14.07.2026 Views

LOUISE 2026

Kulturzeitung der www.arttourist.com zum Thema Fotografie mit Interviews und Ausstellungstipps. Jahrespublikation Laufzeit von Juni 2026 bis Mai 2027 mit Informationen, Hintergründen, Interviews und vielen Tipps mit Links.

Kulturzeitung der www.arttourist.com zum Thema Fotografie mit Interviews und Ausstellungstipps. Jahrespublikation Laufzeit von Juni 2026 bis Mai 2027 mit Informationen, Hintergründen, Interviews und vielen Tipps mit Links.

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LOUISE

#Fotografie

arttourist.com gazette

2026/2027

Fotografie | Fotoausstellungen | Fotofestivals | Fotobuch | Videokunst | Immersive Art


Photograph ©️ ALPA Ambassador Joni Hedinger

The tools we use shape our experience of the world.


LOUISE | arttourist.com | 2026

Editorial | 3

Le Voyage

à Nantes

4. JULI — 6. SEPTEMBER

Erde

EIN KUNSTPARCOURS DURCH DIE STADT

ALI CHERRI

ANNE-CHARLOTTE FINEL

LOUIS GUILLAUME

CAROLINE LE MÉHAUTÉ

THÉO MERCIER

DOMINIQUE PETITGAND

EDGAR SARIN

BARBARA SCHROEDER

PIERRICK SORIN

www.levoyageanantes.fr

SÉDIMENTATION(S)

BPM 2026

7 ÈME ÉDITION DE LA BIENNALE DE LA PHOTOGRAPHIE DE MULHOUSE

5 JUIN - 5 JUILLET 2026

Journées inaugurales

les 5-6-7 juin

Crédit photo : François Jonquet, Forage, 2023

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

liebe Freunde der arttourist,

Nach dem großen und rund um positiven Echo

und Erfolg unserer ersten Fotografie-Ausgabe HEN-

RI, die im Vorfeld der Basler Kunstmessen-Woche

und dem 10-jährigen Jubiläum der photo basel

2025 erschien, gehen wir mit LOUISE in das Jahr

2026. Diese Ausgabe erweitern wir um Fotografiekorrespondierende

Aspekte, Themen rings um das

bewegte Bild mit Film- und Videokunst, KI und die

Immersive Art, dort wo es immer auch um das Bild,

das Festhalten und die visuelle Wirkung der Aktionen

geht.

Mit LOUISE setzen wir unsere Idee des Namenswechsels,

den wir seit Beginn unserer verlegerischen

Tätigkeit mit jeder Ausgabe „spielen“, fort

– was über alle Medien unser Alleinstellungsmerkmal

und für die Leser:innen immer eine freudig

erwartete Überraschung ist. LOUISE assoziiert die

amerikanische Fotografin LOUISE Dahl-Wolfe, die

als Schlüsselfigur der amerikanischen Fotografie

der 30er-, 40er- und 50er-Jahre gilt und deren Arbeit

großen Einfluss auf berühmte Fotografen wie

Horst P. Horst, Richard Avedon und Irving Penn

hatte. Ihr neuartiger und moderner Zugang zum

Hollywood-Porträt und zur Modefotografie prägen

die amerikanische visuelle Kultur bis heute.

Unsere LOUISE und Gesicht auf dem Cover ist die

junge deutsche Fotografin Milena Schilling, die uns

durch ihre intensiven und ausdrucksstarken, redaktionellen,

dokumentarischen und künstlerischen

Fotografien begeistert hat und die Sie in dieser Ausgabe

kennenlernen werden.

Fotografie ist weit mehr als das bloße Drücken eines

Auslösers oder das Festhalten von Lichtwellen

auf einem Sensor. Es ist die einzige Sprache, die auf

der ganzen Welt ohne Worte verstanden wird. Mit

LOUISE übergebe ich Ihnen ein leidenschaftliches

Plädoyer für eine Kunstform, die unsere Wahrnehmung

der Realität für immer verändert hat.

Kunst und Kultur inspirieren mich seit mehr als

30 Jahren in und für meine Arbeit, die zur Leidenschaft

geworden ist. Inspiration für LOUISE fand

ich u.a. beim letztjährigen Rencontres Festival in

Arles, Wolfgang Tillmans im Centre Pompidou in

Paris, bei 100 Jahre Arnold Odermatt in der Galerie

Springer in Berlin, Helga Paris im Fotografiska Berlin,

Elliott Erwitt im Palazzo Reale in Palermo, beim

Besuch des FOMU in Antwerpen, Brigitte Kraemer

im Zollverein, Hans-Peter Feldmann im Kunstpalast

Düsseldorf und in der grandiosen Ausstellung

über Wim Wenders im der Bundeskunsthalle Bonn

und vielen weiteren Besuchen von Kunst- und Kulturveranstaltungen

...

... solange es diese noch gibt! Ich mache mir Sorgen

um die Kultur. Nicht um die Kreativität, die

Motivation, Leidenschaft und den Ideenreichtum

der vielen, vielen Kulturschaffenden. Sondern um

deren Existenz, deren Mut und einer Perspektive

für deren Arbeit. „S’goht degege“, sagt man hier im

Süden. Es muss mehr denn je gespart werden, und

egal, wie man es dreht und wendet, steht Kultur

beim Einsparpotenzial der Länder und Kommunen

ganz oben. Darüber hinaus kämpfen die Kultureinrichtungen

mit einer massiven Kostenexplosion,

der keine entsprechenden Einnahmen gegenüberstehen.

Vieles wird mit offenem Ende kontrovers

diskutiert und hinterfragt. Bleiben Sie den vielen

Theatern, Museen, Galerien, Festivals, Clubs und

Kulturschaffenden gewogen und unterstützen Sie

diese mit Ihrem Besuch und kämpfen Sie für jeden

Kulturbetrieb, der zur Disposition steht. Was geht,

kommt nicht wieder. Auch der kleinste Verlust ist

einer zu viel.

In LOUISE, auf unserer Plattform arttourist.com

und in unserem Kulturkiosk KUKIOSK.com finden

Sie viele Ideen, Vorschläge und Empfehlungen für

viele wunderbare und einzigartige Kunst- und Kulturmomente.

Mit herzlichen Grüßen

Kai Geiger © Andreas Behrendt

Diese Zeitung erscheint KOSTENFREI!

Wenn Ihnen LOUISE gefallen hat,

unterstützen Sie uns in unserer Arbeit

aus Leidenschaft

für die Kultur jenseits

eines großen

Medienhauses mit

einem Kaffee für

unseren KUKIOSK!

Herzlichen Dank!

try and meet

weinkellerei

St. Johanns-Rheinweg 43

4056 Basel

www.spaspaspa.ch

during art basel

June 16-20

open daily 17 - 24 h

JIMI

Jazz | Neue Musik | Klassik 2.0 | Elektro | Klang | Medien | Green Culture

arttourist.com gazette

2026

www.biennale-photo-mulhouse.com

Kai Geiger

Herausgeber arttourist

geiger@arttourist.com

JIMI 2026, Zeitung für Jazz, Neue Musik,

Klassik 2.0, Elektro, Klang, Medien und

Green Culture


4 | Basel

LOUISE | arttourist.com | 2026

Alle Bilder © photo basel gmbh

Basel (CH)

photo basel

16. – 21.06.2026

Die photo basel ist die erste und einzige Fotokunstmesse

der Schweiz und widmet sich ausschließlich

der Kunstfotografie. Bereits zum

elften Mal bringt die Messe Galerien aus aller

Welt in einem einzigartigen, authentischen

Rahmen zusammen. Sie versteht sich als integrative

Plattform, die alle Akteur:innen der

Kunstwelt miteinander verbindet.

Die photo basel trägt aktiv zum Dialog im Bereich

der Fotografie bei und macht die Kunstfotografie

durch ein vielfältiges Rahmenprogramm

für ein breites Publikum zugänglich.

Vom 16.–21. Juni 2026 begrüsst die photo basel

mehr als 40 internationale Galerien. Die

photo basel freut sich sowohl wiederkehrende

Galerien u.a. Bildhalle (Zürich), Dorothée

Nilsson (Berlin), IBASHO (Antwerpen), Galerie

Esther Woerdehoff (Paris), Galerija Fotografija

(Ljubljana) als auch neue Galerien, darunter:

Galerie Scena (Tokyo), Atlas (London),

O-Art Project (Lima) und Galerie Bessières Art

contemporain (Paris) sowie viele weitere auf

der Messe begrüssen zu dürfen.

Neben den ausgestellten Werken bietet die

photo basel ein umfangreiches Rahmenprogramm,

u.a. kostenlose Führungen, spezielle

Parcours und Panel Talks.

Die photo basel präsentiert über 450 Werke

von fast 170 Künstler:innen. Dabei setzt sie

auf eine große Vielfalt an Positionen und zeigt

sowohl zeitgenössische als auch klassische fotografische

Arbeiten.

Zu den Höhepunkten der Messe gehören international

bekannte künstlerische Positionen,

u.a.: Vivian Maier, Man Ray, André Kertész,

Philipp Giegel, Marina Abramovic´, Imogen

Cunningham sowie Susa Templin, Carlos

Leal, Roger Ballen und viele weitere.

Die Liste aller teilnehmenden Galerien finden Sie

unter www.photo-basel.com/galleries-2026-de


LOUISE | arttourist.com | 2026 Basel | 5

beyond photography

«beyond photography» ist eine kuratierte Auswahl

künstlerischer Positionen, die das Medium

der Fotografie durch verschiedene experimentelle

Drucktechniken sowie den Übergang

vom zweidimensionalen Bild zur dreidimensionalen

Form über seine traditionellen Grenzen

hinaus erweitern. Die Sektion vereint

unterschiedliche Ansätze und stellt Praktiken

in den Fokus, die das Medium Fotografie aktiv

weiterdenken.

Susa Templin (electron libre)

Die Arbeiten von Susa Templin bewegen sich

an der Schnittstelle von Fotografie, Skulptur

und Installation. In ihren Werken untersucht

sie Raum, Architektur und Wahrnehmung

und überführt fotografische Bilder in plastische

Formen. Durch Schichtung, Fragmentierung

und räumliche Anordnung entstehen

vielschichtige Kompositionen, die zwischen

Fläche und Körper, Abbild und Objekt oszillieren.

So eröffnet Susa Templin neue Perspektiven

auf das Verhältnis von Bild, Material und

Raum. (electron libre)

Ayo Banton (Doyle Wham)

Ayo Banton arbeitet mit Fotografie, Licht und

floralen Arrangements. Seine Werke entstehen

aus sorgfältig komponierten Blumenskulpturen,

die er fotografisch in vielschichtige Bildwelten

überführt. Dabei verbindet er kunsthistorische

Bezüge mit einer zeitgenössischen

fotografischen Sprache. Ayo Banton verbindet

in seinen Arbeiten unterschiedliche

fotografische Techniken. Neben solarisierten

Prints und entwickelt er auch Verfahren, in

denen er Cyanotypien mit digital erfassten

Spektrogrammen pflanzlicher Signaldaten

kombiniert. So entstehen Werke, die Natur,

Wissenschaft und künstlerische Forschung

miteinander verknüpfen.

photo basel

16 – 21 June, 2026

17

Perve

15

Lise

Braun

16

PYTHONGALLERY

14

SMUDA-

JESCHEK

AN INC.

11

27 28

Buchkunst

Berlin

Imaginario

12

espace_l

10

O-Art

Project

Inka und Niclas

(Dorothée Nilsson Gallery)

Die skulpturalen Arbeiten des Künstlerduos

entstehen in engem Bezug zu den ausgestellten

Fotografien. Von Hand geformt und in

eine fotografische Emulsion getaucht, tragen

sie Fragmente desselben Bildes auf ihrer

Oberfläche und übersetzen Fotografie in den

dreidimensionalen Raum. So untersuchen

die Künstler die Materialität, Lesbarkeit und

räumliche Präsenz fotografischer Bilder.

novum

«novum» vereint Werke, die erstmals

öffentlich gezeigt werden – entweder eigens

für die photo basel neu produziert oder bislang

ungesehene Arbeiten, sei es frisch abgeschlossen

oder neu entdeckt beziehungsweise

wiederentdeckt. Was sie verbindet, ist ihre

Premiere: Jedes Werk wird dem Publikum der

photo basel zum allerersten Mal präsentiert.

A9

M-Gallery

A8

Newhouse

18

Febo e

Dafne

19

a/e

Galerie

20

AC

contemporary

21

Atlas

Galerie

Bessières

26 29

25

Cyril

Kobler

Analix

Forever

electron

libre

24 31

23 32

22

Galerie

Springer

Bildhalle

Catherine &

André Hug

Team

Kraemer

33

IBASHO

9

Galerie

Monika

Wertheimer

8

Galerie 94

7

Rademakers

Doyle Wham

6

annabelle’s choice

Das Magazin annabelle ist Partnerin der kommenden

Ausgabe der photo basel. Im Rahmen

dieser Zusammenarbeit wählt die Bildredaktion

von annabelle eine Auswahl von Werken

von Fotograf:innen, die aufgrund der Thematik

oder Technik auf der Messe besonders hervorgehoben

werden.

photo basel in conversation

photo basel präsentiert eine Reihe von

Podiumsgesprächen zu unterschiedlichen

Themen sowie Artist Talks mit Fotograf:innen,

deren Arbeiten an der 11. Ausgabe von photo

basel gezeigt werden.

A10

form

gallery

A2

A3

Gutknecht

ICONICO

Dorothée

Nilsson

Gallery

A1

Ira

Stehmann

front desk

A4

VIP

A6

Galerija

Fotografija

A5

Galerie

Esther

Werdehoff

A7

Gallery SCENA

toilets

3

Davide

di

Maggio

1 2

Camara

Oscura

F1

Amidexter

4

Galerie

Alex

Schlesinger

Suite 59

F2

Jasmin

Glaab

Bar

Öffnungszeiten

16. – 21.6.2026

Dienstag, 16 – 20.6.2026, 12–20 Uhr

Sonntag, 21. 6.2026, 12–18 Uhr

cloakroom

toilets

Lounge

Volkshaus Basel Rebgasse 12, CH-4058 Basel

www.photo-basel.com

Floorplan 2026

entrance/exit

outdoor Lounge


6 | Basel

LOUISE | arttourist.com | 2026

Wir sprachen mit dem Gründer und Leiter der

photo basel Sven Eisenhut

Wir leben in unruhigen und herausfordernden

Zeiten. Eine wirkliche

Erholung seit der Pandemie

hat sich nicht abgezeichnet. Seit

der letzten photo basel hat sich

die weltpolitische und wirtschaftliche

Lage weiter verschlechtert

und die Ereignisse überschlagen

sich in immer kürzeren Intervallen.

Inwieweit hat dies Auswirkungen

auf die photo basel? Wie

gehen Sie damit um, wie beeinflusst

dies Ihre Arbeit?

Sven Eisenhut: Kunst ist ein Luxusprodukt

– die Frage, die sich Sammler:innen

stellen, ist folgende: Warten

wir ab oder kaufen wir jetzt erst

recht, weil alles um uns herum gerade

so schlecht ist. Für das Organisieren

einer Messe wie die unsere sind vor

allem Wechselkurse sowie Zollbestimmungen,

welche sich oft ändern,

eine Herausforderung. Ansonsten leben

wir in der Schweiz in einer ziemlichen

„Bubble“ – zum Glück.

Neben Ihrer Stammmesse im Juni

in Basel sind Sie in Zusammenarbeit

mit der POSITIONS Berlin

Art Fair im September in Berlin

und mit der SCOPE Anfang Dezember

in Miami präsent. Wie

hat sich diese Zusammenarbeit

entwickelt und wie wichtig ist

das „ganzjährige“ Angebot für Sie

und Ihre Kunden?

Sven Eisenhut: Eine Messe wie die

photo basel ist ja lediglich während

einer Woche pro Jahr „live“ – daher

freuen wir uns enorm auf die Woche

in Berlin mit der POSITIONS Berlin

art fair, denn somit sind wir eine

weitere Woche „live“ zu erleben, was

unserem Brand wirklich guttut. Und

klar, es ist schön, in Berlin ebenfalls

Galerien und Sammler:innen erneut

zu treffen.

Sieht man Unterschiede im Kaufverhalten

und der Sammlertätigkeit

zwischen den einzelnen

Standorten?

Sven Eisenhut: Ja. Basel ist für uns

im Moment sicherlich am stärksten

– die Besucher:innen sind extrem gebildet

– brauchen vielleicht einen Tag

länger, um sich zu entscheiden, sind

aber extrem gut informiert. In Berlin

ist die Kaufkraft noch nicht ganz zu

vergleichen mit der von Basel, aber

das Interesse ist groß. In Miami müssen

die Werke vor allem zum Haus

und der Dekoration passen – entschieden

wird schneller.

Auch im letzten Jahr sind eine

Reihe von großen Fotografie-Ausstellungen

steil gegangen, echte

Blockbuster wie Nan Goldin (Berlin,

Mailand und jetzt in Paris),

Wolfgang Tillmans, der die letzte

Ausstellung im Centre Pompidou

ausgerichtet hat und jetzt

in Dresden gezeigt wird, oder die

großartige Ausstellung über Wim

Wenders in Bonn und jetzt in

Frankfurt. Spüren Sie diese wachsende

Leidenschaft an der Fotografie

in steigenden Besucher- und Verkaufszahlen

und wäre nicht eine

zeitgleiche Fotoausstellung in einer

der Basler Museen ein zusätzlicher

Booster für die photo basel?

Sven Eisenhut: Die Museen in Basel

machen einen hervorragenden Job –

ich denke, es ist nicht immer einfach,

auf die Art Basel-Woche hin alles zu

koordinieren.

Klar wäre es schön, noch mehr Fotografie

zu sehen – es gibt eine tolle

Ausstellung im Naturhistorischen

Museum namens „Wildlife Photographer

of the Year“ – immerhin.

(bis 28.06.2026 www.nmbs.ch)

Neben den etablierten Künstler:innen

gibt es einen wachsenden

Markt an neuen Talenten.

Wie sieht der Markt für junge,

noch unbekannte Fotokünstler:innen

aus? Was raten Sie diesen

und bietet die photo basel diesen

ein Forum?

Sven Eisenhut: Noch nicht – wir haben

sie aber auf dem Schirm und arbeiten

an Konzepten für die Zukunft

– noch ist jedoch nichts spruchreif.

Sven Eisenhut | © Robyne Dubief

Die photo basel 2026 beginnt in

wenigen Tagen. Was ist neu, besonders

und macht einen Besuch

auf der photo basel zu einem

Must-see?

Sven Eisenhut: Was uns auszeichnet?

Wir sind eine Boutique-Messe

mit Charakter. Bei uns bekommen

Besucher:innen einen echten Überblick

darüber, was die Szene aktuell

bewegt. Unsere diesjährige Ausgabe

ist so international wie nie zuvor und

macht die kreative Energie von über

150 Fotograf:innen erlebbar. Abgerundet

wird das Ganze durch kleine,

aber feine Sonderausstellungen, die

wir mit viel Liebe zum Detail kuratiert

haben.

Das Gespräch führte Kai Geiger

Naturwein,

mitten in Basel.

Ein kopfsteingepflasterter Innenhof an

der Rheinpromenade. Hier entsteht ehrlicher

Handwerkswein: Willkommen in der

S.P.A Weinkellerei.

Seit 2022 holt ein engagiertes Team die

Weinproduktion zurück in die Stadt. Die

Vision: «Wein erleben». Offene Kellertüren

laden dazu ein, den Weg der Traube

transparent mitzuverfolgen.

Die biodynamischen Spätburgunder-

Trauben vom Tüllinger Hügel werden

natürlich und schonend verarbeitet. Im

Keller verzichten wir auf Zusätze, Pumpen

oder Filter. Stattdessen wirken nur

Schwerkraft und manuelle Korbpressen.

Das Resultat sind pure, lebendige Naturweine

in upgecycelten Flaschen.

© Hans-Jörg Walter aka Fonsi © Hans-Jörg Walter aka Fonsi

opening hours

fridays 16–19h

during art basel

June 16–20

open daily 17–24h

Die Qualität spricht für sich: S.P.A – Weine

fliessen unter anderem im BANKS vom

Les Trois Rois, im Restaurant Zum Goldigen

Fass und im Schmalewurf direkt auf

der anderen Seite des Rheins.

S.P.A macht lokale Lebensmittelproduktion

greifbar. Kommt vorbei und stösst

mit uns an! Wir haben während der Art

durchgehend geöffnet und es gibt leckere

Canapés.

© Hans-Jörg Walter aka Fonsi © Nicolas Gysin Fotostudio Basel


LOUISE | arttourist.com | 2026 Basel | 7

Basel (CH)

Art Basel

18.–21.6.2026

16.+17.6. Preview Days (nur auf Einladung)

Die Art Basel gilt seit langem als die Messe,

auf der sich die internationale Kunstwelt versammelt,

um die besten Werke auf dem Markt

aus erster Hand zu erleben – in einem unvergleichlichen

Umfeld von Qualität, Expertise

und Einfluss. Seit über fünfzig Jahren im

Herzen von Basel angesiedelt, kehrt die Flaggschiff-Ausgabe

2026 mit einem geschärften

Fokus auf das zurück, was Basel seit jeher auszeichnet:

eine beispiellose Konzentration musealer

Werke, das Zusammentreffen der weltweit

führenden Galerien, Sammler, Künstler

und Institutionen sowie die einzigartige Erfahrung,

die bedeutendste Kunst der Gegenwart

zur selben Zeit an einem Ort zu sehen.

Mit 290 Galerien aus 43 Ländern und Territorien präsentiert

die Ausgabe 2026 eine außergewöhnliche Bandbreite an

Kunst– von seltenen Meisterwerken des 20. Jahrhunderts über

Nachkriegsklassiker bis hin zu einigen der meistbeachteten

künstlerischen Positionen der Gegenwart. In den Messehallen

begegnen Besucher herausragenden Einzelausstellungen, historisch

bedeutenden Werken, ambitionierten Großinstallationen

sowie neuen Arbeiten der nächsten Künstlergeneration,

die die Zukunft des Feldes prägt. Basel ist seit langem für seine

Kultur der Kennerschaft bekannt und bleibt ein Ort, an dem

anspruchsvolle Sammler und Institutionen Kunst durch genaues

Hinsehen, Expertise und Dialog erschließen.

Eine bedeutende neue Initiative für 2026 ist „Basel Exclusive“,

die in enger Zusammenarbeit mit Galerien entwickelt wurde

und die Rolle der Art Basel in Basel als führenden Ort der

Entdeckung und Erstpräsentation weiter stärkt. Teilnehmende

Aussteller reservieren eine Auswahl bedeutender Werke, die erstmals

zur VIP-Eröffnung der Messe öffentlich gezeigt werden.

Während der Messewoche werden zudem zwei große neue

ortsspezifische Auftragsarbeiten auf dem Messeplatz und dem

Münsterplatz enthüllt, realisiert im Rahmen der ersten Art

Basel Awards. Ergänzt wird dies durch ein dynamisches Programm

aus Gesprächen, Veranstaltungen und institutionellen

Ausstellungen in der ganzen Stadt.

alle Bilder © Courtesy Art Basel

Sektoren

Galleries

Galleries ist der Hauptsektor der Messe, in dem Werke moderner

Meister neben Werken der weltweit renommiertesten zeitgenössischen

Künstler:innen und jungen Talente stehen.

Unlimited

Unlimited – kuratiert von Ruba Katrib – ist der Sektor für monumentale

Projekte, die über den klassischen Kunstmessestand

hinausgehen.

Feature

Feature ist der Sektor für sorgfältig kuratierte, historische Präsentationen

von Künstler:innen des 20. Jahrhunderts.

Statements

Statements konzentriert sich auf mutige Einzelprojekte aufstrebender

Künstler:innen.

Premiere

Premiere konzentriert sich auf aktuelle künstlerische Produktionen

und zeigt sorgfältig kuratierte Projekte, wie die Präsentation

einer einzelnen Künstler:in oder Ausstellungen mit bis zu

drei Künstler:innen innerhalb eines kuratorischen Konzepts.

Edition

Edition ist der Bereich für Editionen, Drucke und Multiples.

Kabinett

Kabinett zeigt kuratierte Auswahlen von Galerien in einem

speziellen Bereich ihres Standes darunter thematische Gruppenausstellungen,

kunsthistorische Schaukästen und Einzelpräsentationen.

Parcours

Parcours ist der Bereich für ortsspezifische Arbeiten in und um

die Clarastraße, die das Messegelände mit dem Rhein verbindet.

Magazines

Im Bereich Magazines können Besucher:innen internationale

Kunstpublikationen durchstöbern und mit nach Hause nehmen.

Öffnungszeiten

Vernissage (Zugang mit Ticket oder VIP-Karte)

Mittwoch, 17.06.2026, 16–20 Uhr, für Inhaber:innen einer VIP-

Karte oder eines Tickets

Öffentliche Tage (Zugang mit Ticket oder VIP-Karte)

Donnerstag, 18.06.2026

11–19 Uhr, für Inhaber:innen einer VIP-Karte oder eines Tickets

19–22 Uhr, für Inhaber:innen eines Unlimited-Night-Tickets

Freitag–Sonntag, 19.–21.06.2026, 11–19 Uhr, für Inhaber:innen

einer VIP-Karte oder eines Tickets

Messe Basel Messeplatz 10 4058 Basel

www.artbasel.com


8 | Basel

LOUISE | arttourist.com | 2026

Basel (CH)

Zander Galerie

Die Zander Galerie wurde 1996 in Köln gegründet. In

jährlich sechs bis neun Ausstellungen präsentiert die

Galerie sowohl erweiterte Fotografie als auch Medienund

Konzeptkunst. Die Galerie nimmt regelmäßig an

internationalen Kunstmessen wie der Art Basel, Art Basel

Paris, Art Cologne, Paris Photo und Photo London

teil. Zudem werden aktive Kooperationen mit zahlreichen

Institutionen, Museen und Partnergalerien gepflegt.

Im Jahr 2023 eröffnete die Zander Galerie neue

Galerieräume im lebendigen Viertel Saint-Germaindes-Prés

in Paris.

Die Galerie vertritt internationale Künstlerinnen und

Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts. Die seit den

Anfängen bestehende Sektion für Fotografie bildet das

Fundament des Programms. Der Schwerpunkt liegt auf

Kunstschaffenden, die ihr Medium innerhalb der übergeordneten

Fragestellungen zeitgenössischer Kunst betrachten

und dabei Walker Evans’ dokumentarischen

Stil als wesentlichen Referenzpunkt wählen. Die renommierten

Fotografen der Ausstellung New Documents

(MoMA, 1967) – Diane Arbus, Lee Friedlander

und Garry Winogrand – sowie Robert Adams und

Henry Wessel als Vertreter der New Topographics-Bewegung

und Robert Frank, einer der einflussreichsten

Fotografen des 20. Jahrhunderts, bilden den Kern des

Programms.

Zusätzlich zu den Galerieausstellungen umfasst die

Arbeit der Galerie die langfristige Beratung von Sammlungen,

das Kuratieren von Ausstellungen in Zusammenarbeit

mit internationalen Institutionen sowie die

Herausgabe von Monografien und Katalogen.

Zander Galerie, Schönhauser Straße 8, 50968 Cologne,

Germany

Zander Galerie, 6 Rue Jacob, 75006 Paris, France

www.zandergalerie.com

Art Basel Stand: C14

Wir sprachen mit Galerist Thomas Zander

Thomas Zander vor „Bibliothèque Mazarine“, Paris, 2017 von Candida Höfer, Köln

© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Wie kamen Sie zur Kunst und zur

Fotografie?

Thomas Zander: Mit Kunst bin

ich eigentlich von klein auf aufgewachsen.

Mein Vater arbeitete für

einen Verlag und brachte regelmäßig

Kunstbücher mit nach Hause, außerdem

gab es viele Künstler:innen und

kreative Menschen im direkten Umfeld

meiner Eltern. Kunst war deshalb

nie etwas Fremdes, sondern Teil des

Alltags.

Schon als Jugendlicher habe ich viel

Zeit in Museen verbracht, sehr früh

erste Werke gekauft und bereits mit

18 in einer Galerie gearbeitet. Besonders

geprägt hat mich ein Professor,

der mich weniger nach kunsthistorischen

Fakten fragte, sondern danach,

wie ich eine Ausstellung oder eine

Hängung wahrnehme. Das hat meinen

Blick auf Kunst nachhaltig beeinflusst.

Zur Fotografie kam ich Mitte der

1990er-Jahre, als ich meine Galerie

eröffnete. 1998 zeigte ich meine erste

Fotoausstellung, unter anderem mit

Tom Wood. Für mich war schnell

klar, dass Fotografie das Medium

meiner Generation ist – direkt, zeitgenössisch

und zugleich kunsthistorisch

enorm relevant. Seitdem hat sich dieser

Bereich kontinuierlich entwickelt

und ist heute ein zentraler Schwerpunkt

meiner Arbeit.

Sie haben Betriebswirtschaft

statt Kunstgeschichte studiert.

Thomas Zander © Zander Galerie, Cologne/Paris

War das eine gute Grundlage für

den Kunstmarkt? Wie haben Sie

Ihr Auge entwickelt?

Thomas Zander: Rückblickend war

das eine sehr gute Entscheidung. Der

Kunstmarkt verbindet Leidenschaft

und wirtschaftliches Denken – beides

muss zusammenkommen. Natürlich

habe ich mich parallel immer intensiv

mit Kunstgeschichte beschäftigt,

aber das Gespür für Kunst entwickelt

man letztlich durch Erfahrung: durch

Ausstellungen, Gespräche mit Künstler:innen,

Sammler:innen und Kurator:innen,

durch Reisen, Museen und

den täglichen Umgang mit Kunstwerken.

Mein Blick wurde stark durch die

Nähe zu Künstler:innen geprägt.

Viele Gespräche im privaten Umfeld

meiner Eltern, später die direkte Zusammenarbeit

mit Künstlern und

Nachlässen, haben mein Verständnis

geschärft. Wichtig war mir immer,

nicht nur Werke zu handeln, sondern

langfristige Beziehungen aufzubauen

und Programme mit Substanz zu entwickeln.

Was fasziniert Sie an der Fotografie

der New-Topographics-Bewegung?

Thomas Zander: Mich fasziniert an

der New-Topographics-Bewegung vor

allem die Klarheit und Konsequenz

des Blicks. Künstler wie Lewis Baltz,

Robert Adams oder Nicholas Nixon

haben Fotografie von jeder Romantisierung

befreit und eine völlig neue

Sicht auf Landschaft, Architektur

und Gesellschaft entwickelt.

Gleichzeitig ist die Qualität der Abzüge

außergewöhnlich hoch. Diese

Künstler verbanden konzeptuelle

Präzision mit fotografischer Meisterschaft.

Genau dieser Ansatz hat mich

immer interessiert: Fotografie, die

nicht dekorativ ist, sondern eine Haltung

transportiert.

Unser Programm hat sich über viele

Jahre organisch entwickelt. Künstler

wie Robert Frank kamen später hinzu,

teilweise durch direkte Zusammenarbeit

mit Archiven und Nachlässen.

Das war mir immer besonders

wichtig – möglichst nah an den

Künstler:innen und ihren Werken zu

arbeiten und weniger über den klassischen

Secondary Market.

Haben Museumsausstellungen

und Publikationen Einfluss auf

den Markt und die Nachfrage

nach Fotografie?

Thomas Zander: Absolut. Große

Museumsausstellungen, wissenschaftliche

Publikationen und institutionelle

Präsenz sind essenziell für

die Wahrnehmung eines Künstlers.

Sie schaffen kunsthistorischen Kontext

und langfristige Relevanz.

Gerade in der Fotografie sind Museen

und Publikationen oft entscheidend

dafür, wie nachhaltig ein Werk wahrgenommen

wird. Der Markt allein

funktioniert nicht isoliert – Qualität,

Forschung, Ausstellungsgeschichte

und institutionelle Anerkennung gehören

unmittelbar zusammen.

Woher kommt die neue Aufmerksamkeit

für Fotografie?

Thomas Zander: Ich glaube, dass

Fotografie in den letzten Jahren auf

vielen großen Kunstmessen etwas

vernachlässigt wurde, auch aus wirtschaftlichen

Gründen. Zeitgenössische

Malerei erzielt oft deutlich höhere

Preise, während die Messekosten

gleichzeitig enorm gestiegen sind.

Viele Galerien überlegen deshalb sehr

genau, welche Medien sie präsentieren.

Langfristig bin ich aber überzeugt,

dass bedeutende Fotografie wieder

stärker in den Fokus rücken wird.

Gerade museale und kunsthistorisch

relevante Positionen gewinnen zunehmend

an Bedeutung. Gute Fotografie

besitzt eine enorme kulturelle Tiefe

und Aktualität.

Was macht für Sie eine gute Fotografie

aus? Nach welchen Kriterien

wählen Sie Arbeiten aus?

Thomas Zander: Das ist eine sehr

komplexe Frage. Entscheidend ist für

mich zunächst die inhaltliche Stärke

eines Werkes – also ob ein Bild über

das rein Visuelle hinausgeht und eine

eigene Haltung oder Sichtweise transportiert.

Bei konzeptueller oder erweiterter Fotografie

spielt außerdem der Kontext

eine große Rolle. Gleichzeitig bleibt

der Abzug selbst essenziell: Qualität,

Materialität, Tonalität und Präzision

sind für mich zentrale Kriterien.

Eine gute Fotografie muss sowohl formal

als auch inhaltlich überzeugen

und idealerweise über viele Jahre hinweg

relevant bleiben.

Wie war es, mit Robert Frank und

seinem Archiv zu arbeiten?

Thomas Zander: Mit einem Künstler

wie Robert Frank zu arbeiten, ist

natürlich eine außergewöhnliche

Aufgabe. Robert Frank gehört zu den

prägendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts,

und seine Arbeiten besitzen

eine enorme kunsthistorische Bedeutung.

Die Zusammenarbeit mit Archiven

und Nachlässen erfordert viel Vertrauen,

Verantwortung und langfristiges

Denken. Solche Werke lassen sich

oft nicht klassisch „verkaufen“, sondern

müssen sehr gezielt und meist

im institutionellen oder musealen

Kontext positioniert werden.

Gerade das macht die Arbeit aber

auch spannend und erfüllend.

Wie ging die Geschichte rund um

die Robert-Frank-Arbeiten weiter?

Thomas Zander: Wir haben die Arbeiten

zunächst auf der Art Basel Unlimited

präsentiert und später auch in

Köln gezeigt. Schließlich konnten sie

– so wie wir es uns erhofft hatten – in

eine bedeutende Schweizer Sammlung

vermittelt werden.

Darauf sind wir sehr stolz, weil genau

solche Platzierungen zeigen, wie

wichtig langfristige und sorgfältige

Arbeit im Kunstmarkt ist.

Gibt es Unterschiede zwischen

Art Basel, Paris Photo oder Photo

London?

Thomas Zander: Ja, definitiv. Paris

Photo ist die wichtigste Messe speziell

für Fotografie – dort trifft man

besonders viele Spezialist:innen, Kurator:innen

und Sammler:innen mit

einem sehr tiefen Interesse an dem

Medium.

Art Basel und Art Basel Paris hingegen

haben ein breiteres internationales

Kunstpublikum. Dort begegnet

man vielen Sammler:innen zeitgenössischer

Kunst, die aber zunehmend

auch großes Interesse an Fotografie

entwickeln.

Jede Messe hat also ihre eigene Dynamik

und ihr eigenes Publikum.

Was ist Ihre Aufgabe im Selection

Committee der Art Basel?

Thomas Zander: Im Selection Committee

beschäftige ich mich insbesondere

mit dem Bereich klassische und

historische Fotografie. Dazu gehört

die Bewertung von Bewerbungen, die

Analyse fotografischer Positionen und

die Frage, welche Arbeiten kunsthistorisch

relevant sind und in einen größeren

Kontext passen.

Auch Vorschläge für Art Unlimited

oder besondere Präsentationen werden

diskutiert und bewertet. Es geht

letztlich darum, die Qualität und Relevanz

der Fotografie innerhalb der

Messe mitzugestalten.

Was zeigen Sie dieses Jahr auf der

Art Basel?

Thomas Zander: Wir werden unter

anderem Arbeiten von On Kawara,

Lewis Baltz, Bernd & Hilla Becher sowie

Candida Höfer und Tina Barney

präsentieren.

Der Fokus liegt auf einer starken

konzeptuellen und fotografischen

Positionierung — mit Arbeiten, die

kunsthistorisch bedeutend sind und

zugleich hervorragend miteinander in

Dialog treten.

Und natürlich wird es auch noch einige

Überraschungen geben.

Das Gespräch führte Kai Geiger


LOUISE | arttourist.com | 2026 Basel | 9

Weitere Kunstmessen in Basel

Volta Basel

17. – 21.06.2026

Nach ihrer bislang erfolgreichsten Ausgabe

kehrt VOLTA vom 17. bis 21. Juni 2026

nach Basel zurück. Mit dem Eintritt in ihr

drittes Jahrzehnt als Plattform für innovative

künstlerische Positionen, hat sich die

Messe längst als Sprungbrett für aufstrebende

Künstler:innen sowie als Labor für Ideen,

die die Zukunft der zeitgenössischen Kunst

prägen etabliert. Nur zwei Gehminuten von

der Art Basel und dem Messeplatz entfernt,

präsentiert VOLTA Basel 2026 eine dynamische

Mischung aus etablierten und aufstrebenden

Künstler:innen sowie Galerien aus

aller Welt.

Hall 4.U, Congress Center,

Messeplatz 21, 4058 Basel

www.voltaartfairs.com/basel

I never read 2025 © Kai Geiger

© Africa Basel

Africa Basel

17. – 21.06.2026

Die Africa Basel ist die internationale Kunstmesse

für zeitgenössische Kunst, die sich auf

Werke und Künstlerinnen sowie Künstler aus

Afrika und seiner Diaspora spezialisiert. Als

Plattform für kreativen Ausdruck und kulturellen

Austausch präsentiert die Africa Basel

eine breite Palette von Kunstwerken, welche

die dynamische und facettenreiche Kunstszene

des afrikanischen Kontinents widerspiegeln.

Die Messe fördert den Dialog zwischen

Galerien, Sammlerinnen und Sammlern,

Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunstbegeisterten

und trägt dazu bei, das weltweit

wachsende Interesse an afrikanischer Kunst

weiter zu stärken. Im Herzen von Basel gelegen

und während der Art Basel Woche

stattfindend, ist die Africa Basel ein zentraler

Treffpunkt, um neue Perspektiven zu erkunden

und die reichen künstlerischen Traditionen

und Innovationen Afrikas zu feiern.

Klybeck 610, Gärtnerstraße 2, 4057 Basel

www.africabasel.com

Swiss Art Awards 2025 © Kai Geiger

Swiss Art Awards

16. – 21.06.2026

Der Schweizer Kunstwettbewerb, der seit

1899 jährlich stattfindet, ist die älteste Kunstauszeichnung

der Welt. Die begleitende Ausstellung

Swiss Art Awards, die vom Bundesamt

für Kultur organisiert wird, bietet einen

Einblick in das aktuelle Kunst- und Architekturschaffen

in der Schweiz und ist eine wertvolle

Referenz für Fachpersonen sowie Kunstliebhaberinnen

und Kunstliebhaber.

Halle 1.1, Messe Basel, 4005 Bael

www.swissartawards.ch

I never read

14. – 20.06.2026

I Never Read, Art Book Fair Basel ist eine

Plattform für künstlerische Perspektiven in

Form von Büchern. Die Veranstaltung bringt

nationale und internationale Verlage, Kunstschaffende,

Autor:innen und Designer:innen

zusammen, die das Buch als Instrument für

ihre künstlerische Produktion nutzen. Von

allen für alle – es ist ein offener und geselliger

Ort für Entdeckungen, kritisches Denken,

Austausch, Diskussionen und Gastfreundschaft.

I Never Read, OOO ist das Magazin, das als

Medium dient, um die Zeit zwischen den

Messen zu überbrücken. Es ist beides: digital

und physisch, kristallklar, verschwommen

und wild. Es nimmt zahlreiche Gestalten

und Formen an, um einen demokratischen

und liberalen Diskurs in unserer Gesellschaft

anzuregen.

Viaduktstrasse 33, first floor, 4051 Basel

www.ineverread.com

Basel Social Club

14. – 20.6.2026

Der Basel Social Club kehrt vom 14. bis 20.

Juni 2026 mit seiner fünften Ausgabe zurück

und verwandelt während der Art Basel-Woche

ein leerstehendes mehrstöckiges Bürogebäude

im Zentrum von Basel in eine temporäre

soziale Bühne für Kunst.

Die diesjährige Ausgabe mit dem Titel „Office“

betrachtet den Veranstaltungsort nicht

als Ort der Produktion, sondern als Raum

der Reflexion. Einst ein Symbol für Effizienz

und Wachstum, spiegelt das Büro heute sich

wandelnde Realitäten wider, die von Digitalisierung,

Remote-Arbeit und künstlicher Intelligenz

geprägt sind. Der Basel Social Club

setzt sich mit dieser Situation auseinander –

durch Ausstellungen, Performances, Musik,

Gastronomie und informelle Begegnungen,

die Fragen zu Arbeit, Zeit, Produktivität und

Erholung erforschen.

Die Architektur, die sich vertikal über die

übereinanderliegenden Stockwerke des Gebäudes

erstreckt, wird Teil des kuratorischen

Rahmens. Räumliche Ebenen und Wegeführung

spiegeln zeitgenössische Vorstellungen

vom „Underground“ wider – sowohl als Ort

kulturellen Widerstands als auch als Metapher

für die verborgenen Strukturen und

Spannungen des Spätkapitalismus.

Das Gebäude bleibt die ganze Woche über in

ständiger Bewegung, wobei Künstler:innen

direkt auf seine Architektur und Atmosphäre

reagieren. Ein spezielles Nachtprogramm erweitert

das Erlebnis bis in die späten Stunden,

während eine „Out of Office“-Zone Raum für

Pause und Rückzug bietet.

Die Gastronomie ist ein integraler Bestandteil

des Programms und reicht von einem exklusiven

Fine-Dining-Erlebnis bis hin zu zugänglichen,

lokal entwickelten kulinarischen

Formaten – ganz im Sinne des inklusiven

Liste Basel 2025 © Kai Geiger

Geistes, der den Kern des Basel Social Club

ausmacht.

Viaduktstrasse 33, first floor, 4051 Basel

www.baselsocialclub.com

OMG, FRANCK!

15. – 20.06.2026

Das OMG, Franck! geht in die zweite Runde!

Das Festival vereint Talente aus Musik, Radio,

Kunst/Performances und (Fashion-)Design,

Gastronomie und lädt zu einem immersiven

Erlebnis auf dem Franck Areal in Basel ein.

Parallel zur Art Basel findet dieses einwöchige

Event mitten in einer höchst spannenden

Umgebung statt. Let’s create our world in six

days!

Franck Areal, Horburgstraße 103, 4057 Basel

www.omg-franck.ch

Liste Basel 2025 © Kai Geiger

Liste Art Fair Basel

15. – 21.06.2026

Vom 15. bis 21. Juni versammelt

die Liste Art Fair Basel in

der Messe Basel 106 aufstrebende

Galerien aus 36 Ländern

und bietet damit erneut einen

umfassenden Überblick

über das gegenwärtige Kunstschaffen.

Mit ihrem klaren

Fokus auf aktuelle Positionen

zeitgenössischer Kunst

bleibt die Liste eine einzigartige

Plattform zur Sichtbarmachung

international

relevanter künstlerischer Entwicklungen.

In 74 Solo- und

23 Gruppenpräsentationen

sowie vier Joint Booths werden

ambitionierte Neuproduktionen gezeigt, die zentrale Themen einer neuen Generation

zeitgenössischer Kunst verhandeln. Ergänzt wird das Programm durch 5 Projekträume

und Artist-Run-Spaces, die architektonisch neu strukturierte Flächen mit kuratorisch

eigenständigen Präsentationen bespielen. In diesem Jahr unterstützt der Freundeskreis

Friends of Liste zudem 13 Galerien – ein Fördermodell, das besonders anspruchsvolle

Standpräsentationen ermöglicht und damit massgeblich zur Relevanz und internationalen

Ausstrahlung der Liste beiträgt.

Messe Basel, Halle 1.1 Maulbeerstrasse / Riehenring 113 CH, 4058 Basel

www.liste.ch

OMG 2025 © Kai Geiger

Impressum: LOUISE 2026 arttourist | Titel: Milena Schilling © Milena Schilling

Produktion | Gestaltung & Layout: Chris Bernert, chris@deluxe-grafik.com | Druck:

Fränkische Landeszeitung GmbH www.flz.de | Redaktion: arttourist, Glärnischstraße 7,

D-78464 Konstanz, Tel. +49 (0)7531 8074704, www.arttourist.com, info@arttourist.com

www.instagram.com/thearttourist/ #thearttourist #kukiosk, www.kukiosk.com


10 | Fototipps

LOUISE | arttourist.com | 2026

Fototipps

New Brighton, England, Great Britain, 1985 © Martin Parr / Magnum

Photos

Amsterdam (NL)

Martin Parr

Very Modern and Rather Ugly

bis 12.08.2026

Foam pays tribute to the legacy of British

photographer Martin Parr with the exhibition

Very Modern and Rather Ugly. Bringing

together a selection of his most iconic works,

the exhibition celebrates Parr’s unmistakable

way of seeing, witty societal observations

and enduring fascination with the role of

photography in everyday life. Parr is celebrated

for his ability to make the familiar look

strange and the boring interesting. Through

his vibrant visual language, he transformed

seemingly banal scenes into incisive reflections

on modern society. Central to his life’s

work were themes of consumption, cultural

identity, tourism and class, which he explored

over decades across both national and

international contexts

Other exhibitions

Nadav Kander - The Edge of Things

18.09.2026–17.02.2027

Hailun Ma | 18.09.2026–20.01.2027

Myriam Boulos |16.10.2026–17.02.2027

Foam Photography Museum Amsterdam

www.foam.org

De Nieuwe Kerk World Press Photo 2026 by Tomek Dersu Aaron

Amsterdam (NL)

World Press Photo Exhibition

2026

bis 27.09.2026

The exhibition invites visitors to step outside

the daily news cycle and delve deeper into

familiar and unfamiliar stories from around

the world.

This year’s award-winning projects reveal the

reality and impact of global conflicts. They

offer a powerful visual account of life across

the globe, from the United States and Ukraine

to Nepal, Pakistan, and Palestine. In an

intimate way, the stories portray the fragility

of human life. They address illness and isolation,

as well as grief and resilience. A series

of wildlife portraits brings viewers closer to

nature. The exhibition presents the results of

the annual World Press Photo Contest, which

recognizes and celebrates the best photojournalism

and documentary photography of the

past year.

Frank Wijn, Pride Amsterdam (2015) © Frank Wijn Foto www.frankwijn.photo

Queer Amsterdam, the Pink City

ab 09.07.2026

As part of this summer’s WorldPride

2026 event, De Nieuwe Kerk Amsterdam

is launching a major exhibition entitled

Queer Amsterdam, the Pink City. The

exhibit will address the unique and tumultuous

history of Amsterdam’s LGBTQIA+ community

– a story of love, exclusion, courage,

struggle and freedom, told in a place that was

once a stage for religious doctrine and rejection.

De Nieuwe Kerk Amsterdam

www.nieuwekerk.nl/en/

Amsterdam (NL)

Martine Gutierrez

Wunderkind

27.06.2026 — 18.10.2026

On 27 June Huis Marseille will open Wunderkind,

a solo exhibition by American artist

Martine Gutierrez (1989, Berkeley). The

show unveils a vibrant new collection of

photographs that celebrate the art of play.

Toys, some preserved from childhood, others

handmade by Martine herself, anchor the

artist’s ongoing inquiry into how identity

is imagined and performed from the earliest

years. The exhibition will debut a series of life-size

photographs that pay tribute to dresses

handed down to Martine by the women

in her life, garments that carry the weight

© Martine Gutierrez Dress Up 3, 2026

of memory, fantasy and transformation. A

special archive of early drawings, Self-Portraits

(1993–1995), and childhood films showcase

the development of Martine’s artistic

voice from the start. In The Search for True

Beauty (1999), a ten-year-old Martine directs

her babysitter to star in an original fairytale

while taking on every supporting role.

Huis Marseille | www.huismarseille.nl/en/

Antwerpen (B)

Carrie Mae Weems - The Heart of

the Matter

bis 23.08.26

The Heart of the Matter is the first retrospective

exhibition in Belgium of the influential

American artist Carrie Mae Weems (1953).

Through her poignant photographs and video

installations, she explores themes such

as race, gender, power and memory. Weems

is often the subject, guide and muse in her

photographs. Her experiences as a black woman

are the starting point for her research

into “forgotten” histories. She shows places

Ralph Goings, Richmond Diner, 1983, Öl auf Leinwand, 101,6 x 147,3 cm, Waddington Custot, London, Paris, Dubai, Foto: Waddington

Custot © Ralph Goings, Goings Family Estate, 2026

Carrie Mae Weems, Untitled (Man and mirror), 1990; from the Kitchen

Table Series; from Carrie Mae Weems: The Heart of the Matter

(Aperture, 2025). © Carrie Mae Weems and reproduced courtesy

the artist and Gladstone Gallery, New York, Fraenkel Gallery, San

Francisco, and Galerie Barbara Thumm, Berlin

that often remain out of sight: from intimate

kitchen tables to film sets, from African-

American churches to former plantations.

Weems weaves personal stories into her work

to highlight the complexity and injustice in

today’s world.

Antwerpen_Bertien van Manen, Vasja, Lena and their son Styopya,

Collectie Fotomuseum Antwerpen, P/1995/41/4 © Bertien van

Manen

Families

bis 23.05.27

Who do you call family? And how do you record

your personal history? We all use photography

to sketch a picture of our family and

pass on stories to future generations. For the

exhibition Families, we delve into the FOMU

collection in search of family photographs.

You will discover historical photo albums

and photographs by contemporary artists

who challenge the traditional family portrait.

These artists and photographers explore

the complexity and sometimes discomfort

of family relationships. They rewrite history

and create intimate photographs that are

often missing from the classic photo album.

This creates a dialogue between the past and

the present, between what we cherish and

what we dare to question. ​

other exhibitions

TIFF - Emerging Belgian Photography

26.06.26 - 23.08.26

Graciela Iturbide - Eyes to Fly with

18.09.26 - 17.01.27

Leonard Pongo | 18.09.26 - 17.01.27

Fotomuseum Antwerpen | www.fomu.be

Baden-Baden

Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus

bis 02.08.2026

Mit der Ausstellung Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus widmet sich

das Museum Frieder Burda einer der konsequentesten Bewegungen der gegenständlichen

Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Stilrichtung, die sich ab Mitte der 1960er-Jahre

in den USA herausbildete, steht für eine Kunst, die den fotografischen Blick auf die Welt

zum Ausgangspunkt nimmt und diesen mit malerischen Mitteln auf illusionistische Weise

reproduziert. Über 90 bildgewaltige Werke von mehr als 30 Künstler:innen aus sechs Jahrzehnten

zeigen, wie der Anspruch auf Wirklichkeitsnähe mit handwerklicher Präzision neu

definiert wurde – von frühen Positionen wie Robert Bechtle, Richard Estes, Ralph Goings

und Audrey Flack bis zu internationalen Entwicklungen der Gegenwart. Ausgangspunkt

der Schau ist die Sammlung Frieder Burda, ergänzt durch hochkarätige Leihgaben aus rund

20 internationalen Sammlungen, darunter dem Whitney Museum of American Art in New

York und dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid.

Museum Frieder Burda

www.museum-frieder-burda.de

Cao Fei. Cosplayers - A Mirage. 2004 © Courtesy of the artist, Creative

Vitamin Space, and Sprüth Magers

Basel (CH)

Cao Fei

Testimonies to the Near Future

30.05.2026 — 11.10.2026

Die chinesische Künstlerin Cao Fei (* 1978,

Guangzhou) zählt zu den prägenden Stimmen

ihrer Generation. In Videos, digitalen Medien,

Fotografie, Installationen und Skulpturen fängt

die Künstlerin die rasanten Veränderungen ein,

die China und insbesondere das Perlflussdelta

seit der Reform- und Öffnungspolitik ab 1978

www. .com Weiter auf Seite 13


LOUISE | arttourist.com | 2026 Arles | 11

THEMA 2026

# WORLDS IN VIEW –

WELTEN IM BLICK

“Während alles auf Vereinfachung, Spaltung und Reduktion drängt,

schafft die 57. Ausgabe der Rencontres d’Arles einen Raum für

Komplexität und Achtsamkeit – nicht, um die Härte der Realität

künstlich zu mildern, sondern um ihre Tiefe herauszuarbeiten

und sich einer mitunter beunruhigenden Welt zu stellen, in der

es dennoch gilt, weiterhin Schönheit, Verbindung und Freiheit zu

finden. Die Fotografie besitzt eine seltene Fähigkeit, neue Wege

zu eröffnen. Als wesentliches Medium zeigt sie, was unbeachtet

bleibt, was fortbesteht, was zirkuliert, was weitergegeben und was

verbindet. Indem sie Geschichte und intime Erzählungen zusammenführt,

ermöglicht es die Fotografie, die Welt anders zu sehen.“

Christoph Wiesner, Direktor der Rencontres d’Arles

Orianne Ciantar Olive, Coffee Grounds, 2023, Courtesy of the artist.

Laurent Goumarre, Untitled (Arthur), 2007, Courtesy of the artist.

Arles (F)

LES RENCONTRES

DE LA PHOTOGRAPHIE

06.07.–04.10.2026

Jeden Sommer seit 1970 hat die Rencontres d’Arles im Rahmen

von mehr als vierzig Ausstellungen an verschiedenen

außergewöhnlichen historischen Orten der Stadt einen maßgeblichen

Einfluss auf die Verbreitung der besten internationalen

Fotografie ausgeübt und dient zugleich als Sprungbrett

für fotografische und zeitgenössische kreative Talente.

Seit über 50 Jahren haben die größten Namen der Fotografie

an den Rencontres d’Arles teilgenommen – ein wahrer Nährboden

für neue Talente. Den Wandel der Medien und technologische

Entwicklungen vorwegnehmend und das Bilderlebnis

für alle zugänglich machend – das sind die Ambitionen

des Festivals.

Zwischen Anfang Juli und Ende September ist die Öffentlichkeit

eingeladen, rund 40 Ausstellungen an verschiedenen historischen

Orten der Stadt zu entdecken – von Kapellen und

Kreuzgängen aus dem 12. Jahrhundert bis hin zu Industriegebäuden

aus dem 19. Jahrhundert sowie zeitgenössischen, teils

überraschenden Orten (wie etwa dem Monoprix und seiner

Fassade, die als Kulturerbe des 20. Jahrhunderts klassifiziert ist).

Während der Eröffnungswoche im Juli lebt ganz Arles im

Rhythmus der Fotografie. Als Ort des Austauschs mit Kreativen

lädt das Festival das Publikum ein, gemeinsam mit

Künstlern und Kuratoren an Führungen, Podiumsdiskussionen,

Konferenzen, Buchsignierungen und Lesungen teilzunehmen.

Das Programm ist durch eine Vielfalt an Perspektiven geprägt,

mit Fotografen und Kuratoren aus unterschiedlichen Hintergründen.

Gelegentlich wird ein ganzer Programmteil einem

Künstler gewidmet, wie etwa Martin Parr, Raymond Depardon,

Nan Goldin oder dem aus Arles stammenden Modedesigner

Christian Lacroix.

Zu anderen Zeiten werden Grenzen aufgebrochen, indem

Fotografie mit Kino, Musik oder Architektur in Beziehung gesetzt

wird. Jahr für Jahr versucht das Festival, eine sich wandelnde

Welt durch die Augen von Fotografen zu interpretieren

– zweifellos die besten Geschichtenerzähler.

www.rencontres-arles.com/en

Charlotte Yonga, Dïane, Mahenina and Belly, Antananarivo, Madagascar, 2024

Courtesy of the artist. | © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026

Bertien van Manen, Ljalja, Odessa, 1991, Courtesy of Stichting Bertien van Manen.

2026 Arles-Rencontres, Plakat


12 | Fototipps

LOUISE | arttourist.com | 2026

Fortsetzung von Seite 13

prägen. Für Cao Fei. Testimonies to the Near Future,

ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz

und bisher größte Überblicksschau in Europa,

verwandelt die Künstlerin das Kunstmuseum

Basel | Gegenwart in ein Gesamtkunstwerk in

Form einer Stadt, in der immersive Installationen

und Videowelten aus ihren letzten dreißig

Schaffensjahren verschmelzen.

Cao Fei ist unbestrittene Pionierin im Erschaffen

digitaler Welten. Ihre frühen Werke haben

eine ganze Generation von Künstler:innen aus

Asien und darüber hinaus beeinflusst. Seit über

zwei Jahrzehnten untersucht sie die Auswirkungen

gesellschaftlicher und technologischer

Umbrüche auf das menschliche Leben in Arbeiten,

die ihren Ruf als führende Denkerin auf

dem Gebiet von Kunst, Medien, Technologie

und Zukunft begründet haben – von Videoinstallationen

über digitale Simulationen bis hin

zu Virtual-Reality-Settings.

Ihre Videos und teils gamebasierten Umgebungen

sind in Fabriken, Traumlandschaften

und Zukunftsvisionen verortet. Sie thematisieren

Arbeit, Veränderung und die eigenartige

Schönheit einer globalisierten Welt und verhandeln

entlang dieser Themen Fragen von

Identität, Körperlichkeit und Erinnerung.

Kunstmuseum Basel | www.kunstmuseumbasel.ch

Katze, 1980 © Walter Schels / Stiftung F. C. Gundlach

A MILF DREAM - my matches on tinder, 2024 © Jenny Rova

ASMR-Videos, cute (niedlichen) oder cursed

(verfluchten) images, Emojis, computergenerierten

Bildern oder pixeligen Screenshots

zu erkunden, die als Verschwörungstheorien

oder als Protestmittel gleichermaßen zum

Einsatz kommen können. Dabei legen die

künstlerischen Arbeiten die komplexen Mechanismen

der Verführung im digitalen

Raum offen und beleuchten, wie Bilder und

die ihnen zugrunde liegenden Strukturen –

von Algorithmen bis zu Datensätzen – unsere

Aufmerksamkeit lenken, Gefühle provozieren

und Meinungen beeinflussen.

Kostas Maros © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Basel (CH)

Kostas Maros - Traces of Absence

04. – 27.06.2026

In seiner Ausstellung „Traces of Absence“ im Artstübli – Kunst & Kultur bringt Kostas Maros

die beiden fotografischen Serien Myths of Everyday Life und Cicatrice zusammen. Beide

Werkgruppen kreisen um die Beobachtung, dass Landschaften oft am deutlichsten durch

das sprechen, was nicht mehr sichtbar ist. Maros‘ Fotografien zeigen Menschen selten direkt.

Stattdessen machen sie subtile Spuren menschlicher Präsenz sichtbar, die sich in alltäglichen

wie auch in durch industrielle Eingriffe geprägten Landschaften eingeschrieben

haben. Künstliches Licht, Zäune, Objekte oder präzise geschnittene Steinoberflächen verweisen

auf Handlungen, die bereits stattgefunden haben, jedoch nur fragmentarisch lesbar

bleiben. Vor dem Hintergrund des Anthropozäns erscheinen Landschaften zugleich vertraut

und transformiert.

Öffnungszeiten: DO/FR: 11 – 18 Uhr, SA: 14 – 18 Uhr | Art Basel Woche: 15. – 20. Juni, täglich

von 11 – 18 Uhr

Artstübli – Kunst & Kultur, Steinentorberg 28, 4051 Basel | www.artstuebli.ch

Berlin

Walter Schels

16° Fische

20.06. – 02.09.2026

Anlässlich des 90. Geburtstags von Walter

Schels (*1936) zeigt C/O Berlin in Zusammenarbeit

mit der Stiftung F. C. Gundlach die erste

große Retrospektive des Fotografen, die auf

einer umfassenden Sichtung seines gesamten

Printwerks mit über 10.000 Originalabzügen

basiert. Seit mehr als sechs Jahrzehnten widmet

sich Schels den Grundthemen menschlicher

Existenz. Seine Bilder erforschen Normen,

Tabus und Grenzerfahrungen. Stets

stellen sie Fragen nach Individuum, Identität

und Transformation. Schels hat eine unverwechselbare

Bildsprache zwischen dokumentarischer

und künstlerischer Fotografie entwickelt.

Diese erweitert er durch eine Vielzahl

von Materialitäten. Mithilfe serieller Konzepte

und unterschiedlicher experimenteller

Ansätze macht er sowohl formale Strukturen

als auch Prozesse sichtbar. Die Ausstellung

beleuchtet mit rund 250 Werken zentrale

Themen seines Œuvres in ihrer Komplexität.

Zu sehen sind prägende Werkgruppen – darunter

Porträts bekannter und unbekannter

Persönlichkeiten, Serien über Jugendliche in

Transition oder Sterbende, sowie Tieraufnahmen

oder Pflanzenbilder, die durch chemische

Übermalungen entstanden sind.

The lure of the image

Wie Bilder im Netz verlocken

20.06. – 02.09.2026

Wie locken oder betören uns Bilder, die online

zirkulieren? Wie fesseln, steuern oder

täuschen sie uns? Die 14 künstlerischen Positionen

in der Ausstellung setzen sich mit visuellen

Phänomenen auseinander, die online

als Vehikel für Kommunikation, Kritik oder

Komik dienen. Sie veranschaulichen, welch

zentrale Rolle Bilder in der Gestaltung unserer

sozialen, kulturellen und politischen Umgebung

spielen. Die Ausstellung lädt dazu ein,

die visuellen Welten von Social-Media-Feeds,

Dating-App-Profilen, Beauty-Filtern, Memes,

Welcome Home, 1978–84 © Carrie Mae Weems. Courtesy the artist

and Gladstone Gallery

Carrie Mae Weems

The Heart of the Matter

12.09.2026 – 03.02.2027

New York, Fraenkel Gallery, San Francisco,

and Galerie Barbara Thumm, Berlin

Die Ausstellung und die begleitende Monografie

bieten einen umfassenden neuen

Überblick über das Werk der international

renommierten Künstlerin Carrie Mae Weems

(geb. 1953), die sich in ihren eindringlichen

Fotografien mit Fragen von kultureller

Identität, Patriarchat und sozialer

Zugehörigkeit auseinandersetzt. Die Schau

spannt den Bogen über Weems’ gesamtes

Schaffen und zeigt die Tiefe und Vielfalt ihrer

künstlerischen Ausdrucksweise.

After Nature Prize 26

Stelios Kallinikou / Susanne Kriemann

12.09.2026 – 03.02.2027

c/o Berlin | www.co-berlin.org/de

Berlin

Migration und Mobiliar seit 1960

22.05.2026 – 03.01.2027

Die Ausstellung widmet sich entlang ästhetischer

und sozialer Fragen dem Wohnen in

der Einwanderungsstadt, insbesondere in

Berlin: Wie richten sich Menschen im Provisorium

ein? Wie zeigen sich anhand von

Einrichtungs- und Geschmacksfragen auch

Niederlassungsprozesse? Wohnen ist eine

Grundkategorie menschlicher Existenz. Es ist

ein Speicher für Erinnerungen, ein Medium

der Selbstverortung. In der Migration wird

das Wohnen prekär, geprägt von Aufbrüchen

und Ankünften, Provisorien und Improvisationen.

„Tapetenwechsel“ verbindet atmosphärisch

Fotografien und Objekte, künstlerische Arbeiten

von Vlassis Caniaris, Ahu Dural, Ekin

Su Koç, Hakan Savaş Mican, Sung Tieu und

Kiriakos Tompolidis mit literarischen Texten

von Emine Sevgi Özdamar und Dinçer

Güçyeter zu einer vielstimmigen, essayistischen

Erzählung. Der Schwerpunkt liegt

auf Berlin, gleichzeitig stößt die Ausstellung

Fenster zu anderen Orten in Deutschland auf.

Museum Ephraim-Palais

www.stadtmuseum.de/museum/museumephraim-palais

Berlin

Matthias Burba & Max Seeger

Die Welt in einem Sandkorn sehen

11.07. – 06.09.2026

Ein Sandkorn – unscheinbar und doch ein

Mikrokosmos der Welt. Die Ausstellung Die

Welt in einem Sandkorn sehen führt tief hinein

in die verborgene Struktur eines der ältesten

und zugleich kostbarsten Rohstoffe der

Erde. Unter dem Mikroskop des Forensikers

und Mikrofotografen Matthias Burba (*1954)

verwandeln sich die winzigen Kristalle in

leuchtende Landschaften, die sowohl geologische

Geschichte als auch menschliche

Wahrnehmung sichtbar machen. Zwischen

physikalischer Präzision und poetischer

Interpretation entfaltet sich ein doppelter

Blick: auf die Materie – und auf die Geschichten,

die sie in sich trägt. Jede Drehung der

Max Seeger, Ingrained (Film-Still) © Max Seeger

Polarisationsfilter eröffnet neue, ebenso gültige

Realitäten. So verschmelzen wissenschaftliche

Präzision und poetische Imagination zu einem

Blick, der nicht nur misst, sondern deutet.

Burbas Einzelaufnahmen der Sandkörner von

verschiedenen Stränden der Welt werden den

Fotografien der entsprechenden Landschaft,

die Alfred Ehrhardt(1901–1984) in den 1930er

Jahren aufnahm, gegenübergestellt. Diese

Kombination eröffnet einen faszinierenden

Einblick in die Welt des Sandes, indem sie das

mikroskopische Detail der Körner mit der weitläufigen

Struktur der Küstenlandschaften kontrastiert.

Ramona Schacht:

Vom Bauhaus auf die Krim

Eine Bilderbefragung zu Alfred

Ehrhardts Tabakserien

12.09. – 20.12.2026

Erstmals zeigt die Alfred Ehrhardt Stiftung Alfred

Ehrhardts (1901–1984) historische Industriefotografien

in neuem Licht. Zwischen

1954 und 1963 entstanden im Auftrag des

Tabakkonzerns Reemtsma & Co. zahlreiche

filmische und fotografische Arbeiten, die

bislang weitgehend unbeachtet geblieben

sind – und in starkem Kontrast zu Ehrhardts

freikünstlerischen Natur- und Landschaftsaufnahmen

stehen. Diese kaum bekannten

Werke bilden nun die Grundlage für eine neueste

Serie der Leipziger Künstlerin Ramona


LOUISE | arttourist.com | 2026 Baden | 13

Baden bei Wien (A)

FESTIVAL LA GACILLY-BADEN PHOTO 2026

SO BRITISH!

12.06.–11.10.2026

Eine Stadt wird zur Galerie

Das Festival La Gacilly-Baden Photo 2026 ist dem Thema

SO BRITISH! gewidmet. Eine gigantische Open-Air-Galerie

auf 7 km Länge, mit rund 1.500 großformatigen Bildern in

den Parks und Gärten und der Altstadt von Baden bei Wien

verwandelt die Stadt zum neunten Mal für vier Monate in

eine Bilder-Stadt. Bei freiem Eintritt laden 33 Ausstellungen,

7 Tage die Woche, von 0- 24 Uhr zum Verweilen.

Das größte Fotofestival Europas

Dem Festival La Gacilly-Baden Photo ist es seit seiner Gründung

herausfordernde Verpflichtung, den Menschen und seine

Umwelt in den Mittelpunkt der Ausstellungen zu stellen.

Fotografische Erzählungen der weltbesten Fotograf:innen beschreiben

die Schönheit unseres Planeten Erde ebenso wie

dessen Umwelt-Probleme. Das Ziel des Festivals ist, die Besucher

einzuladen, sich auf herausfordernde Themen unserer

Zeit auf sinnliche Weise einzulassen und dank der Bilder

großartiger Fotokünstler:innen in Staunen versetzen zu lassen.

336 000 Besucher:innen konnte das Festival 2025 damit

erreichen.

SO BRITISH!

Seit Oscar Wilde einen Hummer an der Leine am Ufer der

Themse spazieren führte, wissen wir, dass in diesem Land der

strengen Erziehung Extravaganz immer noch als Kunstform

gepflegt wird. Viele britische Fotograf:innen teilen diesen Stil.

Sie sind so british, weil sie es verstehen, den Geist ihrer Zeit

mit einem großartigen Sinn für Klarheit einzufangen. Das

Festival hat sich stets bemüht, die großen Meister der Fotografie

zu ehren, und Sir Don McCullin, der von Königin Elizabeth

II. zum Ritter geschlagen wurde, ist eine Legende: Er

fotografierte nicht das Elend der Ausgegrenzten, er prangerte

es an; er fotografierte nicht den Krieg, er verurteilte dessen

Absurdität; er fotografierte nicht die englische Landschaft

sondern deren Zerbrechlichkeit. Seit über fünfzig Jahren wirft

der unermüdliche Chronist der englischen Gesellschaft Martin

Parr einen messerscharfen Blick auf seine Landsleute. Dies

tun ebenso Tony Ray-Jones, Peter Dench, Josh Edgoose und

Terry O’Neill, als fotografischer Vertrauter der „Enfants terribles”

Englands, von den Beatles über die Rolling Stones bis zu

Elton John.

Anna Atkins war eine Pionierin auf dem Gebiet der Cyanotypie.

Gina Soden erkundet alte Herrenhäuser und verfallene

Fabriken. Cig Harvey experimentiert mit Farben, und Mary

Turner wirft einen zärtlichen Blick auf das postindustrielle

England. Christian Skrein erinnert an den Besuch der Beatles

im österreichischen Obertauern, die zum Videodreh von

Help! angereist waren. Richard Ladkani setzt mit „Just me,

Jane!“ Jane Goodall ein fotografisches Denkmal. Esther Haase

spürt dem Vermächtnis von Stilikone Vivian Westwood

nach. Mike Taylors Arbeit „The Beautiful Game“ zeigt Fußball

aus der Perspektive von fiebernden Fans in britischen

Pubs.

Von Queen-Gitarrengott Sir Brian May, der ein leidenschaftlicher

Stereofotograf und Sammler dieser Kunst ist, zeigt das

Festival mit „Stereoscopic Adventures In Hell“ eine absolute

Rarität seiner Sammlung.

Eine andere Rarität ist die Ausstellung von Michel Bouvet

„I Love The Beatles“, der in 35 außergewöhnlichen Bildern

die legendärsten Songs der mythischen Band aus Liverpool

illustriert. Dem 200.Geburtstag der Fotografie gewidmet zeigt

das Festival die Retrospektive des einzigartigen Schaffens von

Foto-Ikone und Magnum Gründer Robert Capa.

Der Zustand des Planeten Erde

Die unermüdliche Reisende und Modefotografin Françoise

Huguier erkundet in „Emotive Africa“ die Seele der

Menschen von Mali bis Äthiopien. In Tansania verortet

Frédéric Noy sein Langzeitprojekt Udzungwa, wo Populationen

endemischer Affen im Herzen eines Primärwaldes

leben, der durch die Urbanisierung bedroht ist. Axelle de

Russé betrachtet mithilfe von Infrarotfotografie die beiden

bewohnten Polarwelten im Norden und im Süden. Corey

Arnold verfolgt Bären und Kojoten und Waschbären auf

der Suche nach Nahrung in die Städte. Die sinnliche Welt

von François Fontaine, Gewinner des Leica-Preises für neue

Umweltfotografie 2025, zeigt Bilder aufgenommen zur

Zeit der Vollblüte in Japan. Norbert Span begibt sich auf

eine visuelle Reise in die mikroskopischen Strukturen von

Vitaminen.

Wasser ist Leben

Der Themenschwerpunkt Wasser untersucht die Bedeutung

des Wassers für die Menschen. Unesco-Weltwasserchair

Helmut Habersack wirft einen ernüchternden Blick auf die

Flüsse der Welt – mit spektakulären Bildern aus dem Orbit

von eoVision – Gerald Mannsberger & Markus Eisl. Der Forscher

Günter Köck entführt in „High Artic“ in die fernsten

Gebiete der Welt, wo Seesaiblinge als „Instrument“ zum

Umwelt-Monitoring eingesetzt werden und Christin Gerstorfer

taucht in die faszinierende, stille und dunkle Welt des

Apnoetauchens ab. Einen „tiefen“ Einblick auf das fragile

Ökosystem des Blauen Planeten gibt der Meeresbiologe und

einer der besten Unterwasserfotografen seiner Generation

Laurent Ballesta. Robert Doisneau, als „Auge von Paris“ berühmt,

wirft diesmal seinen poetischen Blick auf Meer und

Retro © Don McCullin

Strandleben. Stephane Lavoué porträtiert 20 Menschen, die

mit und auf dem Meer leben und arbeiten. Der indische

Fotograf Supratim Bhattacharjee zeigt den Alltag von Menschen

im Sundarbans-Archipel, die mit Klimakatastrophen

konfrontiert sind.

Kiss Box

Aktion „Gefrorene Küsse“ für Besucher:innen, die ihren Kuss

sichtbar machen wollen: Der Wissenschaftler und Fotograf

Norbert Span, hat exklusiv für das Festival eine Methode entwickelt,

bei der ein Kuss-Tropfen schockgefrostet auf dem Objektträger

landet, kunstvoll beleuchtet wird und Aufnahmen

entstehen lässt, die das, was sonst im Verborgenen bleibt wie

Wasser, Eiweiße, Salze, Enzyme und ein Hauch von Unerklärlichem

– in abstrakte Farbwelten verwandelt.

Weitere Infos & Katalog:

festival.lagacilly-baden.photo

edition.lammerhuber.at/buecher/so-british

Sinking Sundarbans © Supratim BHATTACHARJEE

Pride © Josh Edgoose


14 | Fototipps

LOUISE | arttourist.com | 2026

Alfred Ehrhardt, Tabakblätter zum Trocknen aufgefädelt, Mazedonien/Griechenland

aus dem Film „Die Welt des Tabaks“, 1956,

Silbergelantineabzug © Alfred Ehrhardt Stiftung © VG Bild-Kunst,

Bonn 2026

Schacht(*1989), die sich intensiv mit den

dort dargestellten Arbeitswelten auseinandersetzt.

Im Fokus stehen Szenen von Arbeit

auf Tabakfeldern und in der Verarbeitung, die

Ehrhardt in Ländern wie Rhodesien (heute

Simbabwe), der Türkei, den USA und Griechenland

dokumentierte. Die Fotografien

spiegeln dabei ein kolonial geprägtes Verständnis

des „Fremden“ und „Exotischen“

wider – Vorstellungen, deren Nachwirkungen

Schacht in ihrer Arbeit kritisch befragt.

Im Dialog zwischen historischem Archiv

und zeitgenössischer Kunstpraxis entsteht

ein vielschichtiges Nachdenken über Arbeit,

Geschichte und kulturelle Wahrnehmung.

Besonders die Darstellung weiblicher Arbeit

rückt Schacht dabei in ein neues Licht und

eröffnet ungewohnte Perspektiven auf bislang

übersehene Realitäten.

Alfred Ehrhardt Stiftung | www.aestiftung.de

Nick Cave, London, 1996 © Anton Corbijn

fünf Jahrzehnten entstanden und reicht

von Fotografien über Musikvideos bis zu

Spielfilmen. Die Ausstellung Corbijn, Anton

feiert ab dem 9. Mai sein 50-jähriges

Schaffen und versammelt mit etwa 150

Fotografien wichtige Momente seiner Karriere:

ikonische Porträts von Legenden wie

Depeche Mode, Tom Waits, U2, den Rolling

Stones, Martin Scorsese und Marlene

Dumas sowie deutsche Ikonen wie Nina

Hagen, Herbert Grönemeyer und Wim

Wenders. Sein Markenzeichen: ein körniges

Schwarz-Weiß, dass die unverwechselbare

Bildsprache seiner Arbeiten prägt.

Corbijns Fotografie zeichnet sich dadurch

aus, dass er das Wesentliche einfängt. Für

ihn ist die Kamera nicht nur ein Werkzeug,

sondern eine Brücke. Sie hilft ihm, vertrauensvolle

und langfristige kreative Partnerschaften

aufzubauen. Sinnbildlich dafür

sind seine jahrzehntelangen Kollaborationen,

bei denen ikonische Portraits, wegweisende

Musikvideos und unverwechselbare

visuelle Identitäten entstanden sind. Unter

seiner künstlerischen Leitung haben Bands

wie Depeche Mode ihre Bildsprache entwickelt.

Als Fotograf von U2 prägt er seit über

vier Jahrzehnten ihre visuellen Auftritte.

Statt Künstler zu dokumentieren, schafft

Corbijn einen andauernden Dialog. Er baut

Beziehungen auf, die in jedem Bild spürbar

sind.

Nathan, Iowa State Fair, USA. 2017 © Bruce Gilden © VG Bild-

Kunst, Bonn 2026

Bruce Gilden Why These?

bis 23.08.2026

Bruce Gildens Fotos schmeicheln nicht. Sie

konfrontieren. Sein Blitzlicht fängt Blicke

ein. Gesichter, die wir nicht mehr vergessen.

Außenseiter und Übersehene, die er nicht

nur fotografiert, sondern in ihrer Menschlichkeit

sieht. Der Name der Ausstellung

Why These? fragt nicht nur nach dem Werk

des Fotografens. Er ist auch als Frage an uns

gestellt. Warum sind uns diese Bilder unangenehm?

Warum versuchen wir den Blicken

auszuweichen und können trotzdem nicht

wegschauen?

Why These? zeigt ab dem 25. April 2026 in der

Fotografiska Berlin 41 Fotografien, die Bruce

Gilden selbst ausgewählt hat. 19 ikonische

Aufnahmen aus Coney Island, Haiti, New York

und Tokyo nehmen uns auf eine fotografische

Reise durch die wichtigsten Projekte seiner

ersten Schaffensphase. Weitere 22 großformatige

Drucke zeigen seinen radikalen Wechsel

zu digitaler Farbfotografie ab 2013; eine Entscheidung,

die seinen kompromisslosen Stil

um eine zeitgenössische Facette ergänzt.

berlin.fotografiska.com/de

Lucia Moholy, Porträt Eva Weininger auf der Treppe zur Veranda

eines Meisterhauses in Dessau, 1927 Bauhaus-Archiv Berlin © VG

Bild-Kunst, Bonn 2026

Berlin

Neue Frau, Neues Sehen.

Die Bauhaus-Fotografinnen

bis 04.10.2026

Herausragende Fotografinnen gibt es seit der

Erfindung der Fotografie im frühen 19. Jahrhundert.

Viele von ihnen waren Pionierinnen

auf diesem Gebiet. Sie experimentierten

mit fotografischen und gestalterischen Techniken

und loteten die Grenzen des neuen

Mediums aus. So auch die Fotografinnen des

Bauhauses. Sie beobachteten ihre Umgebung

durch die Kameralinse und hielten dabei zahlreiche

Motive in zum Teil neuen und ungewohnten

Perspektiven fest. Das Spektrum

ihres künstlerischen Schaffens reicht dabei

von der gegenständlichen Porträt- und Architekturfotografie

bis hin zur abstrakten experimentellen

Fotografie. Die Ausstellung im Museum

für Fotografie zeigt circa 300 Fotografien

aus dem Sammlungsbestand des Bauhaus-Archiv

/ Museum für Gestaltung, Berlin.

Museum für Fotografie

www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-fotografie/home/

Berlin

Anton Corbijn

Corbijn, Anton

bis 20.09.2026

Nachdem er im vergangenen Jahr seinen 70.

Geburtstag gefeiert hat, blickt Corbijn auf ein

umfassendes Werk zurück. Dieses ist in über

Rolf-von-Bergmann_oA_Klaus-Nomi © Berlinische-Galerie, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Berlin

Rolf von Bergmann Fotografien

bis 13.09.2027

Klaus Nomi vor dem Auftritt, Nina Hagen im Studio 54 oder backstage im Travestie-Cabaret

– zwischen West-Berlin und New York fotografierte Rolf von Bergmann (1953-1988)

in den 1970er bis 1980er Jahren queere Subkultur und eine pulsierende Kunst-, Mode- und

Clubszene. Die Ausstellung macht das bislang wenig bekannte Werk erstmals umfassend

sichtbar und vermittelt den Zeitgeist dieser einzigartigen Ära.

Geprägt wurde Rolf von Bergmann durch die West-Berliner Kunstszene rund um die Galerie

am Moritzplatz und frühe Begegnungen, etwa mit dem Künstler Salomé. Die Kamera war

wichtiges Medium der Identitätsbildung, und auch Mittel zum Zweck, um den Lebensunterhalt

zu sichern. Der Umzug nach New York und das Studium bei Lisette Model an der

Parsons School of Design erweiterten seinen fotografischen Blick. Hier entstanden 1979

Aufnahmen auf der Gay Pride Parade, er porträtierte queere Künstler:innen wie Divine und

John Waters, entwickelte experimentelle Modestrecken und begegnete Debbie Harry, Lil

Picard oder Andy Warhol.

Mit rund 160 Arbeiten, darunter Vintage Prints, Dia-Projektionen, Filme und Objekte,

zeichnet die Ausstellung erstmals ein umfassendes Bild dieses vielseitigen Werks. Ergänzt

durch Arbeiten von Zeitgenoss*innen wie Rainer Fetting, Anne Jud, Jürgen Klauke, Lisette

Model und Salomé erschließt sie zugleich den Kontext der lebendigen freien Szene West-

Berlins und New Yorks dieser Zeit und ist Beitrag zur Sichtbarmachung queerer Kunst- und

Kulturgeschichte.

Berlinische Galerie | www.berlinischegalerie.de

Maurizio Cattelan, Neue Nationalgalerie, Berlin, © Peter Rigaud,

2026

Berlin

Preis der Nationalgalerie:

Maurizio Cattelan

11.09.2026 – 21.02.2027

Der Preis der Nationalgalerie 2026 wird an

den italienischen Künstler Maurizio Cattelan

verliehen. Mit ihm wird einer der einflussreichsten

Künstler der Gegenwart geehrt,

der erstmals mit einer Einzelausstellung in

Deutschland vertreten sein wird. Seine Werke,

die sich zwischen Skulptur, Installation

und konzeptueller Praxis bewegen, sind geprägt

von scharfem Humor, bitterem Ernst

und einer tiefgehenden Reflexion gesellschaftlicher

Strukturen. Die Ausstellung zum

Preis der Nationalgalerie wird zur Berlin Art

Week im September 2026 in der Neuen Nationalgalerie

eröffnet.

Neue Nationalgalerie

www.smb.museum/museen-einrichtungen/neuenationalgalerie/home/


LOUISE | arttourist.com | 2026 Fototipps | 15

Marina Abramović: Balkan Erotic Epic. The Exhibition, Installationsansicht,

Gropius Bau, 2026 © Gropius Bau, Foto: Rosa Merk | ©

Courtesy of the Marina Abramović Archives © VG Bild-Kunst, Bonn

2026

Berlin

Marina Abramović: Balkan Erotic

Epic. The Exhibition

bis 23.08.2026

Im Frühjahr 2026 präsentiert der Gropius

Bau Balkan Erotic Epic. The Exhibition von

Marina Abramović, einer der einflussreichsten

zeitgenössischen Künstler:innen. Die

Ausstellung erstreckt sich über zehn Räume

im Erdgeschoss sowie den Lichthof

und das Restaurant Beba und zeigt, was

die Performance-Künstlerin selbst als „das

ambitionierteste Werk meiner Karriere“ bezeichnet.

Das auf das 75-jährige Jubiläum

der Berliner Festspiele zugeschnittene, genreübergreifende

Projekt besteht aus zwei

Teilen: der Ausstellung im Gropius Bau und

einer vierstündigen Bühnenproduktion, die

im Oktober die Performing Arts Season eröffnen

wird.

Christoph Schlingensief, Church of Fear, Biennale Venedig, 2003,

Courtesy Nachlass Christoph Schlingensief, Foto: Edzard Piltz

Christoph Schlingensief:

Es ist nicht mehr mein Problem,

macht eure Scheiße alleine

09.10.2026 – 17.01.2027

Mit seinen Arbeiten richtete Christoph

Schlingensief den Blick schonungslos auf

die Zumutungen der Gegenwart. Im Herbst

2026 widmet der Gropius Bau ihm mit „Es

ist nicht mehr mein Problem, macht eure

Scheiße alleine“ eine Ausstellung, die sein

visionäres Werk zwischen aufsehenerregenden

politischen Aktionen, radikalen theatralen

Inszenierungen und der Verschmelzung

von Performance und bildender

Kunst beleuchtet. Die Ausstellung versteht

sich dabei nicht als klassische Retrospektive,

sondern bringt zentrale Werkkomplexe

Schlingensiefs in Dialog. Sie zeigt, wie sich

seine künstlerischen Strategien gegenseitig

durchdringen und das Publikum immer

wieder zu einer aktiven Haltung herausforderten.

In der ersten umfassenden Ausstellung

in Berlin seit über 10 Jahren steht

somit auch nicht das abgeschlossene Werk

im Mittelpunkt, sondern die Bewegung

des Fragens, Zweifelns und Scheiterns, die

Schlingensiefs Praxis prägt: „Man kann

meines Erachtens voller Lust, Freude und

Vorsatz scheitern. [...] Wenn man es innerlich

schafft zu akzeptieren, dass es eines

Scheiterns bedarf, um Kräfte nutzbar zu

machen, wird viel passieren.“

Gropiusbau | www.berlinerfestspiele.de/gropius-bau

Intermezzo, Poster Wall, Newton Foundation, © Gerhard Kassner

Berlin

Intermezzo.

Revisiting Helmut Newton

ab 24.04.2026

Nach über 20 Jahren erfolgreicher Vermittlung

in der Dauerausstellung „Helmut Newton’s

Private Property“ im Erdgeschoss des

Museums für Fotografie hat sich die Helmut

Newton Foundation sich entschieden, das

Ausstellungskonzept zu erweitern und die

bisherige Präsentation radikal zu verändern.

Die Grundidee, in diesem Raum über das

Leben von Helmut Newton und seiner Frau

June zu informieren, bleibt bestehen.

Der Zwischenschritt der Transformation der

bisherigen Dauerausstellung bietet ein filmisches

„Intermezzo“ mit Helmut Newton in

einem überwältigenden Filmraum. Im Erdgeschoss

projizieren acht Videobeamer einen

Film auf vier Leinwände. Der Film basiert

in Teilen auf dem Filmporträt, das vor drei

Jahren für eine große Newton-Ausstellung in

A Coruña entstand, produziert von Profirst

International in Zusammenarbeit mit dem

Martin Salvador Studio für die dortige MOP

Foundation. Ergänzt wird es durch bislang

ungezeigtes Filmmaterial. Hierfür wurden

unterschiedliche Quellen herangezogen, unter

anderem Material von June Newton, welches

vor Kurzem im hauseigenen Archiv aufgearbeitet

und digitalisiert wurde. Erstmals

sehen die BesucherInnen damit nun auch in

Berlin Interviews mit einem Dutzend Zeitzeugen,

unter anderem mit Philippe Garner,

Carla Sozzani, Jenny Capitain, Violetta Sanchez

oder Matthias Harder und können das

Werk Newtons gänzlich neu erfahren.

Helmut Newton. One-off. Credit Phaidon

Rooms / Stages &

Helmut Newton‘s One-off Album

05.06. – 15.11.2026

Am 4. Juni 2026 eröffnet die Berliner Helmut

Newton Foundation zwei neue Ausstellungen:

„Rooms / Stages“ mit Werken von Helmut

Newton, Viktoria Binschtok, Götz Diergarten,

Anna Lehmann-Brauns, Jana Sophia

Nolle, Julia Peirone, Robert Polidori, Friederike

von Rauch, Ricarda Roggan, Georges

Rousse, Gregor Schneider, Karen Stuke, Paolo

Ventura und „Helmut Newton‘s One-off

Album“. In den vorderen Räumen finden

sich die Werke von einem Dutzend KünstlerInnen

zum Thema Raum und Bühne, der

Hauptraum wird zum gleichen Thema mit

riesigen Motiven von Helmut Newton bespielt.

Dieser Teil der Gruppenausstellung

„Rooms / Stages“ leitet über zum hinteren

Ausstellungsraum, wo ein einzigartiges Fotoalbum

von Newton erstmals in Berlin präsen-

Berlin

p: berlin

p: photography unlimited e.V. setzt sich für die Förderung der künstlerischen Fotografie

ein. Ziel von p: berlin ist es, Fotografie als Kunstform in ihren analogen wie digitalen

Ausprägungen zu erhalten, ihre Produktion und Publikation zu fördern und ihre Weiterentwicklung

zu ermöglichen. Die vereinseigenen Werkstätten, die p: berlin laboratories geben

seit sieben Jahren die Möglichkeit, künstlerische Fotografie unter besten Bedingungen zu

produzieren. Sie bieten jährlich mehr als 350 Fotograf:innen ideale Voraussetzungen als

Co-Working-Space, Schnittstelle zur fotografischen Community und Lernort mit internationalem

Anschluss.

Seit 2024 vermittelt der Verein mit der p: berlin academy nun auch entsprechende Skills

und zentrales Know-How rund um die Fotografie. Ziel der p: berlin academy ist es, den

Fortbestand und die Weiterentwicklung künstlerischer Fotografie durch die Vermittlung

technischer und künstlerischer Fähigkeiten sowie beruflicher Kompetenzen zu fördern. Das

Workshopangebot der p: berlin academy wird vom Verein p: photography unlimited e.V.

ehrenamtlich organisiert und veranstaltet. Die Workshops werden von Dozenten und Dozentinnen

geleitet, die in ihren Fachgebieten über eine hervorragende Expertise verfügen

und einen reichen Erfahrungsschatz mitbringen.

p: berlin academy

Die p: berlin academy ist der Bildungszweig

von p: photography

unlimited berlin e.V., einem

gemeinnützigen Verein zur

Förderung der künstlerischen Fotografie.

Ziel ist die Weiterentwicklung

fotografischer Ausdrucksformen,

technisches Know-How und berufliche

Kompetenzen. Die Workshops

verbinden erfahrene Dozent:innen,

inspirierende Inhalte und professionelle

Infrastruktur (p: berlin laboratories, eine offene Werkstatt mit analogem Labor, digitalem

Labor mit Druck- und Digitalisierungsstationen und Fotostudio)

Jede Veranstaltung bietet neben technisch-theoretischem Input auch kritische Bildbesprechungen,

Austausch in der Community und Praxisübungen in realer Atelier-Atmosphäre.

Fotograf:innen aller Erfahrungsstufen sind willkommen; eine Vereinsmitgliedschaft ist

nicht erforderlich.

www.pberlin.net

tiert wird. Auch in dieser Auswahl finden sich

Aufnahmen, die die Transformation eines

Raumes in eine Bühne visualisieren.

Helmut Newton Foundation

www.helmut-newton-foundation.org

Lothar Wolleh, Fontana fin Vintage

Berlin

Lothar Wolleh & Lucio Fontana

Dialog mit dem „Grande Maestro“

bis 21.11.2026

Der Lothar Wolleh Raum zeigt vom 6. März

bis 21. November 2026 die Ausstellung „Lothar

Wolleh & Lucio Fontana: Dialog mit

dem ‚Grande Maestro‘“.

alle Bilder © p: berlin

Die Präsentation widmet sich der intensiven

Zusammenarbeit zwischen dem

Fotografen Lothar Wolleh und dem italienischen

Künstler Lucio Fontana, die

zwischen 1963 und 1968 stattfand. Kaum

hatte Wolleh sein Studium bei Otto Steinert

abgeschlossen, reiste er nach Mailand

zu Fontana. In den folgenden Jahren besuchte

er dessen Atelier am Corso Monforte

mindestens dreizehn Mal. Aus dieser

künstlerischen Begegnung entstand nicht

nur eine Reihe ikonischer Atelierporträts,

sondern auch ein gemeinsames Editionsprojekt:

die sogenannte „Wolleh-Fontana-

Kassette“ (1966/67). Dieses Projekt markiert

den Beginn von Wollehs Konzept des

fotografischen Kunstbuchs als eigenständigem

Medium. Die Verbindung von Porträt,

Werkdokumentation und künstlerischer

Intervention wurde zum Modell für seine

späteren Künstlerbücher mit zentralen

Protagonisten der europäischen Avantgarde.

Die Ausstellung zeigt selten präsentierte

Kooperationswerke und macht sichtbar,

wie sehr der Dialog mit Fontana Wollehs

fotografisches Denken geprägt hat.

Lothar Wolleh Raum

www.lothar-wolleh.com/de/raum/

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16 | Fototipps

LOUISE | arttourist.com | 2026

Sandro Livio Straube

Unsortiert

8.5. – 27.6.2026

Galerie 94 GmbH

Bruggerstrasse 37

CH-5400 Baden

info@galerie94.ch

www.galerie94.ch

Weichzeichnungs

filter

30_1_Pink

17.07. bis 26.07.2026

Opening 17.07.2026

Staatsgalerie Stuttgart,

THE GÄLLERY – Raum für Fotografie

Über 30 Ausstellungen in der Stadt

www.Fotosommer-Stuttgart.de


LOUISE | arttourist.com | 2026 Hamburg | 17

Hamburg

9. Triennale der

Photographie

Hamburg 2026

Alliance,

Infinity,

Love – in

the Face

of the

Other

F.C. Gundlach, Uschi Obermaier, Hamburg 1970 | © F.C. Gundlach, Courtesy Stiftung F.C. Gundlach

11 Ausstellungen in 8 Museen

und Kunstinstitutionen

05.06. – 22.09.2026

Vom 5. Juni bis zum 22. September präsentiert die 9. Triennale

der Photographie Hamburg 2026 elf Ausstellungen

in acht renommierten Museen und Kunstinstitutionen der

Stadt. Das internationale Festival unter der künstlerischen

Leitung von Mark Sealy aus London feiert die Bedeutung

der Fotografie in unserer Zeit und zeigt, dass sie mehr kann

als bloß beobachten: Fotografie kann Menschen verbinden

und zum Nachdenken über Gerechtigkeit, Verantwortung

und Menschlichkeit anregen. Das Thema der diesjährigen

Triennale lautet: Alliance, Infinity, Love – in the Face of the

Other. Diese drei Leitbegriffe bilden den roten Faden durch

alle elf Ausstellungen und laden die Besucher*innen dazu

ein, über die reine Betrachtung von Fotografie hinauszugehen

und aktiv Teilnehmende einer gemeinsamen kulturellen

Erfahrung zu werden.

Die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 präsentiert

279 internationale Künstler*innen in elf Ausstellungen zum

Thema Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other. Die

Liste der beteiligten Künstler:innen ist ab sofort online einsehbar:

2026.phototriennale.de/kuenstler-innenliste/

Alliance – Verbundenheit, Gemeinschaft,

Solidarität

Der Begriff Alliance steht für Solidarität und gemeinsames

Handeln, so beispielsweise in der Ausstellung von Franki

Raffles. Photography, Activism, Campaign Works im Museum

der Arbeit. Raffles war eine britische Fotografin, die

in ihrem sozialdokumentarischen Werk die Arbeitsrealitäten

von Frauen in den 1970er und 1980er Jahren in den Vordergrund

stellte. Sie nutzte Fotografie als Werkzeug gegen Ungerechtigkeit

– ob in Schottland, der früheren Sowjetunion,

China oder Simbabwe – und verband als Aktivistin ihre Beobachtungen

von sozialen und geschlechtsspezifischen Ungleichheiten

mit einem Aufruf zu globaler Solidarität.

F.C. Gundlach, „Jet Age“, Hamburg 1963 | © F.C. Gundlach, Courtesy Stiftung F.C. Gundlach

Die Ausstellung Bilderechos aus Peru im MARKK – Museum

am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt nimmt die

historischen Fotografien und Tonaufnahmen aus der kolonial

geprägten Vergangenheit des Landes, aufgenommen vom

deutschen Amateurforscher Hans Heinrich Brüning (1848–

1928), zum Anlass, um neue Perspektiven auf Identität, Erinnerung

und kulturelle Selbstbestimmung zu ermöglichen.

Von zeitgenössischen Akteur*innen, Wissenschaftler*innen

und Künstler*innen aus Peru werden die historischen Dokumente

neu interpretiert und in ein lebendiges Archiv verwandelt.


18 | Hamburg

LOUISE | arttourist.com | 2026

Lee Shulman und Omar Victor Diop, The Anonymous Project präsentiert Being There, 2023. | © Courtesy the artists

Nina Porter, R2C4191123, 2023 | Aus der Serie Measures. C-Typ-Kontaktabzug und C-

Typ-Negativ im Rahmen der Künstlerin. 240 x 14 x 2,2 cm

Auch die Einzelausstellung Whispers von Melike Kara im

Kunsthaus Hamburg greift das Thema Alliance auf. In einer

raumgreifenden Installation reflektiert Kara ihr kurdisches

Erbe, das sie in den vergangenen Jahren erforscht, archiviert

und künstlerisch verarbeitet hat. Im Fokus stehen dabei Fragen

nach Identität, Erinnerung und Heilung. Alliance meint

hier, Beziehungen neu zu denken, mit Verantwortung und

gegenseitigem Respekt über kulturelle Zuschreibungen hinaus.

Die Ausstellung ABER ICH DIE WELT ICH SEHE DICH* der

Hamburger Kunsthalle schafft eine philosophische und historische

Grundlage für die Auseinandersetzung mit Fotografien,

Filmen und Artefakten, die von persönlichen Erfahrungen,

Mythen und Ideologien geprägt sind. In drei Sektionen

reflektiert die Ausstellung über Landschaften der Erinnerung,

die Transformation von Formen und die poetische und politische

Kraft des Archivs. Anhand von Künstler*innen wie

William Henry Fox Talbot, Marcel Duchamp, Jo Ractliffe,

Akram Zaatari und Khadija Saye offenbart die Ausstellung

das Bild als Ort der Verletzlichkeit, Spur und der profunden

relationalen Tiefe. Um die Welt zu sehen – und sich selbst

in ihr zu sehen – bedarf es einer Offenheit, die mit der Konstellation

der kollaborativen Allianzen der 9. Triennale im

Einklang steht. (*Rémy Zaugg)

Infinity – Unendlichkeit, Kontinuität, Differenz

Unter dem Begriff Infinity wird die Fotografie als ein Medium

verstanden, das nicht bloß abbildet, sondern Blickwinkel

eröffnet, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

miteinander verbinden. Die ägyptische Künstlerin Sara Sallam

untersucht in der Ausstellung Fürsorge. Fotografie neu

ordnen im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, wie

koloniale Bilder bis heute nachwirken. Mit Beispielen aus

der archäologischen und fotografischen Sammlung des Museums

entwickelt sie Gegenerzählungen zu den historischen

Narrativen, die dazu einladen, die Vergangenheit neu zu betrachten.

Unendlichkeit ist hier keine Abstraktion, sondern

Verantwortung – und ein Appell an die unendliche positive

Kraft der Menschheit.

erschließen alternative künstlerische, politische und imaginative

Räume.

Love – Liebe, Menschlichkeit, Verantwortung

Im dritten Themenfeld der 9. Triennale steht das menschliche

Miteinander im Mittelpunkt. Das PHOXXI zeigt mit

Abdulhamid Kircher und Akosua Viktoria Adu-Sanyah zwei

aktuelle Positionen, die sich experimentell und raumgreifend

mit analoger Farbfotografie auseinandersetzen und deren

emotionale Frequenzen aktivieren. Dabei wird die Dunkelkammer

zu einem Raum der Reflexion, Transformation

und Heilung, in dem persönliche Erfahrungen, Beziehungen

und Erinnerungen verarbeitet und umgeformt werden. Die

Fotografie wird hier als Medium der Annäherung greifbar

und zugleich an ihre materiellen Grenzen geführt.

F.C. Gundlach, der bedeutende Modefotograf und Gründer

der Triennale der Photographie Hamburg, legte als Sammler

von Fotografie einen Schwerpunkt auf das Bild des Menschen

in all seinen, auch emotional abgründigen und gesellschaftliche

Normen sprengenden Facetten. Die Deichtorhallen Hamburg

präsentieren mit Cocktail Prolongé. F.C. Gundlach special

Werke aus seiner Sammlung, die den Körper fotografisch

inszenieren: als Ausdruck von Identität und Freiheit, von Begehren

und Verletzlichkeit, von Extravaganz und Queerness.

Zu den rund 70 in der Ausstellung vertretenen Fotograf*innen

zählen unter anderem Diane Arbus, Richard Avedon,

Hans Bellmer, Larry Clark, Jiri Georg Dokoupil, Jenny Holzer,

Robert Mapplethorpe, Irving Penn und Cindy Sherman.

Das Bucerius Kunst Forum präsentiert F.C. Gundlachs Werk

als Dialog zwischen Mode, Menschen und Gesellschaft. Die

Ausstellung You’ll Never Watch Alone zeigt Gundlach als

Netzwerker, Fotograf, Sammler und Förderer. Zu sehen sind

neben seinen ikonischen Fotografien auch unveröffentlichte

Schwarzweiß- und Farbaufnahmen sowie Werke von Vorbildern,

Weggefährt*innen und Nachfolger*innen. Die Ausstellung

nimmt Gundlachs Werk als Ausgangspunkt, um die

Entstehung der fotokulturellen Szene und die Relevanz von

Fotografie für gesellschaftliche Strömungen zu beleuchten.

Alliance, Infinity, Love

Die titelgebende Ausstellung der 9. Triennale der Photographie

Hamburg 2026 Alliance, Infinity, Love – in the Face of

the Other in der Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen

Hamburg wird vom künstlerischen Leiter Mark Sealy kuratiert.

Sie richtet den Blick auf die zentralen Themen des Festivals

und feiert die kulturelle und künstlerische Vielfalt der Fotografie,

ihre heilende und transformative Kraft. Präsentiert werden

rund 30 künstlerische Positionen aus Fotografie, Video und

Film, die von unterschiedlichsten Orten und kulturellen Erfahrungen

erzählen. Ihre Werke spiegeln persönliche Geschichten,

die Freude an Gemeinschaft und fördern Zärtlichkeit,

Würde und Nähe. Mit Arbeiten von Hélène Amouzou, Sandra

Brewster, Didier Ben Loulou, Mario Cravo Neto, Rotimi Fani-

Kayode, Mónica de Miranda, Tyler Mitchell, Lee Shulman und

Omar Victor Diop, Inuuteq Storch, Matthew Thorne und Derik

Lynch, Nil Yalter und anderen.

Die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 steht für

ein neues Verständnis von Sichtbarkeit. Die Fotografie zeigt

auf, dass jeder Blick Verantwortung trägt. In einer von Konflikten

geprägten Welt ist es das Ziel dieser Triennale, über

die Komplexität des Menschseins nachzudenken. Wegwei-

Nina Porter experimentiert in ihrer ersten institutionellen

Einzelausstellung im Kunstverein in Hamburg mit neuen

Formen des Bildes, bei denen sich Fotografie und Skulptur

vermischen. Ihre jüngsten Arbeiten lassen die Dynamik zwischen

Kamera, Motiv und Bild implodieren. Das eine Medium

stützt sich auf das andere, um seine Form zu finden,

und so öffnen sich Wurmlöcher in weit entfernte Zukunftsszenarien

für die analoge Fotografie.

Die Ausstellung Inner Mornings, or Forms of Counterculture

in der Sammlung Falckenberg zeigt, ausgehend vom

Werk der/des surrealistischen Fotograf:in und Autor:in

Claude Cahun, künstlerischen Widerstand als kontinuierlichen

Prozess: Die Arbeiten international renommierter

Künstler:innen wie etwa Halil Altındere, Maja Bajevic,

Bernd und Hilla Becher, Sophie Calle, Claire Chevrier, Jeremy

Deller, Valie Export, Fischli & Weiss, Walid Raad, Martha

Rosler und Wolfgang Tillmans hinterfragen gesellschaftliche

Narrative und Machtverhältnisse, machen ästhetische

Strategien der Irritation und des Widerstands sichtbar und

Katharina Bosse, Untitled, 1999 | © Katharina Bosse | © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026

Akosua Viktoria Adu-Sanyah, gesture I – rinse, process, 34 min 22 seconds, 10th of June

2024, 19:31, Swiss Art Awards, Basel. Foto: Florian Spring


LOUISE | arttourist.com | 2026 Hamburg | 19

Programm der 9. Triennale der Photographie

Hamburg 2026

Eröffnungswoche | 4.–14.06.2026

Mit Ausstellungen, Talks und Veranstaltungen startet die 9.

Triennale in ihre Hauptphase. Die Opening Days bieten vom

4. bis 14. Juni zahlreiche Veranstaltungen im Festivalzentrum

an den Deichtorhallen Hamburg, ein umfangreiches,

interdisziplinäres Programm aus Talks, Buchpräsentationen,

Führungen und musikalischen Elementen. Die 15 Projekte

der Triennale Expanded rücken die Vielfalt der freien Fotound

Kunstszene Hamburgs in den Blick.

INFORMATIONEN

Die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 umfasst elf Ausstellungen,

die in acht Museen und Ausstellungshäusern in Hamburg

stattfinden. Zusätzlich werden – über die gesamte Stadt verteilt

– 15 Projekte im Rahmen der Triennale Expanded in verschiedenen

Projekt- und Kunsträumen präsentiert.

Alle Adressen sind auf der Karte zu finden https://2026.phototriennale.de/map/

Infopoint

Der Infopoint der 9. Triennale befindet sich auf dem Festivalzentrum

vor den Deichtorhallen Hamburg. Dieser Außenbereich fungiert als

Veranstaltungsort und als Raum zum Zusammenkommen, Entspannen

und Weiterdenken.

Adresse:

Deichtorhallen, Deichtorstr. 1–2, 20095 Hamburg-Innenstadt

Öffnungszeiten:

am 4. Juni von 10 - 22 Uhr, unter der Woche von 11 – 18 Uhr,

am Wochenende von 10 - 18 Uhr

Die Öffnungszeiten der einzelnen Ausstellungen variieren – alle

Informationen diesbezüglich sind auf den jeweiligen Seiten der

Häuser verzeichnet.

Abdulhamid Kircher, Untitled, 2016 | Courtesy of the artist und carlier | gebauer, Berlin/Madrid © Abdulhamid Kircher

sende Handlungen aus Solidarität, in Offenheit und mit

Standhaftigkeit in unserer Fähigkeit zu lieben, bringen uns

in unserem Verständnis füreinander näher.

Die Triennale der Photographie Hamburg findet seit 1999

alle drei Jahre in Zusammenarbeit mit den großen Museen,

Ausstellungshäusern und kulturellen Institutionen der Stadt

statt und ist ein deutschlandweit wichtiges Fotoevent von

internationaler Ausstrahlung. Mit einer großen Anzahl von

Fotoausstellungen unter einem gemeinsamen Thema werden

aktuelle fotografische Trends beleuchtet. Begleitet wird

die Triennale durch internationale Symposien. Seit 2014

wird die Triennale der Photographie von der Deichtorhallen

Hamburg GmbH veranstaltet.

2026.phototriennale.de

Triennale Ticket

Das Triennale Ticket ermöglicht vom 5. bis zum 14. Juni

2026 den Zugang zu allen elf Ausstellungen der acht beteiligten

Museen und Ausstellungshäuser. Es kann an den Kassen dieser

Institutionen für EUR 35 (mit Hamburg Card EUR 28) und ermäßigt

für EUR 25 (mit Hamburg Card EUR 18)* erworben werden. Es gibt

keinen Online-Verkauf.

Ab 15. Juni 2026 gelten die regulären Eintrittspreise der jeweiligen

Museen sowie das Ticket der Kunstmeile.

*Ermäßigten Eintritt erhalten Student*innen, Auszubildende und

Freiwilligendienstleistende bis 27 Jahre, schwerbehinderte Menschen,

Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger*innen und Senior*innen.

Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.

Wir sprachen mit dem künstlerischen Leiter der

9. Triennale der Photographie Mark Sealy

Die Triennale steht unter dem

Leitmotiv „Alliance, Infinity,

Love – in the Face of the Other“.

Wie übersetzen Sie diese eher philosophischen

Begriffe konkret in

Ausstellungen und künstlerische

Positionen?

Mark Sealy: Es geht uns nicht um

eine reine Übersetzung, sondern um

ein unvollendetes Gespräch, einen

Dialog mit den Konzepten, der nicht

unbedingt die erwarteten Antworten

liefert. Die Besucher:innen sollen darüber

nachdenken, was der Titel „Alliance,

Infinity, Love – in the Face of

the Other“ im Zusammenhang mit

den einzelnen Projekten der Künstler:innen

bedeuten könnte. Sie sind

eingeladen, sich vollkommen unvoreingenommen

an diesem Dialog zu

beteiligen – deshalb gibt es auch keine

konkreten Vorgaben.

Welche Rolle spielt „das Gegenüber“

– also „the Other“ – in

einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher

Polarisierung für Sie

als Kurator?

Mark Sealy: In einer Zeit zunehmender

Polarisierung bin ich „der

andere“. Ich spiele keine Rolle, es ist

keine Performance. In meine Arbeit

als Kurator lasse ich immer auch

meine persönliche Erfahrung einfließen.

Aus kuratorischer Sicht setze

ich mich ausgesprochen ausführlich

und auf sehr individuelle Weise mit

Prozessen des „Othering“ auseinander.

Kurator:innen stehen nicht erst

seit dem Antisemitismus-Eklat

an der Documenta 15 oder

der Absage und Einstellung der

Biennale für aktuelle Fotografie

2024 in Mannheim unter kritischer

Beobachtung. Was bedeutet

„Verantwortung“ für Sie im kuratorischen

Prozess – gegenüber

Mark Sealy | Triennale © Philipp Meuser

Künstler:innen, Publikum und

den dargestellten Themen?

Mark Sealy: Mich interessieren

Rechte und Repräsentation. Das ist

Teil meiner DNA als Kurator. Unsere

Arbeit ist komplex, und Kurator:innen

haben kein Monopol darauf, alles

richtig zu machen. Außerdem finde

ich es wichtig, dass Menschen auch

Fehler machen dürfen. Wie sonst sollen

wir etwas lernen? Mein Beitrag kann

darin bestehen, möglichst gleichberechtigte

Voraussetzungen zu schaffen, den

Anspruch der Menschen auf Gerechtigkeit

und den Zugang zu Plattformen zu

unterstützen sowie den Unterdrückten

und Vergessenen eine Stimme zu geben.

Diese große Verantwortung tragen wir

alle im Kunstbetrieb.

Was war die größte Herausforderung

bei der Konzeption der diesjährigen

Triennale?

Mark Sealy: Es ist immer eine Herausforderung,

große stadtweite Veranstaltungen

mit vielen Beteiligten auf die

Beine zu stellen. Die Stadt Hamburg

ist dieser Herausforderung mehr als

gerecht geworden. Eine eindrucksvolle

Leistung.

Was bedeutet für Sie Fotografie

und wie hat sich Ihr Blick auf Fotografie

im Laufe ihrer Karriere verändert?

Mark Sealy: Für mich ist die Fotografie,

wie ich schon gesagt habe, eine

moderne Sprache. Mein Blick auf die

Fotografie hat sich nicht verändert.

Allerdings verändert sich das, was wir

damit sagen wollen, wenn wir immer

wieder unsere Lernerfahrungen als aktive

Individuen einbringen.

Was wünschen Sie sich, dass Besucher:innen

nach dem Besuch der

Triennale sehen oder hinterfragen?

Mark Sealy: Kurz gesagt sollen die

Besucher:innen die Ausstellung mit

dem Gefühl verlassen, dass sie sich

nicht vor den Dingen fürchten müssen,

die sie nicht verstehen. Ich wünsche

mir, dass in allen präsentierten

Beiträgen tatsächlich der kuratorische

Akt des Muts und der Weitherzigkeit

zum Ausdruck kommt.

Das Gespräch führte Kai Geiger

MARK SEALY

Mark Sealy ist künstlerischer Leiter

der 9. Triennale der Photographie.

Der in London ansässige Kurator

und Autor setzte sich im Laufe

seiner Karriere vor allem für

die Dekolonisierung des westlichen

Blicks und die Förderung marginalisierter

Stimmen in der internationalen

Fotografie ein. Als Direktor

von Autograph ABP (Association

of Black Photographers) ist Sealy

seit 1991 verantwortlich für die

Initiierung und Durchführung zahlreicher

Ausstellungen, Residenzprojekte

und Publikationen. Er ist Autor

von „Decolonising the Camera:

Photography in Racial Times“ und

„Photography: Race, Rights and

Representation“ und hat zum Thema

Fotografie und kulturelle Gewalt an

der Durham University UK promoviert.

Sealys Position als ‚Professor

for Photography Race and Rights‘ an

der University of the Arts London

unterstreicht seinen Einfluss auf das

Fachgebiet zusätzlich.

Sealy hat weltweit bedeutende

Fotoprojekte kuratiert, darunter

die FotoFest Biennale Houston

(2020) und Ausstellungen in London

und Toronto. Für seine Verdienste

um die Kunst wurde er mehrfach

ausgezeichnet, zuletzt mit dem Order

of the British Empire (OBE,

2022).


20 | Hamburg

LOUISE | arttourist.com | 2026

F.C. Gundlach, Op Art-Badeanzug, Brigitte Bauer, Sinz Bademoden, Vouliagmeni, 1966 © F.C. Gundlach / Stiftung F.C. Gundlach

F.C. Gundlach, Wilhelmina Cooper, „Fashion Studio“, Hamburg 1965 | © F.C. Gundlach / Stiftung F.C. Gundlach

Hamburg

F.C. Gundlach

You‘ll Never Watch Alone

08.05.–16.08.2026

Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg widmet F.C. Gundlach

zum 100. Geburtstag eine große Ausstellung – und erzählen dabei

weit mehr als die Geschichte eines Starfotografen. Die Schau

im Rahmen der 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026

beleuchtet Gundlach als Fotografen, Galeristen, Sammler, Unternehmer

und Netzwerker – und damit als einen der prägenden

Akteure der deutschen Fotokultur. Rund 130 Fotografien Gundlachs,

ergänzt um etwa 70 Werke aus seiner Sammlung, treten in

einen dichten Dialog, darunter Arbeiten von Erwin Blumenfeld,

Richard Avedon, Regina Relang oder Cindy Sherman. Die Stiftung

F.C. Gundlach ist alleinige Leihgeberin dieser ersten großen

Ausstellung seit seinem Tod 2021.

Der Titel „You’ll Never Watch Alone“ ist Programm: Fotografie

erscheint hier nicht als isolierter künstlerischer Akt, sondern als

Paula Modersohn-Becker, Vier Kinder vor Landschaft mit Moorkanal, um 1900, Kunstsammlungen

Chemnitz-Museum Gunzenhauser, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser

© Foto: Archiv Museum Gunzenhauser | (Sammlung Wilhelm Landmann)

Ergebnis von Allianzen – zwischen Magazinen und Modehäusern,

Fotoindustrie und Galerien, Museen und Medien. Gundlachs

Karriere führt von Hamburg nach Paris, New York, Tokio.

Seine Bilder spiegeln nicht nur Trends, sie prägen Vorstellungen

von Geschlecht, Körper und Identität, die bis heute nachwirken.

Statt einer lückenlosen Retrospektive setzt die Ausstellung auf

markante Schlaglichter: Gundlach als Modefotograf, der neue

Bildsprachen erprobt; als Galerist und Laborbesitzer, der in Hamburg

und Berlin junge Positionen fördert; als Lehrer und Sammler,

der Fotografie früh als eigenständige Kunstform etabliert.

Neben den berühmten Modeaufnahmen sind bislang unveröffentlichte

Schwarzweiß- und Farbfotografien, Experimente und

Neuentdeckungen zu sehen.

So entsteht das Panorama der Fotokultur seit den 1950er-Jahren,

in der sich gesellschaftliche Umbrüche und ästhetische Debatten

in Bildern verdichten. Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng

Gundlachs Werk mit diesen Entwicklungen verflochten ist – und

wie sehr seine Vision unser heutiges Bildverständnis geprägt hat.

Von Monet bis Picasso.

Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland

11.09.2026 — 29.03.2027

Moderne Kunst in Deutschland ist ohne das Engagement jüdischer

Sammlerinnen und Sammler nicht zu denken. Die Ausstellung

„Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen

in Deutschland“ macht diese vergessenen Akteur:innen sichtbar:

Sie rekonstruiert fünfzehn bedeutende Sammlungen und führt

rund 100 Werke zusammen, die sich heute über Museen und Privatsammlungen

weltweit verteilen – darunter Arbeiten von Paul

Cézanne, Claude Monet, Paula Modersohn-Becker, Ernst Ludwig

Kirchner, Franz Marc, Pablo Picasso, Camille Pissarro, Max Pechstein

und Karl Schmidt-Rottluff.

Im Zentrum stehen Familien, Paare und Einzelpersonen wie

die Familie Hirschland, Paul und Clothilde Schüler, Max Meirowsky,

Rosa Schapire und Margarete Mauthner. Viele ihrer Namen

haben keinen Eingang ins kollektive Gedächtnis gefunden,

ihre Sammelpraxis aber war ein integraler Bestandteil der deutschen

Moderne. Die Ausstellung präsentiert diese Sammlungen

in ihrem historischen Kontext: mit Gemälden, Zeichnungen,

Druckgrafik, Skulpturen und Künstler:innenpostkarten – und

mit Dokumenten, die die Sammler:innen als engagierte Protagonist:innen

eines lebendigen bürgerlichen Kunstlebens zeigen.

F.C. Gundlach, „Kostüme der Saison“, Eleanor vor dem Brandenburger Tor, Berlin (West),

1955 © F.C. Gundlach / Stiftung F.C. Gundlach

Die Schau macht sichtbar, wie jüdische Sammlerinnen und

Sammler den neuen Stilrichtungen offen begegneten, wie sie

Museen, Kunstvereine, Galerien und Künstler:innen unterstützten

und so maßgeblich zur Etablierung moderner Kunst

beitrugen.

Zugleich erzählt die Ausstellung von Ausgrenzung, Entrechtung,

Enteignung, Vertreibung und Ermordung. Sie zeigt, wie

politischer Druck, Zwangssteuern, Vermögenssperren und Ausreiseverbote

zur Zerschlagung der Sammlungen führten und

wie Netzwerke aus Händler:innen, staatlichen Akteur:innen,

Museen und internationalen Käufer:innen an der Verwertung

beteiligt waren. Die Wege der Werke werden bis in die Gegenwart

nachverfolgt – auch dort, wo ihre Geschichte verschleiert

oder vergessen wurde.

Konzipiert und kuratiert von Stefan Koldehoff und Kathrin

Baumstark, verbindet „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen

in Deutschland“ kunsthistorische und -soziologische

Forschung mit Erinnerungskultur. Die Ausstellung holt

die jüdischen Sammlerinnen und Sammler, ohne die die Moderne

in Deutschland kaum denkbar wäre, mit ihren Werken und

Geschichten zurück ins öffentliche Bewusstsein.

Bucerius Kunst Forum

Alter Wall 12 | 20457 Hamburg

www.buceriuskunstforum.de

Öffnungszeiten: täglich 11 – 19 Uhr, donnerstags 11 – 21 Uhr


LOUISE | arttourist.com | 2026 Hamburg | 21

Credits: Bianca Daniel, Fotos: Oliver Reetz

Hamburg

Bianca Daniel

Ein Innehalten im Strom des immer weiter,

immer mehr, immer noch.

Bianca Daniel arbeitet seit über dreißig Jahren an einer Bildsprache, die grafische Klarheit und

malerische Offenheit miteinander verbindet. Als Unternehmerin, Designerin und Künstlerin entwickelte

sie früh eine eigenständige Praxis zwischen Gestaltung und freier Kunst. Kunst und Design

versteht sie als gleichwertige Ausdrucksformen, die aus demselben visuellen Denken hervorgehen

und Form als bewusste Setzung begreifen.

Im Zentrum ihres künstlerischen Werks steht häufig die weibliche Figur. Reduziert auf Linie, Fläche

und Haltung bewegt sie sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, ohne narrativ gebunden

zu sein. Anschnitte, offene Kompositionen und eine zurückhaltende Farbigkeit lenken den

Blick auf ein Selbstverständnis von Identität und innerer Stärke, das keiner Behauptung bedarf.

Die Künstlerin verwendet überwiegend Acryl, Kohle und Tusche auf Leinwand, Papier oder Holz.

Charakteristisch ist ihr entschiedener Einsatz des zeichnerischen Strichs, der Übergänge sichtbar

lässt und das Unvollendete als Teil der Komposition begreift. So entstehen Arbeiten, in denen Kontrolle

und Intuition in ein ausgewogenes Verhältnis treten.

Genugsein ist eine Entscheidung.

Im Menschsein wie im Künstlerischen.

Sie fällt in dem Moment, in dem nichts mehr

hinzugefügt werden muss.

Bianca Daniel

ENOUGH

Im Verlag Ludvig Rage erschien am 29. April 2026 die 200-seitige Künstlerpublikation „ENOUGH.“,

deren Veröffentlichung von einer Ausstellung in der Galerie Daniel und die Kunst begleitet wird.

Sie versammelt zentrale Arbeiten der Künstlerin, gibt Einblicke in ihre Praxis und wird durch Essays

sowie begleitende Texte ergänzt. Das Buch versteht sich als Einladung, über das „Genug-Sein“ in

einer Welt nachzudenken, die beständig nach „mehr“ verlangt, und widmet sich der Frage, was es

heißt, als Frau, als Mensch und als künstlerische Haltung genug zu sein.

Die Publikation wird ergänzt durch Beiträge von Kunsthistorikerinnen und Autorinnen, die neue

Perspektiven auf das Werk eröffnen. Ein weiterer Teil widmet sich persönlichen Begegnungen:

Porträts starker Persönlichkeiten in ihren eigenen Räumen, gemeinsam mit den Kunstwerken, die

sie begleiten.

Mit dieser Publikation setzt Bianca Daniel kein Ausrufezeichen, sondern einen Punkt – ein leises

Manifest für Selbstakzeptanz, gegenseitige Anerkennung und das Recht, einfach zu sein. Ihre Arbeit

verhandelt Fragen von Identifikation, weiblicher Rolle, Selbstermächtigung und Präsenz – Themen

von hoher gesellschaftlicher Relevanz.

Die Künstlerin lebt und arbeitet in Hamburg.

Galerie Daniel und die Kunst

Am Kaiserkai 30, 20457 Hamburg

www.danielunddiekunst.com

@danielunddiekunst

Mobil | 0151.10 17 55 75

Künstlerpublikation

ENOUGH.

Bianca Daniel

Verlag Ludvig Rage

Limitierte Edition von 500 Exemplaren

Erhältlich u. a. in der Galerie Daniel und die Kunst,

im Shop der Hamburger Kunsthalle sowie direkt unter

www.ludvigrage.club/daniel


22 | Hamburg

LOUISE | arttourist.com | 2026

Hamburg Tipps

Hotels

Kaffee

in die kulinarische Levante-Welt versetzen zu

lassen oder aber mit lateinamerikanischen Delikatessen

das „pura vida“ in vollen Zügen auszuschöpfen.

St. Pauli Hafenstraße 136-140, 20359 Hamburg-

Sankt Pauli | www.saltandsilver.de

Weinbar

Literaturhaus Hamburg Longlist © Daniel Müller

25_altes hafenamt boilermanbar © Stephan Lemke

25h hamburg altes hafenamt

Das denkmalgeschützte Alte Hafenamt ist gelebte

Geschichte! In seiner ursprünglichen

Funktion war das backsteinerne Gründerzeit-

Ensemble das Amt für Strom- und Hafenbau.

Es wurde 1885/86 auf dem Grasbrook im entstehenden

Freihafen erbaut und ist das älteste

Gebäude der HafenCity. Im Hafenamt wurden

nicht nur die Karte geschrieben, sondern es war

auch lange Zeit Anlaufstelle für die Seeleute, die

ihre Erlebnisse aus allen Herren Ländern mitgebracht

haben. Diese Biografie sowie der sensible

Umgang mit dem alten Bau stellen die Leitlinie

für das Interieur Design dar. Dafür zeichnet das

Augsburger Designteam DREIMETA um Armin

Fischer verantwortlich und gestaltete da Hotel

im Stile eines wohnlichen Kapitänsheims:

Osakaallee 12, 20457 Hamburg | www.25hourshotels.com/de/hamburg/altes-hafenamt/

Superbude Hotel Hamburg St. Pauli Interior, 501 Levis Bude ©

Superbude

Superbude St. Pauli / Schanze

Die Superbude in der Schanze ist die ideale

Startrampe für Konzerte, Bar- & Clubkultur im

Schanzen- und Karoviertel, sowie die sündigste

aller Meilen - der Reeperbahn. Das Hotel verfügt

über 89 Zimmer mit „Rolf Heide Designbetten“,

ein Flat-TV und Highspeed-Wlan, eigenem Bad

mit Regendusche, WC und Wärmelampe sowie

Handtücher, Föhn und unsere handmade

Dailysoap sind immer inklusive. In der direkten

Umgebung der Superbude St. Pauli begegnet

Ihr Streetart, Kunst und Musik, soweit das Auge

reicht. Mit super Angeboten und coolen Events

ist die Sternschanze ein heiß begehrtes Pflaster.

Juliusstr. 1-7, 22769 Hamburg

www.superbude.com/hotel-hamburg/st-pauli/

www.superbude.de

© Silke Schmidt

Café und Rösterei Elbgold

Die richtige Röstung ist eine Wissenschaft für

sich – perfekt beherrscht wird sie bei Elbgold.

Die Hamburger Kaffeerösterei hat es sich zur

Aufgabe gemacht, die weltweit besten Bohnen

zu finden, um sie dann vor Ort zu veredeln –

mit einer eigenen Vorstellung, wie guter Kaffee

zu schmecken hat. Alle Kaffeebohnen stammen

dabei direkt von den Produzenten, beispielsweise

aus Äthiopien oder Peru, und werden fair

und nachhaltig gehandelt. Durch die Röstung

in Hamburg erhalten die verschiedenen Kaffeesorten

dann ein individuelles Röstprofil, um

einen jeden Geschmack zu treffen – egal, ob Sie

klassischen Geschmack oder neueste Trends bevorzugen.

Lagerstraße 34c, 20357 Hamburg

www.elbgold.com

Restaurants

© Salt & Silver, Hamburg

Salt & Silver

Soul Food Restaurant

Aus der Weltreise zweier Freunde wurde ein Restaurantkonzept.

Unter dem Motto „Travel, Surf,

Eat“ kredenzt das Salt & Silver bei entspannter

Atmosphäre und trendigem Interieur exquisite

lateinamerikanische und levantinische Küche

mit Fernwehcharakter. Tür an Tür, vereint unter

einem Dach, bieten die beiden Restaurants

ihren Gästen dabei zwei ganz unterschiedliche

Küchen an. So hat man die Wahl, sich entweder

mit erstklassigen Speisen aus dem Nahen Osten

© Marie Köstel

Die Alte Druckerei

Die Weinbar „Die Alte Druckerei“ verbindet

stilvolles Ambiente mit entspannter Atmosphäre

und ist ein besonderer Treffpunkt für

Weinliebhaber in Hamburg. In den charmanten

Räumen einer ehemaligen Druckerei trifft

industrieller Charakter auf warme Details und

schafft so einen Ort mit eigenem Flair. Die sorgfältig

kuratierte Weinauswahl legt den Fokus

auf europäische Winzer, ergänzt durch saisonale

Kleinigkeiten, die perfekt auf das Angebot abgestimmt

sind. Ob für einen ruhigen Abend zu

zweit oder ein geselliges Beisammensein – die

Alte Druckerei steht für Genuss, Qualität und

eine persönliche Handschrift fernab klassischer

Weinbar-Klischees.

Kattrepel 2, 20095 Hamburg

www.die-alte-druckerei.de

Kultur

Sommerfestival außen, Foto © Anja Beutler

Internationales Sommerfestival

2026

05.08. – 23.08.2026

Mit dem Internationales Sommerfestival Kampnagel

verwandelt sich das Gelände von Kampnagel

auch in diesem Jahr wieder in einen

pulsierenden Treffpunkt für Kunstschaffende

und Publikum aus aller Welt. Über mehrere

Wochen im August präsentiert das Festival

in Hamburg ein vielschichtiges Programm zwischen

Theater, Tanz, Musik, Performance und

bildender Kunst.

Scharreestraße 20, 22303 Hamburg

www.kampnagel.de

Literaturhaus Hamburg

Im September 1989 öffnete das Literaturhaus

auf der Uhlenhorst erstmals seine Tore für Veranstaltungen.

Seitdem hat sich die weiße Villa

am Schwanenwik zum literarischen Treffpunkt

der Stadt entwickelt – mit großer überregionaler

Ausstrahlung. Hier kommen Schriftstellerinnen,

Autoren, Künstlerinnen, Philosophen,

Journalistinnen und Übersetzer zusammen, um

ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren

oder über aktuelle kulturelle und gesellschaftliche

Fragen zu diskutieren.

Schwanenwik 38, 22087 Hamburg

www.literaturhaus-hamburg.de

Nica Jazz Club © Julia Schwendner

Nica Jazz Club

Der NICA Jazz Club wurde im November 2024

direkt neben dem Rathaus eröffnet – im Herzen

der Stadt. Programmatisch setzt NICA auf

einen breiten Genre-Kosmos: Jazz in all seinen

Facetten, so dass er auch ein nicht jazzaffines

Publikum anspricht, dazu Funk, Soul, Blues

und World Music. Sowohl internationale Top-

Stars als auch lokale Entdeckungen treten im

NICA mit beeindruckendem Ambiente und

schönstem Blick auf das Alsterfleet auf. Im

NICA finden fast täglich Konzerte statt, eine

ausgewählte Bar-, Speisen und Snack-Gastronomie

rundet den Konzertabend für die Gäste

ab. Der ca. 400 qm große Saal bietet sitzend

Platz für bis zu 300 Gäste. Nach nur anderthalb

Jahren hat sich der Club als einer der weltweit

besten Jazzclubs etabliert.

Alter Wall 20, 20457 Hamburg

www.nica-jazzclub.de

Claudio Sambito im KASA Restaurant © KASA Restaurant

Restaurant KASA Hamburg

Arte – italienisch für Kunst und für das im Folgende

beschrieben gastronomische Projekt das

verbindende Element: Architektur, Malerei,

Musik, Genuss, all das vereint KASA, der Ort,

an dem Claudio Sambito seine Gäste willkommen

heißt und sie mit auf die Reise nimmt.

Auf eine Reise beginnend bei seinen Wurzeln

in Sizilien, das über die Jahrhunderte diverse

Völker angezogen hat und durch seine Lage im

Mittelmeer eine ganz eigene Kultur und Küche

ausgeprägt hat. Diese ist regional, traditionell,

mit Wurzeln weit zurück in die Antike, doch

sie ist auch immer modern, denn die Inselbewohner

und Bereisende gaben stets auch

Ideen, unbekannte Zutaten, Praktiken von

außen, reicherten an, was sich als Grundlage

in der Küche Siziliens, auf seinem fruchtbaren

Boden mit seinen besonderen klimatischen

Bedingungen fand.

Noch eine Erklärung zum Namen des Restaurants,

denn dieser beinhaltet viel der

Konzeptidee: der Begriff des Zuhauses findet

sich ja im italienischen Casa, was mit „C“

geschrieben wird.

Casa aus dem Lateinischen bedeutet überdachter

Ort. KASA mit „K“ hingegen entspricht

im Japanischen der dreieckigen

Kopfbedeckung, die wiederum einem Dach

ähnelt.

Der Gedanke, dass sich die Gäste behütet,

beschützt und wohl fühlen begleitet die Vision

des Gründers, zudem erlaubt das „K“ die

Anspielung auf die internationalen Einflüsse

und irritiert den Besucher auf positive Art,

dass das KASA kein typisches italienisches

Restaurant ist.

Bellealliancestraße 32, 20259 Hamburg

www.kasahamburg.de

© Schanzenkino

LOTTO Hamburg

Open-Air-SchanzenKino 2026

18.07. – 30.08.2026

Allabendlich präsentieren das Open-Air-SchanzenKino

über einen Zeitraum von 6 ½ Wochen

ein abwechslungsreiches Filmprogramm. Nach

mehr als 25 Jahren hat das Open-Air-Schanzen-

Kino längst Kultstatus erreicht. Mitten im Herzen

Hamburgs liegt das Freiluftkino idyllisch

im Sternschanzenpark. Einzigartig in Deutschland

ist ihr Multiplex-Freiluftkino-Konzept mit

zwei Filmen am Abend, das jedem Gast ein individuelles

Filmvergnügen ermöglicht

Sternschanze 1 A, 20357 Hamburg

www.schanzenkino.de


Medienpartner

Kulturpartner

Gefördert durch

LOUISE | arttourist.com | 2026 Fototipps | 23

Fortsetzung von Seite 13

ausübte, lässt sich auch daran ablesen, wie

gesellschaftlich mit Sexarbeit umgegangen

wurde. Die Ausstellung setzt Schlaglichter

auf Kunst- und Kulturgeschichte ebenso wie

auf gesellschaftspolitische Themen der Gegenwart.

Bundeskunsthalle | www.bundeskunsthalle.de

© Courtesy Dora Budor & Noah Barker, 2025

Berlin

n.b.k. Showroom

Dora Budor & Noah Barker

bis 02.08.2026

Dora Budors und Noah Barkers kollaborative Praxis entspringt ihrem gemeinsamen Interesse

an Kartografien von Macht und Begehren, in denen ökonomisches Fortschrittsstreben

auf psychologische Resonanz trifft.

Als Prolog der Premiere ihrer neuen gemeinsamen Videoarbeit Monte Carlo Method im

November 2026 im n.b.k. werden im Juni im n.b.k. Showroom Budors Videoarbeit Lifelike

(2024) und Barkers Werkserie Juniper (2026) einander gegenübergestellt. Die Werke

sind charakteristisch für ihren gemeinsamen Schaffensprozess – sie behandeln instabile

Zustände und vermitteln ein Gefühl für die eigene psychophysische Infrastruktur.

Nora Turato. they filled me up

with words

bis 31.08.2026

Sprache – in gesprochener wie geschriebener

Form – ist zentrales Merkmal in Nora

Turatos Werk, das von der Künstlerin in

Wandarbeiten, Videos, Sound, Performances

und ihren Künstlerinnenbüchern

der Serie pool erforscht wird. Dabei arbeitet

sie mit vorgefundenem Material aus

vielseitigen Quellen wie u. a. dem Internet,

Social Media, Presse, Büchern, Filmen, Musik

und Gesprächen. Von der Künstlerin gesammelt

und akribisch neu geordnet, wird

ein Überfluss an Wortmaterial bis auf die

Essenz heruntergebrochen. Turato macht

so auf gesellschaftliche Bedingtheiten, Entwicklungen

und Phänomene aufmerksam,

die der Sprache zugrunde liegen und deren

Gebrauch prägen.

Neuer Berliner Kunstverein | www.nbk.org

Peter Hujar, Selbstportrait (II), 1975 © The Peter Hujar Archive / VG

Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy of The Peter Hujar Archive / ARS,

New York, and Pace Gallery, Fraenkel Gallery, Maureen Paley, and

Mai36

Nora Turato, Portrait, Foto © El Hardwick

Bonn

Peter Hujar

Eyes Open in the Dark

bis 23.08.2026

Der Fotograf Peter Hujar war eine zentrale Figur

in der queeren Downtown-Szene im New York

der 1970er und frühen 1980er Jahre. Als er 1987

an einer AIDS-bedingten Lungenentzündung

starb, waren seine Fotografien der breiteren

Kunstwelt weitgehend unbekannt. Heute zählt

er zu den wichtigen Fotografen der zweiten

Hälfte des 20. Jahr- hunderts. Peter Hujar studierte

Anfang der 1950er Jahre Fotografie an

der School of Industrial Arts in Manhattan und

arbeitete zunächst als Modefotograf. Zu Beginn

der 1970er Jahre gab er die kommerzielle Fotografie

auf und führte ein finanziell prekäres Leben

mit gelegentlichen Ausstellungen. Mit seinen

klassisch wirkenden Schwarz-Weiß-Fotos

– Portraits, Tiere, Architektur und Landschaften,

die sich zumeist auf ein Einzelmotiv konzentrieren

und dieses in seiner vollen Existenz

durchdringen – steht Peter Hujar im Gegensatz

zu den fotografischen Strömungen seiner Zeit.

Sein Hauptinteresse galt der Porträtfotografie.

SEX

WORK

Franz Rehfeld (zugeschrieben), Fetischfotografie aus den 1930er Jahren © Sammlung Siegfried Sander

mit großem Dank für die freundliche Unterstützung von GRAUWERT und Wolfgang Söder

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

www.bundeskunsthalle.de

SEX WORK

EINE KULTURGESCHICHTE

DER SEXARBEIT

2. APRIL – 25. OKTOBER 2026

IN BONN

Jetzt Tickets sichern!

www.bundeskunsthalle.de/tickets

Ausstellungsplakat © Bundeskunsthalle, Bonn

Sex Work

Eine Kulturgeschichte der

Sexarbeit

bis 25.10.2026

Die Geschichte der Sexarbeit lässt sich von

weit vor der Antike bis in die Gegenwart

verfolgen. Welches Menschenbild die Zeit

prägte, welche Werte galten und wer Macht

Herlinde Koelbl, Fadenkreuze für das Leben, 2025, © Herlinde

Koelbl.

Bonn

Herlinde Koelbl

Fadenkreuze im Leben

05.11.2026 – 24.01.2027

Krebs betrifft uns alle – und doch bleibt

vieles unsichtbar. In ihrer neuen Ausstellung

Fadenkreuze für das Leben öffnet

Herlinde Koelbl den Blick auf einen selten

gezeigten Teil der Krebsbehandlung:

die Strahlentherapie. Ausgehend von ihrer

eigenen Brustkrebserkrankung entstand

ein bewegendes fotografisches Projekt über

Verletzlichkeit, Hoffnung und Würde, das

erstmals im Kunstmuseum Bonn ausgestellt

wird.

Herlinde Koelbl porträtiert Menschen aller

Altersgruppen, zeigt die Markierungen auf

deren Körpern und Porträts von Patient:innen,

Menschen, die sich in außergewöhnlicher

Offenheit zeigen. Die Fadenkreuze,

im Militär Symbole des Tötens, werden hier

zu Zeichen des Überlebens. Zwischen Dokumentation

und Kunst entsteht eine Serie

von großer Tiefe, die Tabus bricht, Mut

macht und einen Blick auf das Leben erlaubt,

der sonst verborgen bleibt.

Kunstmuseum Bonn | www.kunstmuseum-bonn.de

Bonn

Fluchtpunkt Paris

Gisèle Freund, Rogi André,

Madame d‘Ora

01.10.2026 – 24.01.2027

Nach dem Ersten Weltkrieg zog Paris Intellektuelle

und Kunstschaffende aus ganz Europa

an – so auch die Fotografinnen Gisèle

Freund, Rogi André und Dora Kallmus alias

Madame d’Ora. Die drei noch jungen Künstlerinnen

widmeten sich dem pulsierenden

Kulturleben der Metropole und hielten es

in eindrucksvollen Aufnahmen fest. Anfang

der 1940er-Jahre mussten Freund, André und

Kallmus aufgrund ihrer jüdischen Herkunft

die Stadt verlassen. Auf teils verschlungenen

Wegen kehrten sie später nach Paris zurück.

Ihre fotografischen Arbeiten erzählen von

Aufbruch und Verfolgung, künstlerischer

Innovation, gesellschaftlichem Engagement

und vom Überleben im Exil.

LVR-Landesmuseum Bonn

www.landesmuseum-bonn.lvr.de

SEX

WORK

Franco Vaccari, Photomatic d’Italia, 1972-3, collage di photostrip e

fotografia su cartoncino / collage of photostrips and photograph

on cardboard, cm.50x30

Bozen (I)

Feedback

The Environments of

Franco Vaccari (working title)

bis 13.09.2026

Das Museion präsentiert mit Feedback. Die

Environments von Franco Vaccari eine umfassende

Ausstellung, die einer der bedeutendsten

Figuren der Kunst der italienischen

Nachkriegszeit und der Konzeptkunst gewidmet

ist. Sie vereint Foto- und Videoarbeiten,

Künstlerbücher und Archivmaterialien und

bietet einen ersten institutionellen Überblick

über Vaccaris Rauminstallationen als wesentlichen

Bestandteil seiner Praxis. Ursprünglich

zu Ehren seines 90. Geburtstags geplant, ist

dies die erste große Werkschau des Künstlers

seit seinem Tod im Dezember 2025.

MUSEION Museum für moderne und zeitgenössische

Kunst | www.museion.it/de/

Fanny Bullock mit Plakat „Votes for Women“, 1917

(Foto: William Hunter Workman – Library of Congress, ID

cph.3c08071)

Bruneck (I)

Frauen der Berge – Berge der

Frauen

bis 30.09.2026

Frauenberge, Berge der Frauen sind in dreifacher

Weise interpretierbar: als Berge heiliger

Frauen, also keltische Kultplätze der drei heiligen

Frauen (Bethen) Ambeth, Wilbeth und

Borbeth, die nach den Reformationskriegen

„einchristianisiert“ zu Margareta, Katharina

und Barbara wurden; als Berge, die gemäß einer

typisch patriarchalischen Aussage von Albert

Frederick Mummery für Frauen eine alpine

Leistung, aber für Männer nur ein Spaziergang

sind; und als Berge, die nach Alpinistinnen benannt

sind, die in den Anfängen des Alpinismus

Großartiges geleistet haben. Den hervorragenden

Alpinistinnen, die das Frauenbild

als ebenbürtige Partnerinnen der Männer im

Gebirge formten und dafür mit Bergen überall

auf der Welt, die ihren Namen tragen, geehrt

wurden, ist diese Ausstellung gewidmet.

www. .com Weiter auf Seite 36


24 | Milena Schilling

LOUISE | arttourist.com | 2026

Milena Schilling:

O R I G I O

Nackte Körper schweben unter Wasser. Umgeben von Luftblasen

wirken sie schwerelos. Sie drängen vom dunklen Untergrund der

Oberfläche entgegen – gleichzeitig scheinen sie stillzustehen. Die

Szene wirkt surreal und anmutig, aber auch verletzlich. Die Bilder

der jungen Fotografin Milena Schilling sind faszinierend, sie

ziehen einen in die Wasserwelt des Bodensees und lassen einen

darin traumhaft versinken.

Skulpturale Ästhetik unter Wasser

Inspiriert von Barockmalern wie Peter Paul Rubens inszeniert

Schilling die Körper unter Wasser wie skulpturale Gemälde. Drei

Jahre lang fotografierte sie 45 Menschen aus Konstanz nackt im

Bodensee. Menschen aller Körperformen und Hintergründe im

Alter von 18 bis 73 Jahren tauchten vor ihrer Kamera ab. Unter

Wasser verlieren gesellschaftliche Schönheitsideale ihre Macht;

die Körper wirken schwerelos, anmutig und verletzlich zugleich.

In den Grautönen des Sees entstehen Bilder, die durch Luftblasen,

Algen und das einfallende Tageslicht eine fast sakrale Atmosphäre

erhalten.

Der Titel „O R I G I O“ leitet sich vom lateinischen Wort für

„Ursprung“ oder „Quelle“ ab. Schilling erinnert daran, dass der

Mensch zu einem Großteil aus Wasser besteht und seine ersten

neun Monate im Fruchtwasser verbringt. Das Projekt thematisiert

das Urvertrauen in dieses Element, das gleichzeitig lebensnotwendig

und dem Menschen unzähmbar überlegen ist. Hauptmessage

des Projektes: Wir verbringen alle die ersten 9 Monate im Wasser

– dort sind wir frei von sozialen Konstrukten und alle gleich.

Eine neue Generation der Fotografie

Die in Konstanz lebende Fotografin ist die jüngste Künstlerin,

deren Arbeiten bisher in einer Leica Galerie (Konstanz, 2025)

ausgestellt wurden. Ihr Weg ist bezeichnend für die neue Generation

von Fotograf:innen, die an einer spannenden Schnittstelle

zwischen analoger Nostalgie und hochintelligenter KI-Technik

stehen. Sie sind die erste Generation, die mit der Kamera im

Smartphone aufgewachsen ist, aber gleichzeitig die Dunkelkammer

wiederentdeckt.

Diese junge Generation ist mutiger, politischer und experimentierfreudiger.

Sie nutzen die Kamera nicht nur als Dokumentationswerkzeug,

sondern als Medium zur Selbstinszenierung

und zur kritischen Auseinandersetzung mit der Welt. In

ihrem Kunstprojekt setzt sich Milena Schilling intensiv mit

der Beziehung zwischen Mensch und Wasser auseinander. Mit

„O R I G I O“ hat sie eine Hommage an das Leben geschaffen –

daran, wie facettenreich und von Schönheit erfüllt es ist. Es ist ein

demütiger Blick auf das Element Wasser, dem wir alle gleichermaßen

unsere Existenz verdanken, sowie eine Erinnerung daran,

dass wir aus dem gleichen Ursprung geformt und darüber miteinander

verbunden sind. Es ist ein Thema, das sie nicht mehr

loslässt. Für das Projekt lernte sie Apnoetauchen, und hat den

Segel- und Motorbootschein gemacht. Aktuell bereitet sie sich für

weitere Serien für das Gesamtprojekt von „O R I G I O“ vor.


LOUISE | arttourist.com | 2026 Milena Schilling | 25

Wir sprachen mit Milena Schilling.

Wie ist das „Dorfkind“ aus dem

beschaulichen Grießen, einem

Dorf in Süddeutschland, das

Dank Ihrer Fotos auch schon in

den Medien zu sehen war, zur Fotografie

gekommen und dorthin

gekommen, wo Sie heute sind?

Milena Schilling: Ich wusste schon

sehr früh, etwa in der sechsten Klasse,

dass ich Fotografin werden möchte.

Von dem Erbe meiner Oma habe

ich meine erste Spiegelreflexkamera

bekommen und ab da alle Menschen

in meinem Umfeld ständig begleitet

und in Szene gesetzt. In der zehnten

Klasse habe ich dann angefangen,

unseren Dachboden in ein Fotostudio

umzubauen und mich selbstständig

gemacht. Nach dem Abitur war klar,

ich will Fotografie studieren, da ich

erst 17 war, musste ich ein Jahr warten,

bis ich nach Konstanz ziehen

konnte, um meinen Bachelor in Kommunikationsdesign

zu machen. Dieses

Jahr nutzte ich, um mich eigenständig

immer tiefer in die Fotografie

einzuarbeiten und mir so mein Studium

neben meiner Selbstständigkeit zu

finanzieren. Im Bachelor lag mein Fokus

ganz eindeutig auf der Fotografie,

weshalb ich anschließend beschloss,

noch den Master in photographic

studies in Dortmund anzuschließen.

Da ich generell ein sehr wissbegieriger

und neugieriger Mensch bin, habe

ich mich in Dortmund auch in viele

Vorlesungen reingesetzt, ohne dafür

Punkte zu bekommen, einfach weil

es mich interessiert hat und ich mehr

lernen wollte. Und auch heute noch

bilde ich mich permanent weiter, besuche

viele Ausstellungen, Museen

etc. und möchte die Fotografie aus

vielen verschiedenen Blickwinkeln

kennenlernen und verstehen.

Was fasziniert Sie bis heute an

der Fotografie?

Milena Schilling: Die Begeisterung

für die Fotografie und die Faszination

für Menschen habe ich schon, soweit

ich mich zurückerinnern kann, und

sie wird zunehmend stärker. Ich finde

Menschen und ihre Geschichten generell

super spannend und interessant.

Sich dabei zu überlegen, wie man was

fotografisch erzählen kann und wie

etwas wirkt, und das gezielt einzusetzen,

macht mir sehr viel Spaß. Denn

mit der passenden Bildsprache zu einem

Thema kann man mit Fotografie

sehr viel bewirken, Gefühle auslösen,

Menschen zum Nachdenken anregen,

sie auf Dinge aufmerksam machen

usw.

Nexus


26 | Milena Schilling

LOUISE | arttourist.com | 2026

Corpus vitae

Welche Themen und Fragenstellungen

stehen im Mittelpunkt

Ihrer Arbeit?

Milena Schilling: Im Zentrum meiner

Arbeit stehen für mich vor allem

Themen, die im Spannungsfeld zwischen

persönlicher Wahrnehmung und

gesellschaftlicher Relevanz liegen. Ich

interessiere mich für die alltäglichen

Momente, Ereignisse und Geschichten,

die oft übersehen werden, obwohl sie

eine besondere Sensibilität oder Intensität

in sich tragen, und setze diese

in einen größeren Kontext. Damit

rege ich zum Nachdenken an und gewohnte

Sichtweisen zu hinterfragen.

Ich nutze Fotografie dabei als Mittel,

um Emotionen zu erzeugen und neue

Perspektiven zu öffnen. Insgesamt verstehe

ich meine Arbeit als einen Beitrag

dazu, mit den mir zur Verfügung

stehenden fotografischen Mitteln auf

Themen aufmerksam zu machen und

Impulse für Veränderung und Reflexion

in der Gesellschaft zu geben.

Seit 2022 unterrichten Sie im

Rahmen des Mathilde-Plank-Stipendiums

für junge Professorinnen

an der HTWG Konstanz

u.a. Fotografie, Konzeption und

Fototechnik. Eine Aufgabe und

Tätigkeit, die Ihnen große Freude

bereitet? Was ist Ihnen in der

Vermittlung von Wissen wichtig,

was bedeutet Ihnen der Austausch

und was schöpfen Sie für

sich selbst und Ihre künstlerische

Arbeit aus dieser Tätigkeit?

Milena Schilling: Die Lehrtätigkeit

an der HTWG Konstanz macht mir

sehr viel Freude. Besonders der direkte

Austausch mit den Studierenden ist

für mich ein zentraler und sehr bereichernder

Bestandteil dieser Arbeit.

In der Vermittlung von Wissen ist mir

neben all den Grundlagen der Fotografie,

der Technik und wie man diese

zielführend in ein Konzept einarbeitet,

vor allem wichtig, Bildkompetenz

zu stärken – also die Fähigkeit, Bilder

nicht nur technisch zu verstehen,

sondern sie auch einzuordnen, zu lesen

und ihre Wirkung zu reflektieren.

Genau diese Fähigkeit, Bilder kritisch

zu betrachten und ihre Bedeutung im

jeweiligen Kontext zu erkennen, geht

meiner Meinung nach in der heutigen,

stark bildgeprägten Zeit oft verloren.

Gleichzeitig spielt für mich das Verständnis

von Bildwirkung eine große

Rolle: Wie funktioniert ein Bild? Warum

wirkt es auf eine bestimmte Weise?

Und was passiert zwischen Bild

und Betrachter?

Der Austausch mit den Studierenden

ist dabei sehr inspirierend, weil er ein

echtes Geben und Nehmen ist. Ihre oft

noch sehr unvoreingenommene Herangehensweise

an fotografische Themen

bringt viel kreativen Input und eröffnet

neue Perspektiven, die auch meine

eigene künstlerische Arbeit bereichern.

Gleichzeitig erinnere ich mich durch

die Lehre immer wieder daran, dass

es im kreativen Prozess nicht darum

geht, alles zu überanalysieren oder zu

zerdenken, sondern auch, dem intuitiven

Handeln Raum zu geben – einfach

zu machen und ins Arbeiten zu

kommen.

Wo und wie finden Sie Inspiration

für Ihre Arbeit und arbeiten Sie

immer eher strukturiert und geplant

oder eher intuitiv?

Milena Schilling: Meine Inspiration

für Themen für meine freien Projekte

finde ich im alltäglich Leben. Was

meine Bildsprache betrifft, bin ich im

Allgemeinen sehr inspiriert aus der

Kunstgeschichte. Alte Malerei und

Skulpturen haben mir es dabei besonders

angetan.

Corpus e fluctibus


LOUISE | arttourist.com | 2026 Milena Schilling | 27

Ich arbeite immer sehr konzeptionell

und überlasse wenig dem Zufall.

Ich plane alles sehr gezielt von Anfang

bis Ende. Bei meinem Projekt

„O R I G I O“ war es mir wichtig,

dass die Botschaft sowohl in den Fotos

als auch durch den Druck bis hin zur

Hängung deutlich wird. Der malerische

und ursprüngliche Charakter der Fotos

wird nicht nur alleine durch das genaue

Planen, Verstehen des Sees und der guten

Zusammenarbeit mit den Modellen

erreicht, sondern auch dadurch unterstrichen,

dass die Fotos nicht weiter bearbeitet

wurden. Alle Fotos sind direkt

„out of cam“. Auch die Art und Weise

wie sie präsentiert werden, wie und wie

groß sie gedruckt werden und wie sie

angeordnet an der Wand hängen hat

eine große Wirkung und unterstützt die

Botschaft. Aber was ich auch immer

wieder lernen muss: Auch wenn man

vieles planen kann, braucht der Zufall

trotzdem seinen Raum. Als ich mit

dem Projekt anfing, wusste ich nicht,

dass man nur von November bis März

bei Wassertemperaturen von unter 12

Grad shooten kann und das ich dafür

sogar einen Segelschein brauchte, Apnoetauchen

und noch so viel mehr lernen

musste, war mir, als ich die Idee

hatte, auch nicht ansatzweise bewusst.

Aber das Tolle daran: Man wächst mit

seinen Projekten, und wenn man wirklich

etwas will, dann schafft man das

auch, denn den Mutigen gehört die

Welt!

Mit Ihrer Ausstellung „O R I G I O“

in der Konstanzer Leica-Galerie

haben Sie überregionale Beachtung

erfahren, und auch wir sind

dadurch auf Sie und Ihre Arbeiten

aufmerksam geworden. Was verbirgt

sich hinter „O R I G I O“?

Was hat Sie dazu bewogen, dieses

Projekt zu machen?

Milena Schilling: Wasser spielte

schon immer eine große Rolle in meinem

Leben. Ich verbringe gerne jede

freie Minute im See und gehe jeden

Morgen, bevor ich arbeite, erstmal eine

Runde im See schwimmen. Eine Begegnung

mit Walen im offenen Meer zeigte

mir noch deutlicher, wie verbunden

und wohl ich mich im Wasser fühle.

Als mir bewusst wurde, dass wir Menschen

selbst zu 70-80% aus Wasser

bestehen, wie auch unser Planet, und

dieses Element lebensnotwendig für

uns ist, es uns aber gleichzeitig auch

unzähmbar und überlegen ist. Wasser

ist der Ursprung des Lebens, und wir

Menschen verbringen alle die ersten

neun Monate im Mutterleib im Wasser.

Dort sind wir frei von sozialen Konstrukten

und alle gleich. Anhand dieser

Erlebnisse und Gedanken beschloss ich,

die Serie „O R I G I O“ (= lat. Ursprung

des Lebens) zu starten, denn wenn man

sieht, was gerade alles in der Welt passiert,

sollten wir uns öfter mal daran

zurückerinnern, wo wir eigentlich herkommen

und was uns verbindet. Denn

jeder Mensch ist es wert, gleich und respektvoll

behandelt zu werden.

Wie war der Prozess von der Idee

bis zur Realisierung?

Milena Schilling: Das Projekt war

insgesamt sehr aufwendig und komplex.

In einem Zeitraum von drei Jahren

habe ich das Projekt umgesetzt

und arbeite an weiteren Serien auch

weiterhin daran. Zum einen habe ich

versucht, den Bodensee zu analysieren

und zu verstehen. Wer schon einmal

hier am See war, weiß, wie trüb er ist.

Aber ab einer Wassertemperatur von

unter 12 Grad wird er klarer – dann

kommt es auf die Windrichtung an,

wann es das letzte Mal geregnet hat,

wann die verschiedenen Algen blühen

und welche Wolken am Himmel stehen.

Wenn all diese Faktoren stimmten,

war ein Shooting so möglich, wie

ich es mir vorgestellt hatte: mit einer

relativ klaren Sicht im See und einem

weichen, malerischen Licht. Oft konnte

ich die Bedingungen erst einen Tag

vorher abschätzen und musste alles

sehr spontan planen. Insgesamt war

ich mit 45 Menschen zwischen 18–73

Jahren im Wasser. Bei dem Projekt

durfte unabhängig von Alter, Körperform

etc. jeder, der Interesse hatte,

teilnehmen. In meinem Skizzenbuch

habe ich immer die Kompositionen,

die in meinem Kopf entstanden sind,

aufgezeichnet, um sie dann mit meinen

Modellen zu besprechen. Inspiriert

wurde ich durch Malereien und Skulpturen

aus der Renaissance und dem

Barock. Nachdem wir uns alle getroffen

hatten, haben wir zuerst alles an

Land geprobt – die finale Komposition

des fertigen Fotos und die dazugehörigen

Choreographien mit den entsprechenden

Tauchwegen zur finalen

Position. Am Anfang bin ich mit den

Models vom Ufer aus in den See gegangen,

habe aber schnell gemerkt, dass

es von einem Boot aus besser wäre –

und habe deshalb extra den Segel- und

Motorbootschein gemacht. Also organisierte

ich zusätzlich zu den Modellen

ein Boot und eine Crew. Nach den

Proben an Land sind wir auf den See

hinausgefahren und haben dort die

letzten Feinheiten besprochen. Dann

ging es für mich als Erstes ins Wasser,

um die passende Stelle für die Fotos zu

suchen. Denn auch der Untergrund,

ob Sand, Algen oder tiefes Wasser

und wie dieser zu welcher Tageszeit

mit dem Sonnenstand erscheint, war

eine wichtige Komponente in meinen

Fotos. Die Sommermonate nutzte ich,

um den See und seinen Boden zu erkunden,

um die passenden Orte zu

den Ideen in meinem Kopf zu finden.

Als wir dann mit dem Boot die jeweils

richtige Stelle gefunden hatten, ging es

für mich zunächst ins Wasser, um die

passende Stelle für die einzelnen Personen

an dieser Stelle zu definieren.

Dann kamen meine Models ins Wasser

und dann ging alles ganz schnell:

Metamorphosis

Alle schwammen auf ihre Positionen,

der Skipper an Bord fing an zu zählen,

und die Choreographie begann.

Ich habe extra Apnoetauchen gelernt,

um lange genug unter Wasser zu bleiben

und den perfekten Moment zu erwischen,

wenn meine Models in der

Endposition waren. Aus technischen

Gründen konnte ich nur ein Foto pro

Tauchgang machen – entweder ich

kam am Ende des Tages mit einem

Foto nach Hause oder nicht. Der Zeitaufwand

für ein einzelnes Bild betrug

oft bis zu 9 Stunden, wobei die Models

aufgrund der Wassertemperatur

oft nur 3–5 Minuten im Wasser waren.

Danach wurde sich direkt an Bord

aufgewärmt und es ging zurück in

den Hafen. Erst zu Hause am Rechner

konnte ich dann das Ergebnis sichten

und wusste, ob sich der ganze Aufwand

gelohnt hatte oder nicht.

Wie geht es mit „O R I G I O“ weiter

... Sie werden in Arles ausgestellt?

Milena Schilling: Das gesamte Projekt

„O R I G I O“ selbst ist noch nicht

abgeschlossen. Ich arbeite nach wie

vor daran weiter. Die zwei bereits bestehenden

Serien von „O R I G I O“

werden dieses Jahr in weiteren Galerien

in Deutschland zu sehen sein und

von Juli bis Oktober während des Rencontre

d’Arles im Rahmen des DIOR

Award for Photography and Visual

MILENA

SCHILLING

Fotografin, Künstlerin, Dozentin

www.milenaschilling.de

seit 2022:

Dozentin, Mathilde-Planck-Stipendium

für junge Professorinnen

Akademische Ausbildung:

Oktober 2019 bis Oktober 2022

Master of Arts, Photographic Studies,

Fachhochschule Dortmund

Oktober 2025 bis Juli 2019

Bachelor of Arts, Kommunikationsdesign,

HTWG Konstanz

seit April 2015:

Selbstständige Fotografin, Künstlerin

und Lehrbeauftragte

Arts im Luma in Arles gezeigt. Für Anfang

nächstes Jahr ist eine Ausstellung

im Maison Européenne de la Photographie

in Paris geplant.

Das Auge spielt eine wichtige

Rolle im Leben von Fotograf:innen,

was auch unser Cover mit

ihrem Selbstporträt perfekt unterstreicht.

Was ist der Hintergrund

zu diesem Selbstporträt?

Milena Schilling: Das Selbstporträt

hat den Titel „Augenmensch“. Ich bin

sehr visuell geprägt. Als Fotografin ist

das Auge mein Hauptarbeitswerkzeug,

deshalb ist dieses im Fokus und rot angeleuchtet.

Ich selbst bleibe dabei im

Hintergrund und bin nicht zu sehen,

aber wer die Fotos betrachtet, kann

die Welt durch meine Augen sehen.

Die grundlegende Idee des Selbstporträts

war es, mich als Fotografin – aber

ohne mein offensichtliches Werkzeug:

die Kamera – zu zeigen. Denn ich finde,

die Kamera und die ganze Technik

sind nur Mittel zum Zweck. Das Wesentliche

und der größte Teil der Arbeit

als Fotografin passiert schon beim Sehen.

Das Gespräch führte Kai Geiger

Aequalitas


28 | Immersive Art

LOUISE | arttourist.com | 2026

Immersive Art

Immersive Kunst bezeichnet Kunstformen, die darauf abzielen, das Publikum vollständig in

ein Werk eintauchen zu lassen. Anders als bei klassischen Gemälden oder Skulpturen, die man

mit Abstand betrachtet, wird man hier selbst Teil der Erfahrung – räumlich, sinnlich und oft

auch interaktiv. Die Besucher:innen tauchen ein und lassen einen für einen Moment eine

andere Wirklichkeit erfahren . Typisch ist, dass immersive Kunst mehrere Sinne gleichzeitig

anspricht: visuell durch Projektionen oder Lichtinstallationen, auditiv durch Klanglandschaften

und manchmal sogar haptisch oder olfaktorisch. Häufig kommen Technologien wie Virtual

Reality, Augmented Reality oder großflächige Projektionen zum Einsatz, aber auch rein

analoge Installationen können immersiv wirken. Ein wichtiger Unterschied zu traditionellen

Kunstformen liegt in der Rolle des Publikums. Man steht nicht mehr nur vor dem Werk, sondern

bewegt sich darin. Die eigene Position, Bewegung oder Handlung beeinflusst oft, wie das

Werk wahrgenommen wird – manchmal sogar, wie es sich verändert. Dadurch entsteht eine

sehr persönliche, unmittelbare Erfahrung.

zelausstellung des international renommierten

Künstlers Jon Rafman (*1981) in einem deutschen

Museum. Die Ausstellung gibt einen

Überblick über das seit 2008 entstehende Werk

und stellt Rafman als einen wegweisenden

Künstler des digitalen Zeitalters vor. Rafmans

künstlerische Arbeiten handeln mit scharfem

Blick und dunklem Humor davon, wie wir

als Gesellschaft mit dem Internet und seinen

ständigen Veränderungen umgehen. Anlässlich

der Ausstellung erscheint eine erste monographische

Publikation.

K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen | www.

kunstsammlung.de

Immersive Art bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, Technologie, Architektur und Performance.

Sie wird in Museen, Galerien, aber auch in speziell gestalteten Erlebnisräumen oder

temporären Ausstellungen gezeigt. Bekannte Beispiele sind begehbare Lichtinstallationen, digitale

Ausstellungen oder interaktive Räume, die auf Bewegungen reagieren.

Immersive Art Tipps

Monica Studer (*1960), Christoph van den Berg (*1962), HALLUC

(still #163), 2024 | Screenshot aus VR-Animation. Mit Genehmigung

der Kunstschaffenden | © Monica Studer, Christoph van

den Berg

Aarau (CH)

Künstliche Kreativität

26.09.2026 – 10.01.2027

Die Ausstellung erforscht das kreative Potenzial

der Künstlichen Intelligenz (KI) in der zeitgenössischen

Kunst. Der künstlerische Prozess mit

KI – ein Tanz zwischen Kontrolle und Kontrollverlust

– schafft ein produktives Spannungsfeld

zwischen Mensch und Maschine und fordert

unsere Vorstellung von Kreativität heraus. Die

Besuchenden sind eingeladen, die Möglichkeiten

und Grenzen von KI zu erkunden und zu

erleben, wie das technisch Unvorhersehbare

neue künstlerische Impulse freisetzt.

Aargauer Kunsthaus | www.aargauerkunsthaus.ch

DARK MATTER Forest Seasons, Foto ©Eric Bauermeister

Ausstellungsplakat © BRUSK Brügge

Brügge (B)

Refik Anadol

Latent City

08.05. – 08.11.2026

Refik Anadol, ein international renommierter

Künstler für neue Medien, zeigt eine bahnbrechende

Ausstellung in der Kunsthalle BRUSK.

Der türkisch-amerikanische Pionier in digitaler

Kunst ist weltweit für seine großformatigen

Kunstinstallationen bekannt, die er mithilfe

von Künstlicher Intelligenz kreiert. Für die

beeindruckende Eröffnungsausstellung von

BRUSK bringt Refik Anadol sein visionäres

Werk erstmals nach Belgien.

BRUSK Brügge | www.bruskbrugge.be

Viva-Frida-Kahlo, Fotograf © Luca Migliore

Leipzig

Viva Frida Kahlo

bis Oktober 2026

Farbe aus Schmerz, Lebenswille aus Leid: Mit

der multimedialen Ausstellung „Viva Frida Kahlo“

widmet sich das Kunstkraftwerk ab dem 14.

Februar 2026 der faszinierenden Persönlichkeit

der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlos,

ihrem bewegten Leben und Werk, das weltweit

die Kunst und Mode beeinflusste. Die immersive

360-Grad-Projektion in Zusammenarbeit

mit Alegria Exhibition und der Immersive Art

AG wird in Leipzig durch exklusive spektakuläre

Installationen zu einem farbenfrohen Erlebnis

mit visueller und erzählerischer Tiefe. Herzstück

von „Viva Frida Kahlo“ ist die 360-Grad-Projektion

in der Maschinenhalle des Kunstkraftwerks.

www.kunstkraftwerk-leipzig.com/exhibitions/vivafrida-kahlo/

Der Baum, Foto © Thomas Wolf_TWX

Oberhausen

Mythos Wald

bis 30.12.2026

Ein urzeitlicher Riesenhirsch, Wolfsgeheul,

preisgekrönte großformatige Bilder, der

schlafende Bär und dazu die größte Indoor-

Lichtskulptur der Welt – die am 20. März

2026 startende Ausstellung „Mythos Wald“

erweckt unsere Wälder zum Leben. In unterschiedlichen

Kapiteln präsentiert „Mythos

Wald“ die Diversität unserer Waldgebiete,

deren Ökosysteme so unterschiedlich sind,

wie die Klimazonen in denen sie vorkommen.

Mit großformatigen, teilweise erstmals zu sehenden

Bildern und Filmsequenzen zeigt der

Gasometer, dass Wälder mehr als nur eine

Ansammlung von Bäumen sind.

Gasometer Oberhausen www.gasometer.de

Refik Anadol, Glacier Dreams, 2023, Installationsansicht

Kunsthaus Zürich, 2025

Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich, © Refik Anadol

Berlin

Forest Seasons

bis Oktober 2026

Forest Seasons macht den Wald als begehbaren

Sehnsuchtsort im Wandel der Jahreszeiten

erfahrbar. Die raumgreifende Installation des

Licht- und Medienkünstlers Christopher Bauder

verbindet Naturmotive, industrielle Architektur

und kinetische Lichtkunst zu einer vielschichtigen

Komposition. Historisch galt der

Wald lange als Ort von Gefahren und Unbekanntem.

Erst ab der Romantik und mit fortschreitender

Industrialisierung wandelte sich

dieser Blick. Der Wald wurde als utopischer

Rückzugsort idealisiert und als Gegenpol zur

urbanen Welt verstanden.

www.darkmatter.berlin/forest-seasons

Jon Rafman, Main Stream Media. Poster, 2025 © the artist. Courtesy

the artist and Sprüth Magers

Düsseldorf

Main Stream Media

30.05. – 27.09.2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt

vom 30.05. bis 27.09.2026 im K21 die erste Ein-

OPENS

22 APRIL 2026

poster David Bowie A0 © Lightroom

GETTING HERE

KING’S CROSS

BOOK NOW

LIGHTROOM.UK

London (GB)

David Bowie: You’re Not Alone

Die bahnbrechende Show „David Bowie: You’re

Not Alone“ entführt die Besucher in die ikonischen

Auftritte sowie in den kreativen Geist und

die Seele eines der visionärsten und einflussreichsten

Künstler der Welt. Da die Show den

Künstler als einzige Stimme nutzt, ist David Bowie:

You’re Not Alone sowohl ein multimediales

Spektakel als auch ein intimes und aufschlussreiches

Selbstporträt. Das 360°-Erlebnis wurde

von Lightroom produziert und vom Studio „59,

a Journey“ entworfen.

London_Bild

Lightroom London | www.lightroom.uk

Zürich (CH)

Refik Anadol „Glacier Dreams”

ab 18.1.20205

Mit seiner beeindruckenden Visualisierung

der Schönheit und Zerbrechlichkeit von Gletschern

der Welt, will Refik Anadol nicht nur

auf den Klimawandel aufmerksam machen,

sondern auch ein multisensorisches Betrachtungserlebnis

schaffen. «Glacier Dreams» ist

ein immersiver digitaler Raum, der Kunst,

Technologie und Klimathematik auf spektakuläre

Weise vereint. Refik Anadol ist der Natur

sehr verbunden. Nach dem Regenwald im

Jahr 2023 und den Korallen 2024 jetzt „Glacier

Dreams“ zum Internationalen Jahr der

Erhaltung der Gletscher.

Kunsthaus Zürich | www.kunsthaus.ch


LOUISE | arttourist.com | 2026 Immersive Art | 29

teamLab, Forest of Resonating Lamps - One Stroke, Fire,

Courtesy teamLab Borderless Jeddah © teamLab

teamLab, Universe of Water Particles on a Rock where People Gather, Courtesy teamLab Borderless Tokyo © teamLab

teamLab, Light Vortex, Courtesy teamLab Borderless Tokyo © teamLab

UBS Digital Art Museum

Mit dem UBS Digital Art Museum entsteht in naher Zukunft

in der Hamburger HafenCity das größte Museum Europas,

das sich ausschließlich der digitalen und immersiven Kunst

widmet. Das eigens dafür entworfene Gebäude verfügt über

eine Fläche von 6.500 m² mit einer Deckenhöhe von bis zu

12 Metern. Die ungewöhnlich großen Innenräume bieten den

perfekten Rahmen, um diese zukunftsweisende Kunstform zu

präsentieren und damit eine der weltweit wichtigsten Plattformen

für digitale Kunst zu schaffen.

Herzstück des Museums wird die permanente Ausstellung teamLab

Borderless des renommierten internationalen Kunstkollektivs

teamLab sein. Darüber hinaus präsentiert das Museum

wechselnde Ausstellungen profilierter und aufstrebender

internationaler Künstler:innen.​

Der Raum ist die Leinwand, das Licht ist die Farbe: teamLab Borderless

ist eine Welt der Kunstwerke ohne Grenzen, ein Museum

ohne vorgeschriebene Pfade, das vom Kunstkollektiv teamLab

geschaffen wurde. Die Kunstwerke bewegen sich aus den Räumen

heraus, kommunizieren mit anderen Werken, beeinflussen

sich gegenseitig und vermischen sich zuweilen – ohne Grenzen.

Aus dieser Sammlung von Werken entsteht ein unendliches, zusammenhängendes

Universum. Tauche mit dem ganzen Körper

in die grenzenlose Kunst ein. Wandere, erforsche bewusst, entdecke

und schöpfe eine neue Welt mit anderen.

Das internationale Kunstkollektiv gilt als

Pionier der Kunst, die sich digitaler

Technologien bedient.

2001 in Tokio gegründet, setzte sich teamLab zum Ziel, das

Zusammenspiel von Kunst, Wissenschaft, Technologie und

der natürlichen Welt zu erforschen. Die interdisziplinäre

Gruppe, zu der Künstler:innen, Programmierer:innen, Ingenieur:innen,

CG-Animator:innen, Mathematiker:innen und

Architekt:innen gehören, möchte durch Kunst die Beziehung

zwischen dem eigenen Ich und der Welt sowie neue Formen

der Wahrnehmung ergründen.

www.digitalartmuseum.com

Wir sprachen mit dem Künstlerischen Leiter Ulrich Schrauth.

Ulrich Schrauth © Axel Martens

Immersive Art Shows boomen

seit ein paar Jahren und sind

Cash Cows der Eventbranche mit

dem Hang zum Overload. Das

Künstlerkollektiv teamLab ist

Vorreiter im Bereich der digitalen

und immersiven Kunst weltweit.

Wie kam es zur Kooperation und

der Idee für ein eigenes Museum

in Hamburg?

Ulrich Schrauth: Der Begriff „immersiv“

wird heute oft inflationär

gebraucht, doch teamLab steht vielmehr

in der Tradition internationaler

Lichtkunst und Rauminstallationen.

Die Initiative, das internationale

Kunstkollektiv teamLab nach Hamburg

zu holen, stammt von unserem

Gründer Lars Hinrichs. Begeistert von

der technischen Präzision und fasziniert

von der emotionalen Tiefe der

Kunstwerke, die er in Südfrankreich

und Tokio erlebte, nahm er Kontakt

zur Pace Gallery auf, die teamLab

vertritt. Schon im August 2019 reiste

er dann gemeinsam mit Hamburgs

Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher

nach Japan, um die Absichtserklärung

zu unterzeichnen. Als gebürtiger

Hamburger war es sein festes

Ziel, Europas größtes Museum für digitale

und immersive Kunst in seiner

Heimatstadt zu realisieren.

Was machen Sie bzw. was ist in

Hamburg anders als in den vielen

tourenden Mainstreamshows nach

dem immer „gleichen“ Muster?

Ulrich Schrauth: Die meisten sogenannten

„immersiven Kunstinstallationen“

reproduzieren oft historische

Meisterwerke von Künstler:innen wie

Monet oder van Gogh und spielen

diese als linearen Film ab. teamLab

hingegen schafft zeitgenössische, originäre

Kunst – ganze Welten –, die

ausschließlich durch den Einsatz modernster

Technologien existiert und

durch komplexe Algorithmen in Echtzeit

generiert wird. Sie besitzt eine

völlig eigene Bildsprache. Bei uns gibt

es keinen sich wiederholenden Content-Loop.

Die Werke sind interaktiv

und partizipativ: Sie reagieren permanent

auf die Gesten, Bewegungen und

Berührungen der Betrachter:innen,

verändern sich und kommunizieren

über Raumgrenzen hinweg miteinander.

Zudem ist unsere Museumsarchitektur

mit komplexen raumgreifenden

Installationen und bis zu zwölf Meter

hohen, stützenfreien Decken explizit

maßgeschneidert für diese Kunstwerke

konzipiert worden.

Wo wollen Sie Ihr Haus verankern,

in der Kunst- und Museumswelt

oder der Event- und Entertainmentbranche?

Ulrich Schrauth: Wir verankern das

UBS Digital Art Museum ganz klar

in der Kunst- und Museumswelt. teamLab

gilt als Pionier der digitalen

Kunst, wird von der Pace Gallery,

einer der führenden Galerien für zeitgenössische

Kunst, vertreten und ist

in bedeutenden Sammlungen wie dem

Museum of Contemporary Art in Los

Angeles zu finden. Wir verstehen uns

als Plattform für digitale und immersive

Kunst. Herzstück wird die permanente

Ausstellung teamLab Borderless,

geschaffen vom renommierten

internationalen Kunstkollektiv team-

Lab. Darüber hinaus präsentiert das

Museum wechselnde Ausstellungen

profilierter und aufstrebender internationaler

Künstler:innen. Unseren

hohen internationalen Anspruch unterstreicht

dabei auch unsere jüngst

geschlossene Kooperation mit dem

renommierten Kunstzentrum PHI in

Montréal, mit dem wir künftig gemeinsame

Ausstellungsprogramme

und Künstler:innenresidenzen realisieren.

Darüber hinaus haben wir

den Anspruch, ergänzend ein breit

gefächertes Vermittlungsprogramm

mit Workshops, Panels und Talks anzubieten.

Was sind Ihre Erwartungen an

den Standort Hamburg und an

die Nachfrage einer bereits „strapazierten“

Kunstform?

Ulrich Schrauth: Der Begriff „immersiv“

mag durch den inflationären

Gebrauch des Begriffs strapaziert

sein, aber die Faszination für herausragende,

originär digitale Kunst

ist ungebrochen. In Tokio hält team-

Lab den Guinness-Rekord als meistbesuchtes

Museum einer einzelnen

Künstler:innengruppe. Diese Kunst

entzieht sich der Vergleichbarkeit

herkömmlicher Präsentationen und

schafft eine völlig eigene Kategorie

der Raumerfahrung. Für den Standort

Hamburg erwarten wir, dass

das Museum ein neuer kultureller

Leuchtturm wird, der weit über die

Stadtgrenzen hinaus strahlt und die

Position der Hansestadt als internationale

Kunstdestination im Bereich

digitale und immersive Kunst nachhaltig

festigen wird.

Welche Rolle spielt die UBS, die

als einer der Global Art Player

und Partner der Art Basel gilt, in

diesem Projekt?

Ulrich Schrauth: Die UBS ist unser

Lead- und Namenspartner und spielt

somit eine wichtige Rolle. Als einer

der weltweit größten Vermögensverwalter

und als globaler Akteur mit

höchster Expertise im Kunstmarkt

unterstreicht diese Partnerschaft

unseren Anspruch in der etablierten

Kunstwelt. Ein derart ambitioniertes

Vorhaben ließe sich ohne solch starke

Partnerschaften kaum realisieren.

Unterstützungen wie diese beweisen,

dass renommierte Förderer der Kultur

erkennen, welch prägende Rolle der

digitalen Kunst in Zukunft zukommt.

ULRICH

SCHRAUTH

Ulrich Schrauth zählt zu den führenden

Kuratoren und Kreativdirektoren

im Bereich immersiver Medien,

bekannt für seinen innovativen Umgang

mit Kunst und Technologie. Als

Künstlerischer Leiter des UBS Digital

Art Museums in Hamburg sowie

Gründer der VRHAM! Biennale setzt

er neue Impulse für die Präsentation

und Wahrnehmung digitaler

Kunst. Zwischen Hamburg und

London tätig, leitet er das Immersive

Programm am British Film Institute

(BFI) und ist Mitglied im Advisory

Board für Kunst und Kreativwirtschaft

des British Council. Darüber

hinaus kuratiert er Art Dubai Digital,

die führende internationale Kunstmesse

für digitale Medien. Neben

seiner Tätigkeit als Jurymitglied

renommierter Auszeichnungen wie

dem Lumen Prize und dem Fedora

Digital Art Prize ist Ulrich regelmäßig

als Sprecher auf bedeutenden

Veranstaltungen wie der Biennale

Venedig, SXSW und den Filmfestspielen

in Cannes vertreten.


30 | ALPA

LOUISE | arttourist.com | 2026

© Julian Calverley

ALPA of Switzerland

Die Architektur der Perfektion in der Fotografie

In einer Welt der flüchtigen digitalen

Schnappschüsse steht der Name ALPA für

das genaue Gegenteil: Beständigkeit,

kompromisslose Präzision und die Reduktion

auf das Wesentliche. Die in Zürich

ansässige Manufaktur gilt heute als

einer der weltweit exklusivsten Hersteller

von High-End-Kamerasystemen für die

professionelle Architektur-, Landschaftsund

Sachfotografie. ALPA Switzerland

blickt auf eine bewegte Geschichte zurück,

die ihre Wurzeln in der Schweizer

Feinmechanik-Tradition hat. Nach der

Neuausrichtung in den 1990er-Jahren

transformierte sich das Unternehmen

von einem klassischen Kamerahersteller

zu einer Modul-Schmiede für Perfektionisten.

Das Herzstück der ALPA-Philosophie ist

die Modularität. Anstatt Wegwerfprodukte

zu kreieren, fertigt ALPA Werkzeuge,

die über Jahrzehnte hinweg mit

verschiedenen digitalen Rückteilen, Objektiven

und Zubehörteilen kombiniert

werden können. Jedes Gehäuse wird mit

minimalsten Toleranzen aus massiven

Blöcken einer speziellen Aluminiumlegierung

gefräst – ein Standard, der sonst

eher in der Luft- und Raumfahrt zu finden

ist.

Wir sprachen mit Hans Keist und Patrick

Lambertz (Managing Partners ALPA of

Switzerland AG)

Wie ist die bewegte Geschichte von

ALPA, von einem Unternehmen der

Uhrenindustrie hin zu einem der führenden

Kamerahersteller und wie hat

sich das Unternehmen seit seiner Neugründung

in den 1990er-Jahren entwickelt?

Patrick Lambertz: ALPA hat tatsächlich

eine bewegte Geschichte, die ein Stück weit

in Vergessenheit geraten ist. Das möchten

wir ändern, denn die Wurzeln der Marke

prägen uns bis heute: Präzision, Haptik

und eine gewisse technische Eigenwilligkeit.

Das Mutterunternehmen Pignons SA

wurde 1918 in Ballaigues gegründet und

belieferte zunächst die Uhrenindustrie mit

feinmechanischen Komponenten. Schon der

Name sagt viel: „Pignons“ bedeutet Zahnrad

oder Ritzel. Als die Uhrenindustrie in

den 1920er-Jahren in eine Krise geriet,

musste Pignons diversifizieren. Die Kamera

war damals eine naheliegende, aber auch

mutige Option.

Dafür engagierte man einen hochkarätigen

Ingenieur namens Bolsky beziehungsweise

Bogopolsky, der eine völlig neue Kleinbildkamera

entwickelte. Bolsky war übrigens

auch für die Entwicklung der legendären

16-mm-Filmkamera Bolex verantwortlich.

Hans Keist: ALPA hat sich eigentlich nie

über Masse definiert, sondern immer über

Eigenständigkeit und Qualität. Ein Vergleich

zeigt das recht deutlich: Während

zum Beispiel Leica von nur einem Modell

– der Leica M3 – zwischen 1954 und 1967

allein 220.000 Stück produzierte, verkaufte

Pignons zwischen 1944 und 1990 über alle

Modelle hinweg nur rund 45.000 ALPA Kameras.

Das macht die raren ALPA-Modelle

bei Sammlern heute so begehrt.

Hinzu kommt, dass die ALPA-Kameras

immer schon sehr eigenständige Konstruktionen

mit individuellen technischen Lösungen

waren. Und ihre Beständigkeit ist

geradezu legendär.

Mitte der 90er traf die Krise in der Uhrenindustrie

schließlich auch Pignons SA. Das

Zürcher Ehepaar Ursula Capaul & Thomas


LOUISE | arttourist.com | 2026 ALPA | 31

Weber übernahm aus der Konkursmasse

die Markenrechte mit dem Ziel, unter

dem Namen ALPA 12 ein völlig neues,

modulares Kamerasystem im Mittelformat

zu entwickeln. Nach einem etwas

holprigen Start fand das System viele

leidenschaftliche Anhänger und entwickelte

sich zum bevorzugten Instrument

anspruchsvoller Architektur- und Studiofotografen

– zunehmend auch namhafte

zeitgenössische Künstler.

2022 habe ich das Unternehmen übernommen,

da es bei Capaul und Weber

keine familieninterne Nachfolge gab.

Patrick Lambertz komplettiert seit März

2025 die Geschäftsleitung. Gemeinsam

mit unserem Team möchten wir die

Marke und diese einzigartigen Produkte

in die Zukunft führen.

Welche Rolle spielt die Schweizer

Präzisionstradition für Ihre Produkte?

Patrick Lambertz: Die Schweizer Präzisionstradition

ist für uns kein Label,

das man einfach auf eine Verpackung

druckt. Sie steckt in der Art, wie unsere

Produkte entstehen, wie sie sich anfühlen

und wie lange sie funktionieren.

Die ALPA 12-Produkte werden seit über

dreißig Jahren mit unseren eingespielten

Partnern in der Schweiz produziert. Das

merkt man schon in der Haptik. Wer

einmal eine ALPA in der Hand gehabt

hat, vergisst diesen Eindruck nicht mehr.

Swissness zeigt sich für uns aber auch

in der Nachhaltigkeit der Produkte. Wir

hatten erst kürzlich Besuch von Simon

Depardon – dem Sohn von Raymond

Depardon, dem französischen Magnum

Fotografen und ersten ALPA 12-Kunden.

Simon brachte die 30 Jahre alte analoge

ALPA 12 WA seines Vaters mit und fragte,

ob er sie auch digital benutzen könne.

Mit ein paar Handgriffen haben wir ein

digitales Rückteil und einen Auslöser

angebracht – und schon konnte er die

Kamera auf zeitgemäßem technischem

Niveau weiterverwenden. Mit den originalen

Objektiven. Und analog mit

Rollfilm funktioniert sie natürlich auch

weiterhin.

Wir haben die Patina bewahrt, die Kamera

gereinigt, eine Wasserwaage ausgetauscht,

und schon war sie wieder

voll einsatzfähig. Für uns ist genau das

Swissness: nicht Nostalgie, sondern die

Fähigkeit, ein Werkzeug über Jahrzehnte

lebendig zu halten.

Ihre Kameras werden oft als „Werkzeuge“

oder „Instrumente“ beschrieben

– was bedeutet das konkret?

Hans Keist: Der Begriff „Instrument“

bringt sehr schön zum Ausdruck, dass

man zu einer ALPA mehr als eine rein

funktionale Beziehung hat. Ähnlich wie

bei einem Musikinstrument verbringt

man Zeit damit, sie zu verstehen und

zu beherrschen. Und mit der Zeit entwickelt

man eine besondere Fingerfertigkeit

– und auch Schnelligkeit – in ihrer

Bedienung.

Das kann sehr befriedigend sein, weil es

einem maximale Kontrolle über das Ergebnis

zurückgibt. Viele moderne Kameras

nehmen einem sehr viel ab, was in

vielen Situationen wunderbar ist. Aber

manchmal merkt man mit wachsender

Erfahrung, dass man genau diese Distanz

wieder reduzieren möchte. Man

möchte nicht nur auslösen, sondern entscheiden.

Eine ALPA ist in diesem Sinn puristisch.

Sie zwingt einen nicht zur Langsamkeit,

aber sie lädt zur Bewusstheit ein.

Das ist vielleicht vergleichbar mit einer

High-End-Audioanlage oder eben einer

Stradivari. Entscheidend ist nicht nur,

was sie technisch kann, sondern was sie

mit einem macht. Man wird mit einem

authentischen Erlebnis und Ergebnis belohnt.

Welche technologischen Entwicklungen

stufen Sie aktuell in der Fotografie

als besonders relevant ein?

Patrick Lambertz: Aus unserer Perspektive

ist die Kameraindustrie an einem

Punkt angelangt, an dem reine Leistungsdaten

nicht mehr alles entscheiden.

Viele Systeme sind heute technisch auf

einem sehr hohen Niveau. Performance

wird sozusagen zur Commodity.

Mit digitalen Rückteilen im Mittelformat

und entsprechend hochkarätigen

Objektiven besetzt ALPA zwar immer

noch die Referenzklasse, was die Bildqualität

angeht. Gleichzeitig sehen wir

zum Beispiel bei den Teilnehmerinnen

und Teilnehmern unserer ALPA Escapes,

dass andere Fragen an Bedeutung

gewinnen:

Inspiriert mich eine Kamera, rauszugehen

und zu fotografieren? Bringt sie

mich dazu, genauer hinzusehen? Fordert

sie mich heraus, besser zu werden? Gibt

sie mir mehr Kontrolle – oder nimmt sie

mir eher etwas ab?

In einer Zeit, in der wir immer häufiger

das Steuer aus der Hand geben, ist eine

ALPA fast ein Gegenentwurf: ein Werkzeug,

das den Fotografen wieder in die

Mitte stellt. Sie hilft, den Autopiloten abzustellen

und bewusster zu sehen und zu

gestalten.

Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass

die persönliche Nähe zu Künstlern und

Fotografen eine immer wichtigere Rolle

spielt. Nicht nur die Technologie zählt,

sondern auch das Umfeld, die Haltung

und der Austausch, der daraus entsteht.

Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Patrick Lambertz: Wenn wir über Aufnahme

und Nachbearbeitung sprechen,

ist Digitalisierung zunächst einmal eine

weitere Art, Licht einzufangen und sichtbar

zu machen. Nicht mehr und nicht

weniger.

Ich selbst habe als Student in meinem

Heimlabor keine Lüftung installiert und

mich dadurch auf die Chemikalien sensibilisiert.

Irgendwann wurde die Laborarbeit

für mich gesundheitlich unmöglich.

Als die digitale Fotografie reif genug

war, war das für mich eine Erlösung.

Ich liebe und praktiziere nach wie vor analoge

Fotografie – sie hat ihren ganz eigenen

Charme. Die Digitalisierung, auch in

der Nachbearbeitung, bietet hingegen viele

Möglichkeiten, auf die ich nicht mehr verzichten

möchte. Und sei es nur bei der Bearbeitung

analoger Negative.

Für mich sind analog und digital keine

Glaubensfrage. Es sind zwei unterschiedliche

Wege, mit Licht und Zeit

umzugehen.

Wie werden die KI und die sich rasant

weiterentwickelnde Technik die

Fotografie verändern, die Kamera

abschaffen?

Hans Keist: Das kann heute niemand

seriös mit Sicherheit sagen. Aber es ist offensichtlich,

dass KI die Bildproduktion

tiefgreifend verändern wird.

In einigen Bereichen der angewandten

Fotografie wird sie aus rein wirtschaftlichen

Gründen eine große Rolle

spielen. Wenn ein Bild vor allem

eine bestimmte Stimmung, Oberfläche

oder Kulisse liefern muss, wird

KI oft schneller und günstiger sein.

Gewisse kommerzielle Bildwelten

werden deshalb möglicherweise ganz

oder teilweise in diese Richtung abwandern.

Gleichzeitig glauben wir, dass dadurch

das tatsächlich fotografierte Bild wieder

an Bedeutung gewinnen kann. Gerade

anspruchsvolle Marken, Künstler und

Sammler werden stärker unterscheiden:

Ist dieses Bild berechnet worden – oder

ist jemand tatsächlich dort gewesen?

Hat jemand gesehen, entschieden, gewartet,

gearbeitet?

Eine steigende Skepsis gegenüber künstlich

erzeugter Authentizität könnte dazu

führen, dass echte, fotografisch entstandene

Bildwelten wieder bewusster

wahrgenommen werden. Die Kamera

wird deshalb aus unserer Sicht nicht

verschwinden. Aber sie könnte wieder

bewusster gewählt werden – weniger als

Alltagsgerät, mehr als Instrument einer

Haltung.

Ist Technik oder Kreativität wichtiger

– oder untrennbar miteinander

verbunden?

Hans Keist: Die Kreativität ist der

Funke, der durch die stimmige Nutzung

von Technologie zur vollen Entfaltung

kommt. Technische Neuerungen ermöglichen

oft auch neues Sehen. Sie sind

vielleicht nicht untrennbar miteinander

verbunden, aber stehen sicherlich in einer

fruchtbaren und offenen Beziehung

zueinander.

Wer sind Ihre Kunden?

Patrick Lambertz: Unsere Kunden

sind so vielseitig und individuell wie

unsere Kameras. Da sind professionelle

Fotografen und anspruchsvolle Enthusiasten.

Weltberühmte Künstler, Architekten,

Designer, Unternehmer aus allen

Ländern der Welt. Was sie alle vereint,

ist die Beziehung zur Fotografie und die

Sehnsucht oder auch der Drang, sich in

Bildern auszudrücken. Viele von ihnen

publizieren Bücher, machen Ausstellungen.

Wir sehen uns dabei als Drehscheibe.

Wir stellen Kontakte her und

vermitteln Beziehungen. Zu Galeristen,

Verlagen, Auftraggebern, Kuratoren,

technischen Dienstleistern. Wir sehen

unsere Kunden nicht als Endstation für

unsere Kameras, sondern als Beginn

einer Beziehung, die über Jahrzehnte

andauert und ein dichtes Geflecht von

Beziehungen und auch Freundschaften

verkörpert. Und Freunde lässt man nicht

mit einem technischen Problem im Regen

stehen.

Warum entscheiden sich Profis bewusst

für manuelle High-End-Kameras

statt für automatisierte Systeme?

Patrick Lambertz & Hans Keist:

So pauschal würden wir das gar nicht

© Julian Calverley

unterschreiben. Es hängt stark vom Einsatzgebiet

ab, ob man sich für ein hochautomatisiertes

System oder eine manuelle

High-End-Kamera entscheidet. Es

gibt sehr gute Gründe für automatisierte

Systeme, und die meisten ALPA-Besitzer

haben nicht nur eine Kamera.

Eine ALPA ist nicht für jede Aufgabe

die richtige Kamera. Und genau das ist

vielleicht auch Teil ihrer Stärke. Sie muss

nicht alles können, sondern das, wofür

sie gebaut wurde, außergewöhnlich gut.

Von denjenigen, die sich bewusst für eine

ALPA entscheiden, hören wir immer wieder

ähnliche Gründe: Flexibilität, Modularität,

Verarbeitungsqualität, Haptik,

Service und der persönliche Kontakt zu

uns. Manchmal spielt natürlich auch

das Image der Marke eine Rolle. Aber am

Ende ist es meistens die Kombination

aus Präzision, Reduktion und Kontrolle,

die den Ausschlag gibt.

Wie wichtig ist die partnerschaftliche

Zusammenarbeit mit Künstler:innen/Artists

und das Erzählen

von Geschichten im Marketing von

ALPA?

Patrick Lambertz: Die Zusammenarbeit

mit unseren Künstlerinnen und

Künstlern hat viele Gesichter. Wichtig

ist uns vor allem, dass diejenigen, mit

denen wir zusammenarbeiten, ALPA aus

Überzeugung nutzen.

Einerseits haben wir als Boutique-Hersteller

nicht die Margen, um Produkte

breit zu verteilen. Andererseits würde darunter

auch die Glaubwürdigkeit leiden.

Wir möchten keine künstlichen Testimonials

aufbauen. Die Künstlerinnen

und Künstler, die auf unserer Website zu

sehen sind, nutzen ALPA aus Überzeugung

– und in der Regel haben sie ihre

Ausrüstung ganz normal gekauft.

Hans Keist: Was das Erzählen von

Geschichten anbelangt: ALPA hat sich

während der Ära Capaul und Weber

sehr dezent zurückgehalten. Die Kameras

wurden fast wie ein Geheimtipp von

Kenner zu Kenner weitergegeben. Das

hat wesentlich zum heutigen Kultstatus

der Produkte beigetragen, aber natürlich

auch die Bekanntheit limitiert.

Patrick Lambertz: Dabei gibt es unzählige

spannende Geschichten rund um

ALPA. Über Fotografen, Künstler, Projekte,

technische Lösungen und manchmal

auch über Kameras, die nach Jahrzehnten

wieder auf unserem Tisch liegen.

Dieses Wissen möchten wir stärker

sichtbar machen.

Wir wollen die Qualität und den Premiumanspruch

der Produkte erlebbarer

machen – von der Website bis hin zur

Verpackung. Nicht lauter, sondern klarer.

Nicht künstlicher, sondern näher an

dem, was ALPA wirklich ausmacht.

Was fasziniert Sie persönlich an Fotografie

und der Arbeit mit Kameratechnologie?

Patrick Lambertz & Hans Keist: Uns

fasziniert, dass Fotografie nie nur Technik

und nie nur Gefühl ist. Sie liegt genau

dazwischen. Man arbeitet mit Licht,

Zeit, Raum, Material und Entscheidungen.

Das klingt fast abstrakt, ist aber in

der Praxis sehr konkret: Wo stehe ich?

Wann löse ich aus? Was lasse ich weg?

Fotografie hat sehr viel mit Aufmerksamkeit

zu tun. Man muss sich auf einen

Ort, ein Objekt oder einen Menschen

einlassen. Manchmal ist das Bild schon

da, aber man sieht es erst, wenn man

langsamer wird.

An der Kameratechnologie interessiert

uns deshalb nicht Technik um der Technik

willen. Spannend wird sie dann,

wenn sie Entscheidungen nicht ersetzt,

sondern präziser macht. Eine gute Kamera

sollte nicht zwischen Fotograf und

Motiv treten. Sie sollte eine Art Verlängerung

des Gedankens werden.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum

wir bei ALPA so gerne von Instrumenten

sprechen. Eine ALPA versucht nicht, den

Fotografen zu überholen. Sie ist eher ein

sehr präzises Gegenüber. Man arbeitet

mit ihr. Und wenn alles stimmt – Kamera,

Objektiv, Licht, Konzentration –,

dann entsteht eine Art handwerkliche

Freude. Viele unserer Kunden kennen

und schätzen genau dieses Gefühl.

Was macht für Sie ein „perfektes“

Bild aus?

Patrick Lambertz & Hans Keist:

Das perfekte Bild gibt es wahrscheinlich

nicht – und genau deshalb sucht man

es immer weiter. Technisch kann man

vieles kontrollieren: Schärfe, Perspektive,

Tonwerte, Farbe, Ausgabe. Aber am

Ende braucht ein Bild etwas, das sich

nicht ganz kontrollieren lässt.

Perfekt ist für uns deshalb nicht gleichbedeutend

mit makellos. Natürlich

lieben wir Präzision, sonst würden wir

keine ALPA bauen. Aber Präzision allein

macht noch kein Bild. Entscheidend ist,

ob ein Bild eine Präsenz hat.

Es gibt Bilder, die sind vollkommen korrekt

und bleiben trotzdem leer. Und es

gibt Bilder, die haben eine kleine Unruhe,

eine Verschiebung, etwas Unerwartetes –

und genau dadurch werden sie stark.

Vielleicht ist ein Bild dann besonders

gut, wenn es gleichzeitig klar und offen

ist. Wenn man spürt, dass jemand sehr

bewusst entschieden hat, aber das Bild

trotzdem nicht erklärt werden muss. Es

hat eine eigene Stille, eine eigene Spannung.

Für uns ist das interessanter als

Perfektion im eigentlichen Sinn.

Ein starkes Bild bleibt nicht nur auf dem

Papier oder auf dem Bildschirm. Es arbeitet

im Kopf weiter.

Das Gespräch führte Kai Geiger


32 | Fototipps

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LOUISE | arttourist.com | 2026 Linz | 33

Mit dem Francisco Carolinum (FC) verfügt Linz über ein

Haus, das sich konsequent der Fotografie und Medienkunst

widmet. Als Institution des Landes Oberösterreich steht es

für einen differenzierten, zeitgenössischen Umgang mit

Bildmedien, mit einem besonderen Fokus auf feministische

Perspektiven und die Entwicklung neuer medialer Ausdrucksformen.

Das DFC (Digitales Francisco Carolinum) erweitert

diesen Anspruch bis in den virtuellen Raum–es gibt

das Museum auch im Metaverse von Cryptovoxels.

Das Francisco Carolinum fungiert als Schnittstelle, an der

sich fotografische Tradition, medienkünstlerische Gegenwart

und zukünftige Bildformen begegnen. Mit wissenschaftlicher,

kuratorischer und diskursiver Konsequenz wird

hier ein Feld bearbeitet, dessen Grenzen längst fließend geworden

sind.

Kaum ein anderes Medium wurde so beharrlich daraufhin

befragt, was es eigentlich ist, worin sein spezifischer künstlerischer

Eigenwert liegt und wie es sich von anderen Bildformen

unterscheidet. Diese Selbstreflexivität gehört bis heute

zum innersten Kern der Fotografie. Ebenso beständig ist die

Frage nach dem Umgang mit der allgegenwärtigen Bilderflut:

Wie unterscheiden wir zwischen Kunst und Nicht-Kunst,

zwischen beiläufigem und bedeutsamem Bild, zwischen dokumentarischer

Funktion und ästhetischem Anspruch?

Ausstellungsansicht, Annegret Soltau „Unzensiert“ 2026, Foto: Andreas Röbl | © VG Bild-Kunst. Bonn, 2026

Linz (A)

Francisco

Carolinum Linz

Ein Haus für Fotografie

und Medienkunst

Diese Fragen werden im Francisco Carolinum nicht nur theoretisch

verhandelt, sondern auch in konkrete Ausstellungsformate

übersetzt. Die Präsentationen versammeln künstlerische

Positionen, die zeigen, wie Fotografie als gesellschaftliches,

politisches und persönliches Medium wirkt und gewirkt hat.

Die Retrospektive von Annegret Soltau verdeutlicht beispielsweise,

wie eng fotografische Praxis mit Fragen von Körper, Identität

und gesellschaftlichen Rollenbildern verbunden ist. Parallel

dazu positioniert sich Ewa Partum mit conceptual cxercises

als zentrale Stimme feministischer Konzeptkunst. Mit Georg

Petermichl richtet sich der Blick auf Fotografie als soziales Instrument

und kollektives Gedächtnis. Die Gruppenausstellung

Some Secrets on Photography widmet sich den verborgenen historischen

und theoretischen Dimensionen des Mediums.

Die Hans Frank Galerie im Erdgeschoss des Francisco Carolinum

ist der historischen Fotografie gewidmet. Ausgangspunkt

für die Ausstellungen ist die historische Fotosammlung

des Landes Oberösterreich, deren Grundstock die exquisite

Sammlung von Hans Frank bildete. Als international vernetzter

Sammler, Forscher und Autor trug Hans Frank mit seinem

Engagement dazu bei, ein historisches Bewusstsein für das

Medium Fotografie in Österreich zu schaffen. In einem Zeitraum

von über 50 Jahren stellte er mit enzyklopädischem Anspruch

ein historisch-biobibliographisches „Archiv der öster-

Atelier d’Ora, Die Tänzerin Elsa Krüger, 1922 | Silbergelatine, 22,5 x 15,5 cm

© OÖ Landes-Kultur GmbH

reichischen Photographen des 19. Jahrhunderts bis zur Zeit des

Ersten Weltkriegs“ zusammen. 2024 wurde die Hans-Frank-

Galerie mit der Ausstellung der Sammlung von Autochromen

und Frühformen von transparenten Farblichtbildern eröffnet.

Seither wurden dort die Sammlungsbestände von Werken von

Dora Kallmus alias Madame D’Ora sowie eine Schau zu Josephine

Baker gezeigt.

Mit einem offenen Wettbewerb für künstlerische (Post-)Fotografie

schärft das Francisco Carolinum sein Selbstverständnis

als Plattform für fotografische Praxis. Ziel ist es, die gesamte

Bandbreite fotografischer Ausdrucksformen sichtbar zu machen

– von analoger Fotografie über digitale Verfahren bis hin

zu KI-generierten, postfotografischen und installativen Arbeiten.

Mit der Auszeichnung von Erli Grünzweil wird eine junge

Position der oberösterreichischen Kunstszene sichtbar. Gleichzeitig

markiert der neu etablierte Preis den Ausgangspunkt

für eine langfristige Förderung zeitgenössischer Fotografie in

Oberösterreich. Ergänzt wird das Projekt durch einen parallel

initiierten Amateurfotowettbewerb.

Ab Herbst 2026 öffnet sich das Museum verstärkt in Richtung

Medienkunst und digitale Gegenwart. Die Sammlung des Francisco

Carolinum verfügt über einen umfangreichen Bestand

an NFTs (Non-Fungible Tokens), die im Rahmen einer eigenen

Präsentation erstmals einem breiteren Publikum zugänglich

gemacht und zur Diskussion gestellt werden. Die Sammlung

beinhaltet bemerkenswerte Arbeiten von Pionieren der digitalen

Kunst, die die Blockchain-Technologie nutzen. Parallel

dazu widmet sich eine Einzelausstellung dem Werk der österreichischen

Künstlerin Claudia Larcher, die sich in ihren Arbeiten

mit digitalen Bildwelten und medial konstruierten Wirklichkeiten

auseinandersetzt.

Das halbjährlich erscheinende Fotomagazin „FRANCISCO

CAROLINUM“ setzt einen weiteren Akzent: Ausstellungen und

Kunstpositionen im Bereich Foto und Medien werden präsentiert

und zur Diskussion gestellt.

Francisco Carolinum Linz

Museumstr. 14, 4020 Linz

www.ooekultur.at | @fc_linz

PROGRAMM

Annegret Soltau Unzensiert.

Eine Retrospektive

bis 28.06.26

ewa partum conceptual exercises

bis 28.06.26

Some Secrets on Photography –

Was Sie noch nicht über die

Fotografie wussten

bis 02.08.

Georg Petermichl

Universal Thoughts: Kleinstes

gemeinsames Vielfaches

bis 02.08.

What a View! Zeitgenössische Kunst

in Oberösterreich

bis 02.08.

Claudia Larcher

No applause, no life, no pain

25.09.26 – Jan. 27

Ansicht Francisco Carolinum Linz, 2026, Foto: Rainer Iglar

Erli Grünzweil, Genesis of Emptiness from the series Where Deer Fly and Stones Cry, 2024


34 | Köln

LOUISE | arttourist.com | 2026

NOBODYS LIBRARY - STEPHEN GILL’S PHOTOBOOKS/ BRAUNSCHWEIG / 2018 /

FOTO: FREDERIC LEZMI

CARLSWERK PROTOTYPE / KÖLN / 2014 / FOTO: DANIEL ZAKHAROV

PHOTOBOOKSTUDY: READING NEW YORK / BARCELONA / 2017 / FOTO: FREDERIC LEZMI

The PhotoBookMuseum

The PhotoBookMuseum wurde 2014 in Köln von Markus

Schaden und Frederic Lezmi gegründet. Als gemeinnützige Organisation

fördert es das Fotobuch als eine der zentralen Ausdrucksformen

der Fotografie. Das Museum dient als Plattform

für Sammlungen, Ausstellungen und Events und ist der Erforschung

und Vermittlung zeitgenössischer Fotobuchkultur gewidmet.

Als Museum des 21. Jahrhunderts versteht es sich als

lebendiger, sozialer Ort, der einem breiten Publikum offensteht.

Bisher ohne festes Haus als mobiles Museum aktiv nutzt es innovative

mobile Vermittlungs- und Ausstellungsstrategien und lädt

fernab des musealen Mainstreams international zur Partizipation

ein. Das PhotoBookMuseum ist bisher weltweit das einzige Museum,

das sich ausschließlich dem Medium Fotobuch widmet.

Ein fester Standort in Köln, an dem es mit seinen nationalen und

internationalen Sammlungsbeständen langfristig arbeiten, ausstellen

und vermitteln kann, ist geplant und in Aussicht.

Nach einem temporären Prototyp in einer 6000 m2 Industriehalle

im Carlswerk in Köln-Mühlheim im Jahr 2014 war das

PhotoBookMuseum seitdem mit großen Ausstellungen und

Containern auf Fotofestivals unter anderem in Oslo, Krakau,

Kassel und Barcelona zu Gast. Von 2016 bis 2018 konnte in Kooperation

mit der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft das

mehrjährige partizipative Fotobuchprojekt „Welt im Umbruch“

in fünf Containern mit Stationen in Rostock, Duisburg und Kassel

realisiert werden.

Die PhotoBookMasterclass, das Workshop Programm des Museums,

richtet sich an ein internationales Publikum. In den letzten

Jahren konnte das Team des PhotoBookMuseums, meist mit

Unterstützung des Goethe-Instituts und mit lokalen Partnern

vor Ort, viele spannende Fotobuch-Workshops unter anderem

in Bahrain, Bangladesch, Indonesien, Israel und der Türkei ausrichten.

CARLSWERK PROTOTYPE / KÖLN / 2014 / FOTO: DIETER RÖSELER

„The photobook is one of the most

important mediums in our culture.“

Manfred Heiting, Fotobuch-Sammler, Los Angeles

Mit der Übernahme des renommierten Dummy Awards vom

Fotobook-Festival in Kassel im Jahr 2023 kann das PhotoBook-

Museum die Bedeutung dieses internationalen Wettbewerbs für

unveröffentlichte Fotobücher für junge Fotograf:innen in aller

Welt sichern und dessen Reichweite in Zukunft weiter ausbauen.

Eine Shortlist von 50 Büchern aus den Einsendungen, 383

Dummies aus 45 Ländern im Jahr 2023, geht als Ausstellung

ein Jahr lang auf Festivals und Art Spaces auf „World Tour“. Am

Ende werden fünf Bücher ausgezeichnet und eines davon gedruckt

und verlegt.

Seit Herbst 2022 betreibt das PhotoBookMuseum zudem einen

„Showroom for Photobooks“ – THE BOX in der Körnerstraße

in Köln. Als Schaufenster in die Sammlung konzipiert, werden

in 2-3 monatlichem Wechsel einzelne Fotobücher, thematische

Ausstellungen oder Sammlungsgebiete vorgestellt.

The PhotoBookMuseum gGmbH

Körnerstraße 6-8, D-50823 Köln

www.thephotobookmuseum.com

www.instagram.com/the_photobookmuseum

dummyaward.org

Neues Museum Nürnberg 2025 Grand Hotel Parr


LOUISE | arttourist.com | 2026 Köln | 35

Wir sprachen mit Markus Schaden

Sie sind Mitbegründer des Photo-

BookMuseums in Köln und ausgewiesener

und viel gefragter Experte

im Bereich der Fotobücher.

Welches erste Foto und/oder Fotobuch

hat Sie dermaßen in den

Bann gezogen, dass aus einem

Sortimentsbuchhändler eine der

führenden Spezialbuchhandlungen

wurde und Sie die Fotografie

nie mehr losgelassen hat?

Markus Schaden: Ja, das war CO-

LOGNE INTIME von Chargesheimer

von 1957. A photobook changed my

life … kann ich nur sagen. Ich streunte

1985 während meiner Zeit an der

Frankfurter Buchhändlerschule gerne

durch Antiquariate und plötzlich

hatte ich dieses mir unbekannte Fotobuch

über Köln in meinen Händen.

Chargesheimer hieß der Autor und

Fotograf. Fasziniert von seinen ungeschminkten,

aber doch so eindringlichen

fotografischen Blicken auf

Köln kaufte ich mir das Buch kurzentschlossen.

Die Stadt offenbarte

sich mir in diesen Fotos in einer Art

kölschem, magischem Realismus und

mit unerwarteter Gravitation. Die

wurde so stark, dass ich meinen Plan,

vom Rhein in das coole Berlin zu ziehen,

kurzentschlossen verwarf und

blieb. Sowohl Köln als auch Chargesheimer

und sein Werk haben mich

seitdem nicht mehr losgelassen und

begeistern mich noch heute. Daraus

ist dann eine Art dauerhafte Liaison

geworden. Denn schon einige Jahre

später gründete ich mit meinem Bruder

einen eigenen Verlag. Wir entwickelten

neue Ideen für eine Fotobuchkultur,

sammelten und verkauften

Fotobücher und verlegten unter anderem

auch unser erstes Chargesheimer

Buch. In der Folge gründeten wir

1998 dann die Fotobuchhandlung

schaden.com, direkt gelegen am Fuß

des Kölner Doms. Sozusagen genau

zwischen Erzbischof und Brauhaus.

Das hätte dem Chargesheimer gefallen!

Amen und Prost.

Welche Bedeutung hat das Fotobuch

innerhalb des Buchmarkts

© STUDIO COLOGNE / The PhotoBookMuseum, 2024

heute und wie hat sich der Markt

für Fotobücher in den letzten 30

Jahren entwickelt?

Markus Schaden: Der Buchmarkt

selbst war schon immer ein schwieriges

Geschäft. Das Buch als Medium

wurde ja schon vielmals totgesagt,

ersteht aber immer wieder auf. Analoge

Medien sind aber im Trend wie

das Vinyl im Musikgeschäft. Das gilt

beim Fotobuch auch. Die jungen Generationen

sind ganz begeistert vom

Papier und dem Buch. Die digitale

Drucktechnik hat natürlich auch im

Fotobuchmarkt vieles entscheidend

verändert. Auf den Punkt gebracht:

Es hat die Buchproduktion unabhängiger

von Verlagen gemacht. Vor 30

Jahren brauchte man einen Verlag,

heute kann man im DIY publizieren.

Damals erschienen 500 Fotobücher

im Jahr in einer Auflagenhöhe von

5000 Exemplaren, heutzutage erscheinen

5000 Fotobücher mit 500

Exemplaren. Es gibt mehr Vielfalt,

aber auch mehr Unübersichtlichkeit.

Allerdings haben sich die Informations-

und Absatzwege durch Social

Media verbessert und den Vertrieb

demokratisiert.

Was ist das Fotobuch im digitalen

Zeitalter und dem Overload

an privaten Handybildern, überflutenden

Bildergalerien und immer

attraktiver werdenden Printon-Demand-Möglichkeiten

noch

Wert?

Markus Schaden: Jeder kann sich

heutzutage im Medium Fotobuch

ausdrücken. Das private Fotobuch

hat die Rolle des früheren Fotoalbums

übernommen und erfreut sich

großem Zuspruch. Hier generiert die

Buchform natürlich Selektion und

zwingt Menschen, Fotos zu bewerten

und zu editieren. Hier braucht

es noch Hilfe und Unterstützung, visuelle

Kompetenz zu verbessern. Die

Rolle des Mediums Buch innerhalb

der Fotografie, Kunst und Kultur

weiterhin zu etablieren und zu verankern,

ist die Aufgabe der Zukunft.

Ist diese Entwicklung „Fluch“

oder Chance, wie wird sich das

Fotobuch weiterentwickeln?

Markus Schaden: Das Fotobuch

als vielfältiger Container für Fotografien

und Narrative aller Art und

unterschiedlichster Formen, sozusagen

als ein globales „visuelles Esperanto“

ist für mich von enormem

Wert und eine der spannendsten Arten

von Kommunikation in der Zukunft.

Also mehr Chance als Fluch!

Wer sammelt Fotobücher und

mit welcher Passion und Ziel?

Markus Schaden: Es gibt weltweit

seit Jahren eine Vielzahl von privaten

Sammlern, die sammeln, was

sie begeistert und interessiert, meistens

thematisch orientiert. Die einen

Fotobücher über Paris oder Tokyo,

andere nach Verlagen oder Kulturräumen.

Da gibt es viele Leidenschaften.

Und dann kommt irgendwann

der Punkt, über die Zukunft

dieser privaten Sammlungen nachzudenken,

meistens erst, wenn die Regale

anfangen überzuquellen und die

Räumlichkeiten ausgeschöpft sind.

Bedauerlicherweise gibt es dann,

natürlich neben der Möglichkeit, die

Fotobuchsammlung wieder zurück in

den Buchmarkt zu bringen, wenig Institutionen

wie z.B. Museen, Bibliotheken

oder andere Fotografie-Orte,

die mit dem Buch als Sammlungsobjekt

vertraut sind und überhaupt mit

diesem Medium agieren können.

Das war und ist ein guter Grund, das

PhotoBookMuseum zu gründen und

zu betreiben.

Was ist für Sie das perfekte Foto?

Markus Schaden: Gibt es das perfekte

Foto überhaupt? Hier ist meins:

Das sogenannte „BLUE MARBLE“-

Foto – der Erdenaufgang aus der

Raumfahrtkapsel (gerade nochmal

in Neufassung von der Artemis-Mission!)

– vereint schon in optimaler

Weise Perfektion in Motiv und Technik.

Aber die Rolle des ikonischen

Einzelbildes in der Fotografie ist

schon fast Geschichte. In Zukunft

wird die Bedeutung mehr im Geschichtenerzählen

liegen.

... und wie wird daraus ein gutes

und erfolgreiches Fotobuch, das

für Sie welche Kriterien erfüllen

muss?

Markus Schaden: Ein gutes Fotobuch

muss visuell und formal überzeugen

und das Narrativ muss begeistern.

Das ist nicht einfach und

es gibt dafür keinen generellen Kriterien-Katalog.

Ein gutes Fotobuch

ist fast immer ein Produkt guter

Kollaboration. Dafür muss man sich

vollends auf das gründliche „sogenannte“

Editieren eines Fotobuches

einlassen. Der Prozess, aus einem

Haufen Fotos ein Buch zu machen,

heißt auch, auf die Bilder zu hören.

Dann geht es los, manchmal ist das

Ziel der Mission noch ungewiss. Es

heißt dann, Fotografien in lesbare

Sequenzen zu bringen. Das ist komplex

und kann oft misslingen. Dann

braucht es noch alle Entscheidungen

vom Titel, Titelbild, Gestaltung

und natürlich die Produktion. Immer

wieder ein Abenteuer!

Markus Schaden © STUDIO COLOGNE / The PhotoBookMuseum, 2024

Sie waren Buchhändler und Verleger

und haben beides in den

2010er-Jahren an den Nagel gehängt,

um sich der Idee des PhotoBookMuseums

zu widmen. Wie

ist es dazu gekommen?

Markus Schaden: Ich brauchte eine

neue Herausforderung. Nach all den

Jahren als Buchhändler und Verleger

wollte ich mich dem Medium

Fotobuch neu stellen. Fotobuchkultur

weiterzuentwickeln interessierte

mich sehr und ich dachte, ein Foto-

Museum mal neu aus der Buch-Perspektive

zu definieren, ist spannend.

Ich hatte ein erfahrenes kleines Team

am Start und das Projekt nahm Anfang

2013 Fahrt auf. Mit viel Einsatz

und einer Menge Crowdfunding

ging es los und mündete im Sommer

2014 in eine große Prototyp-Ausstellung

auf über 6000 m2 und über 30

Einzelausstellungen in einer alten

umgenutzten Kölner Fabrikhalle. Ein

großer Erfolg mit ca. 20.000 Besuchern

in drei Monaten.

Was ist das PhotoBookMuseum?

Markus Schaden: Ein sehr aktives

und bis jetzt weltweit einzigartiges

Museum, das sich ausschließlich

der Kultur des Fotobuchs widmet,

sammelt, viele kleine und große Ausstellungen

konzipiert, weltweit vernetzt

ist und international mit vielen

Partnern kooperiert. Einen großen

Schwerpunkt legt das PhotoBookMuseum

auf innovative Vermittlungsformen

und auf die Förderung junger

Fotobuchmacher:innnen. Dafür betreibt

das Museum auch den internationalen

DUMMY AWARD – eine

Ausschreibung für noch unveröffentlichte

Fotobücher.

Ein Museum ohne permanentes

Haus, wie funktioniert Ihr Museum?

Markus Schaden: Ein Museum

dauerhaft zu etablieren und zu institutionalisieren,

ist ein schwieriger

und langwieriger Prozess. Da gibt es

immer Höhen und Tiefen. Wir haben

unseren Sitz in der Köln-Ehrenfelder

Körnerstraße. Eine legendäre

Straße, berühmt für nachbarschaftliches

und vielfältiges Leben, ein

perfekter Ort für uns. Über die Jahre

hat das Engagement des Museums

in der Straße zu vielen Optionen für

viele Pop-up-Räume und die Mithilfe

der Nachbarn generiert. Fotografie ist

Dialog! Also haben wir aus der Not

eine Tugend gemacht und einfach die

ganze Straße involviert. So bieten sich

deshalb dort immer wieder spannende

Locations, die wir hoffentlich auch

als dauerhafte Orte in der Zukunft

nutzen und bespielen können. Ein alter

Bunker und seit Kurzem eine große

alte Spielhalle stehen uns dort zur

Verfügung. Museumsmauern müssen

wir keine niederreißen, um mehr neues

Publikum zu finden. Nach einem

Jahrzehnt begeistert diese Strategie

jetzt sogar das Kölner Kulturamt,

man weiß: Die Stadtkassen sind

klamm und neue Ideen gefragt. Also

nicht nur „Museum“ auf die Straße,

sondern das Museum ist die Straße.

Dieses Konzept entwickeln wir weiter

und haben bis jetzt private Unterstützer:innen,

die unseren Betrieb in der

Form ermöglichen – welch ein Glück

in diesen Zeiten!

Was steht auf der Agenda, was

sind die Highlights des Photo-

BookMuseums in diesem Jahr?

Markus Schaden: Wir arbeiten

gerade daran, im Herbst unser sehr

erfolgreiches Ausstellungsprojekt

„GRAND HOTEL PARR – Fotobücher

von Martin Parr“ nach Köln in

die alte Spielhalle zu bringen. Die

Premiere dieser großen Fotobuch-Retrospektive

des britischen MAGNUM-

Fotografen fand im Oktober 2025

in Nürnberg im NEUEN MUSEUM

statt. Ein großer Publikumserfolg

und noch von Martin Parr zur Eröffnung

besucht, bevor er tragischerweise

sechs Wochen später plötzlich

verstarb. Unser kleineres Galerieprogramm

in unserer sogenannten

BOX zeigt zurzeit PUK! PUK! Fotobücher

aus Bulgarien und im Laufe

des Sommers den DUMMY AWARD

2026 Reading Room. Im Garten des

Bunkers zeigen wir Open Air Fotobücher

von Stephen Gill. Weitere Großprojekte

folgen 2027 und 2028.

Das Gespräch führte Kai Geiger


36 | Fototipps

LOUISE | arttourist.com | 2026

Fortsetzung von Seite 23

Thomas Biasotto – Massiv ©Thomas Biasotto

Thomas Biasotto Massiv

13.07. – 09.11.2027

Zur Veröffentlichung meines Buches MASSIV

im Jahr 2021 erwarteten meine Frau und ich

die Geburt unserer Tochter. In dieser Zeit reifte

der Wunsch, ein starkes Zeichen für den

Schutz der Alpen zu setzen. Deshalb spendete

ich den gesamten Bucherlös – über 100.000

Euro – an Projekte zum Erhalt unserer Berge.

Ich wollte meiner Tochter später nicht erklären

müssen, dass ich untätig geblieben bin,

während unsere Alpen bedroht waren. Kurz

vor dem Erscheinen des Buches entstand

auch der Kurzfilm A letter to my daughter

– ein persönlicher, hoffnungsvoller Brief an

mein ungeborenes Kind.

Lumen Museum | www.lumenmuseum.it/de-de

Wang Wei, 1/30 sec. underwater, 1999 | © Wang Wei

Dunkerque (F)

Slide/Show | Filme und zeitgenössische

Kunst aus China

bis 30.08.2026

Seit dem 10. April und den ganzen Sommer

über ist das Institut für Fotografie im Frac

Grand Large (Dünkirchen) mit „Slide/Show“

vertreten, einer Ausstellung an der Schnittstelle

zwischen Fotografie und zeitgenössischer Kunst.

Diese Ausstellung vereint Kunstwerke und bisher

unveröffentlichte Archivmaterialien, um

den Einfluss des Dias in den Gründungsjahren

der Koproduziert vom Institut für Fotografie

und dem UCCA Center for Contemporary Art

(Peking), wo sie 2023 gezeigt wurde, macht

„Slide/Show. Projektionen und zeitgenössische

Kunst in China“ anlässlich ihrer ersten Präsentation

in Europa im Frac Grand Large Station.

Anhand von 15 bedeutenden Installationen

zeitgenössischer chinesischer Künstler, von denen

die meisten zum ersten Mal in Frankreich

zu sehen sind, bisher unveröffentlichten Archivdokumenten

und mehreren hundert Farbdiapositiven

(Originale und Reproduktionen) verdeutlicht

die Ausstellung den Einfluss, den die

fotografische Projektion auf den Aufschwung

der zeitgenössischen Kunst in China hatte.

Frac Grand Large des Hauts-de-France, Dunkerque

| www.fracgrandlarge-hdf.fr/en/

Kerstin Weiser, von Sandburg zu Sandburg, 2025-ongoing

© Kerstin Weiser

Frankfurt

Worlds within Worlds

bis 16.08.2026

Zum zweiten Mal haben Studierende der

Fotografie an der Hochschule für Gestaltung

Offenbach und Studierende des Masterprogramms

Curatorial Studies an der

Goethe-Universität und der Städelschule

Frankfurt die Gelegenheit, gemeinsam

ein Ausstellungsprojekt in den Räumlichkeiten

der Deutsche Börse Photography

Foundation zu realisieren. Aus dieser Zusammenarbeit

ist die Gruppenausstellung

„Worlds within Worlds“ entstanden. Sie

versammelt 14 Künstler:innen, deren

Arbeiten sich entlang von Zwischenwelten

unserer Realität(en) bewegen. In

der Auseinandersetzung mit politischen,

historischen und gesellschaftlichen Themen

werden die Grenzen des Mediums

Fotografie ausgelotet, verändert und erweitert.

Die ausgestellten künstlerischen

Positionen reflektieren biografische Erfahrungen,

subjektive Wahrnehmungsmuster und persönliche Interessen. Gleichzeitig verflechten

sich diese individuellen Ausgangspunkte mit kollektiven Realitäten und übergeordneten

Themen.

Edith Tudor Hart, »Suppenausgabe«, Wien, ca. 1931 ©The Estate

of W. Suschitzky. Courtesy FOTOHOF>ARCHIV

Dornbirn (A)

a woman’s many faces

Edith Tudor-Hart

18.06. – 10.10.2026

Die 1908 in Wien geborene Fotografin Edith

Tudor-Hart, bekannt durch ihre sozialdokumentarischen

Fotoarbeiten, thematisierte

gesellschaftliche Missstände, Armut, Integration,

Frauenrechte und dokumentierte

die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse

der 1930er Jahre in Wien und London. Ursprünglich

als Montessoripädagogin ausgebildet,

fotografierte sie in den späten 1940er

Jahren im Exil in Großbritannien Kinder und

deren Unterricht in progressive Erziehungseinrichtungen.

Ein Teil dieser schönen und

einfühlsamen Arbeiten wurde in dem Lehrbuch

„Moving and Growing“ (1952) publiziert.

Sie spielte aber auch eine wichtige Rolle

beim Knüpfen von Kontakten zwischen

dem sowjetischen Geheimdienst und wichtigen

Entscheidungsträgern der englischen

Gesellschaft, die später als der Spionagering

der „Cambridge Five“ bekannt war. Daher

wurde sie jahrelang vom britischen Geheimdienst

überwacht. Der dadurch entstandene

Druck veranlasste sie, einige ihrer Negative

und Photographien zu vernichten, um sich

schließlich ganz aus der Photographie zurückzuziehen.

Die Ausstellung gibt einen

umfassenden Einblick in ihr photographisches

Wirken.

FLATZ Museum – Zentrum für Photographie

www.flatzmuseum.at

Ausstellungsplakat © Kunsthalle Düsseldorf

Düsseldorf

Deutscher Jugendfotopreis

18.09.–15.11.2026

Mit dem Jahresthema „Ein Haus, Ein Boot,

Ein Auto“ lädt der Deutsche Jugendfotopreis

erneut begeisterte Fotograf*innen bis 25 Jahre

dazu ein, ihre Eindrücke und Sorgen zur eigenen

Zukunft fotografisch einzufangen. Die

von einer sechsköpfigen Fachjury ausgewählten

Gewinner*innen werden ihre prämierten

Arbeiten erstmalig im KIT – Kunst im Tunnel

ausstellen. Es ist ein großes Anliegen des KIT,

jungen Talenten erste Erfahrungen mit dem

institutionellen Ausstellen zu ermöglichen.

Kunsthalle Düsseldorf

www.kunsthalle-duesseldorf.de

www.

.com

Joel Sternfeld, Kansas City, Kansas, May 1983 © Joel Sternfeld

Human Topographies

Art Collection Deutsche Börse

bis 16.08.2026

Die Ausstellung präsentiert rund 60 Werke der Art Collection Deutsche Börse, die die vielfältigen

Facetten menschlich gestalteter Lebensräume sichtbar machen. Diese reichen von

dicht bebauten asiatischen Megacitys über nordamerikanische Metropolen und Kleinstädte

an der deutschen und französischen Peripherie bis hin zur Weite dünn besiedelter Landstriche

im mittleren Westen der USA - sowie den vielen Variationen des Dazwischen. Die

gezeigten Arbeiten veranschaulichen, wie unterschiedlich das Zusammenspiel von Landschaft,

Architektur und Mensch aussehen kann. Dabei verweisen sie darauf, welche Herausforderungen

Natur und klimatische Bedingungen in den unterschiedlichen Regionen

hervorbringen und wie Architekt*innen und Städteplaner*innen damit umgehen. Die

Bandbreite umfasst eine harmonische Einbettung der Architektur über ein bisweilen skurril

erscheinendes Verständnis von urbaner Gestaltung bis hin zur fast vollständigen Verdrängung

der ursprünglichen Landschaft.

Deutsche Börse Photography Foundation

Deutsche Börse Group, The Cube, Eschborn

www.deutscheboersephotographyfoundation.org

Erlangen

Cyrill Lachauer. The Sunset Route

feat. Mike Brodie, Mouse Green,

Rhyw, Katja Schmidt, Mia Justice

Smith, Moritz Stumm

20.06. – 27.09.2026

Die Landschaft als sprechender, mit Bedeutung

aufgeladener Raum ist ein Bezugspunkt,

zu dem Cyrill Lachauer (* 1979 in Rosenheim,

DE) in seinem fotografischen und filmischen

Werk immer wieder zurückkehrt. Mit ausgeprägtem

Gespür für historische und politische

Zusammenhänge bereiste Lachauer über Jahre

hinweg die USA, Mexiko und Bosnien. Die

Ausstellung The Sunset Route im Kunstpalais

versammelt Arbeiten, die zwischen 2020 und

2025 entstanden sind und in Form einer poetischen

(Auto-)Ethnografie drängende Fragen

behandeln: nach Freiheit, Selbstbestimmtheit

und Widerständigkeit, aber auch Kolonisation,

Ausgrenzung und Ausbeutung. Der Titel The

Sunset Route bezieht sich auf die gleichnamige,

über 3.000 Kilometer lange Eisenbahnstrecke,

die ganz im Süden der USA das Landesinnere

mit der Pazifikküste verbindet. Seit

dem Ende des 19. Jahrhunderts reisen Hobos

(Wanderarbeiter*innen) und andere „transient

people“ (Menschen ohne festen Wohnsitz) auf

dieser und anderen Routen auf Güterzügen

durch Nordamerika. Lachauer begann 2019

selbst als „train hopper“, das Land zu durchqueren.

Aus dieser Phase entwickelte sich das

Filmprojekt Slack, an dem Lachauer mit dem

US-Fotografen Mike Brodie von 2022 bis 2025

arbeitete.

Kunstpalais | www.kunstpalais.de


LOUISE | arttourist.com | 2026 Fototipps | 37

Essen

Photography Masters

16.10.2026 – 10.01.2027

Die Ausstellung zeigt ausgewählte Abschlussarbeiten

von Absolvent:innen des Masterstudienprogramms

Photography Studies & Practice

der Folkwang Universität der Künste. Die

beiden Folkwang-Institutionen setzen damit

ihre Kooperation fort, die 2016 mit der Reihe

Stopover begann.

Museum Folkwang | www.museum-folkwang.de

Halle

Helga Paris

Häuser und Gesichter

Halle 1983–85

12.06.2026 — 20.09.2026

Mitte der 1980er Jahre gelang Helga Paris

mit der Serie „Häuser und Gesichter“ in über

100 eindrücklichen Fotografien ein sensibles

Porträt der Stadt Halle (Saale). Eine für

1986 geplante Ausstellung fiel der DDR-Politik

zum Opfer: Zu deutlich zeigten die Bilder

den architektonischen Verfall und morbiden

Charme der Saalestadt.

40 Jahre später präsentiert das Kunstmuseum

Moritzburg Halle (Saale) diesen nach einem

Text des Lyrikers Detlef Opitz als „Diva in

Grau“ bekannt gewordenen Klassiker der Fotogeschichte

erneut.

Kunstmuseum Moritzburg Halle

www.kunstmuseum-moritzburg.de

GenZ © Daniel Obasi

Frankfurt

Gen Z: Shaping a new gaze

bis 30.08.2026

Eine Generation, unzählige Perspektiven:

Die Ausstellung GEN Z: SHAPING A NEW

GAZE gibt das Wort an junge Menschen, die

mehrheitlich zwischen 1995 und 2010 geboren

wurden — und die Welt, in der sie aufgewachsen

sind, nicht einfach hinnehmen.

Diese Generation hinterfragt Normen, bricht

mit Konventionen und definiert ihren Platz

in einer sich wandelnden Zeit. Die Gruppenausstellung

im Fotografie Forum Frankfurt

zeigt Werke von 40 Fotokünstler:innen aus 25

Ländern. Mit persönlichen Erzählungen, pluralen

Identitäten, neu definierten familiären

Bindungen und einer sensiblen Auseinandersetzung

mit Körper und Gender verflechten

sich die Arbeiten der Künstler:innen zu einer

vibrierenden kollektiven Energie — einem

reichhaltigen Mosaik aus Erfahrungen, kulturellen

Hintergründen und Perspektiven, in

dem das Persönliche politisch wird.

Fotografie Forum Frankfurt | www.fffrankfurt.org

Sau Leiter, Waiter, Paris 1959 © Saul Leiter Foundation

Frankfurt

Through the Eyes of Saul Leiter

bis 26.08.2026

Die Leica Galerie Frankfurt präsentiert vom

22. Mai bis 26. August 2026 die Ausstellung

„Through the Eyes of Saul Leiter“. Die Retrospektive

widmet sich einem der prägenden

Fotografen des 20. Jahrhunderts und zeigt

eine sorgfältig kuratierte Auswahl ikonischer

wie seltener Werke.

Saul Leiter zählt zu den Wegbereitern einer

Fotografie, die das Alltägliche in poetische

Bilder verwandelt. Die Ausstellung in der

Leica Galerie Frankfurt versammelt frühe

Schwarz-Weiß-Arbeiten ebenso wie seine

wegweisenden Farbfotografien und eröffnet

so einen konzentrierten Blick auf ein Werk,

das bis heute nachwirkt.

Zu sehen sind Porträts, Akte und Straßenszenen

aus New York, in denen sich Leiters Gespür

für Farbe, Licht, Schatten und Reflexionen

auf unverwechselbare Weise verdichtet.

Die Retrospektive entstand in enger Zusammenarbeit

mit der Saul Leiter Foundation sowie

Roger Szmulewicz von der Gallery FIFTY

ONE in Antwerpen

Leica Galerie | www.leica-camera.com

Helga Paris: aus der Serie: Häuser und Gesichter. Halle 1983–85,

Silbergelatine/Vintage Print, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum

Moritzburg Halle (Saale), Repro: Kulturstiftung Sachsen-

Anhalt © Nachlass/Estate Helga Paris

Groenland_Not For Sale, Kullorsuaq, Bild Julian Jonas Schmitt,

Courtesy und © ALPS Alpines Museum der Schweiz

Frankfurt

Grönland – Not For Sale –

Kalaallit Nunaat Forever

19.06. – 11.10.2026

Grönland, ein vom arktischen Meer umgebenes

Land, sechs Mal so groß wie Deutschland.

Das ewige Eis schmilzt unaufhörlich und das

Land steht vor riesigen Veränderungen, die

wie eine Lupe auf die Themen unserer Zeit

zoomen. Grönland – Not For Sale – Kalaallit

Nunaat Forever ist eine Ausstellung, die

in Kooperation mit dem ALPS Alpines Museum

der Schweiz, Bern gezeigt wird. Über vier

Jahre sind berührende und intime filmische

Zeugnisse entstanden. Diese ermöglichen

eine sinnliche Reise in die kaleidoskopischen

Erzählungen eines komplexen Landes und

deren Menschen. Sie nehmen uns mit in ihre

Wirklichkeit und schaffen neue Einblicke

und Verständnis für ihr Land und ihre Kulturen.

Was uns so fern scheint, ist doch so nah.

Frankfurter Kunstverein | www.fkv.de

Jürgen Klauke, Schlachtfelder, 2009 – 2010, 144-teilig, je 49 x 68

cm, gesamt 2940 x 1630 cm, C-Print. Courtesy of the artist.

Gießen

Jürgen Klauke

Schlachtfelder

27.11.2026 – 07.03.2027

Jürgen Klauke zählt zu den wegweisenden

Künstlern, die seit den 1970er-Jahren mit

Fotografie, Performance und inszenierten

Bildserien die Grenzen von Identität, Körper

und Geschlechterrollen radikal hinterfragen.

Seine Arbeiten verbinden subtile

Ironie mit existenziellen Fragen nach Normierung,

Begehren und gesellschaftlichen

Zuschreibungen. Die Ausstellung präsentiert

zentrale Werkgruppen neu und zeigt,

wie Klauke mit präziser Bildsprache die

Konstruktion des Selbst sichtbar macht.

Der Titel der Ausstellung beschreibt das

monumentale gleichnamige Fototableau

Klaukes welches existenzielle Endlichkeit

thematisiert.

Kunsthalle Gießen | www.kunsthalle-giessen.de

HANS HANSEN (* 1940), Plakat für den VW-Käfer (VW-Typ 1), 1970er Jahre, Offsetdruck

H. 110,5 cm, B. 78 cm, Erstellt im Auftrag der Volkswagen AG Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Hamburg

Hans Hansen

bis 01.11.2026

Mit der Ausstellung „Foto: Hans Hansen“ widmet das Museum für Kunst und Gewerbe

Hamburg (MK&G) einem der bedeutendsten Fotografen der Nachkriegszeit vom 17. April

bis 1. November 2026 eine umfassende Werkschau. Gezeigt werden rund 220 ikonische

Fotografien aus über sechs Jahrzehnten. In internationalen Kampagnen unter anderem

für Lufthansa, Nikon, Volkswagen und Erco hat Hans Hansen die Produktfotografie seit

den 1960er Jahren revolutioniert und das kollektive Bildgedächtnis ganzer Generationen

geprägt. Ergänzt wird die Schau durch Arbeiten, die seine enge Zusammenarbeit mit Designer*innen

wie Tapio Wirkkala sichtbar machen. Werkzeuge, Korrespondenzen, Skizzen,

Archivmaterial und ausgewählte Objekte aus seiner Privatsammlung eröffnen darüber hinaus

vertiefende Einblicke in seinen Arbeitsprozess. Mit der jüngsten Werkserie „Analog“

(2024) richtet Hansen den Blick zugleich auf die eigenen fotografischen Gestaltungsmittel

in seiner unverwechselbaren sachlich-minimalistischen Bildsprache; eigens für die Ausstellung

entsteht zudem eine neue Fotoserie.

Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg

www.mkg-hamburg.de

Weiter auf Seite 45


38 | Fototipps

LOUISE | arttourist.com | 2026

Fortsetzung von Seite 39

Fotograf:innen: Derek Bennett (1944–1990),

Christiane Eisler (geb. 1958), Karl Kugel (geb.

1957), Ute Mahler (geb. 1949), Henry Maitek

(1922–2007), Evelyn Richter (1930–2021)

und Erasmus Schröter (1956–2021)

Brenda_Alamilla, Transformationen des Schweigens, DETAIL www.

guteaussichten.org © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Titelmotiv der Ausstellung: Renée in Kostüm von Christian Dior, Paris 1951; Aufnahme von Regina Relang, Münchner Stadtmuseum,

Sammlung Fotografie, Archiv Regina Relang

Heidelberg

Ikonen der Mode

Fotografien von Regina Relang

bis 19.07.2026

Mode ist mehr als Kleidung – sie ist Ausdruck von Stil, Zeitgeist und Vision. Die 1909 in

Stuttgart geborene Regina Relang besaß ein außergewöhnliches Gespür für die elegante Welt

und stieg in der Nachkriegszeit zur erfolgreichsten Modefotografin Deutschlands auf. Mit

ihrer Kamera richtete sie den Blick auf die Haute Couture in Paris, Florenz und Rom und

fotografierte Kollektionen bekannter Modemacher wie Christian Dior, Pierre Cardin und Yves

Saint Laurent. Die Ausstellung in Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum präsentiert

rund achtzig Aufnahmen von Regina Relang, die einen Bogen von den 1930er Jahren bis in

die späten 1970er Jahre spannen. Die Fotografien entfalten ihren Charme überwiegend in

originalen Schwarzweiß-Abzügen. Großformatige Reproduktionen, edle Accessoires und beispielhafte

Kleidungsstücke runden den modischen Streifzug durch die Jahrzehnte stilvoll ab.

Kurpfälzischen Museum Heidelberg

www.museum-heidelberg.de/Museum-Heidelberg/startseite/ausstellungen/ikonen+der+mode

Die aktuellen Preisträger*innen sind Brenda

Alamilla, Daniela Duckwitz, Lynn Gerstmair,

Bob Jones, Sophie Nawova Meyer,

Steffen Niers, Anissa Tavara und Gerd Waliszewski.

Der neue Jahrgang beschäftigt sich wieder

mit aktuellen Fragen unserer Zeit und lotet

die vielfältigen Möglichkeiten, Techniken

und Genres von Fotografie und Video aus.

Im Fokus stehen familiäre Spurensuchen,

die Konstitution des Selbst in der Fotografie,

Experimente zu neuen, biologisch abbaubaren

Bildmaterialien, das menschenverursachte

Artensterben, Formen des

Sensationsjournalismus und Misogynie in

Mexiko, das Leben junger Menschen im

Ukraine-Krieg und die Fotografie als Medium

gegen das Vergessen. Das Landesmuseum

Koblenz zeigt seit 2015 die jährliche

Ausstellung der Preisträger*innen des renommierten

Nachwuchsförderpreises auf

der Festung Ehrenbreitstein.

Landesmuseum Koblenz | Kulturzentrum Festung

Ehrenbreitstein | www.guteaussichten.org

Man Ray, Kiki, Violon d’Ingres, 1924, Gelatinesilberpapier, Montage,

38,6 x 30 cm | Museum Ludwig, Köln Repro: Historisches

Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv

© Man Ray 2015 Trust / VG Bild-Kunst, 2026

Man Ray: Kiki

31.10.2026–04.04.2027

Man Rays Fotografie von Alice Prin, genannt

Kiki de Montparnasse (1901–1953), zeigt sie

als Rückenakt, ein Tuch um die Hüften, eines

um den Kopf. Inspiriert von Jean-Auguste-

Dominique Ingres’ Rückenakten überführt

Man Ray das Motiv ins 20. Jahrhundert: Er

malt Schalllöcher einer Geige auf die Fotografie,

sodass Kikis Rücken zum Körper eines

Streichinstruments wird. Der Abzug im Museum

Ludwig stammt aus der Sammlung

Gruber; die Präsentation beleuchtet Entstehung

und Geschichte dieses surrealistischen

Meisterwerks.

Museum Ludwig | www.museum-ludwig.de

Rodney Smith, A. J. from behind in Field, Harriman, New York,

1994, Fotografie | © Estate of Rodney Smith

Heilbronn

Rodney Smith

26.09.2026 – 24.01.2027

Mit seiner unverwechselbaren Bildsprache

zählt Rodney Smith (1947 – 2016) zu den bedeutendsten

Fotografen des späten 20. und

frühen 21. Jahrhunderts. Bekanntheit erlangte

der US-Amerikaner und Schüler von Walker

Evans vor allem mit seinen Arbeiten für

renommierte Magazine und Modezeitschriften,

doch ihre künstlerische Qualität und

ihre Originalität überragen das Niveau von

Auftragswerken bei weitem. Smiths Bilder

strahlen eine poetische Kraft aus, die das Publikum

durch den Einklang von Eleganz, subtilem

Humor und technisch-kompositorischer

Präzision in faszinierende Welten zwischen

Traum und Wirklichkeit entführt. Nicht selten

erinnern seine inszenierten Fotografien

an die rätselhaften Gemälde des Surrealisten

René Magritte. Als überzeugter Schwarz-

Weiß-Fotograf entdeckte Smith die Farbfotografie

erst spät für sich und bewies auch darin

große Meisterschaft in der Beherrschung des

Lichts. Mit über 120 Exponaten aus allen

Werkphasen vermittelt die Ausstellung erstmals

in Deutschland umfassende Einblicke

in das vielfältige Œuvre von Rodney Smith.

Seine ebenso virtuose wie perfekte „Alchemie

des Lichts“ führt eindrucksvoll vor Augen,

dass Fotografie mehr ist als bloße Realitätswiedergabe.

Mit dieser Schau setzt die Kunsthalle

Vogelmann ihre Reihe zu bedeutenden

Fotokünstler:innen im 20. Jahrhundert fort.

Kunsthalle Vogelmann

museen.heilbronn.de/kunsthalle-vogelmann

Koblenz

gute aussichten – junge deutsche

fotografie 2025/2026

bis 09.08.2026

Zum 22. Mal kürt „gute aussichten – junge

deutsche fotografie“ in diesem Jahr seine

Preisträger*innen. Kern des 2004 gegründeten

Projektes ist ein jährlich stattfindender

Wettbewerb für Abschlussarbeiten aus allen

deutschen Hochschulen und Akademien,

die einen Studiengang Fotografie anbieten.

Evelyn Richter, Vor Wolfgang Mattheuers „Die Ausgezeichnete“,

1973/74. Albertinum Dresden, 1975, Gelatinesilber auf Barytpapier,

Handabzug der Künstlerin, 40 x 30,4 cm, Museum Ludwig,

Köln © Evelyn Richter Archiv der Ostdeutschen Sparkassenstiftung

im Museum der bildenden Künste Leipzig Repro: Historisches Archiv

mit Rheinischem Bildarchiv © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Köln

Sammlung Fotografie:

Zweimal Deutschland um 1980

bis 11.10.2026

Die Sammlung Fotografie des Museum Ludwig

umfasst rund 70.000 Werke von den Anfängen

der Fotografie im frühen 19. Jahrhundert

bis in die Gegenwart. In unseren Fotoräumen

stellen wir regelmäßig Werke zu ausgesuchten

Themen und Fotograf:innen zusammen.

Die Präsentation zeigt eine Auswahl von

Fotografien aus Ost- und Westdeutschland,

die um das Jahr 1980 entstanden sind. Die

Arbeiten von sieben Fotograf:innen geben

Einblicke in gesellschaftliche und alltägliche

Lebenswelten beider deutscher Staaten, die

von unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen

Systemen geprägt waren.

Aus der Ausstellung Inferno & Paradiso d‘Alfredo Jaar © Veronique

De Viguerie

Lausanne (CH)

Alfredo Jaar

Inferno & Paradiso

26.06.–01.11.2026

Inferno & Paradiso ist eine immersive Installation

des Künstlers Alfredo Jaar (1956),

einer bedeutenden Größe der internationalen

zeitgenössischen Kunstszene. In diesem

Originalwerk geht er der Frage nach, ob die

beständige Flut von Bildern menschlichen

Leids uns abstumpft. Für das einzigartige Projekt

wurden zwanzig internationale Reporter

eingeladen, je zwei Bilder aus ihren Archiven

auszuwählen: das schmerzhafteste und das

hoffnungsvollste. Diese Fotografien werden

als Diaprojektionen gezeigt. Sie nehmen uns

mit auf eine Reise durch Höllen und Paradiese

– ähnlich wie Virgil Dante durch Die Göttliche

Komödie führt.

Die Ausstellung ist eine Koproduktion mit

dem Kulturverein On The Move für das internationale

Fotofestival Cortona On The

Move.

Hannah Darabi

Why don’t you dance?

26.06 – 01.11.2026

Mit Why Don’t You Dance? (Warum tanzt du

nicht?) präsentiert Hannah Darabi, Preisträgerin

des Prix Elysée 2025, ein Projekt über

iranische Volkstänze. Das Projekt kombiniert


LOUISE | arttourist.com | 2026 Fototipps | 39

Hannah Darabi, Constitutional Law, Polygamy, Yes/No, “Mahvashs

Book of Pleasure”, 2024, aus der Serie Why Don’t You Dance?, fortlaufend

© Hannah Darabi

Fotografien, Videos und Archivmaterial und

untersucht, wie Tanz je nach sozialem und

politischem Kontext zu einem Ausdruck von

Identität und Emanzipation werden kann,

insbesondere innerhalb der iranischen Diaspora.

Es ist inspiriert von der Autobiografie

von Mahvash und den Karaoke-Abenden des

Cabaret Tehran in Los Angeles. Damit schlägt

Darabi eine Brücke zwischen historischen

und zeitgenössischen Tanzpraktiken.

Der Prix Elysée beruht auf einer exklusiven

Partnerschaft zwischen Photo Elysée und

Parmigiani Fleurier.

Lausanne Photo Elysee

www.elysee.ch/de/museum/

Jiří Kolář, Das ausruhende Nationaltheater, 1960, Lentos Kunstmuseum

Linz © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Jubiläums richtet die Ausstellung ihren Fokus

auf die technischen Verfahren und materiellen

Besonderheiten des Mediums. Im

Zentrum steht die Frage, was die Fotografie,

über ihre dokumentarische Dimension

hinaus, als künstlerisches Ausdrucksmittel

charakterisiert. Die Schau versammelt ausgewählte

Werke, ergänzt durch historische

Kameratechnik aus den Sammlungen des

Lentos und des Nordico: beginnend bei

den ersten fotografischen Methoden im

19. Jahrhundert über Dunkelkammerexperimente

der klassischen Moderne bis hin

zu zeitgenössischen Arbeiten, die neue digitale

Prozesse für sich nutzen.

Lentos Kunstmuseum | www.lentos.at

WEITERE

AUSSTELLUNGEN

Lausanne (CH)

Tiermodell 200 Jahre Fotografie

04.12.2026–04.04.2027

Lausanne Photo Elysee

www.elysee.ch/de/museum/

Los Angeles (USA)

Marilyn Monroe: Hollywood Icon

31.05.2026–28.02.2027

Academy Museum of Emotion Pictures

www.academymuseum.org

Luzern (CH)

Dominik Zietlow

Nur die Berge begegnen sich nie

Manor Kunstpreis Zentralschweiz Luzern

24.10.2026–31.01.2027

Kunstmuseum Luzern

www.kunstmuseum-luzern.ch

Madrid (E)

Fiebre Photobook Fest XIII

18.–20.9.2026

La Casa Encendida, Madrid

www.fiebrephotobook.com

Malmö (SE)

Deborah Turbeville Photocollage

bis 27.09.2026

Moderna Museet

www.modernamuseet.se/malmo/en/

Montelimar (F)

Nicolas Bouvier Voyages au levant

bis 31.10.2026

Musée d’Art Contemporain

www.montelimar-agglo.fr/vie-quotidienne/

culture/musee-dart-contemporain

München

Jeff Dunas – Photography:

American Pictures & State of the Blues

bis 31.07.2026

Amerikahaus

www.amerikahaus.de

Oberhausen

Anja Niedringhaus – An vorderster Front

Pulitzer-Preisträgerin, Pressefotografin, Porträtistin

10.05.–13.09.2026

LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

www.ludwiggalerie.de

Stockholm (SE)

Brassai

The Secret signs of Paris

bis 04.10.2026

Moderna Muset

www.modernamuseet.se

Toulouse (F)

Chema Madoz | Helena Almeida

« Diseños habitados »

bis 23.08.2026

Le Château d’Eau in Toulouse

www.chateaudeau.toulouse.fr

Tours (F)

Madeleine de Sinéty Une Vie - Ein Leben

bis 27.09.2026

Fragile beauté - Zerbrechliche Schönheit

Fotografien aus der Sammlung von Sir Elton John

und David Furnish Ausstellung

bis 27.09.2026

Secrets et mensonges - Geheimnisse und Lügen

19.06.–15.11.2026

Laila Hida

La nuit américaine - Die amerikanische Nacht

19.06.–15.11.2026

Château de Tours

www.chateau.tours.fr

Vaduz (LIE)

Eleanor Antin

Eine Retrospektive

bis 28.09.2026

Kunstmuseum Lichtenstein

www.kunstmuseum.li

München

Menschenbilder. Porträt- und Genrefotografien

aus der Sammlung Dietmar Siegert Meisterwerke

der Neuen Pinakothek in der Alten Pinakothek

13.10.2026–31.01.2027

Alte Pinakothek | www.pinakothek.de/de/

menschenbilder-sammlung-siegert

New York (USA)

Andy Warhol Family Album

bis 19.10.2026

Whitney Museum of American Art

www.whitney.org

Wien (A)

Richard Prince

bis 16.08.2026

Albertina

www.albertina.at

Zürich (CH)

Fast ein Paradies Kolonialzeitliche Fotografie in

der Gegenwartskunst

bis 06.09.2026

Museum Rietberg

www.rietberg.ch

Roxana Rios, Herrenbildnis, Sarafina, Fine-Art Print, 108 × 144 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Leipzig

Roxana Rios

bis 28.03.2027

2024 eröffnete das Fassadenprojekt mit der

Werkgruppe Tenseness von Cihan Çakmak,

der 2025 Katharina Schreiters Serie Membran

folgte. Mit Ode to Eris von Roxana Rios startet

es nun in die dritte Ausgabe.

Roxana Rios (*1994) setzt sich in der vom

MdbK beauftragten Serie in Form von fotografisch-

performativen Neuauffassungen

mit ausgewählten Werken der Dauerausstellung

auseinander. Rios‘ künstlerische Praxis

zeichnet sich durch ein kritisches Hinterfragen

historisch gewachsener Narrative, insbesondere

der Verbindungen zwischen Bildund

Wissensproduktion, aus. Es geht dabei

letztlich um die Frage, wie sich bestimmte

Bildmuster in der Kunstgeschichte, beispielsweise

Geschlechterstereotype, bis heute fortgeschrieben

und verfestigt haben. Der Körper

gilt Roxana Rios dabei als „Konstrukt, Material

und Repräsentantin innerhalb gesellschaftlicher

(An-)Ordnungen“.

Museum der bildenden Künste Leipzig

www.mdbk.de

Linz (A)

200 Jahre Fotografie

29.5.–16.8.26

Im Jahr 1826 gelang es dem französischen

Erfinder Joseph Nicéphore Niépce, den Blick

aus seinem Arbeitszimmer dauerhaft auf einer

beschichteten Zinnplatte festzuhalten.

Dieses Ereignis gilt heute als eine der Geburtsstunden

der Fotografie. Seither hat das

Medium nicht nur unseren Blick auf die Welt

verändert, sondern auch die Bildproduktion

und Arbeitsweise von Künstler:innen nachhaltig

geprägt. Anlässlich dieses runden

Okabe Momo, Untitled, 2020; from the series Ilmatar.

Courtesy the artist and Aperture

London (GB)

Japanese Women Photographers:

From 1950s to Now

24.06.–27.09.2026

A major exhibition reframing the history

of Japanese photography through the voices

and lens of 27 women working from the

1950s to today. This landmark exhibition

rewrites the story of Japanese photography

through the eyes of women. Japanese Women

Photographers spotlights the work of

27 groundbreaking artists, from the 1950s

to today, whose perspectives have shaped

how Japan sees itself, and how it is seen by

the world.

Spanning identity, pop culture, fashion

and everyday life, the exhibition celebrates

internationally renowned Japanese women

photographers, alongside those who

have long been overlooked. The result is

a powerful rebalancing of a history too often

told through a single, male-dominated

lens.

The Photographers Gallery

www.thephotographersgallery.org.uk

München

Zehn Leben. Delschad Khorschid

und Jan-Hendrik Pelz

bis 08.11.2026

Flucht, Trauma und Sehnsucht sind die zentralen

Themen der Ausstellung „Zehn Leben“

von Delschad Numan Khorschid und Jan-

Hendrik Pelz im Museum Villa Stuck. Delschad

Numan Khorschid, Ensemblemitglied

des Münchner Residenztheaters, verarbeitet

die traumatischen Erinnerungen an seine

einsame Flucht als Kurde aus dem Irak nach

Deutschland in Gemälden, Fotografien und

Texten. Jan-Hendrik Pelz macht mit groß-

Marilyn Monroe, by Cecil Beaton, bromide print, 1956, Collection National Portrait Gallery, NPG #40269

London (GB)

Marilyn Monroe

04.06. – 06.09.2026

In celebration of the Hollywood star’s 100th birthday and in association with the Marilyn

Monroe estate, Marilyn Monroe: A Portrait will explore the life, career and legacy of Marilyn

Monroe through portraits created by some of the greatest photographers and artists

of the 20th and 21st centuries. Bringing together works by Andy Warhol, Pauline Boty,

Marlene Dumas, James Gill, Rosalyn Drexler and Audrey Flack, alongside over 20 era-defining

photographers, including Cecil Beaton, Philippe Halsman, Bernard of Hollywood,

André de Dienes, Eve Arnold, Inge Morath, Alfred Eisenstaedt, Milton Greene, Sam Shaw,

Richard Avedon and George Barris, the exhibition will foreground Monroe’s collaborative

approach to image making and her creative agency. The exhibition will also include personal

belongings such as books, scripts and clothes to enrich understanding of the woman

behind the image.

National Portrait Gallery | www.npg.org.uk


40 | Fototipps

LOUISE | arttourist.com | 2026

Delschad Numan Khorschid: Hand. Fotografie. Irak, 2018.

formatigen, meist fotorealistischen Gemälden

und Skulpturen auf migrantische Schicksale

und die damit verbundenen Traumata

aufmerksam. Vor dem Hintergrund aktueller

gesellschaftspolitischer Debatten, in denen

Migration häufig auf Zahlen sowie Zurückweisungs-

und Beschränkungsforderungen

reduziert wird, eröffnet diese Ausstellung

einen Raum für Empathie und Verständnis.

Villa Stuck | www.villastuck.de

Portrait Alexandra Catiere © Catherine Peter

experience at a time when Paris emerges as a

global capital of photography.

Each year, Photo Days offers a photographer a

carte blanche inspired by Balzac, exhibited in

the historic Rotonde Balzac. For its 2026 edition,

in collaboration with Maison Balzac (City of Paris

Museum), and with the support of La Fondation

des Artistes and Château Jean-Faure (Saint-

Émilion), the exhibition will present the project

of our open call winner, Alexandra Catiere.

Alexandra Catiere’s life path, from the former

Soviet Union to the United States and

then to France, both scorns borders and

testifies to her striving for universality. The

photographer has made timelessness a salient

feature of an oeuvre that revives photography’s

humanistic tradition in a virtuoso

capturing of sensation and atmosphere.

Never settling simply for portrait or reportage,

Alexandra uses the camera to express her

empathy with human nature and, most of

all, with life itself.

www.photodays.paris

Nederlands Fotomuseum, panorama © Iwan Baan

Rotterdam (NL)

Nederlands Fotomuseum

On Saturday 7 February 2026, the Nederlands Fotomuseum will officially open the doors

of its new home in the renovated Santos warehouse, a listed building in Rotterdam’s

Rijnhaven district. The museum will provide a modern home for the national collection

of over 6.5 million objects, one of the largest museum photography collections in the

world, as well as space for exhibitions and a wide range of public activities. The location

in the Santos warehouse marks a new phase for the museum and has been made possible

thanks to a generous donation from the Droom en Daad Foundation.

The collection of the Nederlands Fotomuseum comprises more than 6.5 million objects,

making it one of the largest museum photography collections in the world. It consists

of more than 175 archives of Dutch photographers, with millions of negatives, slides,

prints and other photographic objects. The collection covers an important part of the

history

of photography in the Netherlands, from the earliest daguerreotypes from 1842 to contemporary

digital prints, with an emphasis on 20th-century analogue and documentary

photography, supplemented by recent works of art and installations. Unique items include

exceptional photographs from the former Dutch colonies, such as work by Kassian

Céphas and Augusta Curiel. A number of the works in the collection, such as the

prints by Werner Mantz, Sanne Sannes, Ed van der Elsken, Ata Kandó, Violette Cornelius

and Peter Martens, are among the best photographs ever taken in the Netherlands.

Nederlands Fotomuseum | www.nederlandsfotomuseum.nl/en/

Schaufenster Spiegelung, 1939-1945 © Estate of Lisette Model,

courtesy of Baudoin Lebon and Avi Keitelman

München

Lisette Model

18.03.–05.07.2026

Mit ihren aufsehenerregend direkten Bildern

verändert Lisette Model (1901–1983)

die Fotografie schlagartig. Ihre unmittelbare,

humorvolle, oft konfrontative,

manchmal aber auch empathische Form

der Wiedergabe revolutioniert die klassische

Dokumentarfotografie. In ihren Aufnahmen

von Straßenszenen und Porträts

verbinden sich sozialer Realismus und

emotionaler Ausdruck: „Schieß aus dem

Bauch heraus!“ lautet ihr berühmtes

Credo. Die Ausstellung vereint Models

wichtigste Werkgruppen aus ihrem beinahe

dreißigjährigen Schaffen zwischen 1932 und

1959, darunter auch bisher noch nie ausgestellte

Arbeiten.

Versicherungskammer Kulturstiftung

Kunstfoyer

www.versicherungskammer-kulturstiftung.de

Paris (F)

Photo Days

02. – 30.11.2026

Since 2020, Photo Days has been an annual

festival bringing together all photography-related

events taking place each November in

and around Paris.

Known as the new “month of photography,”

Photo Days offers free, exclusive visits to

institutions, galleries, fairs, and a selection

of carefully chosen private locations—such

as artists’ studios, laboratories, and apartments—providing

collectors and professionals

with a fully immersive photographic

©Teresa Giannico, Dealing with Daily Photographs - Feb 18, 2025,

print on cotton paper, cm 45x30, courtesy Viasaterna

Rotterdam (NL)

Unseen Photo

19. – 21.03.2027

At the end of March, Rotterdam briefly turns

into an exciting hub for photography. Across

three locations, visitors can experience just

how broad and dynamic the medium is today:

with Unseen Photo as part of Art Rotterdam,

the Unseen Book Market in the newly

reopened Nederlands Fotomuseum and the

photography festival Rotterdam Photo at

Deliplein. Together, they form an engaging

route across three distinct contexts, appealing

to everyone interested in photography,

from collectors and professionals to curious

visitors. Unseen is part of Art Rotterdam.

www.unseenphoto.com

www.

.com

Asisi Panorama, Konstanz, Architekturfotografie Bodensee ©

Helmuth Scham

Schweiz (CH)

Züri Nord Archi Photo

Helmuth Scham arbeitet seit über 25 Jahren

als Fotograf für Coporate Imaging und Architekturthemen.

Unter dem Label ZÜRI NORD

ARCHIPHOTO dokumentiert er Bauten, Räume,

Sanierungsprojekte und Denkmäler. Seine

aktuellen Projekte sind: Generalsanierung

eines Fischerhauses von 1530, das Asisi Panorama

in Konstanz sowie der wegweisende

Umbau des Konstanzer Telekom-Turmes nach

Plänen von Sauerbruch Hutton aus Berlin.

Er lebt in Konstanz am Bodensee und übernimmt

Aufträge in Deutschland und der benachbarten

Schweiz.

www.zuerinord.eu

Tallinn (EST)

Foto Tallinn

18. – 20.9.2026

Held biannually, the international art fair

Foto Tallinn presents jury-selected artists and

galleries showcasing the latest contemporary

photographic art, offering collectors and art

audiences rare access to new artwork, new

ideas, and the people behind the art.

At the fair, exhibiting galleries, collectives,

project spaces, and artists can introduce the

Foto Tallinn 2026, Plakat © Erkki Huila

selected works to a diverse audience, find

new collectors and grow their networks of

professional contacts.

The last edition of Foto Tallinn took place in

2024 with 25 international exhibitors presenting

works by 35 artists. Foto Tallinn 2026

will present 45 artists, including 16 international

art galleries.

Kai Art Center | www.fototallinn.ee/en/

Thessaloniki (GR)

VAiF26 (upcoming edition)

29.11. - 06.12.2026

Visual Arts International Festival – VAiF is

an international festival of contemporary

visual arts based in Thessaloniki, Greece, focusing

on photography, graphic design, and

expanded visual practices. The festival brings

together emerging and established artists

through exhibitions, open calls, and public

programming, activating multiple venues

across the city, from industrial spaces to galleries

and cultural institutions. The 2026 edition

of VAiF is developed around the notion

of memory as a creative and research-driven


LOUISE | arttourist.com | 2026 Fototipps | 41

framework. Through a series of curated exhibitions

and open calls, the festival explores

the relationship between memory, tradition,

and visual culture, approaching archives not

as static records but as active material for reinterpretation.

www.vaif.gr

umfasst heute neben Werken des Künstlers

Georg Friedrich Zundels rund 500 Arbeiten

von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart.

Zu sehen sind neben Arbeiten von Lars Eidinger

unteren anderen Werke von: Gilbert und

George, Yves Klein, Franz Erhard Walther, Katja

Strunz, Ben Willikens u.a.

Kunsthalle Tübingen

www.kunsthalle-tuebingen.de

engage in dialogue. Through his portraits of

celebrities and his depictions of anonymous

figures, he explores the notions of consumption,

desire and transcendence. Renowned

for the richness and diversity of his work, he

challenges the boundaries between fashion,

art and the sacred, and continues to inspire a

whole generation of visual creators.

www.opera-vichy.com/agenda/portraits-14

faszinierende Gebilde schafft? Photo | Brut.

Feeling Photography präsentiert solche leidenschaftlichen

Auseinandersetzungen mit

künstlerischen Prozessen von Autodidakt:innen,

die jenseits eines normativen Kunstverständnisses

eigenständige fotografische

Kunst- und Bildwelten hervorbringen.

Lu Yang: The Doku Trilogy | bis 06.09.2026

Zanele Muholi | 19.09.2026–10.01.2027

Foto Arsenal | www.fotoarsenalwien.at

Lars Eidinger, Peking, 2013 © Courtesy Ruttkowski;68, Köln,

Düsseldorf, Paris, New York

Tübingen

Lars Eidinger. Present Perfect

Ein Dialog mit der Sammlung

10.10.2026 – 14.01.2027

Seit über dreißig Jahren fängt der Schauspieler

Lars Eidinger die Wirklichkeit zunächst

mit der Spiegelreflexkamera später mit seinem

Smartphone ein. Mit dem Blick für das

Besondere gibt er dabei die Wirklichkeit so

wieder wie sie ist: eine steinerne Nymphe

ohne Hände am Wegesrand, geometrisch zugerichtete

Bäume und Hecken oder Passanten

im Doppelgänger-Look. Die scheinbar

beiläufig eins zu eins von Eidinger eingefangenen

Momentaufnahmen und Szenerien geben

unmittelbar und unverfälscht nicht nur

Auskunft über die conditio humana, sondern

legen en passant Tiefenschichten der westlichen

Wohlstandgesellschaft bloß, so dass existentielle

Emotionen, Bedürfnisse und Rituale

des Gegenwartsmenschen unverstellt zum

Ausdruck kommen. Unter dem Titel PRESENT

PERFECT präsentiert die Kunsthalle in enger

Zusammenarbeit mit dem Künstler nicht nur

die Fotografien und Videos von Lars Eidinger,

sondern bringt ausgewählte Werkgruppen

seiner visuellen Anthropologie in einen Dialog

mit Werken anderer Künstlerinnen und

Künstler. So treffen in der thematisch strukturierten

Präsentation Fotografien von Lars

Eidinger erstmals auf Exponate aus der Sammlung

der Kunsthalle Tübingen. Die hauseigene

Sammlung wurde seit den 1970er Jahren

sukzessive um Dauerleihgaben erweitert und

Ausstellungsplakat © Portrait(s) - Le Rendez-vous photographique

de Vichy

Vichy (F)

Portrait(s) - Le Rendez-vous

photographique de Vichy

19.06. – 04-10.2026

‘Portrait(s)’ presents and celebrates four decades

of work by David LaChapelle, a leading

figure in contemporary visual art, with a solo

exhibition bringing together both iconic and

previously unseen works.

An American photographer and filmmaker,

he has made his mark through the power of

his images and his spectacular visual world.

His work is distinguished by a unique, colourful

pop and baroque aesthetic and a

theatrical staging.

An heir to Pop Art, marked by his collaboration

with Andy Warhol early in his career,

LaChapelle has developed a visual universe

where popular culture, spirituality and

critical reflection on contemporary society

ANONYMOUS „METTREAUX“, untitled, signed „METTREAUX“ on

the reverse and dated February 19, 2020 © Photo | Brut, Collection

Bruno Decharme

Wien

Photo | Brut

Feeling Photography – from The

Bruno Decharme Collection

bis 06.09.2026

Foto Arsenal Wien ermöglicht erstmals in

Österreich einen Einblick in über 40 künstlerische

Prozesse aus mehr als 10 Nationen –

basierend auf einer der größten Sammlungen

der Photo Brut, die der französische Filmemacher

Bruno Decharme seit über 40 Jahren

zusammengetragen hat. Was, wenn jemand

über Jahrzehnte hinweg Fotografien mit kleinen

Buchstaben beschriftet – nicht nur ein

paar Bilder, sondern eine überwältigende Anzahl?

Was, wenn sich ein Automechaniker

als Kleopatra, Papst Johannes Paul II. oder

als Hollywoodstar für die Kamera verkleidet

– und nicht nur in diese Rollen schlüpft,

sondern in hunderte, tausende? Was, wenn

jemand Unmengen von Fotos sammelt, diese

zerschneidet, neu zusammennäht und daraus

Walk with Lions tourist experience. South Africa. © Zed Nelson /

Institute

Wien (A)

ROTLICHT – Festival für

analoge Fotografie 2026

26.11.–06.12. 2026

Das ROTLICHT - Festival für analoge Fotografie

ist ein internationales Festival, das dieses

Jahr zum sechsten Mal in Wien stattfindet.

Vom 26. November bis zum 6. Dezember

bringt das Festival die Fotografie-Szene in der

Hauptstadt zusammen.

Die „Festival Selection“ widmet sich in diesem

Jahr dem Werk “The Anthropocene Illusion”

des Londoner Fotografen Zed Nelson.

Ausgehend von dieser Arbeit steht im Zentrum

von ROTLICHT auch die zweite Hauptausstellung

in der Säulenhalle des Atelierhauses

der Akademie der bildenden Künste

Wien, welche die 20 Gewinner:innen des

internationalen Open Calls präsentieren

wird. Dieses Jahr mit dem Thema „The Anthropocene:

Hybrid Realities“. Das Festival

Thema lädt Künstler:innen ein, das Verhältnis

von Mensch, Natur und Bild neu zu

denken – zwischen Eingriff und Auflösung,

Einfluss und Verletzlichkeit, Konstruktion

und Zerfall. Der Mensch konsumiert “unbegrenzt”

Ressourcen, kolonisiert den Planeten,

zerstört die Natur und baut eine künstliche

Umgebung stattdessen. Es wird dem Men-

die uns alle bewegen: Klimawandel

und Umweltverschmutzung,

soziale Gerechtigkeit, die Krise

der Flüchtlingspolitik und eine

sich verändernde Weltordnung

sind ihre Themen. Eine Fotoausstellung

mit Werken von: Massimiliano

Corteselli, Docks Collective,

Aurélien Goubau, Mathilde

Tijen Hansen, Dina Oganova, Alice

Poyzer, Clémentine Schneidermann,

Michal Siarek und

Éva Szombat.

Spina Americana. Macksville, Kansas 2021 © Richard Sharum

Ulm

Im Schatten des

amerikanischen Traums:

Richard Sharums

Amerika-Trilogie

07.06.2026–20.09.2026

Der US-Fotograf Richard Sharum

richtet seinen Blick dorthin, wo

der amerikanische Traum ins Flackern

gerät. Jenseits von Klischees

zeigen seine stillen Schwarz-Weiß-

Fotografien Lebensrealitäten, die

selten Beachtung finden – als individuelle

Geschichten voller Verletzlichkeit,

Widerstandskraft und

Würde. Sharums Amerika-Trilogie

besteht aus drei fotografischen

Serien, die verschiedene Facetten

gesellschaftlicher Wirklichkeit erfahrbar

machen. Gemeinsam entwerfen

sie ein Porträt eines Landes,

das von sozialen Spannungen und

wirtschaftlichem Druck geprägt

ist – zugleich aber von erstaunlicher

menschlicher Stärke.

Black Cowboys

Sabine Bungert &

Stefan Dolfen

13.06.2026–20.09.2026

Das Klischee vom heldenhaften

weißen Cowboy prägt bis heute

Keisha. Atlanta Saddle Club Association, Georgia © Sabine Bungert und Stefan Dolfen

unser Bild vom „Wilden Westen“.

In Wirklichkeit war ein Viertel der

Cowboys Afroamerikaner. In den

letzten Jahren ist in den USA eine

Gemeinschaft Schwarzer Cowboys

entstanden, die ihre Geschichte

nun selbst erzählen.

2022 und 2023 reisten Sabine

Bungert und Stefan Dolfen von

Maryland nach Kalifornien, über

Arizona, New Mexico nach Texas,

weiter nach South und North Carolina

undnach Chicago. Sie trafen

zahlreiche Black Cowboys und

Black Cowgirls sowie Menschen,

die sich für deren Kultur interessieren.

Seit über 15 Jahren arbeiten

Sabine Bungert und Stefan Dolfen

gemeinsam an fotografischen

Langzeitprojekten.

Zwischen Berlin und

Tbilissi

Junge Fotograf:innen

schauen auf ihre Welt

03.10.2026–10.01.2027

Wie sehen junge Dokumentarfotograf*innen

Europa? Der Hamburger

Peter Bialobrzeski hat einige

von ihnen eingeladen, ihre

Sicht auf die Welt von heute vorzustellen.

Sie werfen Fragen auf,

I Am Georgia © Dina Oganova

Stadthaus Ulm

stadthaus.ulm.de


42 | Sindelfingen

LOUISE | arttourist.com | 2026

Fortsetzung von Seite 41

schen eine eigene geologische Kraft zugeschrieben.

Das Festival wird durch zahlreiche weitere Ausstellungen

ergänzt, welche in Galerien, Off Spaces und anderen Standorten

über die gesamte Stadt verteilt stattfinden und das

Programm durch diverse künstlerische Interpretationen und

Positionen, sowohl von Solokünstler:innen als auch von

Gruppen und Kollektiven, bereichern. Workshops, Talks und

andere Events komplettieren das breit gefächerte Angebot,

welches wie jedes Jahr ein internationales Publikum nach

Wien bringt.

www.rotlicht-festival.at

Sindelfingen

NO PLACE LIKE HOME

ITALIENISCHE FOTOGRAFIE

SEIT DEN 1980ER JAHREN

01.02.2026–16.08.2026

Das SCHAUWERK Sindelfingen zeigt

unter dem Titel NO PLACE LIKE HOME

eine sehenswerte Überblicksausstellung

zur Entwicklung der italienischen Fotografie

seit den 1980er Jahren. Die in Kooperation

mit dem IKS Photo Düsseldorf

entstandene Schau präsentiert rund

300 Arbeiten von 42 Fotograf:innen. In

der Poesie des Alltags erfassen sie soziale

wie gesellschaftliche Verflechtungen,

entlarven und reflektieren die imperiale

Vergangenheit ihres Heimatlandes und

hinterfragen kritisch das Medium der

Fotografie: mal traditionell, mal konzeptionell,

immer berührend und fernab der

Klischees von „Dolce Vita“ und „Bella

Italia“. Zugleich zeichnet die Ausstellung

nach, wie sich die Fotografie schrittweise

aus dem Schatten der etablierten Kunstformen

löste und sich als autonome

künstlerische Praxis behauptete.

Wie ganz Europa erlebte auch Italien

nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs

tiefgreifende Umbrüche: Der wirtschaftliche

Aufschwung in den 1950er- und

1960er-Jahren veränderte die Landschaft

und den urbanen Raum nachhaltig, gefolgt

von sozialen Spannungen und politischen

Konflikten in den 1970er-Jahren.

In diesem Kontext und im Umfeld von

Ausstellungsansicht NO PLACE LIKE HOME

Foto: Frank Kleinbach

Neorealismus und Arte Povera entwickelte

sich eine künstlerische Fotografie, die

zunehmend eigene Wege ging.

Guido Guidi und Luigi Ghirri zählen zu

den international einflussreichsten Fotografen

Italiens. Sie prägten in den 1980er-

Jahren maßgeblich die sogenannte „Fotografie

der Orte“, die einen neuen Blick

auf ländliche und städtische Räume warf.

Viele Arbeiten dieser Zeit untersuchen

die Beziehungen zwischen Menschen

und ihren Lebensräumen und verbinden

persönliche Erfahrungen mit historischen

und kollektiven Erinnerungen.

Diese Rückbesinnung auf das Dokumentarische

ging mit einer Erneuerung der

fotografischen Tradition einher.

Die wirtschaftliche Dynamik des fortgeschrittenen

Kapitalismus und die ersten

Auswirkungen der Globalisierung

führten in den 1990er-Jahren zu einer

thematischen Verschiebung. Fotograf:innen

wie Marina Ballo Charmet, Paola

De Pietri, William Guerrieri oder Paola

Di Bello richteten ihren Fokus zunehmend

auf urbane Räume, Prozesse des

Identitätsverlusts sowie soziale Fragestellungen.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends

bildeten verschiedene Krisen einen

Nährboden für neue fotografische

Ansätze und künstlerische Strategien.

Soziale Ungerechtigkeiten im Land, Forderungen

nach Gleichberechtigung der

Geschlechter oder Fragen der Migration

schufen einen neuen kulturellen Rahmen

und brachten eine junge Generation von

Fotograf:innen hervor: Marcello Galvani,

Francesco Neri, Luca Nostri, Allegra Martin

und Cesare Fabbri. Sie verstanden sich

als Vertreter einer langen künstlerischen

Tradition und wandten sich dem urbanen

Raum in der Provinz zu.

In der jungen italienischen Fotografie

wird deutlich, dass Fotograf:innen wie

Francesca Iovene, Carmen Colombo,

Matteo Di Giovanni, Tomaso Clavarino,

Giulia Agostini, Federico Clavarino und

Iacopo Pasqui einen freieren Umgang

mit Erzählstrukturen rund um die Themen

Individualität, Community und

Diversität propagieren. In den oft biografisch

geprägten Serien vernachlässigen

sie die erzählerische Abfolge von Bildern

zugunsten einer Aneinanderreihung einzelner

figurativer Elemente, die mit symbolischen

Werten ihrer Generation aufgeladen

sind. Dabei setzen sie sich kritisch

mit dem Begriff von Heimat und der eigenen

Herkunft auseinander.

Die Ausstellung wird im SCHAUWERK

Sindelfingen in einem ehemaligen,

rund 15 Meter hohen Hochregallager

präsentiert, das durch eine rundumlaufende

Rampe begehbar ist. Besucherinnen

und Besucher bewegen sich durch

einen Parcours der italienischen Fotografie,

der chronologisch nach Jahrzehnten

angelegt ist und zugleich immer wieder

spannungsreiche Blickbezüge zu Werken

anderer Jahre eröffnet.

SCHAUWERK Sindelfingen

Eschenbrünnlestraße 15

71065 Sindelfingen

www.schauwerk-sindelfingen.de

Öffnungszeiten Mi – So 11 – 18 Uhr

VORSCHAU

Santé, Morellet!

05.07.2026 – 17.01.2027

Anatomy of Presence

27.09.2026 – 18.07.2027

Luighi Ghirri, Marina di Ravenna, 1986

Alessandra Dragoni, Terrace, Ravenna, 2019

Winterthur (CH)

Andri Pol – Poliversum

27.06.2026 - 06.12.2026

Einführung in die Ausstellung mit Andri Pol und Lars Willumeit,

Kurator der Ausstellung

Andri Pol (* 1961) gehört zu den prägendsten und vielfach

ausgezeichneten Vertretern des Schweizer Fotojournalismus

der letzten vierzig Jahre. Er hat in dieser Ära mit seinen Fotografien

einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die visuelle

Identität sowohl schweizerischer

als auch internationaler

Printmedien wie z.B. Zeit

Magazin, DU, Das Magazin,

Facts oder GEO zu definieren.

Die Ausstellung Andri Pol –

Poliversum nimmt den 65.

Geburtstag des Fotografen,

den es während der Ausstellungsperiode

zu feiern gilt,

zum Anlass, ihm eine große

Ausstellung auszurichten. Die

Ausstellung umfasst alle drei

Ausstellungsflächen der Fotostiftung

Schweiz, inklusive

Foyer. Sie hat retrospektiven

Andri Pol, Herbstmeisterschaft des

Schweizerischen Bodybuilding, Buchs,

2005, © Andri Pol / Fotostiftung Schweiz

Charakter und stellt damit sowohl die Essenz von Pols fotografischem

Schaffen als auch die Vielfalt seiner thematischen

Interessen über eine Schaffensperiode seit den späten 1980er-

Jahren vor. Schwerpunkte sind dabei die Genres der Fotoreportage

und des Porträts, aber auch Alltagsbeobachtungen,

die Pol auf dem gesamten Globus gemacht hat. Und auch

wenn seine Reisen ihn oft an sehr entlegene Orte wie z.B.

Tuvalu bringen, so findet er doch mit der Schweiz, Japan und

China geografische Ankerpunkte, zu denen er immer wieder

zurückkehrt, um größere Langzeitprojekte zu realisieren.

Fotostiftung Schweiz | www.fotostiftung.ch

Zürich (CH)

Die Photobastei hat es geschafft –

die Zukunft bricht an!

Die Stadt Zürich sichert mit einem existenzsichernden Beitrag

dieses und nächstes Jahr das Bestehen der Photobastei

– und stellt ab 2028 eine reguläre Förderung in Aussicht.

Bis 2028, bis zu ordentlichen Subventionen machst deshalb

DU den entscheidenden Unterschied!

Nach Jahren des Sparens können wir nun vieles nicht

mehr so umsetzen, was die Photobastei ausmacht – auch

mit dem städtischen Beitrag bis 2028 nicht!

Die Infrastruktur ist altersmüde

An uns herangetragene großartige Ideen, Veranstaltungen

und Ausstellungen müssen wir auf «später» verschieben

Große, eigene Ausstellungen sind zu riskant Sichtbarkeit

fehlt, um die ganze Stadtgesellschaft zu erreichen. Die

wachsende Arbeit stemmen zu wenige Schultern. Diese

Kampagne will dies ändern – schon heute und nicht erst

ab 2028!

Deshalb macht jeder Beitrag einen Unterschied!

wemakeit.com/projects/mach-den-unterschied

www.photobastei.ch

© Photobastei Zürich


LOUISE | arttourist.com | 2026 Stuttgart | 43

Stuttgart

Fotografie-

Ausstellungen in der

Staatsgalerie 2026

Magic and Mask © Bungert & Dolfen

Stuttgart

Fotosommer Stuttgart

Unordnung

17.07.–26.07.2026

Der Fotosommer Stuttgart eröffnet am Abend

des 17.07.2026 in der Staatsgalerie Stuttgart /

THE GÄLLERY mit der Ausstellung »UNORD-

NUNG«.

Unordnung ist das Thema des vom 17.07.-

26.07 2026 stattfindenden Fotofestivals.

Mit Unordnung bezeichnen wir einen Zustand,

in dem uns die Übersicht fehlt und wir

uns neu orientieren müssen. Wenn eine bestehende

Ordnung ihre Gültigkeit verliert, bedeutet

dies also nicht nur einen Verlust, sondern

zugleich einen Gewinn unerwarteter Perspektiven.

Die aus über 300 Einsendungen jurierte

Ausstellung in THE GÄLLERY in der Staatsgalerie,

die den prominenten und über die Kernzeit

des Festivals hinausgehenden Mittelpunkt

des weitverzweigten Fotosommer-Programms

darstellt (s. rechts), präsentiert Werke von 23

Künstlerinnen und Künstlern, die verschiedenste

Dimensionen des Themas fotografisch

erkunden. Dabei wird deutlich, dass Unordnung

nicht durchweg als sichtbares Phänomen

auftritt, sondern sich bisweilen auch unter einer

streng geordneten Oberfläche verbirgt. Fotografie

kann beides: Zustände offenkundiger

Unordnung ins Bild bannen und unterschwellige

Formen von Unordnung spürbar machen.

Eine tragende Rolle beim Fotosommer spielen

über all die Jahre nicht nur öffentliche Institutionen

wie die Staatsgalerie, sondern auch

Vulvodynie © Celia Joy Homann

Hochschulen, Werkstätten und private Galerien,

die am Fotosommer teilnehmen und

zeitgleich Positionen ihrer Künstlerinnen und

Künstler zum Thema Unordnung präsentieren.

Mit über 30 Ausstellungen im Stadtgebiet zum

Thema erwartet Sie vom 17.07. bis 26.07.2026

ein spannender Rundgang zu verschiedenen

fotografischen Positionen.

Kurator: Bertram Kaschek

www.fotosommer-stuttgart.de

Wolfgang Zurborn, Crowds © Wolfgang Zurborn

Valerie Schmidt, Bild aus der Serie »Claus stolpert«, 2018,

© Valerie Schmidt

»UNORDNUNG«

FOTOSOMMER STUTTGART 2026

18.07.–13.09.2026

THE GÄLLERY – Raum für Fotografie

siehe links

Concerto for TV Cello (Nam June Paik 1971), performed von Charlotte

Moorman am 6.7.1974 in Köln, fotografiert von Hanns Sohm,

Staatsgalerie Stuttgart, Archiv Sohm

„BÄNG! RADIKALE KÜNSTLERINNEN

AUS DEM ARCHIV SOHM“

10.10.2026–31.01.2027

Der Ausstellungsparcours präsentiert die Kunst

des Flüchtigen: Fotografien zu Happenings und

Aktionen der 1960er- und 1970er-Jahre. Dabei

stehen fünf Ausnahmekünstlerinnen im Fokus

– Charlotte Moorman (1933-1991), Carolee

Schneemann (1939-2019), Yvonne Rainer (geb.

1934), Yoko Ono (geb. 1933) und Valie Export

(geb. 1940). Furchtlos, mutig, kompromisslos

und inspirierend zeigen sich die Künstlerinnen.

Indem sie grundlegende Themen wie Emanzipation,

Friede, Freiheit und Selbstbestimmung

in ihren Werken verarbeiten, setzen sie aufsehenerregende

Akzente für die performative

Kunst der Moderne.

Kuratorin: Elke Allgaier

THE GÄLLERY – Raum für Fotografie

Philippe Halsman, Dalí Atomicus, ca. 1948, Staatsgalerie Stuttgart,

Graphische Sammlung, erworben 2025 aus Mitteln der Museumsstiftung

Baden-Württemberg, Sammlung Dietmar Siegert, © Philippe

Halsman Estate 2026, Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador

Dalí / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

„ALLES SURREAL?!“

04.12.2026–11.04.2027

1924 legt André Breton in Paris mit

dem Manifest des Surrealismus den programmatischen

Grundstein für eine der

wohl berühmtesten und folgenreichsten

künstlerischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts.

Ausgehend von der Literatur erfassen

surrealistische Tendenzen ab Mitte

der 1920er-Jahre auch Malerei und Bildhauerei

und bewirken überdies eine neuartige

Ästhetik in den noch jungen Medien

Film und Fotografie. Fotografen wie Brassaï,

Man Ray, Georges Hugnet oder Hans Bellmer

spielen in ihren Aufnahmen mit dem

Grat zwischen Fiktion und Realität und

hinterfragen tradierte Narrative. Mittels

ungewöhnlicher Perspektiven, Fotomontagen

und Collagen loten die surrealistischen

Fotografinnen und Fotografen die Grenzen

des Mediums aus und heben bisherige Sehgewohnheiten

aus den Angeln. Schockiert

von der Sinnlosigkeit des Ersten Weltkriegs

und beeinflusst von den Thesen Sigmund

Freuds übersteigen ihre Werke zunehmend

radikal die Ebenen von Vernunft und Verstand

und lassen das Assoziative und

Traumhafte in den Vordergrund treten. Im

Mittelpunkt steht dabei immer wieder auch

der menschliche Körper, der seziert und

verfremdet wird, um einer vermeintlichen

Wirklichkeit näher zu kommen. Mit ihren

inszenierten Realitäten wagen die surrealistischen

Künstlerinnen und Künstler

einen Gegenentwurf zum Weltbild der

bürgerlichen Gesellschaft mitsamt ihren als

verlogen empfundenen Moralvorstellungen

und leisten so einen wesentlichen Beitrag

zur Kunst der Moderne.

Die Ausstellung „Alles surreal?!“ in der Staatsgalerie

Stuttgart zeichnet anhand von rund

250 Originalabzügen aus der Sammlung Dietmar

Siegert die verschiedenen Gebrauchsweisen

des Mediums Fotografie im Surrealismus

in Frankreich, Belgien und Deutschland im

Zeitraum von etwa 1925 bis 1945 nach. Die

Präsentation erfolgt im Dialog mit ca. 30-40

Gemälden, Grafiken Skulpturen und Objekten

von Salvador Dalí, Joan Miró, René Magritte,

Marcel Duchamp, Max Ernst, Pablo

Picasso aus der Sammlung der Staatsgalerie,

ergänzt um ausgewählte Leihgaben aus internationalen

Museen und Privatsammlungen.

Unterstützt wird das Projekt u.a. durch die

Sammlung Klewan in München, die bereits

eine flexible Auswahl aus ihrem umfangreichen

Surrealismus-Bestand zugesichert hat,

zu dem zentrale Arbeiten von André Masson,

Max Ernst, Salvador Dalí u.v.a. gehören.

Kuratoren-Team: Jens Ullner, Dr. Ulrich Pohlmann,

Katharina Massing

www.staatsgalerie.de


44 | Vevey

LOUISE | arttourist.com | 2026

Imilla, Deysi #2 © Luisa Dörr

Vevey (CH)

Biennale

Images

Vevey

05.–27.09.2026

Vom 5. bis 27. September 2026 feiert die Biennale Images Vevey

ihre 10. Ausgabe unter dem Motto „We are family!“. Diese

Jubiläumsausgabe ist dem Wiedersehen, dem Austausch und

dem gemeinsamen Feiern gewidmet und präsentiert rund 50

Künstlerinnen und Künstler aus etwa 15 Ländern.

Queen of Fucking Everything © Erika Stucky

„Eine Stadt, die sich in eine Kunstgalerie

verwandelt.“ – The New York Times

Seit 2008 verwandelt Images Vevey die Stadt alle zwei Jahre im

September in ein weitläufiges Freilichtmuseum. Die Schweizer

Biennale für visuelle Künste hat durch ihre monumentalen Installationen

im Innen- und Außenbereich, die stets im Dialog mit

ihrer Umgebung stehen, internationale Bekanntheit erlangt.

Ob in Vevey, am Times Square, in Japan oder auf Sizilien – jedes

Projekt von Images Vevey wird in enger Zusammenarbeit

mit den Kunstschaffenden entwickelt und ist ortsspezifisch zugeschnitten.

Von Fotografien im Genfersee bis hin zu Ausstellungen

auf Hausdächern oder internationalen Großprojekten:

Jeder Beitrag lässt die Grenzen zwischen Fotografie und zeitgenössischer

Kunst sowie zwischen künstlerischem Anspruch und

öffentlicher Zugänglichkeit verschwimmen.

Durch das Zusammenspiel international renommierter Größen

und aufstrebender Talente, die Neuinterpretation ikonischer

Werke und die Förderung neuer Produktionen hat sich Images

Vevey als „eines der weltweit führenden Festivals für visuelle

Künste“ (Le Monde) etabliert.

Untitled, 1995, from the series ‘Ray’s a Laugh’ © Richard Billingham, courtesy Anthony Wilkinson Gallery | © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026

2026: EINE JUBILÄUMSAUSGABE,

EIN SYMBOLISCHES JAHR

Die 10. Ausgabe der Biennale Images Vevey würdigt zusätzlich

drei weitere bedeutende Meilensteine:

200 Jahre Fotografie: Anlässlich des zweihundertjährigen Bestehens

der Fotografie schließt sich Images Vevey dem Programm

des französischen Kulturministeriums an. Im Mittelpunkt steht

der britische Künstler Richard Billingham mit einer Ausstellung,

die eigens zum 30-jährigen Jubiläum seiner ikonischen

Serie Ray’s a Laugh konzipiert wurde.

15 Jahre Inside Out: Nach 590.374 Porträts in 154 Ländern hat

der Künstler JR die Biennale Images Vevey ausgewählt, um das

15-jährige Bestehen seines weltweiten Projekts Inside Out zu feiern.

Einer der ersten großen Meilensteine dieses Projekts fand

bereits 2012 in Vevey statt.

60 Jahre Montreux Jazz Festival: Als Hommage an den „großen

musikalischen Nachbarn“ zeigt eine Außeninstallation Porträts

internationaler Stars wie Grace Jones, Lionel Richie, Janelle Monáe

und Sting, fotografiert von Anoush Abrar.

www.images.ch

Nights With You, de la série Le Meilleur Ami du Chien © Mazaccio & Drowilal, 2013

Abdulhamid Kircher, To Be Held By The Earth_9


LOUISE | arttourist.com | 2026 Vevey | 45

Wir sprachen mit Stefano Stoll

Warum ist Vevey die perfekte Stadt

für Fotografie und ein internationales

Fotofestival?

Stefano Stoll: Vevey vereint ziemlich

einzigartige Voraussetzungen. Es ist eine

Stadt, die tief mit dem Bild verbunden

ist: Eine der ältesten Fotoschulen Europas

wurde hier während des Zweiten

Weltkriegs gegründet, das Schweizer Kameramuseum

befindet sich hier, und die

Stadt ist auch mit der Figur von Charlie

Chaplin verbunden, der mehr als fünfundzwanzig

Jahre hier lebte – eine Präsenz,

die heute durch das ihm gewidmete

Museum fortgeführt wird.

Seit den 1990er-Jahren hat sich die

Stadt Vevey zudem mit dem Label des

Stadtmarketings „Vevey ville d’images“

positioniert. Ein visionärer Ansatz, der

die Grundlage für das Projekt Images

Vevey gelegt hat, das diese Absicht konkretisiert.

Über diese Geschichte hinaus ist Vevey

vor allem ein Experimentierfeld.

Die Stadt bietet eine große Vielfalt an

Kontexten – Uferpromenaden, Fassaden,

Gärten, Industriebrachen, Keller,

Dächer, See –, die es ermöglichen, Ausstellungen

anders zu denken. Bei Images

Vevey ist die Stadt keine Kulisse – sie ist

Teil der visuellen Erfahrung.

Wie ich oft betont habe, hat Kunst das

Potenzial, eine Stadt, ihre Architektur

und ihre Geschichte zu verwandeln; und

umgekehrt kann ein Werk im Licht seines

Präsentationskontexts eine neue Interpretation

finden. Genau das geschieht

hier bei der Kuratierung der Projekte von

Images Vevey.

Wann und wie begann das Images

Vevey, das in diesem Jahr 10 Jahre

feiert?

Stefano Stoll: Images Vevey entstand

2008 mit der Idee, die Stadt zu einem

Labor zu machen, um neue Arten der

Präsentation von Fotografie zu erproben.

Das Projekt ging von einer einfachen

Feststellung aus: Die Fotografie entwickelt

sich schnell, aber ihre Ausstellungsformen

bleiben oft sehr konventionell.

Es geht also darum, die frontale

Beziehung zwischen Betrachter und Bild

zu überwinden, um echte visuelle und

physische Erfahrungen zu schaffen.

Die Formel, die das Programm seit Beginn

leitet, lässt sich so zusammenfassen:

ein Künstler, eine Serie, ein Ort, eine

Präsentationsform … eine Geschichte.

Dieser erfahrungsbasierte Ansatz steht

seit der ersten Ausgabe im Zentrum des

Projekts und ist zum Markenzeichen

von Images Vevey geworden.

Die diesjährige Biennial of visual

arts Vevey steht unter dem Thema

„Family!“. Welche Gedanken verbergen

sich dahinter, und wie muss

man sich den Prozess von Themenfestlegung

und Auswahl der Künstler:innen

vorstellen?

Stefano Stoll: Die Familie wird hier als

offenes Thema verstanden, das über die

biologische Bedeutung hinausgeht und

Familie als affektiven, sozialen oder

politischen Begriff behandelt.

Was mich an einem Thema interessiert,

ist, dass es multiple Lesarten ermöglicht.

Familie berührt Fragen der

Abstammung, der Weitergabe, des Gedächtnisses,

der Geburt, der Trauer, aber

auch Formen der Zugehörigkeit oder Solidarität.

Für diese 10. Ausgabe verweist dieses

Thema auch auf die Geschichte von

Images Vevey, auf all die Menschen –

Künstler, Publikum, Partner –, die seit

den Anfängen zum Projekt beigetragen

haben. In der kuratorischen Arbeit geht

es immer darum, Künstler auszuwählen,

deren Werke eine persönliche Sicht

auf das Thema bieten, anstatt es einfach

zu illustrieren.

Wie finden Sie die immer neuen

Ausstellungsorte, die den besonderen

Reiz des Images Vevey ausmachen?

Stefano Stoll: Die Wahl der Orte ist

das Ergebnis einer ständigen Suche. Bei

Images Vevey ist die Übereinstimmung

zwischen einem Werk und einem Ort

das, was ich oft als den entscheidenden

Stefano Stoll © Julien Gremaud

Faktor bezeichnet habe. Entscheidend

ist die narrative Beziehung, die sich zwischen

einem Werk und einem urbanen

Kontext herstellen lässt.

Der Kontext inspiriert. Er verändert

manchmal die Bedeutung eines Bildes.

Das bedeutet auch, mit zahlreichen

Parametern umzugehen: architektonische

Einschränkungen, Verfügbarkeit

der Orte, technische Bedingungen, Wetter

oder regulatorische Unwägbarkeiten.

Die Programmgestaltung im öffentlichen

Raum entsteht unter dem Einfluss

vieler externer Faktoren, darunter die

Transformationen der Stadt oder die Dynamiken

des Immobilienmarktes. Doch

diese Einschränkungen tragen oft auch

zur Kreativität bei.

Wer entscheidet, wer wo gezeigt

wird? Entscheiden die Künstler:innen,

Kurator:innen oder die Oragnisator:innen,

wer welchen Ort bespielt?

Stefano Stoll: Es ist immer ein Dialog.

Das Programm entsteht aus dieser Beziehung

zwischen einem Werk, seiner

Präsentationsform und dem gewählten

Ort. Das erfordert eine enge Zusammenarbeit

mit den Künstlern, oft rund um

maßgeschneiderte Inszenierungen.

Viele Projekte werden als Prototypen

entwickelt, gemeinsam mit den Künstlern

oder Partnern erarbeitet und dann

an einen spezifischen Ort angepasst.

Dieser Prozess ist bei Images Vevey sehr

wichtig und kann sich über mehr als

zwölf Monate erstrecken. Er ermöglicht

es, diese Begegnung zu gestalten und das

künstlerische Anliegen aus einem neuen

Blickwinkel hervorzuheben.

In Vevey wird Fotografie museal

wie auch im Freien gezeigt. Was

ist der besondere Reiz und die Wirkung

von Fotografie im öffentlichen

Raum, und was muss dabei beachtet

werden?

Stefano Stoll: Der öffentliche Raum erlaubt

es dem Bild, seine gewohnten Rahmen

zu verlassen. Fotografie ist heute

eine universelle Sprache. Was mich interessiert,

ist die Art und Weise, wie der

Rezeptionskontext das Werk verändert –

und umgekehrt. Ein Bild an einer Fassade,

unter Wasser oder in einem Garten

wird nicht mehr auf die gleiche Weise

wahrgenommen.

Der öffentliche Raum ermöglicht auch

eine direktere Beziehung zu einem breiten

Publikum, das manchmal nicht vorgebildet

ist. Es ist eine andere Form der

Begegnung mit der Kunst und mit den

Geschichten der Künstler.

Das erfordert jedoch ein sehr gutes Verständnis

des künstlerischen Anliegens

und verlangt, Maßstab, Trägermaterial,

Umgebung und Rezeptionsbedingungen

sehr präzise zu durchdenken.

Wie kamen Sie zur Fotografie und

was begeistert Sie am Medium Fotografie?

Stefano Stoll: Als Mitbegründer und

Co-Direktor der Bieler Fototage wurde

mir bewusst, dass Fotografie ein viel

größeres Potenzial hat, als nur an den

Wänden von Galerien und Museen gezeigt

zu werden.

Meine Tätigkeit im künstlerischen Leitungsteam

der Schweizerischen Landesausstellung

Expo.02 im Jahr 2002 hat

mir gezeigt, dass es atypische und groß

angelegte Formen gibt, Begegnungen

zwischen Kunst und einem breiten Publikum

zu gestalten.

Was muss eine Fotografie mit Ihnen

machen, in Ihnen bewegen, damit

sie in Ihren Fokus kommt, Sie diese

ausstellen?

Stefano Stoll: Eine gute fotografische

Serie ist eine Serie, die eine Geschichte

erzählt – zugleich intim und universell

–, auf sehr direkte und unverstellte

Weise. Ich bevorzuge narrative fotografische

Ansätze gegenüber der dokumentarischen

Fotografie, die dieses

Medium seit seinen Anfängen geprägt

hat.

Was sind die Highlights der diesjährigen

10. Biennale Images Vevey?

Stefano Stoll: Diese Ausgabe ist zunächst

durch ihr Thema „We are family!“

und ihren Jubiläumscharakter

geprägt. Nach einer Befragung unseres

Publikums werden wir einige der Künstlerinnen

und Künstler zurückbringen,

die besonders in Erinnerung geblieben

sind.

Diese 10. Ausgabe vereint somit historische

Künstler und neue Stimmen, mit

mehreren bedeutenden Rückkehrern. Sie

tritt auch in Dialog mit anderen symbolischen

Jubiläen: 200 Jahre Fotografie,

15 Jahre des Projekts Inside Out von

JR, 60 Jahre des Montreux Jazz Festivals

(unser „großer Bruder“) – in einer Logik

von Resonanzen statt bloßer Gedenkfeiern.

Und wie immer besteht die Herausforderung

darin, Installationen vorzuschlagen,

die speziell für Vevey konzipiert

sind und daher nur hier zu sehen sind.

Die Zukunft von Images Vevey?

Welche Ideen, Projekte und Visionen

sind von Stefano Stoll noch unrealisiert?

Stefano Stoll: Ich wünsche mir, dass

Images Vevey sich weiterhin durch

Begegnungen mit Künstlern aus der

ganzen Welt und ihren verrücktesten,

außergewöhnlichsten und unkonventionellsten

Projekten entwickelt.

Wir möchten Künstler aus ihrer Komfortzone

herausholen, damit Images Vevey

als Labor für diese Künstler dienen

kann und auch in Zukunft Ausdrucksformen

erfindet, die man in Museen und

anderen Fotofestivals weltweit nicht finden

kann.

Die Zukunft von Images Vevey besteht

darin, weiterhin zu inspirieren.

Das Gespräch führte Kai Geiger

STEFANO STOLL

Stefano Stoll (geboren 1974 in

Zürich, Schweiz) ist der Gründer, Direktor

und Chefkurator von Images

Vevey in der Schweiz. Diese dynamische

Marke umfasst vier Hauptaktivitäten:

eine Biennale, einen

Förderpreis, einen permanenten

Ausstellungsraum und einen Verlag.

Seit 2008 hat Stefano Stoll monumentale

Außeninstallationen zum

Markenzeichen der Biennale für

visuelle Künste gemacht. Alle zwei

Jahre präsentiert Images Vevey ortsspezifische

fotografische Installationen

im Freien und in Innenräumen –

in den Straßen und Parks von Vevey,

an Gebäudefassaden, in Museen

und Galerien und sogar im Genfersee.

Er hat mit Künstlern wie Cindy

Sherman, Dayanita Singh, Christian

Marclay, Hans-Peter Feldmann, Paul

Fusco, René Burri, Lee Friedlander,

Ryōji Ikeda, Alex Prager, JR, Erwin

Wurm, Lebohang Kganye, Daidō

Moriyama, Christian Boltanski, Martin

Parr, Bettina Rheims, Alec Soth,

Thomas Struth, Bertien van Manen,

Carmen Winant und Gillian Wearing

zusammengearbeitet.

Neben der Leitung des Grand Prix

Images Vevey, einem der traditionsreichsten

europäischen Stipendien

für fotografisches Schaffen, gründete

und kuratiert er einen permanenten

Off-Space für zeitgenössische

Fotografie (L’Appartement – Espace

Images Vevey). Derzeit baut er den

hauseigenen Verlag von Images Vevey

weiter aus, der sich innovativen

redaktionellen Projekten widmet,

insbesondere durch die Schaffung

des Images Vevey Book Award.

Mehrere Bücher der Editions Images

Vevey standen auf der Shortlist der

renommierten Paris Photo-Aperture

Foundation Awards, von denen

eines als „Best PhotoBook of the

Year 2020“ ausgezeichnet wurde.

Rineke Dijkstra, Almerisa series, 1994 – today

Er ist Mitglied der AICA (Internationaler

Kunstkritikerverband)

und schreibt über Kulturpolitik,

Bildende Kunst und Fotografie.

2019 veröffentlichte er The Book of

Images (Koenig Books London), ein

Lexikon visueller Erfahrungen, das

die 299 Künstler aus 39 Ländern

vorstellt, die zwischen 2008 und

2018 an den Projekten von Images

Vevey teilgenommen haben.


46 | Videokunst

LOUISE | arttourist.com | 2026

Videokunst

Videokunst ist eine der wandlungsfähigsten Ausdrucksformen der Gegenwartskunst – ein Medium, das sich bewusst

zwischen den klassischen Kategorien bewegt. Seit ihren Anfängen in den 1960er-Jahren, als tragbare Kameras erstmals

künstlerisch eingesetzt wurden, hat sich Videokunst kontinuierlich weiterentwickelt und dabei immer wieder neue

technische Möglichkeiten aufgenommen. Doch trotz aller Innovationen bleibt ihr Kern derselbe: die Untersuchung

von Zeit, Wahrnehmung und Realität durch bewegte Bilder.

Im Gegensatz zum Film, der meist narrativen Strukturen folgt, entzieht sich Videokunst oft bewusst einer linearen

Erzählweise. Sie arbeitet mit Fragmenten, Wiederholungen, Verlangsamungen oder Überlagerungen und fordert das

Publikum dazu auf, Seherfahrungen neu zu denken. Dabei kann sie gleichermaßen intim wie monumental wirken –

vom kleinen Bildschirm in einer dunklen Ecke bis hin zu raumfüllenden Installationen.

Ein wesentliches Merkmal der Videokunst ist ihre Offenheit. Sie verbindet Elemente aus Performance, Musik, Skulptur

und digitaler Technologie und überschreitet dabei konsequent mediale Grenzen. Gerade im Zeitalter von Streaming,

sozialen Medien und allgegenwärtigen Bildschirmen gewinnt sie neue Relevanz: Videokunst reflektiert nicht nur die

Bilderflut unserer Zeit, sondern hinterfragt auch deren Wirkung auf unsere Wahrnehmung und unser Verständnis

von Wirklichkeit. So ist Videokunst heute weniger ein klar umrissenes Genre als vielmehr ein dynamisches Feld – ein

Experimentierraum, in dem Künstlerinnen und Künstler die Sprache der Bilder immer wieder neu erfinden.

Sie sind Kurator, Verleger, Dozent

im „Dienst“ und der Leidenschaft

für zeitbasierte Medienkunst erlegen.

Welcher Kunstfilm, welches

Video war der Türöffner für diese

Leidenschaft?

Olaf Stüber: Das war wohl 2003

Corinna Schnitt in der ersten reinen

Videokunst-Ausstellung in meiner damaligen

Galerie. Es war nicht nur ein

einzelner Film, der eine Tür öffnete,

sondern gleich eine kleine Werkgruppe:

„Schönen, guten Tag“, 1995, „Zwischen

vier und sechs“, 1997 „Raus

aus seinen Kleidern“, 1999 und „Das

schlafende Mädchen“, 2001. In ihren

Arbeiten, meist auf 16mm gedreht, ver

wandelte Corinna Schnitt dokumentarische

Fundstücke in herrlich absurde

Geschichten des kleinbürgerlichen Alltags.

Mit messerscharfem, augenzwinkerndem

Humor sezierte sie in diesen

Filmen Sprache, Gewohnheiten und

Floskeln, bis sich die Grenze zwischen

banaler Realität und komischer Groteske

vollends verwischte. Die Ausstellung

war mehr als ein Türöffner für meine

Leidenschaft. Sie war ein Türöffner in

einen ganz neuen Diskurs: über Medien,

die Präsentation von Medien und

Communitybuilding. Das erste Mal seit

der Eröffnung meiner Galerie tauschten

sich die Besucher über das Gesehene

aus. Auf einmal schienen alle Freude

daran zu haben, an der Eröffnung teilzunehmen

und am Galerienprogramm

partizipieren zu können.

Wie hat sich der Stellenwert von

Videokunst im musealen Kontext

von den Anfängen bis heute verändert?

Olaf Stüber: Nicht sehr viel. Künstlerfilm

und -video oder vielleicht auch

„zeitbasierte Medien“ fristen bis heute

ein Nischendasein. Der Art Basel/UBS-

Report 2025 zeigt – wie seit vielen Jahren

–, dass für diese Kunstform lediglich

0,7 bis 1% des gesamten globalen

bewegten Geldes ausgegeben wird – von

privaten und institutionellen Sammlungen

zusammen. Noch immer besteht

eine krasse Diskrepanz zwischen

der Bedeutung der Kunstform, die ja

gerne und viel gezeigt wird, und den

VAM © Knut Klaßen

Wir sprachen mit Olaf Stüber, Veranstalter

der Reihe „Videoart at Midnight“ in Berlin

Douglas Gordon + Olaf Stüber

© Jan Nicolas Harting

tatsächlichen Ankäufen. Viele relevante

Beiträge werden, wenn sie nicht über

den Umweg der privaten Sammlungsschenkungen

oder Künstlernachlässe

ihren Weg in Museumssammlungen

finden, der Nachwelt verloren gehen.

Es gibt einige beachtliche Videokunstsammlungen

in namhaften

Museen wie dem MoMA New York,

dem ZKM in Karlsruhe, dem Folkwang

Museum in Essen oder dem

Kunsthaus Zürich. Diese sind aber

mehrheitlich unter Verschluss und

werden nur temporär gezeigt. Was

passiert mit und in den Sammlungen

und wer nutzt sie wie?

Olaf Stüber: Gute Frage. Ich glaube,

dass die großen Museen erhebliche

Anstrengungen unternehmen, frühe

Videoarbeiten zu restaurieren und zu

digitalisieren. Da gibt es aber neben

den restauratorischen Fragen auch

immer rechtliche. Oftmals wurde beispielsweise

lediglich ein O-Matic-Band

gekauft, ohne Zertifikat, ohne andere

Belege. Die nachträgliche Beschaffung

der notwendigen Rechte kann sich als

sehr kompliziert erweisen.

Das digitale Zugänglichmachen

von Museumssammlungen gestaltet

sich auch aus den genannten rechtlichen

Fragestellungen – ob für das

Onlinestreamen oder für digitale

Sichtungsplätze in den Museen – als

eher schwierig. Viele Künstler wollen

schlicht den Online-Zugang zu ihren

Arbeiten nicht.

War und ist dies ein fließender

Übergang oder gibt es einen klaren

Schnitt zwischen der Videokunst

eines Nam June Paik, Marcel

Odenbach, Ulrike Rosenbach

und Künstler:innen von heute, die

sich in digitalisierten Welten und

immersiven Umgebungen bewegen

und ein hybrides Zusammenspiel

von Kunst, Wissenschaft und

Technologien kreieren?

Olaf Stüber: Ich bin kein Kunsthistoriker,

aber soweit ich das beobachte,

ist der Übergang fließend. Was früher

die tragbare Sony-Portapak-Videokamera

war, ist heute das iPhone mit

4k-Auflösung und Raw-Aufnahme.

Videokünstler haben immer die neueste

Technik verwendet. Was früher

Türme mit Monitoren waren, sind

heute raumgreifende Installationen,

projiziert oder mit großformatigen

LED-Wänden.

Vielleicht lässt sich ein Schnitt

2021/2022 machen, als das Thema

NFT und generative Kunst aufkam,

also die Bildgestaltung nicht mehr per

Kamera, sondern am Computer stattfand

und sich die Marktbedingungen

und -strukturen für diese neuen Medien

komplett änderten.

Sie haben von 2001 bis 2011 die

Galerie Olaf Stüber betrieben. Wer

sammelt Videokunst und wie bemisst

sich der Preis und der Wert

des Mediums?

Olaf Stüber: Videokunst sammeln

sowohl private als auch institutionelle

Sammlungen. Lange nicht genug,

wie oben schon erwähnt. Die Frage

zielt wohl auf die privaten Sammler

ab? Es sind nicht nur junge Sammler,

wie man vielleicht denken könnte. Ich

würde fast sagen, es sind eher die „fortgeschrittenen“

Sammler, die mit dem

Ankauf anderer Medien Erfahrung gesammelt

haben und sich dann in den

Bereich Videokunst vorwagen. Also die

Sammler, die nicht mehr für die Wand

im Wohnzimmer kaufen, sondern weil

sie die Kunst einfach besitzen wollen

oder erkannt haben, dass ein Werk eine

Bedeutung hat, auch wenn es dann in

der Schublade oder auf einem Server

gespeichert wird und nicht mehr sichtbar

ist. Die wenigsten sammeln aus

Prestigegründen. Und Spekulation erlaubt

sich ohnehin nicht, da es kein Sekundärmarkt

für Videokunst gibt. Ich

glaube, dass viele Videokunstsammler

tatsächlich kaufen, weil sie dabei sein

und unterstützen wollen: die Künstler,

die Galerie. Immer wieder sehe ich Beispiele,

wo aus Käufern Produzenten

werden, also Sich-am-Entstehungsprozess-Beteiligende.

Die Preisgestaltung setzt sich wie bei

anderen Medien aus verschiedenen

Faktoren zusammen: den Produktionskosten,

dem Renommee des Künstlers,

dem Renommee der Galerie, dem

Renommee des Marktplatzes usw. Und

am Ende ist es vielleicht auch eine Behauptung,

die dann aber von Marktteilnehmern

durch den tatsächlichen

Kauf bestätigt werden muss.

Wie wichtig sind Portale wie IMAI

PLAY oder ihre eigene Edition „Videoart

at Midnight“ für den Erhalt

von Videokunst? Was wird

dort angeboten und von wem wird

es genutzt?

Olaf Stüber: Beides hat seine Berechtigung

auf unterschiedliche Weise.

IMAI hat eine sehr starke Position in

der Erhaltung von Werken, insbesondere

auch von früher Videokunst, und

darin, diese auch online zugänglich zu

Pauline Boudry + Renate Lorenz-02

machen. Wer das Angebot von IMAI

nutzt, entzieht sich meiner Kenntnis,

ich vermute eher Forschende. Die „Videoart

at Midnight“-Edition geht einen

anderen Weg. Die einzelnen Werke

werden auf dem Kunstmarkt angeboten.

Allerdings nicht in einer üblichen

Auflage von 3, 5 oder 7 Kopien, sondern

in einer Auflage von 40. Dadurch

ist es uns möglich, die Editionen zu einem

sehr günstigen Preis anzubieten.

Es ist weniger ein profitorientiertes als

ein demokratisches Modell, das die Erhaltung

der Werke auf mehrere Schultern,

sprich Sammlungen, verteilt. Die

„Videoart at Midnight“-Edition zielt

auf eine breitere Sichtbarkeit, die Bildung

einer Gemeinschaft um „Videoart

at Midnight“ herum ab. Damit

versuchen wir dem Medium eher gerecht

zu werden als die sonst auf dem

Kunstmarkt vorherrschende strenge

Limitierung.

Zusammen mit dem Berliner

Sammler Ivo Wessel gründeten Sie

die Reihe „Videoart at Midnight“.

Was verbirgt sich dahinter?

Olaf Stüber: Ivo Wessel war 2008 Mitgründer

von „Videoart at Midnight“. Er

war damals nicht nur ein eng mit der

Galerie verbundener Sammler, sondern

auch ein profunder Kenner der Berliner

OLAF STÜBER

Olaf Stüber ist ein Berliner Kurator,

Herausgeber und Referent mit

einem Schwerpunkt auf Künstlerfilm

und -video. Bereits mit seiner

Galerie (2001–2011) setzte er einen

Schwerpunkt auf das Bewegtbild

und war damit zu der Zeit einer der

wenigen Galeristen, die sich dieses

Mediums überhaupt annahmen.

Das wohl bekannteste Projekt

von Olaf Stüber ist „Videoart at

Midnight“, das er 2008 gemeinsam

mit einem befreundeten Sammler

ins Leben rief: Die monatlich stattfindende

Veranstaltungs-Reihe im

Babylon Kino in Berlin-Mitte lädt

Künstler:innen ein, ihre Werke auf

der großen Leinwand zu zeigen. Sie

eröffnet damit einen Einblick in die

aktuelle Videokunstproduktion der

internationalen Berliner Kunstszene

und bietet sowohl namhaften wie

auch aufstrebenden vielversprechenden

Künstlern ein einzigartiges

Forum.

Darüber hinaus ist Olaf Stüber

Herausgeber einer Videokunstedition.

Er hält regelmäßig Vorträge

und Workshops insbesondere

über Künstlerfilm und -video im

Netzwerk des Kunstmarktes, wie

beispielsweise im Bildungswerk des

Berufsverbands Bildender Künstler

sowie international an Hochschulen.

Er kuratiert regelmäßig Programme

und Ausstellungen für Institutionen

wie dem Goethe-Institut, für Messen

und Festivals und war Mitglied in

einer Vielzahl von Festival-Jurys.

Olaf Stüber lebt und arbeitet in

Berlin. Er ist Mitglied im IKT International

Association of Curators of

Contemporary Art.


LOUISE | arttourist.com | 2026 Videokunst | 47

Videokunst Tipps

audience © Thierry Geoffroy

Kunstszene. Aus den Erfahrungen, die

ich mit der Galerie insbesondere auf

Messen gemacht habe, wollten wir

einen „Safe Space“ für Künstler, die

mit Film und Video arbeiten, anbieten.

Das Konzept war von Anfang an sehr

einfach: einmal im Monat, immer an

einem Freitag um Mitternacht, wollten

wir einen Künstler/eine Künstlerin einladen,

ihre Werke auf der großen Leinwand

eines Kinos zu zeigen. In guter

Bildqualität und mit gutem Soundsystem.

Jeder Abend sollte einem Künstler/einer

Künstlerin gewidmet sein, sie

sollten anwesend sein und, so der Plan,

ihre Werke selbst dem Publikum vorstellen.

Um wirklich unabhängig zu sein,

wollten wir aus dem monetären System

aussteigen und ein Projekt starten,

das ohne Budget funktioniert. Bis

heute bekommen weder das Kino noch

die Künstler noch ich selbst Geld aus

diesem Projekt. Und da die Kosten bei

null sind, müssen wir auch keinen

Eintritt verlangen. Dieses finanzielle

Vakuum schafft eine einzigartige

Freiheit: Wir sind weit entfernt von

Marktinteressen oder auch politischen

Zwängen – in einem Raum (Kino) und

zu einer Zeit (Mitternacht), zu der Besucher

nur kommen, weil sie sich bewusst

dafür entscheiden, sich mit der

Kunst auseinanderzusetzen.

Ist die Veranstaltungsreihe Treffpunkt

einer eingeschworenen Fangemeinde

oder wie ist die Typologie

Ihres Publikums?

Olaf Stüber: Durch den Wegfall des

Ticketpreises haben wir den Besucher

vom Konsumenten zum Teilnehmenden

gemacht. Über die Jahre hat sich

„Videoart at Midnight“ zu einer Art

Kultveranstaltung entwickelt. Während

wir regelmäßig zwischen 120

und 150 Gäste begrüßen, füllen

Abende mit Künstlern wie Douglas

Gordon, Hito Steyerl oder Wolfgang

Tillmans das Kino mit seinen 500

Sitzen bis auf den letzten Platz. Es

gibt ein langjähriges Stammpublikum,

aber es kommen immer wieder

neue, oft junge Besucher. Insgesamt

ist unser Publikum international,

divers und unglaublich loyal. Das

beweist: Wenn man den kommerziellen

Druck rausnimmt, verliert man

nichts, sondern gewinnt einen lebendigen,

dynamischen Diskurs, der

weitaus widerstandsfähiger und authentischer

ist als viele kommerzielle

Strukturen. Dies hat dazu geführt,

dass ich 2011 meine Galerie schloss

und mehr und mehr Zeit und Energie

in „Videoart at Midnight“ gesetzt

habe.

Letztendlich geht es darum, die

Kunsterfahrung mit anderen zu teilen.

In einem kommerziellen Umfeld

wird Kunst oft als „privat asset“ betrachtet.

Bei Videoart at Midnight

bringen wir sie zurück in die „community“.

Es geht um den gemeinsamen

Moment des Sehens, die geteilte

Stille in der Dunkelheit und den anschließenden

Diskurs.

Das Gespräch führte Kai Geiger

Angelica Mesiti, The Rites of When © Tinguely Musuem

Basel (CH)

Angelica Mesiti – Reverb

bis 30.8.2026

In einer Zeit, die von digitaler Kommunikation geprägt ist,

richtet Reverb den Blick auf körperliche Formen menschlicher

Verständigung. Die Ausstellung versammelt fünf

Videoarbeiten der australischen Künstlerin Angelica Mesiti,

die unterschiedliche Disziplinen auf poetische Weise

miteinander verknüpft. Die Werke führen den Zauber des

Alltäglichen unmittelbar vor Augen und zeigen, wie kulturelle

Traditionen, Rituale, Musik und Klänge Identität

formen und Gemeinschaft stiften.

Angelica Mesiti (*1976), wohnhaft in Paris, arbeitet multidisziplinär

an der Schnittstelle von Performance, Sound

und Video. Ihre filmischen Arbeiten und raumgreifenden

Installationen machen performative Praktiken erlebbar:

Sound, Bewegung und Gestik dienen als nonverbale Kommunikationsformen

und erzeugen Resonanzen zwischen

Menschen, Orten und kulturellen Praktiken.

Museum Tinguely | www.tinguely.ch

Stephanie Comilang Lumapit Sa Akin Paraiso, Berlinische Galerie

Berlin

IBB-Videoraum Berlinische Galerie

Im IBB-Videoraum werden seit 2011 Künstler:innen

präsentiert, die mit zeitbasierten Medien arbeiten. Das

Programm umfasst nicht nur etablierte Namen der zeitgenössischen

Videokunst, sondern auch junge Positionen,

die bisher kaum in Museen zu sehen waren. Ihnen

soll in der Berlinischen Galerie ein erster institutioneller

Auftritt ermöglicht werden.

Jedes Screening erlaubt eine neue Auseinandersetzung

mit Werken, die mediale oder auch politische und soziale

Fragestellungen anstoßen. Besonderes Augenmerk

liegt dabei darauf, marginalisierten Perspektiven Raum

zu geben und Auswirkungen von Machtstrukturen

sichtbar zu machen.

Daniel Asadi Faezi & Mila Zhluktenko| 03.06.– 06.09.2026

Creamcake 3hd 2026 |ab September 2026

www.berlinischegalerie.de/ibb-videoraum/

Genf (CH)

Videosammlung des FMAC - Collection

d’art contemporain de la Ville de Genève

Die Videosammlung des FMAC besteht aus rund 1‘700

Werken. Sie zählt zu den bedeutendsten in Europa.

Sie beruht auf vier Ensembles, den jährlich vom FMAC

getätigten Videoankäufen, den Werken des Fonds André

Iten, die 2009 vom Centre pour l‘Image Contemporaine

(CIC) geerbt wurden und den wichtigsten Teil

dieser Sammlung bilden, dem Fonds Chazalon, der

auf und um das Werk von Chris Marker herum aufgebaut

wurde, dem Fonds Olesen-Minkoff, der die gesamte

Arbeit dieses Genfer Künstlerpaars umfasst, das

als Pioniere der Videokunst gelten kann. Die Videosammlung

des FMAC besteht aus rund 1‘700 Werken.

Sie zählt zu den bedeutendsten in Europa.

www.fmac-geneve.ch

Stiftung IMAI

Die Stiftung IMAI widmet sich der Archivierung, Distribution,

Erhaltung und Vermittlung von Videokunst. Das

Archiv umfasst rund 3.000 künstlerisch und dokumentarisch

wertvolle Werke, die einen weitgefassten Überblick

über die Entwicklung der Videokunst geben: von ihrer

Pionierzeit in den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Das

Online-Videoarchiv umfasst annähernd 1.100 Videos,

die in voller Länge abgespielt werden können. Es stellt ein

fundiertes Informations- und Rechercheinstrument über

die Entwicklung der Videokunst von den 1960er Jahren

bis heute dar und bietet Wissenschaftler*innen, Studierenden

und allen Interessierten einen beachtlichen Fundus

an kunsthistorisch bedeutsamen audiovisuellen Kunstwerken

und Dokumentationen.

www.stiftung-imai.de

www.stiftung-imai.de/video/katalog

David Hall, TV Interruptions (7 TV Pieces), 1971 © David Hall

Karlsruhe

Medialounge des ZKM Karslruhe

Die Medialounge ist ein sogenannter »third place«,

d.h. ein Ort, der nicht das Zuhause oder der Arbeitsplatz

ist, sondern ein öffentlicher Raum, in dem man

sich ohne jede berufliche Verpflichtung oder Zwang,

etwas zu kaufen, aufhalten und austauschen kann. Die

Medialounge bietet ideale Bedingungen, um zu lesen,

gemeinsam zu lernen, zu diskutieren und die Videound

Audiosammlung des ZKM zu entdecken. Die Videosammlung

umfasst über 1.500 Werke, die Audiosammlung

über 9.000 Titel, darunter auch die Titel

des IDEAMA, des »Internationalen digitalen elektroakustischen

Musikarchivs«.

www.zkm.de/de/medialounge

2026 Videoart at Midnight meets Seoul

Installation view, GENERATION LOSS, JSF Düsseldorf, first floor. Photo ©Simon

Vogel, Cologne.

Düsseldorf

Julia Stoschek Foundation

Die Julia Stoschek Foundation ist eine 2017 gegründete

gemeinnützige Kunst- und Kulturstiftung, die sich der öffentlichen

Präsentation, Vermittlung, Förderung, Konservierung

und wissenschaftlichen Aufarbeitung zeitbasierter

Kunst widmet.

Mit über 1.000 Werken von mehr als 300 Künstler:innen

umfasst die 2002 gegründete JULIA STOSCHEK COL-

LECTION Video, Film, Mehrkanal-Videoinstallationen,

Multimedia-Environments, Performance-, Sound- und

Virtual-Reality-Arbeiten. Fotografie, Skulptur und Malerei

ergänzen den zeitbasierten Schwerpunkt.

www.jsfoundation.art

Csilla Könczei, Egy elvont ismeret – An Abstract Knowledge, 1993

© Csilla Könczei

Hidden on Tape. Frühe Videokunst in Europa

28.11.2026 – 30.05.2027

Die Ausstellung gibt anhand einer Auswahl von Arbeiten

aus mehr als 26 europäischen Ländern – wobei Europa

als eine geografische, kulturelle und soziopolitische Zuordnung

verstanden wird –, einen Überblick über die Entwicklungen

der Videokunst und ihre unterschiedlichen

Ausformungen in Europa – ausgehend vom Ende der

1950er- bis in die 1990er-Jahren.

www.zkm.de


48 | Discover

LOUISE | arttourist.com | 2026

Art is defiant

Katharina Sieverding, Stauffenberg-Block IX/1969, 1969/1996. © Katharina Sieverding, VG Bild-Kunst. Photography by © Klaus Mettig, VG Bild-Kunst. Courtesy of the artist and Galerie Thomas Schulte.

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June 18 - 21, 2026

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