in the 17th century.

Paints, which have only been known since the 18th or

19th century could not be found in the original areas

of colouration. From a material- technological point of

view, there is no objection to the painting being created

during the creative period of Jan Brueghel the

Younger (1601-1678).

Literature:

cf. Klaus Ertz, Jan Brueghel. Flemish painters in

the circle of the great masters, Freren 1984, vol. I,

pp. 449 ff.

€ 120.000 - € 150.000

Sistrix

INFO | BID

116 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

117


312

ADAM FRANS VAN DER MEULEN,

1632 BRÜSSEL 1690 PARIS

Van der Meulen war ein flämischer Schlachten-, Genreund

Landschaftsmaler. Er war Schüler des von der

Aristokratie hochgeschätzten Hofmalers Pieter Snayers

(um 1592-1666/67) und lernte durch ihn die Schlachtenmalerei

kennen. In den Diensten des französischen

Königs wurde er zum Schilderer jener Belagerungen

und Feldzüge, an denen er in dessen Gefolge teilnahm.

Dabei nahm er an neun Reisen teil, wo er entweder

direkt oder nachher die Schauplätze des Geschehens

aufsuchte und zeichnerisch erfasste.

GROSSE REITERSCHLACHT AN EINEM FLUSSUFER

Öl auf Holz.

23,5 x 33,5 cm.

Links unten signiert „A. F. V. Meulen.“ Verso alter

Aufkleber mit Künstlernennung und Betitelung.

In vergoldetem Prunkrahmen.

ADAM FRANS VAN DER MEULEN,

1632 BRUSSELS 1690 PARIS

LARGE CAVALRY BATTLE ON A RIVERBANK

Oil on panel.

23.5 x 33.5 cm.

Signed “A. F. V. Meulen.” lower left.

Verso old label with artistic name and title.

€ 15.000 - € 25.000

Sistrix

INFO | BID

Die weitläufige Schlachtendarstellung zieht vom Vordergrund

bis weit hinten zum Horizont, lediglich getrennt

von einem Fluss mit Kämpfenden um und auf

der Brücke. Auffallend die übermäßige Anzahl der Soldaten,

von denen im linken Vordergrund zwei Kämpfer

besonders herausgestellt werden: Ein Mann zu Pferde

mit roter Jacke und schwarzem Hut gegen einen Weiteren

mit rotem Turban kämpfend, links neben ihnen

bereits zu Boden gegangene Pferde liegend. Im Hintergrund

mehrere in den Himmel ragende Bäume,

während sich nach rechts auf der Anhöhe hinter der

Brücke der Blick in eine weite Landschaft erstreckt.

Wiedergabe des Schlachtengetümmels unter hohem

blauem Himmel mit großen weißen Wolkenformationen

und mit zahlreichen Details. Vereinzelt Retuschen.

(1321282) (18)

118 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

119


313

LUCA CARLEVARIS,

1663/65 UDINE 1729/31 VENEDIG

Carlevaris war ein italienischer Maler und Radierer. Er

gilt als Pionier der Vedutenmalerei in Venedig und beeinflusste

spätere Maler wie Canaletto (1697-1768),

Bernardo Bellotto (1721-1780), Michele Giovanni Marieschi

(1696/1710-1743) und Francesco Guardi (1712-

1793). Der früh verwaiste Luca wuchs bei seiner älteren

Schwester Casandra auf, mit der er 1679 nach

Venedig ging. 1699 heiratete er Giovanna, eine Tochter

des Goldschmieds Bastian Sochietti. Mit ihr hatte er vier

Kinder, darunter Marianna, die später eine Schülerin von

Rosalba Carriera (1675-1757) wurde. Der Meister hatte

laut dem frühen Biografen Pellegrino Antonio Orlandi

(1704) keinen besonderen Lehrer, sondern erwarb

seine Kenntnisse bei verschiedenen Meistern, unter

denen möglicherweise Johann Heintz (um 1580-

1635) eine Rolle gespielt haben könnte, der sich um

1678 in Venedig aufhielt. Ein Aufenthalt in Rom könnte

erklären, dass Carlevaris Werke etwa auch von van Laer

(1592/1599) und Cerquozzi (1602-1660) beeinflusst

worden sein könnten. Ferner wird auch ein Einfluss

des Holländers Gaspar van Wittel (1653-1736) angenommen.

Seine früh erkannte Bedeutung hat auch zu

der Ansicht geführt, er könnte ein Lehrer von Giovanni

Antonio Canal (1697-1768) gewesen sein.

Gemäldepaar

KÜSTENLANDSCHAFTEN MIT SCHIFFEN

UND FIGUREN

Öl auf Leinwand.

84 x 128 cm.

In bronziertem Louis XV Rahmen.

Beigegeben ein Gutachten von Marco Nicolo Riccomini,

Mailand, 16. Februar 2021, in Kopie.

Der in Udine geborene Carlevaris ist viel gereist und

hat seine Eindrücke in seinen frischen weiten Landschaften

verarbeitet. Die Eindrücke von den Küsten

mag er in Venetien erlangt haben, wo er sich von 1679-

1685 auf hielt. Von 1685-1690 hielt er sich in Rom und

dann in Forenz und Bologna auf, bevor er 1708-1730

wieder in Venetien lebte und wirkte. Offensichtlich als

Gegenstücke gearbeitet sind diese beiden Gemälde

gestaltet, denn repoussoirhaft sind einmal links und

einmal rechts Landschaftserhhöhungen festzustellen,

die einmal nah am Betrachter liegen und sogar einen

kleinen Wasserfall zeigen, einmal weit in die Ferne

gerückt sind mit davorliegender Architektur. Beiden

Landschaften gemein ist die lockere Figurenstaffage

in blauen, weißen und roten Tönen sowie die Schiffsstaffage,

die einen guten Eindruck gibt von den in dieser

Zeit in Venezien typische Bootstypen, sowie von

der Betriebsamkeit des dortigen Seehandels ein

Sinnbild für die Prosperität dieser Gegend. Carlevaris

arbeitete mitunter zusammen mit Hans de Jode

(1630-1663) und Giovanni Ghisolfi (1623-1683).

Literatur:

Vgl. Antonio Maria Zanetti, Della pittura veneziana,

Venedig 1771, S. 447. Zanetti bezeichnet den Maler

als „eccelente pittore di porti di mare e paesi“.

Annalia Delneri, Luca Carlevarijs e la veduta veneziana

del Settecento, S. 187, Nr. 25.

Rodolfo Pallucchini, La pittura veneziana del Seicento,

Mailand 1981, Abb. 1065.

Isabella Reale, Luca Carlevarijs e la veduta veneziana del

Settecento, Mailand 1994, S. 166-167. (1321901) (13)

120 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


LUCA CARLEVARIS,

1663/65 UDINE - 1729/31 VENICE

A pair of paintings

COASTAL LANDSCAPE WITH SHIPS

AND FIGURES

Oil on canvas.

84 x 128 cm.

Accompanied by a copy of an expert‘s report by Marco

Nicolo Riccomini, Milan, 16 February 2021.

Literature:

cf. Antonio Maria Zanetti, Della pittura veneziana,

Venice 1771, p. 447. Zanetti describes the artist as

„eccelente pittore di porti di mare e paesi“.

Annalia Delneri, Luca Carlevarijs e la veduta veneziana

del Settecento, p. 187, no. 25.

Rodolfo Pallucchini, La pittura veneziana del Seicento,

Milan 1981, ill. 1065.

Isabella Reale, Luca Carlevarijs e la veduta veneziana

del Settecento, Milan 1994, p. 166-167.

€ 140.000 - € 180.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

121


314

MEINDERT HOBBEMA,

1638 AMSTERDAM 1709

DORF-LANDSCHAFT MIT WASSERMÜHLE

Öl auf Leinwand.

71 x 82 cm.

Rechts unten monogrammiert „HM“ in Ligatur und

datiert „1667“.

Die Gesamtwirkung der Baumlandschaft besticht vor

allem durch das abwechslungseiche Neben- und Ineinander

von verschatteten und effektvoll beleuchteten

Partien. Der Blick wird vom diesseitigen Ufer eines

Bachlaufs auf eine im Mittelgrund stehende Wassermühle

geführt, die zwischen weiteren Häusern und

unter Bäumen steht. Drei hölzerne Wasserrinnen vor

dem Mühlrad, hell erleuchtet, fügen sich ins Zentrum.

Etwas weiter links ein in großer Kurve ans Ufer führender

sandiger Weg, der sich im goldenen Abendlicht

hinter den dunklen Bäumen behauptet. Ein abgestorbener,

in den Bach eingefallener Baumstamm

und überlegt im Bild verteilte Staffagefiguren beleben

das Sujet. Abgesehen von dem für Hobbema typischen

bewegten Wolkenhimmel.

Das Werkverzeichnis zeigt, dass Hobbema dieses Bildthema

wiederholt aufgegriffen hat, im Detail etwas

abgeändert. In einigen Versionen sind im Vordergrund

Hirtenfiguren mit Rindern im Wasser zu sehen (WVZ

102, 103, 105).

Das Gemälde entspricht im Wesentlichen den im

WVZ abgebildeten Versionen Nr, 103 und 104. Eine

weitere Variante (WVZ 101) ist ebenfalls 1667 datiert,

allerdings mit anderem Bildaufbau. A.R.

MEINDERT HOBBEMA,

1638 AMSTERDAM 1709

VILLAGE LANDSCAPE WITH WATERMILL

Oil on canvas.

71 x 82 cm.

Monogrammed “HM” in ligature lower right and

dated “1667”.

Provenance:

Verso label: Kunsthandlung B. Koestler, founded

1864 Munich

Literature:

Georges Broulhiet, Meindert Hobbema (1638-1709),

Ouvrage illustré de 590 grandes reproductions dont

450 tableaux du maitre, Librairie de Paris, Firmin-

Didot et Cie.

€ 30.000 - € 50.000

Sistrix

INFO | BID

Provenienz:

Verso Aufkleber: Kunsthandlung B. Koestler, gegründet

1864 München

Literatur:

Georges Broulhiet, Meindert Hobbema (1638-1709),

Ouvrage illustré de 590 grandes reproductions dont

450 tableaux du maitre., Librairie de Paris, Firmin-

Didot et Cie. (1321563) (1) (11)

126 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

127


315

BARENT AVERCAMP,

1612 KAMPEN 1679 EBENDA

Barent oder Barend Petersz. Avercamp (1612/13-

1679) war ein niederländischer Maler, der in Kampen

in der Provinz Overijssel geboren wurde und dort

auch starb. Als Neffe und Schüler des Malers Hendrick

Avercamp arbeitete er an ähnlichen Themen und in

einer recht ähnlichen Weise wie sein Meister Hendrick,

bei dem er 1626 seine Lehre begann. Anschließend

verlässt er Kampen 1640 und geht nach Zutphen,

wo er bis 1649 bleibt, bevor er endgültig nach

Kampen zurückkehrt. Barent Avercamp wird 1656 als

Meister in die Lukasgilde aufgenommen. Er war sowohl

Maler als auch Zeichner und beschäftigte sich

mit verschiedenen Themen: Architektur, Landschaft,

insbesondere Schneelandschaften, Porträts, aber auch

Genreszenen wie diese.

DIE WADENFISCHER BEIM EINZUG IHRER NETZE

Öl auf Holz.

50 x 62 cm.

Links unten signiert: „Avercamp“.

Beigegeben ein Gutachten von Eric Turquin, in Kopie.

Die sechs Fischer, begleitet von weiteren Personen,

ziehen ihre Netze mit aller Kraft ein, die offensichtlich

reich mit Fischen gefüllt sein müssen. Das flache

Ufer ermöglicht es ihnen, in den Fluss hineinzugehen.

Jeder von ihnen zieht an einer Seite des Netzes, wie

es beim sogenannten Wadenfischen üblich ist, bei

dem das Netz senkrecht zum Fluss steht und die Fische

einkreist, die dann zum Ufer gebracht werden.

So ziehen die vier Männer in der Mitte am unteren

Rand des Netzes, der mit Gewichten versehen ist,

während die beiden an den Enden den oberen Rand

mit den Schwimmern halten. Um sie herum kommentieren

einige Bürger am Ufer die Szene, während

die Frauen mit ihren Körben auf dem Kopf warten,

um die Fische aufzunehmen. Die Szene spielt sich

weit im Vordergrund in einer kleinen Ufereinbuchtung

ab und gibt den Blick auf die flache holländische

Landschaft frei, die sich so weit das Auge reicht erstreckt.

Der Fluss fließt auf der rechten Seite, und die

Felder, auf denen einige Kühe grasen, bilden den Hintergrund

bis zum Horizont, an dem sich die Silhouette

einer Stadt abzeichnet. Der weite, wolkenverhangene

Himmel nimmt die obere Hälfte der Leinwand ein,

wie es in jedem holländischen Gemälde des Goldenen

Zeitalters der Fall ist. Barent Avercamp macht

hier keine Ausnahme und zeigt uns sein Talent, Szenen

aus dem täglichen Leben in den Niederlanden

des 17. Jahrhunderts wiederzugeben, wahrscheinlich

am Fluss Ijssel, den er immer wieder malt. Eine solche

Fischerszene findet sich übrigens in mehreren

Gemälden, die in mehreren Museen, im Rijksmuseum

und im Louvre, zu finden sind oder auch im Stedelijk

Museum Kampen, speziell dort jedoch in einer Landschaftskomposition

von viel geringerer Tiefe (RKD Nr.

202847). Diese Fischerszene kann mit mehreren anderen

in Verbindung gebracht werden, insbesondere

mit derjenigen, die 1984-85 in Wien in der Galerie

Sanct Lucas ausgestellt wurde (Nr. 14). (†)

Provenienz:

Privatsammlung, Paris.

Literatur:

Clara J. Welcker, Hendrick Avercamp (1585-1634)

Barent Avercamp (1612-1679), 1979, Nr. S75.

(1321131) (13)

BARENT AVERCAMP,

1612 KAMPEN 1679 IBID.

THE SEINERS PULLING IN THEIR NETS.

Oil on wood.

50 x 62 cm.

Signed „Avercamp“ lower left. (†)

Accompanied by a copy of an expert‘s report by Eric

Turquin.

Literature:

Clara J. Welcker, Hendrick Avercamp (1585-1634)

Barent Avercamp (1612-1679), 1979, no. S75.

€ 55.000 - € 70.000

Sistrix

INFO | BID

128 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

129


316

ADRIAEN VAN STALBEMT,

AUCH „VAN STALBERNT“,

1580 ANTWERPEN 1662 EBENDA

Adriaen van Stalbemt war ein flämischer Maler, Radierer

und Zeichner. Nach seiner Lehre wurde er 1610 in

die Sankt Lukas-Gilde Antwerpen aufgenommen und

zum Meister ernannt. Das künstlerische Werk ist ganz

der Tradition der älteren flämischen Schule verpflichtet.

Einige seiner Sujets, wie Landschaften, können durchaus

mit denen von Hendrik van Balen d. Ä. (1575-

1632) verglichen werden.

KAMPF ZWISCHEN CHRISTLICHEN UND

TÜRKISCHEN REITERN

Öl auf Holz.

60 x 149,5 cm.

Beigegeben eine Expertise von Dr. Klaus Ertz, Lingen,

vom 31. August 2018.

Das Gemälde extrem längsformatig, wobei die Darstellung

in zwei Partien gegliedert ist: Links Blick in

eine friedliche Landschaft mit nach hinten ziehendem

Flusslauf, an den Ufern bewaldet, sowie einer aus den

Bäumen hochragenden Baugruppe mit einem Kirchturm.

Als linker Abschluss zwei kräftige Bäume, deren

Laub im Gegenlicht herbstlich braun verfärbt erscheinen.

Die rechte Bildseite dagegen zeigt ein Getümmel

kämpfender Reiter und Soldaten auf erhöhtem, heller

beleuchtetem Gelände. Zwischen geharnischten Reitern

mit Helm und Federschmuck sind orientalische

Kämpfer mit Turban und Krummsäbel zu erkennen. (†)

(13013122) (11)

ADRIAEN VAN STALBEMT,

ALSO KNOWN AS “VAN STALBERNT”,

1580 ANTWERP 1662 IBID.

FIGHT BETWEEN CHRISTIAN AND

TURKISH RIDERS

Oil on panel.

60 x 149.5 cm.

Expert´s report by Dr Klaus Ertz, Lingen, 31 August

2018 enclosed. (†)

€ 22.000 - € 30.000

Sistrix

INFO | BID

130 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


317

HOLLÄNDISCHE SCHULE

DES 17. JAHRHUNDERTS

MARKTTAG VOR DEN TOREN EINER STADT

Öl auf Leinwand.

71,5 x 97 cm.

Signaturspur in der unteren Mitte.

Gerahmt.

Unter hohem hellblauem Himmel entfaltet sich diese

Marktszene entlang eines schmalen Streifens am

Rande einer Stadt, an dem mehrere Händler ihre Verkaufsstände

errichtet haben, die gut besucht werden.

Die rechte Bildseite wird fast gänzlich von einem mit

Plane überdachten Stand eingenommen, der von einem

vornehmen Herrn besucht wird mit hohem schwarzem

Hut mit einem weißen Band darum, sowie einem

leuchtend roten Mantelüberwurf. Er ist im Gespräch

mit einem einfachen Händler. Links neben ihnen zwei

Pferde, ein braunes am Boden liegend, daneben ein

prachtvoll silberglänzendes Pferd in Rückenansicht.

Nach links führt ein gut besuchter Weg Richtung Horizont,

der seitlich von Hütten und Ständen flankiert

wird und auf dem sich auch spielende Kinder und

Hunde befinden. Es ist Markttag, aber an einem unbestimmten

Ort, außerhalb der Stadt, deren Turm

und Glockenturm in der Ferne zu sehen sind. Zur Verstärkung

dieser Ländlichkeit wurde die Farbpalette

von Ocker- und Brauntönen gewählt; es scheint fast,

als verschmelzen die Vegetation, die Menschen und

ihr Lebensraum zu einer einzigen erdigen Atmosphäre.

Die rote Farbe des Umhangs des Mannes verleiht ihm

ein einzigartiges Aussehen und eine besondere Rolle,

die einer reichen Person, die gekommen ist, um ein

Pferd von einem von dem Pferdehändler zu kaufen,

mit dem er spricht. Es scheint in der Tat ein Pferdemarkt

zu sein, wie die drei Exemplare im Vordergrund

bezeugen. Gemäß einer für die niederländische Malerei

des 17. Jahrhunderts typischen malerischen Tendenz

räumt diese Komposition dem Himmel den Vorrang

ein, indem sie zwei Drittel der Leinwand für ihn reserviert.

Zwischen Genreszenen und Landschaften entwickelten

die Maler eine ganze Reihe von Themen,

bei denen die genaue Beobachtung der Natur ihnen

ermöglichte, die Ebenheit ihrer Landschaften mit

imposanten Himmeln sowie die täglichen Aktivitäten

ihrer Zeitgenossen wiederzugeben, nicht von einer

gewissen Trivialität befreit. (†) (1321137) (18)

DUTCH SCHOOL

OF THE 17TH CENTURY

MARKET DAY OUTSIDE THE GATES OF A TOWN

Oil on canvas.

71.5 x 97 cm.

Signature trace at bottom centre. (†)

€ 30.000 - € 50.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

131


318

ROELANT SAVERY,

1576/78 1639 UTRECHT, WERKSTATT

GEBIRGSJÄGER AUF STEINBOCKJAGD

Öl auf Holz. Parkettiert.

40,2 x 32 cm.

In ebonisiertem Wellenleistenrahmen.

Eine geschickt in die Tiefe gestaffelte aus schroffen

Felsen bestehende Landschaft wird von einer der

zerklüfteten Landschaft angepassten Vegetation bewachsen.

Wer genau hinsieht macht Horizontale aus,

die sich als von Menschenhand gefertigte Brücken

herausstellen, welche der Erschließung dieser unwirtlichen

Landschaft dienen. Das vorliegende Gemälde

mag im direkten Umkreis oder sogar in der Wrkstatt

des Roelant Savery entstanden sein, dessen feingliedrige

Landschaften in zahlreichen öffentlichen Sammlungen

zu sehen sind. (13206115) (1) (13)

ROELANT SAVERY,

1576/78 1639 UTRECHT, WORKSHOP

MOUNTAIN HUNTER HUNTING IBEX

Oil on wood. Parquetry.

40.2 x 32 cm.

In an ebonised wavy moulding frame.

€ 18.000 - € 20.000

Sistrix

INFO | BID

132 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


319

AELBERT MEYERINGH,

1645 1714

Gemäldepaar

MERKUR UND DIE NYMPHE

sowie

RÜCKKEHR VON DER JAGD

Öl auf Leinwand.

202 x 195 cm.

In vergoldeten, plastisch reliefierten Holzrahmen.

Anbei in Kopie eine Expertise von Prof. Giancarlo

Sestieri, Rom, 15. Januar 2009.

Beeindruckende helle Landschaften mit fein ausgeführten

Staffagefiguren und klassischen Architekturen,

die sich kompositorisch geschickt in das Landschaftsgefüge

eingliedern. Meyeringh war ein Freund des

Johannes Glauber und bereiste Italien von 1672 bis

1683 und hielt sich in Padua, Rom, Neapel und Venedig

auf.

Anmerkung:

Als Vergleichsgemälde führt Sestieri eine Landschaft

mit Merkur und eine Ideallandschaft an, die im Herzog

Anton Ulrich-Museum in Braunschweig verwahrt

werden, signiert sind und mit 1686 datiert sind. Weiterhin

eine klassische Landschaft in der Staatsgalerie

Stuttgart sowie eine 1673 datierte Landschaft in der

Kunsthalle Hamburg. (1321224) (4) (13)

AELBERT MEYERINGH,

1645 1714

A pair of paintings

MERCURY AND NYMPH

and

THE RETURN FROM THE HUNT

Oil on canvas.

202 x 195 cm.

Accompanied by a copy of an expert’s report by Professor

Giancarlo Sestieri, Rome, 15 January 2009.

€ 120.000 - € 140.000

Sistrix

INFO | BID

134 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Detailabbildung

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

135


320

HAARLEMER MEISTER,

KREIS DES JAN VAN GOYEN (1596 1656)

BLICK AUF RHENEN

Öl auf Eichenholzplatte.

43 x 79 cm.

In Holzrahmen mit doppelt vergoldeter Guillochierung.

Vom erhöhten Vordergrund führt ein leicht ansteigender

Weg durch das wellige Gelände zu der tiefer gelegenen

Stadt, von der überwiegend nur die Hausdächer

und der prächtige hohe Kirchturm von St.

Cunera zu erkennen sind; ganz rechts am Bildrand

zwei Windmühlen unter dem hohen blauen Himmel

mit bräunlichen Wolkenformationen. Im Vordergrund

mehrere Figuren mit Gewehren, darunter drei zu

Pferde. Rechts daneben weitere Figuren und eine

Frau mit Kind. Nach links fällt das Gelände zum Rhein

ab, auf dem mehrere Boote und kleine Segelschiffe

zu erkennen sind. Am vorderen linken Ufer zudem ein

Hirte mit seinen Kühen am Wasser. Im Hintergrund

links Fernblick über das Wasser und auf Kirchtürme

sowie eine Windmühle von weiteren Orten. Harmonische

Landschaftswiedergabe in monochromer beigebrauner

Farbgebung in der typischen Manier des

Künstlers und seines Kreises.

Anmerkung:

Rhenen, das am Rhein liegt und nach ihm benannt

wurde, ist eine Gemeinde in der niederländischen

Provinz Utrecht. Die Cunerakirche ist die Hauptkirche

des Ortes.

Literatur:

Vgl. Hans-Ulrich Beck, Jan van Goyen. 1596-1656.

Ein Œuvreverzeichnis. II Katalog der Gemälde, Amsterdam

1973, S. 183, Nr. 377 und S. 189, Nr. 387.

(13207821) (2)

HAARLEM MASTER,

CIRCLE OF JAN VAN GOYEN (1596 1656)

VIEW OF RHENEN

Oil on oak panel.

43 x 79 cm.

In wooden frame with double gilt guilloche.

€ 25.000 - € 40.000

Sistrix

INFO | BID

Detailabbildung

136 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

137


138 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


321

PAOLO ANESI

1697 ROM 1773 EBENDA

PAAR FLUSSLANDSCHAFTEN

MIT FIGURENSTAFFAGE UND FISCHERN

Öl auf Leinwand.

36 x 46 cm.

In teilvergoldetem Rahmen

Beigegeben ein Gutachten von Prof. Giancarlo Sestieri

vom 14.02.2008 (in Kopie vorliegend).

Von einem Fluss umgeben auf einem hohem Felsen

die Überreste eines antiken breiten Rundturms und

eines höheren schmalen Turms, von denen aus ein

Weg mit Figuren zum Ufer führt. Auf dem Wasser

selbst mehrere Fischerboote und im Hintergrund eine

bergige Landschaft mit weiteren Gebäuden. Am rechten

Rand ein schmales Uferstück mit Figuren und als

Repoussoir ein hoher, in den Himmel reichender

Baum. Auf dem zweiten Gemälde fällt der Blick über

einen Uferstreifen mit Figuren auf einen ruhigen breiten

Fluss, über den eine alte Steinbrücke führt, die

zwei Stadtteile verbindet. Links am Ufer teils antike

Gebäude, während rechtsseitig hinter der Brücke einige

Häuser und die beiden Kuppeln einer Kirche erkennbar

sind. Fantasievolle Darstellungen in weicher

Farbgebung unter hohem, durch die Sonne teils gelblich

verfärbtem Himmel, mit wenigen weißen Wolkenformationen.

Kl. Retuschen. (†)

Anmerkung:

Der Künstler wirkte vor allem in Florenz und Rom.

Seine Ruinenbilder und Veduten orientieren sich an

Giovanni Paolo Pannini und Andrea Locatelli. Zu seinen

Schülern zählt Francesco Zuccarelli. (1322001) (10)

PAOLO ANESI,

1697 ROME 1773 IBID.

A PAIR OF RIVERSCAPES WITH FIGURAL

STAFFAGE AND FISHERMEN

Oil on canvas.

36 x 46 cm.

Accompanied by a copy of an expert’s report by Professor

Giancarlo Sestieri, dated 14 February 2008. (†)

€ 80.000 - € 100.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

139


322

FLÄMISCHER MEISTER DES 17. JAHRHUNDERTS

FLUSSLANDSCHAFT MIT FIGUREN

Öl auf Holz.

31 x 49 cm.

Verso wohl Antwerpener Schlossmarke.

In dekorativem Rahmen.

Blick von erhöhtem Standpunkt auf einen alten dichten

Wald, der an einem ruhigen Fluss liegt, an dessen

Ufer zahlreiche Figuren zu erkennen sind. Im Vordergrund

ein sitzendes Paar, im Gespräch mit einer Frau

mit ihren zwei Kindern und einem Hund. Linksseitig

das dichte Schilf des Ufers, hinter dem der Flusslauf zu

einer kleinen Stadt mit Kirche in zarten weiß-bläulichen

Tönen führt. Darüber der hohe blaue Himmel mit dicken

weißen Wolkenformationen und einigen Vogelschwärmen.

Malerei in überwiegend beige-brauner und grünbläulicher

Farbigkeit, aufgelockert durch einige gelbrote

und blaue Kleidungsstücke der wiedergegebenen

Figuren. Vereinzelt rest. (13207827) (2) (18)

FLEMISH SCHOOL, 17TH CENTURY

RIVERSCAPE WITH FIGURES

Oil on panel.

31 x 49 cm.

€ 15.000 - € 25.000

Sistrix

INFO | BID

Detailabbildung

140 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

141


142 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.

1. Gemälde von 6


2. Gemälde von 6

323

PIETER VAN DER HULST II,

TÄTIG 1623 1639

SECHS WEITE LANDSCHAFTEN

MIT FIGURENSTAFFAGE

Öl auf Leinwand. Doubliert.

82 x 116 cm.

In mit Reliefblattwerk verzierten vergoldeten Rahmen.

Die vorliegende Folge von sechs Landschaften kann

zwischen 1620 und 1625 datiert werden, eine der

fruchtbarsten Zeit für die Entwicklung des Genres der

Malerei in Flandern. Pieter van der Hulst II wird oft

mit seinem Vater verwechselt, mit dem er intensiv

zusammenarbeitete.

Weite Landschaften mit Bäumen, die in ihrer unterschiedlichen

Größe die Tiefe der Landschaft gliedern;

die Figurenstaffage dient dem gleichen Zweck.

Unter RKD Nummer 47437 sieht man eine typische

Landschaft von van der Hulst, die den Stil der hier angebotenen

seltenen Folge von gleich sechs Landschaften

widerspiegelt. Minimal besch. (1321228)

(4) (13)

PIETER VAN DER HULST II,

ACTIVE 1623 1639

SIX VAST LANDSCAPES WITH FIGURAL

STAFFAGE

Oil on canvas. Relined.

82 x 116 cm.

The present set of six landscapes can be dated ca.

1620-1625, one of the most fertile periods for the

development of this genre of painting in Flanders.

RKD no. 47437 shows a typical landscape by van der

Hulst, which reflects the style of the rare series of six

landscapes offered for sale in this lot.

€ 80.000 - € 100.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

143


144 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

145


324

PETER PAUL RUBENS UND WERKSTATT,

1577 SIEGEN 1640 ANTWERPEN

BILDNIS DES ERZHERZOGS ALBRECHT VII

VON ÖSTERREICH (1559 1621)

Öl auf Leinwand.

126 x 99 cm.

Dem Gemälde sind ein Gutachten von Prof. Justus

Müller Hofstede, Bonn, vom 30. 10. 2007, sowie dokumentierende

Beschreibungen und Provenienz-Nennungen

beigegeben, mit Bildvergleichen, etwa zu

dem ebenfalls von Rubens geschaffenen Bildnis um

1609 (dort vor rotem Hintergrund, danach Kupferstich

von 1615). Das Gutachten datiert das Werk um 1616.

Der österreichische Erzherzog, Sohn Kaiser Maximilians

II. und der Infantin Maria, Tochter Kaiser Karls V.,

hier im Halbbildnis nach rechts wiedergegeben. Der

Hofmode der Zeit gemäß in „habsburgisch“ schwarzer

Kleidung, mit breiter, gefältelter Halskrause, in feiner

Spitze gearbeitet. Der Kopf leicht schräg gehalten, der

Blick dem Betrachter zugewandt, über der hohen Stirn

braunes, kurzes Haar, mit kurzem spitzem Kinnbart und

seitlich ausgedrehtem Lippenbart. Über das schwarze

Wams die Goldkette mit dem Orden vom Goldenen

Vlies gelegt, in gleicher Weise heben sich die Goldknöpfe

sowie der fein gestickte schmale Gürtel ab. Der

dunkle Hintergrund hebt zusammen mit der schwarzen

Kleidung das Gesicht prominent hervor. Wie in

der höfischen Porträtmalerei üblich, ist die Grundkomposition

und die Ausführung des Porträts jeweils ein

Werk des Meisters, der seine Werkstatt zur Fertigung

der weniger anspruchsvollen Details, wie Kleidung,

Accessoires oder Hintergrund heranzog.

Albrecht wurde als Sohn Kaiser Maximilians, am spanischen

Hof Philipps II. erzogen und war als fünfter Sohn

zunächst für den geistlichen Stand vorgesehen. 1577

durch Papst Gregor XIII. zum Kardinal erhoben, erhielt

er 1580 die Würde des Kardinaldiakons der Hl. Kreuz-

Kirche in Jerusalem. Die priesterlichen Weihen hat er

jedoch nie erhalten, verließ den geistlichen Stand und

verehelichte sich mit der Infantin Isabella Clara Eugenia,

der Tochter Philipps II. und wurde damit Erbe der

Niederlande und Herzog von Burgund. 1609 schloss

er, nach einer Niederlage, mit Moritz von Oranien den

12-jährigen Waffenstillstand, und starb 1621 vor erneutem

Kriegsbeginn. Albrecht war ein bedeutender

Mäzen der Musik, der Literatur, in der Bildenden Kunst

vor allem des Malers P. P. Rubens und der Niederländischen

Kunst des Goldenen Zeitalters.

In diesem Sinne ist das vorliegende Gemälde ein bedeutendes

Dokument der Begegnung zwischen dem

Mäzen Albrecht VII. und dem Maler Rubens.

Provenienz:

Sammlung Baron Axel Wenner - Gren, Castle Haeringen,

Stockholm.

Sammlung Frey-Naepflin, Stansstad/Nidwalden

Schweiz.

Anmerkung:

Eine vergleichbare Darstellung im Dreiviertelbildnis

nach rechts, an einem Tisch stehend (119 x 92 cm.

Althorp House / Northhamptonshire, The Earl Spencer)

Gegenstück zum Bildnis d. Erzherzogin Isabella

Clara Eugenia.

Literatur:

Semblantes, Colcción Granados, dort zit.: Vlieghe,

1987, Diaz Padron, 1985, Vol. II., S. 1076 f.

J. Müller-Hofstede, A Chronology oft the Portraits

of Albert and Isabella, o. J. (1290146) (10)

PETER PAUL RUBENS AND WORKSHOP,

1577 SIEGEN 1640 ANTWERP

POTRAIT OF ALBRECHT VII ARCHDUKE OF

AUSTRIA (1559 1621)

Oil on canvas.

126 x 99 cm.

Accompanied by expert’s report by Prof. Justus

Müller Hofstede, dated 30.10.2007 and detailed documentation

and provenance.

Provenance:

Baron Axel Wenner Collection Gren, Castle Haeringen,

Stockholm.

Frey-Naepflin Collection, Stansstad/ Nidwalden

Switzerland.

Notes:

A comparable representation in three-quarter portrait

to the right, standing at a table (119 x 92 cm. Althorp

House/ Northhamptonshire, The Earl Spencer)

counterpart to the portrait of Archduchess Isabella

Clara Eugenia.

Literature:

Semblantes, Colcción Granados, there cited: Vlieghe,

1987, Diaz Padron, 1985, vol. II. pp. 1076.

J. Müller-Hofstede, A Chronology of the Portraits of

Albert and Isabella, n.y.

€ 110.000 - € 150.000

Sistrix

INFO | BID

146 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


325

JAN FYT,

1611 ANTWERPEN 1661 EBENDA, ZUG.

WILDSCHWEINJAGD

Öl auf Leinwand. Doubliert.

178 x 259 cm.

Das großformatige Bild mit Felsrepoussoir auf der

linken Seite, zeigt dicht gedrängt eine Hatz mit einem

in sich verdrehten Wildschweinkörper in der Mitte,

welcher von verschiedenen Jagdhunden angegriffen

wird. Die Gesamtkomposition findet sich traditionell

bei Gemälden von Jan Fyt, Pieter Boel (1622-1674)

sowie Frans Snyders (1579-1657). Eine Zuschreibung

an Fyt macht ein Vergleichsbeispiel möglich, welches

sich im Musée d'art et d'histoire in Genf befindet

(Katalognummer CR 60) welches mit „Johannes Fijt“

signiert und „1653“ datiert ist. Wie auch bei dem

vorliegenden Stück dient ein Fels mit Baumbewuchs,

der von links hereinragt, als Repoussoir und der verdrehte

Wildschweinkorpus ähnelt dem hier Dargestellten.

Der hellbraune Hund mit Halsband unten

links, findet sich wiederum in ähnlicher Form auf dem

Wildschweinjagdbild in der Alten Pinakothek München

wieder (Katalognummer 259), welches ebenfalls mit

„Johannes Fjit“ signiert ist. Aber auch eine Entstehung

in dessen Umkreis ist nicht auszuschließen.

Rest. (†) (1301315) (13)

JAN FYT,

1611 ANTWERP 1661 IBID., ATTRIBUTED

THE BOAR HUNT

Oil on canvas. Relined.

178 x 259 cm.

The overall composition can be found in paintings by

Jan Fyt, Pieter Boel (1622-1674) and Frans Snyders

(1579-1657). Attributing the painting to Fyt is possible

due to a comparative example which is held at the

Musée d’Art et d’Histoire in Geneva, catalogue number

CR 60, signed “Johannes Fijt” and dated “1653”.

As in the painting on offer for sale in this lot a rock with

tree vegetation protruding from the left serves as

repoussoir and the twisted body of the boar also resembles

the one depicted in this lot. A similar shaped

tan dog with collar in the lower left can also be found

in The Boar Hunt painting held at the Alte Pinakothek

in Munich (Catalogue no. 259), which is also signed

with “Johannes Fjit”. It can also not be ruled out that

the painting may have been created by the artist´s

circle. Restored. (†)

€ 40.000 - € 70.000

Sistrix

INFO | BID

148 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


326

FRANKFURTER MEISTER

DES 17. JAHRHUNDERTS

STILLLEBEN MIT AUSTERN UND OLIVEN

Öl auf Leinwand. Doubliert.

40 x 49 cm.

In dekorativem, teils goldbemaltem Rahmen.

Vor dunklem, fast schwarzem Hintergrund, auf einer

hellen Holzplatte mit Maserung werden präsentiert:

eine Zinnplatte mit geöffneten Austern, ein runder

Zinnteller mit Oliven, ein gefüllter gold-silberner Pokal,

dessen Deckel abgenommen wurde, eine leuchtend

gelbe Zitrone, ein paar Walnüsse und schließlich

ein Messer. Auf der oberen linken Tischkante schließlich

noch ein angeschnittenes Brot. Malerei in überwiegend

schwarzen und grau-braunen Farbtönen,

wobei die Zitrone besonders hervorsticht. Minimale

Retuschen. (13218827) (18)

SCHOOL OF FRANKFURT,

17TH CENTURY

STILL LIFE WITH OYSTERS AND OLIVES

Oil on canvas. Relined.

40 x 49 cm.

€ 20.000 - € 30.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

149


327

JAN HARMENSZ. VAN BYLERT,

UM 1597 UTRECHT 1671 EBENDA

Der Künstler war Sohn eines Glasmalers und nach Mitteilung

des frühen Künstlerbiographen Joachim von

Sandrart d. Ä. (1606-1688) ein Schüler des Abraham

Bloemaert (1564-1651), bevor ihn seine Studienreisen

nach Frankreich und dann nach Italien führten. In Rom

verblieb er wahrscheinlich bis 1624 und stand dort in

Kontakt mit den holländischen Malern Jan Gerritsz van

Bronchorst (1603-1661) oder Cornelis van Poelenburgh

(1586-1667). Ab Mitte der 1620er-Jahre ließ er sich

stark von Michelangelo Merisi il Caravaggio (1570/71-

1610) und Guido Reni (1575-1642) beeinflussen, wie

ebenso von Gerrit van Honthorst (1590-1656). Er gilt als

einer der führenden, wenn nicht sogar als führendster

Vertreter der utrechter Caravaggisten.

DER LAUTENSPIELER

Öl auf Leinwand.

105 x 80 cm.

Der Maler hatte sich auf Halbbildnisse spezialisiert, insbesondere

auch von Musikern oder Philosophen, die

in mehreren öffentlichen Sammlungen vertreten sind,

wie das bekannte Gemälde mit einem Konzert mit

Lauten- und Cellospielern. Auch das hier vorliegende

Motiv zeigt einen Jüngling im Dreiviertelbildnis nach

rechts, in sitzender Haltung an einer Laute, wobei sein

halb geöffneter Mund andeutet, dass er sich selbst

singend begleitet. Über dem schwarzen kurzen lockigen

Haar ein Barett mit großer weißer Straußenfeder,

eine Reminiszenz auch an das Werk Caravaggios, wie

ebenso die Darstellung des jungen Musikers mit entblößter

Schulter. Farblich dominierend ist das kräftige

Rot im Umhang, das als farblicher Gegenpol zum hellen

Grau-Blau des Hintergrundes steht. Der Einfluss

Caravaggios ist auch in dem vorliegenden Gemälde

unverkennbar.

Anmerkung:

Der Künstler war Sohn eines Glasmalers und nach

Mitteilung des frühen Künstlerbiographen Joachim

von Sandrart d. Ä. (1606-1688) ein Schüler des Abraham

Bloemaert (1564-1651), bevor ihn seine Studienreisen

nach Frankreich und dann nach Italien führten.

In Rom verblieb er wahrscheinlich bis 1624 und

stand dort in Kontakt mit den holländischen Malern

Jan Gerritsz van Bronchorst (1603-1661) oder Cornelis

van Poelenburgh (1586-1667). Ab Mitte der 1620er-

Jahre ließ er sich stark von Michelangelo Merisi il

Caravaggio (1570/71-1610) und Guido Reni (1575-1642)

beeinflussen, wie ebenso von Gerrit van Hont horst

(1590-1656). Er gilt als einer der führenden, wenn

nicht sogar als führendster Vertreter der Utrechter

Caravaggisten.

Literatur:

Paul Huys, Jan van Bijlert, 1998, S. 139, Nr. 105, Pl. 46,

circa 1625-1635. (12901421) (11)

JAN HARMENSZ. VAN BYLERT,

CA. 1597 UTRECHT 1671 IBID.

LUTE PLAYER

Oil on canvas.

105 x 80 cm.

Literature:

Paul Huys, Jan van Bijlert, 1998, p. 139, no. 105,

pl. 46, circa 1625-1635.

€ 60.000 - € 90.000

Sistrix

INFO | BID

150 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


328

JAN WEENIX,

1640 AMSTERDAM 1719

PORTRAITBILDNIS DES PRINZEN VON ORANIEN

MIT VOGELKÄFIG IN PARKLANDSCHAFT

Öl auf Leinwand.

102 x 154 cm.

Wir danken Fred Meijer vom RKD für die Bestätigung

der Zuschreibung.

Der adelige Knabe ist hier in antiker Gewandung dargestellt

mit auberginefarbenem, togaartig umgehängten

Mantel mit goldener Schließe über der rechten

Schulter und einer Straußenfeder als Kopfbedeckung.

Der Knabe sitzt heller erleuchtet an einem Steinpodest

vor einem abgedunkelten, dahinter liegenden kleinen

Blumengarten mit großen Sonnenblumen. Am Boden,

zu Füßen des Knaben eine zerbrochene Schale mit

Nüssen, daneben ein schrägliegender Vogelbauer. Der

Vogel auf seiner Hand mit geöffnetem Schnabel, während

der Knabe ihm mit einem Stöckchen Futter reicht.

Der Blick ist mit leichtem Lächeln dem Betrachter entgegengerichtet.

Links daneben auf dem Boden zwei

Tauben sowie ein von links herantretender Spaniel. Im

Hintergrund großes Parkbassin mit Figuren auf Steinpodesten

und Balustraden. Am linken Bildrand große,

den Bildrand säumende Parkfigur, dahinter die Ecke

eines Palastgebäudes mit Pilastern. Der Abendhimmel

leicht wolkig, darin eine schwebende Taube. Die Lichtregie

im Bild hat die Figur des jugendlichen Prinzen in

der Leuchtkraft der Kleidung und des Gesichtes vor

dem schattigen Hintergrund hervorgehoben. Die dunkleren

Partien des Bodens sowie der dahinter liegenden

Steinmauer durch einen fliegenden Schmetterling

und eine, vom rechten Bildrand hereinragende, Geranienblüte

aufgehellt und verlebendigt. Gegenstände

und Begleittiere sind der Zeit gemäß allegorisch zu

deuten, insbesondere hier im Zusammenhang mit

der Person. So sollen die Tauben neben dem Hund

das friedliche Zusammensein und Zusammenleben

der künftigen Regierung des Prinzen verweisen. Die

Sonnenblumen im Hintergrund verweisen auf die Zeit

des Absolutismus und die übliche Beziehung zum

Sonnenkönigtum, in dessen politische Ära der Prinz

hineinwuchs. Jan Weenix war Sohn und Schüler des

Jan Baptist Weenix in Utrecht, widmete sich der Malerei

von Portraits, Landschaften, Tier- und Jagdstillleben.

Hauptsächlich war er in Utrecht und Amsterdam tätig.

Von 1702 bis 1712 war er Hofmaler des Kurfürsten

Johann Wilhelm in Düsseldorf. In dieser Zeit dürfte

auch das vorliegende Portrait entstanden sein.

Literatur:

Vgl. Horst Vey und Anna-Marie Kesting, Katalog der

niederländischen Gemälde von 1550 - 1800 im Wallraf-

Richartz Museum im öffentlichen Besitz der Stadt

Köln 1976, S. 137. (1281453) (11)

JAN WEENIX,

1640 AMSTERDAM 1719

PORTRAIT OF THE PRINCE OF ORANGE WITH

BIRD CAGE IN A PARK

Oil on canvas.

102 x 154 cm.

We would like to thank Fred Meijer from the RKD for

confirming the attribution to the artist.

Literature:

cf. Horst Vey and Anna-Marie Kesting, Katalog der

niederländischen Gemälde von 1550 - 1800 im Walraff-

Richartz Museum im öffentlichen Besitz der Stadt

Köln 1976, p. 137.

€ 30.000 - € 40.000

Sistrix

INFO | BID

152 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


329

LUIGI GENTILE PRIMO,

GENANNT „LOUIS COUSIN“,

1606 NINOVE, BRÜSSEL 1667 EBENDA

ALLEGORIE DER MALEREI

Öl auf Leinwand.

82 x 66 cm.

In breitem à jour gearbeitetem und vergoldetem

Holzrahmen.

Anbei in Kopie ein Gutachten von Massimo Pulini,

Accademia di Belle Arti, Bologna, 30. August 2018.

Louis Cousin ist uns unter vielen weiteren Namensvarianten

überliefert: Luis Cosyn, Aloygio Gousin,

Luigi Gentillo, Lodewyk Gentile, Lowis Gentil, Lewis

Gentel, Ludowicus Gentili, Lucilio Gentiloni, Luigi

Gentile, Luigi Primo, Aluvisium Gientilem, Primo

Gentiel und Gentile da Bruxelles. Unser Gemälde

zeigt eine nach links gerichtete Halbfigur einer jungen

Frau, die auf ihrem Schoß einen kostbaren in Falten

geworfenen Teppich trägt. In ihrer Hand ein Maler stab

und Pinsel, von dem ihr einer soeben als Werkzeug

dient, um ein Gemälde auszuführen. Auf ihrem Kopf

ein wertvolles lapislazuliblaues Stirnband mit rotem

Federputz. Man meint in dem Frauenkopf denjenigen

aus einem anderen allegorischen Gemälde wiederzuerkennen,

das eventuell ebenfalls Luigi Gentile zuzuordnen

ist: Die Allegroie der Malerei in Brera, Mailand.

LUIGI GENTILE PRIMO,

ALSO KNOWN AS “LOUIS COUSIN”,

1606 NINOVE, BRUSSELS 1667 IBID.

ALLEGORY OF PAINTING

Oil on canvas.

82 x 66 cm.

Accompanied by a copy of the expert’s report by

Massimo Pulini, Accademia di Belle Arti, Bologna,

30 August 2018.

Provenance:

European private collection.

Literature:

This painting is discussed in: Massimo Pulini, Luigi

Gentile “Virtuoso del Pantheon” e “Principe di san

Luca”; novità e inediti di un grande artista europeo

in un saggio di Massimo Pulini, in: Aboutartonline,

Pietro di Loreto (ed.), no. 54.

€ 40.000 - € 60.000

Sistrix

INFO | BID

Provenienz:

Europäische Privatsammlung.

Literatur:

Dieses Gemälde wird besprochen in: Massimo Pulini

Luigi Gentile „Virtuoso del Pantheon“ e „Principe

di san Luca“; novità e inediti di un grande artista

europeo in un saggio di Massimo Pulini, in: Aboutartonline,

Hrsg.: Pietro di Loreto, Nr. 54. (1301536) (13)

154 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


330

BERNARDINO LICINIO,

UM 1489 VENEDIG UM 1565, ZUG.

PORTRAIT EINES JUNGEN MANNES

Öl auf Holz. Parkettiert.

99 x 77 cm.

Gerahmt.

Halbbildnis eines jungen Mannes hinter einer schmalen

Tischplatte vor dunkler Hintergrundfolie. Sein Blick

schweift in Gegenbewegung zu seinem Oberkörper

nach links, sodass eine dezente elegante Drehung in

der Figur entsteht. Seine jungen Gesichtszüge werden

durch den dünnen Bart und ein Barett gerahmt. Das

elegante pelzverbrämte Gewand und das fein gefältelte,

bestickte Hemd deuten darauf, dass es sich um

einen gut begüterten, evtl. adeligen Herren handelt.

Rest. und zwei Parkettierleisten. (†) (13013116) (10)

BERNARDINO LICINIO,

CA. 1489 VENICE CA. 1565, ATTRIBUTED

PORTRAIT OF A YOUNG MAN

Oil on panel. Parquetted.

99 x 77 cm.

Framed.

Restored and two parquetting slats. (†)

€ 28.000 - € 40.000

Sistrix

INFO | BID

156 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


331

LEONELLO SPADA,

1576 BOLOGNA 1622 PARMA, ZUG.

ALLEGORIE DER MUSIK

Öl auf Leinwand.

87 x 104 cm.

In breitem Zierrahmen.

Vor einem schlaglichtartig beleuchteten Hintergrund,

dessen Lichtquelle links oben liegt und somit die musikalische

Szene in einen Innenraum situiert, dient als

Folie für drei Halbfiguren, die im Musizieren begriffen

sind. Eine junge Frau ganz links, blau weiß gekleidet,

ist durch einen Perlohrring zusätzlich hervorgehoben

und spielt eine Mandoline, von der es seit dem 17.

Jahrhundert zwei Bauformen gibt. Neben ihr steht ein

rotgewandeter junger Mann mit Violine, zwischen ihnen

ein Kind, das ebenfalls ein Instrument zu halten

scheint.

Anmerkung:

Spada hat verschiedentliche Bilder von Konzerten gemalt.

So wird ihm auch ein Gemälde zugeschrieben,

das im Fogg Art Museum in Cambridge verwahrt wird

und auch eines in der Galleria Borghese in Rom jedoch

mit tieferer Bildstaffelung. Auch ein Gemälde,

das bei der Fondazione Zeri mit der Nummer 55214

verzeichnet wird, zeigt ein Konzert, das unserem Gemälde

noch näherkommt, was den kompositorischen

Aufbau und die Gesichter angeht. (1320133)

LEONELLO SPADA,

1576 BOLOGNA 1622 PARMA, ATTRIBUTED

ALLEGORY OF MUSIC

Oil on canvas.

87 x 104 cm.

€ 30.000 - € 50.000

Sistrix

INFO | BID

158 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


332

PAUL DE VOS,

UM 1591 HULST 1678 ANTWERPEN, ZUG.

KAMPF ZWISCHEN ZWEI HUNDEN

Öl auf Leinwand. Doubliert.

113 x 179 cm.

Ungerahmt.

PAUL DE VOS,

CA. 1591 HULST 1678 ANTWERP, ATTRIBUTED

TWO DOGS FIGHTING

Oil on canvas. Relined.

113 x 179 cm.

Unframed.

Die Hunde auf einem schwarz-beige gemusterten

Boden kämpfend, der von einem alten hölzernen Gatter

umgeben ist. Dahinter erstreckt sich der Blick in die

freie Natur, mit Bäumen und hohen Sträuchern unter

hellblauem Himmel mit weißen Wolken. Am Boden

liegend ein schwarz-weißer Hund mit glänzendem

Auge und vor Schmerz weit aufgerissenem Maul.

Über ihm ein großer beige-brauner Hund mit rotem

Halsband und rot unterlaufenem Auge, der ihm in den

Nacken beißt. Vor ihnen liegend ein großer umgefallener

geflochtener Korb mit Knochen und Fußteilen von

erlegten Wildtieren, wohl die Ursache des Streits.

Drastische Wiedergabe des Kampfes, bei der durch die

Lichtführung besonders das rötlich aufgerissene Maul

des unterlegenen Hundes und seine hellen Pfoten

präsentiert werden. Retuschen. (1322021) (3) (18)

With retouching.

€ 10.000 - € 12.000

Sistrix

INFO | BID

160 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

161


333

FLÄMISCHER MALER DES 16. JAHRHUNDERTS

AUS DER MALSCHULE VON BRÜGGE

HALBBILDNIS EINES JUNGEN MANNES

MIT KURZEM BART UND FLACHER KAPPE

Öl auf Holz. Doubliert.

41,1 x 35,5 cm.

Das Brustbild vor nahezu smaragdgrünem Hintergrund

mit Schattenbildung. In der rechten Bildhälfte der junge

Mann, dunkel gekleidet mit entsprechender Kappe

über seitlich halblang gerade geschnittenen Haaren.

Ein kurzer weißer gefältelter Kragen tritt aus dem

Wams hervor. Der rechte Arm im Manteltuch lässt

die Hand vortreten, mit einem Ring am kleinen Finger.

Das Gemälde weist charakteristische Merkmale der

Malerei von Ambrosius Benson (um 1495-1550) auf

und lässt sich auch gut mit weiteren Portraitbildnissen

dieses Meisters vergleichen.

Literatur:

Vgl. Georges Marlier, Ambrosius Benson et la peinture

à Bruges au temps de Charles-Quint, Musée van

Maerlant 1957, Katalognummer 197. (1301325) (11)

FLEMISH PAINTER OF THE 16TH CENTURY

FROM THE PAINTING SCHOOL OF BRUGES

HALF-PORTRAIT OF A YOUNG MAN WITH SHORT

BEARD AND FLAT CAP

Oil on panel. Relined.

41.1 x 35.5 cm.

The painting shows characteristic features for the

œuvre of Ambrosius Benson (ca. 1495-1550) and easily

compares with other portraits by the master.

Literature:

cf. Georges Marlier, Ambrosius Benson et la peinture

à Bruges au temps de Charles-Quint, Musée van

Maerlant 1957, catalogue no. 197.

€ 35.000 - € 55.000

Sistrix

INFO | BID

162 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


334

MICHIEL JANSZ VAN MIEREVELT,

1567 DELFT 1641

PORTRAIT WOHL DES HUGO DE GROOT

(1583 1645)

Öl auf Holz.

63,6 x 50,2 cm.

Links mittig signiert und datiert „1622“.

In ebonisiertem Wellenleistenrahmen.

Vor unbestimmtem Grund das leicht nach rechts gewandte

Brustportrait eines Mannes in bestem Alter

mit feinem Leinenkragen und Schnurbart. Das Portrait

ähnelt stark einem beim RKD in Den Haag verzeichnetem

Portrait des Hugo de Groot, 1583 1645, Nr.

142522, von dem zahlreiche Schriften als Philosoph

überliefert sind.

MICHIEL JANSZ VAN MIEREVELT,

1567 DELFT 1641

PORTRAIT, PROBABLY OF HUGO DE GROOT

(1583 1645)

Oil on panel.

63.6 x 50.2 cm.

Signed and dated “1622” at centre lower left.

The portrait is very similar to a portrait of Hugo de

Groot, 1583 1645, no. 142522, registered with the

RKD in The Hague, from whom numerous writings as

a philosopher have survived.

€ 23.000 - € 25.000

Sistrix

INFO | BID

Literatur zu Hugo de Groot:

Vgl. Willem Jan Marie van Eysinga: Hugo Grotius,

eine biographische Skizze. übersetzt von M. Plemp

van Duiveland, mit einem Vorwort von Werner Kaegi;

Schwabe Verlag, Basel 1952. (13206121) (1) (13)

164 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


335

PETER PAUL RUBENS,

1577 SIEGEN 1640 ANTWERPEN, ZUG.

SCHWEBENDER PUTTO

Schwarze, rote und weiße Kreide auf Büttenpapier,

verso von feinem Japanpapier restauratorisch

unterlegt.

Maße des Blattes: 27,2 x 13,5 cm

(links Anstückelung zu 16,1 cm).

Im Passepartout, hinter Glas gerahmt.

Rubens hat diese Studie in schwarzer und roter Kreide

auf Büttenpapier gezeichnet, das Weiß im Sinne einer

Glanzhöhung eingesetzt. Das Alter des Papiers ist

durch Untersuchung für die Zeit um 1618 gesichert.

Dies gilt als ein umso wichtigeres Indiz, als die Ausführung

des großen Altarblattes „Die Hl. Jungfrau

umgeben von den Unschuldigen Heiligen Kindern“

auch im Jahr 1618 gemalt wurde. Dabei sind für die

Bedeutung unseres Blattes mindestens zwei Kriterien

zu nennen: zum einen findet sich unser Putto in

nahezu exakter Wiederholung im genannten Gemälde,

nämlich links oben, neben den weiteren Kinder figuren,

zum anderen ist das Grundthema des Puttenreigens

ohnehin ein ausgesprochen eigentypisches Phänomen

in der Bilderfindung des großen Flamen. Damit ist auch

unser Blatt in der Bedeutung für das Rubensschaffen

als ein Werk von Rang zu sehen.

Der Zeichnung ist die entsprechende Virtuosität und

Reife der Blütezeit des Rubens´schen Wirkens eigen.

Selbst als Darstellungsdetail für das Altarblatt zeigt

sich die Zeichnung bereits in der künstlerischen Wirkung

als eigenständiges, autonomes Kunstwerk. Die

Verwendung dreier Farbstifte, die Hintergrundschattierung

links, vor allem aber auch die Weißhöhung,

verleihen dem Blatt diese Wirkung.

Auf die Wiedergabe der Arme hat Rubens hier bewusst

verzichtet, sehen wir sie doch in der Gemäldeausführung

etwa von der Kinderfigur daneben überdeckt.

Dass unser Putto im Altarbild nicht völlig exakt

wiederholt wurde, ist etwa an der Form der Haarlocke

zu sehen, auch darin, dass das Gesicht dort weiter

abgewandt erscheint. Solche Beobachtungen lassen

sich zurecht auch als Indiz der Echtheit sehen

schließlich wurde unser Blatt von keinem der Experten

der Rubensforschung in Frage gestellt. Es würde

zu weit führen, für die zahllosen Kinderdarstellungen,

die im Altarbild die Marienfigur umschweben, lebende

Modelle im Rubensumfeld zu suchen. Jedenfalls aber

wissen wir, dass Rubens nicht selten seine eigenen

Kinder, wie etwa den Sohn Albert (geb. 1614) als Modell

zum Vorbild hatte, wie wohl auch in jenem Werk

in der Albertina, Wien, (Inv. Nr. 17639). Jedenfalls erweckt

auch unser Blatt eher den Eindruck einer

Zeichnung nach einem lebenden Kindervorbild, als

nach idealisierter Idee. So ist auch das Gesicht weit

realistischer gegeben, als dann im Ölbild, was zudem

für die Authentizität spricht, von sämtlichen namhaften

Rubensexperten bestätigt. So handelt es sich bei unserem

vorliegenden Werk nicht zuletzt auch um eine

bedeutende Ergänzung des graphischen Œuvres für

Rubens.

Provenienz:

Georges Bourgarel, Paris.

Gutekunst & Klipstein, Bern, 22.11.1956, Lot 272.

Privatsammlung, England.

Angeboten bei Christie‘s, New York, 28.01.2015,

Lot 62.

Literatur:

A.-M. Logan and M. C. Plomp, Pieter Paul Rubens,

The Drawings, exh. Cat. New York, Metropolitan Museum

of Art, 2005, pp. 192-3, Nr. 59., S. 237-238, Nr. 81,

Fig. 126,

Inventar Albertina, Wien, Nr. 8296, Logan Plomp

op .cit. S. 204 f. N. 65. (1321992) (11)

166 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


PETER PAUL RUBENS,

1577 SIEGEN 1640 ANTWERP,

ATTRIBUTED

FLOATING PUTTO

Black, red and white chalk on laid paper.

Mounted on card.

Dimensions of the sheet: 27.2 x 13.5 cm

(Sheet added to 16.1 cm.).

Mounted and framed with glass.

The present drawing in swift lines probably shows a

live drawing of a figure of a small child. Pentimenti on

the left foot, the realistic rendition of the head and a

few single outlining lines suggest that this is a sketch.

A comparison with Rubens´ work quickly reveals similarities:

a painting titled “The Virgin and Child Surrounded

by the Holy Innocents” held at the Louvre

was created ca. 1618. A young child can be made out

in the top left which is identical to the child in the

drawing in this lot, particularly its posture and expression.

Rubens created numerous sketches for his

paintings and children often acted as models. These

sketches were incorporated into paintings at various

times. In this instance, it could be assumed that

Rubens drew his own son Albert, who was born on 5

June 1614 and this seems to also be the case for a

drawing held at the Albertina Museum, Vienna (inventory

no. 17639). According to the description at Sotheby´s

no relevant Rubens expert doubts the authorship

of the sketch in this lot. According to the paper

expert Pieter Bower the paper dates to ca. 1618. The

paper was extended on the left by ca. 23 mm, with

slight foxing and darkened within the mount, especially

around the edges. However, overall it is in a

beautiful and crisp condition.

Provenance:

Georges Bourgarel, Paris.

Gutekunst & Klipstein, Bern, 22 November 1956,

lot 272.

Private collection, England.

Offered at Sotheby´s, New York, 28 January 2015,

lot 62.

Literature:

A.-M. Logan and M. C. Plomp, Pieter Paul Rubens, The

Drawings, exh. Cat. New York, Metropolitan Museum

of Art, 2005, pp. 192-3, Nr. 59, S. 237-238, Nr. 81,

Fig. 126.

Inventar Albertina, Wien, Nr. 8296, Logan Plomp

op .cit. S. 204 f. N. 65.

€ 180.000 - € 200.000

Sistrix

INFO | BID

168 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


336

JAN BRUEGHEL D. Ä.,

1568 BRÜSSEL 1625 ANTWERPEN

Jan Brueghel d. Ä. war Sohn des Pieter Brueghels I

(um 1525-um 1569) und der jüngere Bruder des Pieter

Brueghels II (um 1564-1637/38). Seine Freundschaft

mit Paul Bril (um 1554-1626) anlässlich des gemeinschaftlichen

Aufenthaltes in Rom ist ebenso bekannt,

wie seine Zusammenarbeit mit Johann Rottenhammer

(1564-1625). Zurück in Flandern wurde er 1597 Mitglied

der Antwerpener Lukasgilde, später deren Dekan. Auch

sein Sohn Jan Brueghel d. J. setzte die Maltradition

erfolgreich fort. 1604 in Prag, wirkte er anschließend

für den Hof in Brüssel. Letztlich zeugt das Gruppenbild

seiner Familie, gemalt von Peter Paul Rubens, vom

Rang des Künstlers zu seiner Zeit (Courtauld Gallery

London).

ABRAHAM UND DIE ENGEL IN MAMRE

Öl auf Kupfer.

26 x 35,5 cm.

Beigegeben ein Gutachten von Dr. Klaus Ertz, Lingen,

Juni 2019.

Wie oft in der Niederländischen Malerei dieser Epoche,

hat der Maler auch hier zwei Bildgattungen

Landschaft und Biblische Erzählung in einem Werk

zusammengeführt. In breitem Format wird hier eine

Baumlandschaft gezeigt, gegliedert in zwei Baumgruppen,

mit einem größeren Eichenbaum links, der

als Repoussoir dient, sowie zwei etwas kleineren Bäumen,

in deren Schatten dahinter eine Hütte steht. Das

Bildzentrum dient dem Maler, um die biblische Legende

der „Drei Engel bei Abraham und Sara“ zu erzählen.

Vor einem strohgedeckten Haus, aus dessen Türe die

schon betagte, achtzigjährige Sara blickt, ist ein gedeckter

Tisch zu sehen. Abraham hier langbärtig am

Tisch, bewirtet die drei Engel, die ihm als Dank seinen

Sohn Izchak verkünden. Zwei dieser Engel sind an

der gegenüberliegenden Seite des Tisches zu sehen,

wobei der Abraham zunächst Sitzende offensichtlich

gerade die Prophetie gestenreich verkündet. Der Dritte

ist in äußerst origineller, geradezu heiter-drolliger

Weise dargestellt, er hat am Boden Platz genommen

und kühlt seine Füße in einem großen Weinkühler.

Das Motiv der in der Türe lauschend dargestellten Sara

wird in der Malerei dieses Themas noch in weiteren

Epochen in dieser Art zu finden sein. Jedoch ist ein

weiteres Bilddetail hier von größerer Seltenheit: rechts

ist eine junge Mutter mit einem Knaben zu sehen.

Auf den ersten Blick mag es sich um eine Magd handeln,

die dem Kind eine Gabe überreicht. Im Zusammenhang

mit der Bibelgeschichte jedoch sind die beiden

Figuren durchaus als Abrahams Magd Hagar und

ihren Sohn Ismael zu deuten, die später von Abraham

auf Saras Drängen vertrieben werden sollten. Die

Szene und die Detaildarstellungen, wie etwa das

Feder vieh, das Hündchen, die Schweinegruppe im

Vordergrund oder eine weitere, einen Krug tragende

Magd rechts im Bild, sind nicht ohne Schmunzeln

erregende Heiterkeit wiedergegeben. Die erhöht stehende

Burganlage und der Gipfel am rechten Bildrand

hat der Maler bereits in einer blauen Luftperspektive

gegeben. Der aufhellende Wolkenhimmel darüber

darf wohl auch symbolisch für die sich aufhellende

Zukunft des Stammvaters Abraham gesehen werden,

wie ebenfalls die jungen Bäume am Tisch der Engel.

A.R. (13219910) (11)

JAN BRUEGHEL THE ELDER,

1568 BRUSSELS 1625 ANTWERP

ABRAHAM AND THE ANGEL IN MAMRE

Oil on copper.

26 x 35.5 cm.

Accompanied by an expert’s report by Dr Klaus Ertz,

Lingen, June 2019.

€ 110.000 - € 150.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

169


337

KAREL DUJARDIN,

UM 1626 AMSTERDAM 1678 VENEDIG

MALER MIT ZEICHENMAPPE

(WOHL SELBSTBILDNIS)

Kohlezeichnung, Pastellfarben, weiß gehöht, auf blaugrauem

Büttenpapier.

41,4 x 27,8 cm.

Linksseits unten signiert „C. du Jardin“.

Hinter Glas gerahmt.

Beigegeben eine Expertise von Dr. Alexander Rauch,

München-Leipzig 2020, die Arbeit um 1652 datierend.

KAREL DUJARDIN,

CA. 1626 AMSTERDAM 1678 VENICE

PAINTER WITH PORTFOLIO

(PROBABLY SELF-PORTRAIT)

Charcoal drawing, pastels, white highlights on slate

grey laid paper.

41.4 x 27.8 cm.

Signed “C. du Jardin” lower left.

Accompanied by an expert’s report by Dr Alexander

Rauch, Munich-Leipzig 2020, dating the work around

1652.

Dargestellt ist ein junger Mann auf einem holländischen

Holzstuhl mit Rohrgeflecht. Er trägt knielange Beinkleider,

ein kurzes, ärmellanges Wams, offenen Kragen

und einen zylinderförmigen Hut um langes Haar darin

zu fassen, gemäß der Kleidermode der Zeit. In schräger

Sitzhaltung nach rechts, mit Blick nach oben, hat er

seinen linken Arm auf den Schoß gelegt. Seine rechte

Hand greift mit den Fingern in eine links am Boden

stehende große Zeichenmappe.

Die Kleidung ist in Kohle ausgeführt, Inkarnat von Gesicht

und Händen in Pastell. Die Weißhöhungen in

Zink- oder Bleiweiß teilweise altersbedingt oxydiert

und erscheinen daher nachgedunkelt. Die Darstellung

zeigt, wie die Zeichenmappe zu erkennen gibt, entweder

einen zeitgenössischen Künstler, oder was die

Ähnlichkeit mit Bildnissen des Karel Dujardin nahelegt,

ein Selbstbildnis.

Der Maler, wohl Schüler von Nicolas Berchem, hielt

sich um 1640/50 in Rom auf, kam nach Paris und

wirkte ab 1652 wieder in Amsterdam. Von 1656 bis

1658 war er Mitglied der Confrérie Pictura in Den Haag,

kehrte 1675 wieder nach Italien, wo er 1678 verstarb.

In seinem Werk finden sich ebenso Historienbilder,

wie arkadische Landschaften und Porträts. Neben den

etwa 50 Radierungen sind jedoch nur ganz wenige

Zeichnungen seiner Hand in öffentlichen Sammlungen

bekannt geworden. Unseres Erachtens ist in den letzten

Jahrzehnten kein Werk dieser Art auf dem Markt

angeboten worden.

Sämtliche der bekannten Zeichnungen stimmen sowohl

in der Strichführung als auch in Details mit dem

vorliegenden Werk überein. Auffallend sind jedenfalls

die Wiedergabe der Hände und Handhaltungen wie

sie auch in Dujardins Gemälden zu sehen sind. Dies

ist eine bei diesem Maler so kennzeichnende Charakteristik.

Provenienz:

Süddeutsche Privatsammlung. (1281691) (11)

Provenance:

Private collection, Southern Germany.

€ 18.000 - € 20.000

Sistrix

INFO | BID

170 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


338

JOACHIM VON SANDRART,

1606 FRANKFURT AM MAIN 1688 NÜRNBERG

BILDNIS EINER ADELIGEN DAME MIT DEN

ATTRIBUTEN DER HEILIGEN CÄCILIA

Öl auf Leinwand.

103 x 82 cm.

Beigegeben ein Gutachten von Peter van den Brink,

Aachen, das Gemälde dem genannten Künstler zuschreibend.

Dreiviertelbildnis einer an einer Hausorgel sitzenden

jungen Adeligen, nahezu in Lebensgröße wiedergegeben.

Der Blick dem Betrachter entgegengerichtet.

Die rechte Hand hält sie auf die Tastatur, die linke an

den Busen, gleichzeitig einen dünnen Schleier haltend,

der von ihrer Haube herabzieht. Ihre höfische Kleidung

ist insofern idealisiert, als sie hier ein rotes Kleid

mit goldfarbenem Brokatmantel trägt, innen blau gefüttert,

ein Kleidungsstück, das in dieser Erhöhung

auch bei Bildnissen der Heiligen Cäcilia - Patronin der

Kirchenmusik zu finden ist. Dennoch trägt sie eine

Perlenkette mit Perlenohrring und am Kleidersaum

eine Goldbordüre mit Edelstein-Agraffe. Ihr Haar fällt

in dunklen Locken zur Schulter herab. Die Orgel ist

kunstvoll gebaut, die Pfeifen zwischen vergoldeten

Atlanten, die die Abdeckung tragen. Im Hintergrund

erscheint eine jugendliche Engelsfigur. Insgesamt mit

Kleid und Flügel in deutlich zarteren Farben wiedergegeben,

was diese Gestalt als „Erscheinung“ wirken

lässt. Der Engel hält ein Notenblatt und deutet mit

dem rechten Zeigefinger auf die Noten um der adeligen

Musikerin die musikalischen Hinweise zu geben.

Gedanklich ist dieses Motiv zu verstehen als himmlische

Eingebung der Musik und Komposition. Im Hintergrund

ein grünes Velum, leicht nach rechts zurückgezogen

mit Blick auf eine Bogenarchitektur mit

kurzem Landschaftsausblick auf eine Baumkrone.

Das Gemälde wurde früher Gerard Deleres zugeschrieben,

es erfolgte jedoch durch Peter van den Brink

eine weitaus überzeugendere Zuordnung an Joachim

von Sandrart. Die Zuschreibung stützt sich vor allem

auf stilistische Vergleiche mit den bekannten Monatsbildern,

die Sandrart für den bayerischen Herzog Maximilian

I in den Jahren 1642-44 schuf, die sich heute

im Schloss Schleißheim befinden. In Sitzhaltung, Körperausführung

und anderen Details lassen sich Parallelen

zu mehreren Gemälden dieses Monatszyklus

finden, allerdings ist nach Meinung des Gutachters

das Gemälde nicht in München, sondern nach seiner

Rückkehr in Amsterdam 1644 entstanden. Sandrart,

der zunächst in der Druckgrafik bei Isselburg in Nürnberg

arbeitete, danach bei Sadeler in Prag, hielt sich

zwischen 1624/25 in der Werkstatt von Gerard Honthorst

in Utrecht auf, lernte 1627 Rubens kennen und

begann nach einem Aufenthalt in London 1629 seine

Reise nach Italien, wo er sich 1632 in Rom niederließ

und dort weitere acht Jahre blieb. Nach Vermutung

von Van dem Brink könnte es sich bei der Darstellung

um Alida Bicker handeln.

Literatur:

Christian Klemm, Joachim von Sandrart: Kunstwerke

und Lebenslauf, Berlin 1986. (1281451) (10)

JOACHIM VON SANDRART,

1606 FRANKFURT ON THE MAIN

1688 NUREMBERG

PORTRAIT OF A NOBLEWOMAN WITH

THE ATTRIBUTES OF SAINT CECILIA

Oil on canvas.

103 x 82 cm.

Accompanied by an expert’s report by Peter van den

Brink, Aachen, attri buting the painting to the artist.

Three-quarters format portrait of a young noblewoman

sitting by a house organ almost in life size format.

Van den Brink believes this could be a depiction of

Alida Bicker.

Literature:

Christian Klemm, Joachim von Sandrart: Kunstwerke

und Lebenslauf, Berlin 1986.

€ 35.000 - € 45.000

Sistrix

INFO | BID

172 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


339

ANTONIO JOLI,

1700 MODENA 1777 NEAPEL

BLICK AUF DEN BACINO DI SAN MARCO

MIT DER KIRCHE SAN GIORGIO MAGGIORE

UND DER GIUDECCA

Öl auf Leinwand.

56 x 97 cm.

In barockisierendem vergoldetem Rahmen.

Beigegeben ein Gutachten von G. Briganti,

Oktober 1990.

Wir kennen viele Werke von Antonio Joli, in denen er

den lichten Glanz des Dargestellten geschickt einfängt

und zweidimensional zu transportieren versteht - wie

auch hier, wo er als zusätzlichen Kniff die links in den

Bildgrund führende Diagonale bis weit in den Himmel

und die rechte Bildseite führt.

Antonio Joli wurde in seiner Geburtsstadt Modena in

der Werkstatt von Raffaello Rinaldi (1648-1722), genannt

Il Menia, ausgebildet, wo er sich auf perspektivische

Ansichten spezialisierte. Im Alter von 20 Jahren

reiste Joli nach Rom, um sich unter der Leitung der

berühmten Meister Giovanni Paolo Panini und Codazzi

ausbilden zu lassen, denen er seinen internationalen

Stil verdankte, der später sehr begehrt werden sollte.

Nach seiner Rückkehr nach Modena im Jahr 1725 und

einem kurzen Aufenthalt in Perugia, wo er an der Innenausstattung

des Palazzo Donnini und des Palazzo

Crispoldi arbeitete, beschloss der Künstler 1732, nach

Venedig zu gehen.

Dort taucht er in die Welt des Bühnenbildes ein und

beginnt, sich auf die Szenografie zu spezialisieren

eine erfolgreiche Tätigkeit, die ihn während seiner gesamten

Karriere begleiten sollte.

In den folgenden zehn Jahren besuchte er die großen

europäischen Höfe, sowohl in England und Deutschland

als auch in Spanien. Diese Erfahrungen waren

für seine Karriere von grundlegender Bedeutung, nicht

nur, um sein persönliches Netzwerk zu erweitern, sondern

auch, um seinen eigenen Stil zu entwickeln. In

diesen Jahren wurde in seinen Veduten zunehmend

die Weitwinkelperspektive eingesetzt, eine Technik, die

eindeutig von den Werken Vanvitellis und Canalettos

inspiriert war.

Sein Ruf als gefeierter Vedutenmaler machte ihn in

der Folgezeit zum gefragtesten Künstler bei ausländischen,

aristokratischen Grand-Touristen in Italien, insbesondere

bei der englischen Elite: Sir William Hamilton

und Lord Montague Brudenell die in der Tat zu seinen

aktivsten Mäzenen gehörten. Schließlich beschloss er

1762, sich in Neapel niederzulassen, wo er Bühnenbildner

des berühmten Teatro San Carlo wurde und

den Rest seines Lebens dort verbrachte. (†)

Provenienz:

Sotheby's, London, 16. April 1980, Lot 18.

Galleria Salamon, Mailand 1990.

Literatur:

Roberto Middione, Antonio Joli, Soncino 1995, S. 66,

Tafel 11.

Mario Manzelli, Antonio Joli. Opera pittorica, Venedig

1999, S. 102, Abb. 74.

Ralph Toledano, Antonio Joli. Modena 1770-1777

Napoli, Turin 2006, S. 202. (1320121) (13)

ANTONIO JOLI,

1700 MODENA 1777 NAPLES

VIEW OF THE BACINO DI SAN MARCO WITH

SAN GIORGIO MAGGIORE AND GIUDECCA

Oil on canvas.

56 x 97 cm.

An expert’s report by G. Briganti, October 1990

is enclosed. (†)

Provenance:

Sotheby’s, London, 16 April 1980, lot 18.

Galleria Salamon, Milan 1990.

Literature:

Roberto Middione, Antonio Joli, Soncino 1995, p. 66,

plate 11.

Mario Manzelli, Antonio Joli. Opera pittorica, Venice

1999, p. 102, ill. 74.

Ralph Toledano, Antonio Joli. Modena 1770-1777

Napoli, Turin 2006, p. 202.

€ 200.000 - € 300.000

Sistrix

INFO | BID

174 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

175


340

GIOVANNI PAOLO PANINI,

1691 PIACENZA 1765 ROM

GROSSES PANORAMAGEMÄLDE MIT BLICK

AUF DAS FORUM IN ROM

Öl auf Leinwand.

126 x 230 cm.

Das in außergewöhnlich großem Format geschaffene

Gemälde bietet einen breitgefächerten Gesamtblick

über das römische Forum. Wie in einem Bühnenbild

rahmen die Bögen, Säulen und Kirchen einen zentralen,

frei gelassenen Raum, aus dem sich mittig als ein

Augenmerk einzig die Phokassäule erhebt, gleichsam

symbolischer Zeigefinger, der vom Untergang der

„Ewigen Stadt“ zeugt. Hier fand der Maler Gelegenheit,

eine verstreute, aber reiche Figurenstaffage ins

Bild zu setzen. Betrachterstandpunkt ist die Anhöhe

des Kapitols. Ganz links im Bild ist der Triumphbogen

des Septimus Severus zu sehen, gefolgt von den

Frontsäulen des Tempels des Antoninus Pius, in den

die Kirche San Lorenzo in Miranda eingebaut wurde.

In rotem Ziegelmauerwerk hebt sich die Maxentius-

Basilika hervor. In größerer Entfernung ist das Kolosseum

in hellem Licht zu sehen, zum Teil verdeckt

durch die Basilika Santa Francesca Romana. Die drei

Säulen des Castortempels sowie des Vestatempels

und die rechts erhöht liegenden Farnesinischen Gärten

mit den Zypressen schließen den Gesamtprospekt

ab. Im Gegensatz zu Paninis Ruinencapricci, die beliebige

Versatzstücke zu romantischer Wirkung bringen,

sind hier die Tempel- und Gebäuderuinen in lokaler

Genauigkeit ins Bild gesetzt. Damit wurde hier ein im

Denkmalsinne wertvoller Beitrag zur Geschichte der

Stadt geleistet. Darüber hinaus wurde hier jedem

Kenner der Stadt, wie auch dem Italienbesucher der

„Grand Tour“ die Gesamtheit der antiken Forum-Bauten

in Erinnerung gebracht. A.R. (†) (13201211)

Literatur:

Ferdinando Arisi, Gian Paolo Panini, Piacenza 1961,

S. 303, Nr. 155.

GIOVANNI PAOLO PANINI,

1691 PIACENZA 1765 ROME

LARGE PANORAMA PAINTING WITH A VIEW

OF THE FORUM IN ROME

Oil on canvas.

126 x 230 cm. (†)

Literature:

Ferdinando Arisi, Gian Paolo Panini, Piacenza 1961,

p. 303, no. 155.

€ 350.000 - € 500.000

Sistrix

INFO | BID

178 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

179


341

LUCA CARLEVARIS,

1663/65 UDINE 1729/31 VENEDIG

Carlevaris war ein talienischer Maler und Radierer. Er

gilt als Pioneer der Vedutenmalerei in Venedig und beeinflusste

spätere Maler wie Canaletto (1697-1768),

Bernardo Bellotto (1721-1780), Michele Giovanni

Marieschi (1696/1710-1743) und Francesco Guardi

(1712-1793). Der früh verwaiste Luca wuchs bei seiner

älteren Schwester Casandra auf, mit der er 1679 nach

Venedig ging. 1699 heiratete er Giovanna, eine Tochter

des Goldschmieds Bastian Sochietti. Mit ihr hatte er

vier Kinder, darunter Marianna, die später eine Schülerin

von Rosalba Carriera (1675-1757) wurde. Der Meister

hatte laut dem frühen Biografen Pellegrino Antonio

Orlandi (1704) keinen besonderen Lehrer, sondern

erwarb seine Kenntnisse bei verschiedenen Meistern,

unter denen möglicherweise Johann Heintz (um 1580-

1635) eine Rolle gespielt haben könnte, der sich um

1678 in Venedig aufhielt. Ein Aufenthalt in Rom könnte

erklären, dass Carlevaris Werke etwa auch von van

Laer (1592/1599) und Cerquozzi (1602-1660) beeinflusst

worden sein könnten. Ferner wird auch ein Einfluss

des Holländers Gaspar van Wittel (1653-1736)

angenommen. Seine früh erkannte Bedeutung hat

auch zu der Ansicht geführt, er könnte ein Lehrer von

Giovanni Antonio Canal (1697-1768) gewesen sein.

CAPRICCIO MIT HAFENANSICHT

Öl auf Leinwand. Doubliert.

110 x 141 cm.

In vergoldetem Rahmen.

Beigegeben eine Expertise von Prof. Giancarlo Sestieri

vom Juni 2008 (in Kopie vorliegend).

Blick über eine südliche Hafenanlage mit bergigem

Hintergrund unter hohem türkisfarbenem Horizont. Auf

der linken Bildseite eine römische Tempelarchitektur

mit Säulen und Skulpturen. Davor, auf einer kleinen

Freitreppe, ein Klosterbruder und ein Orientale mit

Turban im Gespräch. Auf der Treppe selbst sitzend eine

Mutter im roten Gewand, auf ihrem Schoß ein gewickeltes

Kleinkind haltend sowie ein weiteres spielendes

Kind. Sie werden wohl gerade von einem Mann

aufgefordert, die Stufen zu verlassen. Von der Treppe

führt eine steinerne Brücke zur rechten Bildseite auf der

man diverse Segelschiffe erkennen kann. Eine weitere

Brücke ist auf der linken Bildseite zu erkennen, die zu

fantasievollen Gebäudeanlagen mit diversen Türmen

einer Stadt führt, welche sich unterhalb eines großen

Felsmassivs befindet. Auf der linken Bildseite sind zudem

weitere Figuren zu erkennen. An der Brücke im

Halbschatten sind drei Männer in ein Gespräch vertieft,

links daneben ein Mann mit Kind und einem aufmerksam

blickenden und sitzenden Hund. Fantasievolles

Capriccio in vielen differenzierten Farbtönen in qualitätvoller

Manier. Rest. (1301327) (18)

LUCA CARLEVARIS,

1663/65 UDINE 1729/31 VENICE

CAPRICCIO WITH HARBOUR VIEW

Oil on canvas.

110 x 141 cm.

Accompanied by expert´s report by Prof. Giancarlo

Sestieri, June 2008 (in copy).

Restored.

€ 40.000 - € 70.000

Sistrix

INFO | BID

182 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


342

JACOPO FABRIS,

1689 VENEDIG 1761 KOPENHAGEN

Maler der venezianischen Schule, der später in Dänemark

gewirkt hat und dort etwa den Rosensaal des

1720 erbauten Schlosses Fredensborg mit großformatigen

Gemälden ausgestattet hatte, die auch italienische

Fantasieruinenlandschaften zeigen.

VEDUTE DES QUIRINATI PALASTES

Öl auf Leinwand.

88 x 118 cm.

Schwarzgold gefasster profilierter Rahmen.

In die Tiefe gestaffelter, keilförmig in den Bildraum

hineinragender architektonischer Bau mit lockeren

Wolken überfangen, davor über die Bildfläche verteilte

Staffagefiguren.

JACOPO FABRIS,

1689 VENICE 1761 COPENHAGEN

VEDUTA OF THE QUIRINATI PALACE

Oil on canvas.

88 x 118 cm.

Literature:

cf. Antonio Morassi, Anticipatzione del vedudista

Jacopo Fabris, in: Arte Veneta, vol. XX, 1966, pp.

269-281.

cf. M. Moscho Menori del 7 Chento Veneto Jacabo

Fabris in Arte Illustra, VII, 1974, pp. 82-97.

€ 120.000 - € 150.000

Sistrix

INFO | BID

Literatur:

Vgl. Antonio Morassi, Anticipatzione del vedudista

Jacopo Fabris, in: Arte Veneta, Bd. XX, 1966, S. 269-

281.

Vgl. M. Moscho Menori del 7 Chento Veneto Jacabo

Fabris in Arte Illustra, VII, 1974, S. 82-97.

Vgl. J.G. Links, Canaletto and his patrons, New York

1977. (1301321)

184 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

185


343

LOUIS DE CAULLERY,

UM 1580 CAMBRAI UM 1621 ANTWERPEN, ZUG.

Der hier angenommene Maler war Schüler von Joos de

Momper d. J. (1564-1635) und wurde 1602 Meister der

Sankt Lukasgilde als Nachfolger von Paul Vriedeman

de Vries (um 1567-um 1635).

NOBLE GESELLSCHAFT BEI BETRACHTUNG

RÖMISCHER RUINEN EINER HAFENSTADT

Öl auf Kupfer.

50 x 66 cm.

Verso Stempel von Peter Stas und Datierung

„ANNO 1604“.

Blick auf das Gelände im Vordergrund und die römischen

Ruinen dahinter aus leichter Kavaliersperspektive.

Nach rechts senkt sich das verschattete Gelände

ab, hinter einer hell beleuchteten Uferzone mit Hafentempel

und einer gegenüberliegenden Schenke mit

Vordach. Der Bogendurchblick der großen Ruine zeigt

einen großen Platz mit Obelisk, gesäumt von Palastgebäuden.

Die Szenerien im Vordergrund dokumentieren

hier das frühe Interesse der Gesellschaft an der

antiken Geschichte. So stehen einige Gruppen beisammen,

jeweils unterrichtet oder geführt von einem

Kundigen, der auf einzelne Steinstücke oder Antikenreste

verweist. An der linken unteren Bildecke eine

Dreiergruppe: Ein Herr mit breitrandigem Hut in Begleitung

einer Dame und eines Knaben, wobei es sich

hier möglicherweise auch um die Auftraggeber des

Gemäldes handeln könnte. Der Maler hat hier größten

Wert auf die besondere Leuchtkraft der Uferzone

gesetzt, und um diese zu erhöhen, den Himmel in

betont kräftigem Blau vorgeführt, die Sonne hinter

der Ruine positioniert und dadurch eine Schattenbildung

erzeugt. Vergleichbare Werke finden sich in den

Museen Hamburg und Reims. (13013214) (11)

LOUIS DE CAULLERY,

CA. 1580 CAMBRAI CA. 1621 ANTWERP,

ATTRIBUTED

ARISTOCRATIC PARTY LOOKING AT ROMAN

RUINS IN HARBOUR TOWN

Oil on copper.

50 x 66 cm.

Verso stamp by Peter Stas and dated “ANNO 1604”.

View in cavalier perspective of the terrain in the foreground

with Roman ruins in the background. Similar

paintings can be found in museums in Hamburg or

the Reims.

€ 15.000 - € 25.000

Sistrix

INFO | BID

188 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


344

HUBERT ROBERT,

1733 1808, ZUG.

PAAR ARCHITEKTURCAPRICCI

Öl auf Leinwand. Doubliert.

63 x 48 cm.

In vergoldetem Rahmen.

Mächtige verschachtelte und meist gut ausgeleuchtete

antike Monumente als Capriccio zusammengefügt

und durch die dargestellten handelnden Personen in

antiken rituellen Zusammenhang gesetzt. Rest.

Provenienz:

Auktion, Philips, London, 04. August 1995, Lot 81a und

Lot 81b.

Auktion, Philips, London, 01. Juli 1997, Lot 176 (als

Hubert Robert).

Sammlung Ermanno Lucini, Nr. 198. (1301322) (13)

HUBERT ROBERT,

1733 1808, ATTRIBUTED

A PAIR OF ARCHITECTURE CAPRICCIOS

Oil on canvas. Relined.

63 x 48 cm.

In gilt frame.

Provenance:

Auction, Philips, London, 4 August 1995, lot 81a and

lot 81b.

Auction, Philips, London, 1 Juli 1997, lot 176 (as Hubert

Robert).

Collection Ermanno Lucini, No. 198.

€ 70.000 - € 120.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

189


345

APOLLONIO FACCHINETTI,

GENANNT „DOMENICHINI“,

TÄTIG 1740 VENEDIG UM 1770

Apollonio Facchinetti wurde auch „Domenichini“ oder

„Menichino“ genannt und war der wichtigste Künstler

der in Venedig ansässigen Familie Apollonio. Hinweise

zum Leben des Künstlers sind relativ rar. Vermutlich

war er ein Schüler Luca Carlevaris (1663/65-1729/31),

Francesco Albottos (1721/22-1757), oder Michele Giovanni

Marieschis (1696/1710-1743) und scheint ab

etwa 1740 als unabhängiger Künstler tätig gewesen

zu sein. Als Vedutist widmete sich Apollonio wohl

ausschließlich der Stadt Venedig. Der Zeitraum zwischen

1740 und 1750, in dem Canaletto (1697-1768)

sich in England aufhielt, kam Apollonio zugute, war er

nun, bei den Reisenden der Grand Tour mit seinen

Veduten äußerst beliebt. Bei etlichen Ausstellungen

wurde die Anerkennung der im Stilvergleich stehenden

Werke an Apollonio immer präziser. Die von ihm

stammende zusammengehörige Werkgruppe von 13

Veduten in der namensgebenden Stiftung Langmatt

in Baden in der Schweiz hat man aufgrund architektonischer

Details in das Jahr 1744 datiert. Die Veduten

führten nach Vorschlag von Dario Succi zu einer Benennung

des Malers. Sein Name wurde entdeckt

durch die Korrespondenz zwischen dem britischen

Minister Sir John Strange und dem venezianischen

Gemäldeagenten Maria Sasso. Sein Werk ist mit dem

Schaffen von Michele Giovanni Marieschi (1696/1710-

1743) und Francesco Albotto (1721/22-1757) in Verbindung

gebracht worden. Es ist auch mit Arbeiten

von Francesco Tironi (um 1745-1797), in der Manier

Giovanni Antonio Canal (1697-1768), vergleichbar.

DER MARKUSPLATZ GEGEN OSTEN

Öl auf Leinwand.

71 x 120,5 cm.

Ungerahmt.

Beigegeben eine schriftliche Stellungnahme von

Dario Succi von Juni 2020, in Kopie.

Die hier gezeigte Ansicht von sehr hoher Qualität verleiht

dem Markusdom und seinem Campanile, der

von den architektonischen Flügeln der Procuratie

Nuove umrahmt wird, eine durch die perspektivische

Anordnung begünstigte Größe. Eine erste Version der

Ansicht könnte ein Werk von Canaletto aus der Zeit

um 1723 sein (William George Constable, Canaletto.

Giovanni Antonio Canal. 1697-1768, hrsg. J. G. Links,

Oxford 1976, Bd. 1, Tafeln 11-14), von dem der Wissenschaft

mehrere Versionen bekannt sind, die sich

alle durch unterschiedliche Beleuchtung auszeichnen.

Auf der Piazza ist das neue Pflaster aus dem Jahr

1723 zu sehen, das bereits von Canaletto selbst dargestellt

wurde. Die Gebäude sind mit großer Aufmerksamkeit

für die Wiedergabe der Architektur und

des Farbenspiels gestaltet, wie z.B. die Säulen am

Eingang, die in einem Spiel von Schatten und Licht

die graublauen und polychromen Marmorbereiche

hervorheben, das Leuchten in der Ferne des Goldes

der Mosaike, sogar auf den Lünetten. Die Palette

zeichnet sich durch weiche, zarte Farben aus, die gut

mit dem klaren Himmel harmonieren, der hier und da

von ein paar Wolken durchzogen ist. Der große Platz

wird durch die vielen Menschen belebt, die in kleinen,

gut austarierten Gruppen flanieren und sich unterhalten,

was ihm eine ruhige Alltagsatmosphäre

verleiht. Langgestreckte, elegante Figuren werden in

detailreich beschriebener Kleidung dargestellt.

Es ist eine ähnliche Version des Gemäldes bekannt,

mit leicht abweichenden Maßen (83,5 x 113 cm), die

bei Sotheby‘s versteigert wurde (Auktion in London

am 5. Dezember 2019, Lot 188), mit wärmeren und

bernsteinfarbenen Tönen, aber demselben raffinierten

Geschmack bei der Darstellung der Architektur. (†)

Literatur:

Vgl. Gertrude Borghero (Hrsg.), Mythos Venedig.

Venezianische Veduten des 18. Jahrhunderts,

Mailand 1994.

Vgl. Federica Spadotto, Io sono ‘700. L‘anima di

Venezia tra pittori, mercanti e bottegheri da quadri,

Sommacampagna 2018. (1320122) (13)

APOLLONIO FACCHINETTI,

ALSO KNOWN AS “DOMENICHINI”,

ACTIVE 1740 VENICE CA. 1770

SAINT MARK'S SQUARE TO THE EAST

Oil on canvas.

71 x 120.5 cm.

Accompanied by a written statement by Dario Succi

dated June 2020 (copy enclosed).

The high-quality veduta depicted here shows St Mark’s

Basilica and its campanile, framed by the architectural

wings of the Procuratie Nuove, a size favoured by

the perspective arrangement. A first version may be

a work by Canaletto from ca. 1723 (W.G. Constable,

Canaletto, edited by J.G. Links, Oxford 1976, vol. 1,

plates 11-14), of which several versions are known to

scholars, all characterized by different lighting. The piazza

shows the new pavement dating to 1723, which

was already depicted by Canaletto. The buildings are

painted with great attention to architectural detail and

the play of colours, for example the columns at the

entrance that, in a play of shadow and light, accentuate

the greyish-blue and polychrome marble areas,

the distant glow of the gold mosaics, even on the

lunettes. The soft and delicate colour palette harmonizes

well with the clear sky with just a few scattered

clouds. The large square is animated by many people

strolling and chatting in small, well-balanced groups

conveying a tranquil, everyday atmosphere. Elongated,

elegant figures are depicted in detailed clothing.

A similar version of the painting, with slightly different

dimensions (83.5 x 113 cm), is known to have been

sold at Sotheby’s (London auction on 5 December

2019, lot 188), with warmer and amber hues but the

same refined taste in the representation of architecture.

(†)

Literature:

cf. Gertrude Borghero (ed.), Mythos Venedig. Venezianische

Veduten des 18. Jahrhunderts, Milan 1994.

cf. Federica Spadotto, Io sono ´700. L´anima di Venezia

tra pittori, mercanti e bottegheri da quadri, Sommacampagna

2018.

€ 100.000 - € 150.000

Sistrix

INFO | BID

192 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

193


346

FRANCESCO ALBOTTO,

1721/22 VENEDIG 1757 EBENDA

PIAZZA SAN MARCO MIT BLICK AUF DIE BASILIKA

Öl auf Leinwand.

87 x 135 cm.

In vergoldetem Rahmen.

Beigegeben ein Gutachten von Dario Succi, Gorizia,

ohne Datum, in Kopie.

Albotto, von dem bekannt ist, dass er der erste Schüler

Marieschis war, übernahm nach dessen Tod nicht nur

die Werkstatt, sondern heiratete auch dessen Witwe.

Seine Gemälde folgten dem Stil seines Lehrers und

waren nur schwer von dessen Werken zu unterscheiden;

erst ein 1972 im New Yorker Kunsthandel

aufgetauchtes Gemälde bot die Basis zu weiteren

Händescheidungen, sodass Dario Succi auch das hier

angebotene Meisterwerk in musealem Format sicher

Albotto zuschreiben kann.

Succi zeigt in seinem Werkverzeichnis Michele Marieschi,

Opera completa, Treviso 2016, Nr. 2-3 ein Gemäldepaar,

von dem das eine Gemälde das gleiche Motiv

zeigt. Das Gemäldepaar wurde am 6. Dezember 1962

als Lot 9 bei Sotheby‘s, London, verkauft und entstammte

der Sammlung M. Milburn-Foster. Das Paar

wurde von Richard Green, London, erworben und war

zuletzt am 16. Dezember 1999 als Lot 92 auf einer

Auktion; die Maße sind mit 54,6 x 82,5 cm jedoch

deutlich geringer als das hier angebotene Einzelwerk,

das Succi auf ca. 1738 datiert.

Albotto‘s Malstil zeigt sich im Gegensatz zu den

Vorgängern weit glatter in der Peinture, was dem

Anspruch einer exakteren Wiedergabe gewidmet ist.

Werke seiner Hand befinden sich in privaten wie

öffentlichen Sammlungen, darunter in Berlin, Gemälde

galerie, Neapel, Museo e Gallerie Nazionali di

Capodimonte, Vicenza, Gallerie di Palazzo Leoni

Montanari etc.

Literatur:

Vgl. Gregorio (Rosolino) Gattinoni, Storia del Campanile

di San Marco in Venezia, Venedig 1912.

Vgl. Pierre-Jean Mariette, Abe´ce´dario de P. J. Mariette

et autres notes inédites de cet amateur sur les arts

et les artistes (ante 1774), in: Archives de l'Art

Français, Paris 1854.

Vgl. William G. Constable, Canaletto. Giovanni Antonio

Canal. 1697-1768, Oxford 1962.

Vgl. R. Pallucchini, Francesco Albotto. Erede di Michele

Marieschi, in: Arte veneta, Nr. XXVI, 1972.

Vgl. Mario Manzelli, Ulteriori notizie su Francesco

Albotto. Erede di Michele Marieschi, in: Arte veneta,

Nr. XXXVIII, 1984.

Vgl. Mario Manzelli, Proposta per l'identificazione

di Michele Marieschi e del suo alter-ego Francesco

Albotto, in: Arte veneta, Nr. 41, 1987(1988).

Vgl. Dario Succi, Marieschi. Tra Canaletto e Guardi,

Ausst.Kat., Turin 1989, S. 26ff. und 1165ff.

Vgl. Ralph Toledano, Michele Marieschi. Catalogo

ragionato, Mailand 1995.

Vgl. Filippo Pedrocco, Michele Marieschi. La vita,

l‘ambiente, l‘opera, Mailand 1999.

Vgl. Mario Manzelli, Michele Marieschi e il suo alterego

Francesco Albotto, Venedig 2002. (1320361) (13)

196 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

197


FRANCESCO ALBOTTO,

1721/22 VENICE 1757 IBID.

PIAZZA SAN MARCO WITH VIEW OF THE BASILICA

Oil on canvas.

87 x 135 cm.

Accompanied by a copy of the expert‘s report by

Dario Succi, Gorizia, n.d.

Albotto, who is known to have been Marieschi‘s first

student, not only took over the workshop after his

death, but also married his widow. His paintings followed

the style of his teacher and were difficult to

distinguish between; a painting that appeared in the

New York art trade in 1972 at last provided the basis

to distinguish between the two, so that Dario Succi

can now identify the present masterpiece dimensions

fit for a museum with certainty to Albotto.

In his catalogue raisonné (Michele Marieschi, opera

completa, 2016) Succi shows a pair of paintings (nos.

2 and 3), one of which depicts the same motif. The

pair of paintings were sold on 6 December 1962 as

lot 9 at Sotheby‘s, London and came from the M. Milburn-Foster

Collection. The pair was acquired by Richard

Green, London, and was last at auction on 16 December

1999, lot 92; However, the dimensions of

54.6 x 82.5 cm are significantly smaller than the single

work offered here, which Succi dates to ca. 1738.

Literature:

cf. Gregorio (Rosolino) Gattinoni, Storia del Campanile

di San Marco in Venezia, Venice 1912.

cf. Pierre-Jean Mariette, Abe´ce´dario de P. J. Mariette

et autres notes inédites de cet amateur sur les arts

et les artistes (ante 1774), in: Archives de l‘Art Français,

Paris 1854.

cf. William G. Constable, Canaletto. Giovanni Antonio

Canal. 1697-1768, Oxford 1962.

cf. R. Pallucchini, Francesco Albotto. Erede di

Michele Marieschi, in: Arte veneta, no. XXVI, 1972.

cf. Mario Manzelli, Ulteriori notizie su Francesco

Albotto. Erede di Michele Marieschi, in: Arte veneta,

no. XXXVIII, 1984.

cf. Mario Manzelli, Proposta per l‘identificazione

di Michele Marieschi e del suo alter-ego Francesco

Albotto, in: Arte veneta, no. 41, 1987(1988).

cf. Dario Succi, Marieschi. Tra Canaletto e Guardi,

exhibition catalogue, Turin 1989, pp. 26 and pp. 1165.

cf. Ralph Toledano, Michele Marieschi. Catalogo

ragionato, Milan 1995.

cf. Filippo Pedrocco, Michele Marieschi. La vita,

l‘ambiente, l‘opera, Milan 1999.

cf. Mario Manzelli, Michele Marieschi e il suo alterego

Francesco Albotto, Venice 2002.

€ 100.000 - € 120.000

Sistrix

INFO | BID

198 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


347

WILLIAM JAMES,

TÄTIG 1730 1780

Biografische Angeben über den Künstler sind weitgehend

unbekannt, er war jedoch zwischen etwa 1755

und 1775 in London tätig. Wie in Edward Edwards'

„Anedoctes of Painters“, das 1808 posthum veröffentlicht

wurde, bestätigt wird, war William James ein

Assistent oder Schüler von Giovanni Antonio Canal

(1697-1768), genannt Canaletto, während des langen

Aufenthalts des venezianischen Malers in London, der

abgesehen von einer kurzen Unterbrechung im Jahr

1751 zehn Jahre lang von 1746 bis 1756 dauerte. William

James war im London des 18. Jahrhunderts ein

hochgeschätzter Künstler: Einige seiner Londoner Ansichten

wurden zwischen 1767 und 1771 auf der jährlichen

Ausstellung der Society of Artists ausgestellt:

In der Ausstellung von 1767 wurden zwei Gemälde

präsentiert, die das westliche Ende der Westminster

Bridge darstellten.

Gemäldepaar

VEDUTE MIT DER CHIESA S. GEREMIA UND

DER PONTE DELLE GUGLIE A CANNAREGIO

sowie

VEDUTE MIT DEM CANAL GRANDE MIT

DER SANTA MARIA DELLA CARITÀ

Öl auf Leinwand.

46,2 x 76,3 cm.

Jeweils in vergoldetem, vegetabil verziertem Rahmen.

Beigegeben eine Expertise von Dario Succi, Gorizia.

Die beiden hier gezeigten Ansichten, die 1956 bei

Christie‘s als autografe Arbeiten von Canaletto versteigert

wurden, stellen zwei der beliebtesten Ansichten

der Lagune dar: Das erste zeigt den Palazzo

Labia mit der Ponte delle Guglie, die ihren Namen

den vier Obelisken an ihren Enden verdankt. Die

Balustrade und die Statue des Heiligen Johannes von

Nepomuk, des in der Moldau ertrunkenen Märtyrers,

des Bildhauers Giovanni Marchiori, sind auf dieser

Darstellung noch nicht vorhanden. Dieses Detail ist

entscheidend für die Datierung des Gemäldes, das

daher vor 1742 anzusiedeln ist. Der Palazzo, der von

der Kirche San Geremia flankiert wird, deren romanischer

Glockenturm zu sehen ist, wurde mit einem

Freskenzyklus geschmückt, der einen der Höhepunkte

der Kunst Tiepolos (ca. 1743-1750) darstellt. Wenngleich

sich beide Gemälde auf Kupferstiche von Visentini

beziehen und stilistisch an Canaletto angelehnt sind,

erzeugt James doch einen eigenwilligen Stil. Das

zweite Gemälde stellt Santa Maria della Carità dar,

eine entweihte Kirche im Stadtteil Dorsoduro, die

zum gleichnamigen Klosterkomplex gehört. Die Kirche

wurde im 12. Jahrhundert anstelle einer älteren Holzkirche

erbaut, zusammen mit dem Kloster der Regularkanoniker,

denen sie anvertraut wurde; dank der

Unterstützung des venezianischen Papstes Eugen IV

konnten die Mönche sie Mitte des 15. Jahrhunderts

im gotischen Stil unter Verwendung der Werke von

Bartolomeo Bon umbauen. Das Gemälde zeigt die

gotische Fassade der Kirche, die in den Himmel ragt.

William James war zwischen 1746 und 1771 als Vedutist

tätig; die einzigen Informationen über seine

künstlerische Persönlichkeit finden sich in Edward

Edwards' „Anecdotes of Painters“ von 1808, in dem

James als „Schüler“ oder Mitarbeiter von Canaletto

während dessen Aufenthalt in England zwischen 1746

und 1755 erwähnt wird. Sein künstlerischer Werdegang

wurde teilweise durch eine Reihe von Londoner

Ansichten rekonstruiert, die sich im Besitz des Ashmolean

Museums in Oxford und der British Royal

Collections befinden. Im Text des oben genannten

Edwards findet sich jedoch die einzige Erwähnung

seiner Malerei venezianischer Sujets, die der Biograf

selbst als stark mit Canaletto verwandt ansieht. Die

Zuschreibung einiger Ansichten, die auf den internationalen

Markt gelangten, an William James und vor

allem das Vorhandensein einiger Gemälde, auf denen

sein Name vollständig auf einer an den Originalrahmen

angebrachten Plakette steht, lassen auf eine reiche

Produktion von Stadtpanoramen schließen, die im Allgemeinen

dem malerischen Repertoire von Antonio

Canal entnommen sind, Werke, die es dem englischen

Maler ermöglichten, zu den „vedutisti di Venezia“

(Vedutenmalern von Venedig) gezählt zu werden,

obwohl seine biografische Abfolge keinen Hinweis

auf einen möglichen Aufenthalt in der Lagunenstadt

gibt. Aus der von Antonio Visentini zusammengestellten

Sammlung „Prospectus Magni Canalis Venetiarum“

gibt es zahlreiche Gemälde, die ihm zugeschrieben

werden. James war einer der bekanntesten

Schüler Canalettos, der den Geschmack der venezianischen

Stätten indirekt aufnahm, indem er die Werke

betrachtete, die der Meister mit nach England gebracht

hatte, und indem er an seiner Seite arbeitete,

als er die große Nachfrage seiner Auftraggeber nach

Ansichten der von ihnen so geliebten Lagunenstadt

befriedigte. Dieses Gemälde kann als eines der Meisterwerke

des Malers betrachtet werden: Inspiriert

von einem Prototyp von Canaletto, hat das Gemälde

eine fast unwirkliche atmosphärische Stabilität und einen

typisch englischen Geschmack in der festen,

schillernden Farbgebung, ohne die verblassende Wirkung

der Sonne. Die lebhaften, kräftigen Farben und

die Verwendung eines sehr starken, kristallinen

Lichts, das dazu beiträgt, jedes minimale Element der

Architektur analytisch zu erfassen, sind Konstanten in

seinen Bildern. (†) (1320125) (13)

202 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


WILLIAM JAMES,

ACTIVE 1730 1780

A pair of paintings

VEDUTA OF THE CHURCH OF SAN GEREMIA

AND PONTE DELLE GUGLIE A CANNAREGIO

and

VEDUTA WITH GRAND CANAL AND

SANTA MARIA DELLA CARITÀ

Oil on canvas.

46.2 x 76.3 cm.

Accompanied by an expert’s report by Dario Succi,

Gorizia.

The two vedutas on offer for sale here, auctioned at

Christie’s in 1956 as works by Canaletto himself, depict

two of the most popular views of the lagoon: the

first shows the Palazzo Labia with the Ponte delle

Guglie, which owes its name to the four obelisks at

its ends. The balustrade and the statue of Saint John

of Nepomuk, the martyr who drowned in the Vltava

River, by the sculptor Giovanni Marchiori, are not yet

present on this painting. This detail is crucial for dating

the painting, which must therefore have been created

before 1742. The palazzo, flanked by the Church

of San Geremia, whose Romanesque bell tower can

be seen, was decorated with a cycle of frescoes representing

one of the pinnacles of Tiepolo's (ca. 1743

-1750) art. This painting can be considered one of the

painter's masterpieces: inspired by a paragon by Canaletto,

the painting has an almost unreal atmospheric

stability and a typically English flavour in the solid, iridescent

colouring without the fading effect of the

sun. The vivid, bold colours and the use of a very

strong, crystalline light, which helps to analytically

capture every minute element of architecture, are

constants in his paintings. (†)

€ 140.000 - € 200.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

203


348

BERNARDO CANAL,

1674 VENEDIG 1744

PIAZZETTA IN VENEDIG MIT DER LIBRERIA,

ZUFAHRT ZUM CANAL GRANDE UND SANTA

MARIA DELLA SALUTE

Öl auf Leinwand.

55 x 79,5 cm.

Beigegeben ist dem Werk eine genaue Dokumentation

mit Vergleichsbeispielen von der Expertin für Venezianische

Vedutisten, Bozena Anna Kowalczyk, Venedig,

2021.

Die Vedute, laut beigegebener Expertise um 1738-

1740 entstanden, zählt zu den wenigen, die einen

Blick nahezu auf die ganze Fassade der Libreria gewährt,

und gleichzeitig als kompositionelles Gegengewicht

die Kirche Sta. Maria della Salute gleichrangig

ins Bild setzt. Aus dieser Perspektive erscheint die

Piazzetta, die Platzerweiterung des Markusplatzes

zum Kanal hin, überraschend weiträumig, wodurch die

dem Betrachterauge nahe gebrachten Staffage figuren

ungewöhnlich gut zur Geltung kommen. Die beiden

Säulen St. Markus und St. Georg wirken hintereinandergestaffelt

nahezu als Abschluß der Bogenfassade

mit den Halbsäulen jener „Libreria Marciana“, die

1538 bis 1591 von Jacopo Sansovino errichtet wurde.

Wie sonst kaum in Veduten des Platzes zu sehen,

kommt hier auch das kupfergrüne Dach mit Laterne

hinter den Balusterfiguren zur Wirkung.

Links dagegen zeigen sich eng gruppiert die markanten

Gebäude der Dogana am Eingang des Kanals

und die dahinter hochragende Kirche Sta. Maria della

Salute, von Longhena nach der Pestplage bis 1687 errichtet.

In großartiger Weise ist das Lichtspiel der von

Osten her beleuchteten Gebäude wiedergegeben,

was den Zeitraum der Bilderfassung in den frühen

Morgenstunden erkennen lässt.

Bernardo Canal ist nicht ganz zurecht weniger bekannt

geworden als sein berühmter Sohn Giovanni

Antonio, genannt Canaletto (1697-1768). Er hat sich

wie etwa auch Luca Carlevarijs der Theatermalerei

zugewandt und sich zunächst von diesem inspirieren

lassen. 1717 zählte er bereits zu den führenden Venedigvedutisten,

in persönlichem Kontakt mit Berühmtheiten

wie Antonio Vivaldi, Carlo Pollarolo oder Giuseppe

Orlandini überwiegend auch, weil Bernardo

für die Theater- und Opernaufführungen im Teatro San

Cassiano und Teatro San Angelo gearbeitet hat. 1720

finden wir ihn zusamen mit seinem Sohn in Rom, wo

beide Bühnenbilder für Scarlattis Opern schufen. Zurück

in Venedig, widmete er sich fast ausschließlich

dem Veduten-Genre. Manche seiner Werke da regelmäßig

unsigniert wurden mit denen von Canaletto

oder seines Neffen Bernardo Bellotto verwechselt.

1734 - 1736 entstanden sechs Gemälde seiner Hand,

gesammelt von Giuseppe Salom im Palazzo Corner-

Spinelli, wovon eines dem hier vorliegenden inhaltlich

vergleichbar entwendet wurde. Ein dem vorliegenden

Werk nahezu identisches Bild befindet sich in

den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (Inv.Nr.

6235, dort als zug. geführt). A.R.

Provenienz:

Privatsammlung, Paris. (1320043) (11)

BERNARDO CANAL,

1674 VENICE 1744

THE PIAZZETTA IN VENICE WITH LIBRERIA,

GRAND CANAL AND SANTA MARIA

DELLA SALUTE

Oil on canvas.

55 x 79.5 cm.

Accompanied by a detailed report with examples of

comparison by the expert for Venetian Vedutism,

Bozena Anna Kowalczyk, Venice, 2021.

The report dates the veduta to ca. 1738-1740 and is

one of only a few giving a view of almost the entire

façade of the Libreria, while simultaneously giving

the church of Santa Maria della Salute equal importance

as a compositional counterweight.

Provenance:

Private collection, Paris.

€ 80.000 - € 120.000

Sistrix

INFO | BID

204 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

205


349

GIOVANNI RICHTER,

1665 STOCKHOLM 1745 VENEDIG, ZUG.

PIAZZA DI SAN MARCO MIT DEM CAMPANILE

VOR DEM DOGENPALAST

Öl auf Leinwand. Doubliert.

92 x 126 cm.

In vergoldetem, floral verziertem Rahmen.

Von Nordwesten her präsentiert sich der im spätnachmittäglichen

Licht beschienene Dogenpalast, der

als Prospekt dient für den Campanile, dessen untere

Hälfte ihm vorgestellt ist und dessen Schatten auf die

Bögen der Basilika fällt, deren reflektierendes Goldmosaik

dadurch nur als Andeutung dem Blick des

Betrachters zufällt. Geschickt komponiert sind die

Figurengruppen, die in Kleidung und Haltung der

angenommenen Entstehungszeit, nämlich der 1720erbis

1730er-Jahre, entsprechen.

Anmerkung:

Der in Stockholm geborene Richter verließ 1665 seine

Heimat und zog nach Venedig, wo er bis zu seinem

Tod blieb. Er begann sich auf das Genre der Veduten

zu spezialisieren, die auf großes Interesse, insbesondere

bei Ausländern, stießen. Richter blieb bis an

sein Lebensende in der Lagunenstadt und spezialisierte

sich auf topografische Ansichten und Capricci,

die charakterisiert sind durch leuchtende Farben und

bewegte Figuren im Vordergrund sowie Boote und

Gondeln, die den Platz zwischen den perspektivischen

Ebenen akzentuieren. Er war ein Meister im Zusammenfügen

von Fantasielandschaften und real existierenden

Orten zu originellen Capricci. Seine Ansichten,

die oft von Luca Carlevaris (1663/65-1729/31) inspiriert

wurden, wurden diesem öfters zugeschrieben.

Von den vorliegenden beiden Gemälden lassen sich

auch Werke bei Carlevaris finden, die hinsichtlich des

außergewöhnlichen Blickwinkels auf die Architekturen

vergleichbar sind. (1320363) (13)

GIOVANNI RICHTER,

1665 STOCKHOLM 1745 VENICE, ATTRIBUTED

PIAZZA DI SAN MARCO WITH THE CAMPANILE

OUTSIDE THE DOGE’S PALACE

Oil on canvas. Relined.

92 x 126 cm.

In gilt frame with floral decorations.

The Doge’s Palace is presented from the northwest,

illuminated in the late afternoon light. It serves as a

prospect for the campanile, the lower half of which is

in front of it and its shadow falls on the arches of the

basilica, whose reflective gold mosaic the viewer can

only just make out. The groups of people are skilfully

composed and correspond in terms of costume and

posture to the assumed time of creation, namely the

1720s - 1730s.

€ 100.000 - € 120.000

Sistrix

INFO | BID

208 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

209


Detailabbildungen Lot 349


350

JACOPO FABRIS,

1689 VENEDIG 1761 KOPENHAGEN

(WEITERE ABB. FOLGENDE SEITEN)

Maler der venezianischen Schule, der später in Dänemark

gewirkt hat und dort etwa den Rosensaal des

1720 erbauten Schlosses Fredensborg mit großformatigen

Gemälden ausgestattet hatte, die auch italienische

Fantasieruinenlandschaften zeigen.

Gemäldepaar

BLICK VON DER PIAZZETTA AUF DIE KIRCHE

SANTA MARIA DELLA SALUTE UND DIE DOGANA

sowie

BLICK AUF DEN CANALE GRANDE UND DEN

PALAZZO LABIA

Öl auf Leinwand. Doubliert.

38,1 x 53,4 cm.

Beigegeben Expertisen von Dario Succi, Gorizia (zu

beiden Gemälden). Beide werden in den Gutachten

jeweils in die Zeit um 1745 eingeordnet.

Die beiden, einheitlich gerahmt, zeigen einmal den

bekannteren Blick von der am Kanalufer liegenden

Markusplatz-Piazzetta hin zu den gegenüber liegenden

Gebäuden der Dogana links sowie der im Bild

dominierenden Kirche Sta. Maria della Salute, errichtet

von Baldassare Longhena zwischen 1631 und 1687.

Rechts im Vordergrund, gewissermaßen als Repoussoir,

die verschattete Fassadenecke der Libreria, 1537

von Jacopo Sansovino errichtet; davor die St. Georgs-

Säule.

Das Gegenstück zeigt eine wesentlich seltenere

Vedute Venedigs. Wiedergegeben sind im Zentrum

jenseits des Kanalwassers die Klostergebäude mit

Campanile der Kirche Sta. Maria della Carità. Am linken

Bildrand angeschnitten ein ebenfalls verschattetes

Gebäude, was die Annahme erlaubt, dass es sich aufgrund

dieser Komposition um ein zum erstgenannten

Bild zugehöriges Gegenstück handeln mag. Als Stand

punkt des Betrachters ist hier das Gelände des Hofes

der Steinmetze anzunehmen. Ein in der National

Gallery London befindliches Gemälde („The Stonemasters

Yard) von Canaletto um 1725 zeigt die Gebäude

noch in einem früheren Bauzustand. Der Turm

hat danach eine neue Spitze erhalten, wie im Bild hier

zu sehen, vor dem Längsschiff ist in vorliegendem

Bild bereits eine später hinzugefügte Barockfassade

mit Giebel gezeigt.

Beide Gemälde zeichnen sich durch eine ausgesprochen

feine Malweise aus, wodurch die Architektur

details präzise wiedergegeben werden. Beide Bilder

werden durch reiche Figurenstaffage belebt; jeweils

am Kanalufer anliegende Kähne und Gondeln, Kaufleute,

Arbeiter und Figuren unterschiedlichen Standes

bereichern die Darstellungen.

Was die Exaktheit der Vedutenwiedergabe betrifft, so

ist zu bedenken, dass der Maler Jacopo Fabris nicht

selten nach radierten Vorlagen gearbeitet hat. Ungeachtet

dessen liefern uns diese Bilder hier jedoch

wertvolle Dokumente früherer Bauzustände.

Der in Venedig gebürtige Maler stand offensichtlich

mit dem berühmteren Canaletto in Kontakt. Nach

dessen Werken sowie solchen von Luca Carlevarijs,

Antonio Visentini, Gaspare van Wittel oder Michele

Marieschi schuf er ebenfalls Veduten, überwiegend

von Venedig, aber auch von Rom, allerdings mit bildinhaltlichen

Abänderungen nach jeweiligen Veränderungen

an den Bauten. England war damals ein großer

Markt für seine Werke.

Fabris Laufbahn in mehrere Städte Europas. In den

Jahren 1719 bis 21 war er Hofmaler am Hof des Karl

Wilhelm von Baden-Durlach in Karlsruhe, wo er an der

Theaterdekoration arbeitete, einem Genre, das er seit

seiner Jugend sehr gut beherrschte. In den Jahren

1724 bis 1728 wirkte er für das Theater am Gänsemarkt

in Hamburg unter Benedetto Ahlefeldt. 1741

finden wir ihn in Berlin, wo er für Friedrich II für das

Opernhaus arbeitete. Erst 1746 zog er nach Kopenhagen,

gerufen von Friedrich IV noch erschien 1759 sein

Architekturtraktat für die Kunstakademie in Charlottenburg.

A.R. (1320362) (11)

212 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


JACOPO FABRIS,

1689 VENICE 1761 COPENHAGEN

(FURTHER ILL. FOLLOWING PAGES)

A pair of paintings

VISTA FROM THE PIAZZETTA TO THE CHURCH OF

SANTA MARIA DELLA SALUTE AND THE DOGANA

and

VISTA ON CANALE GRANDE AND PALAZZO LABIA

Oil on canvas. Relined.

38.1 x 53.4 cm.

Accompanied by expert’s reports by Dario Succi, Gorizia,

on both paintings, dating the works to ca 1745.

€ 80.000 - € 100.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

213


214 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

215


351

ANTONIO JOLI,

1700 MODENA 1777 NEAPEL

KRÖNUNG DES DOGEN AUF DER SCALA

DIE GIGANTI AM PALAZZO DUCALE

Öl auf Leinwand. Doubliert.

52,5 x 73,4 cm.

Beigegeben ein Gutachten von Filippo Pedrocco,

Venedig, 20.02.2011.

Die Darstellung zeigt die Breitansicht des Palazzo

mit der zentral zuführenden Gigantentreppe, an deren

oberen Absatz die Dogenkrönung stattfindet. Die

sämtlichen Kleriker rot gekleidet, zwei halten über

dem Haupt des Dogen die mützenförmige Krone. Zuschauer

in sämtlichen Fenstern und in den Loggien,

vor allem dicht gedrängt im Vordergund, dazwischen

Wachen mit Lanzen.

Das Gemälde geht auf ein Werk von Francesco Guardi

(1712-1793) von 1775 zurück, wiewohl das Ereignis

auch durch Grafiken von Giambattista Brustolon, nach

der Gemäldevorlage von Canaletto verbreitet waren.

Die Expertise von Filippo Pedrocco hat zu vorliegendem

Bild aufgrund stilistischer Merkmale den Namen

Antonio Joli zur Diskussion gestellt, obschon Joli meistenteils

in Rom gewirkt hat, sich jedoch mit seiner

Familie in Venedig niederließ. Vor allem die Gestaltung

und die stilistische Wiedergabe der zahlreichen

Figuren weisen laut Pedrocco auf Joli hin, vergleichbar

mit dessen Werk „Veduta del cortile di Palazzo Ducale

in occasione del ingresso del legato apostolico Antonio

Branciforti Colonna“ das sich in der Gallery of Arts

in Washington befindet. A.R. (1320842) (11)

ANTONIO JOLI,

1700 MODENA 1777 NAPLES

THE CORONATION OF THE DOGE ON THE SCALA

DEI GIGANTI OF THE DOGE'S PALACE

Oil on canvas. Relined.

52.5 x 73.4 cm.

Accompanied by an expert‘s report by Filippo Pedrocco,

Venice, 20 February 2011.

The painting is based on the work by Francesco Guardi

(17121793) from 1775, although the event was also

recorded in graphics created by Giambattista Breastonon,

based on a painting by Canaletto. In his report,

Filippo Pedrocco suggests Antonio Joli for discussion

because of stylistic characteristics, although Joli

worked mostly in Rome but settled in Venice with his

family. According to Pedrocco, it is particularly the design

and stylistic rendering of the many figures that

point to Joli, comparable to his “Veduta del cortile di

Palazzo Ducale in occasione del ingresso del legato

apostolico Antonio Branciforti Colonna”, which is held

at the Gallery of Arts in Washington.

€ 60.000 - € 80.000

Sistrix

INFO | BID

216 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

217


352

APOLLONIO DOMENICHINI,

1715 VENEDIG UM 1770

RÖMISCHE VEDUTE: PIAZZA DEL QUIRINALE

Öl auf Leinwand.

56 x 80 cm.

Beigegeben eine Expertise von Prof. F. Spadotto.

Der Quirinalspalast und die davorliegende Piazza mit

dem Dioskuren-Brunnen sind hier aus der Kavaliersperspektive

ins Bild gesetzt. Der Blick lässt daher die

Figurenstaffage im Vordergrund tiefer liegend erscheinen,

jedoch bietet er links auch eine Sicht auf die

Kuppel der Basilika Sant Andrea delle Fratte. An der

Fassade wölbt sich der mittelalterliche Rundturm der

Befestigung vor, hier mit Kanonen in den Fensterluken

gezeigt. Rechts ist der Blick in die Via del Quirinale

gegeben, hier noch mit einem die Straße abschließenden

Gebäude, das nicht mehr existiert, rechts ist

über der Häuserfront die Kuppel der Kirche St. Andrea

al Quirinale zu sehen.

Die Besonderheit des Gemäldes liegt vor allem darin,

dass hier noch der frühere Zustand des Platzes vor

der Aufstellung des Obelisken zu sehen ist der sich

heute zwischen den beiden antiken Steinplastiken der

Dioskuren Kastor und Pollux erhebt. Die Figuren, die

den Brunnen flankieren, wurden von den Konstantinsthermen

von Domenico Fontana hierher auf den Platz

gestellt. Der Obelisk, erst 1781 ausgegraben, wurde

auf Anordnung von Papst Pius VII. 1786 zwischen den

beiden Steinfiguren aufgestellt. Damit bietet das

Gemälde nicht nur den Blick in die Zeit des ausgehenden

18. Jahrhunderts, mit all den hier ins Bild gesetzten

Figurenstaffagen und Kutschen, sondern ist ein

hervorragendes Zeitdokument der Stadtgeschichte

Roms vor 1786.

Der Maler, auch Menichini oder Menichino genannt,

wird aufgrund von vierzehn seiner Werke in einer

Sammlung in Baden bei Zürich als „Meister der

Fondazione Langmatt“ bezeichnet. Zwischen 1740

und 1770 wirkte er als Schüler von Luca Carlevarijs

und Hohan Richter als Vedutist in Venedig. Neben seinen

bekannten Venedigansichten entstanden jedoch

auch eine Reihe höchst phantasievoller Capricci und

wie hier Veduten von Rom. (1321381) (11)

APOLLONIO DOMENICHINI,

1715 VENICE - CA. 1770

ROMAN VEDUTE: PIAZZA DEL QUIRINALE

Oil on canvas.

56 x 80 cm.

Accompanied by a recent expert‘s report by

Prof. F. Spadotto.

€ 35.000 - € 40.000

Sistrix

INFO | BID

Detailabbildung

218 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

219


353

MEISTER DER LANGMATT FOUNDATION,

1740 1770

Gemäldepaar

BLICK VOM KANAL AUF DIE RIALTOBRÜCKE

sowie

BLICK ZUR INSEL SAN GIORGIO

Öl auf Leinwand.

34,5 x 56 cm.

Verso jeweils Gummistempel der Ital.

Zoll-Kunstausfuhr.

Beigegeben Expertise Dario Succi, Gorizia.

Die beiden Gemälde, als Gegenstücke geschaffen,

sind einheitlich gerahmt. Der Blick auf die von Da

Ponte 1588 errichtete Rialtobrücke ist von der dem

Markusplatz abgelegenen Seite zu sehen. Im Vordergrund

weitet sich der Kanal, wodurch die Ansicht

Raum lässt für die Darstellung zahlreicher Gondeln

und anliegender Lastkähne.

Im Gegenstück liegt die entfernte Insel in hellem

Licht, dadurch ebenso die Fassade von San Giorgio,

jene für die Benediktiner schon im 10. Jahrhundert errichtete

Basilika, die der berühmte Architekt Andrea

Palladio um 1566 neu errichtet hat. Dahinter die Kuppel

und der elegante schlanke Campanile. Die im

Vordergrund links stehenden Gebäudefassaden sind

dagegen verschattet wiedergegeben, wodurch das

Augenmerk auf San Giorgio gelenkt wird. Der Maler,

auch Menichini oder Menichino genannt, wird aufgrund

von vierzehn seiner Werke in einer Sammlung

in Baden bei Zürich als „Meister der Fondazione Langmatt“

bezeichnet. Zwischen 1740 und 1770 wirkte er

als Schüler von Luca Carlevarijs und Johan Richter als

Vedutist in Venedig. Neben seinen bekannten Venedigansichten

entstanden jedoch auch eine Reihe höchst

fantasievoller Capricci. A.R. (†) (13201212) (11)

220 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


MASTER OF THE LANGMATT FOUNDATION,

1740 1770

A pair of paintings

VIEW FROM THE CHANNEL TO THE RIALTO BRIDGE

and

VIEW TO THE ISLAND OF SAN GIORGIO

Oil on canvas.

34.5 x 56 cm.

Accompanied by an expert’s report by Dario Succi,

Gorizia. (†)

€ 100.000 - € 150.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

221


354

APOLLONIO DOMENCHINI,

AUCH BEKANNT ALS „MAESTRO DELLE VEDUTE

DELLA FONDAZIONE LANGMATT“,

TÄTIG UM 1740 - 1770, ZUG./ KREIS DES

BLICK ÜBER DIE PIAZETTA AUF DIE PUNTA

DELLA DOGANA UND DIE CHIESA SANTA MARIA

DELLA SALUTE

Öl auf Leinwand.

42 x 61 cm.

In dekorativem Rahmen.

Diese schöne helle Ansicht von Venedig zeigt die

Piazetta mit den beiden berühmten Säulen mit dem

Löwen und dem Heiligen Theodorus sowie die im

Hintergrund befindliche Libreria di San Marco. Auf

dem teils verschatteten Platz viele elegant gekleidete

Figuren. Nach links über den Canal Grande hinweg

liegt im strahlenden Sonnenlicht die Punta della

Dogana und dahinter die prachtvolle Kirche Santa

Maria della Salute mit ihren mächtigen Kuppeln unter

hohem hellblauem Himmel mit weißen Wolkenformationen.

Stimmungsvolle Wiedergabe einer beliebten

Ansicht von Venedig. (1321213) (4) (18)

APOLLONIO DOMENCHINI,

ALSO KNOWN AS “MASTER OF THE LANGMATT

FOUNDATION”,

ACTIVE CA. 1740 1770, ATTRIBUTED/ CIRCLE OF

VIEW OVER THE PIAZZETTA TO THE PUNTA DELLA

DOGANA AND THE CHURCH OF SANTA MARIA

DELLA SALUTE

Oil on canvas.

42 x 61 cm.

€ 28.000 - € 35.000

Sistrix

INFO | BID

224 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


355

GIUSEPPE BERNARDINO BISON,

1762 PALMANOVA 1844 MAILAND, ZUG.

Der Künstler war ein italienischer Maler des Klassizismus,

er studierte in Brescia und war Schüler von Girolamo

Romanino Romani (1484/87-1562). Später zog

er nach Venedig und setzte sein Kunststudium unter

Giovanni Antonio Canal (1697-1768) fort. Von 1834 bis

1838 unternahm er eine Reihe von Reisen, die ihn

u.a. nach Florenz, Rom, Neapel und Paestum führten.

Mit seinen Venedigveduten begründete Bison ein

kommerzielles Genre um der Nachfrage von Touristen

und Sammlern nachzukommen. Neben zahlreichen

Venedigansichten schuf er auch idyllische Fantasielandschaften.

Neben der Vielfalt seiner Themen ist

besonders die hohe Qualität seiner Bildproduktion

hervorzuheben.

KIRCHEN SANTA MARIA DI NAZARETH

Öl auf Leinwand.

55 x 75 cm.

GIUSEPPE BERNARDINO BISON,

1762 PALMANOVA 1844 MILAN, ATTRIBUTED

CHURCH SANTA MARIA DI NAZARETH

Oil on canvas.

55 x 75 cm.

€ 35.000 - € 40.000

Sistrix

INFO | BID

Blick in den Kanal mit den in die Tiefe führenden Häuser-

und Palastfassaden. Rechts im Vordergrund steht

die an ihren Säulen und dem Giebel erkennbare Fassade

der von Baldassare Longhena und Giusepe Sardi

1680 erbauten Kirche Sta. Maria di Nazareth. Links gegenüber

sind Anstiegstreppe, Säulenportikus und die

mit Kupfer gedeckte Kuppel von San Simeone Piccolo

zu sehen, erbaut von Giovanni Scalfarotto, eröffnet

1738.

Bison zählt zur Schule von Brescia, setzte aber seine

Studien in Venedig unter Giovanni Antonio Canal fort.

Als Bühnenmaler wirkte er an zahlreichen Theatern in

mehreren Städten hauptsächlich Norditaliens. Veduten

dieses Stadtteils von Venedig, dem Sestiere Santa

Croce, sind sehr selten. Umso bedeutender der

historische Stellenwert des Gemäldes, auch aufgrund

der hier noch sichtbaren, inzwischen weitgehend veränderten

Details der Häuserfassaden. A.R. (1321331)

(11)

226 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

227


356

FRANCESCO ALBOTTO,

1721/22 VENEDIG 1757 EBENDA, ZUG.

Der Maler ist insbesondere für seine Venedigveduten

bekannt, vereinzelt schuf er auch Landschaften, zumeist

mit antik-römischen Versatzstücken besetzt.

VENEDIG BLICK AUF DEN DOGENPALAST

MIT MARKUSPLATZ UND CAMPANILE

Öl auf Leinwand.

40 x 57 cm.

Die Vedute zeigt die Ansicht, die jeder Besucher der

Stadt in Erinnerung hat. Die Gebäude in warmem

Spätlicht, unterschiedlich hell beleuchtet. Der Vordergrund

belebt mit Gondeln, Lastkähnen und reicher,

lebendig behandelter Figurenstaffage. Die Säulen-

Wahrzeichen für St. Markus und St. Georg empfangen

den Besucher an der Piazzetta. Rechts im Bild,

im Anschluss an den Dogenpalast, der Ponte della

Paglia, der zu Venedigs Gefängnis führt. Links die

Bibliotheca, ein Bau von Jacopo Sansovino, am Bildrand

die Zecca, die Alte Münze.

Die Gemäldedarstellung wurde früher als ein Werk

des Vedutisten Michele Marieschi (1710-1744) angenommen.

Francesco Albotto (auch „Albotti“ oder

„François Albotti“) war Schüler und Mitarbeiter des

Marieschi und übernahm nach dessen Tod die Werkstatt,

was dazu führte, dass er „Der Zweite Marieschi“

genannt wurde und seine Werke oft als die seines Vorgängers

galten. Erst 1972 gelang durch Entdeckung

einer Signaturbezeichnung die Händescheidung. In

jüngerer Zeit lassen sich daher Gemälde seiner Hand

zuweisen. Sein Malstil zeigt sich im Gegensatz zu den

Vorgängern weit glatter in der Peinture, was dem Anspruch

einer exakteren Wiedergabe gewidmet ist.

Werke seiner Hand befinden sich in privaten wie öffen t-

lichen Sammlungen, darunter in Berlin, Gemälde galerie,

Neapel, Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte,

Vicenza, Gallerie di Palazzo Leoni Montanari, etc. A.R.

Literatur:

Ein identisches Gemälde (61 x 96 cm), ehem. Christie´s

1988, ist aufgeführt und abgebildet in: Mario Manzelli,

Michele Marieschi e il suo alter-ego Francesco Albotto,

Venedig 2002, S. 46 f.

Pierre-Jean Mariette, Abécédario de P. J. Mariette et

autres notes inédites de cet amateur sur les arts et

les artistes (ante 1774), in: Archives de l‘Art Français,

Paris 1854, III. S. 264.

William G. Constable, Canaletto. Giovanni Antonio

Canal. 1697-1768, Oxford 1962, Nr. 101 ff.

Rodolfo Pallucchini, Francesco Albotto. Erede di Michele

Marieschi, in: Arte veneta, Nr. XXVI, 1972, S. 222.

Mario Manzelli, Ulteriori notizie su Francesco Albotto.

Erede di Michele Marieschi, in: Arte veneta, Nr. XXX-

VIII, 1984, S. 210 f.

Mario Manzelli, Proposta per l'identificazione di Michele

Marieschi e del suo alter-ego Francesco Albotto, in:

Arte veneta, Nr. 41, 1987(1988), S. 111 ff.

Dario Succi, Marieschi. Tra Canaletto e Guardi, Ausst.

Kat., Turin 1989, S. 26ff. und 1165ff.

Ralph Toledano, Michele Marieschi. Catalogo ragionato,

Mailand 1995, S. 26 ff. und 40

Filippo Pedrocco, Michele Marieschi. La vita, l‘ambiente,

l‘opera, Mailand 1999, S. 86 f. (1320752) (2) (11)

FRANCESCO ALBOTTO,

1721/22 VENICE 1757 IBID., ATTRIBUTED

VENICE VIEW OF THE DOGE’S PALACE WITH

SAINT MARK’S SQUARE AND CAMPANILE

Oil on canvas.

40 x 57 cm.

Francesco Albotto (also known as “Albotti” or “Francois

Albotti”) was a student and employee of Marieschi

and took over his master’s workshop after his death,

which led to his nickname “The Second Marieschi”

and his works were often considered to be those of

his predecessor. It was not until 1972 that the two

artists could be separated, when a signature was discovered.

More recently, therefore, paintings by his

hand can be attributed to him. In contrast to his predecessors,

his painting style is much smoother making

for a more exact representation. His works are

held in private and public collections, including the

Gemädegalerie in Berlin, the Museo e Gallerie Nazionali

di Capodimonte in Naples, and the Gallerie di

Palazzo Leoni Montanari in Vicenza etc.

Literature:

An identical painting (61 x 96 cm), formerly sold at

Christie’s 1988, is listed, and illustrated in: Mario

Manzelli, Michele Marieschi e il suo alter ego Francesco

Albotto, Venice 2002, p. 46f.

Pierre-Jean Mariette, Abécédario de P. J. Mariette et

autres notes inédites de cet amateur sur les arts et

les artistes (ante 1774), in: Archives de l’Art Français,

Paris 1854, III. p. 264.

William G. Constable, Canaletto. Giovanni Antonio

Canal. 1697-1768, Oxford 1962, no. 101.

Rodolfo Pallucchini, Francesco Albotto. Erede di

Michele Marieschi, in: Arte veneta, Nr. XXVI, 1972,

p. 222.

Mario Manzelli, Ulteriori notizie su Francesco Albotto.

Erede di Michele Marieschi, in: Arte veneta, Nr. XXX-

VIII, 1984, pp. 210.

Mario Manzelli, Proposta per l’identificazione di

Michele Marieschi e del suo alter-ego Francesco

Albotto, in: Arte veneta, Nr. 41, 1987 (1988), pp. 111.

Dario Succi, Marieschi. Tra Canaletto e Guardi, Ausst.

Kat., Turin 1989, p. 26ff. and pp. 1165.

Ralph Toledano, Michele Marieschi. Catalogo ragionato,

Milan 1995, pp. 26 and p. 40

Filippo Pedrocco, Michele Marieschi. La vita, l’ambiente,

l’opera, Milan 1999, pp. 86.

€ 25.000 - € 30.000

Sistrix

INFO | BID

228 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

229


357

APOLLONIO DOMENICHINI,

1715 VENEDIG UM 1770

VENEDIG: VEDUTE MIT BASILIKA SAN GIORGIO

Öl auf Leinwand. Doubliert.

56 x 80 cm.

Beigegeben eine Expertise von Prof. F. Spadotto.

Die Besonderheit des Gemäldes liegt vor allem darin,

dass hier noch ein früherer Zustand der Fassade der

Basilika und den anschließenden Gebäuden zu sehen

ist, der sich bis heute verändert hat. So ist etwa der

kleine Anbau links der Fassade längst verschwunden.

Den Campanile hat der Maler phantasievoll hier auf

den Platz versetzt und entschieden schlanker dargestellt,

wodurch er die Bildmitte dominiert. Damit ist

das Gemälde nicht nur ein Blick in die Zeit des ausgehenden

18. Jahrhunderts, mit all den hier ins Bild

gesetzten Gondeln, der Brücke und der Figurenstaffage,

sondern ein Zeitdokument der Geschichte und

phantasievollen Rezeptionsvision Venedigs in der

zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die Fassade von San Giorgio, mit ihren vier Kolossalsäulen,

die den Dreiecksgiebel tragen, wurde ab 1565

von Andrea Palladio errichtet und 1610 fertiggestellt.

Hier im Bild sind jedoch die figürlichen Giebelbekrönungen

und die Nischenfiguren der Fassade nicht

erfasst.

Der Maler, auch „Menichini“ oder „Menichino“ genannt,

wird aufgrund von vierzehn seiner Werke in

einer Sammlung in Baden bei Zürich als „Meister der

Foundation Langmatt“ bezeichnet. Zwischen 1740

und 1770 wirkte er als Schüler von Luca Carlevarijs

und Hohan Richter als Vedutist in Venedig. Neben seinen

bekannten Venedigansichten entstanden jedoch

auch eine Reihe höchst phantasievoller Capricci. A.R.

(1321382) (11)

Detailabbildung

230 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


APOLLONIO DOMENICHINI,

1715 VENICE - CA. 1770

VENICE: VEDUTA WITH THE BASILICA

DI SAN GIORGO

Oil on canvas. Relined.

56 x 80 cm.

Accompanied by a recent expert’s report by

Professor F. Spadotto.

The painter, also known as “Menichini” or “Menichino”,

is known as the “Master of the Langmatt Foundation”

as fourteen of his works are held in a collection

in Baden near Zurich.

€ 35.000 - € 40.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

231


358

GIOVANNI BATTISTA CIMAROLI,

UM 1687 SALÓ UM 1753 VENEDIG, ZUG.

ANSICHT VON DOLO AM BRENTA

Öl auf Leinwand.

39,4 x 56,2 cm.

Dieses reizvolle Gemälde ist ein exquisites Beispiel

für Cimarolis von Zuccarelli inspirierte fantasievolle

Lagunenlandschaften.

Es zeigt eine eindrucksvolle Ansicht des Flusses

Brenta auf der Höhe des Städtchens Dolo, einer lieblichen

Stadt am Kanal Brenta auf halbem Weg zwischen

Padua und Venedig, damals einer der wichtigsten

Anlaufhäfen für den Handel, aber auch ein wichtiges

landwirtschaftliches Zentrum, auch ein wichtiger Ort

für Reisende. Der Kanal wird aus einem ungewöhnlichen

Blickwinkel gezeigt, nämlich mit Blick auf die

große Pfarrkirche San Rocco von 1570, die sich über

das Wasser erhebt und sich in ebendiesem spiegelt.

In den von Cimaroli und anderen Vedutisten gemalten

Ansichten von Dolo erscheint die Kirche gemeinhin

(Andria Derstine, Views of Dolo by Canaletto, Bellotto,

Cimaroli and Guardi, in: The Burlington Magazine,

CXLVI, 1219, 2004, S. 675-682).

Das Werk gehört zu Cimarolis reifem Schaffen zwischen

den 1750er-Jahren und dem Beginn des folgenden

Jahrzehnts, als sich der Maler der Darstellung von Orten

an dem Brenta widmete (Federica Spadotto, Un artista

dimenticato. Giovan Battista Cimaroli, in: Saggi e Memorie

di Storia dell'Arte, Bd. 23, 1999, S. 131-187).

Kritiker haben es nun geschafft, die Figur dieses Malers

zu isolieren und ihn von Canaletto und seiner Schule

abzugrenzen, sodass im Kontext der venezianischen

Kunstszene des 18. Jahrhunderts seine verdiente Rolle

als „Maler von Uferszenen an der Brenta par excellence“

unterstrichen werden kann (Bonzena Anna Kowalczyk,

in: Bernardo Bellotto and the capitals of Europe,

Ausstellungskatalog, hrsg. Edgar Peters Bowron, New

Haven 2001, S. 80).

Der Stil von Cimaroli ist in diesem Gemälde klar definiert,

auch wenn der starke Einfluss von Canaletto

offensichtlich ist. Er ist erkennbar an der fröhlichen,

leuchtenden Farbgebung, den virtuosen Drehungen

und Wendungen des Himmels, der getreuen Wiedergabe

jedes Details, entsprechend der beschreibenden

Haltung, die seine Kunst auszeichnet, der subtilen,

akribischen Linie, mit der die Bäume definiert

werden, der Prägnanz der architektonischen Profile,

der abgerundeten Typologie der Figuren und der diffusen

Leuchtkraft, die die Szene durchdringt. (†)

Literatur:

Consuelo Lollobrigida und Marzia Moschetta, Tesori

di pittura italiana del XVII e XVIII secolo, Rom 2008,

S. 30. (1320123) (13)

GIOVANNI BATTISTA CIMAROLI,

CA. 1687 SALÓ AFTER 1753 VENICE, ATTRIBUTED

VIEW OF DOLO ON THE BRENTA

Oil on canvas.

39.4 x 56.2 cm.

This delightful painting is an exquisite example of

Cimaroli’s imaginative lagoon landscapes inspired

by Zuccarelli.

It depicts an evocative view of the Brenta River from

Dolo, a lovely town on the Brenta Canal halfway between

Padua and Venice. At the time it was one of

the most important commercial ports of call, an important

agricultural centre as well as being popular

with travellers. The canal is shown from an unusual

angle, with a view of the large parish church of San

Rocco dating to 1570, rising high above the water and

reflecting in it. The church commonly appears in

views of Dolo painted by Cimaroli and other veduta

painters (Andria Derstine, Views of Dolo by Canaletto,

Bellotto, Cimaroli and Guardi, in: The Burlington Magazine,

CXLIV, 1219, 2004, pp. 675-682).

The painting can be regarded as Cimaroli's late work,

created in the 1750s and the beginning of the following

decade, when the painter devoted himself to

depicting places on the Brenta (Frederica Spadotto,

Un artista dimenticato: Giovan Battista Cimaroli, in:

Saggi e Memorie di Storia dell'Arte, vol. 23, 1999, pp.

131-187). Critics have now succeeded in isolating this

painter and distinguishing him from Canaletto and his

school. In the context of the 18th century Venetian art

scene his deserved title as “painter of Brenta riverside

scenes par excellence” can thus be emphasized

(Bonzena Anna Kowalczyk, in: Bernardo Bellotto and

the capitals of Europe, exhibition catalogue, edited by

Edgar Peters Bowron, New Haven-London, ed. Milan

2001, p. 80).

Cimaroli's own style is clearly defined in this painting,

although the strong influence of Canaletto is evident.

He is recognizable by the bright, luminous colouration,

the masterly twists and turns of the sky, the accurate

rendition of every detail corresponding with the descriptive

approach typical for his art, the subtle and

meticulous line used to define the trees, the conciseness

of the architectural profiles, the rounded typology

of the figures and the diffuse luminosity that

permeates the scene. (†)

Literature:

Consuelo Lollobrigida and Maria Moschetta, Tesori

di pittura italiana del XVII e XVIII secolo, Rome 2008,

p. 30.

€ 75.000 - € 100.000

Sistrix

INFO | BID

232 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

233


359

GIUSEPPE BERNARDINO BISON,

1762 PALMANOVA 1844 MAILAND

Der Künstler war ein italienischer Maler des Klassizismus,

er studierte in Brescia und war Schüler von

Girolamo Romanino Romani (1484/87-1562). Später

zog er nach Venedig und setzte sein Kunststudium

unter Giovanni Antonio Canal (1697-1768) fort. Von

1834 bis 1838 unternahm er eine Reihe von Reisen,

die ihn u.a. nach Florenz, Rom, Neapel und Paestum

führten. Mit seinen Venedigveduten begründete Bison

ein kommerzielles Genre um der Nachfrage von

Touristen und Sammlern nachzukommen. Neben zahlreichen

Venedigansichten schuf er auch idyllische Fantasielandschaften.

Neben der Vielfalt seiner Themen

ist besonders die hohe Qualität seiner Bildproduktion

hervorzuheben.

VENEDIG CANAL GRANDE.

BLICK VOM PALAZZO BALBI ZUR RIALTOBRÜCKE

Öl auf Leinwand.

46 x 74 cm.

Verso: Aufkleber „Galerie Ollendorff Fine Arts, New

York San Francisco“, mit Lot 6825.

Beigegeben eine Expertise von Fabrizio Magani. Mit

ausführlicher Dokumentation und Bildvergleichen.

Der Blick führt aus weiter Entfernung hin zu der in

der Bildmitte sichtbaren Rialtobrücke. Im Vordergrund

links, vom Bildrand angeschnitten, ist noch der

Palazzo Balbi zu sehen, rechts der Palazzo Giustinian.

Auf ruhigem Kanalwasser zahlreiche Gondeln, rechts

Lastkähne. Der Prospekt gehört zu den selteneren

Venedigansichten. Antonio Canal hatte sich bereits

dieser Vedutenansicht gewidmet, ebenso Antonio

Visenti, sowohl in Zeichnung als auch in seinem

Radier werk „Prospectus Magni Canalis Venetiarum“

von 1735. Luca Carlevarijs hat in seiner Ansicht des

Regatta-Festes zu Ehren von Friedrich IV von Dänemark

1711 diesen Betrachterstandpunkt gewählt (Paul

Getty Museum, USA). A.R. (1321902) (11)

236 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


GIUSEPPE BERNARDINO BISON,

1762 PALMANOVA 1844 MILAN

VENICE GRAND CANAL,

VIEW FROM PALAZZO BALBI TO RIALTO BRIDGE

Oil on canvas.

46 x 74 cm.

On the reverse sticker “Galerie Ollendorff Fine

Arts, New York - San Francisco” with lot 6825.

Accompanied by an expert’s report by Fabrizio

Magani. With extensive documentation and comparable

paintings.

€ 50.000 - € 70.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

237


360

GIUSEPPE BERNARDINO BISON,

1762 PALMANOVA 1844 MAILAND

Der Künstler war ein italienischer Maler des Klassizismus,

er studierte in Brescia und war Schüler von Girolamo

Romanino Romani (1484/87-1562). Später zog

er nach Venedig und setzte sein Kunststudium unter

Giovanni Antonio Canal (1697-1768) fort. Von 1834 bis

1838 unternahm er eine Reihe von Reisen, die ihn

u.a. nach Florenz, Rom, Neapel und Paestum führten.

Mit seinen Venedigveduten begründete Bison ein

kommerzielles Genre um der Nachfrage von Touristen

und Sammlern nachzukommen. Neben zahlreichen

Venedigansichten schuf er auch idyllische Fantasielandschaften.

Neben der Vielfalt seiner Themen ist

besonders die hohe Qualität seiner Bildproduktion

hervorzuheben.

VENEDIGVEDUTE BLICK AUF

SAN GIORGIO MAGGIORE

Öl auf Leinwand. Doubliert.

44 x 62 cm.

Links unten auf dem Schiff signiert.

Vergoldeter, durchbrochen geschnitzter Rahmen.

Blick vom Kanalausläufer mit Gondeln, Segelschiffen

und Fischerbooten auf die Insel San Giorgio. Links

steht die mit ihren Säulen, Giebel und Kuppel im Licht

stehende Fassade der von dem weltberühmten Architekten

Andrea Palladio ab 1565 erbauten Kirche San

Giorgio Maggiore. Der Bau wurde erst nach vollständiger

Innenausstattung 1610 geweiht. Hier wurden

im Vorgängerbau zwei Dogen bestattet, 1800 wurde

hier Papst Pius XI gewählt.

Bison zählt zur Schule von Brescia, setzte aber seine

Studien in Venedig unter Giovanni Antonio Canal fort.

Als Bühnenmaler wirkte er an zahlreichen Theatern in

mehreren Städten, hauptsächlich Norditaliens.

Das Gemälde zeigt die Situation mit den sonnig beschienenen

Gebäuden, die sich unter locker bewölktem

Himmel im azurblauen Wasser spiegeln, höchst

ansprechend. Die Staffagefiguren zudem gekonnt und

virtuos ins Bild gesetzt. A.R. (1321241) (11)

GIUSEPPE BERNARDINO BISON,

1762 PALMANOVA 1844 MILAN

VEDUTA OF VENICE VIEW OF

SAN GIORGIO MAGGIORE

Oil on canvas. Relined.

44 x 62 cm.

Signed on ship lower left.

€ 35.000 - € 45.000

Sistrix

INFO | BID

Detailabbildung

238 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

239


361

VIVIANO CODAZZI,

1604 BERGAMO 1670 ROM

ARCHITEKTUR CAPRICCI

Öl auf Leinwand. Doubliert.

Jeweils ca. 130 x 183 cm.

In vergoldetem vegetabil gestaltetem Rahmen.

Beigegeben jeweils ein Gutachten von Professor

Giancarlo Sestieri 07.01.2019. Sestieri schreibt beide

Gemälde zur Gänze Viviano Codazzi als Werke seiner

Reifephase zu.

Jeweils mit klassischer Architektur mit eingestellten

Skulpturen und Reliefs sowie vegetabilem Bewuchs

in Braun-Camaieu mit eingestellten martialischen

Staf fage-Figuren in antikisierender Gewandung. Jeweils

mit nach rechtshin tieferliegender Landschaft.

Durch ihre gleichausgerichteten Architekturelemente

ist eine nachträgliche Marriage als Paar augenscheinlich,

wenngleich die beiden Gemälde aus derselben

Periode stammen mögen. (†) (13220019)

VIVIANO CODAZZI,

1604 BERGAMO - 1670 ROME

ARCHITECTURE CAPRICCI

Oil on canvas. Relined.

Each ca. 130 x 183 cm.

Accompanied by an expert’s report by Professor

Giancarlo Sestieri dated 07.01.2019, in which Sestieri

attributed both paintings in their entirety to Viviano

Codazzi as works of his mature phase. (†)

€ 135.000 - € 180.000

Sistrix

INFO | BID

240 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

241


362

FRANCESCO GUARDI,

1712 VENEDIG 1793 EBENDA

LAGUNEN-CAPRICCIO MIT BRÜCKE UND TURM

Öl auf Leinwand. Doubliert.

45 x 58 cm.

Beigegeben eine Expertise von Dario Succi sowie

Egidio Martini.

Das Gemälde, das einen Blick vom Lagunenufer auf

eine steinerne Bogenbrücke mit Gebäuden und Figurenstaffage

bietet, zählt zu der Reihe mehrerer ähnlicher,

höchst stimmungsvoller Lagunen-Capricci, die

sich in verschiedenen bedeutenden Sammlungen befinden.

Hier lässt ein erhöhter Betrachterstandpunkt den Blick

vom tiefer liegenden Ufer zum Horizont links hinten

schweifen, begleitet durch ein im Schatten stehendes

Gebäude rechts, hinter dem ein kleiner Rundturm aufragt,

fortgesetzt durch die schräg in die Bildmitte ziehende

Brücke, die von Gebäuden überbaut erscheint.

Den Bildrand rechts begleitet eine völlig abgedunkelte

Gebäudeecke als Repoussoir. Der hohe Himmel scheint

noch blaufarbig durch zerfetzte Wolkenbänke, die wie

Rauchschwaden über der Landschaft hinziehen. Diese

„Lagunen-Capricci“ genannten Werke, die in Guardis

Spätzeit fallen, und zum interessantesten Teil seines

Werkes zählen, präsentieren sich oft durch eine nahezu

geheimnisvolle Stimmung und wie hier mit bewegtem

Wolkenhimmel und gewittrigen Lichtstimmungen

am Horizont.

Besonderes Augenmerk hat Guardi hier der Lichtregie

gewidmet: Die untergehende Sonne, links von Landschaftselementen

und einem kleinen Rundtürmchen

verdeckt, schafft einen rötlichen Lichtstreifen am Horizont

und lässt die einzelnen Partien der Architekturen,

das kleine Segel eines Schiffes, aber auch die Staffagefiguren

im Vordergrund ähnlich einer Gewitterstimmung

punktuell aufleuchten. Der bewusst nahezu

zittrig wirkende Pinselduktus entspricht ganz dieser

bewegten Auffassung.

Hier gilt der Vergleich mit der „Lagungenlandschaft“

im Städel-Museum Frankfurt (Inv.Nr. 1525) oder einem

weiteren Werk in der Eremitage St. Petersburg.

Wiewohl Guardi auch eine Reihe von religiösen Werken

schuf, und aufgrund höfischer Aufträge, etwa vom Dogen

Alvise IV Mocenigo (1770-1775), Festlichkeiten zu

dokumentieren hatte, etwa gelegentlich des Besuches

der Zarenfamilie 1782, so ist er vor allem durch seine

Veduten bekannt geworden. Dabei konnte er sich anfänglich

an Vorbildern wie Sebastiano Ricci und vor

allem Canaletto orientieren. Auch die Verehelichung

seiner Schwester Cecilia mit Giambattista Tiepolo hat

auch mit diesem Meister eine beeinflussende Beziehung

ergeben. A.R.

Literatur:

Egidio Martini, La pittura del Settecento Veneto,

Udine 1982. (1320041) (11)

FRANCESCO GUARDI,

1712 VENICE 1793 IBID.

LAGOON CAPRICCIO WITH BRIDGE AND TOWER

Oil on canvas. Relined.

45 x 58 cm.

Accompanied by expert´s report by Dario Succi and

Egidio Martini.

The painting depicts a view of a stone arch bridge with

buildings and figures from the shore of the lagoon. It is

one of several similar, highly atmospheric lagoon capricci,

which are held in various important collections.

The brushwork, which deliberately almost appears

shaky, corresponds entirely to this vibrant concept.

The work compares well with the Lagoon Landscape

held at the Städel Museum in Frankfurt (inv. no. 1525)

and one held at the State Hermitage in Saint Petersburg.

Guardi is best known for his vedute, although

he also created a few religious works and, due to

courtly commissions, for example from the Doge

Alvise IV Mocenigo (1770-1775), documented festivities

such as the visit of the Tsar´s family in 1782.

Literature:

Egidio Martini, La pittura del Settecento Veneto,

Udine 1982.

€ 60.000 - € 80.000

Sistrix

INFO | BID

242 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

243


363

ITALIENISCHER MALER DES

18./ 19. JAHRHUNDERTS

BLICK DURCH DEN TITUSBOGEN AUF DAS

RÖMISCHE KOLOSSEUM

Öl auf Leinwand.

47 x 30 cm.

Rechts unten schwer leserlich signiert „Robiliart...“.

Im vergoldeten klassizistischen Rahmen um 1800.

Das Kolosseum im Hintergrund, im Spätlicht rötlich beleuchtet.

Am Titusbogen errichtet nach der Eroberung

Jerusalems ist links das Pferderelief im Schatten zu

erkennen, am Boden Steintrümmer des Forums.

(13220016) (11)

ITALIAN SCHOOL, 18TH/ 19TH CENTURY

VIEW OF THE COLLOSSEUM IN ROME THROUGH

THE ARCH OF TITUS

Oil on canvas.

47 x 30 cm.

Hardly legible signature „Robiliart“ lower right.

In classical gilt frame, ca. 1800.

€ 12.000 - € 15.000

Sistrix

INFO | BID

244 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


364

FRANCESCO TIRONI,

UM 1745 VENEDIG 1797 BOLOGNA, ZUG.

Der Maler war nahezu vergessen, bevor ihn Hermann

Voss 1927/28 mit seinem Werk über die Veduten

Venedigs wieder bekannt gemacht hat. Insgesamt sind

von dem jung verstorbenen Maler etwa 24 Veduten

Venedigs bekannt geworden.

VENEDIG, PALAZZO DOLFIN AM CANAL GRANDE

Öl auf Leinwand.

52 x 75 cm.

Beigegeben Expertise von Dario Succi, Gorizia.

FRANCESCO TIRONI,

CA. 1745 VENICE 1797 BOLOGNA, ATTRIBUTED

VENICE, PALAZZO DOLFIN ON GRAND CANAL

Oil on canvas.

52 x 75 cm.

Accompanied by an expert’s report by Dario Succi,

Gorizia.

€ 25.000 - € 30.000

Sistrix

INFO | BID

Über die Biografie des Malers ist nicht viel bekannt.

Er stammte wohl aus einer Familie aus Friaul, wird

1806 als vor wenigen Jahren zu früh verstorben genannt.

Insgesamt werden 24 Veduten von seiner Hand

gezählt. Von Hermann Voss wurden 1927/28 einige

seiner Veduten publiziert, was den bis dahin vergessenen

Maler wieder in Erinnerung brachte.

Die Vedute zeigt den Palazzo Dolfin-Manin zwischen

weiteren seitlich folgenden Fassaden frontal vom

Kanal her erfasst. Rechts ist der Palazzo Bembo mit

seinen noch gotischen Fenstern zu sehen. Unweit der

Rialtobrücke wurde der Palast 1536 für die Familie

Dolfin errichtet, auf der Basis zweier Vorgängerbauten.

Der Bauherr, Zuane Manin, war Erbe des Dogen

Andrea Gritti und wurde 1532 Podestà von Verona,

was den opulenten Neubau erklärt. Das architektonische

Meisterwerk von Jacopo Sansovino, der auch

die weltberühmte Libreria auf dem Markusplatz schuf,

zeigt sich mit der imponierenden, klar gegliederten

dreigeschossigen Fassade als ein Meisterwerk der

italienischen Renaissance Architektur. A.R.

(1321174) (3) (11)

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

245


365

ORAZIO GREVENBROECK,

UM 1670 1743, ZUG.

FANTASTISCHE ANSICHT VON NEAPEL

Öl auf Kupfer.

18 x 31cm.

Professor Nicola Spinosa hat das Gemälde im Original

gesehen und mündlich die Zuschreibung an den genannten

Künstler am 07.03.2007 bestätigt.

Unter Teilbeflaggung eine prachtvolle Fregatte mit

schießenden Kanonen vor der hohen Stadtmauer von

Neapel. Die in grauen und beige-braunen Farbtönen

gehaltene, fantasievolle Stadt mit hohen, fensterreichen

Gebäuden, zahlreichen Türmen und einem großen

steinernen Tor. Im Bildvordergrund der flache

Strand mit zahlreichen Staffagefiguren zu Fuß und zu

Pferde. Rechts wird das Gemälde gerahmt von einem

hellbraunen Rundturm, der von der Sonne beschienen

wird. Diese ist im hellblauen Himmel mit weißen Wolken

zu sehen und beleuchtet ihr Umfeld mit einem

weiß-gelben Licht, das den Eindruck eines sommerlichen

Spätnachmittags vermittelt. Stimmungsvolle,

ideenreiche Malerei in frischer Farbgebung.

ORAZIO GREVENBROECK,

CA. 1670 1743, ATTRIBUTED

FANTASTIC VISTA OF NAPLES

Oil on copper.

18 x 31cm.

Professor Nicola Spinosa has examined the original

painting and has attributed the painting to the abovementioned

artist orally on 7 March 2007.

€ 9.000 - € 15.000

Sistrix

INFO | BID

Orazio war der Sohn von Jan I und der Bruder von Alessandro,

die beide in Rom im Jahr 1667 waren. Der

Künstler ist bekannt für seine Serien mit kleinen Gemälden,

hauptsächlich für seine fantastischen Veduten.

Bei Aufenthalten in Neapel wurde der Künstler durch

Arbeiten der Vedutenmaler Gaspar Butler, Juan und

Tommaso Ruiz und Giovanni Garro beeinflusst.

(1282114) (18)

246 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


366

LOMBARDISCHER MALER DES

17. JAHRHUNDERTS

STILLLEBEN MIT GLÄSERN, LEUCHTERN,

FRÜCHTEN UND EIERN

Öl auf Leinwand. Doubliert.

75 x 113 cm.

Links unten monogrammiert „CM“.

In plastisch verziertem und bronziertem Rahmen.

Eine starke Tischplatte dient dem umfangreichen Stillleben

in der Art eines Bodegón als Standfläche. Auf

diesem ein mit Zitrusfrüchten gefüllter Korb, davor

Lauch, eine Majolika-Flasche, eine Schale mit Eierhälften

neben einem Kupfergefäß vor einer kleinen

Glasgruppe. Ein Kerzenleuchter hinter einer Tüte mit

Süßspeisen und einem Brotkranz mit Pfeife.

(1321801) (13)

SCHOOL OF LOMBARDY, 17TH CENTURY

STILL LIFE WITH GLASSES, CANDLESTICKS,

FRUIT AND EGGS

Oil on canvas. Relined.

75 x 113 cm.

Monogrammed “CM lower left.”

€ 15.000 - € 20.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

247


367

JOSEPH ANTON VON GEGENBAUR,

1800 1876

PORTRAIT DER MARIA FEODOROWNA (1759 -

1828), SOPHIE DOROTHEE AUGUSTE LUISE

PRINZESSIN VON WÜRTTEMBERG

Öl auf Leinwand.

116 x 97 cm.

Links unten signiert „Gegenbaur nach Lampi“ und

datiert „1867“.

In aufwändig beschnitztem gekehltem und bestoßenem

Ornamentrahmen.

Nach ersten Studienaufenthalten in Rom (erst 1823-

1826, dann 1829-1835) wurde Gegenbaur 1835 zum

württembergischen Hofmaler ernannt und wurde 1841

mit dem württembergischen Kronorden bedacht. Er

reiste nicht nur wiederholt nach Rom, sondern auch

nach Belgien und in die Niederlande. Von seiner Hand

stammen die Ausmalungen in der Heiliggeistkirche in

Wangen, die Deckenfresken auf Schloss Rosenstein

und im Stuttgarter Neuen Schloss, sowie im Schloss

von Friedrichshafen. Seiner Internationalität geschuldet

hatte er auch private Aufgeber in England und in Rom,

wo er zusammen mit Joseph Anton Koch und Christian

Xeller lernte. Die Darstellung basiert auf einem Portrait

von Johann-Baptist Lampi von 1794. Sophie Dorothee,

die spätere Zarin Maria Feodorowna, wurde am 25.

Oktober 1759 als württembergische Prinzessin in Stettin

geboren. Der Vater, Friedrich Eugen von Württemberg,

stand zu dieser Zeit als General in preußischen

Diensten. Ihre Großmutter war eine Schwester Friedrichs

des Großen. Aus der Ehe Friedrich Eugens mit

Friederike Dorothea von Brandenburg-Schwedt gingen

insgesamt zwölf Kinder hervor. Mehr als 20 Jahre

lebte die Familie in Mömpelgard. Nach dem Tod seiner

beiden älteren Brüder wurde Friedrich 1795 regierender

Herzog von Württemberg. Sophie Dorothee heiratete

am 7. Oktober 1776 in St. Petersburg den russischen

Großfürsten und Thronfolger Paul. Beim Übertritt

zum orthodoxen Glauben erhielt sie den Namen Maria

Feodorowna. In russischen Diensten befanden sich

noch weitere Familienmitglieder, darunter Bruder

Friedrich, der spätere erste König von Württemberg.

Maria und ihr Gatte lebten zunächst abgeschnitten von

Politik und Regierung in St. Petersburg auf Schloss

Gatschina, später in Pawlowsk. Das Paar hatte zehn

Kinder, wobei die beiden ältesten Söhne zur Erziehung

an Zarin Katharina übergeben werden mussten. Katharina

und ihr Sohn standen in einem spannungsvollen

Verhältnis, doch scheint Maria einen wohltuenden

Einfluss auf den unausgeglichenen und launenhaften

Paul ausgeübt zu haben. Nach dem Tod Katharinas

1796 zog der neue, durch die Französische Revolution

aufgeschreckte und zunehmend despotische Zar den

Unmut des Adels auf sich. Er starb fünf Jahre später

während eines Staatsstreichs. Wurde Maria bis dahin

als zurückhaltend beschrieben, begann mit dem Leben

als Kaiserinwitwe und Mutter des Zaren Alexander I.

eine neue Ära. Sie behauptete ihren Platz in der Öffentlichkeit,

sicherte sich eine vorrangige Stellung gegenüber

der Gattin Alexanders und begann über ihn auch

politisch Einfluss zu nehmen. Ihr Hof in Pawlowsk,

knapp eine Tagesreise von Petersburg entfernt, wurde

zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum.

Nach dem Tod Alexanders I. bestieg Marias zweitjüngster

Sohn Nikolaus den Thron, der die konservative

Politik des Zarenhauses fortführte. Ihre Tochter Katharina

heiratete 1816 den späteren württembergischen

König Wilhelm I. Auf dem hier angebotenen Gemälde

sitzt sie unter einem tannengrünen Ehrentuch, das

Portrait ihres Gatten in einem Medaillon auf ihrer

Brust, in der rechten Hand, die auf einem roten

Samtkissen ruht, hält sie einen zusammengeklappten

Fächer.

Literatur:

Vgl. Marianna Butenschön Maria, Kaiserin von Russland.

Die Württembergerin auf dem Zarenthron,

Darmstadt 2015. (1321911) (13)

JOSEPH ANTON VON GEGENBAUR,

1800 1876

PORTRAIT OF MARIA FEODOROVNA (1759 1828),

SOPHIE DOROTHEA AUGUSTE LUISE, PRINCESS

OF WÜRTTEMBERG

Oil on canvas.

116 x 97 cm.

Signed “Gegenbaur nach Lampi” lower left and dated

“1867“.

Literature:

cf. Marianna Butenschön, Maria, Kaiserin von Russland.

Die Württembergerin auf dem Zarenthron,

Darmstadt 2015.

€ 25.000 - € 30.000

Sistrix

INFO | BID

248 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


368

LORENZO TIEPOLO,

1736 VENEDIG 1776

DAS KONZERT

Pastell auf Papier, auf Leinwand.

30,5 x 41 cm.

Verso fälschlich später bezeichnet „117 du Catalogur

Rosalba“.

Dem Gemälde ist eine ausführliche dokumentierende

Beschreibung von Bozena Anna Kowalczyk beigegeben,

mit dem Verweis, dass das Werk in das in Vorbereitung

befindliche Werkverzeichnis aufgenommen

wird. Darin ausführliche Literaturdokumentation.

Darstellung zweier junger musizierender Figuren, die

eng hintereinander positioniert, nur in Kopfbildnissen

gezeigt sind. Im Vordergrund vertieft sich ein Mädchen

aufmerksam in ein Notenblatt, das einem aufgestellten

Buch aufliegt. Das dunkle, leicht lockige Haar mittelgescheitelt,

mit einem schmalen rosafarbenen Band

durchzogen. Über ihre entblößte Schulter zieht ein

breites goldenes Halsband mit Rechteckgliedern, mit

Perlen besetzt. Dahinter der im Profil wiedergegebene

Kopf eines Jünglings mit braunem Haar, der das

Griffbrett eines Saiteninstruments umgreift, wohl einer

Laute. Ob das Mädchen das Notenblatt für Gesang

betrachtet oder ein im Bild nicht sichtbares Tasteninstrument

bedient, lässt sich nicht bestimmen. Ihr

hellblaues Tuch, das ihre linke Schulter bedeckt und

sich hinter dem Rücken fortsetzt, gibt eine Farbnote,

die der Helligkeit der Pastellwirkung entgegenkommt.

Die Darstellung des Paares vermittelt den lebensnahen

Eindruck unbeobachteter Intimität. Die Zartheit

in der Wiedergabe der Gesichter findet in der Wahl

der lichten Pastellfarben ihre Entsprechung.

Das Pastell, das ganz den Charme des Venezianischen

Rokoko eingefangen hat, zusammen mit der Sanftheit

der Gesichter, ist zweifellos als ein Werk von Rang

anzusehen.

Der Maler Lorenzo Baldissera Tiepolo war von zehn

Kindern ein jüngerer Sohn des Giovanni Battista

Tiepolo (1696-1770) und der Maria Cecilia Guardi, sowie

Bruder des Giovanni Domenico (1727-1804). Aus

seiner kurzen Lebens- und Wirkungszeit sind uns

auch nur entsprechend wenige Werke überkommen.

Allen jedoch ist sein charakteristischer, hellfarbiger

Stil gemeinsam, der nicht zuletzt in den Pastellen

auch in der Nähe der Malerin Rosalba Carriera zu sehen

ist. Wie Domenico war er Schüler des Vaters, den

beide auf den Reisen nach Würzburg (Treppenhaus)

und Madrid begleiteten und an dessen Werken mitwirkten.

Lorenzo hatte sich allerdings von dem Malstil

seines Vaters weitgehend befreit, nahm Anregungen

von Giovanni Battista Piazzetta (1683-1754) auf und

arbeitete sowohl in Pastell-, als auch in Öltechniken,

schuf aber auch Radierungen. Schon vor seiner Reise

zusammen mit dem Vater nach Madrid machte er sich

einen Namen als Portraitist, wobei die Bildnisse seiner

eigenen Familie (1761-1762) bekannt geworden

sind. Von einer Reihe seiner Pastelle, die 1773 und im

Folgejahr entstanden, sind 26 bekannt geworden,

zwölf davon finden sich in den Königlichen Nationalsammlungen

Spaniens. A.R.

Provenienz:

Firino-Martell-Collection, Frankreich. (1320042) (11)

250 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


LORENZO TIEPOLO,

1736 VENICE 1776

THE CONCERT

Pastel on paper, laid on canvas.

30.5 x 41 cm.

The painting is accompanied by a detailed description

by Bozena Anna Kowalczyk, with the reference that

the work will be included in the forthcoming catalogue

raisonné. Detailed bibliography also included.

Provenance:

Firino-Martell Collection, France.

€ 50.000 - € 70.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

251


369

FRANÇOIS BOUCHER,

1703 1770 PARIS

Der Maler gehört zu den bedeutensten Künstlern des

französischen Rokoko, war Hofmaler Ludwigs XV, gefördert

durch die Marquise de Pompadour. 1720 studierte

er bei François le Moyne (1688-1737), er erhielt

bereits 1723 einen ersten Preis der Académie Royale

sowie den Grand Prix de Rome, der ihm eine Studienreise

nach Italien ermöglichte. Ab 1755 wirkte er zudem

als künstlerischer Leiter der Manufacture royale

des tapisseries und war um 1765 bereits erster Hofmaler

des Königs sowie 1761 Rektor der Königlichen

Akademie.

L‘OISELEUR, UM 1730

Öl auf Leinwand.

54,5 x 46 cm.

Verso mit alten Galerieetiketten „Galerie Carleux Mai-

Juni 1964“ mit „Nr. 6, Galerie Charpentier, L‘Enfance,

1949“ sowie Sammlungsnummer „487“.

In aufwändigem Louis XV-Rahmen.

Alastair Lang und Françoise Joulie bestätigen die

Autorschaft des Künstlers.

Dieser junge Vogelfänger, der einen Spatz in der linken

Hand hält, ist eines der frühen Werke von François

Boucher (1703-1770). Bevor er zum Rokokomaler

wurde und damit die sinnliche Kunst verkörperte, die

im Frankreich Ludwigs XV (1710-1774) aufblühte, war

Bouchers Frühwerk deutlich von flämischen Malern,

dem Malerischen und Genreszenen beeinflusst.

Boucher war während seines Aufenthalts in Italien

von 1727 bis 1731 als Künstler bekannt, der in flämischer

Manier arbeitete. Nach seiner Rückkehr nach

Frankreich in den Jahren 1732 bis 1734 sollten zwei

große Aufträge diese nördliche Sensibilität beflügeln.

Der erste war eine Reihe von humoristischen Zeichnungen,

die die Bücher von Molière (1622-1673) illustrieren

und als Vorlagen für Stiche dienen sollten. Das

zweite ist ein Livre d‘étude mit Kompositionen nach

Abraham Bloemaert (1566-1651), die Boucher selbst

gestochen hat (H. Voss, S. 82). Auch wenn diese Anleihen

bei den niederländischen Künstlern des vorangegangenen

Jahrhunderts in den Werken Bouchers

aus diesem Jahrzehnt besonders deutlich werden,

bleibt er doch ein Künstler seiner Zeit, der den trivialen

Themen seiner nördlichen Vorgänger oft einen lebendigen,

frivolen und sinnlichen Charakter verleiht.

Insbesondere das Motiv des Vogelfängers enthält direkte

Anspielungen auf Verführung und Sexualität,

wie in einer anderen Version deutlich wird, in der ein

junger Vogelfänger das Tier an ein junges Mädchen

übergibt, das es in einen Käfig steckt („The bird nesters“,

Christie‘s, New York, 23. Oktober 2012, Lot 89).

Als Gegenstück mag einst die Darstellung eines Mädchens

gedient haben, das einen Käfig gehalten haben

könnte. Die sehr lebhafte Pinselführung unseres Gemäldes

(die laut Hermann Voss an Frans Hals (1582-

1666) erinnert) findet sich auch in einem Gemälde,

das kürzlich von Christie‘s auf den Markt gebracht

wurde: „Der Landschaftsmaler“ (Christie‘s, Auktion,

New York, 19. April 2018, Lot 35), in dem wir ebenfalls

eine schwere und verstärkte Linie im Kontext

eines eher rustikalen Themas finden. Schließlich

schlug Hermann Voss eine Verbindung zwischen dem

Modell unseres Bildes und dem jungen Mann mit

dem großen Filzhut in „La cuisinère et le jeune

garçon“ vor, das sich einst in der Sammlung C. E.

Riche befand. (†)

Provenienz:

Sammlung Madame R. M..., 1945 (laut einem Ausstellungskatalog

von 1945).

Galerie Cailleux, Paris, Frankreich.

Französischer Adelsbesitz, Paris, Frankreich, 1957.

Französische Kunstsammlung.

Ausstellungen:

Paris, Galerie Cailleux, Peintures de la réalité au 18e

siècle, 1945, Nr. 4.

Paris, Galerie Charpentier, L‘enfance, 1949, Nr. 31.

Paris, Galerie Cailleux, François Boucher. Premier

Peintre du Roi, 1964, Nr. 6.

Literatur:

Das hier angebotene Gemälde ist abgebildet in: Hermann

Voss, „François Boucher‘s Early Development“

in: The Burlington Magazine, März 1953, XCV, 600,

S. 90, Schwarzweißabb. Nr. 72. (1321132) (13)

FRANÇOIS BOUCHER,

1703 - 1770 PARIS

L’OISELEUR, CA. 1730

Oil on canvas.

54.5 x 46 cm.

Old gallery labels on the reverse “Galerie Carleux

May June 1964” with “no. 6, Galerie Charpentier,

L’Enfance, 1949” and collection number “487”.

Alastair Lang and Françoise Joulie confirming the artist’s

authorship. (†)

Provenance:

Collection Madame R. M..., 1945 (according

to an exhibition catalogue from 1945).

Galerie Cailleux, Paris, France.

French aristocratic estate, Paris, France 1957.

French art collection.

Literature:

The painting on offer for sale here is illustrated in:

Hermann Voss, ‘François Boucher’s Early Development’,

in: The Burlington Magazine, March 1953,

XCV, 600, p. 90, monochrome illustration no. 72.

Exhibitions:

Paris, Galerie Cailleux, Peintures de la réalité au

18e siècle, 1945, no. 4.

Paris, Galerie Charpentier, L’enfance, 1949, no. 31.

Paris, Galerie Cailleux, François Boucher. Premier

Peintre du Roi, 1964, no. 6.

€ 120.000 - € 150.000

Sistrix

INFO | BID

252 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


370

GASPAR PETER VERBRUGGEN D. J.,

1664 ANTWERPEN 1730, ZUG.

Gemäldepaar

STEINVASEN MIT BLUMENGEBINDEN

UND VOR FRÜCHTEN VOR BEWALDETER

FLUSSLANDSCHAFT

Öl auf Leinwand. Doubliert.

Je 79,4 x 65 cm.

In vergoldetem Prunkrahmen.

Jeweils mit Plexiglasscheibe hinterlegt.

Das erste Gemälde zeigt eine, auf zweistufigem braunen

quadratischen Sockel stehende graue Steinvase

mit eingezogenem Fuß, vor weiter Flusslandschaft mit

Bäumen und einem antiken Gebäude, vor einem hohen

Gebirgsmassiv. Die leicht auf der linken Seite

angeordnet stehende Vase mit prachtvollem Blumenarrangement

von zusammenhängenden Blüten girlanden

und am Boden vor dem Sockel eine Rispe mit hellen

Trauben, eine geöffnete Feige und ein kleiner Zweig

mit leuchtend roten glänzenden Kirschen. Die farbenfrohen

Blumen bestehen u.a. aus blauer Iris, Rosen,

Tulpen, einer weißen Lilie, Rittersporn, roter Amaranth,

weißem Schneeball und am Sockel einer rot leuchtenden

Königskrone.

Auf dem zweiten Gemälde erneut eine prachtvolle

Vase mit eingezogenem Fuß, auf einem zweistufigen

hellbraunen quadratischen Sockel am Boden stehend

in Flusslandschaft mit antiken Gebäuden, unter

hohem, sommerlich hellblauen Himmel mit gelb lichweißen

Wolkenformationen. Die Vase reich geschmückt

mit mehreren Blumengebinden, sowohl an

der Mündung als auch auf dem Korpus verteilt. Zu

den prachtvollen, leuchtenden roten, gelben, weißen

und blauen Blumen gehören hier Narzissen, gelbe

und blaue Iris, Amaranth, Anemonen, Nelken und

zweifarbige Tulpen. Auf dem Boden im Vordergrund vor

dem Sockel liegen Äpfel, Pflaumen und Birnen. In typisch

barocker Manier stellen die beiden Blumen- und

Früchtestillleben mit Vase einen Idealzustand dar, in

dem Frühlings-, Sommer- und Herbstblüten sowie

Früchte zusammengeführt werden. Von ganz besonderer

Wirkung ist das Weiß einzelner Blüten, wie den

Schneeglöckchen, dem Schneeball, der weißen Lilie

und den weißen Narzissen und Anemonen, die sich

aus der zarten Buntheit der übrigen Blüten hervorheben.

Qualitätvolle feine Malerei in der für den Künstler

typischen Art und Weise.

Provenienz:

Verso jeweils zwei ältere Aufkleber:

Leger Galleries, London, März 1972, mit Künstlernennung

und Betitelung.

Richard Tream, London, erneut mit Künstlernennung

und Betitelung. (13218833) (18)

254 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


GASPAR PETER VERBRUGGEN THE YOUNGER,

1664 ANTWERP 1730, ATTRIBUTED

Pair of paintings

STONE VASES WITH FLORAL BOUQUET AND

FRUIT IN A FORESTED RIVERSCAPE

Oil on canvas. Relined.

79.4 x 65 cm each.

In magnificent gilt frame.

Each under acrylic glass.

Provenance:

Two older labels on the back:

Leger Galleries, London, March 1972, with artist

name and title.

Richard Tream, London, with artist name and title.

€ 40.000 - € 60.000

Sistrix

INFO | BID

Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com

255


371

JOHANN ELEAZAR SCHENAU,

1737 GROSSSCHÖNAU 1806 DRESDEN

DAS ZERBROCHENE GESCHIRR

Öl auf Leinwand.

48 x 38 cm.

Links unten (auf dem Tuchzipfel) signiert „Schenau

1767“.

Im original vergoldeten Rahmen, darauf graviertes

Künstlernamensschild.

Das Gemälde zählt zu jener Reihe von Genrebildern,

bei denen sich der Maler auch den intimen Situationen

der Gesellschaft gewidmet hat, wenngleich er aufgrund

seiner Karriere bereits Aufträge für hochhöfische

Portraits auch am französischen Hof erhalten hatte.

Von C. FR. de Silvestre am Dresdener Hof und in

Paris an der Académie royale de peinture et de sculpture

ausgebildet, im Freundeskreis von Boucher oder

de La Tour, erreichte er alsbald einen hohen Bekanntheitsgrad.

Nicht unerheblich für seine Feinmalerei

dürfte seine Tätigkeit in der Porzellanmalerei in Sèvres

gewesen sein. In Paris wurde er als einer der angesehensten

Genremaler bekannt, schuf Portraits von Maria

Josepha und der Madame de Pompadour.

Das Genrebild zeigt mit originellem, der Zeit entsprechend

erzählerischem Inhalt das Innere einer Bürgerstube.

Eine junge Mutter sitzt im Bildzentrum hell

beleuchtet vor dunklem Hintergrund neben ihrem

Kleinkind, das sich ängstlich in die weiße Schürze

hüllt, dahinter ein etwas älterer Knabe, der sich angstvoll

hinter seinem Buch versteckt, während der Vater

links auf zerbrochenes Geschirr und eine Flasche am

Boden weist, die Zuchtrute in der rechten Hand. Dagegen

bittet die junge Mutter lächelnd um Milde. Im

Hintergrund stillebenhaft arrangierte Gefäße, Weinglas,

Weinflasche und Brot vor der Öffnung eines

gemauerten Ofens.

Provenienz:

Dieses Gemälde war Leihgabe in Köln, Wallraf-

Richartz- Museum, Inv.Nr. Dep. 543 (Inventar 1925).

Deutschland, Privatbesitz.

Anmerkung:

Als Beigabe ein seitenverkehrter Stich von Claude

Duflos (1700-1786), betitelt “La mère qui intercède“,

hinter Glas gerahmt, 70,2 x 54 cm (siehe kl. Abb).

Literatur:

Original dieses Gemälde ist abgebildet in: Das Kabinett

des Sammlers, Gemälde vom XV. bis XVIII.

Jahrhundert, S. 301, 302, 303.

Weitere Literatur:

W. J. Schmidt, Johann Eleazar Zeissig, gen. Schenau

(1737-1806), Phil. Diss. Heidelberg 1926, Abb. 6, S. 37

f., Nr. 57 der Grafiken (zu La crédulité sans réflexion),

Nr. 22 der Grafiken (zu La mère qui intercède).

W. Becker, Paris und die deutsche Malerei 1750 - 1840,

München/ Passau 1971, S. 21 ff.

H. Th. Schulze Altkappenberg, „Le Voltaire de l‘Art“

Johann Georg Wille (1715-1808) und seine Schule in

Paris: Studien zur Künstler- und Kunstgeschichte der

Aufklärung, (Kunstgeschichte: Form und Interesse,

16), Münster 1987, S. 346 f.

Vergleiche:

G. Zick, Der zerbrochene Krug als Bildmotiv des 18.

Jahrhunderts, Wallraf-Richartz-Jahrbuch, 1969, 31,

S. 149-204, bei J. B. Greuze findet sich das Motiv

der „cruche cassée“ als Einfiguren-Stück 1777 (Paris,

Louvre). Einer ähnlichen Metaphorik bedient sich das

frühe Werk „Les Œufs cassés“ (1756, New York,

Metropolitan Museum of Art), wobei ein Korb mit

zerbrochenen Eiern das vorgängige erotische Verhältnis

zwischen der betrübten Magd und dem jungen

Mann andeutet. „La réussite“, vgl. Becker 1971,

Abb. 3 Schmidt, Johann Eleazar Zeissig-Schenau

(1737 - 1806), Phil. Diss. Heidelberg 1926, S.36 und

Anhang I, 1. (1281455) (11)

JOHANN ELEAZAR SCHENAU,

1737 GROSSSCHÖNAU 1806 DRESDEN

BROKEN DISHES

Oil on canvas.

48 x 38 cm.

Signed “Schenau 1767” (on corner of the cloth)

lower left.

Provenance:

This painting was on loan at the Wallraf-Richartz-

Museum, Cologne, inv. no. Dep. 543 (1925 inventory).

Private property, Germany.

Notes:

Accompanied by a side-inverted engraving by Claude

Duflos (1700-1786), titled “La mère qui intercède”,

framed under glass, 70.2 x 54 cm (see small ill.).

Literature:

The painting is illustrated in: Das Kabinett des

Sammlers, Gemälde vom XV. bis XVIII. Jahrhundert,

p. 301, 302, 303.

€ 10.000 - € 14.000

Sistrix

INFO | BID

Beigegeben Stich von Claude Duflos

258 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


372

FRANZÖSISCHER MEISTER UM 1800

PRACHTVOLLES BLUMENSTILLLEBEN IN VASE

Öl auf Holz. Parkettiert.

60 x 47 cm.

In Prunkrahmen.

Vor dunklem Hintergrund auf einer Holzplatte stehend,

eine bauchige Glasvase, deutlich erkennbar zur

Hälfte mit Wasser gefüllt, und darin das prachtvolle

Blumenarrangement. Dieses besteht aus zarten Rosen,

gestreiften Tulpen, Nelken, Primeln, Ackerwinde,

gelben Zinien, Chrysanthemen, diversen Kleinblütlern

und einer großen, nach rechts oben ragenden blauweißen

Schwertlilie, auf der eine kleine Fliege sitzt.

Teils ragen die Blumen über den Vasenrand auf die

Platte herab. In der Bildmitte belebt eine kleine

Schnecke die Komposition. Auch der Künstler selbst

hat sich hier verewigt: Auf der Spiegelung auf der

Glasvase ist er vor einem Fenster bei der Arbeit vor

seiner Staffelei wiedergegeben. Feine Malerei in harmonischer

Farbgebung im Stile der Alten Meister.

Teils Randretuschen. (1320644) (18)

FRENCH SCHOOL, CA. 1800

MAGNIFICENT FLORAL STILL LIFE IN VASE

Oil on panel. Parquetted.

60 x 47 cm.

Fine painting in harmonious colouration in the style

of Old Masters.

€ 6.000 - € 8.000

Sistrix

INFO | BID

260 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.


CATALOGUE III

OLD MASTER PAINTINGS PART 2

Please click here to browse the next catalogue:

ONE OF THE LEADING AUCTION HOUSES IN EUROPE

CATALOGUE III

OLD MASTER PAINTINGS PART 2

Auctions: Thursday, 30 June 2022

Exhibition: Saturday, 25 June Tuesday, 28 June 2022

Hooray! Your file is uploaded and ready to be published.

Saved successfully!

Ooh no, something went wrong!