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www.oeh-leoben.at/de/diagonal<br />
presse@oeh.unileoben.ac.at<br />
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Auf zwei Rädern zum Erfolg<br />
Studierende der Montanuniversität nahmen bei der internationalen Rennserie<br />
„MotoStudent“ mit einem selbst konstruierten und gebauten Motorrad-Prototypen teil. In<br />
ihrer Kategorie mussten sich die Studierenden mit 30 anderen Teams messen, darunter<br />
einige Uni-Teams mit langer und erfolgreicher Rennsporterfahrung. Umso eindrucksvoller<br />
wirkt der erzielte 2. Platz, wenn man bedenkt, dass die Montanuniversität das erste<br />
Mal, als erstes und einziges österreichisches Team, teilnahm. Das Projekt ist nicht nur<br />
für motorsportbegeisterte Studierende eine Herausforderung, sondern stellt auch die<br />
effiziente und nachhaltige Verwendung von Roh- und Werkstoffen in den Mittelpunkt.<br />
Vor fast zwei Jahren schloss sich eine Gruppe begeisterter Studierender verschiedenster<br />
Studienrichtungen rund um Teamleiter Michael Tittler zusammen und fasste den Entschluss,<br />
bei „MotoStudent“ teilzunehmen. Nach unzähligen Arbeitsstunden am Schreibtisch<br />
und in der Werkstatt wurde das Bike in Leoben gebaut und schließlich nach Alcañiz<br />
(Spanien) transportiert, wo der Abschlussbewerb stattfand. In diesem mit viel Spannung<br />
erwarteten Bewerb konnte das Leobener Team den hervorragenden zweiten Platz der<br />
Gesamtwertung erringen. Dazu gab es als Draufgabe auch den Preis des besten Newcomer-Teams<br />
sowie den dritten Platz in der Race-Wertung. Ein wahrer Pokal-Regen für<br />
die Leobener Studierenden!<br />
10 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
MotoStudent<br />
Der internationale MotoStudent-Wettbewerb ist eine aufregende Herausforderung, die<br />
Studententeams vorrangig aus Spanien und Italien, aber auch Deutschland, Kanada,<br />
Brasilien oder Indien dazu anregt, ihr akademisches Wissen in einem praktischen Umfeld<br />
anzuwenden, indem sie einen echten Rennmotorrad-Prototypen entwerfen, entwickeln<br />
und herstellen. Der finale Wettkampf findet schließlich im Motorland Aragón statt,<br />
bei dem die Rennfahrer mit den Motorädern mit bis zu 200 Stundenkilometer um die<br />
begehrten Trophäen kämpfen.<br />
Montan Factory Racing<br />
Das Leobener Rennteam mit dem Namen „Montan Factory Racing“ besteht aus 13 Studierenden,<br />
die meisten aus dem Fach Maschinenbau. Das Team punktete mit seinem<br />
Motorrad besonders in den Kernkompetenzen der Montanuni: Leichtbau resultierend<br />
aus einem umfangreichen Werkstoffverständnis und einer maschinenbaulich ausgeklügelten<br />
Konstruktion.<br />
Die vordere Gabel des Motorrads zum Beispiel wurde von den Studierenden einstellbar<br />
in ihrem Winkel konstruiert. Somit kann das Fahrverhalten innerhalb kürzester Zeit<br />
optimiert werden, was die Jury schon in ihrer ersten Begutachtung überzeugte. Die<br />
Verwendung von additiv gefertigten Aluminiumteilen, hergestellt an der Montanuniversität,<br />
sorgten für weitere Aufmerksamkeit rund um das Montan Factory Racing-Bike. Die<br />
sicherheitskonforme Verwendung dieser 3D-gedruckten Teile wurde vorschriftsgemäß<br />
von den Studierenden in zahlreichen Versuchen im Betriebsfestigkeitslabor an der Montanuni<br />
nachgewiesen.<br />
Am Schluss der Bemühungen steht ein vollwertiges Rennmotorrad, welches mit seinen<br />
98 Kilogramm ein echtes Leichtgewicht ist und auf eindrucksvolle Weise zeigt, wie man<br />
die vorgegebene Motorleistung möglichst effizient und nachhaltig auf den Asphalt bringt.<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Benefit für die Studierenden<br />
„Für die Studierenden ist das ein einzigartiges Erlebnis. Der Lerneffekt während des<br />
Projekts bei der regelkonformen Auslegung, Konstruktion und Fertigung des Motorrads<br />
sowie bei Organisation, Management und Teamarbeit ist unvergleichlich. Meiner<br />
Meinung nach ist das ein Riesenlerneffekt, welcher selten so im Hörsaal durchgeführt<br />
werden kann“, ist Dr. Michael Pusterhofer vom Lehrstuhl für Allgemeinen Maschinenbau<br />
und Universitätskoordinator für „Montan Factory Racing“ überzeugt.<br />
Weitere Informationen<br />
Dr. Michael Pusterhofer<br />
Lehrstuhl für Allgemeinen Maschinenbau<br />
Montanuniversität Leoben<br />
E-Mail: michael.pusterhofer@unileoben.ac.at<br />
Tel.: +43 3842 402 1467<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
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ERC Consolidator Grant für Leobener Metallurge<br />
Univ.-Prof. Dr. Stefan Pogatscher erhielt für seine Forschungen<br />
zu nachhaltigen Leichtmetalllegierungen<br />
den ERC Consolidator Grant. Nach dem ERC Starting<br />
Grant ist das die nächste wichtige Auszeichnung, die<br />
der Lebener Metallurge verliehen bekommt. Er ist an der<br />
Montanuni damit der erste Wissenschaftler, dem das gelungen<br />
ist.<br />
Erfolg mit Recycling von Metallen und Legierungen<br />
Pogatscher beschäftigt sich in seiner Forschung mit<br />
dem Recycling von Metallen und Legierungen. Seine<br />
Auszeichnung erhielt er für das Projekt HETEROCIRCAL<br />
(Intermetallic Phase Heterostructured Circular Aluminium<br />
Alloys).<br />
In der Metallurgie gilt der Grundsatz: Je reiner Metalle<br />
und Legierungen sind, desto besser sind ihre Eigenschaften.<br />
Mit der zunehmenden Bedeutung des Recyclings<br />
in der Werkstoffproduktion, steigt jedoch der Gehalt an Verunreinigungen. Bei<br />
Aluminium sind die Folgen besonders gravierend, da die meisten Elemente zur Bildung<br />
von spröden intermetallischen Phasen führen. Außerdem ist es nahezu unmöglich, einmal<br />
in das Aluminium gelangte Verunreinigungen wieder zu entfernen. „Das Projekt<br />
HETEROCIRCAL zielt darauf ab, das Paradigma der „schädlichen“ Verunreinigungen<br />
zu durchbrechen und deren Wirkung ins Positive zu verkehren“, erklärt der erfolgreiche<br />
Forscher.<br />
Die größte Herausforderung besteht in der Entwicklung praktikabler Mittel zur Herstellung<br />
vorteilhafter Strukturen aus intermetallischen Phasen, die in großem Maßstab<br />
anwendbar sind. Diese Aufgabe wird gelöst, indem die intermetallischen Phasen<br />
während der Erstarrung und der Festkörperverarbeitung manipuliert werden.<br />
„Wir gehen davon aus, dass das Projekt HETEROCIRCAL Recyclingprobleme lösen<br />
könnte“, ist Pogatscher zuversichtlich. Beispielsweise wurden im Jahr 2017 weltweit fast<br />
100 Millionen Autos produziert. Bis zu 40 verschiedene Aluminiumlegierungen sowie<br />
Kupfer und Stähle wurden bisher in Autos verwendet. Für das Recycling von Altfahrzeugen<br />
bedeutet diese komplexe Materialmischung, dass hochreine Legierungen nur zu<br />
niedrigreinen gegossenen Motorblöcken downgecycelt werden konnten. „Es stellt sich<br />
die Frage, was passiert, wenn die Zahl an Motorblöcken aufgrund der Zunahme von<br />
Elektrofahrzeugen zurückgeht. Genau dafür soll HETEROCIRCAL Lösungen bieten, sodass<br />
zum Beispiel aus Motorblöcken wieder Autotüren entstehen“, skizziert Pogatscher<br />
die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten.<br />
12 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
Zur Person<br />
Stefan Pogatscher ist Universitätsprofessor für „Metallurgie nachhaltiger Leichtmetalllegierungen“<br />
und leitet seit 2022 das Department für Metallurgie an der Montanuniversität<br />
Leoben. Er promovierte 2012 an derselben Universität und war von 2012 bis<br />
2015 Post-Doc am Laboratory of Metal Physics and Technology der ETH Zürich. Seit<br />
2015 lehrt und forscht Pogatscher in Leoben, zunächst als Assistenzprofessor, dann<br />
als assoziierter Professor und von 2015 bis 2022 als Stiftungsprofessor für Werkstofftechnik<br />
von Aluminium. 2018 übernahm er zudem die Leitung des „Christian Doppler<br />
Laboratory for Advanced Aluminium Alloys“. Seine Forschungsschwerpunkte sind die<br />
Metallurgie nachhaltiger Leichtmetalle und die hochauflösende Materialcharakterisierung.<br />
Er erhielt bereits zahlreiche bedeutende Preise und ist der einzige Österreicher,<br />
der zweimal den Houskapreis gewonnen hat. Dem ERC Starting Grant 2017 folgt nun<br />
ein ERC Consolidator Grant im Jahr 2023, womit er der erste Wissenschaftler der Montanuniversität<br />
ist, dem dies gelingt.<br />
ERC Consolidator Grant<br />
Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) fördert themenoffene<br />
Pionierforschung, bei der die Grenzen zwischen Grundlagen- und angewandter<br />
Forschung sowie den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen aufgehoben sind. Alleiniges<br />
ERC Förderkriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz sowohl des Projekts als auch<br />
der Forscherin/des Forschers. ERC Consolidator Grants fördern exzellente junge Forscher*innen<br />
in jenem Stadium ihrer Karriere, in dem sie häufig noch ihre eigenständige<br />
Forschungsrichtung und/oder ihre eigene Forschungsgruppe aufbauen. Consolidator<br />
Grants können bis zu einem Höchstbetrag von 2.000.000 Euro für einen Zeitraum von<br />
fünf Jahren gewährt werden.<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Weitere Informationen<br />
Univ.-Prof. Dr. Stefan Pogatscher<br />
Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie<br />
E-Mail: stefan.pogatscher@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 5228<br />
Mobil: 0664 2418337<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
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Neuer Professor für Simulation metallurgischer<br />
Prozesse<br />
Prozesse für die Stahlerzeugung optimieren<br />
Bei Prozessen in der metallurgischen Industrie ist der<br />
Einsatz elektromagnetischer Felder weit verbreitet. Die<br />
Wechselwirkung zwischen den involvierten Fluiden<br />
(metallische Schmelzen, Salzschmelzen, Plasmen und<br />
Elektrolytlösungen) und elektromagnetischen Feldern<br />
führt zur elektrischen Induktion. Kharicha beschäftigt<br />
sich nun damit, diese metallurgischen Vorgänge direkt<br />
zu beeinflussen. „Wir versuchen Flüssigkeiten nicht mit<br />
dem Löffel, sondern mit Hilfe von magnetischen Feldern<br />
zu bewegen“, erläutert der neue Professor. Wichtig ist vor allem die Simulation dieser<br />
Prozesse und die Erstellung von Berechnugsmodellen.<br />
Forschungsgeleitete Lehre im Mittelpunkt<br />
Für Kharicha ist es besonders wichtig, dass die Studierenden nach einer Vorlesung<br />
eine klare Idee davon haben, was sie gelernt haben und wie sie ihre Erkenntnisse umsetzen<br />
können. Die internationale Vernetzung spielt in der metallurgischen Industrie<br />
eine entscheidende Rolle. „Wir sind hier schon sehr gut vernetzt, werden aber unsere<br />
Aktivitäten in diesem Bereich weiter ausbauen“, bekräftigt Kharicha.<br />
Zur Person<br />
Der in Marokko geborene Kharicha kam im Alter von drei Jahren nach Frankreich, wo<br />
er auch bis zu seinem Doktorat seine Ausbildung absolvierte. Nach einem PostDoc in<br />
Großbritannien kam er an die Montanuniversität an der Lehrstuhl für Modellierung und<br />
Simulation metallurgischer Prozesse. Seit 2018 leitet er das CD-Labor für magnetohydrodynamische<br />
Anwendungen in der Metallurgie.<br />
Weitere Informationen<br />
Univ.-Prof. Dr. Abdellah Kharicha<br />
Lehrstuhl für Modellierung und Simulation metallurgischer Prozesse<br />
E-Mail: abdellah.kharicha@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 3115<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
14 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
Roadmap für nachhaltigen Bergbau<br />
Kürzlich konnte das EU-Projekt SUMEX<br />
(Sustainable Management in Extractive<br />
Industries) nach 36 Monaten erfolgreich<br />
abgeschlossen werden. Im Rahmen des<br />
Projektes wurde eine Roadmap für eine<br />
nachhaltige mineralgewinnende Industrie<br />
in Europa geschaffen und dazu eine<br />
Datenbank mit Best-Practice-Beispielen<br />
erstellt.<br />
Kriterien definieren<br />
Die wichtigste Frage, die sich am Beginn des Projektes gestellt hat, war: Welche Kriterien<br />
muss ein Bergbaubetrieb erfüllen, um als nachhaltig zu gelten? Im ersten Schritt<br />
wurden dazu Best-Practice-Beispiele gesammelt. „Das können zum Beispiel technologische<br />
Innovationen sein, die den Umwelteinfluss eines Bergbaubetriebes maßgeblich<br />
verringern“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Michael Tost, der seitens der Montanuniversität das<br />
Projekt leitete. Diese wurden in einer Datenbank – immerhin 370 Beispiele – gespeichert,<br />
die frei zugänglich ist. Weiters wurde ein Massive Open Online Course (MOOC) ausgearbeitet,<br />
der diese Beispiele im Rahmen des Kurses einer interessierten Öffentlichkeit<br />
zugänglich macht und der nun nach dem Ende des Projektes in die RawMaterials Academy<br />
des EIT Raw Materials eingegliedert wird.<br />
Weitere Schritte<br />
Ein wichtiger Output ist die möglichst große Verbreitung der Roadmap und der Best-<br />
Practice-Beispiele. „Aus dem Projekt heraus sind Netzwerke entstanden, die ihre Erfahrungswerte<br />
auch in zukünftige Projekte einfließen lassen wollen“, erklärt Tost. Vor allem<br />
der MOOC wird sehr gut angenommen, die Zielgruppe sind Behörden, Wissenschaftler*innen,<br />
Bergbauunternehmen und NGOs. Auch in der Lehre hat der Kurs bereits Einzug<br />
gehalten: „Studierende der Montanuniversität haben bereits den Kurs gemacht und<br />
waren davon begeistert“, freut sich der Professor.<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Projekt SUMEX<br />
Das EU-Projekt SUMEX lief als EU finanziertes Horizon 2020 Projekt und dauerte 36 Monate.<br />
Der Lehrstuhl für Bergbaukunde, Bergtechnik und Bergwirtschaft und das Außeninstitut<br />
der Montanuniversität leiteten das Projekt. Weitere Partner kamen aus Spanien,<br />
Belgien, Deutschland, Estland, Schweden und Finnland.<br />
Weitere Informationen<br />
Univ.-Prof. Dr. Michael Tost<br />
Lehrstuhl für Bergbaukunde, Bergtechnik und Bergwirtschaft<br />
E-Mail: michael.tost@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 2091<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
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Sensationelles Ergebnis im Shanghai-Ranking für<br />
Montanuni<br />
Im kürzlich veröffentlichten Shanghai-Ranking erreichte die Montanuniversität<br />
Leoben im Bereich „Metallurgie“ ein sensationelles Ergebnis. In Europa platzierte<br />
sie sich herausragend hinter drei englischen und einer deutschen Universität,<br />
international bedeutet dies den hervorragenden 21. Platz. Gegenüber<br />
dem Vorjahr verbesserte sich die Montanuniversität damit nochmals um<br />
drei Ränge.<br />
Große Bedeutung für die Montanuniversität<br />
Für die Montanuniversität ist dieses Ergebnis äußerst erfreulich, war es doch<br />
möglich, sich vor so bedeutsamen europäischen Institutionen wie die RWTH<br />
Aachen oder das Swiss Federal Institute of Technology Lausanne einzureihen.<br />
„Wir freuen uns sehr über dieses ausgezeichnete Ergebnis, womit Leoben<br />
als Forschungs- und Industriestandort zusätzlich aufgewertet wird. Damit<br />
bestätigt sich auch die hohe Qualität der Forschung sowie forschungsbasierten<br />
Lehre und, dass der Fachbereich der Metallurgie hohes internationales<br />
Ansehen genießt“, bekräftigt Univ.-Prof. Dr. Helmut Antrekowitsch, Vizerektor<br />
für Forschung und Nachhaltigkeit.<br />
16 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
Shanghai-Ranking<br />
Für das Ranking wurden Universitäten untersucht, die mehr als 100 Publikationen<br />
im jeweiligen Fachgebiet im Beobachtungszeitraum aufwiesen. Die<br />
Rankings verwenden eine Reihe von objektiven akademischen Indikatoren<br />
und Daten von Dritten, um die Leistungen von Universitäten weltweit in relevanten<br />
Fächern zu messen. Dies umfasst die Kriterien Forschungsleistung,<br />
Forschungseinfluss, internationale Zusammenarbeit, Forschungsqualität und<br />
internationale akademische Auszeichnungen. Vor allem die Anzahl der einflussreichen<br />
Zeitschriftenveröffentlichungen ist ein wichtiges Maß für den Forschungsoutput<br />
der Hochschulen in dem betrachteten Fachbereich.<br />
Auch wie oft ein Artikel von anderen Forscher*innen zitiert wird, fließt in<br />
die Berechnungen mit ein. Weitere Parameter sind die internationale Zusammenarbeit,<br />
die Anzahl der Veröffentlichungen in Top-Zeitschriften im<br />
Fachgebiet sowie bedeutende Auszeichnungen. Die Auswahl der Top-Journale<br />
und der internationalen akademischen Auszeichnungen basieren auf<br />
der von ShanghaiRanking durchgeführten Academic Excellence Survey<br />
(AES). „Im Gegensatz zu anderen Rankings spielen hier vor allem messbare<br />
qualitative Kriterien ein bedeutende Rolle und nicht unbedingt der<br />
subjektive Bekanntheitsgrad der Institutionen. Dadurch hat auch eine vergleichsweise<br />
kleine, spezialisierte Universität wie unsere eine gute Chance,<br />
im Spitzenfeld platziert zu sein“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Stefan Pogastcher,<br />
Leiter des Departments Metallurgie an der Montanuniversität Leoben.<br />
Link zum Ranking:<br />
https://www.shanghairanking.com/rankings/gras/2023/RS0227<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Weitere Informationen<br />
Univ.-Prof. Dr. Stefan Pogatscher<br />
Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie<br />
E-Mail: stefan.pogatscher@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 5228<br />
Mobil: 0664 2418337<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
17
Mobile Abwasseranlage als Showcase bei der<br />
Weltklimakonferenz<br />
Auf der in Dubai stattgefundenen<br />
Weltklimakonferenz (COP 28)<br />
wurde auch eine an der Montanuniversität<br />
Leoben entwickelte<br />
Technologie zur nachhaltigen Abwasseraufbereitung<br />
vorgestellt und<br />
betrieben.<br />
Diese mobile Anlage ist einzigartig.<br />
Sie wurde an der Montanuniversität<br />
entwickelt und mit einem Industriepartner<br />
umgesetzt. Sie ermöglicht<br />
die gleichzeitige Abscheidung<br />
von Stickstoff und Phosphor aus<br />
dem Abwasser, wobei die beiden<br />
Nährstoffe dann separat aus dem<br />
Prozess zurückgewonnen werden<br />
können.<br />
Gewinnung von Nährstoffen<br />
Mit der ReNOx-Technologie werden in Abwässern vorhandene, überschüssige Nährstoffe<br />
wie Stickstoff und Phosphor zurückgewonnen. Diese können dann als erneuerbare<br />
Rohstoffe in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden und dienen dann<br />
als Düngemittel. Dadurch werden Kläranlagen entlastet und andererseits die hohen<br />
Treibhausgas-Emissionen, die bei der Primärproduktion dieser Nährstoffe entstehen,<br />
vermieden. Die Idee zu dieser neuen Technologie wurde von assoz. Prof. Dr. Markus<br />
Ellersdorfer zusammen mit Dipl.-Ing. Kristina Stocker, ebenfalls Wissenschaftlerin an<br />
der Montanuniversität, entwickelt. Im Rahmen des FFG-Projektes „ReNOx“ wurde dazu<br />
eine mobile Containeranlage gebaut, welche an unterschiedlichen Einsatzorten getestet<br />
werden kann. Diese Anlage stand nun in Dubai, wo sie vom Industriepartner Christof<br />
Global Impact (CGI) präsentiert wurde.<br />
18 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
Nutzung im urbanen Raum<br />
Ein zentraler Baustein dieses von CGI auf der COP28 vorgestellten integrierten Abfallmanagementkonzepts<br />
(ReFarm), welches Städten und Gebieten ermöglicht, ihre<br />
Nachhaltigkeit zu verbessern und ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren, ist die intelligente<br />
Nutzung von Ressourcen, welche ansonsten über das Abwasser verloren gehen. Die<br />
Teilnehmer*innen der Weltklimakonferenz konnten sich zunächst auf der Konferenz über<br />
dieses Konzept informieren und hatten dann die Möglichkeit, die ReNOx-Forschungsanlage,<br />
welche nicht weit vom Tagungszentrum entfernt an einer Kläranlage aufgebaut<br />
wurde, auch live in Betrieb zu sehen. „Als sich uns diese Möglichkeit bot, haben wir<br />
gemeinsam alle Hebel in Bewegung gesetzt, die Anlage möglichst rasch nach Dubai<br />
zu bringen und dort einen geeigneten Standort zu finden,“ meint Ellersdorfer weiter. „Da<br />
Abwasser nicht überall gleich ist, hoffen wir so auch neue Erkenntnisse hinsichtlich der<br />
Einsetzbarkeit der Technologie in anderen Ländern außerhalb Europas zu gewinnen.“<br />
So sollte die ReNOx-Anlage im Anschluss an die COP28 noch weiter betrieben werden,<br />
um auch am neuen Standort die Möglichkeiten zur Nährstoffrückgewinnung weiter zu<br />
erforschen und eventuellen Interessent*innen einen genaueren Blick hinter die Technologie<br />
zu ermöglichen.<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Weitere Informationen<br />
assoz.Prof. Dr. Markus Ellersdorfer<br />
Lehrstuhl für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes<br />
Email: markus.ellersdorfer@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 5006<br />
Mobil: 0650 9742396<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
19
Erfolgreiche Bewerbung bei COMET-Projekten<br />
Die Montanuniversität darf sich über die Genehmigung von zwei COMET-Projekten<br />
freuen. Innovative Epoxidharze und grüner Zink stehen im Mittelpunkt der Forschungen.<br />
Sie ist auch an vier COMET-Modulen beteiligt.<br />
„Das COMET-Programm ist für Universitäten sehr wichtig. Ich freue mich sehr über<br />
die Genehmigung von zwei Projekten und auch über die Tatsache, dass die Monanuniversität<br />
an weiteren vier Modulen beteiligt ist“, zeigt sich Vizerektor für Forschung<br />
Univ.-Prof. Dr. Helmut Antrekowitsch begeistert.<br />
Innovative Epoxidharze aus biobasierten Rohstoffen<br />
Epoxidharze sind Hochleistungskunststoffe und werden schon jetzt in vielen Zukunftstechnologien<br />
eingesetzt. Ihre derzeitigen Ausgangsrohstoffe und Recyclingfähigkeit<br />
lassen aber noch Raum für Optimierung zu mehr Nachhaltigkeit. Das neue interdisziplinäre<br />
COMET Projekt bio-ART am Department für Kunststofftechnik an der Montanuniversität<br />
Leoben möchte diese Materialklasse nun revolutionieren und so dabei<br />
mitwirken, den EU-Green Deal zu erfüllen.<br />
Intelligente Mobilität, regenerative Energieerzeugung und -speicherung oder energie-<br />
und ressourceneffiziente Gebäudetechnik, all das sind Anwendungsgebiete von<br />
Epoxidharzen, die bereits jetzt einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung<br />
liefern. Sie werden derzeit allerdings hauptsächlich aus erdölbasierten und auch<br />
toxikologisch bedenklichen Rohstoffen hergestellt und sind stofflich nicht recycelbar.<br />
20 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
Ein interdisziplinäres Forschungsteam am Department für Kunststofftechnik (Projektleitung)<br />
möchte dies ändern: Ziel ist die Entwicklung leistungsstarker, umweltverträglicher,<br />
multifunktionaler und rezyklierbarer Epoxidharzsysteme auf Basis nachwachsender<br />
Rohstoffe. In drei miteinander verbundenen Arbeitsbereichen sollen Epoxidharze<br />
hergestellt werden, die bis zu 100 Prozent auf erneuerbaren regionalen Rohstoffen<br />
(z. B. Agrar- und Biomasseabfällen) basieren, in der Herstellung, Verarbeitung und<br />
Nutzung toxikologisch unbedenklich sind, mit hoher Energie- und Ressourceneffizienz<br />
hergestellt und verarbeitet werden können und für die Reparatur und/oder das Recycling<br />
geeignet sind. Die Forschungsarbeit ist voll auf den Prinzipien der „green chemistry“<br />
ausgerichtet. „Alle Aktivitäten zielen darauf ab, den ökologischen Fußabdruck<br />
zu verkleinern, indem man auf innovative und umweltverträgliche Rohstoffe setzt und<br />
neue, effiziente Produktionstechnologien erforscht. Dazu kommen auch Ökobilanzierungen<br />
zum Einsatz, die die Umweltauswirkungen der neuen Epoxidharze feststellen<br />
werden. Am Ende sollen Erkenntnisse zur Verfügung stehen, die eine zielgerichtete<br />
werkstoffliche Weiterentwicklung über das Projekt hinaus ermöglichen“, erklärt Projektleiterin<br />
assoz.Prof. Dr. Katharina Resch-Fauster.<br />
Green Cinc<br />
Zink ist ein allgegenwärtiges Metall und wird beispielsweise als Korrosionsschutz von<br />
Stahl im Bauwesen und der Automobilindustrie verwendet. In Europa werden pro Jahr<br />
rund 2,5 Millionen Tonnen Zink benötigt, aber lediglich 27 Prozent davon können aus<br />
europäischen primären Lagerstätten gewonnen werden. Infolgedessen besteht eine<br />
große Abhängigkeit von Asien und Südamerika. Um der Nachfrage gerecht zu werden,<br />
wird Zink teilweise durch Recycling von Altprodukten gewonnen. Das direkte<br />
Recycling von Schrotten trägt derzeit jedoch nur sechs Prozent der benötigten Menge<br />
bei. Grund dafür ist, dass Zink häufig als Oxid im Staub von Stahlrecyclinganlagen<br />
und Schlacken aus der Bleiindustrie endet und damit aufwändiger rückzugewinnen<br />
ist. Diese beiden Quellen könnten jedoch einen weitaus größeren Beitrag – man geht<br />
von ca. 20 Prozent aus – zur Deckung des europäischen Bedarfs leisten.<br />
Derzeitige Verfahren zur Verarbeitung dieser sekundären Rohstoffe schöpfen jedoch<br />
nicht deren volles Potential aus. Zudem macht der Kampf gegen den Klimawandel<br />
und die damit verbundene Minimierung des CO2-Ausstoßes massive Änderungen in<br />
der Metallurgie nötig. Langfristig steht aller Voraussicht nach eine Umstellung auf wasserstoffbasierte<br />
Prozesse bevor. Entsprechende Technologien befinden sich jedoch<br />
erst in Entwicklung, welche zum Teil ebenfalls Thema dieses vorliegenden Projekts<br />
sind. Des Weiteren muss die dafür nötige Wasserstoffproduktion und dazugehörige<br />
Infrastruktur ebenfalls erst in entsprechendem Maßstab verfügbar sein; damit ist jedoch<br />
erst in einigen Jahrzehnten zu rechnen. Als kurzfristig umsetzbare Lösung wird<br />
im Green Zinc Projekt am Einsatz von Biokohle geforscht, um fossile Kohlenstoffträger<br />
zumindest teilweise zu ersetzen. Parallel zur CO2-neutralen Prozessfahrweise forscht<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
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das Team am Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie im Zuge des Projektes auch an der<br />
Verwertung aller Nebenprodukte, insbesondere der Schlacke (z.B. als Baustoff), um<br />
am Ende zu einer Zero-Waste Lösung zu gelangen. Das Mitwirken namhafter internationaler<br />
Partner*innen garantiert eine industrienahe Forschung, die über den Labormaßstab<br />
hinaus bis in den Pilotmaßstab reicht. „Im Sinne der Energieeinsparung arbeitet<br />
der Lehrstuhl für Energieverbundtechnik an der Steigerung der Energieeffizienz<br />
der in diesem Projekt behandelten Prozesse, um auch im Bereich Energie maximales<br />
Potential auszuschöpfen“, beschreibt Dr. Gustav Hanke vom Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie<br />
die Ziele des COMET-Projektes.<br />
COMET<br />
Das COMET-Netzwerk besteht nun aus 25 COMET-Zentren, 15 COMET-Projekten und<br />
18 COMET-Modulen.<br />
Das COMET-Programm wird vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie,<br />
Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) und vom Bundesministerium für<br />
Arbeit und Wirtschaftsstandort (BMAW), sowie von den Bundesländern und der Wirtschaft<br />
finanziert. COMET ist seit 2008 ein konstanter Erfolg. Die Abwicklung erfolgt<br />
durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG.<br />
Weitere Informationen<br />
assoz.Prof. Dr. Katharina Resch-Fauster<br />
Lehrstuhl für Werkstoffkunde und Prüfung der Kunststoffe<br />
E-Mail: katharina.resch-fauster@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 2105<br />
Dr. Gustav Hanke<br />
Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie<br />
E-Mail: gustav.hanke@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 5263<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
22 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
Bundesminister Brunner zu Besuch auf der Montanuni<br />
Finanzminister Magnus Brunner besuchte vor kurzem die Montanuniversität Leoben.<br />
Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Rohstoffsicherheit und die zukunftsorientierte<br />
Kreislaufwirtschaft. Ein Schwerpunkt der Gespäche war die Forschungsinitiative<br />
zum Thema Wasserstoff und Kohlenstoff. Der Minister nahm auch an einer Vorlesung<br />
teil und diskutierte mit den Studierenden über die nachhaltigen Entwicklungen in der<br />
Rohstoffversorgung.<br />
Das EIT Raw Materials Regional Center Leoben (kurz: RIC) leistet durch sein breites<br />
Projektportfolio und zahlreiche Veranstaltungen einen entscheidenden Beitrag zur<br />
Vernetzung europäischer Partner*innen in der Rohstoffbranche. Das RIC koordiniert<br />
unter anderen die Aktivitäten der Montanuniversität zur Wasserstoffgewinnung.<br />
BM Brunner zeigte sich begeistert<br />
“Die Montanuniversität ist ein hervorragender<br />
Wissenschafts- und Forschungsstandort”<br />
Mit der Forschungsinitiative Wasserstoff<br />
und Kohlenstoff werden in Leoben<br />
wichtige Akzente für die CO2-<br />
neutrale Energieversorgung der<br />
Zukunft gesetzt.<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
23
Im Bereich der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung wird an der Montanuni seit jeher<br />
Pionierarbeit geleistet. Gerade die letzten beiden Jahre haben uns gezeigt, wie wichtig<br />
die Nutzung von Rohstoffen für den Erhalt unserer wirtschaftlichen Stärke und den<br />
technologischen Fortschritt sind. Dabei geht es nicht mehr nur um fossile Rohstoffe,<br />
sondern vor allem auch um kritische Rohstoffe wie z. B. Lithium, Gallium oder Indium.<br />
Der Fokus fällt hier auch immer mehr auf Österreich bzw. Europa, da wir in Zukunft unabhängiger<br />
von globalen Lieferketten und somit krisenresistenter werden wollen. Die<br />
Bedeutung des Themas wird nicht zuletzt durch den European Critical Raw Materials<br />
Act unterstrichen. Ziel ist es, die Veredelung, Verarbeitung und das Recycling von<br />
kritischen Rohstoffen in Europa erheblich zu verbessern. Denn eines ist klar, Rohstoffe<br />
sind auch von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, Schlüsseltechnologien<br />
wie Windkraftanlagen, Wasserstoffspeicherung oder Batterien zu entwickeln, die<br />
wir für den grünen und den digitalen Wandel brauchen. Institutionen wie die Montanuniversität<br />
Leoben werden auf diesem Weg eine entscheidende Rolle spielen“, zeigte<br />
sich Minister Brunner von der Montanuniversität begeistert.<br />
Rohstoffsicherheit garantieren<br />
In den letzten Jahren nahm die Bedeutung der nachhaltigen Entwicklung für die<br />
Versorgung Österreichs und Europas mit Rohstoffen zu. Eine Vielzahl von Initiativen<br />
hat dazu beigetragen. Von besonderer Bedeutung sind dabei strategisch<br />
wichtige Rohstoffe, ohne die die digitale Transformation, die Energiewende und<br />
auch die Transformation industrieller Prozesse unmöglich sind. Im RIC Leoben erfolgt<br />
die Koordination von Projektaktivitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette<br />
auf nationaler aber auch internationaler Ebene unter Einbeziehung<br />
der hervorragenden Expertise der einzelnen Lehrstühle an der Montanuniversität.<br />
24 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
Durch seine Aktivitäten leistet das RIC Leoben somit einen wesentlichen Beitrag in<br />
Forschung, Entwicklung und Innovation, aber auch im Kontext der Bewusstseinsbildung<br />
im Themenbereich des Klimawandels und der Wirkung zirkulärer wie auch linearer<br />
Rohstoffflüsse entlang des gesamten Wertschöpfungskreislaufes. Daraus haben<br />
sich in den letzten Jahren auch zusätzliche spannende Aktivitäten im Bereich des<br />
Klimaschutzes und der planetaren Grenzen entwickelt.<br />
Forschungsinitiative Wasserstoff und Kohlenstoff<br />
Seit dem Jahr 2020 beschäftigen sich Wissenschaftler*innen der Montanuniversität<br />
Leoben mit vielversprechenden, zukunftsweisenden Wasser- und Kohlenstoff-Technologien,<br />
durch die es möglich sein wird, Wasser- und Kohlenstoff CO2-neutral zu<br />
gewinnen. Durch die Anwendung verschiedener Pyrolyse-Verfahren wird der Rohstoff<br />
Methan (Erd-/Biogas) emissionsfrei in Wasser- und Kohlenstoff zerlegt. Auf diesem<br />
Wege erhält man einerseits den speicherbaren und klimaneutralen Energieträger<br />
Wasserstoff und andererseits den wichtigen und derzeit knappen Rohstoff Kohlenstoff.<br />
Diese Zukunftstechnologie vereint die Ziele Dekarbonisierung, Transformation<br />
von und zu Energieträgern sowie die Erzeugung von kritischen Rohstoffen. Der aus<br />
der Pyrolyse gewonnene hochwertige Kohlenstoff hat das Potenzial, vielfältige nachhaltige<br />
Technologien erst zu ermöglichen bzw. zu revolutionieren. Derzeit wird von<br />
der Montanuniversität ein Wasserstoffzentrum gebaut, das voraussichtlich im zweiten<br />
Halbjahr <strong>2024</strong> seinen Betrieb aufnehmen wird.<br />
Vizerektor Univ.-Prof. Dr. Helmut Antrekowitsch ergänzte in seinen Ausführungen: „Die<br />
Metallbad-Pyrolyse von Methan stellt im Vergleich zu alternativen Technologien eine<br />
energetisch günstige Möglichkeit zur Herstellung von großen Mengen an Wasserstoff<br />
für die Industrie dar, bei der zusätzlich elementarer Kohlenstoff als hochwertiges Produkt<br />
anfällt, welcher beispielsweise in der Landwirtschaft oder Baustoffindustrie zum<br />
Einsatz kommen kann.“<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Weitere Informationen<br />
Dipl.-Ing. Robert Obenaus-Emler<br />
Resources Innovation Center Leoben<br />
E-Mail: robert.obenaus-emler@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 7613<br />
Vizerektor Univ.-Prof. Dr. Helmut Antrekowitsch<br />
E-Mail: helmut.antrekowitsch@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 5200<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
25
Obersteiermark als MINT-Region ausgezeichnet<br />
Die Obersteiermark ist seit jeher eine industriell geprägte, wissens- und wirtschaftsorientierte<br />
Region mit einer großen Dichte an innovativen Unternehmen. Im Rahmen<br />
einer österreichweiten Vernetzungsinitiative, die die Förderung der Fachbereiche Mathematik,<br />
Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) weiter voranbringen<br />
will, darf sie sich nun auch offiziell „MINT-Region“ nennen und wurde dafür in Wien<br />
mit einem „Qualitätslabel“ ausgezeichnet. Die Koordinationsstelle der neuen „MINT-<br />
Region Obersteiermark“, an der rund 30 Schulen und die Bildungsdirektion ebenso<br />
beteiligt sind wie Unternehmen, ist an der Montanuniversität Leoben angesiedelt.<br />
„Eine Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, hohe Lebensqualität sowie die Bewältigung<br />
der Herausforderungen der Zukunft sind gut ausgebildete Menschen, die in<br />
unserer Region bleiben bzw. sich hier neu niederlassen“, erklärt die Leiterin der Koordinationsstelle,<br />
Mag. Julia Mayerhofer-Lillie. „Der regionalen MINT-Förderung kommt<br />
somit sowohl für die individuellen Zukunftschancen junger Menschen als auch für die<br />
Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Region eine zentrale Bedeutung zu.“<br />
Die MINT-Region Obersteiermark erstreckt sich geografisch über die fünf politischen<br />
Bezirke Bruck-Mürzzuschlag, Leoben, Murtal, Murau und Liezen und umfasst damit<br />
Gebiete, die durch ähnliche Ausgangsbedingungen z. B. in Bezug auf Demografie<br />
oder Lage verbunden und bereits vielfach untereinander vernetzt sind. Sie hat sich<br />
das übergeordnete Ziel gesetzt, die Bedürfnisse der Auszubildenden zentral ins Blickfeld<br />
zu stellen. In der Initiativgruppe der MINT-Region sind folgerichtig Vertreter*innen<br />
26 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
der regionalen Schulaufsichtsbehörde ebenso tätig wie regionale Bildungseinrichtungen<br />
sämtlicher Ausbildungsstufen. Dazu bringen sich regionale Unternehmen in ihrer<br />
Funktion als Ausbildner*innen (Lehrlinge) ebenso ein wie in ihrer Funktion als Wirtschaftsvertreter*innen.<br />
„Die MINT-Region möchte in der Obersteiermark für die Obersteiermark wirken und<br />
sieht ihre Aufgabenstellung daher in lokal umsetzbaren Handlungsschwerpunkten“,<br />
betont Mayerhofer-Lillie. Zur Erreichung der strategischen Ziele wurden drei Meilensteine<br />
für die nächsten drei Jahre definiert: Aufbau eines starken und nachhaltigen<br />
Netzwerks, Ergänzung, Bereicherung und Entlastung des schulischen MINT-Unterrichts<br />
durch außerschulische Initiativen sowie Schaffung gelungener Bildungsübergänge.<br />
Mit diesen Meilensteinen ist ein Portfolio an konkreten Maßnahmen verbunden,<br />
die bis Ende 2026 umgesetzt werden sollen, darunter eine erneute Abhaltung des<br />
erfolgreichen MINT-Kongresses im Februar 2025.<br />
Feierliche Überreichung der Qualitätslabel<br />
Im Rahmen eines Festakts im Haus der Industrie vergab das Bundesministerium für<br />
Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) gemeinsam mit der als „MINT-Regionen<br />
Service Hub“ fungierenden Austria Wirtschaftsservice (aws) und den Kooperationspartnern<br />
Industriellenvereinigung, MINTality Stiftung sowie Österreichs Bildungsagentur<br />
OeAD das „MINT-Regionen Qualitätslabel“ an 14 MINT-Netzwerke, die die<br />
Ausschreibungskriterien dafür erfüllt haben. Neben der MINT-Region Obersteiermark<br />
als einziger steirischen Vertreterin wurden auch Initiativen aus dem Burgenland (1<br />
Region), Kärnten (2), Niederösterreich (2), Oberösterreich (2), Salzburg (2), Tirol (3)<br />
und Vorarlberg (1) geehrt.<br />
„MINT-Regionen“ sind regionale Vernetzungen, die Mathematik, Informatik,<br />
Naturwissenschaften und Technik (MINT) aus unterschiedlichen Blickwinkeln<br />
erlebbar machen, Synergien schaffen und ein durchgängiges MINT-<br />
Angebot entlang der gesamten Bildungskette vom Kindergarten bis zur<br />
Universität offerieren. Mit der Schaffung einer Dachmarke „MINT-Regionen“<br />
(https://www.mint-regionen.at) soll das regionale Zusammenwirken der zahlreichen<br />
bestehende Aktivitäten und Initiativen durch Netzwerke weiter forciert werden, sodass<br />
MINT-Bildung für junge Menschen noch wirksamer, attraktiver und nachhaltiger wird.<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Weitere Informationen<br />
Mag. Julia Mayerhofer-Lillie<br />
Koordinationsstelle der MINT-Region an der Montanuniversität Leoben<br />
E-Mail: julia.mayerhofer-lillie@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 7223<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, 18, A-8700 Leoben Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 402 7224 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
27
Ammoniak als Alternative zu fossilen Energieträgern<br />
Mag. Raffael Rameshan vom Lehrstuhl für<br />
Physikalische Chemie der Montanuniversität<br />
Leoben konnte gemeinsam mit einem internationalen<br />
Forschungsteam eine Verbesserung bei<br />
der Ammoniakgewinnung nachweisen. Diese<br />
Erkenntnisse wurden kürzlich im renommierten<br />
Fachmagazin „Nature“ publiziert. Sie können<br />
dazu beitragen, den großen CO2-Ausstoß bei<br />
der Produktion dieser wichtigen chemischen<br />
Verbindung entscheidend zu reduzieren. Ammoniak<br />
wird in der Düngermittelproduktion benötigt<br />
und ist eine vielversprechende Alternative<br />
zu den bisherigen fossilen Energieträgern.<br />
Haber-Bosch-Verfahren<br />
Das Haber-Bosch-Verfahren<br />
ist ein großindustrielles chemisches<br />
Verfahren zur Synthese<br />
von Ammoniak. Es ist nach den<br />
deutschen Chemikern Fritz Haber<br />
und Carl Bosch benannt,<br />
die das Verfahren am Anfang<br />
des 20. Jahrhunderts entwickelten.<br />
Der zentrale Schritt des Verfahrens,<br />
die Ammoniaksynthese<br />
aus atmosphärischem Stickstoff<br />
und Wasserstoff, wird an<br />
einem eisenhaltigen Katalysator<br />
bei Drücken von etwa 150 bis<br />
350 bar und Temperaturen von<br />
etwa 400 bis 500 Grad Celsius durchgeführt. Der größte Teil (rund 80 Prozent) des<br />
Ammoniaks wird für die Düngermittelproduktion benötigt, somit sichert es auch die<br />
Ernährung der Weltbevölkerung. Außerdem wird ca. 3 Prozent der weltweit produzierten<br />
Energie zur Herstellung von Ammoniak benötigt (dementsprechend trägt es<br />
wesentlich zum weltweiten CO2-Ausstoß bei). Bereits kleine Verbesserungen des<br />
Haber-Bosch Prozesses, insbesondere des verwendeten Katalysators, haben daher<br />
einen großen Impact auf CO2-Emissionen und Energieverbrauch.<br />
28 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
„Obwohl der Prozess schon über 100 Jahre verwendet wird, wird bis heute immer noch<br />
fieberhaft am Katalysator geforscht und der genaue Mechanismus ist immer noch nicht<br />
vollständig enträtselt. Wissenschaftler*innen haben sich hier über Jahrzehnte die Zähne<br />
ausgebissen. Der Knackpunkt dabei ist, den Stickstoff reaktiv zu machen, um ihn dann mit<br />
Wasserstoff zu Ammoniak zu transformieren“, erklärt Rameshan die Herausforderung.<br />
Neue Erkenntnisse<br />
Dem internationalen Forschungsteam mit Leobener Beteiligung ist es nun gelungen,<br />
am Elektronenbeschleuniger des DESY (Deutsches Elektronen-Synchrotron<br />
in Hamburg) einen wichtigen Input zu einem besseren Verständnis des Reaktionsmechanismus<br />
beizutragen. Am DESY konnten Katalysatoren bei erhöhtem Druck<br />
und Reaktionsbedingungen untersucht werden. Dadurch konnte der experimentelle<br />
Nachweis des theoretisch vorausgesagten Reaktionsmechanismus erbracht werden.<br />
„In Zukunft wird die Ammoniak-Synthese noch wichtiger werden, da Ammoniak auch<br />
eine vielversprechende Alternative zu den bisherigen fossilen Energieträgern ist“, erläutert<br />
Rameshan.<br />
Nature<br />
„Nature“ ist eine wöchentlich erscheinende, englischsprachige Fachzeitschrift mit<br />
Themen aus verschiedenen, vorwiegend naturwissenschaftlichen Disziplinen. Sie ist<br />
neben der US-amerikanischen „Science“ die weltweit angesehenste Zeitschrift für<br />
Naturwissenschaften.<br />
Link zur Veröffentlichung: https://www.nature.com/articles/s41586-023-06844-5<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Weitere Informationen<br />
Mag. Raffael Rameshan<br />
Lehrstuhl für Physikalische Chemie<br />
E-Mail: raffael.rameshan@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 4806<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
29
Landeshauptmann Doskozil besuchte die<br />
Montanuniversität Leoben<br />
Der burgenländische Landeshauptmann Mag. Hans Peter Doskozil besuchte die Montanuniversität<br />
Leoben, um eine mögliche Kooperation in verschiedenen Forschungsbereichen<br />
zu besprechen.<br />
Hochrangiger Besuch<br />
Am Donnerstag, 18. Jänner <strong>2024</strong>, besuchte Landeshauptmann Doskozil mit einer<br />
hochrangigen Delegation die Montanuniversität. Bei den Gesprächen mit dabei waren<br />
Dr. Stephan Sharma (Vorsitzender des Vorstands bei Burgenland Energie AG),<br />
Univ.-Prof. Dr. Gerald Goger und Mag. Hans Peter Rucker (beide Geschäftsführer der<br />
30 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
Landesholding Burgenland). Grund des Besuchs war das Ausloten einer engen Zusammenarbeit<br />
zwischen dem Burgenland und der obersteirischen Universität.<br />
„Die Montanuniversität kann mit ihrer Expertise in der Erstellung von Energiekonzepten,<br />
der Herstellung, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff, der Geothermie,<br />
der Optimierung von PV-Anlagen bzw. im Recycling eine wichtige strategische Partnerin<br />
für das Burgenland auf seinem Weg zur Klimaneutralität und Energieunabhängigkeit<br />
sein“, unterstreicht der Initiator dieses Treffens Univ.-Prof. Dr. Gerald Pinter,<br />
Leiter des Lehrstuhls für Werkstoffkunde und Prüfung der Kunststoffe der Alma Mater<br />
Leobiensis.<br />
„Das Burgenland will bis 2030 bilanziell klimaneutral sein. Um dieses ehrgeizige Ziel zu<br />
erreichen, haben wir gemeinsam mit starken Partner*innen eine Vielzahl verschiedener,<br />
teils innovativer Maßnahmen gesetzt – von Pionierarbeit in Bezug auf Stromgroßspeicher<br />
auf organischer Basis bis hin zu Wasserstoffprojekten. Um die Energiewende<br />
zu schaffen, braucht es das gemeinsame Engagement der Politik, der Bevölkerung,<br />
der Wirtschaft und der Forschung. Daher freuen wir uns, auch mit einer in Österreich<br />
singulären Bildungs- und Forschungseinrichtung wie der Montanuniversität Leoben<br />
über mögliche gemeinsame Berührungspunkte zu sprechen“, so Landeshauptmann<br />
Doskozil.<br />
Weitere Informationen<br />
Univ.-Prof. Dr. Gerald Pinter<br />
Lehrstuhl für Werkstoffkunde und Prüfung der Kunststoffe<br />
E-Mail: gerald.pinter@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 2100<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
31
20 Jahre Logistik in Leoben<br />
Seit 20 Jahren kann man an der Montanuniversität Leoben die Studienrichtung Industrielogistik<br />
studieren, auch den gleichnamigen Lehrstuhl gibt es seitdem. Bei einer<br />
Festveranstaltung kamen Absolvent*innen, Lehrende und Vertreter*innen der Industrie<br />
zusammen, um die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen.<br />
Logistik in Leoben verwurzelt<br />
Der Lehrstuhl wurde 2003 ausgeschrieben mit einer inhaltlichen Ausrichtung auf die<br />
Schwerpunkte Supply Chain Management, Logistiksystemplanung und Informationslogistik.<br />
Damit wurde eine Brücke zwischen bestehenden Kernkompetenzen der Montanuniversität<br />
und den Anforderungen der industriellen Praxis hinsichtlich der Gestaltung<br />
von Materialflüssen geschaffen. Im Oktober 2003 wurde Dr. Corinna Engelhardt-Nowitzki<br />
als Professorin auf die Stelle berufen, unter dem Dach des Departments Wirtschafts-<br />
und Betriebswissenschaften. 2008 folgte ihr Dr. Helmut Zsifkovits nach, der<br />
seitdem den Lehrstuhl und den Studiengang Industrielogistik leitet.<br />
Einige Jahre früher schon hatte sich die Stadt Leoben dem Thema Logistik verschrieben,<br />
mit einem neu gegründeten Logistik Center und einem Logistik Club. Auch in<br />
der Ausbildung wurden neue Akzente gesetzt, mit einer Logistik-HTL und der Einrichtung<br />
eines Studiums Industrielogistik. Eine breit angelegte Logistik auf akademischem<br />
Niveau war zu diesem Zeitpunkt eine Innovation an Österreichs Universitäten.<br />
Erfolgreiches Studium<br />
Schon in den ersten Jahren konnte sich das Bachelor- und Master-Studium Industrielogistik<br />
mit steigenden Studierenzahlen gut etablieren. Etwa 300 Studierende haben seither das<br />
Bachelor-Studium abgeschlossen, die meisten auch das darauf aufbauende Master-Studium.<br />
Mittlerweile sind die Absolvent*innen in führenden Positionen in der Industrie zu finden.<br />
Durch die einzigartige Ausrichtung in Forschung und Lehre wurde eine gute Sicht-<br />
32 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
arkeit in der Industrie und der wissenschaftlichen Community erreicht. Dies spiegelt<br />
sich wider in zahlreichen Industrieprojekten sowie sechs Forschungsprojekten<br />
auf europäischer Ebene. Darüber hinaus ist der Lehrstuhl Industrielogistik sehr gut<br />
in internationalen und nationalen Netzwerken vertreten, mit leitenden Funktionen in<br />
der European Logistics Association, der Bundesvereinigung Logistik Österreich, dem<br />
Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik sowie weiteren Gremien.<br />
Forschungsschwerpunkte<br />
Aktuell laufen Forschungsprojekte zu den Themen Smart Logistics in KMUs und<br />
Kompetenzentwicklung für Logistiker*innen. Dies geschieht in breiter internationaler<br />
Zusammenarbeit, unter anderen mit Partner*innen aus den USA, Italien,<br />
Thailand, Südafrika und Australien. Zahlreiche Buchveröffentlichungen und Publikationen<br />
in angesehenen Fachzeitschriften sind Ergebnis dieser Aktivitäten.<br />
Die Forschungsschwerpunkte haben sich seit der Gründung weiterentwickelt. Aktuell<br />
sind dies Prozessmanagement und Supply Chain Management, Produktionslogistik<br />
und Materialflussmanagement sowie die Themen der Digitalisierung in der industriellen<br />
Logistik. Als Branchenschwerpunkt wurde die verarbeitende Industrie, insbesondere<br />
die Prozessindustrie, definiert.<br />
„Diese strategische Ausrichtung wird auch weiterverfolgt, noch mehr an Bedeutung<br />
gewinnen die Themen Digitalisierung und Data Analytics in der Logistik. Die Breite und<br />
Komplexität dieser Themen wird zukünftig noch stärkere Zusammenarbeit mit anderen<br />
Forschungseinheiten an der Montanuniversität und auch außerhalb dieser erfordern“,<br />
erläutert Lehrstuhlleiter Univ.-Prof. Dr. Helmut Zsifkovits. Die Industrielogistik an der Montanuniversität<br />
ist Anlaufstelle und Kompetenzzentrum für Fragestellungen im industriellen<br />
Materialfluss und Partner in einem Data Science Hub, der im Entstehen begriffen ist.<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Mit dem Logistik Club Leoben wurde der Leobener Logistik Sommer als maßgebliche<br />
Kongressveranstaltung der Region organisiert. Wesentlich für die Außenwirkung waren<br />
auch die wissenschaftlichen lndustrielogistik-Dialoge, die über Jahre durchgeführt<br />
wurden.<br />
Weitere Informationen<br />
Univ.-Prof. Dr. Helmut Zsifkovits<br />
Lehrstuhl für Industrielogistik<br />
E-Mail: helmut.zsifkovits@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842/402 6020<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
33
Wissenschaftler aus Leoben und Berlin entdecken<br />
Schlüsseleigenschaft von Signalen im Gehirn<br />
Wissenschaftler aus Leoben und Berlin konnten Erkenntnisse darüber gewinnen, wie Signale<br />
zwischen den Neuronen im Gehirn ausgetauscht werden. Dieses neue Verständnis<br />
kann unter anderem zur Entwicklung spezieller Medikamente in Zusammenhang mit<br />
der Alzheimer-Krankheit führen.<br />
Einem Forschungsteam um den Leobener Physiker Priv.-Doz. Dr. Aleksandar Matković<br />
und dem Neurowissenschaftler Dr. Dragomir Milovanović vom Deutschen Zentrum für<br />
Neurodegenerative Erkrankungen in Berlin ist es erstmals gelungen, eine Schlüsseleigenschaft<br />
zur Steuerung der neuronalen Kommunikation direkt zu beobachten. Das<br />
Ergebnis wurde jetzt in der renommierten interdisziplinären Fachzeitschrift „Nano Letters“<br />
veröffentlicht und vom Verlag als Cover der Zeitschrift ausgewählt.<br />
Graphen trifft auf Flüssigkeitströpfchen<br />
Die Kommunikation im Gehirn hängt entscheidend von der Ausschüttung von Botenmolekülen<br />
beim Eintreffen eines elektrischen Signals ab. Diese Botenmoleküle sind in<br />
kleine Säckchen verpackt, die synaptische Vesikel genannt werden.<br />
34 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
Hunderte von synaptischen Vesikeln sammeln sich an den Kontaktstellen zwischen den<br />
Neuronen an. Es konnte gezeigt werden, dass diese Vesikeln dynamische flüssigkeitsähnliche<br />
Komponenten an der Synapse bilden, was durch einige der am häufigsten<br />
vorkommenden neuronalen Proteine, die Synapsine, vermittelt wird. Aleksandar Matković<br />
von der Montanuniversität Leoben und Dragomir Milovanović entdeckten nun, dass diese<br />
flüssigen Tröpfchen in der Lage sind, ein elektrisches Potenzial an ihrer Schnittstelle zu<br />
beherbergen. In ihrer Forschungsarbeit haben die Wissenschaftler Sensoren auf Graphenbasis<br />
verwendet, um die Ansammlung elektrischer Ladung zu demonstrieren.<br />
Diese Erkenntnisse bringen ein neues Verständnis dafür, wie die Signale zwischen den<br />
Neuronen ausgetauscht werden. Einerseits kann das Verständnis der Eigenschaften<br />
dieser elektrischen Doppelschicht zur Entwicklung spezieller Medikamente führen, insbesondere<br />
im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit. Andererseits könnte das<br />
erreichte Zusammenspiel zwischen Nanoelektronik und synaptischen Proteinen zur Entwicklung<br />
einer Verbindung zwischen der Elektronik und unserem neuronalen System<br />
führen, was eine Revolution in der Entwicklung der Kybernetik darstellen würde.<br />
Link zur Veröffentlichung: https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.nanolett.3c02915<br />
Link zum Cover: https://www.unileoben.ac.at/matkovics-lab/research/publications<br />
Weitere Informationen<br />
Priv.-Doz. Dr. Aleksandar Matković<br />
Lehrstuhl für Physik<br />
E-Mail: aleksandar.matkovic@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 4664<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
35
Internationale Konferenz bekräftigt Bedeutung der<br />
Digitalisierung in der Rohstofftechnik<br />
Kürzlich waren die Montanuniversität<br />
Leoben zusammen mit dem<br />
Bergmännischen Verband Österreichs<br />
Gastgeber der erstmalig abgehaltenen<br />
CAE-Konferenz für partikuläre Rohstoffe,<br />
die regional wie auch international<br />
großen Zuspruch und Anerkennung fand.<br />
Mit CAE – Computer-Aided Engineering<br />
– stand dabei die ingenieurstechnische<br />
Anwendung von Computermethoden<br />
in der Partikeltechnik im Mittelpunkt<br />
– ein Bereich, der maßgeblich zur<br />
Digitalisierung in der Rohstofftechnik<br />
beiträgt.<br />
Erfolgreiche Konferenz<br />
Mit fesselnden Vorträgen begeisterten zehn hochkarätige Referenten aus<br />
Wissenschaft und Wirtschaft die mehr als 100 Teilnehmer*innen, darunter<br />
renommierte Vertreter*innen aus über 15 verschiedenen Nationen – aus Südamerika,<br />
den USA, über Südafrika bis Asien. Diese internationale Präsenz unterstrich<br />
eindrucksvoll die globale Sichtbarkeit und Relevanz der Montanuniversität Leoben.<br />
Der Erfolg dieser Veranstaltung hebt zwei wesentliche Aspekte hervor: Zum einen<br />
markiert er den zukunftsweisenden Stellenwert der Digitalisierung in der modernen<br />
Ingenieurstechnik. Die präsentierten innovativen Anwendungen von Computermethoden<br />
verdeutlichen, wie die Digitalisierung unsere Arbeitsweise revolutioniert. Zum anderen<br />
wurde die fundamentale Bedeutung von Rohstoffen für unsere Gesellschaft betont.<br />
„Diese Konferenz hat gezeigt, wie fortschrittliche Technologien und digital-gestützte<br />
Ansätze, wie beispielsweise virtuelle Anlagenplanung, Optimierung, oder auch<br />
Steuerung, entscheidend dazu beitragen, Nachhaltigkeit in der Rohstofftechnik zu<br />
gewährleisten“, erläutert Organisator Dr. Eric Fimbinger vom Lehrstuhl für Aufbereitung<br />
und Veredlung.<br />
Weitere Informationen<br />
Dipl.-Ing. Dr. Eric Fimbinger<br />
Lehrstuhl für Aufbereitung und Veredlung<br />
E-Mail: eric.fimbinger@unileoben.ac.at<br />
Tel.: 03842 402 1814<br />
Mobil: 0664 808981814<br />
Mag. Christine Adacker<br />
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT<br />
Franz-Josef-Straße 18, A-8700 Leoben<br />
Tel.: +43 3842 402 7224<br />
E-mail: christine.adacker@unileoben.ac.at<br />
36 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD
MONTANUNI AKTUELL<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
37
38
https://www.deltaakademie.unileoben.ac.at<br />
MONTANUNI AKTUELL<br />
<strong>Diagonal</strong> 01/<strong>2024</strong><br />
39
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MONTANUNI AKTUELL<br />
<strong>Diagonal</strong><br />
<strong>Diagonal</strong><br />
01/<strong>2024</strong><br />
01/<strong>2024</strong><br />
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42
MONTANUNI AKTUELL<br />
<strong>Diagonal</strong><br />
<strong>Diagonal</strong><br />
01/<strong>2024</strong><br />
01/<strong>2024</strong><br />
43
44
Meore Information:<br />
https://www.eurecapro.eu/representingeureca-pro-at-conference-for-student-representatives-in-eu-alliances/<br />
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Meore Information:<br />
https://www.eurecapro.eu/representingeureca-pro-at-conference-for-student-representatives-in-eu-alliances/<br />
46 WO AUS FORSCHUNG ZUKUNFT WIRD<br />
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Dear readers!<br />
This time, the motto of our <strong>Diagonal</strong> photo competition was „Building<br />
a Sustainable Community“. After an internal pre-selection, all students<br />
were able to vote for one of their favourite pictures via Instagram and<br />
help decide the winner.<br />
The press team congratulates the winner Jakob Gfreiner.<br />
Please write to us at presse@oeh.unileoben.ac.at so that we can give<br />
you the 10€ LE voucher.<br />
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Thank you very much for your submissions!<br />
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Mehr Information<br />
Freiwillige Feuerwehr Leoben-Stadt<br />
Mühltaler Straße 17<br />
8700 Leoben<br />
Tel: +43 3842 42670<br />
M@il: kdo.013@bfvle.steiermark.at<br />
Web: https://www.stadtfeuerwehr.com<br />
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hochschulchor@unileoben.ac.at.<br />
Wir freuen uns auf dich!<br />
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Es gibt in Österreich viele Anlaufstellen für Opfer sexualisierter<br />
Gewalt. Die Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555) oder die<br />
Männerberatung (0800 400 777) sind 24/7 erreichbar. Auf der Website<br />
oesterreich.gv.at gibt es einen Überblick an Beratungsstellen in ganz<br />
Österreich, an die man sich wenden kann.<br />
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