db 01-2012 WEB
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durch.
blick
Nr.1/2012
26.Jahrgang
kostenlos
Autorenzeitschritt
... nicht nur für Senioren
MEINUNGEN
INFORMATIONEN
PERSPEKTIVEN
UNTERHALTUNG
KULTUR
LEBEN AUF AUGENHÖHE ?!
Gedanken zum Beziehungswandel der Generationen
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Inhaltsübersicht / Aus der Redaktion
Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein 6
Leben auf Augenhöhe 16
Der besondere 1. April 19
Ostergedanken 20
Frühlingsgedichte 21
Opa, glaubst du an Gott? 22
Zeitgedichte 23
Ich erzähl dir eine Geschichte 24
Die Bärenfamilie 26
Haarige Besucher 27
Ovis Tagebuch 28
Krimi-Tipp: Tod im Lokschuppen 29
Werke aus der durchblick-buchreihe 30
Krötenwanderung 31
Jahrmarkt der Eitelkeiten 32
Das besondere Konzertjahr 34
Deutsche Sprak 35
„Armer Schnierer“!? 36
Warum sollten Besucher 38
Vorgestellt:Wolfgang Hobinka 42
Langer Atem ist nötig 44
Grundzüge einer erfolgreichen Seniorenpolitik 46
... durch Krieg und große Schrecken 48
Gedächtnistraining 54
„Angst essen Seele auf“ 56
Veranstaltungen im Haus Herbstzeitlos 64
Veranstaltungshinweise 65
Vom Winde verweht... 70
Die Angst läuft mit 71
Leserbriefe 72
Es fiel uns auf... / Lösungen 74
Impressum / Zu guter Letzt 74
Nach Erscheinen unserer Jubiläumsausgabe ist vielen Leserinnen und Lesern aufgefallen,
dass der Titelschriftzug neuerdings um den Zusatz „gemeinnützige Autorenzeitung“
erweitert wurde. Was hat es damit auf sich?
Autorenzeitung: Der durchblick ist die Zeitung seiner Mitarbeiter, ist unsere Zeitung!
Jeder Redakteur ist frei in der Wahl seiner Beiträge! Wir lassen unterschiedlichste Sichtweisen
zu, wollen Meinungsvielfalt! Das kann zur Folge haben, dass der ein oder andere
Beitrag nicht immer Ihrer Sichtweise entspricht, Sie vielleicht sogar ärgert. Bei aller Kritik
können Sie jedoch davon ausgehen, dass wir Inhalte gewissenhaft recherchieren und nach
bestem Wissen und Können aufbereiten.
Gemeinnützig: Die Herausgabe der Zeitschrift durchblick wird von der Stadt Siegen und
dem Kreis Siegen-Wittgenstein finanziell unterstützt. Der durchblick verfolgt keinerlei wirtschaftliches
Interesse, der Verkauf der Werbeanzeigen dient der Herstellung der Zeitung und
ermöglicht darüber hinaus die Verwirklichung weiterer Projekte (Hörbuch, Buchverlag). Im
letzten Jahr konnten wir die einhundertste Ausgabe des durchblick feiern. In diesem Jahr werden
die Mitarbeiter der durchblick-buchreihe ihr fünfzigstes Buch erstellen und die noch junge
Hörbuch-Gruppe hat schon 20 CD's eingelesen. Viele Menschen im nachberuflichen Lebensalter
bringen sich, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, in unserere Projekte ein. Sie machen
damit nicht nur Ihnen eine Freude, sondern, wie kürzlich Daniela Sadelkow-Gessner, Chefredakteurin
der „Kreuztaler Seniorenpost“ in einem Gespräch über das Ehrenamt anmerkte:
„Freude machen macht selbst Freude“.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine schöne Frühlingszeit und natürlich viel
Freude beim Le sen des neuen durchblick.
GSS
Gesundheits-Service
Siegen
Näher am Menschen
Die Dienstleistung von Mensch zu
Mensch ist die Hauptaufgabe der
etwa 400 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter in unseren Wohn- und
Pflegeeinrichtungen
Marienheim Weidenau
Haus St. Elisabeth Netphen
Haus St. Raphael Burbach
Haus St. Klara Friesenhagen
Haus Mutter Teresa Niederfischb.
Wir als christliche Organisation
haben es uns zur Aufgabe gemacht,
älteren Menschen ein behagliches
Zuhause zu geben, in dem sie Lebensqualität
und Freude im Alter
finden.
GSS Wohn- und Pflegeeinrichtungen,
Kampenstraße 51, 57072 Siegen,
Telefon: (0271) 231-2104 oder unter
www.marienkrankenhaus.com
Der GSS Gesundheits-Service Siegen ist ein Unternehmen
der St. Marien-Krankenhaus Siegen gem. GmbH
1/2012 25 Jahre durchblick 3
Kultur erleben und mit allen Sinnen genießen – Hilchenbach bietet dazu viele Gelegenheiten.
In einer Zeit, in der von den Menschen immer größere Flexibilität und Leistungsfähigkeit verlangt wird, bietet ein erstklassiges Kulturangebot
einen wertvollen Ausgleich für Geist und Seele. Theater, Konzerte und Kabarett vermitteln Kunst als ganz persönliches Erlebnis.
8. März
Springmaus
Mit ihrem neuen
Programm „Büro-Büro“
taucht die Bonner-Truppe
in Tiefen und Untiefen
der Bürowelt ein.
18. März
Die maskierten
Liebhaber
„Gli amanti mascherati“,
Uraufführung der
komischen Oper von
Niccoló Piccinni.
20. März
Kollaboration
Schauspiel von Ronald
Harwood. Peter Bause in
der Hauptrolle auf der
Suche nach Moral und
Integrität des Menschen.
29. März
Das überleben wir
Heinrich Pachl, ein
Schwergewicht unter
den Kabarettisten. Im
WDR 3 zu Hause, nun
erstmals in Erndtebrück.
Gebrüder Busch-Theater, Bernhard-Weiss-Platz 6, Hilchenbach-Dahlbruch
Karten erhältlich im Bürgerbüro Hilchenbach, Tel. 02733/288-134, Gebrüder-Busch-Kreis, Tel. 02733/53350
Weitere Infos und Buchungsmöglichkeiten: www.gebrueder-busch-kreis.de und www.proticket.de
Partner in Sachen Weiterbildung
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im Kreisgebiet von Februar 2012
20 Kurse
Englisch für Ältere
Vom Einseigerkurs bis zu Fortgeschrittenen
Siegen-Wittgenstein
Unsere Volkshochschule
in Bad Berleburg, Bad Laasphe, Burbach, Erndtebrück, Freudenberg,
Hilchenbach, Kreuztal, Netphen, Neunkirchen und Wilnsdorf
Infos unter Tel. 02 71-3 33 15 19 | Fax 02 71-3 33 14 70 | www.siegen-wittgenstein.de/vhs
11 Computerkurse für Ältere
in fast allen Städten
und Gemeinden des Kreises
209
Gesundheitskurse
Yoga, Qigong, Autogenes Training,
Feldenkrais, Meditation, etc.
Herzlich willkommen in Ihrem SATURN !
„Bei uns
stehen die
Kunden nicht
im Regen“,
sagt Saturn-
Geschäftsführer
Jürgen
Beul aus Siegen
und meint das wortwörtlich!
Er verweist damit auf die neue
Saturn - Abholstation im Lieferbereich
der City- Galerie,
in der die Kunden neuerdings
warm und bequem auf die
Verladung der – bei Saturn gekauften
– Geräte warten können.
Sobald sich der Kunde für
ein Großgerät entschieden
hat, wird ihm von einem der
freundlichen Saturn-Mitarbeiter
der neue Kofferraum-
Service angeboten. Der Kunde
muss mit seiner Neuanschaffung
im Auto nur noch losfahren,
denn seine neu erstandene
Waschmaschine, sein neuer
E-Herd oder Fernseher wurden
vom Saturn- Mitarbeiter zum
Auto transportiert und fachgerecht
verladen.
Daneben gilt natürlich weiterhin
der sprichwörtliche
Saturn-Service, der in diesem
Fachmarkt bekanntlich einen
hohen Stellenwert besitzt.
„Qualifizierte Betreuung durch
speziell ausgebildete und geschulte
Fachberater sowie ein
umfangreicher Kundendienst
sind Eckpfeiler des Fachmarktkonzepts“
so erläutert Jürgen
Beul weiter.
Nach wie vor steht ein Liefer-,
Reparatur- und häuslicher
Montageservice zur Verfügung
sowie die fach- und umweltfreundliche
Entsorgung von
Altgeräten.
SATURN Siegen, City-Galerie, Bahnhofstraße 4 0271-2338-0 • Öffnungszeiten: Mo. - Sa. von 9:30 Uhr bis 20:00 Uhr
Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein
Siegener Senioren wählen per Briefwahl
Kandidaten und Kandidatinnen gesucht
Siegen. Zum zweiten Mal komplett per
Briefwahl starten in einigen Wochen die
Wahlen zum Seniorenbeirat der Stadt
Siegen.
Knapp 30.000 Menschen ab dem Alter
von 60 Jahren sind dann aufgerufen,
ihr Votum abzugeben. Gewählt wird in
sechs Stimmbezirken, pro Bezirk werden
drei ordentliche und drei stellvertretende
Mitglieder gewählt. Die einzelnen
Stimmbezirke sind Geisweid, Weidenau,
Siegen-Ost, Siegen-Mitte, Siegen-
West und Siegen-Süd.
Welche Aufgaben hat der
Seniorenbeirat?
Der Seniorenbeirat ist beratendes Gremium
für den Rat und seine Ausschüsse.
Er soll bei der Planung und Umsetzung
von Angeboten mitwirken,
die spezifischen Belange der
älteren Generation im Zusammenhang
kommunalen Lebens
aufzeigen, insbesondere der
Wohn- und Baugestaltung,
Verkehrs- und Infrastrukturplanung,
Kultur-, Freizeit- und
Bildungsbereiche, Planung
und Konzipierung sozialer
Dienste und Einrichtungen und
bei der Gestaltung sozialen Zusammenlebens.
Der Seniorenbeirat hat die
Aufgabe, die Mitwirkungsmöglichkeiten
älterer Mitbürgerinnen
und Mitbürger bei
kommunalen Entscheidungen
zu verbessern, Initiativen Älterer
zu begleiten und zu unterstützen. Er
soll dazu beitragen, persönliche Fähigkeiten
und Kenntnisse, soziale Kompetenz,
organisatorische Fähigkeiten, Kreativität
und Ideenreichtum für das Gemeinwohl
nutzbar zu machen. Gleichzeitig ist er die
Interessenvertretung hilfe- und ratsuchender
älterer Menschen.
Die Wahlperiode dauert fünf Jahre.
Wie wird die Wahl ablaufen?
Die Briefwahlunterlagen werden den
Wahlberechtigten per Post zugestellt.
Maximal drei Bewerber dürfen dann
angekreuzt werden.
Wer kann kandidieren?
Wahlberechtigt und selbst auch wählbar
sind alle Einwohner/-innen, die am
31. Juli 2012 das 60. Lebensjahr vollendet
haben und die seit dem 30. April
2012 ihren Hauptwohnsitz in Siegen haben.
Voraussetzung ist weiterhin, dass
keine Tatbestände vorliegen, die nach
dem kommunalen Wahlrecht einen Ausschluss
zur Folge hätten.
Die Wahlberechtigen sind nur in dem
Bezirk, in dem sie mit Hauptwohnsitz
gemeldet sind, wählbar.
Was muss bei einer Kandidatur
beachtet werden?
Wahlvorschläge können bis 60 Tage
vor dem 31. Juli 2012 beim Wahlleiter
eingereicht werden. Wahlleiter ist der
Bürgermeister. Die „Regiestelle Leben
im Alter“ der Stadt Siegen ist für die
Abwicklung der sich aus der Wahlordnung
ergebenden Aufgaben zuständig
und fungiert als Büro des Wahlleiters.
Wahlvorschläge müssen von mindestens
20 Wahlberechtigten des jeweiligen
Stadtbezirks unterstützt werden. Jede/r
Wahlberechtigte darf nur eine Unterstützungsunterschrift
abgeben.
50 Tage vor dem 31. Juli 2012 entscheidet
der Wahlausschuss über die Zulassung
der eingereichten Wahlvorschläge.
Weitere Informationen, Unterstützung
bei der Kandidatur sowie Vordrucke
für die entsprechenden Unterschriften
erhalten Sie bei der
Stadt Siegen
Regiestelle Leben im Alter
Weidenauer Str. 211-213
57076 Siegen
℡ 0271/404-2200 oder 404-2202.
6 25 Jahre durchblick 1/2012
Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein
Dahlbrucher Kino-Team im „Labyrinth der Wörter“
Vierte Staffel „Ohne ALTERsbeschränkung“
„Das Labyrinth der Wörter“ fand das Organisationsteam
um Kino-Chef Jochen Manderbach in
der Kreuztaler Bücherei (Dreslers Park).
Hilchenbach. Die vierte „Staffel“ des
Kino-Projektes „Ohne ALTERsbeschränkung“
(Seniorenkino zu günstigen
Preisen) steht. Ab 19. März kommen
die Freunde erlesener „Streifen“
wieder auf ihre Kosten. Das bedeutet:
Bis Oktober flimmern acht Filme der gehobenen
Klasse über die Leinwand des
Viktoria-Kinos. Das Organisationsteam
mit Kinochef Jochen Manderbach und
Mitarbeiterinnen der Diakoniestation
Kreuztal, der Siegener Regiestelle Leben
im Alter und den Senioren-Servicestellen
Kreuztal und Hilchenbach stellte
auch in diesem Jahr wieder ein Pro-
Foto: Dieter Gerst
gramm auf die Beine, das sich
im wahrsten Sinne des Wortes
sehen lassen kann.
Der Startschuss für die Senioren-Reihe
fiel am 16. März
2009. Heute gehört die Seniorenkino-Aktion
zum festen Bestandteil
des Viktoria-Programmangebots.
Und schon zu Beginn
hatte Jochen Manderbach klipp
und klar erklärt: „Qualitätskino
steht im Vordergrund. Wir wollen
kein Heinz-Rühmann-Festival.“
Manderbach 2012: „Auch
in diesem Jahr werden wir nicht
in Nostalgie schwelgen und alte
Klassiker aufwärmen. Vielmehr
haben wir wieder recht anspruchsvolle
Filme ins Programm genommen, die sich
mit der gegenwärtigen Lebenswelt unseres
Publikums auseinandersetzen.“
Diese Einstellung wurde von Anfang
an ein Erfolgsrezept. Jährlich kamen
stets über 1000 Besucher zu den Vorstellungen
dieser Reihe. Jochen Manderbach:
„ So konnten wir im Schnitt zu
jeder Vorstellung 125 Gäste begrüßen.
Ein tolles Ergebnis, auf das wir stolz
sind und das uns ermutigt, den eingeschlagenen
Weg fortzusetzen.“
Bewährt hat sich auch, dass bereits um
16 Uhr Einlass ist und sich die Besucher/
innen bei Kaffee und Kuchen (sozialverträgliche
Preise) auf das Leinwandereignis
(ab 17 Uhr) einstimmen können:
Treffpunkt Kino! Das sozial engagierte
Seniorenkino-Team sorgte auch dafür,
dass Menschen mit Handicap nicht außen
vor bleiben: Ein spezieller Bus-Service
ist und bleibt im Angebot. Dieter Gerst
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Dienstag: 09.00 - 12.00 Uhr
(Peter Bahnschulte; im Bild rechts)
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(Wolf Heller; links)
sowie nach Vereinbarung.
Senioren auf Tour
Siegen: Der Seniorenbeirat der Stadt
Siegen hat sein Angebot an Halbtagesfahrten
wieder aufgelegt. Mit Jürgen
Ritter als Fahrer und „Fremdenführer“
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Reisekosten auch Kaffee und Kuchen.
Als Ziele für die Monate März bis
Mai sind der Tierpark Niederfischbach,
die Obernautalsperre und die
Breitenbachtalsperre vorgesehen. Abfahrt
ist immer um 14 Uhr, ab dem
Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos,
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Die vorherige Anmeldung ist unbedingt
erforderlich! ℡ 0271-682299. •
1/2012 25 Jahre durchblick 7
Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein
„Älter werden mit Gewinn – vielfältig und selbstbestimmt“
Rita Süssmuth in Netphen
Netphen. Die Senioren-Service-Stelle
der Stadt Netphen lädt im Rahmen der
Generationen- und Seniorenarbeit zu einem
öffentlichen Vortrag mit der ehemaligen
Bundesministerin und langjährigen
Bundestagspräsidentin Professor Dr. Rita
Süssmuth (Bild) Freitag, 20. April 2012
ab 19 Uhr in die Georg-Heimann-Halle
in Netphen ein.
Der demografische Wandel hat das
Alter, unsere Erwartungen an das Alter
und die so genannte nachberufliche Lebensphase
revolutioniert. Noch nie waren
die Aussichten so gut wie heute, bei guter
Gesundheit ein hohes Alter zu erreichen
und gebraucht zu werden.
Wer immer wieder Neues erlebt und
ausprobiert, neugierig bleibt und am Leben
teilnimmt, der hält sich jung, hat Spaß
am Alter und schiebt das geistige, körperliche
und seelische Älterwerden hinaus.
Die Lebensfreude im Alter steigt, wenn
man sich engagiert und aktiv ist und sich
anderen Menschen zuwendet.
Es ist wichtiger denn je, selbstbestimmt
das Älterwerden in eigener Verantwortung
zu gestalten und rechtzeitig die Weichen
für die Zukunft zu stellen.
Die Referentin Rita Süssmuth wurde
1937 in Wuppertal geboren und studierte
in Münster, Tübingen und Paris Romanistik
und Geschichte. Nach der Promotion
war sie Professorin
an den
Universitäten
Bochum und
Dortmund.
Heute arbeitet
die Christdemokratin
als
Honorarprofessorin
an
der Universität Göttingen und engagiert
sich in verschiedenen Institutionen. 1985
wurde sie Bundesministerin für Jugend,
Familie und Gesundheit, von 1988 bis
1998 war sie Präsidentin des Deutschen
Bundestages. Infos ℡ 02738/603-145 ●
Autorenfoto
Kunstausstellung in der Galerie Giesler
Autorenfoto
Kreuztal. Aquarelle von Eberhard Meiswinkel
sind ab dem 18. 03. 2012 in der
Galerie Giesler, Kreuztal, Ernsdorfstraße
10 ausgestellt. Eberhard Meiswinkel
zeigt sieben Bilder zur Schöpfung in
abstrakter Malweise, die sich auf die
sechs Schöpfungstage der Bibel beziehen.
Ebenso Werke zu Themen der vier
Jahreszeiten. Meiswinkel wurde 1940
in Flammersbach geboren. Schon als
Schüler war Zeichnen und Malen eins
seiner Lieblingsfächer. Als junger Mann
erwarb er seine ersten Kenntnisse bei
dem Kunstmaler Hermann Manskopf.
Nach anfänglicher Berufstätigkeit
begann er ein zweites Studium für das
Lehramt an berufsbildenden Schulen.
Im Wahlfach „Kunst und Gestaltung“
konnte er sein Hobby wieder beleben
und erhielt eine umfassende Ausbildung
in Malerei, Kunstgeschichte und Plastischem
Gestalten.
Die von Teo Meier-Lippe 1947 gegründetete
„Malfachschule“ übernahm
er 1975. Sie wurde dann die „Schule für
Gestaltung“. Mit Kunstmaler Walter
Helsper und Bildhauerin Ruth Fay erstellte
er ein neues Programm.
Mit Eintritt in seinen Ruhestand begann
Meiswinkel sich mit der Aquarelltechnik
auseinanderzusetzen. Seit 2002
inspirierten ihn immer mehr Motive der
Bibel. Nach dem Zyklus zur Schöpfungsgeschichte
entstanden Bilder zum Vaterunser
und Einzelthemen.
Nach vielen Ausstellungen in der Region,
zeigt er seine Werke jetzt, gemeinsam
mit der Künstlerin Andrea
Minutillo aus Freudenberg und dem
Designer Marc Babenschneider aus
Kreuztal, in der Galerie Giesler in
Kreuztal. Besichtigung der Ausstellung
während der Veranstaltungen oder nach
Vereinbarung. ℡ 02732/1354 ●
Tanzen als Sport
Geisweid. Auch im Alter ist es wichtig,
körperlich aktiv zu bleiben. Seit
Januar 2012 bietet die Tanzsportgemeinschaft
Blau-Gold Siegen e.V.
Tanzen für Senioren an. Neben Tanzen
steht das Beisammensein mit Gleichgesinnten
im Vordergrund. Sie bietet
die Gelegenheit, neue Kontakte zu
knüpfen und eine fröhliche Gemeinschaft
zu erleben. Jede/r kann alleine
kommen, denn in der Gruppe wird ohne
festen Partner getanzt. Die Tänze
sind abwechslungsreich und vielseitig,
aber leicht erlernbar. Vorkenntnisse
sind daher nicht erforderlich. Auch
wer nicht mehr so beweglich ist, kann
bei den langsamen Tänzen mitmachen.
Wichtig ist lediglich die Freude
an der Bewegung. In den Räumen der
Tanzschule Agne-Prescher trifft sich
die Gruppe jeweils am Freitag von
17-18:15 Uhr. Ein Einstieg ist jederzeit
möglich. Eine Anmeldung ist erforderlich
℡. 0271/7411336. ●
8 25 Jahre durchblick 1/2012
Autorenfoto
Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein
„Stell dir vor, Oma hat ...“
Berührendes Theaterstück zumThema Demenz
Netphen. „Stell dir vor, Oma hat… – seltsame
Dinge getan; – alles durcheinander
gebracht; – oder x-mal dasselbe gesagt…
– Stell dir vor, Oma hat – Alzheimer.“
Die vier kreativen Frauen der KulturWerkStadt
Netphen, ein Projekt der
Alzheimer Gesellschaft Siegen e.V.,
(Tina Birkholz, Nicole Schmallenbach,
Alexandra von Lintig und Tanja Prinz)
haben sich das vorgestellt. Heraus kam
ein Theaterstück der besonderen Art zu
einem schwierigen Thema. Ein Thema,
das uns mittlerweile überall
begegnet. Aber auch ein Thema,
bei dem wir lieber wegsehen
würden.
Die jungen und alten Schauspielenden
haben sich bei den
Aufführungen eingefühlt in die
veränderte Art, wie ein Mensch
mit einer Demenz denkt, fühlt
und handelt – und was es mit
den Familienangehörigen und
den Freunden und Bekannten
macht. Sie haben sich in die oftmals fremde
Welt der Demenz begeben und stellen
Gefühle und Befindlichkeiten dar, die
man nur von außen kennt. Sie zeigen die
Schmerzen, aber auch manches Heilsame
in diesem Prozess.
Die Keimzelle für das Thaterprojekt
befand sich im Übrigen in Netphen. Frau
Melani Kopelke war die Ideengeberin.
Weitere Informationen über die Seniorenservicestelle
Netphen ℡ 02738-
603145. Andrea Schäfer-Bottenberg
Foto: Eva Vitt
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Tagespflege Villa Bohn möchten, dass ihre
Besucher freudig am Leben teilnehmen.
Jeder Gast bekommt die Hilfe, die er - unter
Einbeziehung der eigenen Fähigkeiten -
benötigt.
Kein Platz für Altersgrenzen!
BAGSO zum Jahr für aktives Altern
Bonn. In einem Grundsatzpapier fordert
die Bundesarbeitsgemeinschaft der
Senioren-Organisationen (BAGSO),
die über ihre 109 Mitgliedsverbände
rund 13 Millionen ältere Menschen in
Deutschland vertritt, Altersgrenzen aufzuheben
und die mit ihnen verbundene
Altersdiskriminierung zu beenden.
„Altersgrenzen werden der höchst
unterschiedlichen Entwicklung von
Menschen nicht gerecht und sind in
höchstem Maße diskriminierend. Zudem
verhindern sie, dass ältere Menschen
ihre Kenntnisse und Kompetenzen
in die Gesellschaft einbringen können.
Und das können wir uns als alternde Gesellschaft
gar nicht leisten“, so die Vorsitzende
der BAGSO und frühere Bundesfamilienministerin
Prof. Dr. Ursula
Lehr.
Auf der Grundlage eines einheitlichen
Bezugspunktes für die Rentenberechnung
(Regelaltersgrenze)
sprechen sich die Seniorenorganisationen
für eine Flexibilisierung von
Lebensarbeitszeiten auf freiwilliger
Basis aus. Flankiert werden muss dies
durch die Einführung eines – das
gesamte Arbeitsleben begleitenden
– Alternsmanagements in Betrieben.
Starre Altersgrenzen für bestimmte
Berufe stellen eine unverhältnismäßige
Einschränkung des Grundrechts
auf Berufsausübung dar.
Auch für den Bereich des ehrenamtlichen
Engagements spricht sich
die BAGSO für ein Umdenken aus.
Weiter plädieren die Seniorenorganisationen
für einen erweiterten
Diskriminierungsschutz im Bereich
des Zugangs zu Dienstleistungen. So
müssen Banken und Versicherungen
zu mehr Transparenz verpflichtet werden,
um ungerechtfertigte Ungleichbehandlungen
erkennen und verhindern
zu können.
bagso
anvertrauten Menschen als Einheit von
Körper und Seele zu sehen.
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SeniorenServiceStellen des Kreises Siegen-Wittgenstein
Bad Berleburg
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Poststr. 42 57319 Bad Berleburg
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Mo-Mi. u. Fr. 8.30-12.30 Uhr und 14.00-16.00 Uhr
Do. 8.30-12.30 Uhr und 14.00-18.00 Uhr
Stadt Siegen
Manuela Krafft 0271/404-2200
Weidenauer Str. 211-215 57076 Siegen
m_krafft@siegen.de
Mo-Fr. 8.00-12.00 Uhr
Gemeinde Erndtebrück
Udo Schneider 02753/605-124
Talstr. 27 57339 Erndtebrück
u_schneider@erndtebrueck.de
Mo-Fr 8.00-12.00 Uhr u. Do 14.00-16.00
Stadt Freudenberg
Heike Weigel 02734/43-174
Mórer Platz 157258 Freudenberg
h_weigel@freudenberg-stadt.de
Mo-Fr 8.00-12.30 Uhr
Di 14.00-16.00 Uhr u. Do14.00-17.00 Uhr
Stadt Bad Laasphe
Gisela Homrighause 02752/909-153
Mühlenstr. 20 57334 Bad Laasphe
g_homrighause@bad-laasphe.de
Mo, Di, Mi, Fr. 8.30-12.00 Uhr
Do. 14.00-17.00 Uhr
Stadt Kreuztal
Helga Rother 02732/51-314
Siegenerstr. 5 572223 Kreuztal
h_rother@kreuztal.de
Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr
Gemeinde Burbach
Christine Sahm 02736/45-56
Eicher Weg 13 57299 Burbach
c_sahm@burbach-siegerland.de
Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr
Stadt Hilchenbach
Annette Kreutz 02733/288-117
Marktstr. 13 57271 Hilchenbach
a_kreutz@hilchenbach.de
Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr
Stadt Netphen
Eva Vitt 02738/603-145
Amtsstr. 6 57250 Netphen
e_vitt@netphen.de
Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr
Ihr Ansprechpartner:
Reiner Jakobs
Zukunftsinitiative
Siegen-Wittgenstein 2020
Gemeinde Wilnsdorf
Jutta Schmidt 02739/802-129
Marktplatz 1 57234 Wilnsdorf
j_schmidt@wilnsdorf.de
Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr
Programmleitung
„Leben und Wohnen im Alter“
Servicezentrum für soziale Beratung,
Betreuung und Prävention
Gemeinde Neunkirchen
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10 durchblick 4/2011
Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein
Siegener Seniorenbeirat nimmt sich viel vor
Mammutsitzung zum Jahresende
Siegen. Mit einer dreistündigen „Mammutsitzung“
im Rathaus Siegen beendete
der Seniorenbeirat der Krönchenstadt
das Jahr 2011. Dabei ging es schwerpunktmäßig
um das Thema „Altern und
Pflege“ sowie um die Probleme und Belastungen
pflegender Angehöriger.
Große Aufmerksamkeit fand dabei
zunächst das Referat von Udo Knopp
von der „Regiestelle Leben im Alter“
zur Einzelfallberatung für Senioren.
Die Erfahrungen des Referenten bei
zahlreichen Hausbesuchen machten
deutlich, wie unterschiedlich die Probleme
sind, die ältere pflegebedürftige
Menschen und ihre Angehörigen haben.
Bei nur einer Stimmenthaltung
stimmte der Beirat sodann einem Antrag
von Arbeitskreissprecher Dr. Wolfgang
Bauch zur stationären Pflege zu. Der
Arbeitskreis Gesundheit und Pflege des
Seniorenbeirats hatte sich zuvor intensiv
mit den heimischen Alten- und Pflegeeinrichtungen
beschäftigt. So beschloss
der Seniorenbeirat mit großer Mehrheit,
sich für verbesserte Bedingungen in
der stationären Pflege einzusetzen und
hierbei besonders die Aspekte Erweiterung
der Stellenpläne, Entgeltregelung,
Auslagerung von Dienstleisungen so-
Foto: Dieter Gerst
Der Siegener Seniorenbeirat auf seiner letzten Sitzung im Jahr 2011
wie Ethik in der Pflege anzusprechen.
100.000 neue Fälle der Pflegestufe I
gebe es nach Auskunft des NRW- Gesundheitsministeriums
in Nordrhein-
Westfalen, berichtete Dr. Horst Bach bei
der Vorstellung der Ergebnisse einer Tagung
des Städte- und Gemeindebundes
Nordrhein-Westfalen in Münster, an der
auch Vertreter des Ministeriums für Gesundheit,
Emanzipation, Pflege und Alter
(MGEPA) sowie verschiedener Verbände
teilnahmen. Seniorenpolitische
Konzepte der Kommunen müssten als
Querschnittaufgabe gesehen werden und
das „gesamte Lebensumfeld älterer Menschen
im Generationengeflecht“ berücksichtigen.
Für die Seniorenbeiratsarbeit
vor Ort bedeutet dies ein verstärktes Zugehen
auf die Probleme älterer Menschen
im Wohnquartier („Pantoffelqualität“).
Um aktives Altern nach vorn zu bringen,
sei zudem ein zielgerichteter Ausbau der
politischen Partizipation sowie eine Verbesserung
der Teilhabechancen älterer
Mitbürger vonnöten.
Siegens Bürgermeister Steffen Mues
bedankte sich bei dieser Beiratssitzung
mit herzlichen Worten für die engagierte
Arbeit des Gremiums im vergangenen
Jahr.
hoba
Bewährtes bleibt – Neues kommt
„Regiestelle Leben im Alter“ der Stadt Siegen erweitert Angebot
Siegen. Wer für das neue Jahr den Vorsatz
gefasst hat, sich trotz seines höheren
Alters mehr zu bewegen und damit etwas
für seine Gesundheit zu tun, hat dazu jeden
Mittwochmorgen Gelegenheit: Immer
um 10 Uhr trifft sich eine Gruppe
von Seniorinnen und Senioren zum gemeinsamen
Spazierengehen. Startpunkt
ist die „Regiestelle Leben im Alter“ im
Weidenauer Rathaus, Weidenauer Str.
215. Bei einer Tasse Kaffee wird je nach
Tagesform die Route besprochen, und
dann geht’s los – in gemütlichem Tempo,
das noch Zeit und Luft lässt für Plaudereien
mit den Mitläufern. Man ist in netter
Gesellschaft und die Bewegung tut
gut; Tempo und Strecke sind angepasst,
so dass jeder gut mitkommt, auch wenn
er körperlich nicht mehr so fit ist. Und
neue Mitläufer sind immer willkommen.
Um eine ganz andere Art der gemeinsamen
Freizeitgestaltung geht
es im Handarbeitstreff, der
ebenfalls im Rathaus Weidenau
stattfindet. Nett beisammensitzen
und gemeinsam kreativ
sein, Erfahrungen austauschen
und Wissen und Fertigkeiten
weitergeben – das praktizieren
die Teilnehmerinnen des
Handarbeitstreffs. Stricken,
häkeln, sticken, nähen …. alles
ist möglich. Alle Handarbeitsbegeisterten
und solche, die es
werden wollen, sind herzlich eingeladen,
einfach mal hereinzuschauen – jeden
Montag um 14.30 Uhr im Weidenauer
Rathaus. Info: ℡. 0271/404-2200. ●
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1/2012 25 Jahre durchblick 11
Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein
Die „OASE-Elf“
Wer rastet
der rostet
Vor Beginn der „großen Schlacht am Kuchenbuffet“.
Siegen-Seelbach. Die „Oase Elf“ stand
Anfang Februar im Seelbacher Bürgerhaus
einmal mehr im Zeichen der Ovationen.
Dabei handelt es sich um eigentlich
dreizehn Damen und Herren (zwei Aktive
fehlen auf dem Foto), die allmonatlich
unter der Leitung von Gertrud Steinbrück
(4.von rechts) mit großem persönlichen
Engagement einen Seniorentreff vorbereiten,
der seinesgleichen sucht.
Die fleißigen Ehrenamtler backen
selbst Kuchen und Torten für ihre Gäste
Einige gestalten sogar das Programm mit
Lied- und Textbeiträgen, wie zum Beispiel
Kurt Schmolz mit seinem Schifferklavier.
Gertrud Steinbrück konnte zum
23. Geburtstag der Einrichtung wieder
zahlreiche Ehrengäste begrüßen, wie
Siegens stellv. Bürgermeister Jens Kamieth,
die beiden Vorstandsmitglieder
des Seniorenbeirates der Stadt Siegen,
Foto: Dr. Horst Bach
Helmut Plate und Dr. Horst Bach, die
Heimatvereinsvorsitzenden Jürgen
Röcher (Seelbach) und Helmut Daub
(Trupbach) sowie Pfarrer Dr. Christian
Schwark von der Evangelischen Kirchengemeinde
Trupbach-Seelbach.
Die OASE zeichne die Tatsache besonders
aus, „dass sie kein Verein, sondern
ein loser und gleichwohl sehr fester
und nachhaltig wirkender Zusammenschluss
von ehrenamtlich Tätigen zum
Wohle ihrer älteren Mitmenschen sein
will“, betonte Helmut Plate. Besondere
Höhepunkte im Programmablauf waren
diesmal ein Sketch „Fahrkartenverkauf
am Schelder Bahnhof“ sowie Gedichtvorträge
von Siegbert Ullrich und Helmut
Daub. Besonders gefielen auch
die Beiträge der Musikgruppe Niederschelden
unter der Leitung von Hildegard
Viebahn.
hoba
Autorenfoto
Hilchenbach. Das gilt nicht nur für
das körperliche Wohlbefinden, sondern
auch für den geistigen Bereich. Wer sein
Gedächtnis täglich aufs Neue fordert
und sein Gehirn immer wieder neu aktiviert,
kann bis ins hohe Alter fit bleiben.
Hier geht es nicht nur um die Steigerung
der Merkfähigkeit. Es gibt eine
Vielzahl von Übungen, die Ihnen helfen,
im täglichen Leben am Ball zu bleiben
und bis ins hohe Alter selbständig zu
sein. In diesem Kurs lernen Sie, was in
Ihnen steckt. Bestimmte Vorkenntnisse
sind nicht erforderlich.
In heiterer und entspannter Atmosphäre
können Sie Ihr Gedächtnis in Schwung
bringen. Leichte Bewegungsübungen
werden zwischendurch für Abwechslung
sorgen und auch der Spaß soll hierbei natürlich
nicht zu kurz kommen.
Der nächste Kurs beginnt am 5. März
im Hilchenbacher Jugendzentrum im
Gerberpark
(oberes Parkdeck).
Anmeldungen
nimmt
Annette Kreutz
von der Senioren-
Service-Stelle der
Stadt Hilchenbach
entgegen.
℡ 02733/288-117 • Anja Freundt
Computerkurs im Angebot
Amely kandidiert erneut zum Seniorenbeirat
Foto: Charly
Geisweid. Der Seniorenbeirat der Stadt
Siegen hat zu seinem dritten Computerkurs
in Kooperation mit dem Weidenauer
Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium
eingeladen. Der Kurs findet im Computerraum
der Schule statt. Neue Schülerinnen
und Schüler im Seniorenalter
können jederzeit einsteigen. Als Lehrer
fungieren die Oberstufenschüler Murat
Sacakli und Lukas Wegmeth.
Der „Geisweider
Seniorenbeirat“
bei seiner wöchentlichen
Sprechstunde
im Bürgerhaus an
der Oberen Kaiserstraße:
Otto Schauerte,
Dr. Horst
Bach, Hans Amely
und Wolfgang
Heyde. (v. lks.)
Hans Amely
vom Seniorenbeirat
der Stadt
Siegen ist erneut
als Berater
und Koordinator
der
Lehrveranstaltung
im Einsatz.
Als Unkostenbeitrag
wird ein von jedem Teilnehmer selbst festzulegender
Obolus für die Schülerkasse
erbeten. Anmeldungen können über die
Geschäftsstelle des Seniorenbeirats, Frau
Hegewald, Regiestelle Leben im Alter
(℡ 0271 - 404 2202) vorgenommen
werden.
Hans Amely, der bekannte „Hans-
Dampf-in-allen-(Wenscht-) Gassen“
wurde inzwischen seitens der Stadt Siegen
sogar zum „Ranger“ im Wenschter
Dr.-Dudziak-Park ernannt. Der engagierte
Ehrenamtler will nach eigenem
Bekunden denn auch bei der in wenigen
Monaten stattfindenden Seniorenbeiratswahl
(Briefwahl!) wieder im
„Fürstentum“ kandidieren. Sein schlagkräftiges
Argument: „Weil es mir im
Geisweider Beirat so gut gefällt, da wir
dort etwas bewegen“.
hoba
12 25 Jahre durchblick 1/2012
Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein
„Die Hilfe für zu Hause“
Diakonischer Freundeskreis Siegen-Süd wird 20
Eiserfeld. Als gemeinnütziger Verein
hat sich 1992 der Diakonische Freundeskreis
eigenständig als Hilfeanbieter
für Kranke, Ältere, Pflegebedürftige
und Menschen mit Behinderung im
Bereich Siegen-Süd etabliert. Damit
soll erreicht werden, dass diese Menschen
ein Stück Lebensqualität und
Eigenständigkeit in ihrem häuslichen
VergissMeinNicht
in neuen Räumen
Netphen. Der Verein „VergissMein-
Nicht“ für Demenzkranke Menschen
präsentiert sich seit dem 1. 3. 2012 in
den Räumen der ehemaligen Hausmeisterwohnung
des Freizeitbades Netphen.
Informationen erteilt Eva Vitt vom
Vereinsvorstand. ℡ 02738-603145 •
Bereich erhalten können.
Um die bestmögliche Lösung
für jeden Einzelnen
zu finden, stellen sich die
Mitarbeiter/innen auf die
individuellen Bedürfnisse
und Wünsche der Menschen
ein. Da der Verein
nicht gewinnorientiert arbeitet,
kann in familiären
Notsituationen schnell
Hilfe geleistet werden.
Der Verein bietet seine
Dienste im Bereich
Siegen-Süd an, ergänzend
zu den ambulanten Pflegediensten.
Hilfe wird
im hauswirtschaftlichen
Bereich, sowie bei Einkäufen, Besuchen
oder vorübergehenden Abwesenheiten
der Angehörigen im Verbund mit
„Atempause“ angeboten.
Autorenfoto
Jahreshauptversammlung mit Ehrung von Mitarbeitern
Der Freundeskreis lädt zum Tag der offenen
Tür am 23. März in seine Büroräume
in die Eiserfelder Mühlenstraße 7 ein. ℡
0271-2 50 97 47 oder 48 •
Siegener Armutsbericht verzögert sich
Seniorenbeirat fordert bezahlbare kleinere Wohnungen
Siegen. Der Armutsbericht der Stadt Siegen
kann wegen personeller Engpässe
nicht wie geplant im 2.Quartal 2012 vorgelegt
werden. Das ließ die Verwaltung
dem Seniorenbeirat bei seiner Februar-
Sitzung in der Fragestunde mitteilen. Beiratsmitglied
Dr. Horst Bach hatte zuvor
die folgenden Anfragen gestellt:
1. Wird die Verwaltung den jetzigen Seniorenbeirat
noch in dieser Wahlperiode
über die Ergebnisse des Armutsberichts
2011/2012 unterrichten?
2. Wenn nein, werden dann zumindest
Zwischenergebnisse in der abschließenden
Juli-Sitzung des Seniorenbeirates
bekannt gegeben?
Auf Letzteres hoffen nun die Beiratsmitglieder.
In der Begründung für die Fragen
wurde unmissverständlich deutlich, dass
der amtierende Beirat in dieser Hinsicht
ein Auskunftsrecht hat: „Die Vorlage des
auf Drängen des Seniorenbeirates vom
Rat in Auftrag gegebenen Armutsberichts
ist lt. Verwaltungsvorlage 724/2011 vom
12.04.2011 für das 2. Quartal 2012 terminiert
worden. Die Mitglieder des amtierenden
Seniorenbeirats haben daher einen
Anspruch auf rechtzeitige Unterrichtung
noch in dieser Wahlperiode.“
Nicht zuletzt im Hinblick auf die steigende
Altersarmut empfahl der Seniorenbeirat
dem Rat und der Verwaltung der
Stadt Siegen, stärkere Anreize für altengerechte
Wohnungssanierungen zu schaffen
und bei der Vermarktung anstehender
Immobilien auf den Bau von kleineren,
energieeffizienteren und bezahlbaren barrierefreien
Wohnungen von 30 – 50 qm
Größe hinzuwirken. Diesem Antrag von
Horst Bach erteilte das Gremiun einmütig
seine Zustimmung.
Horst Bach begründete seinen Antrag
u.a. mit wissenschaftlichen Studien, die
bis zum Jahre 2035 einen stetig steigenden
Bedarf solcher Wohnungen für bedürftige
und alleinstehende ältere Menschen prognostizierten.
Der Bedarf an Wohnungen
für Senioren wachse auch in Siegen. Zudem
nehme die Altersarmut ständig zu.
Beiratmitglied Dr. Jochen Münch empfahl
der Stadt Siegen in diesem Zusammenhang,
künftig Grundstücke an Investoren
im altengerechten Wohnungsbau
dann billiger zu verkaufen, wenn sich
diese zu kostengünstigen Mieten auch für
Senioren ohne Wohnberechtigungsschein
verpflichteten. ●
Hier wird Armut sichtbar, Verteilstelle der Siegener Tafel
1/2012 25 Jahre durchblick 13
Kreisverband
Siegen-Wittgenstein/Olpe
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Pflege zu Hause
Unser Angebot im Überblick:
15 Jahre Erfahrung bei Leistungen in
der Grund- und Behandlungspflege
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Wenn ...
· das Herz stolpert
· die Beine streiken
· der Zucker entgleist
· der Blutdruck schwankt
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· das Gedächtnis nachlässt
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damit die Richtung wieder stimmt.
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LEBEN AUF AUGENHÖHE ?!
Gedanken zum Beziehungswandel der Generationen
Da wandert man durch die Phasen seines Lebens
- inzwischen waren es schon einige -
reibt sich an den „Vorgängern auf dem Weg“
und schwört sich: Das mache ich ganz bestimmt mal
ganz anders!
Als Kind fand ich z.B. die dauernden Mahnungen
der Erwachsenen und all die Einschränkungen meiner
Kreativität und meiner Lebendigkeit ausgesprochen
„doof“! Und ich habe mir damals fest geschworen,
selbst nie so mit Kindern umzugehen, wenn ich
einmal erwachsen bin. Was aus solchen an sich sehr
lobenswerten Vorsätzen geworden ist? Vergessen
wir es.
Später wurde es auch nicht besser: In der Berufsausbildung
schon mit verantwortungsvollen
Tätigkeiten betraut, wird von der vorausgehenden
Generation die eigene wachsende Bedeutung überhaupt
nicht wahrgenommen, geschweige denn anerkannt.
Punktuelle Anerkennung bringt noch lange
nicht „auf Augenhöhe“ mit den Vorderen. Selbst ein
Foto: Gottfried Klör
16 25 Jahre durchblick 1/2012
Jahr Auslandsaufenthalt, wo ich mächtig Lebenserfahrung
„bunkerte“, hinderte meine Frau Mutter nicht daran, mir,
wieder zu Hause, zu erklären, wie ich eine Briefmarke aufkleben
musste.
Dann ändert sich die Situation: Man heiratet, gründet eine
Familie, wehrt sich, inzwischen „im Doppel“, mehr oder
weniger erfolgreich gegen die „gut gemeinten Ratschläge“
der Älteren und besteht darauf, den eigenen Lebensstil zu
entwickeln. Damit irritiert man die Älteren, die doch nur
helfen wollen. Sie fühlen sich zurückgestoßen.
Ob es nun Einsicht ist in eine Notwendigkeit oder auch
Resignation - die meisten Älteren entwickeln ein neues Bewusstsein,
das sie ihre Rolle finden lässt, wobei die dritte
Generation der Enkel sicher nicht unbeteiligt ist, denn man
möchte doch weiter teilhaben am Leben der nachfolgenden
Generationen. Für eine Zeit lang scheint die früher so vermisste
„Augenhöhe“ mit der nachfolgenden Generation erreicht,
man braucht sich, man arrangiert sich, findet seine
Rolle, und das ist gut so.
Doch mit dem Älterwerden beginnt auch langsam und
kaum wahrnehmbar ein „Rollentausch“: Wir, die „Nachgeborenen“,
gleiten mehr und mehr in eine Fürsorgerolle
für die eigenen Eltern. Das waren meine Erfahrungen
mit meiner inzwischen verstorbenen Mutter, die sich nach
einer anteilnehmenden Fürsorge sehnte, nicht, ohne sich
trotzdem weiterhin „Richtung weisend“ in unser Leben einzubringen.
Wieso jetzt dieses Thema? Jetzt bin ich in der
Situation meiner Mutter. Jetzt gehöre ich zur Generation
der Alten und muss mit der nachfolgenden Generation meiner
erwachsenen und so gescheiten, lebenstüchtigen Kinder
umgehen - und diese mit mir und meinen vermeintlichen
und tatsächlichen Unzulänglichkeiten.
Ich habe wunderbare Kinder, erfolgreich, in führender
Position oder selbstständig.
Da sie aber nicht in meiner Nähe leben, bekommen sie
von meinem Alltag relativ wenig mit, so wie ich von ihrem.
Aber wenn sie dann da sind oder ich bei ihnen, dann
entstehen Situationen, in denen ich mich seltsamerweise
oft genug wie ein „Volltrottel“ fühle: Plötzlich hinterfragen
sie die einfachsten Dinge, die ich längst, auch ohne ihren
Rat und ihre Weisung, erledigt habe, und ich muss mich
erklären, mein Handeln, oder gar meinen Lebensstil „rechtfertigen“!
Sie „kümmern“ sich auf einmal. Natürlich kann
ich meinen Unmut dann nicht verbergen, und das irritiert
wiederum meine wohlwollenden Kinder, die das überhaupt
nicht verstehen. Und so entsteht das Bild von der alten Mutter,
die langsam etwas „schwierig“ wird.
Mich irritiert diese Situation übrigens genauso, und
deshalb habe ich versucht zu beobachten, was denn eigentlich
„schief läuft“: Über die vergangenen Weihnachtstage
ergab sich die wunderbare Gelegenheit, auf einem
Spaziergang mit meinem Sohn über dieses Phänomen zu
reden und ihm meine Beobachtungen und Gedanken mitzuteilen:
Ich beobachte, dass es den erwachsenen Kindern schwer
fällt, den langsam sichtbar werdenden Alterungsprozess
1/2012 25 Jahre durchblick 17
Gesellschaft
ihrer Eltern als solchen wahrzunehmen und zu verstehen.
Das merkt man an abwehrenden und verharmlosenden
Bemerkungen, wenn Defizite deutlich werden. Vielleicht
geschieht das aus Furcht und Unmut darüber, sich zunehmend
mit Klagen der Alten oder gar tatsächlich mit dem
Altern an sich und seinen Konsequenzen auseinandersetzen
zu müssen, denn für ihre Generation ist es ja noch lange
nicht „dran“, sie haben „ganz andere Probleme“. Und die
Reaktion der Alten? Man blockt ab.
Doch mit der wachsenden Erkenntnis der sich verändernden
Situation legt sich bei der Generation der erwachsenen
Kinder fast automatisch ein „innerer Hebel“ um: Die
alten Eltern fallen plötzlich unter die Rubrik „fürsorge- und
betreuungsbedürftig“: Und entsprechend ändert sich der
Umgang miteinander. An dieser Stelle packt mich dann regelmäßig
mein Unmut, weil ich befürchte, auf meine Defizite
reduziert zu werden, nicht mehr für „voll genommen“
zu werden. Ist unsere Beziehung nicht mehr auf „Augenhöhe“?
Ich fühle mich „unter Niveau“. Gar nicht komisch.
Warum ist das so? Mein Sohn hat es mir bestätigt, dass
es für ihn kaum nachvollziehbar ist, wie die zunehmenden
kleinen Defizite und Beeinträchtigungen mein tägliches
Leben beeinflussen, welche Strategien ich entwickeln,
welche Prioritäten ich setzen muss und welche Hilfen ich
tatsächlich brauche, um möglichst lange gut und selbstständig
meinen Lebensalltag zu bewältigen. Es ist nicht seine
Situation, nicht seine Erfahrung, es verunsichert ihn. Seine
Generation hat Erfahrungen in der Fürsorge und Betreuung
und Förderung der Entwicklung von Kindern. Darauf
können sie zurückgreifen, und genau das tun sie ja denn
auch…
Wie können wir die „Augenhöhe“ wieder herstellen?
Wir „Vorangehenden“ müssen verständlich machen, was
wir wollen und was nicht, was wir können und was nicht,
welche Hilfen wir tatsächlich benötigen und welche wir
auch noch selbst organisieren können. Wir müssen signalisieren,
wann wir Austausch und persönlichen Rat brauchen
und Zuspruch, es nicht alleine packen zu müssen.
Und die Kinder als „Nachfolgende“ müssen deutlich
machen, was sie nicht verstehen, was sie irritiert. Auch sie
müssen deutlich machen, was sie können und was nicht.
Sie müssen die Grenzen ihrer Belastbarkeit klar aufzeigen
und unser Verständnis ihrer Situation einfordern, wenn sie
es vermissen.
Und beide müssen wir lernen, aufeinander zu hören,
um zu verstehen, was die Bedürfnisse, Möglichkeiten und
Grenzen des jeweils anderen sind – und dies akzeptieren.
Würde so nicht die viel zitierte „Weisheit des Alters“ sichtbar?
Warum nur findet man sie so selten?
– schon komisch.... Anne Alhäuser
24. – 28. Mai 2012
auf dem Giller bei
Hilchenbach-Lützel
18 25 Jahre durchblick 1/2012
Gesellschaft
Der besondere 1. April
Herbert Sonderbar trällert ein Liedchen und reißt
die Fenster auf. Er trägt ein für seine Verhältnisse
buntes Hemd. Manchmal empfinde ich ihn als unerträglich,
besonders wenn er wie jetzt so dämlich grinst.
„Spürst du auch den Frühling?“, säuselt er aus Richtung
seines Schreibtisches. Stirnrunzelnd schaue ich zu ihm herüber
und höre wie er mit einer Ernsthaftigkeit, die ich so gar
nicht an ihm kenne, sagt: „Die Steuerprüfung hat sich ja für
10:00 Uhr angemeldet, ich hoffe du hast alles vorbereitet!“
„Was, wann???" Irritiert schaue ich auf meinen Kalender.
Er bemerkt dieses und brüllt lachend heraus: „April,
April!!!“ Mein Gott, wie originell! Er genießt wie jedes
Jahr seinen Triumph in vollen Zügen.
„Wann gehst du eigentlich endlich in Rente?“ versuche
ich zu kontern, aber er ist schon intensiv mit irgendwelchen
Akten beschäftigt.
Etwas später ruft unerwartet meine bessere Hälfte Matthias
an: „Was hälst du von einem Cappuccino, so gegen Mittag?“
Na klar, es ist ein wunderschöner Tag, traumhaft warm,
es spricht nichts dagegen. Wir treffen uns in unserer Lieblings-Cafeteria.
Der Wirt hat schon die Stühle vor das Lokal
gestellt. Matthias lächelt mich an: „Schön, dass du da bist.“
„Wieso heute und so überraschend?“, ich kann meine
Neugierde kaum zügeln. „Lass uns zunächst mal die Bestellung
aufgeben.“ Der Cappuccino schmeckt herrlich.
„Ich werde Vater!“, beginnt Matthias. In
meinem Kopf zieht ein Gewitter auf und Gletscher
schmelzen …
„Was…mit wem?“, stammle ich und schaue ihn unglaubwürdig
an. Er versucht meine Hand zu ergreifen,
was ich ihm aber nicht ermögliche. „Na ja, du kennst
doch Yvonne….und weißt du eigentlich wann wir das
letzte Mal…?“ Die Gletscher gefrieren erneut und mich
erreicht ein unerträglicher Kopfschmerz. „Matthias, ich
weiß, dass heute der erste…“. „Nein meine Liebe,
das ist kein Aprilscherz! Yvonne erwartet ein Kind
von mir. Ich wollte es dir schon so lange…!“
Schnell stehe ich auf, der Stuhl kippt um und
ich renne ziellos davon. Dann entscheide ich, wieder
zurück ins Büro zu gehen. In einer am Weg
liegenden Apotheke besorge ich mir noch ein
Mittel gegen aufkommende Migräne. Am Bahnhof
trinke ich mir ein Dosenbier. Vor unserem
Bürohaus steht ein großer Mülleimer. Auf diesem
sitzt wie immer eine Möwe und sortiert den Inhalt.
Ich hasse sie, denn der verdreckte Anblick vor
der sauberen Fassade nervt mich schon so lange
ich hier arbeite. Im Eingang krame ich in meiner
Handtasche, doch ich finde nichts zum Werfen.
Im Büro angekommen, gluckst Herbert so kurz
nach Eins: „N’Abend, hattest du einen schönen
Tag?“ „Halt deine Klappe…?“ „Oh, gab’s Ärger mit dem
Herzallerliebsten…?“
Ich schweige und stelle fest, dass alles vorüber geht, auch
mein Kopfschmerz, die Übelkeit und der leichte Schwips.
Vielleicht ist Arbeit ja doch eine gute Medizin….
Später schaue ich aus einem von Herberts geöffneten
Fenstern. Mein Blick fällt genau auf den Mülleimer vor dem
Haus. Die Möwe ist wieder, oder immer noch, da.
Herberts Usambaraveilchen kann ich sowieso nicht leiden.
Vier Etagen, egal! Der Topf schlägt neben dem Mülleimer
auf, die Möwe fliegt mit einem Stück Zeitung im Schnabel
aufgeregt davon. Für einen Moment denke ich, dass die
Welt wieder in Ordnung ist. Vögel fliegen, Herbert ist sonst
wo, ich lache lauthals und die Tränen kullern meine Wangen
herunter. Eine Politesse schaut erschrocken nach oben.
Schnell schließe ich alle Fenster, wenn Herbert kommt, ich
leide unter Pollenallergie oder Windzug. Soll Matthias mit
Yvonne doch seinen Zögling aufpäppeln….Windeln wechseln
wäre ohnehin nicht so mein Fall!
Anstatt Herbert Sonderbar, kommt Rainer Lustig vom
Empfang mit dieser Politesse ins Büro. „Sag mal, die Dame
behauptet, du hättest einen Blumentopf nach ihr geworfen?
Kannst du bitte mal den Sachverhalt…!!!“
Also, um es kurz zu machen: Am Ende dieses 1. April war
ich meinen Mann los, musste ein neues Veilchen für
Herbert kaufen und mich noch mit einer
Anzeige wegen versuchter Körperverletzung
auseinander setzen.
Doch inzwischen habe ich mein
Leben wieder fest im Griff. Wenn nur
nicht diese Möwe ständig den Mülleimer
ausräumen würde…….
Ulla D'Amico
Foto:: Gottfried Klör
1/2012 25 Jahre durchblick 19
Ostern
Ostergedanken
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,
durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück,
der alte Winter, in seiner Schwäche
zog sich in rauhe Berge zurück.
Es sind wohl einige wenige, die sich an den gesamten
Wortlaut dieser Zeilen erinnern und sie noch in voller
Länge kennen. Beginnend mit den Gedanken an
den Winter wird die Frische bejubelt und die zunehmende
Strahlenkraft der Sonne, die kein Weißes mehr duldet und
„überall regt sich Bildung und Streben, alles will sie mit
Farbe beleben“. Ja diese kraftvollen Worte fand einst unser
Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe im ersten Teil seiner
Tragödie, in seinem Faust. Die Passage beschreibt einen
Osterspaziergang. Und wer vermag nicht nach den trüben,
dunklen und oftmals verschneiten, verregneten Monaten des
Winters derartige Hoffnungen an die Sonne, das erste frische
Grün und die ersten zarten Farben hegen? Vom Erwachen des
Frühlings wurden zahlreiche Dichter und Denker zu wahren
Freuden- und Wonnebekundungen veranlasst. Ob Mörike,
Fontane, Rilke, Heine, Uhland, alle klassischen Denker beschrieben
dieses alljährlich wiederkehrende Schauspiel der
Natur. Bei Eichendorff heißt es „die Welt wird schöner mit
jedem Tag, man weiß nicht, was noch werden mag“, usw.
usw. Für unseren ab- und aufgeklärten Personenkreis ist der
Frühling mit dem Osterfest verbunden. Pragmatisch stülpt
uns der Handel mit seinen Saisonartikeln gleich nach dem
Weihnachtsfest die Osterhasen, -eier und all den süßen Kram
über, an dem niemand vorbeikommt. Aber: Es liegt auch etwas
Geheimes in dem Geschehen der Natur, etwas Mystisches
in den Bräuchen und Ritualen.
Dabei wäre als Erstes das Ei zu nennen, dass als Ursprung
allen Lebens anzusehen ist. Bereits in der urchristlichen
Zeit war es neben dem Sinnbild des Lebens auch das
der Auferstehung. So las ich in alten Büchern, dass man im
Altertum einem Toten ein Ei mit ins Grab gab. Aus einem
scheinbar toten Körper schlüpft schließlich etwas Lebendiges.
Ein Ei hält etwas verborgen wie ein verschlossenes
Grab. Damit wird eine Beziehung zur Auferstehung Christi
deutlich. Die Form des Eies ist ohne Anfang und ohne Ende.
Was war zuerst: Ei oder Huhn? So lässt sich die Frage
nach der Ewigkeit deuten.
Wirtschaftlich war das Ei ein Zahlungsmittel, eine Gegenleistung,
mit der man Pacht und Zins begleichen konnte.
Während der Fastenzeit war der Verzehr von Eiern untersagt.
Bis zum Osterfest hatten sich daher zahlreiche Eier
angesammelt.
Innerhalb der vielen Jahrhunderte nach der christlichen
Zeitrechnung fanden sich verschiedene Ursprünge der
Farben. Rote Eier sah man vor mehr als tausend Jahren in
Ägypten, es soll die Farbe des Blutes Christi, die des Lebens
und auch die der Lebensfreude darstellen. Aus Osteuropa
kennt man goldfarbene Eier als Zeichen von Kostbarkeiten.
Der Hase als Überbringer der Ostereier gilt als reiner
Volksglaube. Im Haushaltsbuch eines Speyerer Domherren
steht überliefert, dass die Gläubiger mit Hasen und Eiern
bezahlt wurden. Aus weiteren Überlieferungen geht hervor,
dass ein Schuldner nach der Bezahlung seiner Schulden wieder
als freier Mann galt, der mit einem Hasen verglichen
wurde, der nicht mehr vom Hund gehetzt wird. Zum anderen
gilt der Hase wegen seiner starken Vermehrung als
Symbol der Fruchtbarkeit, was zum Fest der Auferstehung
und des Lebens passt.
Auch die Tradition des Osterfeuers reicht bis in die
vorchristliche Zeit zurück. So war das Feuer im Altertum
Göttern und Menschen heilig gewesen. Man sorgte
dafür, dass es niemals ausging. Mit dem Frühlingsfeuer
20 25 Jahre durchblick 1/2012
Ostern
wurde in heidnischen Zeiten die Sonne begrüßt, die als
Mittelpunkt des Lebens galt und als Kult der Fruchtbarkeit
Wachstum und Ernte sichern sollte. Der Sieg über
den Winter, das Erwachen nach langer kalter Zeit deutet
auf das Christentum in der Auferstehung Jesu hin und als
Licht in der Finsternis. Teilweise wird am Osterfeuer eine
Osterkerze entzündet.
Das Osterlamm entstand aus dem Ritual der Juden zum
Passahfest. Das Lamm wird zum Gedanken an Gott geschlachtet
und verspeist. Im Christentum wurde das Tier
symbolisch zum Lamm Gottes, versehen mit einer Fahne
als Zeichen des Sieges. Sein weißes Fell gilt als Symbol für
Reinheit und friedliche Lebensweise und wird als Zeichen
des Lebens und des Friedens angesehen.
Wie viele Erinnerungen gehen uns durch den Kopf,
wenn wir Frühlingslieder singen oder hören. Ja, es kommen
Gedanken an den ersten Lenz, an die erste Liebe, ach so
viele andere Dinge kommen in uns auf und ein Frühlingsgedanke
beschwingt unser Herz.
Einen ganz besonderer Zauber, der sich mit Ostern verbindet,
hat Richard Wagner in Töne gefasst. Gemeint ist
der Karfreitagszauber in Parsifal. Wagner nannte es ein
Bühnenweihfestspiel und weihevoll ist es allemal für den
Liebhaber und Zuhörer seiner Werke.
Ich hatte mit einem Klassiker begonnen und ebenso
klassisch möchte ich meine Gedanken beenden. Beim Lesen
in Berichten über Richard Wagner und seine Werke
fand ich Worte des Theologen Dr. Gerhard Begrich:
…. „es gibt diese Augenblicke, in denen des Frühlings
Blütensegen die Welt verändert, dass die Erde aufstrahlt in
der Schöpfung ursprünglicher Schönheit. So, als wäre Gott
gerade vorbeigegangen und hätte seine Spuren hinterlassen.
Damit ist die Schöpfung gemeint, von der wir vieles zu
sagen wissen, nur das eine nicht: dass sie gut sei.
Nein diese Welt ist nicht gut, sie ist auch nicht die beste
aller möglichen, dies zu glauben ist uns längst zerschlagen.
Aber geblieben ist ihre Schönheit, hin und wieder zu
schauen…“
Eva-Maria Herrmann
Der weinende Schneemann
Da steht er nun – sein Blick trägt Tränen,
die Möhrennase sitzt ganz schief,mit verrutschten
Kohlenzähnen –
Tauwetter brachte ihm sein Tief!
Ein Kochtopfhut bedeckt die Ohren,
die gestern noch ganz steif und fest,
zum Tauen wurde er geboren,
zurück bleibt nur ein Küchenrest!
Brachte er uns auch viel Freude
in der klirrend-kalten Zeit,
ein Trost zum Abschied sagt uns heute:
Der Frühling scheint nicht mehr so weit!
Der Osterhase
Meister Lampe auch genannt,
zieht er vor Ostern übers Land,
besucht den Hahn mit seinen Hennen,
denn Eier liegen groß im Rennen!
Fragt nach, wieviele sie noch legen,
verhandelt auch des Preises wegen.
Dem Hahne ist das nicht geheuer,
zu Ostern sind die Eier teuer!
Ja, Meister Lampe ist gar schlau,
er malt sie rot, gelb, grün und blau,
seine Kalkulation – sie stimmt,
zu Ostern sucht sie jedes Kind!
Bunte Eier – Osternest -
ohne – wäre es kein Fest!
Der Fliederbaum
Aus Nachbar`s Garten steigt ein Duft,
liegt wundersam in lauer Luft,
steigt empor vom Fliederbaum,
erfüllt uns einen Sommertraum.
Er blüht in seiner schönsten Pracht,
hat uns den Sommer mitgebracht.
An den Zweigen dicke Dolden,
als wenn sie sich verneigen wollten.
Majestätisch steht er da,
immer wieder – Jahr für Jahr!
In Nachbar`s Garten Vöglein singen,
als wollten sie ein Ständchen bringen,
der Natur und ihrem Raum,
unter Nachbar`s Fliederbaum!
Helga Düringer
1/2012 25 Jahre durchblick 21
Opa, glaubst du an Gott?
Christlicher Glaube und Spiritualität im Alter
Unsere Enkelin Luisa
(9) erzählt Erlebnisse
aus der
Schule. Ich frage sie: Was
macht ihr denn zur Zeit
im Religionsunterricht?
Sie erzählt mir sehr anschaulich
von Mose, der
die Israeliten aus Ägypten
geführt hat. Dann fragt sie
mich: „Opa, glaubst du an
Gott?“ Ich sage ihr, dass
ich in einem christlichen
Elternhaus aufgewachsen
bin und seit meiner Kindheit
an Gott glaube. Wir
müssen damit rechnen,
dass wir nach unserem
Glauben gefragt werden
und dann ist es gut, wenn
wir positiv antworten können.
Das Vermitteln religiöser
Werte gehört zu unserem Alltag. Das können wir gar
nicht vermeiden, denn Kinder und Enkelkinder sind Seismographen
unserer Einstellungen und Werte. Wie wir mit
den Dingen des Alltags umgehen, z.B. mit der Schöpfung
Gottes, wie wir uns verhalten, wenn wir an einem Friedhof
oder einer Kirche vorbeigehen, das alles zeigt unsere Einstellung
zu den Mitmenschen, zur Schöpfung und zu Gott.
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Ob wir es wollen oder nicht:
Wir sind die Botschafter unserer
Werte.
Obwohl der christliche
Glaube nicht mit einem
bestimmten Alter verbunden
werden kann, wird
oft eine besondere Nähe
älterer Menschen zu Spiritualität
und Kirche als
natürlich angesehen. Weil
nun die Begrenztheit und
Vergänglichkeit des Lebens
bewusster wird, rückt
Glaube und Religion in die
Mitte des Lebens. Der alte
Mensch wird „fromm“ – so
die Annahme – weil er die
Bruchstückhaftigkeit seines
Lebens erfährt. Beim Nachdenken
darüber und aus der
Erfahrung unseres Lebens
merken wir sehr schnell,
dass dies so generell nicht gelten kann. Der Vorsitzende
Jens-Peter Kruse der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft
Altenarbeit meint dazu: „Diese theologische Tradition, das
Alter von der Mortalität(=Sterblichkeit) her zu begreifen
und mit Tod und Sterben, Krankheit und Gebrechlichkeit zu
verbinden, wird den Erfahrungen und Erwartungen in einer
immer länger währenden Altersphase nur noch zum Teil
gerecht.“ (entnommen aus BAGSO Nachrichten 04/2011)
Statistisch gesehen seien ältere Menschen
zwar immer noch vergleichsweise
„frömmer“ als die jüngeren Jahrgänge,
schreibt Professor Michael N. Ebertz
von der Katholischen Hochschule
Freiburg im Religionsmonitor 2008
der Bertelsmannstiftung. In den Kirchengemeinden
findet man inzwischen
häufig Kreise und Veranstaltungen
für ältere Menschen, wie Seniorengesprächskreise,
gemeinsame Frühstücke
oder Zusammenkünfte mit altersrelevanten
Themen. Häufig wird diese
Alten„arbeit“ auch von Älteren (mit)
geleitet. Aber unter diesen über 60-Jährigen
seien hohe Anteile derer, für die
der Satz „Je älter, desto frömmer“ nicht
(mehr) gilt. In den Gottesdiensten und
kirchlichen Veranstaltungen ist der Be-
22 25 Jahre durchblick 1/2012
Gesellschaft
such älterer Menschen aber doch vergleichsweise hoch und
für viele ist es wichtig (vielleicht auch teilweise von der
Tradition her), am christlichen Leben teilzunehmen.
Weil das Alter heute länger dauert – die Lebenserwartung
ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen – ist es
heute bunt und vielfältig, wir sind mobil und aufgeschlossen
für Neues. Dadurch bedingt stellen sich wichtige Lebensfragen
auf ganz neue Weise:
Im 3. Lebensalter:
Dieses ist gekennzeichnet durch das Erleben der Freiheit
durch die berufliche Entpflichtung. Es stellt sich die Frage
nach tragfähigen Lebensinhalten und –zielen. Man hat das
Bedürfnis, das Leben genießen zu wollen, aber man möchte
auch etwas Sinnvolles tun. Man sucht Gemeinschaft in Vereinen,
Altenclubs o.ä. oder eben auch in christlichen Vereinigungen.
Auch das Leben im Haus Herbstzeitlos in Siegen
ist ja ein Beispiel für diese Möglichkeiten. Nach dem Motto
„Ich für mich – mit anderen zusammen – für mich und andere“
verbinden sich Persönliches und Soziales.
Im 4. Lebensalter:
Hier erfährt der Mensch seine Gebrechlichkeit stärker
und er merkt, dass er von anderen abhängig ist. Dabei
scheint es wichtig, dass man mit seinen Schwächen ins Reine
kommt und seine eigene Lebensgeschichte bejaht. Dabei
kann der Glaube wachsen und spirituelle Erfahrungen
hilfreich sein. Die Erfahrung ist: Leben ist geschenkt, bleibt
verletzlich und angefochten. Besonders Menschen, denen
der Boden unter den Füßen zu entgleiten droht, brauchen
die Erfahrung, gehalten zu sein. Das geht ineinander: Von
Menschen gehalten zu sein, von Gott gehalten zu sein. Die
Sehnsucht, dass da etwas ist, was den Menschen letzten
Endes trägt, ist bei vielen alten Menschen vorhanden. Dabei
sind auch Rituale Für Menschen, bei denen Religion im
engeren Sinne eine Rolle spielt, können christliche Rituale
Halt im Leben geben. Das kann die Erfahrung des „Hand-
Haltens“ sein oder der christliche Erfahrungsschatz wie
das Abendmahl, Gebet oder Segen. Viele ältere Menschen
berichten auch, dass sie der in der Kindheit oder Jugend
einmal gelernte 23. Psalm, das Vaterunser oder vertraute
christliche Lieder trösten.
Wenn wir Enkel haben – um auf den Ausgangspunkt
unserer Überlegungen zurückzukommen – fordern uns
diese im positiven Sinne auch als Vorbild im christlichen
Glauben heraus. Bei dem, was wir reden und tun, stehen
wir unter Beobachtung. Das muss uns nicht Angst machen
und uns nicht unter Druck setzen. Aber „Opa, glaubst du
an Gott?“ ist eine Frage, mit der wir rechnen müssen. Und
wenn ich nicht an Gott glauben kann? Auch dann sollte
man dem Enkelkind nicht die Möglichkeit des kindlichen
Glaubens verbauen und alle Möglichkeiten offen lassen.
Horst Mahle
Zeitzeichen
Der Tag hat geendet
keine Welle auf dem See
das Boot fest wie der Steg
auch die Wolkenlöckchen wie für immer
in den Blick gemalt
selbst das Licht steht stillstand
Zeit verbleibend
in Bewegungslosigkeit
wird Traumzeit
unsichtbare
stockt unhörbar
vergessen
ziellos
wartend
Auszeit
Gestern noch erlebt
heute geronnene Zeit
mit Patina der Erinnerungen und
verstaubtem Gedächtnis
wetterleuchtend als Gewissen
in lächelnden Fotografien
ewige Gestirne zu Bildern fügend
durch Momente kurzer Ausnahmen
für zeitlose Pausen
stumm im lauten Ticken
mit strahlendem Blick zurück
auf dem Wendepunkt zu neuem Schritt
Formate mitten im Schwung
wie ein plötzlicher Weckruf
gegen das blinde vorwärts
Redezeit
umgerührte Tage
köcheln
sich ins Wochenende
aufgewärmt
schmeckt
Schweigen nicht
Heinrich Waegener
1/2012 25 Jahre durchblick 23
Leserbeitrag
Ich erzähle dir eine Geschichte
sagte die Großtante zu dem Kind:
Die Mutter
Bei trockenem Wetter traf die Mutter sich immer mit
anderen Frauen und deren Kindern auf dem alten
Spielplatz. Sie freute sich auf diese Stunden, denn
seit der Junge da war, fehlte ihr doch der Kontakt zu anderen
Erwachsenen. Zum Glück ging der Kleine nun vormittags in
den Kindergarten, aber oft hatte sie im Haushalt und im Garten
so viel zu tun, dass die Zeit schneller zu vergehen schien,
und sie vermisste ihre Kollegen. Den anderen Frauen ging
es ähnlich. So trafen sie sich und redeten , meistens über ihre
Männer, die die Lücken auch nicht füllen konnten. Die Kinder
tobten meist chaotisch auf dem Spielplatz herum, oft gab
es Geschrei, und die Mütter mussten genervt eingreifen. Bei
ihrem Jungen war das anders. Er war schon immer ein stilles
Kind gewesen, auch als Baby hatte er nicht viel geweint. Oft
spielte er in einer Ecke mit seinem kleinen Bagger und den
Autos, sie musste nicht viel nach ihm sehen.
An diesem einen Tag war aber alles anders. Die Atmosphäre
war ausgesprochen friedlich, und der Junge saß etwas
abseits bei den Büschen ins Spiel versunken, und sie waren
vertieft ins Gespräch. Sie erzählte, dass ihr Mann abends immer
so spät nach Hause käme, nur noch essen wollte und ein
Bier, ihre Sorgen waren nicht wichtig. Sie unternahmen fast
nichts mehr zusammen, obwohl die Tante unten im Haus
wohnte… Die Tante hatte schließlich studiert, und nun musste
sie kochen, putzen und ein Kind erziehen, das hatte sie sich
nicht so vorgestellt! Sie redete und redete, die Frauen hörten
zu, so offen hatte sie noch nie gesprochen.
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Dann kam ihr Sohn schreiend angerannt, sie ärgerte
sich etwas, hätte gerne weitergesprochen. Sie hatte ihren
Redefluss nicht direkt unterbrochen und strich ihrem Jungen
tröstend mit der Hand über die Haare. Dann sagte eine
Frau: ,,Da war doch jemand!“ Sie stand auf und lief zu dem
Törchen, von wo sie auf die Straße sehen konnte. Sie sah
am Ende der Straße einen Mann langsam weggehen. Der
Junge weinte immer noch und vergrub den Kopf in Mamas
Schoß. Dann brach große Aufregung aus. Andere Kinder
fingen nun auch an zu weinen, die Mütter waren auf einmal
alle sehr aufgeregt. Vielleicht hatte der Mann den Jungen
ja belästigt.
Die Mutter nahm ihren Jungen, sah ihm fest in die Augen
und sagte: ,,Hat der Mann etwas zu dir gesagt, was
wollte er von dir?“ Der Junge sagte nichts und weinte weiter.
Bald danach trennte sich die Gruppe.
Am Abend wollte die Frau mit ihrem Mann sprechen.
Die Tante hatte die Aufregung mitbekommen und brachte
den Jungen ins Bett. Der Mann hörte aber nicht richtig zu
und dann sagte er: ,, Was ihr euch immer einbildet, was für
eine Belästigung soll das denn gewesen sein? Hier im Dorf
gibt es das doch nicht, und wenn das der Alte aus Ohms
Haus ist, der ist doch harmlos“.
Die anderen Mütter hatten ihren Kindern eindringlich
gesagt, sie sollten immer aufpassen, wenn da jemand wäre
der komisch sei, und sofort Bescheid sagen. Dann war der
alte Mann wieder aufgetaucht, hatte einfach am Tor hinter
den Büschen gestanden. Ein Kind hatte ihn gesehen und
fing sofort an zu schreien, wie die Mutter es gesagt hatte,
andere Kinder taten es ihm nach. Es war der Alte aus Ohms
Haus.
Im Dorf wusste bald jeder, dass der alte Ohm am Spielplatz
gestanden hatte. Die Männer hielten sich weitgehend
aus der Sache raus. Die Mütter wechselten ihren Treffpunkt,
trafen sich privat oder auf dem Spielplatz am Kindergarten.
Der Junge erzählte seiner Mutter nichts, er schwieg einfach.
Er konnte auch nichts sagen, er hatte sich nur sehr
erschrocken, sonst war nichts passiert. Wenn die Großtante
den Kleinen abends ins Bett brachte, wollte er immer die
Geschichte hören. Es beruhigte ihn, wenn die Großtante am
Ende sagte: ,,die Leute passen auf.“ Die Tante sprach mit
ihrer Nichte nicht über den Vorfall, sie meinte, es gäbe zu
wenig Fakten.
Was sie nicht sagte, war: Sie hatte den alten Mann früher
gut gekannt. Er war so verliebt in sie gewesen, wollte sie
auf Händen durchs Leben tragen und viele Kinder mit ihr
großziehen. Sie hatte aber später im Nachbarort als Dienstmädchen
gearbeitet und dann den Egon geheiratet.
Der alte Mann hatte nie geheiratet. ●
24 25 Jahre durchblick 1/2012
Leserbeitrag
Der Mann
Einmal, ist noch nicht so lange her, da wohnte ein
großer Mann in einem alten Haus. Er hatte schon
graue Haare und an seinem Gebiss fehlten ein paar
Zähne, deshalb lachte er nie. Seine Eltern waren gestorben
und oft war er sehr einsam. Er saß in seinem Haus und ließ
die Zeit vergehen.
Eines Tages, als die Sonne nicht schien und es auch nicht
regnete, ging der Mann zur Tür und schaute die Straße entlang.
Unten im Dorf hörte er Kindergeschrei. Das hatte er
lange nicht gehört. Weil er ausgeschlafen war und auch
sonst nichts Besonderes zu tun hatte und weil er als Kind
immer so viel gelacht hatte, und sich daran erinnerte, dass
damals alles so einfach war, ging er los.
Er ging die Straße lang und die Kinder wurden lauter.
Dann flog ein Ball in seine Richtung, aber er ignorierte ihn,
ging mit gesenktem Kopf langsam am Straßenrand weiter.
Als er um die Ecke kam, sah er sie. Einen Haufen Kinder,
klein, quirlig. Einige Mütter saßen auf Bänken, es war wohl
ein Spielplatz. Lange hatte er keine Kinder mehr wahrgenommen,
sein Herz klopfte. Er stellte sich in die Nähe
eines Busches und staunte mit geschlossenem Mund und
den Händen in der Tasche über das, was er sah. Ein Kind,
das ausgelassen schaukelte, sah ihn zuerst. Die Augen wurden
ganz groß und es schrie: ,,Mama, Mama!“. Es sprang
von der Schaukel rannte zu seiner Mutter und vergrub seinen
Kopf in ihrem Schoß.
Es schien sich wie stille Post zu verbreiten, nach und
nach saßen die Kinder bei ihren Müttern auf dem Schoß
oder verzogen sich in eine Ecke, oder rannten durch den
zweiten Eingang des Spielplatzes nach Hause. Der Mann
hatte nur da gestanden und sich nicht bewegt. Er hatte die
Kinder angeschaut und sein Herz hatte geklopft. Nach einer
Zeit war er dann wieder nach Hause gegangen.
Später hatten die Leute aus dem Dorf ihn Kinderschreck
genannt. Denn immer wenn er auftauchte, waren die Kinder
still und eingeschüchtert oder rannten weg. Dem Mann
war das egal, ihm war sowieso vieles egal, aber die Leute
passten auf. ●
Der Junge
Er war erst mit fünf Jahren in den Kindergarten gekommen,
es gab viele Kinder im Dorf und die Warteliste
war lang. Er hatte sich schnell eingewöhnt und nach
kurzer Zeit auch einen Freund gefunden. Tobias und er hatten
sich gesucht und gefunden. Tobi, wie ihn alle nannten,
war ein temperamentvoller und pfiffiger Kerl, stellte immer
Fragen. Wenn ihm etwas nicht passte, verschränkte er seine
Arme und schrie laut: ,,Nein, das will ich nicht.“
Der Junge hingegen war immer still und zurückhaltend,
aber wenn Tobi es zu arg machte, ging er zu ihm hin, nahm
seine Hand und Tobi beruhigte sich. Beide gingen gerne in
den Kindergarten und am meisten mochten sie die „Draußenstunden“,
dann saßen sie fast immer im großen Sandkasten
und spielten Baustelle. Der Junge hatte auch immer seinen
Bagger dabei, den er von zu Hause mitbrachte.
In den Tagen nach dem besagten Ereignis saßen sie einträchtig
im Sand und Tobi fragte unvermittelt: ,,War der
Mann böse?“ Der Junge sagte zuerst nichts, dann nach einer
Weile: ,,Der Mann hatte ganz kaputte Schuhe mit Löchern
drin und unten da hatte er keine Zähne, das hab ich gesehen,
als er lachte.“ Tobi sagte daraufhin: ,,Eine Uroma hat unten
auch keine Zähne und dann macht sie immer so! … „Er zog
eine Grimasse. Sie hat aber Zähne, die sind in einem Becher,
die passen aber nicht mehr, hat die Mama gesagt.“ Das Gespräch
war zu Ende und sie spielten weiter.
Am nächsten Tag fragte Tobi: ,,Hattest du Angst? Mama
hat gesagt du hast geweint!“ ,,Nö“, sagte der Junge, „ich hab
nur ein bisschen geweint.“ ,,Wir können doch die Zähne von
der Uroma dem Mann geben, dann hat er wieder welche,“
sagte Tobi. ,,Ich weiß wo der wohnt, die Tante hat mir das
gesagt,“ antwortete der Junge.
Nach eine Weile sagte der Junge: ,,Der Mann stand auf
einmal hinter den Büschen, ich habe zuerst nur seine Schuhe
gesehen, die waren kaputt und dann hat er gelacht und hatte
unten keine Zähne, und dann bin ich nach der Mama gelaufen,
ich glaube der wollte meinen Bagger.“
Die beiden Freunde spielten noch eine Weile bis die
Erzieherin sie rief. Beim Reingehen ins Haus mussten sie
sich immer in Zweierreihen aufstellen. Tobi nahm die Hand
von dem Jungen und hielt sie ganz fest. Dann sagte er sehr
ernsthaft: ,,Mein Zahn, der hier, er zeigte in seinen Mund, ist
schon ganz locker. Wenn der rausfällt und das wehtut, muss
ich vielleicht auch weinen!“ Doris Wimmi-Bieber
1/2012 25 Jahre durchblick 25
Unterhaltung
Die Bärenfamilie
eine Vorlesegeschichte für Kinder
Die Bärenfamilie wohnt hoch oben in den Bergen - in
einer großen Höhle. Bärenvater „Mutz“, die Bärenmama
„Mutzi“ und ihre Bärenkinder „Jul und Juli“!
Zweimal in der Woche, wenn Vater Mutz schon zur Arbeit
ist, macht die Bärenmama mit Jul und Juli einen Ausflug!
Heute soll es wieder losgehen und Mama Mutzi macht ihre
beiden Bärenkinder fein. Juli, das Bärenmädchen, wird
schön gebürstet und der Bärenjunge Jul bekommt gerade
noch seine Nase gewaschen – weil er sie noch schnell in das
Milchschüsselchen gesteckt hat, um noch ein Schlückchen
zu trinken. Und schon machen sie sich auf den Weg! Mama
Mutzi hat ihren gut gefüllten Korb mitgenommen, damit
auch unterwegs jeder satt wird. Jul und Juli tapsen munter
hinter ihr und freuen sich schon auf die Picknick-Pause. Aber
noch ist es nicht so weit!
Inzwischen gibt es einiges zu entdecken. Viele bunte Blumen
blühen in den satten Wiesen und Schmetterlinge tanzen
auf ihren Blüten. Rechts und links ihres Weges stehen hohe
Tannen und aus dem Wald ruft ihnen ein Vöglein zu: „ju
hu – ju hu – ju hu!“ Die Bärenkinder brummen vor sich hin
und lauschen dem Quaken der Fröschlein, die sich am nahen
Bach verstecken: „quak – quak – quak!“ Plötzlich hat Juli
eins entdeckt und läuft ihm nach – aber das Fröschlein ist
schneller und hüpft eilig davon!
Nun hat die Bärenfamilie schon einen weiten Weg hinter
sich gebracht und alle sind tapfer gelaufen. Doch der kleine
Juli ist schon ganz müde und kommt kaum noch mit. Mama-
Mutzi tröstet ihn und streicht ihm über das Köpfchen! Nur
noch ein paar Schrittchen, und sie haben ihr Ziel erreicht.
Dann nimmt Mama Mutzi die beiden an die Pfötchen und
zeigt ihnen die dicke Eiche, die mitten in einer Wiese steht
und mit ihrem weiten Schatten lockt. Jetzt haben sie den richtigen
Platz gefunden, um eine Pause einzulegen! Sie sitzen
ganz erschöpft auf einer weichen Decke, die Mama Mutzi
von zu Hause mitgebracht hat. Hunger und Durst haben alle
drei, jetzt packt Mama Bär die guten Sachen aus, die sie die
ganze Zeit in ihrem Korb getragen hat. Brot - Käse - Wurst
– Milch – Äpfel und eine Tüte Gummibärchen! So essen
und trinken sie, bis sie satt sind und ruhen sich aus. Zum
Nachtisch gibt es für jeden einen Apfel. Die Gummibärchen
werden aber erst dann geteilt, wenn alle ihr Äpfelchen aufgegessen
haben!
Bald ist der kleine Jul eingeschlafen und brummt: „brum
– brum – brum!“ So klingt es immer, wenn er satt ist und sich
wohlfühlt! Juli pflückt inzwischen ein Sträußchen Blumen
für die Mama, es sind Gänseblümchen und blaue Vergissmeinnicht!
Weil dunkle Wolken aufziehen, muß Mutzi den
kleinen Juli wecken, denn es fängt schon etwas an zu regnen
– so müssen sie ihren schönen Rastplatz verlassen. Sie
packen alle Sachen schnell zusammen und verstauen sie in
den großen Korb. Dann machen sie sich auf den Heimweg.
Aber diesmal sucht Mutzi einen anderen Pfad aus – so tapsen
sie durch ein kleines Kiefernwäldchen.
Es regnet jetzt ganz heftig, und sie suchen sich große
Farnblätter, um ihre Köpfchen damit zu bedecken. Nun lässt
es sich schwer gehen, da immer mehr Schlamm an ihren Fuß-
Foto: Gottfreid Klör
26 25 Jahre durchblick 1/2012
Unterhaltung
sohlen hängenbleibt und der Waldboden ganz weich wird.
Ab und zu bleiben sie stehen und schütteln die Regentropfen
aus ihrem Fell. Auf ihrem nassen Weg begegnen sie vielen
Regenwürmern, die sich über den Regen freuen und ihn herbeigesehnt
haben. Doch schon bald hellt sich der Himmel
auf, und die Sonne guckt durch die Wolken. Plötzlich staunen
alle und bleiben stehen, weil sich am Horizont ein herrlicher
Regenbogen gebildet hat. Sie schauen ihn sich genau an, und
Mama Mutzi erklärt ihren Bärenkindern die Farben, denn er
leuchtet rot - blau - grün - gelb - violett und ist wunderschön!
Doch dieses Schauspiel ist nur von kurzer Dauer, denn ganz
schnell werden die Farben immer blasser und schon bald hat
die Sonne den Regenbogen weggewischt.
Sie setzen ihren Heimweg fort - während die Kuhglocken
läuten und ab und zu ein „muh - muh - muh“ zu hören ist.
Noch über die große Kuhweide - dann sind sie bald zu Hause.
Ob Vater Mutz schon in der Höhle wartet? Meistens kommt
er spät von seiner Arbeit aus dem Wald zurück, denn er ist
Baumfäller und muss morgens zeitig aufstehen. Er verlässt
im Morgengrauen die Höhle. Die Bärenkinder schlafen dann
noch und sehen ihn erst am späten Nachmittag. Vielleicht liegt
er ja schon auf seinem Strohsofa, denn wenn er heimkommt,
ist er immer ganz kaputt von seiner harten Arbeit.
Endlich sind Mutzi mit Jul und Juli angekommen und
sehen schon vor dem Höhleneingang die derben Arbeitsschuhe
stehen. Also ist Vater Mutz schon zurück - Jul und
Juli stürmen herein und knuddeln und kraulen ihn. Er gibt
beiden ein Küsschen auf Nase und Ohren. Alle brummen
vor Freude, denn sie wohnen ganz gemütlich und heimelig.
Mama Bär steht nach kurzer Begrüßung sofort an ihrem Gaskocher
und bereitet für alle eine gute Suppe aus gesammelten
Brennnesseln zu. Außerdem serviert sie noch einen deftigen
Löwenzahnsalat mit frischen Früchten. Es schmeckt, wie immer,
sehr gut. Nun dämmert es schon und durch die kleinen
Höhlenfenster fällt kaum noch Licht! So zündet Vater Mutz
die Stall-Laterne an, die ihm der Bauer von der Alm zu Weihnachten
geschenkt hat.
Die Bärenkinder werden nun in ihre Bettchen gelegt, die
aus Heu und Stroh gebaut sind. Von ihrem langen Spaziergang
und von der frischen Luft sind sie sehr müde. Nachdem
Vater Mutz ihnen noch eine Gutenacht-Geschichte erzählt,
und Mama Mutzi ihnen einen Kuss auf ihr Köpfchen gegeben
hat, schlafen die beiden friedlich brummend ein - „brum
- brum!“
Die Bäreneltern setzen sich noch ein Stündchen vor die
Höhle und genießen die Abendstimmung. Bald ziehen auch
sie sich zurück in ihre Schlafkammer, löschen die Laterne
und brummen in die Nacht - „brum - brum!“ Draußen ruft
noch ein Uhu - „juhu - juhu!“ - Eine Fledermaus zieht ihre
Runden, dann wird es still.
Und wenn sie nicht von der Morgensonne geweckt würden,
dann schliefen sie immer noch! Helga Düringer
SeniorenInnen strahlen über
Haarige Besucher
Cleopatra liegt auf dem weichen Sessel und schnurrt.
Neben ihr thront Ramses und beobachtet genau,
was um ihn herum passiert. Die beiden Katzen haben
Ausflugstag. Seit fünf Jahren kommt das Katzenpärchen
zusammen mit ihrem Frauchen einmal im Monat ins
Siegener Kursana Domizil. Zur Kuschelstunde, als Zeitvertreib
für die Senioren und auch als Therapie. „Der Kontakt
mit Tieren weckt bei demenziell Erkrankten schöne Reaktionen
und Äußerungen, zu denen sie sonst kaum noch in
der Lage sind“, erklärt Annemone Jänsch, „Bewohner, die
sonst kaum noch Freude zeigen können, lachen beim Streicheln
plötzlich, wenn sie erkennen, dass es echte Katzen
sind“. Annemone Jänsch betreut die Bewohner des Hauses
und begleitet Cleopatra, Ramses mit ihrem Frauchen auf
ihrem Weg durch die Zimmer. Auch Margot Rees, die seit
16 Monaten in der Senioreneinrichtung lebt, hat eine Verabredung
mit den haarigen Ägyptern. „Mein Gott, ist das
schön“, ruft die 91-Jährige, als sie die Katzen sieht. Sie
hatte früher selbst viele Haustiere, liebt Hunde und Katzen
besonders. Dass sie im Altenheim noch die Möglichkeit
zum Kontakt mit Tieren haben würde, hat sie überrascht.
„Tiere gehören für viele Bewohner zum Leben dazu. Unsere
Besuchstiere ermöglichen uns ein Stück Biographiearbeit,
wecken alte Erinnerungen und Gefühle und bereichern
den Alltag der Senioren“, erklärt Annemone Jänsch. „Am
liebsten würde ich die
beiden hierbehalten“,
sagt Margot Rees
schmunzelnd, als
Cleopatra und Ramses
die Heimfahrt antreten
müssen. Und
auch die beiden Katzen
haben die Streicheleinheiten
von ihr
genossen. Zum Abschied
wünschte sich
Margot Rees, beim
nächsten Besuch
wieder ganz oben auf
der Besuchsliste Liste
Foto: Gottfreid Klör
stehen zu dürfen ●
1/2012 25 Jahre durchblick 27
Literatur
Ovis Tagebuch
Ein Kinderbuch rezensieren! Welch eine Herausforderung
für mich. Christian Feigs, Dipl.-Ing., Stadtplaner
und Architekt, hat das wahrlich traumhafte
Material zur Verfügung gestellt. Unter dem oben genannten
Titel schildert er die phantastische Reise einer Eizelle
durch den weiblichen Körper, ihre Vereinigung mit einer
Samenzelle und ihr Geboren-Werden. Ihr Name sei Ovi.
Das Allgemeine wird hier zum Besonderen.
Es geschieht seltener, dass man sich im vorgerückten
Alter mit den rein physiologischen
vorgeburtlichen Prozessen auseinandersetzt,
eher schon mit dem
Begleitgut, den mentalen und psychischen
Einwirkungen, dem In- die
Welt- Geworfen- Werden, dem Inder
Welt- Sein, den verschlungenen
Schicksalsfäden, die gesponnen
werden. Die Unverbindlichkeit der
Reflexionen weicht in unübersichtliche
Nebengelasse aus, in Räume,
die das Rationale noch nicht gekapert
hat. Die Gefühle verdichten
sich. Wunschloses Unglück? Nur
Trinkgeld vom Schicksal oder die
pralle Lust am Dasein?
Doch, ich möchte den realen,
hier wie im Märchen erzählten
Abläufen, ihre Leichtigkeit nicht
nehmen.
Verlag: Books on Demand GmbH,
Norderstedt 9,90 €
In zwei winzigen Höhlen, den Eierstöcken, die unter der
jeweils rechten und linken weiblichen Hüfte liegen, reifen
jeden Monat 10 bis zwanzig Eizellen heran, aber nur eine
von ihnen ist reif genug, um sich auf eine lange Reise durch
den weiblichen Körper zu begeben. Ihre Absicht dabei ist
es, einen Prinzen zu treffen. Ovi, das kleine Eizellenmobil,
hat ihren Koffer schon gepackt, gute und weniger gute Eigenschaften
auch darin verstaut. Vor dem Spiegel putzt sie
sich ein letztes Mal heraus, durch Kostümierung wird man
schließlich geadelt. Das Ganze lässt allerdings auf eine nur
wenig ausgeprägte feministische Ader schließen. Sie verabschiedet
sich von ihren Gespielinnen.
Das Eizellenmobil hat die Form einer winzigen Kugel,
zehnmal kleiner als ein Stecknadelkopf und als Sonderausstattung
vier Räder und zwei Scheinwerfer. Neugierig, aber
auch ängstlich, tritt Ovi ihre Reise ins Unbekannte an. Vor
ihr eine unendliche Dunkelheit. Umkehren gilt nicht. Sie
wirft die Scheinwerfer an, zückt ihr Fernrohr und erblickt
Millionen seltsamer Fangarme, die sich ihr entgegenstrecken.
Sie vernimmt ein aufmunterndes Rufen, wackelt vor
Begeisterung mit ihren noch nicht vorhandenen Hüften,
verliert ihre äußere Hülle, die sie tagelang poliert hat und
stürzt sich mit dem Eizellenmobil in die Eileiter, was auch
immer das für eine Leiter sein mag.
Sechs Stunden ist Ovi nun schon unterwegs, ein Tag
bleibt ihr noch, um ihren Prinzen zu treffen, ansonsten ist
ihr kurzes Dasein schon Makulatur.
Sie gibt Vollgas, und plötzlich donnert
etwas gegen ihre Windschutzscheibe.
Millionen kleiner Würmchen,
Spermien genannt, machen sich gegenseitig
Konkurrenz im Hauptgeschäftsverkehr
des Daseins. Wie sie dort hingekommen
sind, bleibt auch in dieser
Schilderung reichlich nebulös. Es ist
eine illustre Gesellschaft. Wen von ihnen
soll Ovi einlassen, schließlich will
sie den Bund fürs Leben schließen.
Ein jungenhafter Typ wirft sich vor
ihre Räder, er hat sich durchgeboxt,
in leichter Macho-Manier, obwohl es
heißt, der Mann stünde heute, nach
einem jahrhundertelangen Prozess der
Häutungen im Verlauf von Rollen- und
Beziehungsmustern, fröstelnd abseits.
Unser jugendlicher Draufgänger entschuldigt
sich bei Ovi auf charmante
Art und Weise. Er gefällt ihr, und nach
forschem Anklopfen öffnet sie die Tür
einen kleinen Spalt, so, dass nur er, der sich mit Spermi
vorstellt, hindurchschlüpfen kann. Zwillinge sind nicht immer
erwünscht. Auch Spermi hat gute und weniger gute
Eigenschaften in seinem Gepäck. Das weibliche und das
männliche Prinzip sind zusammengekommen, Ying und
Yang, ganz schön verliebt. Ideale Voraussetzungen für eine
dauerhafte Verbindung.
Spermi beginnt, das Eizellenmobil umzumodeln, es
muss vergrößert werden, damit sie mehr Platz haben. Nach
knapp drei Tagen gemeinsamer Fahrt kommen sie in eine
Tropfsteinhöhle, ein riesiges Schild davor verkündet:
Achtung! Gebärmutter, Campingplatz für Eizellenmobile.
Diese große Höhle liegt im Unterleib der Frau. Es herrscht
klinische Aufgeräumtheit. Ovi und Spermi mieten sich ein
und machen es sich gemütlich. Sie sichern das Eizellenmobil
mit Seilen ab und finden einen langen Schlauch, die
sogenannte Nabelschnur. Diese wiederum führt zum Mutterkuchen,
dem Depot für die Nährstoffe, die ihr Überleben
sichern. Ein überraschender weiterer Fund ist ein Kalender,
28 25 Jahre durchblick 1/2012
Literatur
der aber nur neun Monatsblätter aufweist. Auf dem Deckblatt
steht: Geeignet nur für Schwangerschaft und Geburt.
Auf der letzten Seite werden Geburt und Geburtstag angekündigt.
Das Mietverhältnis läuft dann aus.
Nun folgen neun Monate Dauerbaustelle. Das Eizellenmobil
muss ständig erweitert und mit modernem Schnickschnack
ausgerüstet werden, da Ovi und Spermi wachsen
und gedeihen. Die Scheinwerfer werden vergrößert, zwei
große Hörtrichter angebracht und das Cockpit bekommt ein
Navigationsgerät. Spermi probiert eine eigenartige Flüssigkeit.
Wie sich herausstellt, ist es Fruchtwasser aus der
Fruchtblase, die sie umgibt, um ihnen Schutz zu bieten. Ein
plötzlicher Knall lässt sie aufhorchen, die Flüssigkeit verschwindet.
Spermi kann sie doch nicht alle getrunken haben!
Nein, die neun Monate sind um, und es ist Geburtstag.
Ovi hat sich den Wecker gestellt. Sie hörte von Freunden,
die verschlafen hatten, dass danach ein Überfallkommando
anrückte und die Bude ausräumte, ein Vorgang, den man als
Kaiserschnitt bezeichnet. Plötzlich ein Beben. Eine Wehe,
ein Auf und Ab. Sie werden rausgeschmissen von der Vermieterin.
Ein heftiger Luftzug erfasst Ovi und ein heller
Lichtstrahl blendet sie. Sie vermisst Spermi. Eine fremde
Hand klopft ihr aufs Hinterteil und sie muss tief durchatmen.
Aber halt! Spermi hat vergessen, die Nabelschnur zu
durchtrennen, das macht jetzt Papi, und der übrig gebliebene
Teil des Mutterkuchens muss auch raus. Sie haben sich
total verändert und sind begeistert von sich selbst. Spermi
antwortet nicht auf Ovis Rufen. Eine innere Stimme sagt
ihr, dass sie ihn nie wiedersehen, aber für immer in ihrem
Herzen tragen wird.
Ovi, die mit Spermi eins geworden ist, wünscht sich viel
Zuwendung, Befriedigung ihrer Bedürfnisse und Unterstützung
bei ihren kleinen und größeren Problemen.
Erika Krumm
Krimi-Tipp: Tod im Lokschuppen
Ein grausamer Mord erschüttert Betzdorf, das kleine
Städtchen am Rande des Siegerlandes. In den Ruinen
des verfallenen Lokschuppens wird die verstümmelte
Leiche eines ortsansässigen Geschäftsmannes gefunden.
Ein heikler Fall für die junge Kommissarin Nina Moretti.
Schnell wird klar, dass der Tote, der scheinbar ein Doppelleben
führte, nicht nur Freunde in der Kleinstadt hatte.
Als am nächsten Tag auch noch der Pfarrer erschossen vor
dem Altar der Kirche liegt, wird der Fall immer undurchsichtiger.
Führt die Spur ins Kölner Rotlichtmilieu? Liegt
das Rätsel in der Vergangenheit der Opfer? Oder sind doch
nur Hass und Eifersucht im Spiel?
Autor Micha Krämer aus Kausen (nähe Betzdorf) hat
in seinem Debüt-Krimi eine spannende Handlung erdacht,
die durch immer neue Wendungen besticht. Auch die
Charaktere könnten gegensätzlicher nicht sein: die junge
Kommissarin Nina Moretti, ihr etwas bedächtiger, aber
dennoch ausgefuchster Kollege Thiel oder der Kölner
Rotlichtkönig Hackenthal, der sogar symphatische Züge
zeigt. Krämer, der auch als Kinderbuchautor binnen kurzer
Zeit bekannt wurde, hat mit seinem Lokalkrimi auch
überregional so großen Erfolg, dass „Tod im Lokschuppen“
in die 2. Auflage geht und es im September einen
weiteren Band mit Nina Moretti geben wird: „Krähenblut“.
Doch vorher, im April, kommt Krämers Zeitreise-
Buch „Keltenring“ auf den Markt. Wolfgang Stössel
TOD IM LOKSCHUPPEN
Der Betzdorf-Krimi
Der mysteriöse
Tod eines örtlichen
Geschäftsmannes stellt
die junge Kommissarin
Nina Moretti vor ein
Rätsel. War er in dunkle
Machenschaften verwickelt?
Führt die Spur
ins Kölner Rotlichtmilieu?
Oder steckt
etwas ganz Anderes
dahinter?
Taschenbuch,
304 Seiten, 9,95 €
Micha Krämer: „Tod im Lokschuppen“, Taschenbuch,
304 Seiten, 9,95 Euro. Verlag amadeusmedien. Erhältlich
im Buchhandel und direkt beim Verlag.
Verlag amadeusmedien
Sebastian-Kneipp-Str. 8
57518 Betzdorf
Tel.: 02741/973129
Fax: 02741/973130
www.amadeusmedien.de
1/2012 25 Jahre durchblick 29
Mein Weg zum
inneren Frieden
Literatur
Buchbesprechungen
Werke aus der durchblick-buchreihe
ISBN 978-3-9810413-4-7
15,90 Euro
… „ich bin dann mal weg“
ist der Titel von Hape Kerkelings
Buch. Nachdem
dieser Satz schon fast zu
einem geflügelten Begriff
wurde, erstand ich mein erstes
Hörbuch. Immer, wenn
ich dann „mal weg wollte“,
nahm ich das Werk mit. Ich
muss allerdings gestehen,
bis zum Ende kam ich bisher
nie, es war einfach zu
lang! Anders dagegen das Buch von Jutta Bauer, das mir
vor einigen Wochen in die Hände fiel und das ich seitdem
schon zweimal durchgelesen habe. Sie beschreibt ihre Gedanken,
Eindrücke und Erlebnisse jener Strecke, auf der sie
an 42 Tagen unterwegs war. Erzählerisch lebendig und zugleich
gespannt durchlebt fühlt man ihre Stimmungen. Es
sind die kleinen Episoden am Rande. Die Strapazen eines
langen – sich selbst auferlegten Weges. Die wechselhafte
Witterung. Oftmals die bedrückende Hitze der Sonne, dann
wieder Regen, der Wege aufweichte und durch die Kleidung
bis auf die Haut drang. Stunden in Begleitung oder
Stunden in Einsamkeit, nur mit sich selbst und den eigenen
Gedanken beschäftigt. Man vermag sich als Leser in die
Welt eines Pilgers hineinzuversetzen. Ja, man hält selbst
mit dem Buch in den Händen zuweilen inne und stellt sich
wie der Wanderer die Frage: Warum macht sie es? Als müsse
man eine Antwort für sich selbst finden. Die einzelnen
Tagesetappen sind in einer lockeren Art beschrieben. Die
Lektüre macht neugierig, neugierig darauf, die Erleichterung
und Erfüllung eines jeden Abends, die Freude auf
einen neuen Tag intensiv zu erfahren. Jutta Bauer: „Mein
Weg zum inneren Frieden“, Taschenbuch, 119 Seiten, Verlag
durchblick-siegen. Erhältlich im Buchhandel und direkt
beim Verlag.
Eva Herrmann
Nachgedacht
ISBN 978-3-9812018-6-4
12,90 Euro
Unser Redakteur Eberhard
Freundt schreibt im
wörtlichen Sinne über Gott
und die Welt. Er legt hier
mit dem bezeichnenden
Titel „Nachgedacht“ sein
zweites Buch vor. Dabei
handelt es sich um eine
Zusammenstellung seiner
Artikel aus verschiedenen
durchblick-Ausgaben.
Thematisch geht es um
Identitätsfindung, wenn gefragt
wird: „Wer bist Du?“
oder „Was ist Menschenwürde?“
Aber auch Fragen nach Gott, den Religionen und der
Lebensqualität auf unserem Erdball stellt sich der Autor.
Freundts Artikel sind fundiert, informativ und anspruchsvoll,
ohne den Leser zu überfordern. Wer sich mit
den Grundfragen des Lebens befassen will, dem sei dieses
Buch wärmstens empfohlen. Er hilft so dem Leser, sich den
Fragen nach dem Sinn des Lebens zu stellen.
Eberhard Freundt: „Nachgedacht“, Taschenbuch, 228
Seiten. Verlag durchblick-siegen. Erhältlich auch im
Buchhandel.
Horst Mahle
30 25 Jahre durchblick 1/2012
Unterhaltung
Krötenwanderung
von Wilma Frohne
Harald stellte den Fernseher leiser, horchte und ging
dann zum Telefon. Beim Abnehmen des Hörers
tönte lautstark die Stimme seines Freundes: „Da
bist du ja endlich. Kuck ‘ mal in euern Teich.“ Harald hatte
keine Lust auf ein Schwätzchen. Er wollte im Fernsehen
das Autorennen verfolgen, auf das er sich schon lange gefreut
hatte, und sagte: „Ich weiß. Der Springbrunnen läuft.
Wir reden später, ja!?“ Beim Auflegen hörte er: „Kröte!“,
riss den Hörer ans Ohr und fauchte: „Was soll das!?“ „Reg
dich ab. Du bist nicht gemeint. Ihr habt Kröten.“ „Waaass?“
„Du hast dich nicht verhört. Tschüss.“
Einige lange Schritte,
und der junge Mann stand
am Gartenteich. Die Wasseroberfläche
war spiegelglatt.
Die Fische schwammen
ruhig. „Philipp hat
geträumt“, brummte er,
drehte sich um und blickte
durch die offene Terrassentür
auf den Fernseher.
Der Ferrari schoss gerade
durch die Südkurve. Hinter
Harald platschte es.
Er schaute zurück zum
Teich, sah, wie etwas dunkel
Glänzendes verschwand und starrte auf die größer und
gleichzeitig flacher werdenden Kreise des Wassers.
Auf dem Bildschirm jagte Mercedes den Ferrari und
die Stimme des Reporters sprudelte vor Begeisterung.
Harald seufzte. „Ich hätte so gern das Rennen verfolgt.
Aber ich muss wissen, ob wirklich Kröten im Teich sind.“
Er klopfte eine Zigarette aus der Schachtel. Gleichzeitig
mit dem Schnippen des Feuerzeuges gluckerte das Wasser.
Eine Krötenfrau, mit ihrem Männchen auf dem Rücken,
war in der Mitte des Teiches aufgetaucht und schwamm
zum Schilf. Harald stand ganz still, sah den Tieren gebannt
nach, und der Wind blies die Flamme des Feuerzeuges aus.
„Philipp hat tatsächlich richtig gesehen!“
Im sonnigen Frühlingswetter setzte er sich draußen in
einen Sessel, starrte zum Schilf und dachte: „Kröten wandern
doch immer zu ihrem Laichgewässer zurück. Und
dieser Teich ist neu. Sie können also im vergangenen Jahr
nicht hier gewesen sein. Warum sind sie bloß nicht wie
sonst zum Naturschutzgebiet marschiert? Wegen der Krötenwanderung
ist doch seit Mitte des Monats nachts sogar
die Moorstraße gesperrt.“
Wieder gluckerte das Wasser. Noch ein „Huckepack-
Pärchen“ tauchte auf und ruderte zu den Rohrkolben. „Wir
haben doch einen Teich für Fische und nicht für Kröten
angelegt“, knurrte er, steckte sich die nächste Zigarette an
und betrachtete die warzigen und irgendwie lehmfarbenen
Gesellen. Zählen konnte er die Punkte auf ihren Rücken
allerdings nicht, doch wegen der schlanken Körper vermutete
er, dass es sich nicht um Kröten, sondern um Frösche
handelte.
„Ob sie im Dunkeln auch anfangen zu quaken und wir
heute Abend ein Froschkonzert hören?“ Harald schaute
zum Fernseher. Der Spaß am Autorennen war ihm jedoch
verleidet, obwohl sich der Abstand zwischen Ferrari und
Silberpfeil verringerte.
Er lehnte sich im Sessel
zurück und überlegte, dass
allein zwei Pärchen schon
drei- bis viertausend Eier
oder sogar das Doppelte
ablegen und somit für sehr
viel Betrieb im Teich sorgen
könnten. Eine Menge
der Eier und Kaulquappen
würden zwar Fische und
Wasserinsekten fressen,
aber wenn nur einige groß
werden, ist der Teich bald
zu klein. Es werden auch
bestimmt Reiher angelockt,
und die sind dann mit so einem Häppchen nicht zufrieden.
Sie picken sich gleich noch einen Fisch mit heraus.
Doch wenn die Froscheltern blieben, könnten sie mit ihrer
langen klebrigen Zunge im Sommer viele Mücken fangen.
Und Schnecken, die sie sogar mit ihrem harten Haus verspeisen
würden.
Harald wählte Philipps Nummer: „Du hast recht. Wir
haben Frösche. Was kann man denn gegen dieses Krötenzeug
tun?“ „Mach dir keine Sorgen. Die Hüpfer verschwinden
sowieso von allein wieder dorthin, wo sie her gekommen
sind, sobald sie ihre Eier abgelegt haben.“ „Und dann
bevölkert ihre Brut den Teich.“ „Na ja, Du könntest ihre
Laichketten mit dem Käscher abfischen, in einen Behälter
stecken und zum nächsten Gewässer bringen.“ Philipp kicherte.
„Du könntest aber auch eine Zucht aufmachen und
dann öfter preiswert Froschschenkelsuppe essen.“ „Also
weißt du…!“
Foto: www.wikipedia.de
Über den Baumkronen färbte sich der Himmel purpurn.
Es wurde kühl. Harald ging ins Wohnzimmer, schloss mit
einem finsteren Blick auf den Teich die Terrassentür und
verfolgte dann gespannt die über den Bildschirm flimmernden
Höhepunkte des Autorennens. ●
1/2012 25 Jahre durchblick 31
Unterhaltung
Jahrmarkt der Eitelkeiten
Glamour, Klatsch und Paparazzi
Lady Gaga
Was einmal die
Hofberichterstattung
war,
ist heute zu einem riesigen
Geschäft geworden.
Nicht nur die Regenbogenpresse
berichtet
in sogenannten People
Magazinen und diversen
Klatschblättern über Prominente.
Auch jeder größere
TV-Kanal hat eigene
Formate, die sich mit der
Glamourwelt befassen.
Die Amerikanerin Elsa
Maxwell (1883–1963)
gilt als Mutter des heutigen
Boulevardjournalismus. Wie im 19. Jahrhundert Damen
der Gesellschaft einen Salon führten, um mit interessanten
Menschen
zusammenzukommen
–
Marcel Proust
hat in seinem
Roman „Eine
Liebe Swanns“
1913 den Salon
der Sidonie
Verdurin
in Paris detailliert
beschrieben
– oder wie
Bertha Zuckerkandl
in Wien
einen Salon
Maria Callas
führte und in
ihren Erinnerungen
1892–1942 über Begegnungen mit Prominenten aus
Kunst, Wissenschaft und Politik „aus dem Nähkästchen“
plauderte, so etablierte sich auch Elsa Maxwell erst in Europa,
später in New York und Hollywood als Gastgeberin der
High Society. Sie war eine Netzwerkerin, würden wir heute
sagen und vermarktete ihre Party-Geschichten anschließend
in zahlreichen Zeitungen und auch im Rundfunk. Sie schrieb
tägliche Kolumnen über ihre Begegnungen mit Künstlern
(Maria Callas etwa oder Rita Hayworth) und über Mitglieder
des europäischen Hoch- oder des globalen Geld-Adels (Aristoteles
Onassis z.B.). Ihre spitze Feder konnte vor allem in
Hollywood Schauspieler-Karrieren forcieren oder beenden.
In Deutschland und Österreich waren die führenden
Gesellschaftskolumnisten Hannes Obermaier (Pseudonym:
Hunter, (wie passend: Jäger), Roman Schliesser, der für die
Kronenzeitung von 1966–1993 als „Adabei“ (auch dabei)
die Wiener Prominenz vor allem auf den jährlichen Opernbällen
begleitete und Michael Graeter, der viele Jahre für
die Münchner Abendzeitung und die Bunte in Münchens
„Bussi-Bussi“-Gesellschaft unterwegs war.
Seit dem TV-Ereignis „Kir Royal“ (1986 Regie: Helmut
Dietl) mit Franz Xaver Kroetz (spielt den Klatschreporter
Michael Graeter) und Dieter Hildebrandt (spielt den Fotografen
Franz Hug), sind wir alle bestens informiert, wie so
Promi-Geschichten gemacht werden, oder gemacht werden
könnten. Ebenso war der Urmünchner Journalist Sigi Sommer
aus der Berichterstattung der Münchner Szene nicht
wegzudenken. Von 1949 bis 1987 erschien in der Abendzeitung
seine ungeheuer erfolgreiche Kolumne „Blasius,
der Spaziergänger“, in der er kleine Begebenheiten aus dem
Münchner Alltag, aber auch aus der Welt der Schickeria
zum Besten gab. Die Münchner liebten den Paradiesvorgel
Sigi Sommer, der schon immer in Lederjacke, Jeans und
weißen Turnschuhen durch die Straßen lief, lange bevor
das „Mainstream“ wurde. Deshalb gibt es in München auch
in der Rosenstraße am Viktualienmarkt eine Bronzestatue
vom Spaziergänger Sigi Sommer.
Auch der heutige Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner
(Post von Wagner) war in diesem Metier unterwegs und
über Jahre Chefredakteur der Bunten Illustrierten. In diesem
Geschäft wird viel Geld verdient und nicht wenige ge-
Else Maxwell,
die Mutter des
Boulevardjournalismus
(links)
und deren
Opfer, Lady Di
(rechts), mit
ihrer Schwiegermutter,
Königin
Elisabeth II.
Brigitte Bardot
6 Fotos: www.wikipedia.de
32 25 Jahre durchblick 1/2012
Unterhaltung
hen für die Sensation und das heiße Bild „über Leichen“.
War Lady Di, die meist fotografierte Frau der Welt, Opfer
der Paparazzi?
Paparazzi werden die Fotografen genannt, die Prominente
unerwünscht auf Schritt und Tritt verfolgen. Seit Fellinis
Film „Das süße Leben“ aus dem Jahr 1960 hat sich
dieser Begriff verbreitet. Fellini hatte der Name Paparazzo
eines Hoteliers so fasziniert, dass er ihn für seinen Film
übernahm. Hier verfolgte der Fotoreporter Paparazzo die
Schauspielerin Anita Ekberg, die am römischen Fontana
di Trevi allerdings bereitwilligst mit ihren üppigen Kurven
posierte und so weltberühmt wurde.
Insider haben es natürlich leichter und müssen nicht
mit der versteckten Leiter im Wald auf einen guten Schuss
ins Privatleben der Schickeria warten. Gunther Sachs etwa
oder die sogenannte Mamarazza Marianne Sayn-Wittgenstein
haben auch Tausende von Insider-Fotos gemacht und
gehortet. Die über 90-jährige „Manni“ Sayn-Wittgenstein
hat über 250.000 Fotos archiviert und verkauft noch heute
Bücher mit ihren Fotos, die aber nie indiskret sind. Über
30 Jahre veranstaltete sie ländliche Mittagessen in Fuschl
während der Salzburger Festspiele und hatte da natürlich
die beste Gelegenheit als Gastgeberin ihre Gäste mit der
Kamera festzuhalten. Sie war auch mit Gunter Sachs
befreundet, der seinerseits zugleich Fotograf war (Mode
und Kunst) aber auch ein Gejagter als Mitglied des Jet-Sets.
Doch gute Journalisten in diesem Metier erfahren viel,
behalten aber auch manch brisante Neuigkeit - zumindest
ein paar Tage - für sich. So auch Michael Graeter. In seiner
Autobiografie „Extrablatt“ (2009) erzählt er über die
Lovestory des Jahrzehnts, über Brigitte Bardot und Gunther
Sachs. 1966 hatte ihm ein Grenzbeamter den Tipp gegeben,
dass Gunter Sachs und Brigitte Bardot gemeinsam am
Flughafen Riem gelandet seien und mit unbekanntem Ziel
unterwegs seien. Graeter recherchiert und geht mit einem
Fotografen auf die Pirsch. Das wäre eine Sensation, als
erster über eine Romanze zwischen Deutschlands bekanntestem
Playboy und der Schauspielerin zu berichten. B.B.
der Liebestraum von Millionen von Männern, blond, lasziv,
verführerisch. „Dann steht sie da, die schönste Frau der
Welt, in verwaschenen Jeans und barfuß. Eine Eva, die vom
Himmel gefallen ist.“ Graeter hat seine Geschichte und Fotos
im Kasten mit dem Deal: Er hält die Sensation unter
Verschluss, bis die beiden das „Liebesnest“ bei Rosenheim
wieder verlassen haben. Kein Konkurrent bekommt Wind
von der Sache, bis das Paar verschwunden ist und Graeter
seine Story zur Schlagzeile in der Abendzeitung macht.
1966 heirateten B.B. und Gunter Sachs in Las Vegas. Die
Ehe endete nach drei Jahren.
Besonders beliebt sind nach wie vor Meldungen und
Bilder aus der Welt der Monarchien. Nur diese Häuser haben
PR-Abteilungen, die meist die Berichterstattung steuern.
Bei Lady Di war das anders, erst spielte sie mit der
Presse, dann konnte sie „die Geister, die sie rief“ nicht
mehr zügeln. So suchen auch viele Stars, Sternchen und
It-Girls * den roten Teppich und das Blitzlichtgewitter der
Fotografen, um bekannt zu werden. Ein tiefes Dekolleté
hilft immer noch dabei.
Da wir nun kein Königshaus mehr haben, müssen unsere
Politiker für Klatsch und Tratsch herhalten. Immer wieder
gibt es „Home Stories“ von Politikern, vor allem vor anstehenden
Wahlen. Da macht es sich gut, die heile Welt – eine
glückliche Ehe und Familie – ins rechte Scheinwerferlicht
zu stellen. Doch immer wieder „fliegt“ manch Politiker auf,
wenn pikante Details über Affären öffentlich bekannt werden.
Karl Theodor zu Guttenberg oder auch aktuell Christian
Wulff sind gute Beispiele, die zeigen, wie Karrieren
auch medial gemacht und zerstört werden.
Adlige sind oft wie scheue Rehe, die die Öffentlichkeit
meiden. Umso mehr interessieren sich die Leser dafür, was
eigentlich hinter den Schlossmauern passiert. So schlagen
einige Insider selbst Kapital aus der Neugier des Publikums
und öffnen ihre Schlösser und Gärten, schreiben Bücher
und gehen in Talks hows, etwa Fürstin Gloria von Thurn
und Taxis. Oder sie schreiben selbst für die bunten Blätter
wie Alexander von Schönburg. „Noblesse oblige“ heißt ein
Buch von Christine Gräfin von Brühl, in dem sie mit einem
Augenzwinkern über den Adel erzählt, was man schon immer
wissen, aber nie erfahren sollte.
Eine Medienwelt ganz ohne Glamour und Klatsch über
Prominente, Sternchen und Stars (wie Lady Gaga) wäre
doch langweilig.
Tessie Reeh
*Mädchen mit dem gewissen Etwas
1/2012 25 Jahre durchblick 33
Kultur
Das besondere Konzertjahr
Große Konzert-Aufführungen verlangen viele Probestunden.
dieses Werkes miterleben. Das Oratorium „Die Schöpfung“
thematisiert die Erschaffung der Welt, wie sie im 1. Buch
Mose der Bibel erzählt wird. Die drei Erzengel Gabriel, Uriel
und Raphael, als Solisten, erzählen in Rezitativen die Schöpfungsgeschichte.
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde,
und die Erde war ohne Form und leer,
und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe.
Philharmonischer Chor Siegen und der Chor des
städischen Musikvereins Hamm während der Probe
Seit über zwei Jahrzehnten bin ich nun schon Mitglied
und aktive Sängerin im Philharmonischen Chor, freue
mich immer noch auf jedes Konzert und nehme möglichst
an allen wöchentlichen Proben teil. Vor jeder Konzertaufführung
kommt noch zusätzlich eine Wochenendprobe
– samstags und sonntags – mit jeweils circa sechs Stunden
hinzu. An diesem langen Wochenende sind wir Sänger besonders
aktiv und voller Energie, denn diese beiden Tage bestehen
nur aus Musik. Die letzten Unsicherheiten werden ausgeräumt
und mancher Takt oder auch mancher Einsatz werden sooft
wiederholt, bis der Dirigent das hört, was er hören möchte.
Das schult in den vielen Jahren der Übung auch das Ohr eines
Laien und das sind wir ja alle. In allen Konzerten werden wir
von den Sängerinnen und Sängern des „Städtischen Musikvereins
Hamm“ kräftig unterstützt. In diesem Jahr stehen nun
besondere Werke zur Aufführung auf unserem Programm.
Den Auftakt gibt die Aufführung des bekannten Oratoriums
„Die Schöpfung“ von Josef Haydn (1732–1809). Haydn
war während seiner Englandbesuche sehr beeindruckt von
den Oratorien Händels und wurde dadurch angeregt, auch ein
Werk mit einer solchen Klangfülle zu schreiben. Zurück in
Wien bekam er einen Auftrag und arbeitete an dieser Komposition
fast bis zur Erschöpfung, konnte aber noch die Erfolge
Autorenfoto
Der Chor singt die großen Passagen, die jeweils am Ende
eines jeden erschaffenen Tages ertönen. Der Zuhörer wird
durch die Musik voll mit in die Erschaffung unserer Erde
einbezogen.
Kaum ist die Musik von Haydn verklungen, der übrigens
auch unsere Nationalhymne komponiert hat, nehmen wir an
dem Eröffnungskonzert der 2. Siegener Biennale teil. Zur
Aufführung kommt die „Auferstehungssinfonie“ von Gustav
Mahler (1860–1911). Mahler begann schon sehr früh
mit seiner musikalischen Ausbildung. Bereits mit 10 Jahren
trat er zum ersten Mal als Pianist auf und galt zu seiner Zeit
als einer der größten Komponisten, Dirigenten und Operndirektoren.
Mahler, Sohn einer jüdischen Familie, ließ sich
taufen und konvertierte zum Katholizismus. Auf Grund von
Krankheiten und Lebenskrisen befasste er sich mit Tod, Auferstehung
und Erlösung des Christentums und setzte diese
Gedanken in Musik um. Die „Zweite Sinfonie“ oder auch
später „Auferstehungssinfonie“ genannt, ist das Monumentalwerk
des Komponisten, welches jeden einzelnen Sänger
herausfordert. Erst im fünften Satz kommt der Chor mit ca.
250 Sängern zum Einsatz.
Aufersteh`n, ja Aufersteh`n
wirst Du mein Staub, nach kurzer Ruh.
Unsterblich Leben! Unsterblich Leben
wird, der Dich rief, Dir geben.
Wieder aufzublüh`n, wirst Du gesä`t!
Der Herr der Ernte geht
und sammelt Garben uns ein, die starben!
Josef Haydn
Gustav Mahler
Ludwig van
Beethoven
Felix Mendelssohn-Bartholdy
4 Fotos: www.wikipedia.de
Dieses Werk werden wir
gemeinsam mit der Evangelischen
Kantorei Siegen aufführen.
Der „Klassik Sommer
Hamm 2012“ steht ganz im
Zeichen Beethovens (1770–
1827) – alle neun Sinfonien
34 25 Jahre durchblick 1/2012
Kultur
dieses großen Komponisten werden aufgeführt. Die „Neunte
Sinfonie“ endet im Finale mit einem Chorsatz. Als Text
wählte Beethoven den Text von Friedrich Schiller der „Ode
an die Freude“.
Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium!
Wir betreten feuertrunken, Himmlischer Dein Heiligtum!
Diese „Schicksalssinfonie“ in D-Moll ist Beethovens
letzte, vollendete Komposition und heute weltweit eines der
populärsten Werke klassischer Musik. Sie ist ein Appell an
die Verbrüderung aller Menschen und wird bei besonderen
geschichtlichen Ereignissen, wie dem Mauerfall 1989 in
Berlin, gesungen.
Ende des Jahres werden wir dann noch eines meiner
Lieblingswerke aufführen „Elias“ von Felix Mendelssohn-
Bartholdy (1809–1847). Es ist ein umfangreiches Oratorium
nach Worten des Alten Testaments über die Geschichte des
biblischen Propheten Elias. Mendelssohn-Bartholdy hat sich
viele Jahre mit dieser mächtigen Gestalt des Propheten befasst
und wünschte sich auch für seine eigene Zeit einen solchen
starken, eifrigen und manchmal auch zornigen Mann.
Dieses gewaltige Werk gibt in Rezitativen und Chorpassagen
die Not des Volkes Israel wider, welches durch seine
Vielgötterei mit einer großen Dürre bestraft wird. Elias will
das Volk wieder zu dem einen Gott zurückführen und kämpft
gegen die Götter Baal. Er ruft und bittet den einen wahren
Gott um Regen, damit die Trockenheit des Landes endet.
Schließlich, nach langem Ringen, wird sein Flehen erhört
und „die Wasserströme ergießen sich“.
Mendelssohn selbst bringt dieses Werk in England noch
unter seinem Dirigat zur Aufführung und erntet einen nicht
enden wollenden Applaus.
Er stirbt mit 37 Jahren - viel zu jung für so einen begnadeten
Künstler.
Diese vier großen Aufführungen werden uns durch das
Jahr führen, sie erfordern zwar viel Übung und Disziplin,
schenken uns dafür aber große Freude.
Helga Siebel-Achenbach
Wir bieten:
Garten- und Landschaftsbau
Gartengestaltung und Pflege
Wir decken jede Arbeit in Ihrem Garten ab
Grabpflege und - anlage
auf allen Friedhöfen im ganzen Siegerland
Deutsche Sprak,
schwere Sprak
So oder ähnlich hört man Menschen reden, die
Deutsch lernen. Aber es kann mit der Sprache
nicht anders sein, als mit jedem anderen Lerngegenstand
auch. Immer setzen die Götter vor den Erfolg
den Schweiß. Und wer nicht die Regeln und Gesetzmäßigkeiten
lernt, wird versagen. Viele Ausländer sagen,
dass die deutsche Sprache eine schwere Sprache sei.
Aber genau das macht ihren Wert und ihre Schönheit
aus. Hat man einmal ein Gefühl für sie entwickelt, wird
es schmerzlich aufstoßen, wenn diese Schönheit immer
wieder zerstört wird, weil der Sprecher die Regeln nicht
gelernt hat.
Die deutsche Sprache ist für uns das stärkste Kommunikationsmittel.
Sprache ist Kultur schlechthin. Geht
sie zugrunde, geht unsere Kultur zugrunde. Man braucht
nur etwas genauer in die Tageszeitungen zu sehen, so findet
man Fehler zuhauf. Aber wenn so genannte gebildete
Leute - in diesem Fall eine etwa 35jährige Akademikerin
- zu ihrer Kollegin äußert: Die Kriege von Friedrich dem
Großen haben dem Staat viel Geld gekostet, so braucht
man sich nicht zu wundern,
wenn es der deutschen
Sprache schlecht
geht, bis sich durch solche
Schludrigkeiten echte
Verständigungsschwierigkeiten
ergeben, als
Ergebnis mangelhaften
Lernens der Grundregeln.
Wer sich aber bemüht,
wird bald erkennen, wie
schön und reich die deutsche
Sprache ist, die einen
Vergleich mit anderen
Sprachen nicht zu scheuen
braucht. ●
Der Kommentar
Foto:Gottfried Klör
... aus Tradition
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Johannes Buhl
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1/2012 25 Jahre durchblick 35
Mundart
„Armer Schnierer“!?
Foar langer Zitt schdonnen de Schnierer en däm Rof,
beddelarm ze sin, wail de Arwet met d‘r Noal me als
schleacht bezalt wuer. Ain „Taler” gräj en Schnierer
eher emol bi de riche Schdattli, om Land goabet dofoar Naduralien
on dä Räst wuer noch met Grosche afgeschdoddert.
En Schnierer – so d‘r „Volksmund” – lef och merrem gefleckde
„Gewand” (A‘zoch) rem, woar schbendelderr, d‘rzo
schdännich henner d‘r Arwet on d‘m Gäld hear, em sin Familie,
finanziell gese‘, „ewer de Ronde” ze bränge.
Bi os d‘rhaim woar darre glai bessje annerscht. Min Fadder
hadde als Schnierer och net emmer en fäsde Arwets‘schdäll,
woar fa Zitt zo Zitt arwetslos, bes dä Ma met däm „Hitlergros”
kom. En d‘r Grechszitt woar hä als Schnierer bi d‘r
„Wehrmacht” om „Heidenberg” ageschdällt. En de jonge
Joarn biem Botzebänner Kaufhaus Bender en d‘r Kölner
Schdrose, schbäer biem Schneider Wibbel Kaufhaus Schneider
am Kölner Tor on em „Kaufhof am Mart”. Owends awer
arbde hä emmer noch d‘rhaim, oft bes en de Nacht ren, em
met d‘r Schär, d‘r Noal on d‘m Bejjel‘ise di Li, di sech dat
laisde konnen, fa usse got uss‘se ze loase. Alles no „Mass”
gearbt! On de bäsde Schdoffe foarn A‘zoch, Mantel orrer e
Kundschaft gesocht
Kostüemche, bezog min Fadder uss England. „Kleider machen
Leute”, e al Schbrechwoart, dat och ho‘zedach a sinner
Faszination niks ferloarn hät.
Jo, on min Modder, di besorgde da de Kundschaft. Si hadde
en gleckliche Hand d‘rfoar, d‘r rechdiche Geschäfts‘senn, wi
m‘r so sät. Ain Frou hoarde emo, wi en anner zu ner annern säde:
„Do henne geart de Frou – sowiso – ! Wi got di werrer
a‘gedo es! – Dat moss di och, dä Ma es doch Schnierer!”
– Hozedach kenn m‘r sä: „Guckt emol, do laift se werrer
‚Reklame‘ foar ear Ma!”
So arbde min Fadder foar Wiertsli, Metzeler, Konditern,
och finanziell got geschdallde Büerograde. A ain Ma ka ech
mech noch besonnerscht erennern, dä hadde en „Bockel” fa
Gebuert a – woar arich schäb of ainer Sidde. Hä kom aimo
em Joar on les sech jedesmol ussem bäsde Schdoff en A‘zoch
schnierern. Min Fadder härren „Schdotskalle” uss däm gemacht.
Bim Jacket wuer ain Scholler so uss‘schdafiert, dat dä
Bockel kumm ze se woar, on dä Ma da met scheane, braire
Schollern remlef. Aijendlich hädde dä sech dat garnet laisde
konn, hät det ganze Joar d‘rfoar geschbart – doch em näjje
A‘zoch woar hä „smart”.
Botzedäsche foar „Meyer's Minister“
Mier hadden d'rhaim noch Wochedachs- on Sonndachs-Glearer.
Wollden min Ällern am Wochänn
„ussgo”, wuern de “gore Glamodde” ussem
Schrank gehoalt. „Nobel geht die Welt zugrunde” – on nie
one Hod! Min Fadder bejjelde sech extra noch d'r Gneff em
Hod zerächde, min Modder hadde en gore Hodmacherin, di dä
neme moderne Hod emmer werrer em'arbde. Si mossden aifach
„Schdot” mache, got a'gedo sinn – d'r „Kundschaft” wäje.
Ze A'fang, bes Medde de drissicher Joarn onnernomen
min Ällern altmo „Werbungswirksame Wiertschaftsbesoche”.
On ech duerfde emmer met d'rbi sinn. Am bäsde
gefel'et mier en d'r Wierts'schdoab fam „Meyer's Minister”.
Hä mossde altemo näjje Botzedäsche foar dat fele Glaigäld
ha, warre zom Russgä br'uchde. On di Botzedäsche, di uss
besonnerscht fäsdem Schdoff, draifach genät, groas on lang
sin sollden, mog min Fadder. Awer ergendwann hel dat fele
Gegrabsche no de Grosche en de Botzedäsche och d'r bäsde
Schdoff net uss, on da gräj min Fadder werrer wat ze
fer'den. Derwäje gengen mier jo och dohin, on soasen m'r
a osem Desch en d'r Wiertsschdoab, brochde d'r „Meyer's
Minister” glich en Wa'choller foar min Fadder, kuerz d'rno e
Pils, min Modder gräj e Likörche, ech Gleckerwasser. Schbäer
beschdalten sech min Ällern altmo Doffelnsalot on haisse
Wierschdscher met arich fel scharfem Senf. Fa jedem gräj
ech wat of en glaine Däller – nuer kän Senf – dä es ze scharf
foar dech, dä macht „fräch”.
Foar de Ässeraij woar de Frou Meyer zoschdännich, on
die schoab da de beläde Dällern duerch e glai Fesderche fa
d'r Keche uss en de Wiertsschdoab. Mänchmol gräj ech fa ear
en glaine „Nodesch“. Pudding met Hembernsosse orrer en
Koggel Iss merrem Wäffelche. Schbäer kom da d'r „Meyer's
Minister” mem Praline-Karrussell a d'r Desch – e Rondell
met sechs Dorde-Schdeckelsches Schublade zom „Drellern”
(remdrä), wo Pralincher dren logen. Merrem Dräknobb konn
m'r sech ai Schublädche uss'soche, schmess zwanzich orrer
drissich Pänning en'nen Schletz, zog am Lädche on nom
sech da dat Schnuckzich. Mier schmoken de Pralincher
met Marzipan foar zwanzig Pänning. Min Modder nom di
em Selwer- orrer Gold-Staniolbabier, ennedren Ejjer- orrer
Kirsch-Likör – ai foar drissich Pänning. Min Fadder dronk
ser lewer en Schnabbs! On ech schbelde hennerhear met de
Schdaniol'babiercher.
Wollden de Li bezaln, ha ech emmer met groase Auge zogeguckt,
wi d'r „Meyer's Minister” uss d'r lenke Botzedäsche
en Handfoll Glaigäld zom Wearseln russhoalde. Zwesche
Grosche, Fenfer on Pänninger glitzerden de Mark-, Zwomark-
on Fenfmarkschdecker. Form Bu'ch heng en Learerdäsche
foar'd Babiergäld; wuer awer de lenke Botzedäsche
36 25 Jahre durchblick 1/2012
Mundart
ze schwear, wannerden Mark-,
Zwo- on Fenfmarks'schdecker
of de rächde Sidde. Wail dat fele
Gäld de Botze no onne zog,
wuer di duerch braire Botzeträger
„en Form” gehale, do da
kom en Wäsde drewer – och fa
minnem Fadder geschnierert.
Als mier os erjendwann
emo of d'r Haimwäch mache
wollden, gräj ech fa d'r Frou
Meyer en decke, blankgebotzde
roare Abbel, wail di wossde,
darrech gäg of Äbbel woa – d'r
„Minister” awer säde noch:
„On wann d'r earschde Pänning
duerch det Botzebai fällt, br'uch
ech werrer naijje Botzedäsche.“
„On fa mier gore Geschäfde,
domet Si fel en de Botzedäsche
griffe mosse“, säde min Fadder.
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Nom Grech hadde min Fadder so fel ze do, dat hä en
Zittlang „Sälbst'schdännich” woar. „Ambulanter
Gewerbetreibender”, sät det Finanzamt d'rzo. Als de
Englänner en Seje schdationiert, schbäer da de Belgier komen,
rannden os nämlich de „Besatzer” de Bude en. Genau
wi bi d'r „Deutsche Wehrmacht”, wo min Fadder em Grech
en d'r „Heidenberg-Kaserne” of d'r Schnierer'schdob arbde,
lesen sech itzend finanziell gotgeschdallde englische, on da
belgische Offiziere privat – och werrer fa de bäsde Schdoffe,
di se awer sälwer besorge mossden – ear „Sonndachs-Ussgo-
Uniforme” schnierern. Begleche wuer de Arwet genau wi
domols bi dä deutsche Offiziere, maisdens met Naduralien.
Glaigäld gobet awer och.
Itzend logen bi os d'rhaim Schdangewis de Zigaredde rem.
Min Modder feng de Raucheräj a, min Fadder gräj decke, diere
Zigarrn. Ze Ässe hadden mier me als genoch. Englänner on
Belgier brochden Bodder, Ejjer em Dotzend, Kekse on Koche
en Staniol'rolln ferpackt, net ze fergässe di groase Dafeln belgische
Schokkelade, Schenke on allerläj Wuerscht en Doase,
Fätt on Schbäck, Mäl on Zucker. Doch det Bäsde fa allem
woarn de Kafeboane, hell, o'gebrannt. Dat woar wat, wann di
Boane zom Resde en d'r Pann logen, dä Geroch zog duerch det
ganze Huss, sogar of d'r Schdrosse zogen de Li de Nas hoch,
dänn Boanekafe konn m'r domols net kaufe.
Fa dä Zitt a gräjen mier fel Besoch uss d'r Nochberschaft
zom „Boanekafedrenke”. Ain Nochbersch fä näwe a kom on
säde: „Bi ou ruchdet so got, darf ech emo rennkomme?” Min
Modder fräjjde sech, all woarn gearn gese', gräjen me als ai
Käbbche Kafe, ronne Kekse, d'rbi noch en Zigaredde. Jedem
lef det Hearz ewer on et wuer fel gelällt. Mier hät dat wane
Usslännische Kundschaft
Schbass gemacht, warrech do all ze hearn gräj! Kenner, di net
fam äjene Ma woarn, wä met wäm „fremd geng”. Och ewer
„englisch- on belgisch-deutsche” Liebschafde wuer geläsdert.
Doch di „Sensation” fa allem - ain Frou uss d'r Nochberschaft
woar of aimol en Ma. Nä, wat wuer sech do det Mull zerresse!
On det Käbbche Kafe schmok noch emo so got.
Met d'r Zitt gräjen min Ällern emmer me Gewecht of de
Wog, on earjendwann, so em 1949 rem ferlor sech dat met
d'r usslännische Kundschaft. Läwensmeddel konn m'r werrer
en de Geschäfde kaufe. Min Fadder hadde em Kaufhof
en Arwets'schdäll em Ferkauf en d'r Hearrn-Abdailong on
als Ännerongs'schnierer agenomme. D'rhaim härre och noch
gearbt, maisdens jedoch brochden de Li ear Glamodde zom
Ännern, dänn m'r konn no alles got passend on belliger – „fertig
fa d'r Schdang” kaufe. „Armer Schnierer”?! Gerda Greis
Schneiderstube 1925 – Schneider Wibbel am Kölner Tor
Autorenfoto
1/2012 25 Jahre durchblick 37
Warum sollten Besucher
nach Siegen kommen?
Foto: Fritz Fischer
Fast in der Mitte Europas liegt die Stadt, die vielen
nur dem Namen nach bekannt ist, an der der Reiseverkehr
über eine der jüngsten Autobahnen im
schnellen Tempo vorüberrauscht, und nur ein Blick auf
die Tourenkarte zeigt, dass vielleicht ein kleiner Imbiss
an der Siegerland-Raststätte fällig wäre.
Siegen, wer kennt diese Stadt, die auf den ersten Blick
für sich kaum etwas Spektakuläres in Anspruch nehmen
kann? Gewiss, von der Autobahn fällt der Blick in eine
hübsch bewaldete Landschaft, kleine schwarzweiße Fachwerkorte
schmiegen sich in die Täler, ziehen sich über
die Höhen, aber lohnt es sich, hier einen Aufenthalt zu
planen?
Aber hier wie andernorts zeigen sich Welten, die sich
nur dem interessierten Betrachter erschließen und ihm
plötzlich zeigen, dass es nur um sein Interesse geht, wenn
er seinem Leben neue Impulse geben will. Und das kann
er hier in ausreichendem Maße, denn die Geschichte des
Siegerlandes zeigt, dass dieser Teil Deutschlands zu Unrecht
in Vergessenheit geraten ist.
Siegen, die südlichste Großstadt von Nordrhein-Westfalen,
die seit den siebziger Jahren eine Universität beherbergt,
die von ihrer Struktur her in Deutschland keineswegs
zu den Unansehnlichsten gehört, wenn sie auch den
Liebreiz südlichen Flairs nicht aufbringen kann, ist keine
typische Universitätsstadt. Kaum fallen die Studenten auf.
Aber über siebzig Museen und Galerien zeugen von regem
Interesse seiner Bewohner an Kultur und Bildung,
und jahrhundertealter Fleiß wird nicht nur durch die in
Deutschland einmalige Haubergswirtschaft, an vielen
Stellen noch sichtbar, belegt.
Siegen, Hauptstadt einer ursprünglich kargen Region,
die ihre Bedeutung aber schon in der La-Tène-Zeit bekam,
als die Kelten bei ihren Wanderungen hier auf Eisenerz
stießen und dieses in sogenannten Rennöfen verhütteten.
Die Felder brachten nur geringen Ertrag, der eigentliche
Reichtum waren in Verbindung mit der Eisenverarbeitung
die riesigen Buchenwälder, die die nötige Holzkohle lieferten.
Noch heute gibt es im Volksmund die Eisenstraßen,
über die die Barren ganz Europa erreichten. Als die Wälder
abgeholzt waren, gesellten sich dazu die neuen Straßen,
über die die Holzkohle aus dem nördlich gelegenen
Wittgensteiner Land in endlosen Wagenzügen zu den
Eisenhütten transportiert wurde. Seit damals beherrscht
das Eisen den Landstrich, und auch heute, nachdem die
Hüttenwerke und Schmelzöfen der billigen Konkurrenz
nicht mehr standhalten konnten, ist die Kleineisen- und
Maschinenbau-Industrie fester Bestandteil der Region.
Wo früher riesige Buchenwälder thronten, spenden heute
weite Fichtenwälder dem Pilger wohltuenden Schatten,
verwachsene Wege führen ihn vorbei an tiefen Schründen
und wilden Bächen zu den alten Straßen, dorthin, wo Eder,
38 25 Jahre durchblick 1/2012
Aus dem Siegerland
Lahn und Sieg ihre jungfräulichen Rinnsale aus dem Boden
drängen, wo Wildschweine und Hirsche durch das Unterholz
brechen oder Rehe, Füchse und Hasen die lichten
Flächen beleben, und wo der Wanderer Burgen oder alten
keltischen Wallanlagen seine Orientierung abgewinnt. War
es hier, wo Balmung, das Schwert Siegfrieds geschmiedet
wurde? Nur die Winde wissen die Antwort und raunen die
alten Sagen und Mären.
Während der Herrschaft des Stauferkaisers Friedrich
Barbarossa gab der Bischof von Trier im Jahre 1160 die
Stadt Nassau im Rhein-Lahn-Kreis dem alten fränkischen
Grafengeschlecht von Laurenburg zu Lehen. Diese nannten
sich seitdem nach der Burg Nassau und verstanden es,
durch zielgerichtete Erwerbspolitik ihren gräflichen Herrschaftsbereich
im Raum des Taunus, des Westerwaldes,
zwischen Main, Mittelrhein, Sieg und Wetterau nach Norden
auszudehnen, bis ihnen 1255 das Gebiet nördlich der
Lahn mit Siegen und Dillenburg zugesprochen wurde. 1386
kam durch Heirat die Grafschaft Diez dazu, 1403 im Gebiet
der heutigen Niederlande u.a. Breda.
Wilhelm I., der Schweiger, (1533–1584) später Prinz
von Oranien und Statthalter der Niederlande, ältester Sohn
von Wilhelm I, dem Reichen, von Nassau-Dillenburg, erbte
nach dem Tode seines kinderlos verstorbenen Vetters René
(1519–1544) aus der Dillenburger Linie das Fürstentum
Orange in Burgund und ausgedehnte Ländereien in den
Niederlanden.
Um die Macht Philipps II. von Spanien (1555–1598) und
die blutige Terrorherrschaft Herzog Albas (1507–1582) zu
beenden, sammelte er nördlich von Siegen an der Ginsburg
ein Heer, um damit in die Niederlande zu ziehen.
Sein Bruder Johann VI. unterstützte ihn. Die Kernlande
mit Siegen und Dillenburg, vorher dynastisch zersplittert,
vereinigte Johann alle wieder in einer Hand. Nachdem hier
1531 das Luthertum eingeführt worden war, trat Johann
1572 zum Calvinismus über, der heute noch im Siegerland
spürbar ist. Er entwickelte sein Land zu einem Musterstaat.
Es kann nicht verwundern, dass sich der Statthalter
Wilhelm I., Prinz von Oranien, der Stammlande bediente,
als er den Vater von Peter Paul Rubens, nachdem dieser
mit einem Edelfräulein eine nicht standesgemäße Liaison
eingegangen war, nach Siegen in die Verbannung schickte.
Der große Maler wurde dort 1577 geboren. Das Museum
im Oberen Schloss beherbergt sieben seiner bekannten Gemälde.
In den Niederlanden beseitigte das holländische Patriziat
nach dem Tode Wilhelms II. von Oranien, des Enkels
von Wilhelm I., Prinz von Oranien, die Statthalterschaft
der Oranier, berief aber dessen Sohn unter der Bedrohung
Ludwigs XIV. von Frankreich 1672 zum Erbstatthalter.
Damit bildete sich das heute noch regierende oranische
Königshaus.
Eine kunstvolle Architektur wird man im hiesigen
Raum vergeblich suchen. Kirchen aus einer moderneren
Zeit, nüchtern, eher schmucklos, die an den Calvinismus
gemahnen. Nur ab und an ein Kapellchen mit romanischen
Zügen, ein vergessenes Kloster. Relikte einer Zeit, in der
sich der Bischof von Köln und der von Mainz um die Vorherrschaft
stritten und nicht verhindern konnten, dass sich
der Landesherr dem Calvinismus zuwandte.
Eine einschlägige Küche gibt es nicht, aber die Restaurants
bieten ein reichhaltiges Angebot an Speisen, und manchmal
findet man noch ein Gericht aus einer Zeit, die arm war und
man nicht wählerisch sein durfte, denn wie immer und überall
floss der Gewinn des Landes in die Taschen der Adligen und
später einiger Gewerke-Familien, und der Hunger der armen
Bevölkerung war vorprogrammiert, wenn er auch nicht so
groß gewesen sein mag wie in anderen Gebirgsgegenden des
Deutschen Reiches.
Der Dicke Turm in Siegen
2 Fotos: Gottfried Klör
Die Ginsburg bei Hilchenbach-Lützel
1/2012 25 Jahre durchblick 39
Aus dem Siegerland
Interessant ist es, die Besiedelung des Landes zu verfolgen.
Hatten sich in dieser Mittelgebirgslandschaft die ersten
Besiedler dicht neben ihrer
Arbeitsstätte, dem Rennofen,
angesiedelt, wo sie
Wasser und Holz fanden, zogen
die Nachfolgenden nicht
etwa in die Täler, wo sie eher
Schutz gefunden hätten, sondern
auf die Höhen, weil die
Täler versumpft waren und
erst spät trockengelegt wurden. So kommt es, dass die älteren
Ansiedlungen immer die oben gelegenen sind.
Die Sprache, soweit sie noch gepflegt wird, ist ein
niederdeutscher Dialekt mit einem rollenden „r“, so, wie
die Amerikaner das
englische „r“ sprechen.
Es gibt unergründliche Ferne,
raunende Wälder,
geheimnisumwitterte Burgen,
Sprachwissenschaftlich
ein interessantes
Gebiet, weil, bedingt
durch die Besiedlung,
verschiedene germanische
Dialekte aufeinandertreffen
und man
den moselfränkischen, den hessischen und den sächsischen
Akzent sogar heute noch gelegentlich heraushören
kann.
Das im Nordwesten an das Siegerland
angrenzende Sauerland wird
gelegentlich das Land der tausend
Berge genannt. Wenn man will, kann
man das Siegerland als Fortsetzung
betrachten, denn auch hier gibt es
genügend Berge, die sich um 600
Höhenmeter bewegen. Ein Mittelgebirge,
zum Rheinischen Schiefergebirge
gehörend, nicht zu anstrengend,
wenn man es erwandern will, aber
auch nicht ohne Anforderungen, so
dass man seine Kräfte durchaus erproben
kann. Wanderwege gibt es
genug, wenn es sich auch empfiehlt,
eine Karte und einen Kompass mitzunehmen,
wenn man sich nicht einem
Wanderverein anvertrauen will. Auch
die Radwanderer können auf ihre Kosten
kommen, wenn sie einmal die
Höhen erreicht haben. Bis dahin heißt
es allerdings schieben und schwitzen.
Es gibt keine Gletscher, keine
gewaltigen Felsen, keine brausende
Brandung, aber es gibt unergründliche
Ferne, raunenden Wald, geheimnisumwitterte
Burgen, Kleinode in
Museen und Galerien, Herbergen mit
Weite und Ruhe und die Entfernungen
zu den Zentren an Main, Rhein und
Ruhr sind leicht zu bewältigen.
Es lohnt sich, einen Abstecher
zu riskieren und genauer hinzusehen.
Schnell stößt man auf Spuren
der Geschichte und Kultur und stellt
fest, dass man wieder einmal etwas
entdeckt hat, das sich in den Kreis
unseres Wissens wie ein Puzzleteil
einfügt.
Johannes Buhl
40 25 Jahre durchblick 1/2012
Aus dem Siegerland
Stadtreinigung Siegen
Die Stadtreinigung ist
neben der allgemeinen
Sauberkeit zuständig
für die Müllabfuhr,
die Abfallberatung, die
Straßenreinigung und
den Schneeräumdienst.
Indirekt organisiert sie die
Entsorgung von Altpapier,
Altglas und Wertstoffen
(gelber Sack).
Den Großteil der
Müllabfuhr führt die Stadt
mit eigenem Personal
und eigenen Fahrzeugen
durch. Hierzu zählt auch
die Entsorgung des
Restmülls, des Sperrmülls
und der Bioabfälle für
etwa 60.000 Haushalte.
Um unnötige Abfälle zu vermeiden,
können wir alle bei unseren täglichen
Einkäufen darauf achten, Produkte in
Einwegverpackungen zu vermeiden.
Jeder Einzelne kann durch sorgfältige
Auswahl von Waren dazu beitragen,
die Umwelt zu schonen und Geld für die
immer aufwändigere Abfallentsorgung
zu sparen.
Straßenreinigung
Neben der Reinigung
bestimmter Straßen ist die
Abteilung Stadtreinigung
für die Säuberung der
städtischen Grundstücke,
die Reinigung der Fußgängerzonen
und die
Leerung von über 2.000 im
Stadtgebiet aufgestellten
Papierkörben zuständig.
Winterdienst
Im Winter hält die Stadtreinigung
nicht nur die
Fahrbahnen schneefrei,
auch der Winterdienst auf
den Gehwegen an städtischen
Liegenschaften gehört
zum Aufgabenbereich.
Müllabfuhr
In Zeiten knapper werdender Rohstoffe ist es besonders
wichtig, Abfälle getrennt zu sammeln und einer
ökologisch unbedenklichen Verwertung zuzuführen.
Auf diese Weise tragen wir alle ein Stück dazu bei, die
natürlichen Ressourcen zu schonen bzw. eine erneute
Verwertung zu sichern.
Altpapier
Die Entsorgung von
Altpapier ist auf ein privates
Unternehmen übertragen, das
im Auftrag der Stadt Siegen
eine Wiederverwertung sicherstellt.
Altglas / Plastik
Die Entsorgung von
Altglas und Plastik (Gelber
Sack) erfolgt im Rahmen
des Dualen Systems
Deutschland (DSD). Hier
wird die Stadt Siegen lediglich
durch die Bereitstellung
der Wertstoffdepotstandorte
und die Veröffentlichung der
Abfuhrtermine tätig.
Abfallberatung
Weitere Informationen zu
den Themen Stadtreinigung
und Müllabfuhr erhalten Sie
unter:
Stadt Siegen
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Die reinste Freude
1/2012 25 Jahre durchblick 41
VORGESTELLT: KINDERNOTHILFE UND
WOLFGANG HOBINKA
EINE STIMME GEGEN DIE ARMUT IN DER WELT
Vielleicht haben unsere Leser auch
schon den bunten Stand der Kindernothilfe
auf der Bahnhofstraße
in Siegen gesehen, wenn die Mitglieder
des Siegerländer Arbeitskreises Spenden
sammeln mit Flohmärkten, Waffelbacken
und anderen Aktivitäten. Oder Sie haben
vielleicht schon ein von der Kindernothilfe
organisiertes Benefizkonzert erlebt.
Um seine Vorstellung von sozialem
Engagement und einer gerechteren Welt
umsetzten zu können, schloss sich Wolfgang
Hobinka der Kindernothilfe an, die
mit vielen Projekt- und Kinder-Patenschaften
weltweit seit mehr als 50 Jahren
aktiv ist. Durch die Übernahme einer Patenschaft
konnte z. B. der brasilianische
Manoel eine Berufsausbildung abschließen.
Heute arbeitet er in einer Werkstatt
von Honda in Limoiro und hat eine eigene
Familie gegründet. 1996 konnte Wolfgang
Hobinka sein Patenkind Manoel in
seiner Heimatstadt besuchen. Die Patenkinder
erhalten, was sie am dringendsten
benötigen: Gesundes Essen, Kleidung,
medizinische Versorgung, liebevolle Zuwendung
und eine Schul- bzw. eine Berufsausbildung.
In vielen Projekten organisiert die
Kindernothilfe Hilfe für Straßenkinder,
sich eine selbständige Existenz aufzubauen
durch Berufsausbildung, sie hilft
Kinderprostituierten bei der Heilung ihrer
verletzten Seelen, unterstützt Kindersoldaten
bei der Bewältigung ihrer schreck-
42 25 Jahre durchblick 1/2012
Fotos: Manfred Dornseifer (1), Hartmut Reeh (3), Kindernothilfe (1), Archiv Hobinka (4); Collage: Gottfried Klör
lichen Erlebnisse und hilft Aidswaisen.
Weltweit lindern die Helfer die Not bei
der Bewältigung von Naturkatastrophen.
Auf die Frage, ob ihm ein Projekt ganz
besonders ans Herz gewachsen sei, antwortet
Wolfgang Hobinka, dass er dies
gar nicht beantworten könne: „ Dazu gibt
zu viele wunderbare Projekte der Kindernothilfe“.
Unter www.kindernothilfe-siegen.de
finden Sie alle Informationen zu
Projekten, Patenschaften und Unterstützungsmöglichkeiten.
Auch für 2012 hofft die Hilfsorganisation,
die seit 1992 das Spendensiegel als
Zeichen für Seriosität und Spendenwürdigkeit
erhält, auf zahlreiche Spenden.
und „Wer bei uns mitmachen möchte, ist
im Arbeitskreis Siegerland herzlich willkommen“,
gibt mir Wolfgang Hobinka
noch mit auf den Weg.
Neben seiner intensiven Arbeit für die
Kindernothilfe widmet sich Wolfgang
Hobinka seiner Familie, besonders seinen
Enkeln, er trainiert regelmäßig im Turnverein
und freut sich jedes Jahr auf eine
große Rad- oder Bootstour mit Freunden,
diesmal soll es im Sommer nach Irland
gehen.
Tessie Reeh
Zur Person: 1941 in Bratislava geboren;
der Diplom-Betriebswirt war über 20 Jahre
bei der Wittgensteiner Klinik Allianz in
Bad Berleburg tätig; seit 1969 lebt er mit
seiner Familie in Mudersbach.
1/2012 25 Jahre durchblick 43
Das Interview
Seniorenbeiräte fordern Aufnahme in die Gemeindeordnung
Langer Atem ist nötig
durchblick-Interview mit der LSV-Vorsitzenden Gaby Schnell
Gaby Schnell, 1.Vorsitzende
der Landesseniorenvertretung
(LSV) NRW
Im Hinblick auf
den demografischen
Wandel
werden inzwischen
auch stärkere Teilhabe-
und Mitwirkungsmöglichkeiten
von älteren Menschen
im Alltagsleben
und in der Politik
gefordert. In der
durchblick-Ausgabe
Nr. 4/ 2011 hat die
Redaktion daher das
Thema „Mitbestimmung“
als ein wichtiges
Anliegen des
Seniorenbeirates der
Stadt Siegen aufgegriffen
und die zuständige NRW-Ministerin Barbara Steffens
vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege
und Alter (MGEPA) zu diesem Thema befragt. Dabei
ging es vor allem um die Aufnahme der Seniorenvertretungen
in die Gemeindeordnung (GO) des Landes Nordrhein-Westfalen.
Im folgenden durchblick-Interview nimmt
nun Gaby Schnell, die 1.Vorsitzende der Landesseniorenvertretung
(LSV), zum Entwicklungsstand dieser schon seit
langem bestehenden Forderung Stellung.
db: Welche Maßnahmen sind von der Landesseniorenvertretung
NRW (LSV NRW) bisher im Hinblick auf die Aufnahme
der Seniorenbeiräte in die Gemeindeordung (GO)
des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt worden?
Wurden schon entsprechende Gespräche mit der Landesregierung
bzw. dem zuständigen Ministerium geführt?
Gaby Schnell: Seit Gründung der ersten Seniorenvertretungen
vor über 30 Jahren ist die Forderung nach Einbindung
der Seniorenbeiräte in die Gemeindeordnung ein
wichtiges Thema der Landesseniorenvertretung und ihrer
Vorgängerorganisation. Bereits im Jahre 1988 wandte sich
Dr. Groot, seinerzeit stellvertretender Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft
Nordrhein-Westfälischer Seniorenvertretungen
NRW und stellvertretender Vorsitzender der
Bundesseniorenvertretung, mit diesem Anliegen an den
damaligen Staatssekretär Riotte im damals zuständigen Ministerium,
dem MAGS NRW. In der Folge gab es immer
wieder Gespräche und Versuche, Politiker für die Sache der
Einbindung der kommunalen Seniorenvertretungen in die
Foto: LSV
GO zu gewinnen. Insgesamt lassen sich die vielfältigen und
zahlreichen Aktivitäten der LSV NRW seit 1996 aufzeigen
und nachweisen.
db: Wie ist nach Ihrer Einschätzung die Meinung der
einzelnen Parteien im nordrhein-westfälischen Landtag zu
dieser Thematik?
Gaby Schnell: In den Landtagsfraktionen – also auf
der Entscheidungsebene – gibt es immer wieder einzelne
Unterstützer bzw. Wohlwollende gegenüber der Forderung
nach einer Aufnahme der Seniorenbeiräte in die Gemeindeordnung,
neben einer verbreiteten grundsätzlichen Unterstützung
für kommunale Seniorenvertretungen. Allerdings
hat sich, trotz der vielfältigen, stetigen Bemühungen der
LSV NRW, keine der Fraktionen – zu keinem Zeitpunkt von
1998–2010 – für die Forderung der LSV NRW ausgesprochen.
Einzig die Fraktion Bündnis 90/ DIE GRÜNEN tat
dies, als sie der sogenannte kleine Koalitionspartner oder
in der Opposition war. Die seit 2010 im Landtag NRW vertretende
Fraktion DIE LINKE unterstützte die Forderung
in dem bislang einmal geführten Gespräch mit der LSV
NRW. Als Begründung für die Ablehnung der Forderung
wird das sogenannte verpflichtende Konnexitätsprinzip
angeführt. Danach kann das Land – kurz und vereinfacht
gesagt – den Kommunen keine neuen Aufgaben zuweisen,
ohne die Kosten dafür zu tragen. Die kommunalen Spitzenverbände
lehnen die Forderung der LSV NRW ab. Mit dem
Städte- und Gemeindebund gibt es gleichwohl eine fruchtbare
Kooperation. Wichtig ist an dieser Stelle zu erwähnen,
dass die seit 2010 zuständige Ministerin Barbara Steffens
(Ministerim für Gesundheit. Emanzipation, Pflege und Alter,
MGEPA) die freiwillige Gründung und den Erhalt von
Seniorenvertretungen sehr unterstützt. In dieser Form gab
es bislang keine Unterstützung eines zuständigen Ministers
oder einer zuständigen Ministerin. Diese gute Unterstützung
spiegelt sich selbstverständlich auch auf allen Arbeitsebenen
des MGEPA.
db: Gibt es Bestrebungen im Vorstand der LSV NRW,
das Thema „Aufnahme in die Gemeindeordnung“ in Kürze
wieder auf die Tagesordnung zu setzen?
Gaby Schnell: Unsere überblicksartige Aufstellung
mit allen darin aufgeführten Aktivitäten sowie den geplanten
Aktionen zeigt Ihnen, lieber Herr Dr. Bach, dass
wir das Thema nie von der Tagesordnung nahmen. Ich
erlaube mir, Sie dazu auch nochmals auf die Empfehlung
hinzuweisen, die unsere Wege und derzeitigen Mög-
44 25 Jahre durchblick 1/2012
Das Interview
lichkeiten gut beschreibt und in die Zukunft weist: Im
Jahre 2010 haben wir einen entsprechenden Arbeitskreis
zur GO in Folge eines Antrags der Mitgliederversammlung
gegründet. Das Ergebnis ist die Erarbeitung einer
Empfehlung, die am 13. April 2011 in der Mitgliederversammlung
der LSV NRW in Soest angenommen wurde.
Entsprechend dieser Empfehlung haben wir für das Jahr
2012 einen Aufruf einschließlich einer „Nachfassaktion“
an alle zuständigen Landtagsabgeordneten geplant, die
Gründung von Seniorenvertretungen in ihren Wahlbezirken
und deren Aufnahme in die Gemeindeordnung des
Landes Nordrhein-Westfalen zu unterstützen.
db: Wann ist die nächste Mitgliederversammlung der
LSV NRW? Wie werden die Delegierten zu dieser Veranstaltung
bestimmt bzw. gewählt?
Gaby Schnell: Die nächste Mitgliederversammlung
der LSV NRW findet am 24. April 2012 in Düren statt.
Das erste Schreiben dazu – mit der Bitte um Benennung
der Delegierten und Begleiter – erfolgte im Januar 2012
an die Postanschriften der 155 kommunalen Seniorenvertretungen,
die Mitglied in der LSV NRW sind. Die detaillierte
Einladung mit der Tagesordnung etc. erhalten die angemeldeten
Teilnehmer im März. Delegierte werden von
den kommunalen Seniorenvertretungen entsandt. Voraussetzung
für eine Delegation ist die Mitgliedschaft in einer
kommunalen Seniorenvertretung. Zur Mitgliederversammlung
wird ein/e Delegierte/r eingeladen, zudem kann eine
Begleitung des Delegierten als Gast (ohne Stimmrecht in
der Mitgliederversammlung) teilnehmen.
db: Was können die kommunalen Seniorenvertretungen
tun, um in Kooperation mit der LSV die Einbindung der
Beiräte in die Gemeindeordnung voranzutreiben?
Gaby Schnell: Aus den Antworten zu Ihren Fragen
wird deutlich, dass das Thema Einbindung der Seniorenvertretungen
in die GO eines die LSV NRW stets begleitendes
ist. Erkennbar ist auch, dass es eine Vielfalt an
Aktivitäten und Zugängen gibt, die in ihrer Gesamtheit
zu betrachten sind. Die Forderung ist in die Zukunft gerichtet,
dazu sind Zwischenschritte und eine langfristig
ausgerichtete Strategie nach vielen Jahren des Bemühens
und der Erfahrungen notwendig. Daran arbeiten wir kontinuierlich.
Ich hoffe, die Antworten sind Ihnen hilfreich.
Wir freuen uns in jedem Fall über Ihr Interesse und Engagement.
Hilfreich ist es es für uns dabei, wenn der Seniorenbeirat
der Stadt Siegen uns über seine Aktivitäten
dazu auf der Landesebene informiert, zum Beispiel über
Gespräche mit den zuständigen Landtagsabgeordneten.
Dies stärkt unsere Stimme als Dachverband der Seniorenvertretungen
im Land und hilft unserer langfristigen,
gemeinsamen Zielsetzung.
Das Interview führte Dr. Horst Bach
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1/2012 25 Jahre durchblick 45
Gesellschaft
Grundzüge einer erfolgreichen
Seniorenpolitik
Tagungsbericht aus Münster
Leitlinien und Erfolgsbedingungen für seniorenpolitische
Konzepte wurden bei einem NRW-Seminar
des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen
in Münster vorgestellt bzw. erarbeitet (vgl. db Nr.
4/2011 S.51). Aus dem Kreisgebiet nahmen an der sozialpolitischen
Fachtagung u.a. Reiner Jakobs von der Kreisverwaltung
Kreis Siegen-Wittgenstein und Dr. Horst Bach
vom Seniorenbeirat der Stadt Siegen teil. Rund 100 Teilnehmer
(darunter 15 Vorstände von Seniorenvertretungen)
diskutierten Grundlagen und Konzepte einer modernen
und zukunftsweisenden Seniorenarbeit. Grundlage der
Diskussionen und zahlreichen Gespräche am Rande waren
Fachreferate des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation,
Pflege und Alter (MGEPA), der Landesseniorenvertretung
(LSV), der Bertelsmann Stiftung, des
Kuratoriums Deutsche Altershilfe und der
Wohlfahrtsverbände. Beispiele gelungener
Seniorenarbeit der Gemeinde Finnentrop, der
Städte Moers und Altena aber auch das Aufzeigen
moderner Strukturen der Seniorenbeiräte
in Düsseldorf und Siegen gehörten zum
Programmablauf. Seniorenarbeit wird im
Zuge des demographischen Wandels immer
mehr in das Zentrum der Beratungs- und Entscheidungsarbeit
von politischen Gremien
vor Ort rücken.
Um eine kommunale Seniorenpoltik aktiv
zu gestalten, muss sie als Querschnittaufgabe
gesehen werden, die das gesamte Lebensumfeld
älterer Menschen im Generationengeflecht
mit einbezieht. Das macht übrigens
Foto: Dr. Horst Bach
auch das Motto des „Europäischen Jahres für aktives Altern
und Solidarität zwischen den Generationen 2012“ deutlich:
Aktives Altern ist immer eingebettet in eine Gesellschaft
für alle Altersgruppen. Die Lebensphase „Alter“ darf nicht
mehr nur mit Krankheit und Gebrechlichkeit verbunden
werden.
Die Menschen bleiben heute in der Regel fit, wollen sich
ehrenamtlich einbringen oder ihre im Beruf gewonnenen
Qualifiaktionen auch weiterhin nebenberuflich bzw. freiberuflich
ausüben. Manche ohne, viele aber auch mit angemessener
Entlohnung. Manche Seniorinnen und Senioren
brauchen sogar dieses Geld, um ihre schmale Rente, die
kaum zum Lebensunterhalt reicht, aufzubessern. Das sei jedem
nach einem langen beruflichen Arbeitsleben gegönnt.
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46 25 Jahre durchblick 1/2012
Gesellschaft
Für eine zielgerichtete Seniorenarbeit steht die wohnortnahe
Versorgung im Quartier an oberster Stelle. Man
spricht hier inzwischen von einer „Pantoffelqualität“ der
Seniorenarbeit, die im Zuge der „aufsuchenden Hilfen“ die
Hilfebedürftigen in ihren eigenen vier Wänden anspricht.
Ca. 100.000 neue Fälle der Pflegestufe I gibt es derzeit jährlich
in Nordrhein-Westfalen, verlautete aus dem zuständigen
Ministerium. Auch hinsichtlich der Altersbilder muss
ein Wechsel eintreten.
Leider ist die notwendige
Finanzierung der
Altenarbeit in den Gemeinden
daher vielerorts
zum Erliegen gekommen.
So muss der bisherige
Focus auf die Pflege
durch neue Paradigmen
erweitert werden, wie z.
B. wohnortnahe Begleitung
älterer Menschen,
„Kümmerer in der Nach-
Foto: AlterAktiv, Senecafé
barschaft“, Quartiersmanager,
Qualifizierung
haupt- und ehrenamtlicher
Mitarbeiter, neue
Ressourcen in den städtischen
Haushalten, Prävention
im Hinblick auf
steigende Altersarmut
(geht über das Quartier hinaus!), Beratung der kommunalen
Entscheidungsträger. Solche Partizipationsmodelle müssen
aber immer auch Transparenz und „ermöglichende Strukturen“
schaffen. Dies können sein: zielgerichteter Ausbau
der politischen Partizipation (Einbindung und Ansprache
der Landtagsabgeordneten, vgl. Interview mit der LSV-
Vorsitzenden Gaby Schnell, S. 44), Orientierung an erfolgreichen
Beispielen, Bereitstellung von Ressourcen sowie
Auf- und Ausbau sozialer Netzwerke (vorrangig „echt“ vor
Ort und nicht „virtuell“ im Internet!). Gleichwohl gehören
auch bereits überregionale internetgestützte Workshops zu
den unverzichtbaren Formen einer modernen Seniorenarbeit,
wie einige Kommunen berichteten. Als Themen einer
virtuellen Diskussion werden zum Beispiel „Förderung der
Teilhabe Älterer in Online-Gemeinschaften“ sowie „Neue
Nachbarschaften im Quartier – Möglichkeiten zur aktiven
Gestaltung und Teilhabe“ angeführt.
Der Seniorenbeirat
der Stadt
Siegen kommt
diesem Bedürfnis
älterer Menschen
bereits seit einem
Jahr mit seinem
Programm „Alt
und Jung – Computerkurse
für
Ältere“ in Kooperation
mit Oberstufenschülern
des Weidenauer
Fürst-Johann-
Moritz-Gymnasiums
entgegen.
Schließlich hat es
der Seniorenarbeit
vor Ort immer mit
differenzierten
Zielgruppen zu tun: Zum einen sind da Menschen in der
nachberuflichen und/oder nachfamilialen Phase, Ältere mit
Ressourcen und dem Willen zum Engagement, Ältere, mit
unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, aber auch Ältere,
die von Armut und/oder Vereinsamung bedroht sind,
pflegende Angehörige. Ältere Menschen können und dürfen
einfach nicht auf bestimmte gesellschaftliche Rollen
beschränkt werden.
Dr. Horst Bach.
Zur modernen Seniorenarbeit gehört inzwischen auch der Umgang
mit dem Internet. Hier ein Bild aus dem „Senecafé“, dem Internetcafé
des Vereins AlterAktiv im städtischen Begegnungszentrum Haus
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1/2012 25 Jahre durchblick 47
…durch Krieg und große Schrecken
Die Bombardierung des Dorfs Flammersbach vom 1. Februar 1945
Foto: www.fotolia.de
Geleitwort
Bei der Überschrift
dieses
Beitrags
handelt es sich um
eine Zeile aus der
dritten Strophe des
Neujahrliedes „Nun
lasst uns gehn und
treten” von Paul
Gerhardt. Meines Erachtens passt sie ganz gut zu dem, was
nachstehend berichtet wird. Der größte deutsche Liederdichter
lebte zur Zeit des 30-jährigen Kriegs und er ist in
diesen Jahren dem durch Seuchen und Gewalt ständig drohenden
Tod immer wieder entkommen. Die Schrecken eines
Bombenkriegs hat er dagegen nicht kennen gelernt. Ob Paul
Gerhardt in diesem Fall einen Grund gehabt hätte, zu den 15
Strophen des Liedes weitere hinzuzufügen…?
Bild: www.wikipedia.de
In den ersten Jahrzehnten nach dem letzten Krieg war die
Bombardierung vom 1. Februar 1945, die eigentlich und ausschließlich
der Stadt Siegen galt, in Flammersbach allgegenwärtig.
Das Inferno wurde „Der Angriff“ genannt und alle
Vorfälle, die sich in den Jahren vor und nach den furchtbaren
Geschehnissen zugetragen hatten, bekamen die erläuternden
Beifügungen „Das war noch vor dem Angriff“ oder „Das war
erst nach dem Angriff“. Als Kind hatte sich bei mir durch
die Erzählungen vor allem meiner Großeltern der Eindruck
verfestigt, dass sich die britischen Bomber ausschließlich mit
dem Ziel auf den Weg gemacht hatten, mit ihren Bombenabwürfen
Flammersbach zu zerstören und hierdurch den Krieg
zu gewinnen. Der schwärzeste Tag in der Ortsgeschichte
bildete immer wieder in jedem Haus das Gesprächsthema.
Keiner unter den friedlichen Menschen, die diesen Tag des
Grauens mit der Fast-Vernichtung ihres kleinen Dorfs miterleben
mussten, konnte ihn jemals vergessen!
Lincolnshire – eine stille Grafschaft
im Nordosten Englands
Die Grafschaft Lincolnshire liegt im Nordosten Englands.
Abseits der vielen Touristikzentren ist man in der
stillen Grafschaft vor allem darauf stolz, dass der berühmte
Wissenschaftler Isaak Newton hier geboren wurde. Dem
fiel einst ein Apfel auf den Kopf, was ihn zur Entdeckung
der Schwerkraft verleitet haben soll. Hier hatte im zweiten
Weltkrieg die 5. Gruppe der britischen Royal Air Force ihre
Flugplätze. Auf diesen starteten am späten Nachmittag des
1. Februar 1945 neben einer Vielzahl von viermotorigen
schweren Bombern des hauptsächlich für Nachtangriffe benutzten
Typs „Lancaster“ auch einige wenige der aus Holz
gefertigten zweimotorigen Jagdbomber des Typs „Mosquito“.
Letztere mit ihrer ungewöhnlichen Holzbauweise
waren aufgrund ihrer Geschwindigkeit und ihrer guten Höhenflugeigenschaften
für die deutsche Luftabwehr nahezu
unangreifbar.
Insgesamt erhoben sich an diesem Tag trotz schlechter
Wetterbedingungen 1274 Flugzeuge in die Luft, von denen
der größere Teil Ziele in Mainz und in Ludwigshafen angreifen
sollte. Für 282 Bomber indes war als Zielort Siegen befohlen
worden. Drei Tage zuvor erst hatte die US Air Force
einen zerstörerischen Angriff auf diese Stadt geflogen, bei
dem neben 16 Soldaten auch 9 Zivilisten starben.
48 25 Jahre durchblick 1/2012
Historisches
Dröhnend und Angst einflößend…
Die Eisentore für die beiden Öffnungen des Luftschutzstollens
waren von der Lieferfirma Menges am Vormittag
eingebaut worden. Ansonsten war der 1. Februar in dem
kleinen Siegerländer Dorf Flammersbach ähnlich ruhig verlaufen
wie die Tage zuvor. Die bittere Januarkälte war milderem
Tauwetter gewichen und die dicke Schneedecke war
im Schwinden. Die Gespräche in den Häusern drehten sich
aber kaum um das Wetter. Vielmehr war der nun schon mehr
als fünf Jahre andauernde Krieg fortwährend ein Thema. Um
die Frage: „Wie lange wird diese unselige Zeit noch währen“,
drehten sich die ständigen Erörterungen. Fast jede zweite Familie
hatte in den letzten Jahren die schreckliche Nachricht
erhalten, dass ein Sohn „für Führer, Volk und Vaterland“ in
den Weiten Russlands oder andernorts sein Leben gelassen
habe. Vor allem der Luftkrieg war aber auch in Flammersbach
präsent. Immer öfter überquerten feindliche Fliegerverbände
auf ihrem Weg nach den östlichen Großstädten
dröhnend und Angst einflößend den Ort. Viele Einwohner
waren in den letzten Wochen einmal in Siegen gewesen und
hatten gesehen, welch eine riesige Zerstörung die ständigen
Angriffe auf diese leidgeprüfte Stadt angerichtet hatten. In
den Abendstunden des 16. Dezember 1944 war fast die gesamte
Flammersbacher Bevölkerung auf die Höhe geeilt und
hatte mit Schaudern, Angst im Herzen und mancher Träne
in den Augen den glutroten Himmel über der Stadt gesehen,
der von schlimmer Not und großem Elend, von grässlicher
Vernichtung und entsetzlichem Leid Kunde gab. Dass die
Stadt noch einmal das Ziel eines solchen Angriffs sein könne,
war von vielen Siegerländern ausgeschlossen worden. Was
hätten weitere Bomben hier noch anrichten können? Es war
ja schon so viel zerstört. Und doch hatten die westlichen Alliierten,
deren taktischen Überlegungen etwas ganz anderes
– nämlich vor allem die Demoralisierung der deutschen Bevölkerung
– vorsahen, dort am 29. Januar erneut zahlreiche
Sprengkörper aus B-17-Bombern abgeworfen.
Unter der Anleitung von
Sprengmeister Düber…
Obwohl die Machthaber offiziell zunächst die Überzeugung
verbreiteten, dass niemals ein feindliches Flugzeug
das Deutsche Reich in Gefahr bringen könne (Hermann
Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe: „Wenn auch nur
ein feindliches Flugzeug unser Reichsgebiet überfliegt, will
ich Meier heißen.“), fielen schon im ersten halben Jahr nach
Kriegsbeginn englische Bomben im Reichsgebiet. Diese
Realität berücksichtigend setzte die Regierung am 10. Oktober
1940 ein Sonderprogramm für den Luftschutz auf.
Danach mussten überall, wo noch keine Luftschutzräume
vorhanden waren, solche in bombensicherer Ausführung
gebaut werden. In Flammersbach nahm man sich ebenso
wie in vielen anderen kleineren Dörfern abseits der kriegswichtigen
Industriezentren – und daher ohne jegliche strategische
Bedeutung – Zeit mit der Realisierung. Als die Bombenangriffe
jedoch immer mehr zunahmen, ging auch die
Flammersbacher Gemeindevertretung unter Mithilfe eines
gewissen Drucks durch die NS-Parteifunktionäre im Jahr
1944 auf die Suche nach einem Platz für einen Luftschutzstollen
und nach einem fachkundigen Bauleiter. Man fand
Letzteren in dem erfahrenen Rudersdorfer Sprengmeister
Düber, der sein gefährliches Handwerk in der Weidenauer
Grube Neue Haardt ausgeübt hatte und der auch in seinem
Heimatort Leiter beim Stollenbau war. Als Platz wurde die
hohe Böschung an dem zum Flurstück „Im Heiersche“ führenden
Weg auserkoren. Oberhalb des Hauses „Hartmanns“
erstellte man das etwa vier Meter breite Mundloch für den
mehr als fünfzig Meter tiefen Stollen und etwa dreißig Meter
weiter, schräg gegenüber dem Oberdorf-Backhaus, ein
zweites, kleineres für die Entlüftung und zum Druckausgleich
bei Detonationswellen. Hufeisenförmig waren beide
Stollenteile miteinander verbunden. Am Scheitelpunkt
schuf man einen etwas größeren Raum, Saal genannt. Hier
und auch an den Stollenwänden standen Holzpritschen,
zum Teil zweistöckig. Viele Menschen die sich tagsüber
im Ort aufhielten, halfen beim Beseitigen des gesprengten
Abraums, angefangen von den älteren Schulkindern bis zu
Jugendlichen, Frauen, Invaliden und Rentnern. Eingesetzt
wurden nicht zuletzt auch russische Kriegsgefangene, die
in einem Lager in Deuz untergebracht waren.
Eine unerwartet niedrige Wolkendecke
Die in Richtung Siegen fliegende Bomberflotte hatte den
Rhein überquert und näherte sich ihrem Zielort. Sie flog hoch
über der Wolkenobergrenze von etwa 2.000 Meter. Zwei
Pfadfinderverbände mit Spezialaufgaben flogen voraus. Die
„Beleuchter“ hatten die Aufgabe, große Mengen Leuchtbomben
abzuwerfen. Im Schein dieser Markierungen, deren
Sinkgeschwindigkeit durch Fallschirme gemildert wurde,
mussten dann die „Sichtmarkierer“ farbige Zielzeichen
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1/2012 25 Jahre durchblick 49
Historisches
setzen. Weil wegen der längeren Leuchtwirkung mehrere
dieser Bomben verbunden wurden und hierdurch eine traubenförmige
Ausstrahlung bekamen, wurden sie im Volksmund
„Christbäume“ genannt. Die Bomberschützen sahen
aus 6.000 Meter Höhe wie bis zu 60 Markierungen rund um
den Zielpunkt sprühten und konnten sich hieran orientieren.
Weil diese Lichter nach verhältnismäßig kurzer Zeit durch
die Wolkendecke sackten, galt es, sie während des Angriffs
ständig zu erneuern.
Wegen der unerwartet niedrigen Wolkendecke hatten an
jenem Donnerstag die Pfadfinderverbände größte Schwierigkeiten,
das Angriffsziel zu markieren. Immer wieder
mussten sie unterhalb der Wolken ihr Ziel ausfindig machen,
um dann oberhalb die Markierungen anzubringen. Neben
dieser Sichtbehinderung kam hinzu, dass der stärker werdende
Wind gedreht hatte. Gerade diese Tatsache war maßgebend
für das, was kommen sollte. Rund 20 Minuten lang
kreisten die abwurfbereiten Bomber bis zum Beginn ihrer
Aufgabe über dem Zielgebiet. Dann erst waren die Markierer
fertig geworden und die Besatzungen konnten mit ihrer
todbringenden Arbeit beginnen.
…mit Öl getränkte Holzwolle
Zwischen dem Siegener Höhenzug „Eisernhardt” und
dem kleinen Ort Rödgen hatte die Flugabwehr Ablenkstellungen
eingerichtet. Es waren kleine Betonbunker gebaut
worden, in deren Nähe bei einem nächtlichen Luftangriff
mit Öl getränkte Holzwolle entzündet wurde, um durch diese
Feuer feindliche Flugzeuge irrezuleiten und zum Abwurf
ihrer tödlichen Fracht über unbewohntem Gebiet zu veranlassen.
Von diesen Stellungen aus zur Irritierung des Gegners
abgeschossene Leuchtraketen flogen ziemlich schnell
in Richtung Osten über Flammersbach hinweg und waren
hier noch vor den Markierungen der Engländer zu sehen.
Vollalarm und die blitzschnelle Entscheidung
Der Voralarm mit warnendem Aufheulen der Sirene, die
auf dem Dach des Niederdielfener Bahnhofsgebäudes angebracht
war, hatte niemanden im Ort beunruhigt. Diesen Alarm
hatte es in den letzten Monaten laufend gegeben. Oftmals war
Foto: www.wikipedia.de
Mosquito-Jagdbomber wurden aus Holz gefertigt
man auf die Straße geeilt und hatte den nach Osten fliegenden
Maschinen nachgeschaut. Auch das als Vollalarm oder Akutalarm
bezeichnete Signal mit ständigem Auf- und Abschwellen
war immer wieder einmal zu hören gewesen. Weil es nie
zu einem Zwischenfall kam, blieb die Einwohnerschaft recht
ruhig und unbeeindruckt. Die eintönige und zugleich drohende
Melodie, die an diesem Abend viele Flammersbacher veranlasste,
vor die Haustüre zu gehen und die Lage zu sondieren,
brachte ein ganz neues Resultat. Denn ein jeder, der kurz vor
19 Uhr zum Himmel blickte, die vielen und alles erhellenden
Leuchtschirme aus den Obersdorfer Stellungen sah und deren
voraussichtlichen Folgen bedachte, hatte blitzschnell eine
Entscheidung zu treffen: Eile ich mit meinen Angehörigen in
den Bunker oder suche ich Geborgenheit im eigenen Keller?
Bisher hatte der Stollen noch keinen Schutzsuchenden aufgenommen,
aber diesmal war alles anders.
„Es kommt was Fürchterliches!“
Dem Stollen gegenüber – etwa 50 Meter entfernt – steht
das um 1780 erbaute Haus „Kills“. Das Gebäude gehörte
den Eheleuten Lina und Gustav Klein, hatte aber – wie allgemein
üblich – den Namen eines Vorbesitzers als den im
Ort gebräuchlichen Hausnamen behalten. Dort war an diesem
Tag Alma Scholl aus Feuersbach zu Besuch. Sie war
eine Schwägerin der Klein-Tochter Frieda Scholl. Deren
jüngster Bruder Gottlieb hatte gerade Urlaub vom Arbeitsdienst
und sollte die Feuersbacherin um 19 Uhr auf ihrem
Heimweg begleiten. Der 18-Jährige vernahm kurz vor dem
Aufbruch als Einziger im Haus das Akutsignal der Sirene,
ging vor die Türe und kam blitzartig mit den Worten
zurückgestürmt: „Kinder, schnell! Macht dass ihr in den
Bunker kommt! Es kommt was Fürchterliches!“
Aus seiner Stimme und seinem Gesichtsausdruck ersah
die Familie und ihr Besuch, dass keine Sekunde Zeit
zu verlieren war. Alle sprangen auf und eilten ohne lange
nachzudenken zum Ausgang. Lediglich Gottlieb Kleins
verheiratete Schwestern, Frieda Scholl und Toni Weber,
stopften hurtig erst noch ein Köfferchen mit Windeln und
Kinderkleidung voll und hasteten mit ihren zehn und sieben
Wochen alten Säuglingen Karl-Hermann und Ulli hinter den
50 25 Jahre durchblick 1/2012
Historisches
Tonnenschwere Luftminen hatten verheerende Wirkung
anderen her in den Stollen. Die wenigen im Eingangsbereich
Stehenden rückten angesichts der Kleinen zur Seite und
machten Platz. Im düsteren Schein einiger Karbidlampen
eilte die kleine Gruppe rasch bis zum Saal, der hintersten
Stelle des Schutzraums. Hierher drängten sich Viele, denn
an den Türen wollte kaum einer stehen oder sitzen. Im Saal
stand – wieso auch immer – ein Backtrog, in den die beiden
jüngsten Flammersbacher Einwohner gelegt wurden.
Tanta Martha lief zum Stollen
In dem von der Familie Knipp bewohnten Haus „Heide“,
etwa 50 Meter oberhalb Kills auf der anderen Straßenseite
gelegen, hatte man die Entscheidung getroffen, mit sechs
Personen im eigenen Keller Schutz zu suchen. Die im Haus
lebende Tante Martha war zwar zum Stollen gelaufen, doch
der Hausherr, Hermann Knipp, ging davon aus, dass es, wie
bisher immer, so schlimm wohl nicht werden würde. Ähnlich
dachten auch weitere Einwohner, die ebenfalls nicht
allzu weit entfernt vom Stollen wohnten, wie zum Beispiel
„Lüttmanns“ und „Vitts“. Für andere, die ihr Haus im Unterdorf
hatten, schien der Weg zum Bunker zu weit. Fritz
Klein, Hausherr von „Onne Schrinnersch“, verbot – trotz
der nahenden und von ihm auch erkannten Gefahr – den
Anwesenden, das Haus zu verlassen: „Für den Bunker ist
es zu spät. Wir bleiben alle hier.“ Einige aus dem Oberdorf
suchten hingegen den für sie näher gelegenen Stollen der
ehemaligen Grube Transvaal östlich des Dorfs auf.
Es wird für ewig wunderbar bleiben, dass letztlich alle,
die für sich und ihre Angehörigen eine Entscheidung zu treffen
hatten, die richtige trafen, denn Menschenleben waren
am 1. Februar in Flammersbach nicht zu beklagen. Auf alles
andere hatte niemand im Ort einen Einfluss.
Die Wirkung der Luftminen
Die britischen Flugzeuge begannen gemäß der späteren
Meldung ihres Kommandanten an das Luftfahrtministerium
um 19.04 Uhr mit dem Abwurf von 435.000 Kilogramm
Brandbomben und 871.000 Kilogramm Sprengbomben.
Dazu wurde eine Vielzahl Phosphorkanister abgeworfen.
Verheerend war die Wirkung der sogenannten Luftminen,
Foto: www.wikipedia.de
die mit hochexplosivem Sprengstoff gefüllt waren und mehrere
Tonnen schwer sein konnten. Sie hatten eine ganz dünne
Hülle und drangen deshalb nicht tief in den Boden ein. Dies
war gewünscht, denn die Folge war eine besonders große
Detonationswelle. Diese bis zu einem Meter dicken und
mehrere Meter langen Minenbomben sollten unter anderem
im weiten Umkreis Dächer abdecken und hierdurch leichten
Zugang für die Brandbomben schaffen. Wer ein direktes
Opfer wurde, der starb an Lungenriss.
Die Bombardierung begann wie geplant in Siegen, durch
die vom Wind weggetriebenen Markierungen verschob sich
das Abwurfgebiet aber rasch in Richtung Osten über Kaan-
Marienborn, Flammersbach und Gernsdorf bis nach Weidelbach
im Dillkreis. Die weitaus meisten Bomben landeten im
Hauberg und auf den Wiesen und Feldern. Doch der Rest
reichte aus, um unbeschreibliches Leid anzurichten.
Gewaltige Schläge und grausiges Geprassel
Neben den Einwohnern von Flammersbach hatten sich
in den Stollen auch viele aus den Städten des Ruhrgebiets
und des Rheinlands ausgesiedelte Frauen und Kinder geflüchtet.
Man nannte sie „die Evakuierten“. Sie sollten den
ständigen und weiter zu erwartenden Bombenangriffen auf
ihre Heimatstädte entgehen und waren verschiedenen Häusern
zugeteilt worden. Nun erlebten sie mit bangem Herzen
und ebenso hilflos wie die Einheimischen in der scheinbar
so sicheren Provinz den Beginn des Bombardements.
Mit gewaltigen Schlägen und grausigem Geprassel begann
das Inferno. Es schmetterte und dröhnte aus allen Richtungen
und die Erde schien zu zittern. Der Luftdruck der
Detonationen kreischte regelrecht durch den Ort. Mal waren
die Einschläge weiter weg, mal schienen sie in unmittelbarer
Nähe. Unaufhörlich war die Luft von einem Sausen und
Zischen erfüllt, das in mächtigem Explosionsgetöse endete.
Dazwischen gab es irgendwann einen von einer Luftmine
ausgelösten Schlag, wie er bis dahin noch nicht zu vernehmen
gewesen war. Die mächtige Detonationswelle erfasste
auch die Bunkerinsassen, die verzweifelt nach Luft rangen
und dachten, ihr letztes Stündchen wäre gekommen. Unüberhörbar
schrillten die Schreie der Verzweifelten.
1/2012 25 Jahre durchblick 51
Historisches
Zunächst war über die feindlichen Angreifer noch die
Strafe des Himmels herabbeschworen worden: „Die Verbrecher
da oben müssten alle abstürzen und elendiglich
verrecken!“ Gedanken wie: „Womit haben wir das nur
verdient?“, durchfuhren die Köpfe. Doch dann verstummten
endlich auch die zum Himmel gesprochenen Stoßgebete.
Übrig blieb nur ein dumpfes Warten auf das Ende
des Furchtbarsten, was jeder bisher erlebt hatte. Und viele
glaubten keine Sekunde lang, dass sie lebend aus dieser Hölle
herauskommen würden.
…mit Wasser nicht zu löschender Inhalt
Im Haus „Onne Schrinnersch“ konnte man durch ein Kellerloch
den Großteil des Dorfs überblicken. Und es dauerte
gar nicht lange, da gaben die an der Öffnung stehenden Beobachter
die Nachricht in den Raum: „Bei ‘Mechels’ brennt
es.“ Und weiter: „Jetzt schlagen bei ‚Orwe Dützersch’ die
Flammen aus dem Dach.“ Und dann: „Jetzt sind ‚Vitts’ und
‚Möllersch’ getroffen.“ Doch auch das eigene Haus blieb
nicht unverschont. Durch Detonationen in der Nähe gingen
aber nur die Fensterscheiben zu Bruch.
Nicht so glimpflich kam die Familie Knipp in ihrem Keller
davon. Das schöne und mit dem Giebel zur Straßenseite
stehende Fachwerkgebäude war von einer Kettenbombe getroffen
worden. Dies waren zwei durch eine Kette miteinander
verbundene „normale“ Sprengbomben, von denen zunächst
eine detonierte und die zweite bei ihrer Explosion die
von der ersten verursachten Schäden verstärkte. Nun lag das
Haus in Trümmern, die brennend den Keller bedeckten und
die vier hilflosen Familienmitglieder sowie eine aus Dortmund
evakuierte Mutter mit ihrer Tochter einschlossen. Zu
allem Unglück war auch noch ein Phosphorkanister in den
Trümmern gelandet. Dessen aus Phosphor und Kautschuk
bestehender und mit Wasser nicht zu löschender Inhalt lief
aus und strömte langsam, aber unaufhaltsam über die Kellertreppe
in den Raum. Durch die Hitze und den beißenden
Qualm der brennenden Flüssigkeit erkannte Hermann Knipp
die so nahe und tödliche Gefahr und da sich im Keller kein
Werkzeug befand, begann er den hoffnungslosen Versuch,
mit den bloßen Händen die Trümmerteile zu entfernen. Die
Archiv Ulli Weber
Das Geburtshaus des Verfassers um 1936 –
Das Gebäude wurde beim Angriff stark beschädigt
Frauen beteten in ihrer Todesangst und baten ihren Herrgott
laut um Hilfe. Gerade in dieser angsterfüllten Phase explodierte
nicht weit von der Trümmerstätte die Luftmine, die
den Bunkerinsassen so schwer zugesetzt hatte. Und es grenzt
beinahe an Ironie, dass diese ausschließlich zur Vernichtung
gedachte Bombe in jenem Augenblick sechs Menschenleben
rettete, denn die Trümmerteile des Hauses wurden in alle
Winde gestreut und die Familie Knipp konnte sich durch ein
nun freiliegendes Kellerfenster in Sicherheit bringen.
Doch die Luftmine hatte auch Schlimmes angerichtet.
Das auf der anderen Straßenseite gelegene Haus „Hirdehannses”
wurde förmlich hinweggefegt. Die Trümmerteile
flogen bis beinahe in die Nähe des Friedhofs. Die Häuser
„Kesselersch“ und „Schnells“ waren so schwer beschädigt,
dass ein Totalschaden vorlag. Das neben „Schnells“ liegende
Haus „Kills“ geriet durch den Druck etwas aus den Fugen;
war aber in der Substanz nicht gefährdet, weil vermutlich
die nachfolgende Sogwelle es wieder in die alte Lage rückte.
Absturz zwischen Deuz und Beienbach
Gemäß ihren Aufzeichnungen beendeten die Briten ihren
Angriff um 19.40 Uhr und begaben sich auf den Heimflug.
Die deutsche Luftabwehr war nicht ganz untätig geblieben.
Ein Mosquito- und drei Lancaster-Bomber wurden abgeschossen.
Einer von ihnen stürzte auf der Höhe zwischen
Deuz und Beienbach ab. Sechs Besatzungsmitglieder retteten
sich mit ihren Fallschirmen und gerieten in Kriegsgefangenschaft,
der australische Navigator indes kam ums
Leben. Vernichtet wurde auch ein deutsches Jagdflugzeug
des Typs Me 262. Dies war nicht nur der erste operationsreife
Düsenjäger der Welt, sondern auch das technisch fortschrittlichste
Flugzeug. Es gab aber zu wenige hiervon, um
den Alliierten ein wirksamer Gegner zu sein.
Im Keller qualmten die Kartoffeln
Als plötzlich Stille herrschte und die ersten mutigen
Männer sich zu den Stolleneingängen wagten und die Türen
öffneten, bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick. Grauenvoll
war das Bild der geborstenen Häuser und des Flammenmeers,
dessen Prasseln nun auch im Bunkerinnern zu
hören war. Die Helle der Brände beleuchtete die Ruinen
52 25 Jahre durchblick 1/2012
Historisches
In dem Siegerländer Dorf Flammersbach erinnert heute
nichts mehr an den Krieg
Archiv Ulli Weber
dazwischen, die durch Sprengbomben entstanden waren,
aber kein Feuer gefangen hatten. Die Ausschauenden riefen
nach hinten, welche der gegenüberliegenden und vom Stollen
aus sichtbaren Gebäude zerstört waren. Einzelne Schreie
des Entsetzens begleiteten diese Meldungen. Nach und nach
eilten die meisten Bunkerinsassen zu ihrem Haus, um zu
sehen, ob noch etwas zu retten sei. Auch die noch stehenden
Gebäude hatten viele Schäden, die Fenster waren eingedrückt,
die Wände gerissen oder die Dächer abgehoben.
Hier und da fanden die Besitzer auf den Speichern rauchende
Brandnester, die eiligst gelöscht wurden. Die in Bündeln zu
100 Stück abgeworfenen Brandbomben auf Magnesiumbasis
bildeten wegen ihrer Vielzahl die Hauptgefahr. Nicht alle
Hausbesitzer wurden bei ihrer Suche fündig. So brannten
im Verlauf der Nacht das zunächst stehengebliebene Doppelhaus
„Heitze/Manneses” sowie das Haus „Lüttmanns”
bis auf die Grundmauern doch noch ab. Bei dem erstgenannten
Gebäude sahen die tags darauf aus den Nachbarorten
herbeigeströmten Schaulustigen am späten Nachmittag
noch die Kartoffeln im Keller qualmen. Bei der Vielzahl der
Brandstellen im Ort hatte die Feuerwehr keine Chance beim
Löscheinsatz. Jeder Feuerwehrmann war natürlich zunächst
einmal mit seinem eigenen Haus beschäftigt, so dass ein
gemeinsames Handeln erst sehr spät möglich wurde.
Zu allem Überfluss tauchte im abendlichen Verlauf - wie
an fast jedem Abend um diese Zeit - auch noch der „Eiserne
Heinrich” auf. Dies war ein kleineres Flugzeug der Alliierten,
das die meisten schon am Motorengeräusch erkannten. Wenn
der Pilot ein Licht sah, schoss er mit seiner Bordwaffe in die
Richtung des Lichts oder warf auch schon einmal eine kleinere
Bombe ab. In Flammersbach sah er diesmal viele Lichter und
feuerte, was das Zeug hielt. Den Einwohnern blieb nur übrig,
in eine dunkle und sichere Stellung zu flüchten.
Auch wenn aus einigen Nachbarorten Hilfe anrückte,
stand am Ende eine traurige Bilanz. Von den 70 Wohnhäusern
in Flammersbach waren 30 zerstört, dazu die Schule,
etliche Scheunen und das später einstürzende evangelische
Vereinshaus. Anders als in Siegen und Kaan-Marienborn,
wo man 190 bzw. 24 Menschenleben beklagte, wurden in
Flammersbach lediglich einige leichtere Verletzungen und
eine Rauchvergiftung bekannt. Nicht vergessen werden dürfen
viel totes Kleinvieh und mehr als ein Dutzend Kühe, die
aus den brennenden Ställen nicht befreit werden konnten
und elend zugrunde gingen. Unter tatkräftiger Hilfe einiger
Wilgersdorfer Feuerwehrkameraden fuhr der junge Landwirtsohn
Manfred Steuber die Kadaver auf den Stemmbach-
Sportplatz. Man warf sie in die auch hier entstandenen Bombentrichter
und deckte sie mit Erde zu.
Als die Brandstätten nicht mehr glühten…
Beim schmerzlichsten Ereignis in der Geschichte des Ortes
zeigte sich ein riesiger Zusammenhalt in der damals rund 450
Seelen starken Dorfgemeinschaft. Da etwa die Hälfte der
Häuser zerstört oder vorläufig nicht bewohnbar war, musste
in jedem der noch stehenden Gebäude nach Möglichkeit
eine ausgebombte Familie untergebracht werden. Das klappte,
auch wenn es hier und da mit Problemen verbunden war.
Die Großstadt-Evakuierten beanspruchten keinen Wohnraum
mehr, denn sie wurden am Tag nach dem Angriff im unbeschädigt
gebliebenen Rudersdorf untergebracht.
Kurz nachdem die Brandstätten nicht mehr glühten und
man die Schäden einigermaßen feststellen konnte, begannen
bei einigen auch schon die ersten Überlegungen zum Wiederaufbau.
Natürlich wollten viele vor den schier unersetzlich
scheinenden Verlusten beinahe verzweifeln und sie glaubten
zunächst nicht daran, dass die Schäden jemals wieder beseitigt
werden könnten. Doch die zunehmende Tatkraft der Flammersbacher
und ein gesunder Optimismus, gepaart mit dem
Mut, dem Willen und dem Fleiß der Bevölkerung ließ in wenigen
Jahren das Unvorstellbare wahr werden. Als im Jahr 1949
die Schule wieder eröffnet werden konnte und die Kinder nicht
mehr zum Unterricht nach Anzhausen mussten, standen auch
fast alle Wohnhäuser wieder auf ihrem alten Platz.
Ausklang
Der Pilot des zwischen Deuz und Beienbach abgestürzten
Bombers, Frank Hunter Smith, schrieb nach seiner
Heimkehr aus dem Krieg an den Vater seines toten Navigators
nach Australien: Krieg ist eine Tragödie. Ich kann
nur hoffen, dass wir niemals mehr durch eine solche Qual
hindurch müssen.
Ulli Weber
1/2012 25 Jahre durchblick 53
54 25 Jahre durchblick 1/2012
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Anja Freundt
Mitglied im Bundesverband
für Gedächtnistraining
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Stress mit den Ohren?
Viel hören - Wenig verstehen?
Von diesem Problem mit dem Gehör ist annähernd jeder
Siebte betroffen. Der Anfang: Angestrengtes Verstehen
und Verwechselung bei Neben
geräuschen, wobei es bei Einzelgesprächen
oft noch geht.
Meist sind beide Ohren gleichermaßen
betroffen. Bei uns
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Auswahl und Anpassung
Gerne stehen wir Ihnen mit
unserem stets aktuellen Fachwissen
zu Diensten. In unserem
Siegener Meisterbetrieb
hören & verstehen - Christian Brandes, haben Sie die Mög-
kritisch sein, denn viele Werbeaussagen sind übertrieben und
versprechen nur. Aber wir möchten Sie mit guter realistischer
von Kindern, gepaart mit jahrzehntelanger Erfahrung, kom-
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
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www.hoeren-verstehen.de
1/2012 25 Jahre durchblick 55
Essay
„Angst essen Seele auf“
Gedanken über zwei Grundbefindlichkeiten menschlicher Existenz
db-Foto: Hubertus Freundt
Teil 1: Angst
Angst nix gut, Angst essen Seele auf sagt der marokkanische
Gastarbeiter Ali zu seiner über 20 Jahre
älteren deutschen Frau Emmi im gleichnamigen
Film von Rainer-Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974.
Der Grund: Emmi, eine über 60-jährige Putzfrau (gespielt
von Brigitte Mira) weint und hat Angst, sowohl vor ihrem
eigenen Glücklichsein, als auch vor der Intoleranz und
feindseligen Haltung ihrer Mitmenschen über ihre Ehe mit
einem wesentlich jüngeren Ausländer. Inzwischen wurde
der Filmtitel zu einem geflügelten Wort, denn selbst Nachschlagewerke
wie Brockhaus und Duden listen ihn in „Zitate
und Aussprüche“ als stehende Redewendung auf. Nicht
selten verbergen sich hinter so scheinbar einfachen Zitaten,
tiefsinnige, nicht immer unmittelbar erkennbare Kernfragen
unserer menschlichen Existenz. So auch bei „Angst essen
Seele auf“. Obwohl es sicherlich einmal interessant wäre
zu erfahren, was Ali damit ausdrücken wollte, wir können
es uns nur denken. Bei mir selbst hat seine Aussage zwei
Fragen ausgelöst, denen ich einmal etwas nachgehen möchte.
Erstens, was genau bedeutet der Begriff „Angst“, ein
Zustand, der tief im Innern von uns Menschen so stark werden
kann, dass er unser Seelenleben zerstört und zweitens,
56 25 Jahre durchblick 1/2012
Essay
was verstehen wir Menschen eigentlich unter „Seele“, ein
Begriff vielfältiger Bedeutungen, je nachdem, aus welcher
Tradition heraus er (sie) verstanden wird, mythisch-religiös,
philosophisch oder psychologisch. Bevor ich mich aber
auf die Suche nach möglichen Antworten auf meine beiden
Fragen mache, noch der Hinweis, dass ich diesen Beitrag
als eine Verlängerung meines Beitrages in der durchblick-
Ausgabe 03/11 „Hallo ICH wer bist Du?“ verstehe, denn
beide, sowohl die Angst, als auch die Seele, werden nur unmittelbar
durch die Existenz unseres ICH begreiflich. Das
ICH ist es, welches die Angst bei uns Menschen in ihren
vielfältigen Ursachen und Ausprägungen verspürt, und die
Seele braucht unbedingt das ICH, um in ihm personenhaft
begründet zu sein. Beide sind mit dem ICH untrennbar
verwoben und durch die Beschäftigung mit ihnen, wird
die im vorigen Beitrag angesprochene ICH-Komplexität
erneut deutlich sichtbar. Wenn es zwei Dinge gibt, die das
Dasein von uns Menschen und die Farbe unseres Lebens,
von schwarz/grau bis rosa/rot, maßgeblich mitbestimmen,
dann ist es der Umgang mit unseren vielfältigen Ängsten
und damit eng verknüpft, die Befindlichkeit unserer Seele
(Psyche). Erkunden wir daher zunächst ein wenig das Phänomen
der Angst.
Wo kommt sie her, die Angst?
Das Wort „Angst“ steht im Plural und bedeutet so viel
wie Enge, Bedrängnis, Würgen, die Kehle zuschnüren und
ist heute zu einem Sammelbegriff geworden für in der
deutschen Sprache so vielfältige Synonyme wie Furcht,
Sorge, Bangen, Beklemmung, Erregung, Phobie, Grauen
oder auch Panik. Umgangssprachlich erweitert noch durch
Worte wie: Bammel, Schiss, Flatter und Muffensausen.
Heutzutage aber wird für die Vielzahl unterschiedlicher
Ausdrucksweisen einen negativen Gefühlszustand zu beschreiben
das Wort Angst verwendet. Es war wohl der dänische
Philosoph Sören Kierkegaard (1813-1855), der als erster
den heute in der Psychologie anerkannten Unterschied
machte zwischen den beiden Begriffen Angst und Furcht.
Während Furcht „objektbezogen“ d.h. auf einen bestimmten
Gegenstand gerichtet ist, ist Angst „objektunbestimmt“
sprich gegenstandslos und unbestimmt. (Beispiel: Ich
fürchte mich vor dem Hund, habe aber Angst, dass etwas
passieren könnte.) Demzufolge kennen Tiere keine Angst,
sondern haben Furcht vor einer konkreten Bedrohung, der
sie mit Flucht oder Aggression begegnen. Sie haben aber
keine Angst vor einer ungewissen Zukunft.
Gestalt. Ist es da ein Wunder, dass sie kein Mensch haben
will? Aber Angst ist kein Willensakt. Wir können sie nicht
verhindern, ihr nicht ausweichen, uns nicht von ihr befreien.
Ob wir wollen oder nicht, wenn sie uns ergreift, müssen wir
sie ertragen, sie aushalten und verarbeiten, körperlich wie
seelisch. Mit anderen Worten, wir müssen uns ihr stellen,
jederzeit und unmittelbar, denn die Veranlagung, Angst zu
entwickeln trägt jeder von uns als einen festen Bestandteil
seiner menschlichen Existenz tief in sich. Sie drängt sich in
unser Bewusstsein, manchmal plötzlich, bei einer unmittelbaren
Bedrohung, manchmal schleichend, als ein langsam
aufkommendes beklemmendes Gefühl, ausgelöst durch diffuse
Befürchtungen. Aber Vorsicht, Angst ist uns nicht immer
bewusst, trotzdem wirkt sie in uns, mitbestimmt unser Tun
und Denken und hinterlässt seelische Spuren, und dies nicht
erst im Erwachsenenalter, sondern bereits als Kleinkind.
Von ihrem Ursprung her ist Angst ein Grundgefühl und
gehört gewissermaßen zur biologischen Grundausstattung
von Mensch und Tier. Eine die Sinne schärfender Schutzmechanismus,
der den Körper bei drohender Gefahr, sei sie
real oder fiktiv, in Alarmbereitschaft versetzt durch einen
erhöhten Ausstoß von Adrenalin, höhere Energiebereitstellung,
erhöhte Aufmerksamkeit, höhere Muskelanspannung,
erhöhte Herzfrequenz und der sofortigen Überlebensentscheidung,
Flucht oder Kampf (flight or fight). Diese
Wer dem Phänomen der Angst nachgehen und verstehen
will, welche Macht sie über das Bewusstsein des Menschen
gewinnen kann, muss für den Theologen und Psychoanalytiker
Eugen Drewermann einen Fahrstuhl betreten, der über
drei Stockwerke in den Abgrund menschlicher Existenz
fährt: Verhaltensforschung (Es), Psychoanalyse (Ich) und
Existenzphilosophie (Geist). Auf diesen drei Ebenen zeigt sie
uns ihr „... stets Unheil verkündendes Antlitz“ 1) in vielfältiger
1/2012 25 Jahre durchblick 57
Essay
Angstreaktion des Körpers im Augenblick des Geschehens,
wie Herzrasen, Zittern am ganzen Körper, fliegender Atem
und Schweißausbruch (Angstschweiß) spüren wir aber meist
erst dann, wenn wir (hoffentlich) noch mal „mit dem Schrecken
davongekommen“ sind. Als Beispiel denke ich dabei
an eine plötzlich auftauchende Gefahrensituation im Straßenverkehr,
wenn wir als Fußgänger einen Zebrastreifen betreten
und dabei ein heranrasendes Auto übersehen haben.
Nach vorne wegrennen, nach hinten zurückspringen oder,
was paradoxerweise auch möglich ist, stehenbleiben und vor
Schreck erstarren. Bewegungssturm oder Totstellreflex. Binnen
einer „Schrecksekunde“ entscheiden wir uns, ohne dass
wir die Zeit hätten, bewusst darüber nachzudenken, wie wir
uns verhalten. Wir entscheiden und handeln in diesem lebensbedrohlichen
Augenblick sprichwörtlich „unüberlegt“,
denn Angst ist eine instinkthafte Notfallreaktion des Körpers,
die uns hilft, krisenhafte Situationen sofort zu erkennen und
zu reagieren. Ob uns unser archaisches Verhaltensprogramm
fürs Überleben dabei immer das Erfolgreiche, sprich das Leben
Rettende tun lässt und wir, um beim Beispiel Straßenverkehr
zu bleiben, wohlbehalten die andere Straßenseite
erreichen, steht auf einem anderen Blatt.
Ein anderes Beispiel ist die oft falsche Reaktion bei einem
Wildunfall in der Nacht. Wir wollen der Gefahr eines Zusammenstoßes
ausweichen, bringen uns aber durch unser Ausweichmanöver
in eine noch größere Gefahr. Ganz besonders
erhöht sich das Risiko einer falschen Reaktion immer dann,
wenn wir in einer für uns scheinbar ausweglosen Situation in
Panik geraten und durch unser instinktives, im wahrsten Sinne
des Wortes „kopfloses“ Fluchtverhalten, die Gefahr noch
vergrößern, oder sogar erst verursachen. Dies ist im hohen
Maße dann der Fall, wenn in einer großen Menschenmenge
plötzlich Panik ausbricht und jeder, ohne jede Rücksicht auf
andere, versucht, sein eigenes Leben zu retten.
Eine persönliche Kindheitserfahrung
Ich selbst hatte so ein Erlebnis als Fünfjähriger im
2. Weltkrieg beim Bombenangriff auf Siegen am 16.Dezember
1944. Es gab (wieder einmal) Fliegeralarm. Die Rundfunkdurchsage
vermeldete einfliegende Feindverbände. Das
Aufheulen der Sirenen versetzte die Menschen in eine erhöhte
fluchtartige Alarmbereitschaft und zerrte spürbar an ihren
Nerven. In dem panikartigen Getümmel und dichtem Gedränge,
den rettenden Luftschutzbunker zu erreichen, hatte
ich plötzlich meine Mutter und meine beiden älteren Brüder
verloren. Ich war allein. Ob ich wollte oder nicht, zusammen
mit der Menschenmenge wurde ich in den Bunker geschoben
und gedrängt. Dabei musste ich aufpassen, nicht hinzufallen.
Ich hatte Glück. Als die Türen verschlossen wurden, begann
das Bombardement und ich hörte das Bersten und Dröhnen
explodierender Sprengkörper. Die Wände bebten. Steine in
der Decke lösten sich, fielen aber Gott sein Dank nicht runter.
Ich spürte die große Unsicherheit und Angst der Erwachsenen
um mich herum. Sie spiegelte sich in ihren Gesichtern
wider. Heute, so denke ich, weiß ich warum. Sie lag begründet
in der „Ausweglosigkeit“ der Situation, dem ohnmächtigen
„Ausgeliefertsein“, verbunden mit der zwiespältigen
Verhaltensmöglichkeit. Welchem Verhalten gebe ich nach?
Dem archaisch gesteuerten Fluchtverhalten, also doch lieber
raus aus dem gefängnisartigen Bunker ins Freie, oder folge
ich dem von Vernunft gesteuerten Verhalten des Ausharrens.
Auch zu beobachten war die Erstarrung in eine sich schicksalhafte
Ergebenheit. Seltsamerweise hatte ich keine Angst
und habe auch nicht geweint. Ich wollte einfach nur nach
Hause. Als ich mich durch die Menschenmenge gezwängt
hatte und den Ausgang erreichte, wurde ich von einem Mann
aufgehalten mit der Frage: „Wo willst Du denn hin, Kleiner“?
Wahrheitsgemäß antwortete ich: „Ich will nach Hause“. Er
sagte: „Das kannst Du jetzt nicht, draußen fallen viele Bomben,
die alles kaputt machen.“ Ohne zu fragen wie ich hieß
hob er mich hoch und rief laut: „Kennt jemand diesen Jungen?“
Ich wurde von meiner Patentante erkannt und sozusagen
durchgereicht zu meiner überglücklichen Mutter, die
mich unversehrt wieder in ihre Arme schließen konnte.
In Erinnerung geblieben ist mir, wie bereits erwähnt,
dass ich während der Trennung von meiner Mutter und auch
während des Luftangriffs keine Angst verspürte, ich denke,
weil ich mir von der tödlichen Gefahr der Bomben keinerlei
Vorstellung machen konnte. Sie kam erst mit großer Nach-
Ihr Partner fürs
Wohnen und Bauen
58 25 Jahre durchblick 1/2012
Essay
haltigkeit, als wir nach der „Entwarnung“ aus dem Bunker
kamen und ich die verheerenden Zerstörungen sah; alles lag
in Trümmern und brannte, auch der große lange Häuserblock,
in dem wir gewohnt hatten. Unser ganzes Hab und
Gut lag unter Trümmern begraben. Wir hatten unser zuhause
verloren und waren, wie es damals hieß, „ausgebombt.“ Der
Blick auf die brennende Oberstadt, aus der trutzig das unversehrte
Krönchen emporragte, mein in Flammen gehüllter
Kindergarten, der beißende Gestank von dunklem Qualm
und Rauch, der den Tag zur Nacht werden ließ, sowie das
Schreien der Menschen, all dies löste große Angst in mir aus
und hat sich als ein unvergessenes Schreckenserlebnis tief in
meine Seele sprichwörtlich „eingebrannt.“
Vor dem Hintergrund dieser angstbesetzten Kindheitserfahrung,
der unmittelbaren Konfrontation mit Zerstörung,
Tod und Verzweiflung, und der Erinnerung an die bittere Not
der Nachkriegszeit, in der Hunger alles Denken und Handeln
bestimmte und die Stelle im christlichen Gebet des „Vaterunser“
„...unser tägliches Brot gib uns heute“ noch wörtlich
zu nehmen war, drängt sich mir die Frage auf: Wie ist es denn
heute um unsere Ängste bestellt? Wir leben doch - Gott sei
Dank - in einem politisch befriedeten Europa, in einer von
Wohlstand geprägten Gesellschaft, in der Lebensmittel im
Überfluss vorhanden sind und der technische Fortschritt den
Alltag in vielen Dingen wesentlich erleichtert. Wir haben ein
funktionierendes Gesundheitssystem, ausreichende medizinische
Versorgung und unsere Lebenserwartung steigt. Wir
sind im Alter fitter, werden immer älter und fahren (fliegen)
zweimal im Jahr in Urlaub. Unsere Sozialsysteme zählen
weltweit zu den besten. Die Wirtschaft boomt. Herz, was
begehrst du mehr. Keinerlei Gründe für existenziell große
Sorgen und Ängste. Sollte man meinen. Aber ist das so?
Zunehmende Angst in unserer Zeit
Glaubt man Psychologen und Verhaltensforschern und
ihren in den letzten Jahren erstellten zahlreichen Studien, ist
genau das Gegenteil der Fall. Trotz all dieser politischen,
wirtschaftlichen, technischen und sozialen Errungenschaften
der vergangenen 60 Jahre, nehmen die Angststörungen nicht
nur in Deutschland, sondern europaweit (zum Teil dramatisch)
zu. Nach Angaben der Europäischen Gesellschaft für
Hirnforschung (EBC) leiden 127 Millionen Menschen in Europa,
also mehr als ein Viertel der Bevölkerung, an den zwölf
häufigsten psychischen Erkrankungen. 4) In Deutschland ist
nach einer Statistik der DAK die Rate der „Arbeitsausfalltage
infolge von Angststörungen“ von 2000 bis 2005 um
27 Prozent gestiegen; bei Depressionen liegt im gleichen
Zeitraum eine Zunahme von 42 Prozent vor. Insgesamt gehen
fast 10 Prozent der Krankschreibungen auf psychische
Erkrankungen zurück. 4) Studien lassen vermuten, ...das Angst
im Verbund mit Depression zur vierthäufigsten Todesursache
in westlichen Industriestaaten gehört und laut Schätzungen
der Weltgesundheitsorganisation im Jahre 2020, nach den
Herz-Kreislauf Ursachen, zur zweithäufigsten aufsteigen
wird. 4) Ist Angst, das heimliche Leiden, die schlimmste Seuche
unserer Zeit? Ja, man spricht heute zunehmend sogar
schon von einer „Angstgesellschaft“. An dieser Stelle sei
die Frage erlaubt: Hat die Angst wirklich zugenommen, oder
kann der Einzelne vielleicht nicht mehr so viel ertragen, wie
noch vor 50 oder 100 Jahren. Sind wir, die Wohlstandsindividualisten
4) von heute, womöglich allzu verweichlicht? Jammern
wir nur, wie oft zu hören ist, auf einem hohen Niveau?
Ich denke nein. Aber was ängstigt dann so viele Menschen?
Wovor und vor allem worum fürchten sie sich? So sehr, dass
ihre Angst pathologisch wird und sie als „Angstpatienten“
therapeutische Hilfe benötigten? Immerhin stirbt jeder
Ängste des Menschen von heute
1. Global bedingte Zukunftsängste vor:
(nicht beeinflussbar)
• Folgen des Klimawandels,
• Zunahme von Naturkatastrophen
• Zunahme der Weltbevölkerung,
• globale Virenkrankheiten (Seuchen wie
Vogelgrippe, BSE)
• Ressourcenknappheit und Verteilungskämpfe
um Wasser, Öl und küstennahe Landflächen
• Internationaler Terroranschläge
• GAU in Atomkraftwerken (Fukushima/Tschernobyl)
• Atomare Auseinandersetzung (Iran / Nordkorea
• Internationale Finanz / Banken / Staatsschulden und
Eurokrise
2. Gesellschaftlich bedingte Zukunftsängste vor:
(nicht beeinflussbar)
• Jobverlust
• Arbeitslosigkeit
• Kollabierende Sozialsysteme
• Verlust von Einkommen und Vermögen
• drohende Armut (Altersarmut)
• Ansehen und Prestigeverlust
• Vergrößerung der Schere zwischen Arm und Reich
• Geldentwertung (Inflation)
• Überfremdung
3. Persönlich bedingte Zukunftsängste vor:
(nur teilweise beeinflussbar)
• Einsamkeit / Alleinsein
• Krankheit und Gebrechen
• Alter / Verlust der Selbstständigkeit
• Versagensängste
• Verlustängste
• Sterben und Tod
• Existenzangst (Woher komme ich, wohin gehe ich?)
sowie mögliche Phobien wie
• Platzangst / Flugangst / Höhenangst
• Tierängste (Spinnen, Schlangen, Mäuse etc.)
1/2012 25 Jahre durchblick 59
Essay
siebte Angstpatient von eigener Hand. 4) Die Gründe hierfür
sind vielfältig, vielschichtig und sicherlich auch immer ganz
individuell zu sehen und zu beurteilen (erlebte Kindheit, persönliche
Veranlagung, soziales Umfeld etc.). Daneben gibt es
aber zunehmend gesellschaftliche Ängste, die auf Ursachen
beruhen, auf die der Einzelne keinerlei Einfluss hat, von denen
er sich aber bedroht fühlt und hilflos ausgeliefert. Und
Hilflosigkeit ruft bekanntlich Angst hervor. Ich verzichte an
dieser Stelle bewusst auf Beispiele, sondern verweise auf
die Tabelle auf Seite 59, in der ich versucht habe, die Palette
Angst auslösender Ursachen einmal etwas zu veranschaulichen.
Aber unabhängig ob kollektiv oder nicht, erlebt wird jede
Angst immer nur ganz individuell vom jeweils betroffenen
Menschen. Und aus dieser Position des Einzelnen heraus sehe
ich auch zwei Hauptursachen für die Zunahme von Angst,
ein äußere (gesellschaftliche) und eine innere (persönliche).
Die äußere Ursache
Damit meine ich die große Verunsicherung und Bedrohung
durch die gegenüber früherer Zeiten veränderten Lebens-
und Arbeitsbedingungen, unter denen der Einzelne
heute sein Leben gestalten muss. (Punkte 1 + 2 der Tabelle).
Wir leben in einer überaus hektischen, schnelllebigen, reizüberfluteten
und von Technik beherrschten Zeit der rasanten
Veränderungen. Wir werden von den Medien (Fernsehen,
Radio, Zeitung, Internet) mit Nachrichten und Informationen
förmlich „zugemüllt“, darunter viele, die verunsichern und
Ängste auslösen. Es ist eine Zeit, in der kaum noch etwas
Bestand zu haben scheint. Etwas, das uns Ruhe, Halt und
Orientierung schenkt. Der Druck in unserer Leistungsgesellschaft,
insbesondere für die Erwerbstätigen, wächst ständig
und erzeugt Versagensängste in vielerlei Hinsicht. Die soziale
Schieflage wird immer größer. Auf der einen Seite Wohlstand
und Reichtum, auf der anderen Seite Besitzlosigkeit
und Armut. Die Schere klafft immer weiter auseinander, der
Mittelstand schrumpft und für immer mehr Menschen stellt
sich die beängstigende Frage: Auf welcher Seite werde ich in
Zukunft stehen? In einem Gespräch mit der Zeitschrift GEO
WISSEN antwortete der Psychologe und Psychoanalytiker
Wolfgang Schmidtbauer auf die Frage, woran es denn liegt,
dass die Ängste der Menschen zugenommen haben: „Noch
nie zuvor hatten so viele Menschen so viel zu verlieren wie
heute: ihre Sicherheit, ihren Wohlstand, ihre Zukunftschancen.
Wir gehen zu Vorsorgeuntersuchungen, die möglichst
früh Gefahren entdecken sollen, von denen wir noch gar
nichts ahnen. Wir hören Experten zu, die uns auf Risiken
aufmerksam machen, an die wir normalerweise nicht einmal
denken. Wir sind gegen alles Mögliche versichert, vom Verlust
des eigenen Hauses bis zum Verlust der Zahnprothese.
Aber all das macht uns nicht fröhlich oder angstfrei, sondern
führt uns überhaupt erst vor Augen, was alles passieren
kann.“ 6)
Bei etwas genauerer Betrachtung unserer Gesellschaft
stellt man fest, dass sich mit dieser zunehmenden Angst drei
Generationen auseinandersetzen müssen. Da ist die Kriegsgeneration,
die ihre Ängste, ob in Luftschutzbunkern, auf der
Flucht oder an der Front, nach dem Krieg einfach verdrängt
hat, die heute aber, bedingt durch die bedrohlichen Veränderungen,
wieder mit Macht an die Oberfläche drängen.
Dazu der bekannte Theologe und Buchautor Amseln Grün:
„Während der Weg nach dem Krieg immer nur bergaufging,
scheint er jetzt nach unten zu führen, in ein nebliges Tal.
Dort unten ist es dunkel und kalt. Man fühlt sich nicht wohl
in diesem Tal. Eine undurchsichtige Zukunft macht unsicher.
Und vieles, was dort unten geschieht, erzeugt Angst. 5) Da ist
die noch im Berufsleben stehende Generation, die dauerhaft
unter Stress steht und nicht nur Angst vor einem möglichen
Jobverlust hat, sondern auch im Hinblick auf eine ausreichende
Altersvorsorge und drohender Altersarmut. Da sind
als dritte Generation die Jugendlichen und jungen Erwachsenen,
die vor der Entscheidung stehen, welchen Berufsabschluss
schaffe ich, welcher Berufsweg ist für mich der richtige,
um im zunehmend internationalen Wettbewerb nicht
auf der Strecke zu bleiben. Diesen Fragen stehen heute viele
Wahlmöglichkeiten gegenüber, die durchaus positiv zu bewerten
sind, die aber auch die Angst hervorruft, eine falsche
Entscheidung zu treffen, eine Entscheidung, die das spätere
Leben entscheidend mitbeeinflussen kann.
Zu den Ängsten, die wir mit anderen teilen, kommen also
noch die generationsbedingten, die es in dieser Form früher
so sicherlich nicht gegeben hat.
Nicht unerwähnt bleiben darf, dass mit der Angst der
Menschen auch gute Geschäfte gemacht werden. Dazu nur
zwei Beispiele. Da ist unsere Angst vor materiellen Verlusten
(Immobilie, Inventar, Auto, etc.). Wir suchen Versicherungsschutz,
schließen zahlreiche Versicherungen ab, die, wenn
überhaupt, nur selten in Anspruch genommen werden, zahlen
regelmäßig unsere Beiträge, an denen die Versicherungsgesellschaften
Milliarden verdienen. Es gibt heute praktisch
nichts mehr, gegen das man sich nicht versichern kann. Da
ist die Angst vor vielfältigen Krankheiten und Gebrechen,
die geschürt wird durch medial aufgebaute Drohkulissen,
insbesondere in der Werbung der Pharmaindustrie, die psychologisch
raffiniert durchdacht, immer nach dem gleichen
Schema abläuft, erst Angst erzeugen, dann Hilfe durch Arzneimittel
anbieten, deren Wirksamkeit oft fraglich ist. Mit
dieser Methode werden Milliarden verdient. Erinnert sei nur
an die übertriebene Panikmache vor globalen Infektionen
und Seuchen wie Vogelgrippe, Schweinegrippe, BSE, sprich
die Angst vor einer Pandemie und den angebotenen Schutz
durch entsprechend teure Impfstoffe.
Angst ist ein (oft verstecktes) Mittel, das zur Durchsetzung
politischer Ziele eingesetzt wird. Das Spiel mit der Angst in
der Politik ist allgegenwärtig, im Kleinen wie im Großen. Ich
denke da z.B. an die Angst vor möglichen Terroranschlägen.
Mit ihr lassen sich Gesetze zur Verschärfung staatlicher Überwachungsmaßnahmen
viel leichter durchsetzen. Man muss
das Angstpotenzial der Bevölkerung nur richtig anheizen und
60 25 Jahre durchblick 1/2012
Essay
der Mensch ist bereit, auf ein Stück seiner sonst so verteidigenden
Freiheit zu verzichten. Ich erinnere an den ehemaligen
Präsidenten der USA, George Bush, an seine Achse des Bösen
und die Rechtfertigung für den Beginn des Irak-Krieges,
Saddam Hussein verfüge über Atomsprengköpfe, die auf Israel
gerichtet seien. Allerdings kein Spiel mit der Angst waren
das sei der Wahrheit halber auch erwähnt, die Terroranschläge
des 11. September 2001. Spätestens seit diesem Datum war,
nicht nur bei uns in Deutschland, „Schluss mit lustig“ 2) und
der bekannte Journalist Peter Scholl-Latour verkündete damals
schon ... das Ende der Spaßgesellschaft. 3) Bei all dem
denke ich, jeder von uns sollte wachsam und sensibel sein und
in vielen Dingen mehr seinem gesunden Menschenverstand
vertrauen, um die vielfältigen unnötigen „Angstmacher“ zu
entlarven und ihnen nicht auf den Leim zu gehen.
Die innere Ursache
All diese vielen äußeren, angstauslösenden Einflüsse
treffen heute zunehmend auf Menschen, deren Grundeinstellung
zu ihrem persönlichen Leben, sowie zum Leben
selbst, in eine Schieflage geraten ist. Das Fundament, auf
dem sie ihr Leben aufbauen, ist oft brüchig und instabil.
Den Grund sehe ich in der vielfach verlorengegangenen
Religiosität und Spiritualität. Die Mehrzahl der Menschen
sind ausschließlich außen orientiert. Sie suchen den Wert
ihrer eigenen Person überwiegend in materiellen und äußeren
Dingen wie Besitzstand (Geld, Vermögen), beruflichen
Erfolg (Ansehen, Anerkennung), äußere Schönheit (Figur,
Kleidung) und in einer oft übertriebenen Fitness (körperliche
Leistungsfähigkeit). So hilfreich diese Dinge für das
eigene Leben vielleicht auch sein mögen, letztlich sind und
bleiben sie nur Äußerlichkeiten, die unbeständig und vergänglich
sind, keinen festen Bestand haben, dadurch auch
keinen wirklichen Halt bieten können und auch keine innere
Ruhe und Orientierung geben. Sie machen nicht wirklich
glücklich und schon gar nicht angstfrei. Ganz im Gegenteil,
mit ihnen steigen die Versagens- und Verlustängste. Diese
einseitige Ausrichtung, dieses sandige Fundament, auf dem
die Menschen versuchen, ihr Leben aufzubauen, macht sie
psychisch krank. Ihnen fehlt ein Gegenpol für ihre Ängste
und sie suchen Hilfe. Und wo? Auch wenn kein unmittelbarer
Zusammenhang zu erkennen ist, zu beobachten ist hier
ein interessanter Wechsel. Während die Kirchenbänke (aus
vielerlei guten Gründen) immer leerer werden, füllen sich
die Wartezimmer der Psychotherapeuten. Ihre Wartelisten
und Wartezeiten werden immer länger. Für mich ein sicheres
Zeichen dafür, dass der Mensch für sein Seelenheil – gestern
wie heute – unbedingt ein Gegenüber braucht, dem er seine
Sorgen und Ängste anvertrauen kann. Und dieses Gegenüber
ist heute nicht mehr der Seelsorger, besser gesagt, Gott, sondern
die überlaufenen und überlasteten Therapeuten. Damit
will ich notwendige und hilfreiche therapeutische Behandlungen
bei Angsterkrankungen und neurotischen Störungen
in keiner Weise in Frage stellen. Im Gegenteil, ich halte sie in
unserer Zeit für dringend notwendig. Worauf es mir aber
Alter Geschlecht Monatsbeitrag in Euro
45 Frauen
Männer
55 Frauen
Männer
65 Frauen
Männer
75 Frauen
Männer
Genau so einzigartig
wie der Mensch ist,
so sollte auch seine
Bestattung sein.
Vorsorge
Absicherung für den letzten Weg
8,94
11,53
12,24
15,82
19,45
24,82
40,50
48,63
12,89
16,79
17,84
23,21
28,63
36,70
60,18
72,38
TÜV SÜD geprüfte Service-Qualität
seit 3 Jahren in Folge
für den Geltungsbereich:
16,84
22,03
23,44
30,59
37,81
48,56
79,86
96,14
Versicherungssumme 3.000 4.500 6.000
Quelle: Ideal Sterbe-Geld 2011
1/2012 25 Jahre durchblick 61
Essay
ankommt, ist, auf einen philosophisch-religiösen Aspekt hinzuweisen,
der bei der Frage nach dem Ursprung und bei der
Bewältigung von Angst eine erhebliche Rolle spielt. Es ist
ein Grundproblem der menschlichen Existenz überhaupt und
liegt sozusagen in der geistigen Ausstattung des Menschen
selbst: seinem Selbstbewusstsein. Der Mensch besitzt die
Fähigkeit zur Selbstreflexion d.h., durch sie potenziert sich
das mit den Tieren gemeinsame Angsterleben ins Unvorstellbare.
Nur der Mensch weiß, dass er in der Falle sitzt. Er
ist das einzige Lebewesen, das sich
die Frage stellen kann: Wo komm
ich her, wo geh ich hin? Und mit
ihr stellt sich die nächste Frage nach
dem Grund des persönlichen Daseins
in dieser Welt. Warum existiere ich
überhaupt? Welches ist der Grund für
meine Existenz? Was interessiert die
Natur, was die Welt, ob es mich gibt
oder nicht? Die Existenzphilosophie
spricht von einem „Grundlosen Hineingeworfensein
in das Dasein dieser
Welt.“ Der deutsche Philosoph Martin
Heidegger (1889–1976) sagt dazu
in seinem berühmten Werk „Sein und
Zeit“: „Wovor die Angst sich ängstigt,
ist das -In-der-Welt-sein selbst.
Die Angst wirft den Menschen auf
sich selbst zurück. Er erkennt sich als
ein einsames Einzelwesen gegenüber
einer bedrohlich wirkenden Welt
und gegenüber einer majestätischen
Gleichgültigkeit der Natur. Solch eine
existenziell tiefe Erkenntnis, die
Infragestellung der eigenen Existenz,
erfahren Menschen oft erst am Ende ihres Lebens, wenn der
Tod nach ihnen greift und ihnen klar wird, dass all ihr eitles
Tun nur ein Haschen nach Wind war. (Pred.1,14)
Dazu Eugen Drewermann: „... ein Grundproblem der
menschlichen Existenz (ist):... in eine Welt geworfen zu sein,
deren Gesetze und Spielregeln schon aufgrund ihrer Unpersönlichkeit
und Gleichgültigkeit gegenüber dem Einzelnen
unheimlich, unbegreifbar und inakzeptabel erscheinen. Zu
sich selbst zu erwachen und der Welt fremd zu werden ist
offenbar ein und derselbe Vorgang ...“ und weiter: „Die Ausgesetztheit
und Einsamkeit des menschlichen Daseins jedoch
ist wesentlich; sie gehört notwendig zur Reflexivität und Personalität
der Existenz: Ein geistiges Wesen wie der Mensch
muss die Fragen an die Welt richten, auf welche diese grundsätzlich
nicht zu antworten vermag. Allein schon die abweisende
Stummheit bzw. die verweigerte Antwortschaft der
Welt bezüglich aller Klagen und Fragen des Daseins, treibt
die Angst im menschlichen Bewusstsein ins Unermessliche...
und je reflektierter, bewusster, geistiger ein Mensch sein Leben
vollzieht, desto schonungsloser und ungeschminkter tritt
die Unbegreifbarkeit dieser Wahrheit an ihn heran.“ 1)
Die Vertreibung von Adam und Eva aus
dem Paradies ist die Geburtsstunde der
Angst des Menschen
Folgen wir Drewermann, so gehört die Angst quasi zur
Basisausrüstung eines jeden Menschen, eben weil er über die
Fähigkeit zur Selbstreflexion verfügt. Einen Menschen ohne
Angst gibt es nicht. Theologisch tief begründet ist dies in
der bildhaften Aussage der Bibel beim Sündenfall von Adam
und Eva (das Essen der verbotenen Frucht vom Baum der
Erkenntnis, um zu werden wie Gott) und der Vertreibung
aus dem Paradies (Gen. 3,7) wo es heißt: „Und da gingen
ihnen die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren“.
Hinter dieser symbolkräftigen
Aussage; die Fähigkeit, den Blick
auf sich selbst richten zu können (das
Selbstbewusstsein) und dem plötzlichen
Erkennen der eigenen Schutzlosigkeit
(mein kleines ICH gegenüber
allem was Nicht-ICH ist in dieser
Welt); verbirgt sich so etwas wie die
Geburtsstunde der Grundangst des
Menschen.
wikipedia.org / Adam und Eva im Florapark in Düsseldorf
Die Daseinsangst der
Existenzphilosophie
Diese menschliche Grundangst
(die Daseinsangst der Existenzphilosophie)
findet ihren Ausdruck in vier
verschiedenen Grundformen: Notwendigkeit,
Möglichkeit, Endlichkeit
und Unendlichkeit. 5) Für Kierkegaard
sind es die vier Pole, zwischen denen
der Mensch in dieser Welt lebt (leben
muss). Was ist mit ihnen gemeint? Die
erste Grundangst ist die des zwanghaften
Menschen 5) vor der eigenen
Wertlosigkeit. Er erlebt sich in dieser
Welt als nutzlos und unnötig und glaubt, die Notwendigkeit
seiner Existenz und seinen Wert nur durch immer mehr Leistung
beweisen zu müssen. Die zweite Grundangst ist die des
hysterischen Menschen. 5) Er erkennt die unendlichen Möglichkeiten
seines Handelns, aber durch sie erfährt er auch
die Haltlosigkeit seines Daseins. Er sucht verzweifelt Halt
und klammert sich an Besitz oder auch an einen anderen
Menschen, in der Hoffnung auf eine absolute Geborgenheit,
die ihm beide aber nicht bieten können, um damit seine
tiefsitzende Angst zu beruhigen. Die dritte Grundangst hat
ein depressiv veranlagter Mensch 5) , der an der Unendlichkeit
verzweifelt. Er fühlt sich schon allein aufgrund seines
Daseins für schuldig. Er zweifelt an seiner Daseinsberechtigung.
Um diese Schuldangst zu bekämpfen, verausgabt er
sich für andere und entwickelt ein Helfersyndrom. Damit
überfordert er sich ständig, und diese Überforderung führt
zur Verzweiflung. Die vierte Grundangst ist die des schizoiden
(zerrissenen) Menschen, 5) der nach Drewermann mit der
Endlichkeit nicht zurechtkommt. Er steht nicht in Beziehung
zu seinen Gefühlen, und deshalb auch nicht in emotionaler
Beziehung zu anderen Menschen und der Welt. Für ihn wird
62 25 Jahre durchblick 1/2012
Essay
sein Denken, das nur um ihn selbst kreist, zur Realität. Er
wird der Welt fremd, entwickelt Phantasien bis hin zum Verfolgungswahn.
Nimmt man nun diese tief in der menschlichen Psyche
verankerte Veranlagung für diese vier Formen der Grundangst
und verstärkt diese noch durch all die bisher angesprochenen
vielen Ängste, die bei der Bewältigung des Lebens
auftreten, ist es da ein Wunder, dass die Angst eine so mächtige
Triebfeder ist, im Guten wie im Bösen, im Bewussten
wie im Unbewussten? Von dem amerikanischen Philosophen
Ralph Waldo Emerson (1803–1882) stammt der Satz:
„Furcht besiegt mehr Menschen als irgendetwas anderes auf
der Welt.“ Bleibt für mich die letzte Frage zu stellen: aber
wohin mit all unseren Ängsten?
Verwandle deine Angst 5)
„Alles, was Religion dem Menschen zu sagen hat, ist als
Antwort zu lesen auf die Fragen, die sich auf den verschiedenen
Stufen des Daseins in der Sprache der Angst zu Wort
melden.“ 1) Mit dieser Aussage will Drewermann darauf
hinweisen, dass es nicht die modernen Naturwissenschaften
sind, die auf die angstauslösenden existenziellen Fragen
des Menschen eine sinnvolle und heilende Antwort geben
können (und es auch nicht wollen), sondern nur Religion, in
ihren unterschiedlichen Formen. Die „Entängstigung“ des
Menschen ist nur auf der Ebene des Religiösen möglich. Da
ist die fernöstliche, mystische Naturreligion des Hinduismus,
die dem Menschen seine Angst nimmt, indem sie ihn mit hineinnimmt
in den ewigen Kreislauf der Natur, dem ständigen
Werden und Vergehen, und wo Geist und Körper eins sind.
In diesem Kreislauf kann der Mensch nicht verlorengehen.
Da ist der Buddhismus, bei dem alles Leid und alle Angst
dieser Welt nur verursacht werden durch die Habsucht und
Begierden des Menschen, sowie in der falschen Vorstellung
vom ICH. Das ICH ist im Buddhismus nur eine Illusion,
ein Spiegelreflex, ein Trugbild. (Siehe Beitrag: „Hallo ICH,
wer bist du?“ Ausgabe 03/11) „Wer die Ichhaftigkeit verlässt,
der verlässt damit zugleich die Stätte der Angst und tritt in
die Stille des Schweigens.“ 1) So wertvoll insbesondere die
friedliche, angstlindernde „Ichauflösung“ des Buddhismus
im Zusammenleben der Menschen auch sein mag, die größte
Kraft und Hoffnung aber, die Angst zu überwinden, bietet für
mich das monotheistische Christentum. Warum? Weil in ihm
das letzte Ziel aller Menschen nicht im Einswerden mit der
Natur liegt, auch nicht in der völligen Ichauflösung der Person,
sondern genau gegenteilig, in einer naturgelösten und
angstfreien Ichfindung. Erst im Erkennen seiner wahren und
wirklichen Person, durch die Hinwendung zu einem absoluten
Gegenüber, dem absoluten DU Gottes, findet sich der
Mensch im tiefsten seines Wesens. So wie seine biologische
Einmaligkeit durch seinen Fingerabdruck und seine DNA
zu erkennen ist, so erfährt der Mensch in der Begegnung mit
Gott seine menschliche Einmaligkeit. Wie sich das ICH eines
Kindes erst am DU seiner Mutter entfaltet und eine (hoffentlich)
vertrauensvolle und liebende Geborgenheit erfährt,
so erfährt der Mensch ein von Angst befreites angenommen
sein im DU Gottes. Es ist letztlich „die göttliche Person,
das göttliche Du, vor dem sich unsere Angst beruhigt. Der
einzige Weg, von seiner Angst um sich selbst frei zu werden,
besteht darin, dass das ICH es lernt, im Gegenüber des
absoluten Ichs Gottes (s)ein eigenes Ich auszuprägen.“ 5)+1)
Dieses JA von einem Gott, der all unsere Vorstellungskraft
übersteigt und von dem wir nur wissen, dass wir ihn mit DU
anreden können, dieses absolute JA Gottes zum Menschen
ist völlig bedingungslos, dazu braucht es keinerlei Leistung,
keine Voraussetzung und keine Rechtfertigung. Dieses Angenommensein
ohne jedes Wenn und Aber, ist nichts anderes
als die Liebe Gottes zu den Menschen. Sie ist es, die uns
Menschen unsere Angst nimmt. Und dieses Wissen um die
angstauflösende Liebe Gottes verkündete Jesus, der Mann
aus Nazareth, schon vor 2000 Jahren, bis zu seinem eigenen
grausamen Tod am Kreuz. Immer wieder sprach er die
für jeden gläubigen Christen tröstenden und ermutigenden
Worte: „Fürchte dich nicht“, eine Aussage, die in der Bibel
immerhin 365-mal vorkommt. Jesus war und ist für die
Menschen ein Angsttherapeut mit der bedingungslosen Liebe
Gottes als Heilmittel. Aber nicht nur die Liebe Gottes zu
den Menschen vertreibt die Angst, sondern auch die Liebe
der Menschen untereinander, denn überall da, wo die Liebe
gegenwärtig und spürbar ist, gibt es keine Angst. Die Liebe
schafft angstfreie Räume. Deshalb heißt das Zauberwort für
die Vertreibung der Angst aus dieser Welt auch: Liebe. Ob
wir Menschen auf diesem Blauen Planeten das jemals begreifen
werden? Ich hab da so meine Zweifel.
Eberhard Freundt
Quellenangaben: 1) Eugen Drewermann: Glauben in Freiheit Band 1 (Walter-Verlag),1993 2) Peter Hahne:
Schluss mit lustig – Das Ende der Spaßgesellschaft. Johannis-Verlag, 2004. 3) Wikipedia.org. 4) ZEIT-Online:
Beitrag: In den Fängen der Angst (Christian Schüle April 2007). 5) Amseln Grün: Verwandle deine Angst
(Herder Verlag) 2011. 6) www.geo.de/GEO/Heftreihe/geo_wissen
VdK Soziale Sicherheit in einer
großen Gemeinscha
Kreisverband
Siegen-Olpe-Wigenstein
57072 Siegen Morleystr.15-17
Tel.: 02 71 / 30 38 29-0
Fax: 02 71 / 30 38 29-18
e-mail: kv-siegen@vdk.de
www.vdk.de/kv-siegen-olpe-wigenstein
Falls Sie mehr über den VdK wissen möchten,
wenden Sie sich an den Kreisverband oder direkt
an den für Sie zuständigen Ortsverband
1/2012 25 Jahre durchblick 63
Veranstaltungen im Senioren Begegnungszentrum
der Stadt Siegen
Seniorenhilfe Siegen e.V.
Telefon 02 71/ 6 61 03 35
durchblick e.V.
02 71/6 16 47 + 01 71/6 20 64 13
AlterAktiv e.V. Siegen-Wittgenstein
Senecafé 02 71/ 2 50 32 39
SeniorenServiceStelle 0271 / 3 84 61 08
montags
10:00 -12:00 Sprechstunde der
Seniorenhilfe
09:00 -12:00 SeniorenServiceStelle
geöffnet 0271 / 3846108
10:00 -12:00 Werkstatt geöffnet
14:00 -18:00 ALTERAktiv
Senecafé
dienstags
10:00 -12:00 Sprechstunde der
Seniorenhilfe
10:00 -12:00 Redaktionsbüro des
durchblick geöffnet
10:00 -12:00 Malgruppe
18:00 -20:00 durchblick-Photo-Shop-
Club (für Fortgeschritte)
ALTERAktiv-Computerkurse
und Englischkurse
auf telefonische Anfrage
Haus Herbstzeitlos
57074 Siegen, Marienborner Str. 151
Café „Unter der Linde“ 02 71 / 5 64 10
Englischkurse 02 71 / 8 74 39
oder 02 71 / 2 50 15 00
Film- und Video-Club 027 32/1 24 60
Seniorenbeirat 02 71 / 404-2434
mittwochs
10:00 -12:00 Redaktionsbüro des
durchblick geöffnet
09:00 -12:00 SeniorenServiceStelle
geöffnet 0271 / 3846108
09:00 -12:00 ALTERAktiv
Senecafé
15:00 -17:00 Singen mit der
Seniorenhilfe
15:00 -17:00 Handarbeiten mit der
Seniorenhilfe
15:00 -17:00 Werkstatt geöffnet
14:00 -18:00 ALTERAktiv
Senecafé
19:00 -21:00 Regenbogentreff
19:30 -22:30 Film und Videoclub
Gedächtnistraining 071 / 8 49 99
Lesepaten 02739 / 22.90
Malgruppe 0271 / 3 73 87
Selbstverteidigung 0160 / 30 18 67
SeniorenTheaterSiegen 0271 / 5 65 28
Trauercafé 0271/ 5 34 46
Wahlverwandte 0271 / 2 38 01 08
Werkstatt 02 71 / 6 27 76
donnerstags
09:30 - 10:30 Selbstverteidigung
10:00 - 12:00 Sprechstunde der
Seniorenhilfe
10:00 - 12:00 Redaktionsbüro des
durchblick geöffnet
12:30 - 14:00 Mittagstisch für Ältere,
Vortagsanmeld. bis 12 Uhr
0271- 404-2200
15.30 -16:45 „Easy Conversation“
Englischstunde
freitags
10:00 - 12:00 Sprechstunde der
Seniorenhilfe
samstags
09:00 - 12:00 Wandergruppe
der Seniorenhilfe
Wegen möglicher Änderungen einzelner Termine (Ferien, Krankheit usw.) empfiehlt sich die telefonische Anfrage.
Das Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos befindet sich hinter der alten „Hainer Schule“, Ecke Marienborner Str. / Blumenstr.
Anfahrt: Ab Hauptbahnhof, ZOB Bussteig B 1-2: Linien R 12, R 13, R 17, L 109 (Bushaltest, Blumenstraße). Parkplatz: Kostenlos am Haus
Wir haben die passenden Veranstaltungen für Sie:
Englisch für Ältere (verschiedene Stufen)
Computerkurse für Ältere (Grundlagen, Internet, E-Mail u. a.)
Programm 2011/2012
Programm
2011/2012
August 2011 - Juli 2012
Vorträge | Café-Zeit im KrönchenCenter
und vieles Andere mehr.
VHS Siegen, KrönchenCenter, Markt 25, 57072 Siegen
www.vhs-siegen.de
Telefon: 0271 404-3000
„Wandern und Schauen, Hobby mit Tempo 3“
Kneppe/Gottschalk (79516/79154)
14.00 Uhr ab Weidenau Finanzamt
18.00 Uhr Rückkehr
- 13.03. Ostheldener Höhe-Schönau
- 27.03. Hainchen-Dilldappenweg
- 10.04. Aartalsee,Rundweg
- 24.04. Fahlenscheid-Rahrbach
- 08.05. Dillbrecht-Offdilln
- 22.05. Giller Rundweg
- 05.06. Holzbachschlucht
Fugler (Tel. 870315/870305)
14.00 Uhr ab Geisweid, Klaf. Markt
18.00 Uhr Rückkehr
- 13.03. Gillerberg
- 27.03. Kirchhundem
- 10.04. Olpe Rosenthal
- 24.04. Pottum am Wiesensee
- 08.05. Nümbrecht
- 25.05. Finnentrop
Fritz/Hartzer (Tel. 42616/75801)
13.45 Uhr ab Wdn., Humboldt-Pl.
14.00 Uhr ab Weidenau, A.d. Hütten
18.00 Uhr Rückkehr
- 06.03. Wenden-Schönau
- 20.03. Elkhausen
- 03.04. Fleckenberg
- 17.04. Dauersberger Mühle
- 15.05. Rhein-Weser-Turm
- 29.05. Kohlhagen
Hövelmann/Flender (75980/82733)
14.00 Uhr Abfahrt Weidenau, Bhf.
14.15 Uhr Abf. Marktpl. Geisweid
18.00 Uhr Rückkehr
- 06.03. Oberveischede
- 20.03. Wenden
- 03.04. Schmallenberg
- 17.04. Ginsberger Heide-Lützel
- 15.05. Wittgensteiner Schweiz
- 29.05. Betzdorf-Dauersberg
Veranstaltungshinweise
Sa.
Di.
So.
Do.
Fr.
Sa.
Di.
Sa.
Sa.
So.
Sa.
Sa.
Di.
Sa.
Di.
Do.
Fr.
Sa.
Sa.
So.
Sa.
Backestage
im Siegerland
März 2012
03./ 14-16 Uhr, Netphen.-Salchendorf
06./ 11-13 Uhr, Burb.-Nd.dresselndf.
ab 10 Uhr, Fbg.-Oberholzklau
18./ 14-17 Uhr, Netphen-Im Bruch
29./ 09-17 Uhr, Burb.-Holzhausen
30./ 09-17 Uhr, Burb.-Holzhausen
31./ 10-13 Uhr, Fbg.-Alchen
ab 12 Uhr, Sgn.-Nd. Setzen
April 2012
03./ 11-13 Uhr, Burb.-Nd.dresselndf.
07./ 14-16 Uhr, Netph.-Salchendorf
14./ 06-12 Uhr, Burb.-Ob.dresselndf.
14-16 Uhr, Netph.-Salchendorf
15./ 14-17 Uhr, Netphen-Im Bruch
21./ ab 10 Uhr, Fbg.-Oberholzklau
11-17 Uhr, Langenholdinghausen
28./ 13-16 Uhr, Sgn.-Birlenbach
06-12 Uhr, Burb.-Alte Vogtei
Mai 2012
01./ ab 11 Uhr, Neunkirchen
05./ 08-12 Uhr, Sgn.-Trupbach
14-16 Uhr, Netph.-Salchendorf
11-15 Uhr, Fbg.-Oberheuslingen
08./ ab 11 Uhr, Burb.-Nd.dresselndf.
10./ 09-17 Uhr, Burb.-Holzhausen
11./ 09-17 Uhr, Burb.-Holzhausen
06-12 Uhr, Burb. Lützeln
12./ 09-11 Uhr, Burb.-Wahlbach
06-12 Uhr, Burb. Lützeln
06-12 Uhr, Burb.-Ob.dresselndf.
19./ ab 10 Uhr, Fbg.-Oberholzklau
20./ 14-17 Uhr, Netphen-Im Bruch
26./ 06-12 Uhr, Burb.-Alte Vogtei
13-16 Uhr, Sgn.-Birlenbach
10-13 Uhr, Fbg.-Alchen
ab 12-Uhr, Sgn.-Nd.-Setzen
Vermittlung
von Wohnpartnerschaften
Die Koordinierungsstelle „Wohnpartnerschaften“
beim Verein ALTERAktiv sucht ältere Menschen,
die Wohnraum zur Verfügung stellen können und
Hilfe oder Begleitung bei Haus- und Gartenarbeit,
beim Einkauf u.ä. benötigen oder wünschen. Sie
vermittelt junge Menschen als MieterInnen, die
tatkräftig Unterstützung leisten und so ihre Mietkosten reduzieren wollen.
Als Faustregel gilt: Eine Stunde Hilfe im Monat für einen Quadratmeter
Wohnraum plus Nebenkosten.
Wenn Sie interessiert sind, wenden Sie sich an:
ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein e.V.
Geschäftsstelle / Seniorenbüro
57074 Siegen, St Johann-Str. 7
Tel.: 02 71/2 34 60 66
Fax: 02 71/2 34 60 77
E-Mail: wohnpartnerschaft@senioren-si.de
Internet: www.senioren-siegen.de und www.senioren-si.de
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Siegen, Weidenau, Geisweid, Kaan-Marienborn und Netphen
freifinanzierte Wohnungen – ohne Einkommensgrenzen
öffentlich geförderte Wohnungen – mit Wohnberechtigungsschein
Wir informieren Sie gerne, bitte sprechen Sie
Frau Gruner, Durchwahl 4895115, E-Mail: ggruner@wgh-siegen.de oder
Frau Stauf, Durchwahl 4895111, E-Mail: jstauf@wgh-siegen.de, an.
WGH
Wohnungsgenossenschaft
Hüttental eG
57076 Siegen-Weidenau · Jahnstraße 45
Tel. 02 71/48 95 10 · Fax 02 71/4 89 51 51
www.wgh-siegen.de
Sa.
Sa.
So.
Sa.
Juni 2012
02./ 14-16 Uhr, Netph.-Salchendorf
16./ 06-12 Uhr, Burb.-Ob.dresselndf.
17./ 14-17 Uhr, Netphen, Im Bruch
30./ ab 12 Uhr, Sgn.-Nd.-Setzen.
13-16 Uhr, Sgn.-Birlenbach
durchblick 1/2012 65
Veranstaltungshinweise
März 2012
1. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Sgn.
20:00 Kabarett: Daubs Melanie, Das
Jubiläums-Programm, Kulturhaus Lÿz,
Siegen, auch am 2.3.
20:00 Schauspiel von Wajdi Mouawad
Verbrennungen, Gebr.-Busch-Theater,
Hi.-Dahlbruch
2. Freitag
19:30 Konzert mit dem Original Hochund
Deutschmeister-Orchester aus
Wien, Siegerlandhalle Siegen
20:00 Jazzclub Oase: Jazzkonzert mit
dem Cécile Verny Quartet, Kulturhaus
Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 18
3. Samstag
19:00 Komödie von William Shakespeare,
Viel Lärm um nichts, Apollo-
Theater Siegen
20:00 Jazzclub Oase:Satin Blue mit der
Siegener Songwriter-Band, Kulturhaus
Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 18
4. Sonntag
15:00 Trauercafé – Café Regenbogen,
Haus Ernsdorf, Ernsdorfer Str. 3 Kreuztal
18.00 Die große Peter Kraus Revue,
„Für immer in Jeans 2012“,
Apollo-Theater Siegen
19:00 Kurbelkiste: In einer besseren
Welt, der Film wurde 2011 mit dem
Oscar ausgezeichnet, Lÿz, Siegen
20:00 Schauspiel mit Musik, Die Harry
Belafonte Story, Apollo-Theater Siegen,
auch am 14.03.2012
5. Montag
9:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos Siegen
6. Dienstag
10:00 Kreativ-Gruppe Deutscher-
HausfrauenBund, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos Siegen
14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Siegen,
Marienborner Straße 151
7. Mittwoch
9:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Siegen
14:00 KSG-Offenes-Café im Wenscht,
Siegen Geiseid, Fichtenweg 5
19:30 Gesprächskreis für pflegende
Angehörige,Diakoniestation Kreuztal,
Anm. vormittags 02732-582470
20:00 Ein sati(e)risches Seminar mit
Hans Georgi, Ich will dein Geld! Altes
Feuerwehrgerätehaus, Netphen
8. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Sgn.
20:00 Kreuztal Kultur, Roger Willemsen:
Die Enden der Welt, Stadthalle
Kreuztal, Am Erbstollen 7
20:00 Kabarett „Springmaus“ mit
ihrem neuen Programm Büro Büro,
Gebr.-Busch-Theater, Hi.-Dahlbruch
9. Freitag
20:00 Jazzclub Oase: Jazzkonzert mit
der WDR-Big-Band feat. Lee Konitz,
Kulturhaus Lÿz, Siegen
19:30 Kabarett: Weibsbilder Unbenannt
- wir sind übrig Bürgerhaus am
Markt, Bad Berleburg
10. Samstag
20:00 Comedyabend mit Tobias Mann,
Durch den Wind und wieder zurück,
Kulturhaus Lÿz, Siegen
„Die maskierten Liebhaber“ Komische Oper von Niccolò, musikalische
Leitung:Maurizio Quaremba.So. 18.März 17 Uhr Gebr.-Busch-Theater Hi.-Dahlbruch
Cécile Vernys Stimme eine der wichtigsten
im europäischen Jazz: Freitag 2. März im
Jazzclub Oase im Siegener Kulturhaus Lyz
66 durchblick 1/2012
Veranstalterfoto
Veranstalterfoto
20:00 KreuztalKultur: Kabarett mit
Martina Schwarzmann, Wer Glück hat
kommt, Stadthalle Kreuztal
11. Sonntag
18:00 KreuztalKultur, Lesung mit Gerhard
Polt aus Circus Maximus, Stadthalle
Kreuztal, Am Erbstollen 7
12. Montag
10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte,
Rosterstr. 186 Siegen
10:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen
e.V. Begegnungszentrum Haus
Herbstzeitlos Siegen
16:00 KSG-Café im Wenscht Lesepatin,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5
13. Dienstag
19:00 Informationsvortrag von Daniela
Sadelkow-Geßner: Vorsorgevollmacht /
Patientenverfügung, Rathaus Hilchenbach
14. Mittwoch
14:30 KSG-Café: Kochstudio International,
Siegen-Geisweid,Fichtenweg 5
20:00 Schauspiel: Rain Man, Hi.-Dahlbruch,
Gebr.-Busch-Theater
15. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos
17. Samstag
20:00 Siegener Kabarett-Night, Freche
Zungen küsst man nicht, Lÿz, Siegen
18. Sonntag
14:30 „Café unter der Linde“, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Sgn.
15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen
e.V. Kindergarten, Oranienstraße
25, Freudenberg
Veranstaltungshinweise
17:00 Die maskierten Liebhaber Komische
Oper von Niccolò Piccinni, Die
Musikakademie Siegerland / Südwestfalen
e.V. stellt dieses bisher unentdeckte
Opernwerk vor. Gebr.-Busch-
Theater, Hilchenbach-Dahlbruch
19:00 Kurbelkiste: Film der aktuellen
Kinostarts, Kulturhaus Lÿz, Siegen
19. Montag
14:00 KSG - Café im Wenscht: Malen/
Basteln für Erwachsene, Siegen-Geisweid,
Fichtenweg 5
14:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos Sgn.
16:00 „Ohne Altersbeschränkung“ The
King's Speech, Viktoria Filmtheater,
Hilchenbach-Dahlbruch
20:00 Musicalgala: Die Nacht der Musicals,
Siegerlandhalle, Siegen
20:30 Jazz/Rock/Pop Konzert mit Jazz
& Frieds 2012, Lÿz, Siegen
20. Dienstag
19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,
Begegnungszentrum Haus
Herbstzeitlos, Siegen
22. Donnerstag
15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen
e.V. Begegnungszentrum Haus
Herbstzeitlos Siegen
20:00 LÿzMixVarieté: Kabarett, Musik,
Akrobatik und Zauberei, Lÿz,Siegen
23. Freitag
20:00 KreuztalKultur, Portico Quartett:
Isla, Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen
20:00 Lesung mit Jörg Maurer,
Oberwasser,Kulturhaus Lÿz, Siegen
24.Samstag
17:00 Konzert: Johann Sebastian Bach,
Matthäus-Passion BWV 244, Nikolaikirche
Siegen
20:00 Kabarett: Florian Schroeder mit
Offen für alles und nicht ganz dicht,
Kulturhaus Lÿz, Siegen
Heinrich Pachl (o.), das Schwergewicht
unter den Kabarettisten, ist erstmals in
Erndtebrück. Do., 29.3. Hotel Edermühle.
Gerhard Polt (lks.), bayrisch, bissig brilliant
in der „Szenischen Lesung aus dem
Circus Maximus“ karikiert Polt auf seine
unnachahmliche Weise verschiedene
Persönlichkeiten. Sonntag 11.3.2012
25. Sonntag
20:00 Unterhaltung: Jürgen von der
Lippe, So geht's Siegerlandhalle, Siegen
18:00 Konzert mit Lothar Kosse,
Christliche Rock/Pop- und Worship
Musik, Christushaus Bad-Berleburg
17:00 KreuztalKultur „Südtirol– Dolomiten“
Dia-Multivisionshow von Hartmut
Krinitz: Stadthalle Kreuztal, Am
Erbstollen
18:00 Konzert: Johann Sebastian Bach,
Matthäus-Passion, Nikolaikirche Siegen
26. Montag
14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,
Rosterstr. 186, Siegen
14:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos Siegen
Veranstalterfotos
19:00 Selbsthilfegruppe Asthma, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos
28. Mittwoch
20:00 Zeitzeugen auf Zelluloid: Der Eisenwald,
Waldland Wittgenstein und Der
Schellenschmied von Grund, Kulturhaus
Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 7
29. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos,
Siegen, Marienborner Straße 151
31. Samstag
20:00 Jazzclub Oase: Bluesabend mit der
Rudy Rotta Band, Kulturhaus Lÿz, Siegen,
Siegen, St.-Johann-Straße 18
Seniorenbeirat - Halbtagesfahrten
mit Jürgen Ritter
Alle Touren beginnen um 14 Uhr. Start ist am städtischen Begegnungszentrum Haus
Herbstzeitlos, Siegen-Hain, Marienborner Straße 151. Im Preis von 9,50 Euro sind auch
Kaffee und Kuchen inbegriffen. Anmeldung bis eine Woche vorher unter 0271-682299
Jürgen Ritter
Do. 22. März
Besuch im Tierpark Niederfischbach
Do. 19. April
Leichter Spaziergang an der Obernautalsperre
Do. 10. Mai
Spaziergang an der Breitenbachtalsperre,
Do. 21. Juni
Leichter Spaziergang an der Biggetalsperre,
Do. 19. Juli
Leichter Spaziergang Kloster Marienstatt
Do. 16. August
Leichter Spaziergang Siegerlandflughafen,
durchblick .1/2012 67
Veranstaltungshinweise
April 2012
14:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Siegen
17. Dienstag
19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,
Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos,
Siegen, Marienborner Straße 151
20. Freitag
20:00 Kreuztal Kultur, Jazz mit dem human.doc
trio, Weiße Villa in Dresler Park,
Kreuztal
1. Sonntag
19:00 Kurbelkiste: The Tree ein Familiendrama,
Kulturhaus Lÿz, Siegen, Siegen,
St.-Johann-Straße 18
3. Dienstag
10:00 Kreativ-Gruppe DeutscherHausfrauenBund,
Begegnungszentrum Haus
Herbstzeitlos, Siegen
14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Siegen
4. Mittwoch
14:00 KSG-Offenes-Café, Fichtenweg 5,
Siegen-Geisweid, Im Wenscht
19:30 Gesprächskreis für pflegende
Angehörige, Diakoniestation Kreuztal,
Anm. vormittags 02732-582470
11. Mittwoch
14:30 KSG-Café: Kochstudio International,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5
Veranstalterfoto
Aus der Filmreihe „Ohne Altersbeschränkung“ zeigt das Viktoria- Filmtheater
Hilchenb.- Dahlbruch: Almanaya- Willkommen in Deutschland, 23. 4 ab 17 Uhr
12. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos
15. Sonntag
14:30 „Café unter der Linde“ Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Siegen,
Marienborner Straße 151
15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen
e.V. Kindergarten, Freudenberg,
Oranienstrasse 25
20:00 Kulturforum Netphen, Millowitsch
Theater - „Bauer sucht Sau“,
Georg-Heimann-Halle Netphen, Jahnstr.
19:00 Kurbelkiste: Film der aktuellen
Kinostarts, Kulturhaus Lÿz, St.-Johann-Str.
18, Siegen
16. Montag
14:00 KSG Café: Malen/Basteln für
Erwachsene, Siegen-Geisweid, Fichtenweg
5, Im Wenscht
Veranstalterfoto
23. Montag
14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,
Siegen, Rosterstr. 186
16:00 „Ohne Altersbeschränkung“ Almanya-Willkommen
in Deutschland, Viktoria
Filmtheater, Hilchenbach-Dahlbruch
19:00 Selbsthilfegruppe Asthma, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Siegen
26. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos,
15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen
e.V., Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos,
Siegen, Marienborner Straße 151
19:30 VHS Siegen, Vortrag: Klaus Dietermann,
Heute vor 70 Jahren: Zamosc,
Krönchencenter Siegen
20:00 Sinfoniekonzert, mit der Philharmonie
Südwestfalen, Dirigat: Christian
Kluxen, Gebrüder-Busch-Theater, Hilchenbach-Dahlbruch
27. Freitag
20:00 Kreuztal Kultur, Comedy mit Willy
Astor, ein „Mundwerker der alten Schule“
Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7
human.doc trio
Das sind Ulrich Langenbach,
Peter Albert und Thomas Weber.
Alle drei Musiker haben in der
Vergangenheit in verschiedenen
Formationen gespielt. Ihre Wurzeln
liegen in den 70er Jahren und
sind geprägt durch Rock, Blues,
Jazzrock und freier Improvisation.
In den letzten Jahren setzte
sich neben den arrangierten
Elementen, zunehmend ein freier
Stil durch, wobei die Spielfreude
des Trios dadurch enorm
und lustvoll gesteigert wird. Im
Kreuztaler Konzert werden auf
zwei Leinwänden zeitgleich zur
Musik surreale, zeitversetzte Videoprojektionen
gezeigt.
Freitag 20. April ab 20:00 Uhr
Weiße Villa in Dresler Park,
Kreuztal
68 durchblick 1/2012
Veranstalterfoto
Veranstaltungshinweise
Mai 2012
2. Mittwoch
14:00 KSG- Offenes-Café, Fichtenweg
5, Siegen-Geisweid, Im Wenscht
19:30 Gesprächskreis für pflegende
Angehörige, Diakoniestation Kreuztal,
Anm. vormittags 02732-582470
5. Samstag
20:00 Kulturforum Netphen, Turbulente
A-cappella-Show mit „Ferrari
Küsschen“, Aula Gymnasium Netphen,
Haardtstr. 35
6. Sonntag
15:00 Trauercafé - Café Regenbogen,
Haus Ernsdorf, Ernsdorfer Str. 3–5,
Kreuztal
20:00 Nachtgedanken, Worte und Musik
zur Nacht, mit Markus Hering und
capella cantabilis, Nikolaikirche Siegen
7. Montag
9:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Siegen
14:30 Senioren-Veranstaltung der Stadt
Siegen „Wie einst im Mai“ Siegerlandhalle,
Leonhard-Gläser-Saal
8. Dienstag
14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos, Siegen,
Marienborner Straße 151
20:00 Kammermusik: Mandelring Quartett
& Katarzyna Mycka, Gebr.-Busch-
Theater, Hilchenbach-Dahlbruch
10. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe, Begegnungszentrum
Haus Herbstzeitlos,
12. Samstag
20:00 Kabarett mit Weigand & Genähr,
Wer zuerst oben is, Technikmuseum Freudenberg,
Olper Str. 5
14. Montag
10:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen e.V.
Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos
10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte
Rosterstr. 186, Siegen
16:00 KSG-Café im Wenscht: Lesepatin,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5
15. Dienstag
19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,
Begegnungszentrum Haus
Herbstzeitlos, Siegen, Marienborner Str.
20. Sonntag
14:30 „Café unter der Linde“, Seniorenzentrum
Haus Herbstzeitlos, Siegen
15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe e.V. Kindergarten,
Oranienstrasse 25, Freudenberg
17:00 Sonntags um Fünf, Kammermusik
mit den Musikern der Philharmonie Südwestfalen.
Ginsburg Hilchenbach-Lützel
21. Montag
14:00 KSG Café im Wenscht: Malen/Basteln
für Erwachsene, Siegen-Geisweid,
Fichtenstraße 5
16:00 „Ohne Altersbeschränkung“ THachiko-Eine
wunderbare Freundschaft,
Viktoria Filmtheater, Hilchenb.-Dahlbruch
24. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos
Das Programm lag bei Redaktionsschluß
noch nicht vor
24. – 28. Mai 2012
auf dem Giller bei
Hilchenbach-Lützel
Vorschau Juni 2012
2. Samstag
Beginn der 58. Spielzeit der Südwestfälischen-Freilichtbühne-Freudenberg
Infos: 02734-489699
20:00 Rockkonzert: Mr. Boogie Woogie,
Heimhof-Theater, Burbach-Wasserscheide,
Heimhofstraße 7 a
3. Sonntag
19:00 Kurbelkiste Film: In einer besseren
Welt, Kulturhaus Lÿz, Siegen
16. Samstag
15:00 Open-Air-Konzert mit Chören
und Musikvereinen auf dem Marktpl.
Hilchenbach (auch am 17. Juni)
20:00 Premiere: Don Camillo und Peppone,
Südwestfälischen Freilichtbühne
Freudenberg 02734-489699
21. Montag
16:00 „Ohne Altersbeschränkung“ The
King's Speech, Viktoria Filmtheater,
Hilchenbach-Dahlbruch
19:30 Von Siegen nach Buchenwald
Vortrag von Klaus Dietermann zum
120. Geburtstag von Walter Krämer
VHS Siegen, KrönchenCenter
durchblick .1/2012 69
Unterhaltung
Vom Winde verweht...
oder wie entledige ich mich meines Mannes...
von Edith Maria Bürger
Hilde spricht zu ihrem Manne:
„Heute hol ich aus der Wanne
von dem guten, sauren Kohle,
dir zu Ehren, dir zum Wohle!!“
Bejahen spricht aus dem Gesicht,
doch sieht er Hildes Lächeln nicht,
denn sie hat für sich erwogen –
und ihm die Flasche schon entzogen,
der er seit Jahren zugewandt,
denn seitdem blieb sie unerkannt.
So sinnt Hilde nach dem Kohle,
und erkennt zum eigenen Wohle,
wie es vielfach bei Gerichten,
dass sie schmecken, doch mitnichten
niemand je daran gedacht,
sich des Mordes schuldig macht.
Denn sie weiß von langen Tagen,
nach dem Genuss beginnt das Klagen,
doch ist's ihr gleich in diesen Stunden,
denn heute tat's ihm herrlich munden.
Und so kommt es, wie gewillt,
dass des Leibes Fülle schwillt,
und des Nachts in seinem Bette
fliehen die Winde um die Wette
und bereichern so die Luft,
mit ihrem wohlbekannten Duft,
wie's ein jeder tut im Stillen
im Schlafe gegen seinen Willen.
Hilde hört nun ganz benommen,
wie Willi ruft: „Die Russen kommen!“,
und sieht mit kindlichem Erstaunen,
wie sich heben seine Daunen,
die im Steigen schadstoffreich,
beim Starten der Apollo gleich,
und mit lautem Überschall
verschwindet Willi hoch ins All.
Von jeher war es Hilde klar,
dass ihr Kohl der Zündstoff war,
und genau nach ihrem Sinnen
soll das Leben neu beginnen.
Schon bald in Willis Nachruf steht:
Er ist vom Wind verweht, verweht,
Marcus Brungs Hörgeräteakustik nun schon
seit 10 Jahren in Siegen !
der durchblick gratuliert zum Jubiläum!
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Kreuztal
Roonstr. 2 0 27 32 - 55 39 77
Siegen
Im Gebäude der Sparkasse Weidenau
Weidenauer Str. 167 02 71 - 7 41 17 05
Sport
Die Angst läuft mit!
Da ich in keinem Sportverein wie Tennis, Reiten,
Golf usw. engagiert bin, war es für mich schon
seit langer Zeit fast zur Gewohnheit geworden,
um mich fit zu halten, ein- bis zweimal in der Woche um
die Obernautalsperre zu laufen.
Der Weg um die Talsperre
ist eben. Abends, bei
günstigem Wetter, reflektiert
sich die Wasseroberfläche
auf dem Weg. Immer
wieder, wenn ich die
Talsperre umlaufen hatte,
fand ich das als sehr angenehm.
Auch an diesem frühen,
verregneten und kalten
Novemberabend hatte
ich wie gewöhnlich meine
Laufsachen im Auto.
Wenn ich erst nach Hause
hätte fahren müssen, wäre
mir die Lust auf sportliche
Betätigung vergangen.
Auf dem Parkplatz an der
Talsperre befand sich an
diesem Abend kein Auto.
Das war aber auch nicht
ungewöhnlich. Wer läuft
schon im Dunklen? Meine
Laufsachen hatte ich
schnell gewechselt. Die
Laufrichtung war immer
gleich, von Kilometer eins
Foto: Gottfried Klör
in Richtung Kilometer zehn, beziehungsweise Staumauer.
Es kostete mich Überwindung aus dem warmen Auto
auszusteigen, um bei diesem schmuddeligen Wetter zu laufen.
Anfänglich war es nicht angenehm, wurde aber nach
jedem Kilometer besser.
Während der ersten paar Kilometer ließ ich den Tag Revue
passieren, das Tagesgeschehen an mir vorbeiziehen. Ich
weiß es nicht mehr genau. Zwischen Kilometer drei und vier
hörte ich plötzlich Schritte hinter mir, was ja auch nicht außergewöhnlich
war. Die Schritte wurden lauter, dann wieder
kaum hörbar. Zeitweise waren die Laufschritte durchsetzt
mit starkem Schnauben und heftigem Atmen. Bei Kilometer
fünf hatte ich den Eindruck, dass das „Etwas“ mir fast auf
den Rücken springen wollte, so dicht war „Es“ hinter mir.
Dann wurden die Laufschritte wieder ruhiger. Bis dahin
hatte sich mein Lauftempo bereits sehr erhöht und ein
gewisses Angstgefühl konnte ich nicht mehr unterdrücken.
Das Tempo konnte ich allerdings nicht beibehalten, ich
wurde langsamer. Nun befand ich mich zwischen Kilometer
sechs und sieben, hier ist es relativ eben und mein Pulsschlag
hatte wieder zu normalem Rhythmus gefunden. Plötzlich,
wie aus dem Nichts waren die Schritte und die lauten Geräusche
wieder zu hören.
Mein Tempo nahm zu. Ich weiß auch nicht warum, aber
mich befiel erneut das
Angstgefühl. Es sind
bei Kilometer sieben bis
neun Steigungen, vor
denen ich in den vielen
vorherigen Läufen
immer wieder Respekt
hatte. An diesem Abend
war das vergessen und
ich bin einfach nur noch
gelaufen. Die Geräusche
hinter mir wurden wieder
stärker. Ich hatte
mich sehr stark verausgabt.
Als ich dann der
Neun-Kilometer-Marke
näher kam, tauchte das
Haus des Talsperrenwärters
auf und die
Staumauer wurde durch
die Straßenbeleuchtung
sichtbar.
Ich war froh, dass ich
am Schlagbaum, der sich
in der Nähe des Hauses
befand, angekommen
war, stützte mich ab und
versuchte mich krampfhaft zu beruhigen.
Die Schritte näherten sich. Das „Etwas“, das sich dann
als Läufer herausstellte (was anderes konnte es ja auch nicht
sein) klopfte mir auf die Schulter und sah mich mit großen
Augen an, auch er war außer Atem und schnaufte: „Wann
ech dech so a'gucke, besde och neme d'r Jengsde, on foar
din Aler - dofoar besde ferdammt schwinn onnerwäjens.“
(wenn ich Dich so ansehe, bist Du auch nicht mehr der
Jüngste und für dein Alter – dafür bist Du verdammt schnell
unterwegs)
Dem konnte ich an diesem Tag nur zustimmen.
In all den Läufen vorher und auch nachher bin ich nie
wieder so schnell gelaufen. Mein Verfolger drehte sich noch
mal kurz um, ich stützte mich immer noch auf die Schranke,
dann sagte er: „Nodda, bes zom nächsde Mol!“, ging, und
wurde von mir niemals wieder gesehen.
Dieses Erlebnis hat mich nicht davon abgehalten, auch
weiterhin in unregelmäßigen Abständen die Talsperre zu
umlaufen.
Werner Müller-Späth
1/2012 25 Jahre durchblick 71
Leserbriefe
Anmerkung der Redaktion:
Zu dem Artikel „handeln erwünscht“ aus der letzten Ausgabe
des durchblick haben uns fünf Mitteilungen erreicht.
Diese Leserbriefe efe stammen ausschließlich von Vorstand
und Mitarbeitern rn der „Siegener Tafel“.
Zunächst sei einmal festgehalten, dass es sich bei diesem
Beitrag nicht um einen Bericht über die „Tafel“ handelt!
Schon gar nicht hat die Autorin die Arbeit der dort ehrenamtlich
Beschäftigen verunglimpft. Sollte doch der Eindruck
entstanden sein, bedauern wir
das ausdrücklich!
Dass die „Tafel“ aus dem Überfluss der dustrie immer wieder neue Armenessen für ihre „Gäste“
Lebensmittelin-
organisiert, findet unseren Respekt. Darüber haben wir
mehrfach in früheren Ausgaben berichtet.
Der Artikel „handeln erwünscht“ soll insbesondere auf
die
moralische Verwerflichkeit der Nahrungsmittelüberproduktionen
hinweisen. In der Herstellungs- und Vertriebskette,
vom Erzeuger über Warenbörsen und Handel bis
zum Verbraucher spielen die „Tafeln“ trotz ihres rasanten
Wachstums keine e Rolle, sie sind selbstverständlich nicht die
Ursache des Dilemmas.
Wir fragen uns allerdings, warum die Siegener „Tafel“,als
die Schnittstelle e zwischen Überfluss und Armut, mit ihrer
Sachkompetenz nicht aufschreit angesichts der auch in Siegen
wachsenden Armut, warum sie nicht warnt vor der zunehmenden
Überproduktion von Nahrungsmitteln? Warum
sie nicht unüberhörbar anklagt? Das was (auch hier bei
uns) zu viel produziert wird, trägt dazu bei, dass die Preise
auf dem Weltmarkt steigen. In der Folge werden Lebensmittel
für eine wachsende Zahl von Menschen unbezahlbar
und führt in den ganz armen Regionen unserer Erde unweigerlich
zu noch mehr Hunger und Tod!
db 4/2011 „handeln erwünscht“ leben im Überfluss
Ein falsches Bild wird gezeichnet, weil im Beitrag von
Frau Hermann die „Siegener Tafel“ als Teil der Tafeln in
Deutschland auf die falsche Seite der Überflussgesellschaft
gestellt wird, so, als wäre sie ein Teil der Lebensmittelindu-
strie, sozusagen ihr verlängerte Arm für die
Entsorgung der
bewusst zu viel produzierten Ware. Eine
grobe Pauschal-
verurteilung ohne Kenntnis der Wirklichkeit, denn genau
das Gegenteil ist der Fall.
l.
Den über 120 Männer ner und Frauen, die wöchentlich vie-
le Stunden ehrenamtlich damit verbringen, den produzier-
ten Überfluss der Lebensmittelindustrie
einzusammeln,
zu sortieren und an bedürftige Menschen
zu verteilen, um
diesem Missstand der Überproduktionen
noch etwas Po-
sitives abzuringen, müssen die Ausführungen von Frau
Hermann wie eine schallende Ohrfeige vorkommen.
Nun zu dem Flohmarkt, den Sie so negativ bewerten.
Er wurde ausschließlich von Mitgliedern der Siegener
Tafel organisiert und der Erlös diente dazu, den Neubau
der Siegener Tafel mit zu
finanzieren.
Der Vorstand der Siegener Tafel stellt
sich daher mit
aller Deutlichkeit vor die Arbeit aller ehrenamtlichen Mit-
arbeiterinnen und Mitarbeiter und lädt Frau Hermann ein,
sich einmal ein Bild vom Umfang ihrer Leistung zu ma-
chen. Eine Recherch earbeit, die normalerweise vor der Ver-
öffentlichung eines solchen Beitrages stehen sollte.
Der Vorstand der Siegener Tafel
Ihr Artikel kann von mir so nicht akzeptiert werden.
Ich stimme Ihnen zu, dass wir ein Warenangebot haben,
das weit über unsere Bedürfnisse hinausgeht. Wenn Sie
es aber so darstellen, dass dieses alles mit dem Aspekt
versehen werde, man versorge ja mit dem Überschuss die
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72 25 Jahre durchblick 1/2012
Leserbriefe
„Tafeln“, finde ich das geradezu absurd. Auch wenn es
die „Tafeln“ nicht gäbe, wäre dieses Angebot da.
Was ist daran skandalös, dass so viele Geschäfte ihre
Waren, die sie ja ab einem bestimmten Datum nicht mehr
verkaufen dürfen, von der „Siegener Tafel“ abholen lassen
und diese dort an bedürftige Menschen weitergegeben
werden? Der wirkliche Skandal wäre doch, diese
einwandfreien Lebensmittel zu vernichten!
Es ist zu bedauern, dass es in unserem Land die Arbeit
der „Tafeln“ geben muss, aber vielen Menschen wird
damit geholfen. Darum an dieser Stelle ein großes „Dankeschön“
an alle, die uns unterstützen.
Sie prangern den Flohmarkt im Oktober auf dem Gelände
des Warenhauses „Real“ an. Offensichtlich haben
Sie das Zelt nicht einmal betreten. Sonst hätten sie festgestellt,
dass der „Schnäppchenmarkt“ ausschließlich
von Mitarbeitern/innen der „Siegener Tafel“ ausgeführt
worden ist. Die „Tafel“ braucht Geld (wir leben nur von
Spenden) und so kam die Idee, im Familien- und Freundeskreis
nicht mehr benötigte Dinge zu sammeln und
diesen Flohmarkt zu veranstalten. Es war für alle Helfer
wochenlange harte Vorbereitungsarbeit.
Der Real-Markt hat uns das Zelt kostenlos zur Verfügung
gestellt, im Laden auch für unsere Aktion geworben und
unseren Erlös großzügig aufgestockt. Auch hier „Danke“.
Zu Ihrem Aspekt Afrika. Natürlich ist die Armut in
vielen Ländern der Welt um ein vielfaches größer als bei
uns. Darum finde ich Ihren Gedanken, „Tafeln“ in Afrika
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markt, den viele von uns in ihrer Freizeit, ohne jegliche
Beteiligung des Real-Marktes, organisiert haben.
Mit der Darstellung von Frau Herrmann wird unsere oft
körperlich schwere Arbeit; schließlich sind wir ca.120 ehrenamtlich
tätige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, meist
im Rentenalter; mit an den Pranger unserer Überflussgesellschaft
gestellt. Aber da gehören wir nicht hin und wehren
uns entschieden gegen diese falsche Positionierung und
Diffamierung.
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Siegener
Tafel.
Annette Freundt, Siegen
aufzubauen, gut. Also machen Sie keine großen, leeren
Worte - ...mit fangen Sie heute noch an! „handeln erwünscht“
der Aussage, dass zu viele Lebensmittel produziert
Helga Volz, Siegen
werden, stimmen wir mit Ihnen überein.
Da Sie aber im gleichen Artikel die Arbeit der Siegener
Tafel angreifen, müssen wir energisch dagegen protestie-
Der Beitrag von Frau Herrmann „handeln erwünscht“
ren. Bevor Sie solch einen n Artikel schreiben und veröffent-
in der letzten Ausgabe 4/011 bedarf
in Bezug auf die Dar-
lichen, machen Sie sich erst einmal ein Bild von unserer
stellung der Arbeit der Siegener Tafel einer Klarstellung.
Arbeit. Wir sind kein verlängerter Arm der Lebensmittel-
Zunächst einmal ist es richtig, festzustellen, dass ein viel
industrie, sondern versuchen einen Teil der
Überproduktion
zu hoher Überschuss an Lebensmitteln hergestellt wird. Für
sinnvoll an bedürftige Menschen weiterzuleiten.
diesen Missstand sind wir, die Mitarbeiterinnen
und Mit-
Wenn Sie sich richtig informiert hätten, wäre Ihnen
arbeiter der „Siegener Tafel“, aber in keiner Weise
verant-
bewusst geworden, dass die Überschrift HANDELN ERwortlich.
Wir sind nicht der Sündenbock für diese Überpro-
WÜNSCHT sich auf den Flohmarkt, den die
ehrenamtlichen
duktion und sehen en uns schon gar nicht als den verlängerten
Mitarbeiter in ihrer Freizeit organisiert und erst ermöglicht
Arm der Lebensmittelindustrie. Das einzige, was man uns
haben, bezogen hat. Da wir fast alle das Rentenalter erreicht
vorwerfen kann, ist, dass wir versuchen, diesem Missstand
haben, finden wir es unverschämt von Ihnen, unsere zum
noch etwas Gutes abzuringen, indem
wir den Überschuss
Teil auch körperlich schwere Arbeit so mit
Füßen zu treten.
einsammeln, sortieren und an Bedürftige verteilen. Mit un-
Wir sind ca. 120 Mitarbeiter und möchten von Ihnen
serem ehrenamtlichen Engagement wollen wir lediglich
eine Richtigstellung des genannten Artikels.
der zunehmenden en Armut in unserer Gesellschaft begegnen
Martin Tigges
und wir betrachten ten unsere
Arbeit ausdrücklich als ein „handeln
erwünscht“.
Wir hätten es für notwendig gehalten, dass sich Frau
Bevor man Berichte schreibt, sollte man
sich zuerst einmal
Vor Ort informieren, die Siegener Tafel ist ja fast um
Herrmann, wie es sich im Übrigen für eine gute Berichterstattung
geziemt, vor der Veröffentlichung ihres Beitrages, die Ecke. Es ist ungehörig, sich über etwas auszulassen,
einmal ein Bild von unserer Arbeit gemacht hätte. Dies was man gar nicht kennt.
betrifft auch die völlig falsche Darstellung über den Floh-
Renate Titze, Siegen
1/2012 25 Jahre durchblick 73
Unterhaltung / Impressum
Es fiel uns auf …
…dass jeder fünfte Deutsche sich wegen seines Alters
benachteiligt fühlt. Eine Umfrage der Antidiskriminierungsstelle
des Bundes ergab, dass sich 21 % der Interviewten
schon einmal wegen ihres Alters benachteiligt
fühlten. Deshalb müsse man genau hinsehen, wenn Mitarbeiter
für ein „junges, dynamisches Team“ gesucht würden
oder Krankenkassen Reha-Maßnahmen für Ältere ablehnten.
…dass schnellere Hilfe dank der Rettungskarte möglich
ist. Bei den heutigen komplizierten Autos ist bei einem
Unfall, bei dem der Fahrer eingeklemmt wurde, Hilfe mittels
der Rettungsschere nicht so leicht möglich. Da hilft eine
Rettungskarte, die gut sichtbar zum Beispiel an der unteren
rechten Ecke der Frontscheibe angebracht wird. Darauf
sind wichtige Daten zum Auto vermerkt. Die Karte
heruntergeladen werden unter www.rettungskarten.eu .
…dass es einen schleichenden Übergang bei Demenz
gibt. Probleme mit der Konzentration und Merkfähigkeit
könnten schon Anzeichen einer drohenden Demenzerkrankung
sein. Gezielte Hilfe verspricht der Ginkgo-
Wirkstoff EGb 761 (Apotheke). Der Extrakt verbessert
den Energiestoffwechsel im Gehirn und sorgt für eine
bessere Vernetzung der Zellen.
homa
Gedächtnistraining: Lösungen von Seite:
Satzsalat: Haupt: Sobald jemand in einer Sache Meister ist, sollte er in einer
neuen Sache Schüler werden. Sokrates: Ich weiss, dass ich nichts weiss,
und darum weiss ich mehr als andere wissen. Gandhi: Es gibt wichtigeres
im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen. Heraklit: Das
Wesen der Dinge hat die Angewohnheit, sich zu verbergen. Suchbild: In
einem der beiden Bilder fehlen die Muschel und die Wäscheklammer, die
Armbanduhr liegt an einem anderen Platz. Dreieckshaus: 59 Dreiecke, 3 im
Dach, 12 im großen Quadrat, 4 x 11 in den kleinen Quadraten
Zu guter Letzt:
Die Übernachtung
„Kann ich heute bei dir schlafen, Oma!” Mit den Augen
bettelte Yannik die Oma um ein Ja an. „Du weißt aber doch,
dass die aufblasbare Matratze ein Loch hat, das dein Papa
flicken wollte und in meinem Bett brauchst Du immer zuviel
Platz. Außerdem bist du eine richtige Wühlmaus. Ich
muss ständig aufpassen, dass ich nicht aus dem Bett falle.”
Oma aus dem Bett zu schubsen gefiel ihm, doch dann
sagte er: „Oma, ich mache mich ganz, ganz dünn und ich
schubse dich auch nicht mehr mit meinem dicken Popo aus
dem Bett.” Der kleine Schlingel lachte schelmisch und hatte
gewonnen. Er schlief lange und gut dank Omas großer
Bettdecke; doch ihr blieb immer nur ein Zipfel. Sie fühlte
sich wie gerädert, musste ständig an der Decke ziehen
und glaubte, nicht geschlafen zu haben. „Oma Gerda, du
hast aber sehr laut geschnarcht. Ich habe dich immer umgeschubst,
aber nicht mit meinem dicken Popo.” gegr
durchblick
Gemeinnützige Autorenzeitschrift
für Siegen und Siegen-Wittgenstein
Herausgeber: durchblick-siegen Information und Medien e.V.
Anschrift der Redaktion:
„Haus Herbstzeitlos“, Marienborner Str. 151, 57074 Siegen
Telefon 0271 61647, Mobil: 0171-6206413
E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de
Internet: www.durchblick-siegen.de
Öffnungszeiten:
dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 12.30 Uhr
dienstags auch von von 15.00 bis 17.00 Uhr
Redaktion:
Anne Alhäuser; Maria Anspach; Johannes Buhl; Helga Düringer;
Friedhelm Eickhoff (v.i.S.d.P.); Fritz Fischer; Eberhard Freundt;
Gerda Greis; Eva-Maria Herrmann; Dorothea Istock; Erich Kerkhoff;
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Helga Siebel-Achenbach; Ulli Weber
Bildredaktion:
Thomas Benauer; Friedhelm Eickhoff; Hubertus Freundt;
Gottfried Klör (verantwortlich); Tessie Reeh; Agnes Spar; Peter Spar
Hörbuch-Redaktion:
Thomas Benauer; Helmut Drabe (verantwortlich); Hubertus Freundt
(Sprecher auf CD-Beilage)
Veranstaltungskalender: Ingrid Drabe
Internet: Thomas Benauer
An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:
Anja Freundt; Dr. Horst Bach; Wilma Frohne; Edith Maria Bürger;
Ulla D'Amico; Dieter Gerst; Andrea Schäfer-Bottenberg; Heinrich
Waegener; Doris Wimmi-Bieber; Wolfgang Stössel;
Gestaltung, Satz und Layout:
db-Lektorat
Herstellung und Druck:
Vorländer, Obergraben 39, 57072 Siegen
Erscheinungsweise: März, Juni, September, Dezember
Verteilung:
Helga Siebel-Achenbach (Ltg.); Hannelore Münch; Paul Jochum;
Dr. Horst Bach; Helga Sperling; Renate Tietze; Rotraud Ewert; Ursula
Gloger; Waltraud Gottschalk; Monika Müller; Christel Mahle; Dieter
Haas; Maximilian Lutz; Herbert Jäppche und alle Redakteure;
Auflage: 18 000 Der durchblick liegt kostenlos aus: In Sparkassen,
Apotheken, Arztpraxen und Zeitungsverlagen, in der City-Galerie,
in den Geschäften des Siegerlandzentrums und bei unseren Inserationskunden,
in öffentlichen Gebäuden und vielen sozialen Einrichtungen
der Wohlfahrtsverbände und Kirchen, in allen Rathäusern und
Senioren-Sercicestellen des Kreises Siegen-Wittgenstein. Für die
Postzustellung berechnen wir für vier Ausgaben jährlich 8 Euro.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die
Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte
Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte Beiträge
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gestattet.
Es gilt die Anzeigenpreisliste 11/2009.
Gefördert durch
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und den Kreis
Siegen-Wittgenstein
74 25 Jahre durchblick 1/2012
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