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Ein Geschenk Ihrer Apotheke

17 | 1. September 2025 A

MEDIZIN

Cholesterin zu hoch?

Das sollten Sie wissen

Warum die Therapie

individueller werden

muss und welchen

Blutwert man im Blick

haben sollte

Mit Hightech

gegen Hautkrebs

Dank 3D-Technik

und KI auffällige

Veränderungen

frühzeitig erkennen

REISE

Perlen in der Adria

Erleben Sie die Inseln

Hvar und Brač, zwei

Paradiese in Kroatien

LEBEN

So geht gute

Kommunikation

Wie wir andere besser

verstehen – und selbst

souveräner auftreten

10 Seiten Dossier

GENUSS

Vive la France!

Schlemmen wie unsere

Nachbarn – von

Flammkuchen bis

Quiche Lorraine

Mehr Power

für die Muskeln!

Neue Erkenntnis: Die „Kraftpakete“ beeinflussen auch Immunsystem & Organe

Weshalb die Füße mehr Aufmerksamkeit verdient haben und was sie stärkt

Mit speziellen Trainings-Tools kommt der Sportspaß ins eigene Wohnzimmer


INHALT

12

Zu hohes Cholesterin?

16

Die Haut braucht Erholung

52

Zwei Perlen in der Adria

Experten sind sich einig: Um die Werte

wieder ins Lot zu bringen, braucht es

mehr als Medikamente. Die Therapien

müssen individueller werden

Sonnenstrahlen und Hitze

haben ihr zugesetzt. Jetzt ist die

richtige Pflege gefragt, damit sich

unsere Hülle regenerieren kann

Glasklares Meer, mediterranes Klima

und wunderschöne alte Städtchen –

die kroatischen Inseln Hvar und Brač

sind wahre Urlaubsparadiese

GESUNDHEIT

6 Magazin

Aktuelles aus Medizin,

Wellness und Ernährung

12 Zu hohes Cholesterin?

16 Die Haut braucht Erholung

20 Hightech gegen Hautkrebs

Mit innovativer Technik lässt sich

die Krankheit frühzeitig entdecken

22 DOSSIER

Neue Muskelkraft

Unsere „Muckis“ beeinflussen

auch Organe und Immunsystem.

Diese Trainings und Geräte

halten sie fit. Plus: Die Füße nicht

vergessen!

32 Wunderbare Waldapotheke

Verdauungsprobleme, Erkältungen

und Entzündungen lassen sich mit

diesen Schätzen der Natur lindern

34 Innenansichten

Was passiert eigentlich bei

einem Ultraschall?

36 Booster für ein langes Leben?

Nina Ruge blickt auf die Effekte

von Schlafhormon und

Wachstumshormon

38 Probleme im kleinen Knochen

Der Nutzen des Steißbeins – und

warum es manchmal schmerzt

46 Hört, hört!

Welche Lebensmittel eine normale

Funktion der Ohren fördern

56 Das Leben ist ein Geschenk

Zwei Spenderorgane retten Sandra

Zumpfe vor dem Tod. Jetzt macht

sie anderen Betroffenen Mut

64 Ist mein Badezimmer sauber?

Wo sich Keime verstecken, wie wir

sie zuverlässig loswerden

66 Die Pfunde purzeln ungewollt?

Wann eine Gewichtsabnahme ein

Fall für den Arzt sein kann

LIFESTYLE

40 Vive la France!

Tartes oder Quiches lassen uns

schlemmen wie unsere Nachbarn

48 Birnen in Bestform

Feine Rezepte für saftig-süße

Kuchen, Torten und Desserts

52 Zwei Perlen in der Adria

58 Farbenfroher Ausklang

Hübsche Herbstblüher wecken

Erinnerungen an den Sommer

WOHLFÜHLEN

60 So geht gute Kommunikation

Wege, die das gegenseitige

Verstehen nachhaltig verbessern

RUBRIKEN

3 Editorial, Stiftungsbeirat

68 My Life-Sprechstunde

70 Glücks-Kalender

72 Kreuzworträtsel, Sudoku

74 Vorschau, Impressum

FOTOS TITEL: GETTY IMAGES/ISTOCK INHALT: SCIENCE PHOTO LIBRARY; GETTY IMAGES/ISTOCK; ADOBE STOCK

4 my life 17/2025


Keine

Insekten,

keine

Lebensmittel!

Weltweit sind über 85% der Wild- und

Kulturpflanzen auf die Bestäubungsleistung

von Bienen und anderer Insekten angewiesen.

2018 veranschaulichte das Umweltministerium

gemeinsam mit dem NABU und einer

Lebensmittelkette, welche Auswirkungen

das Insektensterben auf das Produktangebot

hätte: 60 Prozent der Artikel würden ohne

bestäubende Insekten entfallen.

Insekten schützen

#beebetter-Experten-Team

HIER SCANNEN

und mehr erfahren

#beebetter ist die Insektenschutzinitiative des BurdaVerlag mit der auch Sie zum Insektenschützer werden können.

Alles Infos unter www.beebetter.de

2 my life 17/2025


GESUNDHEIT

52 %

der Deutschen

kennen ihren LDL-

Cholesterinwert nicht.

38 Prozent haben

sich bisher noch nicht

dafür interessiert

Quelle: Umfrage zum Tag des

Cholesterins im Auftrag von Amgen,

Juni 2023

Bausteine Computergrafik

eines Cholesterinmoleküls:

27 Kohlenstoffatome

(pink) bilden

das zentrale Gerüst, an

das eine Vielzahl von

Wasserstoffatomen

(gelb) gebunden ist


Was tun gegen zu hohes

Cholesterin?

Von Ernährungsumstellung über Lebensstiländerung bis Medikamentengabe – weshalb

die Therapie individueller werden muss. Und welcher Blutwert besonders wichtig ist

Es ist inzwischen unbestritten: Zu viel

Cholesterin verstopft die Arterien und

erhöht damit das Risiko für Herzinfarkt und

Schlaganfall. Die Konsequenzen für die Behandlung

des Einzelnen sind allerdings in der

Diskussion. „Im ersten Schritt geht es um den

Wunsch, ein langes und glückliches Leben zu

führen. Im zweiten Schritt geht es darum, wie

dieses Ziel erreicht werden kann“, so Dr. Thomas

Bobbert, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie

und Diabetologie, Sportmedizin,

Ernährungsmedizin und Lipidologie an der

Charité Berlin. Wie hoch die Cholesterinwerte

sein dürfen, soll individueller betrachtet werden.

Auch die daraus resultierende Therapie ist

nicht für jeden Patienten gleich, das gilt für

Lebensstiländerungen wie für Medikamente.

Cholesterin – Freund oder Feind?

Die fettähnliche Substanz ist längst nicht so

teuflisch wie oft vermutet. Cholesterin ist sogar

lebenswichtig. Es bildet die Vorstufe bestimmter

Hormone wie Ös trogen, Progesteron

und Testosteron. „All diese Hormone können

nicht gebildet werden, wenn wir kein Cholesterin

haben. Wir brauchen es auch für die Zellmembranen,

die durch Cholesterin elastisch

bleiben. Und ganze vier Prozent des gesamten

Nervensystems bestehen aus reinem Cholesterin“,

sagt Dr. Volker Schmiedel. Er war Chefarzt

an der Habichtswald-Klinik in Kassel und von

2015 bis 2024 Facharzt für Physikalische und

Rehabilitative Medizin am Ambulatorium Paramed

in Baar (Schweiz). Als Dozent und Autor

(„Cholesterin – endlich Klartext“, 5. Auflage ab

1. 10. im Handel, siehe Buchtipp S. 15) widmet er

sich der Prävention und Gesundheitsbildung.

Gestörte Balance. Einen Großteil des täglich

benötigten Cholesterins, 80 bis 90 Prozent, bildet

der Körper selbst. Nur einen kleinen Teil

nehmen wir über die Nahrung auf. In gewissem

Maß kann der Organismus eine erhöhte Zufuhr

aus gleichen, indem er selbst weniger produziert.

Problematisch wird es erst, wenn

dauerhaft zu viel Cholesterin zugeführt wird.

„Gut“ gegen „böse“: HDL und LDL

Cholesterin wird im Blut mithilfe von kugelförmigen

Fett-Eiweiß-Partikeln transportiert,

die in zwei Haupttypen unterteilt werden:

HDL (High Density Lipoprotein) mit hoher

Dichte und LDL (Low Density Lipoprotein)

mit niedriger Dichte. HDL, das „gute“ Cholesterin,

hilft, überschüssiges Cholesterin von

den Arterien zur Leber zu transportieren. Dr.

Schmiedel: „Der Körper kann Cholesterin nicht

selbst abbauen, sondern muss es über Leber

und Gallenwege ausscheiden. Kommt zu viel

davon in der Blutstrombahn vor, kann es in

der Gefäßwand abgelagert werden und führt

zu Problemen.“ HDL wirkt wie ein Reiniger für

die Arterien. „Dagegen ist LDL – die Eselsbrücke

ist ‚lass das lieber‘ – das schädliche Cholesterin.

Es kann Ablagerungen (med. Plaques) an

den Arterienwänden bilden, was zu Verengungen

führt und das Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko

erhöht“, so der Experte weiter. ➡

Auf einen Blick: Ein Stoff mit Doppelfunktion

Ansammlung von

Cholesterin (Plaque)

LDL (Low Density Lipoprotein)

❱ bringt Cholesterin von der Leber in

die Körperzellen, wo es benötigt wird;

Risiko: überschüssiges LDL kann sich

an den Gefäßwänden absetzen; begünstigt

Herzinfarkt und Schlaganfall

Arterie

Nach der

Bestimmung der

Werte ist eine gute

ärztliche Beratung

entscheidend

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas

Bobbert, Facharzt für Innere

Medizin, Endokrino logie u.

Diabetologie, Sportmedizin,

Ernährungsmedizin,

Lipidologie an der Charité

Universitätsmedizin Berlin

Cholesterin zählt zu den lebensnotwendigen Blutfetten, die nicht

wasserlöslich sind und deshalb eine Trägersubstanz (Eiweiße) benötigen

Triglyceride (Fette)

HDL (High Density Lipoprotein)

❱ wirkt als „Entsorger“, bringt

überschüssiges Cholesterin von

den Körperzellen/Gefäßwänden

zur Leber, wo es abgebaut wird;

Schutz: verhindert Plaques, senkt

das Arteriosklerose-Risiko

17/2025 my life

13


GESUNDHEIT

VON ERNÄHRUNG BIS PEELING

Die Haut

braucht Erholung

Nach einem Sommer mit viel Sonne sehnt sich unsere äußere Hülle im Herbst nach

Pflege und Regeneration. Der My Life-Experte erklärt, worauf es jetzt ankommt

16 my life 17/2025


Sommersonne und Urlaubserholung

haben uns einen Glow auf die Haut gezaubert.

Wir sehen gut und relaxt aus. Scheinbar

ist alles perfekt. Doch: Auch wenn jede

Haut anders ist, unterschiedliche Bedürfnisse

und unterschiedliche Herausforderungen zu

meistern hat, so ist eines bei allen gleich: „Nach

dem Sommer benötigt die Haut besondere

Aufmerksamkeit, da sie oft durch Sonneneinstrahlung,

Hitze und andere Umwelteinflüsse

strapaziert wurde“, erläutert der Münchner

Dermatologe Dr. Timm Golüke. Also sind jetzt

Regeneration und unterstützende Pflege angesagt.

Nur, wie fangen wir das an?

? Herr Dr. Golüke, was können wir

der Haut nun Gutes tun?

An erster Stelle würde ich auf Feuchtigkeit

setzen, denn die Haut ist nach dem Sommer

ausgetrocknet. Feuchtigkeitsspendende Produkte

wie Lotionen oder Cremes können helfen,

die Balance wiederherzustellen. Für das

Gesicht sind Feuchtigkeitscremes und -seren

mit feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen

wie Hyaluronsäure und Glyzerin gut. Ebenso

lässt sich die Haut durch ausreichendes Trinken

von innen heraus hydratisieren, damit sie

gesund und strahlend aussieht.

? Inzwischen sind sich die meisten darüber

im Klaren, wie wichtig Sonnenschutzmittel

sind. Kann die Haut dennoch Schaden nehmen?

Selbst bei Verwendung von Sonnenschutzmitteln

kann es zu gewissen Schäden kommen,

obwohl diese deutlich reduziert werden können.

Das Ausmaß dieser Schäden variiert je

nach individuellen Umständen: Die Menge an

UV-Strahlung, der die Haut ausgesetzt ist, die

Dauer der Exposition und ob angemessene

Schutzmaßnahmen ergriffen wurden, spielen

eine entscheidende Rolle dabei. Aber auch die

Hautfarbe ist relevant. Menschen mit heller

Haut, die empfindlicher auf UV-Strahlen reagiert,

haben tendenziell ein höheres Risiko

für Sonnenbrand, vorzeitige Hautalterung und

Hautkrebs. Auch Menschen mit dunklerer

Haut sind jedoch nicht immun gegen die negativen

Auswirkungen von UV-Strahlung und

können ebenfalls Sonnenschäden entwickeln.

? Erkennt man als Laie, ob die Haut

Schäden davongetragen hat?

Bei einem Sonnenbrand ist es natürlich offensichtlich.

Aber nicht alle Hautprobleme sieht

man auf den ersten Blick. Ich empfehle daher

einmal im Jahr ein Screening beim Dermatologen,

bei Vorbelastungen auch halbjährlich.

Denn ganz unabhängig davon, ob man selbst

etwas bemerkt hat oder nicht, die Folgen von

UV-Strahlen sind kumulativ und können sich

im Laufe der Zeit aufbauen. Daher rate ich,

auch nach dem Sommer unbedingt weiterhin

Sonnenschutz zu verwenden, da Sonnenlicht

das ganze Jahr über kritisch sein kann. Sinnvoll

ist ein breitbandiger Schutz mit mindestens

LSF 30, um die Haut vor Sonnenschäden

und vorzeitiger Hautalterung zu schützen.

? Gibt es bestimmte Wirkstoffe, die

sommergestresste Haut beruhigen?

Ganz allgemein tut es gut, auf eine milde Reinigung

wie etwa ölbasierte Cleanser zu achten,

damit die Haut nicht weiter gereizt und ausgetrocknet

wird. Aloe vera oder Farn können

helfen, die Haut zu beruhigen und zu regenerieren,

insbesondere bei Sonnenbrand. Für

gute Regeneration sorgen zudem Vitamin A

(Retinol), Niacinamide, Peptide und Hyaluronsäure.

Antioxidantien wie Vitamin C und Vitamin

E können dabei unterstützen, freie Radikale

zu neutralisieren und die Haut vor

Umweltschäden zu bewahren.

? Wie lässt sich der Sommerglow erhalten?

Ein Peeling entfernt abgestorbene Hautzellen

und fördert so die Hauterneuerung, was zu

einem frischeren und strahlenderen Hautbild

führen kann. Verwenden Sie jedoch sanfte

Peelings, um die Haut nicht zu reizen oder

auszutrocknen. Hilfreich sind etwa Fruchtsäurepeelings,

die man abends aufträgt und so

morgens strahlend erwacht.

? Wie wichtig sind die Ernährung oder

Supplemente? Kann man die Haut auf diese

Weise von innen unterstützen?

Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst,

Gemüse, gesunden Fetten und ausreichend

Wasser kann auf jeden Fall dazu beitragen, die

Haut von innen zu nähren und den Sommerglow

zu unterstützen. Einige Nährstoffe sind

nach jetzigem Kenntnisstand besonders wichtig

für die Haut und sollten durch den Speiseplan

oder Nahrungsergänzungsmittel abgedeckt

sein. Dazu gehören Omega-3-Fettsäuren.

Die essenziellen Fettsäuren, die in Lachs sowie

in Leinsamen, Chiasamen und Walnüssen

vorkommen, können helfen, die Haut mit ➡

Ich rate, auch

nach dem Sommer

unbedingt weiterhin

Sonnenschutz zu

verwenden, da

Sonnenlicht das

ganze Jahr über

kritisch sein kann

Dr. med. Timm Golüke,

Dermatologe mit

Zusatzbezeichnung

Naturheilverfahren

und eigener Praxis

in München; drgolueke.de

17/2025 my life

17


GESUNDHEIT

HILFREICH BEI DIAGNOSE UND THERAPIE

Moderne Methoden

gegen Hautkrebs

Mit 3D-Technik und künstlicher Intelligenz lassen sich verdächtige Veränderungen

frühzeitig erkennen. Innovative Geräte liefern dabei sehr präzise Hinweise.

Wie das funktioniert – und warum sich Risiken damit besser einschätzen lassen

Video-Auflichtmikroskop

Es nimmt präzise Bilder auf, die

sich per KI auswerten lassen

Rundumblick

Sieht futuristisch aus, gibt

es aber schon, etwa am Universitätsklinikum

in Erlangen:

den Ganz körperscanner. Der

Patient stellt sich hinein, die

Maschine nimmt dabei Fotos

der gesamten Haut auf

Unterm Mikroskop Zellen, die sich unkontrolliert teilen und vermehren – ein Merkmal von Krebs

Jährlich trifft es mehr als 220 000 Deutsche:

Hautkrebs zählt zu den häufigsten

Tumor-Erkrankungen. Umso wichtiger ist

es, schon Krebsvorstufen frühzeitig abklären

zu lassen. Die sogenannten aktinischen Keratosen

zeigen sich durch kleine, raue, rötliche

oder hautfarbene Veränderungen auf dem

Handrücken, im Gesicht und an den Ohren

(weißer Hautkrebs, s. Infokasten rechts oben).

Ein verändertes Muttermal dagegen deutet auf

schwarzen Hautkrebs hin (s. rechts unten).

Schnellere Befunde per Ganzkörper-Scan

Experten raten zu einem regelmäßigen Hautkrebs-Screening,

das die Kasse Versicherten

ab 35 Jahren alle 24 Monate zahlt. Dabei betrachtet

der Arzt jede auffällige Stelle mit

einem Auflicht-Mikroskop, das diese von oben

beleuchtet. Neue Methoden wie ein 3D-Ganzkörper-Scan

machen die Diagnose schneller,

einfacher und genauer (Kasse zahlt nicht). Der

Patient stellt sich in das türhohe Gerät (s. Foto

links unten), das mit mehreren Kameras Bilder

aufnimmt und daraus ein 3D-Modell fertigt.

Die gesamte Hautoberfläche lässt sich damit

wie eine Sternenkarte darstellen.

Auf diese Weise erkennt der Arzt besser Unregelmäßigkeiten

von Flecken und Pigmentmalen.

Zudem kann er deren Entwicklung

über die Jahre beobachten. Die Auswertung

erfolgt mittels künstlicher Intelligenz (KI).

Exakte Bilder, einfacher Vergleich

Auch kleinere Geräte verbessern die Früherkennung,

etwa digitale Auflichtmikroskop-

Systeme. Diese Kameras nehmen besonders

akkurate Bilder der Haut auf. Sie geben Größe,

Struktur, Umfang sowie Durchmesser einer

20 my life 17/2025


FOTOS: ADOBE STOCK; DOMINIK GRUSS; FLORIAN W.; SERGEY MIKHEEV; PR GRAFIKEN: PR

Analyse Dank spezieller Computer-Software

kann der Arzt Muttermale leichter auswerten

auffälligen Stelle detailliert wieder. Das zeigt

den allgemeinen Zustand der Haut und hilft,

auch andere Erkrankungen wie eine Schuppenflechte

früh zu erkennen.

Verlaufskontrolle. Ein weiterer Vorteil der

neuen Systeme: Sie werden durch eine spezielle

KI-gestützte Software ergänzt, die den Dermatologen

bei der Diagnose hilft. Auch langsam

voranschreitende Veränderungen lassen

sich zeigen und vergleichen, indem mehrere

Bilder übereinandergelegt werden (Kosten: ca.

180 bis 240 Euro).

Immer mehr Anbieter werben bei Patienten,

ein eigenes Handyfoto mithilfe von KI zu beurteilen.

Experten warnen jedoch davor, denn

selbst gemachte Aufnahmen sind oft ungenau

und können schnell zu Fehldeutungen führen.

Also lieber zum Dermatologen!

Ein Impfstoff soll bald

auf den Markt kommen

Mit Spannung erwartet wird ein Vakzin gegen

den schwarzen Hautkrebs (Melanom). Es basiert

auf der mRNA-Technologie, bekannt

durch die Corona-Impfung. Im Unterschied

dazu kann es zwar keine Erkrankung verhindern,

es ergänzt jedoch die Behandlung einer

Tumor-Erkrankung: Der mRNA-Wirkstoff richtet

sich gegen spezielle Proteine, die auf der

Oberfläche der Krebszellen sitzen – das Immunsystem

erkennt und bekämpft diese.

Ausblick. Vor allem aber soll die Impfung

das erneute Auftreten von Tumoren verhindern.

Eine Kombination des mRNA-Vakzins

und der Immuntherapie (s. Infokasten rechts

unten) könnte laut Studien das Rückfallrisiko

nach einer Krebs-OP stark senken. Konkret

wird es möglicherweise schon bald: Im Jahr

2026 soll der Impfstoff BNT111 des Mainzer

Biotechnologieunternehmen BioNTech erhältlich

sein. Aktuell wird er erfolgreich in einer

Phase-2-Studie untersucht.

WEISSER HAUTKREBS:

Die Vorstufen rechtzeitig behandeln

Bei Hautstellen, die sich schuppen,

gerötet oder bräunlich-gelb

sind, könnte es sich um weißen

Hautkrebs handeln. Er entsteht

vor allem aus Hornzellen, den

sogenannten Keratinozyten.

Wenn er früh entdeckt wird,

sind die Heilungschancen in aller

Regel sehr gut.

▶ Verschiedene Arten

Gesundes Gewebe ➊ zeigt

keine Auffälligkeiten. Bildet sich

eine raue Stelle mit einer leichten

Kruste, könnte das eine Hautkrebsvorstufe

(aktinische

Keratose) ➋ sein. Der Arzt

kann sie mithilfe von Vereisung,

Laser oder einer speziellen

Licht-Therapie beseitigen.

Eine weitere Vorstufe des weißen

Hautkrebses ist der Morbus

Bowen (Plattenepithelkarzinom).

Dabei verdickt sich die Haut oder

es entstehen Knoten ➌, ähnlich

wie bei einer Schuppenflechte.

Zeigen sich mehrere knotige

Läsionen ➍ an einer Hautstelle,

handelt es sich um ein metastasiertes

Plattenepithelkarzinom.

Morbus Bowen und das metastasierte

Plattenepithelkarzinom

werden meist per Operation

entfernt. Ist dies wegen der Tiefe

des Tumors oder aufgrund von

Metastasen nicht möglich, muss

häufig bestrahlt werden. Mehr

Infos: infoportal-hautkrebs.de

➊ ➋ ➌ ➍

SCHWARZER HAUTKREBS:

Mit der eigenen Abwehr gegen Tumoren

Ein flacher, dunkler, unregelmäßiger

Fleck auf der Haut kann auf

ein malignes Melanom hinweisen.

Der schwarze Hautkrebs entsteht

aus den Pigmentzellen (Melanozyten).

Aus diesen kann sich auch

ein Muttermal bilden. Sie stellen

den Farbstoff Melanin her, der

den braunen Farbton der Haut

erzeugt. Der Krebs wächst schnell

in die Tiefe und bildet häufig

Metastasen.

▶ Operation

Verdächtige Muttermale sollten

immer in einer OP herausgeschnitten

werden. Die Mehrheit

der Patienten ist damit geheilt.

Auch bei fortgeschrittenen

Melanomen haben sich die Genesungschancen

stark verbessert.

▶ Immuntherapie

Die Behandlung mit sogenannten

Checkpoint-Blockern, die per

Infusion ein Jahr lang gegeben

werden, gilt als besonders erfolgreich.

Die Antikörper blockieren

ein Eiweiß an der Tumorzelle und

sorgen dafür, dass die Abwehrzellen

das Gewächs angreifen können.

▶ Infusion vor der OP

Haben sich Krebszellen in den

Lymphknoten gebildet, kann die

Immuntherapie schon vor der

OP helfen (zwei bis drei Gaben

im Abstand von je drei Wochen).

Dieser Ansatz ist noch nicht

offiziell zugelassen, wird wegen

guter Studiendaten aber immer

häufiger eingesetzt.

17/2025 my life

21


DOSSIER

MUSKELKRAFT

22 Teamarbeit Das Zusammenspiel

von Muskeln & Gesundheit

28 Interview Der Experte

erklärt: Das brauchen die Füße!

30 Bewegung Sportgeräte, die

Lust aufs Training machen

22 my life 17/2025


Warum ihre Stärkung elementar ist

Mehr Power

für die Muskeln

Studien zeigen, wie wichtig das Training unserer Kraftpakete auch im Alter ist. Experten

sprechen nicht umsonst von der „Apotheke des Körpers“ – denn das Wunderwerk aus Gewebe,

Gefäßen, Fasern und Nerven beeinflusst selbst Immunsystem, Organe und Psyche

Gerade haben Sie diese Seite aufgeblättert,

vielleicht einen Schluck Kaffee

getrunken oder in ein Brötchen gebissen.

Mög licherweise sitzen Sie aufrecht, stützen

Ihr Kinn auf Daumen und Zeigefinger. Ihre

Augenlider blinzeln, Sie atmen gleichmäßig,

Ihr Herz schlägt gewissenhaft. Später wollen

Sie eventuell noch mit dem Hund spazieren

gehen oder joggen, in die Badewanne steigen

oder etwas einkaufen. Was Sie auch vorhaben,

selbst hinter scheinbar banalen Taten steckt

ein Wunderwerk aus Gewebe, Gefäßen, Fasern

und Nerven: unsere Muskulatur. Sie stützt

unser Skelett, ermöglicht uns die Bewegung

und ist unser größtes Stoffwechselorgan.

Schwerstarbeiter. 656 Muskeln (von lat.

musculus = Mäuschen, weil ein angespannter

Muskel wie eine Maus aussieht) arbeiten rund

um die Uhr, selbst im Schlaf sind nicht alle

schlapp. Mittels komplexer biochemischer

Prozesse produzieren sie aus Zucker und Fetten

die Energie, die wir zum Leben brauchen.

Vom Klatschen der Hände über das Schwingen

der Stimmbänder bis zu grandiosen Leistungen

im Sport ermöglichen sie fast alles,

was wir wollen. Selbst ohne große Anstrengung

sind sie zu Superlativen fähig.

Mit unseren 43 Gesichtsmuskeln können wir

mehr als 10 000 Gesichtsausdrücke erzeugen.

Unser Kaumuskel übertrifft die Beißkraft

eines Wolfs. Nur 100 bis 150 Millisekunden

braucht der Augenringmuskel für einen Lidschlag.

Der winzigste aller quer gestreiften

Muskeln, der Steigbügelmuskel, schützt das

Innenohr vor hohen Schallpegeln. Und der

Schneidermuskel ist in der Lage, sowohl Hüftals

auch Kniegelenk zu beugen. Den zeitweilig

größten Muskel besitzen nur Frauen: Während

der Schwangerschaft vergrößert sich die Muskelmasse

der Gebärmutter auf das 30-Fache.

Unser wichtigster Muskel, der Herzmuskel,

pumpt pro Tag bis zu 10 000 Liter Blut durch

den Körper. Würde er eine Pause machen, bliebe

das Herz stehen.

Multitalente. Unsere Muskeln können aber

noch viel mehr als unseren Körper in Bewegung

setzen. Neue Forschungen belegen, dass

gut ausgebildete Muskeln für unseren Stoffwechsel,

unser Immunsystem und viele Organe

wichtig sind, vor Arthrose, Adipositas und

Alzheimer schützen und sogar die Stimmung

aufhellen. Durch gezielte Bewegung der Muskeln

können Diabetiker ihre Zuckerkrankheit

besiegen oder zumindest ihre Werte verbessern.

Eine starke Muskulatur, so versichern

Experten, verlangsamt die Alterungsprozesse,

wie dies Frischzellspritzen oder teure Tabletten

kaum könnten.

Zusammenspiel mit den Organen

Lange Zeit haben wir unsere Muskulatur nur

als Gehilfen des Bewegungsapparats oder als

attraktives Accessoire gesehen. Das aber greife

viel zu kurz, sagt Sportwissenschaftler Prof.

Ingo Froböse: „Heute wissen wir, dass die Heilkraft

unserer Muskeln stärker sein kann als

die Wirkung der meisten Medikamente.“ Würden

sie aktiv, schütteten sie viele Botenstoffe

aus, die selbst unsere zentralen Organe Gehirn,

Herz, Leber und Darm direkt beeinflussten.

Erst 2007 machte die dänische Internistin

Prof. Bente Klarlund Pedersen eine erste weitreichende

Entdeckung in diesem Feld. Um zu

untersuchen, welchen Einfluss Sport auf ➡

656

Muskeln besitzt

ein Mensch, die

Zahl kann ein

wenig variieren

ab 5

Jahren sollte

man laut WHO

schon seine

Muskeln durch

Trainings stärken

17/2025 my life

23


DOSSIER MUSKELKRAFT

Kein Niedergang

mit dem Alter ist

dramatischer

und funktionell

bedeutsamer als

der Rückgang der

Muskelmasse

Dr. Irwin Rosenberg,

Mediziner an der

Tufts University in

Massachusetts

Knochen

Sehne

➡ das Immunsystem hat, nahm sie Probanden

nach Trainingseinheiten Blut ab. Darin

fand sie erhöhte Mengen von Interleukin-6.

Damals ging man davon aus, der bei Entzündungsreaktionen

helfende hormonähnliche

Stoff werde von Immunzellen produziert.

Entdeckung. Prof. Pedersen und ihr Team

entschlüsselten, dass Muskelzellen Interleukin-6

herstellen und im Körper verteilen. Es

steigt bei intensiver körperlicher Aktivität bis

zum 100-Fachen des Ausgangswerts an und

hat verschiedenste Effekte auf den Körper. Sie

gaben den Substanzen den Namen „Myokine“

– abgeleitet von den griechischen Wörtern

für Muskel und Bewegung. Seitdem hat die

Wissenschaft Hunderte weiterer Myokine

entdeckt. Momentan sind etwa 600 solcher

Stoffe bekannt, die an verschiedenen Stellen

im Körper wirken. Manche Forscher bezeichnen

die bewegte Muskulatur als „körpereigene

Apotheke“.

Viel zu selten beachtet

Weitere dieser Boten könnten bei Herzschwäche

lebensrettend sein, die Neubildung von

Knochen antreiben und damit Osteoporose

vorbeugen oder den Hippocampus so stimulieren,

dass sich Erinnerungs- und Lernver mögen

verbessern. Wie Forscher des Massachusetts

Institute of Technology (MIT) jetzt belegten,

fördern Muskel-Myokine offenbar Wachstum

Faszien und Faserbündel

Ein Skelettmuskel

besteht aus drei Muskelfasertypen.

Von außen

umgibt ihn Bindegewebe

aus festen Kollagenfasern,

die Muskelfaszie. Im Innern

befinden sich weitere, zu

Muskelfaszie

Bündeln gruppierte Bindegewebsschichten.

Das

Bindegewebe ermöglicht,

dass sich verschiedene

Muskelfasergruppen bei

Bewegung gegeneinander

verschieben lassen. Blutgefäße

und Nerven versorgen

die Muskelfasern und

regen zur Arbeit an.

Blutgefäß

sekundäres

Muskelfaserbündel

primäres

Muskelfaserbündel

Muskelfaser

Myofibrille

und Reparatur von Motoneuronen – den Zellen

im zentralen Nervensystem.

Umso erstaunlicher findet Prof. Froböse,

wie wenig Beachtung die Medizin unserer

Muskulatur schenkt. Regelrecht skandalös sei

es, sagt er, sie nicht in Diagnostik und Therapie

vieler Krankheiten miteinzubeziehen:

„Bislang fehlt dafür jedoch das Bewusstsein.

Oder sind Ihre Muskeln beim Arzt schon einmal

getestet worden?“ Prof. Froböse, 67, groß,

athletische Figur, sprühender Rhetoriker, ist

einer von Deutschlands prominentesten

Fitness erklärern. Seit Jahrzehnten forscht er

an der Deutschen Sporthochschule in Köln zu

Prävention und Regeneration. In Talkshows

ist er Dauergast. Für die Ertüchtigung der

Nation produziert er Podcasts und YouTube-

Videos, berät Unternehmen, Kassen und den

Deutschen Bundestag. Jedes Jahr schreibt er

zwei neue Ratgeber, oft Bestseller.

Wandel. In den 1980er-Jahren zählte Prof.

Froböse zu Deutschlands besten Sprintern,

seine Bestzeit über 100 Meter lag bei 10,4 Sekunden.

Heute taktet er Termine im Affentempo.

In einer Verschnaufpause sitzen wir in

seinem Lieblingscafé, wo alte Turngeräte

dekorativ herumstehen. Prof. Froböse sagt:

„Dass ich so gut performe, verdanke ich meinem

Lebensstil und meiner Muskelkraft.“ Die

sei umso wichtiger, je älter er werde.

Idealerweise sollte der Anteil der Muskelmasse

bei Männern 40 bis 50 Prozent am

Gesamtkörpergewicht betragen, bei Frauen

25 bis 35 Prozent. Schon ab dem 30. Lebensjahr

schwinden unsere Muskeln ohne gezieltes

Training langsam, aber sicher. Der Organismus

verwandelt dann pro Jahr im Schnitt ein

Prozent ihrer Masse in Fettgewebe. Zudem

nimmt die Anzahl der Blutgefäße ab, die Verknüpfungen

zwischen Nervenzellen und Muskelfasern

verkümmern. „Kein Niedergang mit

dem Alter ist dramatischer und funktionell

bedeutsamer als der Rückgang der Muskelmasse“,

sagte der Mediziner Dr. Irwin Rosenberg

von der Tufts University in Massachusetts

einmal. Auf ihn geht der Begriff

„Sarkopenie“ zurück, der „Mangel an Fleisch“,

besser bekannt als Muskelschwund.

Mediziner schätzen, dass jeder zehnte

Mensch ab 70 und jeder zweite über 80 Jahre

davon betroffen ist. Für Prof. Froböse ist „der

Verlust der Muskelkraft die Hauptursache für

Pflegebedürftigkeit“. Durch einen simplen Test

könnten Senioren herausfinden, wie es um

ihre Muskelkraft bestellt ist: „Wenn man es

nicht schafft, innerhalb von 15 Sekunden fünfmal

ohne Hilfe der Arme von der Couch oder

von einem Sessel aufzustehen, kann man da-

Nerv

24 my life 17/2025


von ausgehen, dass man innerhalb der nächsten

zwei Jahre pflegebedürftig wird.“

Kraft ist nicht bloß eine Frage von Lebensjahren.

Für die Muskeln sei es nie zu spät, erklärt

Dr. Irwin Rosenberg: „Wir altern nicht

chronologisch, sondern biologisch.“ Erhalte

man die Körperfunktionen, könne der biologische

Alterungsprozess überwunden werden.

Abbau. Ungenutzte Muskeln jedoch verkümmern,

auf der Erde wie im Weltraum.

Astronauten auf der ISS müssen wegen des in

der Schwerelosigkeit entstehenden Muskelabbaus

täglich rund zwei Stunden trainieren.

Besonders rasant schwindet die Kraft auf

Intensivstationen. Ebenfalls betroffen sind

Schreibtischarbeiter. Dauersitzen habe ähnliche

Effekte wie Bettlägerigkeit, schreibt der

Paläoanthropologe Prof. Daniel E. Lieberman

von der Harvard-Universität in seinen Büchern

über die Funktion unseres Körpers.

Bis heute gilt Training, welches hauptsächlich

die Ausdauer und das Herz-Kreislauf­

System fordert, als das Nonplusultra der persönlichen

Fitness. Im Jahr 2010 hat die

Weltgesundheitsorganisation WHO in ihren

neuen Bewegungsrichtlinien Krafttraining

erstmals besonders betont. Die WHO empfiehlt

nun schon Fünf- bis 17-Jährigen, die

Muskeln zu stärken. Und erst recht den Älteren,

an mindestens zwei Tagen die Woche.

Dabei sollten alle großen Muskelgruppen

bedacht werden, also Bein-, Arm-, Brust-,

Bauch-, Schulter- und Rückenmuskulatur. Für

Frauen, betonen Mediziner, sei eine starke

Muskulatur obendrein wegen ihres großen

Einflusses auf den Hormonhaushalt wichtig.

Sie wirke etwa in den Wechseljahren regulativ.

Muskeln müssen „brennen“

Warum ausgerechnet Krafttraining eine so

gewichtige Rolle spielt, erklärt sich, wenn man

den Aufbau der Muskeln genauer betrachtet.

Sie bestehen aus verschiedenen Arten von

Fasern: Die roten Muskelfasern, auch langsame

oder Slow-Twitch-Fasern genannt, werden

sowohl für statische Bewegungen als auch für

Ausdauer gebraucht. Die weißen Muskelfasern

sind die schnellen oder Fast-Twitch­

Fasern. Sie sind sowohl für Kraft als auch für

schnelle, explosive Bewegungen mit hohen

Belastungen zuständig.

Letztere kommen auch zum Einsatz, wenn

man stolpert, einen schnellen Ausfallschritt

macht und mit einem Bein den Körper abfangen

muss. „Das setzt aber voraus, dass ich

eben Schnelligkeit und höhere Lasten im Training

übe“, betont Prof. Ingo Froböse. Deshalb

sei es besonders in der zweiten Lebenshälfte

wichtig, sich „nicht in Watte zu packen“, sondern

ans Limit zu gehen (Übungen auf S. 27).

„Erst wenn die Muskeln brennen, sind Sie in

einer Mangelsituation, um Wachstum in Form

von Eiweißeinlagerung zu erreichen.“

Das eigene Leistungsniveau beachten

Das sehen Prof. Froböses Kollegen und Kolleginnen

ganz genauso. Durch Trainingseinheiten

mit hoher Intensität, aber kurzen Intervallen

könnten Rentner Werte erreichen, die

Untrainierte mit etwa 40 Jahren haben, versichert

Dr. Heinz Kleinöder von der Deutschen

Sporthochschule Köln. „Sogar 80- bis 90-Jährige

weisen nach entsprechenden Übungen

Muskelzuwächse auf“, sagt er. Dr. Kleinöder,

breite Schultern, breites Lächeln, ist Experte

für den Bereich Kraftdiagnostik und Bewegungsforschung.

Sein Labor ist mit Spezial-Fitnessgeräten

ausgestattet: Sie bieten auch Gewichtsklassen,

die kein normaler Gym-Besucher stemmen

könnte, und sind über Sensoren mit Computern

verbunden. Anhand der damit produzierten

Kraft-Zeit-Kurven können Trainer Schnellkraft,

Start- und Explosivkraft ihrer Probanden

bestimmen. „Das ist gerade für Spitzensportler

bedeutsam, die ihre Bewegungsabläufe optimieren

müssen“, sagt Dr. Kleinöder, ehemals

Konditionstrainer des Fußball-Bundesligisten

Bayer Leverkusen. Die Maximalkraft auf eigenem

Niveau zu erreichen, sollte aber auch Ziel

für Hobbysportler sein: „Kraftausdauer mit

leichten Gewichten ist nett, aber reicht nicht.“

Ausgewogenheit. Gleichzeitig warnt Dr.

Kleinöder davor, die eigene Fitness zu überschätzen.

Einsteigern rät er von auf Drill und

Quälerei setzenden Trainingsprogrammen wie

Freeletics oder Crossfit ab. „Wenn ich keine

50 Burpees, also Hochstrecksprünge, hintereinander

machen kann und das trotzdem versuche,

grenzt das an Körperverletzung. Außerdem

verliert man schnell die Lust daran.“ Beim

Training aller großen Muskelgruppen des

Körpers gilt es zudem, ein Grundprinzip zu

beachten: immer ausgeglichen den Agonisten

und Antagonisten belasten, Beuger und Strecker,

etwa Bauch und Rücken. „Wird ein Muskel

mehr trainiert als der andere, kann das zu

Verschleiß und Verletzungen führen“, erklärt

Dr. Kleinöder.

Bei „unausgewogenen“ Muskeln müssen oft

Physiotherapeuten Abhilfe schaffen. Das Problem

betrifft alle, die wiederholt die gleiche

Art von Aktivität leisten und nur selten etwas

anderes tun. Ein Gewichtheber, der seinen

Bizeps übertrainiert, aber den Trizeps ignoriert.

Der tägliche Läufer, der mit jedem ➡

Sogar 80- bis

90-Jährige weisen

nach entsprechenden

Übungen Muskelzuwächse

auf

Dr. Heinz Kleinöder,

Experte für den Bereich

Kraftdiagnostik und

Bewegungsforschung,

Deutsche Sporthochschule

Köln

30

Kilogramm

beträgt das Gewicht

der Muskulatur

im Schnitt bei

einem 70 Kilogramm

schweren Mann

100 000

Mal am Tag

bewegen sich die

Augenmuskeln –

und sind damit

am aktivsten

17/2025 my life

25


DOSSIER MUSKELKRAFT

Von Vorsorge bis Training

So gelingt der

perfekte Auftritt

Nach dem Sommer brauchen die Füße besondere Aufmerksamkeit. Der My Life-Experte weiß,

wie man Muskelabbau, Fehlstellungen und anderen Erkrankungen vorbeugt

einen Teil der Arbeit ab. Das Problem ist, dass

der Fuß durch die Dämpfung zu spät auf die

äußeren Reize reagiert und daher seine Muskulatur

über die Zeit abbaut. Außerdem sind

die meisten Schuhe vorn so eng, dass die

Zehen zusammengedrückt werden. Das kann

zu Blasen führen, aber auch Fehlstellungen

wie einen Hallux valgus begünstigen: Der große

Zeh neigt sich nach innen, der Ballen wölbt

sich vor. Ein Schuh sollte seitlich am Knochen

anliegen. Ist er zu weit, haben die Füße keine

Führung und werden mit der Zeit breiter.

Freiheit Zeit ohne Socken fördert die Fußgesundheit

Kalt-warme

Wechselbäder

für die Füße

regen die

Durchblutung an

Geht der Sommer zu Ende, ist es auch

mit der Freiheit für unsere Füße vorbei.

Statt barfuß zu laufen und luftige Sandalen zu

tragen, sind demnächst wieder warme Socken

und Schuhe mit dicker Sohle angesagt. Doch

damit tun wir unserem „Laufwerk“ keinen Gefallen,

denn feste Schuhe können auf Dauer

einen Muskelabbau begünstigen. Dr. Thomas

Schneider, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie,

sagt, worauf wir unseren Füßen

zuliebe dann achten sollten.

? Also am besten barfuß laufen?

Das ist das Gesündeste, allerdings nicht auf

harten Untergründen. Wer barfuß unterwegs

ist, stärkt die Muskulatur in den Füßen und

Waden. Wie ein kleines Kraftwerk werden die

Muskeln dabei stimuliert. Denn die Füße sind

auch wichtig für die Wahrnehmung: Die vielen

Rezeptoren an den Fußsohlen geben zum Beispiel

wich tige Informationen zur Bodenbeschaffenheit

an das Gehirn weiter und tragen

mit einer trainierten Muskulatur zur Bewegungskoordination

sowie zu einem guten

Gleichgewichtssinn bei.

Dr. med. Thomas

Schneider,

Facharzt für Orthopädie

und Unfallchirurgie an

der Gelenk-Klinik

Gundelfingen

? Wie wichtig ist regelmäßiges Gehen

zur Vorbeugung von Fußproblemen?

Bewegung ist essenziell für unsere Gesundheit,

auch für die Füße. Aber bitte die Dosis nicht

übertreiben und stattdessen auf die Füße

hören! Reagieren sie beim Gehen mit Schmerzen,

sollte man langsamer machen oder sie anders

belasten. Zwei bis sieben Tage braucht der

Fuß, bis er sich an gesteigerte Aktivität gewöhnt

hat. Auch sollte man immer mal wieder

das Schuhwerk überprüfen.

? Welche Fehler kann man beim Kauf

von neuen Schuhen machen?

Herkömmliche Schuhe polstern, dämpfen und

federn beim Gehen ab. Das ist bequem. Aber

dabei nehmen die Schuhe den Füßen auch

? Im Winter ist Barfußlaufen allerdings

schwierig. Welche Alternativen gibt es?

Man kann die Füße zu Hause immer mal wieder

stimulieren, sie öfter aus den Socken herausnehmen,

abtrocknen, ein wenig kneten.

Es hilft auch, sich mal auf die Zehenspitzen zu

stellen oder die Füße mit einem Igelball zu

massieren. Eher kontraproduktiv sind Übungen,

bei denen man mit dem Fuß ein Taschentuch

greift – das fördert Krallenzehen. Ein Fuß

ist keine Hand, sondern ein Abroll-Organ.

? Welche Pflege brauchen die Füße?

Wir haben in dem Bereich ein hohes Risiko

für Folgeerkrankungen von Infektionen. Die

Haut darf keine Risse haben. Ist sie trocken,

hilft eine Feuchtigkeitscreme, bei Hornhaut

28 my life 17/2025


Salicylsäure. Regelmäßiges Waschen und Abtrocknen

ist wichtig, auch zwischen den Zehen.

Und kontrollieren Sie, ob sich ein Pilz

angesiedelt hat. Zehennägel sollten gerade

statt rund geschnitten sein. Fußbäder sind effektiv,

wenn man einen Kalt-warm-Wechsel

macht, er regt die Durchblutung an.

? Warum bekommen Frauen schneller

kalte Füße als Männer?

Sie haben einen geringeren Energieverbrauch

und produzieren weniger Wärme. Das liegt am

Östrogen. Der niedrigere Grundumsatz führt

dazu, dass Frauen eher auskühlen – und der

Organismus die Wärme dort speichert, wo sie

gebraucht wird: im Kopf, in der Brust und im

Bauch, also im Körperkern.

? Unterscheiden sich auch die Fußprobleme

bei Männern und Frauen?

Ja, der hormonelle Einfluss auf das Bindegewebe

scheint Spreizfüße und Hallux bei Frauen

zu begünstigen. Männer haben eher Probleme

mit dem Großzehen-Grundgelenk, weil

sie anfälliger für Gicht sind. Dafür ist der

Knick senkfuß bei Frauen häufiger, da durch

langjährige Fehlbelastung eher die Sehnen reißen.

Männer haben oft Fersenschmerzen im

oberen Bereich, da sie beim Sport mitunter

etwas übertreiben.

? Was ist die häufigste Fehlstellung?

Das ist der Hallux valgus, also der Ballenzeh

als Folge eines Spreizfußes.

? Wann raten Sie zu einer Operation?

Wenn konservative Methoden wie Übungen

und speziell angefertigte Einlagen keine Besserung

bringen und der Patient massive Mittelfußschmerzen

hat. Dann schaue ich mir das

Röntgenbild an und mache eine Podometrie.

Dabei geht der Patient über ein Laufband und

es wird der Druck gemessen, der auf dem

zweiten und dritten Mittelfußknochen lastet.

Das Grundproblem beim Ballenzeh ist, dass

der erste Mittelfußknochen, der stärkste,

wegen des Hallux nicht mitarbeitet. Also müssen

die benachbarten Mittelfußknochen alles

übernehmen. Mit der Zeit können Arthrosen,

Krallenzehen oder Schwielen entstehen. Deswegen

sollte man mit einer OP in der Regel

nicht allzu lange warten.

? Wie wird ein Hallux valgus operiert?

Es gibt inzwischen gute minimalinvasive

Methoden, mit denen der Chirurg schonend

mit drei oder vier Schnitten den vorstehenden

Mittelfußknochen in die richtige Position

schieben kann. Deswegen braucht man mittlerweile

nicht mehr den ganzen Fuß aufzuschneiden.

Zusammenspiel

Im Fuß sorgen

26 Knochen,

33 Gelenke,

20 Muskeln und

über 100 Bänder

für Stabilität

Eingeengt

Passen Schuhe

nicht richtig, kommt

es schnell zu Hallux

valgus & Co.

DEHNEN, STÄRKEN & MASSIEREN

Wellness-Programm für Ihr „Laufwerk“

FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK (5); ADOBE STOCK; PR

Fußquergewölbe

Zur Mobilisation des Quergewölbes

am Anfang der Zehen wird der

betroffene Vorfuß im Sitzen oder

Stehen leicht auf einem Ball abgestellt.

Modellieren Sie Ihren Groß- und

Kleinzehenballen sanft um den Ball.

Sie sollten dabei das Gefühl haben,

den Ball zu umschließen. Die Grundgelenke

der Zehen bilden nun eine

Art C-Bogen. Versuchen Sie diesen

zu halten und lösen sie langsam den

Kontakt zum Ball, bis Sie mit Ihrem

Fuß über diesem „schweben“.

3–5 Wiederholungen.

Schienbein

Mit einem Gymnastikband lässt

sich die tiefe Schienbeinmuskulatur

stärken. Es wird seitlich auf Höhe des

Fußes befestigt. Wickeln Sie das Band

so um den Vorfuß, dass der Zug des

Bandes von außen kommt. Ziehen Sie

es dann mit dem Fuß langsam nach

innen. Dieser sollte zu Beginn leicht

ausgestreckt sein. Die Zehen können

verstärkend mitaktiviert werden. Überprüfung:

Der pink markierte Bereich an

der Unterschenkelinnenseite muss sich

bei der Übung anspannen. 10 Sekunden

halten, 3 Wiederholungen.

Vorfuß

Zur Verbesserung der Beweglichkeit

nehmen Sie im Sitzen Ihren Vorfuß

in beide Hände, sodass die Finger die

Fußsohle berühren und die Handballen

jeweils am Klein- und Großzehenballen

positioniert sind. Rollen Sie dann behutsam

beide Zehenballen nach unten

innen und üben Sie gleichzeitig mit

den Fingerkuppen einen sanften Druck

auf die Mitte der Fußsohle aus. Sie

sehen nun, wie die Zehenknöchel in

einem gleichmäßigen C-Bogen aufgereiht

sind. 10 Sekunden halten,

5 Wiederholungen.

Das hilft beim Kraftaufbau: S. 30/31 ➡


DOSSIER MUSKELKRAFT

Hightech-Training im Studio und zu Hause

Kraftaufbau

leicht gemacht

Am einfachsten ist es, mit dem eigenen Körpergewicht zu trainieren.

Mehr Spaß bereitet es jedoch, wenn spezielle Geräte beim Sport unterstützen

Gute Mischung

„Ajambow“ (l.)

und „Flexi-Bar“ (r.)

sind die perfekte

Kombination, um

Ausdauer und Kraft

zu fördern – egal,

ob im Fitnessstudio

oder im eigenen

Wohnzimmer

Dass ab dem 30. Lebensjahr jedes Jahr

rund ein Prozent an Muskelmasse

verloren geht, klingt erst einmal besorgniserregend.

Dabei ist diese Entwicklung völlig

normal. Außerdem gibt es eine gute Nachricht:

Dem Abbau kann man leicht selbst entgegenwirken

– und zwar in jedem Alter. Denn

Muskeln wachsen ein Leben lang, wenn sie

den Impuls dazu bekommen.

„Jüngere Menschen können Krafttraining

machen – ältere müssen das sogar“, sagt der

Orthopäde Dr. Christian Schneider vom

Orthopädiezentrum Theresie in München.

Deshalb ist immer der richtige Zeitpunkt für

Probekurse im Fitnessstudio oder das erste

Work-out zu Hause. Wichtig ist nur: Die Sportart

sollte zu einem passen und Spaß machen.

Was zu beachten ist, erklärt Dr. Schneider im

Interview (siehe S. 31).

Vielfältig. Die Auswahl an neuen Fitness-

Trends wächst stetig. Daher ruhig auch mal

etwas Ungewöhnliches ausprobieren, wie etwa

„Ajambow“. Der Begriff setzt sich aus dem

englischen Wort „bow“ (dt.: Bogen) und dem

Wort Ajambo zusammen, was in der ostafrikanischen

Bantusprache Swahili Wiedergeburt

bedeutet – nach dem Training soll man sich

wie neu geboren fühlen.

Im Flow. Es handelt sich dabei um einen

mit Wasser befüllten Fitness-Stab (Kosten: ca.

180 Euro, ajambow.de). Wird das Gerät bewegt,

läuft die Flüssigkeit im Inneren hin und

her. Dadurch werden die Muskeln bis in tiefer

liegende Schichten gefordert. Der Stab eignet

sich für funktionelle, rhythmische Fitness wie

Kniebeugen und zum Training im Bereich des

Rückens, Nackens und der Schultern. Er lässt

sich je nach gewünschter Intensität befüllen,

eignet sich also auch für Einsteiger. Wer den

Stab nicht allein schwingen möchte: Es gibt

spezielle Kurse. Manche Krankenkassen beteiligen

sich an den Kosten.

Digitaler Personal Trainer

Das Fitnessstudio lässt sich auch nach Hause

holen, etwa mit dem mannshohen virtuellen

Spiegel „VAHA“. Darin sieht man den Trainer,

der die Übungen vormacht. Gleichzeitig analysieren

Sensoren die eigenen Bewegungen und

der Fitnesscoach im Spiegel verbessert bei

Bedarf. Er zeigt Hunderte personalisierter

Übungen. Außerdem gibt es Kurse, z. B. Pilates

oder High Intensive Interval Training (HIIT).

Das hat seinen Preis: Das Gerät kostet ca.

2 000 Euro (vaha.com).

Virtuell. Wer lieber platzsparender trainieren

möchte und dabei gern in andere Welten

eintaucht, könnte von der Virtual-Reality-Brille

„Meta Quest 3“ (ca. 550 Euro, meta.com) profitieren.

Mit ihr wird das Wohnzimmer zum

Boxring, zur Basketballhalle oder zum Meditationsraum.

Eine Studie der Charité zeigte sogar,

dass das Training mit einer VR-Brille Bluthochdruck

effektiv senken kann.

Besonders für Sport-Anfänger 70 plus geeignet

ist eine Kombination aus Stepper und

Ellipsentrainer, die eine gelenkschonende

Bewegung ermöglicht. Das Gerät „Bowflex

30 my life 17/2025


Max Trainer SEi“ fördert Muskeln, Herz und

Kreislauf. Es lässt sich auch mit einer App auf

dem Smartphone koppeln, zeigt Herz frequenz

und Energieverbrauch an. Die Kosten belaufen

sich auf ca. 2 300 Euro (jfw.shop).

Für mehr Stabilität und Ausdauer sorgt der

„Flexi-Bar“ (ab 95 Euro, flexi-bar.com), ein einzigartiger

Schwungstab, der die Muskeln bis in

die Tiefe stimuliert. Er bietet eine einfache

Möglichkeit, Rücken, Rumpf und Beckenboden

zu stärken, ganz ohne die Gelenke zu

belasten. Damit ist der Stab für Anfänger und

Sportprofis eine gute Wahl. Anleitungen zu

vielen kostenfreien Übungen finden Sie unter

youtube.com/@bkbarbaraklein

Maßvoll. Bei allem Sportspaß sollte man

allerdings eine Regel nicht vergessen: Den

Körper fordern, aber nie überfordern. Auch

Entspannung ist wichtig. Genau dafür gibt es

Massagekissen, die zugleich wärmen („i-Puffy“,

ca. 150 Euro, jfw.shop). So fühlt man sich innerhalb

von kürzester Zeit um Jahre jünger. ❰

FOTOS: MAIKE GLÖCKLER; TILL LUZ; PR

EXPERTEN-INTERVIEW

„Wichtig ist, überhaupt anzufangen“

Keine Ausrede – auch bei Arthrose nicht! Denn

Training kräftigt Knorpel, Muskeln und Knochen.

Dr. med. Christian Schneider, Orthopäde in

München, gibt Tipps für den Sport daheim

und im Fitnessstudio

? Ist Training zu Hause oder im Studio besser?

Das kommt auf den Typ an. Für manche

Menschen ist es gut, einen festen Termin

zu haben und den monatlichen

Beitrag „abzuarbeiten“. Der soziale

Aspekt spricht sicher für das

Studio – die eigene Zeiteinteilung

und Verfügbarkeit für das Zuhause.

? Was ist dabei wichtig?

Vor allem ein ausgewogener Trainingsplan,

der häufig von den Trainern erstellt oder beim

Arzt bzw. Fitnesscoach erarbeitet werden kann.

Er sollte regelmäßig angepasst werden.

t

Hilft schnell und zuverlässig bei starkem Juckreiz

und Schmerzen am Po.

t

? Geht das auch bei Arthrose und Kunstgelenken?

Das ist kein Problem, es bedarf aber der richtigen Bewegung und

Belastung. Hier ist die gezielte Trainingsplanung beispielsweise abhängig

von den aktuellen Beschwerden oder dem Zeitpunkt nach der Operation.

? Kann man sich überlasten?

Problematisch sind eher Fehlbelastungen und falsche Trainingsformen Der menschliche

Körper hält mehr aus, als man denkt. Wichtig ist, überhaupt anzufangen und in sich

hineinzuhören. Lieber langsam beginnen. Steigerungen sind dann immer möglich.

ZUR SICHERHEIT

Nur in Absprache mit dem Arzt

Vor Trainingsbeginn sollten sich

gerade Sport-Anfänger untersuchen

lassen und mit dem Arzt geeignete

Sportarten sowie Trainingsdauer

und Intensität abstimmen. Das ist

besonders wichtig bei Grunderkrankungen

wie Arthrose, Osteoporose

oder einer Herzschwäche.

Wiedereinsteiger Auch wer sich

nach mehreren Jahren Abstinenz

wieder sportlich betätigen will, ist

mit einer Voruntersuchung gut

beraten, um Verletzungsgefahren

zu vermeiden.

Nach einer OP Durch lange Bettzeiten,

etwa nach einem operativen

WENN

HÄMORRHOIDEN

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Wirkt studienbelegt innerhalb von 30 Min.

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Posterisan ® akut 50 mg/g Rektalsalbe Wirkstoff: Lidocain

Anwendungsgebiete: Anwendung bei Erwachsenen; Linderung

von Schmerzen im Analbereich vor proktologischer

Untersuchung; Symptomatische Behandlung von

Juckreiz und Schmerzen im Analbereich (z. B.

Eingriff, kann die Muskelmasse

abnehmen. Dann spricht man

von einer Muskelatrophie. Hier

ist eine Untersuchung ohnehin

sinnvoll, um die Muskulatur zum

geeigneten Zeitpunkt, unter Anleitung

eines Therapeuten, wieder

schonend aufzubauen.

aufgrund von Hämorrhoiden). Enthält Cetylalkohol.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

lesen Sie die Packungsbeilage

und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren

Arzt oder in Ihrer Apotheke.

Stand: 04/2024

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GmbH, Berlin

17/2025 my life

31


NATURAPOTHEKE

Beruhigend Das gesundheitsfördernde Potenzial der Bäume ist unerschöpflich

BALSAM FÜR KÖRPER & GEIST

Wunderbare Waldapotheke

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Gesundheit

Unterm Blätterdach wartet nicht nur eine erholsame Auszeit für die Seele. Hier finden sich

auch pflanzliche Helfer bei Entzündungen, Erkältung und Verdauungsproblemen

Beim Waldbaden werden alle

Sinne angesprochen, vor allem

der Geruchssinn, der direkt mit dem

limbischen System im Gehirn verbunden

ist und unsere Gefühle steuert. Der

Wechsel von Licht und Schatten, das

Grün der Bäume – all das hebt unsere

Stimmung. Ein Spaziergang im Grünen

wirkt direkt auf das parasympathische

Nervensystem. Der Vagusnerv, auch

„Nerv der Ruhe“ genannt, dient der Regeneration:

Der Puls verlangsamt sich,

Stresslevel, Blutzuckerspiegel und Blutdruck

sinken. Der Wald beschenkt uns

aber auch mit heilsamen Pflanzen:

Giersch

Das Wildkraut hat viermal so

viel Vitamin C wie eine Zitrone,

dazu Kalium, Eisen, Calcium,

Magnesium und Zink. Diese

Kombination lässt es entgiftend,

blutreinigend und harntreibend

wirken.

Als Tropfen

und Kraut

erhältlich.

Waldkiefer

Wichtigste Bestandteile des

ätherischen Waldkieferöls sind

die Terpene Pinen, Caren und

Limonen. Die natürlich vorkommenden

organischen Verbindungen

gelten als besonders

schleimlösend und auswurffördernd.

Das Öl

wird gern zur

Inhalation

verwendet.

Hagebutte

Die kleinen Kerne, die

unter der roten Fruchtschale

stecken, liefern jede

Menge Energie. Vitamin C

und sekundäre Pflanzenstoffe

hemmen Entzündungen

und sind ein bewährtes

Naturheilmittel

bei Gelenkschmerzen wie

Arthrose. Erhältlich als Tee

oder Pulverextrakt.

Angelikawurzel

Der bittere Wurzelextrakt regt

die Produktion der Verdauungssäfte

an. Verstärkt werden

Magensäure, aber auch Gallensäure

sowie Enzyme der Bauchspeicheldrüse

gebildet. Als Tee

oder als Bestandteil von

Verdauungstropfen aus der

Apotheke erhältlich.

Fichtennadeln

Die ätherischen Öle in den spitzen

Nadeln fördern die Durchblutung –

eine Wohltat für verspannte

Muskeln. Sie wirken auch sehr gut

als Schleimlöser bei Erkältungen.

Erhältlich u. a. als Aroma-, Massa geöl

sowie in Badezusätzen.

Birkenblätter

Die Birke gilt seit

jeher als Baum des

Lichts und des

Aufbruchs. In den

Blättern steckt ein

zellstärkender, aktivierender

Mix aus

Flavonoiden und

Saponinen. Erhältlich

als Tee und Saft.

FOTOS: ADOBE STOCK (2); FOTOLIA (3); GARTENBILDAGENTUR FRIEDRICH STRAUSS; SHUTTERSTOCK

32 my life 17/2025


my life

17/2025 my life

33


GESUNDHEIT

Wenn der kleinste Knochen

große Probleme macht

Auf den ersten Blick scheint das Steißbein nur ein sinnloses Überbleibsel der Evolution zu

sein, dabei erfüllt es wichtige Funktionen – ist aber leider auch anfällig für Schmerzen

? Was kann ich selbst dagegen tun?

Dehn- und Kräftigungsübungen für den

Beckenboden und den unteren Rücken tragen

dazu bei, dass sich Verspannungen lösen und

sich die Stabilität verbessert. Hilfreich ist

auch das Sitzen auf einem gut gepolsterten

und ergonomisch angepassten Schreibtischstuhl.

In der Nacht kann das Schlafen auf der

Seite entlasten, da so der Druck auf das Steißbein

minimiert wird.

Fortsatz Drei bis fünf

kleine, miteinander

verschmolzene Wirbel

bilden das Steißbein

(med. Os coccygis)

In der Nacht kann

es helfen, auf der

Seite zu schlafen

und so den Druck

zu minimieren

PD Dr. med. habil. David-

Christopher Kubosch,

leitender Facharzt für

Unfallchirurgie und

Orthopädie an der

Gelenk-Klinik Gundelfingen

bei Freiburg

Es findet oft erst Beachtung, wenn es

Beschwerden bereitet – das Steißbein.

Schmerzt es, fällt plötzlich jede Bewegung

schwer, sitzen ist kaum möglich. Was viele

nicht wissen: Auch Lebensstil und Haltung

können den winzigen Knochen am Ende der

Wirbelsäule belasten. Im Interview erklärt

Dr. David-Christopher Kubosch, leitender

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

an der Gelenk-Klinik Gundelfingen, warum

das Steißbein mehr Aufmerksamkeit verdient.

? Wofür brauchen wir das Steißbein?

Obwohl eher klein im Format, ist dieser Knochen

als Ansatzpunkt für verschiedene Muskeln

und Bänder essenziell. Er spielt damit

eine zentrale Rolle bei der Stabilität und Beweglichkeit

des Beckens. Gemeinsam mit den

beiden Sitzhöckern dient er zudem als Stütze

in sitzender Position.

? Was sind häufige Auslöser für Schmerzen?

Neben Stürzen führen oft Übergewicht, Fehlhaltungen

und Überlastungen zu Steißbeinschmerzen.

Vielfach ist aber auch zu langes

Sitzen die Ursache einer Prellung. Besonders

häufig kommt es während einer Schwangerschaft

zu Beschwerden. Da sich die Bänder

und Gelenke im Becken lockern, um mehr

Flexibilität für das Wachstum des Babys zu

schaffen, kann sich das Steißbein destabilisieren

und Schmerzen auslösen.

? Wie sinnvoll sind Kälte oder Wärme zur

Selbstbehandlung?

Wärmeanwendungen zur Lockerung verspannter

Muskeln können nützlich sein. Bei

akuten Schmerzen und Entzündungen bringt

eventuell auch ein Kältepack oder eine -kompresse

Linderung. Probieren Sie einfach aus,

was Ihnen guttut.

? Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten Steißbeinschmerzen ohne erkennbare

Ursache auf, sind sie sehr heftig oder bestehen

sie länger als sechs Wochen, sollten Sie einen

Arzt aufsuchen. Die erste Anlaufstelle ist der

Hausarzt. Er schätzt die Beschwerden ein und

überweist gegebenenfalls an einen Facharzt.

? Wie wird therapiert?

Meist lassen sich die Beschwerden mit

schmerz- und entzündungshemmenden Mitteln,

Physio therapie und Massagen gut behandeln.

Falls nötig, injiziert der Arzt gegebenenfalls

örtliche Betäubungsmittel oder Kortison.

Hilft alles nichts, kann in extremen Fällen eine

teilweise oder vollständige Entfernung des

Steißbeins erwogen werden. Diese OP zeigt

allerdings eine hohe Komplikationsrate und

sollte sehr gut abgewogen werden.

? Wie kann ich den Schmerzen vorbeugen?

Achten Sie bitte auf eine möglichst gerade

Sitzposition sowie kontinuierliche Positionswechsel.

Außerdem gibt es spezielle Steißbeinkissen,

die den Druck von dem Knochen

nehmen und dadurch nicht nur bei akuten

Problemen von Vorteil sind.

FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; THOMAS HANSMANN

38 my life 17/2025


Weil Ihre

Meinung

zählt

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GESUNDHEIT

★ MY L

FO L G E

Gemäß Hochrechnungen des

Deutschen Schwerhörigenbundes

e. V. ist hierzulande etwa

jeder fünfte Mensch ab 14 Jahren

hörbeeinträchtigt – mehr als die

Hälfte davon zwar erst leichtgradig,

doch je älter wir werden, desto wahrscheinlicher

schwindet unsere Hörkraft.

„Ab dem fünften Lebensjahrzehnt setzt

bei jedem die schleichende Altersschwerhörigkeit

ein. Beschleunigt wird dieser Prozess

etwa durch Lärmbelastung,

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

oder Diabetes, bestimmte

Medikamente oder Gifte

wie Nikotin“, sagt Prof. Julia

Seiderer-Nack.

Manche dieser Risikofaktoren

lassen sich durch

IFE-SER

besser

essen

gesund

bleiben

Ohrstöpsel, Verzicht oder regelmäßige

„Auszeiten“ für die

Ohren in der Natur minimieren.

„Und je eher sie bei Beschwerden zum Arzt gehen,

desto besser“, sagt die Internistin.

Die Ohren mögen’s blutdruckschonend

Aber auch die Ernährung kann dazu beitragen,

dass wir länger gut hören. Vor einigen

Jahren werteten Wissenschaftler des Bostoner

Brigham and Women’s Hospital Daten von

rund 71 000 Frauen der US-amerikanischen

Nurses’ Health Study aus. Das Ergebnis: „Diejenigen,

die sich überwiegend mediterran oder

nach den Regeln von DASH – einer Diät gegen

Bluthochdruck – ernährten, hatten eine

30 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit,

einen moderaten oder gravierenden

Hörverlust zu erleiden“,

so Prof. Julia Seiderer-Nack.

Beide Ernährungsformen ähneln

sich, setzen überwiegend auf

Obst und Gemüse, Nüsse und Fisch

sowie Olivenöl und gelegentlich mageres

Fleisch. Süßes und Salziges

dagegen gibt es nur in

Maßen. Von dieser gesunden

Ausgewogenheit profitieren die

DAS SCHMECKT DEN OHREN

Hört, hört!

Wer sein Hörvermögen unterstützen will, sollte sich gut mit

bestimmten Mineralstoffen und Vitaminen versorgen.

Die My Life-Expertin weiß, in welchen Lebensmitteln sie stecken

IE ★

3 6 : GUT HÖREN

Ohren. „Da ist zunächst Kalium. Der

Mineralstoff reguliert den Flüssigkeitshaushalt

im Körper und ist mit

dafür verantwortlich, dass insbesondere

das empfindliche Innenohr jederzeit

über das Blut mit Sauerstoff

und Nährstoffen versorgt wird“, erläutert

die Ernährungsexpertin. Gute Quellen

sind z. B. Kartoffeln, Tomaten, Spinat,

Aprikosen, Orangen und Joghurt.

Schutz. Durchblutungsfördernd wirkt auch

Folsäure. „Sie ist zudem an der Neubildung

von Zellen beteiligt – ein wichtiger Faktor, um

den altersbedingten Hörverlust zu verlangsamen“,

sagt Prof. Seiderer-Nack. Folsäure steckt

vor allem in grünem Blattgemüse wie Spinat

und Salat, Hülsenfrüchten, Nüssen, Weizenkeimen,

Vollkornprodukten und Eiern. „Ideal

ist es, das Gemüse nur kurz zu waschen und

lieber zu dünsten statt zu kochen. So bleiben

mehr Nährstoffe erhalten“, rät die My Life-Expertin.

Antioxidantien wie die Vitamine C, E

und Betacarotin bekommt unser Körper über

Eier und Leber, aber auch über Karotten, Feldsalat

und Brokkoli. „Sie bekämpfen freie Radikale

und schützen damit die feinen Haarzellen

im Innenohr“, erklärt die Internistin.

Welche Rolle die Kombination von Calcium

und Magnesium für unser Gehör spielt, untersuchten

kürzlich Forscher des Affiliated Hospital

of Nantong University in China. Sie konnten

den Grund zwar noch nicht entschlüsseln,

vermuten aber, dass eine calcium- und magnesiumreiche

Ernährung das Risiko von Hörverlust

bei älteren Menschen senkt. „Magnesium

liefern uns zum Beispiel Artischocken,

Bananen sowie Nüsse, Tofu, Samen,

Vollkornprodukte und dunkle Schokolade,

Calcium steckt in Milchprodukten,

aber auch Grünkohl und

Rucola“, sagt Prof Seiderer-Nack. ❰

Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack,

Fachärztin für Innere Medizin mit den

Schwerpunkten Ernährungsmedizin

und ganzheitliche Therapie in München;

praxis-seiderer.de

5

fürs Gehör

➊ Mediterran ist gut für die

Ohren – eine ausgewogene

pflanzenbasierte Ernährung

mit viel frischem Gemüse,

Vollkornprodukten und wertvollen

Omega-3-Fettsäuren ist

eine solide Basis

➋ Magnesium, Calcium

und Kalium stellen wertvolle

und wichtige Spurenelemente

für unser Gehör dar – gute

Quellen sind etwa Tomaten,

Spinat, Aprikosen, Orangen

und Milchprodukte sowie

Nüsse, Tofu, Samen und

Vollkornprodukte

➌ Antioxidantien wie

Vitamin C und E schützen

unsere Gehörzellen, ebenso

ist Folsäure wichtig

➍ Finger weg von zu

viel Koffein und Alkohol:

Dadurch können sich die

Blutgefäße im Innenohr

verengen und zu einer

Unterversorgung an Nährstoffen

und Sauerstoff

in den Hörorganen führen

➎ Schutz für unser

Sinnesorgan: Ohrstöpsel

sowie Aufenthalte in der

Natur statt in lärmerfüllter

Umgebung sind eine willkommene

Auszeit fürs Gehör

FOTOS: FOTOLIA (3); SHUTTERSTOCK (2); ADOBE STOCK; PR

46 my life 17/2025


Wildbienen

nisten direkt

unter unseren

Füßen.

Noch kein

Sandarium zu Hause?

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und Anleitung ansehen

Drei Viertel unserer rund 580 heimischen

Wildbienenarten sind sogenannte Bodennister.

Das heißt, sie nisten im Erdreich, in Steilwänden

oder auch Abbruchkanten. Von den Wildbienen

selbstgegrabene Hohlräume dienen als Brutkammern

für ihren Nachwuchs. Bewuchsfreie, sandige

Bodenstellen sind daher ein Muss im eigenen

Bienengarten.“

#beebetter-Experten-Team

#beebetter ist die Insektenschutzinitiative des BurdaVerlag mit der auch Sie zum Insektenschützer werden können.

Alles Infos unter www.beebetter.de

2 my life 16/2025


REISE

Kroatien

Wunderschönes

Zwei Perlen

in der Adria

Sonnenhungrige und naturverbundene Urlauber werden auf

den Inseln Hvar und Brač das Paradies finden. Mediterranes Klima,

viel Grün, dazu goldene Strände – einfach herrlich!

52 my life 17/2025


Karibisch

In unterschiedlichsten

Blautönen leuchtet

das Wasser vor

Kroatiens Küste


GESUNDHEIT

„Jeden Tag spüre ich:

Das Leben ist ein Geschenk“

Sie bekommt erst ein neues Herz, dann eine neue Niere: Sandra Zumpfe ist dem Tod schon

mehr als einmal von der Schippe gesprungen – und möchte anderen Betroffenen Mut machen

worden war – der gleiche, den auch ihr Vater

Roland gehabt hatte. Und dass vor Kurzem

eine Herztransplantation bei ihr durchgeführt

worden ist und sie auf der Warteliste für eine

Spenderniere steht.

Kurzentschlossen. Matthias entschied sich

trotz der vielen Herausforderungen für San dra.

Ein Sieg der Liebe! „Fünf Monate später zogen

wir zusammen, ein weiteres Jahr darauf heirateten

wir“, sagt die 46-Jährige und strahlt

übers ganze Gesicht. Matthias war schnell klar:

Er wollte seiner Frau eine Niere spenden. „Ich

sagte Nein“, erzählt Sandra. Matthias war kerngesund

und sie wollte ihm kein Organ „wegnehmen“.

Außerdem war die Angst, diesen geliebten

Menschen zu verlieren, riesig. Es wäre

nicht der erste in ihrem Leben gewesen …

Zuversicht

Sandra Zumpfe (46)

hat sich immer

ihre positive

Lebenseinstellung

bewahrt – egal, wie es

ihr gerade geht

Solch eine Partnerschaftsanzeige liest

man selten. Während die meisten Menschen

ihre Vorzüge betonen (oder erfinden),

war Sandra Zumpfe vor allem eines: entwaffnend

ehrlich. Sie schrieb: „Suche wahre Liebe,

biete nichts als Ärger.“ Für Matthias Mälteni

war gerade das der Ansporn, sie kennenlernen

zu wollen. „Nichts als Ärger“ konnte er sich

nicht vorstellen. Er meldete sich bei ihr − und

schon während des ersten Gesprächs funkte es!

Sandra vertraute Matthias an, dass bei ihr

mit acht Jahren ein Herzfehler diagnostiziert

So viele Schicksalsschläge

Als sie gerade einmal 16 Jahre alt war, erlitt ihr

Vater, bedingt durch den an Sandra vererbten

Herzfehler, einen Herzinfarkt. Sie fand ihn,

verstand sofort, was los war, und startete eine

Herzdruckmassage. Doch es war zu spät. Ihr

geliebter Papa schaffte es nicht. Mitten in dieser

schwierigen Zeit der nächste Schicksalsschlag:

„Nur acht Wochen später starb meine

Mutter an Darmkrebs. Ich hatte sie zuvor zu

Hause gepflegt“, sagt Sandra. Ihre Schwester

Verena und sie blieben zurück. Sie zogen bei

ihrer Tante Lieselotte ein. Ihre glückliche Jugend

in ihrem Elternhaus war Vergangenheit.

Doch Fortuna kehrte zurück in Sandras Leben:

Mit Ende 20 heiratete sie. Sechs Jahre

Eheglück durfte sie mit ihrem ersten Mann

erleben: Sandras Herzfehler hielten Medikamente

in Schach, aber mit 33 bekam sie starke

Herz-Rhythmus-Störungen. „Ein Jahr später

war klar, dass meine einzige Überlebenschance

eine Herztransplantation ist. Ich nahm die

Ansage des Arztes gefasst auf. Eine Transplantation

war für mich nur noch ein weiterer

Schritt in meinem Kranksein. Aber ich fürchtete

mich, dass das Herz nicht rechtzeitig

kommt, und fragte mich: Werde ich die OP

überleben?“ Eine Zeit des Wartens und Bangens

begann. „Ich war zu nichts imstande,

56 my life 17/2025


konnte den Haushalt nicht machen, nicht einkaufen,

schon nach dem Gang zur Toilette

fehlte mir die Luft.“

In dieser ohnehin schwierigen Phase ein

weiterer Schock: Sandras Ehemann erhielt bei

einem Routine-Check einen schlimmen Befund.

„Anfang 2013 musste seine Herz klappe

rekonstruiert werden“, sagt Sandra. Nur zwei

Tage nach der OP erlitt er einen Herzinfarkt.

„Er war noch fünf Tage an Maschinen angeschlossen.

Als feststand, dass es keine Hoffnung

mehr gibt, wurden die Maschinen abgeschaltet.“

Sandra zog es den Boden unter den

Füßen weg. Erst die Eltern, jetzt der Ehemann.

Und genau da erhielt sie die Nachricht, dass

ein Herz für sie verfügbar ist. „Ich dachte: Nun

brauche ich es auch nicht mehr!“

Doch Sandras Lebenswille siegte. Im März

2013 wurde bei ihr ein Spenderherz transplantiert.

Anschließend erlebte sie den nächsten

Tiefschlag. „Ich hatte durch die OP eine Blutvergiftung,

Nierenversagen und einen Milzinfarkt

– und nach dem Aufwachen eine vollständige

Körperlähmung. Ich konnte mich

nicht bewegen, nicht reden, wurde beatmet –

und keiner nahm sich Zeit, meine Augen- und

Lippenbewegungen zu lesen. Ich hatte

Schmerzen und konnte mich nicht mitteilen.“

Willensstark. Sandra war drei Monate lang

gefangen im eigenen Körper. „Da begann ich

intuitiv zu meditieren. Mein Mantra lautete:

‚Innerer Frieden‘. Das sagte ich vor mich hin.

Immer und immer wieder. Das hat mich damals

mental gerettet.“

In den fünf Monaten im Krankenhaus musste

sie alles neu lernen: die Finger bewegen, die

Zähne putzen … Im August 2013 durfte sie

dann nach einer Reha nach Hause. Da ihre Nieren

durch die OP irreparabel geschädigt waren,

musste sie jedoch jeden zweiten Tag für vier

Stunden zur Dialyse. „Im September 2013 wollten

die Ärzte, dass ich mich für eine Nierentransplantation

listen lasse, denn an der Dialyse

ging es mir immer schlechter“, so Sandra.

Organspende geht unter die Haut

Dabei hatte sie zu diesem

Zeitpunkt ihre erste Transplantation

noch nicht verarbeitet

und war alles andere

als bereit für eine zweite.

Neue Hoffnung

Während dieser schweren

Zeit siegte wieder ihr Lebenswille,

ihr positiver Blick,

ihre innere Kraft. Sie gab

die Kontaktanzeige auf. Und

fand Matthias. Das Paar redete

viel und oft miteinander

über eine Lebendspende.

„Wir brauchten vollkommene

Klarheit, wollten einander

niemals etwas vorwerfen,

sondern füreinander da

sein“, sagt Sandra. Als sie immer schwächer

wurde und es um Leben und Tod ging, sagte

sie schließlich doch Ja zu seinem Angebot.

Im August 2017 wurde die Transplantation

durchgeführt. „Danach stieß mein

Körper Matthias’ Niere ab! Ich bekam Kortison,

um das Immunsystem daran zu hindern

sie zu zerstören. Ich fühlte mich schuldig,

weil mein Körper sie kaputtmachen

wollte“, erinnert sich die heute 46-Jährige

an ihren psychischen Tiefpunkt. Doch nach

vier Wochen erholte sich die Niere. Und

nach einer gemeinsamen Reha fanden Sandra

und Matthias nach und nach in ihr neues

Leben.

Dankbar. Sandra gibt heute ihre Erfahrungen

weiter und engagiert sich ehrenamtlich

als Vorsitzende des Bundesverbandes

für Organtransplantierte. Eine Aufgabe,

die sie erfüllt. „Mir wird jeden Tag neu bewusst,

was für ein Geschenk dieses Leben

ist“, sagt sie, lächelt und blickt auf das Tattoo

auf ihrem Unterarm. Es ist ein Zitat

von Cicero: „Solange ich lebe, habe ich

Hoffnung.“

Schwere Zeiten

An der Dialyse ging

es Sandra immer

schlechter und schlechter

Mein Mantra

lautete: „Innerer

Frieden“. Das hat

mich gerettet

Sandra Zumpfe

trägt ein Spenderherz

in ihrem Körper –

und die Niere

ihres Ehemannes

FOTOS: PRIVAT (2); ADOBE STOCK

Wer bereit ist, zu spenden, sollte einen

Organspendeausweis haben. Doch man

kann noch mehr tun. Zum Beispiel mit

dem Organspende-Tattoo Optink

Wie bekommt man es?

Es wird in über 700 teilnehmenden Tattoostudios

in Deutschland gestochen – oft

sogar kostenlos. Eine Liste teilnehmender

Studios finden Sie unter: junge-helden.org

Was bedeutet das Tattoo?

Die Tätowierung ist ein persönliches Statement

und zeigt: „Ich bin bereit, nach meinem

Tod Organe zu spenden.“ Es besteht

aus einem Halbkreis, der mit einem weiteren

Halbkreis zu einem ganzen ergänzt

wird (siehe Foto rechts). Das Tattoo soll

in erster Linie Gespräche anregen – und

Angehörigen im Ernstfall die Entscheidung

erleichtern.

Ist es rechtlich bindend?

Nein. Das Tattoo ersetzt

keinen offiziellen Organspendeausweis.

Im Notfall

müssen Ärztinnen und Ärzte darauf oder

auf das digitale Register zurückgreifen

können. Deshalb unbedingt immer einen

Organspendeausweis ausfüllen, bei sich

tragen und die Entscheidung mit Angehörigen

besprechen.

17/2025 my life

57


GESUNDHEIT

Sprechstunde Beim Anamnesegespräch grenzt der Arzt mögliche Ursachen ein

ALARMSIGNAL

Die Pfunde purzeln

ungewollt? Vorsicht!

Schwinden Appetit und Gewicht über längere Zeit, kann das im Alter ein Hinweis

auf eine ernsthafte Erkrankung sein. Kommen gar Symptome wie Schmerzen oder

Abgeschlagenheit hinzu, ist es höchste Zeit, einen Arzt zu konsultieren

Hochtourig Eine Überfunktion

der Schilddrüse

lässt den Kalorienbedarf

stark ansteigen

Ein paar Kilos weniger auf der Waage –

davon träumen viele Menschen mittleren

Alters. Nicht umsonst haben Diäten aller

Art immer Konjunktur. In höheren Jahren

hingegen schwinden die Pfunde oft ohne dass

man es möchte – mitunter mit gefährlichen

Folgen. Denn mit dem Gewichtsverlust gehen

auch Leistungsfähigkeit und Muskelmasse

verloren. Senioren stürzen schneller, können

sich komplizierte Brüche zuziehen.

Die Ursachen sind vielfältig

Kritisch wird es, wenn ältere Menschen über

zehn Prozent ihres Körpergewichts innerhalb

eines halben Jahres verlieren. Spätestens

dann sollten sie ihren Arzt aufsuchen. Erst

recht, wenn sich weitere Symptome wie

Schmerzen, Verdauungsbeschwerden, Fieber

oder Abgeschlagenheit zeigen. Denn hinter

ungewolltem Gewichtsverlust können ernsthafte

Erkrankungen stecken – beispielsweise

ein Diabetes und eine Schilddrüsenstörung,

außerdem Parkinson, Demenz oder ein Tumor.

Auch manche Medikamente können einem

den Appetit verderben wie etwa Herzmittel

mit Digitalis, bestimmte Asthmamittel, Medikamente

gegen die Aufmerksamkeitsdefizit-/

Hyperaktivitätsstörung (ADS/ADHS), Antidepressiva

und andere Psychopharmaka. Nicht

optimal sitzende Zahnprothesen oder Schluck-

FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; SHUTTERSTOCK; ADOBE STOCK

66 my life 17/2025


Männer über 65 Jahren sollten

mindestens 2 100 kcal täglich

zu sich nehmen, Frauen nicht

weniger als 1700 kcal

störungen kommen ebenfalls als Ursache infrage.

Oft ist es auch die Psyche, etwa eine

depressive Verstimmung oder das Gefühl von

Einsamkeit, die bei älteren Menschen zu weniger

Appetit führt.

So kommt der Spaß am Essen zurück

In so einem Fall kann es helfen, öfter mit Angehörigen

oder Freunden zu essen. Wer einen

veränderten Geschmackssinn im Alter verspürt,

sollte im Zweifelsfall kräftiger würzen –

aber nicht mit Salz, sondern mit Kräutern,

Curry & Co. Ebenfalls appetitfördernd ist Ingwerwasser.

Dafür einfach ein paar Scheiben

Ingwer mit heißem Wasser übergießen, ziehen

lassen und über den Tag verteilt trinken.

Bitteres wie Grapefruit oder Rucola kurbelt

die Verdauung an.

Große Portionen schaffen viele Senioren

nicht mehr. Indem sie mehr kleinere Mahlzei-

ten über den Tag verteilen, stellen sie dennoch

die notwendige Kalorienzufuhr sicher. Männer

über 65 Jahren sollten mindestens 2100 kcal

täglich zu sich nehmen, Frauen nicht weniger

als 1700 kcal. Und weil das Auge bekanntlich

mitisst, sollten die Gerichte appetitlich auf

dem Teller angerichtet sein.

Wichtig für Knochen und Muskeln ist vor

allem ausreichend Eiweiß. Gute Lieferanten

sind Fisch, Eier, Käse sowie Milch, aber auch

Erbsen und Linsen. Für den Erhalt der Muskeln

sorgen – neben ausreichend Bewegung –

viel frisches Obst und Gemüse, Nüsse, Vollkornprodukte

sowie gesunde Öle. ❰

Kontrolle Ältere Menschen sollten ihr Gewicht

immer im Blick behalten

10 %

Gewichtsverlust

innerhalb eines

halben Jahres sind

bei Senioren ein

Alarmsignal

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Thema auf

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17/2025 my life

67


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Geschäftsführung:

Leonie Bücher, Elisabeth Varn

Brand Director: Dorothe Kiefer

My Life-Redaktion: Postfach 15 20,

77605 Offenburg (Tel.: 07 81/84 01) und

Große Elbstraße 59–63, 22767 Hamburg

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Mitarbeiter dieser Ausgabe: Frauke Förster, Sonja

Fröhlich (FOCUS), Isabelle Fuhrmann, Johanna Günther,

Allegra Isert, Miriam Noll, Alexandra Rinecker,

Aline Scheuböck, Susanne Wittlich, Mareike Ziebarth,

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Experten dieser Ausgabe: Priv.-Doz. Dr. med. Thomas

Bobbert; Charles Duhigg; Prof. Dr. rer. nat. Markus

Egert; Dr. med. Anja Maria Engelsing; Nico Fichtler;

Univ.-Prof. Dr. Ingo Froböse; Dr. med. Timm Golüke; Dr.

Heinz Kleinöder; PD Dr. med. habil. David-Christopher

Kubosch; Dr. med. Volker Schmiedel; Dr. med. Christian

Schneider; Dr. med. Thomas Schneider; Prof. Dr. med.

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Ioannis Hatzianastassiou

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Maar †; Dt. Alzheimer Stiftung, Heike von Lützau-

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74 my life 17/2025

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