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Perspectives 2025-2 Preview

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Perspectives

in Inclusive Social Development

Anthroposophic

2· 2025


Inhalt

deutsch

Content

english

Beiträge und Berichte

Rezensionen

Articles and Reports

Reviews

Zur Bildstrecke dieser Ausgabe

Traumzeit .............................. 4

Von Helga Fössel und Maria Neumair

Die Elemente der Natur als Verbindungsglied

zwischen Ätherleib und Seele ...............6

Von Paulina Santos Benítez

Herausforderung Inklusion . .............. 28

Von Oliver Koenig

Die Identifikation mit

«Tendenzen zum Tierhaften» ..............36

Von Gerhard Hallen

Ein Urphänomen im Sozialen ............. 44

Ludger Schulte-Remmert im Gespräch

mit Kurt Eschmann

Barbara Steinmann

Schöpferisch werden – Entwicklung wagen

Potenziale der anthroposophischen Kunsttherapien

Von Gabriele Scholtes ......................64

Ferdinand Klein

Erziehung aus der Begegnung heraus gestalten

Mit Janusz Korczak über inklusionspädagogische

Grundfragen nachdenken

Von Gabriele Scholtes ......................66

Impressum

News

67

Rückseite

The photo series in this issue

Dreamtime. ................................. 5

By Helga Fössel and Maria Neumair

The elements of nature as a means of

connection between the etheric body

and the soul ...................................7

By Paulina Santos Benítez

The challenge of inclusion .................... 29

By Oliver Koenig

Identification with «animalisic tendencies» .....37

By Gerhard Hallen

An ur-phenomenon in the social sphere ....... 45

Ludger Schulte-Remmert in conversation

with Kurt Eschmann

Barbara Steinmann

Becoming creative – Daring to develop

The potential of anthroposophic art therapies

By Gabriele Scholtes .........................64

Ferdinand Klein

Shaping education through interaction

Reflecting on fundamental questions of

inclusive education with Janusz Korczak

By Gabriele Scholtes .........................66

Impressum

News

67

Back page

Jahresbericht 2024 .......................50

Annual Report 2024 ...........................57

Editorial

Editorial

Jan Göschel

Jan Göschel

Schon im Februar durften wir Franka Henn als neues Mitglied

im Team der Sektion für Heilpädagogik und inklusive

soziale Entwicklung begrüßen. Sie hat die Leitung für

den Arbeitsbereich Fachkommunikation übernommen,

und damit auch die Verantwortung als Managing Editor

für die Redaktion und Produktion der Zeitschrift ‹Perspectives›.

Bei Gabriele Scholtes möchten wir uns ganz herzlich

bedanken für ihren mehr als 15-jährigen Einsatz für die

Gestaltung und Entwicklung dieser Fachpublikation – zunächst

als ‹Zeitschrift Seelenpflege› und ab 2019 im aktuellen

Format.

Für diese Ausgabe hat Gabriele Scholtes ein neues Buch

von Ferdinand Klein zu Janusz Korczak sowie das neueste

Einführungsheft in der durch den Schweizer Verband

Anthrosocial herausgegeben Reihe rezensiert. Daneben

finden Sie einen Beitrag von Paulina Santos aus Mexiko

über herausfordernde Naturerfahrungen als pädagogisch

therapeutischen Prozess für Jugendliche, eine Verschriftlichung

des Vortrags zur inklusiven Transformation in Organisation

von Oliver Koenig anlässlich der Herbsttagung

der Sektion am Goetheanum im vergangenen Oktober,

und ein Gespräch zwischen Ludger Schulte-Remmert und

Kurt Eschmann über die mehrjährige Musicon-Studie zum

‹Urphänomen im Sozialen›. Der Beitrag von Gerhard Hallen

versucht, sich dem Phänomen von Kindern, die sich

außergewöhnlich stark mit einem bestimmten Tier identifizieren,

durch die von Rudolf Steiner angedeutete Möglichkeit,

Tiergesten bildhaft als einseitige Ausprägungen

menschlicher Seelenprozesse zu lesen, anzunähern, um

pädagogische Wege zu finden, diese aus ihrer Fixierung

zu lösen und in Bewegung zu bringen.

Wie jedes Jahr enthält diese Ausgabe auch den Jahresbericht

der Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale

Entwicklung (bis Oktober 2024 Anthroposophic Council

for Inclusive Social Development).

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

Back in February, we welcomed Franka Henn as a new team

member of the Section for Inclusive Social Development.

She has taken over the lead for the area of professional

communication, and with it the responsibility as Managing

Editor for the editing and production of the journal ‹Perspectives›.

We would like to express our heartfelt thanks

to Gabriele Scholtes for her more than 15 years of commitment

to the creation and development of this publication

– initially as ‹Zeitschrift Seelenpflege› and from 2019 in its

current format.

For this issue, Gabriele Scholtes has reviewed a new book

by Ferdinand Klein on Janusz Korczak and the latest introductory

booklet in the series published by the Swiss

Anthrosocial association. You will also find an article by

Paulina Santos from Mexico on challenging experiences

of nature as a pedagogical-therapeutic process for young

people, a transcription of Oliver Koenig’s lecture on inclusive

transformation in organizations, which he gave at the

Section’s conference at the Goetheanum last October, and

a conversation between Ludger Schulte-Remmert and Kurt

Eschmann about the Musicon study on the ‹social ur-phenomenon›,

which has been running for several years. The

article by Gerhard Hallen attempts to approach the phenomenon

of children who identify unusually strongly with a

particular animal through the lens of a suggestion by Rudolf

Steiner that animal gestures could be read imaginatively

as one-sided expressions of human soul processes, as

a way towards pedagogical approaches that help release

the fixation and allow a new inner fluidity.

As every year, this issue also contains the annual report

of the Section for Inclusive Social Development (until October

2024 Anthroposophic Council for Inclusive Social

Development).

I wish you an engaging read!



Die Bildstrecke in dieser Ausgabe ist das Ergebnis

eines mehrjährigen Inspirations- und Gestaltungsprozesses

im Rahmen der Kaspar Hauser Stiftung.

The photo series in this issue is the result of a multi-year

process of inspiration and creation within the framework

of the Kaspar Hauser Foundation.

Traumzeit

Dreamtime

von Helga Fössel und Maria Neumair

by Helga Fössel and Maria Neumair

Die Ausstellung in der Galerie Me Collectors in Berlin/DE,

mit Werken der National Gallery of Australia, überraschte

uns 2017/2018 in besonderer Weise. Viele Werke waren

von einer tiefen Spiritualität angeregt, sie beschrieben die

Traumzeit der Ureinwohner:innen Australiens und brachten

ihre tiefe Verbindung zur Natur zum Ausdruck. Das

Fotografieren dieser Arbeiten war nicht erlaubt, da die Bilder

die Macht der Ahnengeister besitzen.

Die indigene Bevölkerung Australiens hatte keine Besitztümer

oder Grundstücke, auf denen sie Häuser errichtete.

Man wusste nicht, wo sie verortet ist – sie lebte im Einklang

mit der Natur und zog von Ort zu Ort im Outback,

der Wüsten- und Buschlandschaft Australiens, ganz verbunden

mit den Sternen und der Erde im Jahreslauf. Sie

lauschte dem Lebensstrom, dem Klang der Erde – Orte mit

besonderen Energiezentren sind für sie Heiligtümer, wie

zum Beispiel auch der Ayers Rock.

Um die Lebensweise ihrer Völker, ihre Mythologie und

traditionellen Riten festzuhalten und damit für die Nachkommen

zu bewahren, wurden verschiedene Materialien

verwendet. Die traditionelle Malerei wurde Jahrtausende

lang vorwiegend auf flüchtigem Bildgrund wie Körperhaut

und Sandböden oder auch auf Felswänden aufgetragen.

Viele der frühen Werke zeigen die Naturphänomene und

das Land. Sie bestehen aus natürlichen Erdpigmenten, die

auf Rindenstücke gemalt sind, und verstärken somit die

Verbindung zu ihrem Land.

Mit verschiedenen Materialien und grafischen Elementen

versuchten wir darauffolgend, den rhythmischen Lebensstrom,

in dem sich die Menschen mit der Erde verbunden

fühlten, nachzuempfinden. Es entstanden Arbeiten auf

Stein, Rinde, Papier und Leinwand, sowie Keramik, in Produktion

und Dekor von den indigenen Kunstschaffenden

inspiriert. Über eine längere Zeit erprobten wir Materialien,

die uns in der Anwendung der Punkt-Technik hilfreich

erschienen. Wir komponierten Bilder mit Punkten und übten,

mit Linien bewegte Flächen zu gestalten. Dabei war

es uns ein Anliegen, mit Naturmaterialien zu arbeiten. Wir

organisierten uns Steine, die wir bemalten, und entwarfen

Skizzen mit Erdpigmenten.

2022, bei einem weiteren Besuch der Ausstellung «Songlines

– Sieben Schwestern erschaffen Australien» im Humboldt

Forum (Berlin/DE) entstand die Idee, große Gefäße

zu entwickeln und diese mit Engoben und Gravuren zu

verzieren.

Die Kunst Australiens ist eine kollektive Kunst. Jeder

Stamm hat sein eigenes Wissen, welches über die Bilder

weitergegeben wird. An unserem Projekt nahmen 25 Personen

über einen Zeitraum von mehreren Jahren teil. Es

waren Menschen mit Assistenzbedarf, die in der Kaspar

Hauser Stiftung in Berlin/DE tätig sind oder die Tagesstätte

für Menschen mit psychischen Erkrankungen besuchen.

Es entstanden Einzelarbeiten und Gemeinschaftswerke.

4Link: kh-stiftung.de

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

The exhibition at Galerie Me Collectors in 2017/18, with

works of art from the National Gallery of Australia, surprised

us in a unique way. Much of the work was inspired by

a deep spirituality; they describe the Aboriginal Australians’

Dreamtime and express their deep connection with

nature. Photography of these works is not allowed, as the

images possess the power of the ancestral spirits.

The original indigenous population of what is now Australia

owned no possessions or land on which they built

houses. They were not bound to any one location – they

lived in harmony with nature and moved from place to

place in the outback, the desert and bush landscape of

Australia, at one with the stars and seasons of the earth.

They listened to the current of life, the sound of the earth;

places with special energy centers, such as Ayers Rock,

were sacred to them.

Various materials were used to record the lifeways of their

people, their mythologies and traditional rites, and preserve

them for their descendants. For thousands of years,

traditional painting was applied mainly to impermanent

surfaces, such as skin and sandy ground, or to rock faces.

Many early Aboriginal works depict natural phenomena

and the land. They were created using earth pigments on

pieces of bark, strengthening the artists’ connection to

their land.

Using various materials and graphic elements, we tried

to recreate the rhythmic flow of life in which people felt

connected to the earth. We created works on stone, bark,

paper and canvas, as well as ceramics, inspired in production

and decoration by the Aboriginal artists. Over a

longer period, we tested materials that seemed conducive

to applying the dot technique. We composed images with

dots and practiced using lines to create dynamic surfaces.

It was important to us to work with natural materials. We

collected stones and painted them and created sketches

with earth pigments.

A visit to the ‹Songlines› exhibition at the Humboldt Forum

(Berlin) in 2022 gave rise to the idea of constructing

large vessels and decorating them with slip glaze and engravings.

Aboriginal Australian art is a collective art. Each tribe has

its own wisdom, which is passed on through its images.

25 people took part in our project over a period of several

years. They were people with disabilities who work at the

Kaspar Hauser Foundation or attend the day center for

people with mental illness. Individual and collective works

were created.

Link: kh-stiftung.de

5



Die Elemente der Natur

als Verbindungsglied

zwischen Ätherleib

und Seele

Wie wir die unteren Wesensglieder

für das Empfangen der Seele

durch Erfahrungen in der Natur

vorbereiten

Von Paulina Santos Benítez

The Elements of

Nature as a Means of

Connection Between

the Etheric Body

and the Soul

Preparing the lower bodies

to receive the soul

through experiences in nature

by Paulina Santos Benítez

Seeking a sense of freedom during the restrictions of the pandemic, we came upon a beautiful

forest, a place where we could be together again, to live freely just like before. The children were

in sixth grade, around twelve years old, and there was a quiet but growing urge among us all to

begin discovering the world. As I read more, I came to understand how meaningful walking and

hiking can be during puberty and adolescence. Inspired by this, and together with a dear friend

who shares a deep love for nature, we decided to guide the students out into the world, inviting

them to explore it step by step, on their own two feet.

On Tuesday, April 27, 2021, we set out on the first of four journeys that would guide us toward

a deeper understanding of nurturing the etheric body, helping prepare the students for the inde-

Paulina Santos Benítez

studierte Psychologie mit Schwerpunkt Kunsttherapie. Sie absolvierte

ihren Sozialdienst in der Kinderpsychiatrie Juan N. Navarro in Mexiko-Stadt,

wo sie ihre Leidenschaft für Inklusion entdeckte. Sie hat

Unternehmen, Camps und Schulen geschult, um deren Programme

inklusiver zu gestalten. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Waldorflehrerin

und begleitete eine Generation von 2017 bis 2024, während

sie ihre Ausbildung in Heilpädagogik bei Impulso de Pedagogía Curativa

bei México Kaspar Hauser absolvierte. Seit sechs Jahren praktiziert

sie Reittherapie, was sie dazu inspirierte, Aktivitäten zu entwickeln,

die Heilpädagogik und Natur verbinden. Derzeit betreut sie Kinder,

Jugendliche und Familien im Rahmen der Heilpädagogik und bietet

Workshops für Lehrkräfte und Familien bei Harmonia Educación an.

Paulina Santos Benítez

studied psychology with a focus on art therapy. She completed her

social service at the Juan N. Navarro Child Psychiatric Hospital in Mexico

City, where she discovered her passion for inclusion. She has

trained and worked with companies, camps, and schools to make

their programs more inclusive. She trained as a Waldorf teacher and

accompanied a generation from 2017 to 2024 while completing her

training in curative education at Impulso de Pedagogía Curativa at

México Kaspar Hauser. She has been practicing equine therapy for six

years, which inspired her to develop activities that combine curative

education and nature. She currently works with children, adolescents,

and families in curative education and offers workshops for teachers

and families at Harmonia Educación.

6

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

7



Auf der Suche nach einem Zufluchtsort vor den Beschränkungen

der Pandemie haben wir den wundervollen

Wald für uns entdeckt, einen Ort, an dem wir

wie früher in Freiheit zusammen sein konnten. Die Gruppe

war damals in der 6. Klasse (de Schüler und Schülerinnen

waren also 12 Jahre alt) und voller Drang, die Welt zu erkunden.

In den Pausen zwischen den Unterrichtseinheiten

entdeckte ich, wie wichtig es ist, in der Phase der Pubertät

und des Erwachsenwerdens in der Natur zu wandern,

und so beschloss ich zusammen mit einem guten Freund,

der die Natur liebte, die Schüler:innen dazu zu bringen, die

Welt mit ihren eigenen Füßen zu entdecken.

Am Dienstag, dem 27. April 2021 starteten wir das erste

von vier Abenteuern, die uns dazu führen sollten, einen

gesunden Weg zur Stärkung des Ätherleibs zu finden, um

unabhängiger von unserer Seele zu werden. Unsere Abenteuer

erstreckten sich über 4 Jahre und endeten schließlich

am 3. Mai 2024. Im Laufe dieser Zeit veränderte sich die Zusammensetzung

der Gruppe immer wieder, einige Teilnehmende

verließen die Gruppe, andere kamen hinzu, aber die

Liebe zur Natur und das große Interesse an der Entdeckung

neuer Orte sind stets geblieben. Auch ich veränderte mich

– als Lehrerin mit einer Ausbildung in Heilpädagogik entdeckte

ich neue Sichtweisen auf meine Schüler:innen, die

einer besonderen seelischen Zuwendung bedürfen, und so

bekamen die Aktivitäten in der Natur gleichermaßen eine

neue Bedeutung.

Nachdem ich die Wesensglieder des Menschen, die Ätherkräfte

und die Elemente studiert hatte, konnte ich deutlicher

wahrnehmen, was in meinen Schüler:innen bei jeder

dieser Begegnungen mit der Natur vor sich ging. So begann

die Planung der Aktivitäten immer spezifischer und

konkreter zu werden. Mit dem Hunger der Schüler:innen

nach Abenteuern und neuen Herausforderungen, dem Enthusiasmus

und dem Engagement der Betreuer:innen und

Lehrer:innen entstand schließlich dieses Programm mit Naturaktivitäten

für 12- bis 15- jährige Jugendliche in inklusiven

Gruppen, um die unteren Wesensglieder während der

Pubertät und Adoleszenz zu stärken, gesund zu erhalten

und ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Reihenfolge der Aktivitäten ist an der Entwicklung des

Menschen, der Entwicklung der Wesensglieder und ihrer

Verbindung zu den Elementen ausgerichtet. So wie sich

im Menschen nach und nach die einzelnen Wesensglieder

zu einem Ganzen zusammenfügen, fügen wir bei jeder

Aktivität ein neues Element hinzu. Um die Schülerinnen

und Schüler auf die Erfahrungen vorzubereiten, haben wir

weitere Wanderaktivitäten auf rhythmische Art und Weise

durchgeführt, die den Schüler:innen halfen, körperlich fit

zu werden, mit der Natur vertraut zu werden und das Zusammensein

außerhalb des Klassenzimmers zu erleben.

Bei jeder Aktivität haben wir die körperliche Beanspruchung,

die technische Komplexität und die räumliche Entfernung

von zu Hause etwas erhöht. Auf diese Weise wurde

der Zusammenhalt zwischen den Begleiter:innen und der

Gruppe Schritt für Schritt gestärkt.

Es gibt dabei Kinder, bei denen das Asperger-Syndrom,

eine rechtsseitige Hemiparese, eine intellektuelle Beeinträchtigung

oder eine hypotone Tetraparese diagnostiziert

wurden und die eine besondere seelische Zuwendung

durch die Gruppe benötigen. In einer Zeit des Wandels und

der Bewegung, bedingt durch die Pubertät und die Auswirkungen

der Pandemie, kamen jedoch auch Kinder mit

Ängsten, mit geringer sozialer Kompetenz, geringer Toleranz,

mit Gedächtnisproblemen und eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit

zu uns.

Bei der Planung der Aktivitäten wurde uns klar, wie wichtig

es ist, Orte auszuwählen, die den Qualitäten der einzelnen

Gruppenmitglieder Rechnung tragen; Orte, die es ihnen

ermöglichen, Erfolgserlebnisse zu erfahren. Außerdem

haben wir im Vorfeld eine Erkundungstour gemacht, um

alle möglichen Sicherheitsmaßnahmen, Evakuierungswege

und Vorkehrungen für den Fall von Katastrophen oder

Unfällen zu erörtern. Dadurch konnten wir ihnen das Gefühl

geben, dass wir ihnen vertrauen, dass wir wissen, dass

sie es schaffen können und dass wir als Team bereit sind,

uns in jeder Situation um sie zu kümmern. Außerdem habe

ich die Begleiter und Betreuerinnen sorgfältig ausgewählt:

erwachsene Persönlichkeiten, die in der Lage sind, den

Schülern und Schülerinnen in jeglicher emotionalen und

physischen Stresssituation ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln,

die über gute soziale Kompetenzen verfügen, die

Wahrheit und Gerechtigkeit lieben, sich von der Welt überraschen

lassen und eine Entdeckerseele haben.

Wir Betreuerinnen und Betreuer bilden ein solides Team,

das in der Lage ist, die Gruppe in Bewegung zu halten,

und dabei den «lebenswichtigen Humor» nie verliert, um

schwierige Situationen aufzulockern, sowie immer Flexibilität

und Enthusiasmus bewahrt, um insbesondere die

Seeking a sense of freedom during the restrictions

of the pandemic, we came upon a beautiful forest, a

place where we could be together again, to live freely

just like before. The children were in sixth grade, around

twelve years old, and there was a quiet but growing urge

among us all to begin discovering the world. As I read

more, I came to understand how meaningful walking and

hiking can be during puberty and adolescence. Inspired

by this, and together with a dear friend who shares a deep

love for nature, we decided to guide the students out into

the world, inviting them to explore it step by step, on their

own two feet.

On Tuesday, April 27, 2021, we set out on the first of four

journeys that would guide us toward a deeper understanding

of nurturing the etheric body, helping prepare the

students for the independence of their souls. Our time

together stretched over four years, concluding on May 3,

2024. Throughout this period, the group evolved – some

students moved on, others joined – but the love for nature

and the spirit of exploration remained constant. As their

teacher, I changed too. During my training in curative education,

I began to see my students with new eyes, especially

those with delicate emotional needs, and in parallel realized

that being in nature also offered new meaning.

After studying the constituent bodies of the human being,

the ethers and the elements, I started to observe more clearly

the subtle transformations that occurred each time we

ventured into nature. The planning of each outing became

more intentional and detailed. Between the students’ eager

longing for discovery and the heartfelt commitment of

the guides and teachers, we shaped a program for children

aged twelve to fifteen of activities in natural surroundings

designed to bring strength, vitality, and balance to the lower

bodies during the years of puberty and adolescence in

an inclusive setting.

The order of activities followed the natural rhythm of human

development: the sequence in which the constituent

bodies are born and connect to the elements. Just as the

human being gradually integrates each body, we introduced

a new element with each activity. To help the students

prepare for these experiences, we carried out other hikes

in rhythmic fashion that encouraged physical strength, a

growing ease with nature, and opportunities to connect

beyond the classroom. With each outing, we gradually increased

the physical effort, the degree of technical difficulty,

and the distance from home. And with every step,

the bond among the students and their companions grew

deeper and stronger.

Some of these children needed special emotional support

from the group. Among them were students diagnosed

with Asperger’s Syndrome, right-sided hemiparesis,

intellectual impairment, and generalized quadriplegic

hypotonic syndrome. Others, affected by the changes of

puberty, adolescence, and the aftermath of the pandemic,

experienced anxiety, low tolerance for frustration, social

difficulties, poor memory, or trouble concentrating.

As we planned the activities, we came to understand how

important it was to choose locations that respected the

particular needs and strengths of each child, places where

they could accomplish things for themselves. We made

prior scouting visits to assess every detail: safety conditions,

evacuation routes, and available assistance in case of

emergencies. This preparation helped us create an atmosphere

of trust, where the children felt capable, supported,

and cared for. I was also careful in choosing the adults

who would accompany us – guides who could offer a calm,

steady presence, who were able to make the students feel

emotionally and physically safe. They were people with

strong social skills, a love for truth and fairness, a sense

of wonder about the world, and the heart of an explorer.

Together, we formed a solid team, able to keep the group

moving forward. For this, we needed what I call «living

humor,» a lightness of spirit, flexibility, and genuine enthusiasm,

especially when walking alongside children

with special needs. Trusting in the students’ abilities was

essential, knowing that nature always holds some degree

of risk, and that fear alone can keep a young person from

fully engaging. When fear did arise, we adjusted, found

new ways to continue, and gave each child the support

they needed to carry on.

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Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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Kinder mit höherem Assistenzbedarf zu begleiten. Das

Vertrauen in die Fähigkeiten der Schüler:innen war von

entscheidender Bedeutung, da der Aufenthalt in der freien

Natur immer mit Risiken verbunden ist und die eigenen

Ängste die Erfahrungen der jungen Menschen mit Assistenzbedarf

einschränken können. Wenn dies geschah,

mussten wir uns organisieren, um die Erfahrung fortsetzen

zu können und jeder und jedem Einzelnen die notwendige

Unterstützung zu geben.

Experience of contact with the earth

element to strengthen the physical

body and develop the life ether

Place: Xitle Volcano, south of Mexico City.

Age of students: 12 years old (6th grade)

Duration: 5 hours of travel; 5 km.

Die Erfahrung des direkten Kontakts

mit dem Erdelement zur Stärkung

des physischen Leibes und um verstärkt

mit dem Ätherleib zu arbeiten

Ort: Vulkan Xitle, südlich von Mexiko-Stadt.

Alter der Schüler:innen: 12 Jahre (6. Klasse)

Dauer: 5 Stunden; 5 km.

Der Vulkan Xitle, dessen Name in Nahuatl «Nabel» bedeutet,

brach etwa 50 v. Chr. aus. Die Lava führte zur Bildung

einer Reihe von Höhlen am Fuße des Vulkans. Das Gelände

besteht aus abgelöstem vulkanischem Material, der größte

Teil des Vulkans ist stabiles Gelände, aber innerhalb der

Wanderwege gibt es immer noch Felsabbrüche verschiedener

Größe, was die Wanderung komplex macht.

Der Krater von Xitle besteht aus schwarzem Vulkangestein,

das aufgrund von Silikaten schillernd glänzt (diese

Beschreibung ist ein Beispiel für die Art von technischem

und wissenschaftlichem Wissen, das wir während des

Projekts erworben haben). Beim Abstieg ins Zentrum des

Kraters mussten wir bei jedem Schritt sehr vorsichtig sein,

da die Felsen den Boden uneben machen, so dass man

leicht ausrutschen kann. Als wir uns langsam an den Abstieg

zwischen den Felsen gewöhnten, konnten wir den

Kontrast zwischen dem lockeren Boden und der Festigkeit

der Knochen unserer Beine wahrnehmen; und wir fanden

einen Rhythmus in unseren Schritten, der uns ein Gefühl

der Sicherheit vermittelte, das wir auch auf dem unsicheren

Untergrund stets spüren konnten.

Als wir das Zentrum des Kraters erreichten, wurden wir mit

festem Boden und einer Landschaft belohnt, die mehr aus

Felsen als aus Himmel bestand. Die Atmosphäre war warm

und trocken, wir waren völlig von Erde umgeben, und auch

unser Körper verlangte nach mehr Wasser. Wir ruhten uns

von dem Gefühl der Unsicherheit aus, denn wir wussten,

dass wir bald zu ihm zurückkehren würden. Der Aufstieg

aus dem Krater war eine echte Willensleistung. Jeder

Schritt, den wir machten, zog uns nach unten, die körperliche

Anstrengung spiegelte sich nicht in der zurückgelegten

Strecke wider, und wenn wir unser Körpergewicht nicht

gut bedachten und nicht genau wussten, wo wir unsere

Füße hinsetzten, konnten wir immer wieder ausrutschen.

Das zwang uns, ein gleichmäßiges Tempo zu halten und

uns an die innere Erschöpfung anzupassen. Aus dem Krater

herauszukommen war eine große Leistung, vor allem

für diejenigen von uns, die körperliche Anstrengung nicht

gewohnt waren.

Nach der Erkundung des Kraters, die uns vorkam, als hätten

wir die Überreste eines Lebewesens besucht, gingen

wir zur Erforschung seiner Entstehung über. Von der Lava

gebildete Höhlen – die Folgen ihrer Kraft und Bewegung.

Um sie zu betreten, mussten wir uns etwa 5 Meter weit abseilen.

Beim ersten Abseilen entdeckten wir eine Dynamik

zwischen dem Seil, dem Körper, unserem Gewicht und der

Bewegung. Wir mussten uns dabei auf unsere Hand verlassen,

die die Reibung beim Durchziehen des Seils und damit

die Geschwindigkeit des Abstiegs kontrollieren konnte.

Der Abstieg in die Höhle brachte einen Temperaturwechsel

mit sich, denn dort trafen wir auf die thermische Qualität

der Mineralwelt; anders als der Krater war die Höhle feucht

und kalt. Um die Höhle zu durchqueren, gingen wir auf riesigen,

festen Felsen, die aus einem dunklen Boden emporragten;

um hinaufzuklettern, benutzten wir alle vier Gliedmaßen,

wir bahnten uns einen Weg durch scharfe Felsen

und kletterten durch ein kleines Loch hinaus. Draußen im

Krater, wo die Felsen der Witterung ausgesetzt sind, sind

sie geschliffen, aber im Inneren der Höhle, ohne die Witterung,

sind die Felsen schärfer, so dass es sehr wichtig

ist, feste und bewusste Schritte zu machen. Beim Klettern

lernten wir das Verhältnis zwischen unserer Kraft und der

Härte der Felsen kennen. Wir konnten uns auf die Festigkeit

der Felsen verlassen, mussten dabei aber auf die Neigung

der Oberfläche achtgeben und einen guten Griff bewahren.

Entwicklungsaspekte

Die Entwicklung des physischen Leibes erfolgt über die

Knochen, so dass sie sich der Erde näher fühlen, schwer

wie Steine, aber ihr Denken leuchtet wie die Sterne. Es ist

diese Nähe zum Erdelement, die es uns ermöglicht, mit

dem Aufstieg auf den Berg zu beginnen und den Kindern

einen festen, aber offenen, sozialen und doch persönlichen

Raum zu bieten.

The Xitle Volcano, whose name in Nahuatl means «navel,»

erupted around 50 BC. Its lava flow gave shape to a series

of caves at its base, and the terrain today is still covered

with loose volcanic material. While most of the volcano is

stable, rockfalls of various sizes still occur along the trails,

making hiking a challenge.

The crater itself is made up of black volcanic rocks that

shimmer with tiny, iridescent sparkles caused by the presence

of silicates. This was just one example of the technical

and scientific knowledge we came to appreciate during

the experience. As we made our way down into the crater,

we had to be mindful of every step. The loose rocks created

an unstable surface, and it was easy to slip. But as we grew

more comfortable moving over the stones, we began to

feel the contrast between the shifting ground beneath us

and the solid structure of our own legs. Slowly, we found

a rhythm in our steps; a rhythm that gave us a sense of

security, even on uncertain ground.

At the center of the crater, we reached firmer terrain. The

sky disappeared behind the rocky rim, and we were surrounded

almost entirely by earth. The air was hot and dry,

and soon our bodies began asking for more water. We paused

there, resting in the stillness, knowing we would soon

be returning to the challenge. Climbing out of the crater

took real willpower. Each step seemed to sink us back, and

the effort we put in didn’t match the distance we gained. If

we didn’t carefully gauge our weight and footing, we would

slip again and again. It was a lesson in persistence, in adapting

to frustration. Reaching the top was a real accomplishment,

especially for those less used to physical effort.

After exploring the crater, as if we had visited the remains

of a living creature, we walked toward the source of its

creation, penetrating deep caves, the cooled remnants of

lava’s once-living flow. To enter them, we had to rappel

down about five meters. For many, it was the first time.

Rappelling taught us how to work with our body, the rope,

our weight, and the movement between them. We had to

trust our hands, which controlled the rope’s friction, and

with it, the speed of our descent.

Descending to the cave brought a drop in temperature, as

unlike the dry heat of the crater, the cave was cool and

damp with the scent of minerals. We clambered over

massive, impassive rocks, going beyond them into darkness.

To move upward, we used all four limbs, squeezing

through sharp formations and finally emerging through a

small opening. The outer rocks, shaped by the elements,

had worn down over time. But inside the cave, untouched

by weather, the stones were jagged and sharp. Every step

had to be firm and deliberate. Climbing helped us sense

our own strength in relation to the rock’s solidity. We learned

to trust its stability, while paying close attention to

every slope and footfall.

Aspects of development

Physical development works through the bones, grounding

us, making us feel close to the Earth, as heavy and

solid as stones. And yet, at the same time, thoughts sparkle

like stars. This deep connection with the earth element

marks the right moment to begin exploring the mountains,

offering a space that is both steady and open, where

personal and social growth can unfold.

At this stage, they are «between heaven and earth,» their

thoughts soaring while their bodies slowly take root. Visiting

places where they can feel their bones, where sensation

meets reflection, becomes a healing act. It draws

together the poles, uniting body and thought. This kind

of experience brings attention to the physical self, while

inviting thinking into presence, into the here and now. It’s

valuable to have a technician or scientist, for instance, someone

like a geologist, geographer, or biologist, to accompany

the group. Not only to answer questions truthfully,

but also, and more importantly, to awaken new ones. In

doing so, we help balance the inner and the outer worlds,

the world of thought and the world of lived experience.

Learnings

During this first experience, the adults accompanying the

group played a key role in caring for the social dynamic.

The person leading had to help contain the energy of the

fastest students, while the person at the rear supported

those needing help keeping up. Goals were to keep the

group together, to encourage awareness of each other’s

needs, and to foster a spirit of mutual support. Sharing

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Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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Die Erfahrung des Kontakts mit dem

Wasserelement zur Stärkung des Ätherleibs

und um verstärkt mit dem Klangäther

(Chemischen Äther) zu arbeiten

Ort: Cañada de Nexpayantla, innerhalb des Nationalparks

Iztaccihuatl-Popocatepetl

Alter der Schüler:innen: 13 Jahre (7. Klasse)

Dauer: 7 Stunden; 11 km

food was also an important part of building a strong, connected

group. These shared moments created bonds that

will help them overcome greater physical challenges in future

experiences.

It is also important to remember that, as this was their first

experience, some students could have felt overwhelmed

or unsure how to proceed. For them, having the option of

assisted rappelling with automatic braking made it easier

to take that first step.

Wenn sich die Kinder «zwischen Himmel und Erde» befinden,

wenn sie mit ihren Gedanken fliegen und bis in die

Knochen inkarnieren, wenn sie Orte besuchen, an denen

sie ihre Knochen spüren und wahrnehmen können (sensorische

Erfahrung), was sie lernen (Denken), dann ist das

heilsam, denn es führt die Pole zusammen. Diese Aktivität

holt das Bewusstsein in den physischen Leib und lädt

das Denken in die Gegenwärtigkeit ein. Es ist wichtig, diese

Erfahrung in Begleitung eines Fachmanns, einer Fachfrau

oder eines Wissenschaftlers (Geologe, Geografin, Biologe)

zu machen, die in der Lage sind, manche Unklarheiten zuverlässig

zu klären, aber vor allem auch immer wieder neue

Fragen aufzuwerfen. Und damit ein Gleichgewicht zwischen

Innen und Außen, zwischen Gedanken und körperlicher

Erfahrung zu schaffen.

Ausbildungsmöglichkeiten

Während dieser ersten Erfahrung müssen die begleitenden

Erwachsenen stets dafür sorgen, dass der soziale Aspekt

berücksichtigt wird. Die Person, die die Gruppe anführt,

muss die Energie der schnelleren Kinder zügeln, und die

Person am Ende der Gruppe muss den langsameren Kindern

dabei helfen, das Tempo zu halten. Die Gruppe sollte

zusammenbleiben, damit sie die Bedürfnisse aller Gruppenmitglieder

wahrnehmen und bei Bedarf helfen kann. Es

ist bemerkenswert, dass das Teilen von Essen eine solide

Gruppenbildung fördert, die wiederum ermöglicht, die körperliche

Herausforderung bei zukünftigen Erlebnissen zu

erhöhen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich um die erste solche

Erfahrung handelt und dass einige der Teilnehmenden sich

möglicherweise gelähmt fühlen (oder nicht wissen, was sie

tun sollen), daher ist es wichtig, dass sie die Möglichkeit

des Abseilens mit geführter Abbremsung haben.

Nexpayantla, was auf Nahuatl «wo es viel Asche gibt» bedeutet,

ist eine Schlucht, die bei der letzten Eruption des

Stratovulkans Popocatépetl entstanden ist. Das vom Popocatépetl

herabfließende Schmelzwasser bildet einen Wasserlauf.

Der Besuch dieses Ortes ist mit einem hohen Risiko verbunden,

denn da es sich um eine Schlucht handelt, gibt

es nur einen Ein- und Ausgang; das bedeutet, dass im Falle

einer drohenden Gefahr die bereits absolvierte Strecke

in die entgegengesetzte Richtung zurückgelegt werden

muss, um so schnell wie möglich das Gelände verlassen

zu können. Es ist sehr wichtig, dass sich die begleitenden

Personen diesem Umstand bewusst sind: Sie müssen sehr

genau auf die Geräusche des Berges (Asche- und Gesteinsauswurf

sowie Eruption) sowie auf plötzliche Veränderungen

der atmosphärischen Bedingungen (Regen, Hagel

usw.) achten.

Die Route selbst verläuft in einem Gelände mit geringen

technischen Schwierigkeiten. Der Weg beginnt am Fuße

der Straße Santa Bárbara Huajuapan-Tlamacas bei Kilometer

4.6. Wir wandern gegen die Stromrichtung zwischen

feuchter Erde, gut gerundeten Flusssteinen und Baumstämmen,

die bei Bedarf helfen, das Wasser zu überqueren.

Je weiter wir vorankommen, desto höher werden die

Felswände, desto schmaler wird der Weg und desto feuchter

wird es. Die Vegetation verändert sich entsprechend

der Höhe und des Schattens. Am Ende des Weges hört die

Baumvegetation ganz auf und macht Platz für Flechten,

Moose und Farne.

Die Besonderheiten dieses Ortes helfen dabei, die Erfahrung

in der Natur sozialer und künstlerischer zu gestalten.

Die Route war sehr einfach zu gehen und den richtigen

Weg zu finden, da die Stromrichtung ihn uns zeigte. Es

war wie eine Schatzsuche, bei der der Schatz die Herkunft

des Wassers war. Nach einem langen Fußmarsch, bei dem

wir die Überreste dessen fanden, was vom Wasser fortbewegt

wird, wenn der Pegel des Baches ansteigt, wurden die

Felsen immer imposanter und ließen uns immer weniger

Platz, wie große Wächter. Als wir das Ende der Schlucht

erreichten, bemerkten wir, dass das Wasser von großen

glatten Steinen herabfiel, die vom Wasser geformt worden

waren. Das Gelände war sehr rutschig, so dass wir die Hilfe

eines Seils benötigten, um den Wasserfall zu erreichen.

Experience of contact with the

water element to strengthen the

etheric body and work on the

chemical-sound ether

Place: Nexpayantla Canyon, within the

Iztaccíhuatl-Popocatépetl National Park

Age of students: 13 years old (7th grade).

Duration: 7 hours of travel, 11 km.

Nexpayantla, whose name in Nahuatl means «where ash

abounds,» is a ravine shaped by the last eruption of the

Popocatépetl stratovolcano. The melting snow from its

slopes feeds a stream that runs through the heart of this

landscape.

Visiting this place involves a certain level of risk. Since it

is a ravine, there is only one way in and out, meaning that

in the event of danger, the same path must be retraced

quickly for evacuation. It was essential for all those accompanying

to be fully aware of this and remain alert to the

mountain’s sounds – such as the expulsion of ash or rocks

– and to sudden changes in weather conditions, including

rain or hail.

The trail itself is not technically difficult. It begins at kilometer

4.6 of the Santa Bárbara Huajuapan–Tlamacas highway

and follows the stream upstream. We walked between

wet earth, rounded river stones, and tree trunks that helped

us cross the water. As we advanced, the ravine walls

grew taller, the path narrower, and the air more humid.

The vegetation changed with the altitude and shade, until

eventually, the trees gave way to mosses, lichens, and

ferns.

The character of the place naturally brought out the

group’s social and creative sides. The current guided our

steps, making it easy to find the way, as if we were following

clues in a treasure hunt, with the water source as

our prize. Along the way, we came across traces of what

the stream carries when it rises: branches, stones, and the

signs of its power. The rocks gradually became more im-

posing, pressing in on both sides like towering guardians.

At the end of the ravine, water flowed down smooth, worn

stone, shaped by time and movement. The ground was

slippery, and we used a rope to help reach the waterfall

where we felt the icy snowmelt water. Then we began the

return journey, with a descent that was considerably harder

than the climb. Some moved quickly, others needed

more time, but all walked back with a quiet, proud sense

of achievement.

Aspects of development

At 13, children start to develop a deeper interest in listening

as much to others as to themselves. They look for more

time alone at home, and at school, they’re eager for long

conversations. With a simple but extended walk, we offer

them moments of quiet and reflection, mixed with time to

explore the landscape, notice the skills of their companions,

and share light conversations and laughter.

The social sense starts to awaken as their awareness grows

and energy begins to flow from their will. With gentle guidance,

they begin to find real meaning in being together.

These outings in nature soon led them to plan their own

gatherings, where they supported one another through fears,

did physical activities, played, and talked. Their way

of being together began to take shape – grounded in kindness

and love.

Lessons learned from experience

Keeping up with fitness-building activities helped the

group find a natural rhythm together. It boosted their

self-confidence and opened the door to discovering new

strengths – in themselves and in each other. As chaperones,

it’s important to begin stepping back little by little,

giving students the space to take on some responsibility,

both for themselves and for the group.

It is a beautiful moment to share what we might call a «devotion

to the small things» – those quiet details that reveal

growth. As companions, we can notice the progress each

one makes, and in doing so, help their peers see it too,

inviting genuine appreciation and recognition.

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Die Erfahrung des Kontakts mit

dem Luftelement zur Stärkung

des Astralleibs und um verstärkt

mit dem Lichtäther zu arbeiten

Ort: Río Subterráneo in Chontalcoatlán, Guerrero

Alter der Schüler:innen: 13 und 14 Jahre

(7. und 8. Klasse)

Dauer: 2 Tage

Experience of contact with the air

element to strengthen the astral

body and work with the light ether

Place: Underground River in Chontalcoatlán, Guerrero

Age of students: 13 and 14 years old (7th and 8th grade)

Duration: 2 days

Nachdem wir erfahren hatten, wie das eiskalte Wasser (das

vom Tauwetter herrührte) in die Tiefe stürzte, machten wir

uns auf den Rückweg. Die Felsen hinunterzusteigen war

viel schwieriger als hinaufzusteigen. Einige gingen sehr

schnell hinunter und andere brauchten mehr Zeit, aber alle

schafften den Weg zurück mit einem schönen Erfolgserlebnis

im Gepäck.

Entwicklungsaspekte

Im Alter von 13 Jahren beginnen die Kinder, ein starkes

Interesse daran zu zeigen, Gleichaltrigen und sich selbst

zuzuhören, sie suchen zu Hause mehr Zeit für sich selbst

und in der Schule sind Gespräche sehr wichtig. Mit einer

einfachen, aber ausgiebigen Wanderung verschaffen wir ihnen

Zeiten der Stille und des Nachdenkens, durchsetzt mit

Momenten der Hinwendung zur Natur und zu den Fähigkeiten

der Gleichaltrigen und begleitet von leichtem Plaudern

und Lachen.

Das Soziale beginnt sich durch die Energie zu entwickeln,

die der Wille bei der Bewusstseinsbildung freisetzt, so dass

die Jugendlichen mit der richtigen Begleitung einen großen

Wert in den gemeinsamen Momenten mit der Gruppe

entdecken können. Bei diesen Ausflügen in die Natur begannen

sie, Gruppentreffen zu planen, bei denen sie sich

gegenseitig bei der Überwindung von Ängsten unterstützen,

Übungen machen, spielen, sich unterhalten und ihre

Vorstellung vom Zusammenleben auf der Grundlage von

Freundlichkeit und Liebe entwickeln konnten.

Die Lernerfolge aus dieser Erfahrung

Die regelmäßige Durchführung dieser sportlichen Aktivitäten

trug dazu bei, einen natürlichen Gruppenrhythmus zu

etablieren. Das stärkte das Selbstvertrauen und ermöglichte

den Jugendlichen, neue Fähigkeiten an sich selbst und an

den anderen zu entdecken.

Als Betreuungsperson ist es wichtig, sich nach und nach

zurückzuziehen, damit die Schülerinnen und Schüler anfangen,

Verantwortung für sich und die Gruppe zu übernehmen.

Dies bietet eine ideale Gelegenheit, die «Hinwendung zum

Kleinen» zu teilen. Die Begleitpersonen können die Fortschritte

der einzelnen Gruppenmitglieder beobachten, was

den anderen erlaubt, ebenfalls zu staunen und ihnen aufrichtige

Anerkennung zu schenken.

Dieser Ort liegt in der Sierra Madre del Sur, im Norden des

Bundesstaates Guerrero, im Nationalpark Grutas de Cacahuamilpa.

Das Wasser des Flusses Chontalcoatlán entspringt

im Nevado de Toluca, fließt durch die Schlucht von

Malinaltenango und passiert schließlich den Ort, der ihm

seinen Namen gibt. Das Felsgestein, aus dem der Boden

besteht, lässt kein Wasser durch und bildet so die Grundlage

für einen unterirdischen Fluss. Die Höhle kann in der

Trockenzeit (Februar bis Mai) betreten werden, nicht aber

von Juni bis Dezember, denn dann ist Regenzeit, die Strömung

nimmt zu und der Zutritt ist nicht mehr möglich.

Die Gesamtlänge des unterirdischen Flusses beträgt sieben

Kilometer, wobei sich auf halber Strecke ein Oberlicht

befindet, eine Öffnung im Dach der Höhle, durch die man

aussteigen kann. Dieses Erlebnis ist zugleich eine Einführung

in die Speläologie (Wissenschaft, die die Natur, den

Ursprung und die Entstehung von Höhlen sowie ihre Fauna

und Flora untersucht).

Da es unsere erste Erfahrung unter der Erde war, waren wir

alle sehr aufgeregt, und mit dieser Energie begannen wir

den Weg zu gehen, der uns zum Eingang der Höhle führen

sollte. Die Sonne brannte so sehr, dass einige sich schwach

fühlten und die Begleitpersonen ihnen helfen mussten,

ihre Sachen zu tragen, um den Weg etwas leichter zu machen.

Als der gerade verlaufende Weg zu Ende war, begannen

wir, einen Klettersteig hinunterzusteigen, der uns zum

Eingang der Höhle führte.

Da dies unsere erste Erfahrung unter der Erde war, waren

wir alle sehr aufgeregt, und mit dieser Energie machten

wir uns auf den Weg, der uns zum Eingang der Höhle führen

würde. Die Sonne brannte so sehr, dass einige sich

schwach fühlten und die Begleitpersonen ihnen helfen

mussten, ihre Sachen zu tragen, um ihnen den Weg zu erleichtern.

Wir wanderten mehrere Stunden lang, ohne uns

auszuruhen, und staunten über alles, was uns begegnete:

felsiger Kalkstein mit mineralischen Formationen, die

durch die kleinen, vom Wasser geschliffenen Rillen glitzerten,

und große Stufen, die wie Pyramiden aussahen, Stalaktiten

und Stalagmiten. Die Haltung der Schüler:innen

veränderte sich allmählich, einige fragten etwas ängstlich,

ob wir nicht noch einmal das Sonnenlicht sehen würden,

andere hörten nicht auf, ihre Entdeckungen staunend zu

Located in the Sierra Madre del Sur, in the northern part

of Guerrero, the Grutas de Cacahuamilpa National Park

is home to a remarkable underground world. The waters

of the Chontalcoatlán River spring forth at the Nevado de

Toluca, flow through the Malinaltenango ravine, and flow

past the town that shares its name. The rock here is impermeable,

so the water cannot seep through – it forms an

underground river instead. The cave can only be accessed

during the dry season, from February to May; from June to

December, the rains swell the current, making entry impossible.

The river runs underground for about seven kilometers,

and halfway along there is a skylight, an opening in the

cave ceiling that allows for an exit. This was our introduction

to speleology, the study of caves and their formations,

ecosystems, and origins.

It was our first time venturing into a cave, and the excitement

was palpable. We started along the trail under a

blazing sun so strong that a few began to feel weak. Their

companions quickly offered to carry their things to make

the journey easier. The flat path ended, and we began to

descend a via ferrata that led to the cave entrance.

As we made our way down, the air grew cooler and more

humid. We knew we were leaving the sun behind for the

day, so we paused to say goodbye to its warmth before

stepping into the cave, where warm water welcomed us.

Gradually, darkness enveloped us, and we turned on our

headlamps to see our way forward. Inside, everything

changed – temperature, sound, texture, light, and even our

sense of time and space.

We walked for hours, continuously amazed by what we

saw: limestone rocks carved by water, mineral patterns

glittering in our torch beams, enormous natural steps like

pyramids, and delicate stalactites and stalagmites. The

students’ mood slowly shifted. Some grew anxious, wondering

if we’d ever see daylight again; others were wideeyed

with curiosity and discovery, while a few grew quiet,

simply taking it all in. At first, stepping into the water felt

uncertain, but soon the children were striding through it

as if it were any other trail. Moving through the cave was a

delicate balance between the weight of our bodies on rock

and the lightness of the water lifting us.

t neared, the water turned colder, and we hurried toward

our campsite. Local guides helped carry our gear to the

skylight where we would sleep. After walking for nearly

ten hours, we arrived tired, but there was still work to be

done. Two companions and three students quickly moved

everything down, sparking a wave of gratitude. Something

shifted then – a new sense of solidarity emerged. Without

being asked, everyone joined in to set up camp. We moved

with ease and harmony: carrying bags, keeping things dry,

pitching tents, and lighting the fire. It was one of the most

fluid and quietly efficient moments we had experienced

as a group.

Sleeping inside the cave was unforgettable. The darkness

and the constant sound of water created a space for inward

reflection. But around the campfire – our only source

of light – something else awakened. Conversation flowed

gently, full of warmth and trust. In that darkness, we felt

ourselves becoming as one. We looked inward, but we also

saw one another more clearly. The cave drew us into a shared

rhythm, the darkness blurring our edges.

We slept longer than usual in that deep, quiet dark. And

when we finally awoke, we packed our things and continued

our walk, filled with the hope of feeling the sun on our

skin once more.

Aspects of development

A second group, one year younger, joined this experience.

At first, they were extremely resistant, but the adventure

gently dissolved the differences between the two groups,

and before long, a single group emerged.

The students began paying more attention to how they

could feel better prepared – eating more consciously, understanding

the importance of packing well, and taking

care of their personal adventure gear, knowing it would be

needed again. A group tradition started to take shape, one

where caring for health and well-being became essential to

fully enjoying each moment.

As introspection deepened and curiosity about the human

body grew, discomfort and insecurity around their own

bodies also surfaced – especially for those with physical

disabilities. But after walking for hours, climbing, and ac-

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Experience of contact with the fire

element to call upon the I-organization

and work with the warmth

ether

Place: Cuetzalan del Progreso, Puebla

Age of students: 14 and 15 years old (8th and 9th grade)

Duration: 5 days

zeigen, und wieder andere schwiegen, während sie alles

auf sich wirken ließen. Die ersten Schritte im Wasser lösten

zunächst Unsicherheit aus, aber mit der Zeit gingen die

Kinder weiter wie auf jedem anderen Weg. Das Begehen der

Höhle war eine Mischung aus Festigkeit auf den Felsen und

Leichtigkeit im Wasser, manchmal trug man sein ganzes

Gewicht und manchmal trug das Wasser es für einen.

Als wir spürten, dass die Nacht nahte, weil das Wasser immer

kälter wurde, wollten wir so schnell wie möglich zu

unserem Lagerplatz gelangen. Um uns das Abenteuer etwas

zu erleichtern, halfen uns die Einheimischen, unser

Gepäck und unsere Ausrüstung zu dem Dachfenster zu tragen,

wo wir unser Nachtlager aufschlagen wollten. Denn als

wir nach etwa 10 Stunden Wanderzeit müde ankamen, gab

es noch viel zu tun. Zwei Begleitpersonen und drei Jugendliche

schafften es, alles sehr schnell herunterzuladen, was

ein großes Gefühl der Dankbarkeit in der Gruppe auslöste.

So entstand eine neue Solidarität und wir erledigten alles,

was es für das Lager brauchte, als Team, ohne dass die Begleitpersonen

darum bitten mussten. Wir liefen schnell die

verbleibende Strecke, trugen Koffer, achteten darauf, dass

nichts nass wurde, bauten Zelte auf und entfachten das

Lagerfeuer. Noch nie hatten wir eine so harmonische und

effiziente Organisation erlebt.

Die Nacht in der Höhle zu verbringen war eine ganz besondere

Erfahrung. Die Dunkelheit und das Rauschen des Wassers

förderten die Selbstreflexion, doch als wir uns in einer

Gruppe wiederfanden, in der ein wunderschönes Lagerfeuer

zum Miteinander einlud, floss all das, was in unserem

Inneren war, ganz natürlich nach außen, und die Gespräche

hatten einen einzigartigen, warmen, vertrauensvollen Ton.

Das Lagerfeuer war unsere einzige Lichtquelle. In der Höhle

erlebten wir die Erfahrung, ein einziger Organismus zu

sein, wir schauten in uns selbst, aber auch in die anderen,

die Dunkelheit verwischte unsere Grenzen.

Die tiefe Dunkelheit der Höhle führte dazu, dass wir viel

später als sonst schliefen. Sobald wir wach wurden, brachen

wir unser Lager ab und brachen voller Hoffnung, wieder

das Sonnenlicht zu sehen und zu spüren, auf.

Entwicklungsaspekte

Zu diesem Abenteuer gesellte sich eine zweite Gruppe von

Schüler:innen, die ein Jahr jünger waren und sich zunächst

sehr zurückhaltend verhielten, aber im Laufe dieser Unternehmung

verwischten sich die Unterschiede zwischen den

Gruppen und sie wurden letztlich zu einer gemeinsamen

großen Gruppe.

Die Schüler fingen an, darauf zu achten, was sie tun können,

um sich besser vorbereitet zu fühlen, zum Beispiel

sich besser zu ernähren oder dass es wirklich wichtig ist, zu

packen und sich um die individuelle Abenteuerausrüstung

zu kümmern, weil wir diese ständig benutzen würden. So

So entstand eine gemeinschaftliche Verhaltensweise, bei

der die Gesundheit und das Wohlbefinden an erster Stelle

standen, um jeden Moment genießen zu können.

Beim Zusammenspiel von Selbstreflexion und Interesse an

der Funktionsweise des menschlichen Körpers entstehen

gewisse Unbehaglichkeiten und Unsicherheiten gegenüber

dem eigenen Körper, die bei den Schüler:innen mit einer

körperlichen Beeinträchtigung noch stärker ausgeprägt

waren. Doch nach stundenlangem Laufen und Klettern und

nachdem sie all die Dinge erreicht haben, die zunächst unerreichbar

schienen, wurde die Beziehung zum eigenen

Körper verändert und gestärkt.

Wenn das Gedankenleben sich entfaltet und der Egozentrismus

überhand nimmt, wirkt diese Art von Aktivität wunderbar

dagegen, denn sie eröffnet ihnen eben die großartige

Welt, die sie brauchen, um mit ihrem Willen in die Welt

zu gehen, anstatt ihn schlummern zu lassen.

Die Lernerfolge aus dieser Erfahrung

Diejenigen, die in der Dunkelheit zu viel nachdachten,

brachten ihren Geist zur Ruhe und erlaubten sich, zu fühlen.

Diejenigen mit überschüssiger Energie brachten den

Körper zur Ruhe und gaben sich selbst die Möglichkeit zu

beobachten. Es gab dabei keine Eile, keine Ungeduld, keine

Müdigkeit.

Die Bedingungen in der Höhle ließen ein wunderbares Gefühl

von Demut und Miteinander-Verbundensein entstehen,

das die Dynamik der Gruppe für immer veränderte.

Es ist wichtig, sich über den Rhythmus, den die Gruppe

braucht, im Klaren zu sein und diesen mit dem für diesen

Ort geeigneten Rhythmus abzustimmen, um die Schüler

nicht zu überfordern.

complishing what once seemed out of reach, their relationship

with their bodies began to shift. It became stronger,

more trusting.

This is a time when thinking unfolds in new ways, and with

it, egocentrism can sharpen. However, these kinds of experiences

challenge that beautifully, offering a world full

of wonder into which one can step with intention and will

rather than passing through it in a state of sleep.

Lessons learned from experience

In the darkness, those who tended to overthink found a

quieting of the mind and allowed themselves to simply

feel. Those who usually carried excess energy settled their

bodies and opened up to observation. There was no rush,

no impatience, no tiredness.

The conditions of the cave gave rise to a quiet sense of humility

and interdependence, something that gently shifted

the group’s dynamic in a lasting way.

It’s important to stay attuned to the rhythm the group

needs, and to balance it with the pace required by the environment

– so as not to push the students beyond what

they can carry, but to let the experience unfold with care.

Cuetzalan lies in the mountains to the north east of Puebla,

home to the Tosepan Titaniske cooperative union, an

organization formed by Nahua and Totonac indigenous

farming families. It is a sustainable community built using

eco-technologies, with an educational system they designed

themselves, inspired by approaches like Waldorf and

Montessori.

We arrived in a small, warm, and humid paradise nestled

between the mountains and the mist. There, we discovered

a large group of families living in harmony, where each

person contributed according to their abilities, and everyone

had what they needed. They welcomed us with a tour

of their community, showing us the dining hall and the

school that made some of the students nostalgic for their

early years; an auditorium under construction with an impressive

structure built entirely from natural materials, the

communications center – equipped with radio, telephone,

and internet – the carpentry workshop, and a space where

they shared their eco-technological innovations, like energy-efficient

stoves. The hotel where we stayed, also built

by the community, was another example of their self-sufficiency.

For us adults, it was inspiring. It felt like we were

witnessing a living utopia. Among the students, interests

varied. Some were captivated by the architecture, others

by the politics and communication systems, especially

those curious about activism and autonomy. The science

enthusiasts were drawn to the community’s discoveries

and inventions.

The following days blended visits with local families and

outdoor adventures. Life here moved at a very different

pace than in the city. The customs were shaped by the intense

heat. When we arrived at a home, we were offered

fruit-infused water to help us hydrate and slow down. At

first, the students felt restless and uncomfortable, even

bothered at moments, but over time, they began to see that

there was no need to rush. These quiet periods of resting

and sharing became rich opportunities to observe and learn.

The meals we were served, some of which were familiar

Mexican dishes, and other more local flavors that

were new to us, were received with genuine gratitude and

openness, a rare and beautiful thing to see in adolescence.

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Die Erfahrung des Kontakts mit

dem Feuerelement, um die Ich-

Organisation zu aktivieren und

mit dem Wärmeäther zu arbeiten

Ort: Cuetzalan del Progreso, Puebla

Alter der Schüler:innen: 14 und 15 Jahre

(8. und 9. Klasse)

Dauer: 5 Tage

Cuetzalan liegt im Nordosten der Sierra de Puebla, wo sich

das Genossenschaftsnetzwerk Tosepan Titaniske befindet,

eine Organisation, die sich aus indigenen Nahua- und

Totonac-Bauernfamilien zusammensetzt. Es ist ein nachhaltiger

Ort, der nach ökologischen Grundsätzen errichtet

wurde. Ihr Bildungssystem haben sie selbst entwickelt, inspiriert

von verschiedenen pädagogischen Ansätzen, darunter

Waldorf und Montessori.

Wir gelangten hier in ein feuchtheißes kleines Paradies,

versteckt zwischen Bergen und Nebel, wo wir eine große

Gemeinschaft von Familien vorfanden, die so organisiert

waren, dass jeder hatte, was er brauchte, und jeder mit

seinen Fähigkeiten zur Gemeinschaft beitrug. Sie gaben

uns eine Führung durch ihre Gebäude: den Speisesaal und

die im Bau befindliche Aula mit einer beeindruckenden

Struktur und Dimension für ein Gebäude, das aus natürlichen

Materialien geschaffen wurde; die Schule, die eine

gewisse Wehmut bei den Vorschulkindern auslöste; die

Kommunikationssysteme, bestehend aus Radio, Telefon

und Internet; die Schreinerei und den Raum, in dem sie

ihre Erkenntnisse mit uns teilten, wie zum Beispiel die verschiedenen

Herdarten, die es uns ermöglichten, das Beste

aus der Energie herauszuholen, und das Hotel, in dem sie

uns unterbrachten und das natürlich auch von ihnen selbst

erbaut worden war. Für uns Erwachsene war das bewundernswert,

es war wie die Verwirklichung einer Utopie. Die

Schüler:innen interessierten sich nur für das, wofür sie ohnehin

schon Interesse hatten – die einen waren begeistert

vom Bau, andere, die sich für Politik und Anarchie begeisterten,

stellten im Kommunikationszentrum viele Fragen,

und die Wissenschaftsbegeisterten waren sehr interessiert

an den Entdeckungen und Erfindungen.

Die nächsten Tage bestanden aus einer Mischung von Besuchen

bei Familien in der Gemeinde und Abenteuern in

der Natur. Der Rhythmus in dieser Gemeinschaft war völlig

anders als in der Stadt und ihre Bräuche sind geprägt

durch das sehr heiße Klima. In den Häusern wurden wir mit

Wasser mit Früchten empfangen, damit wir Flüssigkeit zu

uns nehmen und uns von der Hitze erholen konnten. Am

Anfang waren die Jugendlichen verzweifelt und ungeduldig,

ja sogar verärgert, doch im Laufe der Tage merkten

sie, dass es keine Eile gab und dass es in dieser Zeit des

Wassertrinkens und des Kennenlernens der Familie viel zu

lernen und zu beobachten gab. Es wurde uns auch Essen

angeboten, darunter einige mexikanische Gerichte, die wir

alle kannten, sowie auch einige neue Geschmacksrichtungen,

die in der Region üblich sind, aber alles wurde mit

großer Dankbarkeit und Offenheit für Neues aufgenommen,

was in der Zeit der Pubertät durchaus überraschend

ist. Wir besuchten einige Landparzellen (Land, das zu

gleichen Teilen unter den Familien für die Landwirtschaft

aufgeteilt wurde) mit allen möglichen Arten von Pflanzen,

die meisten davon essbar und von beachtlicher Größe.

Sie erzählten uns von der harten und bewundernswerten

Arbeit, die sie leisten. Wir lernten, den Honig der Melipona-

Bienen wie unsere Vorfahren vor Tausenden von Jahren in

Tongefäßen zu verarbeiten. Es war wunderbar zu sehen,

in welchen Formen sie die Waben bauen, denn der Honig

wird in Kugeln anstatt der klassischen Sechsecke gelagert.

Wir haben auch Schokolade hergestellt, vom Reinigen und

Rösten des Kakaos bis hin zum Formen der Schokolade.

Wir ernteten Zimt mit großer Sorgfalt, um die ganze Rinde

zu gewinnen, da diese am wertvollsten ist. Und wir haben

Baumwolle gereinigt und gesponnen, in Begleitung einer

sehr erfahrenen und sachkundigen Dame, die an der Art

und Weise, wie die Schüler:innen die Baumwolle reinigten,

in ihnen lesen konnte, was zu persönlichen Momenten der

Selbsterkenntnis führte, begleitet von Lachen, das diese

Momente erhellte.

Inmitten all dieser Erfahrungen begaben wir uns auf die Suche

nach Abenteuern und fanden verschiedene Pfade und

Wasserfälle, wo die Jugendlichen schwimmen und spielen

konnten, sie stellten sich Herausforderungen und unterstützten

sich gegenseitig, um diese zu bewältigen, sie waren

motiviert, alles gemeinsam zu tun und jeden Moment,

der ihnen als Gruppe blieb, in vollen Zügen zu genießen.

Entwicklungsaspekte

In dieser Lebensphase erleben die Jugendlichen oft ein Gefühl

tiefer Einsamkeit und Unverständnis. Sie suchen daher

einen freundlichen Wegbegleiter, jemanden, der ein wenig

älter ist als sie und ihnen das Gefühl gibt, dass sie in

seine Fußstapfen treten können. Indem zwei Gruppen zu

gemeinsamen, sinnvollen Aktivitäten zusammengebracht

wurden, wurde der Raum geschaffen, um diese Orientierung

auf gesunde, ausgewogene und gezielte Weise zu

erfahren. Dies weckte eine vitalisierende Begeisterung bei

den jungen Menschen.

We visited community garden plots overflowing with vegetation,

including many large, edible plants and listened to

stories about the hard, admirable work of farming. These

moments deepened our respect for food. We learned to

process honey from Melipona bees using ancient techniques,

watching how they stored honey in rounded shapes

rather than the familiar honeycomb hexagons. We made

chocolate from scratch – cleaning and roasting the beans

as well as shaping the final product – and harvested cinnamon

carefully, peeling the bark with patience to preserve

its full value. We also cleaned and spun cotton with the

guidance of a wise and industrious woman who could read

the students just by watching how they cleaned and worked

the yarn. This became a moment of self-reflection for

many, softened by shared laughter.

Between all these experiences, we still found time for adventure.

We explored trails and waterfalls, swam and played,

came up with dares and encouraged each other to do

them. There was a shared desire to live every moment as

fully as possible, aware that this time together as a group

was precious and coming to an end.

Aspects of development

This stage of life is often marked by a deep sense of loneliness

and not feeling understood. What children long for

at this point is a friendly guide, someone just a little older,

someone whose path they can imagine following. By bringing

together two groups in shared, meaningful activities,

we create a space where this kind of guidance can arise

naturally and gently, in a balanced and well-held way. It is

a space that can fill them with a renewed sense of life and

enthusiasm.

These young people are beginning to search for their place

in the world. They want to understand what those around

them value, and to shape their own identity within that

context. They’re eager to connect with the world through

their own efforts, so being with persons who clearly play

a valuable role in their community, because of their skills

and contributions, gives them a glimpse of what they, too,

might grow into, each in their own unique way.

Themes like falling in love, forming couples, and sexuality

are now naturally present. Group activities and time in

nature help bring balance to the energy and attention this

awakening draws, supporting a healthier, more grounded

sexual development. For young people with special needs,

there is sometimes a tendency toward infantilization, so

seeing these interests emerge alongside their peers is a

sign that their physical and emotional-spiritual growth is

unfolding in harmony.

Lessons learned from the experience

The students, used to spending their time outdoors with

us, always seeking adventure and challenge in nature, felt

frustrated when they realized this experience would be

different. The idea of listening to talks, sitting in workshops,

and visiting people didn’t match their expectations

of what five days in nature should be. Even though we explained

things would take another form this time, it wasn’t

what they had imagined. They talked it over among themselves,

took time to sit with their thoughts and feelings,

and asked us a few questions to better understand. Little

by little, their attitude began to shift, though complaints

still came and went.

What began as apathy and disappointment slowly turned

into gratitude and admiration. They moved from participating

because they had to, to genuinely wanting to help

the families who had welcomed us so generously. The experience

stirred so many emotions that some even developed

physical symptoms, like fevers. But there was also

room for emotional recognition, companionship, and honest

conversations.

Spending a few days with a community so thoughtfully

organized, where the warmth of each Self touched something

in the Self of the students, left a deep impression. I

could see how they moved from being externally guided to

beginning the journey of self-regulation. From following

the rules just because they were there, to learning how to

negotiate with care and awareness of others’ capacities. It

wasn’t easy for them to step away from play and exploration

to focus on work and learning a trade, but they honored

every agreement made.

We closed this cycle together, as a group and as explorers.

In the middle of nature, we paused to hug, to listen, to say

goodbye. The most beautiful part was that, for them, it

wasn’t the end of being together as a school group – it was

the beginning of something new: a group of friends, ready

to venture into nature on their own.

What these experiences have given us

Nature – the outdoors – is the most nurturing space for

strengthening the etheric body, the body we share with all

living beings. In nature, we find rhythms that reveal themselves

through temperature, landscape, the growth of

plants, and more. Hiking, in particular, carries a gesture of

point and periphery, turning each outing into a meditative

experience and inviting a healthy rhythm of breath. The

pace of the individual and the group gives momentum, not

only to reach the summit, but also to return home. This

healthy breathing allows us to live on Earth with a balanced

spiritual life, connecting the inner with the outer, the

earthly with the spiritual.

In curative education, it is essential for a young person

with special needs to receive what their being truly needs

at each stage of life. As this group moved from puberty

into adolescence, what they needed most was guidance filled

with beauty and truth, something that could help them

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Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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Sie befinden sich auf der Suche nach ihrer Rolle in der Welt,

sie wollen wissen, was die Menschen um sie herum schätzen

und wollen darin ihre Identität finden. Sie versuchen,

sich durch ihre eigenen Bemühungen mit der Welt zu verbinden,

wodurch das Zusammenleben mit Menschen, die

durch ihre Fähigkeiten ein offensichtlich wertvoller Teil

ihrer Gemeinschaft sind, ihnen einen Einblick in das geben

kann, was sie durch ihre eigene Individualität werden

könnten.

Verliebtsein, Partnerschaften und Sexualität sind Themen,

die in dieser Lebensphase präsent sind. Aktivitäten in der

Natur und in der Gruppe verschaffen ein Gleichgewicht an

Aufmerksamkeit und Energie, so dass die Entwicklung der

Sexualität gesünder verlaufen kann. Manchmal neigen junge

Menschen mit Assistenzbedarf dazu, sich zu infantilisieren.

Wenn sie das Erwachen dieser Interessen zur gleichen

Zeit wie ihre gleichaltrigen Freunde beobachten können,

ist das ein Zeichen dafür, dass ihre körperliche, geistige

und seelische Entwicklung in Einklang gebracht wird.

Die Lernerfolge aus dieser Erfahrung

Diese Jugendlichen, die es gewohnt sind, nur unter sich zu

leben und dabei ständig auf der Suche nach Abenteuern

und Herausforderungen in der Natur zu sein, fühlten sich

zunächst frustriert und waren nicht damit einverstanden,

Vorträgen zuzuhören, an Workshops teilzunehmen und

Menschen zu besuchen, denn obwohl ihnen erklärt wurde,

dass dieses Abenteuer anders sein würde, war es nicht das,

was sie sich unter fünf Tagen in der Natur vorstellten. Sie

sprachen untereinander darüber, nahmen sich Zeit, um darüber

nachzudenken und es individuell zu spüren, stellten

uns einige Fragen, um besser zu verstehen, und anschließend

war ihre Einstellung offener, obwohl die Einwände

zu verschiedenen Zeiten immer wieder aufflammten und

dann wieder abflauten.

Die Kinder schwankten zwischen Apathie und Desillusionierung,

Dankbarkeit und Bewunderung. Sie machten

letztlich nicht mehr mit, weil sie an der Reihe waren, sondern

weil sie mehr arbeiten wollten, um die Familien zu

unterstützen, als Dank für die Großzügigkeit, mit der sie

ihr Zuhause mit uns teilten.

Es hat sich gelohnt, ein paar Tage in einer außerordentlich

gut strukturierten Gemeinschaft zu verbringen, in der die

Wärme der «Iche» das «Ich» der Schüler:innen inspirieren

konnte. Ich konnte beobachten, wie sie sich auf den Weg

von der Fremdregulierung zur Selbstregulierung machten,

auf einen Weg des Zuhörens und Respektierens sämtlicher

Regeln, wie sie sind, hin zum Aushandeln der Möglichkeiten

in der Natur unter Berücksichtigung der Fähigkeiten

der anderen. Es war sehr schwierig für sie, mit dem Spielen

und Erforschen der Natur aufzuhören, um stattdessen zur

Arbeit zu gehen und einen Beruf zu erlernen, aber sie hielten

sich immer an die Vereinbarungen.

Wir beschlossen den Zyklus als Gruppe und Abenteurer, indem

wir uns einen Moment Zeit nahmen, um uns inmitten

der Natur zu umarmen, einander zuzuhören und uns zu

verabschieden. Das Schönste war, dass dies zwar das Ende

ihrer Zeit als begleitete Schulgruppe war, aber dafür der

Beginn einer Gruppe von Freunden, die gemeinsam Abenteuer

in der Natur erleben konnten.

Was uns diese Erfahrungen gebracht haben

Die Natur und die frische Luft sind der beste Ort, um den

Ätherleib zu stärken, den leiblichen Organismus, den wir

mit allen Lebewesen teilen. In ihm können wir Rhythmen

erleben, die wir ebenso in der Umgebungstemperatur,

in den Landschaftsformen, in den Pflanzen und so weiter

wahrnehmen können. Die Aktivität des Wanderns hat

eine besondere Geste von Punkt und Umkreis, die jede Bewegung

meditativ werden lässt und uns einen gesunden

Atem schenkt. Der Rhythmus eines jeden Einzelnen und

der Gruppe als solche gibt uns den Impuls, jeden Weg zu

Ende zu gehen, nicht nur bis zum höchsten Punkt, sondern

auch zurück nach Hause. Ein gesunder Atem ermöglicht

uns, diese Erde mit einem gesunden Seelenleben zu bewohnen,

indem wir in der Lage sind, das Innere und das Äußere,

das Irdische und das Geistige in Einklang zu bringen.

In der Heilpädagogik ist es sehr wichtig, dass junge Menschen

mit Assistenzbedarf das bekommen, was ihr Wesen

in dem Alter braucht, in dem sie sich befinden. Diese Jugendlichen

am Übergang zwischen Pubertät und Erwachsenwerden

müssen mit Schönheit und Wahrheit begleitet

werden, sodass sie nach und nach ihre eigene Identität

entdecken können. Indem die Begleitpersonen in der Lage

sind, über die Symptome und über die Begrenzungen hinaus

zu sehen, eröffnen sie dem jungen Menschen mit

Unterstützungsbedarf eine neue Welt der Möglichkeiten,

die auch er in sich trägt, begleitet von einem Blick voller

Mitgefühl. Körperliche Aktivitäten an der frischen Luft, die

in einem ausgewogenen Rhythmus organisiert werden, ermöglichen

diesen Jugendlichen, eine gesunde Beziehung

zu ihrem Körper aufzubauen, während sich wichtige Veränderungen

vollziehen. Sie werden dazu eingeladen, die

Kraft und die Fähigkeiten ihres Körpers zu würdigen, anstatt

ihn zu bewerten. Die Arbeit in einer Gruppe ermöglicht

eine soziale Entwicklung, die für den individuellen

menschlichen Entwicklungsprozess notwendig ist, da die

Jugebndlichen in ihren Gleichaltrigen einen sicheren Ort

außerhalb ihres Zuhauses finden. Die Schüler:innen konnten

erfahren, wie sie sich in der freien Natur sicher fühlen

können. Das Gefühl der Sicherheit ging zunächst von den

Erwachsenen aus und begann mit der Zeit aus ihnen selbst

und aus der Gemeinschaft, die sie mit ihren Mitschüler:innen

bildeten, zu erwachsen; sie machten klare Schritte von

der abhängigen zur wechselseitigen Verantwortung. Dabei

war es wichtig, ihnen klar und deutlich Grenzen und Regeln

zu setzen und ihnen nach und nach einen Teil der Verantwortung

für ihr eigenes Wohlergehen und das ihrer Klassenkamerad:innen

zu übertragen. Dies trägt zur Stärkung

der Resilienz dieser Altersgruppe bei.

Die verschiedenen Erfahrungen mit steigendem Anforderungsniveau

ermöglichten es den begleiteten Schüler:innen,

sich selbst besser kennenzulernen und wahrzunehmen

und dabei selbstständiger zu werden. Während des

slowly begin to recognize their own identity. By seeing beyond

symptoms and limitations, the adults accompanying

them offered a compassionate gaze, one that revealed new

possibilities that also live within them.

Regular, physical activity in nature, organized with healthy

frequency, supports this transformation. It helps nurture

a healthier relationship with the body during times of

change. Rather than judging the body, it invites admiration

for its strength and capacity.

Working in groups supports the social growth that is so

needed at this stage of development. Among peers, these

students found a safe space outside the family circle. In

time, the feeling of safety that first came from the adults

began to emerge from within themselves, and from the

community they built together. They took clear steps from

dependence to interdependence. For this to happen, it was

important to establish clear, firm boundaries and rules,

while gradually giving them a share of responsibility – for

themselves and for one another. This is what fosters resilience

during these formative years.

Each experience, gradually increasing in difficulty, offers

those we accompany the chance to build themselves up

as they come to know and perceive one another, as well as

themselves, on the path to greater independence. In the

first adventure, focused on strengthening the physical

body, we are present, offering steady support so they can

end the day with a sense of accomplishment in nature. In

that warmth and care, they begin to feel their own body,

their own strength, made tangible through contact with

the rocks.

By the second experience, there is greater awareness in

their movements. We shift our focus to their vitality, their

energy, and the rhythm that best suits walking and resting.

In the third, a sense of confidence has taken root. They

can now sense their energy and ask for rest when needed.

What becomes new are the emotions and sensations the

world around them evokes. Here, we make sure nothing

feels intrusive or overwhelming, ensuring that their experience

remains open and enriching. When they begin to

trust their physical and etheric bodies, they grant themselves

the freedom to receive the spiritual, to pause, take

notice, and enjoy every detail.

By the fourth experience, they know their bodies well, feel

their vitality, and let their emotions roam freely. At this

stage, we nurture the sparks of individuality that arise in

their encounters with other Selves, and we support the

awakening of will, fueled by their idealism and expressed

through meaningful action.

When they feel physically secure, their attention turns

naturally to keeping a steady stride, both individually and

as a group. From this place, their awareness opens to the

beauty of the landscape and the emotional depth the experience

stirs. And by the end of this cycle, they stand as a

strong, capable, perceptive, trustworthy, open, and united

group, ready for collaborative work in a community they

have helped to shape. Knowing that all possibilities live

within them gives rise to something quiet and powerful:

the perception of their innate human dignity.

These adventures were rich in aesthetic and sensory experiences

that awakened a deep interest in the world and

in other human beings, opening the door to a fuller inner

life that will continue to grow in the years to come. A seed

was planted, one that will remain with them, because now

they know that the world, and the people in it, are full of

wonder.

Observing the changes and symptoms that young people

with special needs showed after each outing gave us

insight into which aspect of their being had been stirred.

After the volcano, their discomforts were physical; after

the waterfall, they were more energetic; the cave brought

intense, new emotions; and the visit to the community

brought challenges on a social level with new ideas, perceptions,

and adaptations. Through all of this, we could

see shifts in their vitality, their movements, their interest

in others, and their sense of self. These were clear signs

that they were becoming more embodied, inhabiting this

Earth with growing joy and enthusiasm.

For young people with specific mental health needs, each

of these experiences offered the chance to go out into the

world, to feel their limbs moving, the strength in their fingers

as they climbed, rappelled, and helped set up camp.

In doing so, they could witness the skill and capacity that

lives within them. This recognition brings with it a sense of

joy and renewed energy to look at themselves with warmth

and curiosity.

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ersten Abenteuers, das auf die Stärkung des physischen

Leibes abzielt, begleiteten und unterstützten wir sie dabei,

die Tage mit ersten Erfolgen in der Natur zu beenden. Mit

dieser Wärme ermöglichen wir ihnen, ihren eigenen Körper

wahrzunehmen, ihre eigenen Kräfte, die im Kontakt mit

den Felsen zum Vorschein kommen. Beim zweiten Abenteuer

waren ihre Bewegungen bereits viel präsenter, und

wir achteten mehr auf ihre Lebenskraft, ihre Energie und

den richtigen Rhythmus beim Gehen und Ausruhen. Bei der

dritten Erfahrung war bereits Vertrauen in ihren Bewegungen

zu spüren, sie waren selbst in der Lage, ihre Energie

wahrzunehmen und um eine Pause zu bitten, wenn sie sie

brauchen, aber was jetzt neu für sie war, waren die Gefühle

und Empfindungen, die die Welt ihnen bereitet, und wir

achteten darauf, dass nichts als so übergriffig oder überwältigend

erlebt wurde, dass es ihnen unangenehm war.

Mit Vertrauen in den physischen Leib und den Ätherleib

wird dem Wesen die Freiheit gegeben, die seelischen Erfahrungen

zu empfangen und sich die Zeit zu nehmen, jedes

Detail zu genießen. Beim vierten Abenteuer schließlich

waren sie bereits mit ihrem physischen Leib vertraut, nahmen

seine Lebenskraft wahr und ließen ihren Emotionen

freien Lauf, während wir die Schimmer der Individualität,

die in der Begegnung mit anderen «Ichen» aufleuchteten,

zu schützen und die Erfahrung eines erwachten Willens, inspiriert

von ihrem Idealismus, in einer sinnvollen Tätigkeit

zu fördern versuchten.

Wenn die Schüler:innen sich körperlich fit fühlen, richtet

sich ihre Aufmerksamkeit darauf, ein gutes individuelles

und gemeinschaftliches Wandertempo zu halten. Nachdem

sie diese Hürde gemeistert haben, können sie ihre

Aufmerksamkeit auf die Schönheit der Landschaft und den

Reichtum der Empfindungen richten, die die Erfahrung

in ihnen auslöst, so dass sie am Ende des Erfahrungsprozesses

eine starke, kompetente, aufmerksame, vertrauenswürdige,

offene und zugleich geeinte Gruppe bilden

können, die es ihnen ermöglicht, sich in einer von ihnen

geschaffenen Gemeinschaft der gemeinsamen Arbeit zuzuwenden.

Das Wissen darum, dass alle Möglichkeiten in

ihnen leben, schenkt ihnen die Wahrnehmung ihrer eigenen

Menschenwürde.

Diese Abenteuer erfüllen die Jugendlichen mit ästhetischen

und sinnlichen Erfahrungen, die in ihnen ein großes

Interesse an der Außenwelt und am Menschen wecken und

eine reiche Innenwelt für ihr nächstes Leben ermöglichen

können. Dies ist ein Samen, der für den Rest ihres Lebens

gesät wird, da sie sich nun darüber bewusst sind, dass die

Welt und die Menschen voller Wunder stecken.

Wenn wir die Veränderungen und die Symptome an diesen

jungen Menschen mit Assistenzbedarf bei ihrer Rückkehr

von den verschiedenen Erlebnissen beobachten, können

wir sehen, welches der vier Wesensglieder jeweils besonders

aktiviert wurde. Während der Wanderung durch den

Vulkan zum Beispiel waren sie insbesondere körperlich beansprucht,

beim Ausflug zum Wasserfall war die Herausforderung

vor allem energetischer Natur, nach dem Besuch

der Höhle kamen neue, eindrückliche Empfindungen zum

Vorschein, und während des Besuchs in der Gemeinschaft

beschäftigten sich die Jugendlichen mit anderen Vorstellungen

und Wahrnehmungen, mit Schwierigkeiten und

notwendigen Anpassungsprozessen, die bereits auf eine

verstärkt soziale Ebene hindeuten. Wir konnten Veränderungen

in ihrer Lebenskraft, in ihren Bewegungen, in ihrem

Interesse an ihren Mitmenschen, in ihrer Sicherheit und

Selbsterkenntnis beobachten, die uns erkennen ließen,

dass sie sich immer weiter inkarnieren und mit Begeisterung

in dieser Welt zuhause sind.

Die jungen Menschen, die eien besondere seelische Zuwendung

benötigen, leben ganz in der Erfahrung, in die

Welt hinauszugehen, denn sie bringen dabei ihre Gliedmaßen

in Bewegung und nutzen die Kraft ihrer Hände beim

Klettern, beim Abseilen, beim Aufbauen des Lagers. Dadurch

können sie die ihnen innewohnenden körperlichen

Fähigkeiten erleben, was ihnen die Begeisterung und Freude

verleiht, die sie zum Betrachten ihrer selbst benötigen.

Incarnation of the human being

Interaction between bodies, elements and ethers

Body Elements Ethers

Physical

Material, tangible, visible,

between dissolution and form.

Etheric

Where vital processes exist, it is

rhythmic, perceptible in our

vitality, connecting us with the

course of life.

Earth

Water

Life

Chemical-sound

Divergent growth, produces

symmetry, harmonizes, structures

and orders, the forces of

differentiation. Regulates

biochemistry and hormonal

activity.

Astral Air Light

Soul life, awareness, connecting

us to the outside world through

our sensations, movement,

expression, connected to the

stars

I - Organization

Individuality, spirit, making us

unique, self-awareness, will,

perceptible in our gaze.

Source: Paulina Santos Benítez

Solid, exclusive, impenetrable,

depending on external conditions,

divisible, mineralizing forces.

Convergent growth, fusion, a

gesture of sympathy, liquid,

slippery

Fills space, chaotic, expanding

and contracting, exerting a

centripetal force towards the

center of the Earth.

Fire

Time that extinguishes itself,

tends to disappear, impermanent.

Vitalizing, integrating, depends

on internal conditions, healthy,

rebuilding integrity, completing

what is incomplete, keeping the

physical body alive.

Delimits and creates space, is linear

and straight, separating what is

within from the outside, bestows

specificity, the effect of

attraction. Endows the being with

dimension.

Warmth

Time that arises, forward looking,

matures, spurs action, gives

intentionality, is connected to

the creative impulse.

Emergence of ethers and elements

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Inkarnation des Menschenwesens

Wechselwirkung zwischen den Wesensgliedern,

Elementen und Ätherkräften

Wesensglieder Elemente Ätherkräfte

Physischer Leib Erde Leben

Materiell, greifbar und sichtbar, Fest, abgrenzend, Belebend, integrierend,

zwischen Form und Auflösung undurchdringlich, abhängig abhängig von inneren Bedingungen,

von äußeren Bedingungen, gesund, Wiederherstellung

teilbar, mineralisierende Kräfte der Integrität, Vervollständigung

des Unvollständigen, Erhaltung

des physischen Körpers

Ätherischer Leib Wasser Chemie-Klang

Ort der Lebensprozesse, Konvergentes Wachstum, Divergentes Wachstum,

rhythmisch, wahrnehmbar Verschmelzen, erzeugt Symmetrie, harmonisiert,

in unserer Lebenskraft, sympathische Geste, strukturiert und ordnet,

verbindet uns mit dem flüssig, gleitend die Kräfte der Differenzierung.

Lauf des Lebens

Reguliert die Biochemie und

die hormonelle Aktivität.

Astralleib Luft Licht

Seelenleben, Bewusstsein, Füllt den Raum aus, Begrenzt und schafft Raum,

Verbindung zur Außenwelt chaotisch, dehnt sich aus ist linear und gerade,

durch Empfindungen und und verdichtet sich wieder, trennt das Innere vom Äußeren,

Gefühle, Bewegung, Ausdruck, drängt sich zentripetal verleiht Besonderheit,

Verbindung zu den Sternen zum Mittelpunkt der Erde hat eine anziehende Wirkung.

Verleiht dem Sein Dimension.

Ich-Organisation Feuer Wärme

Entstehung der Ätherarten und Elemente

Durch die Interaktion unserer Wesensglieder, der Elemente

und der Ätherkräfte, aus denen der Lebensleib besteht,

mobilisieren wir die ätherischen Kräfte, die den jungen

Menschen mit Assistenzbedarf ermöglichen, ihre Wesensglieder

ins Gleichgewicht zu bringen und gesund zu inkarnieren.

Das Zusammenspiel des physischen Leibs, des materiellen,

greif- und sichtbaren Leibes, mit den Eigenschaften des Erdelements,

seiner Festigkeit, seiner Undurchdringlichkeit

und seiner Abhängigkeit von der Umwelt, mobilisiert die

Kräfte des Lebensäthers, die belebend, harmonisierend,

heilend und vervollständigend wirken auf all das, was noch

unvollständig scheint.

Dieses Zusammenspiel mit dem Ätherleib, in dem sich die

Lebensprozesse abspielen, ist rhythmisch und vereint uns

mit dem Lauf des Lebens, mit den Qualitäten des Wasserelements,

seiner Fließfähigkeit, seinem konvergierenden

Anwachsen, seiner Tendenz zur Verschmelzung; die Jugendlichen

mobilisieren die Kräfte des Klangäthers bzw.

Chemischen Äthers, die harmonisierend wirken und Symmetrie,

Struktur und Ordnung verleihen, dabei die Unterscheidungsfähigkeit

stärken und die biochemische Regulierung

und die hormonelle Aktivität verbessern.

Das Zusammenwirken mit dem Astralleib, dem Seelenleben,

dem Bewusstsein, den Empfindungen und der Bewegung,

mit den Qualitäten des Luftelements, das chaotisch

ist, den Raum füllt, zur Ausdehnung neigt und einen zentripetalen

Druck ausübt, mobilisiert die Kräfte des Lichtäthers,

die abgrenzen, das Innere vom Äußeren trennen und

dem Wesen eine Dimension verleihen.

Indem ebendiese Kräfte die aufkeimende Ich-Organisation

und Individualität, das Selbstvertrauen und die Bereitschaft

zur Begegnung mit den Qualitäten des Feuerelements, mit

seiner Tendenz zum Verlöschen und zur Vergänglichkeit

ansprechen, mobilisieren sie wiederum die Kräfte des Wärmeäthers,

die in die Zukunft weisen, zu Reife verhelfen,

zum Handeln anregen, Intentionalität verleihen und sich

dabei mit dem schöpferischen Impuls verbinden.

Through the interaction of the bodies, elements, and

ethers that form the vital body, we activate the etheric forces

that help young people with special needs bring balance

to their being and support a healthy incarnation.

When the physical body – the material, tangible, visible

body – encounters the qualities of the earth element,

with its solidity, impenetrability, and dependence on the

environment, it engages the life ether. This ether brings

vitality, integration, healing, and helps complete what is

still forming.

When the etheric body, which is where life processes

unfold, meets the water element, with its fluid nature,

growth, and tendency toward fusion, it awakens the chemical-sound

ether. This harmonizes, structures, and orders

inner processes, supports differentiation, and enhances

biochemical and hormonal balance.

When the astral body – the realm of sensation, emotion,

and movement – interacts with the air element, with its

expansiveness and invisible pressure, it activates the light

ether. This helps define inner and outer boundaries, offering

shape and dimension to the self.

And when the nascent – the stirrings of individuality,

self-confidence, and will – meets the fire element, with its

transience and transformative force, it calls on the warmth

ether. This opens a path to the future, fuels maturity and

purposeful action, and connects the young person to their

creative impulse.

These experiences strengthen the etheric body of young

people with special needs by bringing healing forces, vitality,

and internal harmony. They help structure and define

the self, fostering the inner organization needed to move

toward the future with will, clarity, and a sense of creative

purpose.

Translated from Spanish by Rafaela Gunner.

Individualität, Geist, Steht für Zeit, die vergeht, Zeit, die entsteht,

Einzigartigkeit, neigt dazu, zu verschwinden, nach vorne blickend, reift,

Selbstbewusstsein, Wille, unbeständig zum Handeln anspornt,

wahrnehmbar in

Absicht verleiht, ist mit dem

unserem Blick

kreativen Impuls verbunden

Diese Erfahrungen stärken den Ätherleib dieser jungen

Menschen mit Assistenzbedarf, bringen heilende Kräfte,

erfüllen sie mit Lebenskraft, harmonisieren, strukturieren

und organisieren sie innerlich, trennen klar zwischen Äußerem

und Innerem, helfen ihnen abzugrenzen, so dass

sie mit Reife und Willenskraft in die Zukunft gehen können,

um ihren schöpferischen Impuls zu verwirklichen.

Quelle: Paulina Santos Benítez

Übersetzung aus dem Spanischen durch Karin Gaiser

Literatur/ literature

Glöckler, M. (2014). «El niño en Encarnación». 30 de junio de 2014.

Wilton, New Hampshire. ||| Harwood, A.C. (2016). Recuperando nuestra

humanidad, una introducción a la Educación Waldorf. Buenos Aires, Argentina.

Ed. Antroposófica. ||| Lievegoed, B. (2016). Las etapas evolutivas

del niño, su desarrollo psíquico-biológico. Buenos Aires, Argentina. Ed. Antroposófica.

||| Marti, E. (2015). Elementos, Éteres y Fuerzas Formativas.

Barcelona, España. Ed. Pau de Damasc. ||| Steiner, R. (2016). Curso de Educación

Especial. Buenos Aires, Argentina. Ed. Antroposófica.

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Herausforderung Inklusion

Von Oliver Koenig

Oliver Koenig

ist Universitätsprofessor für Inklusive

Pädagogik und Inklusionsmanagement

an der Bertha von Suttner

Privatuniversität in St. Pölten. Er leitet

einen BA- und MA-Studiengang

zu Themen der Inklusion und ist Herausgeber

der Zeitschrift Journal of

Awareness-Based Systems Change

gemeinsam mit dem Presencing Institute

von Otto Scharmer.

The Challenge of Inclusion

by Oliver Koenig

Oliver Koenig

is Professor of Inclusive Education

and Inclusion Management

at the Bertha von Suttner Private

University in St. Pölten (Austria).

He leads both the BA and MA programs

in inclusion and serves as

the editor of the Journal of Awareness-Based

Systems Change, a

role he shares with Otto Scharmer’s

Presencing Institute.

Viele Gemeinschaften befinden sich an einer Schwelle,

an der Inklusion neue Bedeutung gewinnt und

gewohnte Wege infrage stellt. Oliver Koenig sprach

am 4. Oktober auf der Jubiläumstagung für inklusive soziale

Entwicklung über die Verwandlungschance durch Inklusion

und wie wir sie in unsere Gegenwart integrieren.

Zuerst ein kleines Gedankenexperiment: Stellen Sie sich

vor, Sie stünden am Rande eines biodynamischen Gartens,

den Sie seit Jahren pflegen. Sie fühlen im Rückblick

einen gewissen Stolz. Sie sehen starke Pflanzen mit tiefen

Wurzeln, die die Fürsorge und Hingabe widerspiegeln, die

diesen Garten über die Jahre erhalten haben. Jetzt schauen

Sie weiter und sehen angrenzend ein frisch bestelltes

Stück Land. Der Boden ist so neu, dass er Sie einlädt, sich

zu überlegen, was dort wachsen könnte, aber auch wie Sie

sich damit in Zukunft beschäftigen würden.

Dieser Garten repräsentiert den Prozess des Werdens

– oder genauer: den des Mit-Werdens. Wir müssen

dafür überdenken, was vorher war, achtsam wahrnehmen,

was gegenwärtig ist, und ahnen, was kommen wird. Inklusion

ähnelt diesem Garten. Es ist kein fixer Zustand,

sondern eine sich entwickelnde Beziehung, in der unsere

Handlungen nicht nur beeinflussen, was um uns wächst,

sondern wie wir in den Beziehungen zu Menschen und

zum Nicht-Menschlichen wachsen.

Inklusion bedeutet nicht, Menschen in einem bestehenden

System willkommen zu heissen. Es geht darum, achtsam

die Bedingungen für gemeinsames Wachstum zu kultivieren

– wach gegenüber den Strukturen und Mustern, die wir

hochhalten, und der Saat, die wir säen. Ohne diese Aufmerksamkeit

riskieren wir, dass wir im Versuch, Inklusion

zu ‹implementieren›, genau jene Muster aufrechterhalten,

die wir ändern wollen.

Hier kommt das Drei-Horizonte-Modell ins Spiel. Es wurde

als Rahmen vom International Futures Forum und von

Denkern wie Bill Sharpe und Anthony Hodgson entwickelt.

Es unterstützt die achtsame Kultivierung unserer gemeinschaftlichen

Prozesse der Zukunftsgestaltung – und zwar

nicht als etwas fern in der Zukunft Liegendes, sondern als

etwas, das sich immer wieder aufs Neue im Hier und Jetzt

entfaltet. Es ermöglicht uns, dem, was wir tun, mit grösserem

Verständnis, mit Sorge und Aufmerksamkeit nachzugehen.

Es stellt sicher, dass das, was wir in der Zukunft

erreichen wollen, sich in unseren heutigen Handlungen

spiegelt – sowohl in dem, was wir erhalten wollen, als auch

in dem, was wir Neues gestalten wollen.

Bevor wir uns dem Drei-Horizonte-Modell zuwenden,

möchte ich auf die Ambivalenz eingehen, die um den Begriff

Inklusion heute besteht. Inklusion ist zu einem Schlagwort

geworden, das oft von neoliberalen Agenden vereinnahmt

wird, die eine enge Sichtweise dessen fördern, was

es bedeutet, ein Mensch zu sein. Für diejenigen, die mit

dem Begriff nicht vertraut sind, bezieht sich der Neoliberalismus

auf eine politische und wirtschaftliche Philosophie,

die freie Märkte, Wettbewerb und Effizienz in den Vordergrund

stellt – oft auf Kosten der sozialen Gleichheit. Wie

der Pädagoge Henry Giroux feststellte, scheitert der Neoliberalismus

daran, ein Modell der Inklusivität zu schöpfen,

das Menschen ausserhalb des marktorientierten Wertesystems

ermächtigt. Inklusion wird nur daran bemessen,

wie Menschen ohne zu viele Störungen in die bestehenden

Systeme passen. Diese enge Form der Inklusion bevorzugt

die, die sich am leichtesten anpassen, und drängt jene, die

komplexere Bedürfnisse haben, an den Rand.

Kritische Forschende über Inklusion erinnern uns, dass

wir die Annahme infrage stellen sollten, dass Inklusion

immer Ungleichheit reduziert. Die Schlüsselfrage, die

wir oft übersehen, lautet: Inklusion in was? Werden Menschen

in Systeme aufgenommen, die wirklich gerecht

sind, oder in Strukturen, die immer noch ausgrenzende

Praktiken aufrechterhalten? Wenn wir die Inklusion feiern,

ohne diese bestehenden Rahmenbedingungen zu hinterfragen,

laufen wir Gefahr, genau die Systeme zu stärken,

die Ausgrenzung verursachen. Wie Sara Ahmed (2000) argumentierte:

Die sogenannten ‹anderen› willkommen zu

heissen, verfestigt oft nur ihre Marginalisierung. Inklusion

mag grosszügig wirken, aber es kann die ‹Inkludierten›

auch als ‹andere› abstempeln, während die Systeme von

Privilegien unangetastet bleiben. In solcher Art wirken Inklusion

und Exklusion zusammen und werden zu Orten,

die inklusiv erscheinen, aber alte Machtstrukturen unterschwellig

erhalten.

Diese Spannung spiegelt ein Paradoxon wider, das im

Herzen der anthroposophischen Arbeit liegt: der Wunsch,

den einzelnen Menschen in seiner einzigartigen Entwicklung

zu fördern, und gleichzeitig ausgrenzende Praktiken

fortzusetzen. Anthroposophie hat seit eh und je die

angeborene Würde und Individualität jedes Menschen

betont. Rudolf Steiners Ansatz legte den Grundstein für

Many communities are at a threshold

where inclusion is taking on

new meaning and challenging familiar

ways of doing things. At the Inclusive

Social Development conference in Dornach,

in October 2024, Oliver Koenig spoke

about the opportunity for transformation

through inclusion and how we can integrate

it into our present.

I want to begin with a brief thought experiment.

Imagine standing at the edge of a biodynamic

garden that you’ve been tending

for years. Looking back, you feel a sense of pride. You see

strong plants with deep roots, reflecting the care and dedication

that have sustained this garden over time. Now, as

you look ahead, you see an adjacent piece of freshly tilled

land. The soil is new, inviting you to consider not just what

might grow there, but also how you will engage with this

new space in the future.

This garden represents the process of becoming – or, more

precisely, of ‹becoming with›. It requires us to reflect on

what has come before, to be mindful of what exists at this

moment, and to anticipate what is yet to come. Inclusion,

as I’ve come to understand it, is much like this garden. It’s

not a fixed state but an evolving relationship, where our

actions shape not only what grows around us but also how

we grow in relation with others, both human and non-human

alike.

Inclusion, then, isn’t simply about welcoming people into

existing systems. It’s about mindfully cultivating the conditions

for shared growth. Without this awareness, we risk

perpetuating the very patterns we aim to change. How can

we navigate the tension between honoring our past – the

legacy that has brought us here – and creating new, more

inclusive futures, especially within organizations and

communities serving people with support needs?

This is where the Three-Horizons-model comes in – a framework

developed by the International Futures Forum

and thinkers like Bill Sharpe and Anthony Hodgson. Three

Horizons thinking can bring greater awareness to our collective

processes of future shaping –not as something distant,

but as something that is always already unfolding. It

opens up new opportunities to approach what we do with

greater understanding, care, and attention. It ensures that

what we aspire to achieve is reflected in the actions we

take today.

Inclusion has become a buzzword, often co-opted by neoliberal

agendas that promote a narrow view of what it means

to be human. For those unfamiliar with the term, neoliberalism

refers to a political and economic philosophy

that prioritizes free markets, competition, and efficiency

– often at the expense of social equality. As the educator

Henry Giroux has pointed out, neoliberalism fails to create

a model of inclusivity that empowers people outside of

market-driven values. Inclusion, then, is measured by how

well people can fit – or be made to fit – into existing systems

without causing too much disruption. This narrow

form of inclusion prioritizes those who are easiest to accommodate,

leaving those with more complex needs on

the margins.

Does inclusion always reduce inequality? The key question

we often overlook is: Inclusion into what? Are people

being welcomed into systems that are truly equitable, or

into structures that still uphold exclusionary practices?

As Sara Ahmed (2000) argues, welcoming those deemed

‹different› often ends up reproducing their marginalization.

Inclusion may seem generous, but it can also position

those being included as ‹other›, while leaving systems of

privilege intact. This creates an ambivalence where inclusion

and exclusion work together, resulting in spaces that

appear inclusive but still maintain underlying hierarchies

of power.

Anthroposophy has long emphasized the inherent dignity

and individuality of each person. Rudolf Steiner’s

approach laid the foundation for a transformative and

holistic approach to care and development. In this sense,

anthroposophical work holds immense potential for fostering

inclusion. Yet historically, anthroposophical institutions

have also engaged in practices that unintentionally

mirrored exclusion. The Camphill movement, for example,

founded by Karl König in 1939, embodies this tension.

Created as a response to dehumanizing asylums, Camphill

offered a new vision of a ‹lifesharing› community where

individuals with special support needs lived and worked

together with others. While this model and its rejection

of institutionalized care was profoundly inclusive for its

time, it also unintentionally created insular communities.

Though these communities provided care and belonging,

they also isolated residents from broader society, limiting

inclusion within the boundaries of the community. Today,

many anthroposophical communities are actively addressing

this issue, seeking ways to transcend this binary and

foster more open, interconnected forms of inclusion.

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Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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The Three Horizons Model

as a Sensing Tool

einen transformativen und ganzheitlichen Ansatz der

Pflege und Entwicklung. In diesem Sinne hat die anthroposophische

Arbeit ein immenses Potenzial, um Inklusion

zu fördern. Doch historisch betrachtet haben anthroposophische

Institutionen auch unbewusst Praktiken gepflegt,

die ungewollt Ausgrenzung widerspiegeln. Die Camphill-

Bewegung beispielsweise wurde 1939 von Karl König gegründet

und enthält diese Spannung. Geschaffen als Antwort

auf die entmenschlichenden Anstalten bot Camphill

eine neue Vision des Miteinanders einer Gemeinschaft von

Menschen mit und ohne Behinderungen. Während dieses

Modell zu seiner Zeit und im Widerstand gegen die institutionalisierte

Pflege sehr inklusiv war, hat es auch unabsichtlich

Insel-Gesellschaften geschaffen. Obwohl diese

Gemeinschaften Fürsorge und Zugehörigkeit bieten, sind

ihre Bewohnerinnen und Bewohner auch vom Rest der

Gesellschaft abgeschnitten. So bleibt Inklusion auf die

Grenzen der Gemeinschaft beschränkt. Heute gehen viele

anthroposophische Gemeinschaften diese Frage aktiv an,

indem sie versuchen, die Zweischneidigkeit zu verwandeln

und offenere, verbundenere Formen der Inklusion zu

fördern.

Das Drei-Horizonte-Modell als

ein Werkzeug zur Wahrnehmung

Wie können anthroposophische Gemeinschaften mit dieser

Komplexität und Ambivalenz umgehen und gleichzeitig

ihren ganzheitlichen Werten treu bleiben? Zuerst,

indem sie anerkennen, dass diese Spannungen bestehen.

Zweitens können sie sich für Praktiken einsetzen, die direkt

darauf eingehen. Und drittens können sie ihre Aufmerksamkeit

auf die kleinen Öffnungen und Risse legen,

in denen neue Möglichkeiten der Inklusion aufscheinen.

Das Drei-Horizonte-Modell ist ein einfaches, aber wirksames

Mittel und eine Praxis, um diese Prozesse zu begleiten.

Anstatt die Zukunft als etwas Entferntes anzuschauen,

hilft uns das Modell, anzuerkennen, dass unterschiedliche

‹Zukunftshorizonte› in jedem Augenblick anwesend sind.

Jeder dieser Horizonte hat seine eigene Zeitqualität, sein

Bewusstsein und sein Potenzial. Unser erster Horizont

zeichnet das aktuell dominante System nach und wie dieses

langsam an Bedeutung verliert. Dem gegenüber gibt

es noch einen Horizont (hier: Horizont 3), der zeigt, wie

ein neu entstehendes transformatives System sich Bahn

bricht. Und in der Mitte liegt ein Horizont, der den Übergang

zwischen den beiden markiert, in dem das Alte vergeht

und zielgerichtet agiert wird, um das Neue hervorzubringen.

Horizont 1:

Die vertraute Gegenwart

Im ersten Horizont sehen wir das gegenwärtige System mit

seinem wertvollen Vermächtnis und den Aspekten, die mit

der Zeit dysfunktional wurden. Hier kann man gemeinsam

herausfinden, welche hervorstechenden Verhaltensmuster,

Vorgehensweisen und Einstellungen sich über die Jahre

aus den Traditionen und Erfahrungen gebildet haben.

Die phänomenologische Qualität hierin besteht aus Routine

und Vorhersagbarkeit: die tagtäglichen Prozesse, die

unser Team, unsere Organisation oder unsere Gemeinschaft

am Laufen halten. Zeit ist hierin eine Ressource, die

erfahrungsgemäss zu wenig vorhanden ist und deshalb

geregelt und überwacht wird. Entscheidungen werden auf

der Grundlage von Notwendigkeiten getroffen. Das führt

zu Stabilität, aber es verhindert auch tiefgreifendere Veränderungen,

die für das transformative Potenzial der Inklusion

nötig wären. Wir bewegen uns zu sehr in bekannten

Parametern und erhalten – im besten Fall: optimieren

–, was wir bereits tun.

Im Horizont 1 geht es daher um das Vermächtnis der Exklusion.

Die Ambivalenz der Inklusion innerhalb der anthroposophischen

Gemeinschaften wird deutlich. Es spiegeln

sich die grösseren kulturellen und sozialen Kräfte in

unseren Arbeitsansätzen wider, so zum Beispiel der allgegenwärtige

Einfluss des Neoliberalismus, der Inklusion

mehr als eine Optimierungsangelegenheit versteht und

nicht als ein Mittel, um systemische Ungleichheiten anzupacken.

Wie andere, sind auch die anthroposophischen

Gemeinschaften vor diesem Druck nicht gefeit. Dan McKanan

beschreibt in seinem Buch Camphill and the Future

(2020), wie anthroposophische Gemeinschaften darum

ringen, ihr Modell des Leben-Teilens an die Anforderungen

für heutige Arbeitgeber – ihre Vorgaben und finanziellen

Einschränkungen – anzupassen. Durch diese Angleichungen

konnte man sich einfügen. Aber sie führten auch

zur Fragmentierung und mancherorts zu ideologischen

How can anthroposophical communities navigate the

complexity and ambivalence of inclusion while staying

true to their holistic values? First, by acknowledging that

these tensions exist. Second, by engaging in practices that

address them directly and by being attentive to the small

openings and cracks where new possibilities for inclusion

can emerge.

The Three Horizons model provides a simple yet powerful

framework and practice to guide this process. Instead of

seeing the future as something distant, the model helps

us to recognize that different ‹horizons› of the future are

always present at the current moment and that each horizon

brings its own unique quality of time, awareness, and

potential.

Horizon 1:

The Familiar Present

In Horizon 1, we explore and describe the present system,

recognizing both its valuable legacy and the aspects that

may have become dysfunctional over time. We identify the

dominant patterns of behavior, practices, and mindsets

shaped by years of tradition and experience.

The phenomenological quality of Horizon 1 is one of routine

and predictability: the day-to-day processes and activities

that keep our lives, teams, organizations, and communities

running. Time in this horizon is experienced as a

resource, something that we generally do not have enough

of, and which thus needs to be managed and monitored.

Decisions are made based on necessity. While Horizon 1

provides stability, it also tends to resist the deeper changes

needed to unlock the transformative potential of inclusion.

We operate within known parameters, maintaining

– and, at best, optimizing – what we already do.

Horizon 1 is also where the legacy of exclusion and the

ambivalence of inclusion within anthroposophical communities

play out. It is where our practices reflect broader

social and cultural forces, such as the pervasive influence

of neoliberalism, which frames inclusion as a mode of

optimization rather than a means of addressing systemic

inequities. Anthroposophical communities are not immune

to these pressures. Dan McKanan, in his book Camphill

and the Future (2020), describes how anthroposophical

communities have struggled to adapt their lifesharing

model to the demands of modern employment structures,

driven by regulatory and financial constraints. While these

changes ensured compliance, they also led to fragmentation

and sometimes ideological tension. Attending to Horizon

1 asks us to critically examine our internal practices as

well as the external pressures shaping them. Without such

an honest appraisal, transformative work toward inclusive

futures is compromised from the start.

Horizon 3:

The Future Vision of Inclusive Communities

Horizon 3 calls on us to intentionally leave the limitations

of ‹what is‘ behind and fully commit to exploring ‚what

could be›. It’s not just about envisioning a new future but

embracing the brave and radical task of reimagining inclusion

as something beyond the narrow constraints of existing

systems and opening up a space where contribution

can take many forms. It’s an invitation to step away from

the familiar and engage in the cultural practice of imagining

– a practice that, in the presence of dominant structures,

often requires courage.

In Horizon 3, time is no longer a resource to be managed

but a moment of possibility unfolding – a space where the

future feels open, and new potentials are waiting to be

realized. It’s here that we can move beyond the urgency

of productivity, pause, and reflect on what really matters:

‹What could inclusion look like if it were truly rooted in our

deepest values?›

Horizon 3 embodies aspiration, where we dare to envision

a radically different future for anthroposophical communities.

One compelling example of Horizon 3 thinking is

the project In Guter Gesellschaft (In good company) by

Anthropoi – the German Association for Inclusive Social

Development. This project envisioned a future where people

with diverse abilities can equally participate in and

contribute to shared communal spaces. In this vision, anthroposophical

communities act as catalysts for building

truly inclusive societies by inviting collaboration with people

and forces in the wider community and by modeling

how sustainable living and working environments can be

woven together, ensuring that the value of each individual

enriches the whole. Just as Horizon 1 calls for an honest

appraisal, Horizon 3 demands that we embrace disruptive

visions; without boldly reimagining what could be, we risk

remaining trapped in the patterns of the present.

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Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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Spannungen. Wenn wir uns diesen Horizont 1 vergegenwärtigen

wollen, müssen wir unsere internen Verfahren

und den äusseren Druck, der sie formt, kritisch beleuchten.

Ohne die ehrliche Bewertung ist die Transformationsarbeit

von Anfang an gefährdet.

Horizont 3:

Die Zukunftsvision von inklusiven Gemeinschaften

Hier geht es darum, bewusst die Grenzen des ‹Was ist›

hinter sich zu lassen und sich ganz der Erkundung des

‹Was sein kann› hinzugeben. Es geht nicht nur darum,

sich eine Zukunft auszumalen, sondern um die radikale

Aufgabe, Inklusion neu zu denken – losgelöst von den Beschränkungen

gegenwärtiger Systeme, in einem offenen

Feld der Möglichkeiten, in denen Menschen einen Beitrag

leisten können. Horizont 3 ist die Einladung, aus dem Bekannten

herauszutreten und sich auf die kulturelle Praxis

der Imagination einzulassen. Diese Imaginationskraft ist

eine Praxis, die angesichts der herrschenden Strukturen

oft Mut erfordert.

Zeit ist nicht länger eine Ressource, die wir verwalten, sondern

ein Moment der sich entfaltenden Möglichkeiten. Es

geht um einen Raum, in dem die Zukunft sich offen anfühlt

und neue Potenziale darauf warten, verwirklicht zu werden.

Dadurch können wir uns jenseits der Notwendigkeit,

produktiv zu sein, bewegen, innehalten und reflektieren,

was wirklich zählt: ‹Wie würde Inklusion aussehen, wenn

sie wirklich in unseren tiefsten Werten verankert wäre?›

Im Horizont 3 liegt das Streben, uns eine vollkommen

andere Zukunft für anthroposophische Gemeinschaften

vorzustellen. Ein überzeugendes Beispiel für diese Art zu

denken ist das Projekt In guter Gesellschaft von Anthropoi,

dem deutschen Bundesverband für inklusive soziale

Entwicklung. Es entwirft eine Zukunft, in der Menschen

mit unterschiedlichsten Fähigkeiten aktiv teilhaben und

zu gemeinsamen Gemeinschaftsprojekten beitragen

können, um Orte des Miteinanders zu schaffen. In dieser

Vision agieren die anthroposophischen Gemeinschaften

als Katalysator, um eine wirklich inklusive Gesellschaft

zu ermöglichen. Sie laden die Menschen und Kräfte aus

der grösseren Gemeinschaft zur Zusammenarbeit ein und

machen vor, wie nachhaltiges Leben und Arbeiten ineinander

verwoben werden können. Sie achten darauf, dass

der Wert jedes einzelnen Menschen das Ganze bereichert.

Wie es im Horizont 1 um die ehrliche Einschätzung geht,

fordert der Horizont 3 von uns, dass wir die unbequeme

Vision zulassen. Ohne dass wir uns mutig neu ausmalen,

was sein könnte, riskieren wir, in den gegenwärtigen Mustern

stecken zu bleiben und dann wäre es unmöglich, aus

Inklusion eine Verwandlungskraft zu machen.

Horizont 2:

Der Übergangsraum von Spannung und Innovation

Zwischen den verlässlichen Verfahren des Horizonts 1 und

den visionären Idealen von Horizont 3 liegt der Horizont 2,

der unordentliche und kreative Raum des Übergangs. Hier

verschränken sich Gegenwart und Zukunft ineinander,

neue Ideen und Praktiken entstehen, alte Systeme werden

infrage gestellt und wir fangen tatsächlich an, anders zu

handeln. Horizont 2 ist der Raum, in dem sich viele anthroposophische

Gemeinschaften heute befinden. Sie suchen

das Gleichgewicht zwischen ihren vorhandenen Praktiken

und dem Bestreben, eine inklusivere, transformative Zukunft

zu gestalten.

Phänomenologisch lässt sich der Horizont 2 als Qualität

von Experimentieren und kreativem Verwirklichen beschreiben.

Zeit wird weder streng verwaltet, noch ist sie

ganz offen. Stattdessen geht es um praktische Weisheit

und Handeln, indem wir Entscheidungen auf der Grundlage

aktueller Einschränkungen und zukünftiger Möglichkeiten

treffen. Hier halten wir bewusst die Spannung zwischen

dem Bekannten und dem Unbekannten. Wir nutzen

unser Urteilsvermögen, um zu entscheiden, was wir weiter

erhalten wollen und was wir überdenken und erneuern

müssen.

Anthroposophische Gemeinschaften befinden sich im

Rahmen des Horizonts 2, wenn sie anfangen, sich herausfordernde,

aber notwendige Fragen zu stellen: Wie können

wir uns von den abgesonderten Gemeinschaften weiterentwickeln,

ohne dass wir die Stärken dieses ganzheitlichen

Modells einbüssen? Wie können wir gewährleisten,

dass Inklusion nicht nur eine scheinbare Veränderung

ist, sondern eine Transformation anstösst, durch die wir

das Potenzial jeder Persönlichkeit anerkennen? Aber sich

diese Fragen zu stellen, ist nur ein Teil der praktischen

Arbeit. Inklusion wirklich zu verkörpern, bedeutet, konkrete,

hochpolitische Fragen zur Zugänglichkeit, Reprä-

Horizon 2:

The Transitional Space of Tension and Innovation

Between the stable practices of Horizon 1 and the visionary

ideals of Horizon 3 lies Horizon 2 – the messy and creative

space of transition. This is where the present and the

future intersect, where new ideas and practices emerge,

where old systems are questioned, and where we actually

start doing things differently. Horizon 2 is the space in

which many anthroposophical communities find themselves

today – navigating the balance between their established

practices and their aspirations to create more inclusive,

transformative futures.

The phenomenological quality of Horizon 2 is that of experiment

and creative realization. Time in this horizon

is neither strictly managed like in Horizon 1, nor entirely

open like in Horizon 3. Instead, it is a moment of practical

wisdom and action, where we make choices based on both

present constraints and future possibilities. It’s where we

consciously hold the tension between the familiar and the

unknown, using our judgment to decide which parts of our

systems are worthy and need care to preserve, which parts

we need to rethink, and which innovations are needed to

help us move closer towards Horizon 3.

Anthroposophical communities find themselves in Horizon

2 when they start asking tough but necessary questions:

How can we move beyond the legacy of separation without

losing the strengths of our holistic model? How can

we ensure that inclusion is not just a surface-level change,

but a transformative shift in how we understand and support

each person’s unique potential? Yet, asking these

questions is only part of the work – what’s equally critical

is pairing this perspective with practical action. Truly

embodying inclusion means confronting the concrete and

deeply political tasks of accessibility, representation, and

– at times – reconciliation, as some anthroposophical communities

have already begun to do. As Kurt Lewin observed,

we can only truly understand systems when we begin

to change them. Doing things differently brings deep-seated

assumptions to the surface, and only by engaging with

and reworking these assumptions can transformative initiatives

move beyond the superficial and avoid becoming

stuck. It takes courage and openness.

Future Consciousness:

A Shared Cultural Practice

What makes the Three Horizons model so powerful, is that

it demonstrates how all three horizons are always present

simultaneously. These horizons aren’t separate phases of

time but different qualities of the future, co-existing in the

present moment. Within any collective, these horizons are

in constant movement and interaction, reflected in the diverse

attentions of its members. Three Horizons thinking

isn’t about judging one horizon as right or wrong, better

or worse, but about noticing how all three operate and engaging

them in fruitful dialogue.

By mastering the art of bringing these different qualities

into conversation and creating actions that bridge them,

we cultivate what Bill Sharpe calls ‹future consciousness›

– the ability to act within the complexities of the present

while being aware of and guided by latent possibilities for

the future. Crucially, future consciousness isn’t an individual

skill but a shared cultural practice. Like language or

music, we can only learn and develop it together. Through

collective practice – dialogue, experimentation, and reflective

judgment – we build the capacity to navigate between

horizons and bring about what we truly care for.

In this collective practice, including everyone’s voice is

essential. Creating intentional pauses, allowing moments

of reflection, and practicing ‹Entschleunigung› (slowing

down) – matching the pace of those most affected – is critical.

Often, less is more. When we move too quickly, we

risk overlooking small openings where new possibilities

for inclusion can organically emerge.

Inclusion isn’t a fixed destination, nor just another policy

or set of practices – it’s an ongoing, evolving reality, a continuous

process of ‹becoming with›. The Three Horizons

model reminds us that the seeds of the future are already

present in our actions today. By engaging with our past,

challenging the present, and experimenting with new possibilities,

we can build more inclusive organizations and

communities.

Note: This article was first published by the weekly

Das Goetheanum on december 11 in 2024.

www.dasgoetheanum.com

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Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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sentation und – teilweise – Versöhnung zu stellen. Einige

anthroposophische Gemeinschaften haben damit bereits

begonnen. Wie Kurt Lewin feststellte: Wir können Systeme

nur richtig verstehen, wenn wir anfangen, sie zu verändern.

Dinge anders zu machen, bringt tief sitzende Annahmen

zum Vorschein, und nur, wenn wir uns diesen stellen

und sie umarbeiten, können transformative Initiativen

gelingen. Es braucht Mut und Offenheit, zu hinterfragen,

zu verändern und sich fortlaufend zu entwickeln auf dem

Weg zu einer inklusiveren Zukunft.

Zukunftsbewusstsein:

eine gemeinsame kulturelle Praxis

Worin die Kraft des Drei-Horizonte-Modells liegt, ist, dass

es, sowohl in seiner Erkundung als auch in dem Dialog,

den es fördert, alle drei Horizonte gleichzeitig sichtbar

macht. Die Horizonte sind keine getrennten Zeitphasen,

sondern unterschiedliche Qualitäten der Zukunft, die im

gegenwärtigen Moment nebeneinander existieren. In jeder

Gemeinschaft befinden sich die drei Horizonte in konstanter

Bewegung und im Austausch, was sich in der Aufmerksamkeit

ihrer Mitglieder spiegelt. Solch ein Denken

richtet sich nicht darauf, einen Horizont als richtig oder

falsch zu beurteilen, sondern darauf, wie alle drei in ein

Gespräch miteinander gebracht werden können.

Wenn es gelingt, diese drei Qualitäten miteinander in

einen Dialog zu bringen und zwischen ihnen Brücken zu

bauen, dann kultivieren wir, was Bill Sharpe ‹Zukunftsbewusstsein›

nennt – die Fähigkeit, in der Komplexität der

Gegenwart zu handeln, während wir die Zukunftschancen

wahrnehmen und von ihnen geleitet werden. Zukunftsbewusstsein

ist keine individuelle Fähigkeit, sondern eine geteilte

kulturelle Praxis. Wie Sprache oder Musik können wir

es nur gemeinsam lernen. Durch gemeinsame Tätigkeiten

– Dialoge, Experimente, reflektierendes Urteil – schaffen

wir den Raum, um uns zwischen den Horizonten zu bewegen

und das voranzubringen, was uns am Herzen liegt.

Dafür ist es wichtig, jede Stimme zu hören. Bewusste Pausen

zu schaffen, Momente der Reflexion zuzulassen und

Entschleunigung zu üben – auf das Tempo der am stärksten

Betroffenen ausgerichtet –, ist entscheidend. Oft ist

weniger mehr. Wenn wir uns zu schnell bewegen, riskieren

wir, die kleinen Öffnungen zu verpassen, in denen Möglichkeiten

zur Inklusion organisch wachsen. Fortschritt

wird nicht an der Geschwindigkeit gemessen, sondern am

Tiefgang und daran, wer wirklich einbezogen wird.

Wenn wir das Drei-Horizonte-Modell anwenden als ein

Werkzeug für Wahrnehmung und Achtsamkeit, dann können

anthroposophische Gemeinschaften die Ambivalenz

der Inklusion meistern und ihr reiches Erbe ehren, während

sie sich in eine tatsächlich inklusive Zukunft weiterbewegen.

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass Inklusion

kein fixer Zustand ist, auch keine weitere Regel oder

eine Reihe von Anwendungen. Es ist eine fortlaufende, sich

entwickelnde Wirklichkeit – ein ständiger Prozess des Mit-

Werdens. Das Drei-Horizonte-Modell erinnert uns daran,

dass die Samen für die Zukunft bereits in unseren heutigen

Handlungen liegen. Indem wir uns mit der Vergangenheit

auseinandersetzen, die Gegenwart infrage stellen und

mit neuen Möglichkeiten spielen, können wir inklusivere

Gemeinschaften und Organisationen aufbauen.

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst in der Wochenschrift

Das Goetheanum (Heft 48-2024) erschienen.

www.dasgoetheanum.com

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Die Identifikation mit

«Tendenzen zum Tierhaften»

von Gerhard Hallen

Gerhard Hallen wurde am 6. Mai 1952 in

Bocholt (Westfalen) geboren. Er studierte in

Münster Geschichte und Germanistik. Nach

dem zweiten Staatsexamen war er von 1978

bis 1991 Leiter des Museums und Stadtarchivs

in Schwerte. Seit 1987 absolvierte

er eine berufsbegleitende Ausbildung zum

Waldorflehrer und arbeitete bis 2014 als

Klassenlehrer an Waldorfregel- wie auch an

Waldorfförderschulen. Von 2012 bis 2022

war er am berufsbegleitenden Seminar für

Heilpädagogik in Herne als Dozent tätig.

Identification with

«Animalistic Tendencies»

by Gerhard Hallen

Gerhard Hallen was born on May 6, 1952, in Bocholt

(Westphalia). He studied history and German

language and literature in Münster. After

passing his second state examination, he was director

of the museum and city archives in Schwerte

from 1978 to 1991. In 1987, he began training

as a Waldorf teacher while working full-time and

worked as a class teacher at Waldorf schools and

Waldorf special needs schools until 2014. From

2012 to 2022, he was a lecturer at the part-time

seminar for curative education in Herne.

Abstrakt:

Beziehungen von Mensch und Tier

Abstract:

Relationships between humans and animals

In diesem Beitrag versuche ich, den im 12. Vortrag des Heilpädagogischen

Kurses skizzierten Krankheitsbegriff und

die damit verkoppelten Tendenzen zur Sphäre der Tiere

aus pädagogischer Sicht zu interpretieren und hinsichtlich

ihrer Übertragbarkeit auf die Arbeit mit Schüler:innen mit

Assistenzbedarf und insbesondere mit Schüler:innen, die

sich stark mit bestimmten Tieren identifizieren, zu überprüfen.

Die ‹Krankheits-Landkarte› und der damit verbundene

Krankheitsbegriff

Bevor Rudolf Steiner im 12. Vortrag auf den Krankheitsbegriff

einging, schlug er vor, man möge eine Landkarte

menschlicher Krankheiten anlegen – und zwar auf der

einen Seite jene Krankheiten, die miteinander «verwandt»

seien, auf der anderen Seite die tödlich verlaufenden

Krankheiten. (Steiner, GA 317, 2024, S. 201) Diese Anregung ist

mit einem spirituellen Krankheitsbegriff verbunden, der

dem Heilpädagogischen Kurs zugrunde liegt. 1

Dieser Begriff beschreibt, wie die menschliche Geistseele

bei ihrem Inkarnationsprozess vor der Konzeption und

Geburt durch die Fixstern- und Planetensphäre zur Erde

hinstrebt und dabei aus dem Kosmos jene Impulse aufnimmt,

welche die spätere Konstitution hervorbringen.

Dieser Prozess gelangt auf der ätherischen Ebene durch

physiologische Prozesse im menschlichen Körper zum

Ausdruck (Steiner, GA 204, 1989, S. 66–69 u. 78 f.).

Bei der Besprechung der Geschwister Martha und Elisabeth

im 10. und 11. Vortrag des Heilpädagogischen Kurses

wurde der astrosophische Aspekt durch den Blick auf

die Äthergeografie des Ortes der Konzeption und Geburt

wie auch auf die Vererbungsfaktoren erweitert. (vgl. GA 317,

S. 188 u. Thewless, 2024, S. 343–52) Diese Aspekte ergeben offenbar

Kriterien, welche die Erstellung einer Krankheits-Landkarte

begründen könnten. Eine solche hier zu erarbeiten,

kann in diesem Beitrag nicht geleistet werden. Deshalb

konzentriere ich mich auf die pädagogischen Aspekte der

mit dem Krankheitsbegriff verkoppelten Tendenzen zur

Tierwelt.

Im Zusammenhang mit seinen Ausführungen im 12.

Vortrag wies Rudolf Steiner darauf hin, dass den einzelnen

Krankheiten jeweils eine Tierart zugeordnet werden

könne. Dabei bezog er sich auf den Philosophen Hegel

(1770–1831). Dieser konstatierte, dass im Krankheitsfall

einzelne Organe bzw. Organsysteme aufgrund eines disharmonischen

Zusammenspiels physiologischer Prozesse

aus der Gesamtorganisation ausscheiden. Dabei wird

der dysfunktionale Zusammenhang im Organismus dem

Wesen des betroffenen Menschen ‹fremd›. Dieses Fremdwerden

beschrieb Hegel als ein Hineingleiten in Zustände,

welche Beziehungen zu Aspekten von tierartigen Prozessen

haben. (Hegel 1986, S. 520 f. u. 534).

Ein Hinweis darauf, wie die Beziehung der Krankheiten

mit den Tierarten zu begründen sei, ergibt sich aus der

Allgemeinen Menschenkunde. Rudolf Steiner verwies im

vierten Vortrag auf die unterste Stufe der Willenstätigkeit

– die Instinkte. Diese sind im physischen Leib verankert

und leben sowohl in unseren Reflexen, die entweder angeboren

oder angeeignet sind, wie auch in den Körperfunktionen,

die wir nur bei unregelmäßigem Verlauf bewusst

wahrnehmen. Die Beziehung zur Tierwelt ergibt sich aus

Folgendem:

«Wenn wir die Hauptformen der einzelnen Tiere ins Auge

fassen und aufzeichnen würden, so würden wir die verschiedenen

Gebiete des Instinktes zeichnen können. Was

der Instinkt als Wille ist, das ist im Bilde die Form des physischen

Leibes der verschiedenen Tiere. […] Wir überschauen

die Formen der physischen Tierleiber und sehen darin

eine Zeichnung, welche die Natur selbst von den Instinkten

schafft, durch die sie verwirklichen will, was im Dasein

lebt.» (Steiner, GA 293, 2010, S. 58 f.)

Ist der Mensch in der Lage, seine Instinkte zu steuern, und

zwar sowohl auf der Ebene des Wachbewusstseins wie

auch unterbewusst z. B. als Steuerung seiner Körperfunktionen

durch die höheren Wesensglieder, dann agiert er

im eigenen Wesensumfang. Krank wird der Mensch dann,

wenn ihm diese Steuerung entgleitet und er in das Instinktive

einer Tierart fällt. Das Instinktive des Tieres bestimmt

sich nicht aus seiner Individualität, sondern es steht in Beziehung

zu seiner Gattung einerseits und zur Umwelt andererseits.

(Steiner, GA 312, 1999, S. 329 ff.)

In this article, I attempt to interpret the concept

of illnesses outlined in the 12th lecture

of the Course on Education for Special Needs

and the associated tendencies toward the

animal realm from a pedagogical perspective

and to examine their applicability to working

with students who require assistance,

in particular students who show a strong

identification with specific animals.

The ‹map of illnesses› and its associated

concept of illness

Before Rudolf Steiner addressed the notion of illness in the

12th lecture, he suggested that a kind of map of human illnesses

could be created – on one side, those illnesses that

are «related» to each other, and on the other, those that are

fatal (Steiner, GA 317. 2024, p. 201). This suggestion is linked to

a spiritual understanding of illness that forms one of the

foundations of the Course on Education for Special Needs. 1

This concept describes how, during the incarnation process

before conception and birth, the soul-spiritual aspect

of the human being strives toward the earth through the

sphere of the fixed stars and planets, absorbing from the

cosmos those impulses that will later bring about the bodily

constitution. This process is expressed on the etheric

level through physiological processes in the human body

(Steiner GA 204, 1989, pp. 66-69 and 78f.).

The discussion of the sisters Martha and Elisabeth in the

10th and 11th lectures of the Course on Education for Special

Needs goes beyond this astrosophical aspect by adding

a consideration of the etheric geography of the place of

conception and birth as well as hereditary factors (cf. GA

317, p. 188 and Thewless, 2024, pp. 343-52). This appears to imply

that these aspects yield criteria that could support the

creation of a ‹map of illnesses›. However, it is not possible

to further develop such a map in this article. Instead, I will

concentrate on the pedagogical aspects of the tendencies

toward the animal world that are associated with this concept

of illness.

In connection with his remarks in the 12th lecture, Rudolf

Steiner pointed out that each individual illness could be

connected to a specific animal species. In doing so, he referred

to the philosopher Hegel (1770-1831). Hegel postulated

that illnesses occur when individual organs or

organ systems become disconnected from the integrated

overall organization of the body due to a disharmonious

interaction of physiological processes. In the process, the

dysfunctional system within the organism becomes ‹alien›

to the being of the person affected. Hegel described such

alienated organic processes as a slipping into functional

states that are related to aspects of animal-like processes.

(Hegel 1986, p. 520f. and 534).

An indication of how the relationship between illnesses

and animal species can be understood can be found

in Foundations of Human Experience. In the fourth lecture,

Rudolf Steiner referred to the lowest level of volition – the

instincts. These are anchored in the physical body and live

both in our reflexes, which are either innate or acquired,

and in the bodily functions that we only consciously perceive

when they occur irregularly. The relationship to the

animal world arises from the following:

«If we were to consider and record the main forms of individual

animals, we would be able to draw the different areas

of instinct. What instinct is as a form of will, appears as an

image in the form of the physical bodies of the various animals.

(...) We survey the forms of the physical animal bodies

and see in them a drawing which nature itself creates, of

the instincts through which it wants to realize what lives in

existence.» (Steiner 2010, GA 293, p. 58f.).

If humans are able to control their instincts, both at the

level of conscious awareness and subconsciously, e.g., by

controlling their bodily functions through the higher members

of their being, then they act within their own sphere of

being. Humans become ill when they lose this control and

a process falls into the instinctive realm represented by an

animal species. The instinctive nature of an animal is not

determined by its individuality, but is related to its the nature

of its species on the one hand and to its environment

on the other. (Steiner GA 312, 1999, p. 329ff.).

In the following, I would like to refer to observations in connection

with two students who showed a strong fascination

1

Anmerkung der Redaktion: Zur Zeit von Steiners Kurs (GA 317) waren

die Begriffe ‹Krankheit› und ‹Behinderung› noch nicht als eigenständige

Begriffe etabliert. Die Überlegungen in diesem Aufsatz sollten nicht so verstanden

werden, dass Behinderungen im heutigen Sinne als Krankheiten

eingeordnet würden.

1

Editor’s note: At the time of Steiner’s course (GA 317), the concepts of

‹illness› and ‹disability› had not yet been established as distinct. The reflections

in this essay should not be taken to imply that disabilies, in the

contemporary sense, should be understood as illnesses.

36

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

37



Im Folgenden möchte ich mich auf Beobachtungen in Verbindung

mit zwei Schülern beziehen, welche eine starke

Faszination zu bestimmten Tieren aufwiesen – und zwar

dergestalt, dass sie sich mit diesen nicht nur in ihren Vorstellungen,

sondern bis hin zu der Form ihrer Bewegungen

hin identifizierten und zudem in dieser Beziehung in hohem

Maße eingeschränkt waren. Im Erleben dieser Kinder

konnte eine Art existenzieller Tiefe ihrer Verbindung mit

den von ihnen benannten und ‹verkörperten› Tierimaginationen

erlebt werden.

Die Identifikation mit dem Tierhaften

Viele Kinder identifizieren sich in ihrer Vorstellung mit

einer Tierart. Sie wollen z. B. so stark wie ein Löwe oder

so gewaltig wie ein Elefant sein. Sie schlüpfen in die Rolle

dieser Tiere und genießen es, damit einen Eindruck

auf ihr Umfeld auszuüben. Diese Identifikation und ihre

Verwandlung spiegelt sich in jenen Märchen und Fabeln

wider, die in den ersten beiden Jahrgangsstufen an Waldorfschulen

behandelt werden. Sie zielen einerseits auf

die Rolle des Tieres als Geschwisterwesen des Menschen,

aber auch als Träger von Eigenschaften ab, die überwunden

und verwandelt werden wollen. In der Tier- und Menschenkunde

(vierte Jahrgangsstufe) wird dieser Impuls als

diversifizierte Dreigliedrigkeit im Tierreich und deren Zusammenführung

im Menschen erneut aufgegriffen und in

den folgenden Jahrgangsstufen vielfältig weiterverfolgt.

Das Erfassen dieser Impulse setzt aber ein altersentsprechendes

Vorstellungsleben voraus. Die folgenden zwei

Berichte zeigen auf, dass bei den beiden besprochenen

Kindern diese Voraussetzungen erst geschaffen werden

mussten, um ihre manifestierte Identifikation mit einer

Tierart bzw. einer Tiergattung aufzulösen.

Sandroes Eigenwahrnehmung als Löwe

Im sechsten und siebten Vortrag des Heilpädagogischen

Kurses wurde der damals neunjährige Sandroe vorgestellt.

(Steiner, GA 317, 2024, S. 103 u. 106) Damals wurde konstatiert,

dass der physische Leib des Jungen zu stark verhärtet war,

um dem Astralleib und der Ich-Organisation ein reguläres

Hindurchdringen zu ermöglichen. Das hatte sowohl gesundheitliche

wie auch kognitive Beeinträchtigungen zur

Folge. Durch die eingeschränkte Resonanz zwischen Kopf

und Stoffwechsel-Gliedmaßenpol konnte Sandroe u. a. äußere

Sinneseindrücke nicht zu Erinnerungsvorstellungen

verarbeiten. Dadurch gingen ihm elementare Grundlagen

für die Kommunikation mit seinem sozialen Umfeld ab. So

fragte ihn Rudolf Steiner, warum er den Mund nicht schließen

würde. Daraufhin erwiderte Sandroe, sein Mund sei

ein Apparat zum Einfangen von Fliegen. Das war einerseits

pfiffig erwidert, andererseits nicht vollends in der eigenen

körperlichen Wirklichkeit verankert. Außerdem hatte

Sandroe eine als «eisenreich» beschriebene Konstitution.

Diese zeichnete sich durch eine Neigung zu Stereotypien

aus. So war Sandroe außerstande, seine Feinmotorik nach

eigenen Intentionen zu steuern, weil er sich auf isolierte

Eindrücke fixierte und einen Handlungsablauf nicht erfassen

konnte. (Grimm, 2018, S. 6–17)

Schließlich wich Sandroes Astralleib wegen der Undurchdringlichkeit

des physischen Leibes über die Körpergrenzen

aus und wurde für den Jungen in der Gestalt eines

Löwen wahrnehmbar. Diese Wahrnehmung vereinnahmte

das Vorstellungs- und Willensleben des Jungen so stark,

dass er stereotyp konstatierte, ein Löwe zu sein und sich

dementsprechend verhielt. Er krabbelte z. B. auf allen Vieren

über den Boden und brüllte wie ein Löwe. (Uhlenhoff,

2007, S. 107–115)

Das pädagogische Konzept

Hätte es sich allein um eine Stereotypie im Vorstellungsleben

gehandelt, wäre ein Aussprechen der Fixierung

möglich gewesen. Da es sich aber um eine Identifikation

auf den Ebenen der Vorstellung wie auch des Willens- und

Empfindungslebens handelte, empfahl Rudolf Steiner einen

handlungspädagogischen Ansatz:

Sandroe wurde das Stricken beigebracht. Dadurch lernte

er, die eigenen Bewegungen nach seinen Intentionen zu

steuern und sich, zumindest für die Dauer des Prozesses,

von seiner Stereotypie zu lösen. Auch kam bei dieser Tätigkeit

etwas zustande, das ihn seine Selbstwirksamkeit

erleben ließ. Sandroes Erzieherin, Gerda Langen, wird zur

Unterstützung der Aufmerksamkeit gereimte Sprüche eingesetzt

haben, welche die einzelnen Bewegungsabläufe

begleiteten und diese zugleich miteinander verkoppelten.

Sandroes Empfindungs- und Vorstellungsleben war somit

auf den eigenen Leib und nicht mehr auf dessen Peripherie

gelenkt. Im Laufe der folgenden Jahre führte ihn Gerda

Langen an eine Vorstellungstätigkeit heran, die sinnliche

Eindrücke zu Erinnerungsvorstellungen und schließlich

auch zu Begriffen verarbeitete.

Dabei bezog sie Sandroes Identifikation mit einem Löwen

in jene Bilder ein, auf die sie seine Aufmerksamkeit lenkte.

Sie imaginierte z. B. beim Formenzeichnen die ‹Krumme›

als einen Wasserstrahl, der den Durst eines Löwen löschte.

Dadurch wurde das Löwenhafte aus Sandroes Peripherie

entfernt und in einen Gegenstand seines reflektierten

Wahrnehmungs- und Vorstellungslebens verwandelt.

Erinnerungsvorstellungen, wie die Inhalte des Erzählteils,

wurden durch Rollenspiele nachvollzogen. Das ermöglichte

Sandroe die Identifikation mit der jeweiligen Gestalt, die

er verkörperte, und löste seine Fixierung auf die Löwenidentität

auf. Durch die Rollenspiele konnte sich Sandroe

aber auch an die vermittelten Willensimpulse, Empfindungen

und Vorstellungen als lebendige Bilder erinnern und

mit ihnen identifizieren lassen. Darauf fußend, verwandelte

Gerda Langen diese Erinnerungsvorstellungen in Rätsel.

Das motivierte Sandroe, seine Vorstellungen in einen

anderen Kontext zu übertragen und daraus erweiterte Begriffe

zu bilden (Hallen 2018, S. 18–33).

Durch diese Impulse stellten sich zum einen die Wahrnehmungen

des eigenen Astralleibes in der Gestalt eines

Löwen ein. Zum anderen war Sandroe in der Lage, ein

selbstgesteuertes Vorstellungs-, Empfindungs- und Willensleben

zu entfalten.

for certain animals – to such an extent that they identified

with them not only in their imagination, but also in the

form of their movements, and were also highly restricted

by this fixation. In the experience of these children, a kind

of existential depth of their connection with the animal

imaginations they named and ‹embodied› could be felt.

Identification with animal qualities

Many children identify with an animal species in their imagination.

For example, they want to be as strong as a lion

or as powerful as an elephant. They slip into the role of

these animals and enjoy making an impression on those

around them. This identification and transformation is

reflected in the fairy tales and fables that are taught in the

first two grades at Waldorf schools. They focus on the role

of animals as siblings of humans, but also as carriers of

characteristics that need to be overcome and transformed.

In animal and human studies (fourth grade), this impulse

is taken up again as a diversified threefold structure visible

in the animal kingdom which is integrated in human

beings. This theme is pursued further in a variety of ways

in the following grades.

However, grasping these impulses requires an imagination

appropriate to the age of the child. The following two reports

show that these prerequisites first had to be created

in the two students discussed in order to dissolve identification

with an animal species or genus demonstrated by

them.

Sandroe’s self-perception as a lion

In the sixth and seventh lectures of the Course on Education

for Special Needs, the then nine-year-old Sandroe was

introduced. (Steiner GA 317, 2024, pp. 103 and 106). At that time, it

was noted that the boy’s physical body was too hardened

to allow the astral body and the ego organization to pass

through it in a regular manner. This resulted in both health

and cognitive impairments. Due to the limited resonance

between his head pole and his metabolic limb pole, Sandroe

was unable to process external sensory impressions

into memories, among other things. As a result, he lacked

the basic foundations for communicating with his social

environment. For example, when Rudolf Steiner asked him

why he would not close his mouth, Sandroe replied that

his mouth was a device for catching flies. On the one hand,

this was a clever response, but on the other hand, it was

not fully anchored in his own bodily reality. In addition,

Sandroe had a constitution described as «iron-rich.» This

was characterized by a tendency toward stereotypical behavior.

Sandroe was unable to control his fine motor skills

according to his own intentions because he fixated on isolated

impressions and was unable to grasp a sequence of

actions (Grimm 2018, pp. 6-17),

Due to the impenetrability of his physical body, then,

Sandroe’s astral body deviated beyond the boundaries of

his body and became perceptible to the boy in the gestalt

of a lion. This perception so completely took over the boy’s

imagination and will that he stereotypically asserted that

he was a lion and behaved accordingly. For example, he

crawled on all fours across the floor and roared like a lion

(Uhlenhoff 2007, pp. 107-115).

The pedagogical concept

If it had been merely a stereotype in the boy’s imagination,

it would have been possible to talk him out of his fixation.

However, since it was an identification at the levels of imagination,

will, and feeling, Rudolf Steiner recommended an

action-based pedagogical approach:

Sandroe was taught to knit. This taught him to control his

own movements according to his intentions and, at least

for the duration of the process, to break away from his

stereotype. This activity also enabled him to experience

his own self-efficacy. Sandroe’s teacher, Gerda Langen, likely

used rhyming verses to support his attention, which

accompanied the individual movements and at the same

time linked them together. Sandro’s sensory and imaginative

life was thus directed toward his own body and no longer

toward its periphery. Over the following years, Gerda

Langen introduced him to an imaginative activity that processed

sensory impressions into memories and ultimately

into concepts.

In doing so, she incorporated Sandroe’s identification with

a lion into the images to which she directed his attention.

For example, when drawing shapes, she imagined the

‹crooked› line as a jet of water quenching a lion’s thirst.

This removed the lion-like quality from Sandroe’s periphery

and transformed it into an object of his reflective perception

and imagination.

38

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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Brunos Eigenwahrnehmung als Reptil

Bruno besuchte eine Waldorf-Förderschule für geistige

Entwicklung. Bei ihm lag eine körperliche und seelische

Entwicklungsverzögerung vor. Nach seiner Einschulung

wurde eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert.

Bruno nahm sich als Reptil, und zwar überwiegend als Dinosaurier,

wahr. Obwohl er sich schon im ersten Schuljahr

geschickt bewegen und im elterlichen Garten auf Bäume

klettern konnte, krabbelte er am liebsten auf allen Vieren.

Dabei waren seine Bewegungen eckig und echsenhaft.

Wer auch immer ihn ansprach, es berührte ihn nicht. Die

Kommunikation beschränkte sich auf Einwortsätze, mit

denen Bruno seine Bedürfnisse äußerte. Fragte man ihn

z. B., wer er sei, antwortete er «Dino». Zu Hause besaß er

eine beachtliche Sammlung Plastik-Dinosaurier, die seine

Fantasie vollends vereinnahmte.

Brunos Klassenlehrerinnen kamen zu dem Schluss, dass

auch Dinos das Stricken erlernen können. Darauf ließ sich

Bruno dann auch ihnen zuliebe ein. Indes empfand er seine

Hände weiterhin als Echsen-Vorderpfoten. Dass diese

etwas Ansehnliches zustande brachten, erschien ihm sowohl

verwunderlich wie auch erfreulich, zumal Brunos Eltern

von seinen Erzeugnissen begeistert waren.

Nun begegnete Bruno den anderen Kindern in seiner Klasse

wie eine Echse – aus der Distanz in erstarrter Grundhaltung

beobachtend und dann die Flucht ergreifend, wenn

jemand mit ihm z. B. spielen wollte. Deshalb erzählten die

Lehrerinnen Geschichten, in denen Echsen miteinander

spielten. Diese Geschichten übertrug Bruno auf sein Sozialverhalten.

Er ließ sich auf die Anregungen seiner Lehrerinnen

zum gemeinsamen Spiel mit anderen Kindern ein

und ergriff nach einem halben Jahr selbst die Initiative,

soziale Kontakte zu knüpfen. Bei den daraus resultierenden

Spielaktivitäten standen freilich Echsen und Saurier im

Mittelpunkt.

Dessen ungeachtet freute sich Bruno, als es ihm gegen

Ende des ersten Schuljahres gelang, die schönen Tafelanschriften

erfolgreich ins Epochenheft zu übertragen.

Ihm war vermittelt worden, dass er sich in einer Schule

befände, in der auch Dinos die Kulturtechniken erlernen

könnten.

Mit neun Jahren begann Bruno, sich für Bücher zu interessieren

– freilich nur für diejenigen, in denen Echsen und

Dinosaurier dargestellt waren. Durch das Studium dieser

Bücher entfernte Bruno die Echsenidentität binnen weniger

Wochen aus seiner Eigenwahrnehmung. Er stellte das

Sich-Fortbewegen auf allen Vieren ein. Auch bezeichnete

er sich nicht mehr als Echse bzw. Dino. Die einzige Reminiszenz

an sein ‹Echsen-Sein› ist war bis heute die Angewohnheit,

bei jeglicher Begrüßung die rechte Hand ein

wenig zu krümmen und wie eine Echse zu fauchen.

Nachdem Bruno seine Echsenidentität in ein reges Interesse

an Reptilien verwandelt hatte, weitete er seinen Horizont

auf die Welt der Insekten aus. Zahlreiche kleine Schauspiele,

die zu den Kulturtechniken und zum Erzählstoff des

Hauptunterrichts konzipiert wurden, halfen Bruno, sich

als Mitschüler in die Klassengemeinschaft einzugliedern.

Seit dem achten Schuljahr war er mit einem Mädchen in

seiner Klasse für einige Jahre freundschaftlich verbunden.

Heute ist Bruno in einer Werkstatt für Menschen mit Unterstützungsbedarf

tätig. Weiterhin interessiert er sich für

Echsen und Saurier wie auch für Insekten und Kriechtiere

aller Art. In seiner Freizeit hockt er gern an Wegrändern

und beobachtet hingebungsvoll all dasjenige, was da

kreucht und fleucht.

Fazit

Sowohl bei Sandroe wie auch bei Bruno zielte die pädagogische

Arbeit darauf ab, die Identifikation mit der jeweiligen

Tierart bzw. Gattung in eine geregelte Wahrnehmungsaktivität

umzuleiten – und zwar durch die Förderung der Eigenwahrnehmung,

u. a. mithilfe von handwerklichen und

künstlerischen Aktivitäten. Das Erleben der eigenen Gliedmaßentätigkeit

hatte in dieser Hinsicht eine zentrale erzieherische

Bedeutung. Der Weg zur Eigenwahrnehmung

als Mensch verlief freilich über die emotionale Anbindung

an die Erziehenden. In diesem Zusammenhang dienten

Gleichnisse und Parabeln wie auch deren schauspielerische

Darstellung als ein Angebot, um dem Kind dazu zu

helfen, sich von der starken Bindung an die Vorstellungen

zu lösen.

Zu den Meditationsempfehlungen

Im Gegensatz zu den Bildern und Vorstellungen, welche

von den Kindern selbst kommen, lässt sich nicht selten

in der Umwelt eine Tendenz der Zuschreibung beobachten,

welche sich unwillkürlich einstellt und Parallelen oder

Ähnlichkeiten zu tierischen Verhaltensweisen auf der Ebene

herstellt. Rudolf Steiner wies in diesem Zusammenhang

und auch allgemein im Umgang mit unbewussten Vorstellungs-

und Handlungstendenzen von Pädagog:innen auf

die Bedeutung der Meditation im Allgemeinen und auf

spezifische Meditationen hin. So wies er in den Vorträgen

zur Allgemeinen Menschenkunde auf die Haltung hin, die

Schülerinnen und Schüler (auch) als eine Widerspiegelung

des gesamten Kosmos zu sehen (Steiner, GA 293, 2010, S. 156).

Im Heilpädagogischen Kurs wird in diesem Zusammenhang

besonders auf die Bemühung hingewiesen, sich mit

der «Strebensrichtung» eines Kindes zu verbinden. Abstrahiert

ist diese Meditation eine Bildvorstellung von dem,

wie sich ein Kind als erwachsene Person später einmal entwickelt

haben könnte. (Steiner, GA 317, 2024, S. 135)

Memories, such as the content of the narrative part, were

recreated through role-playing. This enabled Sandroe to

identify with the respective character he was embodying

and broke his fixation on the lion identity. Through roleplaying,

Sandroe was also able to remember the conveyed

impulses of will, feelings, and ideas as vivid images and

identify with them. Based on this, Gerda Langen transformed

these memories into riddles. This motivated Sandroe

to transfer his ideas into a different context and form them

into richer concepts (Hallen 2018, pp. 18-33).

These impulses led, on the one hand, to perceptions of his

own astral body in the gestalt of a lion. On the other hand,

Sandroe was able to develop a self-directed life of imagination,

feeling, and will.

Bruno’s self-perception as a reptile

Bruno attended a Waldorf school for children with intellectual

disabilities. He showed physical and cognitive developmental

delays. After starting school, he was diagnosed

with autism spectrum disorder.

Bruno perceived himself as a reptile, mainly a dinosaur.

Although he was already able to move skillfully and climb

trees in his parents’ garden in his first year of school, he

preferred to crawl on all fours. His movements were angular

and lizard-like. Whoever spoke to him, it did not affect

him. Communication was limited to one-word sentences

with which Bruno expressed his needs. If asked, for example,

who he was, he replied ‹Dino.› At home, he had a considerable

collection of plastic dinosaurs that completely

captured his imagination.

Bruno’s teachers came to the conclusion that even dinosaurs

could learn to knit. Bruno agreed to give it a try for

their sake. However, he continued to think of his hands as

lizard front paws. He found it both surprising and gratifying

that they could produce something so impressive,

especially since Bruno’s parents were delighted with his

creations.

Bruno also encountered the other children in his class like

a lizard – observing them from a distance in a frozen stance

and then fleeing when someone wanted to play with him,

for example. So the teachers told stories in which lizards

played with each other. Bruno transferred these stories to

his social behavior. He accepted his teachers’ suggestions

to play with other children and, after six months, took the

initiative himself to make social contacts. The resulting

play activities naturally focused on lizards and dinosaurs.

Nevertheless, Bruno was delighted when, towards the end

of his first school year, he managed to successfully copy

the beautiful board inscriptions into his main lesson book.

He had been told that he was in a school where even dinosaurs

could learn cultural skills.

At the age of nine, Bruno began to take an interest in books

– but only those featuring lizards and dinosaurs. By studying

these books, Bruno eliminated the lizard identity from

his self-perception within a few weeks. He stopped moving

around on all fours. He also stopped referring to himself as

a lizard or dinosaur. The only remnant of his ‹lizardhood›

to this day is the habit of curling his right hand slightly and

hissing like a lizard whenever he greets someone.

After Bruno had transformed his lizard identity into a keen

interest in reptiles, he broadened his horizons to include

the world of insects. Numerous little plays, which were designed

to be part of the cultural techniques and narrative

material of the main lessons, helped Bruno to integrate

into the class community as a fellow student. From eighth

grade onwards, he was friends with a girl in his class for

several years.

Today, Bruno works in a workshop for people with support

needs. He continues to be interested in lizards and

dinosaurs, as well as insects and reptiles of all kinds. In his

free time, he likes to sit on the side of the road and watch

everything that crawls and flies.

Conclusion

In both Sandroe’s and Bruno’s cases, the educational work

aimed to redirect their identification with the respective

animal species or genus into a regulated activity of perception

– by promoting self-awareness, among other things

with the help of manual and artistic activities. In this respect,

experiencing the activity of one’s own limbs was of

central pedagogical importance. The path to self-awareness

as a human being naturally ran through an emotional

connection to the educators. In this context, parables and

allegories, as well as their theatrical representation, served

as a means of helping the child to detach themselves from

their strong attachment to ideas.

40

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

41



Nun stellen sich die Gedanken- und Bildmeditationen im

Kontext unserer an das Sinnliche gebundenen Vorstellungen

nicht von selbst ein, da diese von unseren egoistischen

Tendenzen in hohem Maß beeinflusst sind. Zur

Überwindung dieser Tendenzen wurde im 12. Vortrag des

Heilpädagogischen Kurses das Bild des Skarabäus als Meditationsinhalt

gegeben. Dieser war nach Angaben Rudolf

Steiners in der altägyptischen Kultur eine Imagination des

menschlichen Hauptes als Ich-Träger und Überwinder des

egoistischen Vorstellungslebens, das an die Seelengesten

der Antipathie und Sympathie gebunden ist (ebd., S. 203 f.).

Mithilfe dieser ‹propädeutischen Meditationen› können

wir die im 10. Vortrag des Heilpädagogischen Kurses dargestellte

Punkt-Kreis-Meditation angehen. Diese Meditation

dient am Abend vor dem Einschlafen dem Eintauchen

in die Nachtseite unseres Bewusstseins. In diese tragen wir

mit dem Mantram «In mir ist Gott» unsere Fragen hinüber.

Beim morgendlichen Zurückkehren auf die Tagseite mit

dem Mantram «Ich bin in Gott» können wir in uns hineinhorchen,

um ggf. eine Gewissheit zu erfahren, die unsere

Fragen beantwortet. Dass wir eine Resonanz erfahren, ist

kein Automatismus, sondern immer eine Gnade, die uns

zuteilwerden kann, es aber nicht zwangsläufig muss. (zur

Polarität: Pepper, 2024, S. 388–408; zur inneren Bemühung: Pichler, 2024,

S. 411–419)

Die Punkt-Kreis-Meditation ist also nicht Gegenstand einer

theoretischen Beschäftigung mit der geistigen Welt, wie

sie seinerzeit von einigen Anthroposoph:innen bei ihrer

Auseinandersetzung mit Wie erlangt man Erkenntnisse

der Höheren Welten aufgefasst wurde, sondern die Grundlage

für eine reale Begegnung mit geistigen Wesen (Steiner,

GA 10, 1982, S. 28–41). Über die Sphäre, in die wir uns auf der

Nachtseite begeben, äußerte sich Rudolf Steiner wie folgt:

«[…] Sie werden dasjenige, was Sie so mit einer gewissen

Orientierung in sich als Meditation üben, in seiner Fruchtbarkeit

dadurch sehen, dass Sie wie […] in Ihrem Fühlen,

(und zwar) in Abwesenheit des Körpers, wie in einem astralen

Wellenbade weitergetrieben werden, hineingetrieben

werden in eine Welt, die sich eben leise wellend vor

Sie hinstellt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Dinge um sich

herum zu sehen, die Ihnen dann Antwort geben auf Ihre

Fragen.» (Steiner, GA 317, 2024, S. 181) Dieses ‹astralische Wellenbad›

in zunehmendem Maße bewusst zu erleben, ist

eine Frage der geistigen Schulung.

Evaluation

Bei der Umsetzung der im Heilpädagogischen Kurs gegebenen

Meditationsempfehlungen fiel mir im Rahmen

meiner Tätigkeit als Förderlehrer auf, dass meine am Anfang

noch pathologisierende Sicht auf Schüler:innen in ein

reges Interesse an deren individueller Konstitution verwandelt

wurde. In der Folge flossen mir mithilfe der meditativen

Vertiefung Ideen und Handlungsimpulse zu, die

meine Perspektive auf die Bewältigung des Assistenzbedarfs

wie auch auf die Ressourcen der Schüler:innen erweiterte.

Auch wurde meine Fantasie in einem Maße angeregt,

die mich selber immer wieder in Erstaunen versetzte.

Literatur/ literature

Grimm, R. (2018): «Aufmerksamkeit: die Entdeckung eines inneren Potentials»,

in: Seelenpflege (4) 2018, S. 6–17. ||| Hallen, G. (2018): «Lebendige

Bilder im Vierschritt», in: Seelenpflege (4) 2018, S. 18–33. ||| Hegel,

G . W. F. (1986): Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften. Zweiter

Teil. Die Naturphilosophie. Mit den mündlichen Zusätzen, auf der Grundlage

der Werke von 1832–1845 neu herausgegeben, Frankfurt am Main.

||| Pepper, S. (2024): «Punkt-Umkreis-Meditation, Geometrische Metamor-

phosen, Das Erschließen innerer und äußerer Handlungsräume», in: Gö-

schel, J. u. Grimm, R.: «… ein fortwährender lebendiger Zusammenhang»,

Meditation recommendations

Beiträge zu Rudolf Steiners Heilpädagogischem Kurs, Dornach, 2024, S.

387–410. ||| Pichler, A. (2024): «Hineinfinden in eine andere Welt», Voraussetzungen

und Potenzial der Punkt-Kreis-Meditation, in: Göschel, J.

u. Grimm, R.: «… ein fortwährender lebendiger Zusammenhang», Beiträge

zu Rudolf Steiners Heilpädagogischem Kurs, Dornach, S. 411–438. |||

Steiner, R. (1982): Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten, GA

10, Dornach. ||| Ders. (1980): Anthroposophie, Psychosophie, Pneumatosophie,

GA 115, Dornach. ||| Ders. (1977): Weltenwunder, Seelenprüfungen

und Geistesoffenbarungen, GA 129, Dornach. ||| Ders. (2010): «Allgemeine

In contrast to the images and ideas that come from the

children themselves, it is not uncommon to observe a tendency

in the environment to make attributions that arise

involuntarily and draw parallels or similarities to animal

behavior. In this context, and also in general when dealing

with unconscious tendencies in imagination and action on

the part of educators, Rudolf Steiner pointed to the importance

of meditation in general and to specific meditations.

In his lectures on Foundations of Human Experience,

he pointed to the attitude of seeing pupils (also) as a reflection

of the entire cosmos (Steiner GA 293, 2010, p. 156).

In the Course on Education for Special Needs, particular reference

is made in this context to the effort to connect with

a child’s ‹direction of striving.› In abstract terms, this meditation

consist in creating an image of how a child might

develop as an adult. (Steiner GA 317, 2024, p. 135)

In the context of our ideas bound to the senses, thought

and image meditations do not arise by themselves, as

they are greatly influenced by our egoistic tendencies. To

overcome these tendencies, the image of the scarab was

given as a meditation in the 12th lecture of the Course on

Education for Special Needs. According to Rudolf Steiner,

in ancient Egyptian culture this was an imagination of the

human head as the bearer of the ego and the overcomer of

the egoistic life of imagination, which is bound to the soul

gestures of antipathy and sympathy (ibid., p. 203f.).

With the help of these ‹propaedeutic meditations›, we can

approach the point-circle meditation presented in the

10th lecture of the Course on Education for Special Needs.

This meditation serves to immerse ourselves in the night

side of our consciousness in the evening, before falling asleep.

We carry our questions into this meditation with the

mantra «God is in me.» When we return to the day side in

the morning with the mantra «I am in God,» we can listen

within ourselves to experience, at times, an inner certainty

that contains an answer to our questions. Experiencing a

resonance is not automatic, but always a blessing that may

be granted to us. (on polarity: Pepper, 2024, pp. 388-408, on inner

effort: Pichler, 2024, pp. 411-419)

The point-circle meditation is therefore not the subject

of a theoretical study of the spiritual world, as it was understood

at the time by some anthroposophists in their

examination of the book How to Know Higher Worlds, but

rather the basis for a real encounter with spiritual beings

(Steiner, GA 10, 1982, pp. 28-41). Rudolf Steiner commented on

the sphere into which we enter on the night side as follows:

«(...) You will see the fruitfulness of what you practice with

a certain orientation within yourself as meditation in that

you are carried along as if (...) in your feelings, in the absence

of the body, as in an astral wave bath, driven into a

world that stands before you in quiet waves and gives you

the opportunity to see things around you that then answer

your questions.» (Steiner GA 317, 2024, p. 181) Experiencing this

‹astral wave bath› with increasing awareness is a matter of

spiritual schooling.

Evaluation

When implementing the meditation recommendations given

in the Course on Education for Special Needs, I noticed

in my work as a special education teacher that my initially

pathologizing view of students was transformed into a

keen interest in their individual constitution. As a result,

with the help of meditative deepening, ideas and impulses

for action flowed to me that broadened my perspective on

how to cope with the students’ need for assistance and,

and also on the resources that they brought with them. My

imagination was also stimulated to an extent that repeatedly

amazed me.

Menschenkunde», GA 293, Dornach. ||| Ders. (1999): Geisteswissenschaft

und Medizin. GA 312, Dornach. ||| Ders. (2024): Heilpädagogischer Kurs,

GA 317, Basel. ||| Thewless, A. (2024): «Die Horoskop-Studien des Heilpädagogischen

Kurses», in: Göschel, J. u. Grimm, R.: «… ein fortwährender

lebendiger Zusammenhang», Beiträge zu Rudolf Steiners Heilpädagogischem

Kurs, Dornach, S. 341–52. ||| Uhlenhoff, W. (2007): Die Kinder des

Heilpädagogischen Kurses, Krankheitsbilder und Lebenswege, 3. Aufl.,

Stuttgart.

42

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

43



Ein Urphänomen im Sozialen

Der Heilpädagoge Ludger Schulte-Remmert

im Gespräch mit Kurt Eschmann über

die Musicon-Studie Beziehungs-Gestaltung

Kurt Eschmann

Im Hauptberuf Geiger, Pädagoge und Sozialkünstler, lebt der Autor europäische

Jugendarbeit. Hinzu kam vor 40 Jahren die Gründung des Musicon-Vereins

Deutschland, vor 25 Jahren die Erweiterung mit sozial-therapeutischen

Werkstätten, den Ateliers zur Entfaltung der Sinne, in der

Region Hannover, die er mit seiner Frau gegründet und 20 Jahre geleitet

hat. 2018 haben sie die Musicon-Stiftung in Dornach gegründet, mit der

sie nach der Wirksamkeit des menschlichen Ich in Zeiten künstlicher Intelligenz

fragen.

An Ur-Phenomenon in the Social Sphere

Curative educator Ludger Schulte-Remmert

in conversation with Kurt Eschmann on the Musicon study

Relationship Building [Beziehungs-Gestaltung]

Kurt Eschmann

As a violinist, teacher, and social artist, he is dedicated to European youth

work. Forty years ago, he founded the Musicon Association in Germany,

and 25 years ago, expanded it to include social therapy workshops,

the Ateliers zur Entfaltung der Sinne (Studios for the Development of the

Senses), in the Hanover region, which he founded with his wife and ran

for 20 years. In 2018, the Musicon Foundation in Dornach was established,

which explores the effectiveness of the human I-being in times of

artificial intelligence.

L.S-R. Kurt, in einer Studie gehst du der Frage nach, welche

Möglichkeiten wir haben und welche Bedingungen es

für eine inklusive Gestaltung unserer Menschenbeziehungen

braucht. Ist das eine Inklusions-Studie?

K.E. Dieser Begriff hat sich in unserem Sprachgebrauch

eingebürgert aus dem Bedürfnis heraus, Menschen

mit Assistenzbedarf – und inzwischen auch Menschen

aus anderen Kulturen – als gleichberechtigt anerkennen

zu wollen und zu können. Und so hat unsere Studie auch

ihren Hintergrund aus der und in der sozial-inklusiven Alltags-Arbeit,

aus deren Umfeld wir in Arbeitsgruppen und

Gesprächen unsere Erfahrungen und Bewusstwerdungs-

Schritte überwiegend gemacht haben.

L.S-R.

Wie kann ich mir diese Studienarbeit vorstellen?

K.E. Wir sind Menschen vorwiegend aus der Schweiz

und aus Deutschland, vereinzelt auch aus anderen europäischen

und außereuropäischen Staaten, die sich in sog.

‹Aktionsforschungs-Treffen› mit dem Thema Beziehungs-

Gestaltung beschäftigen. Der Begriff Aktionsforschung

ist in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts von Kurt

Lewin geprägt worden und meint eine Arbeits- und Forschungsform,

in der jeder ‹Teil des Problems ist wie auch

Teil der Lösung›, und das führt zu einer ausgezeichneten

und gleichwertigen Begegnungs-Atmosphäre.

L.S-R.: Diese Studie – und du legst ja Wert darauf, dass

sie gleichermaßen für die Beteiligten auch eine Art Selbst-

Studium ist – befindet sich 2025 im sechsten Projektjahr

und läuft noch bis Ende 2026. Die fünf dazu schon vorhandenen

Jahresberichte betreffen verschiedene Aspekte

zur Gestaltung unserer Beziehungen, und ich würde heute

gerne den einen Aspekt herausheben wollen, den ihr mit

dem Begriff «ein soziales Urphänomen» umschreibt.

K.E. Ja, das soziale Urphänomen war das Thema des

vierten Projektjahres und ist ein Begriff, den Rudolf Steiner

1918 in Bezug auf einen bestimmten Bereich unseres

zwischen-menschlichen Lebens geprägt hat, um damit anzudeuten,

dass man es so verstehen kann wie Goethes ‹Ur-

Pflanze›. Also, wir haben es da zu tun mit dem Grundphänomen

im Sozialen, von dem aus alle weiteren, wie Goethe

sagt, «abgeleitete Phänomene» sind.

L.S-R. Jetzt bin ich – und sicher auch unsere Leserschaft

– ganz gespannt, ob wir so etwas philosophisch verstehen

können.

K.E. Das ist eigentlich gar nichts Philosophisches, sondern

eine tief humane und jedem Menschen wahrscheinlich

schon vor der Geburt innewohnende Fähigkeit des

‹Verstehens› – außerhalb des Denkens mit unserm Gehirn.

Nur ist inzwischen ein Großteil der auf unserem Planeten

wandelnden Menschen intellektuell so ‹hochgestylt›, dass

wir nur noch mit dem Intellekt, mit dem Verstandes-Denken,

mit dem, was wir gelernt haben und kombinieren

können, die Welt erkennen und verstehen; so dass dann

Goethe in seinem Faust sagen konnte: «Du gleichst dem

Geist, den Du begreifst.»

Das neugeborene Kind aber hat diesen Intellekt, dieses

rationale Denken ja noch nicht, und wenn wir uns über

die Wiege beugen und uns hineinfreuen mit den Worten

«oh, wie bist du schön, ganz die Mama …», dann müssten

wir uns die Frage stellen, wie das Neugeborene das jenseits

von Sprache versteht. Die Antwort kennen wir alle:

Als Kind gehen wir vollständig in dem auf, was uns umgibt,

wir leben ganz in dem, was um uns ist. Die Psychologie

sagt, wir haben noch keine Subjekt-Objekt-Trennung.

Sie kommt erst später, und sie kommt unausweichlich. Sie

kommt so, dass wir uns dann als ICH erleben können und

uns fortan vom DU getrennt erfahren.

Dieser Vorgang der ‹ICHisierung› drängt dann die einstmals

vorhandene Fähigkeit eines umfassenden Verstehens

des anderen nach und nach zurück, und diese

Ur-Fähigkeit, dieses Urphänomen liegt heute bei uns Erwachsenen

ganz brach, ja es ist uns gar aus dem Bewusstsein

entschwunden.

L.S-R. In unserem Vorgespräch hast du von einer Frau

mit Trisomie 21 gesprochen, wie sie in Ermangelung intellektueller

Fähigkeiten durch das ihr aber zur Verfügung

stehende Urphänomen völlig drinnen steht im sozialen

Lebenszusammenhang, ihre Mitmenschen tiefer und intensiver

in sich aufnimmt, als wir das gewöhnlich kennen.

K.E. Ja, man könnte sogar sagen, je weniger der Intellekt

ausgebildet ist, desto stärker verbleibt dieses soziale

Urphänomen als ein Phänomen im Sozialen, als eine

umfassende Wahrnehmungsfähigkeit dem Menschen zur

Verfügung. Eben, weil wir dann ‹hinhorchen› auf alles das,

L. S.-R. Kurt, in this research study, you

explore the question of what our possibilities

are and what conditions are necessary

in order to build inclusive human relationships.

Is this an inclusion study?

K.E. This term has become commonplace

in everyday usage because of our

wish and need to recognize people with

support needs – and now also people from

other cultures – as having equal rights.

And our study also comes from a background

of daily socially-inclusive work, where we have gained

most of our experience and raised our awareness in

work groups and meetings.

L. S.-R. How is this research carried out?

K. E. We are a group of people, mostly from Switzerland

and Germany, but with several members from other

countries within and outside of Europe, who meet in what

we call ‹action research meetings› [Aktionsforschungs-

Treffen] to work with the topic of relationship building.

The term ‹action research› was coined in the 1920s by Kurt

Lewin and it refers to a form of work and research in which

every «part of the problem is also like a part of the solution.»

This leads to an excellent meeting atmosphere where

everyone is on equal footing.

L. S.-R. This research – and you emphasize that it is also a

kind of self-study for the participants – is now in its sixth

year in 2025 and will continue until the end of 2026. The

five annual reports that are already available focus on various

aspects of relationship-building, and today I would

like to highlight the aspect you describe as ‹a social ur-phenomenon›

[foundational or archetypal phenomenon].

K. E. Yes, this ‹social ur-phenomenon› was the topic of

our fourth year of research, and it is a term that Rudolf

Steiner used in 1918 to refer to a specific area of our interpersonal

life, drawing an analogy to Goethe’s ‹ur-plant›.

So we are working with the foundational phenomenon in

the social sphere, out of which, as Goethe says, all other

phenomena are derived.

L. S.-R. I am very interested – and I am sure our readership

is as well – in whether we can understand something

like this, philosophically.

K. E. It is actually not philosophical at all–rather it is a

deeply human capacity for understanding which is inherent

in every person, probably before birth, and is separate

from our brain-based thinking. However, most people on

earth are now so intellectually ‹sophisticated› that we only

recognize and understand the world with our intellect,

with our rational thinking, with what we have learned and

can extrapolate; so that Goethe could say in his Faust, «You

are like the spirit that you grasp.»

But a newborn child does not yet have this intellect, this

rational thinking. So when we bend over the cradle and

delight in it with the words, «Oh, you are so beautiful! Just

like your mama…», we must ask ourselves how the newborn

understands this beyond language. We all know the

answer: As a child, we are completely at one with our surroundings

– we live fully in what is around us. Psychology

says that we don’t yet have subject-object separation. This

comes later, and it is inevitable. It comes so that we can

then experience ourselves as ‹I›, and from then on as separate

from ‹YOU›.

This process of becoming an ‹I› then gradually pushes

back our earlier ability to completely understand the other.

And this primal, ur-capacity, this ur-phenomenon, lies

fully dormant in us adults today–indeed, it has even disappeared

from our consciousness.

L. S.-R. Before we began this interview, you spoke about

a woman with trisomy 21, and how, though lacking in intellectual

capacity, she is fully immersed in the social life

around her through this ur-phenomenon–how she takes

in those around her more deeply and intensely than we

normally do.

K. E. Yes, you could almost say that the less developed

the intellect is, the stronger this ur-phenomenon is in

the social realm, in the form of a comprehensive ability to

perceive other people. Because then we pay attention to

everything others say, to how they speak, to their gestures,

their expressions, their character, etc., because we want to

understand them!

44

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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was andere sprechen, wie sie sprechen, auf ihre Gesten,

Physiognomie, den Charakter und, und, und, weil wir sie

ja verstehen wollen!

Wir finden in dieser Gesetzmäßigkeit des sozialen Urphänomens

nicht dieses ‹Abgrenzen› vom anderen, dieses

‹Besserwissen›, welches wir durch unser Denkvermögen

uns errungen haben und was uns heute so sehr daran hindert,

das DU in uns überhaupt aufnehmen zu wollen.

L.S-R.

Sind wir jetzt unfähiger im Sozialen als früher?

K.E. Wir erleben uns nicht mehr als ‹Gruppen-ICH› (mit

Ausnahme bei Massenveranstaltungen). Das gegenwärtige

sehr persönliche ICH-Erleben ist wohl ein menschheitsnotwendiges

Durchgangsstadium, bis jeder Mensch es

selbst gelernt hat, aus der eigenen Freiheit heraus, aus der

Vereinzelung sich wieder bewusst dem DU, dem Ganzen

der Schöpfung liebevoll zuzuwenden.

L.S-R. Das ist ja wohl ein langer Weg – und welche Erfahrungen

habt ihr in dieser Studie dazu schon gemacht?

K.E. Wunderbare Erfahrungen. Zum Beispiel, dass dieses

Zuhören, ein Gefäß zu sein für den anderen, der gerade

spricht, so einfach, so bereichernd und erhellend ist, weil

man (und das war immer die Übung in den Treffen) drei

Minuten lang zuhören durfte, ohne eigene innere oder gar

äußere Kommentare: einfach nur zuhören. Und dann kann

es zu einer wesenhaften Begegnung mit dem DU kommen.

Und wenn man dann die Rolle wechselt, wenn man nun

selbst der Sprechende ist und das DU alles, was ich sage,

in sich aufnimmt, unkommentiert, ungefiltert, dann entsteht

ein noch ganz ungeübtes NEUES: Im Hörenden wie

im Sprechenden – auf beiden Seiten – entsteht so etwas

wie ein Denken oder Bewusstwerden von Dingen, die nicht

im ICH und nicht im DU ihren Ursprung haben, sondern

die im ‹Zwischenraum› entstehen: eine ‹Kunst des Zusammendenkens›.

Sicherlich ist dies noch eine Kunst der Zukunft, die aber offensichtlich

vorhandene Antipathien zwischen ICH und DU

stark minimiert, und das ist schon mal ein gutes Ergebnis.

L.S-R. Kann man sagen, dass das «soziale Urphänomen»,

dieses «Hineinschlafen in das Gegenüber» für einen

Augenblick, wie Steiner es nennt, eine Gesetzmäßigkeit im

Sozialen beschreibt, die wir – anders als die uns bekannten

Naturgesetze – nur noch nicht bemerkt haben oder nicht

beachten?

K.E. Das Verstehen und der Umgang mit Naturgesetzen

ist uns schon lange geläufig, das Verstehen und

der Umgang mit Sozialgesetzen, also mit den wirklichen

Gesetzmäßigkeiten, die in der sozialen Welt ebenso herrschen

wie die Naturgesetze in der natürlichen Welt, wurden

noch nicht in gleicher Weise erforscht und werden in

der Regel auch (noch) nicht bewusst geübt.

L.S-R. Du sprichst davon, dass es – wie du sagst – «erkenntnisschaffende

Bedingungen» auf dem langen Weg

des Menschen zum sozialen Wesen gibt. Was sind die legitimen

Annahmen, die ihr in der Studie «Beziehungs-Gestaltung»

erforscht?

K.E. Jeder Mensch geht mehr oder weniger bewusst

von irgendwelchen Annahmen oder Weltanschauungen

aus, und die Welt ist so groß, dass auch die anthroposophische

Sichtweise darin genügend Platz hat. Wir gehen bekanntlich

davon aus, dass der Mensch aus Leib, Seele und

Geist besteht. Das soziale Leben des Menschen erstreckt

sich auch über diese drei Dimensionen des Menschseins,

so dass es folgerichtig auch drei verschiedene soziale

Gesetzmäßigkeiten geben muss: eine für unsere geistige

Dimension, eine für die seelische und eine für die körperliche,

irdische Dimension des Menschseins. Also drei soziale

Gesetzmäßigkeiten.

L.S-R. Und das soziale Urphänomen betrifft die seelische

Dimension des Menschseins?

K.E. Ja, da, wo Mensch und Mensch sich gegenüberstehen,

sich begegnen, sich verstehen wollen und müssen,

da ist der Beginn, der Anfang unseres sozialen Lebens.

Von dort aus entfaltet sich das Menschsein in die

anderen beiden Dimensionen zwischen Himmel und Erde:

in meine geistigen und in meine irdischen Fähigkeiten und

Bedürfnisse. Es ist ganz entscheidend, wie wir mit diesem

sozialen Ausgangspunkt im Sozialen umgehen. Wenn ich

dem DU nicht mehr zuhören, wenn ich mich keinem DU

mehr zuwenden würde, würden wir alle verhungern – auch

geistig-seelisch.

In this fundamental ur-phenomenon, we find no separation

from others, none of the superiority of‚ ‹knowing better›

than others that comes from our intellect and so often

hinders us from even wanting to take in the YOU.

L. S.-R. Do we have less social ability now than we used to

have?

K. E. We no longer experience ourselves as part of the

‹collective I› (except in crowds at large events). Our current

very personal I experience is probably a necessary human

transition phase, until each of us has taught ourself, of our

own volition, to turn away from our isolation and become

lovingly conscious again of the YOU–of the whole of creation.

L. S.-R. We still have a long way to go. So – what insights

have you come to so far in this study?

K. E. Wonderful insights. For example, that this attentive

listening – letting ourselves be a vessel for the one who

is speaking – is so simple and yet so rewarding and enlightening.

Because (and this was always our practice in

our meetings) we listened for three minutes without internal

or external commentary: simply listened. And this

creates the possibility for an intimate encounter with the

YOU. And then when we switch roles and when I am the

speaker, and YOU take in everything that I say, unfiltered

and without commentary, something completely new arises.

In both the listener and the speaker – on both sides –

something arises like a way of thinking or a consciousness

of things that do not originate in ME or in YOU but rather

come into being in the space in between–an ‹art of interconnected

thinking.›

This is certainly still an art of the future, but it clearly greatly

minimizes existing antipathies between YOU and ME,

which is already a positive result.

L. S.-R. Could we say that this ‹social ur-phenomenon›,

this momentary «falling asleep into the other person», as

Steiner characterizes it, describes a certain law in the social

sphere that–unlike the laws of nature we are familiar

with–we have not yet become aware of or paid attention

to?

K. E. We have long understood and consciously interacted

with the laws of nature, but the social laws–the real

laws that rule in the social sphere just as the laws of nature

rule in the natural world–have not been studied in the

same way and are generally not (yet) consciously practiced.

L. S.-R. You talk about how there are, as you call them,

‹insight-generating conditions› in the long human journey

to becoming social beings. What are the legitimate assumptions

that you explore in your Relationship Building

research?

K. E. All human beings come from a place of more or

less conscious assumptions or worldviews, and the world

is so big that there is also enough room for the anthroposophic

perspective. As you know, we believe that the human

being consists of a body, soul and spirit. Human social life

also extends across these three dimensions of human existence,

so it follows that there must also be three different

social laws–one for our spiritual dimension, one for our

soul or psychological dimension, and one for the bodily,

earthly dimension of human existence: Three social laws.

L. S.-R. And the social ur-phenomenon relates to the

soul/psychological dimension of human existence?

K. E. Yes, when two people are across from each other,

meet each other, and want and need to understand each

other, that is the beginning, the starting point of our social

life. From there, human existence unfolds into the other

two dimensions between heaven and earth–into our spiritual

and our earthly needs and abilities.

The way we engage with this social starting point in the

social realm is key. If I no longer listened to YOU, if I were

to stop relating to the YOU, we would all starve, including

on the spiritual and soul/psychological levels.

L. S.-R. This is quite a broad topic, and our societal development

demands quick solutions. Can't the social realm

be explained more succinctly?

K. E. In contrast to the digital world, which is now developing

on its own (if we connect it to the power grid),

the development of the social world can only progress

46

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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L.S-R. Das ist doch ein ziemlich weitläufiges Thema

und unsere gesellschaftliche Entwicklung verlangt nach

schnellen Wegen. Kann das Soziale nicht kürzer erklärt

werden?

K.E. Im Gegensatz zur digitalen Welt, die sich inzwischen

von selbst weiterentwickelt (solange wir sie an das

Stromnetz anschließen), geht die Entwicklung der sozialen

Welt nur durch individuelle Bewusstseinsarbeit voran,

und diese kann nicht technisch-maschinell erfolgen, sondern

speist sich aus unseren Erfahrungen mit dem DU in

Freud und Leid.

Hier betreten wir eine wunderbare, erkenntnisschaffende

Dimension, die ein wesentliches Merkmal unseres

Menschseins ist und die uns immer wieder mit der Nase

darauf stößt, dass wir nicht isoliert voneinander existieren,

sondern dass wir mit unserem ICH Teil der gesamten

Schöpfung sind.

L.S-R. Kannst du abschließend noch etwas darüber sagen,

wie es zu dieser Studie gekommen ist?

K.E. Die 2018 gegründete Schweizer Musicon-Stiftung

fördert sozialwissenschaftliche Forschung – wie es

in den Stiftungsstatuten heißt – aus «… den Impulsen der

Geisteswissenschaft Rudolf Steiners unter Einbeziehung

naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. Dabei sollen die

Forschungen den Menschen als eine eigenständige geistige

Wesenheit zeigen auch gegenüber den Möglichkeiten

einer künstlichen Intelligenz.»

In diesem Stiftungskontext steht auch diese Studie, an der

sich Menschen freiwillig beteiligen, da die Arbeit nicht mit

Geld verbunden ist.

Der Stiftungszweck zielt auf die Frage nach der Wirksamkeit

des ICH in Zeiten einer sich künstlich erschaffenden

Intelligenz, und wir möchten Menschen ermutigen, über

die Stiftung auch in einen gemeinsamen Austausch über

Kunst, Soziales und Therapeutisches zu kommen.

So freuen wir uns sehr, dass die Hochschule am Goetheanum

nun eine 12. Fakultät für die zukünftige ‹inklusive

soziale Entwicklung› der Menschheit begründet hat.

through individual consciousness work. And this cannot

be achieved through technology and machines, but rather

is fed by our experiences with the YOU in joy and suffering.

This is where we enter a wonderful, insight-generating

dimension, which is an essential feature of our humanity

and which constantly reminds us of the fact that we do not

exist in isolation from one another, but that we, with our I,

are part of the whole of creation.

L. S.-R. To conclude, can you say something about how

this research came about?

K. E. The Swiss Musicon Foundation, founded in 2018,

promotes social science research – as is laid out in the

foundation’s statutes – based on: «... the impulses of Rudolf

Steiner’s spiritual science, considering findings in the

traditional natural sciences. The research is intended to

show human beings as independent spiritual entities, also

in relation to the possibilities of […] artificial intelligence.»

This study is being carried out within the context of this

Foundation, with people who participate voluntarily without

any monetary incentive.

The Foundation’s purpose is to study the activity of the I in

a time of artificial intelligence, and we also want to encourage

people to engage in collaborative exchange on artistic,

social and therapeutic topics.

Therefore, we are thrilled that the School of Spiritual Science

at the Goetheanum has now founded a twelfth faculty

for the future «inclusive social development» of humanity.

Contact:

Musicon-Stiftung

Juraweg 17, 4143 Dornach, Switzerland

Kontakt:

Musicon-Stiftung

Juraweg 17, 4143 Dornach, Schweiz

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Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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Goetheanum

Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung

Section for Inclusive Social Development

Jahresbericht 2024

Gründung der 12. Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft

Auf der internationalen Tagung für inklusive soziale

Entwicklung, die vom 2. bis 6. Oktober 2024 mit

fast 1000 Menschen aus dem weltweiten Netzwerk

des Arbeitsfeldes am Goetheanum stattfand, wurde feierlich

die 12. Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft

begründet: Die Sektion für Heilpädagogik und

inklusive soziale Entwicklung (auf Englisch: Section for

Inclusive Social Development). Hundert Jahre nach dem

in Dornach gehaltenen Heilpädagogischen Kurs Rudolf

Steiners, und 100 Jahre nach der Begründung der Hochschule

innerhalb der Weihnachtstagung 1923/24 ging

damit die Zusammenarbeit auf dem Feld der Heil-, Sonderund

Inklusionspädagogik, Sozialpädagogik, Sozialen Arbeit

und inklusiven sozialen Entwicklung für und mit Menschen

mit Assistenzbedarf im Rahmen der Hochschule in

eine neue Entwicklungsphase. Seit 1979 unter dem Dach

des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development

(bis 2018 Konferenz für Heilpädagogik und Sozialtherapie)

geführt, steht sie nun im interdisziplinären Kreis

der Fachsektionen, mit der Medizinischen Sektion, die ihr

bisheriges Zuhause war, und den Sektionen für Pädagogik,

Sozialwissenschaft, Landwirtschaft, Bildende Künste,

Redende und Musizierende Künste, Schöne Wissenschaften,

Naturwissenschaften, Mathematik und Astronomie

sowie der Jugendsektion und der Allgemeinen Anthroposophischen

Sektion.

Als Sektionsleiter wurde Jan Göschel in die Goetheanum-

Leitung berufen. Die Mitglieder des Leitungsteams der

Sektion, mit Bart Vanmechelen, Sonja Zausch und Jan

Göschel, verantworten gemeinsam die inhaltliche Ausrichtung

und Koordination der Sektionsarbeit und gewährleisten

so die Kontinuität der bisherigen Arbeit des

Anthroposophic Council for Inclusive Social Development.

Ein Fokus der neuen Entwicklungsphase ist die Stärkung

der inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit mit den

anderen Fachsektionen zu komplexen gesellschaftlichen

und sozialen Themen und Herausforderungen der Gegenwart.

Durch den Delegiertenkreis der Sektion, in dem die

Vertreter:innen der Organisationen und Verbände im weltweiten

Netzwerk (aktuell in ca. 60 Ländern) sowie die Sprecher:innen

der verschiedenen Arbeitsfelder der Sektion

zusammenarbeiten, wird weiterhin eine enge Verbindung

der anthroposophischen Praxis mit Reflexion, Forschung,

Entwicklung und Bildung im Rahmen der Sektionsarbeit

gewährleistet. So versteht sich die Sektion für Heilpädagogik

und inklusive soziale Entwicklung als eine weltweite

Arbeitsgemeinschaft praktisch tätiger und an der Praxis

forschender und lernender Kolleg:innen und Selbstvertreter:innen.

Netzwerkarbeit

Einige Highlights der internationalen Netzwerkarbeit des

Leitungsteams 2024 waren:

Rund um das Goetheanum

• Teilnahme und Mitwirkung an der Weihnachtstagung

2023/24 am Goetheanum

• Teilnahme an der Tagung zum 100-jährigen

Jubiläum des Jungmedizinerkurses

• Regelmäßige gemeinsame Perspektivenarbeit des

Leitungsteams und des Fonds für Heilpädagogik

und Sozialtherapie Dornach

• Klausur und Supervision des Leitungsteams

in Dornach (Schweiz)

• Fortführung der Zusammenarbeit mit der

Goetheanum-Leitung: Gründung der neuen Sektion für

Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung im

Oktober 2024

• Treffen des Ausbildungsrates in

Dornach (Schweiz) und online

• Treffen des Anthropoi Bildungsforums

am Goetheanum

• Treffen des Anthropoi Verbandsrats

in Ovelgönne (Deutschland)

• Mitwirkung an der Eurythmie-Tagung

am Goetheanum

• Jahrestagung des Internationalen

Ausbildungskreises in Buenos Aires (Argentinien)

• Beitrag zum Anthroposophy Studies-Programm

am Goetheanum

• Projektgruppe HPK 2024 –

Begleitung der Neuausgabe und Entwicklung

Begleitband Heilpädagogischer Kurs

(beide Bände 2024 erschienen)

• Teilnahme an der ACESTA-Tagung in

Emerson College (England)

• Mitgestaltung des Anthrosocial-Kuratoriumstreffens

am Goetheanum mit thematischer Arbeit zum

100-jährigen Jubiläum des Heilpädagogischen

Kurses

• Teilnahme am Kolloquium Sinneswissenschaften

der Sektion für Schöne Wissenschaften

• Mitwirkung an Hochschul- und Michaelitagung

am Goetheanum, Dornach

• Beiträge zur Jahrestagung des Nordiska förbundet för

Läkepedagogik och Socialterapi, zu Gast am Goetheanum

• Vorbereitung und Durchführung der großen internationalen

Herbsttagung am Goetheanum mit Feier des

100-jährigen Jubiläums des Heilpädagogischen Kurses

und Gründung der Sektion für Heilpädagogik und inklusive

soziale Entwicklung

• Ausstellungen Kaspar Hauser (Greg Tricker u.a.)

und Wochensprüche (Victoria Öttl) in Kooperation mit

der Sektion für Bildende Künste am Goetheanum

• Erweiterte Jahresklausur des Delegiertenkreises

der Sektion am Goetheanum

• Mitwirkung an der Tagung für Schulärzt:innen

der Medizinischen Sektion am Goetheanum

• Teilnahme an der Jahresversammlung

der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft

• Mitwirkung an der Jahrestagung der Medizinischen

Sektion

Aktivitäten weltweit

• Besuch beim Ubumwe Community Center (Ruanda)

und Planung einer Ausbildung für die afrikanische Region

in Zusammenarbeit mit Kolleg:innen aus Ruanda,

Tansania, Botswana und den USA

• Begleitung des KRUG-Netzwerks

(Ausbildungen Osteuropa und Zentralasien)

• Fortbildungsveranstaltung am Emerson College

(England)

• Fortbildungsveranstaltung in Schottland

(Camphill Values in Practice)

• Mitwirkung in Core Group und Jahrestagung der Camphill

Movement Group am Emerson College (England)

• Fortbildungsveranstaltung und Besuche bei Ruskin

Mill Trust (England)

• Teilnahme am Treffen der Camphill Association in

North America in Spring Valley (NY, USA)

• Teilnahme am Abschlussmodul der Formación Kaspar

Hauser in Mexiko-Stadt

• Teilnahme am Abschlussmodul der

Ausbildung PCPR in Puerto Rico (online)

• Einrichtungsbesuche und Fortbildung in Portugal

• Einrichtungsbesuche und Fortbildung in Estland zum

30-jährigen Jubiläum der Marja-Schule in Tartu

• Besuche bei Respirar (El Cauce) in Buenos Aires und

Ámbar Comunidad in Córdoba (Argentinien)

• Gastbeiträge zu Tagung in Bulgarien (online)

• Begleitung der Arbeitsgruppe der in Heilpädagogik

und Sozialtherapie tätigen Klassenvermittler:innen

50

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

51



Goe

Sek

Sec

• Forschungsprojekt Beiträge von Menschen mit Unterstützungsbedarf

zum sozialen Umfeld in Zusammenarbeit

mit dem Schweizer Verband Anthrosocial

• Begleitung der Studiengruppe der Zukunftsgestaltenden

• Treffen der Sozialtherapeutischen Arbeitsgruppe

in den Niederlanden und in Dornach (Schweiz)

• Vorstandsklausuren und Mitgliederversammlungen

des Karl König Instituts in Berlin

• Regelmäßige Treffen der Asia-Pacific

Netzwerk-Gruppe (online)

• Tagung Gemeinschaft im Gespräch in der

Gemeinschaft Altenschlirf und Campus am Park

(Deutschland)

• Besuch in Umut-Nadeshda und Beitrag bei der

Zentralasiatischen Waldorf-Tagung (Kirgisien)

• Teilnahme an der Tagung 100 Jahre Lauensteintag

in Jena (Deutschland)

• Teilnahme an Mitgliederversammlung und

Jahrestagung des Anthropoi Bundesverbands

in Mannheim (Deutschland)

• Besuch und Beitrag zur Tagung zu 100 Jahre

Heilpädagogischer Kurs in Samara (Russland)

• Online-Vortragsreihe Every Child a New Riddle zum

100-jährigen Jubiläum des Heilpädagogischen Kurses

(in Zusammenarbeit mit der Camphill Academy, USA)

• Besuch bei Hohepa (Neuseeland) mit Peer Review der

Ausbildung in Hohepa Hawkes Bay und Feier zum

100-jährigen Jubiläum des Heilpädagogischen Kurses

• Teilnahme an Anthrosocial-Vorstandsklausur

in L’Aubier (Schweiz)

• Besuch und Beitrag an der Akademie Tabor

in Prag (Tschechien) mit Feier des 100-jährigen

Jubiläums des Heilpädagogischen Kurses

• Ausbildungstätigkeit und Mitwirkung

an der Jahrestagung in Italien

• Teilnahme am Treffen der Klassenvermittler:innen

und Sektionskoordinator:innen für Großbritannien in

London (England)

• Vorstandsklausur der HFHS in Dornach (Schweiz)

• Gastunterricht in der Ita Wegman-Ausbildung

in Budapest (Ungarn)

• Mitwirkung im Zertifikatskurs für Eurythmistinnen

und Eurythmisten: Bewegte Prozessbegleitung –

Eurythmie in der Arbeitswelt mit der Sektion für

Redende und Musizierende Künste, Youwithme

Eurythmie und Anthropoi Bundesverband

(Deutschland)

Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen

• Camphill Movement Group – Mitarbeit in Core Group

• ELIANT Core-Group-Meetings

• Karl König Institut – Mitarbeit im Vorstand

• Kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Vorstand

des Schweizer Verbandes Anthrosocial

• Kontinuierliche Zusammenarbeit und Mitwirkung bei

Anthropoi Bundesverband (Deutschland)

• World Social Initiative Forum (WSIF) Advisory Board

Herbsttagung für Heilpädagogik und

inklusive soziale Entwicklung

Die große internationale Herbsttagung am Goetheanum

im Jahr des 100-jährigen Jubiläums des Heilpädagogischen

Kurses stand ganz im Zeichen der Sektionsgründung.

Gemeinsam mit fast 1000 Menschen aus aller Welt

wurde die Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale

Entwicklung feierlich inauguriert. Die Foren, Arbeitsgruppen

und Beiträge in verschiedenen Formaten knüpften an

Themen aus dem Heilpädagogischen Kurs an und entwickelten

Perspektiven auf die Zukunftsimpulse der inklusiven

sozialen Entwicklung. Ein kurzer Dokumentar-Film

hält Eindrücke der Tagung fest:

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/literatur/

vortraege-filme-und-musik

Klausurtagung des Delegiertenkreises der Sektion

Die Delegierten der Ländernetzwerke, Arbeitsgruppen

und Partnerorganisationen der Sektion treffen sich jährlich

im Anschluss an die Herbsttagung zu einer Klausur.

Die Klausurtagung 2024 befasste sich mit den Aufgaben

und der Neu-Organisation des Arbeitszusammenhanges

als Sektion der Freien Hochschule, der inhaltlichen Arbeit

verschiedener Arbeitsgruppen und einem Rückblick auf

die Herbsttagung.

Internationaler Ausbildungskreis und Ausbildungsrat

Der Internationale Ausbildungskreis traf sich im April

2024 erstmals außerhalb Europas zu seiner Jahrestagung.

In der Nähe von Buenos Aires (Argentinien) fand eine intensive

Arbeitstagung mit starker Beteiligung des Lateinamerikanischen

Netzwerks statt. Thematisch stand unter

anderem die Entwicklung inklusiver Formate und Arbeitsformen

innerhalb der beruflichen Bildung im Feld der inklusiven

sozialen Entwicklung im Vordergrund.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

berufliche-bildung

Sozialtherapeutische Arbeitsgruppe

Über die Aktivitäten und Themen sind hier Informationen

zu finden:

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

sozialraumgestaltung-sozialtherapeutischearbeitsgruppe

Arbeitsgruppe Heilpädagogik und Inklusion

in der Schule

Diese neue Arbeitsgruppe nahm 2024 ihre Arbeit auf. Sie

bereitet für die Herbsttagung 2025 einen Fachtag vor.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

heilpaedagogik-und-inklusion-in-der-schule

Arbeitsgruppe Alterskultur und Pflege

Diese neue Arbeitsgruppe nahm 2024 ihre Arbeit auf. Sie

bereitet für die Herbsttagung 2025 einen Fachtag vor.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

alterskultur-und-pflege

Arbeitsgruppe Berufsesoterik

Diese neue Arbeitsgruppe nahm 2024 ihre Arbeit auf. Sie

bereitet für die Herbsttagung 2025 einen Fachtag vor.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

berufsesoterik

Arbeitsgruppe Sozialpsychiatrie

Diese Arbeitsgruppe befindet sich in Gründung und trifft

sich zum ersten Mal präsent vor der Herbsttagung 2025.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

sozialpsychiatrie

Arbeitsgruppe Medizin in Heilpädagogik

und Sozialtherapie

Die Arbeitsgruppe entwickelt derzeit eine englischsprachige

Fortbildung für Mediziner:innen, die sich für Tätigkeitsbereiche

im Feld der Heilpädagogik und inklusiven sozialen

Entwicklung interessieren.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

medizin-in-heilpaedagogik-und-inklusiversozialer-entwicklung

Lateinamerikanische Arbeitsgruppe

Die regionale Arbeitsgruppe, in der neben den Delegierten

auch Vertretungen aus Initiativgruppen in Ländern der

Region, die noch nicht durch eine Delegation im Delegiertenkreis

der Sektion dabei sind, plant für Juli 2025 eine

nächste Lateinamerikanischen Tagung in Kolumbien.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

latam-council-lateinamerikanisches-netzwerk

Asien-Pazifik-Netzwerk-Gruppe

Die von Delegierten der Region initiierte Gruppe führte

2024 eine Reihe von Online-Netzwerktreffen durch. Eine

zukünftige Asia-Pacific-Tagung ist in Vorbereitung.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

asien-pazifik-netzwerk

KRUG

Die Zusammenarbeit der ehemals russischsprachigen

Länder entwickelt sich kontinuierlich weiter und neu, da

sich die Bedarfe in den Ländern weiter individualisieren –

inhaltlich, sprachlich und politisch.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

krug-russisch-sprechendes-ausbildungsnetzwerk

Arbeitsgruppe Zukunftsgestaltende

Diese Gruppe junger Mitarbeitender im internationalen

Netzwerk der Sektion arbeitet weiter im Rahmen einer offene

Online-Studiengruppe, die sich monatlich trifft und

innere wie äussere Fragen diskutiert. Ausserdem engagiert

sie sich in verschiedenen Prozessen der internationalen

Zusammenarbeit in der Sektion.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

junge-mitarbeitende-zukunftsgestaltende

Arbeitsgruppe Eurythmie in Heilpädagogik und Sozialtherapie

Leider hat sich keine weitere Zusammenarbeit im Netzwerk

bezüglich der eurythmischen Arbeit mit Menschen

mit Assistenzbedarf gestaltet. Die Weiterbildung Bewegte

Prozessbegleitung für Eurythmie in Organisationen wurde

erfolgreich abgeschlossen. Bei den Reisen des Leitungsteams

wird auch immer der Kontakt zu den Eurythmist:innen

vor Ort gesucht. Eine internationale Zusammenarbeit

bildet sich bei den Tagungen der Sektion für Redende und

Musizierende Künste; dort zeigt sich das Arbeitsfeld mit

Fachtagen.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

eurythmie-in-heilpaedagogik-und-sozialtherapie

52

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

53



Goe

Sek

Sec

Klassenvermittler:innen im Arbeitsfeld Heilpädagogik

und inklusive soziale Entwicklung

In dieser Online-Arbeitsgruppe tauschen sich die heilpädagogisch

und sozialtherapeutisch arbeitenden Klassenvermittler:innen

der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft

über ihre Arbeit aus und beraten sich gegenseitig.

Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie können wir die Arbeit

in der Ersten Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft

und die Verbindung dieses Übungswegs mit

der Praxis fruchtbar und verfügbar machen? Die Zusammenarbeit

in dieser Online-Arbeitsgruppe besteht darin,

den inneren Übungsweg des Heilpädagogischen Kurses

gemeinsam zu vertiefen, Klassenstunden zu verschiedenen

Tagungen vorzubereiten und die Arbeit der Klassenvermittler:innen

in den vertretenen Regionen gegenseitig

wahrzunehmen.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

klassenvermittlerinnen

Research Council

Ein Research Council der Sektion ist seit 2024 im Aufbau

und soll die Forschungsarbeit im Netzwerk der Sektion

vernetzen, fördern und kommunizieren. Er bereitet für

die Herbsttagung 2025 ein eintägiges Forschungssymposium

vor.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/arbeitsfelder/

forschung

Projektgruppe HPK 2024

Diese 2020 gebildete Projektgruppe begleitete die Neuausgabe

des Heilpädagogischen Kurses Rudolf Steiners

(GA 317) durch das Rudolf Steiner Archiv mit fachlicher

Expertise und entwickelte parallel dazu einen Begleitband,

der neben der neuen Textausgabe zum 100-jährigen

Jubiläum des Kurses 2024 unter dem Titel «… ein

fortwährender lebendiger Zusammenhang» im Verlag am

Goetheanum und Athena Verlag erschien. Die englischen

Übersetzungen beider Bände sind für 2026 anvisiert.

Forschungsprojekt Beiträge von Menschen mit Unterstützungsbedarf

zum sozialen Umfeld

Dieses Forschungsprojekt wird in Kooperation mit dem

Schweizer Verband Anthrosocial und dem Departement

Soziale Arbeit der Hochschule Luzern von Stefanie Schälin

durchgeführt. Es besteht in einer qualitativen Interview-

studie im Rahmen von Mitgliedseinrichtungen von Anthrosocial,

in denen Menschen mit Unterstützungsbedarf

und Mitarbeitende befragt werden. Ko-finanziert wird die

Studie wesentlich durch Mittel von Anthrosocial und der

Software AG-Stiftung, sowie in kleinerem Umfang anderer

Einrichtungen und Stiftungen in der Schweiz.

Geschäftsstelle

Die Geschäftsstelle in Dornach unterstützt die Aktivitäten

der Sektion und stellt die administrative Infrastruktur

für die durch das Leitungsteam gestaltete inhaltliche und

netzwerkbildende Arbeit zur Verfügung. Sie unterstützt

auch die Redaktion der durch die Sektion herausgegebenen

Fachzeitschrift Anthroposophic Perspectives in Inclusive

Social Development.

Mitarbeitende waren im Jahr 2024: Jan Göschel, Sektionsleiter

und Mitglied des Leitungsteams; Bart Vanmechelen,

Mitglied des Leitungsteams; Sonja Zausch, Mitglied des

Leitungsteams; Karin Gaiser, Leitung der Geschäftsstelle;

Gabriele Scholtes, Redaktion Zeitschrift; Stefanie Schälin,

Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Forschungsprojekt); Honorarkräfte:

Bernhard Schmalenbach, Elizabeth Sanders,

Redaktion Zeitschrift; Vincent Eichholz, IT.

Förderorganisation der Sektion

Die Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung

vertritt als Fachsektion das Arbeitsfeld der Heilund

Sonderpädagogik, Sozialpädagogik, Sozialtherapie,

Sozialpsychiatrie und sozialen Arbeit mit Menschen mit

Assistenzbedarf innerhalb der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft

am Goetheanum, Dornach (Schweiz).

Trägerin der Freien Hochschule ist die Allgemeine Anthroposophische

Gesellschaft (AAG). Daneben besteht als eigenständige

Förderorganisation der Sektion der Fonds für

Heilpädagogik und Sozialtherapie Dornach, ein nicht im

Handelsregister eingetragener Verein Schweizer Rechts

mit Sitz in Dornach (Kanton Solothurn). Die Arbeit der

Sektion wird auf Basis einer Kooperationsvereinbarung

zwischen der AAG und dem Fonds ermöglicht. Finanziell

unterstützt wird sie neben projektgebundenen Mitteln aus

verschiedenen Stiftungen wesentlich durch die Jahresbeiträge,

die dem Fonds aus den Netzwerken der Partnerorganisationen

weltweit zufließen. Für das Jahr 2024 bestand

der Vorstand aus Michael Dackweiler, Präsident; Remco

Bakker, Beisitzer; Rainer Menzel, Beisitzer. Geschäftsführer

war Jan Göschel.

Jahresrechnung 2024

Die Mittel der Sektion werden ihr zum überwiegenden

Teil durch Solidarbeiträge der Ländernetzwerke, respektive

ihrer nationalen Organisationen und Einrichtungen,

zur Verfügung gestellt. Jedes Land leistet in Einschätzung

des Bedarfs, der eigenen Mittel und in Relation zu den

Beiträgen der anderen Länder seinen Beitrag. Diese Mittel

werden über die Förderorganisation der Sektion verwaltet,

den Fonds für Heilpädagogik und Sozialtherapie

Dornach. Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft

fördert die Arbeit der Sektion durch die aus ihren Mitteln

finanzierte gemeinsame Infrastruktur der Hochschule am

Goetheanum und trägt 30 Prozent der Personalkosten für

die Stelle des Sektionsleiters.

Für die Erstellung des Budgets und der Jahresrechnung ist

der Fonds für Heilpädagogik und Sozialtherapie Dornach

zuständig. Dem Delegiertenkreis der Sektion werden die

Jahresrechnung und das Budget für das neue Rechnungsjahr

zur Verfügung gestellt. Es wird darüber hinaus in der

jährlichen Delegiertentagung vorgestellt und diskutiert.

Die zusammengefasste Jahresrechnung wird als Teil dieses

Jahresberichts in der Zeitschrift Anthroposophic Perspectives

in Inclusive Social Development und auf der

Website der Sektion publiziert.

Auch im Jahr 2024 unterlag der Wechselkurs zwischen

EUR und CHF wieder Schwankungen, durch welche die

EUR-Bestände gegenüber der Buchhaltungswährung eine

Wertminderung erlitten. Dieser Verlust wurde zum Jahresende

durch Freigabe von Mitteln aus Rückstellungen

ausgeglichen, um die freien Reserven auf einem angemessenen

Niveau zu halten. Die Beiträge aus dem internationalen

Netzwerk sind weiter stabil. Für die Zukunft wird,

um die Aktivitäten auszubauen, eine verstärkte Akquise

von Projektmitteln aus externen Quellen (Stiftungen und

Partnerorganisationen) entscheidend sein. Für 2025 ist

dazu eine Begleitung durch einen externen Fundraising-

Berater geplant.

Ein herzlicher Dank an alle, die die Arbeit der Sektion finanziell,

ideell und durch den Einsatz ihrer Fähigkeiten

und Ressourcen und durch viel Initiativkraft und kollegiale

Verbindlichkeit unterstützt haben. Durch die Beiträge aller

wird die weltweite Zusammenarbeit in unserem Berufsfeld

ermöglicht!

Jan Göschel, Bart Vanmechelen und Sonja Zausch

54

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

55



Erfolgsrechnung | Income and Expenses 2024

Bilanz 31.12.2024

Aktiven 31.12.2024

Flüssige Mittel .......................627.844,15

Kurzfristige Forderungen ...............17.323,77

Aktive Rechnungsabgrenzung ............. 9.266,32

Mobile Sachanlagen. ....................1.551,16

Total Aktiven (in CHF) ................. 655.985,40

Die Mitglieder des Delegiertenkreises der Sektion

für Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung

Vollständige Liste:

inclusivesocial.goetheanum.ch/de/delegiertenkreis

Balance Sheet 31.12.2024

Assets 31.12.2024

Liquid assets ........................627.844,15

Accounts receivables ...................17.323,77

Prepaid expenses ......................9.266,32

Tangible assets . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.551,16

Total assets (in CHF) ..................655.985,40

The Members of the Delegates’ Circle of the

Section for Inclusive Social Development

Complete List here:

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/delegates-circle

Passiven 31.12.2024

Kreditoren ........................... 25.557,22

Passive Rechnungsabgrenzung ............1.583,98

Projekte & Tagungen .................. 401.009,11

Langfristige Verbindlichkeiten ........... 105.357,91

Eigenkapital. ........................ 105.181,47

Gewinn/Verlust .......................17.295,71

Total Passiven (in CHF). ................655.985,40

Liabilities 31.12.2024

Accounts payable .....................25.557,22

Deferred income .......................1.583,98

Projects & conferences. ................401.009,11

Longterm liabilities ...................105.357,91

Unrestricted assets ...................105.181,47

Gain/loss. ...........................17.295,71

Total liabilities (in CHF) ................655.985,40

56

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

57



Goetheanum

Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung

Section for Inclusive Social Development

Goe

Sek

Sec

Annual Report 2024

Founding of the 12th Section of the School of Spiritual Science

At the International Conference for Inclusive Social

Development, which took place at the Goetheanum

from October 2-6, 2024, almost 1000 people from

the worldwide network of the field of work celebrated the

founding of the 12th Section of the School of Spiritual

Science: The Section for Inclusive Social. One hundred years

after Rudolf Steiner's Course on Education for Special

Needs was held in Dornach, and 100 years after the founding

of the School of Spiritual Science at the Christmas

Conference in 1923/24, cooperation in the field of supportive,

therapeutic, special and inclusive education, social

pedagogy, social work and inclusive social development

for and with people with support needs entered a new phase

of development within the context of the School. Under

the umbrella of the Anthroposophic Council for Inclusive

Social Development (until 2018 Curative Education and

Social Therapy Council) since 1979, it is now part of the

interdisciplinary circle of sections, with the Medical Section,

which was its previous home, and the Sections for

Pedagogy, Social Sciences, Agriculture, Fine Arts, Performing

Arts, Humanities, Natural Sciences, Mathematics and

Astronomy, as well as the Youth Section and the General

Anthroposophical Section.

Jan Göschel was appointed to the Goetheanum Leadership

Head of the Section. The members of the Section’s Leadership

Team, Bart Vanmechelen, Sonja Zausch and Jan Göschel,

are jointly responsible for the content and coordination

of the Section’s work, thus ensuring the continuity

of the work of the Anthroposophic Council for Inclusive

Social Development to date. One focus of the new development

phase is to strengthen inter- and transdisciplinary

cooperation with the other sections on complex societal

and social issues and challenges of the present. The Section’s

Delegates’ Circle, in which the representatives of the

organizations and associations in the worldwide network

(currently in around 60 countries) and the spokespersons

of the Section’s various fields of work collaborate, will continue

to ensure a close connection between anthroposophical

practice and reflection, research, development and

education throughout the Section’s work. The Section for

Inclusive Social Development thus sees itself as a worldwide

working community of colleagues and self-advocates

who are active in practice, research and learning.

Networking

Some highlights of the Leadership Team’s international

networking activities in 2024 were

• In and around the Goetheanum

• Participation and contribution to the 2023/24

Christmas Conference at the Goetheanum

• Participation in the conference to mark the

100th anniversary of the Young Doctors’ Course

• Regular joint perspective work by the Leadership Team

and the Fonds für Heilpädagogik und Sozialtherapie

Dornach

• Retreat and coaching of the Leadership Team

in Dornach (Switzerland)

• Continuation of collaboration with the Goetheanum

Leadership: founding of the new Section for

Inclusive Social Development in October 2024

• Meeting of the Training Council in Dornach

(Switzerland) and online

• Meeting of the Anthropoi Education Forum

at the Goetheanum

• Meeting of the Anthropoi Association Council

in Ovelgönne (Germany)

• Participation in eurythmy conference

at the Goetheanum

• Annual meeting of the International Training Circle

in Buenos Aires (Argentina)

• Contribution to the Anthroposophy

Studies Program at the Goetheanum

• HPK 2024 project group – support for the new text

edition and development of the accompanying volume

to Steiner’s Course on Education for Special Needs

(both volumes published in German in 2024)

• Participation in ACESTA conference at

Emerson College (England)

• Co-organization of the Anthrosocial Kuratorium

meeting at the Goetheanum with thematic work on the

100th anniversary of the Course on

Education for Special Needs

• Participation in the Sensory Sciences Colloquium

of the Humanities Section

• Participation in the School of Spiritual Science and Michaelmas

conferences at the Goetheanum, Dornach

• Contributions to the annual conference of the Nordiska

förbundet för Läkepedagogik och Socialterapi, hosted

by the Goetheanum

• Preparation and organization of the major International

Autumn Conference at the Goetheanum with celebration

of the 100th anniversary of the Course on Education

for Special Needs and foundation of the Section for

Inclusive Social Development

• Exhibitions Kaspar Hauser (Greg Tricker and others)

and Soul Calendar (Victoria Öttl) in cooperation with

the Section for Fine Arts at the Goetheanum

• Extended annual retreat of the Section’s delegates

at the Goetheanum

• Participation in the Conference for School Doctors

of the Medical Section at the Goetheanum

• Participation in the annual meeting of the General

Anthroposophical Society

• Participation in the annual conference

of the Medical Section

Activities worldwide

• Visit to the Ubumwe Community Center (Rwanda) and

planning of training for the African region in collaboration

with colleagues from Rwanda, Tanzania, Botswana

and the USA

• Support for the KRUG network (training in Eastern

Europe and Central Asia)

• Training event at Emerson College (England)

• Training event in Scotland (Camphill Values in Practice)

• Participation in Core Group and annual conference of

the Camphill Movement Group at Emerson College (UK)

• Training event and visits to Ruskin Mill Trust (England)

• Participation in the meeting of the Camphill Association

in North America in Spring Valley (NY, USA)

• Participation in the final module of the Formación

Kaspar Hauser in Mexico City

• Participation in the final module of the PCPR training

in Puerto Rico (online)

• Visits to organizations and training in Portugal

• Visits to organizations and training in Estonia to

mark the 30th anniversary of the Marja School in Tartu

• Visits to Respirar (El Cauce) in Buenos Aires and

Ámbar Comunidad in Córdoba (Argentina)

• Guest contributions to conference in Bulgaria (online)

• Support for the working group of class holders working

in supportive education and social therapy

• Research project Contributions of people with support

needs to the social environment in collaboration with

the Swiss anthrosocial association

• Support for the Future Shapers study group

• Meeting of the Social Therapy Working Group i

n the Netherlands and Dornach (Switzerland)

• Board meetings and general meeting of the Karl König

Institute in Berlin

• Regular meetings of the Asia-Pacific Network Group

(online)

• Conference Community in Conversation

in the Altenschlirf Community (Germany)

58

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

59



Goe

Sek

Sec

• Visit to Umut-Nadeshda and contribution to the

Central Asian Waldorf Conference (Kyrgyzstan)

• Participation in the conference 100 Years

Lauenstein Day in Jena (Germany)

• Participation in the general meeting and annual

conference of the Anthropoi Federal Association

in Mannheim (Germany)

• Visit and contribution to the conference on 100 Years

of the Course on Education for Special Needs in

Samara (Russia)

• Online lecture series Every Child a New Riddle

to mark the 100th anniversary of the Course on

Education for Special Needs (in collaboration with

Camphill Academy, USA)

• Visit to Hohepa (New Zealand) with peer review of

training in Hohepa Hawkes Bay and celebration of the

100th anniversary of the Course on Education

for Special Needs

• Participation in Anthrosocial board retreat

in L'Aubier (Switzerland)

• Visit and contribution to the Tabor Academy in

Prague (Czech Republic) with celebration of the

100th anniversary of the Course on Education

for Special Needs

• Training activities and participation in annual

conference in Italy

• Participation in the meeting of class holders and section

coordinators for Great Britain in London (England)

• Board meeting of the HFHS in Dornach (Switzerland)

• Guest lessons in Ita Wegman training in Budapest

(Hungary)

• Participation in the certificate course for eurythmists:

Moving Process Support – Eurythmy in the Working

World with the Section for Performing Arts at the

Goetheanum, Youwithme eurythmie and Anthropoi

Bundesverband (Germany)

• Cooperation with partner organizations

• Camphill Movement Group –

Collaboration in Core Group

• ELIANT Core Group Meetings

• Karl König Institute – Participation in the Board of

Directors

• Ongoing cooperation with the Board of the Swiss Anthrosocial

Association

• Ongoing cooperation and involvement with Anthropoi

Bundesverband (Germany)

• World Social Initiative Forum (WSIF) Advisory Board

Autumn Conference for Supportive Education and

Inclusive Social Development

At the center of the major International Autumn Conference

at the Goetheanum in the year of the 100th anniversary

of the Course on Education for Special Needs stood

the founding of the Section. Almost 1000 people from all

over the world came together to celebrate the inauguration

of the Section for Inclusive Social Development. The

forums, working groups and contributions in a variety of

formats drew on topics from the Course on Education for

Special Needs and developed perspectives on the future

impulses for inclusive social development. A short documentary

film captures impressions of the conference:

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/literatur/

lectures-films-and-music

Annual Retreat of the Section’s Delegates’ Circle

The delegates of the Section’s country networks, working

groups and partner organizations meet annually for a retreat

following the Autumn Conference. The 2024 retreat

dealt with the tasks and reorganization of the working relationship

as a Section of the School of Spiritual Science,

the focus themes of various working groups and a review

of the Autumn Conference.

International Training Circle and Training Council

In April 2024, the International Training Circle met for

the first time outside Europe for its annual conference.

An intensive working conference took place near Buenos

Aires (Argentina) with strong participation from the Latin

American network. Among other things, the focus was on

the development of inclusive formats and forms of work

within professional education and training in the field of

inclusive social development.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

professional-education

Social Therapy Working Group

Information about the activities and topics can be found

here:

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

social-space-design

Working group on Supportive Education and Inclusion

in Schools

This new working group began its work in 2024. It is preparing

a symposium for the 2025 autumn conference.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

supportive-education-and-inclusion-in-schools

Working Group Ageing and Care

This new working group began its work in 2024. It is preparing

a symposium for the 2025 autumn conference.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

ageing-and-care

Working Group on Esoteric Aspects of Professionalism

This new working group began its work in 2024. It is preparing

a symposium for the 2025 autumn conference.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

esoteric-aspects-of-professionalism

Social Psychiatry Working Group

This working group is currently being established and will

meet for the first time before the 2025 autumn conference.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

social-psychiatry

Working Group Medicine in Supportive Education and

Social Therapy

The working group is currently developing an English-language

training course for medical professionals who are

interested in working in the field of curative education

and inclusive social development.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

medicine-in-supportive-education-and-inclusivesocial-development

Latin American Working Group

The regional working group, which includes delegates as

well as representatives from initiative groups in countries

in the region that are not yet represented in the Section’s

Delegates’ Circle, is planning a next Latin American conference

in Colombia in July 2025.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

latam-council-latin-american-network

Asia-Pacific Network Group

Initiated by delegates from the region, the group held a

series of online network meetings in 2024. A future Asia-

Pacific meeting is in preparation.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

asia-pacific-network

KRUG

Cooperation between the formerly Russian-speaking

countries continues to develop and evolve, as the needs in

the countries continue to individualize – in terms of content,

language and politics.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

krug-russian-speaking-training-network

Working Group Future Shapers

This group of young professionals in the Section’s international

network continues to work as part of an open online

study group that meets monthly to discuss internal and

external issues. It is also involved in various processes of

international cooperation within the Section.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

young-professionals

Working Group Eurythmy in Supportive Education and

Social Therapy

Unfortunately, there has been no further cooperation in

the network regarding eurythmy work with people with

assistance needs. The training course Moving Process

Support – Eurythmy in Organizations was successfully

completed. When the Leadership Team travels, contact

is always sought with the local eurythmists. International

cooperation takes place at the conferences of the Section

for the Performing Arts, where the field of work is represented

by specialist conferences.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

eurythmy-in-curative-education-and-social-therapy

Class Holders in the Field of Supportive Education and

Inclusive Social Development

In this online working group, Class Holders in the School

of Spiritual Science who are working in supportive education

and social therapy share from their work and advise

each other. The central question is: How can we make the

work in the First Class of the School of Spiritual Science

60

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

61



Goetheanum

Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung

Section for Inclusive Social Development

and the connection between this schooling path and practice

fruitful and accessible? The cooperation in this online

working group consists of jointly deepening the inner

practice path of the Course on Education for Special

Needs, preparing class lessons for various conferences

and mutually perceiving the work of the Class Holders in

the regions represented.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

class-holders-of-the-1st-class-of-the-school-ofspiritual-science

Research Council

A Section Research Council has been under development

since 2024 and is intended to connect, promote and communicate

research work within the Section’s network. It is

preparing a one-day research symposium for the autumn

conference in 2025. More information:

inclusivesocial.goetheanum.ch/en/working-fields/

research

HPK 2024 Project Group

This project group, formed in 2020, supported the new

edition of Rudolf Steiner’s Course on Education for Special

Needs (GA 317) by the Rudolf Steiner Archive with specialist

expertise and, in parallel, developed a companion

volume which, alongside the new text edition, was published

in 2024, for the 100th anniversary of the Course,

under the title «... ein fortwährender lebendiger Zusammenhang»

by Verlag am Goetheanum and Athena Verlag.

The English translations of both volumes are planned for

2026.

Research Project Contributions of people with support

needs to the social environment

This research project is being carried out by Stefanie Schälin

in cooperation with the Swiss anthrosocial association

and the Department of Social Work at Lucerne University

of Applied Sciences and Arts. It consists of a qualitative

interview study in the context of anthrosocial member institutions,

in which people with support needs and professionals

are interviewed. The study is mainly co-financed

by anthrosocial and the Software AG Foundation, with additional

contributions by other institutions and foundations

in Switzerland.

Section Office

The office in Dornach supports the Section’s activities and

provides the administrative infrastructure for the content-related

and network-building work coordinated by

the Leadership Team. It also supports the editing of the

Section’s journal Anthroposophic Perspectives in Inclusive

Social Development.

Staff members in 2024 were: Jan Göschel, Head of the

Section and Member of the Leadership Team; Bart Vanmechelen,

Members of the Leadership Team; Sonja Zausch,

Member of the Leadership Team; Karin Gaiser, Head of

Business Office; Gabriele Scholtes, Managing Editor; Stefanie

Schälin, Research Associate (research project); Freelancers:

Bernhard Schmalenbach and Elizabeth Sanders,

Editorial Team; Vincent Eichholz, IT.

Supporting Organization of the Section

The Section for Inclusive Social Development represents

the field of supportive and special education, social pedagogy,

social therapy, social psychiatry and social work with

people with support needs within the School of Spiritual

Science at the Goetheanum, Dornach (Switzerland). The

School of Spiritual Science is supported by the General Anthroposophical

Society (AAG). In addition, the Fonds für

Heilpädagogik und Sozialtherapie Dornach, an association

under Swiss law based in Dornach (Canton Solothurn)

and not entered in the commercial register, exists as an independent

support organization for the Section. The Section’s

work is made possible on the basis of a cooperation

agreement between the AAG and the Fonds. In addition

to project-related funding from various foundations, the

Section receives significant financial support through the

annual contributions made to the Fonds by the networks

of partner organizations worldwide. For the year 2024, the

Fonds Board of Directors consisted of Michael Dackweiler,

President; Remco Bakker, Board Member; Rainer Menzel,

Board Member. The Managing Director was Jan Göschel.

Financial Statements 2024

The Section’s funds are largely provided by solidarity contributions

from the country networks and their national

organizations and institutions. Each country makes its

contribution based on an assessment of needs, its own resources

and in relation to the contributions of the other

countries. These funds are administered by the Section’s

supporting organization, the Fonds für Heilpädagogik und

Sozialtherapie Dornach. The General Anthroposophical

Society supports the work of the Section through the shared

infrastructure of the School at the Goetheanum, which

is financed from its funds, and contributes 30% of the personnel

costs for the position of the Head of the Section.

The Fonds für Heilpädagogik und Sozialtherapie Dornach

is responsible for preparing the budget and annual accounts.

The annual accounts and the budget for the new

financial year are made available to the Section’s delegates.

They are also presented and discussed at the annual

retreat of the delegates. The summarized annual financial

statements are published as part of this annual report in

the journal Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social

Development and on the Section’s website.

In 2024, the exchange rate between the EUR and CHF was

again subject to fluctuations, as a result of which the EUR

holdings suffered a loss in value against the accounting

currency. This loss was offset at the end of the year by releasing

funds from designated reserves in order to keep

the free reserves at an appropriate level. Contributions

from the international network remain stable. In the future,

increased acquisition of project funds from external

sources (foundations and partner organizations) will be

crucial in order to expand activities. Support from an external

fundraising consultant is planned for 2025.

A heartfelt thanks to all those who have supported the

work of the Section financially, with their ideas, with their

skills and resources and through a great deal of initiative

and collegial commitment. These contributions make global

cooperation in our profession possible!

Income and Expenses / Balance sheet 2024

see page 56-57

Jan Göschel, Bart Vanmechelen and Sonja Zausch

62

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

63



Barbara Steinmann

Barbara Steinmann

Schöpferisch werden –

Entwicklung wagen

Becoming Creative –

Daring to Develop

Potenziale der anthroposophischen Kunsttherapien

The potential of anthroposophic art therapies

Herausgeber: Anthrosocial (2025)*

[Publication only available in German]

Rezension von Gabriele Scholtes

Reviewed by Gabriele Scholtes

Im Jahr 2024 feierte die anthroposophische Heilpädagogik

und inklusive soziale Entwicklung ihr hundertjähriges Bestehen.

Die Bewegung steht in einem dynamischen gesellschaftlichen

Wandel und Fachdiskurs, in deren Folge neue

Aspekte ihrer Zielsetzungen sowie die Weiterentwicklung

ihrer Methoden evident wurden. In der Konsequenz ist es

erforderlich, die grundlegenden Gedanken fortlaufend an

die gegenwärtige Situation anzupassen und auf ihre Aktualität

zu überprüfen.

2018 hat der Schweizer Verband für anthroposophische

Heilpädagogik, Sozialpädagogik und Sozialpsychiatrie

(Anthrosocial) die Herausgabe einer Reihe von Broschüren

initiiert, die eine Einführung in die anthroposophische

Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung bieten

und somit den aktuellen Diskurs widerspiegeln sollen.

Die vorliegende Publikation widmet sich der anthroposophischen

Kunsttherapie und stellt deren vielseitige Anwendungsgebiete

und therapeutische Wirksamkeit vor.

Sie setzt sich sowohl mit theoretischen Grundlagen als

auch mit praktischen Aspekten auseinander und zeigt

eindrucksvoll auf, wie kunsttherapeutische Prozesse in

verschiedenen Kontexten zur Heilung, zum Ausgleich

von Einseitigkeiten und zur Selbstentwicklung beitragen

können.

Die Darstellung der verschiedenen Methoden, die von

Mal- und Plastiziertherapie bis hin zu Musik-, Sprach- und

Bewegungstherapie reichen, bietet sowohl Fachpersonen

als auch interessierten Laien einen fundierten Einblick in

diese kunstbasierte Therapieform. Die enge Verbindung

zur anthroposophischen Medizin sowie die Einbettung

in ein ganzheitliches Menschenverständnis machen die

Publikation zu einer bedeutenden Quelle für alle, die sich

mit komplementärmedizinischen Ansätzen auseinandersetzen.

Inhaltliche Stärken

Eine Stärke der Publikation ist ihre gelungene Verknüpfung

von theoretischen Ausführungen und praktischen

Anwendungsbeispielen. Besonders hervorzuheben ist die

aufschlussreiche Fallbeschreibung zu Beginn des Textes,

die anschaulich verdeutlicht, wie ein kunsttherapeutischer

Prozess einem jungen Mann hilft, seine Selbstwirksamkeit

wiederzuentdecken. Die Kombination aus biografischer

Arbeit, therapeutischer Begleitung und künstlerischer

Ausdrucksform zeigt eindrucksvoll, wie tiefgreifend

Kunsttherapie wirken kann.

Die Publikation strukturiert die verschiedenen kunsttherapeutischen

Disziplinen übersichtlich und erläutert deren

spezifische Anwendungsbereiche. Dabei wird betont,

dass Kunsttherapie nicht nur als rein künstlerische Betätigung

zu verstehen ist, sondern als gezieltes therapeutisches

Werkzeug zur Bewältigung seelischer, emotionaler

und körperlicher Herausforderungen. Besonders wertvoll

ist dabei die Verknüpfung zu den von Rudolf Steiner beschriebenen

Wesensgliedern und der funktionellen Dreigliederung

des menschlichen Organismus, die einen differenzierten

Blick auf die Wirkweise der Therapie ermöglicht.

Ein weiteres wichtiges Element ist der Hinweis auf die Darstellung

der wissenschaftlichen Fundierung von Kunsttherapie.

Barbara Steinmann führt diverse Studien und

Forschungsergebnisse an, die die Wirksamkeit kunsttherapeutischer

Ansätze belegen. Dies stärkt die Glaubwürdigkeit

der Therapieform und macht die Publikation auch

für Fachpersonen aus der Schulmedizin interessant.

Zwei Kurzinterviews mit Psychiatern, die mit der Arbeit mit

Menschen mit Assistenzbedarf vertraut sind, ergänzen die

Ausführungen der Autorin und runden den Inhalt dieser

Broschüre ab.

Fazit

Die Publikation stellt eine wertvolle und fundierte Ressource

dar, die die Bedeutung der Kunsttherapien im anthroposophischen

Kontext umfassend beleuchtet. Sie erschließt

sowohl Fachpersonen in der sozialen Arbeit als auch interessierten

Laien die vielfältigen Möglichkeiten künstlerischer

Therapieansätze. Hervorzuheben ist die klare Strukturierung

der einzelnen Disziplinen sowie die inhaltliche

Untermauerung der kunsttherapeutischen Methoden.

Wer sich gezielt für die anthroposophische Kunsttherapie

interessiert, findet in diesem Werk eine gründliche und

tiefgehende Darstellung, die sowohl theoretische Grundlagen

als auch praktische Anwendungsbeispiele vereint.

Damit leistet die Publikation einen wertvollen Beitrag zur

Verbreitung und Anerkennung der Kunsttherapien als seriöse

therapeutische Methode.

2024 marked the 100th anniversary of anthroposophic

curative education and social therapy. The movement is

undergoing dynamic social change and professional discourse,

which has brought to light new aspects of its objectives

and led to new methodological development. This

necessitates continual adaptation of the foundational

ideas and reviewing their relevance in today’s world.

In 2018, Anthrosocial (the Swiss association for curative

education and social therapy) initiated the publication of a

series of booklets hat offer an introduction to anthroposophic

curative education and social therapy and that reflect

the current discourse.

This publication is dedicated to anthroposophic art therapy

and describes its many areas of application and its

therapeutic effectiveness. The booklet explores both its

theoretical foundations and its practical aspects and impressively

demonstrates how art therapy processes can

contribute to healing, the balancing of imbalances, and

self-development in various contexts.

The presentation of the various therapies, including painting

and sculpture, music, speech and movement therapies,

offers both specialists and interested laypersons

an informed overview of these art-based therapies. Their

close connection with Anthroposophic Medicine and

their integration in a holistic understanding of the human

being are presented, making this publication an important

source for anyone wanting to explore complementary medicine

approaches.

Strengths

One of this publication’s strengths is its successful combination

of theoretical explanations and examples of practical

applications. The informative case study at the beginning

of the booklet is of particular note, as it clearly

illustrates how art therapy has helped a young man rediscover

his sense of self-efficacy. The effects of a combination

of biography work, therapeutic support and artistic

expression give an impressive example of the profound

potential of art therapy.

The publication clearly outlines the different art therapy

disciplines and describes their specific areas of application.

It emphasizes the fact that art therapy should not

be confused with a purely artistic activity, but is rather

a targeted therapeutic tool for overcoming psychological,

emotional and physical challenges. Importantly, the text

makes the connection to the essential components of the

human organism and its functional threefold nature as

described by Rudolf Steiner, which offers a differentiated

perspective on the effects of the therapies.

Another important feature is the inclusion of information

on the scientific foundation of art therapy. Barbara Steinmann

cites various studies and research results that prove

the effectiveness of art therapy approaches. This strengthens

the credibility of this form of therapy and makes the

publication more interesting for specialists in conventional

medicine.

Two brief interviews with psychiatrists experienced in

working with people with special needs complement the

author’s presentation and round out the contents of the

booklet.

Conclusion

This publication is a valuable and well-founded resource

that comprehensively highlights the significance of art

therapy in an anthroposophic context. It provides insight

for both social work specialists and interested laypersons

into the many possibilities of artistic therapy approaches.

Its clear structuring of the individual disciplines and supporting

content for the art therapy methods is especially

noteworthy.

Anyone interested in anthroposophic art therapy will find

it a thorough and in-depth presentation of both theoretical

principles and practical examples. It is a valuable contribution

toward expanding recognition of artistic therapies

as serious therapeutic tools.

* Bestellungen innerhalb der EU werden durch den

Anthropoi Bundesverband (DE) abgewickelt.

64

Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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Ferdinand Klein

Erziehung aus der Begegnung

heraus gestalten

Mit Janusz Korczak über inklusionspädagogische

Grundfragen nachdenken

Herausgeber: Oberstebrink Verlag (2025)

Rezension von Gabriele Scholtes

Ferdinand Klein

Shaping Education

Through Interaction

Reflecting on fundamental questions of

inclusive education with Janusz Korczak

[Publication only available in German]

Reviewed by Gabriele Scholtes

Impressum

Um die «Pädagogik der Achtung»

von Dr. Janusz Korczak ist es in

den letzten Jahrzehnten still geworden,

obwohl der Arzt und Pädagoge

bereits zu Beginn des 20.

Jahrhunderts auf die Einzigartigkeit

jedes Kindes aufmerksam

machte und eine individuelle Förderung

postulierte. Er veränderte

die Pädagogik, indem er das Kind

in den Mittelpunkt stellte, was

auch die Heilpädagogik stark beeinflusste.

Der Korczak-Experte

und Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Ferdinand Klein

regt in seinem neuen Buch Erziehung aus der Begegnung

heraus gestalten dazu an, mit Janusz Korczak über Grundfragen

der Inklusionspädagogik nachzudenken.

In einem ersten Schritt führt Klein in die Gedanken- und

Erkenntniswelt Korczaks ein, in deren Zentrum ein neues

Verständnis von Erziehung und Bildung sowie die Ressource

zur Entfaltung der Persönlichkeit eines jeden Menschen

steht. Klein setzt sie in Bezug zur heutigen Pädagogik

und diskutiert ihre Aktualität im Hinblick auf die Themen

Kinderrechte, Humanität und demokratische Erziehung.

Neben einer sinnorientierten und respektvollen Begleitung

der Kinder werden als weitere wesentliche Aspekte

das Spiel als grundlegende Lernform diskutiert sowie die

Bedeutung von Freude und Humor in der Pädagogik hervorgehoben.

Wie in vielen seiner Schriften gelingt es Ferdinand Klein

auch hier wieder, komplexe Gedanken in leicht verständlicher

Form darzustellen. Dies kommt vor allem der pädagogischen

Praxis zugute, da er viele Beispiele für den

Alltag liefert.

Insofern stellt Kleins neues Buch eine wertvolle Lektüre für

pädagogische Fachkräfte dar, die sich mit der Reflexion

ihrer Arbeit und des eigenen Selbstverständnisses auseinandersetzen

wollen. Dies kann zu einer Weiterentwicklung

und Optimierung der beruflichen Kompetenzen führen.

We haven’t heard much of anything about Dr. Janusz

Korczak’s «respectful education» in recent decades, even

though the physician and educator drew attention to the

uniqueness of each child and advocated for individual

educational support as early as the beginning of the 20th

century. He transformed education by centering the child,

which also had a strong influence on curative education.

In a new book, Shaping Education Through Interaction [Erziehung

aus der Begegnung heraus gestalten], Korczak

expert and education specialist Dr. Ferdinand Klein encourages

readers to reflect on fundamental questions of

inclusive education with Janusz Korczak.

First, Klein introduces us to Korczak’s thinking and insights,

centered around a new understanding of child-rearing

and education and resources for the development of

each individual human being’s personality. Klein relates

these to education today and discusses their current relevance

regarding children’s rights, humanity, and democratic

education. In addition to meaningful and respectful

guidance for children, other important topics discussed

include play as a foundational tool for learning and the

importance of joy and humor in education.

As in many of his publications, Ferdinand Klein again successfully

presents complex thoughts in an easily accessible

way. It is especially valuable for education in practice,

as he offers many everyday examples.

Klein’s new book is worthwhile reading for educators who

are interested in reflecting on their work and working towards

a better understanding of themselves. It is a good

tool for further development and can help in optimizing

professional skills.

Verlag | Publisher

Inclusive Social Development Press

Fonds für Heilpädagogik und

Sozialtherapie Dornach

Ruchti-Weg 9

CH-4143 Dornach

+41 61 701 84 85

perspectives@goetheanum.ch

Website

inclusivesocial.org/perspectives

Redaktion | Editorial Team

Jan C. Göschel

Franka Henn

Elizabeth Sanders

Administration

Karin Gaiser:

inclusivesocial@goetheanum.ch

Fotos

Kaspar Hauser Stiftung, Berlin (DE)

Layout | Satz

Sophie Alex

Korrektorat

Karin Gaiser • Laura Mooney

Druck | Printing

Druckhaus Sportflieger GmbH

Sportfliegerstr. 7, DE-12487 Berlin

Versand | Distribution

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Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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News

Inklusiv sein heißt, lernen, Mensch zu sein

Im Podcast Anthroposophy to the Point von der

Wochenschrift Das Goetheanum spricht Bart

Vanmechelen (Mitglied des Leitungsteams der

Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale

Entwicklung) mit Franka Henn über sein Leben,

seinen Weg in die Heilpädagogik und darüber,

wie Meditation in seine Arbeit einfließt. Das Interview

ist auf Englisch zu hören.

anthroposophy.transistor.fm

Being inclusive means learning to be human

In the podcast Anthroposophy to the Point from

the weekly magazine Das Goetheanum, Bart Vanmechelen

(member of the leadership team of the

Section for Inclusive Social Development) talks to

Franka Henn about his life, his path to curative

education, and how meditation influences his

work. The interview is available in English.

anthroposophy.transistor.fm

Die ‹Telepathy Tapes› durch

Anthroposophie verstehen

Nachdem die Sendung ‹Telepathy Tapes› in den

USA für Aufsehen gesorgt hatte, weil sie im Umgang

mit autistischen Kindern von telepathischen

Kräften berichtete, hat Seth Jordan das

Thema aufgegriffen. In seinem Kanal ‹The Whole

Social› lud Seth Jordan die Heilpädagoginnen

Gleice da Silva und Becky Rutherford aus den USA

und Jan Göschel als Leiter der Sektion für Heilpädagogik

und inklusive soziale Entwicklung ein,

die beschriebenen Phänomene im Zusammenhang

mit Autismus und Anthroposophie einzuordnen.

Die Diskussion fand auf Englisch statt.

thewholesocial.substack.com

Understanding ‹The Telepathy Tapes› in

the light of Rudolf Steiner's anthroposophy

After the show ‹Telepathy Tapes› caused a stir

in the US because it reported on supposedly telepathic

powers in working with autistic children,

Seth Jordan took up the topic. On his channel

‹The Whole Social›, Seth Jordan invited special

education teachers Gleice da Silva and Becky Rutherford

from the US and Jan Göschel, head of

the Section for Inclusive Social Development, to

discuss the phenomena described in relation to

autism and anthroposophy.

thewholesocial.substack.com

Herbsttagung 2025 der Sektion

vom 1. bis 4. Oktober

Die Tagung wird in einzelne Themenstränge gegliedert

sein, die ihren Ursprung u. a. in den Foren

der Herbsttagung 2024 gefunden haben.

• ‹Alterskultur und Pflege› parallel mit

‹Heilpädagogik und Inklusion in der Schule›

• Symposium zu Forschungsfragen und

-vorhaben zur inklusiven sozialen Entwicklung

• Motive des Schulungswegs im Sinne der

Berufsesoterik

Die öffentliche Tagung beginnt am Mittwochnachmittag

und endet am Samstag zum Abend.

inclusivesocial.goetheanum.ch/de

Autumn Conference of the Section

from October 1 til October 4

The conference will be divided into individual

thematic strands, which have their origins a. o. in

the forums of the 2024 fall conference.

• ‹Culture of Aging and Care› in parallel with

‹Supportive education and Inclusion in School›

• Symposium on research questions and projects

on inclusive social development

• Motifs of the path of esoteric schooling for

professional work

The open conference begins on Wednesday afternoon

and ends on Saturday evening.

inclusivesocial.goetheanum.ch/en

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Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development | 2-2025

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