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db 01-2012 WEB

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durch.

blick

Nr.1/2012

26.Jahrgang

kostenlos

Autorenzeitschritt

... nicht nur für Senioren

MEINUNGEN

INFORMATIONEN

PERSPEKTIVEN

UNTERHALTUNG

KULTUR

LEBEN AUF AUGENHÖHE ?!

Gedanken zum Beziehungswandel der Generationen

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Inhaltsübersicht / Aus der Redaktion

Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein 6

Leben auf Augenhöhe 16

Der besondere 1. April 19

Ostergedanken 20

Frühlingsgedichte 21

Opa, glaubst du an Gott? 22

Zeitgedichte 23

Ich erzähl dir eine Geschichte 24

Die Bärenfamilie 26

Haarige Besucher 27

Ovis Tagebuch 28

Krimi-Tipp: Tod im Lokschuppen 29

Werke aus der durchblick-buchreihe 30

Krötenwanderung 31

Jahrmarkt der Eitelkeiten 32

Das besondere Konzertjahr 34

Deutsche Sprak 35

„Armer Schnierer“!? 36

Warum sollten Besucher 38

Vorgestellt:Wolfgang Hobinka 42

Langer Atem ist nötig 44

Grundzüge einer erfolgreichen Seniorenpolitik 46

... durch Krieg und große Schrecken 48

Gedächtnistraining 54

„Angst essen Seele auf“ 56

Veranstaltungen im Haus Herbstzeitlos 64

Veranstaltungshinweise 65

Vom Winde verweht... 70

Die Angst läuft mit 71

Leserbriefe 72

Es fiel uns auf... / Lösungen 74

Impressum / Zu guter Letzt 74

Nach Erscheinen unserer Jubiläumsausgabe ist vielen Leserinnen und Lesern aufgefallen,

dass der Titelschriftzug neuerdings um den Zusatz „gemeinnützige Autorenzeitung“

erweitert wurde. Was hat es damit auf sich?

Autorenzeitung: Der durchblick ist die Zeitung seiner Mitarbeiter, ist unsere Zeitung!

Jeder Redakteur ist frei in der Wahl seiner Beiträge! Wir lassen unterschiedlichste Sichtweisen

zu, wollen Meinungsvielfalt! Das kann zur Folge haben, dass der ein oder andere

Beitrag nicht immer Ihrer Sichtweise entspricht, Sie vielleicht sogar ärgert. Bei aller Kritik

können Sie jedoch davon ausgehen, dass wir Inhalte gewissenhaft recherchieren und nach

bestem Wissen und Können aufbereiten.

Gemeinnützig: Die Herausgabe der Zeitschrift durchblick wird von der Stadt Siegen und

dem Kreis Siegen-Wittgenstein finanziell unterstützt. Der durchblick verfolgt keinerlei wirtschaftliches

Interesse, der Verkauf der Werbeanzeigen dient der Herstellung der Zeitung und

ermöglicht darüber hinaus die Verwirklichung weiterer Projekte (Hörbuch, Buchverlag). Im

letzten Jahr konnten wir die einhundertste Ausgabe des durchblick feiern. In diesem Jahr werden

die Mitarbeiter der durchblick-buchreihe ihr fünfzigstes Buch erstellen und die noch junge

Hörbuch-Gruppe hat schon 20 CD's eingelesen. Viele Menschen im nachberuflichen Lebensalter

bringen sich, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, in unserere Projekte ein. Sie machen

damit nicht nur Ihnen eine Freude, sondern, wie kürzlich Daniela Sadelkow-Gessner, Chefredakteurin

der „Kreuztaler Seniorenpost“ in einem Gespräch über das Ehrenamt anmerkte:

„Freude machen macht selbst Freude“.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine schöne Frühlingszeit und natürlich viel

Freude beim Le sen des neuen durchblick.

GSS

Gesundheits-Service

Siegen

Näher am Menschen

Die Dienstleistung von Mensch zu

Mensch ist die Hauptaufgabe der

etwa 400 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter in unseren Wohn- und

Pflegeeinrichtungen

Marienheim Weidenau

Haus St. Elisabeth Netphen

Haus St. Raphael Burbach

Haus St. Klara Friesenhagen

Haus Mutter Teresa Niederfischb.

Wir als christliche Organisation

haben es uns zur Aufgabe gemacht,

älteren Menschen ein behagliches

Zuhause zu geben, in dem sie Lebensqualität

und Freude im Alter

finden.

GSS Wohn- und Pflegeeinrichtungen,

Kampenstraße 51, 57072 Siegen,

Telefon: (0271) 231-2104 oder unter

www.marienkrankenhaus.com

Der GSS Gesundheits-Service Siegen ist ein Unternehmen

der St. Marien-Krankenhaus Siegen gem. GmbH

1/2012 25 Jahre durchblick 3


Kultur erleben und mit allen Sinnen genießen – Hilchenbach bietet dazu viele Gelegenheiten.

In einer Zeit, in der von den Menschen immer größere Flexibilität und Leistungsfähigkeit verlangt wird, bietet ein erstklassiges Kulturangebot

einen wertvollen Ausgleich für Geist und Seele. Theater, Konzerte und Kabarett vermitteln Kunst als ganz persönliches Erlebnis.

8. März

Springmaus

Mit ihrem neuen

Programm „Büro-Büro“

taucht die Bonner-Truppe

in Tiefen und Untiefen

der Bürowelt ein.

18. März

Die maskierten

Liebhaber

„Gli amanti mascherati“,

Uraufführung der

komischen Oper von

Niccoló Piccinni.

20. März

Kollaboration

Schauspiel von Ronald

Harwood. Peter Bause in

der Hauptrolle auf der

Suche nach Moral und

Integrität des Menschen.

29. März

Das überleben wir

Heinrich Pachl, ein

Schwergewicht unter

den Kabarettisten. Im

WDR 3 zu Hause, nun

erstmals in Erndtebrück.

Gebrüder Busch-Theater, Bernhard-Weiss-Platz 6, Hilchenbach-Dahlbruch

Karten erhältlich im Bürgerbüro Hilchenbach, Tel. 02733/288-134, Gebrüder-Busch-Kreis, Tel. 02733/53350

Weitere Infos und Buchungsmöglichkeiten: www.gebrueder-busch-kreis.de und www.proticket.de

Partner in Sachen Weiterbildung

700

VHS-Kurse

im Kreisgebiet von Februar 2012

20 Kurse

Englisch für Ältere

Vom Einseigerkurs bis zu Fortgeschrittenen

Siegen-Wittgenstein

Unsere Volkshochschule

in Bad Berleburg, Bad Laasphe, Burbach, Erndtebrück, Freudenberg,

Hilchenbach, Kreuztal, Netphen, Neunkirchen und Wilnsdorf

Infos unter Tel. 02 71-3 33 15 19 | Fax 02 71-3 33 14 70 | www.siegen-wittgenstein.de/vhs

11 Computerkurse für Ältere

in fast allen Städten

und Gemeinden des Kreises

209

Gesundheitskurse

Yoga, Qigong, Autogenes Training,

Feldenkrais, Meditation, etc.


Herzlich willkommen in Ihrem SATURN !

„Bei uns

stehen die

Kunden nicht

im Regen“,

sagt Saturn-

Geschäftsführer

Jürgen

Beul aus Siegen

und meint das wortwörtlich!

Er verweist damit auf die neue

Saturn - Abholstation im Lieferbereich

der City- Galerie,

in der die Kunden neuerdings

warm und bequem auf die

Verladung der – bei Saturn gekauften

– Geräte warten können.

Sobald sich der Kunde für

ein Großgerät entschieden

hat, wird ihm von einem der

freundlichen Saturn-Mitarbeiter

der neue Kofferraum-

Service angeboten. Der Kunde

muss mit seiner Neuanschaffung

im Auto nur noch losfahren,

denn seine neu erstandene

Waschmaschine, sein neuer

E-Herd oder Fernseher wurden

vom Saturn- Mitarbeiter zum

Auto transportiert und fachgerecht

verladen.

Daneben gilt natürlich weiterhin

der sprichwörtliche

Saturn-Service, der in diesem

Fachmarkt bekanntlich einen

hohen Stellenwert besitzt.

„Qualifizierte Betreuung durch

speziell ausgebildete und geschulte

Fachberater sowie ein

umfangreicher Kundendienst

sind Eckpfeiler des Fachmarktkonzepts“

so erläutert Jürgen

Beul weiter.

Nach wie vor steht ein Liefer-,

Reparatur- und häuslicher

Montageservice zur Verfügung

sowie die fach- und umweltfreundliche

Entsorgung von

Altgeräten.

SATURN Siegen, City-Galerie, Bahnhofstraße 4 0271-2338-0 • Öffnungszeiten: Mo. - Sa. von 9:30 Uhr bis 20:00 Uhr


Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein

Siegener Senioren wählen per Briefwahl

Kandidaten und Kandidatinnen gesucht

Siegen. Zum zweiten Mal komplett per

Briefwahl starten in einigen Wochen die

Wahlen zum Seniorenbeirat der Stadt

Siegen.

Knapp 30.000 Menschen ab dem Alter

von 60 Jahren sind dann aufgerufen,

ihr Votum abzugeben. Gewählt wird in

sechs Stimmbezirken, pro Bezirk werden

drei ordentliche und drei stellvertretende

Mitglieder gewählt. Die einzelnen

Stimmbezirke sind Geisweid, Weidenau,

Siegen-Ost, Siegen-Mitte, Siegen-

West und Siegen-Süd.

Welche Aufgaben hat der

Seniorenbeirat?

Der Seniorenbeirat ist beratendes Gremium

für den Rat und seine Ausschüsse.

Er soll bei der Planung und Umsetzung

von Angeboten mitwirken,

die spezifischen Belange der

älteren Generation im Zusammenhang

kommunalen Lebens

aufzeigen, insbesondere der

Wohn- und Baugestaltung,

Verkehrs- und Infrastrukturplanung,

Kultur-, Freizeit- und

Bildungsbereiche, Planung

und Konzipierung sozialer

Dienste und Einrichtungen und

bei der Gestaltung sozialen Zusammenlebens.

Der Seniorenbeirat hat die

Aufgabe, die Mitwirkungsmöglichkeiten

älterer Mitbürgerinnen

und Mitbürger bei

kommunalen Entscheidungen

zu verbessern, Initiativen Älterer

zu begleiten und zu unterstützen. Er

soll dazu beitragen, persönliche Fähigkeiten

und Kenntnisse, soziale Kompetenz,

organisatorische Fähigkeiten, Kreativität

und Ideenreichtum für das Gemeinwohl

nutzbar zu machen. Gleichzeitig ist er die

Interessenvertretung hilfe- und ratsuchender

älterer Menschen.

Die Wahlperiode dauert fünf Jahre.

Wie wird die Wahl ablaufen?

Die Briefwahlunterlagen werden den

Wahlberechtigten per Post zugestellt.

Maximal drei Bewerber dürfen dann

angekreuzt werden.

Wer kann kandidieren?

Wahlberechtigt und selbst auch wählbar

sind alle Einwohner/-innen, die am

31. Juli 2012 das 60. Lebensjahr vollendet

haben und die seit dem 30. April

2012 ihren Hauptwohnsitz in Siegen haben.

Voraussetzung ist weiterhin, dass

keine Tatbestände vorliegen, die nach

dem kommunalen Wahlrecht einen Ausschluss

zur Folge hätten.

Die Wahlberechtigen sind nur in dem

Bezirk, in dem sie mit Hauptwohnsitz

gemeldet sind, wählbar.

Was muss bei einer Kandidatur

beachtet werden?

Wahlvorschläge können bis 60 Tage

vor dem 31. Juli 2012 beim Wahlleiter

eingereicht werden. Wahlleiter ist der

Bürgermeister. Die „Regiestelle Leben

im Alter“ der Stadt Siegen ist für die

Abwicklung der sich aus der Wahlordnung

ergebenden Aufgaben zuständig

und fungiert als Büro des Wahlleiters.

Wahlvorschläge müssen von mindestens

20 Wahlberechtigten des jeweiligen

Stadtbezirks unterstützt werden. Jede/r

Wahlberechtigte darf nur eine Unterstützungsunterschrift

abgeben.

50 Tage vor dem 31. Juli 2012 entscheidet

der Wahlausschuss über die Zulassung

der eingereichten Wahlvorschläge.

Weitere Informationen, Unterstützung

bei der Kandidatur sowie Vordrucke

für die entsprechenden Unterschriften

erhalten Sie bei der

Stadt Siegen

Regiestelle Leben im Alter

Weidenauer Str. 211-213

57076 Siegen

℡ 0271/404-2200 oder 404-2202.

6 25 Jahre durchblick 1/2012


Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein

Dahlbrucher Kino-Team im „Labyrinth der Wörter“

Vierte Staffel „Ohne ALTERsbeschränkung“

„Das Labyrinth der Wörter“ fand das Organisationsteam

um Kino-Chef Jochen Manderbach in

der Kreuztaler Bücherei (Dreslers Park).

Hilchenbach. Die vierte „Staffel“ des

Kino-Projektes „Ohne ALTERsbeschränkung“

(Seniorenkino zu günstigen

Preisen) steht. Ab 19. März kommen

die Freunde erlesener „Streifen“

wieder auf ihre Kosten. Das bedeutet:

Bis Oktober flimmern acht Filme der gehobenen

Klasse über die Leinwand des

Viktoria-Kinos. Das Organisationsteam

mit Kinochef Jochen Manderbach und

Mitarbeiterinnen der Diakoniestation

Kreuztal, der Siegener Regiestelle Leben

im Alter und den Senioren-Servicestellen

Kreuztal und Hilchenbach stellte

auch in diesem Jahr wieder ein Pro-

Foto: Dieter Gerst

gramm auf die Beine, das sich

im wahrsten Sinne des Wortes

sehen lassen kann.

Der Startschuss für die Senioren-Reihe

fiel am 16. März

2009. Heute gehört die Seniorenkino-Aktion

zum festen Bestandteil

des Viktoria-Programmangebots.

Und schon zu Beginn

hatte Jochen Manderbach klipp

und klar erklärt: „Qualitätskino

steht im Vordergrund. Wir wollen

kein Heinz-Rühmann-Festival.“

Manderbach 2012: „Auch

in diesem Jahr werden wir nicht

in Nostalgie schwelgen und alte

Klassiker aufwärmen. Vielmehr

haben wir wieder recht anspruchsvolle

Filme ins Programm genommen, die sich

mit der gegenwärtigen Lebenswelt unseres

Publikums auseinandersetzen.“

Diese Einstellung wurde von Anfang

an ein Erfolgsrezept. Jährlich kamen

stets über 1000 Besucher zu den Vorstellungen

dieser Reihe. Jochen Manderbach:

„ So konnten wir im Schnitt zu

jeder Vorstellung 125 Gäste begrüßen.

Ein tolles Ergebnis, auf das wir stolz

sind und das uns ermutigt, den eingeschlagenen

Weg fortzusetzen.“

Bewährt hat sich auch, dass bereits um

16 Uhr Einlass ist und sich die Besucher/

innen bei Kaffee und Kuchen (sozialverträgliche

Preise) auf das Leinwandereignis

(ab 17 Uhr) einstimmen können:

Treffpunkt Kino! Das sozial engagierte

Seniorenkino-Team sorgte auch dafür,

dass Menschen mit Handicap nicht außen

vor bleiben: Ein spezieller Bus-Service

ist und bleibt im Angebot. Dieter Gerst

AWO Bürgerservice Brückenbauer

Koblenzer Str. 136 · 57072 Siegen

Tel.: 0271 / 3386 - 144

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Siegen-Wittgenstein/Olpe

Hilfe bei:

Problemen mit Behörden, dem Vermieter

Antragstellungen u.v.m.

kostenfrei unbürokratisch vertraulich

Sprechzeiten:

Dienstag: 09.00 - 12.00 Uhr

(Peter Bahnschulte; im Bild rechts)

Donnerstag: 15.00 - 17.00 Uhr

(Wolf Heller; links)

sowie nach Vereinbarung.

Senioren auf Tour

Siegen: Der Seniorenbeirat der Stadt

Siegen hat sein Angebot an Halbtagesfahrten

wieder aufgelegt. Mit Jürgen

Ritter als Fahrer und „Fremdenführer“

geht es jeden Monat einmal mit dem

Kleinbus zu Sehenswürdigkeiten in die

nährere Umgebung. Im Preis von 9,50 €

eingeschlossen sind immer neben den

Reisekosten auch Kaffee und Kuchen.

Als Ziele für die Monate März bis

Mai sind der Tierpark Niederfischbach,

die Obernautalsperre und die

Breitenbachtalsperre vorgesehen. Abfahrt

ist immer um 14 Uhr, ab dem

Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos,

Siegen, Marienborner Str. 151

Die vorherige Anmeldung ist unbedingt

erforderlich! ℡ 0271-682299. •

1/2012 25 Jahre durchblick 7


Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein

„Älter werden mit Gewinn – vielfältig und selbstbestimmt“

Rita Süssmuth in Netphen

Netphen. Die Senioren-Service-Stelle

der Stadt Netphen lädt im Rahmen der

Generationen- und Seniorenarbeit zu einem

öffentlichen Vortrag mit der ehemaligen

Bundesministerin und langjährigen

Bundestagspräsidentin Professor Dr. Rita

Süssmuth (Bild) Freitag, 20. April 2012

ab 19 Uhr in die Georg-Heimann-Halle

in Netphen ein.

Der demografische Wandel hat das

Alter, unsere Erwartungen an das Alter

und die so genannte nachberufliche Lebensphase

revolutioniert. Noch nie waren

die Aussichten so gut wie heute, bei guter

Gesundheit ein hohes Alter zu erreichen

und gebraucht zu werden.

Wer immer wieder Neues erlebt und

ausprobiert, neugierig bleibt und am Leben

teilnimmt, der hält sich jung, hat Spaß

am Alter und schiebt das geistige, körperliche

und seelische Älterwerden hinaus.

Die Lebensfreude im Alter steigt, wenn

man sich engagiert und aktiv ist und sich

anderen Menschen zuwendet.

Es ist wichtiger denn je, selbstbestimmt

das Älterwerden in eigener Verantwortung

zu gestalten und rechtzeitig die Weichen

für die Zukunft zu stellen.

Die Referentin Rita Süssmuth wurde

1937 in Wuppertal geboren und studierte

in Münster, Tübingen und Paris Romanistik

und Geschichte. Nach der Promotion

war sie Professorin

an den

Universitäten

Bochum und

Dortmund.

Heute arbeitet

die Christdemokratin

als

Honorarprofessorin

an

der Universität Göttingen und engagiert

sich in verschiedenen Institutionen. 1985

wurde sie Bundesministerin für Jugend,

Familie und Gesundheit, von 1988 bis

1998 war sie Präsidentin des Deutschen

Bundestages. Infos ℡ 02738/603-145 ●

Autorenfoto

Kunstausstellung in der Galerie Giesler

Autorenfoto

Kreuztal. Aquarelle von Eberhard Meiswinkel

sind ab dem 18. 03. 2012 in der

Galerie Giesler, Kreuztal, Ernsdorfstraße

10 ausgestellt. Eberhard Meiswinkel

zeigt sieben Bilder zur Schöpfung in

abstrakter Malweise, die sich auf die

sechs Schöpfungstage der Bibel beziehen.

Ebenso Werke zu Themen der vier

Jahreszeiten. Meiswinkel wurde 1940

in Flammersbach geboren. Schon als

Schüler war Zeichnen und Malen eins

seiner Lieblingsfächer. Als junger Mann

erwarb er seine ersten Kenntnisse bei

dem Kunstmaler Hermann Manskopf.

Nach anfänglicher Berufstätigkeit

begann er ein zweites Studium für das

Lehramt an berufsbildenden Schulen.

Im Wahlfach „Kunst und Gestaltung“

konnte er sein Hobby wieder beleben

und erhielt eine umfassende Ausbildung

in Malerei, Kunstgeschichte und Plastischem

Gestalten.

Die von Teo Meier-Lippe 1947 gegründetete

„Malfachschule“ übernahm

er 1975. Sie wurde dann die „Schule für

Gestaltung“. Mit Kunstmaler Walter

Helsper und Bildhauerin Ruth Fay erstellte

er ein neues Programm.

Mit Eintritt in seinen Ruhestand begann

Meiswinkel sich mit der Aquarelltechnik

auseinanderzusetzen. Seit 2002

inspirierten ihn immer mehr Motive der

Bibel. Nach dem Zyklus zur Schöpfungsgeschichte

entstanden Bilder zum Vaterunser

und Einzelthemen.

Nach vielen Ausstellungen in der Region,

zeigt er seine Werke jetzt, gemeinsam

mit der Künstlerin Andrea

Minutillo aus Freudenberg und dem

Designer Marc Babenschneider aus

Kreuztal, in der Galerie Giesler in

Kreuztal. Besichtigung der Ausstellung

während der Veranstaltungen oder nach

Vereinbarung. ℡ 02732/1354 ●

Tanzen als Sport

Geisweid. Auch im Alter ist es wichtig,

körperlich aktiv zu bleiben. Seit

Januar 2012 bietet die Tanzsportgemeinschaft

Blau-Gold Siegen e.V.

Tanzen für Senioren an. Neben Tanzen

steht das Beisammensein mit Gleichgesinnten

im Vordergrund. Sie bietet

die Gelegenheit, neue Kontakte zu

knüpfen und eine fröhliche Gemeinschaft

zu erleben. Jede/r kann alleine

kommen, denn in der Gruppe wird ohne

festen Partner getanzt. Die Tänze

sind abwechslungsreich und vielseitig,

aber leicht erlernbar. Vorkenntnisse

sind daher nicht erforderlich. Auch

wer nicht mehr so beweglich ist, kann

bei den langsamen Tänzen mitmachen.

Wichtig ist lediglich die Freude

an der Bewegung. In den Räumen der

Tanzschule Agne-Prescher trifft sich

die Gruppe jeweils am Freitag von

17-18:15 Uhr. Ein Einstieg ist jederzeit

möglich. Eine Anmeldung ist erforderlich

℡. 0271/7411336. ●

8 25 Jahre durchblick 1/2012

Autorenfoto


Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein

„Stell dir vor, Oma hat ...“

Berührendes Theaterstück zumThema Demenz

Netphen. „Stell dir vor, Oma hat… – seltsame

Dinge getan; – alles durcheinander

gebracht; – oder x-mal dasselbe gesagt…

– Stell dir vor, Oma hat – Alzheimer.“

Die vier kreativen Frauen der KulturWerkStadt

Netphen, ein Projekt der

Alzheimer Gesellschaft Siegen e.V.,

(Tina Birkholz, Nicole Schmallenbach,

Alexandra von Lintig und Tanja Prinz)

haben sich das vorgestellt. Heraus kam

ein Theaterstück der besonderen Art zu

einem schwierigen Thema. Ein Thema,

das uns mittlerweile überall

begegnet. Aber auch ein Thema,

bei dem wir lieber wegsehen

würden.

Die jungen und alten Schauspielenden

haben sich bei den

Aufführungen eingefühlt in die

veränderte Art, wie ein Mensch

mit einer Demenz denkt, fühlt

und handelt – und was es mit

den Familienangehörigen und

den Freunden und Bekannten

macht. Sie haben sich in die oftmals fremde

Welt der Demenz begeben und stellen

Gefühle und Befindlichkeiten dar, die

man nur von außen kennt. Sie zeigen die

Schmerzen, aber auch manches Heilsame

in diesem Prozess.

Die Keimzelle für das Thaterprojekt

befand sich im Übrigen in Netphen. Frau

Melani Kopelke war die Ideengeberin.

Weitere Informationen über die Seniorenservicestelle

Netphen ℡ 02738-

603145. Andrea Schäfer-Bottenberg

Foto: Eva Vitt

Gesund und beweglich bleiben

Praxis für chinesische Medizin

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57250 Netphen-Deuz

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chinesische Heilkräuter bei

Augenerkrankungen

Anspannungszuständen

und

allen Gelenken

Wir haben Zeit für unsere Gäste!

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der

Tagespflege Villa Bohn möchten, dass ihre

Besucher freudig am Leben teilnehmen.

Jeder Gast bekommt die Hilfe, die er - unter

Einbeziehung der eigenen Fähigkeiten -

benötigt.

Kein Platz für Altersgrenzen!

BAGSO zum Jahr für aktives Altern

Bonn. In einem Grundsatzpapier fordert

die Bundesarbeitsgemeinschaft der

Senioren-Organisationen (BAGSO),

die über ihre 109 Mitgliedsverbände

rund 13 Millionen ältere Menschen in

Deutschland vertritt, Altersgrenzen aufzuheben

und die mit ihnen verbundene

Altersdiskriminierung zu beenden.

„Altersgrenzen werden der höchst

unterschiedlichen Entwicklung von

Menschen nicht gerecht und sind in

höchstem Maße diskriminierend. Zudem

verhindern sie, dass ältere Menschen

ihre Kenntnisse und Kompetenzen

in die Gesellschaft einbringen können.

Und das können wir uns als alternde Gesellschaft

gar nicht leisten“, so die Vorsitzende

der BAGSO und frühere Bundesfamilienministerin

Prof. Dr. Ursula

Lehr.

Auf der Grundlage eines einheitlichen

Bezugspunktes für die Rentenberechnung

(Regelaltersgrenze)

sprechen sich die Seniorenorganisationen

für eine Flexibilisierung von

Lebensarbeitszeiten auf freiwilliger

Basis aus. Flankiert werden muss dies

durch die Einführung eines – das

gesamte Arbeitsleben begleitenden

– Alternsmanagements in Betrieben.

Starre Altersgrenzen für bestimmte

Berufe stellen eine unverhältnismäßige

Einschränkung des Grundrechts

auf Berufsausübung dar.

Auch für den Bereich des ehrenamtlichen

Engagements spricht sich

die BAGSO für ein Umdenken aus.

Weiter plädieren die Seniorenorganisationen

für einen erweiterten

Diskriminierungsschutz im Bereich

des Zugangs zu Dienstleistungen. So

müssen Banken und Versicherungen

zu mehr Transparenz verpflichtet werden,

um ungerechtfertigte Ungleichbehandlungen

erkennen und verhindern

zu können.

bagso

anvertrauten Menschen als Einheit von

Körper und Seele zu sehen.

see

in der Villa Bohn berücksichtigt und individuell

gefördert.

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1/2012 25 Jahre durchblick 9


SeniorenServiceStellen des Kreises Siegen-Wittgenstein

Bad Berleburg

Holger Homrighausen 02751/923-268

Poststr. 42 57319 Bad Berleburg

h_homrighausen@bad-berleburg.de

Mo-Mi. u. Fr. 8.30-12.30 Uhr und 14.00-16.00 Uhr

Do. 8.30-12.30 Uhr und 14.00-18.00 Uhr

Stadt Siegen

Manuela Krafft 0271/404-2200

Weidenauer Str. 211-215 57076 Siegen

m_krafft@siegen.de

Mo-Fr. 8.00-12.00 Uhr

Gemeinde Erndtebrück

Udo Schneider 02753/605-124

Talstr. 27 57339 Erndtebrück

u_schneider@erndtebrueck.de

Mo-Fr 8.00-12.00 Uhr u. Do 14.00-16.00

Stadt Freudenberg

Heike Weigel 02734/43-174

Mórer Platz 157258 Freudenberg

h_weigel@freudenberg-stadt.de

Mo-Fr 8.00-12.30 Uhr

Di 14.00-16.00 Uhr u. Do14.00-17.00 Uhr

Stadt Bad Laasphe

Gisela Homrighause 02752/909-153

Mühlenstr. 20 57334 Bad Laasphe

g_homrighause@bad-laasphe.de

Mo, Di, Mi, Fr. 8.30-12.00 Uhr

Do. 14.00-17.00 Uhr

Stadt Kreuztal

Helga Rother 02732/51-314

Siegenerstr. 5 572223 Kreuztal

h_rother@kreuztal.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Gemeinde Burbach

Christine Sahm 02736/45-56

Eicher Weg 13 57299 Burbach

c_sahm@burbach-siegerland.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Stadt Hilchenbach

Annette Kreutz 02733/288-117

Marktstr. 13 57271 Hilchenbach

a_kreutz@hilchenbach.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Stadt Netphen

Eva Vitt 02738/603-145

Amtsstr. 6 57250 Netphen

e_vitt@netphen.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Ihr Ansprechpartner:

Reiner Jakobs

Zukunftsinitiative

Siegen-Wittgenstein 2020

Gemeinde Wilnsdorf

Jutta Schmidt 02739/802-129

Marktplatz 1 57234 Wilnsdorf

j_schmidt@wilnsdorf.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Programmleitung

„Leben und Wohnen im Alter“

Servicezentrum für soziale Beratung,

Betreuung und Prävention

Gemeinde Neunkirchen

Bettina Großhaus-Lutz 02735/767-207

Bahnhofstr. 3 57290 Neunkirchen

b_grosshaus-lutz@neunkirchen-siegerland.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Bismarckstr. 45,

57076 Siegen

0271/333-2720 • E-Mail:

lwa@siegen-wittgenstein.de

Stadt Siegen

SeniorenServiceStellen

Weidenau Rathaus

Weidenauer Str. 211-215

Mo - Fr. 8 - 12 Uhr 0271/404-2208

Geisweid Bürgerhaus

Obere Kaiserstr. 6

Mo + Mi. 10 - 12 Uhr 0271/23392519

Siegen Ost - Haus Herbstzeitlos

Marienborner Str. 151

Mo + Mi. 10 - 12 Uhr 0271/3846108

Eiserfeld - Sparkasse

Eiserfelder Str. 474

Di + Do. 10 - 12 Uhr 0271/80937825

Honoraranwalt der

Verbraucherzentrale

NRW

VertrauensAnwalt

Mitglied im AnwaltVerein

Arbeitsgemeinschaft der

Fachanwälte für Arbeitsrecht

Dipl. Soz. Michael Kringe - Rechtsanwalt und Notar

57234 Wilnsdorf, Rathausstraße 1

02739 - 1049

info@rechtsanwalt-kringe.de

10 durchblick 4/2011


Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein

Siegener Seniorenbeirat nimmt sich viel vor

Mammutsitzung zum Jahresende

Siegen. Mit einer dreistündigen „Mammutsitzung“

im Rathaus Siegen beendete

der Seniorenbeirat der Krönchenstadt

das Jahr 2011. Dabei ging es schwerpunktmäßig

um das Thema „Altern und

Pflege“ sowie um die Probleme und Belastungen

pflegender Angehöriger.

Große Aufmerksamkeit fand dabei

zunächst das Referat von Udo Knopp

von der „Regiestelle Leben im Alter“

zur Einzelfallberatung für Senioren.

Die Erfahrungen des Referenten bei

zahlreichen Hausbesuchen machten

deutlich, wie unterschiedlich die Probleme

sind, die ältere pflegebedürftige

Menschen und ihre Angehörigen haben.

Bei nur einer Stimmenthaltung

stimmte der Beirat sodann einem Antrag

von Arbeitskreissprecher Dr. Wolfgang

Bauch zur stationären Pflege zu. Der

Arbeitskreis Gesundheit und Pflege des

Seniorenbeirats hatte sich zuvor intensiv

mit den heimischen Alten- und Pflegeeinrichtungen

beschäftigt. So beschloss

der Seniorenbeirat mit großer Mehrheit,

sich für verbesserte Bedingungen in

der stationären Pflege einzusetzen und

hierbei besonders die Aspekte Erweiterung

der Stellenpläne, Entgeltregelung,

Auslagerung von Dienstleisungen so-

Foto: Dieter Gerst

Der Siegener Seniorenbeirat auf seiner letzten Sitzung im Jahr 2011

wie Ethik in der Pflege anzusprechen.

100.000 neue Fälle der Pflegestufe I

gebe es nach Auskunft des NRW- Gesundheitsministeriums

in Nordrhein-

Westfalen, berichtete Dr. Horst Bach bei

der Vorstellung der Ergebnisse einer Tagung

des Städte- und Gemeindebundes

Nordrhein-Westfalen in Münster, an der

auch Vertreter des Ministeriums für Gesundheit,

Emanzipation, Pflege und Alter

(MGEPA) sowie verschiedener Verbände

teilnahmen. Seniorenpolitische

Konzepte der Kommunen müssten als

Querschnittaufgabe gesehen werden und

das „gesamte Lebensumfeld älterer Menschen

im Generationengeflecht“ berücksichtigen.

Für die Seniorenbeiratsarbeit

vor Ort bedeutet dies ein verstärktes Zugehen

auf die Probleme älterer Menschen

im Wohnquartier („Pantoffelqualität“).

Um aktives Altern nach vorn zu bringen,

sei zudem ein zielgerichteter Ausbau der

politischen Partizipation sowie eine Verbesserung

der Teilhabechancen älterer

Mitbürger vonnöten.

Siegens Bürgermeister Steffen Mues

bedankte sich bei dieser Beiratssitzung

mit herzlichen Worten für die engagierte

Arbeit des Gremiums im vergangenen

Jahr.

hoba

Bewährtes bleibt – Neues kommt

„Regiestelle Leben im Alter“ der Stadt Siegen erweitert Angebot

Siegen. Wer für das neue Jahr den Vorsatz

gefasst hat, sich trotz seines höheren

Alters mehr zu bewegen und damit etwas

für seine Gesundheit zu tun, hat dazu jeden

Mittwochmorgen Gelegenheit: Immer

um 10 Uhr trifft sich eine Gruppe

von Seniorinnen und Senioren zum gemeinsamen

Spazierengehen. Startpunkt

ist die „Regiestelle Leben im Alter“ im

Weidenauer Rathaus, Weidenauer Str.

215. Bei einer Tasse Kaffee wird je nach

Tagesform die Route besprochen, und

dann geht’s los – in gemütlichem Tempo,

das noch Zeit und Luft lässt für Plaudereien

mit den Mitläufern. Man ist in netter

Gesellschaft und die Bewegung tut

gut; Tempo und Strecke sind angepasst,

so dass jeder gut mitkommt, auch wenn

er körperlich nicht mehr so fit ist. Und

neue Mitläufer sind immer willkommen.

Um eine ganz andere Art der gemeinsamen

Freizeitgestaltung geht

es im Handarbeitstreff, der

ebenfalls im Rathaus Weidenau

stattfindet. Nett beisammensitzen

und gemeinsam kreativ

sein, Erfahrungen austauschen

und Wissen und Fertigkeiten

weitergeben – das praktizieren

die Teilnehmerinnen des

Handarbeitstreffs. Stricken,

häkeln, sticken, nähen …. alles

ist möglich. Alle Handarbeitsbegeisterten

und solche, die es

werden wollen, sind herzlich eingeladen,

einfach mal hereinzuschauen – jeden

Montag um 14.30 Uhr im Weidenauer

Rathaus. Info: ℡. 0271/404-2200. ●

Handarbeiten

Ihr Fachgeschäft in Siegen für den Bereich:

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1/2012 25 Jahre durchblick 11


Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein

Die „OASE-Elf“

Wer rastet

der rostet

Vor Beginn der „großen Schlacht am Kuchenbuffet“.

Siegen-Seelbach. Die „Oase Elf“ stand

Anfang Februar im Seelbacher Bürgerhaus

einmal mehr im Zeichen der Ovationen.

Dabei handelt es sich um eigentlich

dreizehn Damen und Herren (zwei Aktive

fehlen auf dem Foto), die allmonatlich

unter der Leitung von Gertrud Steinbrück

(4.von rechts) mit großem persönlichen

Engagement einen Seniorentreff vorbereiten,

der seinesgleichen sucht.

Die fleißigen Ehrenamtler backen

selbst Kuchen und Torten für ihre Gäste

Einige gestalten sogar das Programm mit

Lied- und Textbeiträgen, wie zum Beispiel

Kurt Schmolz mit seinem Schifferklavier.

Gertrud Steinbrück konnte zum

23. Geburtstag der Einrichtung wieder

zahlreiche Ehrengäste begrüßen, wie

Siegens stellv. Bürgermeister Jens Kamieth,

die beiden Vorstandsmitglieder

des Seniorenbeirates der Stadt Siegen,

Foto: Dr. Horst Bach

Helmut Plate und Dr. Horst Bach, die

Heimatvereinsvorsitzenden Jürgen

Röcher (Seelbach) und Helmut Daub

(Trupbach) sowie Pfarrer Dr. Christian

Schwark von der Evangelischen Kirchengemeinde

Trupbach-Seelbach.

Die OASE zeichne die Tatsache besonders

aus, „dass sie kein Verein, sondern

ein loser und gleichwohl sehr fester

und nachhaltig wirkender Zusammenschluss

von ehrenamtlich Tätigen zum

Wohle ihrer älteren Mitmenschen sein

will“, betonte Helmut Plate. Besondere

Höhepunkte im Programmablauf waren

diesmal ein Sketch „Fahrkartenverkauf

am Schelder Bahnhof“ sowie Gedichtvorträge

von Siegbert Ullrich und Helmut

Daub. Besonders gefielen auch

die Beiträge der Musikgruppe Niederschelden

unter der Leitung von Hildegard

Viebahn.

hoba

Autorenfoto

Hilchenbach. Das gilt nicht nur für

das körperliche Wohlbefinden, sondern

auch für den geistigen Bereich. Wer sein

Gedächtnis täglich aufs Neue fordert

und sein Gehirn immer wieder neu aktiviert,

kann bis ins hohe Alter fit bleiben.

Hier geht es nicht nur um die Steigerung

der Merkfähigkeit. Es gibt eine

Vielzahl von Übungen, die Ihnen helfen,

im täglichen Leben am Ball zu bleiben

und bis ins hohe Alter selbständig zu

sein. In diesem Kurs lernen Sie, was in

Ihnen steckt. Bestimmte Vorkenntnisse

sind nicht erforderlich.

In heiterer und entspannter Atmosphäre

können Sie Ihr Gedächtnis in Schwung

bringen. Leichte Bewegungsübungen

werden zwischendurch für Abwechslung

sorgen und auch der Spaß soll hierbei natürlich

nicht zu kurz kommen.

Der nächste Kurs beginnt am 5. März

im Hilchenbacher Jugendzentrum im

Gerberpark

(oberes Parkdeck).

Anmeldungen

nimmt

Annette Kreutz

von der Senioren-

Service-Stelle der

Stadt Hilchenbach

entgegen.

℡ 02733/288-117 • Anja Freundt

Computerkurs im Angebot

Amely kandidiert erneut zum Seniorenbeirat

Foto: Charly

Geisweid. Der Seniorenbeirat der Stadt

Siegen hat zu seinem dritten Computerkurs

in Kooperation mit dem Weidenauer

Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium

eingeladen. Der Kurs findet im Computerraum

der Schule statt. Neue Schülerinnen

und Schüler im Seniorenalter

können jederzeit einsteigen. Als Lehrer

fungieren die Oberstufenschüler Murat

Sacakli und Lukas Wegmeth.

Der „Geisweider

Seniorenbeirat“

bei seiner wöchentlichen

Sprechstunde

im Bürgerhaus an

der Oberen Kaiserstraße:

Otto Schauerte,

Dr. Horst

Bach, Hans Amely

und Wolfgang

Heyde. (v. lks.)

Hans Amely

vom Seniorenbeirat

der Stadt

Siegen ist erneut

als Berater

und Koordinator

der

Lehrveranstaltung

im Einsatz.

Als Unkostenbeitrag

wird ein von jedem Teilnehmer selbst festzulegender

Obolus für die Schülerkasse

erbeten. Anmeldungen können über die

Geschäftsstelle des Seniorenbeirats, Frau

Hegewald, Regiestelle Leben im Alter

(℡ 0271 - 404 2202) vorgenommen

werden.

Hans Amely, der bekannte „Hans-

Dampf-in-allen-(Wenscht-) Gassen“

wurde inzwischen seitens der Stadt Siegen

sogar zum „Ranger“ im Wenschter

Dr.-Dudziak-Park ernannt. Der engagierte

Ehrenamtler will nach eigenem

Bekunden denn auch bei der in wenigen

Monaten stattfindenden Seniorenbeiratswahl

(Briefwahl!) wieder im

„Fürstentum“ kandidieren. Sein schlagkräftiges

Argument: „Weil es mir im

Geisweider Beirat so gut gefällt, da wir

dort etwas bewegen“.

hoba

12 25 Jahre durchblick 1/2012


Nachrichten aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein

„Die Hilfe für zu Hause“

Diakonischer Freundeskreis Siegen-Süd wird 20

Eiserfeld. Als gemeinnütziger Verein

hat sich 1992 der Diakonische Freundeskreis

eigenständig als Hilfeanbieter

für Kranke, Ältere, Pflegebedürftige

und Menschen mit Behinderung im

Bereich Siegen-Süd etabliert. Damit

soll erreicht werden, dass diese Menschen

ein Stück Lebensqualität und

Eigenständigkeit in ihrem häuslichen

VergissMeinNicht

in neuen Räumen

Netphen. Der Verein „VergissMein-

Nicht“ für Demenzkranke Menschen

präsentiert sich seit dem 1. 3. 2012 in

den Räumen der ehemaligen Hausmeisterwohnung

des Freizeitbades Netphen.

Informationen erteilt Eva Vitt vom

Vereinsvorstand. ℡ 02738-603145 •

Bereich erhalten können.

Um die bestmögliche Lösung

für jeden Einzelnen

zu finden, stellen sich die

Mitarbeiter/innen auf die

individuellen Bedürfnisse

und Wünsche der Menschen

ein. Da der Verein

nicht gewinnorientiert arbeitet,

kann in familiären

Notsituationen schnell

Hilfe geleistet werden.

Der Verein bietet seine

Dienste im Bereich

Siegen-Süd an, ergänzend

zu den ambulanten Pflegediensten.

Hilfe wird

im hauswirtschaftlichen

Bereich, sowie bei Einkäufen, Besuchen

oder vorübergehenden Abwesenheiten

der Angehörigen im Verbund mit

„Atempause“ angeboten.

Autorenfoto

Jahreshauptversammlung mit Ehrung von Mitarbeitern

Der Freundeskreis lädt zum Tag der offenen

Tür am 23. März in seine Büroräume

in die Eiserfelder Mühlenstraße 7 ein. ℡

0271-2 50 97 47 oder 48 •

Siegener Armutsbericht verzögert sich

Seniorenbeirat fordert bezahlbare kleinere Wohnungen

Siegen. Der Armutsbericht der Stadt Siegen

kann wegen personeller Engpässe

nicht wie geplant im 2.Quartal 2012 vorgelegt

werden. Das ließ die Verwaltung

dem Seniorenbeirat bei seiner Februar-

Sitzung in der Fragestunde mitteilen. Beiratsmitglied

Dr. Horst Bach hatte zuvor

die folgenden Anfragen gestellt:

1. Wird die Verwaltung den jetzigen Seniorenbeirat

noch in dieser Wahlperiode

über die Ergebnisse des Armutsberichts

2011/2012 unterrichten?

2. Wenn nein, werden dann zumindest

Zwischenergebnisse in der abschließenden

Juli-Sitzung des Seniorenbeirates

bekannt gegeben?

Auf Letzteres hoffen nun die Beiratsmitglieder.

In der Begründung für die Fragen

wurde unmissverständlich deutlich, dass

der amtierende Beirat in dieser Hinsicht

ein Auskunftsrecht hat: „Die Vorlage des

auf Drängen des Seniorenbeirates vom

Rat in Auftrag gegebenen Armutsberichts

ist lt. Verwaltungsvorlage 724/2011 vom

12.04.2011 für das 2. Quartal 2012 terminiert

worden. Die Mitglieder des amtierenden

Seniorenbeirats haben daher einen

Anspruch auf rechtzeitige Unterrichtung

noch in dieser Wahlperiode.“

Nicht zuletzt im Hinblick auf die steigende

Altersarmut empfahl der Seniorenbeirat

dem Rat und der Verwaltung der

Stadt Siegen, stärkere Anreize für altengerechte

Wohnungssanierungen zu schaffen

und bei der Vermarktung anstehender

Immobilien auf den Bau von kleineren,

energieeffizienteren und bezahlbaren barrierefreien

Wohnungen von 30 – 50 qm

Größe hinzuwirken. Diesem Antrag von

Horst Bach erteilte das Gremiun einmütig

seine Zustimmung.

Horst Bach begründete seinen Antrag

u.a. mit wissenschaftlichen Studien, die

bis zum Jahre 2035 einen stetig steigenden

Bedarf solcher Wohnungen für bedürftige

und alleinstehende ältere Menschen prognostizierten.

Der Bedarf an Wohnungen

für Senioren wachse auch in Siegen. Zudem

nehme die Altersarmut ständig zu.

Beiratmitglied Dr. Jochen Münch empfahl

der Stadt Siegen in diesem Zusammenhang,

künftig Grundstücke an Investoren

im altengerechten Wohnungsbau

dann billiger zu verkaufen, wenn sich

diese zu kostengünstigen Mieten auch für

Senioren ohne Wohnberechtigungsschein

verpflichteten. ●

Hier wird Armut sichtbar, Verteilstelle der Siegener Tafel

1/2012 25 Jahre durchblick 13


Kreisverband

Siegen-Wittgenstein/Olpe

Sozialstation

Pflege zu Hause

Unser Angebot im Überblick:

15 Jahre Erfahrung bei Leistungen in

der Grund- und Behandlungspflege

(von der Hilfe bei der Körperpflege bis

hin zu ärztlich verordneten Leistungen)

Hauswirtschaftliche Hilfe

(z.B. Reinigung der Wohnung, Kochen,

gemeinsame Einkäufe, Arztbesuche,

Behördengänge u. a.)

Kurse für pflegende Angehörige

zu wichtigen Themen rund um die

Pflege zu Hause

Rund um die Uhr erreichbar

Eine ausgebildete Wundmanagerin

versorgt verschiedenste Wunden professionell

und nach neuesten Erkenntnissen

Auf die Pflege langzeitbeatmeter

Patienten sind wir spezialisiert

Wir betreuen und unterstützen demenziell

erkrankte Menschen und

ihre Angehörigen

Für mehr Sicherheit in den eigenen

vier Wänden sorgt unser Hausnotrufsystem

AWO-Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe

Sozialstation

– Pflege zu Hause

Am Sohlbach 18

57078 Siegen

Tel. 02 71 / 8 90 61 - 11

Fax 02 71 / 8 90 61 - 21

www.awo-siegen.de

pflege@awo-siegen.de

MDK Ergebnis:

„Sehr gut

in der Pflege“

(Dezember 2010)


Malteser Mahlzeitendienst

Sieben Tage heißes Essen

Große Menüauswahl in jeder Kostform ohne

Vertragsbindung

Auch Kuchen, Abendessen, Getränke und Obst

Individuelle Beratung: Bestellen Sie Ihr

kostenloses Probemenü unter

Tel. 02738/30789-23

Ihr Siegener Malteserteam.

Wenn ...

· das Herz stolpert

· die Beine streiken

· der Zucker entgleist

· der Blutdruck schwankt

· die Knochen schmerzen

· das Gedächtnis nachlässt

· das Gewicht zur Last wird

Wir begleiten Sie fachärztlich und hausärztlich,

damit die Richtung wieder stimmt.

Medizinisches Versorgungs-Zentrum

Herz–Gefäße–Diabetes

Dr. A. Krämer Dr. U. Overhoff Dr. K. Worbes

Telefon 0271/236526· Siegen, Pfarrstraße 2–4

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LEBEN AUF AUGENHÖHE ?!

Gedanken zum Beziehungswandel der Generationen

Da wandert man durch die Phasen seines Lebens

- inzwischen waren es schon einige -

reibt sich an den „Vorgängern auf dem Weg“

und schwört sich: Das mache ich ganz bestimmt mal

ganz anders!

Als Kind fand ich z.B. die dauernden Mahnungen

der Erwachsenen und all die Einschränkungen meiner

Kreativität und meiner Lebendigkeit ausgesprochen

„doof“! Und ich habe mir damals fest geschworen,

selbst nie so mit Kindern umzugehen, wenn ich

einmal erwachsen bin. Was aus solchen an sich sehr

lobenswerten Vorsätzen geworden ist? Vergessen

wir es.

Später wurde es auch nicht besser: In der Berufsausbildung

schon mit verantwortungsvollen

Tätigkeiten betraut, wird von der vorausgehenden

Generation die eigene wachsende Bedeutung überhaupt

nicht wahrgenommen, geschweige denn anerkannt.

Punktuelle Anerkennung bringt noch lange

nicht „auf Augenhöhe“ mit den Vorderen. Selbst ein

Foto: Gottfried Klör

16 25 Jahre durchblick 1/2012


Jahr Auslandsaufenthalt, wo ich mächtig Lebenserfahrung

„bunkerte“, hinderte meine Frau Mutter nicht daran, mir,

wieder zu Hause, zu erklären, wie ich eine Briefmarke aufkleben

musste.

Dann ändert sich die Situation: Man heiratet, gründet eine

Familie, wehrt sich, inzwischen „im Doppel“, mehr oder

weniger erfolgreich gegen die „gut gemeinten Ratschläge“

der Älteren und besteht darauf, den eigenen Lebensstil zu

entwickeln. Damit irritiert man die Älteren, die doch nur

helfen wollen. Sie fühlen sich zurückgestoßen.

Ob es nun Einsicht ist in eine Notwendigkeit oder auch

Resignation - die meisten Älteren entwickeln ein neues Bewusstsein,

das sie ihre Rolle finden lässt, wobei die dritte

Generation der Enkel sicher nicht unbeteiligt ist, denn man

möchte doch weiter teilhaben am Leben der nachfolgenden

Generationen. Für eine Zeit lang scheint die früher so vermisste

„Augenhöhe“ mit der nachfolgenden Generation erreicht,

man braucht sich, man arrangiert sich, findet seine

Rolle, und das ist gut so.

Doch mit dem Älterwerden beginnt auch langsam und

kaum wahrnehmbar ein „Rollentausch“: Wir, die „Nachgeborenen“,

gleiten mehr und mehr in eine Fürsorgerolle

für die eigenen Eltern. Das waren meine Erfahrungen

mit meiner inzwischen verstorbenen Mutter, die sich nach

einer anteilnehmenden Fürsorge sehnte, nicht, ohne sich

trotzdem weiterhin „Richtung weisend“ in unser Leben einzubringen.

Wieso jetzt dieses Thema? Jetzt bin ich in der

Situation meiner Mutter. Jetzt gehöre ich zur Generation

der Alten und muss mit der nachfolgenden Generation meiner

erwachsenen und so gescheiten, lebenstüchtigen Kinder

umgehen - und diese mit mir und meinen vermeintlichen

und tatsächlichen Unzulänglichkeiten.

Ich habe wunderbare Kinder, erfolgreich, in führender

Position oder selbstständig.

Da sie aber nicht in meiner Nähe leben, bekommen sie

von meinem Alltag relativ wenig mit, so wie ich von ihrem.

Aber wenn sie dann da sind oder ich bei ihnen, dann

entstehen Situationen, in denen ich mich seltsamerweise

oft genug wie ein „Volltrottel“ fühle: Plötzlich hinterfragen

sie die einfachsten Dinge, die ich längst, auch ohne ihren

Rat und ihre Weisung, erledigt habe, und ich muss mich

erklären, mein Handeln, oder gar meinen Lebensstil „rechtfertigen“!

Sie „kümmern“ sich auf einmal. Natürlich kann

ich meinen Unmut dann nicht verbergen, und das irritiert

wiederum meine wohlwollenden Kinder, die das überhaupt

nicht verstehen. Und so entsteht das Bild von der alten Mutter,

die langsam etwas „schwierig“ wird.

Mich irritiert diese Situation übrigens genauso, und

deshalb habe ich versucht zu beobachten, was denn eigentlich

„schief läuft“: Über die vergangenen Weihnachtstage

ergab sich die wunderbare Gelegenheit, auf einem

Spaziergang mit meinem Sohn über dieses Phänomen zu

reden und ihm meine Beobachtungen und Gedanken mitzuteilen:

Ich beobachte, dass es den erwachsenen Kindern schwer

fällt, den langsam sichtbar werdenden Alterungsprozess

1/2012 25 Jahre durchblick 17


Gesellschaft

ihrer Eltern als solchen wahrzunehmen und zu verstehen.

Das merkt man an abwehrenden und verharmlosenden

Bemerkungen, wenn Defizite deutlich werden. Vielleicht

geschieht das aus Furcht und Unmut darüber, sich zunehmend

mit Klagen der Alten oder gar tatsächlich mit dem

Altern an sich und seinen Konsequenzen auseinandersetzen

zu müssen, denn für ihre Generation ist es ja noch lange

nicht „dran“, sie haben „ganz andere Probleme“. Und die

Reaktion der Alten? Man blockt ab.

Doch mit der wachsenden Erkenntnis der sich verändernden

Situation legt sich bei der Generation der erwachsenen

Kinder fast automatisch ein „innerer Hebel“ um: Die

alten Eltern fallen plötzlich unter die Rubrik „fürsorge- und

betreuungsbedürftig“: Und entsprechend ändert sich der

Umgang miteinander. An dieser Stelle packt mich dann regelmäßig

mein Unmut, weil ich befürchte, auf meine Defizite

reduziert zu werden, nicht mehr für „voll genommen“

zu werden. Ist unsere Beziehung nicht mehr auf „Augenhöhe“?

Ich fühle mich „unter Niveau“. Gar nicht komisch.

Warum ist das so? Mein Sohn hat es mir bestätigt, dass

es für ihn kaum nachvollziehbar ist, wie die zunehmenden

kleinen Defizite und Beeinträchtigungen mein tägliches

Leben beeinflussen, welche Strategien ich entwickeln,

welche Prioritäten ich setzen muss und welche Hilfen ich

tatsächlich brauche, um möglichst lange gut und selbstständig

meinen Lebensalltag zu bewältigen. Es ist nicht seine

Situation, nicht seine Erfahrung, es verunsichert ihn. Seine

Generation hat Erfahrungen in der Fürsorge und Betreuung

und Förderung der Entwicklung von Kindern. Darauf

können sie zurückgreifen, und genau das tun sie ja denn

auch…

Wie können wir die „Augenhöhe“ wieder herstellen?

Wir „Vorangehenden“ müssen verständlich machen, was

wir wollen und was nicht, was wir können und was nicht,

welche Hilfen wir tatsächlich benötigen und welche wir

auch noch selbst organisieren können. Wir müssen signalisieren,

wann wir Austausch und persönlichen Rat brauchen

und Zuspruch, es nicht alleine packen zu müssen.

Und die Kinder als „Nachfolgende“ müssen deutlich

machen, was sie nicht verstehen, was sie irritiert. Auch sie

müssen deutlich machen, was sie können und was nicht.

Sie müssen die Grenzen ihrer Belastbarkeit klar aufzeigen

und unser Verständnis ihrer Situation einfordern, wenn sie

es vermissen.

Und beide müssen wir lernen, aufeinander zu hören,

um zu verstehen, was die Bedürfnisse, Möglichkeiten und

Grenzen des jeweils anderen sind – und dies akzeptieren.

Würde so nicht die viel zitierte „Weisheit des Alters“ sichtbar?

Warum nur findet man sie so selten?

– schon komisch.... Anne Alhäuser

24. – 28. Mai 2012

auf dem Giller bei

Hilchenbach-Lützel

18 25 Jahre durchblick 1/2012


Gesellschaft

Der besondere 1. April

Herbert Sonderbar trällert ein Liedchen und reißt

die Fenster auf. Er trägt ein für seine Verhältnisse

buntes Hemd. Manchmal empfinde ich ihn als unerträglich,

besonders wenn er wie jetzt so dämlich grinst.

„Spürst du auch den Frühling?“, säuselt er aus Richtung

seines Schreibtisches. Stirnrunzelnd schaue ich zu ihm herüber

und höre wie er mit einer Ernsthaftigkeit, die ich so gar

nicht an ihm kenne, sagt: „Die Steuerprüfung hat sich ja für

10:00 Uhr angemeldet, ich hoffe du hast alles vorbereitet!“

„Was, wann???" Irritiert schaue ich auf meinen Kalender.

Er bemerkt dieses und brüllt lachend heraus: „April,

April!!!“ Mein Gott, wie originell! Er genießt wie jedes

Jahr seinen Triumph in vollen Zügen.

„Wann gehst du eigentlich endlich in Rente?“ versuche

ich zu kontern, aber er ist schon intensiv mit irgendwelchen

Akten beschäftigt.

Etwas später ruft unerwartet meine bessere Hälfte Matthias

an: „Was hälst du von einem Cappuccino, so gegen Mittag?“

Na klar, es ist ein wunderschöner Tag, traumhaft warm,

es spricht nichts dagegen. Wir treffen uns in unserer Lieblings-Cafeteria.

Der Wirt hat schon die Stühle vor das Lokal

gestellt. Matthias lächelt mich an: „Schön, dass du da bist.“

„Wieso heute und so überraschend?“, ich kann meine

Neugierde kaum zügeln. „Lass uns zunächst mal die Bestellung

aufgeben.“ Der Cappuccino schmeckt herrlich.

„Ich werde Vater!“, beginnt Matthias. In

meinem Kopf zieht ein Gewitter auf und Gletscher

schmelzen …

„Was…mit wem?“, stammle ich und schaue ihn unglaubwürdig

an. Er versucht meine Hand zu ergreifen,

was ich ihm aber nicht ermögliche. „Na ja, du kennst

doch Yvonne….und weißt du eigentlich wann wir das

letzte Mal…?“ Die Gletscher gefrieren erneut und mich

erreicht ein unerträglicher Kopfschmerz. „Matthias, ich

weiß, dass heute der erste…“. „Nein meine Liebe,

das ist kein Aprilscherz! Yvonne erwartet ein Kind

von mir. Ich wollte es dir schon so lange…!“

Schnell stehe ich auf, der Stuhl kippt um und

ich renne ziellos davon. Dann entscheide ich, wieder

zurück ins Büro zu gehen. In einer am Weg

liegenden Apotheke besorge ich mir noch ein

Mittel gegen aufkommende Migräne. Am Bahnhof

trinke ich mir ein Dosenbier. Vor unserem

Bürohaus steht ein großer Mülleimer. Auf diesem

sitzt wie immer eine Möwe und sortiert den Inhalt.

Ich hasse sie, denn der verdreckte Anblick vor

der sauberen Fassade nervt mich schon so lange

ich hier arbeite. Im Eingang krame ich in meiner

Handtasche, doch ich finde nichts zum Werfen.

Im Büro angekommen, gluckst Herbert so kurz

nach Eins: „N’Abend, hattest du einen schönen

Tag?“ „Halt deine Klappe…?“ „Oh, gab’s Ärger mit dem

Herzallerliebsten…?“

Ich schweige und stelle fest, dass alles vorüber geht, auch

mein Kopfschmerz, die Übelkeit und der leichte Schwips.

Vielleicht ist Arbeit ja doch eine gute Medizin….

Später schaue ich aus einem von Herberts geöffneten

Fenstern. Mein Blick fällt genau auf den Mülleimer vor dem

Haus. Die Möwe ist wieder, oder immer noch, da.

Herberts Usambaraveilchen kann ich sowieso nicht leiden.

Vier Etagen, egal! Der Topf schlägt neben dem Mülleimer

auf, die Möwe fliegt mit einem Stück Zeitung im Schnabel

aufgeregt davon. Für einen Moment denke ich, dass die

Welt wieder in Ordnung ist. Vögel fliegen, Herbert ist sonst

wo, ich lache lauthals und die Tränen kullern meine Wangen

herunter. Eine Politesse schaut erschrocken nach oben.

Schnell schließe ich alle Fenster, wenn Herbert kommt, ich

leide unter Pollenallergie oder Windzug. Soll Matthias mit

Yvonne doch seinen Zögling aufpäppeln….Windeln wechseln

wäre ohnehin nicht so mein Fall!

Anstatt Herbert Sonderbar, kommt Rainer Lustig vom

Empfang mit dieser Politesse ins Büro. „Sag mal, die Dame

behauptet, du hättest einen Blumentopf nach ihr geworfen?

Kannst du bitte mal den Sachverhalt…!!!“

Also, um es kurz zu machen: Am Ende dieses 1. April war

ich meinen Mann los, musste ein neues Veilchen für

Herbert kaufen und mich noch mit einer

Anzeige wegen versuchter Körperverletzung

auseinander setzen.

Doch inzwischen habe ich mein

Leben wieder fest im Griff. Wenn nur

nicht diese Möwe ständig den Mülleimer

ausräumen würde…….

Ulla D'Amico

Foto:: Gottfried Klör

1/2012 25 Jahre durchblick 19


Ostern

Ostergedanken

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,

durch des Frühlings holden, belebenden Blick;

Im Tale grünet Hoffnungsglück,

der alte Winter, in seiner Schwäche

zog sich in rauhe Berge zurück.

Es sind wohl einige wenige, die sich an den gesamten

Wortlaut dieser Zeilen erinnern und sie noch in voller

Länge kennen. Beginnend mit den Gedanken an

den Winter wird die Frische bejubelt und die zunehmende

Strahlenkraft der Sonne, die kein Weißes mehr duldet und

„überall regt sich Bildung und Streben, alles will sie mit

Farbe beleben“. Ja diese kraftvollen Worte fand einst unser

Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe im ersten Teil seiner

Tragödie, in seinem Faust. Die Passage beschreibt einen

Osterspaziergang. Und wer vermag nicht nach den trüben,

dunklen und oftmals verschneiten, verregneten Monaten des

Winters derartige Hoffnungen an die Sonne, das erste frische

Grün und die ersten zarten Farben hegen? Vom Erwachen des

Frühlings wurden zahlreiche Dichter und Denker zu wahren

Freuden- und Wonnebekundungen veranlasst. Ob Mörike,

Fontane, Rilke, Heine, Uhland, alle klassischen Denker beschrieben

dieses alljährlich wiederkehrende Schauspiel der

Natur. Bei Eichendorff heißt es „die Welt wird schöner mit

jedem Tag, man weiß nicht, was noch werden mag“, usw.

usw. Für unseren ab- und aufgeklärten Personenkreis ist der

Frühling mit dem Osterfest verbunden. Pragmatisch stülpt

uns der Handel mit seinen Saisonartikeln gleich nach dem

Weihnachtsfest die Osterhasen, -eier und all den süßen Kram

über, an dem niemand vorbeikommt. Aber: Es liegt auch etwas

Geheimes in dem Geschehen der Natur, etwas Mystisches

in den Bräuchen und Ritualen.

Dabei wäre als Erstes das Ei zu nennen, dass als Ursprung

allen Lebens anzusehen ist. Bereits in der urchristlichen

Zeit war es neben dem Sinnbild des Lebens auch das

der Auferstehung. So las ich in alten Büchern, dass man im

Altertum einem Toten ein Ei mit ins Grab gab. Aus einem

scheinbar toten Körper schlüpft schließlich etwas Lebendiges.

Ein Ei hält etwas verborgen wie ein verschlossenes

Grab. Damit wird eine Beziehung zur Auferstehung Christi

deutlich. Die Form des Eies ist ohne Anfang und ohne Ende.

Was war zuerst: Ei oder Huhn? So lässt sich die Frage

nach der Ewigkeit deuten.

Wirtschaftlich war das Ei ein Zahlungsmittel, eine Gegenleistung,

mit der man Pacht und Zins begleichen konnte.

Während der Fastenzeit war der Verzehr von Eiern untersagt.

Bis zum Osterfest hatten sich daher zahlreiche Eier

angesammelt.

Innerhalb der vielen Jahrhunderte nach der christlichen

Zeitrechnung fanden sich verschiedene Ursprünge der

Farben. Rote Eier sah man vor mehr als tausend Jahren in

Ägypten, es soll die Farbe des Blutes Christi, die des Lebens

und auch die der Lebensfreude darstellen. Aus Osteuropa

kennt man goldfarbene Eier als Zeichen von Kostbarkeiten.

Der Hase als Überbringer der Ostereier gilt als reiner

Volksglaube. Im Haushaltsbuch eines Speyerer Domherren

steht überliefert, dass die Gläubiger mit Hasen und Eiern

bezahlt wurden. Aus weiteren Überlieferungen geht hervor,

dass ein Schuldner nach der Bezahlung seiner Schulden wieder

als freier Mann galt, der mit einem Hasen verglichen

wurde, der nicht mehr vom Hund gehetzt wird. Zum anderen

gilt der Hase wegen seiner starken Vermehrung als

Symbol der Fruchtbarkeit, was zum Fest der Auferstehung

und des Lebens passt.

Auch die Tradition des Osterfeuers reicht bis in die

vorchristliche Zeit zurück. So war das Feuer im Altertum

Göttern und Menschen heilig gewesen. Man sorgte

dafür, dass es niemals ausging. Mit dem Frühlingsfeuer

20 25 Jahre durchblick 1/2012


Ostern

wurde in heidnischen Zeiten die Sonne begrüßt, die als

Mittelpunkt des Lebens galt und als Kult der Fruchtbarkeit

Wachstum und Ernte sichern sollte. Der Sieg über

den Winter, das Erwachen nach langer kalter Zeit deutet

auf das Christentum in der Auferstehung Jesu hin und als

Licht in der Finsternis. Teilweise wird am Osterfeuer eine

Osterkerze entzündet.

Das Osterlamm entstand aus dem Ritual der Juden zum

Passahfest. Das Lamm wird zum Gedanken an Gott geschlachtet

und verspeist. Im Christentum wurde das Tier

symbolisch zum Lamm Gottes, versehen mit einer Fahne

als Zeichen des Sieges. Sein weißes Fell gilt als Symbol für

Reinheit und friedliche Lebensweise und wird als Zeichen

des Lebens und des Friedens angesehen.

Wie viele Erinnerungen gehen uns durch den Kopf,

wenn wir Frühlingslieder singen oder hören. Ja, es kommen

Gedanken an den ersten Lenz, an die erste Liebe, ach so

viele andere Dinge kommen in uns auf und ein Frühlingsgedanke

beschwingt unser Herz.

Einen ganz besonderer Zauber, der sich mit Ostern verbindet,

hat Richard Wagner in Töne gefasst. Gemeint ist

der Karfreitagszauber in Parsifal. Wagner nannte es ein

Bühnenweihfestspiel und weihevoll ist es allemal für den

Liebhaber und Zuhörer seiner Werke.

Ich hatte mit einem Klassiker begonnen und ebenso

klassisch möchte ich meine Gedanken beenden. Beim Lesen

in Berichten über Richard Wagner und seine Werke

fand ich Worte des Theologen Dr. Gerhard Begrich:

…. „es gibt diese Augenblicke, in denen des Frühlings

Blütensegen die Welt verändert, dass die Erde aufstrahlt in

der Schöpfung ursprünglicher Schönheit. So, als wäre Gott

gerade vorbeigegangen und hätte seine Spuren hinterlassen.

Damit ist die Schöpfung gemeint, von der wir vieles zu

sagen wissen, nur das eine nicht: dass sie gut sei.

Nein diese Welt ist nicht gut, sie ist auch nicht die beste

aller möglichen, dies zu glauben ist uns längst zerschlagen.

Aber geblieben ist ihre Schönheit, hin und wieder zu

schauen…“

Eva-Maria Herrmann

Der weinende Schneemann

Da steht er nun – sein Blick trägt Tränen,

die Möhrennase sitzt ganz schief,mit verrutschten

Kohlenzähnen –

Tauwetter brachte ihm sein Tief!

Ein Kochtopfhut bedeckt die Ohren,

die gestern noch ganz steif und fest,

zum Tauen wurde er geboren,

zurück bleibt nur ein Küchenrest!

Brachte er uns auch viel Freude

in der klirrend-kalten Zeit,

ein Trost zum Abschied sagt uns heute:

Der Frühling scheint nicht mehr so weit!

Der Osterhase

Meister Lampe auch genannt,

zieht er vor Ostern übers Land,

besucht den Hahn mit seinen Hennen,

denn Eier liegen groß im Rennen!

Fragt nach, wieviele sie noch legen,

verhandelt auch des Preises wegen.

Dem Hahne ist das nicht geheuer,

zu Ostern sind die Eier teuer!

Ja, Meister Lampe ist gar schlau,

er malt sie rot, gelb, grün und blau,

seine Kalkulation – sie stimmt,

zu Ostern sucht sie jedes Kind!

Bunte Eier – Osternest -

ohne – wäre es kein Fest!

Der Fliederbaum

Aus Nachbar`s Garten steigt ein Duft,

liegt wundersam in lauer Luft,

steigt empor vom Fliederbaum,

erfüllt uns einen Sommertraum.

Er blüht in seiner schönsten Pracht,

hat uns den Sommer mitgebracht.

An den Zweigen dicke Dolden,

als wenn sie sich verneigen wollten.

Majestätisch steht er da,

immer wieder – Jahr für Jahr!

In Nachbar`s Garten Vöglein singen,

als wollten sie ein Ständchen bringen,

der Natur und ihrem Raum,

unter Nachbar`s Fliederbaum!

Helga Düringer

1/2012 25 Jahre durchblick 21


Opa, glaubst du an Gott?

Christlicher Glaube und Spiritualität im Alter

Unsere Enkelin Luisa

(9) erzählt Erlebnisse

aus der

Schule. Ich frage sie: Was

macht ihr denn zur Zeit

im Religionsunterricht?

Sie erzählt mir sehr anschaulich

von Mose, der

die Israeliten aus Ägypten

geführt hat. Dann fragt sie

mich: „Opa, glaubst du an

Gott?“ Ich sage ihr, dass

ich in einem christlichen

Elternhaus aufgewachsen

bin und seit meiner Kindheit

an Gott glaube. Wir

müssen damit rechnen,

dass wir nach unserem

Glauben gefragt werden

und dann ist es gut, wenn

wir positiv antworten können.

Das Vermitteln religiöser

Werte gehört zu unserem Alltag. Das können wir gar

nicht vermeiden, denn Kinder und Enkelkinder sind Seismographen

unserer Einstellungen und Werte. Wie wir mit

den Dingen des Alltags umgehen, z.B. mit der Schöpfung

Gottes, wie wir uns verhalten, wenn wir an einem Friedhof

oder einer Kirche vorbeigehen, das alles zeigt unsere Einstellung

zu den Mitmenschen, zur Schöpfung und zu Gott.

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Ob wir es wollen oder nicht:

Wir sind die Botschafter unserer

Werte.

Obwohl der christliche

Glaube nicht mit einem

bestimmten Alter verbunden

werden kann, wird

oft eine besondere Nähe

älterer Menschen zu Spiritualität

und Kirche als

natürlich angesehen. Weil

nun die Begrenztheit und

Vergänglichkeit des Lebens

bewusster wird, rückt

Glaube und Religion in die

Mitte des Lebens. Der alte

Mensch wird „fromm“ – so

die Annahme – weil er die

Bruchstückhaftigkeit seines

Lebens erfährt. Beim Nachdenken

darüber und aus der

Erfahrung unseres Lebens

merken wir sehr schnell,

dass dies so generell nicht gelten kann. Der Vorsitzende

Jens-Peter Kruse der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft

Altenarbeit meint dazu: „Diese theologische Tradition, das

Alter von der Mortalität(=Sterblichkeit) her zu begreifen

und mit Tod und Sterben, Krankheit und Gebrechlichkeit zu

verbinden, wird den Erfahrungen und Erwartungen in einer

immer länger währenden Altersphase nur noch zum Teil

gerecht.“ (entnommen aus BAGSO Nachrichten 04/2011)

Statistisch gesehen seien ältere Menschen

zwar immer noch vergleichsweise

„frömmer“ als die jüngeren Jahrgänge,

schreibt Professor Michael N. Ebertz

von der Katholischen Hochschule

Freiburg im Religionsmonitor 2008

der Bertelsmannstiftung. In den Kirchengemeinden

findet man inzwischen

häufig Kreise und Veranstaltungen

für ältere Menschen, wie Seniorengesprächskreise,

gemeinsame Frühstücke

oder Zusammenkünfte mit altersrelevanten

Themen. Häufig wird diese

Alten„arbeit“ auch von Älteren (mit)

geleitet. Aber unter diesen über 60-Jährigen

seien hohe Anteile derer, für die

der Satz „Je älter, desto frömmer“ nicht

(mehr) gilt. In den Gottesdiensten und

kirchlichen Veranstaltungen ist der Be-

22 25 Jahre durchblick 1/2012


Gesellschaft

such älterer Menschen aber doch vergleichsweise hoch und

für viele ist es wichtig (vielleicht auch teilweise von der

Tradition her), am christlichen Leben teilzunehmen.

Weil das Alter heute länger dauert – die Lebenserwartung

ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen – ist es

heute bunt und vielfältig, wir sind mobil und aufgeschlossen

für Neues. Dadurch bedingt stellen sich wichtige Lebensfragen

auf ganz neue Weise:

Im 3. Lebensalter:

Dieses ist gekennzeichnet durch das Erleben der Freiheit

durch die berufliche Entpflichtung. Es stellt sich die Frage

nach tragfähigen Lebensinhalten und –zielen. Man hat das

Bedürfnis, das Leben genießen zu wollen, aber man möchte

auch etwas Sinnvolles tun. Man sucht Gemeinschaft in Vereinen,

Altenclubs o.ä. oder eben auch in christlichen Vereinigungen.

Auch das Leben im Haus Herbstzeitlos in Siegen

ist ja ein Beispiel für diese Möglichkeiten. Nach dem Motto

„Ich für mich – mit anderen zusammen – für mich und andere“

verbinden sich Persönliches und Soziales.

Im 4. Lebensalter:

Hier erfährt der Mensch seine Gebrechlichkeit stärker

und er merkt, dass er von anderen abhängig ist. Dabei

scheint es wichtig, dass man mit seinen Schwächen ins Reine

kommt und seine eigene Lebensgeschichte bejaht. Dabei

kann der Glaube wachsen und spirituelle Erfahrungen

hilfreich sein. Die Erfahrung ist: Leben ist geschenkt, bleibt

verletzlich und angefochten. Besonders Menschen, denen

der Boden unter den Füßen zu entgleiten droht, brauchen

die Erfahrung, gehalten zu sein. Das geht ineinander: Von

Menschen gehalten zu sein, von Gott gehalten zu sein. Die

Sehnsucht, dass da etwas ist, was den Menschen letzten

Endes trägt, ist bei vielen alten Menschen vorhanden. Dabei

sind auch Rituale Für Menschen, bei denen Religion im

engeren Sinne eine Rolle spielt, können christliche Rituale

Halt im Leben geben. Das kann die Erfahrung des „Hand-

Haltens“ sein oder der christliche Erfahrungsschatz wie

das Abendmahl, Gebet oder Segen. Viele ältere Menschen

berichten auch, dass sie der in der Kindheit oder Jugend

einmal gelernte 23. Psalm, das Vaterunser oder vertraute

christliche Lieder trösten.

Wenn wir Enkel haben – um auf den Ausgangspunkt

unserer Überlegungen zurückzukommen – fordern uns

diese im positiven Sinne auch als Vorbild im christlichen

Glauben heraus. Bei dem, was wir reden und tun, stehen

wir unter Beobachtung. Das muss uns nicht Angst machen

und uns nicht unter Druck setzen. Aber „Opa, glaubst du

an Gott?“ ist eine Frage, mit der wir rechnen müssen. Und

wenn ich nicht an Gott glauben kann? Auch dann sollte

man dem Enkelkind nicht die Möglichkeit des kindlichen

Glaubens verbauen und alle Möglichkeiten offen lassen.

Horst Mahle

Zeitzeichen

Der Tag hat geendet

keine Welle auf dem See

das Boot fest wie der Steg

auch die Wolkenlöckchen wie für immer

in den Blick gemalt

selbst das Licht steht stillstand

Zeit verbleibend

in Bewegungslosigkeit

wird Traumzeit

unsichtbare

stockt unhörbar

vergessen

ziellos

wartend

Auszeit

Gestern noch erlebt

heute geronnene Zeit

mit Patina der Erinnerungen und

verstaubtem Gedächtnis

wetterleuchtend als Gewissen

in lächelnden Fotografien

ewige Gestirne zu Bildern fügend

durch Momente kurzer Ausnahmen

für zeitlose Pausen

stumm im lauten Ticken

mit strahlendem Blick zurück

auf dem Wendepunkt zu neuem Schritt

Formate mitten im Schwung

wie ein plötzlicher Weckruf

gegen das blinde vorwärts

Redezeit

umgerührte Tage

köcheln

sich ins Wochenende

aufgewärmt

schmeckt

Schweigen nicht

Heinrich Waegener

1/2012 25 Jahre durchblick 23


Leserbeitrag

Ich erzähle dir eine Geschichte

sagte die Großtante zu dem Kind:

Die Mutter

Bei trockenem Wetter traf die Mutter sich immer mit

anderen Frauen und deren Kindern auf dem alten

Spielplatz. Sie freute sich auf diese Stunden, denn

seit der Junge da war, fehlte ihr doch der Kontakt zu anderen

Erwachsenen. Zum Glück ging der Kleine nun vormittags in

den Kindergarten, aber oft hatte sie im Haushalt und im Garten

so viel zu tun, dass die Zeit schneller zu vergehen schien,

und sie vermisste ihre Kollegen. Den anderen Frauen ging

es ähnlich. So trafen sie sich und redeten , meistens über ihre

Männer, die die Lücken auch nicht füllen konnten. Die Kinder

tobten meist chaotisch auf dem Spielplatz herum, oft gab

es Geschrei, und die Mütter mussten genervt eingreifen. Bei

ihrem Jungen war das anders. Er war schon immer ein stilles

Kind gewesen, auch als Baby hatte er nicht viel geweint. Oft

spielte er in einer Ecke mit seinem kleinen Bagger und den

Autos, sie musste nicht viel nach ihm sehen.

An diesem einen Tag war aber alles anders. Die Atmosphäre

war ausgesprochen friedlich, und der Junge saß etwas

abseits bei den Büschen ins Spiel versunken, und sie waren

vertieft ins Gespräch. Sie erzählte, dass ihr Mann abends immer

so spät nach Hause käme, nur noch essen wollte und ein

Bier, ihre Sorgen waren nicht wichtig. Sie unternahmen fast

nichts mehr zusammen, obwohl die Tante unten im Haus

wohnte… Die Tante hatte schließlich studiert, und nun musste

sie kochen, putzen und ein Kind erziehen, das hatte sie sich

nicht so vorgestellt! Sie redete und redete, die Frauen hörten

zu, so offen hatte sie noch nie gesprochen.

GUT BEDACHT

durch den

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Dann kam ihr Sohn schreiend angerannt, sie ärgerte

sich etwas, hätte gerne weitergesprochen. Sie hatte ihren

Redefluss nicht direkt unterbrochen und strich ihrem Jungen

tröstend mit der Hand über die Haare. Dann sagte eine

Frau: ,,Da war doch jemand!“ Sie stand auf und lief zu dem

Törchen, von wo sie auf die Straße sehen konnte. Sie sah

am Ende der Straße einen Mann langsam weggehen. Der

Junge weinte immer noch und vergrub den Kopf in Mamas

Schoß. Dann brach große Aufregung aus. Andere Kinder

fingen nun auch an zu weinen, die Mütter waren auf einmal

alle sehr aufgeregt. Vielleicht hatte der Mann den Jungen

ja belästigt.

Die Mutter nahm ihren Jungen, sah ihm fest in die Augen

und sagte: ,,Hat der Mann etwas zu dir gesagt, was

wollte er von dir?“ Der Junge sagte nichts und weinte weiter.

Bald danach trennte sich die Gruppe.

Am Abend wollte die Frau mit ihrem Mann sprechen.

Die Tante hatte die Aufregung mitbekommen und brachte

den Jungen ins Bett. Der Mann hörte aber nicht richtig zu

und dann sagte er: ,, Was ihr euch immer einbildet, was für

eine Belästigung soll das denn gewesen sein? Hier im Dorf

gibt es das doch nicht, und wenn das der Alte aus Ohms

Haus ist, der ist doch harmlos“.

Die anderen Mütter hatten ihren Kindern eindringlich

gesagt, sie sollten immer aufpassen, wenn da jemand wäre

der komisch sei, und sofort Bescheid sagen. Dann war der

alte Mann wieder aufgetaucht, hatte einfach am Tor hinter

den Büschen gestanden. Ein Kind hatte ihn gesehen und

fing sofort an zu schreien, wie die Mutter es gesagt hatte,

andere Kinder taten es ihm nach. Es war der Alte aus Ohms

Haus.

Im Dorf wusste bald jeder, dass der alte Ohm am Spielplatz

gestanden hatte. Die Männer hielten sich weitgehend

aus der Sache raus. Die Mütter wechselten ihren Treffpunkt,

trafen sich privat oder auf dem Spielplatz am Kindergarten.

Der Junge erzählte seiner Mutter nichts, er schwieg einfach.

Er konnte auch nichts sagen, er hatte sich nur sehr

erschrocken, sonst war nichts passiert. Wenn die Großtante

den Kleinen abends ins Bett brachte, wollte er immer die

Geschichte hören. Es beruhigte ihn, wenn die Großtante am

Ende sagte: ,,die Leute passen auf.“ Die Tante sprach mit

ihrer Nichte nicht über den Vorfall, sie meinte, es gäbe zu

wenig Fakten.

Was sie nicht sagte, war: Sie hatte den alten Mann früher

gut gekannt. Er war so verliebt in sie gewesen, wollte sie

auf Händen durchs Leben tragen und viele Kinder mit ihr

großziehen. Sie hatte aber später im Nachbarort als Dienstmädchen

gearbeitet und dann den Egon geheiratet.

Der alte Mann hatte nie geheiratet. ●

24 25 Jahre durchblick 1/2012


Leserbeitrag

Der Mann

Einmal, ist noch nicht so lange her, da wohnte ein

großer Mann in einem alten Haus. Er hatte schon

graue Haare und an seinem Gebiss fehlten ein paar

Zähne, deshalb lachte er nie. Seine Eltern waren gestorben

und oft war er sehr einsam. Er saß in seinem Haus und ließ

die Zeit vergehen.

Eines Tages, als die Sonne nicht schien und es auch nicht

regnete, ging der Mann zur Tür und schaute die Straße entlang.

Unten im Dorf hörte er Kindergeschrei. Das hatte er

lange nicht gehört. Weil er ausgeschlafen war und auch

sonst nichts Besonderes zu tun hatte und weil er als Kind

immer so viel gelacht hatte, und sich daran erinnerte, dass

damals alles so einfach war, ging er los.

Er ging die Straße lang und die Kinder wurden lauter.

Dann flog ein Ball in seine Richtung, aber er ignorierte ihn,

ging mit gesenktem Kopf langsam am Straßenrand weiter.

Als er um die Ecke kam, sah er sie. Einen Haufen Kinder,

klein, quirlig. Einige Mütter saßen auf Bänken, es war wohl

ein Spielplatz. Lange hatte er keine Kinder mehr wahrgenommen,

sein Herz klopfte. Er stellte sich in die Nähe

eines Busches und staunte mit geschlossenem Mund und

den Händen in der Tasche über das, was er sah. Ein Kind,

das ausgelassen schaukelte, sah ihn zuerst. Die Augen wurden

ganz groß und es schrie: ,,Mama, Mama!“. Es sprang

von der Schaukel rannte zu seiner Mutter und vergrub seinen

Kopf in ihrem Schoß.

Es schien sich wie stille Post zu verbreiten, nach und

nach saßen die Kinder bei ihren Müttern auf dem Schoß

oder verzogen sich in eine Ecke, oder rannten durch den

zweiten Eingang des Spielplatzes nach Hause. Der Mann

hatte nur da gestanden und sich nicht bewegt. Er hatte die

Kinder angeschaut und sein Herz hatte geklopft. Nach einer

Zeit war er dann wieder nach Hause gegangen.

Später hatten die Leute aus dem Dorf ihn Kinderschreck

genannt. Denn immer wenn er auftauchte, waren die Kinder

still und eingeschüchtert oder rannten weg. Dem Mann

war das egal, ihm war sowieso vieles egal, aber die Leute

passten auf. ●

Der Junge

Er war erst mit fünf Jahren in den Kindergarten gekommen,

es gab viele Kinder im Dorf und die Warteliste

war lang. Er hatte sich schnell eingewöhnt und nach

kurzer Zeit auch einen Freund gefunden. Tobias und er hatten

sich gesucht und gefunden. Tobi, wie ihn alle nannten,

war ein temperamentvoller und pfiffiger Kerl, stellte immer

Fragen. Wenn ihm etwas nicht passte, verschränkte er seine

Arme und schrie laut: ,,Nein, das will ich nicht.“

Der Junge hingegen war immer still und zurückhaltend,

aber wenn Tobi es zu arg machte, ging er zu ihm hin, nahm

seine Hand und Tobi beruhigte sich. Beide gingen gerne in

den Kindergarten und am meisten mochten sie die „Draußenstunden“,

dann saßen sie fast immer im großen Sandkasten

und spielten Baustelle. Der Junge hatte auch immer seinen

Bagger dabei, den er von zu Hause mitbrachte.

In den Tagen nach dem besagten Ereignis saßen sie einträchtig

im Sand und Tobi fragte unvermittelt: ,,War der

Mann böse?“ Der Junge sagte zuerst nichts, dann nach einer

Weile: ,,Der Mann hatte ganz kaputte Schuhe mit Löchern

drin und unten da hatte er keine Zähne, das hab ich gesehen,

als er lachte.“ Tobi sagte daraufhin: ,,Eine Uroma hat unten

auch keine Zähne und dann macht sie immer so! … „Er zog

eine Grimasse. Sie hat aber Zähne, die sind in einem Becher,

die passen aber nicht mehr, hat die Mama gesagt.“ Das Gespräch

war zu Ende und sie spielten weiter.

Am nächsten Tag fragte Tobi: ,,Hattest du Angst? Mama

hat gesagt du hast geweint!“ ,,Nö“, sagte der Junge, „ich hab

nur ein bisschen geweint.“ ,,Wir können doch die Zähne von

der Uroma dem Mann geben, dann hat er wieder welche,“

sagte Tobi. ,,Ich weiß wo der wohnt, die Tante hat mir das

gesagt,“ antwortete der Junge.

Nach eine Weile sagte der Junge: ,,Der Mann stand auf

einmal hinter den Büschen, ich habe zuerst nur seine Schuhe

gesehen, die waren kaputt und dann hat er gelacht und hatte

unten keine Zähne, und dann bin ich nach der Mama gelaufen,

ich glaube der wollte meinen Bagger.“

Die beiden Freunde spielten noch eine Weile bis die

Erzieherin sie rief. Beim Reingehen ins Haus mussten sie

sich immer in Zweierreihen aufstellen. Tobi nahm die Hand

von dem Jungen und hielt sie ganz fest. Dann sagte er sehr

ernsthaft: ,,Mein Zahn, der hier, er zeigte in seinen Mund, ist

schon ganz locker. Wenn der rausfällt und das wehtut, muss

ich vielleicht auch weinen!“ Doris Wimmi-Bieber

1/2012 25 Jahre durchblick 25


Unterhaltung

Die Bärenfamilie

eine Vorlesegeschichte für Kinder

Die Bärenfamilie wohnt hoch oben in den Bergen - in

einer großen Höhle. Bärenvater „Mutz“, die Bärenmama

„Mutzi“ und ihre Bärenkinder „Jul und Juli“!

Zweimal in der Woche, wenn Vater Mutz schon zur Arbeit

ist, macht die Bärenmama mit Jul und Juli einen Ausflug!

Heute soll es wieder losgehen und Mama Mutzi macht ihre

beiden Bärenkinder fein. Juli, das Bärenmädchen, wird

schön gebürstet und der Bärenjunge Jul bekommt gerade

noch seine Nase gewaschen – weil er sie noch schnell in das

Milchschüsselchen gesteckt hat, um noch ein Schlückchen

zu trinken. Und schon machen sie sich auf den Weg! Mama

Mutzi hat ihren gut gefüllten Korb mitgenommen, damit

auch unterwegs jeder satt wird. Jul und Juli tapsen munter

hinter ihr und freuen sich schon auf die Picknick-Pause. Aber

noch ist es nicht so weit!

Inzwischen gibt es einiges zu entdecken. Viele bunte Blumen

blühen in den satten Wiesen und Schmetterlinge tanzen

auf ihren Blüten. Rechts und links ihres Weges stehen hohe

Tannen und aus dem Wald ruft ihnen ein Vöglein zu: „ju

hu – ju hu – ju hu!“ Die Bärenkinder brummen vor sich hin

und lauschen dem Quaken der Fröschlein, die sich am nahen

Bach verstecken: „quak – quak – quak!“ Plötzlich hat Juli

eins entdeckt und läuft ihm nach – aber das Fröschlein ist

schneller und hüpft eilig davon!

Nun hat die Bärenfamilie schon einen weiten Weg hinter

sich gebracht und alle sind tapfer gelaufen. Doch der kleine

Juli ist schon ganz müde und kommt kaum noch mit. Mama-

Mutzi tröstet ihn und streicht ihm über das Köpfchen! Nur

noch ein paar Schrittchen, und sie haben ihr Ziel erreicht.

Dann nimmt Mama Mutzi die beiden an die Pfötchen und

zeigt ihnen die dicke Eiche, die mitten in einer Wiese steht

und mit ihrem weiten Schatten lockt. Jetzt haben sie den richtigen

Platz gefunden, um eine Pause einzulegen! Sie sitzen

ganz erschöpft auf einer weichen Decke, die Mama Mutzi

von zu Hause mitgebracht hat. Hunger und Durst haben alle

drei, jetzt packt Mama Bär die guten Sachen aus, die sie die

ganze Zeit in ihrem Korb getragen hat. Brot - Käse - Wurst

– Milch – Äpfel und eine Tüte Gummibärchen! So essen

und trinken sie, bis sie satt sind und ruhen sich aus. Zum

Nachtisch gibt es für jeden einen Apfel. Die Gummibärchen

werden aber erst dann geteilt, wenn alle ihr Äpfelchen aufgegessen

haben!

Bald ist der kleine Jul eingeschlafen und brummt: „brum

– brum – brum!“ So klingt es immer, wenn er satt ist und sich

wohlfühlt! Juli pflückt inzwischen ein Sträußchen Blumen

für die Mama, es sind Gänseblümchen und blaue Vergissmeinnicht!

Weil dunkle Wolken aufziehen, muß Mutzi den

kleinen Juli wecken, denn es fängt schon etwas an zu regnen

– so müssen sie ihren schönen Rastplatz verlassen. Sie

packen alle Sachen schnell zusammen und verstauen sie in

den großen Korb. Dann machen sie sich auf den Heimweg.

Aber diesmal sucht Mutzi einen anderen Pfad aus – so tapsen

sie durch ein kleines Kiefernwäldchen.

Es regnet jetzt ganz heftig, und sie suchen sich große

Farnblätter, um ihre Köpfchen damit zu bedecken. Nun lässt

es sich schwer gehen, da immer mehr Schlamm an ihren Fuß-

Foto: Gottfreid Klör

26 25 Jahre durchblick 1/2012


Unterhaltung

sohlen hängenbleibt und der Waldboden ganz weich wird.

Ab und zu bleiben sie stehen und schütteln die Regentropfen

aus ihrem Fell. Auf ihrem nassen Weg begegnen sie vielen

Regenwürmern, die sich über den Regen freuen und ihn herbeigesehnt

haben. Doch schon bald hellt sich der Himmel

auf, und die Sonne guckt durch die Wolken. Plötzlich staunen

alle und bleiben stehen, weil sich am Horizont ein herrlicher

Regenbogen gebildet hat. Sie schauen ihn sich genau an, und

Mama Mutzi erklärt ihren Bärenkindern die Farben, denn er

leuchtet rot - blau - grün - gelb - violett und ist wunderschön!

Doch dieses Schauspiel ist nur von kurzer Dauer, denn ganz

schnell werden die Farben immer blasser und schon bald hat

die Sonne den Regenbogen weggewischt.

Sie setzen ihren Heimweg fort - während die Kuhglocken

läuten und ab und zu ein „muh - muh - muh“ zu hören ist.

Noch über die große Kuhweide - dann sind sie bald zu Hause.

Ob Vater Mutz schon in der Höhle wartet? Meistens kommt

er spät von seiner Arbeit aus dem Wald zurück, denn er ist

Baumfäller und muss morgens zeitig aufstehen. Er verlässt

im Morgengrauen die Höhle. Die Bärenkinder schlafen dann

noch und sehen ihn erst am späten Nachmittag. Vielleicht liegt

er ja schon auf seinem Strohsofa, denn wenn er heimkommt,

ist er immer ganz kaputt von seiner harten Arbeit.

Endlich sind Mutzi mit Jul und Juli angekommen und

sehen schon vor dem Höhleneingang die derben Arbeitsschuhe

stehen. Also ist Vater Mutz schon zurück - Jul und

Juli stürmen herein und knuddeln und kraulen ihn. Er gibt

beiden ein Küsschen auf Nase und Ohren. Alle brummen

vor Freude, denn sie wohnen ganz gemütlich und heimelig.

Mama Bär steht nach kurzer Begrüßung sofort an ihrem Gaskocher

und bereitet für alle eine gute Suppe aus gesammelten

Brennnesseln zu. Außerdem serviert sie noch einen deftigen

Löwenzahnsalat mit frischen Früchten. Es schmeckt, wie immer,

sehr gut. Nun dämmert es schon und durch die kleinen

Höhlenfenster fällt kaum noch Licht! So zündet Vater Mutz

die Stall-Laterne an, die ihm der Bauer von der Alm zu Weihnachten

geschenkt hat.

Die Bärenkinder werden nun in ihre Bettchen gelegt, die

aus Heu und Stroh gebaut sind. Von ihrem langen Spaziergang

und von der frischen Luft sind sie sehr müde. Nachdem

Vater Mutz ihnen noch eine Gutenacht-Geschichte erzählt,

und Mama Mutzi ihnen einen Kuss auf ihr Köpfchen gegeben

hat, schlafen die beiden friedlich brummend ein - „brum

- brum!“

Die Bäreneltern setzen sich noch ein Stündchen vor die

Höhle und genießen die Abendstimmung. Bald ziehen auch

sie sich zurück in ihre Schlafkammer, löschen die Laterne

und brummen in die Nacht - „brum - brum!“ Draußen ruft

noch ein Uhu - „juhu - juhu!“ - Eine Fledermaus zieht ihre

Runden, dann wird es still.

Und wenn sie nicht von der Morgensonne geweckt würden,

dann schliefen sie immer noch! Helga Düringer

SeniorenInnen strahlen über

Haarige Besucher

Cleopatra liegt auf dem weichen Sessel und schnurrt.

Neben ihr thront Ramses und beobachtet genau,

was um ihn herum passiert. Die beiden Katzen haben

Ausflugstag. Seit fünf Jahren kommt das Katzenpärchen

zusammen mit ihrem Frauchen einmal im Monat ins

Siegener Kursana Domizil. Zur Kuschelstunde, als Zeitvertreib

für die Senioren und auch als Therapie. „Der Kontakt

mit Tieren weckt bei demenziell Erkrankten schöne Reaktionen

und Äußerungen, zu denen sie sonst kaum noch in

der Lage sind“, erklärt Annemone Jänsch, „Bewohner, die

sonst kaum noch Freude zeigen können, lachen beim Streicheln

plötzlich, wenn sie erkennen, dass es echte Katzen

sind“. Annemone Jänsch betreut die Bewohner des Hauses

und begleitet Cleopatra, Ramses mit ihrem Frauchen auf

ihrem Weg durch die Zimmer. Auch Margot Rees, die seit

16 Monaten in der Senioreneinrichtung lebt, hat eine Verabredung

mit den haarigen Ägyptern. „Mein Gott, ist das

schön“, ruft die 91-Jährige, als sie die Katzen sieht. Sie

hatte früher selbst viele Haustiere, liebt Hunde und Katzen

besonders. Dass sie im Altenheim noch die Möglichkeit

zum Kontakt mit Tieren haben würde, hat sie überrascht.

„Tiere gehören für viele Bewohner zum Leben dazu. Unsere

Besuchstiere ermöglichen uns ein Stück Biographiearbeit,

wecken alte Erinnerungen und Gefühle und bereichern

den Alltag der Senioren“, erklärt Annemone Jänsch. „Am

liebsten würde ich die

beiden hierbehalten“,

sagt Margot Rees

schmunzelnd, als

Cleopatra und Ramses

die Heimfahrt antreten

müssen. Und

auch die beiden Katzen

haben die Streicheleinheiten

von ihr

genossen. Zum Abschied

wünschte sich

Margot Rees, beim

nächsten Besuch

wieder ganz oben auf

der Besuchsliste Liste

Foto: Gottfreid Klör

stehen zu dürfen ●

1/2012 25 Jahre durchblick 27


Literatur

Ovis Tagebuch

Ein Kinderbuch rezensieren! Welch eine Herausforderung

für mich. Christian Feigs, Dipl.-Ing., Stadtplaner

und Architekt, hat das wahrlich traumhafte

Material zur Verfügung gestellt. Unter dem oben genannten

Titel schildert er die phantastische Reise einer Eizelle

durch den weiblichen Körper, ihre Vereinigung mit einer

Samenzelle und ihr Geboren-Werden. Ihr Name sei Ovi.

Das Allgemeine wird hier zum Besonderen.

Es geschieht seltener, dass man sich im vorgerückten

Alter mit den rein physiologischen

vorgeburtlichen Prozessen auseinandersetzt,

eher schon mit dem

Begleitgut, den mentalen und psychischen

Einwirkungen, dem In- die

Welt- Geworfen- Werden, dem Inder

Welt- Sein, den verschlungenen

Schicksalsfäden, die gesponnen

werden. Die Unverbindlichkeit der

Reflexionen weicht in unübersichtliche

Nebengelasse aus, in Räume,

die das Rationale noch nicht gekapert

hat. Die Gefühle verdichten

sich. Wunschloses Unglück? Nur

Trinkgeld vom Schicksal oder die

pralle Lust am Dasein?

Doch, ich möchte den realen,

hier wie im Märchen erzählten

Abläufen, ihre Leichtigkeit nicht

nehmen.

Verlag: Books on Demand GmbH,

Norderstedt 9,90 €

In zwei winzigen Höhlen, den Eierstöcken, die unter der

jeweils rechten und linken weiblichen Hüfte liegen, reifen

jeden Monat 10 bis zwanzig Eizellen heran, aber nur eine

von ihnen ist reif genug, um sich auf eine lange Reise durch

den weiblichen Körper zu begeben. Ihre Absicht dabei ist

es, einen Prinzen zu treffen. Ovi, das kleine Eizellenmobil,

hat ihren Koffer schon gepackt, gute und weniger gute Eigenschaften

auch darin verstaut. Vor dem Spiegel putzt sie

sich ein letztes Mal heraus, durch Kostümierung wird man

schließlich geadelt. Das Ganze lässt allerdings auf eine nur

wenig ausgeprägte feministische Ader schließen. Sie verabschiedet

sich von ihren Gespielinnen.

Das Eizellenmobil hat die Form einer winzigen Kugel,

zehnmal kleiner als ein Stecknadelkopf und als Sonderausstattung

vier Räder und zwei Scheinwerfer. Neugierig, aber

auch ängstlich, tritt Ovi ihre Reise ins Unbekannte an. Vor

ihr eine unendliche Dunkelheit. Umkehren gilt nicht. Sie

wirft die Scheinwerfer an, zückt ihr Fernrohr und erblickt

Millionen seltsamer Fangarme, die sich ihr entgegenstrecken.

Sie vernimmt ein aufmunterndes Rufen, wackelt vor

Begeisterung mit ihren noch nicht vorhandenen Hüften,

verliert ihre äußere Hülle, die sie tagelang poliert hat und

stürzt sich mit dem Eizellenmobil in die Eileiter, was auch

immer das für eine Leiter sein mag.

Sechs Stunden ist Ovi nun schon unterwegs, ein Tag

bleibt ihr noch, um ihren Prinzen zu treffen, ansonsten ist

ihr kurzes Dasein schon Makulatur.

Sie gibt Vollgas, und plötzlich donnert

etwas gegen ihre Windschutzscheibe.

Millionen kleiner Würmchen,

Spermien genannt, machen sich gegenseitig

Konkurrenz im Hauptgeschäftsverkehr

des Daseins. Wie sie dort hingekommen

sind, bleibt auch in dieser

Schilderung reichlich nebulös. Es ist

eine illustre Gesellschaft. Wen von ihnen

soll Ovi einlassen, schließlich will

sie den Bund fürs Leben schließen.

Ein jungenhafter Typ wirft sich vor

ihre Räder, er hat sich durchgeboxt,

in leichter Macho-Manier, obwohl es

heißt, der Mann stünde heute, nach

einem jahrhundertelangen Prozess der

Häutungen im Verlauf von Rollen- und

Beziehungsmustern, fröstelnd abseits.

Unser jugendlicher Draufgänger entschuldigt

sich bei Ovi auf charmante

Art und Weise. Er gefällt ihr, und nach

forschem Anklopfen öffnet sie die Tür

einen kleinen Spalt, so, dass nur er, der sich mit Spermi

vorstellt, hindurchschlüpfen kann. Zwillinge sind nicht immer

erwünscht. Auch Spermi hat gute und weniger gute

Eigenschaften in seinem Gepäck. Das weibliche und das

männliche Prinzip sind zusammengekommen, Ying und

Yang, ganz schön verliebt. Ideale Voraussetzungen für eine

dauerhafte Verbindung.

Spermi beginnt, das Eizellenmobil umzumodeln, es

muss vergrößert werden, damit sie mehr Platz haben. Nach

knapp drei Tagen gemeinsamer Fahrt kommen sie in eine

Tropfsteinhöhle, ein riesiges Schild davor verkündet:

Achtung! Gebärmutter, Campingplatz für Eizellenmobile.

Diese große Höhle liegt im Unterleib der Frau. Es herrscht

klinische Aufgeräumtheit. Ovi und Spermi mieten sich ein

und machen es sich gemütlich. Sie sichern das Eizellenmobil

mit Seilen ab und finden einen langen Schlauch, die

sogenannte Nabelschnur. Diese wiederum führt zum Mutterkuchen,

dem Depot für die Nährstoffe, die ihr Überleben

sichern. Ein überraschender weiterer Fund ist ein Kalender,

28 25 Jahre durchblick 1/2012


Literatur

der aber nur neun Monatsblätter aufweist. Auf dem Deckblatt

steht: Geeignet nur für Schwangerschaft und Geburt.

Auf der letzten Seite werden Geburt und Geburtstag angekündigt.

Das Mietverhältnis läuft dann aus.

Nun folgen neun Monate Dauerbaustelle. Das Eizellenmobil

muss ständig erweitert und mit modernem Schnickschnack

ausgerüstet werden, da Ovi und Spermi wachsen

und gedeihen. Die Scheinwerfer werden vergrößert, zwei

große Hörtrichter angebracht und das Cockpit bekommt ein

Navigationsgerät. Spermi probiert eine eigenartige Flüssigkeit.

Wie sich herausstellt, ist es Fruchtwasser aus der

Fruchtblase, die sie umgibt, um ihnen Schutz zu bieten. Ein

plötzlicher Knall lässt sie aufhorchen, die Flüssigkeit verschwindet.

Spermi kann sie doch nicht alle getrunken haben!

Nein, die neun Monate sind um, und es ist Geburtstag.

Ovi hat sich den Wecker gestellt. Sie hörte von Freunden,

die verschlafen hatten, dass danach ein Überfallkommando

anrückte und die Bude ausräumte, ein Vorgang, den man als

Kaiserschnitt bezeichnet. Plötzlich ein Beben. Eine Wehe,

ein Auf und Ab. Sie werden rausgeschmissen von der Vermieterin.

Ein heftiger Luftzug erfasst Ovi und ein heller

Lichtstrahl blendet sie. Sie vermisst Spermi. Eine fremde

Hand klopft ihr aufs Hinterteil und sie muss tief durchatmen.

Aber halt! Spermi hat vergessen, die Nabelschnur zu

durchtrennen, das macht jetzt Papi, und der übrig gebliebene

Teil des Mutterkuchens muss auch raus. Sie haben sich

total verändert und sind begeistert von sich selbst. Spermi

antwortet nicht auf Ovis Rufen. Eine innere Stimme sagt

ihr, dass sie ihn nie wiedersehen, aber für immer in ihrem

Herzen tragen wird.

Ovi, die mit Spermi eins geworden ist, wünscht sich viel

Zuwendung, Befriedigung ihrer Bedürfnisse und Unterstützung

bei ihren kleinen und größeren Problemen.

Erika Krumm

Krimi-Tipp: Tod im Lokschuppen

Ein grausamer Mord erschüttert Betzdorf, das kleine

Städtchen am Rande des Siegerlandes. In den Ruinen

des verfallenen Lokschuppens wird die verstümmelte

Leiche eines ortsansässigen Geschäftsmannes gefunden.

Ein heikler Fall für die junge Kommissarin Nina Moretti.

Schnell wird klar, dass der Tote, der scheinbar ein Doppelleben

führte, nicht nur Freunde in der Kleinstadt hatte.

Als am nächsten Tag auch noch der Pfarrer erschossen vor

dem Altar der Kirche liegt, wird der Fall immer undurchsichtiger.

Führt die Spur ins Kölner Rotlichtmilieu? Liegt

das Rätsel in der Vergangenheit der Opfer? Oder sind doch

nur Hass und Eifersucht im Spiel?

Autor Micha Krämer aus Kausen (nähe Betzdorf) hat

in seinem Debüt-Krimi eine spannende Handlung erdacht,

die durch immer neue Wendungen besticht. Auch die

Charaktere könnten gegensätzlicher nicht sein: die junge

Kommissarin Nina Moretti, ihr etwas bedächtiger, aber

dennoch ausgefuchster Kollege Thiel oder der Kölner

Rotlichtkönig Hackenthal, der sogar symphatische Züge

zeigt. Krämer, der auch als Kinderbuchautor binnen kurzer

Zeit bekannt wurde, hat mit seinem Lokalkrimi auch

überregional so großen Erfolg, dass „Tod im Lokschuppen“

in die 2. Auflage geht und es im September einen

weiteren Band mit Nina Moretti geben wird: „Krähenblut“.

Doch vorher, im April, kommt Krämers Zeitreise-

Buch „Keltenring“ auf den Markt. Wolfgang Stössel

TOD IM LOKSCHUPPEN

Der Betzdorf-Krimi

Der mysteriöse

Tod eines örtlichen

Geschäftsmannes stellt

die junge Kommissarin

Nina Moretti vor ein

Rätsel. War er in dunkle

Machenschaften verwickelt?

Führt die Spur

ins Kölner Rotlichtmilieu?

Oder steckt

etwas ganz Anderes

dahinter?

Taschenbuch,

304 Seiten, 9,95 €

Micha Krämer: „Tod im Lokschuppen“, Taschenbuch,

304 Seiten, 9,95 Euro. Verlag amadeusmedien. Erhältlich

im Buchhandel und direkt beim Verlag.

Verlag amadeusmedien

Sebastian-Kneipp-Str. 8

57518 Betzdorf

Tel.: 02741/973129

Fax: 02741/973130

www.amadeusmedien.de

1/2012 25 Jahre durchblick 29


Mein Weg zum

inneren Frieden

Literatur

Buchbesprechungen

Werke aus der durchblick-buchreihe

ISBN 978-3-9810413-4-7

15,90 Euro

… „ich bin dann mal weg“

ist der Titel von Hape Kerkelings

Buch. Nachdem

dieser Satz schon fast zu

einem geflügelten Begriff

wurde, erstand ich mein erstes

Hörbuch. Immer, wenn

ich dann „mal weg wollte“,

nahm ich das Werk mit. Ich

muss allerdings gestehen,

bis zum Ende kam ich bisher

nie, es war einfach zu

lang! Anders dagegen das Buch von Jutta Bauer, das mir

vor einigen Wochen in die Hände fiel und das ich seitdem

schon zweimal durchgelesen habe. Sie beschreibt ihre Gedanken,

Eindrücke und Erlebnisse jener Strecke, auf der sie

an 42 Tagen unterwegs war. Erzählerisch lebendig und zugleich

gespannt durchlebt fühlt man ihre Stimmungen. Es

sind die kleinen Episoden am Rande. Die Strapazen eines

langen – sich selbst auferlegten Weges. Die wechselhafte

Witterung. Oftmals die bedrückende Hitze der Sonne, dann

wieder Regen, der Wege aufweichte und durch die Kleidung

bis auf die Haut drang. Stunden in Begleitung oder

Stunden in Einsamkeit, nur mit sich selbst und den eigenen

Gedanken beschäftigt. Man vermag sich als Leser in die

Welt eines Pilgers hineinzuversetzen. Ja, man hält selbst

mit dem Buch in den Händen zuweilen inne und stellt sich

wie der Wanderer die Frage: Warum macht sie es? Als müsse

man eine Antwort für sich selbst finden. Die einzelnen

Tagesetappen sind in einer lockeren Art beschrieben. Die

Lektüre macht neugierig, neugierig darauf, die Erleichterung

und Erfüllung eines jeden Abends, die Freude auf

einen neuen Tag intensiv zu erfahren. Jutta Bauer: „Mein

Weg zum inneren Frieden“, Taschenbuch, 119 Seiten, Verlag

durchblick-siegen. Erhältlich im Buchhandel und direkt

beim Verlag.

Eva Herrmann

Nachgedacht

ISBN 978-3-9812018-6-4

12,90 Euro

Unser Redakteur Eberhard

Freundt schreibt im

wörtlichen Sinne über Gott

und die Welt. Er legt hier

mit dem bezeichnenden

Titel „Nachgedacht“ sein

zweites Buch vor. Dabei

handelt es sich um eine

Zusammenstellung seiner

Artikel aus verschiedenen

durchblick-Ausgaben.

Thematisch geht es um

Identitätsfindung, wenn gefragt

wird: „Wer bist Du?“

oder „Was ist Menschenwürde?“

Aber auch Fragen nach Gott, den Religionen und der

Lebensqualität auf unserem Erdball stellt sich der Autor.

Freundts Artikel sind fundiert, informativ und anspruchsvoll,

ohne den Leser zu überfordern. Wer sich mit

den Grundfragen des Lebens befassen will, dem sei dieses

Buch wärmstens empfohlen. Er hilft so dem Leser, sich den

Fragen nach dem Sinn des Lebens zu stellen.

Eberhard Freundt: „Nachgedacht“, Taschenbuch, 228

Seiten. Verlag durchblick-siegen. Erhältlich auch im

Buchhandel.

Horst Mahle

30 25 Jahre durchblick 1/2012


Unterhaltung

Krötenwanderung

von Wilma Frohne

Harald stellte den Fernseher leiser, horchte und ging

dann zum Telefon. Beim Abnehmen des Hörers

tönte lautstark die Stimme seines Freundes: „Da

bist du ja endlich. Kuck ‘ mal in euern Teich.“ Harald hatte

keine Lust auf ein Schwätzchen. Er wollte im Fernsehen

das Autorennen verfolgen, auf das er sich schon lange gefreut

hatte, und sagte: „Ich weiß. Der Springbrunnen läuft.

Wir reden später, ja!?“ Beim Auflegen hörte er: „Kröte!“,

riss den Hörer ans Ohr und fauchte: „Was soll das!?“ „Reg

dich ab. Du bist nicht gemeint. Ihr habt Kröten.“ „Waaass?“

„Du hast dich nicht verhört. Tschüss.“

Einige lange Schritte,

und der junge Mann stand

am Gartenteich. Die Wasseroberfläche

war spiegelglatt.

Die Fische schwammen

ruhig. „Philipp hat

geträumt“, brummte er,

drehte sich um und blickte

durch die offene Terrassentür

auf den Fernseher.

Der Ferrari schoss gerade

durch die Südkurve. Hinter

Harald platschte es.

Er schaute zurück zum

Teich, sah, wie etwas dunkel

Glänzendes verschwand und starrte auf die größer und

gleichzeitig flacher werdenden Kreise des Wassers.

Auf dem Bildschirm jagte Mercedes den Ferrari und

die Stimme des Reporters sprudelte vor Begeisterung.

Harald seufzte. „Ich hätte so gern das Rennen verfolgt.

Aber ich muss wissen, ob wirklich Kröten im Teich sind.“

Er klopfte eine Zigarette aus der Schachtel. Gleichzeitig

mit dem Schnippen des Feuerzeuges gluckerte das Wasser.

Eine Krötenfrau, mit ihrem Männchen auf dem Rücken,

war in der Mitte des Teiches aufgetaucht und schwamm

zum Schilf. Harald stand ganz still, sah den Tieren gebannt

nach, und der Wind blies die Flamme des Feuerzeuges aus.

„Philipp hat tatsächlich richtig gesehen!“

Im sonnigen Frühlingswetter setzte er sich draußen in

einen Sessel, starrte zum Schilf und dachte: „Kröten wandern

doch immer zu ihrem Laichgewässer zurück. Und

dieser Teich ist neu. Sie können also im vergangenen Jahr

nicht hier gewesen sein. Warum sind sie bloß nicht wie

sonst zum Naturschutzgebiet marschiert? Wegen der Krötenwanderung

ist doch seit Mitte des Monats nachts sogar

die Moorstraße gesperrt.“

Wieder gluckerte das Wasser. Noch ein „Huckepack-

Pärchen“ tauchte auf und ruderte zu den Rohrkolben. „Wir

haben doch einen Teich für Fische und nicht für Kröten

angelegt“, knurrte er, steckte sich die nächste Zigarette an

und betrachtete die warzigen und irgendwie lehmfarbenen

Gesellen. Zählen konnte er die Punkte auf ihren Rücken

allerdings nicht, doch wegen der schlanken Körper vermutete

er, dass es sich nicht um Kröten, sondern um Frösche

handelte.

„Ob sie im Dunkeln auch anfangen zu quaken und wir

heute Abend ein Froschkonzert hören?“ Harald schaute

zum Fernseher. Der Spaß am Autorennen war ihm jedoch

verleidet, obwohl sich der Abstand zwischen Ferrari und

Silberpfeil verringerte.

Er lehnte sich im Sessel

zurück und überlegte, dass

allein zwei Pärchen schon

drei- bis viertausend Eier

oder sogar das Doppelte

ablegen und somit für sehr

viel Betrieb im Teich sorgen

könnten. Eine Menge

der Eier und Kaulquappen

würden zwar Fische und

Wasserinsekten fressen,

aber wenn nur einige groß

werden, ist der Teich bald

zu klein. Es werden auch

bestimmt Reiher angelockt,

und die sind dann mit so einem Häppchen nicht zufrieden.

Sie picken sich gleich noch einen Fisch mit heraus.

Doch wenn die Froscheltern blieben, könnten sie mit ihrer

langen klebrigen Zunge im Sommer viele Mücken fangen.

Und Schnecken, die sie sogar mit ihrem harten Haus verspeisen

würden.

Harald wählte Philipps Nummer: „Du hast recht. Wir

haben Frösche. Was kann man denn gegen dieses Krötenzeug

tun?“ „Mach dir keine Sorgen. Die Hüpfer verschwinden

sowieso von allein wieder dorthin, wo sie her gekommen

sind, sobald sie ihre Eier abgelegt haben.“ „Und dann

bevölkert ihre Brut den Teich.“ „Na ja, Du könntest ihre

Laichketten mit dem Käscher abfischen, in einen Behälter

stecken und zum nächsten Gewässer bringen.“ Philipp kicherte.

„Du könntest aber auch eine Zucht aufmachen und

dann öfter preiswert Froschschenkelsuppe essen.“ „Also

weißt du…!“

Foto: www.wikipedia.de

Über den Baumkronen färbte sich der Himmel purpurn.

Es wurde kühl. Harald ging ins Wohnzimmer, schloss mit

einem finsteren Blick auf den Teich die Terrassentür und

verfolgte dann gespannt die über den Bildschirm flimmernden

Höhepunkte des Autorennens. ●

1/2012 25 Jahre durchblick 31


Unterhaltung

Jahrmarkt der Eitelkeiten

Glamour, Klatsch und Paparazzi

Lady Gaga

Was einmal die

Hofberichterstattung

war,

ist heute zu einem riesigen

Geschäft geworden.

Nicht nur die Regenbogenpresse

berichtet

in sogenannten People

Magazinen und diversen

Klatschblättern über Prominente.

Auch jeder größere

TV-Kanal hat eigene

Formate, die sich mit der

Glamourwelt befassen.

Die Amerikanerin Elsa

Maxwell (1883–1963)

gilt als Mutter des heutigen

Boulevardjournalismus. Wie im 19. Jahrhundert Damen

der Gesellschaft einen Salon führten, um mit interessanten

Menschen

zusammenzukommen

Marcel Proust

hat in seinem

Roman „Eine

Liebe Swanns“

1913 den Salon

der Sidonie

Verdurin

in Paris detailliert

beschrieben

– oder wie

Bertha Zuckerkandl

in Wien

einen Salon

Maria Callas

führte und in

ihren Erinnerungen

1892–1942 über Begegnungen mit Prominenten aus

Kunst, Wissenschaft und Politik „aus dem Nähkästchen“

plauderte, so etablierte sich auch Elsa Maxwell erst in Europa,

später in New York und Hollywood als Gastgeberin der

High Society. Sie war eine Netzwerkerin, würden wir heute

sagen und vermarktete ihre Party-Geschichten anschließend

in zahlreichen Zeitungen und auch im Rundfunk. Sie schrieb

tägliche Kolumnen über ihre Begegnungen mit Künstlern

(Maria Callas etwa oder Rita Hayworth) und über Mitglieder

des europäischen Hoch- oder des globalen Geld-Adels (Aristoteles

Onassis z.B.). Ihre spitze Feder konnte vor allem in

Hollywood Schauspieler-Karrieren forcieren oder beenden.

In Deutschland und Österreich waren die führenden

Gesellschaftskolumnisten Hannes Obermaier (Pseudonym:

Hunter, (wie passend: Jäger), Roman Schliesser, der für die

Kronenzeitung von 1966–1993 als „Adabei“ (auch dabei)

die Wiener Prominenz vor allem auf den jährlichen Opernbällen

begleitete und Michael Graeter, der viele Jahre für

die Münchner Abendzeitung und die Bunte in Münchens

„Bussi-Bussi“-Gesellschaft unterwegs war.

Seit dem TV-Ereignis „Kir Royal“ (1986 Regie: Helmut

Dietl) mit Franz Xaver Kroetz (spielt den Klatschreporter

Michael Graeter) und Dieter Hildebrandt (spielt den Fotografen

Franz Hug), sind wir alle bestens informiert, wie so

Promi-Geschichten gemacht werden, oder gemacht werden

könnten. Ebenso war der Urmünchner Journalist Sigi Sommer

aus der Berichterstattung der Münchner Szene nicht

wegzudenken. Von 1949 bis 1987 erschien in der Abendzeitung

seine ungeheuer erfolgreiche Kolumne „Blasius,

der Spaziergänger“, in der er kleine Begebenheiten aus dem

Münchner Alltag, aber auch aus der Welt der Schickeria

zum Besten gab. Die Münchner liebten den Paradiesvorgel

Sigi Sommer, der schon immer in Lederjacke, Jeans und

weißen Turnschuhen durch die Straßen lief, lange bevor

das „Mainstream“ wurde. Deshalb gibt es in München auch

in der Rosenstraße am Viktualienmarkt eine Bronzestatue

vom Spaziergänger Sigi Sommer.

Auch der heutige Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner

(Post von Wagner) war in diesem Metier unterwegs und

über Jahre Chefredakteur der Bunten Illustrierten. In diesem

Geschäft wird viel Geld verdient und nicht wenige ge-

Else Maxwell,

die Mutter des

Boulevardjournalismus

(links)

und deren

Opfer, Lady Di

(rechts), mit

ihrer Schwiegermutter,

Königin

Elisabeth II.

Brigitte Bardot

6 Fotos: www.wikipedia.de

32 25 Jahre durchblick 1/2012


Unterhaltung

hen für die Sensation und das heiße Bild „über Leichen“.

War Lady Di, die meist fotografierte Frau der Welt, Opfer

der Paparazzi?

Paparazzi werden die Fotografen genannt, die Prominente

unerwünscht auf Schritt und Tritt verfolgen. Seit Fellinis

Film „Das süße Leben“ aus dem Jahr 1960 hat sich

dieser Begriff verbreitet. Fellini hatte der Name Paparazzo

eines Hoteliers so fasziniert, dass er ihn für seinen Film

übernahm. Hier verfolgte der Fotoreporter Paparazzo die

Schauspielerin Anita Ekberg, die am römischen Fontana

di Trevi allerdings bereitwilligst mit ihren üppigen Kurven

posierte und so weltberühmt wurde.

Insider haben es natürlich leichter und müssen nicht

mit der versteckten Leiter im Wald auf einen guten Schuss

ins Privatleben der Schickeria warten. Gunther Sachs etwa

oder die sogenannte Mamarazza Marianne Sayn-Wittgenstein

haben auch Tausende von Insider-Fotos gemacht und

gehortet. Die über 90-jährige „Manni“ Sayn-Wittgenstein

hat über 250.000 Fotos archiviert und verkauft noch heute

Bücher mit ihren Fotos, die aber nie indiskret sind. Über

30 Jahre veranstaltete sie ländliche Mittagessen in Fuschl

während der Salzburger Festspiele und hatte da natürlich

die beste Gelegenheit als Gastgeberin ihre Gäste mit der

Kamera festzuhalten. Sie war auch mit Gunter Sachs

befreundet, der seinerseits zugleich Fotograf war (Mode

und Kunst) aber auch ein Gejagter als Mitglied des Jet-Sets.

Doch gute Journalisten in diesem Metier erfahren viel,

behalten aber auch manch brisante Neuigkeit - zumindest

ein paar Tage - für sich. So auch Michael Graeter. In seiner

Autobiografie „Extrablatt“ (2009) erzählt er über die

Lovestory des Jahrzehnts, über Brigitte Bardot und Gunther

Sachs. 1966 hatte ihm ein Grenzbeamter den Tipp gegeben,

dass Gunter Sachs und Brigitte Bardot gemeinsam am

Flughafen Riem gelandet seien und mit unbekanntem Ziel

unterwegs seien. Graeter recherchiert und geht mit einem

Fotografen auf die Pirsch. Das wäre eine Sensation, als

erster über eine Romanze zwischen Deutschlands bekanntestem

Playboy und der Schauspielerin zu berichten. B.B.

der Liebestraum von Millionen von Männern, blond, lasziv,

verführerisch. „Dann steht sie da, die schönste Frau der

Welt, in verwaschenen Jeans und barfuß. Eine Eva, die vom

Himmel gefallen ist.“ Graeter hat seine Geschichte und Fotos

im Kasten mit dem Deal: Er hält die Sensation unter

Verschluss, bis die beiden das „Liebesnest“ bei Rosenheim

wieder verlassen haben. Kein Konkurrent bekommt Wind

von der Sache, bis das Paar verschwunden ist und Graeter

seine Story zur Schlagzeile in der Abendzeitung macht.

1966 heirateten B.B. und Gunter Sachs in Las Vegas. Die

Ehe endete nach drei Jahren.

Besonders beliebt sind nach wie vor Meldungen und

Bilder aus der Welt der Monarchien. Nur diese Häuser haben

PR-Abteilungen, die meist die Berichterstattung steuern.

Bei Lady Di war das anders, erst spielte sie mit der

Presse, dann konnte sie „die Geister, die sie rief“ nicht

mehr zügeln. So suchen auch viele Stars, Sternchen und

It-Girls * den roten Teppich und das Blitzlichtgewitter der

Fotografen, um bekannt zu werden. Ein tiefes Dekolleté

hilft immer noch dabei.

Da wir nun kein Königshaus mehr haben, müssen unsere

Politiker für Klatsch und Tratsch herhalten. Immer wieder

gibt es „Home Stories“ von Politikern, vor allem vor anstehenden

Wahlen. Da macht es sich gut, die heile Welt – eine

glückliche Ehe und Familie – ins rechte Scheinwerferlicht

zu stellen. Doch immer wieder „fliegt“ manch Politiker auf,

wenn pikante Details über Affären öffentlich bekannt werden.

Karl Theodor zu Guttenberg oder auch aktuell Christian

Wulff sind gute Beispiele, die zeigen, wie Karrieren

auch medial gemacht und zerstört werden.

Adlige sind oft wie scheue Rehe, die die Öffentlichkeit

meiden. Umso mehr interessieren sich die Leser dafür, was

eigentlich hinter den Schlossmauern passiert. So schlagen

einige Insider selbst Kapital aus der Neugier des Publikums

und öffnen ihre Schlösser und Gärten, schreiben Bücher

und gehen in Talks hows, etwa Fürstin Gloria von Thurn

und Taxis. Oder sie schreiben selbst für die bunten Blätter

wie Alexander von Schönburg. „Noblesse oblige“ heißt ein

Buch von Christine Gräfin von Brühl, in dem sie mit einem

Augenzwinkern über den Adel erzählt, was man schon immer

wissen, aber nie erfahren sollte.

Eine Medienwelt ganz ohne Glamour und Klatsch über

Prominente, Sternchen und Stars (wie Lady Gaga) wäre

doch langweilig.

Tessie Reeh

*Mädchen mit dem gewissen Etwas

1/2012 25 Jahre durchblick 33


Kultur

Das besondere Konzertjahr

Große Konzert-Aufführungen verlangen viele Probestunden.

dieses Werkes miterleben. Das Oratorium „Die Schöpfung“

thematisiert die Erschaffung der Welt, wie sie im 1. Buch

Mose der Bibel erzählt wird. Die drei Erzengel Gabriel, Uriel

und Raphael, als Solisten, erzählen in Rezitativen die Schöpfungsgeschichte.

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde,

und die Erde war ohne Form und leer,

und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe.

Philharmonischer Chor Siegen und der Chor des

städischen Musikvereins Hamm während der Probe

Seit über zwei Jahrzehnten bin ich nun schon Mitglied

und aktive Sängerin im Philharmonischen Chor, freue

mich immer noch auf jedes Konzert und nehme möglichst

an allen wöchentlichen Proben teil. Vor jeder Konzertaufführung

kommt noch zusätzlich eine Wochenendprobe

– samstags und sonntags – mit jeweils circa sechs Stunden

hinzu. An diesem langen Wochenende sind wir Sänger besonders

aktiv und voller Energie, denn diese beiden Tage bestehen

nur aus Musik. Die letzten Unsicherheiten werden ausgeräumt

und mancher Takt oder auch mancher Einsatz werden sooft

wiederholt, bis der Dirigent das hört, was er hören möchte.

Das schult in den vielen Jahren der Übung auch das Ohr eines

Laien und das sind wir ja alle. In allen Konzerten werden wir

von den Sängerinnen und Sängern des „Städtischen Musikvereins

Hamm“ kräftig unterstützt. In diesem Jahr stehen nun

besondere Werke zur Aufführung auf unserem Programm.

Den Auftakt gibt die Aufführung des bekannten Oratoriums

„Die Schöpfung“ von Josef Haydn (1732–1809). Haydn

war während seiner Englandbesuche sehr beeindruckt von

den Oratorien Händels und wurde dadurch angeregt, auch ein

Werk mit einer solchen Klangfülle zu schreiben. Zurück in

Wien bekam er einen Auftrag und arbeitete an dieser Komposition

fast bis zur Erschöpfung, konnte aber noch die Erfolge

Autorenfoto

Der Chor singt die großen Passagen, die jeweils am Ende

eines jeden erschaffenen Tages ertönen. Der Zuhörer wird

durch die Musik voll mit in die Erschaffung unserer Erde

einbezogen.

Kaum ist die Musik von Haydn verklungen, der übrigens

auch unsere Nationalhymne komponiert hat, nehmen wir an

dem Eröffnungskonzert der 2. Siegener Biennale teil. Zur

Aufführung kommt die „Auferstehungssinfonie“ von Gustav

Mahler (1860–1911). Mahler begann schon sehr früh

mit seiner musikalischen Ausbildung. Bereits mit 10 Jahren

trat er zum ersten Mal als Pianist auf und galt zu seiner Zeit

als einer der größten Komponisten, Dirigenten und Operndirektoren.

Mahler, Sohn einer jüdischen Familie, ließ sich

taufen und konvertierte zum Katholizismus. Auf Grund von

Krankheiten und Lebenskrisen befasste er sich mit Tod, Auferstehung

und Erlösung des Christentums und setzte diese

Gedanken in Musik um. Die „Zweite Sinfonie“ oder auch

später „Auferstehungssinfonie“ genannt, ist das Monumentalwerk

des Komponisten, welches jeden einzelnen Sänger

herausfordert. Erst im fünften Satz kommt der Chor mit ca.

250 Sängern zum Einsatz.

Aufersteh`n, ja Aufersteh`n

wirst Du mein Staub, nach kurzer Ruh.

Unsterblich Leben! Unsterblich Leben

wird, der Dich rief, Dir geben.

Wieder aufzublüh`n, wirst Du gesä`t!

Der Herr der Ernte geht

und sammelt Garben uns ein, die starben!

Josef Haydn

Gustav Mahler

Ludwig van

Beethoven

Felix Mendelssohn-Bartholdy

4 Fotos: www.wikipedia.de

Dieses Werk werden wir

gemeinsam mit der Evangelischen

Kantorei Siegen aufführen.

Der „Klassik Sommer

Hamm 2012“ steht ganz im

Zeichen Beethovens (1770–

1827) – alle neun Sinfonien

34 25 Jahre durchblick 1/2012


Kultur

dieses großen Komponisten werden aufgeführt. Die „Neunte

Sinfonie“ endet im Finale mit einem Chorsatz. Als Text

wählte Beethoven den Text von Friedrich Schiller der „Ode

an die Freude“.

Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium!

Wir betreten feuertrunken, Himmlischer Dein Heiligtum!

Diese „Schicksalssinfonie“ in D-Moll ist Beethovens

letzte, vollendete Komposition und heute weltweit eines der

populärsten Werke klassischer Musik. Sie ist ein Appell an

die Verbrüderung aller Menschen und wird bei besonderen

geschichtlichen Ereignissen, wie dem Mauerfall 1989 in

Berlin, gesungen.

Ende des Jahres werden wir dann noch eines meiner

Lieblingswerke aufführen „Elias“ von Felix Mendelssohn-

Bartholdy (1809–1847). Es ist ein umfangreiches Oratorium

nach Worten des Alten Testaments über die Geschichte des

biblischen Propheten Elias. Mendelssohn-Bartholdy hat sich

viele Jahre mit dieser mächtigen Gestalt des Propheten befasst

und wünschte sich auch für seine eigene Zeit einen solchen

starken, eifrigen und manchmal auch zornigen Mann.

Dieses gewaltige Werk gibt in Rezitativen und Chorpassagen

die Not des Volkes Israel wider, welches durch seine

Vielgötterei mit einer großen Dürre bestraft wird. Elias will

das Volk wieder zu dem einen Gott zurückführen und kämpft

gegen die Götter Baal. Er ruft und bittet den einen wahren

Gott um Regen, damit die Trockenheit des Landes endet.

Schließlich, nach langem Ringen, wird sein Flehen erhört

und „die Wasserströme ergießen sich“.

Mendelssohn selbst bringt dieses Werk in England noch

unter seinem Dirigat zur Aufführung und erntet einen nicht

enden wollenden Applaus.

Er stirbt mit 37 Jahren - viel zu jung für so einen begnadeten

Künstler.

Diese vier großen Aufführungen werden uns durch das

Jahr führen, sie erfordern zwar viel Übung und Disziplin,

schenken uns dafür aber große Freude.

Helga Siebel-Achenbach

Wir bieten:

Garten- und Landschaftsbau

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Grabpflege und - anlage

auf allen Friedhöfen im ganzen Siegerland

Deutsche Sprak,

schwere Sprak

So oder ähnlich hört man Menschen reden, die

Deutsch lernen. Aber es kann mit der Sprache

nicht anders sein, als mit jedem anderen Lerngegenstand

auch. Immer setzen die Götter vor den Erfolg

den Schweiß. Und wer nicht die Regeln und Gesetzmäßigkeiten

lernt, wird versagen. Viele Ausländer sagen,

dass die deutsche Sprache eine schwere Sprache sei.

Aber genau das macht ihren Wert und ihre Schönheit

aus. Hat man einmal ein Gefühl für sie entwickelt, wird

es schmerzlich aufstoßen, wenn diese Schönheit immer

wieder zerstört wird, weil der Sprecher die Regeln nicht

gelernt hat.

Die deutsche Sprache ist für uns das stärkste Kommunikationsmittel.

Sprache ist Kultur schlechthin. Geht

sie zugrunde, geht unsere Kultur zugrunde. Man braucht

nur etwas genauer in die Tageszeitungen zu sehen, so findet

man Fehler zuhauf. Aber wenn so genannte gebildete

Leute - in diesem Fall eine etwa 35jährige Akademikerin

- zu ihrer Kollegin äußert: Die Kriege von Friedrich dem

Großen haben dem Staat viel Geld gekostet, so braucht

man sich nicht zu wundern,

wenn es der deutschen

Sprache schlecht

geht, bis sich durch solche

Schludrigkeiten echte

Verständigungsschwierigkeiten

ergeben, als

Ergebnis mangelhaften

Lernens der Grundregeln.

Wer sich aber bemüht,

wird bald erkennen, wie

schön und reich die deutsche

Sprache ist, die einen

Vergleich mit anderen

Sprachen nicht zu scheuen

braucht. ●

Der Kommentar

Foto:Gottfried Klör

... aus Tradition

Heute von

Johannes Buhl

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steht unser Gärtnereibetrieb

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1/2012 25 Jahre durchblick 35


Mundart

„Armer Schnierer“!?

Foar langer Zitt schdonnen de Schnierer en däm Rof,

beddelarm ze sin, wail de Arwet met d‘r Noal me als

schleacht bezalt wuer. Ain „Taler” gräj en Schnierer

eher emol bi de riche Schdattli, om Land goabet dofoar Naduralien

on dä Räst wuer noch met Grosche afgeschdoddert.

En Schnierer – so d‘r „Volksmund” – lef och merrem gefleckde

„Gewand” (A‘zoch) rem, woar schbendelderr, d‘rzo

schdännich henner d‘r Arwet on d‘m Gäld hear, em sin Familie,

finanziell gese‘, „ewer de Ronde” ze bränge.

Bi os d‘rhaim woar darre glai bessje annerscht. Min Fadder

hadde als Schnierer och net emmer en fäsde Arwets‘schdäll,

woar fa Zitt zo Zitt arwetslos, bes dä Ma met däm „Hitlergros”

kom. En d‘r Grechszitt woar hä als Schnierer bi d‘r

„Wehrmacht” om „Heidenberg” ageschdällt. En de jonge

Joarn biem Botzebänner Kaufhaus Bender en d‘r Kölner

Schdrose, schbäer biem Schneider Wibbel Kaufhaus Schneider

am Kölner Tor on em „Kaufhof am Mart”. Owends awer

arbde hä emmer noch d‘rhaim, oft bes en de Nacht ren, em

met d‘r Schär, d‘r Noal on d‘m Bejjel‘ise di Li, di sech dat

laisde konnen, fa usse got uss‘se ze loase. Alles no „Mass”

gearbt! On de bäsde Schdoffe foarn A‘zoch, Mantel orrer e

Kundschaft gesocht

Kostüemche, bezog min Fadder uss England. „Kleider machen

Leute”, e al Schbrechwoart, dat och ho‘zedach a sinner

Faszination niks ferloarn hät.

Jo, on min Modder, di besorgde da de Kundschaft. Si hadde

en gleckliche Hand d‘rfoar, d‘r rechdiche Geschäfts‘senn, wi

m‘r so sät. Ain Frou hoarde emo, wi en anner zu ner annern säde:

„Do henne geart de Frou – sowiso – ! Wi got di werrer

a‘gedo es! – Dat moss di och, dä Ma es doch Schnierer!”

– Hozedach kenn m‘r sä: „Guckt emol, do laift se werrer

‚Reklame‘ foar ear Ma!”

So arbde min Fadder foar Wiertsli, Metzeler, Konditern,

och finanziell got geschdallde Büerograde. A ain Ma ka ech

mech noch besonnerscht erennern, dä hadde en „Bockel” fa

Gebuert a – woar arich schäb of ainer Sidde. Hä kom aimo

em Joar on les sech jedesmol ussem bäsde Schdoff en A‘zoch

schnierern. Min Fadder härren „Schdotskalle” uss däm gemacht.

Bim Jacket wuer ain Scholler so uss‘schdafiert, dat dä

Bockel kumm ze se woar, on dä Ma da met scheane, braire

Schollern remlef. Aijendlich hädde dä sech dat garnet laisde

konn, hät det ganze Joar d‘rfoar geschbart – doch em näjje

A‘zoch woar hä „smart”.

Botzedäsche foar „Meyer's Minister“

Mier hadden d'rhaim noch Wochedachs- on Sonndachs-Glearer.

Wollden min Ällern am Wochänn

„ussgo”, wuern de “gore Glamodde” ussem

Schrank gehoalt. „Nobel geht die Welt zugrunde” – on nie

one Hod! Min Fadder bejjelde sech extra noch d'r Gneff em

Hod zerächde, min Modder hadde en gore Hodmacherin, di dä

neme moderne Hod emmer werrer em'arbde. Si mossden aifach

„Schdot” mache, got a'gedo sinn – d'r „Kundschaft” wäje.

Ze A'fang, bes Medde de drissicher Joarn onnernomen

min Ällern altmo „Werbungswirksame Wiertschaftsbesoche”.

On ech duerfde emmer met d'rbi sinn. Am bäsde

gefel'et mier en d'r Wierts'schdoab fam „Meyer's Minister”.

Hä mossde altemo näjje Botzedäsche foar dat fele Glaigäld

ha, warre zom Russgä br'uchde. On di Botzedäsche, di uss

besonnerscht fäsdem Schdoff, draifach genät, groas on lang

sin sollden, mog min Fadder. Awer ergendwann hel dat fele

Gegrabsche no de Grosche en de Botzedäsche och d'r bäsde

Schdoff net uss, on da gräj min Fadder werrer wat ze

fer'den. Derwäje gengen mier jo och dohin, on soasen m'r

a osem Desch en d'r Wiertsschdoab, brochde d'r „Meyer's

Minister” glich en Wa'choller foar min Fadder, kuerz d'rno e

Pils, min Modder gräj e Likörche, ech Gleckerwasser. Schbäer

beschdalten sech min Ällern altmo Doffelnsalot on haisse

Wierschdscher met arich fel scharfem Senf. Fa jedem gräj

ech wat of en glaine Däller – nuer kän Senf – dä es ze scharf

foar dech, dä macht „fräch”.

Foar de Ässeraij woar de Frou Meyer zoschdännich, on

die schoab da de beläde Dällern duerch e glai Fesderche fa

d'r Keche uss en de Wiertsschdoab. Mänchmol gräj ech fa ear

en glaine „Nodesch“. Pudding met Hembernsosse orrer en

Koggel Iss merrem Wäffelche. Schbäer kom da d'r „Meyer's

Minister” mem Praline-Karrussell a d'r Desch – e Rondell

met sechs Dorde-Schdeckelsches Schublade zom „Drellern”

(remdrä), wo Pralincher dren logen. Merrem Dräknobb konn

m'r sech ai Schublädche uss'soche, schmess zwanzich orrer

drissich Pänning en'nen Schletz, zog am Lädche on nom

sech da dat Schnuckzich. Mier schmoken de Pralincher

met Marzipan foar zwanzig Pänning. Min Modder nom di

em Selwer- orrer Gold-Staniolbabier, ennedren Ejjer- orrer

Kirsch-Likör – ai foar drissich Pänning. Min Fadder dronk

ser lewer en Schnabbs! On ech schbelde hennerhear met de

Schdaniol'babiercher.

Wollden de Li bezaln, ha ech emmer met groase Auge zogeguckt,

wi d'r „Meyer's Minister” uss d'r lenke Botzedäsche

en Handfoll Glaigäld zom Wearseln russhoalde. Zwesche

Grosche, Fenfer on Pänninger glitzerden de Mark-, Zwomark-

on Fenfmarkschdecker. Form Bu'ch heng en Learerdäsche

foar'd Babiergäld; wuer awer de lenke Botzedäsche

36 25 Jahre durchblick 1/2012


Mundart

ze schwear, wannerden Mark-,

Zwo- on Fenfmarks'schdecker

of de rächde Sidde. Wail dat fele

Gäld de Botze no onne zog,

wuer di duerch braire Botzeträger

„en Form” gehale, do da

kom en Wäsde drewer – och fa

minnem Fadder geschnierert.

Als mier os erjendwann

emo of d'r Haimwäch mache

wollden, gräj ech fa d'r Frou

Meyer en decke, blankgebotzde

roare Abbel, wail di wossde,

darrech gäg of Äbbel woa – d'r

„Minister” awer säde noch:

„On wann d'r earschde Pänning

duerch det Botzebai fällt, br'uch

ech werrer naijje Botzedäsche.“

„On fa mier gore Geschäfde,

domet Si fel en de Botzedäsche

griffe mosse“, säde min Fadder.

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Nom Grech hadde min Fadder so fel ze do, dat hä en

Zittlang „Sälbst'schdännich” woar. „Ambulanter

Gewerbetreibender”, sät det Finanzamt d'rzo. Als de

Englänner en Seje schdationiert, schbäer da de Belgier komen,

rannden os nämlich de „Besatzer” de Bude en. Genau

wi bi d'r „Deutsche Wehrmacht”, wo min Fadder em Grech

en d'r „Heidenberg-Kaserne” of d'r Schnierer'schdob arbde,

lesen sech itzend finanziell gotgeschdallde englische, on da

belgische Offiziere privat – och werrer fa de bäsde Schdoffe,

di se awer sälwer besorge mossden – ear „Sonndachs-Ussgo-

Uniforme” schnierern. Begleche wuer de Arwet genau wi

domols bi dä deutsche Offiziere, maisdens met Naduralien.

Glaigäld gobet awer och.

Itzend logen bi os d'rhaim Schdangewis de Zigaredde rem.

Min Modder feng de Raucheräj a, min Fadder gräj decke, diere

Zigarrn. Ze Ässe hadden mier me als genoch. Englänner on

Belgier brochden Bodder, Ejjer em Dotzend, Kekse on Koche

en Staniol'rolln ferpackt, net ze fergässe di groase Dafeln belgische

Schokkelade, Schenke on allerläj Wuerscht en Doase,

Fätt on Schbäck, Mäl on Zucker. Doch det Bäsde fa allem

woarn de Kafeboane, hell, o'gebrannt. Dat woar wat, wann di

Boane zom Resde en d'r Pann logen, dä Geroch zog duerch det

ganze Huss, sogar of d'r Schdrosse zogen de Li de Nas hoch,

dänn Boanekafe konn m'r domols net kaufe.

Fa dä Zitt a gräjen mier fel Besoch uss d'r Nochberschaft

zom „Boanekafedrenke”. Ain Nochbersch fä näwe a kom on

säde: „Bi ou ruchdet so got, darf ech emo rennkomme?” Min

Modder fräjjde sech, all woarn gearn gese', gräjen me als ai

Käbbche Kafe, ronne Kekse, d'rbi noch en Zigaredde. Jedem

lef det Hearz ewer on et wuer fel gelällt. Mier hät dat wane

Usslännische Kundschaft

Schbass gemacht, warrech do all ze hearn gräj! Kenner, di net

fam äjene Ma woarn, wä met wäm „fremd geng”. Och ewer

„englisch- on belgisch-deutsche” Liebschafde wuer geläsdert.

Doch di „Sensation” fa allem - ain Frou uss d'r Nochberschaft

woar of aimol en Ma. Nä, wat wuer sech do det Mull zerresse!

On det Käbbche Kafe schmok noch emo so got.

Met d'r Zitt gräjen min Ällern emmer me Gewecht of de

Wog, on earjendwann, so em 1949 rem ferlor sech dat met

d'r usslännische Kundschaft. Läwensmeddel konn m'r werrer

en de Geschäfde kaufe. Min Fadder hadde em Kaufhof

en Arwets'schdäll em Ferkauf en d'r Hearrn-Abdailong on

als Ännerongs'schnierer agenomme. D'rhaim härre och noch

gearbt, maisdens jedoch brochden de Li ear Glamodde zom

Ännern, dänn m'r konn no alles got passend on belliger – „fertig

fa d'r Schdang” kaufe. „Armer Schnierer”?! Gerda Greis

Schneiderstube 1925 – Schneider Wibbel am Kölner Tor

Autorenfoto

1/2012 25 Jahre durchblick 37


Warum sollten Besucher

nach Siegen kommen?

Foto: Fritz Fischer

Fast in der Mitte Europas liegt die Stadt, die vielen

nur dem Namen nach bekannt ist, an der der Reiseverkehr

über eine der jüngsten Autobahnen im

schnellen Tempo vorüberrauscht, und nur ein Blick auf

die Tourenkarte zeigt, dass vielleicht ein kleiner Imbiss

an der Siegerland-Raststätte fällig wäre.

Siegen, wer kennt diese Stadt, die auf den ersten Blick

für sich kaum etwas Spektakuläres in Anspruch nehmen

kann? Gewiss, von der Autobahn fällt der Blick in eine

hübsch bewaldete Landschaft, kleine schwarzweiße Fachwerkorte

schmiegen sich in die Täler, ziehen sich über

die Höhen, aber lohnt es sich, hier einen Aufenthalt zu

planen?

Aber hier wie andernorts zeigen sich Welten, die sich

nur dem interessierten Betrachter erschließen und ihm

plötzlich zeigen, dass es nur um sein Interesse geht, wenn

er seinem Leben neue Impulse geben will. Und das kann

er hier in ausreichendem Maße, denn die Geschichte des

Siegerlandes zeigt, dass dieser Teil Deutschlands zu Unrecht

in Vergessenheit geraten ist.

Siegen, die südlichste Großstadt von Nordrhein-Westfalen,

die seit den siebziger Jahren eine Universität beherbergt,

die von ihrer Struktur her in Deutschland keineswegs

zu den Unansehnlichsten gehört, wenn sie auch den

Liebreiz südlichen Flairs nicht aufbringen kann, ist keine

typische Universitätsstadt. Kaum fallen die Studenten auf.

Aber über siebzig Museen und Galerien zeugen von regem

Interesse seiner Bewohner an Kultur und Bildung,

und jahrhundertealter Fleiß wird nicht nur durch die in

Deutschland einmalige Haubergswirtschaft, an vielen

Stellen noch sichtbar, belegt.

Siegen, Hauptstadt einer ursprünglich kargen Region,

die ihre Bedeutung aber schon in der La-Tène-Zeit bekam,

als die Kelten bei ihren Wanderungen hier auf Eisenerz

stießen und dieses in sogenannten Rennöfen verhütteten.

Die Felder brachten nur geringen Ertrag, der eigentliche

Reichtum waren in Verbindung mit der Eisenverarbeitung

die riesigen Buchenwälder, die die nötige Holzkohle lieferten.

Noch heute gibt es im Volksmund die Eisenstraßen,

über die die Barren ganz Europa erreichten. Als die Wälder

abgeholzt waren, gesellten sich dazu die neuen Straßen,

über die die Holzkohle aus dem nördlich gelegenen

Wittgensteiner Land in endlosen Wagenzügen zu den

Eisenhütten transportiert wurde. Seit damals beherrscht

das Eisen den Landstrich, und auch heute, nachdem die

Hüttenwerke und Schmelzöfen der billigen Konkurrenz

nicht mehr standhalten konnten, ist die Kleineisen- und

Maschinenbau-Industrie fester Bestandteil der Region.

Wo früher riesige Buchenwälder thronten, spenden heute

weite Fichtenwälder dem Pilger wohltuenden Schatten,

verwachsene Wege führen ihn vorbei an tiefen Schründen

und wilden Bächen zu den alten Straßen, dorthin, wo Eder,

38 25 Jahre durchblick 1/2012


Aus dem Siegerland

Lahn und Sieg ihre jungfräulichen Rinnsale aus dem Boden

drängen, wo Wildschweine und Hirsche durch das Unterholz

brechen oder Rehe, Füchse und Hasen die lichten

Flächen beleben, und wo der Wanderer Burgen oder alten

keltischen Wallanlagen seine Orientierung abgewinnt. War

es hier, wo Balmung, das Schwert Siegfrieds geschmiedet

wurde? Nur die Winde wissen die Antwort und raunen die

alten Sagen und Mären.

Während der Herrschaft des Stauferkaisers Friedrich

Barbarossa gab der Bischof von Trier im Jahre 1160 die

Stadt Nassau im Rhein-Lahn-Kreis dem alten fränkischen

Grafengeschlecht von Laurenburg zu Lehen. Diese nannten

sich seitdem nach der Burg Nassau und verstanden es,

durch zielgerichtete Erwerbspolitik ihren gräflichen Herrschaftsbereich

im Raum des Taunus, des Westerwaldes,

zwischen Main, Mittelrhein, Sieg und Wetterau nach Norden

auszudehnen, bis ihnen 1255 das Gebiet nördlich der

Lahn mit Siegen und Dillenburg zugesprochen wurde. 1386

kam durch Heirat die Grafschaft Diez dazu, 1403 im Gebiet

der heutigen Niederlande u.a. Breda.

Wilhelm I., der Schweiger, (1533–1584) später Prinz

von Oranien und Statthalter der Niederlande, ältester Sohn

von Wilhelm I, dem Reichen, von Nassau-Dillenburg, erbte

nach dem Tode seines kinderlos verstorbenen Vetters René

(1519–1544) aus der Dillenburger Linie das Fürstentum

Orange in Burgund und ausgedehnte Ländereien in den

Niederlanden.

Um die Macht Philipps II. von Spanien (1555–1598) und

die blutige Terrorherrschaft Herzog Albas (1507–1582) zu

beenden, sammelte er nördlich von Siegen an der Ginsburg

ein Heer, um damit in die Niederlande zu ziehen.

Sein Bruder Johann VI. unterstützte ihn. Die Kernlande

mit Siegen und Dillenburg, vorher dynastisch zersplittert,

vereinigte Johann alle wieder in einer Hand. Nachdem hier

1531 das Luthertum eingeführt worden war, trat Johann

1572 zum Calvinismus über, der heute noch im Siegerland

spürbar ist. Er entwickelte sein Land zu einem Musterstaat.

Es kann nicht verwundern, dass sich der Statthalter

Wilhelm I., Prinz von Oranien, der Stammlande bediente,

als er den Vater von Peter Paul Rubens, nachdem dieser

mit einem Edelfräulein eine nicht standesgemäße Liaison

eingegangen war, nach Siegen in die Verbannung schickte.

Der große Maler wurde dort 1577 geboren. Das Museum

im Oberen Schloss beherbergt sieben seiner bekannten Gemälde.

In den Niederlanden beseitigte das holländische Patriziat

nach dem Tode Wilhelms II. von Oranien, des Enkels

von Wilhelm I., Prinz von Oranien, die Statthalterschaft

der Oranier, berief aber dessen Sohn unter der Bedrohung

Ludwigs XIV. von Frankreich 1672 zum Erbstatthalter.

Damit bildete sich das heute noch regierende oranische

Königshaus.

Eine kunstvolle Architektur wird man im hiesigen

Raum vergeblich suchen. Kirchen aus einer moderneren

Zeit, nüchtern, eher schmucklos, die an den Calvinismus

gemahnen. Nur ab und an ein Kapellchen mit romanischen

Zügen, ein vergessenes Kloster. Relikte einer Zeit, in der

sich der Bischof von Köln und der von Mainz um die Vorherrschaft

stritten und nicht verhindern konnten, dass sich

der Landesherr dem Calvinismus zuwandte.

Eine einschlägige Küche gibt es nicht, aber die Restaurants

bieten ein reichhaltiges Angebot an Speisen, und manchmal

findet man noch ein Gericht aus einer Zeit, die arm war und

man nicht wählerisch sein durfte, denn wie immer und überall

floss der Gewinn des Landes in die Taschen der Adligen und

später einiger Gewerke-Familien, und der Hunger der armen

Bevölkerung war vorprogrammiert, wenn er auch nicht so

groß gewesen sein mag wie in anderen Gebirgsgegenden des

Deutschen Reiches.

Der Dicke Turm in Siegen

2 Fotos: Gottfried Klör

Die Ginsburg bei Hilchenbach-Lützel

1/2012 25 Jahre durchblick 39


Aus dem Siegerland

Interessant ist es, die Besiedelung des Landes zu verfolgen.

Hatten sich in dieser Mittelgebirgslandschaft die ersten

Besiedler dicht neben ihrer

Arbeitsstätte, dem Rennofen,

angesiedelt, wo sie

Wasser und Holz fanden, zogen

die Nachfolgenden nicht

etwa in die Täler, wo sie eher

Schutz gefunden hätten, sondern

auf die Höhen, weil die

Täler versumpft waren und

erst spät trockengelegt wurden. So kommt es, dass die älteren

Ansiedlungen immer die oben gelegenen sind.

Die Sprache, soweit sie noch gepflegt wird, ist ein

niederdeutscher Dialekt mit einem rollenden „r“, so, wie

die Amerikaner das

englische „r“ sprechen.

Es gibt unergründliche Ferne,

raunende Wälder,

geheimnisumwitterte Burgen,

Sprachwissenschaftlich

ein interessantes

Gebiet, weil, bedingt

durch die Besiedlung,

verschiedene germanische

Dialekte aufeinandertreffen

und man

den moselfränkischen, den hessischen und den sächsischen

Akzent sogar heute noch gelegentlich heraushören

kann.

Das im Nordwesten an das Siegerland

angrenzende Sauerland wird

gelegentlich das Land der tausend

Berge genannt. Wenn man will, kann

man das Siegerland als Fortsetzung

betrachten, denn auch hier gibt es

genügend Berge, die sich um 600

Höhenmeter bewegen. Ein Mittelgebirge,

zum Rheinischen Schiefergebirge

gehörend, nicht zu anstrengend,

wenn man es erwandern will, aber

auch nicht ohne Anforderungen, so

dass man seine Kräfte durchaus erproben

kann. Wanderwege gibt es

genug, wenn es sich auch empfiehlt,

eine Karte und einen Kompass mitzunehmen,

wenn man sich nicht einem

Wanderverein anvertrauen will. Auch

die Radwanderer können auf ihre Kosten

kommen, wenn sie einmal die

Höhen erreicht haben. Bis dahin heißt

es allerdings schieben und schwitzen.

Es gibt keine Gletscher, keine

gewaltigen Felsen, keine brausende

Brandung, aber es gibt unergründliche

Ferne, raunenden Wald, geheimnisumwitterte

Burgen, Kleinode in

Museen und Galerien, Herbergen mit

Weite und Ruhe und die Entfernungen

zu den Zentren an Main, Rhein und

Ruhr sind leicht zu bewältigen.

Es lohnt sich, einen Abstecher

zu riskieren und genauer hinzusehen.

Schnell stößt man auf Spuren

der Geschichte und Kultur und stellt

fest, dass man wieder einmal etwas

entdeckt hat, das sich in den Kreis

unseres Wissens wie ein Puzzleteil

einfügt.

Johannes Buhl

40 25 Jahre durchblick 1/2012


Aus dem Siegerland

Stadtreinigung Siegen

Die Stadtreinigung ist

neben der allgemeinen

Sauberkeit zuständig

für die Müllabfuhr,

die Abfallberatung, die

Straßenreinigung und

den Schneeräumdienst.

Indirekt organisiert sie die

Entsorgung von Altpapier,

Altglas und Wertstoffen

(gelber Sack).

Den Großteil der

Müllabfuhr führt die Stadt

mit eigenem Personal

und eigenen Fahrzeugen

durch. Hierzu zählt auch

die Entsorgung des

Restmülls, des Sperrmülls

und der Bioabfälle für

etwa 60.000 Haushalte.

Um unnötige Abfälle zu vermeiden,

können wir alle bei unseren täglichen

Einkäufen darauf achten, Produkte in

Einwegverpackungen zu vermeiden.

Jeder Einzelne kann durch sorgfältige

Auswahl von Waren dazu beitragen,

die Umwelt zu schonen und Geld für die

immer aufwändigere Abfallentsorgung

zu sparen.

Straßenreinigung

Neben der Reinigung

bestimmter Straßen ist die

Abteilung Stadtreinigung

für die Säuberung der

städtischen Grundstücke,

die Reinigung der Fußgängerzonen

und die

Leerung von über 2.000 im

Stadtgebiet aufgestellten

Papierkörben zuständig.

Winterdienst

Im Winter hält die Stadtreinigung

nicht nur die

Fahrbahnen schneefrei,

auch der Winterdienst auf

den Gehwegen an städtischen

Liegenschaften gehört

zum Aufgabenbereich.

Müllabfuhr

In Zeiten knapper werdender Rohstoffe ist es besonders

wichtig, Abfälle getrennt zu sammeln und einer

ökologisch unbedenklichen Verwertung zuzuführen.

Auf diese Weise tragen wir alle ein Stück dazu bei, die

natürlichen Ressourcen zu schonen bzw. eine erneute

Verwertung zu sichern.

Altpapier

Die Entsorgung von

Altpapier ist auf ein privates

Unternehmen übertragen, das

im Auftrag der Stadt Siegen

eine Wiederverwertung sicherstellt.

Altglas / Plastik

Die Entsorgung von

Altglas und Plastik (Gelber

Sack) erfolgt im Rahmen

des Dualen Systems

Deutschland (DSD). Hier

wird die Stadt Siegen lediglich

durch die Bereitstellung

der Wertstoffdepotstandorte

und die Veröffentlichung der

Abfuhrtermine tätig.

Abfallberatung

Weitere Informationen zu

den Themen Stadtreinigung

und Müllabfuhr erhalten Sie

unter:

Stadt Siegen

Stadtreinigung

57074 Siegen

Fludersbach 56

Telefon 0271 / 404-0

www.siegen.de

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Die reinste Freude

1/2012 25 Jahre durchblick 41


VORGESTELLT: KINDERNOTHILFE UND

WOLFGANG HOBINKA

EINE STIMME GEGEN DIE ARMUT IN DER WELT

Vielleicht haben unsere Leser auch

schon den bunten Stand der Kindernothilfe

auf der Bahnhofstraße

in Siegen gesehen, wenn die Mitglieder

des Siegerländer Arbeitskreises Spenden

sammeln mit Flohmärkten, Waffelbacken

und anderen Aktivitäten. Oder Sie haben

vielleicht schon ein von der Kindernothilfe

organisiertes Benefizkonzert erlebt.

Um seine Vorstellung von sozialem

Engagement und einer gerechteren Welt

umsetzten zu können, schloss sich Wolfgang

Hobinka der Kindernothilfe an, die

mit vielen Projekt- und Kinder-Patenschaften

weltweit seit mehr als 50 Jahren

aktiv ist. Durch die Übernahme einer Patenschaft

konnte z. B. der brasilianische

Manoel eine Berufsausbildung abschließen.

Heute arbeitet er in einer Werkstatt

von Honda in Limoiro und hat eine eigene

Familie gegründet. 1996 konnte Wolfgang

Hobinka sein Patenkind Manoel in

seiner Heimatstadt besuchen. Die Patenkinder

erhalten, was sie am dringendsten

benötigen: Gesundes Essen, Kleidung,

medizinische Versorgung, liebevolle Zuwendung

und eine Schul- bzw. eine Berufsausbildung.

In vielen Projekten organisiert die

Kindernothilfe Hilfe für Straßenkinder,

sich eine selbständige Existenz aufzubauen

durch Berufsausbildung, sie hilft

Kinderprostituierten bei der Heilung ihrer

verletzten Seelen, unterstützt Kindersoldaten

bei der Bewältigung ihrer schreck-

42 25 Jahre durchblick 1/2012

Fotos: Manfred Dornseifer (1), Hartmut Reeh (3), Kindernothilfe (1), Archiv Hobinka (4); Collage: Gottfried Klör


lichen Erlebnisse und hilft Aidswaisen.

Weltweit lindern die Helfer die Not bei

der Bewältigung von Naturkatastrophen.

Auf die Frage, ob ihm ein Projekt ganz

besonders ans Herz gewachsen sei, antwortet

Wolfgang Hobinka, dass er dies

gar nicht beantworten könne: „ Dazu gibt

zu viele wunderbare Projekte der Kindernothilfe“.

Unter www.kindernothilfe-siegen.de

finden Sie alle Informationen zu

Projekten, Patenschaften und Unterstützungsmöglichkeiten.

Auch für 2012 hofft die Hilfsorganisation,

die seit 1992 das Spendensiegel als

Zeichen für Seriosität und Spendenwürdigkeit

erhält, auf zahlreiche Spenden.

und „Wer bei uns mitmachen möchte, ist

im Arbeitskreis Siegerland herzlich willkommen“,

gibt mir Wolfgang Hobinka

noch mit auf den Weg.

Neben seiner intensiven Arbeit für die

Kindernothilfe widmet sich Wolfgang

Hobinka seiner Familie, besonders seinen

Enkeln, er trainiert regelmäßig im Turnverein

und freut sich jedes Jahr auf eine

große Rad- oder Bootstour mit Freunden,

diesmal soll es im Sommer nach Irland

gehen.

Tessie Reeh

Zur Person: 1941 in Bratislava geboren;

der Diplom-Betriebswirt war über 20 Jahre

bei der Wittgensteiner Klinik Allianz in

Bad Berleburg tätig; seit 1969 lebt er mit

seiner Familie in Mudersbach.

1/2012 25 Jahre durchblick 43


Das Interview

Seniorenbeiräte fordern Aufnahme in die Gemeindeordnung

Langer Atem ist nötig

durchblick-Interview mit der LSV-Vorsitzenden Gaby Schnell

Gaby Schnell, 1.Vorsitzende

der Landesseniorenvertretung

(LSV) NRW

Im Hinblick auf

den demografischen

Wandel

werden inzwischen

auch stärkere Teilhabe-

und Mitwirkungsmöglichkeiten

von älteren Menschen

im Alltagsleben

und in der Politik

gefordert. In der

durchblick-Ausgabe

Nr. 4/ 2011 hat die

Redaktion daher das

Thema „Mitbestimmung“

als ein wichtiges

Anliegen des

Seniorenbeirates der

Stadt Siegen aufgegriffen

und die zuständige NRW-Ministerin Barbara Steffens

vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege

und Alter (MGEPA) zu diesem Thema befragt. Dabei

ging es vor allem um die Aufnahme der Seniorenvertretungen

in die Gemeindeordnung (GO) des Landes Nordrhein-Westfalen.

Im folgenden durchblick-Interview nimmt

nun Gaby Schnell, die 1.Vorsitzende der Landesseniorenvertretung

(LSV), zum Entwicklungsstand dieser schon seit

langem bestehenden Forderung Stellung.

db: Welche Maßnahmen sind von der Landesseniorenvertretung

NRW (LSV NRW) bisher im Hinblick auf die Aufnahme

der Seniorenbeiräte in die Gemeindeordung (GO)

des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt worden?

Wurden schon entsprechende Gespräche mit der Landesregierung

bzw. dem zuständigen Ministerium geführt?

Gaby Schnell: Seit Gründung der ersten Seniorenvertretungen

vor über 30 Jahren ist die Forderung nach Einbindung

der Seniorenbeiräte in die Gemeindeordnung ein

wichtiges Thema der Landesseniorenvertretung und ihrer

Vorgängerorganisation. Bereits im Jahre 1988 wandte sich

Dr. Groot, seinerzeit stellvertretender Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft

Nordrhein-Westfälischer Seniorenvertretungen

NRW und stellvertretender Vorsitzender der

Bundesseniorenvertretung, mit diesem Anliegen an den

damaligen Staatssekretär Riotte im damals zuständigen Ministerium,

dem MAGS NRW. In der Folge gab es immer

wieder Gespräche und Versuche, Politiker für die Sache der

Einbindung der kommunalen Seniorenvertretungen in die

Foto: LSV

GO zu gewinnen. Insgesamt lassen sich die vielfältigen und

zahlreichen Aktivitäten der LSV NRW seit 1996 aufzeigen

und nachweisen.

db: Wie ist nach Ihrer Einschätzung die Meinung der

einzelnen Parteien im nordrhein-westfälischen Landtag zu

dieser Thematik?

Gaby Schnell: In den Landtagsfraktionen – also auf

der Entscheidungsebene – gibt es immer wieder einzelne

Unterstützer bzw. Wohlwollende gegenüber der Forderung

nach einer Aufnahme der Seniorenbeiräte in die Gemeindeordnung,

neben einer verbreiteten grundsätzlichen Unterstützung

für kommunale Seniorenvertretungen. Allerdings

hat sich, trotz der vielfältigen, stetigen Bemühungen der

LSV NRW, keine der Fraktionen – zu keinem Zeitpunkt von

1998–2010 – für die Forderung der LSV NRW ausgesprochen.

Einzig die Fraktion Bündnis 90/ DIE GRÜNEN tat

dies, als sie der sogenannte kleine Koalitionspartner oder

in der Opposition war. Die seit 2010 im Landtag NRW vertretende

Fraktion DIE LINKE unterstützte die Forderung

in dem bislang einmal geführten Gespräch mit der LSV

NRW. Als Begründung für die Ablehnung der Forderung

wird das sogenannte verpflichtende Konnexitätsprinzip

angeführt. Danach kann das Land – kurz und vereinfacht

gesagt – den Kommunen keine neuen Aufgaben zuweisen,

ohne die Kosten dafür zu tragen. Die kommunalen Spitzenverbände

lehnen die Forderung der LSV NRW ab. Mit dem

Städte- und Gemeindebund gibt es gleichwohl eine fruchtbare

Kooperation. Wichtig ist an dieser Stelle zu erwähnen,

dass die seit 2010 zuständige Ministerin Barbara Steffens

(Ministerim für Gesundheit. Emanzipation, Pflege und Alter,

MGEPA) die freiwillige Gründung und den Erhalt von

Seniorenvertretungen sehr unterstützt. In dieser Form gab

es bislang keine Unterstützung eines zuständigen Ministers

oder einer zuständigen Ministerin. Diese gute Unterstützung

spiegelt sich selbstverständlich auch auf allen Arbeitsebenen

des MGEPA.

db: Gibt es Bestrebungen im Vorstand der LSV NRW,

das Thema „Aufnahme in die Gemeindeordnung“ in Kürze

wieder auf die Tagesordnung zu setzen?

Gaby Schnell: Unsere überblicksartige Aufstellung

mit allen darin aufgeführten Aktivitäten sowie den geplanten

Aktionen zeigt Ihnen, lieber Herr Dr. Bach, dass

wir das Thema nie von der Tagesordnung nahmen. Ich

erlaube mir, Sie dazu auch nochmals auf die Empfehlung

hinzuweisen, die unsere Wege und derzeitigen Mög-

44 25 Jahre durchblick 1/2012


Das Interview

lichkeiten gut beschreibt und in die Zukunft weist: Im

Jahre 2010 haben wir einen entsprechenden Arbeitskreis

zur GO in Folge eines Antrags der Mitgliederversammlung

gegründet. Das Ergebnis ist die Erarbeitung einer

Empfehlung, die am 13. April 2011 in der Mitgliederversammlung

der LSV NRW in Soest angenommen wurde.

Entsprechend dieser Empfehlung haben wir für das Jahr

2012 einen Aufruf einschließlich einer „Nachfassaktion“

an alle zuständigen Landtagsabgeordneten geplant, die

Gründung von Seniorenvertretungen in ihren Wahlbezirken

und deren Aufnahme in die Gemeindeordnung des

Landes Nordrhein-Westfalen zu unterstützen.

db: Wann ist die nächste Mitgliederversammlung der

LSV NRW? Wie werden die Delegierten zu dieser Veranstaltung

bestimmt bzw. gewählt?

Gaby Schnell: Die nächste Mitgliederversammlung

der LSV NRW findet am 24. April 2012 in Düren statt.

Das erste Schreiben dazu – mit der Bitte um Benennung

der Delegierten und Begleiter – erfolgte im Januar 2012

an die Postanschriften der 155 kommunalen Seniorenvertretungen,

die Mitglied in der LSV NRW sind. Die detaillierte

Einladung mit der Tagesordnung etc. erhalten die angemeldeten

Teilnehmer im März. Delegierte werden von

den kommunalen Seniorenvertretungen entsandt. Voraussetzung

für eine Delegation ist die Mitgliedschaft in einer

kommunalen Seniorenvertretung. Zur Mitgliederversammlung

wird ein/e Delegierte/r eingeladen, zudem kann eine

Begleitung des Delegierten als Gast (ohne Stimmrecht in

der Mitgliederversammlung) teilnehmen.

db: Was können die kommunalen Seniorenvertretungen

tun, um in Kooperation mit der LSV die Einbindung der

Beiräte in die Gemeindeordnung voranzutreiben?

Gaby Schnell: Aus den Antworten zu Ihren Fragen

wird deutlich, dass das Thema Einbindung der Seniorenvertretungen

in die GO eines die LSV NRW stets begleitendes

ist. Erkennbar ist auch, dass es eine Vielfalt an

Aktivitäten und Zugängen gibt, die in ihrer Gesamtheit

zu betrachten sind. Die Forderung ist in die Zukunft gerichtet,

dazu sind Zwischenschritte und eine langfristig

ausgerichtete Strategie nach vielen Jahren des Bemühens

und der Erfahrungen notwendig. Daran arbeiten wir kontinuierlich.

Ich hoffe, die Antworten sind Ihnen hilfreich.

Wir freuen uns in jedem Fall über Ihr Interesse und Engagement.

Hilfreich ist es es für uns dabei, wenn der Seniorenbeirat

der Stadt Siegen uns über seine Aktivitäten

dazu auf der Landesebene informiert, zum Beispiel über

Gespräche mit den zuständigen Landtagsabgeordneten.

Dies stärkt unsere Stimme als Dachverband der Seniorenvertretungen

im Land und hilft unserer langfristigen,

gemeinsamen Zielsetzung.

Das Interview führte Dr. Horst Bach

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1/2012 25 Jahre durchblick 45


Gesellschaft

Grundzüge einer erfolgreichen

Seniorenpolitik

Tagungsbericht aus Münster

Leitlinien und Erfolgsbedingungen für seniorenpolitische

Konzepte wurden bei einem NRW-Seminar

des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen

in Münster vorgestellt bzw. erarbeitet (vgl. db Nr.

4/2011 S.51). Aus dem Kreisgebiet nahmen an der sozialpolitischen

Fachtagung u.a. Reiner Jakobs von der Kreisverwaltung

Kreis Siegen-Wittgenstein und Dr. Horst Bach

vom Seniorenbeirat der Stadt Siegen teil. Rund 100 Teilnehmer

(darunter 15 Vorstände von Seniorenvertretungen)

diskutierten Grundlagen und Konzepte einer modernen

und zukunftsweisenden Seniorenarbeit. Grundlage der

Diskussionen und zahlreichen Gespräche am Rande waren

Fachreferate des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation,

Pflege und Alter (MGEPA), der Landesseniorenvertretung

(LSV), der Bertelsmann Stiftung, des

Kuratoriums Deutsche Altershilfe und der

Wohlfahrtsverbände. Beispiele gelungener

Seniorenarbeit der Gemeinde Finnentrop, der

Städte Moers und Altena aber auch das Aufzeigen

moderner Strukturen der Seniorenbeiräte

in Düsseldorf und Siegen gehörten zum

Programmablauf. Seniorenarbeit wird im

Zuge des demographischen Wandels immer

mehr in das Zentrum der Beratungs- und Entscheidungsarbeit

von politischen Gremien

vor Ort rücken.

Um eine kommunale Seniorenpoltik aktiv

zu gestalten, muss sie als Querschnittaufgabe

gesehen werden, die das gesamte Lebensumfeld

älterer Menschen im Generationengeflecht

mit einbezieht. Das macht übrigens

Foto: Dr. Horst Bach

auch das Motto des „Europäischen Jahres für aktives Altern

und Solidarität zwischen den Generationen 2012“ deutlich:

Aktives Altern ist immer eingebettet in eine Gesellschaft

für alle Altersgruppen. Die Lebensphase „Alter“ darf nicht

mehr nur mit Krankheit und Gebrechlichkeit verbunden

werden.

Die Menschen bleiben heute in der Regel fit, wollen sich

ehrenamtlich einbringen oder ihre im Beruf gewonnenen

Qualifiaktionen auch weiterhin nebenberuflich bzw. freiberuflich

ausüben. Manche ohne, viele aber auch mit angemessener

Entlohnung. Manche Seniorinnen und Senioren

brauchen sogar dieses Geld, um ihre schmale Rente, die

kaum zum Lebensunterhalt reicht, aufzubessern. Das sei jedem

nach einem langen beruflichen Arbeitsleben gegönnt.

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46 25 Jahre durchblick 1/2012


Gesellschaft

Für eine zielgerichtete Seniorenarbeit steht die wohnortnahe

Versorgung im Quartier an oberster Stelle. Man

spricht hier inzwischen von einer „Pantoffelqualität“ der

Seniorenarbeit, die im Zuge der „aufsuchenden Hilfen“ die

Hilfebedürftigen in ihren eigenen vier Wänden anspricht.

Ca. 100.000 neue Fälle der Pflegestufe I gibt es derzeit jährlich

in Nordrhein-Westfalen, verlautete aus dem zuständigen

Ministerium. Auch hinsichtlich der Altersbilder muss

ein Wechsel eintreten.

Leider ist die notwendige

Finanzierung der

Altenarbeit in den Gemeinden

daher vielerorts

zum Erliegen gekommen.

So muss der bisherige

Focus auf die Pflege

durch neue Paradigmen

erweitert werden, wie z.

B. wohnortnahe Begleitung

älterer Menschen,

„Kümmerer in der Nach-

Foto: AlterAktiv, Senecafé

barschaft“, Quartiersmanager,

Qualifizierung

haupt- und ehrenamtlicher

Mitarbeiter, neue

Ressourcen in den städtischen

Haushalten, Prävention

im Hinblick auf

steigende Altersarmut

(geht über das Quartier hinaus!), Beratung der kommunalen

Entscheidungsträger. Solche Partizipationsmodelle müssen

aber immer auch Transparenz und „ermöglichende Strukturen“

schaffen. Dies können sein: zielgerichteter Ausbau

der politischen Partizipation (Einbindung und Ansprache

der Landtagsabgeordneten, vgl. Interview mit der LSV-

Vorsitzenden Gaby Schnell, S. 44), Orientierung an erfolgreichen

Beispielen, Bereitstellung von Ressourcen sowie

Auf- und Ausbau sozialer Netzwerke (vorrangig „echt“ vor

Ort und nicht „virtuell“ im Internet!). Gleichwohl gehören

auch bereits überregionale internetgestützte Workshops zu

den unverzichtbaren Formen einer modernen Seniorenarbeit,

wie einige Kommunen berichteten. Als Themen einer

virtuellen Diskussion werden zum Beispiel „Förderung der

Teilhabe Älterer in Online-Gemeinschaften“ sowie „Neue

Nachbarschaften im Quartier – Möglichkeiten zur aktiven

Gestaltung und Teilhabe“ angeführt.

Der Seniorenbeirat

der Stadt

Siegen kommt

diesem Bedürfnis

älterer Menschen

bereits seit einem

Jahr mit seinem

Programm „Alt

und Jung – Computerkurse

für

Ältere“ in Kooperation

mit Oberstufenschülern

des Weidenauer

Fürst-Johann-

Moritz-Gymnasiums

entgegen.

Schließlich hat es

der Seniorenarbeit

vor Ort immer mit

differenzierten

Zielgruppen zu tun: Zum einen sind da Menschen in der

nachberuflichen und/oder nachfamilialen Phase, Ältere mit

Ressourcen und dem Willen zum Engagement, Ältere, mit

unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, aber auch Ältere,

die von Armut und/oder Vereinsamung bedroht sind,

pflegende Angehörige. Ältere Menschen können und dürfen

einfach nicht auf bestimmte gesellschaftliche Rollen

beschränkt werden.

Dr. Horst Bach.

Zur modernen Seniorenarbeit gehört inzwischen auch der Umgang

mit dem Internet. Hier ein Bild aus dem „Senecafé“, dem Internetcafé

des Vereins AlterAktiv im städtischen Begegnungszentrum Haus

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…durch Krieg und große Schrecken

Die Bombardierung des Dorfs Flammersbach vom 1. Februar 1945

Foto: www.fotolia.de

Geleitwort

Bei der Überschrift

dieses

Beitrags

handelt es sich um

eine Zeile aus der

dritten Strophe des

Neujahrliedes „Nun

lasst uns gehn und

treten” von Paul

Gerhardt. Meines Erachtens passt sie ganz gut zu dem, was

nachstehend berichtet wird. Der größte deutsche Liederdichter

lebte zur Zeit des 30-jährigen Kriegs und er ist in

diesen Jahren dem durch Seuchen und Gewalt ständig drohenden

Tod immer wieder entkommen. Die Schrecken eines

Bombenkriegs hat er dagegen nicht kennen gelernt. Ob Paul

Gerhardt in diesem Fall einen Grund gehabt hätte, zu den 15

Strophen des Liedes weitere hinzuzufügen…?

Bild: www.wikipedia.de

In den ersten Jahrzehnten nach dem letzten Krieg war die

Bombardierung vom 1. Februar 1945, die eigentlich und ausschließlich

der Stadt Siegen galt, in Flammersbach allgegenwärtig.

Das Inferno wurde „Der Angriff“ genannt und alle

Vorfälle, die sich in den Jahren vor und nach den furchtbaren

Geschehnissen zugetragen hatten, bekamen die erläuternden

Beifügungen „Das war noch vor dem Angriff“ oder „Das war

erst nach dem Angriff“. Als Kind hatte sich bei mir durch

die Erzählungen vor allem meiner Großeltern der Eindruck

verfestigt, dass sich die britischen Bomber ausschließlich mit

dem Ziel auf den Weg gemacht hatten, mit ihren Bombenabwürfen

Flammersbach zu zerstören und hierdurch den Krieg

zu gewinnen. Der schwärzeste Tag in der Ortsgeschichte

bildete immer wieder in jedem Haus das Gesprächsthema.

Keiner unter den friedlichen Menschen, die diesen Tag des

Grauens mit der Fast-Vernichtung ihres kleinen Dorfs miterleben

mussten, konnte ihn jemals vergessen!

Lincolnshire – eine stille Grafschaft

im Nordosten Englands

Die Grafschaft Lincolnshire liegt im Nordosten Englands.

Abseits der vielen Touristikzentren ist man in der

stillen Grafschaft vor allem darauf stolz, dass der berühmte

Wissenschaftler Isaak Newton hier geboren wurde. Dem

fiel einst ein Apfel auf den Kopf, was ihn zur Entdeckung

der Schwerkraft verleitet haben soll. Hier hatte im zweiten

Weltkrieg die 5. Gruppe der britischen Royal Air Force ihre

Flugplätze. Auf diesen starteten am späten Nachmittag des

1. Februar 1945 neben einer Vielzahl von viermotorigen

schweren Bombern des hauptsächlich für Nachtangriffe benutzten

Typs „Lancaster“ auch einige wenige der aus Holz

gefertigten zweimotorigen Jagdbomber des Typs „Mosquito“.

Letztere mit ihrer ungewöhnlichen Holzbauweise

waren aufgrund ihrer Geschwindigkeit und ihrer guten Höhenflugeigenschaften

für die deutsche Luftabwehr nahezu

unangreifbar.

Insgesamt erhoben sich an diesem Tag trotz schlechter

Wetterbedingungen 1274 Flugzeuge in die Luft, von denen

der größere Teil Ziele in Mainz und in Ludwigshafen angreifen

sollte. Für 282 Bomber indes war als Zielort Siegen befohlen

worden. Drei Tage zuvor erst hatte die US Air Force

einen zerstörerischen Angriff auf diese Stadt geflogen, bei

dem neben 16 Soldaten auch 9 Zivilisten starben.

48 25 Jahre durchblick 1/2012


Historisches

Dröhnend und Angst einflößend…

Die Eisentore für die beiden Öffnungen des Luftschutzstollens

waren von der Lieferfirma Menges am Vormittag

eingebaut worden. Ansonsten war der 1. Februar in dem

kleinen Siegerländer Dorf Flammersbach ähnlich ruhig verlaufen

wie die Tage zuvor. Die bittere Januarkälte war milderem

Tauwetter gewichen und die dicke Schneedecke war

im Schwinden. Die Gespräche in den Häusern drehten sich

aber kaum um das Wetter. Vielmehr war der nun schon mehr

als fünf Jahre andauernde Krieg fortwährend ein Thema. Um

die Frage: „Wie lange wird diese unselige Zeit noch währen“,

drehten sich die ständigen Erörterungen. Fast jede zweite Familie

hatte in den letzten Jahren die schreckliche Nachricht

erhalten, dass ein Sohn „für Führer, Volk und Vaterland“ in

den Weiten Russlands oder andernorts sein Leben gelassen

habe. Vor allem der Luftkrieg war aber auch in Flammersbach

präsent. Immer öfter überquerten feindliche Fliegerverbände

auf ihrem Weg nach den östlichen Großstädten

dröhnend und Angst einflößend den Ort. Viele Einwohner

waren in den letzten Wochen einmal in Siegen gewesen und

hatten gesehen, welch eine riesige Zerstörung die ständigen

Angriffe auf diese leidgeprüfte Stadt angerichtet hatten. In

den Abendstunden des 16. Dezember 1944 war fast die gesamte

Flammersbacher Bevölkerung auf die Höhe geeilt und

hatte mit Schaudern, Angst im Herzen und mancher Träne

in den Augen den glutroten Himmel über der Stadt gesehen,

der von schlimmer Not und großem Elend, von grässlicher

Vernichtung und entsetzlichem Leid Kunde gab. Dass die

Stadt noch einmal das Ziel eines solchen Angriffs sein könne,

war von vielen Siegerländern ausgeschlossen worden. Was

hätten weitere Bomben hier noch anrichten können? Es war

ja schon so viel zerstört. Und doch hatten die westlichen Alliierten,

deren taktischen Überlegungen etwas ganz anderes

– nämlich vor allem die Demoralisierung der deutschen Bevölkerung

– vorsahen, dort am 29. Januar erneut zahlreiche

Sprengkörper aus B-17-Bombern abgeworfen.

Unter der Anleitung von

Sprengmeister Düber…

Obwohl die Machthaber offiziell zunächst die Überzeugung

verbreiteten, dass niemals ein feindliches Flugzeug

das Deutsche Reich in Gefahr bringen könne (Hermann

Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe: „Wenn auch nur

ein feindliches Flugzeug unser Reichsgebiet überfliegt, will

ich Meier heißen.“), fielen schon im ersten halben Jahr nach

Kriegsbeginn englische Bomben im Reichsgebiet. Diese

Realität berücksichtigend setzte die Regierung am 10. Oktober

1940 ein Sonderprogramm für den Luftschutz auf.

Danach mussten überall, wo noch keine Luftschutzräume

vorhanden waren, solche in bombensicherer Ausführung

gebaut werden. In Flammersbach nahm man sich ebenso

wie in vielen anderen kleineren Dörfern abseits der kriegswichtigen

Industriezentren – und daher ohne jegliche strategische

Bedeutung – Zeit mit der Realisierung. Als die Bombenangriffe

jedoch immer mehr zunahmen, ging auch die

Flammersbacher Gemeindevertretung unter Mithilfe eines

gewissen Drucks durch die NS-Parteifunktionäre im Jahr

1944 auf die Suche nach einem Platz für einen Luftschutzstollen

und nach einem fachkundigen Bauleiter. Man fand

Letzteren in dem erfahrenen Rudersdorfer Sprengmeister

Düber, der sein gefährliches Handwerk in der Weidenauer

Grube Neue Haardt ausgeübt hatte und der auch in seinem

Heimatort Leiter beim Stollenbau war. Als Platz wurde die

hohe Böschung an dem zum Flurstück „Im Heiersche“ führenden

Weg auserkoren. Oberhalb des Hauses „Hartmanns“

erstellte man das etwa vier Meter breite Mundloch für den

mehr als fünfzig Meter tiefen Stollen und etwa dreißig Meter

weiter, schräg gegenüber dem Oberdorf-Backhaus, ein

zweites, kleineres für die Entlüftung und zum Druckausgleich

bei Detonationswellen. Hufeisenförmig waren beide

Stollenteile miteinander verbunden. Am Scheitelpunkt

schuf man einen etwas größeren Raum, Saal genannt. Hier

und auch an den Stollenwänden standen Holzpritschen,

zum Teil zweistöckig. Viele Menschen die sich tagsüber

im Ort aufhielten, halfen beim Beseitigen des gesprengten

Abraums, angefangen von den älteren Schulkindern bis zu

Jugendlichen, Frauen, Invaliden und Rentnern. Eingesetzt

wurden nicht zuletzt auch russische Kriegsgefangene, die

in einem Lager in Deuz untergebracht waren.

Eine unerwartet niedrige Wolkendecke

Die in Richtung Siegen fliegende Bomberflotte hatte den

Rhein überquert und näherte sich ihrem Zielort. Sie flog hoch

über der Wolkenobergrenze von etwa 2.000 Meter. Zwei

Pfadfinderverbände mit Spezialaufgaben flogen voraus. Die

„Beleuchter“ hatten die Aufgabe, große Mengen Leuchtbomben

abzuwerfen. Im Schein dieser Markierungen, deren

Sinkgeschwindigkeit durch Fallschirme gemildert wurde,

mussten dann die „Sichtmarkierer“ farbige Zielzeichen

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1/2012 25 Jahre durchblick 49


Historisches

setzen. Weil wegen der längeren Leuchtwirkung mehrere

dieser Bomben verbunden wurden und hierdurch eine traubenförmige

Ausstrahlung bekamen, wurden sie im Volksmund

„Christbäume“ genannt. Die Bomberschützen sahen

aus 6.000 Meter Höhe wie bis zu 60 Markierungen rund um

den Zielpunkt sprühten und konnten sich hieran orientieren.

Weil diese Lichter nach verhältnismäßig kurzer Zeit durch

die Wolkendecke sackten, galt es, sie während des Angriffs

ständig zu erneuern.

Wegen der unerwartet niedrigen Wolkendecke hatten an

jenem Donnerstag die Pfadfinderverbände größte Schwierigkeiten,

das Angriffsziel zu markieren. Immer wieder

mussten sie unterhalb der Wolken ihr Ziel ausfindig machen,

um dann oberhalb die Markierungen anzubringen. Neben

dieser Sichtbehinderung kam hinzu, dass der stärker werdende

Wind gedreht hatte. Gerade diese Tatsache war maßgebend

für das, was kommen sollte. Rund 20 Minuten lang

kreisten die abwurfbereiten Bomber bis zum Beginn ihrer

Aufgabe über dem Zielgebiet. Dann erst waren die Markierer

fertig geworden und die Besatzungen konnten mit ihrer

todbringenden Arbeit beginnen.

…mit Öl getränkte Holzwolle

Zwischen dem Siegener Höhenzug „Eisernhardt” und

dem kleinen Ort Rödgen hatte die Flugabwehr Ablenkstellungen

eingerichtet. Es waren kleine Betonbunker gebaut

worden, in deren Nähe bei einem nächtlichen Luftangriff

mit Öl getränkte Holzwolle entzündet wurde, um durch diese

Feuer feindliche Flugzeuge irrezuleiten und zum Abwurf

ihrer tödlichen Fracht über unbewohntem Gebiet zu veranlassen.

Von diesen Stellungen aus zur Irritierung des Gegners

abgeschossene Leuchtraketen flogen ziemlich schnell

in Richtung Osten über Flammersbach hinweg und waren

hier noch vor den Markierungen der Engländer zu sehen.

Vollalarm und die blitzschnelle Entscheidung

Der Voralarm mit warnendem Aufheulen der Sirene, die

auf dem Dach des Niederdielfener Bahnhofsgebäudes angebracht

war, hatte niemanden im Ort beunruhigt. Diesen Alarm

hatte es in den letzten Monaten laufend gegeben. Oftmals war

Foto: www.wikipedia.de

Mosquito-Jagdbomber wurden aus Holz gefertigt

man auf die Straße geeilt und hatte den nach Osten fliegenden

Maschinen nachgeschaut. Auch das als Vollalarm oder Akutalarm

bezeichnete Signal mit ständigem Auf- und Abschwellen

war immer wieder einmal zu hören gewesen. Weil es nie

zu einem Zwischenfall kam, blieb die Einwohnerschaft recht

ruhig und unbeeindruckt. Die eintönige und zugleich drohende

Melodie, die an diesem Abend viele Flammersbacher veranlasste,

vor die Haustüre zu gehen und die Lage zu sondieren,

brachte ein ganz neues Resultat. Denn ein jeder, der kurz vor

19 Uhr zum Himmel blickte, die vielen und alles erhellenden

Leuchtschirme aus den Obersdorfer Stellungen sah und deren

voraussichtlichen Folgen bedachte, hatte blitzschnell eine

Entscheidung zu treffen: Eile ich mit meinen Angehörigen in

den Bunker oder suche ich Geborgenheit im eigenen Keller?

Bisher hatte der Stollen noch keinen Schutzsuchenden aufgenommen,

aber diesmal war alles anders.

„Es kommt was Fürchterliches!“

Dem Stollen gegenüber – etwa 50 Meter entfernt – steht

das um 1780 erbaute Haus „Kills“. Das Gebäude gehörte

den Eheleuten Lina und Gustav Klein, hatte aber – wie allgemein

üblich – den Namen eines Vorbesitzers als den im

Ort gebräuchlichen Hausnamen behalten. Dort war an diesem

Tag Alma Scholl aus Feuersbach zu Besuch. Sie war

eine Schwägerin der Klein-Tochter Frieda Scholl. Deren

jüngster Bruder Gottlieb hatte gerade Urlaub vom Arbeitsdienst

und sollte die Feuersbacherin um 19 Uhr auf ihrem

Heimweg begleiten. Der 18-Jährige vernahm kurz vor dem

Aufbruch als Einziger im Haus das Akutsignal der Sirene,

ging vor die Türe und kam blitzartig mit den Worten

zurückgestürmt: „Kinder, schnell! Macht dass ihr in den

Bunker kommt! Es kommt was Fürchterliches!“

Aus seiner Stimme und seinem Gesichtsausdruck ersah

die Familie und ihr Besuch, dass keine Sekunde Zeit

zu verlieren war. Alle sprangen auf und eilten ohne lange

nachzudenken zum Ausgang. Lediglich Gottlieb Kleins

verheiratete Schwestern, Frieda Scholl und Toni Weber,

stopften hurtig erst noch ein Köfferchen mit Windeln und

Kinderkleidung voll und hasteten mit ihren zehn und sieben

Wochen alten Säuglingen Karl-Hermann und Ulli hinter den

50 25 Jahre durchblick 1/2012


Historisches

Tonnenschwere Luftminen hatten verheerende Wirkung

anderen her in den Stollen. Die wenigen im Eingangsbereich

Stehenden rückten angesichts der Kleinen zur Seite und

machten Platz. Im düsteren Schein einiger Karbidlampen

eilte die kleine Gruppe rasch bis zum Saal, der hintersten

Stelle des Schutzraums. Hierher drängten sich Viele, denn

an den Türen wollte kaum einer stehen oder sitzen. Im Saal

stand – wieso auch immer – ein Backtrog, in den die beiden

jüngsten Flammersbacher Einwohner gelegt wurden.

Tanta Martha lief zum Stollen

In dem von der Familie Knipp bewohnten Haus „Heide“,

etwa 50 Meter oberhalb Kills auf der anderen Straßenseite

gelegen, hatte man die Entscheidung getroffen, mit sechs

Personen im eigenen Keller Schutz zu suchen. Die im Haus

lebende Tante Martha war zwar zum Stollen gelaufen, doch

der Hausherr, Hermann Knipp, ging davon aus, dass es, wie

bisher immer, so schlimm wohl nicht werden würde. Ähnlich

dachten auch weitere Einwohner, die ebenfalls nicht

allzu weit entfernt vom Stollen wohnten, wie zum Beispiel

„Lüttmanns“ und „Vitts“. Für andere, die ihr Haus im Unterdorf

hatten, schien der Weg zum Bunker zu weit. Fritz

Klein, Hausherr von „Onne Schrinnersch“, verbot – trotz

der nahenden und von ihm auch erkannten Gefahr – den

Anwesenden, das Haus zu verlassen: „Für den Bunker ist

es zu spät. Wir bleiben alle hier.“ Einige aus dem Oberdorf

suchten hingegen den für sie näher gelegenen Stollen der

ehemaligen Grube Transvaal östlich des Dorfs auf.

Es wird für ewig wunderbar bleiben, dass letztlich alle,

die für sich und ihre Angehörigen eine Entscheidung zu treffen

hatten, die richtige trafen, denn Menschenleben waren

am 1. Februar in Flammersbach nicht zu beklagen. Auf alles

andere hatte niemand im Ort einen Einfluss.

Die Wirkung der Luftminen

Die britischen Flugzeuge begannen gemäß der späteren

Meldung ihres Kommandanten an das Luftfahrtministerium

um 19.04 Uhr mit dem Abwurf von 435.000 Kilogramm

Brandbomben und 871.000 Kilogramm Sprengbomben.

Dazu wurde eine Vielzahl Phosphorkanister abgeworfen.

Verheerend war die Wirkung der sogenannten Luftminen,

Foto: www.wikipedia.de

die mit hochexplosivem Sprengstoff gefüllt waren und mehrere

Tonnen schwer sein konnten. Sie hatten eine ganz dünne

Hülle und drangen deshalb nicht tief in den Boden ein. Dies

war gewünscht, denn die Folge war eine besonders große

Detonationswelle. Diese bis zu einem Meter dicken und

mehrere Meter langen Minenbomben sollten unter anderem

im weiten Umkreis Dächer abdecken und hierdurch leichten

Zugang für die Brandbomben schaffen. Wer ein direktes

Opfer wurde, der starb an Lungenriss.

Die Bombardierung begann wie geplant in Siegen, durch

die vom Wind weggetriebenen Markierungen verschob sich

das Abwurfgebiet aber rasch in Richtung Osten über Kaan-

Marienborn, Flammersbach und Gernsdorf bis nach Weidelbach

im Dillkreis. Die weitaus meisten Bomben landeten im

Hauberg und auf den Wiesen und Feldern. Doch der Rest

reichte aus, um unbeschreibliches Leid anzurichten.

Gewaltige Schläge und grausiges Geprassel

Neben den Einwohnern von Flammersbach hatten sich

in den Stollen auch viele aus den Städten des Ruhrgebiets

und des Rheinlands ausgesiedelte Frauen und Kinder geflüchtet.

Man nannte sie „die Evakuierten“. Sie sollten den

ständigen und weiter zu erwartenden Bombenangriffen auf

ihre Heimatstädte entgehen und waren verschiedenen Häusern

zugeteilt worden. Nun erlebten sie mit bangem Herzen

und ebenso hilflos wie die Einheimischen in der scheinbar

so sicheren Provinz den Beginn des Bombardements.

Mit gewaltigen Schlägen und grausigem Geprassel begann

das Inferno. Es schmetterte und dröhnte aus allen Richtungen

und die Erde schien zu zittern. Der Luftdruck der

Detonationen kreischte regelrecht durch den Ort. Mal waren

die Einschläge weiter weg, mal schienen sie in unmittelbarer

Nähe. Unaufhörlich war die Luft von einem Sausen und

Zischen erfüllt, das in mächtigem Explosionsgetöse endete.

Dazwischen gab es irgendwann einen von einer Luftmine

ausgelösten Schlag, wie er bis dahin noch nicht zu vernehmen

gewesen war. Die mächtige Detonationswelle erfasste

auch die Bunkerinsassen, die verzweifelt nach Luft rangen

und dachten, ihr letztes Stündchen wäre gekommen. Unüberhörbar

schrillten die Schreie der Verzweifelten.

1/2012 25 Jahre durchblick 51


Historisches

Zunächst war über die feindlichen Angreifer noch die

Strafe des Himmels herabbeschworen worden: „Die Verbrecher

da oben müssten alle abstürzen und elendiglich

verrecken!“ Gedanken wie: „Womit haben wir das nur

verdient?“, durchfuhren die Köpfe. Doch dann verstummten

endlich auch die zum Himmel gesprochenen Stoßgebete.

Übrig blieb nur ein dumpfes Warten auf das Ende

des Furchtbarsten, was jeder bisher erlebt hatte. Und viele

glaubten keine Sekunde lang, dass sie lebend aus dieser Hölle

herauskommen würden.

…mit Wasser nicht zu löschender Inhalt

Im Haus „Onne Schrinnersch“ konnte man durch ein Kellerloch

den Großteil des Dorfs überblicken. Und es dauerte

gar nicht lange, da gaben die an der Öffnung stehenden Beobachter

die Nachricht in den Raum: „Bei ‘Mechels’ brennt

es.“ Und weiter: „Jetzt schlagen bei ‚Orwe Dützersch’ die

Flammen aus dem Dach.“ Und dann: „Jetzt sind ‚Vitts’ und

‚Möllersch’ getroffen.“ Doch auch das eigene Haus blieb

nicht unverschont. Durch Detonationen in der Nähe gingen

aber nur die Fensterscheiben zu Bruch.

Nicht so glimpflich kam die Familie Knipp in ihrem Keller

davon. Das schöne und mit dem Giebel zur Straßenseite

stehende Fachwerkgebäude war von einer Kettenbombe getroffen

worden. Dies waren zwei durch eine Kette miteinander

verbundene „normale“ Sprengbomben, von denen zunächst

eine detonierte und die zweite bei ihrer Explosion die

von der ersten verursachten Schäden verstärkte. Nun lag das

Haus in Trümmern, die brennend den Keller bedeckten und

die vier hilflosen Familienmitglieder sowie eine aus Dortmund

evakuierte Mutter mit ihrer Tochter einschlossen. Zu

allem Unglück war auch noch ein Phosphorkanister in den

Trümmern gelandet. Dessen aus Phosphor und Kautschuk

bestehender und mit Wasser nicht zu löschender Inhalt lief

aus und strömte langsam, aber unaufhaltsam über die Kellertreppe

in den Raum. Durch die Hitze und den beißenden

Qualm der brennenden Flüssigkeit erkannte Hermann Knipp

die so nahe und tödliche Gefahr und da sich im Keller kein

Werkzeug befand, begann er den hoffnungslosen Versuch,

mit den bloßen Händen die Trümmerteile zu entfernen. Die

Archiv Ulli Weber

Das Geburtshaus des Verfassers um 1936 –

Das Gebäude wurde beim Angriff stark beschädigt

Frauen beteten in ihrer Todesangst und baten ihren Herrgott

laut um Hilfe. Gerade in dieser angsterfüllten Phase explodierte

nicht weit von der Trümmerstätte die Luftmine, die

den Bunkerinsassen so schwer zugesetzt hatte. Und es grenzt

beinahe an Ironie, dass diese ausschließlich zur Vernichtung

gedachte Bombe in jenem Augenblick sechs Menschenleben

rettete, denn die Trümmerteile des Hauses wurden in alle

Winde gestreut und die Familie Knipp konnte sich durch ein

nun freiliegendes Kellerfenster in Sicherheit bringen.

Doch die Luftmine hatte auch Schlimmes angerichtet.

Das auf der anderen Straßenseite gelegene Haus „Hirdehannses”

wurde förmlich hinweggefegt. Die Trümmerteile

flogen bis beinahe in die Nähe des Friedhofs. Die Häuser

„Kesselersch“ und „Schnells“ waren so schwer beschädigt,

dass ein Totalschaden vorlag. Das neben „Schnells“ liegende

Haus „Kills“ geriet durch den Druck etwas aus den Fugen;

war aber in der Substanz nicht gefährdet, weil vermutlich

die nachfolgende Sogwelle es wieder in die alte Lage rückte.

Absturz zwischen Deuz und Beienbach

Gemäß ihren Aufzeichnungen beendeten die Briten ihren

Angriff um 19.40 Uhr und begaben sich auf den Heimflug.

Die deutsche Luftabwehr war nicht ganz untätig geblieben.

Ein Mosquito- und drei Lancaster-Bomber wurden abgeschossen.

Einer von ihnen stürzte auf der Höhe zwischen

Deuz und Beienbach ab. Sechs Besatzungsmitglieder retteten

sich mit ihren Fallschirmen und gerieten in Kriegsgefangenschaft,

der australische Navigator indes kam ums

Leben. Vernichtet wurde auch ein deutsches Jagdflugzeug

des Typs Me 262. Dies war nicht nur der erste operationsreife

Düsenjäger der Welt, sondern auch das technisch fortschrittlichste

Flugzeug. Es gab aber zu wenige hiervon, um

den Alliierten ein wirksamer Gegner zu sein.

Im Keller qualmten die Kartoffeln

Als plötzlich Stille herrschte und die ersten mutigen

Männer sich zu den Stolleneingängen wagten und die Türen

öffneten, bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick. Grauenvoll

war das Bild der geborstenen Häuser und des Flammenmeers,

dessen Prasseln nun auch im Bunkerinnern zu

hören war. Die Helle der Brände beleuchtete die Ruinen

52 25 Jahre durchblick 1/2012


Historisches

In dem Siegerländer Dorf Flammersbach erinnert heute

nichts mehr an den Krieg

Archiv Ulli Weber

dazwischen, die durch Sprengbomben entstanden waren,

aber kein Feuer gefangen hatten. Die Ausschauenden riefen

nach hinten, welche der gegenüberliegenden und vom Stollen

aus sichtbaren Gebäude zerstört waren. Einzelne Schreie

des Entsetzens begleiteten diese Meldungen. Nach und nach

eilten die meisten Bunkerinsassen zu ihrem Haus, um zu

sehen, ob noch etwas zu retten sei. Auch die noch stehenden

Gebäude hatten viele Schäden, die Fenster waren eingedrückt,

die Wände gerissen oder die Dächer abgehoben.

Hier und da fanden die Besitzer auf den Speichern rauchende

Brandnester, die eiligst gelöscht wurden. Die in Bündeln zu

100 Stück abgeworfenen Brandbomben auf Magnesiumbasis

bildeten wegen ihrer Vielzahl die Hauptgefahr. Nicht alle

Hausbesitzer wurden bei ihrer Suche fündig. So brannten

im Verlauf der Nacht das zunächst stehengebliebene Doppelhaus

„Heitze/Manneses” sowie das Haus „Lüttmanns”

bis auf die Grundmauern doch noch ab. Bei dem erstgenannten

Gebäude sahen die tags darauf aus den Nachbarorten

herbeigeströmten Schaulustigen am späten Nachmittag

noch die Kartoffeln im Keller qualmen. Bei der Vielzahl der

Brandstellen im Ort hatte die Feuerwehr keine Chance beim

Löscheinsatz. Jeder Feuerwehrmann war natürlich zunächst

einmal mit seinem eigenen Haus beschäftigt, so dass ein

gemeinsames Handeln erst sehr spät möglich wurde.

Zu allem Überfluss tauchte im abendlichen Verlauf - wie

an fast jedem Abend um diese Zeit - auch noch der „Eiserne

Heinrich” auf. Dies war ein kleineres Flugzeug der Alliierten,

das die meisten schon am Motorengeräusch erkannten. Wenn

der Pilot ein Licht sah, schoss er mit seiner Bordwaffe in die

Richtung des Lichts oder warf auch schon einmal eine kleinere

Bombe ab. In Flammersbach sah er diesmal viele Lichter und

feuerte, was das Zeug hielt. Den Einwohnern blieb nur übrig,

in eine dunkle und sichere Stellung zu flüchten.

Auch wenn aus einigen Nachbarorten Hilfe anrückte,

stand am Ende eine traurige Bilanz. Von den 70 Wohnhäusern

in Flammersbach waren 30 zerstört, dazu die Schule,

etliche Scheunen und das später einstürzende evangelische

Vereinshaus. Anders als in Siegen und Kaan-Marienborn,

wo man 190 bzw. 24 Menschenleben beklagte, wurden in

Flammersbach lediglich einige leichtere Verletzungen und

eine Rauchvergiftung bekannt. Nicht vergessen werden dürfen

viel totes Kleinvieh und mehr als ein Dutzend Kühe, die

aus den brennenden Ställen nicht befreit werden konnten

und elend zugrunde gingen. Unter tatkräftiger Hilfe einiger

Wilgersdorfer Feuerwehrkameraden fuhr der junge Landwirtsohn

Manfred Steuber die Kadaver auf den Stemmbach-

Sportplatz. Man warf sie in die auch hier entstandenen Bombentrichter

und deckte sie mit Erde zu.

Als die Brandstätten nicht mehr glühten…

Beim schmerzlichsten Ereignis in der Geschichte des Ortes

zeigte sich ein riesiger Zusammenhalt in der damals rund 450

Seelen starken Dorfgemeinschaft. Da etwa die Hälfte der

Häuser zerstört oder vorläufig nicht bewohnbar war, musste

in jedem der noch stehenden Gebäude nach Möglichkeit

eine ausgebombte Familie untergebracht werden. Das klappte,

auch wenn es hier und da mit Problemen verbunden war.

Die Großstadt-Evakuierten beanspruchten keinen Wohnraum

mehr, denn sie wurden am Tag nach dem Angriff im unbeschädigt

gebliebenen Rudersdorf untergebracht.

Kurz nachdem die Brandstätten nicht mehr glühten und

man die Schäden einigermaßen feststellen konnte, begannen

bei einigen auch schon die ersten Überlegungen zum Wiederaufbau.

Natürlich wollten viele vor den schier unersetzlich

scheinenden Verlusten beinahe verzweifeln und sie glaubten

zunächst nicht daran, dass die Schäden jemals wieder beseitigt

werden könnten. Doch die zunehmende Tatkraft der Flammersbacher

und ein gesunder Optimismus, gepaart mit dem

Mut, dem Willen und dem Fleiß der Bevölkerung ließ in wenigen

Jahren das Unvorstellbare wahr werden. Als im Jahr 1949

die Schule wieder eröffnet werden konnte und die Kinder nicht

mehr zum Unterricht nach Anzhausen mussten, standen auch

fast alle Wohnhäuser wieder auf ihrem alten Platz.

Ausklang

Der Pilot des zwischen Deuz und Beienbach abgestürzten

Bombers, Frank Hunter Smith, schrieb nach seiner

Heimkehr aus dem Krieg an den Vater seines toten Navigators

nach Australien: Krieg ist eine Tragödie. Ich kann

nur hoffen, dass wir niemals mehr durch eine solche Qual

hindurch müssen.

Ulli Weber

1/2012 25 Jahre durchblick 53


54 25 Jahre durchblick 1/2012

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Lösungen auf Seite 74

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Die Übungen wurden

zusammengestellt von:

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1/2012 25 Jahre durchblick 55


Essay

„Angst essen Seele auf“

Gedanken über zwei Grundbefindlichkeiten menschlicher Existenz

db-Foto: Hubertus Freundt

Teil 1: Angst

Angst nix gut, Angst essen Seele auf sagt der marokkanische

Gastarbeiter Ali zu seiner über 20 Jahre

älteren deutschen Frau Emmi im gleichnamigen

Film von Rainer-Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974.

Der Grund: Emmi, eine über 60-jährige Putzfrau (gespielt

von Brigitte Mira) weint und hat Angst, sowohl vor ihrem

eigenen Glücklichsein, als auch vor der Intoleranz und

feindseligen Haltung ihrer Mitmenschen über ihre Ehe mit

einem wesentlich jüngeren Ausländer. Inzwischen wurde

der Filmtitel zu einem geflügelten Wort, denn selbst Nachschlagewerke

wie Brockhaus und Duden listen ihn in „Zitate

und Aussprüche“ als stehende Redewendung auf. Nicht

selten verbergen sich hinter so scheinbar einfachen Zitaten,

tiefsinnige, nicht immer unmittelbar erkennbare Kernfragen

unserer menschlichen Existenz. So auch bei „Angst essen

Seele auf“. Obwohl es sicherlich einmal interessant wäre

zu erfahren, was Ali damit ausdrücken wollte, wir können

es uns nur denken. Bei mir selbst hat seine Aussage zwei

Fragen ausgelöst, denen ich einmal etwas nachgehen möchte.

Erstens, was genau bedeutet der Begriff „Angst“, ein

Zustand, der tief im Innern von uns Menschen so stark werden

kann, dass er unser Seelenleben zerstört und zweitens,

56 25 Jahre durchblick 1/2012


Essay

was verstehen wir Menschen eigentlich unter „Seele“, ein

Begriff vielfältiger Bedeutungen, je nachdem, aus welcher

Tradition heraus er (sie) verstanden wird, mythisch-religiös,

philosophisch oder psychologisch. Bevor ich mich aber

auf die Suche nach möglichen Antworten auf meine beiden

Fragen mache, noch der Hinweis, dass ich diesen Beitrag

als eine Verlängerung meines Beitrages in der durchblick-

Ausgabe 03/11 „Hallo ICH wer bist Du?“ verstehe, denn

beide, sowohl die Angst, als auch die Seele, werden nur unmittelbar

durch die Existenz unseres ICH begreiflich. Das

ICH ist es, welches die Angst bei uns Menschen in ihren

vielfältigen Ursachen und Ausprägungen verspürt, und die

Seele braucht unbedingt das ICH, um in ihm personenhaft

begründet zu sein. Beide sind mit dem ICH untrennbar

verwoben und durch die Beschäftigung mit ihnen, wird

die im vorigen Beitrag angesprochene ICH-Komplexität

erneut deutlich sichtbar. Wenn es zwei Dinge gibt, die das

Dasein von uns Menschen und die Farbe unseres Lebens,

von schwarz/grau bis rosa/rot, maßgeblich mitbestimmen,

dann ist es der Umgang mit unseren vielfältigen Ängsten

und damit eng verknüpft, die Befindlichkeit unserer Seele

(Psyche). Erkunden wir daher zunächst ein wenig das Phänomen

der Angst.

Wo kommt sie her, die Angst?

Das Wort „Angst“ steht im Plural und bedeutet so viel

wie Enge, Bedrängnis, Würgen, die Kehle zuschnüren und

ist heute zu einem Sammelbegriff geworden für in der

deutschen Sprache so vielfältige Synonyme wie Furcht,

Sorge, Bangen, Beklemmung, Erregung, Phobie, Grauen

oder auch Panik. Umgangssprachlich erweitert noch durch

Worte wie: Bammel, Schiss, Flatter und Muffensausen.

Heutzutage aber wird für die Vielzahl unterschiedlicher

Ausdrucksweisen einen negativen Gefühlszustand zu beschreiben

das Wort Angst verwendet. Es war wohl der dänische

Philosoph Sören Kierkegaard (1813-1855), der als erster

den heute in der Psychologie anerkannten Unterschied

machte zwischen den beiden Begriffen Angst und Furcht.

Während Furcht „objektbezogen“ d.h. auf einen bestimmten

Gegenstand gerichtet ist, ist Angst „objektunbestimmt“

sprich gegenstandslos und unbestimmt. (Beispiel: Ich

fürchte mich vor dem Hund, habe aber Angst, dass etwas

passieren könnte.) Demzufolge kennen Tiere keine Angst,

sondern haben Furcht vor einer konkreten Bedrohung, der

sie mit Flucht oder Aggression begegnen. Sie haben aber

keine Angst vor einer ungewissen Zukunft.

Gestalt. Ist es da ein Wunder, dass sie kein Mensch haben

will? Aber Angst ist kein Willensakt. Wir können sie nicht

verhindern, ihr nicht ausweichen, uns nicht von ihr befreien.

Ob wir wollen oder nicht, wenn sie uns ergreift, müssen wir

sie ertragen, sie aushalten und verarbeiten, körperlich wie

seelisch. Mit anderen Worten, wir müssen uns ihr stellen,

jederzeit und unmittelbar, denn die Veranlagung, Angst zu

entwickeln trägt jeder von uns als einen festen Bestandteil

seiner menschlichen Existenz tief in sich. Sie drängt sich in

unser Bewusstsein, manchmal plötzlich, bei einer unmittelbaren

Bedrohung, manchmal schleichend, als ein langsam

aufkommendes beklemmendes Gefühl, ausgelöst durch diffuse

Befürchtungen. Aber Vorsicht, Angst ist uns nicht immer

bewusst, trotzdem wirkt sie in uns, mitbestimmt unser Tun

und Denken und hinterlässt seelische Spuren, und dies nicht

erst im Erwachsenenalter, sondern bereits als Kleinkind.

Von ihrem Ursprung her ist Angst ein Grundgefühl und

gehört gewissermaßen zur biologischen Grundausstattung

von Mensch und Tier. Eine die Sinne schärfender Schutzmechanismus,

der den Körper bei drohender Gefahr, sei sie

real oder fiktiv, in Alarmbereitschaft versetzt durch einen

erhöhten Ausstoß von Adrenalin, höhere Energiebereitstellung,

erhöhte Aufmerksamkeit, höhere Muskelanspannung,

erhöhte Herzfrequenz und der sofortigen Überlebensentscheidung,

Flucht oder Kampf (flight or fight). Diese

Wer dem Phänomen der Angst nachgehen und verstehen

will, welche Macht sie über das Bewusstsein des Menschen

gewinnen kann, muss für den Theologen und Psychoanalytiker

Eugen Drewermann einen Fahrstuhl betreten, der über

drei Stockwerke in den Abgrund menschlicher Existenz

fährt: Verhaltensforschung (Es), Psychoanalyse (Ich) und

Existenzphilosophie (Geist). Auf diesen drei Ebenen zeigt sie

uns ihr „... stets Unheil verkündendes Antlitz“ 1) in vielfältiger

1/2012 25 Jahre durchblick 57


Essay

Angstreaktion des Körpers im Augenblick des Geschehens,

wie Herzrasen, Zittern am ganzen Körper, fliegender Atem

und Schweißausbruch (Angstschweiß) spüren wir aber meist

erst dann, wenn wir (hoffentlich) noch mal „mit dem Schrecken

davongekommen“ sind. Als Beispiel denke ich dabei

an eine plötzlich auftauchende Gefahrensituation im Straßenverkehr,

wenn wir als Fußgänger einen Zebrastreifen betreten

und dabei ein heranrasendes Auto übersehen haben.

Nach vorne wegrennen, nach hinten zurückspringen oder,

was paradoxerweise auch möglich ist, stehenbleiben und vor

Schreck erstarren. Bewegungssturm oder Totstellreflex. Binnen

einer „Schrecksekunde“ entscheiden wir uns, ohne dass

wir die Zeit hätten, bewusst darüber nachzudenken, wie wir

uns verhalten. Wir entscheiden und handeln in diesem lebensbedrohlichen

Augenblick sprichwörtlich „unüberlegt“,

denn Angst ist eine instinkthafte Notfallreaktion des Körpers,

die uns hilft, krisenhafte Situationen sofort zu erkennen und

zu reagieren. Ob uns unser archaisches Verhaltensprogramm

fürs Überleben dabei immer das Erfolgreiche, sprich das Leben

Rettende tun lässt und wir, um beim Beispiel Straßenverkehr

zu bleiben, wohlbehalten die andere Straßenseite

erreichen, steht auf einem anderen Blatt.

Ein anderes Beispiel ist die oft falsche Reaktion bei einem

Wildunfall in der Nacht. Wir wollen der Gefahr eines Zusammenstoßes

ausweichen, bringen uns aber durch unser Ausweichmanöver

in eine noch größere Gefahr. Ganz besonders

erhöht sich das Risiko einer falschen Reaktion immer dann,

wenn wir in einer für uns scheinbar ausweglosen Situation in

Panik geraten und durch unser instinktives, im wahrsten Sinne

des Wortes „kopfloses“ Fluchtverhalten, die Gefahr noch

vergrößern, oder sogar erst verursachen. Dies ist im hohen

Maße dann der Fall, wenn in einer großen Menschenmenge

plötzlich Panik ausbricht und jeder, ohne jede Rücksicht auf

andere, versucht, sein eigenes Leben zu retten.

Eine persönliche Kindheitserfahrung

Ich selbst hatte so ein Erlebnis als Fünfjähriger im

2. Weltkrieg beim Bombenangriff auf Siegen am 16.Dezember

1944. Es gab (wieder einmal) Fliegeralarm. Die Rundfunkdurchsage

vermeldete einfliegende Feindverbände. Das

Aufheulen der Sirenen versetzte die Menschen in eine erhöhte

fluchtartige Alarmbereitschaft und zerrte spürbar an ihren

Nerven. In dem panikartigen Getümmel und dichtem Gedränge,

den rettenden Luftschutzbunker zu erreichen, hatte

ich plötzlich meine Mutter und meine beiden älteren Brüder

verloren. Ich war allein. Ob ich wollte oder nicht, zusammen

mit der Menschenmenge wurde ich in den Bunker geschoben

und gedrängt. Dabei musste ich aufpassen, nicht hinzufallen.

Ich hatte Glück. Als die Türen verschlossen wurden, begann

das Bombardement und ich hörte das Bersten und Dröhnen

explodierender Sprengkörper. Die Wände bebten. Steine in

der Decke lösten sich, fielen aber Gott sein Dank nicht runter.

Ich spürte die große Unsicherheit und Angst der Erwachsenen

um mich herum. Sie spiegelte sich in ihren Gesichtern

wider. Heute, so denke ich, weiß ich warum. Sie lag begründet

in der „Ausweglosigkeit“ der Situation, dem ohnmächtigen

„Ausgeliefertsein“, verbunden mit der zwiespältigen

Verhaltensmöglichkeit. Welchem Verhalten gebe ich nach?

Dem archaisch gesteuerten Fluchtverhalten, also doch lieber

raus aus dem gefängnisartigen Bunker ins Freie, oder folge

ich dem von Vernunft gesteuerten Verhalten des Ausharrens.

Auch zu beobachten war die Erstarrung in eine sich schicksalhafte

Ergebenheit. Seltsamerweise hatte ich keine Angst

und habe auch nicht geweint. Ich wollte einfach nur nach

Hause. Als ich mich durch die Menschenmenge gezwängt

hatte und den Ausgang erreichte, wurde ich von einem Mann

aufgehalten mit der Frage: „Wo willst Du denn hin, Kleiner“?

Wahrheitsgemäß antwortete ich: „Ich will nach Hause“. Er

sagte: „Das kannst Du jetzt nicht, draußen fallen viele Bomben,

die alles kaputt machen.“ Ohne zu fragen wie ich hieß

hob er mich hoch und rief laut: „Kennt jemand diesen Jungen?“

Ich wurde von meiner Patentante erkannt und sozusagen

durchgereicht zu meiner überglücklichen Mutter, die

mich unversehrt wieder in ihre Arme schließen konnte.

In Erinnerung geblieben ist mir, wie bereits erwähnt,

dass ich während der Trennung von meiner Mutter und auch

während des Luftangriffs keine Angst verspürte, ich denke,

weil ich mir von der tödlichen Gefahr der Bomben keinerlei

Vorstellung machen konnte. Sie kam erst mit großer Nach-

Ihr Partner fürs

Wohnen und Bauen

58 25 Jahre durchblick 1/2012


Essay

haltigkeit, als wir nach der „Entwarnung“ aus dem Bunker

kamen und ich die verheerenden Zerstörungen sah; alles lag

in Trümmern und brannte, auch der große lange Häuserblock,

in dem wir gewohnt hatten. Unser ganzes Hab und

Gut lag unter Trümmern begraben. Wir hatten unser zuhause

verloren und waren, wie es damals hieß, „ausgebombt.“ Der

Blick auf die brennende Oberstadt, aus der trutzig das unversehrte

Krönchen emporragte, mein in Flammen gehüllter

Kindergarten, der beißende Gestank von dunklem Qualm

und Rauch, der den Tag zur Nacht werden ließ, sowie das

Schreien der Menschen, all dies löste große Angst in mir aus

und hat sich als ein unvergessenes Schreckenserlebnis tief in

meine Seele sprichwörtlich „eingebrannt.“

Vor dem Hintergrund dieser angstbesetzten Kindheitserfahrung,

der unmittelbaren Konfrontation mit Zerstörung,

Tod und Verzweiflung, und der Erinnerung an die bittere Not

der Nachkriegszeit, in der Hunger alles Denken und Handeln

bestimmte und die Stelle im christlichen Gebet des „Vaterunser“

„...unser tägliches Brot gib uns heute“ noch wörtlich

zu nehmen war, drängt sich mir die Frage auf: Wie ist es denn

heute um unsere Ängste bestellt? Wir leben doch - Gott sei

Dank - in einem politisch befriedeten Europa, in einer von

Wohlstand geprägten Gesellschaft, in der Lebensmittel im

Überfluss vorhanden sind und der technische Fortschritt den

Alltag in vielen Dingen wesentlich erleichtert. Wir haben ein

funktionierendes Gesundheitssystem, ausreichende medizinische

Versorgung und unsere Lebenserwartung steigt. Wir

sind im Alter fitter, werden immer älter und fahren (fliegen)

zweimal im Jahr in Urlaub. Unsere Sozialsysteme zählen

weltweit zu den besten. Die Wirtschaft boomt. Herz, was

begehrst du mehr. Keinerlei Gründe für existenziell große

Sorgen und Ängste. Sollte man meinen. Aber ist das so?

Zunehmende Angst in unserer Zeit

Glaubt man Psychologen und Verhaltensforschern und

ihren in den letzten Jahren erstellten zahlreichen Studien, ist

genau das Gegenteil der Fall. Trotz all dieser politischen,

wirtschaftlichen, technischen und sozialen Errungenschaften

der vergangenen 60 Jahre, nehmen die Angststörungen nicht

nur in Deutschland, sondern europaweit (zum Teil dramatisch)

zu. Nach Angaben der Europäischen Gesellschaft für

Hirnforschung (EBC) leiden 127 Millionen Menschen in Europa,

also mehr als ein Viertel der Bevölkerung, an den zwölf

häufigsten psychischen Erkrankungen. 4) In Deutschland ist

nach einer Statistik der DAK die Rate der „Arbeitsausfalltage

infolge von Angststörungen“ von 2000 bis 2005 um

27 Prozent gestiegen; bei Depressionen liegt im gleichen

Zeitraum eine Zunahme von 42 Prozent vor. Insgesamt gehen

fast 10 Prozent der Krankschreibungen auf psychische

Erkrankungen zurück. 4) Studien lassen vermuten, ...das Angst

im Verbund mit Depression zur vierthäufigsten Todesursache

in westlichen Industriestaaten gehört und laut Schätzungen

der Weltgesundheitsorganisation im Jahre 2020, nach den

Herz-Kreislauf Ursachen, zur zweithäufigsten aufsteigen

wird. 4) Ist Angst, das heimliche Leiden, die schlimmste Seuche

unserer Zeit? Ja, man spricht heute zunehmend sogar

schon von einer „Angstgesellschaft“. An dieser Stelle sei

die Frage erlaubt: Hat die Angst wirklich zugenommen, oder

kann der Einzelne vielleicht nicht mehr so viel ertragen, wie

noch vor 50 oder 100 Jahren. Sind wir, die Wohlstandsindividualisten

4) von heute, womöglich allzu verweichlicht? Jammern

wir nur, wie oft zu hören ist, auf einem hohen Niveau?

Ich denke nein. Aber was ängstigt dann so viele Menschen?

Wovor und vor allem worum fürchten sie sich? So sehr, dass

ihre Angst pathologisch wird und sie als „Angstpatienten“

therapeutische Hilfe benötigten? Immerhin stirbt jeder

Ängste des Menschen von heute

1. Global bedingte Zukunftsängste vor:

(nicht beeinflussbar)

• Folgen des Klimawandels,

• Zunahme von Naturkatastrophen

• Zunahme der Weltbevölkerung,

• globale Virenkrankheiten (Seuchen wie

Vogelgrippe, BSE)

• Ressourcenknappheit und Verteilungskämpfe

um Wasser, Öl und küstennahe Landflächen

• Internationaler Terroranschläge

• GAU in Atomkraftwerken (Fukushima/Tschernobyl)

• Atomare Auseinandersetzung (Iran / Nordkorea

• Internationale Finanz / Banken / Staatsschulden und

Eurokrise

2. Gesellschaftlich bedingte Zukunftsängste vor:

(nicht beeinflussbar)

• Jobverlust

• Arbeitslosigkeit

• Kollabierende Sozialsysteme

• Verlust von Einkommen und Vermögen

• drohende Armut (Altersarmut)

• Ansehen und Prestigeverlust

• Vergrößerung der Schere zwischen Arm und Reich

• Geldentwertung (Inflation)

• Überfremdung

3. Persönlich bedingte Zukunftsängste vor:

(nur teilweise beeinflussbar)

• Einsamkeit / Alleinsein

• Krankheit und Gebrechen

• Alter / Verlust der Selbstständigkeit

• Versagensängste

• Verlustängste

• Sterben und Tod

• Existenzangst (Woher komme ich, wohin gehe ich?)

sowie mögliche Phobien wie

• Platzangst / Flugangst / Höhenangst

• Tierängste (Spinnen, Schlangen, Mäuse etc.)

1/2012 25 Jahre durchblick 59


Essay

siebte Angstpatient von eigener Hand. 4) Die Gründe hierfür

sind vielfältig, vielschichtig und sicherlich auch immer ganz

individuell zu sehen und zu beurteilen (erlebte Kindheit, persönliche

Veranlagung, soziales Umfeld etc.). Daneben gibt es

aber zunehmend gesellschaftliche Ängste, die auf Ursachen

beruhen, auf die der Einzelne keinerlei Einfluss hat, von denen

er sich aber bedroht fühlt und hilflos ausgeliefert. Und

Hilflosigkeit ruft bekanntlich Angst hervor. Ich verzichte an

dieser Stelle bewusst auf Beispiele, sondern verweise auf

die Tabelle auf Seite 59, in der ich versucht habe, die Palette

Angst auslösender Ursachen einmal etwas zu veranschaulichen.

Aber unabhängig ob kollektiv oder nicht, erlebt wird jede

Angst immer nur ganz individuell vom jeweils betroffenen

Menschen. Und aus dieser Position des Einzelnen heraus sehe

ich auch zwei Hauptursachen für die Zunahme von Angst,

ein äußere (gesellschaftliche) und eine innere (persönliche).

Die äußere Ursache

Damit meine ich die große Verunsicherung und Bedrohung

durch die gegenüber früherer Zeiten veränderten Lebens-

und Arbeitsbedingungen, unter denen der Einzelne

heute sein Leben gestalten muss. (Punkte 1 + 2 der Tabelle).

Wir leben in einer überaus hektischen, schnelllebigen, reizüberfluteten

und von Technik beherrschten Zeit der rasanten

Veränderungen. Wir werden von den Medien (Fernsehen,

Radio, Zeitung, Internet) mit Nachrichten und Informationen

förmlich „zugemüllt“, darunter viele, die verunsichern und

Ängste auslösen. Es ist eine Zeit, in der kaum noch etwas

Bestand zu haben scheint. Etwas, das uns Ruhe, Halt und

Orientierung schenkt. Der Druck in unserer Leistungsgesellschaft,

insbesondere für die Erwerbstätigen, wächst ständig

und erzeugt Versagensängste in vielerlei Hinsicht. Die soziale

Schieflage wird immer größer. Auf der einen Seite Wohlstand

und Reichtum, auf der anderen Seite Besitzlosigkeit

und Armut. Die Schere klafft immer weiter auseinander, der

Mittelstand schrumpft und für immer mehr Menschen stellt

sich die beängstigende Frage: Auf welcher Seite werde ich in

Zukunft stehen? In einem Gespräch mit der Zeitschrift GEO

WISSEN antwortete der Psychologe und Psychoanalytiker

Wolfgang Schmidtbauer auf die Frage, woran es denn liegt,

dass die Ängste der Menschen zugenommen haben: „Noch

nie zuvor hatten so viele Menschen so viel zu verlieren wie

heute: ihre Sicherheit, ihren Wohlstand, ihre Zukunftschancen.

Wir gehen zu Vorsorgeuntersuchungen, die möglichst

früh Gefahren entdecken sollen, von denen wir noch gar

nichts ahnen. Wir hören Experten zu, die uns auf Risiken

aufmerksam machen, an die wir normalerweise nicht einmal

denken. Wir sind gegen alles Mögliche versichert, vom Verlust

des eigenen Hauses bis zum Verlust der Zahnprothese.

Aber all das macht uns nicht fröhlich oder angstfrei, sondern

führt uns überhaupt erst vor Augen, was alles passieren

kann.“ 6)

Bei etwas genauerer Betrachtung unserer Gesellschaft

stellt man fest, dass sich mit dieser zunehmenden Angst drei

Generationen auseinandersetzen müssen. Da ist die Kriegsgeneration,

die ihre Ängste, ob in Luftschutzbunkern, auf der

Flucht oder an der Front, nach dem Krieg einfach verdrängt

hat, die heute aber, bedingt durch die bedrohlichen Veränderungen,

wieder mit Macht an die Oberfläche drängen.

Dazu der bekannte Theologe und Buchautor Amseln Grün:

„Während der Weg nach dem Krieg immer nur bergaufging,

scheint er jetzt nach unten zu führen, in ein nebliges Tal.

Dort unten ist es dunkel und kalt. Man fühlt sich nicht wohl

in diesem Tal. Eine undurchsichtige Zukunft macht unsicher.

Und vieles, was dort unten geschieht, erzeugt Angst. 5) Da ist

die noch im Berufsleben stehende Generation, die dauerhaft

unter Stress steht und nicht nur Angst vor einem möglichen

Jobverlust hat, sondern auch im Hinblick auf eine ausreichende

Altersvorsorge und drohender Altersarmut. Da sind

als dritte Generation die Jugendlichen und jungen Erwachsenen,

die vor der Entscheidung stehen, welchen Berufsabschluss

schaffe ich, welcher Berufsweg ist für mich der richtige,

um im zunehmend internationalen Wettbewerb nicht

auf der Strecke zu bleiben. Diesen Fragen stehen heute viele

Wahlmöglichkeiten gegenüber, die durchaus positiv zu bewerten

sind, die aber auch die Angst hervorruft, eine falsche

Entscheidung zu treffen, eine Entscheidung, die das spätere

Leben entscheidend mitbeeinflussen kann.

Zu den Ängsten, die wir mit anderen teilen, kommen also

noch die generationsbedingten, die es in dieser Form früher

so sicherlich nicht gegeben hat.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass mit der Angst der

Menschen auch gute Geschäfte gemacht werden. Dazu nur

zwei Beispiele. Da ist unsere Angst vor materiellen Verlusten

(Immobilie, Inventar, Auto, etc.). Wir suchen Versicherungsschutz,

schließen zahlreiche Versicherungen ab, die, wenn

überhaupt, nur selten in Anspruch genommen werden, zahlen

regelmäßig unsere Beiträge, an denen die Versicherungsgesellschaften

Milliarden verdienen. Es gibt heute praktisch

nichts mehr, gegen das man sich nicht versichern kann. Da

ist die Angst vor vielfältigen Krankheiten und Gebrechen,

die geschürt wird durch medial aufgebaute Drohkulissen,

insbesondere in der Werbung der Pharmaindustrie, die psychologisch

raffiniert durchdacht, immer nach dem gleichen

Schema abläuft, erst Angst erzeugen, dann Hilfe durch Arzneimittel

anbieten, deren Wirksamkeit oft fraglich ist. Mit

dieser Methode werden Milliarden verdient. Erinnert sei nur

an die übertriebene Panikmache vor globalen Infektionen

und Seuchen wie Vogelgrippe, Schweinegrippe, BSE, sprich

die Angst vor einer Pandemie und den angebotenen Schutz

durch entsprechend teure Impfstoffe.

Angst ist ein (oft verstecktes) Mittel, das zur Durchsetzung

politischer Ziele eingesetzt wird. Das Spiel mit der Angst in

der Politik ist allgegenwärtig, im Kleinen wie im Großen. Ich

denke da z.B. an die Angst vor möglichen Terroranschlägen.

Mit ihr lassen sich Gesetze zur Verschärfung staatlicher Überwachungsmaßnahmen

viel leichter durchsetzen. Man muss

das Angstpotenzial der Bevölkerung nur richtig anheizen und

60 25 Jahre durchblick 1/2012


Essay

der Mensch ist bereit, auf ein Stück seiner sonst so verteidigenden

Freiheit zu verzichten. Ich erinnere an den ehemaligen

Präsidenten der USA, George Bush, an seine Achse des Bösen

und die Rechtfertigung für den Beginn des Irak-Krieges,

Saddam Hussein verfüge über Atomsprengköpfe, die auf Israel

gerichtet seien. Allerdings kein Spiel mit der Angst waren

das sei der Wahrheit halber auch erwähnt, die Terroranschläge

des 11. September 2001. Spätestens seit diesem Datum war,

nicht nur bei uns in Deutschland, „Schluss mit lustig“ 2) und

der bekannte Journalist Peter Scholl-Latour verkündete damals

schon ... das Ende der Spaßgesellschaft. 3) Bei all dem

denke ich, jeder von uns sollte wachsam und sensibel sein und

in vielen Dingen mehr seinem gesunden Menschenverstand

vertrauen, um die vielfältigen unnötigen „Angstmacher“ zu

entlarven und ihnen nicht auf den Leim zu gehen.

Die innere Ursache

All diese vielen äußeren, angstauslösenden Einflüsse

treffen heute zunehmend auf Menschen, deren Grundeinstellung

zu ihrem persönlichen Leben, sowie zum Leben

selbst, in eine Schieflage geraten ist. Das Fundament, auf

dem sie ihr Leben aufbauen, ist oft brüchig und instabil.

Den Grund sehe ich in der vielfach verlorengegangenen

Religiosität und Spiritualität. Die Mehrzahl der Menschen

sind ausschließlich außen orientiert. Sie suchen den Wert

ihrer eigenen Person überwiegend in materiellen und äußeren

Dingen wie Besitzstand (Geld, Vermögen), beruflichen

Erfolg (Ansehen, Anerkennung), äußere Schönheit (Figur,

Kleidung) und in einer oft übertriebenen Fitness (körperliche

Leistungsfähigkeit). So hilfreich diese Dinge für das

eigene Leben vielleicht auch sein mögen, letztlich sind und

bleiben sie nur Äußerlichkeiten, die unbeständig und vergänglich

sind, keinen festen Bestand haben, dadurch auch

keinen wirklichen Halt bieten können und auch keine innere

Ruhe und Orientierung geben. Sie machen nicht wirklich

glücklich und schon gar nicht angstfrei. Ganz im Gegenteil,

mit ihnen steigen die Versagens- und Verlustängste. Diese

einseitige Ausrichtung, dieses sandige Fundament, auf dem

die Menschen versuchen, ihr Leben aufzubauen, macht sie

psychisch krank. Ihnen fehlt ein Gegenpol für ihre Ängste

und sie suchen Hilfe. Und wo? Auch wenn kein unmittelbarer

Zusammenhang zu erkennen ist, zu beobachten ist hier

ein interessanter Wechsel. Während die Kirchenbänke (aus

vielerlei guten Gründen) immer leerer werden, füllen sich

die Wartezimmer der Psychotherapeuten. Ihre Wartelisten

und Wartezeiten werden immer länger. Für mich ein sicheres

Zeichen dafür, dass der Mensch für sein Seelenheil – gestern

wie heute – unbedingt ein Gegenüber braucht, dem er seine

Sorgen und Ängste anvertrauen kann. Und dieses Gegenüber

ist heute nicht mehr der Seelsorger, besser gesagt, Gott, sondern

die überlaufenen und überlasteten Therapeuten. Damit

will ich notwendige und hilfreiche therapeutische Behandlungen

bei Angsterkrankungen und neurotischen Störungen

in keiner Weise in Frage stellen. Im Gegenteil, ich halte sie in

unserer Zeit für dringend notwendig. Worauf es mir aber

Alter Geschlecht Monatsbeitrag in Euro

45 Frauen

Männer

55 Frauen

Männer

65 Frauen

Männer

75 Frauen

Männer

Genau so einzigartig

wie der Mensch ist,

so sollte auch seine

Bestattung sein.

Vorsorge

Absicherung für den letzten Weg

8,94

11,53

12,24

15,82

19,45

24,82

40,50

48,63

12,89

16,79

17,84

23,21

28,63

36,70

60,18

72,38

TÜV SÜD geprüfte Service-Qualität

seit 3 Jahren in Folge

für den Geltungsbereich:

16,84

22,03

23,44

30,59

37,81

48,56

79,86

96,14

Versicherungssumme 3.000 4.500 6.000

Quelle: Ideal Sterbe-Geld 2011

1/2012 25 Jahre durchblick 61


Essay

ankommt, ist, auf einen philosophisch-religiösen Aspekt hinzuweisen,

der bei der Frage nach dem Ursprung und bei der

Bewältigung von Angst eine erhebliche Rolle spielt. Es ist

ein Grundproblem der menschlichen Existenz überhaupt und

liegt sozusagen in der geistigen Ausstattung des Menschen

selbst: seinem Selbstbewusstsein. Der Mensch besitzt die

Fähigkeit zur Selbstreflexion d.h., durch sie potenziert sich

das mit den Tieren gemeinsame Angsterleben ins Unvorstellbare.

Nur der Mensch weiß, dass er in der Falle sitzt. Er

ist das einzige Lebewesen, das sich

die Frage stellen kann: Wo komm

ich her, wo geh ich hin? Und mit

ihr stellt sich die nächste Frage nach

dem Grund des persönlichen Daseins

in dieser Welt. Warum existiere ich

überhaupt? Welches ist der Grund für

meine Existenz? Was interessiert die

Natur, was die Welt, ob es mich gibt

oder nicht? Die Existenzphilosophie

spricht von einem „Grundlosen Hineingeworfensein

in das Dasein dieser

Welt.“ Der deutsche Philosoph Martin

Heidegger (1889–1976) sagt dazu

in seinem berühmten Werk „Sein und

Zeit“: „Wovor die Angst sich ängstigt,

ist das -In-der-Welt-sein selbst.

Die Angst wirft den Menschen auf

sich selbst zurück. Er erkennt sich als

ein einsames Einzelwesen gegenüber

einer bedrohlich wirkenden Welt

und gegenüber einer majestätischen

Gleichgültigkeit der Natur. Solch eine

existenziell tiefe Erkenntnis, die

Infragestellung der eigenen Existenz,

erfahren Menschen oft erst am Ende ihres Lebens, wenn der

Tod nach ihnen greift und ihnen klar wird, dass all ihr eitles

Tun nur ein Haschen nach Wind war. (Pred.1,14)

Dazu Eugen Drewermann: „... ein Grundproblem der

menschlichen Existenz (ist):... in eine Welt geworfen zu sein,

deren Gesetze und Spielregeln schon aufgrund ihrer Unpersönlichkeit

und Gleichgültigkeit gegenüber dem Einzelnen

unheimlich, unbegreifbar und inakzeptabel erscheinen. Zu

sich selbst zu erwachen und der Welt fremd zu werden ist

offenbar ein und derselbe Vorgang ...“ und weiter: „Die Ausgesetztheit

und Einsamkeit des menschlichen Daseins jedoch

ist wesentlich; sie gehört notwendig zur Reflexivität und Personalität

der Existenz: Ein geistiges Wesen wie der Mensch

muss die Fragen an die Welt richten, auf welche diese grundsätzlich

nicht zu antworten vermag. Allein schon die abweisende

Stummheit bzw. die verweigerte Antwortschaft der

Welt bezüglich aller Klagen und Fragen des Daseins, treibt

die Angst im menschlichen Bewusstsein ins Unermessliche...

und je reflektierter, bewusster, geistiger ein Mensch sein Leben

vollzieht, desto schonungsloser und ungeschminkter tritt

die Unbegreifbarkeit dieser Wahrheit an ihn heran.“ 1)

Die Vertreibung von Adam und Eva aus

dem Paradies ist die Geburtsstunde der

Angst des Menschen

Folgen wir Drewermann, so gehört die Angst quasi zur

Basisausrüstung eines jeden Menschen, eben weil er über die

Fähigkeit zur Selbstreflexion verfügt. Einen Menschen ohne

Angst gibt es nicht. Theologisch tief begründet ist dies in

der bildhaften Aussage der Bibel beim Sündenfall von Adam

und Eva (das Essen der verbotenen Frucht vom Baum der

Erkenntnis, um zu werden wie Gott) und der Vertreibung

aus dem Paradies (Gen. 3,7) wo es heißt: „Und da gingen

ihnen die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren“.

Hinter dieser symbolkräftigen

Aussage; die Fähigkeit, den Blick

auf sich selbst richten zu können (das

Selbstbewusstsein) und dem plötzlichen

Erkennen der eigenen Schutzlosigkeit

(mein kleines ICH gegenüber

allem was Nicht-ICH ist in dieser

Welt); verbirgt sich so etwas wie die

Geburtsstunde der Grundangst des

Menschen.

wikipedia.org / Adam und Eva im Florapark in Düsseldorf

Die Daseinsangst der

Existenzphilosophie

Diese menschliche Grundangst

(die Daseinsangst der Existenzphilosophie)

findet ihren Ausdruck in vier

verschiedenen Grundformen: Notwendigkeit,

Möglichkeit, Endlichkeit

und Unendlichkeit. 5) Für Kierkegaard

sind es die vier Pole, zwischen denen

der Mensch in dieser Welt lebt (leben

muss). Was ist mit ihnen gemeint? Die

erste Grundangst ist die des zwanghaften

Menschen 5) vor der eigenen

Wertlosigkeit. Er erlebt sich in dieser

Welt als nutzlos und unnötig und glaubt, die Notwendigkeit

seiner Existenz und seinen Wert nur durch immer mehr Leistung

beweisen zu müssen. Die zweite Grundangst ist die des

hysterischen Menschen. 5) Er erkennt die unendlichen Möglichkeiten

seines Handelns, aber durch sie erfährt er auch

die Haltlosigkeit seines Daseins. Er sucht verzweifelt Halt

und klammert sich an Besitz oder auch an einen anderen

Menschen, in der Hoffnung auf eine absolute Geborgenheit,

die ihm beide aber nicht bieten können, um damit seine

tiefsitzende Angst zu beruhigen. Die dritte Grundangst hat

ein depressiv veranlagter Mensch 5) , der an der Unendlichkeit

verzweifelt. Er fühlt sich schon allein aufgrund seines

Daseins für schuldig. Er zweifelt an seiner Daseinsberechtigung.

Um diese Schuldangst zu bekämpfen, verausgabt er

sich für andere und entwickelt ein Helfersyndrom. Damit

überfordert er sich ständig, und diese Überforderung führt

zur Verzweiflung. Die vierte Grundangst ist die des schizoiden

(zerrissenen) Menschen, 5) der nach Drewermann mit der

Endlichkeit nicht zurechtkommt. Er steht nicht in Beziehung

zu seinen Gefühlen, und deshalb auch nicht in emotionaler

Beziehung zu anderen Menschen und der Welt. Für ihn wird

62 25 Jahre durchblick 1/2012


Essay

sein Denken, das nur um ihn selbst kreist, zur Realität. Er

wird der Welt fremd, entwickelt Phantasien bis hin zum Verfolgungswahn.

Nimmt man nun diese tief in der menschlichen Psyche

verankerte Veranlagung für diese vier Formen der Grundangst

und verstärkt diese noch durch all die bisher angesprochenen

vielen Ängste, die bei der Bewältigung des Lebens

auftreten, ist es da ein Wunder, dass die Angst eine so mächtige

Triebfeder ist, im Guten wie im Bösen, im Bewussten

wie im Unbewussten? Von dem amerikanischen Philosophen

Ralph Waldo Emerson (1803–1882) stammt der Satz:

„Furcht besiegt mehr Menschen als irgendetwas anderes auf

der Welt.“ Bleibt für mich die letzte Frage zu stellen: aber

wohin mit all unseren Ängsten?

Verwandle deine Angst 5)

„Alles, was Religion dem Menschen zu sagen hat, ist als

Antwort zu lesen auf die Fragen, die sich auf den verschiedenen

Stufen des Daseins in der Sprache der Angst zu Wort

melden.“ 1) Mit dieser Aussage will Drewermann darauf

hinweisen, dass es nicht die modernen Naturwissenschaften

sind, die auf die angstauslösenden existenziellen Fragen

des Menschen eine sinnvolle und heilende Antwort geben

können (und es auch nicht wollen), sondern nur Religion, in

ihren unterschiedlichen Formen. Die „Entängstigung“ des

Menschen ist nur auf der Ebene des Religiösen möglich. Da

ist die fernöstliche, mystische Naturreligion des Hinduismus,

die dem Menschen seine Angst nimmt, indem sie ihn mit hineinnimmt

in den ewigen Kreislauf der Natur, dem ständigen

Werden und Vergehen, und wo Geist und Körper eins sind.

In diesem Kreislauf kann der Mensch nicht verlorengehen.

Da ist der Buddhismus, bei dem alles Leid und alle Angst

dieser Welt nur verursacht werden durch die Habsucht und

Begierden des Menschen, sowie in der falschen Vorstellung

vom ICH. Das ICH ist im Buddhismus nur eine Illusion,

ein Spiegelreflex, ein Trugbild. (Siehe Beitrag: „Hallo ICH,

wer bist du?“ Ausgabe 03/11) „Wer die Ichhaftigkeit verlässt,

der verlässt damit zugleich die Stätte der Angst und tritt in

die Stille des Schweigens.“ 1) So wertvoll insbesondere die

friedliche, angstlindernde „Ichauflösung“ des Buddhismus

im Zusammenleben der Menschen auch sein mag, die größte

Kraft und Hoffnung aber, die Angst zu überwinden, bietet für

mich das monotheistische Christentum. Warum? Weil in ihm

das letzte Ziel aller Menschen nicht im Einswerden mit der

Natur liegt, auch nicht in der völligen Ichauflösung der Person,

sondern genau gegenteilig, in einer naturgelösten und

angstfreien Ichfindung. Erst im Erkennen seiner wahren und

wirklichen Person, durch die Hinwendung zu einem absoluten

Gegenüber, dem absoluten DU Gottes, findet sich der

Mensch im tiefsten seines Wesens. So wie seine biologische

Einmaligkeit durch seinen Fingerabdruck und seine DNA

zu erkennen ist, so erfährt der Mensch in der Begegnung mit

Gott seine menschliche Einmaligkeit. Wie sich das ICH eines

Kindes erst am DU seiner Mutter entfaltet und eine (hoffentlich)

vertrauensvolle und liebende Geborgenheit erfährt,

so erfährt der Mensch ein von Angst befreites angenommen

sein im DU Gottes. Es ist letztlich „die göttliche Person,

das göttliche Du, vor dem sich unsere Angst beruhigt. Der

einzige Weg, von seiner Angst um sich selbst frei zu werden,

besteht darin, dass das ICH es lernt, im Gegenüber des

absoluten Ichs Gottes (s)ein eigenes Ich auszuprägen.“ 5)+1)

Dieses JA von einem Gott, der all unsere Vorstellungskraft

übersteigt und von dem wir nur wissen, dass wir ihn mit DU

anreden können, dieses absolute JA Gottes zum Menschen

ist völlig bedingungslos, dazu braucht es keinerlei Leistung,

keine Voraussetzung und keine Rechtfertigung. Dieses Angenommensein

ohne jedes Wenn und Aber, ist nichts anderes

als die Liebe Gottes zu den Menschen. Sie ist es, die uns

Menschen unsere Angst nimmt. Und dieses Wissen um die

angstauflösende Liebe Gottes verkündete Jesus, der Mann

aus Nazareth, schon vor 2000 Jahren, bis zu seinem eigenen

grausamen Tod am Kreuz. Immer wieder sprach er die

für jeden gläubigen Christen tröstenden und ermutigenden

Worte: „Fürchte dich nicht“, eine Aussage, die in der Bibel

immerhin 365-mal vorkommt. Jesus war und ist für die

Menschen ein Angsttherapeut mit der bedingungslosen Liebe

Gottes als Heilmittel. Aber nicht nur die Liebe Gottes zu

den Menschen vertreibt die Angst, sondern auch die Liebe

der Menschen untereinander, denn überall da, wo die Liebe

gegenwärtig und spürbar ist, gibt es keine Angst. Die Liebe

schafft angstfreie Räume. Deshalb heißt das Zauberwort für

die Vertreibung der Angst aus dieser Welt auch: Liebe. Ob

wir Menschen auf diesem Blauen Planeten das jemals begreifen

werden? Ich hab da so meine Zweifel.

Eberhard Freundt

Quellenangaben: 1) Eugen Drewermann: Glauben in Freiheit Band 1 (Walter-Verlag),1993 2) Peter Hahne:

Schluss mit lustig – Das Ende der Spaßgesellschaft. Johannis-Verlag, 2004. 3) Wikipedia.org. 4) ZEIT-Online:

Beitrag: In den Fängen der Angst (Christian Schüle April 2007). 5) Amseln Grün: Verwandle deine Angst

(Herder Verlag) 2011. 6) www.geo.de/GEO/Heftreihe/geo_wissen

VdK Soziale Sicherheit in einer

großen Gemeinscha

Kreisverband

Siegen-Olpe-Wigenstein

57072 Siegen Morleystr.15-17

Tel.: 02 71 / 30 38 29-0

Fax: 02 71 / 30 38 29-18

e-mail: kv-siegen@vdk.de

www.vdk.de/kv-siegen-olpe-wigenstein

Falls Sie mehr über den VdK wissen möchten,

wenden Sie sich an den Kreisverband oder direkt

an den für Sie zuständigen Ortsverband

1/2012 25 Jahre durchblick 63


Veranstaltungen im Senioren Begegnungszentrum

der Stadt Siegen

Seniorenhilfe Siegen e.V.

Telefon 02 71/ 6 61 03 35

durchblick e.V.

02 71/6 16 47 + 01 71/6 20 64 13

AlterAktiv e.V. Siegen-Wittgenstein

Senecafé 02 71/ 2 50 32 39

SeniorenServiceStelle 0271 / 3 84 61 08

montags

10:00 -12:00 Sprechstunde der

Seniorenhilfe

09:00 -12:00 SeniorenServiceStelle

geöffnet 0271 / 3846108

10:00 -12:00 Werkstatt geöffnet

14:00 -18:00 ALTERAktiv

Senecafé

dienstags

10:00 -12:00 Sprechstunde der

Seniorenhilfe

10:00 -12:00 Redaktionsbüro des

durchblick geöffnet

10:00 -12:00 Malgruppe

18:00 -20:00 durchblick-Photo-Shop-

Club (für Fortgeschritte)

ALTERAktiv-Computerkurse

und Englischkurse

auf telefonische Anfrage

Haus Herbstzeitlos

57074 Siegen, Marienborner Str. 151

Café „Unter der Linde“ 02 71 / 5 64 10

Englischkurse 02 71 / 8 74 39

oder 02 71 / 2 50 15 00

Film- und Video-Club 027 32/1 24 60

Seniorenbeirat 02 71 / 404-2434

mittwochs

10:00 -12:00 Redaktionsbüro des

durchblick geöffnet

09:00 -12:00 SeniorenServiceStelle

geöffnet 0271 / 3846108

09:00 -12:00 ALTERAktiv

Senecafé

15:00 -17:00 Singen mit der

Seniorenhilfe

15:00 -17:00 Handarbeiten mit der

Seniorenhilfe

15:00 -17:00 Werkstatt geöffnet

14:00 -18:00 ALTERAktiv

Senecafé

19:00 -21:00 Regenbogentreff

19:30 -22:30 Film und Videoclub

Gedächtnistraining 071 / 8 49 99

Lesepaten 02739 / 22.90

Malgruppe 0271 / 3 73 87

Selbstverteidigung 0160 / 30 18 67

SeniorenTheaterSiegen 0271 / 5 65 28

Trauercafé 0271/ 5 34 46

Wahlverwandte 0271 / 2 38 01 08

Werkstatt 02 71 / 6 27 76

donnerstags

09:30 - 10:30 Selbstverteidigung

10:00 - 12:00 Sprechstunde der

Seniorenhilfe

10:00 - 12:00 Redaktionsbüro des

durchblick geöffnet

12:30 - 14:00 Mittagstisch für Ältere,

Vortagsanmeld. bis 12 Uhr

0271- 404-2200

15.30 -16:45 „Easy Conversation“

Englischstunde

freitags

10:00 - 12:00 Sprechstunde der

Seniorenhilfe

samstags

09:00 - 12:00 Wandergruppe

der Seniorenhilfe

Wegen möglicher Änderungen einzelner Termine (Ferien, Krankheit usw.) empfiehlt sich die telefonische Anfrage.

Das Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos befindet sich hinter der alten „Hainer Schule“, Ecke Marienborner Str. / Blumenstr.

Anfahrt: Ab Hauptbahnhof, ZOB Bussteig B 1-2: Linien R 12, R 13, R 17, L 109 (Bushaltest, Blumenstraße). Parkplatz: Kostenlos am Haus

Wir haben die passenden Veranstaltungen für Sie:

Englisch für Ältere (verschiedene Stufen)

Computerkurse für Ältere (Grundlagen, Internet, E-Mail u. a.)

Programm 2011/2012

Programm

2011/2012

August 2011 - Juli 2012

Vorträge | Café-Zeit im KrönchenCenter

und vieles Andere mehr.

VHS Siegen, KrönchenCenter, Markt 25, 57072 Siegen

www.vhs-siegen.de

Telefon: 0271 404-3000

„Wandern und Schauen, Hobby mit Tempo 3“

Kneppe/Gottschalk (79516/79154)

14.00 Uhr ab Weidenau Finanzamt

18.00 Uhr Rückkehr

- 13.03. Ostheldener Höhe-Schönau

- 27.03. Hainchen-Dilldappenweg

- 10.04. Aartalsee,Rundweg

- 24.04. Fahlenscheid-Rahrbach

- 08.05. Dillbrecht-Offdilln

- 22.05. Giller Rundweg

- 05.06. Holzbachschlucht

Fugler (Tel. 870315/870305)

14.00 Uhr ab Geisweid, Klaf. Markt

18.00 Uhr Rückkehr

- 13.03. Gillerberg

- 27.03. Kirchhundem

- 10.04. Olpe Rosenthal

- 24.04. Pottum am Wiesensee

- 08.05. Nümbrecht

- 25.05. Finnentrop

Fritz/Hartzer (Tel. 42616/75801)

13.45 Uhr ab Wdn., Humboldt-Pl.

14.00 Uhr ab Weidenau, A.d. Hütten

18.00 Uhr Rückkehr

- 06.03. Wenden-Schönau

- 20.03. Elkhausen

- 03.04. Fleckenberg

- 17.04. Dauersberger Mühle

- 15.05. Rhein-Weser-Turm

- 29.05. Kohlhagen

Hövelmann/Flender (75980/82733)

14.00 Uhr Abfahrt Weidenau, Bhf.

14.15 Uhr Abf. Marktpl. Geisweid

18.00 Uhr Rückkehr

- 06.03. Oberveischede

- 20.03. Wenden

- 03.04. Schmallenberg

- 17.04. Ginsberger Heide-Lützel

- 15.05. Wittgensteiner Schweiz

- 29.05. Betzdorf-Dauersberg


Veranstaltungshinweise

Sa.

Di.

So.

Do.

Fr.

Sa.

Di.

Sa.

Sa.

So.

Sa.

Sa.

Di.

Sa.

Di.

Do.

Fr.

Sa.

Sa.

So.

Sa.

Backestage

im Siegerland

März 2012

03./ 14-16 Uhr, Netphen.-Salchendorf

06./ 11-13 Uhr, Burb.-Nd.dresselndf.

ab 10 Uhr, Fbg.-Oberholzklau

18./ 14-17 Uhr, Netphen-Im Bruch

29./ 09-17 Uhr, Burb.-Holzhausen

30./ 09-17 Uhr, Burb.-Holzhausen

31./ 10-13 Uhr, Fbg.-Alchen

ab 12 Uhr, Sgn.-Nd. Setzen

April 2012

03./ 11-13 Uhr, Burb.-Nd.dresselndf.

07./ 14-16 Uhr, Netph.-Salchendorf

14./ 06-12 Uhr, Burb.-Ob.dresselndf.

14-16 Uhr, Netph.-Salchendorf

15./ 14-17 Uhr, Netphen-Im Bruch

21./ ab 10 Uhr, Fbg.-Oberholzklau

11-17 Uhr, Langenholdinghausen

28./ 13-16 Uhr, Sgn.-Birlenbach

06-12 Uhr, Burb.-Alte Vogtei

Mai 2012

01./ ab 11 Uhr, Neunkirchen

05./ 08-12 Uhr, Sgn.-Trupbach

14-16 Uhr, Netph.-Salchendorf

11-15 Uhr, Fbg.-Oberheuslingen

08./ ab 11 Uhr, Burb.-Nd.dresselndf.

10./ 09-17 Uhr, Burb.-Holzhausen

11./ 09-17 Uhr, Burb.-Holzhausen

06-12 Uhr, Burb. Lützeln

12./ 09-11 Uhr, Burb.-Wahlbach

06-12 Uhr, Burb. Lützeln

06-12 Uhr, Burb.-Ob.dresselndf.

19./ ab 10 Uhr, Fbg.-Oberholzklau

20./ 14-17 Uhr, Netphen-Im Bruch

26./ 06-12 Uhr, Burb.-Alte Vogtei

13-16 Uhr, Sgn.-Birlenbach

10-13 Uhr, Fbg.-Alchen

ab 12-Uhr, Sgn.-Nd.-Setzen

Vermittlung

von Wohnpartnerschaften

Die Koordinierungsstelle „Wohnpartnerschaften“

beim Verein ALTERAktiv sucht ältere Menschen,

die Wohnraum zur Verfügung stellen können und

Hilfe oder Begleitung bei Haus- und Gartenarbeit,

beim Einkauf u.ä. benötigen oder wünschen. Sie

vermittelt junge Menschen als MieterInnen, die

tatkräftig Unterstützung leisten und so ihre Mietkosten reduzieren wollen.

Als Faustregel gilt: Eine Stunde Hilfe im Monat für einen Quadratmeter

Wohnraum plus Nebenkosten.

Wenn Sie interessiert sind, wenden Sie sich an:

ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein e.V.

Geschäftsstelle / Seniorenbüro

57074 Siegen, St Johann-Str. 7

Tel.: 02 71/2 34 60 66

Fax: 02 71/2 34 60 77

E-Mail: wohnpartnerschaft@senioren-si.de

Internet: www.senioren-siegen.de und www.senioren-si.de

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Wir informieren Sie gerne, bitte sprechen Sie

Frau Gruner, Durchwahl 4895115, E-Mail: ggruner@wgh-siegen.de oder

Frau Stauf, Durchwahl 4895111, E-Mail: jstauf@wgh-siegen.de, an.

WGH

Wohnungsgenossenschaft

Hüttental eG

57076 Siegen-Weidenau · Jahnstraße 45

Tel. 02 71/48 95 10 · Fax 02 71/4 89 51 51

www.wgh-siegen.de

Sa.

Sa.

So.

Sa.

Juni 2012

02./ 14-16 Uhr, Netph.-Salchendorf

16./ 06-12 Uhr, Burb.-Ob.dresselndf.

17./ 14-17 Uhr, Netphen, Im Bruch

30./ ab 12 Uhr, Sgn.-Nd.-Setzen.

13-16 Uhr, Sgn.-Birlenbach

durchblick 1/2012 65


Veranstaltungshinweise

März 2012

1. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Sgn.

20:00 Kabarett: Daubs Melanie, Das

Jubiläums-Programm, Kulturhaus Lÿz,

Siegen, auch am 2.3.

20:00 Schauspiel von Wajdi Mouawad

Verbrennungen, Gebr.-Busch-Theater,

Hi.-Dahlbruch

2. Freitag

19:30 Konzert mit dem Original Hochund

Deutschmeister-Orchester aus

Wien, Siegerlandhalle Siegen

20:00 Jazzclub Oase: Jazzkonzert mit

dem Cécile Verny Quartet, Kulturhaus

Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 18

3. Samstag

19:00 Komödie von William Shakespeare,

Viel Lärm um nichts, Apollo-

Theater Siegen

20:00 Jazzclub Oase:Satin Blue mit der

Siegener Songwriter-Band, Kulturhaus

Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 18

4. Sonntag

15:00 Trauercafé – Café Regenbogen,

Haus Ernsdorf, Ernsdorfer Str. 3 Kreuztal

18.00 Die große Peter Kraus Revue,

„Für immer in Jeans 2012“,

Apollo-Theater Siegen

19:00 Kurbelkiste: In einer besseren

Welt, der Film wurde 2011 mit dem

Oscar ausgezeichnet, Lÿz, Siegen

20:00 Schauspiel mit Musik, Die Harry

Belafonte Story, Apollo-Theater Siegen,

auch am 14.03.2012

5. Montag

9:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos Siegen

6. Dienstag

10:00 Kreativ-Gruppe Deutscher-

HausfrauenBund, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos Siegen

14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Siegen,

Marienborner Straße 151

7. Mittwoch

9:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Siegen

14:00 KSG-Offenes-Café im Wenscht,

Siegen Geiseid, Fichtenweg 5

19:30 Gesprächskreis für pflegende

Angehörige,Diakoniestation Kreuztal,

Anm. vormittags 02732-582470

20:00 Ein sati(e)risches Seminar mit

Hans Georgi, Ich will dein Geld! Altes

Feuerwehrgerätehaus, Netphen

8. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Sgn.

20:00 Kreuztal Kultur, Roger Willemsen:

Die Enden der Welt, Stadthalle

Kreuztal, Am Erbstollen 7

20:00 Kabarett „Springmaus“ mit

ihrem neuen Programm Büro Büro,

Gebr.-Busch-Theater, Hi.-Dahlbruch

9. Freitag

20:00 Jazzclub Oase: Jazzkonzert mit

der WDR-Big-Band feat. Lee Konitz,

Kulturhaus Lÿz, Siegen

19:30 Kabarett: Weibsbilder Unbenannt

- wir sind übrig Bürgerhaus am

Markt, Bad Berleburg

10. Samstag

20:00 Comedyabend mit Tobias Mann,

Durch den Wind und wieder zurück,

Kulturhaus Lÿz, Siegen

„Die maskierten Liebhaber“ Komische Oper von Niccolò, musikalische

Leitung:Maurizio Quaremba.So. 18.März 17 Uhr Gebr.-Busch-Theater Hi.-Dahlbruch

Cécile Vernys Stimme eine der wichtigsten

im europäischen Jazz: Freitag 2. März im

Jazzclub Oase im Siegener Kulturhaus Lyz

66 durchblick 1/2012

Veranstalterfoto

Veranstalterfoto

20:00 KreuztalKultur: Kabarett mit

Martina Schwarzmann, Wer Glück hat

kommt, Stadthalle Kreuztal

11. Sonntag

18:00 KreuztalKultur, Lesung mit Gerhard

Polt aus Circus Maximus, Stadthalle

Kreuztal, Am Erbstollen 7

12. Montag

10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte,

Rosterstr. 186 Siegen

10:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen

e.V. Begegnungszentrum Haus

Herbstzeitlos Siegen

16:00 KSG-Café im Wenscht Lesepatin,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5

13. Dienstag

19:00 Informationsvortrag von Daniela

Sadelkow-Geßner: Vorsorgevollmacht /

Patientenverfügung, Rathaus Hilchenbach

14. Mittwoch

14:30 KSG-Café: Kochstudio International,

Siegen-Geisweid,Fichtenweg 5

20:00 Schauspiel: Rain Man, Hi.-Dahlbruch,

Gebr.-Busch-Theater

15. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos

17. Samstag

20:00 Siegener Kabarett-Night, Freche

Zungen küsst man nicht, Lÿz, Siegen

18. Sonntag

14:30 „Café unter der Linde“, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Sgn.

15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen

e.V. Kindergarten, Oranienstraße

25, Freudenberg


Veranstaltungshinweise

17:00 Die maskierten Liebhaber Komische

Oper von Niccolò Piccinni, Die

Musikakademie Siegerland / Südwestfalen

e.V. stellt dieses bisher unentdeckte

Opernwerk vor. Gebr.-Busch-

Theater, Hilchenbach-Dahlbruch

19:00 Kurbelkiste: Film der aktuellen

Kinostarts, Kulturhaus Lÿz, Siegen

19. Montag

14:00 KSG - Café im Wenscht: Malen/

Basteln für Erwachsene, Siegen-Geisweid,

Fichtenweg 5

14:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos Sgn.

16:00 „Ohne Altersbeschränkung“ The

King's Speech, Viktoria Filmtheater,

Hilchenbach-Dahlbruch

20:00 Musicalgala: Die Nacht der Musicals,

Siegerlandhalle, Siegen

20:30 Jazz/Rock/Pop Konzert mit Jazz

& Frieds 2012, Lÿz, Siegen

20. Dienstag

19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,

Begegnungszentrum Haus

Herbstzeitlos, Siegen

22. Donnerstag

15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen

e.V. Begegnungszentrum Haus

Herbstzeitlos Siegen

20:00 LÿzMixVarieté: Kabarett, Musik,

Akrobatik und Zauberei, Lÿz,Siegen

23. Freitag

20:00 KreuztalKultur, Portico Quartett:

Isla, Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen

20:00 Lesung mit Jörg Maurer,

Oberwasser,Kulturhaus Lÿz, Siegen

24.Samstag

17:00 Konzert: Johann Sebastian Bach,

Matthäus-Passion BWV 244, Nikolaikirche

Siegen

20:00 Kabarett: Florian Schroeder mit

Offen für alles und nicht ganz dicht,

Kulturhaus Lÿz, Siegen

Heinrich Pachl (o.), das Schwergewicht

unter den Kabarettisten, ist erstmals in

Erndtebrück. Do., 29.3. Hotel Edermühle.

Gerhard Polt (lks.), bayrisch, bissig brilliant

in der „Szenischen Lesung aus dem

Circus Maximus“ karikiert Polt auf seine

unnachahmliche Weise verschiedene

Persönlichkeiten. Sonntag 11.3.2012

25. Sonntag

20:00 Unterhaltung: Jürgen von der

Lippe, So geht's Siegerlandhalle, Siegen

18:00 Konzert mit Lothar Kosse,

Christliche Rock/Pop- und Worship

Musik, Christushaus Bad-Berleburg

17:00 KreuztalKultur „Südtirol– Dolomiten“

Dia-Multivisionshow von Hartmut

Krinitz: Stadthalle Kreuztal, Am

Erbstollen

18:00 Konzert: Johann Sebastian Bach,

Matthäus-Passion, Nikolaikirche Siegen

26. Montag

14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,

Rosterstr. 186, Siegen

14:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos Siegen

Veranstalterfotos

19:00 Selbsthilfegruppe Asthma, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos

28. Mittwoch

20:00 Zeitzeugen auf Zelluloid: Der Eisenwald,

Waldland Wittgenstein und Der

Schellenschmied von Grund, Kulturhaus

Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 7

29. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos,

Siegen, Marienborner Straße 151

31. Samstag

20:00 Jazzclub Oase: Bluesabend mit der

Rudy Rotta Band, Kulturhaus Lÿz, Siegen,

Siegen, St.-Johann-Straße 18

Seniorenbeirat - Halbtagesfahrten

mit Jürgen Ritter

Alle Touren beginnen um 14 Uhr. Start ist am städtischen Begegnungszentrum Haus

Herbstzeitlos, Siegen-Hain, Marienborner Straße 151. Im Preis von 9,50 Euro sind auch

Kaffee und Kuchen inbegriffen. Anmeldung bis eine Woche vorher unter 0271-682299

Jürgen Ritter

Do. 22. März

Besuch im Tierpark Niederfischbach

Do. 19. April

Leichter Spaziergang an der Obernautalsperre

Do. 10. Mai

Spaziergang an der Breitenbachtalsperre,

Do. 21. Juni

Leichter Spaziergang an der Biggetalsperre,

Do. 19. Juli

Leichter Spaziergang Kloster Marienstatt

Do. 16. August

Leichter Spaziergang Siegerlandflughafen,

durchblick .1/2012 67


Veranstaltungshinweise

April 2012

14:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Siegen

17. Dienstag

19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,

Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos,

Siegen, Marienborner Straße 151

20. Freitag

20:00 Kreuztal Kultur, Jazz mit dem human.doc

trio, Weiße Villa in Dresler Park,

Kreuztal

1. Sonntag

19:00 Kurbelkiste: The Tree ein Familiendrama,

Kulturhaus Lÿz, Siegen, Siegen,

St.-Johann-Straße 18

3. Dienstag

10:00 Kreativ-Gruppe DeutscherHausfrauenBund,

Begegnungszentrum Haus

Herbstzeitlos, Siegen

14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Siegen

4. Mittwoch

14:00 KSG-Offenes-Café, Fichtenweg 5,

Siegen-Geisweid, Im Wenscht

19:30 Gesprächskreis für pflegende

Angehörige, Diakoniestation Kreuztal,

Anm. vormittags 02732-582470

11. Mittwoch

14:30 KSG-Café: Kochstudio International,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5

Veranstalterfoto

Aus der Filmreihe „Ohne Altersbeschränkung“ zeigt das Viktoria- Filmtheater

Hilchenb.- Dahlbruch: Almanaya- Willkommen in Deutschland, 23. 4 ab 17 Uhr

12. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos

15. Sonntag

14:30 „Café unter der Linde“ Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Siegen,

Marienborner Straße 151

15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen

e.V. Kindergarten, Freudenberg,

Oranienstrasse 25

20:00 Kulturforum Netphen, Millowitsch

Theater - „Bauer sucht Sau“,

Georg-Heimann-Halle Netphen, Jahnstr.

19:00 Kurbelkiste: Film der aktuellen

Kinostarts, Kulturhaus Lÿz, St.-Johann-Str.

18, Siegen

16. Montag

14:00 KSG Café: Malen/Basteln für

Erwachsene, Siegen-Geisweid, Fichtenweg

5, Im Wenscht

Veranstalterfoto

23. Montag

14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,

Siegen, Rosterstr. 186

16:00 „Ohne Altersbeschränkung“ Almanya-Willkommen

in Deutschland, Viktoria

Filmtheater, Hilchenbach-Dahlbruch

19:00 Selbsthilfegruppe Asthma, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Siegen

26. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos,

15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen

e.V., Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos,

Siegen, Marienborner Straße 151

19:30 VHS Siegen, Vortrag: Klaus Dietermann,

Heute vor 70 Jahren: Zamosc,

Krönchencenter Siegen

20:00 Sinfoniekonzert, mit der Philharmonie

Südwestfalen, Dirigat: Christian

Kluxen, Gebrüder-Busch-Theater, Hilchenbach-Dahlbruch

27. Freitag

20:00 Kreuztal Kultur, Comedy mit Willy

Astor, ein „Mundwerker der alten Schule“

Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7

human.doc trio

Das sind Ulrich Langenbach,

Peter Albert und Thomas Weber.

Alle drei Musiker haben in der

Vergangenheit in verschiedenen

Formationen gespielt. Ihre Wurzeln

liegen in den 70er Jahren und

sind geprägt durch Rock, Blues,

Jazzrock und freier Improvisation.

In den letzten Jahren setzte

sich neben den arrangierten

Elementen, zunehmend ein freier

Stil durch, wobei die Spielfreude

des Trios dadurch enorm

und lustvoll gesteigert wird. Im

Kreuztaler Konzert werden auf

zwei Leinwänden zeitgleich zur

Musik surreale, zeitversetzte Videoprojektionen

gezeigt.

Freitag 20. April ab 20:00 Uhr

Weiße Villa in Dresler Park,

Kreuztal

68 durchblick 1/2012

Veranstalterfoto


Veranstaltungshinweise

Mai 2012

2. Mittwoch

14:00 KSG- Offenes-Café, Fichtenweg

5, Siegen-Geisweid, Im Wenscht

19:30 Gesprächskreis für pflegende

Angehörige, Diakoniestation Kreuztal,

Anm. vormittags 02732-582470

5. Samstag

20:00 Kulturforum Netphen, Turbulente

A-cappella-Show mit „Ferrari

Küsschen“, Aula Gymnasium Netphen,

Haardtstr. 35

6. Sonntag

15:00 Trauercafé - Café Regenbogen,

Haus Ernsdorf, Ernsdorfer Str. 3–5,

Kreuztal

20:00 Nachtgedanken, Worte und Musik

zur Nacht, mit Markus Hering und

capella cantabilis, Nikolaikirche Siegen

7. Montag

9:30 Gedächtnistraining, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Siegen

14:30 Senioren-Veranstaltung der Stadt

Siegen „Wie einst im Mai“ Siegerlandhalle,

Leonhard-Gläser-Saal

8. Dienstag

14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos, Siegen,

Marienborner Straße 151

20:00 Kammermusik: Mandelring Quartett

& Katarzyna Mycka, Gebr.-Busch-

Theater, Hilchenbach-Dahlbruch

10. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe, Begegnungszentrum

Haus Herbstzeitlos,

12. Samstag

20:00 Kabarett mit Weigand & Genähr,

Wer zuerst oben is, Technikmuseum Freudenberg,

Olper Str. 5

14. Montag

10:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen e.V.

Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos

10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte

Rosterstr. 186, Siegen

16:00 KSG-Café im Wenscht: Lesepatin,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5

15. Dienstag

19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,

Begegnungszentrum Haus

Herbstzeitlos, Siegen, Marienborner Str.

20. Sonntag

14:30 „Café unter der Linde“, Seniorenzentrum

Haus Herbstzeitlos, Siegen

15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe e.V. Kindergarten,

Oranienstrasse 25, Freudenberg

17:00 Sonntags um Fünf, Kammermusik

mit den Musikern der Philharmonie Südwestfalen.

Ginsburg Hilchenbach-Lützel

21. Montag

14:00 KSG Café im Wenscht: Malen/Basteln

für Erwachsene, Siegen-Geisweid,

Fichtenstraße 5

16:00 „Ohne Altersbeschränkung“ THachiko-Eine

wunderbare Freundschaft,

Viktoria Filmtheater, Hilchenb.-Dahlbruch

24. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos

Das Programm lag bei Redaktionsschluß

noch nicht vor

24. – 28. Mai 2012

auf dem Giller bei

Hilchenbach-Lützel

Vorschau Juni 2012

2. Samstag

Beginn der 58. Spielzeit der Südwestfälischen-Freilichtbühne-Freudenberg

Infos: 02734-489699

20:00 Rockkonzert: Mr. Boogie Woogie,

Heimhof-Theater, Burbach-Wasserscheide,

Heimhofstraße 7 a

3. Sonntag

19:00 Kurbelkiste Film: In einer besseren

Welt, Kulturhaus Lÿz, Siegen

16. Samstag

15:00 Open-Air-Konzert mit Chören

und Musikvereinen auf dem Marktpl.

Hilchenbach (auch am 17. Juni)

20:00 Premiere: Don Camillo und Peppone,

Südwestfälischen Freilichtbühne

Freudenberg 02734-489699

21. Montag

16:00 „Ohne Altersbeschränkung“ The

King's Speech, Viktoria Filmtheater,

Hilchenbach-Dahlbruch

19:30 Von Siegen nach Buchenwald

Vortrag von Klaus Dietermann zum

120. Geburtstag von Walter Krämer

VHS Siegen, KrönchenCenter

durchblick .1/2012 69


Unterhaltung

Vom Winde verweht...

oder wie entledige ich mich meines Mannes...

von Edith Maria Bürger

Hilde spricht zu ihrem Manne:

„Heute hol ich aus der Wanne

von dem guten, sauren Kohle,

dir zu Ehren, dir zum Wohle!!“

Bejahen spricht aus dem Gesicht,

doch sieht er Hildes Lächeln nicht,

denn sie hat für sich erwogen –

und ihm die Flasche schon entzogen,

der er seit Jahren zugewandt,

denn seitdem blieb sie unerkannt.

So sinnt Hilde nach dem Kohle,

und erkennt zum eigenen Wohle,

wie es vielfach bei Gerichten,

dass sie schmecken, doch mitnichten

niemand je daran gedacht,

sich des Mordes schuldig macht.

Denn sie weiß von langen Tagen,

nach dem Genuss beginnt das Klagen,

doch ist's ihr gleich in diesen Stunden,

denn heute tat's ihm herrlich munden.

Und so kommt es, wie gewillt,

dass des Leibes Fülle schwillt,

und des Nachts in seinem Bette

fliehen die Winde um die Wette

und bereichern so die Luft,

mit ihrem wohlbekannten Duft,

wie's ein jeder tut im Stillen

im Schlafe gegen seinen Willen.

Hilde hört nun ganz benommen,

wie Willi ruft: „Die Russen kommen!“,

und sieht mit kindlichem Erstaunen,

wie sich heben seine Daunen,

die im Steigen schadstoffreich,

beim Starten der Apollo gleich,

und mit lautem Überschall

verschwindet Willi hoch ins All.

Von jeher war es Hilde klar,

dass ihr Kohl der Zündstoff war,

und genau nach ihrem Sinnen

soll das Leben neu beginnen.

Schon bald in Willis Nachruf steht:

Er ist vom Wind verweht, verweht,

Marcus Brungs Hörgeräteakustik nun schon

seit 10 Jahren in Siegen !

der durchblick gratuliert zum Jubiläum!

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Sport

Die Angst läuft mit!

Da ich in keinem Sportverein wie Tennis, Reiten,

Golf usw. engagiert bin, war es für mich schon

seit langer Zeit fast zur Gewohnheit geworden,

um mich fit zu halten, ein- bis zweimal in der Woche um

die Obernautalsperre zu laufen.

Der Weg um die Talsperre

ist eben. Abends, bei

günstigem Wetter, reflektiert

sich die Wasseroberfläche

auf dem Weg. Immer

wieder, wenn ich die

Talsperre umlaufen hatte,

fand ich das als sehr angenehm.

Auch an diesem frühen,

verregneten und kalten

Novemberabend hatte

ich wie gewöhnlich meine

Laufsachen im Auto.

Wenn ich erst nach Hause

hätte fahren müssen, wäre

mir die Lust auf sportliche

Betätigung vergangen.

Auf dem Parkplatz an der

Talsperre befand sich an

diesem Abend kein Auto.

Das war aber auch nicht

ungewöhnlich. Wer läuft

schon im Dunklen? Meine

Laufsachen hatte ich

schnell gewechselt. Die

Laufrichtung war immer

gleich, von Kilometer eins

Foto: Gottfried Klör

in Richtung Kilometer zehn, beziehungsweise Staumauer.

Es kostete mich Überwindung aus dem warmen Auto

auszusteigen, um bei diesem schmuddeligen Wetter zu laufen.

Anfänglich war es nicht angenehm, wurde aber nach

jedem Kilometer besser.

Während der ersten paar Kilometer ließ ich den Tag Revue

passieren, das Tagesgeschehen an mir vorbeiziehen. Ich

weiß es nicht mehr genau. Zwischen Kilometer drei und vier

hörte ich plötzlich Schritte hinter mir, was ja auch nicht außergewöhnlich

war. Die Schritte wurden lauter, dann wieder

kaum hörbar. Zeitweise waren die Laufschritte durchsetzt

mit starkem Schnauben und heftigem Atmen. Bei Kilometer

fünf hatte ich den Eindruck, dass das „Etwas“ mir fast auf

den Rücken springen wollte, so dicht war „Es“ hinter mir.

Dann wurden die Laufschritte wieder ruhiger. Bis dahin

hatte sich mein Lauftempo bereits sehr erhöht und ein

gewisses Angstgefühl konnte ich nicht mehr unterdrücken.

Das Tempo konnte ich allerdings nicht beibehalten, ich

wurde langsamer. Nun befand ich mich zwischen Kilometer

sechs und sieben, hier ist es relativ eben und mein Pulsschlag

hatte wieder zu normalem Rhythmus gefunden. Plötzlich,

wie aus dem Nichts waren die Schritte und die lauten Geräusche

wieder zu hören.

Mein Tempo nahm zu. Ich weiß auch nicht warum, aber

mich befiel erneut das

Angstgefühl. Es sind

bei Kilometer sieben bis

neun Steigungen, vor

denen ich in den vielen

vorherigen Läufen

immer wieder Respekt

hatte. An diesem Abend

war das vergessen und

ich bin einfach nur noch

gelaufen. Die Geräusche

hinter mir wurden wieder

stärker. Ich hatte

mich sehr stark verausgabt.

Als ich dann der

Neun-Kilometer-Marke

näher kam, tauchte das

Haus des Talsperrenwärters

auf und die

Staumauer wurde durch

die Straßenbeleuchtung

sichtbar.

Ich war froh, dass ich

am Schlagbaum, der sich

in der Nähe des Hauses

befand, angekommen

war, stützte mich ab und

versuchte mich krampfhaft zu beruhigen.

Die Schritte näherten sich. Das „Etwas“, das sich dann

als Läufer herausstellte (was anderes konnte es ja auch nicht

sein) klopfte mir auf die Schulter und sah mich mit großen

Augen an, auch er war außer Atem und schnaufte: „Wann

ech dech so a'gucke, besde och neme d'r Jengsde, on foar

din Aler - dofoar besde ferdammt schwinn onnerwäjens.“

(wenn ich Dich so ansehe, bist Du auch nicht mehr der

Jüngste und für dein Alter – dafür bist Du verdammt schnell

unterwegs)

Dem konnte ich an diesem Tag nur zustimmen.

In all den Läufen vorher und auch nachher bin ich nie

wieder so schnell gelaufen. Mein Verfolger drehte sich noch

mal kurz um, ich stützte mich immer noch auf die Schranke,

dann sagte er: „Nodda, bes zom nächsde Mol!“, ging, und

wurde von mir niemals wieder gesehen.

Dieses Erlebnis hat mich nicht davon abgehalten, auch

weiterhin in unregelmäßigen Abständen die Talsperre zu

umlaufen.

Werner Müller-Späth

1/2012 25 Jahre durchblick 71


Leserbriefe

Anmerkung der Redaktion:

Zu dem Artikel „handeln erwünscht“ aus der letzten Ausgabe

des durchblick haben uns fünf Mitteilungen erreicht.

Diese Leserbriefe efe stammen ausschließlich von Vorstand

und Mitarbeitern rn der „Siegener Tafel“.

Zunächst sei einmal festgehalten, dass es sich bei diesem

Beitrag nicht um einen Bericht über die „Tafel“ handelt!

Schon gar nicht hat die Autorin die Arbeit der dort ehrenamtlich

Beschäftigen verunglimpft. Sollte doch der Eindruck

entstanden sein, bedauern wir

das ausdrücklich!

Dass die „Tafel“ aus dem Überfluss der dustrie immer wieder neue Armenessen für ihre „Gäste“

Lebensmittelin-

organisiert, findet unseren Respekt. Darüber haben wir

mehrfach in früheren Ausgaben berichtet.

Der Artikel „handeln erwünscht“ soll insbesondere auf

die

moralische Verwerflichkeit der Nahrungsmittelüberproduktionen

hinweisen. In der Herstellungs- und Vertriebskette,

vom Erzeuger über Warenbörsen und Handel bis

zum Verbraucher spielen die „Tafeln“ trotz ihres rasanten

Wachstums keine e Rolle, sie sind selbstverständlich nicht die

Ursache des Dilemmas.

Wir fragen uns allerdings, warum die Siegener „Tafel“,als

die Schnittstelle e zwischen Überfluss und Armut, mit ihrer

Sachkompetenz nicht aufschreit angesichts der auch in Siegen

wachsenden Armut, warum sie nicht warnt vor der zunehmenden

Überproduktion von Nahrungsmitteln? Warum

sie nicht unüberhörbar anklagt? Das was (auch hier bei

uns) zu viel produziert wird, trägt dazu bei, dass die Preise

auf dem Weltmarkt steigen. In der Folge werden Lebensmittel

für eine wachsende Zahl von Menschen unbezahlbar

und führt in den ganz armen Regionen unserer Erde unweigerlich

zu noch mehr Hunger und Tod!

db 4/2011 „handeln erwünscht“ leben im Überfluss

Ein falsches Bild wird gezeichnet, weil im Beitrag von

Frau Hermann die „Siegener Tafel“ als Teil der Tafeln in

Deutschland auf die falsche Seite der Überflussgesellschaft

gestellt wird, so, als wäre sie ein Teil der Lebensmittelindu-

strie, sozusagen ihr verlängerte Arm für die

Entsorgung der

bewusst zu viel produzierten Ware. Eine

grobe Pauschal-

verurteilung ohne Kenntnis der Wirklichkeit, denn genau

das Gegenteil ist der Fall.

l.

Den über 120 Männer ner und Frauen, die wöchentlich vie-

le Stunden ehrenamtlich damit verbringen, den produzier-

ten Überfluss der Lebensmittelindustrie

einzusammeln,

zu sortieren und an bedürftige Menschen

zu verteilen, um

diesem Missstand der Überproduktionen

noch etwas Po-

sitives abzuringen, müssen die Ausführungen von Frau

Hermann wie eine schallende Ohrfeige vorkommen.

Nun zu dem Flohmarkt, den Sie so negativ bewerten.

Er wurde ausschließlich von Mitgliedern der Siegener

Tafel organisiert und der Erlös diente dazu, den Neubau

der Siegener Tafel mit zu

finanzieren.

Der Vorstand der Siegener Tafel stellt

sich daher mit

aller Deutlichkeit vor die Arbeit aller ehrenamtlichen Mit-

arbeiterinnen und Mitarbeiter und lädt Frau Hermann ein,

sich einmal ein Bild vom Umfang ihrer Leistung zu ma-

chen. Eine Recherch earbeit, die normalerweise vor der Ver-

öffentlichung eines solchen Beitrages stehen sollte.

Der Vorstand der Siegener Tafel

Ihr Artikel kann von mir so nicht akzeptiert werden.

Ich stimme Ihnen zu, dass wir ein Warenangebot haben,

das weit über unsere Bedürfnisse hinausgeht. Wenn Sie

es aber so darstellen, dass dieses alles mit dem Aspekt

versehen werde, man versorge ja mit dem Überschuss die

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72 25 Jahre durchblick 1/2012


Leserbriefe

„Tafeln“, finde ich das geradezu absurd. Auch wenn es

die „Tafeln“ nicht gäbe, wäre dieses Angebot da.

Was ist daran skandalös, dass so viele Geschäfte ihre

Waren, die sie ja ab einem bestimmten Datum nicht mehr

verkaufen dürfen, von der „Siegener Tafel“ abholen lassen

und diese dort an bedürftige Menschen weitergegeben

werden? Der wirkliche Skandal wäre doch, diese

einwandfreien Lebensmittel zu vernichten!

Es ist zu bedauern, dass es in unserem Land die Arbeit

der „Tafeln“ geben muss, aber vielen Menschen wird

damit geholfen. Darum an dieser Stelle ein großes „Dankeschön“

an alle, die uns unterstützen.

Sie prangern den Flohmarkt im Oktober auf dem Gelände

des Warenhauses „Real“ an. Offensichtlich haben

Sie das Zelt nicht einmal betreten. Sonst hätten sie festgestellt,

dass der „Schnäppchenmarkt“ ausschließlich

von Mitarbeitern/innen der „Siegener Tafel“ ausgeführt

worden ist. Die „Tafel“ braucht Geld (wir leben nur von

Spenden) und so kam die Idee, im Familien- und Freundeskreis

nicht mehr benötigte Dinge zu sammeln und

diesen Flohmarkt zu veranstalten. Es war für alle Helfer

wochenlange harte Vorbereitungsarbeit.

Der Real-Markt hat uns das Zelt kostenlos zur Verfügung

gestellt, im Laden auch für unsere Aktion geworben und

unseren Erlös großzügig aufgestockt. Auch hier „Danke“.

Zu Ihrem Aspekt Afrika. Natürlich ist die Armut in

vielen Ländern der Welt um ein vielfaches größer als bei

uns. Darum finde ich Ihren Gedanken, „Tafeln“ in Afrika

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Tätigkeitsschwerpunkt

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markt, den viele von uns in ihrer Freizeit, ohne jegliche

Beteiligung des Real-Marktes, organisiert haben.

Mit der Darstellung von Frau Herrmann wird unsere oft

körperlich schwere Arbeit; schließlich sind wir ca.120 ehrenamtlich

tätige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, meist

im Rentenalter; mit an den Pranger unserer Überflussgesellschaft

gestellt. Aber da gehören wir nicht hin und wehren

uns entschieden gegen diese falsche Positionierung und

Diffamierung.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Siegener

Tafel.

Annette Freundt, Siegen

aufzubauen, gut. Also machen Sie keine großen, leeren

Worte - ...mit fangen Sie heute noch an! „handeln erwünscht“

der Aussage, dass zu viele Lebensmittel produziert

Helga Volz, Siegen

werden, stimmen wir mit Ihnen überein.

Da Sie aber im gleichen Artikel die Arbeit der Siegener

Tafel angreifen, müssen wir energisch dagegen protestie-

Der Beitrag von Frau Herrmann „handeln erwünscht“

ren. Bevor Sie solch einen n Artikel schreiben und veröffent-

in der letzten Ausgabe 4/011 bedarf

in Bezug auf die Dar-

lichen, machen Sie sich erst einmal ein Bild von unserer

stellung der Arbeit der Siegener Tafel einer Klarstellung.

Arbeit. Wir sind kein verlängerter Arm der Lebensmittel-

Zunächst einmal ist es richtig, festzustellen, dass ein viel

industrie, sondern versuchen einen Teil der

Überproduktion

zu hoher Überschuss an Lebensmitteln hergestellt wird. Für

sinnvoll an bedürftige Menschen weiterzuleiten.

diesen Missstand sind wir, die Mitarbeiterinnen

und Mit-

Wenn Sie sich richtig informiert hätten, wäre Ihnen

arbeiter der „Siegener Tafel“, aber in keiner Weise

verant-

bewusst geworden, dass die Überschrift HANDELN ERwortlich.

Wir sind nicht der Sündenbock für diese Überpro-

WÜNSCHT sich auf den Flohmarkt, den die

ehrenamtlichen

duktion und sehen en uns schon gar nicht als den verlängerten

Mitarbeiter in ihrer Freizeit organisiert und erst ermöglicht

Arm der Lebensmittelindustrie. Das einzige, was man uns

haben, bezogen hat. Da wir fast alle das Rentenalter erreicht

vorwerfen kann, ist, dass wir versuchen, diesem Missstand

haben, finden wir es unverschämt von Ihnen, unsere zum

noch etwas Gutes abzuringen, indem

wir den Überschuss

Teil auch körperlich schwere Arbeit so mit

Füßen zu treten.

einsammeln, sortieren und an Bedürftige verteilen. Mit un-

Wir sind ca. 120 Mitarbeiter und möchten von Ihnen

serem ehrenamtlichen Engagement wollen wir lediglich

eine Richtigstellung des genannten Artikels.

der zunehmenden en Armut in unserer Gesellschaft begegnen

Martin Tigges

und wir betrachten ten unsere

Arbeit ausdrücklich als ein „handeln

erwünscht“.

Wir hätten es für notwendig gehalten, dass sich Frau

Bevor man Berichte schreibt, sollte man

sich zuerst einmal

Vor Ort informieren, die Siegener Tafel ist ja fast um

Herrmann, wie es sich im Übrigen für eine gute Berichterstattung

geziemt, vor der Veröffentlichung ihres Beitrages, die Ecke. Es ist ungehörig, sich über etwas auszulassen,

einmal ein Bild von unserer Arbeit gemacht hätte. Dies was man gar nicht kennt.

betrifft auch die völlig falsche Darstellung über den Floh-

Renate Titze, Siegen

1/2012 25 Jahre durchblick 73


Unterhaltung / Impressum

Es fiel uns auf …

…dass jeder fünfte Deutsche sich wegen seines Alters

benachteiligt fühlt. Eine Umfrage der Antidiskriminierungsstelle

des Bundes ergab, dass sich 21 % der Interviewten

schon einmal wegen ihres Alters benachteiligt

fühlten. Deshalb müsse man genau hinsehen, wenn Mitarbeiter

für ein „junges, dynamisches Team“ gesucht würden

oder Krankenkassen Reha-Maßnahmen für Ältere ablehnten.

…dass schnellere Hilfe dank der Rettungskarte möglich

ist. Bei den heutigen komplizierten Autos ist bei einem

Unfall, bei dem der Fahrer eingeklemmt wurde, Hilfe mittels

der Rettungsschere nicht so leicht möglich. Da hilft eine

Rettungskarte, die gut sichtbar zum Beispiel an der unteren

rechten Ecke der Frontscheibe angebracht wird. Darauf

sind wichtige Daten zum Auto vermerkt. Die Karte

heruntergeladen werden unter www.rettungskarten.eu .

…dass es einen schleichenden Übergang bei Demenz

gibt. Probleme mit der Konzentration und Merkfähigkeit

könnten schon Anzeichen einer drohenden Demenzerkrankung

sein. Gezielte Hilfe verspricht der Ginkgo-

Wirkstoff EGb 761 (Apotheke). Der Extrakt verbessert

den Energiestoffwechsel im Gehirn und sorgt für eine

bessere Vernetzung der Zellen.

homa

Gedächtnistraining: Lösungen von Seite:

Satzsalat: Haupt: Sobald jemand in einer Sache Meister ist, sollte er in einer

neuen Sache Schüler werden. Sokrates: Ich weiss, dass ich nichts weiss,

und darum weiss ich mehr als andere wissen. Gandhi: Es gibt wichtigeres

im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen. Heraklit: Das

Wesen der Dinge hat die Angewohnheit, sich zu verbergen. Suchbild: In

einem der beiden Bilder fehlen die Muschel und die Wäscheklammer, die

Armbanduhr liegt an einem anderen Platz. Dreieckshaus: 59 Dreiecke, 3 im

Dach, 12 im großen Quadrat, 4 x 11 in den kleinen Quadraten

Zu guter Letzt:

Die Übernachtung

„Kann ich heute bei dir schlafen, Oma!” Mit den Augen

bettelte Yannik die Oma um ein Ja an. „Du weißt aber doch,

dass die aufblasbare Matratze ein Loch hat, das dein Papa

flicken wollte und in meinem Bett brauchst Du immer zuviel

Platz. Außerdem bist du eine richtige Wühlmaus. Ich

muss ständig aufpassen, dass ich nicht aus dem Bett falle.”

Oma aus dem Bett zu schubsen gefiel ihm, doch dann

sagte er: „Oma, ich mache mich ganz, ganz dünn und ich

schubse dich auch nicht mehr mit meinem dicken Popo aus

dem Bett.” Der kleine Schlingel lachte schelmisch und hatte

gewonnen. Er schlief lange und gut dank Omas großer

Bettdecke; doch ihr blieb immer nur ein Zipfel. Sie fühlte

sich wie gerädert, musste ständig an der Decke ziehen

und glaubte, nicht geschlafen zu haben. „Oma Gerda, du

hast aber sehr laut geschnarcht. Ich habe dich immer umgeschubst,

aber nicht mit meinem dicken Popo.” gegr

durchblick

Gemeinnützige Autorenzeitschrift

für Siegen und Siegen-Wittgenstein

Herausgeber: durchblick-siegen Information und Medien e.V.

Anschrift der Redaktion:

„Haus Herbstzeitlos“, Marienborner Str. 151, 57074 Siegen

Telefon 0271 61647, Mobil: 0171-6206413

E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de

Internet: www.durchblick-siegen.de

Öffnungszeiten:

dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 12.30 Uhr

dienstags auch von von 15.00 bis 17.00 Uhr

Redaktion:

Anne Alhäuser; Maria Anspach; Johannes Buhl; Helga Düringer;

Friedhelm Eickhoff (v.i.S.d.P.); Fritz Fischer; Eberhard Freundt;

Gerda Greis; Eva-Maria Herrmann; Dorothea Istock; Erich Kerkhoff;

Erika Krumm; Brigitte Lanko; Horst Mahle; Werner Müller-Späth;

Helga Siebel-Achenbach; Ulli Weber

Bildredaktion:

Thomas Benauer; Friedhelm Eickhoff; Hubertus Freundt;

Gottfried Klör (verantwortlich); Tessie Reeh; Agnes Spar; Peter Spar

Hörbuch-Redaktion:

Thomas Benauer; Helmut Drabe (verantwortlich); Hubertus Freundt

(Sprecher auf CD-Beilage)

Veranstaltungskalender: Ingrid Drabe

Internet: Thomas Benauer

An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:

Anja Freundt; Dr. Horst Bach; Wilma Frohne; Edith Maria Bürger;

Ulla D'Amico; Dieter Gerst; Andrea Schäfer-Bottenberg; Heinrich

Waegener; Doris Wimmi-Bieber; Wolfgang Stössel;

Gestaltung, Satz und Layout:

db-Lektorat

Herstellung und Druck:

Vorländer, Obergraben 39, 57072 Siegen

Erscheinungsweise: März, Juni, September, Dezember

Verteilung:

Helga Siebel-Achenbach (Ltg.); Hannelore Münch; Paul Jochum;

Dr. Horst Bach; Helga Sperling; Renate Tietze; Rotraud Ewert; Ursula

Gloger; Waltraud Gottschalk; Monika Müller; Christel Mahle; Dieter

Haas; Maximilian Lutz; Herbert Jäppche und alle Redakteure;

Auflage: 18 000 Der durchblick liegt kostenlos aus: In Sparkassen,

Apotheken, Arztpraxen und Zeitungsverlagen, in der City-Galerie,

in den Geschäften des Siegerlandzentrums und bei unseren Inserationskunden,

in öffentlichen Gebäuden und vielen sozialen Einrichtungen

der Wohlfahrtsverbände und Kirchen, in allen Rathäusern und

Senioren-Sercicestellen des Kreises Siegen-Wittgenstein. Für die

Postzustellung berechnen wir für vier Ausgaben jährlich 8 Euro.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die

Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte

Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte Beiträge

werden nicht zurückgeschickt.

Der Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers

gestattet.

Es gilt die Anzeigenpreisliste 11/2009.

Gefördert durch

die Stadt Siegen

und den Kreis

Siegen-Wittgenstein

74 25 Jahre durchblick 1/2012


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