LOUISE 2026
Kulturzeitung der www.arttourist.com zum Thema Fotografie mit Interviews und Ausstellungstipps. Jahrespublikation Laufzeit von Juni 2026 bis Mai 2027 mit Informationen, Hintergründen, Interviews und vielen Tipps mit Links.
Kulturzeitung der www.arttourist.com zum Thema Fotografie mit Interviews und Ausstellungstipps. Jahrespublikation Laufzeit von Juni 2026 bis Mai 2027 mit Informationen, Hintergründen, Interviews und vielen Tipps mit Links.
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LOUISE
#Fotografie
arttourist.com gazette
2026/2027
Fotografie | Fotoausstellungen | Fotofestivals | Fotobuch | Videokunst | Immersive Art
Photograph ©️ ALPA Ambassador Joni Hedinger
The tools we use shape our experience of the world.
LOUISE | arttourist.com | 2026
Editorial | 3
Le Voyage
à Nantes
4. JULI — 6. SEPTEMBER
Erde
EIN KUNSTPARCOURS DURCH DIE STADT
ALI CHERRI
ANNE-CHARLOTTE FINEL
LOUIS GUILLAUME
CAROLINE LE MÉHAUTÉ
THÉO MERCIER
DOMINIQUE PETITGAND
EDGAR SARIN
BARBARA SCHROEDER
PIERRICK SORIN
www.levoyageanantes.fr
SÉDIMENTATION(S)
BPM 2026
7 ÈME ÉDITION DE LA BIENNALE DE LA PHOTOGRAPHIE DE MULHOUSE
5 JUIN - 5 JUILLET 2026
Journées inaugurales
les 5-6-7 juin
Crédit photo : François Jonquet, Forage, 2023
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
liebe Freunde der arttourist,
Nach dem großen und rund um positiven Echo
und Erfolg unserer ersten Fotografie-Ausgabe HEN-
RI, die im Vorfeld der Basler Kunstmessen-Woche
und dem 10-jährigen Jubiläum der photo basel
2025 erschien, gehen wir mit LOUISE in das Jahr
2026. Diese Ausgabe erweitern wir um Fotografiekorrespondierende
Aspekte, Themen rings um das
bewegte Bild mit Film- und Videokunst, KI und die
Immersive Art, dort wo es immer auch um das Bild,
das Festhalten und die visuelle Wirkung der Aktionen
geht.
Mit LOUISE setzen wir unsere Idee des Namenswechsels,
den wir seit Beginn unserer verlegerischen
Tätigkeit mit jeder Ausgabe „spielen“, fort
– was über alle Medien unser Alleinstellungsmerkmal
und für die Leser:innen immer eine freudig
erwartete Überraschung ist. LOUISE assoziiert die
amerikanische Fotografin LOUISE Dahl-Wolfe, die
als Schlüsselfigur der amerikanischen Fotografie
der 30er-, 40er- und 50er-Jahre gilt und deren Arbeit
großen Einfluss auf berühmte Fotografen wie
Horst P. Horst, Richard Avedon und Irving Penn
hatte. Ihr neuartiger und moderner Zugang zum
Hollywood-Porträt und zur Modefotografie prägen
die amerikanische visuelle Kultur bis heute.
Unsere LOUISE und Gesicht auf dem Cover ist die
junge deutsche Fotografin Milena Schilling, die uns
durch ihre intensiven und ausdrucksstarken, redaktionellen,
dokumentarischen und künstlerischen
Fotografien begeistert hat und die Sie in dieser Ausgabe
kennenlernen werden.
Fotografie ist weit mehr als das bloße Drücken eines
Auslösers oder das Festhalten von Lichtwellen
auf einem Sensor. Es ist die einzige Sprache, die auf
der ganzen Welt ohne Worte verstanden wird. Mit
LOUISE übergebe ich Ihnen ein leidenschaftliches
Plädoyer für eine Kunstform, die unsere Wahrnehmung
der Realität für immer verändert hat.
Kunst und Kultur inspirieren mich seit mehr als
30 Jahren in und für meine Arbeit, die zur Leidenschaft
geworden ist. Inspiration für LOUISE fand
ich u.a. beim letztjährigen Rencontres Festival in
Arles, Wolfgang Tillmans im Centre Pompidou in
Paris, bei 100 Jahre Arnold Odermatt in der Galerie
Springer in Berlin, Helga Paris im Fotografiska Berlin,
Elliott Erwitt im Palazzo Reale in Palermo, beim
Besuch des FOMU in Antwerpen, Brigitte Kraemer
im Zollverein, Hans-Peter Feldmann im Kunstpalast
Düsseldorf und in der grandiosen Ausstellung
über Wim Wenders im der Bundeskunsthalle Bonn
und vielen weiteren Besuchen von Kunst- und Kulturveranstaltungen
...
... solange es diese noch gibt! Ich mache mir Sorgen
um die Kultur. Nicht um die Kreativität, die
Motivation, Leidenschaft und den Ideenreichtum
der vielen, vielen Kulturschaffenden. Sondern um
deren Existenz, deren Mut und einer Perspektive
für deren Arbeit. „S’goht degege“, sagt man hier im
Süden. Es muss mehr denn je gespart werden, und
egal, wie man es dreht und wendet, steht Kultur
beim Einsparpotenzial der Länder und Kommunen
ganz oben. Darüber hinaus kämpfen die Kultureinrichtungen
mit einer massiven Kostenexplosion,
der keine entsprechenden Einnahmen gegenüberstehen.
Vieles wird mit offenem Ende kontrovers
diskutiert und hinterfragt. Bleiben Sie den vielen
Theatern, Museen, Galerien, Festivals, Clubs und
Kulturschaffenden gewogen und unterstützen Sie
diese mit Ihrem Besuch und kämpfen Sie für jeden
Kulturbetrieb, der zur Disposition steht. Was geht,
kommt nicht wieder. Auch der kleinste Verlust ist
einer zu viel.
In LOUISE, auf unserer Plattform arttourist.com
und in unserem Kulturkiosk KUKIOSK.com finden
Sie viele Ideen, Vorschläge und Empfehlungen für
viele wunderbare und einzigartige Kunst- und Kulturmomente.
Mit herzlichen Grüßen
Kai Geiger © Andreas Behrendt
Diese Zeitung erscheint KOSTENFREI!
Wenn Ihnen LOUISE gefallen hat,
unterstützen Sie uns in unserer Arbeit
aus Leidenschaft
für die Kultur jenseits
eines großen
Medienhauses mit
einem Kaffee für
unseren KUKIOSK!
Herzlichen Dank!
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St. Johanns-Rheinweg 43
4056 Basel
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during art basel
June 16-20
open daily 17 - 24 h
JIMI
Jazz | Neue Musik | Klassik 2.0 | Elektro | Klang | Medien | Green Culture
arttourist.com gazette
2026
www.biennale-photo-mulhouse.com
Kai Geiger
Herausgeber arttourist
geiger@arttourist.com
JIMI 2026, Zeitung für Jazz, Neue Musik,
Klassik 2.0, Elektro, Klang, Medien und
Green Culture
4 | Basel
LOUISE | arttourist.com | 2026
Alle Bilder © photo basel gmbh
Basel (CH)
photo basel
16. – 21.06.2026
Die photo basel ist die erste und einzige Fotokunstmesse
der Schweiz und widmet sich ausschließlich
der Kunstfotografie. Bereits zum
elften Mal bringt die Messe Galerien aus aller
Welt in einem einzigartigen, authentischen
Rahmen zusammen. Sie versteht sich als integrative
Plattform, die alle Akteur:innen der
Kunstwelt miteinander verbindet.
Die photo basel trägt aktiv zum Dialog im Bereich
der Fotografie bei und macht die Kunstfotografie
durch ein vielfältiges Rahmenprogramm
für ein breites Publikum zugänglich.
Vom 16.–21. Juni 2026 begrüsst die photo basel
mehr als 40 internationale Galerien. Die
photo basel freut sich sowohl wiederkehrende
Galerien u.a. Bildhalle (Zürich), Dorothée
Nilsson (Berlin), IBASHO (Antwerpen), Galerie
Esther Woerdehoff (Paris), Galerija Fotografija
(Ljubljana) als auch neue Galerien, darunter:
Galerie Scena (Tokyo), Atlas (London),
O-Art Project (Lima) und Galerie Bessières Art
contemporain (Paris) sowie viele weitere auf
der Messe begrüssen zu dürfen.
Neben den ausgestellten Werken bietet die
photo basel ein umfangreiches Rahmenprogramm,
u.a. kostenlose Führungen, spezielle
Parcours und Panel Talks.
Die photo basel präsentiert über 450 Werke
von fast 170 Künstler:innen. Dabei setzt sie
auf eine große Vielfalt an Positionen und zeigt
sowohl zeitgenössische als auch klassische fotografische
Arbeiten.
Zu den Höhepunkten der Messe gehören international
bekannte künstlerische Positionen,
u.a.: Vivian Maier, Man Ray, André Kertész,
Philipp Giegel, Marina Abramovic´, Imogen
Cunningham sowie Susa Templin, Carlos
Leal, Roger Ballen und viele weitere.
Die Liste aller teilnehmenden Galerien finden Sie
unter www.photo-basel.com/galleries-2026-de
LOUISE | arttourist.com | 2026 Basel | 5
beyond photography
«beyond photography» ist eine kuratierte Auswahl
künstlerischer Positionen, die das Medium
der Fotografie durch verschiedene experimentelle
Drucktechniken sowie den Übergang
vom zweidimensionalen Bild zur dreidimensionalen
Form über seine traditionellen Grenzen
hinaus erweitern. Die Sektion vereint
unterschiedliche Ansätze und stellt Praktiken
in den Fokus, die das Medium Fotografie aktiv
weiterdenken.
Susa Templin (electron libre)
Die Arbeiten von Susa Templin bewegen sich
an der Schnittstelle von Fotografie, Skulptur
und Installation. In ihren Werken untersucht
sie Raum, Architektur und Wahrnehmung
und überführt fotografische Bilder in plastische
Formen. Durch Schichtung, Fragmentierung
und räumliche Anordnung entstehen
vielschichtige Kompositionen, die zwischen
Fläche und Körper, Abbild und Objekt oszillieren.
So eröffnet Susa Templin neue Perspektiven
auf das Verhältnis von Bild, Material und
Raum. (electron libre)
Ayo Banton (Doyle Wham)
Ayo Banton arbeitet mit Fotografie, Licht und
floralen Arrangements. Seine Werke entstehen
aus sorgfältig komponierten Blumenskulpturen,
die er fotografisch in vielschichtige Bildwelten
überführt. Dabei verbindet er kunsthistorische
Bezüge mit einer zeitgenössischen
fotografischen Sprache. Ayo Banton verbindet
in seinen Arbeiten unterschiedliche
fotografische Techniken. Neben solarisierten
Prints und entwickelt er auch Verfahren, in
denen er Cyanotypien mit digital erfassten
Spektrogrammen pflanzlicher Signaldaten
kombiniert. So entstehen Werke, die Natur,
Wissenschaft und künstlerische Forschung
miteinander verknüpfen.
photo basel
16 – 21 June, 2026
17
Perve
15
Lise
Braun
16
PYTHONGALLERY
14
SMUDA-
JESCHEK
AN INC.
11
27 28
Buchkunst
Berlin
Imaginario
12
espace_l
10
O-Art
Project
Inka und Niclas
(Dorothée Nilsson Gallery)
Die skulpturalen Arbeiten des Künstlerduos
entstehen in engem Bezug zu den ausgestellten
Fotografien. Von Hand geformt und in
eine fotografische Emulsion getaucht, tragen
sie Fragmente desselben Bildes auf ihrer
Oberfläche und übersetzen Fotografie in den
dreidimensionalen Raum. So untersuchen
die Künstler die Materialität, Lesbarkeit und
räumliche Präsenz fotografischer Bilder.
novum
«novum» vereint Werke, die erstmals
öffentlich gezeigt werden – entweder eigens
für die photo basel neu produziert oder bislang
ungesehene Arbeiten, sei es frisch abgeschlossen
oder neu entdeckt beziehungsweise
wiederentdeckt. Was sie verbindet, ist ihre
Premiere: Jedes Werk wird dem Publikum der
photo basel zum allerersten Mal präsentiert.
A9
M-Gallery
A8
Newhouse
18
Febo e
Dafne
19
a/e
Galerie
20
AC
contemporary
21
Atlas
Galerie
Bessières
26 29
25
Cyril
Kobler
Analix
Forever
electron
libre
24 31
23 32
22
Galerie
Springer
Bildhalle
Catherine &
André Hug
Team
Kraemer
33
IBASHO
9
Galerie
Monika
Wertheimer
8
Galerie 94
7
Rademakers
Doyle Wham
6
annabelle’s choice
Das Magazin annabelle ist Partnerin der kommenden
Ausgabe der photo basel. Im Rahmen
dieser Zusammenarbeit wählt die Bildredaktion
von annabelle eine Auswahl von Werken
von Fotograf:innen, die aufgrund der Thematik
oder Technik auf der Messe besonders hervorgehoben
werden.
photo basel in conversation
photo basel präsentiert eine Reihe von
Podiumsgesprächen zu unterschiedlichen
Themen sowie Artist Talks mit Fotograf:innen,
deren Arbeiten an der 11. Ausgabe von photo
basel gezeigt werden.
A10
form
gallery
A2
A3
Gutknecht
ICONICO
Dorothée
Nilsson
Gallery
A1
Ira
Stehmann
front desk
A4
VIP
A6
Galerija
Fotografija
A5
Galerie
Esther
Werdehoff
A7
Gallery SCENA
toilets
3
Davide
di
Maggio
1 2
Camara
Oscura
F1
Amidexter
4
Galerie
Alex
Schlesinger
Suite 59
F2
Jasmin
Glaab
Bar
Öffnungszeiten
16. – 21.6.2026
Dienstag, 16 – 20.6.2026, 12–20 Uhr
Sonntag, 21. 6.2026, 12–18 Uhr
cloakroom
toilets
Lounge
Volkshaus Basel Rebgasse 12, CH-4058 Basel
www.photo-basel.com
Floorplan 2026
entrance/exit
outdoor Lounge
6 | Basel
LOUISE | arttourist.com | 2026
Wir sprachen mit dem Gründer und Leiter der
photo basel Sven Eisenhut
Wir leben in unruhigen und herausfordernden
Zeiten. Eine wirkliche
Erholung seit der Pandemie
hat sich nicht abgezeichnet. Seit
der letzten photo basel hat sich
die weltpolitische und wirtschaftliche
Lage weiter verschlechtert
und die Ereignisse überschlagen
sich in immer kürzeren Intervallen.
Inwieweit hat dies Auswirkungen
auf die photo basel? Wie
gehen Sie damit um, wie beeinflusst
dies Ihre Arbeit?
Sven Eisenhut: Kunst ist ein Luxusprodukt
– die Frage, die sich Sammler:innen
stellen, ist folgende: Warten
wir ab oder kaufen wir jetzt erst
recht, weil alles um uns herum gerade
so schlecht ist. Für das Organisieren
einer Messe wie die unsere sind vor
allem Wechselkurse sowie Zollbestimmungen,
welche sich oft ändern,
eine Herausforderung. Ansonsten leben
wir in der Schweiz in einer ziemlichen
„Bubble“ – zum Glück.
Neben Ihrer Stammmesse im Juni
in Basel sind Sie in Zusammenarbeit
mit der POSITIONS Berlin
Art Fair im September in Berlin
und mit der SCOPE Anfang Dezember
in Miami präsent. Wie
hat sich diese Zusammenarbeit
entwickelt und wie wichtig ist
das „ganzjährige“ Angebot für Sie
und Ihre Kunden?
Sven Eisenhut: Eine Messe wie die
photo basel ist ja lediglich während
einer Woche pro Jahr „live“ – daher
freuen wir uns enorm auf die Woche
in Berlin mit der POSITIONS Berlin
art fair, denn somit sind wir eine
weitere Woche „live“ zu erleben, was
unserem Brand wirklich guttut. Und
klar, es ist schön, in Berlin ebenfalls
Galerien und Sammler:innen erneut
zu treffen.
Sieht man Unterschiede im Kaufverhalten
und der Sammlertätigkeit
zwischen den einzelnen
Standorten?
Sven Eisenhut: Ja. Basel ist für uns
im Moment sicherlich am stärksten
– die Besucher:innen sind extrem gebildet
– brauchen vielleicht einen Tag
länger, um sich zu entscheiden, sind
aber extrem gut informiert. In Berlin
ist die Kaufkraft noch nicht ganz zu
vergleichen mit der von Basel, aber
das Interesse ist groß. In Miami müssen
die Werke vor allem zum Haus
und der Dekoration passen – entschieden
wird schneller.
Auch im letzten Jahr sind eine
Reihe von großen Fotografie-Ausstellungen
steil gegangen, echte
Blockbuster wie Nan Goldin (Berlin,
Mailand und jetzt in Paris),
Wolfgang Tillmans, der die letzte
Ausstellung im Centre Pompidou
ausgerichtet hat und jetzt
in Dresden gezeigt wird, oder die
großartige Ausstellung über Wim
Wenders in Bonn und jetzt in
Frankfurt. Spüren Sie diese wachsende
Leidenschaft an der Fotografie
in steigenden Besucher- und Verkaufszahlen
und wäre nicht eine
zeitgleiche Fotoausstellung in einer
der Basler Museen ein zusätzlicher
Booster für die photo basel?
Sven Eisenhut: Die Museen in Basel
machen einen hervorragenden Job –
ich denke, es ist nicht immer einfach,
auf die Art Basel-Woche hin alles zu
koordinieren.
Klar wäre es schön, noch mehr Fotografie
zu sehen – es gibt eine tolle
Ausstellung im Naturhistorischen
Museum namens „Wildlife Photographer
of the Year“ – immerhin.
(bis 28.06.2026 www.nmbs.ch)
Neben den etablierten Künstler:innen
gibt es einen wachsenden
Markt an neuen Talenten.
Wie sieht der Markt für junge,
noch unbekannte Fotokünstler:innen
aus? Was raten Sie diesen
und bietet die photo basel diesen
ein Forum?
Sven Eisenhut: Noch nicht – wir haben
sie aber auf dem Schirm und arbeiten
an Konzepten für die Zukunft
– noch ist jedoch nichts spruchreif.
Sven Eisenhut | © Robyne Dubief
Die photo basel 2026 beginnt in
wenigen Tagen. Was ist neu, besonders
und macht einen Besuch
auf der photo basel zu einem
Must-see?
Sven Eisenhut: Was uns auszeichnet?
Wir sind eine Boutique-Messe
mit Charakter. Bei uns bekommen
Besucher:innen einen echten Überblick
darüber, was die Szene aktuell
bewegt. Unsere diesjährige Ausgabe
ist so international wie nie zuvor und
macht die kreative Energie von über
150 Fotograf:innen erlebbar. Abgerundet
wird das Ganze durch kleine,
aber feine Sonderausstellungen, die
wir mit viel Liebe zum Detail kuratiert
haben.
Das Gespräch führte Kai Geiger
Naturwein,
mitten in Basel.
Ein kopfsteingepflasterter Innenhof an
der Rheinpromenade. Hier entsteht ehrlicher
Handwerkswein: Willkommen in der
S.P.A Weinkellerei.
Seit 2022 holt ein engagiertes Team die
Weinproduktion zurück in die Stadt. Die
Vision: «Wein erleben». Offene Kellertüren
laden dazu ein, den Weg der Traube
transparent mitzuverfolgen.
Die biodynamischen Spätburgunder-
Trauben vom Tüllinger Hügel werden
natürlich und schonend verarbeitet. Im
Keller verzichten wir auf Zusätze, Pumpen
oder Filter. Stattdessen wirken nur
Schwerkraft und manuelle Korbpressen.
Das Resultat sind pure, lebendige Naturweine
in upgecycelten Flaschen.
© Hans-Jörg Walter aka Fonsi © Hans-Jörg Walter aka Fonsi
opening hours
fridays 16–19h
during art basel
June 16–20
open daily 17–24h
Die Qualität spricht für sich: S.P.A – Weine
fliessen unter anderem im BANKS vom
Les Trois Rois, im Restaurant Zum Goldigen
Fass und im Schmalewurf direkt auf
der anderen Seite des Rheins.
S.P.A macht lokale Lebensmittelproduktion
greifbar. Kommt vorbei und stösst
mit uns an! Wir haben während der Art
durchgehend geöffnet und es gibt leckere
Canapés.
© Hans-Jörg Walter aka Fonsi © Nicolas Gysin Fotostudio Basel
LOUISE | arttourist.com | 2026 Basel | 7
Basel (CH)
Art Basel
18.–21.6.2026
16.+17.6. Preview Days (nur auf Einladung)
Die Art Basel gilt seit langem als die Messe,
auf der sich die internationale Kunstwelt versammelt,
um die besten Werke auf dem Markt
aus erster Hand zu erleben – in einem unvergleichlichen
Umfeld von Qualität, Expertise
und Einfluss. Seit über fünfzig Jahren im
Herzen von Basel angesiedelt, kehrt die Flaggschiff-Ausgabe
2026 mit einem geschärften
Fokus auf das zurück, was Basel seit jeher auszeichnet:
eine beispiellose Konzentration musealer
Werke, das Zusammentreffen der weltweit
führenden Galerien, Sammler, Künstler
und Institutionen sowie die einzigartige Erfahrung,
die bedeutendste Kunst der Gegenwart
zur selben Zeit an einem Ort zu sehen.
Mit 290 Galerien aus 43 Ländern und Territorien präsentiert
die Ausgabe 2026 eine außergewöhnliche Bandbreite an
Kunst– von seltenen Meisterwerken des 20. Jahrhunderts über
Nachkriegsklassiker bis hin zu einigen der meistbeachteten
künstlerischen Positionen der Gegenwart. In den Messehallen
begegnen Besucher herausragenden Einzelausstellungen, historisch
bedeutenden Werken, ambitionierten Großinstallationen
sowie neuen Arbeiten der nächsten Künstlergeneration,
die die Zukunft des Feldes prägt. Basel ist seit langem für seine
Kultur der Kennerschaft bekannt und bleibt ein Ort, an dem
anspruchsvolle Sammler und Institutionen Kunst durch genaues
Hinsehen, Expertise und Dialog erschließen.
Eine bedeutende neue Initiative für 2026 ist „Basel Exclusive“,
die in enger Zusammenarbeit mit Galerien entwickelt wurde
und die Rolle der Art Basel in Basel als führenden Ort der
Entdeckung und Erstpräsentation weiter stärkt. Teilnehmende
Aussteller reservieren eine Auswahl bedeutender Werke, die erstmals
zur VIP-Eröffnung der Messe öffentlich gezeigt werden.
Während der Messewoche werden zudem zwei große neue
ortsspezifische Auftragsarbeiten auf dem Messeplatz und dem
Münsterplatz enthüllt, realisiert im Rahmen der ersten Art
Basel Awards. Ergänzt wird dies durch ein dynamisches Programm
aus Gesprächen, Veranstaltungen und institutionellen
Ausstellungen in der ganzen Stadt.
alle Bilder © Courtesy Art Basel
Sektoren
Galleries
Galleries ist der Hauptsektor der Messe, in dem Werke moderner
Meister neben Werken der weltweit renommiertesten zeitgenössischen
Künstler:innen und jungen Talente stehen.
Unlimited
Unlimited – kuratiert von Ruba Katrib – ist der Sektor für monumentale
Projekte, die über den klassischen Kunstmessestand
hinausgehen.
Feature
Feature ist der Sektor für sorgfältig kuratierte, historische Präsentationen
von Künstler:innen des 20. Jahrhunderts.
Statements
Statements konzentriert sich auf mutige Einzelprojekte aufstrebender
Künstler:innen.
Premiere
Premiere konzentriert sich auf aktuelle künstlerische Produktionen
und zeigt sorgfältig kuratierte Projekte, wie die Präsentation
einer einzelnen Künstler:in oder Ausstellungen mit bis zu
drei Künstler:innen innerhalb eines kuratorischen Konzepts.
Edition
Edition ist der Bereich für Editionen, Drucke und Multiples.
Kabinett
Kabinett zeigt kuratierte Auswahlen von Galerien in einem
speziellen Bereich ihres Standes darunter thematische Gruppenausstellungen,
kunsthistorische Schaukästen und Einzelpräsentationen.
Parcours
Parcours ist der Bereich für ortsspezifische Arbeiten in und um
die Clarastraße, die das Messegelände mit dem Rhein verbindet.
Magazines
Im Bereich Magazines können Besucher:innen internationale
Kunstpublikationen durchstöbern und mit nach Hause nehmen.
Öffnungszeiten
Vernissage (Zugang mit Ticket oder VIP-Karte)
Mittwoch, 17.06.2026, 16–20 Uhr, für Inhaber:innen einer VIP-
Karte oder eines Tickets
Öffentliche Tage (Zugang mit Ticket oder VIP-Karte)
Donnerstag, 18.06.2026
11–19 Uhr, für Inhaber:innen einer VIP-Karte oder eines Tickets
19–22 Uhr, für Inhaber:innen eines Unlimited-Night-Tickets
Freitag–Sonntag, 19.–21.06.2026, 11–19 Uhr, für Inhaber:innen
einer VIP-Karte oder eines Tickets
Messe Basel Messeplatz 10 4058 Basel
www.artbasel.com
8 | Basel
LOUISE | arttourist.com | 2026
Basel (CH)
Zander Galerie
Die Zander Galerie wurde 1996 in Köln gegründet. In
jährlich sechs bis neun Ausstellungen präsentiert die
Galerie sowohl erweiterte Fotografie als auch Medienund
Konzeptkunst. Die Galerie nimmt regelmäßig an
internationalen Kunstmessen wie der Art Basel, Art Basel
Paris, Art Cologne, Paris Photo und Photo London
teil. Zudem werden aktive Kooperationen mit zahlreichen
Institutionen, Museen und Partnergalerien gepflegt.
Im Jahr 2023 eröffnete die Zander Galerie neue
Galerieräume im lebendigen Viertel Saint-Germaindes-Prés
in Paris.
Die Galerie vertritt internationale Künstlerinnen und
Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts. Die seit den
Anfängen bestehende Sektion für Fotografie bildet das
Fundament des Programms. Der Schwerpunkt liegt auf
Kunstschaffenden, die ihr Medium innerhalb der übergeordneten
Fragestellungen zeitgenössischer Kunst betrachten
und dabei Walker Evans’ dokumentarischen
Stil als wesentlichen Referenzpunkt wählen. Die renommierten
Fotografen der Ausstellung New Documents
(MoMA, 1967) – Diane Arbus, Lee Friedlander
und Garry Winogrand – sowie Robert Adams und
Henry Wessel als Vertreter der New Topographics-Bewegung
und Robert Frank, einer der einflussreichsten
Fotografen des 20. Jahrhunderts, bilden den Kern des
Programms.
Zusätzlich zu den Galerieausstellungen umfasst die
Arbeit der Galerie die langfristige Beratung von Sammlungen,
das Kuratieren von Ausstellungen in Zusammenarbeit
mit internationalen Institutionen sowie die
Herausgabe von Monografien und Katalogen.
Zander Galerie, Schönhauser Straße 8, 50968 Cologne,
Germany
Zander Galerie, 6 Rue Jacob, 75006 Paris, France
www.zandergalerie.com
Art Basel Stand: C14
Wir sprachen mit Galerist Thomas Zander
Thomas Zander vor „Bibliothèque Mazarine“, Paris, 2017 von Candida Höfer, Köln
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Wie kamen Sie zur Kunst und zur
Fotografie?
Thomas Zander: Mit Kunst bin
ich eigentlich von klein auf aufgewachsen.
Mein Vater arbeitete für
einen Verlag und brachte regelmäßig
Kunstbücher mit nach Hause, außerdem
gab es viele Künstler:innen und
kreative Menschen im direkten Umfeld
meiner Eltern. Kunst war deshalb
nie etwas Fremdes, sondern Teil des
Alltags.
Schon als Jugendlicher habe ich viel
Zeit in Museen verbracht, sehr früh
erste Werke gekauft und bereits mit
18 in einer Galerie gearbeitet. Besonders
geprägt hat mich ein Professor,
der mich weniger nach kunsthistorischen
Fakten fragte, sondern danach,
wie ich eine Ausstellung oder eine
Hängung wahrnehme. Das hat meinen
Blick auf Kunst nachhaltig beeinflusst.
Zur Fotografie kam ich Mitte der
1990er-Jahre, als ich meine Galerie
eröffnete. 1998 zeigte ich meine erste
Fotoausstellung, unter anderem mit
Tom Wood. Für mich war schnell
klar, dass Fotografie das Medium
meiner Generation ist – direkt, zeitgenössisch
und zugleich kunsthistorisch
enorm relevant. Seitdem hat sich dieser
Bereich kontinuierlich entwickelt
und ist heute ein zentraler Schwerpunkt
meiner Arbeit.
Sie haben Betriebswirtschaft
statt Kunstgeschichte studiert.
Thomas Zander © Zander Galerie, Cologne/Paris
War das eine gute Grundlage für
den Kunstmarkt? Wie haben Sie
Ihr Auge entwickelt?
Thomas Zander: Rückblickend war
das eine sehr gute Entscheidung. Der
Kunstmarkt verbindet Leidenschaft
und wirtschaftliches Denken – beides
muss zusammenkommen. Natürlich
habe ich mich parallel immer intensiv
mit Kunstgeschichte beschäftigt,
aber das Gespür für Kunst entwickelt
man letztlich durch Erfahrung: durch
Ausstellungen, Gespräche mit Künstler:innen,
Sammler:innen und Kurator:innen,
durch Reisen, Museen und
den täglichen Umgang mit Kunstwerken.
Mein Blick wurde stark durch die
Nähe zu Künstler:innen geprägt.
Viele Gespräche im privaten Umfeld
meiner Eltern, später die direkte Zusammenarbeit
mit Künstlern und
Nachlässen, haben mein Verständnis
geschärft. Wichtig war mir immer,
nicht nur Werke zu handeln, sondern
langfristige Beziehungen aufzubauen
und Programme mit Substanz zu entwickeln.
Was fasziniert Sie an der Fotografie
der New-Topographics-Bewegung?
Thomas Zander: Mich fasziniert an
der New-Topographics-Bewegung vor
allem die Klarheit und Konsequenz
des Blicks. Künstler wie Lewis Baltz,
Robert Adams oder Nicholas Nixon
haben Fotografie von jeder Romantisierung
befreit und eine völlig neue
Sicht auf Landschaft, Architektur
und Gesellschaft entwickelt.
Gleichzeitig ist die Qualität der Abzüge
außergewöhnlich hoch. Diese
Künstler verbanden konzeptuelle
Präzision mit fotografischer Meisterschaft.
Genau dieser Ansatz hat mich
immer interessiert: Fotografie, die
nicht dekorativ ist, sondern eine Haltung
transportiert.
Unser Programm hat sich über viele
Jahre organisch entwickelt. Künstler
wie Robert Frank kamen später hinzu,
teilweise durch direkte Zusammenarbeit
mit Archiven und Nachlässen.
Das war mir immer besonders
wichtig – möglichst nah an den
Künstler:innen und ihren Werken zu
arbeiten und weniger über den klassischen
Secondary Market.
Haben Museumsausstellungen
und Publikationen Einfluss auf
den Markt und die Nachfrage
nach Fotografie?
Thomas Zander: Absolut. Große
Museumsausstellungen, wissenschaftliche
Publikationen und institutionelle
Präsenz sind essenziell für
die Wahrnehmung eines Künstlers.
Sie schaffen kunsthistorischen Kontext
und langfristige Relevanz.
Gerade in der Fotografie sind Museen
und Publikationen oft entscheidend
dafür, wie nachhaltig ein Werk wahrgenommen
wird. Der Markt allein
funktioniert nicht isoliert – Qualität,
Forschung, Ausstellungsgeschichte
und institutionelle Anerkennung gehören
unmittelbar zusammen.
Woher kommt die neue Aufmerksamkeit
für Fotografie?
Thomas Zander: Ich glaube, dass
Fotografie in den letzten Jahren auf
vielen großen Kunstmessen etwas
vernachlässigt wurde, auch aus wirtschaftlichen
Gründen. Zeitgenössische
Malerei erzielt oft deutlich höhere
Preise, während die Messekosten
gleichzeitig enorm gestiegen sind.
Viele Galerien überlegen deshalb sehr
genau, welche Medien sie präsentieren.
Langfristig bin ich aber überzeugt,
dass bedeutende Fotografie wieder
stärker in den Fokus rücken wird.
Gerade museale und kunsthistorisch
relevante Positionen gewinnen zunehmend
an Bedeutung. Gute Fotografie
besitzt eine enorme kulturelle Tiefe
und Aktualität.
Was macht für Sie eine gute Fotografie
aus? Nach welchen Kriterien
wählen Sie Arbeiten aus?
Thomas Zander: Das ist eine sehr
komplexe Frage. Entscheidend ist für
mich zunächst die inhaltliche Stärke
eines Werkes – also ob ein Bild über
das rein Visuelle hinausgeht und eine
eigene Haltung oder Sichtweise transportiert.
Bei konzeptueller oder erweiterter Fotografie
spielt außerdem der Kontext
eine große Rolle. Gleichzeitig bleibt
der Abzug selbst essenziell: Qualität,
Materialität, Tonalität und Präzision
sind für mich zentrale Kriterien.
Eine gute Fotografie muss sowohl formal
als auch inhaltlich überzeugen
und idealerweise über viele Jahre hinweg
relevant bleiben.
Wie war es, mit Robert Frank und
seinem Archiv zu arbeiten?
Thomas Zander: Mit einem Künstler
wie Robert Frank zu arbeiten, ist
natürlich eine außergewöhnliche
Aufgabe. Robert Frank gehört zu den
prägendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts,
und seine Arbeiten besitzen
eine enorme kunsthistorische Bedeutung.
Die Zusammenarbeit mit Archiven
und Nachlässen erfordert viel Vertrauen,
Verantwortung und langfristiges
Denken. Solche Werke lassen sich
oft nicht klassisch „verkaufen“, sondern
müssen sehr gezielt und meist
im institutionellen oder musealen
Kontext positioniert werden.
Gerade das macht die Arbeit aber
auch spannend und erfüllend.
Wie ging die Geschichte rund um
die Robert-Frank-Arbeiten weiter?
Thomas Zander: Wir haben die Arbeiten
zunächst auf der Art Basel Unlimited
präsentiert und später auch in
Köln gezeigt. Schließlich konnten sie
– so wie wir es uns erhofft hatten – in
eine bedeutende Schweizer Sammlung
vermittelt werden.
Darauf sind wir sehr stolz, weil genau
solche Platzierungen zeigen, wie
wichtig langfristige und sorgfältige
Arbeit im Kunstmarkt ist.
Gibt es Unterschiede zwischen
Art Basel, Paris Photo oder Photo
London?
Thomas Zander: Ja, definitiv. Paris
Photo ist die wichtigste Messe speziell
für Fotografie – dort trifft man
besonders viele Spezialist:innen, Kurator:innen
und Sammler:innen mit
einem sehr tiefen Interesse an dem
Medium.
Art Basel und Art Basel Paris hingegen
haben ein breiteres internationales
Kunstpublikum. Dort begegnet
man vielen Sammler:innen zeitgenössischer
Kunst, die aber zunehmend
auch großes Interesse an Fotografie
entwickeln.
Jede Messe hat also ihre eigene Dynamik
und ihr eigenes Publikum.
Was ist Ihre Aufgabe im Selection
Committee der Art Basel?
Thomas Zander: Im Selection Committee
beschäftige ich mich insbesondere
mit dem Bereich klassische und
historische Fotografie. Dazu gehört
die Bewertung von Bewerbungen, die
Analyse fotografischer Positionen und
die Frage, welche Arbeiten kunsthistorisch
relevant sind und in einen größeren
Kontext passen.
Auch Vorschläge für Art Unlimited
oder besondere Präsentationen werden
diskutiert und bewertet. Es geht
letztlich darum, die Qualität und Relevanz
der Fotografie innerhalb der
Messe mitzugestalten.
Was zeigen Sie dieses Jahr auf der
Art Basel?
Thomas Zander: Wir werden unter
anderem Arbeiten von On Kawara,
Lewis Baltz, Bernd & Hilla Becher sowie
Candida Höfer und Tina Barney
präsentieren.
Der Fokus liegt auf einer starken
konzeptuellen und fotografischen
Positionierung — mit Arbeiten, die
kunsthistorisch bedeutend sind und
zugleich hervorragend miteinander in
Dialog treten.
Und natürlich wird es auch noch einige
Überraschungen geben.
Das Gespräch führte Kai Geiger
LOUISE | arttourist.com | 2026 Basel | 9
Weitere Kunstmessen in Basel
Volta Basel
17. – 21.06.2026
Nach ihrer bislang erfolgreichsten Ausgabe
kehrt VOLTA vom 17. bis 21. Juni 2026
nach Basel zurück. Mit dem Eintritt in ihr
drittes Jahrzehnt als Plattform für innovative
künstlerische Positionen, hat sich die
Messe längst als Sprungbrett für aufstrebende
Künstler:innen sowie als Labor für Ideen,
die die Zukunft der zeitgenössischen Kunst
prägen etabliert. Nur zwei Gehminuten von
der Art Basel und dem Messeplatz entfernt,
präsentiert VOLTA Basel 2026 eine dynamische
Mischung aus etablierten und aufstrebenden
Künstler:innen sowie Galerien aus
aller Welt.
Hall 4.U, Congress Center,
Messeplatz 21, 4058 Basel
www.voltaartfairs.com/basel
I never read 2025 © Kai Geiger
© Africa Basel
Africa Basel
17. – 21.06.2026
Die Africa Basel ist die internationale Kunstmesse
für zeitgenössische Kunst, die sich auf
Werke und Künstlerinnen sowie Künstler aus
Afrika und seiner Diaspora spezialisiert. Als
Plattform für kreativen Ausdruck und kulturellen
Austausch präsentiert die Africa Basel
eine breite Palette von Kunstwerken, welche
die dynamische und facettenreiche Kunstszene
des afrikanischen Kontinents widerspiegeln.
Die Messe fördert den Dialog zwischen
Galerien, Sammlerinnen und Sammlern,
Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunstbegeisterten
und trägt dazu bei, das weltweit
wachsende Interesse an afrikanischer Kunst
weiter zu stärken. Im Herzen von Basel gelegen
und während der Art Basel Woche
stattfindend, ist die Africa Basel ein zentraler
Treffpunkt, um neue Perspektiven zu erkunden
und die reichen künstlerischen Traditionen
und Innovationen Afrikas zu feiern.
Klybeck 610, Gärtnerstraße 2, 4057 Basel
www.africabasel.com
Swiss Art Awards 2025 © Kai Geiger
Swiss Art Awards
16. – 21.06.2026
Der Schweizer Kunstwettbewerb, der seit
1899 jährlich stattfindet, ist die älteste Kunstauszeichnung
der Welt. Die begleitende Ausstellung
Swiss Art Awards, die vom Bundesamt
für Kultur organisiert wird, bietet einen
Einblick in das aktuelle Kunst- und Architekturschaffen
in der Schweiz und ist eine wertvolle
Referenz für Fachpersonen sowie Kunstliebhaberinnen
und Kunstliebhaber.
Halle 1.1, Messe Basel, 4005 Bael
www.swissartawards.ch
I never read
14. – 20.06.2026
I Never Read, Art Book Fair Basel ist eine
Plattform für künstlerische Perspektiven in
Form von Büchern. Die Veranstaltung bringt
nationale und internationale Verlage, Kunstschaffende,
Autor:innen und Designer:innen
zusammen, die das Buch als Instrument für
ihre künstlerische Produktion nutzen. Von
allen für alle – es ist ein offener und geselliger
Ort für Entdeckungen, kritisches Denken,
Austausch, Diskussionen und Gastfreundschaft.
I Never Read, OOO ist das Magazin, das als
Medium dient, um die Zeit zwischen den
Messen zu überbrücken. Es ist beides: digital
und physisch, kristallklar, verschwommen
und wild. Es nimmt zahlreiche Gestalten
und Formen an, um einen demokratischen
und liberalen Diskurs in unserer Gesellschaft
anzuregen.
Viaduktstrasse 33, first floor, 4051 Basel
www.ineverread.com
Basel Social Club
14. – 20.6.2026
Der Basel Social Club kehrt vom 14. bis 20.
Juni 2026 mit seiner fünften Ausgabe zurück
und verwandelt während der Art Basel-Woche
ein leerstehendes mehrstöckiges Bürogebäude
im Zentrum von Basel in eine temporäre
soziale Bühne für Kunst.
Die diesjährige Ausgabe mit dem Titel „Office“
betrachtet den Veranstaltungsort nicht
als Ort der Produktion, sondern als Raum
der Reflexion. Einst ein Symbol für Effizienz
und Wachstum, spiegelt das Büro heute sich
wandelnde Realitäten wider, die von Digitalisierung,
Remote-Arbeit und künstlicher Intelligenz
geprägt sind. Der Basel Social Club
setzt sich mit dieser Situation auseinander –
durch Ausstellungen, Performances, Musik,
Gastronomie und informelle Begegnungen,
die Fragen zu Arbeit, Zeit, Produktivität und
Erholung erforschen.
Die Architektur, die sich vertikal über die
übereinanderliegenden Stockwerke des Gebäudes
erstreckt, wird Teil des kuratorischen
Rahmens. Räumliche Ebenen und Wegeführung
spiegeln zeitgenössische Vorstellungen
vom „Underground“ wider – sowohl als Ort
kulturellen Widerstands als auch als Metapher
für die verborgenen Strukturen und
Spannungen des Spätkapitalismus.
Das Gebäude bleibt die ganze Woche über in
ständiger Bewegung, wobei Künstler:innen
direkt auf seine Architektur und Atmosphäre
reagieren. Ein spezielles Nachtprogramm erweitert
das Erlebnis bis in die späten Stunden,
während eine „Out of Office“-Zone Raum für
Pause und Rückzug bietet.
Die Gastronomie ist ein integraler Bestandteil
des Programms und reicht von einem exklusiven
Fine-Dining-Erlebnis bis hin zu zugänglichen,
lokal entwickelten kulinarischen
Formaten – ganz im Sinne des inklusiven
Liste Basel 2025 © Kai Geiger
Geistes, der den Kern des Basel Social Club
ausmacht.
Viaduktstrasse 33, first floor, 4051 Basel
www.baselsocialclub.com
OMG, FRANCK!
15. – 20.06.2026
Das OMG, Franck! geht in die zweite Runde!
Das Festival vereint Talente aus Musik, Radio,
Kunst/Performances und (Fashion-)Design,
Gastronomie und lädt zu einem immersiven
Erlebnis auf dem Franck Areal in Basel ein.
Parallel zur Art Basel findet dieses einwöchige
Event mitten in einer höchst spannenden
Umgebung statt. Let’s create our world in six
days!
Franck Areal, Horburgstraße 103, 4057 Basel
www.omg-franck.ch
Liste Basel 2025 © Kai Geiger
Liste Art Fair Basel
15. – 21.06.2026
Vom 15. bis 21. Juni versammelt
die Liste Art Fair Basel in
der Messe Basel 106 aufstrebende
Galerien aus 36 Ländern
und bietet damit erneut einen
umfassenden Überblick
über das gegenwärtige Kunstschaffen.
Mit ihrem klaren
Fokus auf aktuelle Positionen
zeitgenössischer Kunst
bleibt die Liste eine einzigartige
Plattform zur Sichtbarmachung
international
relevanter künstlerischer Entwicklungen.
In 74 Solo- und
23 Gruppenpräsentationen
sowie vier Joint Booths werden
ambitionierte Neuproduktionen gezeigt, die zentrale Themen einer neuen Generation
zeitgenössischer Kunst verhandeln. Ergänzt wird das Programm durch 5 Projekträume
und Artist-Run-Spaces, die architektonisch neu strukturierte Flächen mit kuratorisch
eigenständigen Präsentationen bespielen. In diesem Jahr unterstützt der Freundeskreis
Friends of Liste zudem 13 Galerien – ein Fördermodell, das besonders anspruchsvolle
Standpräsentationen ermöglicht und damit massgeblich zur Relevanz und internationalen
Ausstrahlung der Liste beiträgt.
Messe Basel, Halle 1.1 Maulbeerstrasse / Riehenring 113 CH, 4058 Basel
www.liste.ch
OMG 2025 © Kai Geiger
Impressum: LOUISE 2026 arttourist | Titel: Milena Schilling © Milena Schilling
Produktion | Gestaltung & Layout: Chris Bernert, chris@deluxe-grafik.com | Druck:
Fränkische Landeszeitung GmbH www.flz.de | Redaktion: arttourist, Glärnischstraße 7,
D-78464 Konstanz, Tel. +49 (0)7531 8074704, www.arttourist.com, info@arttourist.com
www.instagram.com/thearttourist/ #thearttourist #kukiosk, www.kukiosk.com
10 | Fototipps
LOUISE | arttourist.com | 2026
Fototipps
New Brighton, England, Great Britain, 1985 © Martin Parr / Magnum
Photos
Amsterdam (NL)
Martin Parr
Very Modern and Rather Ugly
bis 12.08.2026
Foam pays tribute to the legacy of British
photographer Martin Parr with the exhibition
Very Modern and Rather Ugly. Bringing
together a selection of his most iconic works,
the exhibition celebrates Parr’s unmistakable
way of seeing, witty societal observations
and enduring fascination with the role of
photography in everyday life. Parr is celebrated
for his ability to make the familiar look
strange and the boring interesting. Through
his vibrant visual language, he transformed
seemingly banal scenes into incisive reflections
on modern society. Central to his life’s
work were themes of consumption, cultural
identity, tourism and class, which he explored
over decades across both national and
international contexts
Other exhibitions
Nadav Kander - The Edge of Things
18.09.2026–17.02.2027
Hailun Ma | 18.09.2026–20.01.2027
Myriam Boulos |16.10.2026–17.02.2027
Foam Photography Museum Amsterdam
www.foam.org
De Nieuwe Kerk World Press Photo 2026 by Tomek Dersu Aaron
Amsterdam (NL)
World Press Photo Exhibition
2026
bis 27.09.2026
The exhibition invites visitors to step outside
the daily news cycle and delve deeper into
familiar and unfamiliar stories from around
the world.
This year’s award-winning projects reveal the
reality and impact of global conflicts. They
offer a powerful visual account of life across
the globe, from the United States and Ukraine
to Nepal, Pakistan, and Palestine. In an
intimate way, the stories portray the fragility
of human life. They address illness and isolation,
as well as grief and resilience. A series
of wildlife portraits brings viewers closer to
nature. The exhibition presents the results of
the annual World Press Photo Contest, which
recognizes and celebrates the best photojournalism
and documentary photography of the
past year.
Frank Wijn, Pride Amsterdam (2015) © Frank Wijn Foto www.frankwijn.photo
Queer Amsterdam, the Pink City
ab 09.07.2026
As part of this summer’s WorldPride
2026 event, De Nieuwe Kerk Amsterdam
is launching a major exhibition entitled
Queer Amsterdam, the Pink City. The
exhibit will address the unique and tumultuous
history of Amsterdam’s LGBTQIA+ community
– a story of love, exclusion, courage,
struggle and freedom, told in a place that was
once a stage for religious doctrine and rejection.
De Nieuwe Kerk Amsterdam
www.nieuwekerk.nl/en/
Amsterdam (NL)
Martine Gutierrez
Wunderkind
27.06.2026 — 18.10.2026
On 27 June Huis Marseille will open Wunderkind,
a solo exhibition by American artist
Martine Gutierrez (1989, Berkeley). The
show unveils a vibrant new collection of
photographs that celebrate the art of play.
Toys, some preserved from childhood, others
handmade by Martine herself, anchor the
artist’s ongoing inquiry into how identity
is imagined and performed from the earliest
years. The exhibition will debut a series of life-size
photographs that pay tribute to dresses
handed down to Martine by the women
in her life, garments that carry the weight
© Martine Gutierrez Dress Up 3, 2026
of memory, fantasy and transformation. A
special archive of early drawings, Self-Portraits
(1993–1995), and childhood films showcase
the development of Martine’s artistic
voice from the start. In The Search for True
Beauty (1999), a ten-year-old Martine directs
her babysitter to star in an original fairytale
while taking on every supporting role.
Huis Marseille | www.huismarseille.nl/en/
Antwerpen (B)
Carrie Mae Weems - The Heart of
the Matter
bis 23.08.26
The Heart of the Matter is the first retrospective
exhibition in Belgium of the influential
American artist Carrie Mae Weems (1953).
Through her poignant photographs and video
installations, she explores themes such
as race, gender, power and memory. Weems
is often the subject, guide and muse in her
photographs. Her experiences as a black woman
are the starting point for her research
into “forgotten” histories. She shows places
Ralph Goings, Richmond Diner, 1983, Öl auf Leinwand, 101,6 x 147,3 cm, Waddington Custot, London, Paris, Dubai, Foto: Waddington
Custot © Ralph Goings, Goings Family Estate, 2026
Carrie Mae Weems, Untitled (Man and mirror), 1990; from the Kitchen
Table Series; from Carrie Mae Weems: The Heart of the Matter
(Aperture, 2025). © Carrie Mae Weems and reproduced courtesy
the artist and Gladstone Gallery, New York, Fraenkel Gallery, San
Francisco, and Galerie Barbara Thumm, Berlin
that often remain out of sight: from intimate
kitchen tables to film sets, from African-
American churches to former plantations.
Weems weaves personal stories into her work
to highlight the complexity and injustice in
today’s world.
Antwerpen_Bertien van Manen, Vasja, Lena and their son Styopya,
Collectie Fotomuseum Antwerpen, P/1995/41/4 © Bertien van
Manen
Families
bis 23.05.27
Who do you call family? And how do you record
your personal history? We all use photography
to sketch a picture of our family and
pass on stories to future generations. For the
exhibition Families, we delve into the FOMU
collection in search of family photographs.
You will discover historical photo albums
and photographs by contemporary artists
who challenge the traditional family portrait.
These artists and photographers explore
the complexity and sometimes discomfort
of family relationships. They rewrite history
and create intimate photographs that are
often missing from the classic photo album.
This creates a dialogue between the past and
the present, between what we cherish and
what we dare to question.
other exhibitions
TIFF - Emerging Belgian Photography
26.06.26 - 23.08.26
Graciela Iturbide - Eyes to Fly with
18.09.26 - 17.01.27
Leonard Pongo | 18.09.26 - 17.01.27
Fotomuseum Antwerpen | www.fomu.be
Baden-Baden
Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus
bis 02.08.2026
Mit der Ausstellung Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus widmet sich
das Museum Frieder Burda einer der konsequentesten Bewegungen der gegenständlichen
Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Stilrichtung, die sich ab Mitte der 1960er-Jahre
in den USA herausbildete, steht für eine Kunst, die den fotografischen Blick auf die Welt
zum Ausgangspunkt nimmt und diesen mit malerischen Mitteln auf illusionistische Weise
reproduziert. Über 90 bildgewaltige Werke von mehr als 30 Künstler:innen aus sechs Jahrzehnten
zeigen, wie der Anspruch auf Wirklichkeitsnähe mit handwerklicher Präzision neu
definiert wurde – von frühen Positionen wie Robert Bechtle, Richard Estes, Ralph Goings
und Audrey Flack bis zu internationalen Entwicklungen der Gegenwart. Ausgangspunkt
der Schau ist die Sammlung Frieder Burda, ergänzt durch hochkarätige Leihgaben aus rund
20 internationalen Sammlungen, darunter dem Whitney Museum of American Art in New
York und dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid.
Museum Frieder Burda
www.museum-frieder-burda.de
Cao Fei. Cosplayers - A Mirage. 2004 © Courtesy of the artist, Creative
Vitamin Space, and Sprüth Magers
Basel (CH)
Cao Fei
Testimonies to the Near Future
30.05.2026 — 11.10.2026
Die chinesische Künstlerin Cao Fei (* 1978,
Guangzhou) zählt zu den prägenden Stimmen
ihrer Generation. In Videos, digitalen Medien,
Fotografie, Installationen und Skulpturen fängt
die Künstlerin die rasanten Veränderungen ein,
die China und insbesondere das Perlflussdelta
seit der Reform- und Öffnungspolitik ab 1978
www. .com Weiter auf Seite 13
LOUISE | arttourist.com | 2026 Arles | 11
THEMA 2026
# WORLDS IN VIEW –
WELTEN IM BLICK
“Während alles auf Vereinfachung, Spaltung und Reduktion drängt,
schafft die 57. Ausgabe der Rencontres d’Arles einen Raum für
Komplexität und Achtsamkeit – nicht, um die Härte der Realität
künstlich zu mildern, sondern um ihre Tiefe herauszuarbeiten
und sich einer mitunter beunruhigenden Welt zu stellen, in der
es dennoch gilt, weiterhin Schönheit, Verbindung und Freiheit zu
finden. Die Fotografie besitzt eine seltene Fähigkeit, neue Wege
zu eröffnen. Als wesentliches Medium zeigt sie, was unbeachtet
bleibt, was fortbesteht, was zirkuliert, was weitergegeben und was
verbindet. Indem sie Geschichte und intime Erzählungen zusammenführt,
ermöglicht es die Fotografie, die Welt anders zu sehen.“
Christoph Wiesner, Direktor der Rencontres d’Arles
Orianne Ciantar Olive, Coffee Grounds, 2023, Courtesy of the artist.
Laurent Goumarre, Untitled (Arthur), 2007, Courtesy of the artist.
Arles (F)
LES RENCONTRES
DE LA PHOTOGRAPHIE
06.07.–04.10.2026
Jeden Sommer seit 1970 hat die Rencontres d’Arles im Rahmen
von mehr als vierzig Ausstellungen an verschiedenen
außergewöhnlichen historischen Orten der Stadt einen maßgeblichen
Einfluss auf die Verbreitung der besten internationalen
Fotografie ausgeübt und dient zugleich als Sprungbrett
für fotografische und zeitgenössische kreative Talente.
Seit über 50 Jahren haben die größten Namen der Fotografie
an den Rencontres d’Arles teilgenommen – ein wahrer Nährboden
für neue Talente. Den Wandel der Medien und technologische
Entwicklungen vorwegnehmend und das Bilderlebnis
für alle zugänglich machend – das sind die Ambitionen
des Festivals.
Zwischen Anfang Juli und Ende September ist die Öffentlichkeit
eingeladen, rund 40 Ausstellungen an verschiedenen historischen
Orten der Stadt zu entdecken – von Kapellen und
Kreuzgängen aus dem 12. Jahrhundert bis hin zu Industriegebäuden
aus dem 19. Jahrhundert sowie zeitgenössischen, teils
überraschenden Orten (wie etwa dem Monoprix und seiner
Fassade, die als Kulturerbe des 20. Jahrhunderts klassifiziert ist).
Während der Eröffnungswoche im Juli lebt ganz Arles im
Rhythmus der Fotografie. Als Ort des Austauschs mit Kreativen
lädt das Festival das Publikum ein, gemeinsam mit
Künstlern und Kuratoren an Führungen, Podiumsdiskussionen,
Konferenzen, Buchsignierungen und Lesungen teilzunehmen.
Das Programm ist durch eine Vielfalt an Perspektiven geprägt,
mit Fotografen und Kuratoren aus unterschiedlichen Hintergründen.
Gelegentlich wird ein ganzer Programmteil einem
Künstler gewidmet, wie etwa Martin Parr, Raymond Depardon,
Nan Goldin oder dem aus Arles stammenden Modedesigner
Christian Lacroix.
Zu anderen Zeiten werden Grenzen aufgebrochen, indem
Fotografie mit Kino, Musik oder Architektur in Beziehung gesetzt
wird. Jahr für Jahr versucht das Festival, eine sich wandelnde
Welt durch die Augen von Fotografen zu interpretieren
– zweifellos die besten Geschichtenerzähler.
www.rencontres-arles.com/en
Charlotte Yonga, Dïane, Mahenina and Belly, Antananarivo, Madagascar, 2024
Courtesy of the artist. | © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026
Bertien van Manen, Ljalja, Odessa, 1991, Courtesy of Stichting Bertien van Manen.
2026 Arles-Rencontres, Plakat
12 | Fototipps
LOUISE | arttourist.com | 2026
Fortsetzung von Seite 13
prägen. Für Cao Fei. Testimonies to the Near Future,
ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz
und bisher größte Überblicksschau in Europa,
verwandelt die Künstlerin das Kunstmuseum
Basel | Gegenwart in ein Gesamtkunstwerk in
Form einer Stadt, in der immersive Installationen
und Videowelten aus ihren letzten dreißig
Schaffensjahren verschmelzen.
Cao Fei ist unbestrittene Pionierin im Erschaffen
digitaler Welten. Ihre frühen Werke haben
eine ganze Generation von Künstler:innen aus
Asien und darüber hinaus beeinflusst. Seit über
zwei Jahrzehnten untersucht sie die Auswirkungen
gesellschaftlicher und technologischer
Umbrüche auf das menschliche Leben in Arbeiten,
die ihren Ruf als führende Denkerin auf
dem Gebiet von Kunst, Medien, Technologie
und Zukunft begründet haben – von Videoinstallationen
über digitale Simulationen bis hin
zu Virtual-Reality-Settings.
Ihre Videos und teils gamebasierten Umgebungen
sind in Fabriken, Traumlandschaften
und Zukunftsvisionen verortet. Sie thematisieren
Arbeit, Veränderung und die eigenartige
Schönheit einer globalisierten Welt und verhandeln
entlang dieser Themen Fragen von
Identität, Körperlichkeit und Erinnerung.
Kunstmuseum Basel | www.kunstmuseumbasel.ch
Katze, 1980 © Walter Schels / Stiftung F. C. Gundlach
A MILF DREAM - my matches on tinder, 2024 © Jenny Rova
ASMR-Videos, cute (niedlichen) oder cursed
(verfluchten) images, Emojis, computergenerierten
Bildern oder pixeligen Screenshots
zu erkunden, die als Verschwörungstheorien
oder als Protestmittel gleichermaßen zum
Einsatz kommen können. Dabei legen die
künstlerischen Arbeiten die komplexen Mechanismen
der Verführung im digitalen
Raum offen und beleuchten, wie Bilder und
die ihnen zugrunde liegenden Strukturen –
von Algorithmen bis zu Datensätzen – unsere
Aufmerksamkeit lenken, Gefühle provozieren
und Meinungen beeinflussen.
Kostas Maros © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Basel (CH)
Kostas Maros - Traces of Absence
04. – 27.06.2026
In seiner Ausstellung „Traces of Absence“ im Artstübli – Kunst & Kultur bringt Kostas Maros
die beiden fotografischen Serien Myths of Everyday Life und Cicatrice zusammen. Beide
Werkgruppen kreisen um die Beobachtung, dass Landschaften oft am deutlichsten durch
das sprechen, was nicht mehr sichtbar ist. Maros‘ Fotografien zeigen Menschen selten direkt.
Stattdessen machen sie subtile Spuren menschlicher Präsenz sichtbar, die sich in alltäglichen
wie auch in durch industrielle Eingriffe geprägten Landschaften eingeschrieben
haben. Künstliches Licht, Zäune, Objekte oder präzise geschnittene Steinoberflächen verweisen
auf Handlungen, die bereits stattgefunden haben, jedoch nur fragmentarisch lesbar
bleiben. Vor dem Hintergrund des Anthropozäns erscheinen Landschaften zugleich vertraut
und transformiert.
Öffnungszeiten: DO/FR: 11 – 18 Uhr, SA: 14 – 18 Uhr | Art Basel Woche: 15. – 20. Juni, täglich
von 11 – 18 Uhr
Artstübli – Kunst & Kultur, Steinentorberg 28, 4051 Basel | www.artstuebli.ch
Berlin
Walter Schels
16° Fische
20.06. – 02.09.2026
Anlässlich des 90. Geburtstags von Walter
Schels (*1936) zeigt C/O Berlin in Zusammenarbeit
mit der Stiftung F. C. Gundlach die erste
große Retrospektive des Fotografen, die auf
einer umfassenden Sichtung seines gesamten
Printwerks mit über 10.000 Originalabzügen
basiert. Seit mehr als sechs Jahrzehnten widmet
sich Schels den Grundthemen menschlicher
Existenz. Seine Bilder erforschen Normen,
Tabus und Grenzerfahrungen. Stets
stellen sie Fragen nach Individuum, Identität
und Transformation. Schels hat eine unverwechselbare
Bildsprache zwischen dokumentarischer
und künstlerischer Fotografie entwickelt.
Diese erweitert er durch eine Vielzahl
von Materialitäten. Mithilfe serieller Konzepte
und unterschiedlicher experimenteller
Ansätze macht er sowohl formale Strukturen
als auch Prozesse sichtbar. Die Ausstellung
beleuchtet mit rund 250 Werken zentrale
Themen seines Œuvres in ihrer Komplexität.
Zu sehen sind prägende Werkgruppen – darunter
Porträts bekannter und unbekannter
Persönlichkeiten, Serien über Jugendliche in
Transition oder Sterbende, sowie Tieraufnahmen
oder Pflanzenbilder, die durch chemische
Übermalungen entstanden sind.
The lure of the image
Wie Bilder im Netz verlocken
20.06. – 02.09.2026
Wie locken oder betören uns Bilder, die online
zirkulieren? Wie fesseln, steuern oder
täuschen sie uns? Die 14 künstlerischen Positionen
in der Ausstellung setzen sich mit visuellen
Phänomenen auseinander, die online
als Vehikel für Kommunikation, Kritik oder
Komik dienen. Sie veranschaulichen, welch
zentrale Rolle Bilder in der Gestaltung unserer
sozialen, kulturellen und politischen Umgebung
spielen. Die Ausstellung lädt dazu ein,
die visuellen Welten von Social-Media-Feeds,
Dating-App-Profilen, Beauty-Filtern, Memes,
Welcome Home, 1978–84 © Carrie Mae Weems. Courtesy the artist
and Gladstone Gallery
Carrie Mae Weems
The Heart of the Matter
12.09.2026 – 03.02.2027
New York, Fraenkel Gallery, San Francisco,
and Galerie Barbara Thumm, Berlin
Die Ausstellung und die begleitende Monografie
bieten einen umfassenden neuen
Überblick über das Werk der international
renommierten Künstlerin Carrie Mae Weems
(geb. 1953), die sich in ihren eindringlichen
Fotografien mit Fragen von kultureller
Identität, Patriarchat und sozialer
Zugehörigkeit auseinandersetzt. Die Schau
spannt den Bogen über Weems’ gesamtes
Schaffen und zeigt die Tiefe und Vielfalt ihrer
künstlerischen Ausdrucksweise.
After Nature Prize 26
Stelios Kallinikou / Susanne Kriemann
12.09.2026 – 03.02.2027
c/o Berlin | www.co-berlin.org/de
Berlin
Migration und Mobiliar seit 1960
22.05.2026 – 03.01.2027
Die Ausstellung widmet sich entlang ästhetischer
und sozialer Fragen dem Wohnen in
der Einwanderungsstadt, insbesondere in
Berlin: Wie richten sich Menschen im Provisorium
ein? Wie zeigen sich anhand von
Einrichtungs- und Geschmacksfragen auch
Niederlassungsprozesse? Wohnen ist eine
Grundkategorie menschlicher Existenz. Es ist
ein Speicher für Erinnerungen, ein Medium
der Selbstverortung. In der Migration wird
das Wohnen prekär, geprägt von Aufbrüchen
und Ankünften, Provisorien und Improvisationen.
„Tapetenwechsel“ verbindet atmosphärisch
Fotografien und Objekte, künstlerische Arbeiten
von Vlassis Caniaris, Ahu Dural, Ekin
Su Koç, Hakan Savaş Mican, Sung Tieu und
Kiriakos Tompolidis mit literarischen Texten
von Emine Sevgi Özdamar und Dinçer
Güçyeter zu einer vielstimmigen, essayistischen
Erzählung. Der Schwerpunkt liegt
auf Berlin, gleichzeitig stößt die Ausstellung
Fenster zu anderen Orten in Deutschland auf.
Museum Ephraim-Palais
www.stadtmuseum.de/museum/museumephraim-palais
Berlin
Matthias Burba & Max Seeger
Die Welt in einem Sandkorn sehen
11.07. – 06.09.2026
Ein Sandkorn – unscheinbar und doch ein
Mikrokosmos der Welt. Die Ausstellung Die
Welt in einem Sandkorn sehen führt tief hinein
in die verborgene Struktur eines der ältesten
und zugleich kostbarsten Rohstoffe der
Erde. Unter dem Mikroskop des Forensikers
und Mikrofotografen Matthias Burba (*1954)
verwandeln sich die winzigen Kristalle in
leuchtende Landschaften, die sowohl geologische
Geschichte als auch menschliche
Wahrnehmung sichtbar machen. Zwischen
physikalischer Präzision und poetischer
Interpretation entfaltet sich ein doppelter
Blick: auf die Materie – und auf die Geschichten,
die sie in sich trägt. Jede Drehung der
Max Seeger, Ingrained (Film-Still) © Max Seeger
Polarisationsfilter eröffnet neue, ebenso gültige
Realitäten. So verschmelzen wissenschaftliche
Präzision und poetische Imagination zu einem
Blick, der nicht nur misst, sondern deutet.
Burbas Einzelaufnahmen der Sandkörner von
verschiedenen Stränden der Welt werden den
Fotografien der entsprechenden Landschaft,
die Alfred Ehrhardt(1901–1984) in den 1930er
Jahren aufnahm, gegenübergestellt. Diese
Kombination eröffnet einen faszinierenden
Einblick in die Welt des Sandes, indem sie das
mikroskopische Detail der Körner mit der weitläufigen
Struktur der Küstenlandschaften kontrastiert.
Ramona Schacht:
Vom Bauhaus auf die Krim
Eine Bilderbefragung zu Alfred
Ehrhardts Tabakserien
12.09. – 20.12.2026
Erstmals zeigt die Alfred Ehrhardt Stiftung Alfred
Ehrhardts (1901–1984) historische Industriefotografien
in neuem Licht. Zwischen
1954 und 1963 entstanden im Auftrag des
Tabakkonzerns Reemtsma & Co. zahlreiche
filmische und fotografische Arbeiten, die
bislang weitgehend unbeachtet geblieben
sind – und in starkem Kontrast zu Ehrhardts
freikünstlerischen Natur- und Landschaftsaufnahmen
stehen. Diese kaum bekannten
Werke bilden nun die Grundlage für eine neueste
Serie der Leipziger Künstlerin Ramona
LOUISE | arttourist.com | 2026 Baden | 13
Baden bei Wien (A)
FESTIVAL LA GACILLY-BADEN PHOTO 2026
SO BRITISH!
12.06.–11.10.2026
Eine Stadt wird zur Galerie
Das Festival La Gacilly-Baden Photo 2026 ist dem Thema
SO BRITISH! gewidmet. Eine gigantische Open-Air-Galerie
auf 7 km Länge, mit rund 1.500 großformatigen Bildern in
den Parks und Gärten und der Altstadt von Baden bei Wien
verwandelt die Stadt zum neunten Mal für vier Monate in
eine Bilder-Stadt. Bei freiem Eintritt laden 33 Ausstellungen,
7 Tage die Woche, von 0- 24 Uhr zum Verweilen.
Das größte Fotofestival Europas
Dem Festival La Gacilly-Baden Photo ist es seit seiner Gründung
herausfordernde Verpflichtung, den Menschen und seine
Umwelt in den Mittelpunkt der Ausstellungen zu stellen.
Fotografische Erzählungen der weltbesten Fotograf:innen beschreiben
die Schönheit unseres Planeten Erde ebenso wie
dessen Umwelt-Probleme. Das Ziel des Festivals ist, die Besucher
einzuladen, sich auf herausfordernde Themen unserer
Zeit auf sinnliche Weise einzulassen und dank der Bilder
großartiger Fotokünstler:innen in Staunen versetzen zu lassen.
336 000 Besucher:innen konnte das Festival 2025 damit
erreichen.
SO BRITISH!
Seit Oscar Wilde einen Hummer an der Leine am Ufer der
Themse spazieren führte, wissen wir, dass in diesem Land der
strengen Erziehung Extravaganz immer noch als Kunstform
gepflegt wird. Viele britische Fotograf:innen teilen diesen Stil.
Sie sind so british, weil sie es verstehen, den Geist ihrer Zeit
mit einem großartigen Sinn für Klarheit einzufangen. Das
Festival hat sich stets bemüht, die großen Meister der Fotografie
zu ehren, und Sir Don McCullin, der von Königin Elizabeth
II. zum Ritter geschlagen wurde, ist eine Legende: Er
fotografierte nicht das Elend der Ausgegrenzten, er prangerte
es an; er fotografierte nicht den Krieg, er verurteilte dessen
Absurdität; er fotografierte nicht die englische Landschaft
sondern deren Zerbrechlichkeit. Seit über fünfzig Jahren wirft
der unermüdliche Chronist der englischen Gesellschaft Martin
Parr einen messerscharfen Blick auf seine Landsleute. Dies
tun ebenso Tony Ray-Jones, Peter Dench, Josh Edgoose und
Terry O’Neill, als fotografischer Vertrauter der „Enfants terribles”
Englands, von den Beatles über die Rolling Stones bis zu
Elton John.
Anna Atkins war eine Pionierin auf dem Gebiet der Cyanotypie.
Gina Soden erkundet alte Herrenhäuser und verfallene
Fabriken. Cig Harvey experimentiert mit Farben, und Mary
Turner wirft einen zärtlichen Blick auf das postindustrielle
England. Christian Skrein erinnert an den Besuch der Beatles
im österreichischen Obertauern, die zum Videodreh von
Help! angereist waren. Richard Ladkani setzt mit „Just me,
Jane!“ Jane Goodall ein fotografisches Denkmal. Esther Haase
spürt dem Vermächtnis von Stilikone Vivian Westwood
nach. Mike Taylors Arbeit „The Beautiful Game“ zeigt Fußball
aus der Perspektive von fiebernden Fans in britischen
Pubs.
Von Queen-Gitarrengott Sir Brian May, der ein leidenschaftlicher
Stereofotograf und Sammler dieser Kunst ist, zeigt das
Festival mit „Stereoscopic Adventures In Hell“ eine absolute
Rarität seiner Sammlung.
Eine andere Rarität ist die Ausstellung von Michel Bouvet
„I Love The Beatles“, der in 35 außergewöhnlichen Bildern
die legendärsten Songs der mythischen Band aus Liverpool
illustriert. Dem 200.Geburtstag der Fotografie gewidmet zeigt
das Festival die Retrospektive des einzigartigen Schaffens von
Foto-Ikone und Magnum Gründer Robert Capa.
Der Zustand des Planeten Erde
Die unermüdliche Reisende und Modefotografin Françoise
Huguier erkundet in „Emotive Africa“ die Seele der
Menschen von Mali bis Äthiopien. In Tansania verortet
Frédéric Noy sein Langzeitprojekt Udzungwa, wo Populationen
endemischer Affen im Herzen eines Primärwaldes
leben, der durch die Urbanisierung bedroht ist. Axelle de
Russé betrachtet mithilfe von Infrarotfotografie die beiden
bewohnten Polarwelten im Norden und im Süden. Corey
Arnold verfolgt Bären und Kojoten und Waschbären auf
der Suche nach Nahrung in die Städte. Die sinnliche Welt
von François Fontaine, Gewinner des Leica-Preises für neue
Umweltfotografie 2025, zeigt Bilder aufgenommen zur
Zeit der Vollblüte in Japan. Norbert Span begibt sich auf
eine visuelle Reise in die mikroskopischen Strukturen von
Vitaminen.
Wasser ist Leben
Der Themenschwerpunkt Wasser untersucht die Bedeutung
des Wassers für die Menschen. Unesco-Weltwasserchair
Helmut Habersack wirft einen ernüchternden Blick auf die
Flüsse der Welt – mit spektakulären Bildern aus dem Orbit
von eoVision – Gerald Mannsberger & Markus Eisl. Der Forscher
Günter Köck entführt in „High Artic“ in die fernsten
Gebiete der Welt, wo Seesaiblinge als „Instrument“ zum
Umwelt-Monitoring eingesetzt werden und Christin Gerstorfer
taucht in die faszinierende, stille und dunkle Welt des
Apnoetauchens ab. Einen „tiefen“ Einblick auf das fragile
Ökosystem des Blauen Planeten gibt der Meeresbiologe und
einer der besten Unterwasserfotografen seiner Generation
Laurent Ballesta. Robert Doisneau, als „Auge von Paris“ berühmt,
wirft diesmal seinen poetischen Blick auf Meer und
Retro © Don McCullin
Strandleben. Stephane Lavoué porträtiert 20 Menschen, die
mit und auf dem Meer leben und arbeiten. Der indische
Fotograf Supratim Bhattacharjee zeigt den Alltag von Menschen
im Sundarbans-Archipel, die mit Klimakatastrophen
konfrontiert sind.
Kiss Box
Aktion „Gefrorene Küsse“ für Besucher:innen, die ihren Kuss
sichtbar machen wollen: Der Wissenschaftler und Fotograf
Norbert Span, hat exklusiv für das Festival eine Methode entwickelt,
bei der ein Kuss-Tropfen schockgefrostet auf dem Objektträger
landet, kunstvoll beleuchtet wird und Aufnahmen
entstehen lässt, die das, was sonst im Verborgenen bleibt wie
Wasser, Eiweiße, Salze, Enzyme und ein Hauch von Unerklärlichem
– in abstrakte Farbwelten verwandelt.
Weitere Infos & Katalog:
festival.lagacilly-baden.photo
edition.lammerhuber.at/buecher/so-british
Sinking Sundarbans © Supratim BHATTACHARJEE
Pride © Josh Edgoose
14 | Fototipps
LOUISE | arttourist.com | 2026
Alfred Ehrhardt, Tabakblätter zum Trocknen aufgefädelt, Mazedonien/Griechenland
aus dem Film „Die Welt des Tabaks“, 1956,
Silbergelantineabzug © Alfred Ehrhardt Stiftung © VG Bild-Kunst,
Bonn 2026
Schacht(*1989), die sich intensiv mit den
dort dargestellten Arbeitswelten auseinandersetzt.
Im Fokus stehen Szenen von Arbeit
auf Tabakfeldern und in der Verarbeitung, die
Ehrhardt in Ländern wie Rhodesien (heute
Simbabwe), der Türkei, den USA und Griechenland
dokumentierte. Die Fotografien
spiegeln dabei ein kolonial geprägtes Verständnis
des „Fremden“ und „Exotischen“
wider – Vorstellungen, deren Nachwirkungen
Schacht in ihrer Arbeit kritisch befragt.
Im Dialog zwischen historischem Archiv
und zeitgenössischer Kunstpraxis entsteht
ein vielschichtiges Nachdenken über Arbeit,
Geschichte und kulturelle Wahrnehmung.
Besonders die Darstellung weiblicher Arbeit
rückt Schacht dabei in ein neues Licht und
eröffnet ungewohnte Perspektiven auf bislang
übersehene Realitäten.
Alfred Ehrhardt Stiftung | www.aestiftung.de
Nick Cave, London, 1996 © Anton Corbijn
fünf Jahrzehnten entstanden und reicht
von Fotografien über Musikvideos bis zu
Spielfilmen. Die Ausstellung Corbijn, Anton
feiert ab dem 9. Mai sein 50-jähriges
Schaffen und versammelt mit etwa 150
Fotografien wichtige Momente seiner Karriere:
ikonische Porträts von Legenden wie
Depeche Mode, Tom Waits, U2, den Rolling
Stones, Martin Scorsese und Marlene
Dumas sowie deutsche Ikonen wie Nina
Hagen, Herbert Grönemeyer und Wim
Wenders. Sein Markenzeichen: ein körniges
Schwarz-Weiß, dass die unverwechselbare
Bildsprache seiner Arbeiten prägt.
Corbijns Fotografie zeichnet sich dadurch
aus, dass er das Wesentliche einfängt. Für
ihn ist die Kamera nicht nur ein Werkzeug,
sondern eine Brücke. Sie hilft ihm, vertrauensvolle
und langfristige kreative Partnerschaften
aufzubauen. Sinnbildlich dafür
sind seine jahrzehntelangen Kollaborationen,
bei denen ikonische Portraits, wegweisende
Musikvideos und unverwechselbare
visuelle Identitäten entstanden sind. Unter
seiner künstlerischen Leitung haben Bands
wie Depeche Mode ihre Bildsprache entwickelt.
Als Fotograf von U2 prägt er seit über
vier Jahrzehnten ihre visuellen Auftritte.
Statt Künstler zu dokumentieren, schafft
Corbijn einen andauernden Dialog. Er baut
Beziehungen auf, die in jedem Bild spürbar
sind.
Nathan, Iowa State Fair, USA. 2017 © Bruce Gilden © VG Bild-
Kunst, Bonn 2026
Bruce Gilden Why These?
bis 23.08.2026
Bruce Gildens Fotos schmeicheln nicht. Sie
konfrontieren. Sein Blitzlicht fängt Blicke
ein. Gesichter, die wir nicht mehr vergessen.
Außenseiter und Übersehene, die er nicht
nur fotografiert, sondern in ihrer Menschlichkeit
sieht. Der Name der Ausstellung
Why These? fragt nicht nur nach dem Werk
des Fotografens. Er ist auch als Frage an uns
gestellt. Warum sind uns diese Bilder unangenehm?
Warum versuchen wir den Blicken
auszuweichen und können trotzdem nicht
wegschauen?
Why These? zeigt ab dem 25. April 2026 in der
Fotografiska Berlin 41 Fotografien, die Bruce
Gilden selbst ausgewählt hat. 19 ikonische
Aufnahmen aus Coney Island, Haiti, New York
und Tokyo nehmen uns auf eine fotografische
Reise durch die wichtigsten Projekte seiner
ersten Schaffensphase. Weitere 22 großformatige
Drucke zeigen seinen radikalen Wechsel
zu digitaler Farbfotografie ab 2013; eine Entscheidung,
die seinen kompromisslosen Stil
um eine zeitgenössische Facette ergänzt.
berlin.fotografiska.com/de
Lucia Moholy, Porträt Eva Weininger auf der Treppe zur Veranda
eines Meisterhauses in Dessau, 1927 Bauhaus-Archiv Berlin © VG
Bild-Kunst, Bonn 2026
Berlin
Neue Frau, Neues Sehen.
Die Bauhaus-Fotografinnen
bis 04.10.2026
Herausragende Fotografinnen gibt es seit der
Erfindung der Fotografie im frühen 19. Jahrhundert.
Viele von ihnen waren Pionierinnen
auf diesem Gebiet. Sie experimentierten
mit fotografischen und gestalterischen Techniken
und loteten die Grenzen des neuen
Mediums aus. So auch die Fotografinnen des
Bauhauses. Sie beobachteten ihre Umgebung
durch die Kameralinse und hielten dabei zahlreiche
Motive in zum Teil neuen und ungewohnten
Perspektiven fest. Das Spektrum
ihres künstlerischen Schaffens reicht dabei
von der gegenständlichen Porträt- und Architekturfotografie
bis hin zur abstrakten experimentellen
Fotografie. Die Ausstellung im Museum
für Fotografie zeigt circa 300 Fotografien
aus dem Sammlungsbestand des Bauhaus-Archiv
/ Museum für Gestaltung, Berlin.
Museum für Fotografie
www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-fotografie/home/
Berlin
Anton Corbijn
Corbijn, Anton
bis 20.09.2026
Nachdem er im vergangenen Jahr seinen 70.
Geburtstag gefeiert hat, blickt Corbijn auf ein
umfassendes Werk zurück. Dieses ist in über
Rolf-von-Bergmann_oA_Klaus-Nomi © Berlinische-Galerie, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Berlin
Rolf von Bergmann Fotografien
bis 13.09.2027
Klaus Nomi vor dem Auftritt, Nina Hagen im Studio 54 oder backstage im Travestie-Cabaret
– zwischen West-Berlin und New York fotografierte Rolf von Bergmann (1953-1988)
in den 1970er bis 1980er Jahren queere Subkultur und eine pulsierende Kunst-, Mode- und
Clubszene. Die Ausstellung macht das bislang wenig bekannte Werk erstmals umfassend
sichtbar und vermittelt den Zeitgeist dieser einzigartigen Ära.
Geprägt wurde Rolf von Bergmann durch die West-Berliner Kunstszene rund um die Galerie
am Moritzplatz und frühe Begegnungen, etwa mit dem Künstler Salomé. Die Kamera war
wichtiges Medium der Identitätsbildung, und auch Mittel zum Zweck, um den Lebensunterhalt
zu sichern. Der Umzug nach New York und das Studium bei Lisette Model an der
Parsons School of Design erweiterten seinen fotografischen Blick. Hier entstanden 1979
Aufnahmen auf der Gay Pride Parade, er porträtierte queere Künstler:innen wie Divine und
John Waters, entwickelte experimentelle Modestrecken und begegnete Debbie Harry, Lil
Picard oder Andy Warhol.
Mit rund 160 Arbeiten, darunter Vintage Prints, Dia-Projektionen, Filme und Objekte,
zeichnet die Ausstellung erstmals ein umfassendes Bild dieses vielseitigen Werks. Ergänzt
durch Arbeiten von Zeitgenoss*innen wie Rainer Fetting, Anne Jud, Jürgen Klauke, Lisette
Model und Salomé erschließt sie zugleich den Kontext der lebendigen freien Szene West-
Berlins und New Yorks dieser Zeit und ist Beitrag zur Sichtbarmachung queerer Kunst- und
Kulturgeschichte.
Berlinische Galerie | www.berlinischegalerie.de
Maurizio Cattelan, Neue Nationalgalerie, Berlin, © Peter Rigaud,
2026
Berlin
Preis der Nationalgalerie:
Maurizio Cattelan
11.09.2026 – 21.02.2027
Der Preis der Nationalgalerie 2026 wird an
den italienischen Künstler Maurizio Cattelan
verliehen. Mit ihm wird einer der einflussreichsten
Künstler der Gegenwart geehrt,
der erstmals mit einer Einzelausstellung in
Deutschland vertreten sein wird. Seine Werke,
die sich zwischen Skulptur, Installation
und konzeptueller Praxis bewegen, sind geprägt
von scharfem Humor, bitterem Ernst
und einer tiefgehenden Reflexion gesellschaftlicher
Strukturen. Die Ausstellung zum
Preis der Nationalgalerie wird zur Berlin Art
Week im September 2026 in der Neuen Nationalgalerie
eröffnet.
Neue Nationalgalerie
www.smb.museum/museen-einrichtungen/neuenationalgalerie/home/
LOUISE | arttourist.com | 2026 Fototipps | 15
Marina Abramović: Balkan Erotic Epic. The Exhibition, Installationsansicht,
Gropius Bau, 2026 © Gropius Bau, Foto: Rosa Merk | ©
Courtesy of the Marina Abramović Archives © VG Bild-Kunst, Bonn
2026
Berlin
Marina Abramović: Balkan Erotic
Epic. The Exhibition
bis 23.08.2026
Im Frühjahr 2026 präsentiert der Gropius
Bau Balkan Erotic Epic. The Exhibition von
Marina Abramović, einer der einflussreichsten
zeitgenössischen Künstler:innen. Die
Ausstellung erstreckt sich über zehn Räume
im Erdgeschoss sowie den Lichthof
und das Restaurant Beba und zeigt, was
die Performance-Künstlerin selbst als „das
ambitionierteste Werk meiner Karriere“ bezeichnet.
Das auf das 75-jährige Jubiläum
der Berliner Festspiele zugeschnittene, genreübergreifende
Projekt besteht aus zwei
Teilen: der Ausstellung im Gropius Bau und
einer vierstündigen Bühnenproduktion, die
im Oktober die Performing Arts Season eröffnen
wird.
Christoph Schlingensief, Church of Fear, Biennale Venedig, 2003,
Courtesy Nachlass Christoph Schlingensief, Foto: Edzard Piltz
Christoph Schlingensief:
Es ist nicht mehr mein Problem,
macht eure Scheiße alleine
09.10.2026 – 17.01.2027
Mit seinen Arbeiten richtete Christoph
Schlingensief den Blick schonungslos auf
die Zumutungen der Gegenwart. Im Herbst
2026 widmet der Gropius Bau ihm mit „Es
ist nicht mehr mein Problem, macht eure
Scheiße alleine“ eine Ausstellung, die sein
visionäres Werk zwischen aufsehenerregenden
politischen Aktionen, radikalen theatralen
Inszenierungen und der Verschmelzung
von Performance und bildender
Kunst beleuchtet. Die Ausstellung versteht
sich dabei nicht als klassische Retrospektive,
sondern bringt zentrale Werkkomplexe
Schlingensiefs in Dialog. Sie zeigt, wie sich
seine künstlerischen Strategien gegenseitig
durchdringen und das Publikum immer
wieder zu einer aktiven Haltung herausforderten.
In der ersten umfassenden Ausstellung
in Berlin seit über 10 Jahren steht
somit auch nicht das abgeschlossene Werk
im Mittelpunkt, sondern die Bewegung
des Fragens, Zweifelns und Scheiterns, die
Schlingensiefs Praxis prägt: „Man kann
meines Erachtens voller Lust, Freude und
Vorsatz scheitern. [...] Wenn man es innerlich
schafft zu akzeptieren, dass es eines
Scheiterns bedarf, um Kräfte nutzbar zu
machen, wird viel passieren.“
Gropiusbau | www.berlinerfestspiele.de/gropius-bau
Intermezzo, Poster Wall, Newton Foundation, © Gerhard Kassner
Berlin
Intermezzo.
Revisiting Helmut Newton
ab 24.04.2026
Nach über 20 Jahren erfolgreicher Vermittlung
in der Dauerausstellung „Helmut Newton’s
Private Property“ im Erdgeschoss des
Museums für Fotografie hat sich die Helmut
Newton Foundation sich entschieden, das
Ausstellungskonzept zu erweitern und die
bisherige Präsentation radikal zu verändern.
Die Grundidee, in diesem Raum über das
Leben von Helmut Newton und seiner Frau
June zu informieren, bleibt bestehen.
Der Zwischenschritt der Transformation der
bisherigen Dauerausstellung bietet ein filmisches
„Intermezzo“ mit Helmut Newton in
einem überwältigenden Filmraum. Im Erdgeschoss
projizieren acht Videobeamer einen
Film auf vier Leinwände. Der Film basiert
in Teilen auf dem Filmporträt, das vor drei
Jahren für eine große Newton-Ausstellung in
A Coruña entstand, produziert von Profirst
International in Zusammenarbeit mit dem
Martin Salvador Studio für die dortige MOP
Foundation. Ergänzt wird es durch bislang
ungezeigtes Filmmaterial. Hierfür wurden
unterschiedliche Quellen herangezogen, unter
anderem Material von June Newton, welches
vor Kurzem im hauseigenen Archiv aufgearbeitet
und digitalisiert wurde. Erstmals
sehen die BesucherInnen damit nun auch in
Berlin Interviews mit einem Dutzend Zeitzeugen,
unter anderem mit Philippe Garner,
Carla Sozzani, Jenny Capitain, Violetta Sanchez
oder Matthias Harder und können das
Werk Newtons gänzlich neu erfahren.
Helmut Newton. One-off. Credit Phaidon
Rooms / Stages &
Helmut Newton‘s One-off Album
05.06. – 15.11.2026
Am 4. Juni 2026 eröffnet die Berliner Helmut
Newton Foundation zwei neue Ausstellungen:
„Rooms / Stages“ mit Werken von Helmut
Newton, Viktoria Binschtok, Götz Diergarten,
Anna Lehmann-Brauns, Jana Sophia
Nolle, Julia Peirone, Robert Polidori, Friederike
von Rauch, Ricarda Roggan, Georges
Rousse, Gregor Schneider, Karen Stuke, Paolo
Ventura und „Helmut Newton‘s One-off
Album“. In den vorderen Räumen finden
sich die Werke von einem Dutzend KünstlerInnen
zum Thema Raum und Bühne, der
Hauptraum wird zum gleichen Thema mit
riesigen Motiven von Helmut Newton bespielt.
Dieser Teil der Gruppenausstellung
„Rooms / Stages“ leitet über zum hinteren
Ausstellungsraum, wo ein einzigartiges Fotoalbum
von Newton erstmals in Berlin präsen-
Berlin
p: berlin
p: photography unlimited e.V. setzt sich für die Förderung der künstlerischen Fotografie
ein. Ziel von p: berlin ist es, Fotografie als Kunstform in ihren analogen wie digitalen
Ausprägungen zu erhalten, ihre Produktion und Publikation zu fördern und ihre Weiterentwicklung
zu ermöglichen. Die vereinseigenen Werkstätten, die p: berlin laboratories geben
seit sieben Jahren die Möglichkeit, künstlerische Fotografie unter besten Bedingungen zu
produzieren. Sie bieten jährlich mehr als 350 Fotograf:innen ideale Voraussetzungen als
Co-Working-Space, Schnittstelle zur fotografischen Community und Lernort mit internationalem
Anschluss.
Seit 2024 vermittelt der Verein mit der p: berlin academy nun auch entsprechende Skills
und zentrales Know-How rund um die Fotografie. Ziel der p: berlin academy ist es, den
Fortbestand und die Weiterentwicklung künstlerischer Fotografie durch die Vermittlung
technischer und künstlerischer Fähigkeiten sowie beruflicher Kompetenzen zu fördern. Das
Workshopangebot der p: berlin academy wird vom Verein p: photography unlimited e.V.
ehrenamtlich organisiert und veranstaltet. Die Workshops werden von Dozenten und Dozentinnen
geleitet, die in ihren Fachgebieten über eine hervorragende Expertise verfügen
und einen reichen Erfahrungsschatz mitbringen.
p: berlin academy
Die p: berlin academy ist der Bildungszweig
von p: photography
unlimited berlin e.V., einem
gemeinnützigen Verein zur
Förderung der künstlerischen Fotografie.
Ziel ist die Weiterentwicklung
fotografischer Ausdrucksformen,
technisches Know-How und berufliche
Kompetenzen. Die Workshops
verbinden erfahrene Dozent:innen,
inspirierende Inhalte und professionelle
Infrastruktur (p: berlin laboratories, eine offene Werkstatt mit analogem Labor, digitalem
Labor mit Druck- und Digitalisierungsstationen und Fotostudio)
Jede Veranstaltung bietet neben technisch-theoretischem Input auch kritische Bildbesprechungen,
Austausch in der Community und Praxisübungen in realer Atelier-Atmosphäre.
Fotograf:innen aller Erfahrungsstufen sind willkommen; eine Vereinsmitgliedschaft ist
nicht erforderlich.
www.pberlin.net
tiert wird. Auch in dieser Auswahl finden sich
Aufnahmen, die die Transformation eines
Raumes in eine Bühne visualisieren.
Helmut Newton Foundation
www.helmut-newton-foundation.org
Lothar Wolleh, Fontana fin Vintage
Berlin
Lothar Wolleh & Lucio Fontana
Dialog mit dem „Grande Maestro“
bis 21.11.2026
Der Lothar Wolleh Raum zeigt vom 6. März
bis 21. November 2026 die Ausstellung „Lothar
Wolleh & Lucio Fontana: Dialog mit
dem ‚Grande Maestro‘“.
alle Bilder © p: berlin
Die Präsentation widmet sich der intensiven
Zusammenarbeit zwischen dem
Fotografen Lothar Wolleh und dem italienischen
Künstler Lucio Fontana, die
zwischen 1963 und 1968 stattfand. Kaum
hatte Wolleh sein Studium bei Otto Steinert
abgeschlossen, reiste er nach Mailand
zu Fontana. In den folgenden Jahren besuchte
er dessen Atelier am Corso Monforte
mindestens dreizehn Mal. Aus dieser
künstlerischen Begegnung entstand nicht
nur eine Reihe ikonischer Atelierporträts,
sondern auch ein gemeinsames Editionsprojekt:
die sogenannte „Wolleh-Fontana-
Kassette“ (1966/67). Dieses Projekt markiert
den Beginn von Wollehs Konzept des
fotografischen Kunstbuchs als eigenständigem
Medium. Die Verbindung von Porträt,
Werkdokumentation und künstlerischer
Intervention wurde zum Modell für seine
späteren Künstlerbücher mit zentralen
Protagonisten der europäischen Avantgarde.
Die Ausstellung zeigt selten präsentierte
Kooperationswerke und macht sichtbar,
wie sehr der Dialog mit Fontana Wollehs
fotografisches Denken geprägt hat.
Lothar Wolleh Raum
www.lothar-wolleh.com/de/raum/
Weiter auf Seite 23
16 | Fototipps
LOUISE | arttourist.com | 2026
Sandro Livio Straube
Unsortiert
8.5. – 27.6.2026
Galerie 94 GmbH
Bruggerstrasse 37
CH-5400 Baden
info@galerie94.ch
www.galerie94.ch
Weichzeichnungs
filter
30_1_Pink
17.07. bis 26.07.2026
Opening 17.07.2026
Staatsgalerie Stuttgart,
THE GÄLLERY – Raum für Fotografie
Über 30 Ausstellungen in der Stadt
www.Fotosommer-Stuttgart.de
LOUISE | arttourist.com | 2026 Hamburg | 17
Hamburg
9. Triennale der
Photographie
Hamburg 2026
Alliance,
Infinity,
Love – in
the Face
of the
Other
F.C. Gundlach, Uschi Obermaier, Hamburg 1970 | © F.C. Gundlach, Courtesy Stiftung F.C. Gundlach
11 Ausstellungen in 8 Museen
und Kunstinstitutionen
05.06. – 22.09.2026
Vom 5. Juni bis zum 22. September präsentiert die 9. Triennale
der Photographie Hamburg 2026 elf Ausstellungen
in acht renommierten Museen und Kunstinstitutionen der
Stadt. Das internationale Festival unter der künstlerischen
Leitung von Mark Sealy aus London feiert die Bedeutung
der Fotografie in unserer Zeit und zeigt, dass sie mehr kann
als bloß beobachten: Fotografie kann Menschen verbinden
und zum Nachdenken über Gerechtigkeit, Verantwortung
und Menschlichkeit anregen. Das Thema der diesjährigen
Triennale lautet: Alliance, Infinity, Love – in the Face of the
Other. Diese drei Leitbegriffe bilden den roten Faden durch
alle elf Ausstellungen und laden die Besucher*innen dazu
ein, über die reine Betrachtung von Fotografie hinauszugehen
und aktiv Teilnehmende einer gemeinsamen kulturellen
Erfahrung zu werden.
Die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 präsentiert
279 internationale Künstler*innen in elf Ausstellungen zum
Thema Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other. Die
Liste der beteiligten Künstler:innen ist ab sofort online einsehbar:
2026.phototriennale.de/kuenstler-innenliste/
Alliance – Verbundenheit, Gemeinschaft,
Solidarität
Der Begriff Alliance steht für Solidarität und gemeinsames
Handeln, so beispielsweise in der Ausstellung von Franki
Raffles. Photography, Activism, Campaign Works im Museum
der Arbeit. Raffles war eine britische Fotografin, die
in ihrem sozialdokumentarischen Werk die Arbeitsrealitäten
von Frauen in den 1970er und 1980er Jahren in den Vordergrund
stellte. Sie nutzte Fotografie als Werkzeug gegen Ungerechtigkeit
– ob in Schottland, der früheren Sowjetunion,
China oder Simbabwe – und verband als Aktivistin ihre Beobachtungen
von sozialen und geschlechtsspezifischen Ungleichheiten
mit einem Aufruf zu globaler Solidarität.
F.C. Gundlach, „Jet Age“, Hamburg 1963 | © F.C. Gundlach, Courtesy Stiftung F.C. Gundlach
Die Ausstellung Bilderechos aus Peru im MARKK – Museum
am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt nimmt die
historischen Fotografien und Tonaufnahmen aus der kolonial
geprägten Vergangenheit des Landes, aufgenommen vom
deutschen Amateurforscher Hans Heinrich Brüning (1848–
1928), zum Anlass, um neue Perspektiven auf Identität, Erinnerung
und kulturelle Selbstbestimmung zu ermöglichen.
Von zeitgenössischen Akteur*innen, Wissenschaftler*innen
und Künstler*innen aus Peru werden die historischen Dokumente
neu interpretiert und in ein lebendiges Archiv verwandelt.
18 | Hamburg
LOUISE | arttourist.com | 2026
Lee Shulman und Omar Victor Diop, The Anonymous Project präsentiert Being There, 2023. | © Courtesy the artists
Nina Porter, R2C4191123, 2023 | Aus der Serie Measures. C-Typ-Kontaktabzug und C-
Typ-Negativ im Rahmen der Künstlerin. 240 x 14 x 2,2 cm
Auch die Einzelausstellung Whispers von Melike Kara im
Kunsthaus Hamburg greift das Thema Alliance auf. In einer
raumgreifenden Installation reflektiert Kara ihr kurdisches
Erbe, das sie in den vergangenen Jahren erforscht, archiviert
und künstlerisch verarbeitet hat. Im Fokus stehen dabei Fragen
nach Identität, Erinnerung und Heilung. Alliance meint
hier, Beziehungen neu zu denken, mit Verantwortung und
gegenseitigem Respekt über kulturelle Zuschreibungen hinaus.
Die Ausstellung ABER ICH DIE WELT ICH SEHE DICH* der
Hamburger Kunsthalle schafft eine philosophische und historische
Grundlage für die Auseinandersetzung mit Fotografien,
Filmen und Artefakten, die von persönlichen Erfahrungen,
Mythen und Ideologien geprägt sind. In drei Sektionen
reflektiert die Ausstellung über Landschaften der Erinnerung,
die Transformation von Formen und die poetische und politische
Kraft des Archivs. Anhand von Künstler*innen wie
William Henry Fox Talbot, Marcel Duchamp, Jo Ractliffe,
Akram Zaatari und Khadija Saye offenbart die Ausstellung
das Bild als Ort der Verletzlichkeit, Spur und der profunden
relationalen Tiefe. Um die Welt zu sehen – und sich selbst
in ihr zu sehen – bedarf es einer Offenheit, die mit der Konstellation
der kollaborativen Allianzen der 9. Triennale im
Einklang steht. (*Rémy Zaugg)
Infinity – Unendlichkeit, Kontinuität, Differenz
Unter dem Begriff Infinity wird die Fotografie als ein Medium
verstanden, das nicht bloß abbildet, sondern Blickwinkel
eröffnet, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
miteinander verbinden. Die ägyptische Künstlerin Sara Sallam
untersucht in der Ausstellung Fürsorge. Fotografie neu
ordnen im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, wie
koloniale Bilder bis heute nachwirken. Mit Beispielen aus
der archäologischen und fotografischen Sammlung des Museums
entwickelt sie Gegenerzählungen zu den historischen
Narrativen, die dazu einladen, die Vergangenheit neu zu betrachten.
Unendlichkeit ist hier keine Abstraktion, sondern
Verantwortung – und ein Appell an die unendliche positive
Kraft der Menschheit.
erschließen alternative künstlerische, politische und imaginative
Räume.
Love – Liebe, Menschlichkeit, Verantwortung
Im dritten Themenfeld der 9. Triennale steht das menschliche
Miteinander im Mittelpunkt. Das PHOXXI zeigt mit
Abdulhamid Kircher und Akosua Viktoria Adu-Sanyah zwei
aktuelle Positionen, die sich experimentell und raumgreifend
mit analoger Farbfotografie auseinandersetzen und deren
emotionale Frequenzen aktivieren. Dabei wird die Dunkelkammer
zu einem Raum der Reflexion, Transformation
und Heilung, in dem persönliche Erfahrungen, Beziehungen
und Erinnerungen verarbeitet und umgeformt werden. Die
Fotografie wird hier als Medium der Annäherung greifbar
und zugleich an ihre materiellen Grenzen geführt.
F.C. Gundlach, der bedeutende Modefotograf und Gründer
der Triennale der Photographie Hamburg, legte als Sammler
von Fotografie einen Schwerpunkt auf das Bild des Menschen
in all seinen, auch emotional abgründigen und gesellschaftliche
Normen sprengenden Facetten. Die Deichtorhallen Hamburg
präsentieren mit Cocktail Prolongé. F.C. Gundlach special
Werke aus seiner Sammlung, die den Körper fotografisch
inszenieren: als Ausdruck von Identität und Freiheit, von Begehren
und Verletzlichkeit, von Extravaganz und Queerness.
Zu den rund 70 in der Ausstellung vertretenen Fotograf*innen
zählen unter anderem Diane Arbus, Richard Avedon,
Hans Bellmer, Larry Clark, Jiri Georg Dokoupil, Jenny Holzer,
Robert Mapplethorpe, Irving Penn und Cindy Sherman.
Das Bucerius Kunst Forum präsentiert F.C. Gundlachs Werk
als Dialog zwischen Mode, Menschen und Gesellschaft. Die
Ausstellung You’ll Never Watch Alone zeigt Gundlach als
Netzwerker, Fotograf, Sammler und Förderer. Zu sehen sind
neben seinen ikonischen Fotografien auch unveröffentlichte
Schwarzweiß- und Farbaufnahmen sowie Werke von Vorbildern,
Weggefährt*innen und Nachfolger*innen. Die Ausstellung
nimmt Gundlachs Werk als Ausgangspunkt, um die
Entstehung der fotokulturellen Szene und die Relevanz von
Fotografie für gesellschaftliche Strömungen zu beleuchten.
Alliance, Infinity, Love
Die titelgebende Ausstellung der 9. Triennale der Photographie
Hamburg 2026 Alliance, Infinity, Love – in the Face of
the Other in der Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen
Hamburg wird vom künstlerischen Leiter Mark Sealy kuratiert.
Sie richtet den Blick auf die zentralen Themen des Festivals
und feiert die kulturelle und künstlerische Vielfalt der Fotografie,
ihre heilende und transformative Kraft. Präsentiert werden
rund 30 künstlerische Positionen aus Fotografie, Video und
Film, die von unterschiedlichsten Orten und kulturellen Erfahrungen
erzählen. Ihre Werke spiegeln persönliche Geschichten,
die Freude an Gemeinschaft und fördern Zärtlichkeit,
Würde und Nähe. Mit Arbeiten von Hélène Amouzou, Sandra
Brewster, Didier Ben Loulou, Mario Cravo Neto, Rotimi Fani-
Kayode, Mónica de Miranda, Tyler Mitchell, Lee Shulman und
Omar Victor Diop, Inuuteq Storch, Matthew Thorne und Derik
Lynch, Nil Yalter und anderen.
Die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 steht für
ein neues Verständnis von Sichtbarkeit. Die Fotografie zeigt
auf, dass jeder Blick Verantwortung trägt. In einer von Konflikten
geprägten Welt ist es das Ziel dieser Triennale, über
die Komplexität des Menschseins nachzudenken. Wegwei-
Nina Porter experimentiert in ihrer ersten institutionellen
Einzelausstellung im Kunstverein in Hamburg mit neuen
Formen des Bildes, bei denen sich Fotografie und Skulptur
vermischen. Ihre jüngsten Arbeiten lassen die Dynamik zwischen
Kamera, Motiv und Bild implodieren. Das eine Medium
stützt sich auf das andere, um seine Form zu finden,
und so öffnen sich Wurmlöcher in weit entfernte Zukunftsszenarien
für die analoge Fotografie.
Die Ausstellung Inner Mornings, or Forms of Counterculture
in der Sammlung Falckenberg zeigt, ausgehend vom
Werk der/des surrealistischen Fotograf:in und Autor:in
Claude Cahun, künstlerischen Widerstand als kontinuierlichen
Prozess: Die Arbeiten international renommierter
Künstler:innen wie etwa Halil Altındere, Maja Bajevic,
Bernd und Hilla Becher, Sophie Calle, Claire Chevrier, Jeremy
Deller, Valie Export, Fischli & Weiss, Walid Raad, Martha
Rosler und Wolfgang Tillmans hinterfragen gesellschaftliche
Narrative und Machtverhältnisse, machen ästhetische
Strategien der Irritation und des Widerstands sichtbar und
Katharina Bosse, Untitled, 1999 | © Katharina Bosse | © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026
Akosua Viktoria Adu-Sanyah, gesture I – rinse, process, 34 min 22 seconds, 10th of June
2024, 19:31, Swiss Art Awards, Basel. Foto: Florian Spring
LOUISE | arttourist.com | 2026 Hamburg | 19
Programm der 9. Triennale der Photographie
Hamburg 2026
Eröffnungswoche | 4.–14.06.2026
Mit Ausstellungen, Talks und Veranstaltungen startet die 9.
Triennale in ihre Hauptphase. Die Opening Days bieten vom
4. bis 14. Juni zahlreiche Veranstaltungen im Festivalzentrum
an den Deichtorhallen Hamburg, ein umfangreiches,
interdisziplinäres Programm aus Talks, Buchpräsentationen,
Führungen und musikalischen Elementen. Die 15 Projekte
der Triennale Expanded rücken die Vielfalt der freien Fotound
Kunstszene Hamburgs in den Blick.
INFORMATIONEN
Die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 umfasst elf Ausstellungen,
die in acht Museen und Ausstellungshäusern in Hamburg
stattfinden. Zusätzlich werden – über die gesamte Stadt verteilt
– 15 Projekte im Rahmen der Triennale Expanded in verschiedenen
Projekt- und Kunsträumen präsentiert.
Alle Adressen sind auf der Karte zu finden https://2026.phototriennale.de/map/
Infopoint
Der Infopoint der 9. Triennale befindet sich auf dem Festivalzentrum
vor den Deichtorhallen Hamburg. Dieser Außenbereich fungiert als
Veranstaltungsort und als Raum zum Zusammenkommen, Entspannen
und Weiterdenken.
Adresse:
Deichtorhallen, Deichtorstr. 1–2, 20095 Hamburg-Innenstadt
Öffnungszeiten:
am 4. Juni von 10 - 22 Uhr, unter der Woche von 11 – 18 Uhr,
am Wochenende von 10 - 18 Uhr
Die Öffnungszeiten der einzelnen Ausstellungen variieren – alle
Informationen diesbezüglich sind auf den jeweiligen Seiten der
Häuser verzeichnet.
Abdulhamid Kircher, Untitled, 2016 | Courtesy of the artist und carlier | gebauer, Berlin/Madrid © Abdulhamid Kircher
sende Handlungen aus Solidarität, in Offenheit und mit
Standhaftigkeit in unserer Fähigkeit zu lieben, bringen uns
in unserem Verständnis füreinander näher.
Die Triennale der Photographie Hamburg findet seit 1999
alle drei Jahre in Zusammenarbeit mit den großen Museen,
Ausstellungshäusern und kulturellen Institutionen der Stadt
statt und ist ein deutschlandweit wichtiges Fotoevent von
internationaler Ausstrahlung. Mit einer großen Anzahl von
Fotoausstellungen unter einem gemeinsamen Thema werden
aktuelle fotografische Trends beleuchtet. Begleitet wird
die Triennale durch internationale Symposien. Seit 2014
wird die Triennale der Photographie von der Deichtorhallen
Hamburg GmbH veranstaltet.
2026.phototriennale.de
Triennale Ticket
Das Triennale Ticket ermöglicht vom 5. bis zum 14. Juni
2026 den Zugang zu allen elf Ausstellungen der acht beteiligten
Museen und Ausstellungshäuser. Es kann an den Kassen dieser
Institutionen für EUR 35 (mit Hamburg Card EUR 28) und ermäßigt
für EUR 25 (mit Hamburg Card EUR 18)* erworben werden. Es gibt
keinen Online-Verkauf.
Ab 15. Juni 2026 gelten die regulären Eintrittspreise der jeweiligen
Museen sowie das Ticket der Kunstmeile.
*Ermäßigten Eintritt erhalten Student*innen, Auszubildende und
Freiwilligendienstleistende bis 27 Jahre, schwerbehinderte Menschen,
Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger*innen und Senior*innen.
Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.
Wir sprachen mit dem künstlerischen Leiter der
9. Triennale der Photographie Mark Sealy
Die Triennale steht unter dem
Leitmotiv „Alliance, Infinity,
Love – in the Face of the Other“.
Wie übersetzen Sie diese eher philosophischen
Begriffe konkret in
Ausstellungen und künstlerische
Positionen?
Mark Sealy: Es geht uns nicht um
eine reine Übersetzung, sondern um
ein unvollendetes Gespräch, einen
Dialog mit den Konzepten, der nicht
unbedingt die erwarteten Antworten
liefert. Die Besucher:innen sollen darüber
nachdenken, was der Titel „Alliance,
Infinity, Love – in the Face of
the Other“ im Zusammenhang mit
den einzelnen Projekten der Künstler:innen
bedeuten könnte. Sie sind
eingeladen, sich vollkommen unvoreingenommen
an diesem Dialog zu
beteiligen – deshalb gibt es auch keine
konkreten Vorgaben.
Welche Rolle spielt „das Gegenüber“
– also „the Other“ – in
einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher
Polarisierung für Sie
als Kurator?
Mark Sealy: In einer Zeit zunehmender
Polarisierung bin ich „der
andere“. Ich spiele keine Rolle, es ist
keine Performance. In meine Arbeit
als Kurator lasse ich immer auch
meine persönliche Erfahrung einfließen.
Aus kuratorischer Sicht setze
ich mich ausgesprochen ausführlich
und auf sehr individuelle Weise mit
Prozessen des „Othering“ auseinander.
Kurator:innen stehen nicht erst
seit dem Antisemitismus-Eklat
an der Documenta 15 oder
der Absage und Einstellung der
Biennale für aktuelle Fotografie
2024 in Mannheim unter kritischer
Beobachtung. Was bedeutet
„Verantwortung“ für Sie im kuratorischen
Prozess – gegenüber
Mark Sealy | Triennale © Philipp Meuser
Künstler:innen, Publikum und
den dargestellten Themen?
Mark Sealy: Mich interessieren
Rechte und Repräsentation. Das ist
Teil meiner DNA als Kurator. Unsere
Arbeit ist komplex, und Kurator:innen
haben kein Monopol darauf, alles
richtig zu machen. Außerdem finde
ich es wichtig, dass Menschen auch
Fehler machen dürfen. Wie sonst sollen
wir etwas lernen? Mein Beitrag kann
darin bestehen, möglichst gleichberechtigte
Voraussetzungen zu schaffen, den
Anspruch der Menschen auf Gerechtigkeit
und den Zugang zu Plattformen zu
unterstützen sowie den Unterdrückten
und Vergessenen eine Stimme zu geben.
Diese große Verantwortung tragen wir
alle im Kunstbetrieb.
Was war die größte Herausforderung
bei der Konzeption der diesjährigen
Triennale?
Mark Sealy: Es ist immer eine Herausforderung,
große stadtweite Veranstaltungen
mit vielen Beteiligten auf die
Beine zu stellen. Die Stadt Hamburg
ist dieser Herausforderung mehr als
gerecht geworden. Eine eindrucksvolle
Leistung.
Was bedeutet für Sie Fotografie
und wie hat sich Ihr Blick auf Fotografie
im Laufe ihrer Karriere verändert?
Mark Sealy: Für mich ist die Fotografie,
wie ich schon gesagt habe, eine
moderne Sprache. Mein Blick auf die
Fotografie hat sich nicht verändert.
Allerdings verändert sich das, was wir
damit sagen wollen, wenn wir immer
wieder unsere Lernerfahrungen als aktive
Individuen einbringen.
Was wünschen Sie sich, dass Besucher:innen
nach dem Besuch der
Triennale sehen oder hinterfragen?
Mark Sealy: Kurz gesagt sollen die
Besucher:innen die Ausstellung mit
dem Gefühl verlassen, dass sie sich
nicht vor den Dingen fürchten müssen,
die sie nicht verstehen. Ich wünsche
mir, dass in allen präsentierten
Beiträgen tatsächlich der kuratorische
Akt des Muts und der Weitherzigkeit
zum Ausdruck kommt.
Das Gespräch führte Kai Geiger
MARK SEALY
Mark Sealy ist künstlerischer Leiter
der 9. Triennale der Photographie.
Der in London ansässige Kurator
und Autor setzte sich im Laufe
seiner Karriere vor allem für
die Dekolonisierung des westlichen
Blicks und die Förderung marginalisierter
Stimmen in der internationalen
Fotografie ein. Als Direktor
von Autograph ABP (Association
of Black Photographers) ist Sealy
seit 1991 verantwortlich für die
Initiierung und Durchführung zahlreicher
Ausstellungen, Residenzprojekte
und Publikationen. Er ist Autor
von „Decolonising the Camera:
Photography in Racial Times“ und
„Photography: Race, Rights and
Representation“ und hat zum Thema
Fotografie und kulturelle Gewalt an
der Durham University UK promoviert.
Sealys Position als ‚Professor
for Photography Race and Rights‘ an
der University of the Arts London
unterstreicht seinen Einfluss auf das
Fachgebiet zusätzlich.
Sealy hat weltweit bedeutende
Fotoprojekte kuratiert, darunter
die FotoFest Biennale Houston
(2020) und Ausstellungen in London
und Toronto. Für seine Verdienste
um die Kunst wurde er mehrfach
ausgezeichnet, zuletzt mit dem Order
of the British Empire (OBE,
2022).
20 | Hamburg
LOUISE | arttourist.com | 2026
F.C. Gundlach, Op Art-Badeanzug, Brigitte Bauer, Sinz Bademoden, Vouliagmeni, 1966 © F.C. Gundlach / Stiftung F.C. Gundlach
F.C. Gundlach, Wilhelmina Cooper, „Fashion Studio“, Hamburg 1965 | © F.C. Gundlach / Stiftung F.C. Gundlach
Hamburg
F.C. Gundlach
You‘ll Never Watch Alone
08.05.–16.08.2026
Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg widmet F.C. Gundlach
zum 100. Geburtstag eine große Ausstellung – und erzählen dabei
weit mehr als die Geschichte eines Starfotografen. Die Schau
im Rahmen der 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026
beleuchtet Gundlach als Fotografen, Galeristen, Sammler, Unternehmer
und Netzwerker – und damit als einen der prägenden
Akteure der deutschen Fotokultur. Rund 130 Fotografien Gundlachs,
ergänzt um etwa 70 Werke aus seiner Sammlung, treten in
einen dichten Dialog, darunter Arbeiten von Erwin Blumenfeld,
Richard Avedon, Regina Relang oder Cindy Sherman. Die Stiftung
F.C. Gundlach ist alleinige Leihgeberin dieser ersten großen
Ausstellung seit seinem Tod 2021.
Der Titel „You’ll Never Watch Alone“ ist Programm: Fotografie
erscheint hier nicht als isolierter künstlerischer Akt, sondern als
Paula Modersohn-Becker, Vier Kinder vor Landschaft mit Moorkanal, um 1900, Kunstsammlungen
Chemnitz-Museum Gunzenhauser, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser
© Foto: Archiv Museum Gunzenhauser | (Sammlung Wilhelm Landmann)
Ergebnis von Allianzen – zwischen Magazinen und Modehäusern,
Fotoindustrie und Galerien, Museen und Medien. Gundlachs
Karriere führt von Hamburg nach Paris, New York, Tokio.
Seine Bilder spiegeln nicht nur Trends, sie prägen Vorstellungen
von Geschlecht, Körper und Identität, die bis heute nachwirken.
Statt einer lückenlosen Retrospektive setzt die Ausstellung auf
markante Schlaglichter: Gundlach als Modefotograf, der neue
Bildsprachen erprobt; als Galerist und Laborbesitzer, der in Hamburg
und Berlin junge Positionen fördert; als Lehrer und Sammler,
der Fotografie früh als eigenständige Kunstform etabliert.
Neben den berühmten Modeaufnahmen sind bislang unveröffentlichte
Schwarzweiß- und Farbfotografien, Experimente und
Neuentdeckungen zu sehen.
So entsteht das Panorama der Fotokultur seit den 1950er-Jahren,
in der sich gesellschaftliche Umbrüche und ästhetische Debatten
in Bildern verdichten. Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng
Gundlachs Werk mit diesen Entwicklungen verflochten ist – und
wie sehr seine Vision unser heutiges Bildverständnis geprägt hat.
Von Monet bis Picasso.
Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland
11.09.2026 — 29.03.2027
Moderne Kunst in Deutschland ist ohne das Engagement jüdischer
Sammlerinnen und Sammler nicht zu denken. Die Ausstellung
„Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen
in Deutschland“ macht diese vergessenen Akteur:innen sichtbar:
Sie rekonstruiert fünfzehn bedeutende Sammlungen und führt
rund 100 Werke zusammen, die sich heute über Museen und Privatsammlungen
weltweit verteilen – darunter Arbeiten von Paul
Cézanne, Claude Monet, Paula Modersohn-Becker, Ernst Ludwig
Kirchner, Franz Marc, Pablo Picasso, Camille Pissarro, Max Pechstein
und Karl Schmidt-Rottluff.
Im Zentrum stehen Familien, Paare und Einzelpersonen wie
die Familie Hirschland, Paul und Clothilde Schüler, Max Meirowsky,
Rosa Schapire und Margarete Mauthner. Viele ihrer Namen
haben keinen Eingang ins kollektive Gedächtnis gefunden,
ihre Sammelpraxis aber war ein integraler Bestandteil der deutschen
Moderne. Die Ausstellung präsentiert diese Sammlungen
in ihrem historischen Kontext: mit Gemälden, Zeichnungen,
Druckgrafik, Skulpturen und Künstler:innenpostkarten – und
mit Dokumenten, die die Sammler:innen als engagierte Protagonist:innen
eines lebendigen bürgerlichen Kunstlebens zeigen.
F.C. Gundlach, „Kostüme der Saison“, Eleanor vor dem Brandenburger Tor, Berlin (West),
1955 © F.C. Gundlach / Stiftung F.C. Gundlach
Die Schau macht sichtbar, wie jüdische Sammlerinnen und
Sammler den neuen Stilrichtungen offen begegneten, wie sie
Museen, Kunstvereine, Galerien und Künstler:innen unterstützten
und so maßgeblich zur Etablierung moderner Kunst
beitrugen.
Zugleich erzählt die Ausstellung von Ausgrenzung, Entrechtung,
Enteignung, Vertreibung und Ermordung. Sie zeigt, wie
politischer Druck, Zwangssteuern, Vermögenssperren und Ausreiseverbote
zur Zerschlagung der Sammlungen führten und
wie Netzwerke aus Händler:innen, staatlichen Akteur:innen,
Museen und internationalen Käufer:innen an der Verwertung
beteiligt waren. Die Wege der Werke werden bis in die Gegenwart
nachverfolgt – auch dort, wo ihre Geschichte verschleiert
oder vergessen wurde.
Konzipiert und kuratiert von Stefan Koldehoff und Kathrin
Baumstark, verbindet „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen
in Deutschland“ kunsthistorische und -soziologische
Forschung mit Erinnerungskultur. Die Ausstellung holt
die jüdischen Sammlerinnen und Sammler, ohne die die Moderne
in Deutschland kaum denkbar wäre, mit ihren Werken und
Geschichten zurück ins öffentliche Bewusstsein.
Bucerius Kunst Forum
Alter Wall 12 | 20457 Hamburg
www.buceriuskunstforum.de
Öffnungszeiten: täglich 11 – 19 Uhr, donnerstags 11 – 21 Uhr
LOUISE | arttourist.com | 2026 Hamburg | 21
Credits: Bianca Daniel, Fotos: Oliver Reetz
Hamburg
Bianca Daniel
Ein Innehalten im Strom des immer weiter,
immer mehr, immer noch.
Bianca Daniel arbeitet seit über dreißig Jahren an einer Bildsprache, die grafische Klarheit und
malerische Offenheit miteinander verbindet. Als Unternehmerin, Designerin und Künstlerin entwickelte
sie früh eine eigenständige Praxis zwischen Gestaltung und freier Kunst. Kunst und Design
versteht sie als gleichwertige Ausdrucksformen, die aus demselben visuellen Denken hervorgehen
und Form als bewusste Setzung begreifen.
Im Zentrum ihres künstlerischen Werks steht häufig die weibliche Figur. Reduziert auf Linie, Fläche
und Haltung bewegt sie sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, ohne narrativ gebunden
zu sein. Anschnitte, offene Kompositionen und eine zurückhaltende Farbigkeit lenken den
Blick auf ein Selbstverständnis von Identität und innerer Stärke, das keiner Behauptung bedarf.
Die Künstlerin verwendet überwiegend Acryl, Kohle und Tusche auf Leinwand, Papier oder Holz.
Charakteristisch ist ihr entschiedener Einsatz des zeichnerischen Strichs, der Übergänge sichtbar
lässt und das Unvollendete als Teil der Komposition begreift. So entstehen Arbeiten, in denen Kontrolle
und Intuition in ein ausgewogenes Verhältnis treten.
Genugsein ist eine Entscheidung.
Im Menschsein wie im Künstlerischen.
Sie fällt in dem Moment, in dem nichts mehr
hinzugefügt werden muss.
Bianca Daniel
ENOUGH
Im Verlag Ludvig Rage erschien am 29. April 2026 die 200-seitige Künstlerpublikation „ENOUGH.“,
deren Veröffentlichung von einer Ausstellung in der Galerie Daniel und die Kunst begleitet wird.
Sie versammelt zentrale Arbeiten der Künstlerin, gibt Einblicke in ihre Praxis und wird durch Essays
sowie begleitende Texte ergänzt. Das Buch versteht sich als Einladung, über das „Genug-Sein“ in
einer Welt nachzudenken, die beständig nach „mehr“ verlangt, und widmet sich der Frage, was es
heißt, als Frau, als Mensch und als künstlerische Haltung genug zu sein.
Die Publikation wird ergänzt durch Beiträge von Kunsthistorikerinnen und Autorinnen, die neue
Perspektiven auf das Werk eröffnen. Ein weiterer Teil widmet sich persönlichen Begegnungen:
Porträts starker Persönlichkeiten in ihren eigenen Räumen, gemeinsam mit den Kunstwerken, die
sie begleiten.
Mit dieser Publikation setzt Bianca Daniel kein Ausrufezeichen, sondern einen Punkt – ein leises
Manifest für Selbstakzeptanz, gegenseitige Anerkennung und das Recht, einfach zu sein. Ihre Arbeit
verhandelt Fragen von Identifikation, weiblicher Rolle, Selbstermächtigung und Präsenz – Themen
von hoher gesellschaftlicher Relevanz.
Die Künstlerin lebt und arbeitet in Hamburg.
Galerie Daniel und die Kunst
Am Kaiserkai 30, 20457 Hamburg
www.danielunddiekunst.com
@danielunddiekunst
Mobil | 0151.10 17 55 75
Künstlerpublikation
ENOUGH.
Bianca Daniel
Verlag Ludvig Rage
Limitierte Edition von 500 Exemplaren
Erhältlich u. a. in der Galerie Daniel und die Kunst,
im Shop der Hamburger Kunsthalle sowie direkt unter
www.ludvigrage.club/daniel
22 | Hamburg
LOUISE | arttourist.com | 2026
Hamburg Tipps
Hotels
Kaffee
in die kulinarische Levante-Welt versetzen zu
lassen oder aber mit lateinamerikanischen Delikatessen
das „pura vida“ in vollen Zügen auszuschöpfen.
St. Pauli Hafenstraße 136-140, 20359 Hamburg-
Sankt Pauli | www.saltandsilver.de
Weinbar
Literaturhaus Hamburg Longlist © Daniel Müller
25_altes hafenamt boilermanbar © Stephan Lemke
25h hamburg altes hafenamt
Das denkmalgeschützte Alte Hafenamt ist gelebte
Geschichte! In seiner ursprünglichen
Funktion war das backsteinerne Gründerzeit-
Ensemble das Amt für Strom- und Hafenbau.
Es wurde 1885/86 auf dem Grasbrook im entstehenden
Freihafen erbaut und ist das älteste
Gebäude der HafenCity. Im Hafenamt wurden
nicht nur die Karte geschrieben, sondern es war
auch lange Zeit Anlaufstelle für die Seeleute, die
ihre Erlebnisse aus allen Herren Ländern mitgebracht
haben. Diese Biografie sowie der sensible
Umgang mit dem alten Bau stellen die Leitlinie
für das Interieur Design dar. Dafür zeichnet das
Augsburger Designteam DREIMETA um Armin
Fischer verantwortlich und gestaltete da Hotel
im Stile eines wohnlichen Kapitänsheims:
Osakaallee 12, 20457 Hamburg | www.25hourshotels.com/de/hamburg/altes-hafenamt/
Superbude Hotel Hamburg St. Pauli Interior, 501 Levis Bude ©
Superbude
Superbude St. Pauli / Schanze
Die Superbude in der Schanze ist die ideale
Startrampe für Konzerte, Bar- & Clubkultur im
Schanzen- und Karoviertel, sowie die sündigste
aller Meilen - der Reeperbahn. Das Hotel verfügt
über 89 Zimmer mit „Rolf Heide Designbetten“,
ein Flat-TV und Highspeed-Wlan, eigenem Bad
mit Regendusche, WC und Wärmelampe sowie
Handtücher, Föhn und unsere handmade
Dailysoap sind immer inklusive. In der direkten
Umgebung der Superbude St. Pauli begegnet
Ihr Streetart, Kunst und Musik, soweit das Auge
reicht. Mit super Angeboten und coolen Events
ist die Sternschanze ein heiß begehrtes Pflaster.
Juliusstr. 1-7, 22769 Hamburg
www.superbude.com/hotel-hamburg/st-pauli/
www.superbude.de
© Silke Schmidt
Café und Rösterei Elbgold
Die richtige Röstung ist eine Wissenschaft für
sich – perfekt beherrscht wird sie bei Elbgold.
Die Hamburger Kaffeerösterei hat es sich zur
Aufgabe gemacht, die weltweit besten Bohnen
zu finden, um sie dann vor Ort zu veredeln –
mit einer eigenen Vorstellung, wie guter Kaffee
zu schmecken hat. Alle Kaffeebohnen stammen
dabei direkt von den Produzenten, beispielsweise
aus Äthiopien oder Peru, und werden fair
und nachhaltig gehandelt. Durch die Röstung
in Hamburg erhalten die verschiedenen Kaffeesorten
dann ein individuelles Röstprofil, um
einen jeden Geschmack zu treffen – egal, ob Sie
klassischen Geschmack oder neueste Trends bevorzugen.
Lagerstraße 34c, 20357 Hamburg
www.elbgold.com
Restaurants
© Salt & Silver, Hamburg
Salt & Silver
Soul Food Restaurant
Aus der Weltreise zweier Freunde wurde ein Restaurantkonzept.
Unter dem Motto „Travel, Surf,
Eat“ kredenzt das Salt & Silver bei entspannter
Atmosphäre und trendigem Interieur exquisite
lateinamerikanische und levantinische Küche
mit Fernwehcharakter. Tür an Tür, vereint unter
einem Dach, bieten die beiden Restaurants
ihren Gästen dabei zwei ganz unterschiedliche
Küchen an. So hat man die Wahl, sich entweder
mit erstklassigen Speisen aus dem Nahen Osten
© Marie Köstel
Die Alte Druckerei
Die Weinbar „Die Alte Druckerei“ verbindet
stilvolles Ambiente mit entspannter Atmosphäre
und ist ein besonderer Treffpunkt für
Weinliebhaber in Hamburg. In den charmanten
Räumen einer ehemaligen Druckerei trifft
industrieller Charakter auf warme Details und
schafft so einen Ort mit eigenem Flair. Die sorgfältig
kuratierte Weinauswahl legt den Fokus
auf europäische Winzer, ergänzt durch saisonale
Kleinigkeiten, die perfekt auf das Angebot abgestimmt
sind. Ob für einen ruhigen Abend zu
zweit oder ein geselliges Beisammensein – die
Alte Druckerei steht für Genuss, Qualität und
eine persönliche Handschrift fernab klassischer
Weinbar-Klischees.
Kattrepel 2, 20095 Hamburg
www.die-alte-druckerei.de
Kultur
Sommerfestival außen, Foto © Anja Beutler
Internationales Sommerfestival
2026
05.08. – 23.08.2026
Mit dem Internationales Sommerfestival Kampnagel
verwandelt sich das Gelände von Kampnagel
auch in diesem Jahr wieder in einen
pulsierenden Treffpunkt für Kunstschaffende
und Publikum aus aller Welt. Über mehrere
Wochen im August präsentiert das Festival
in Hamburg ein vielschichtiges Programm zwischen
Theater, Tanz, Musik, Performance und
bildender Kunst.
Scharreestraße 20, 22303 Hamburg
www.kampnagel.de
Literaturhaus Hamburg
Im September 1989 öffnete das Literaturhaus
auf der Uhlenhorst erstmals seine Tore für Veranstaltungen.
Seitdem hat sich die weiße Villa
am Schwanenwik zum literarischen Treffpunkt
der Stadt entwickelt – mit großer überregionaler
Ausstrahlung. Hier kommen Schriftstellerinnen,
Autoren, Künstlerinnen, Philosophen,
Journalistinnen und Übersetzer zusammen, um
ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren
oder über aktuelle kulturelle und gesellschaftliche
Fragen zu diskutieren.
Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
www.literaturhaus-hamburg.de
Nica Jazz Club © Julia Schwendner
Nica Jazz Club
Der NICA Jazz Club wurde im November 2024
direkt neben dem Rathaus eröffnet – im Herzen
der Stadt. Programmatisch setzt NICA auf
einen breiten Genre-Kosmos: Jazz in all seinen
Facetten, so dass er auch ein nicht jazzaffines
Publikum anspricht, dazu Funk, Soul, Blues
und World Music. Sowohl internationale Top-
Stars als auch lokale Entdeckungen treten im
NICA mit beeindruckendem Ambiente und
schönstem Blick auf das Alsterfleet auf. Im
NICA finden fast täglich Konzerte statt, eine
ausgewählte Bar-, Speisen und Snack-Gastronomie
rundet den Konzertabend für die Gäste
ab. Der ca. 400 qm große Saal bietet sitzend
Platz für bis zu 300 Gäste. Nach nur anderthalb
Jahren hat sich der Club als einer der weltweit
besten Jazzclubs etabliert.
Alter Wall 20, 20457 Hamburg
www.nica-jazzclub.de
Claudio Sambito im KASA Restaurant © KASA Restaurant
Restaurant KASA Hamburg
Arte – italienisch für Kunst und für das im Folgende
beschrieben gastronomische Projekt das
verbindende Element: Architektur, Malerei,
Musik, Genuss, all das vereint KASA, der Ort,
an dem Claudio Sambito seine Gäste willkommen
heißt und sie mit auf die Reise nimmt.
Auf eine Reise beginnend bei seinen Wurzeln
in Sizilien, das über die Jahrhunderte diverse
Völker angezogen hat und durch seine Lage im
Mittelmeer eine ganz eigene Kultur und Küche
ausgeprägt hat. Diese ist regional, traditionell,
mit Wurzeln weit zurück in die Antike, doch
sie ist auch immer modern, denn die Inselbewohner
und Bereisende gaben stets auch
Ideen, unbekannte Zutaten, Praktiken von
außen, reicherten an, was sich als Grundlage
in der Küche Siziliens, auf seinem fruchtbaren
Boden mit seinen besonderen klimatischen
Bedingungen fand.
Noch eine Erklärung zum Namen des Restaurants,
denn dieser beinhaltet viel der
Konzeptidee: der Begriff des Zuhauses findet
sich ja im italienischen Casa, was mit „C“
geschrieben wird.
Casa aus dem Lateinischen bedeutet überdachter
Ort. KASA mit „K“ hingegen entspricht
im Japanischen der dreieckigen
Kopfbedeckung, die wiederum einem Dach
ähnelt.
Der Gedanke, dass sich die Gäste behütet,
beschützt und wohl fühlen begleitet die Vision
des Gründers, zudem erlaubt das „K“ die
Anspielung auf die internationalen Einflüsse
und irritiert den Besucher auf positive Art,
dass das KASA kein typisches italienisches
Restaurant ist.
Bellealliancestraße 32, 20259 Hamburg
www.kasahamburg.de
© Schanzenkino
LOTTO Hamburg
Open-Air-SchanzenKino 2026
18.07. – 30.08.2026
Allabendlich präsentieren das Open-Air-SchanzenKino
über einen Zeitraum von 6 ½ Wochen
ein abwechslungsreiches Filmprogramm. Nach
mehr als 25 Jahren hat das Open-Air-Schanzen-
Kino längst Kultstatus erreicht. Mitten im Herzen
Hamburgs liegt das Freiluftkino idyllisch
im Sternschanzenpark. Einzigartig in Deutschland
ist ihr Multiplex-Freiluftkino-Konzept mit
zwei Filmen am Abend, das jedem Gast ein individuelles
Filmvergnügen ermöglicht
Sternschanze 1 A, 20357 Hamburg
www.schanzenkino.de
Medienpartner
Kulturpartner
Gefördert durch
LOUISE | arttourist.com | 2026 Fototipps | 23
Fortsetzung von Seite 13
ausübte, lässt sich auch daran ablesen, wie
gesellschaftlich mit Sexarbeit umgegangen
wurde. Die Ausstellung setzt Schlaglichter
auf Kunst- und Kulturgeschichte ebenso wie
auf gesellschaftspolitische Themen der Gegenwart.
Bundeskunsthalle | www.bundeskunsthalle.de
© Courtesy Dora Budor & Noah Barker, 2025
Berlin
n.b.k. Showroom
Dora Budor & Noah Barker
bis 02.08.2026
Dora Budors und Noah Barkers kollaborative Praxis entspringt ihrem gemeinsamen Interesse
an Kartografien von Macht und Begehren, in denen ökonomisches Fortschrittsstreben
auf psychologische Resonanz trifft.
Als Prolog der Premiere ihrer neuen gemeinsamen Videoarbeit Monte Carlo Method im
November 2026 im n.b.k. werden im Juni im n.b.k. Showroom Budors Videoarbeit Lifelike
(2024) und Barkers Werkserie Juniper (2026) einander gegenübergestellt. Die Werke
sind charakteristisch für ihren gemeinsamen Schaffensprozess – sie behandeln instabile
Zustände und vermitteln ein Gefühl für die eigene psychophysische Infrastruktur.
Nora Turato. they filled me up
with words
bis 31.08.2026
Sprache – in gesprochener wie geschriebener
Form – ist zentrales Merkmal in Nora
Turatos Werk, das von der Künstlerin in
Wandarbeiten, Videos, Sound, Performances
und ihren Künstlerinnenbüchern
der Serie pool erforscht wird. Dabei arbeitet
sie mit vorgefundenem Material aus
vielseitigen Quellen wie u. a. dem Internet,
Social Media, Presse, Büchern, Filmen, Musik
und Gesprächen. Von der Künstlerin gesammelt
und akribisch neu geordnet, wird
ein Überfluss an Wortmaterial bis auf die
Essenz heruntergebrochen. Turato macht
so auf gesellschaftliche Bedingtheiten, Entwicklungen
und Phänomene aufmerksam,
die der Sprache zugrunde liegen und deren
Gebrauch prägen.
Neuer Berliner Kunstverein | www.nbk.org
Peter Hujar, Selbstportrait (II), 1975 © The Peter Hujar Archive / VG
Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy of The Peter Hujar Archive / ARS,
New York, and Pace Gallery, Fraenkel Gallery, Maureen Paley, and
Mai36
Nora Turato, Portrait, Foto © El Hardwick
Bonn
Peter Hujar
Eyes Open in the Dark
bis 23.08.2026
Der Fotograf Peter Hujar war eine zentrale Figur
in der queeren Downtown-Szene im New York
der 1970er und frühen 1980er Jahre. Als er 1987
an einer AIDS-bedingten Lungenentzündung
starb, waren seine Fotografien der breiteren
Kunstwelt weitgehend unbekannt. Heute zählt
er zu den wichtigen Fotografen der zweiten
Hälfte des 20. Jahr- hunderts. Peter Hujar studierte
Anfang der 1950er Jahre Fotografie an
der School of Industrial Arts in Manhattan und
arbeitete zunächst als Modefotograf. Zu Beginn
der 1970er Jahre gab er die kommerzielle Fotografie
auf und führte ein finanziell prekäres Leben
mit gelegentlichen Ausstellungen. Mit seinen
klassisch wirkenden Schwarz-Weiß-Fotos
– Portraits, Tiere, Architektur und Landschaften,
die sich zumeist auf ein Einzelmotiv konzentrieren
und dieses in seiner vollen Existenz
durchdringen – steht Peter Hujar im Gegensatz
zu den fotografischen Strömungen seiner Zeit.
Sein Hauptinteresse galt der Porträtfotografie.
SEX
WORK
Franz Rehfeld (zugeschrieben), Fetischfotografie aus den 1930er Jahren © Sammlung Siegfried Sander
mit großem Dank für die freundliche Unterstützung von GRAUWERT und Wolfgang Söder
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
www.bundeskunsthalle.de
SEX WORK
EINE KULTURGESCHICHTE
DER SEXARBEIT
2. APRIL – 25. OKTOBER 2026
IN BONN
Jetzt Tickets sichern!
www.bundeskunsthalle.de/tickets
Ausstellungsplakat © Bundeskunsthalle, Bonn
Sex Work
Eine Kulturgeschichte der
Sexarbeit
bis 25.10.2026
Die Geschichte der Sexarbeit lässt sich von
weit vor der Antike bis in die Gegenwart
verfolgen. Welches Menschenbild die Zeit
prägte, welche Werte galten und wer Macht
Herlinde Koelbl, Fadenkreuze für das Leben, 2025, © Herlinde
Koelbl.
Bonn
Herlinde Koelbl
Fadenkreuze im Leben
05.11.2026 – 24.01.2027
Krebs betrifft uns alle – und doch bleibt
vieles unsichtbar. In ihrer neuen Ausstellung
Fadenkreuze für das Leben öffnet
Herlinde Koelbl den Blick auf einen selten
gezeigten Teil der Krebsbehandlung:
die Strahlentherapie. Ausgehend von ihrer
eigenen Brustkrebserkrankung entstand
ein bewegendes fotografisches Projekt über
Verletzlichkeit, Hoffnung und Würde, das
erstmals im Kunstmuseum Bonn ausgestellt
wird.
Herlinde Koelbl porträtiert Menschen aller
Altersgruppen, zeigt die Markierungen auf
deren Körpern und Porträts von Patient:innen,
Menschen, die sich in außergewöhnlicher
Offenheit zeigen. Die Fadenkreuze,
im Militär Symbole des Tötens, werden hier
zu Zeichen des Überlebens. Zwischen Dokumentation
und Kunst entsteht eine Serie
von großer Tiefe, die Tabus bricht, Mut
macht und einen Blick auf das Leben erlaubt,
der sonst verborgen bleibt.
Kunstmuseum Bonn | www.kunstmuseum-bonn.de
Bonn
Fluchtpunkt Paris
Gisèle Freund, Rogi André,
Madame d‘Ora
01.10.2026 – 24.01.2027
Nach dem Ersten Weltkrieg zog Paris Intellektuelle
und Kunstschaffende aus ganz Europa
an – so auch die Fotografinnen Gisèle
Freund, Rogi André und Dora Kallmus alias
Madame d’Ora. Die drei noch jungen Künstlerinnen
widmeten sich dem pulsierenden
Kulturleben der Metropole und hielten es
in eindrucksvollen Aufnahmen fest. Anfang
der 1940er-Jahre mussten Freund, André und
Kallmus aufgrund ihrer jüdischen Herkunft
die Stadt verlassen. Auf teils verschlungenen
Wegen kehrten sie später nach Paris zurück.
Ihre fotografischen Arbeiten erzählen von
Aufbruch und Verfolgung, künstlerischer
Innovation, gesellschaftlichem Engagement
und vom Überleben im Exil.
LVR-Landesmuseum Bonn
www.landesmuseum-bonn.lvr.de
SEX
WORK
Franco Vaccari, Photomatic d’Italia, 1972-3, collage di photostrip e
fotografia su cartoncino / collage of photostrips and photograph
on cardboard, cm.50x30
Bozen (I)
Feedback
The Environments of
Franco Vaccari (working title)
bis 13.09.2026
Das Museion präsentiert mit Feedback. Die
Environments von Franco Vaccari eine umfassende
Ausstellung, die einer der bedeutendsten
Figuren der Kunst der italienischen
Nachkriegszeit und der Konzeptkunst gewidmet
ist. Sie vereint Foto- und Videoarbeiten,
Künstlerbücher und Archivmaterialien und
bietet einen ersten institutionellen Überblick
über Vaccaris Rauminstallationen als wesentlichen
Bestandteil seiner Praxis. Ursprünglich
zu Ehren seines 90. Geburtstags geplant, ist
dies die erste große Werkschau des Künstlers
seit seinem Tod im Dezember 2025.
MUSEION Museum für moderne und zeitgenössische
Kunst | www.museion.it/de/
Fanny Bullock mit Plakat „Votes for Women“, 1917
(Foto: William Hunter Workman – Library of Congress, ID
cph.3c08071)
Bruneck (I)
Frauen der Berge – Berge der
Frauen
bis 30.09.2026
Frauenberge, Berge der Frauen sind in dreifacher
Weise interpretierbar: als Berge heiliger
Frauen, also keltische Kultplätze der drei heiligen
Frauen (Bethen) Ambeth, Wilbeth und
Borbeth, die nach den Reformationskriegen
„einchristianisiert“ zu Margareta, Katharina
und Barbara wurden; als Berge, die gemäß einer
typisch patriarchalischen Aussage von Albert
Frederick Mummery für Frauen eine alpine
Leistung, aber für Männer nur ein Spaziergang
sind; und als Berge, die nach Alpinistinnen benannt
sind, die in den Anfängen des Alpinismus
Großartiges geleistet haben. Den hervorragenden
Alpinistinnen, die das Frauenbild
als ebenbürtige Partnerinnen der Männer im
Gebirge formten und dafür mit Bergen überall
auf der Welt, die ihren Namen tragen, geehrt
wurden, ist diese Ausstellung gewidmet.
www. .com Weiter auf Seite 36
24 | Milena Schilling
LOUISE | arttourist.com | 2026
Milena Schilling:
O R I G I O
Nackte Körper schweben unter Wasser. Umgeben von Luftblasen
wirken sie schwerelos. Sie drängen vom dunklen Untergrund der
Oberfläche entgegen – gleichzeitig scheinen sie stillzustehen. Die
Szene wirkt surreal und anmutig, aber auch verletzlich. Die Bilder
der jungen Fotografin Milena Schilling sind faszinierend, sie
ziehen einen in die Wasserwelt des Bodensees und lassen einen
darin traumhaft versinken.
Skulpturale Ästhetik unter Wasser
Inspiriert von Barockmalern wie Peter Paul Rubens inszeniert
Schilling die Körper unter Wasser wie skulpturale Gemälde. Drei
Jahre lang fotografierte sie 45 Menschen aus Konstanz nackt im
Bodensee. Menschen aller Körperformen und Hintergründe im
Alter von 18 bis 73 Jahren tauchten vor ihrer Kamera ab. Unter
Wasser verlieren gesellschaftliche Schönheitsideale ihre Macht;
die Körper wirken schwerelos, anmutig und verletzlich zugleich.
In den Grautönen des Sees entstehen Bilder, die durch Luftblasen,
Algen und das einfallende Tageslicht eine fast sakrale Atmosphäre
erhalten.
Der Titel „O R I G I O“ leitet sich vom lateinischen Wort für
„Ursprung“ oder „Quelle“ ab. Schilling erinnert daran, dass der
Mensch zu einem Großteil aus Wasser besteht und seine ersten
neun Monate im Fruchtwasser verbringt. Das Projekt thematisiert
das Urvertrauen in dieses Element, das gleichzeitig lebensnotwendig
und dem Menschen unzähmbar überlegen ist. Hauptmessage
des Projektes: Wir verbringen alle die ersten 9 Monate im Wasser
– dort sind wir frei von sozialen Konstrukten und alle gleich.
Eine neue Generation der Fotografie
Die in Konstanz lebende Fotografin ist die jüngste Künstlerin,
deren Arbeiten bisher in einer Leica Galerie (Konstanz, 2025)
ausgestellt wurden. Ihr Weg ist bezeichnend für die neue Generation
von Fotograf:innen, die an einer spannenden Schnittstelle
zwischen analoger Nostalgie und hochintelligenter KI-Technik
stehen. Sie sind die erste Generation, die mit der Kamera im
Smartphone aufgewachsen ist, aber gleichzeitig die Dunkelkammer
wiederentdeckt.
Diese junge Generation ist mutiger, politischer und experimentierfreudiger.
Sie nutzen die Kamera nicht nur als Dokumentationswerkzeug,
sondern als Medium zur Selbstinszenierung
und zur kritischen Auseinandersetzung mit der Welt. In
ihrem Kunstprojekt setzt sich Milena Schilling intensiv mit
der Beziehung zwischen Mensch und Wasser auseinander. Mit
„O R I G I O“ hat sie eine Hommage an das Leben geschaffen –
daran, wie facettenreich und von Schönheit erfüllt es ist. Es ist ein
demütiger Blick auf das Element Wasser, dem wir alle gleichermaßen
unsere Existenz verdanken, sowie eine Erinnerung daran,
dass wir aus dem gleichen Ursprung geformt und darüber miteinander
verbunden sind. Es ist ein Thema, das sie nicht mehr
loslässt. Für das Projekt lernte sie Apnoetauchen, und hat den
Segel- und Motorbootschein gemacht. Aktuell bereitet sie sich für
weitere Serien für das Gesamtprojekt von „O R I G I O“ vor.
LOUISE | arttourist.com | 2026 Milena Schilling | 25
Wir sprachen mit Milena Schilling.
Wie ist das „Dorfkind“ aus dem
beschaulichen Grießen, einem
Dorf in Süddeutschland, das
Dank Ihrer Fotos auch schon in
den Medien zu sehen war, zur Fotografie
gekommen und dorthin
gekommen, wo Sie heute sind?
Milena Schilling: Ich wusste schon
sehr früh, etwa in der sechsten Klasse,
dass ich Fotografin werden möchte.
Von dem Erbe meiner Oma habe
ich meine erste Spiegelreflexkamera
bekommen und ab da alle Menschen
in meinem Umfeld ständig begleitet
und in Szene gesetzt. In der zehnten
Klasse habe ich dann angefangen,
unseren Dachboden in ein Fotostudio
umzubauen und mich selbstständig
gemacht. Nach dem Abitur war klar,
ich will Fotografie studieren, da ich
erst 17 war, musste ich ein Jahr warten,
bis ich nach Konstanz ziehen
konnte, um meinen Bachelor in Kommunikationsdesign
zu machen. Dieses
Jahr nutzte ich, um mich eigenständig
immer tiefer in die Fotografie
einzuarbeiten und mir so mein Studium
neben meiner Selbstständigkeit zu
finanzieren. Im Bachelor lag mein Fokus
ganz eindeutig auf der Fotografie,
weshalb ich anschließend beschloss,
noch den Master in photographic
studies in Dortmund anzuschließen.
Da ich generell ein sehr wissbegieriger
und neugieriger Mensch bin, habe
ich mich in Dortmund auch in viele
Vorlesungen reingesetzt, ohne dafür
Punkte zu bekommen, einfach weil
es mich interessiert hat und ich mehr
lernen wollte. Und auch heute noch
bilde ich mich permanent weiter, besuche
viele Ausstellungen, Museen
etc. und möchte die Fotografie aus
vielen verschiedenen Blickwinkeln
kennenlernen und verstehen.
Was fasziniert Sie bis heute an
der Fotografie?
Milena Schilling: Die Begeisterung
für die Fotografie und die Faszination
für Menschen habe ich schon, soweit
ich mich zurückerinnern kann, und
sie wird zunehmend stärker. Ich finde
Menschen und ihre Geschichten generell
super spannend und interessant.
Sich dabei zu überlegen, wie man was
fotografisch erzählen kann und wie
etwas wirkt, und das gezielt einzusetzen,
macht mir sehr viel Spaß. Denn
mit der passenden Bildsprache zu einem
Thema kann man mit Fotografie
sehr viel bewirken, Gefühle auslösen,
Menschen zum Nachdenken anregen,
sie auf Dinge aufmerksam machen
usw.
Nexus
26 | Milena Schilling
LOUISE | arttourist.com | 2026
Corpus vitae
Welche Themen und Fragenstellungen
stehen im Mittelpunkt
Ihrer Arbeit?
Milena Schilling: Im Zentrum meiner
Arbeit stehen für mich vor allem
Themen, die im Spannungsfeld zwischen
persönlicher Wahrnehmung und
gesellschaftlicher Relevanz liegen. Ich
interessiere mich für die alltäglichen
Momente, Ereignisse und Geschichten,
die oft übersehen werden, obwohl sie
eine besondere Sensibilität oder Intensität
in sich tragen, und setze diese
in einen größeren Kontext. Damit
rege ich zum Nachdenken an und gewohnte
Sichtweisen zu hinterfragen.
Ich nutze Fotografie dabei als Mittel,
um Emotionen zu erzeugen und neue
Perspektiven zu öffnen. Insgesamt verstehe
ich meine Arbeit als einen Beitrag
dazu, mit den mir zur Verfügung
stehenden fotografischen Mitteln auf
Themen aufmerksam zu machen und
Impulse für Veränderung und Reflexion
in der Gesellschaft zu geben.
Seit 2022 unterrichten Sie im
Rahmen des Mathilde-Plank-Stipendiums
für junge Professorinnen
an der HTWG Konstanz
u.a. Fotografie, Konzeption und
Fototechnik. Eine Aufgabe und
Tätigkeit, die Ihnen große Freude
bereitet? Was ist Ihnen in der
Vermittlung von Wissen wichtig,
was bedeutet Ihnen der Austausch
und was schöpfen Sie für
sich selbst und Ihre künstlerische
Arbeit aus dieser Tätigkeit?
Milena Schilling: Die Lehrtätigkeit
an der HTWG Konstanz macht mir
sehr viel Freude. Besonders der direkte
Austausch mit den Studierenden ist
für mich ein zentraler und sehr bereichernder
Bestandteil dieser Arbeit.
In der Vermittlung von Wissen ist mir
neben all den Grundlagen der Fotografie,
der Technik und wie man diese
zielführend in ein Konzept einarbeitet,
vor allem wichtig, Bildkompetenz
zu stärken – also die Fähigkeit, Bilder
nicht nur technisch zu verstehen,
sondern sie auch einzuordnen, zu lesen
und ihre Wirkung zu reflektieren.
Genau diese Fähigkeit, Bilder kritisch
zu betrachten und ihre Bedeutung im
jeweiligen Kontext zu erkennen, geht
meiner Meinung nach in der heutigen,
stark bildgeprägten Zeit oft verloren.
Gleichzeitig spielt für mich das Verständnis
von Bildwirkung eine große
Rolle: Wie funktioniert ein Bild? Warum
wirkt es auf eine bestimmte Weise?
Und was passiert zwischen Bild
und Betrachter?
Der Austausch mit den Studierenden
ist dabei sehr inspirierend, weil er ein
echtes Geben und Nehmen ist. Ihre oft
noch sehr unvoreingenommene Herangehensweise
an fotografische Themen
bringt viel kreativen Input und eröffnet
neue Perspektiven, die auch meine
eigene künstlerische Arbeit bereichern.
Gleichzeitig erinnere ich mich durch
die Lehre immer wieder daran, dass
es im kreativen Prozess nicht darum
geht, alles zu überanalysieren oder zu
zerdenken, sondern auch, dem intuitiven
Handeln Raum zu geben – einfach
zu machen und ins Arbeiten zu
kommen.
Wo und wie finden Sie Inspiration
für Ihre Arbeit und arbeiten Sie
immer eher strukturiert und geplant
oder eher intuitiv?
Milena Schilling: Meine Inspiration
für Themen für meine freien Projekte
finde ich im alltäglich Leben. Was
meine Bildsprache betrifft, bin ich im
Allgemeinen sehr inspiriert aus der
Kunstgeschichte. Alte Malerei und
Skulpturen haben mir es dabei besonders
angetan.
Corpus e fluctibus
LOUISE | arttourist.com | 2026 Milena Schilling | 27
Ich arbeite immer sehr konzeptionell
und überlasse wenig dem Zufall.
Ich plane alles sehr gezielt von Anfang
bis Ende. Bei meinem Projekt
„O R I G I O“ war es mir wichtig,
dass die Botschaft sowohl in den Fotos
als auch durch den Druck bis hin zur
Hängung deutlich wird. Der malerische
und ursprüngliche Charakter der Fotos
wird nicht nur alleine durch das genaue
Planen, Verstehen des Sees und der guten
Zusammenarbeit mit den Modellen
erreicht, sondern auch dadurch unterstrichen,
dass die Fotos nicht weiter bearbeitet
wurden. Alle Fotos sind direkt
„out of cam“. Auch die Art und Weise
wie sie präsentiert werden, wie und wie
groß sie gedruckt werden und wie sie
angeordnet an der Wand hängen hat
eine große Wirkung und unterstützt die
Botschaft. Aber was ich auch immer
wieder lernen muss: Auch wenn man
vieles planen kann, braucht der Zufall
trotzdem seinen Raum. Als ich mit
dem Projekt anfing, wusste ich nicht,
dass man nur von November bis März
bei Wassertemperaturen von unter 12
Grad shooten kann und das ich dafür
sogar einen Segelschein brauchte, Apnoetauchen
und noch so viel mehr lernen
musste, war mir, als ich die Idee
hatte, auch nicht ansatzweise bewusst.
Aber das Tolle daran: Man wächst mit
seinen Projekten, und wenn man wirklich
etwas will, dann schafft man das
auch, denn den Mutigen gehört die
Welt!
Mit Ihrer Ausstellung „O R I G I O“
in der Konstanzer Leica-Galerie
haben Sie überregionale Beachtung
erfahren, und auch wir sind
dadurch auf Sie und Ihre Arbeiten
aufmerksam geworden. Was verbirgt
sich hinter „O R I G I O“?
Was hat Sie dazu bewogen, dieses
Projekt zu machen?
Milena Schilling: Wasser spielte
schon immer eine große Rolle in meinem
Leben. Ich verbringe gerne jede
freie Minute im See und gehe jeden
Morgen, bevor ich arbeite, erstmal eine
Runde im See schwimmen. Eine Begegnung
mit Walen im offenen Meer zeigte
mir noch deutlicher, wie verbunden
und wohl ich mich im Wasser fühle.
Als mir bewusst wurde, dass wir Menschen
selbst zu 70-80% aus Wasser
bestehen, wie auch unser Planet, und
dieses Element lebensnotwendig für
uns ist, es uns aber gleichzeitig auch
unzähmbar und überlegen ist. Wasser
ist der Ursprung des Lebens, und wir
Menschen verbringen alle die ersten
neun Monate im Mutterleib im Wasser.
Dort sind wir frei von sozialen Konstrukten
und alle gleich. Anhand dieser
Erlebnisse und Gedanken beschloss ich,
die Serie „O R I G I O“ (= lat. Ursprung
des Lebens) zu starten, denn wenn man
sieht, was gerade alles in der Welt passiert,
sollten wir uns öfter mal daran
zurückerinnern, wo wir eigentlich herkommen
und was uns verbindet. Denn
jeder Mensch ist es wert, gleich und respektvoll
behandelt zu werden.
Wie war der Prozess von der Idee
bis zur Realisierung?
Milena Schilling: Das Projekt war
insgesamt sehr aufwendig und komplex.
In einem Zeitraum von drei Jahren
habe ich das Projekt umgesetzt
und arbeite an weiteren Serien auch
weiterhin daran. Zum einen habe ich
versucht, den Bodensee zu analysieren
und zu verstehen. Wer schon einmal
hier am See war, weiß, wie trüb er ist.
Aber ab einer Wassertemperatur von
unter 12 Grad wird er klarer – dann
kommt es auf die Windrichtung an,
wann es das letzte Mal geregnet hat,
wann die verschiedenen Algen blühen
und welche Wolken am Himmel stehen.
Wenn all diese Faktoren stimmten,
war ein Shooting so möglich, wie
ich es mir vorgestellt hatte: mit einer
relativ klaren Sicht im See und einem
weichen, malerischen Licht. Oft konnte
ich die Bedingungen erst einen Tag
vorher abschätzen und musste alles
sehr spontan planen. Insgesamt war
ich mit 45 Menschen zwischen 18–73
Jahren im Wasser. Bei dem Projekt
durfte unabhängig von Alter, Körperform
etc. jeder, der Interesse hatte,
teilnehmen. In meinem Skizzenbuch
habe ich immer die Kompositionen,
die in meinem Kopf entstanden sind,
aufgezeichnet, um sie dann mit meinen
Modellen zu besprechen. Inspiriert
wurde ich durch Malereien und Skulpturen
aus der Renaissance und dem
Barock. Nachdem wir uns alle getroffen
hatten, haben wir zuerst alles an
Land geprobt – die finale Komposition
des fertigen Fotos und die dazugehörigen
Choreographien mit den entsprechenden
Tauchwegen zur finalen
Position. Am Anfang bin ich mit den
Models vom Ufer aus in den See gegangen,
habe aber schnell gemerkt, dass
es von einem Boot aus besser wäre –
und habe deshalb extra den Segel- und
Motorbootschein gemacht. Also organisierte
ich zusätzlich zu den Modellen
ein Boot und eine Crew. Nach den
Proben an Land sind wir auf den See
hinausgefahren und haben dort die
letzten Feinheiten besprochen. Dann
ging es für mich als Erstes ins Wasser,
um die passende Stelle für die Fotos zu
suchen. Denn auch der Untergrund,
ob Sand, Algen oder tiefes Wasser
und wie dieser zu welcher Tageszeit
mit dem Sonnenstand erscheint, war
eine wichtige Komponente in meinen
Fotos. Die Sommermonate nutzte ich,
um den See und seinen Boden zu erkunden,
um die passenden Orte zu
den Ideen in meinem Kopf zu finden.
Als wir dann mit dem Boot die jeweils
richtige Stelle gefunden hatten, ging es
für mich zunächst ins Wasser, um die
passende Stelle für die einzelnen Personen
an dieser Stelle zu definieren.
Dann kamen meine Models ins Wasser
und dann ging alles ganz schnell:
Metamorphosis
Alle schwammen auf ihre Positionen,
der Skipper an Bord fing an zu zählen,
und die Choreographie begann.
Ich habe extra Apnoetauchen gelernt,
um lange genug unter Wasser zu bleiben
und den perfekten Moment zu erwischen,
wenn meine Models in der
Endposition waren. Aus technischen
Gründen konnte ich nur ein Foto pro
Tauchgang machen – entweder ich
kam am Ende des Tages mit einem
Foto nach Hause oder nicht. Der Zeitaufwand
für ein einzelnes Bild betrug
oft bis zu 9 Stunden, wobei die Models
aufgrund der Wassertemperatur
oft nur 3–5 Minuten im Wasser waren.
Danach wurde sich direkt an Bord
aufgewärmt und es ging zurück in
den Hafen. Erst zu Hause am Rechner
konnte ich dann das Ergebnis sichten
und wusste, ob sich der ganze Aufwand
gelohnt hatte oder nicht.
Wie geht es mit „O R I G I O“ weiter
... Sie werden in Arles ausgestellt?
Milena Schilling: Das gesamte Projekt
„O R I G I O“ selbst ist noch nicht
abgeschlossen. Ich arbeite nach wie
vor daran weiter. Die zwei bereits bestehenden
Serien von „O R I G I O“
werden dieses Jahr in weiteren Galerien
in Deutschland zu sehen sein und
von Juli bis Oktober während des Rencontre
d’Arles im Rahmen des DIOR
Award for Photography and Visual
MILENA
SCHILLING
Fotografin, Künstlerin, Dozentin
www.milenaschilling.de
seit 2022:
Dozentin, Mathilde-Planck-Stipendium
für junge Professorinnen
Akademische Ausbildung:
Oktober 2019 bis Oktober 2022
Master of Arts, Photographic Studies,
Fachhochschule Dortmund
Oktober 2025 bis Juli 2019
Bachelor of Arts, Kommunikationsdesign,
HTWG Konstanz
seit April 2015:
Selbstständige Fotografin, Künstlerin
und Lehrbeauftragte
Arts im Luma in Arles gezeigt. Für Anfang
nächstes Jahr ist eine Ausstellung
im Maison Européenne de la Photographie
in Paris geplant.
Das Auge spielt eine wichtige
Rolle im Leben von Fotograf:innen,
was auch unser Cover mit
ihrem Selbstporträt perfekt unterstreicht.
Was ist der Hintergrund
zu diesem Selbstporträt?
Milena Schilling: Das Selbstporträt
hat den Titel „Augenmensch“. Ich bin
sehr visuell geprägt. Als Fotografin ist
das Auge mein Hauptarbeitswerkzeug,
deshalb ist dieses im Fokus und rot angeleuchtet.
Ich selbst bleibe dabei im
Hintergrund und bin nicht zu sehen,
aber wer die Fotos betrachtet, kann
die Welt durch meine Augen sehen.
Die grundlegende Idee des Selbstporträts
war es, mich als Fotografin – aber
ohne mein offensichtliches Werkzeug:
die Kamera – zu zeigen. Denn ich finde,
die Kamera und die ganze Technik
sind nur Mittel zum Zweck. Das Wesentliche
und der größte Teil der Arbeit
als Fotografin passiert schon beim Sehen.
Das Gespräch führte Kai Geiger
Aequalitas
28 | Immersive Art
LOUISE | arttourist.com | 2026
Immersive Art
Immersive Kunst bezeichnet Kunstformen, die darauf abzielen, das Publikum vollständig in
ein Werk eintauchen zu lassen. Anders als bei klassischen Gemälden oder Skulpturen, die man
mit Abstand betrachtet, wird man hier selbst Teil der Erfahrung – räumlich, sinnlich und oft
auch interaktiv. Die Besucher:innen tauchen ein und lassen einen für einen Moment eine
andere Wirklichkeit erfahren . Typisch ist, dass immersive Kunst mehrere Sinne gleichzeitig
anspricht: visuell durch Projektionen oder Lichtinstallationen, auditiv durch Klanglandschaften
und manchmal sogar haptisch oder olfaktorisch. Häufig kommen Technologien wie Virtual
Reality, Augmented Reality oder großflächige Projektionen zum Einsatz, aber auch rein
analoge Installationen können immersiv wirken. Ein wichtiger Unterschied zu traditionellen
Kunstformen liegt in der Rolle des Publikums. Man steht nicht mehr nur vor dem Werk, sondern
bewegt sich darin. Die eigene Position, Bewegung oder Handlung beeinflusst oft, wie das
Werk wahrgenommen wird – manchmal sogar, wie es sich verändert. Dadurch entsteht eine
sehr persönliche, unmittelbare Erfahrung.
zelausstellung des international renommierten
Künstlers Jon Rafman (*1981) in einem deutschen
Museum. Die Ausstellung gibt einen
Überblick über das seit 2008 entstehende Werk
und stellt Rafman als einen wegweisenden
Künstler des digitalen Zeitalters vor. Rafmans
künstlerische Arbeiten handeln mit scharfem
Blick und dunklem Humor davon, wie wir
als Gesellschaft mit dem Internet und seinen
ständigen Veränderungen umgehen. Anlässlich
der Ausstellung erscheint eine erste monographische
Publikation.
K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen | www.
kunstsammlung.de
Immersive Art bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, Technologie, Architektur und Performance.
Sie wird in Museen, Galerien, aber auch in speziell gestalteten Erlebnisräumen oder
temporären Ausstellungen gezeigt. Bekannte Beispiele sind begehbare Lichtinstallationen, digitale
Ausstellungen oder interaktive Räume, die auf Bewegungen reagieren.
Immersive Art Tipps
Monica Studer (*1960), Christoph van den Berg (*1962), HALLUC
(still #163), 2024 | Screenshot aus VR-Animation. Mit Genehmigung
der Kunstschaffenden | © Monica Studer, Christoph van
den Berg
Aarau (CH)
Künstliche Kreativität
26.09.2026 – 10.01.2027
Die Ausstellung erforscht das kreative Potenzial
der Künstlichen Intelligenz (KI) in der zeitgenössischen
Kunst. Der künstlerische Prozess mit
KI – ein Tanz zwischen Kontrolle und Kontrollverlust
– schafft ein produktives Spannungsfeld
zwischen Mensch und Maschine und fordert
unsere Vorstellung von Kreativität heraus. Die
Besuchenden sind eingeladen, die Möglichkeiten
und Grenzen von KI zu erkunden und zu
erleben, wie das technisch Unvorhersehbare
neue künstlerische Impulse freisetzt.
Aargauer Kunsthaus | www.aargauerkunsthaus.ch
DARK MATTER Forest Seasons, Foto ©Eric Bauermeister
Ausstellungsplakat © BRUSK Brügge
Brügge (B)
Refik Anadol
Latent City
08.05. – 08.11.2026
Refik Anadol, ein international renommierter
Künstler für neue Medien, zeigt eine bahnbrechende
Ausstellung in der Kunsthalle BRUSK.
Der türkisch-amerikanische Pionier in digitaler
Kunst ist weltweit für seine großformatigen
Kunstinstallationen bekannt, die er mithilfe
von Künstlicher Intelligenz kreiert. Für die
beeindruckende Eröffnungsausstellung von
BRUSK bringt Refik Anadol sein visionäres
Werk erstmals nach Belgien.
BRUSK Brügge | www.bruskbrugge.be
Viva-Frida-Kahlo, Fotograf © Luca Migliore
Leipzig
Viva Frida Kahlo
bis Oktober 2026
Farbe aus Schmerz, Lebenswille aus Leid: Mit
der multimedialen Ausstellung „Viva Frida Kahlo“
widmet sich das Kunstkraftwerk ab dem 14.
Februar 2026 der faszinierenden Persönlichkeit
der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlos,
ihrem bewegten Leben und Werk, das weltweit
die Kunst und Mode beeinflusste. Die immersive
360-Grad-Projektion in Zusammenarbeit
mit Alegria Exhibition und der Immersive Art
AG wird in Leipzig durch exklusive spektakuläre
Installationen zu einem farbenfrohen Erlebnis
mit visueller und erzählerischer Tiefe. Herzstück
von „Viva Frida Kahlo“ ist die 360-Grad-Projektion
in der Maschinenhalle des Kunstkraftwerks.
www.kunstkraftwerk-leipzig.com/exhibitions/vivafrida-kahlo/
Der Baum, Foto © Thomas Wolf_TWX
Oberhausen
Mythos Wald
bis 30.12.2026
Ein urzeitlicher Riesenhirsch, Wolfsgeheul,
preisgekrönte großformatige Bilder, der
schlafende Bär und dazu die größte Indoor-
Lichtskulptur der Welt – die am 20. März
2026 startende Ausstellung „Mythos Wald“
erweckt unsere Wälder zum Leben. In unterschiedlichen
Kapiteln präsentiert „Mythos
Wald“ die Diversität unserer Waldgebiete,
deren Ökosysteme so unterschiedlich sind,
wie die Klimazonen in denen sie vorkommen.
Mit großformatigen, teilweise erstmals zu sehenden
Bildern und Filmsequenzen zeigt der
Gasometer, dass Wälder mehr als nur eine
Ansammlung von Bäumen sind.
Gasometer Oberhausen www.gasometer.de
Refik Anadol, Glacier Dreams, 2023, Installationsansicht
Kunsthaus Zürich, 2025
Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich, © Refik Anadol
Berlin
Forest Seasons
bis Oktober 2026
Forest Seasons macht den Wald als begehbaren
Sehnsuchtsort im Wandel der Jahreszeiten
erfahrbar. Die raumgreifende Installation des
Licht- und Medienkünstlers Christopher Bauder
verbindet Naturmotive, industrielle Architektur
und kinetische Lichtkunst zu einer vielschichtigen
Komposition. Historisch galt der
Wald lange als Ort von Gefahren und Unbekanntem.
Erst ab der Romantik und mit fortschreitender
Industrialisierung wandelte sich
dieser Blick. Der Wald wurde als utopischer
Rückzugsort idealisiert und als Gegenpol zur
urbanen Welt verstanden.
www.darkmatter.berlin/forest-seasons
Jon Rafman, Main Stream Media. Poster, 2025 © the artist. Courtesy
the artist and Sprüth Magers
Düsseldorf
Main Stream Media
30.05. – 27.09.2026
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt
vom 30.05. bis 27.09.2026 im K21 die erste Ein-
OPENS
22 APRIL 2026
poster David Bowie A0 © Lightroom
GETTING HERE
KING’S CROSS
BOOK NOW
LIGHTROOM.UK
London (GB)
David Bowie: You’re Not Alone
Die bahnbrechende Show „David Bowie: You’re
Not Alone“ entführt die Besucher in die ikonischen
Auftritte sowie in den kreativen Geist und
die Seele eines der visionärsten und einflussreichsten
Künstler der Welt. Da die Show den
Künstler als einzige Stimme nutzt, ist David Bowie:
You’re Not Alone sowohl ein multimediales
Spektakel als auch ein intimes und aufschlussreiches
Selbstporträt. Das 360°-Erlebnis wurde
von Lightroom produziert und vom Studio „59,
a Journey“ entworfen.
London_Bild
Lightroom London | www.lightroom.uk
Zürich (CH)
Refik Anadol „Glacier Dreams”
ab 18.1.20205
Mit seiner beeindruckenden Visualisierung
der Schönheit und Zerbrechlichkeit von Gletschern
der Welt, will Refik Anadol nicht nur
auf den Klimawandel aufmerksam machen,
sondern auch ein multisensorisches Betrachtungserlebnis
schaffen. «Glacier Dreams» ist
ein immersiver digitaler Raum, der Kunst,
Technologie und Klimathematik auf spektakuläre
Weise vereint. Refik Anadol ist der Natur
sehr verbunden. Nach dem Regenwald im
Jahr 2023 und den Korallen 2024 jetzt „Glacier
Dreams“ zum Internationalen Jahr der
Erhaltung der Gletscher.
Kunsthaus Zürich | www.kunsthaus.ch
LOUISE | arttourist.com | 2026 Immersive Art | 29
teamLab, Forest of Resonating Lamps - One Stroke, Fire,
Courtesy teamLab Borderless Jeddah © teamLab
teamLab, Universe of Water Particles on a Rock where People Gather, Courtesy teamLab Borderless Tokyo © teamLab
teamLab, Light Vortex, Courtesy teamLab Borderless Tokyo © teamLab
UBS Digital Art Museum
Mit dem UBS Digital Art Museum entsteht in naher Zukunft
in der Hamburger HafenCity das größte Museum Europas,
das sich ausschließlich der digitalen und immersiven Kunst
widmet. Das eigens dafür entworfene Gebäude verfügt über
eine Fläche von 6.500 m² mit einer Deckenhöhe von bis zu
12 Metern. Die ungewöhnlich großen Innenräume bieten den
perfekten Rahmen, um diese zukunftsweisende Kunstform zu
präsentieren und damit eine der weltweit wichtigsten Plattformen
für digitale Kunst zu schaffen.
Herzstück des Museums wird die permanente Ausstellung teamLab
Borderless des renommierten internationalen Kunstkollektivs
teamLab sein. Darüber hinaus präsentiert das Museum
wechselnde Ausstellungen profilierter und aufstrebender
internationaler Künstler:innen.
Der Raum ist die Leinwand, das Licht ist die Farbe: teamLab Borderless
ist eine Welt der Kunstwerke ohne Grenzen, ein Museum
ohne vorgeschriebene Pfade, das vom Kunstkollektiv teamLab
geschaffen wurde. Die Kunstwerke bewegen sich aus den Räumen
heraus, kommunizieren mit anderen Werken, beeinflussen
sich gegenseitig und vermischen sich zuweilen – ohne Grenzen.
Aus dieser Sammlung von Werken entsteht ein unendliches, zusammenhängendes
Universum. Tauche mit dem ganzen Körper
in die grenzenlose Kunst ein. Wandere, erforsche bewusst, entdecke
und schöpfe eine neue Welt mit anderen.
Das internationale Kunstkollektiv gilt als
Pionier der Kunst, die sich digitaler
Technologien bedient.
2001 in Tokio gegründet, setzte sich teamLab zum Ziel, das
Zusammenspiel von Kunst, Wissenschaft, Technologie und
der natürlichen Welt zu erforschen. Die interdisziplinäre
Gruppe, zu der Künstler:innen, Programmierer:innen, Ingenieur:innen,
CG-Animator:innen, Mathematiker:innen und
Architekt:innen gehören, möchte durch Kunst die Beziehung
zwischen dem eigenen Ich und der Welt sowie neue Formen
der Wahrnehmung ergründen.
www.digitalartmuseum.com
Wir sprachen mit dem Künstlerischen Leiter Ulrich Schrauth.
Ulrich Schrauth © Axel Martens
Immersive Art Shows boomen
seit ein paar Jahren und sind
Cash Cows der Eventbranche mit
dem Hang zum Overload. Das
Künstlerkollektiv teamLab ist
Vorreiter im Bereich der digitalen
und immersiven Kunst weltweit.
Wie kam es zur Kooperation und
der Idee für ein eigenes Museum
in Hamburg?
Ulrich Schrauth: Der Begriff „immersiv“
wird heute oft inflationär
gebraucht, doch teamLab steht vielmehr
in der Tradition internationaler
Lichtkunst und Rauminstallationen.
Die Initiative, das internationale
Kunstkollektiv teamLab nach Hamburg
zu holen, stammt von unserem
Gründer Lars Hinrichs. Begeistert von
der technischen Präzision und fasziniert
von der emotionalen Tiefe der
Kunstwerke, die er in Südfrankreich
und Tokio erlebte, nahm er Kontakt
zur Pace Gallery auf, die teamLab
vertritt. Schon im August 2019 reiste
er dann gemeinsam mit Hamburgs
Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher
nach Japan, um die Absichtserklärung
zu unterzeichnen. Als gebürtiger
Hamburger war es sein festes
Ziel, Europas größtes Museum für digitale
und immersive Kunst in seiner
Heimatstadt zu realisieren.
Was machen Sie bzw. was ist in
Hamburg anders als in den vielen
tourenden Mainstreamshows nach
dem immer „gleichen“ Muster?
Ulrich Schrauth: Die meisten sogenannten
„immersiven Kunstinstallationen“
reproduzieren oft historische
Meisterwerke von Künstler:innen wie
Monet oder van Gogh und spielen
diese als linearen Film ab. teamLab
hingegen schafft zeitgenössische, originäre
Kunst – ganze Welten –, die
ausschließlich durch den Einsatz modernster
Technologien existiert und
durch komplexe Algorithmen in Echtzeit
generiert wird. Sie besitzt eine
völlig eigene Bildsprache. Bei uns gibt
es keinen sich wiederholenden Content-Loop.
Die Werke sind interaktiv
und partizipativ: Sie reagieren permanent
auf die Gesten, Bewegungen und
Berührungen der Betrachter:innen,
verändern sich und kommunizieren
über Raumgrenzen hinweg miteinander.
Zudem ist unsere Museumsarchitektur
mit komplexen raumgreifenden
Installationen und bis zu zwölf Meter
hohen, stützenfreien Decken explizit
maßgeschneidert für diese Kunstwerke
konzipiert worden.
Wo wollen Sie Ihr Haus verankern,
in der Kunst- und Museumswelt
oder der Event- und Entertainmentbranche?
Ulrich Schrauth: Wir verankern das
UBS Digital Art Museum ganz klar
in der Kunst- und Museumswelt. teamLab
gilt als Pionier der digitalen
Kunst, wird von der Pace Gallery,
einer der führenden Galerien für zeitgenössische
Kunst, vertreten und ist
in bedeutenden Sammlungen wie dem
Museum of Contemporary Art in Los
Angeles zu finden. Wir verstehen uns
als Plattform für digitale und immersive
Kunst. Herzstück wird die permanente
Ausstellung teamLab Borderless,
geschaffen vom renommierten
internationalen Kunstkollektiv team-
Lab. Darüber hinaus präsentiert das
Museum wechselnde Ausstellungen
profilierter und aufstrebender internationaler
Künstler:innen. Unseren
hohen internationalen Anspruch unterstreicht
dabei auch unsere jüngst
geschlossene Kooperation mit dem
renommierten Kunstzentrum PHI in
Montréal, mit dem wir künftig gemeinsame
Ausstellungsprogramme
und Künstler:innenresidenzen realisieren.
Darüber hinaus haben wir
den Anspruch, ergänzend ein breit
gefächertes Vermittlungsprogramm
mit Workshops, Panels und Talks anzubieten.
Was sind Ihre Erwartungen an
den Standort Hamburg und an
die Nachfrage einer bereits „strapazierten“
Kunstform?
Ulrich Schrauth: Der Begriff „immersiv“
mag durch den inflationären
Gebrauch des Begriffs strapaziert
sein, aber die Faszination für herausragende,
originär digitale Kunst
ist ungebrochen. In Tokio hält team-
Lab den Guinness-Rekord als meistbesuchtes
Museum einer einzelnen
Künstler:innengruppe. Diese Kunst
entzieht sich der Vergleichbarkeit
herkömmlicher Präsentationen und
schafft eine völlig eigene Kategorie
der Raumerfahrung. Für den Standort
Hamburg erwarten wir, dass
das Museum ein neuer kultureller
Leuchtturm wird, der weit über die
Stadtgrenzen hinaus strahlt und die
Position der Hansestadt als internationale
Kunstdestination im Bereich
digitale und immersive Kunst nachhaltig
festigen wird.
Welche Rolle spielt die UBS, die
als einer der Global Art Player
und Partner der Art Basel gilt, in
diesem Projekt?
Ulrich Schrauth: Die UBS ist unser
Lead- und Namenspartner und spielt
somit eine wichtige Rolle. Als einer
der weltweit größten Vermögensverwalter
und als globaler Akteur mit
höchster Expertise im Kunstmarkt
unterstreicht diese Partnerschaft
unseren Anspruch in der etablierten
Kunstwelt. Ein derart ambitioniertes
Vorhaben ließe sich ohne solch starke
Partnerschaften kaum realisieren.
Unterstützungen wie diese beweisen,
dass renommierte Förderer der Kultur
erkennen, welch prägende Rolle der
digitalen Kunst in Zukunft zukommt.
ULRICH
SCHRAUTH
Ulrich Schrauth zählt zu den führenden
Kuratoren und Kreativdirektoren
im Bereich immersiver Medien,
bekannt für seinen innovativen Umgang
mit Kunst und Technologie. Als
Künstlerischer Leiter des UBS Digital
Art Museums in Hamburg sowie
Gründer der VRHAM! Biennale setzt
er neue Impulse für die Präsentation
und Wahrnehmung digitaler
Kunst. Zwischen Hamburg und
London tätig, leitet er das Immersive
Programm am British Film Institute
(BFI) und ist Mitglied im Advisory
Board für Kunst und Kreativwirtschaft
des British Council. Darüber
hinaus kuratiert er Art Dubai Digital,
die führende internationale Kunstmesse
für digitale Medien. Neben
seiner Tätigkeit als Jurymitglied
renommierter Auszeichnungen wie
dem Lumen Prize und dem Fedora
Digital Art Prize ist Ulrich regelmäßig
als Sprecher auf bedeutenden
Veranstaltungen wie der Biennale
Venedig, SXSW und den Filmfestspielen
in Cannes vertreten.
30 | ALPA
LOUISE | arttourist.com | 2026
© Julian Calverley
ALPA of Switzerland
Die Architektur der Perfektion in der Fotografie
In einer Welt der flüchtigen digitalen
Schnappschüsse steht der Name ALPA für
das genaue Gegenteil: Beständigkeit,
kompromisslose Präzision und die Reduktion
auf das Wesentliche. Die in Zürich
ansässige Manufaktur gilt heute als
einer der weltweit exklusivsten Hersteller
von High-End-Kamerasystemen für die
professionelle Architektur-, Landschaftsund
Sachfotografie. ALPA Switzerland
blickt auf eine bewegte Geschichte zurück,
die ihre Wurzeln in der Schweizer
Feinmechanik-Tradition hat. Nach der
Neuausrichtung in den 1990er-Jahren
transformierte sich das Unternehmen
von einem klassischen Kamerahersteller
zu einer Modul-Schmiede für Perfektionisten.
Das Herzstück der ALPA-Philosophie ist
die Modularität. Anstatt Wegwerfprodukte
zu kreieren, fertigt ALPA Werkzeuge,
die über Jahrzehnte hinweg mit
verschiedenen digitalen Rückteilen, Objektiven
und Zubehörteilen kombiniert
werden können. Jedes Gehäuse wird mit
minimalsten Toleranzen aus massiven
Blöcken einer speziellen Aluminiumlegierung
gefräst – ein Standard, der sonst
eher in der Luft- und Raumfahrt zu finden
ist.
Wir sprachen mit Hans Keist und Patrick
Lambertz (Managing Partners ALPA of
Switzerland AG)
Wie ist die bewegte Geschichte von
ALPA, von einem Unternehmen der
Uhrenindustrie hin zu einem der führenden
Kamerahersteller und wie hat
sich das Unternehmen seit seiner Neugründung
in den 1990er-Jahren entwickelt?
Patrick Lambertz: ALPA hat tatsächlich
eine bewegte Geschichte, die ein Stück weit
in Vergessenheit geraten ist. Das möchten
wir ändern, denn die Wurzeln der Marke
prägen uns bis heute: Präzision, Haptik
und eine gewisse technische Eigenwilligkeit.
Das Mutterunternehmen Pignons SA
wurde 1918 in Ballaigues gegründet und
belieferte zunächst die Uhrenindustrie mit
feinmechanischen Komponenten. Schon der
Name sagt viel: „Pignons“ bedeutet Zahnrad
oder Ritzel. Als die Uhrenindustrie in
den 1920er-Jahren in eine Krise geriet,
musste Pignons diversifizieren. Die Kamera
war damals eine naheliegende, aber auch
mutige Option.
Dafür engagierte man einen hochkarätigen
Ingenieur namens Bolsky beziehungsweise
Bogopolsky, der eine völlig neue Kleinbildkamera
entwickelte. Bolsky war übrigens
auch für die Entwicklung der legendären
16-mm-Filmkamera Bolex verantwortlich.
Hans Keist: ALPA hat sich eigentlich nie
über Masse definiert, sondern immer über
Eigenständigkeit und Qualität. Ein Vergleich
zeigt das recht deutlich: Während
zum Beispiel Leica von nur einem Modell
– der Leica M3 – zwischen 1954 und 1967
allein 220.000 Stück produzierte, verkaufte
Pignons zwischen 1944 und 1990 über alle
Modelle hinweg nur rund 45.000 ALPA Kameras.
Das macht die raren ALPA-Modelle
bei Sammlern heute so begehrt.
Hinzu kommt, dass die ALPA-Kameras
immer schon sehr eigenständige Konstruktionen
mit individuellen technischen Lösungen
waren. Und ihre Beständigkeit ist
geradezu legendär.
Mitte der 90er traf die Krise in der Uhrenindustrie
schließlich auch Pignons SA. Das
Zürcher Ehepaar Ursula Capaul & Thomas
LOUISE | arttourist.com | 2026 ALPA | 31
Weber übernahm aus der Konkursmasse
die Markenrechte mit dem Ziel, unter
dem Namen ALPA 12 ein völlig neues,
modulares Kamerasystem im Mittelformat
zu entwickeln. Nach einem etwas
holprigen Start fand das System viele
leidenschaftliche Anhänger und entwickelte
sich zum bevorzugten Instrument
anspruchsvoller Architektur- und Studiofotografen
– zunehmend auch namhafte
zeitgenössische Künstler.
2022 habe ich das Unternehmen übernommen,
da es bei Capaul und Weber
keine familieninterne Nachfolge gab.
Patrick Lambertz komplettiert seit März
2025 die Geschäftsleitung. Gemeinsam
mit unserem Team möchten wir die
Marke und diese einzigartigen Produkte
in die Zukunft führen.
Welche Rolle spielt die Schweizer
Präzisionstradition für Ihre Produkte?
Patrick Lambertz: Die Schweizer Präzisionstradition
ist für uns kein Label,
das man einfach auf eine Verpackung
druckt. Sie steckt in der Art, wie unsere
Produkte entstehen, wie sie sich anfühlen
und wie lange sie funktionieren.
Die ALPA 12-Produkte werden seit über
dreißig Jahren mit unseren eingespielten
Partnern in der Schweiz produziert. Das
merkt man schon in der Haptik. Wer
einmal eine ALPA in der Hand gehabt
hat, vergisst diesen Eindruck nicht mehr.
Swissness zeigt sich für uns aber auch
in der Nachhaltigkeit der Produkte. Wir
hatten erst kürzlich Besuch von Simon
Depardon – dem Sohn von Raymond
Depardon, dem französischen Magnum
Fotografen und ersten ALPA 12-Kunden.
Simon brachte die 30 Jahre alte analoge
ALPA 12 WA seines Vaters mit und fragte,
ob er sie auch digital benutzen könne.
Mit ein paar Handgriffen haben wir ein
digitales Rückteil und einen Auslöser
angebracht – und schon konnte er die
Kamera auf zeitgemäßem technischem
Niveau weiterverwenden. Mit den originalen
Objektiven. Und analog mit
Rollfilm funktioniert sie natürlich auch
weiterhin.
Wir haben die Patina bewahrt, die Kamera
gereinigt, eine Wasserwaage ausgetauscht,
und schon war sie wieder
voll einsatzfähig. Für uns ist genau das
Swissness: nicht Nostalgie, sondern die
Fähigkeit, ein Werkzeug über Jahrzehnte
lebendig zu halten.
Ihre Kameras werden oft als „Werkzeuge“
oder „Instrumente“ beschrieben
– was bedeutet das konkret?
Hans Keist: Der Begriff „Instrument“
bringt sehr schön zum Ausdruck, dass
man zu einer ALPA mehr als eine rein
funktionale Beziehung hat. Ähnlich wie
bei einem Musikinstrument verbringt
man Zeit damit, sie zu verstehen und
zu beherrschen. Und mit der Zeit entwickelt
man eine besondere Fingerfertigkeit
– und auch Schnelligkeit – in ihrer
Bedienung.
Das kann sehr befriedigend sein, weil es
einem maximale Kontrolle über das Ergebnis
zurückgibt. Viele moderne Kameras
nehmen einem sehr viel ab, was in
vielen Situationen wunderbar ist. Aber
manchmal merkt man mit wachsender
Erfahrung, dass man genau diese Distanz
wieder reduzieren möchte. Man
möchte nicht nur auslösen, sondern entscheiden.
Eine ALPA ist in diesem Sinn puristisch.
Sie zwingt einen nicht zur Langsamkeit,
aber sie lädt zur Bewusstheit ein.
Das ist vielleicht vergleichbar mit einer
High-End-Audioanlage oder eben einer
Stradivari. Entscheidend ist nicht nur,
was sie technisch kann, sondern was sie
mit einem macht. Man wird mit einem
authentischen Erlebnis und Ergebnis belohnt.
Welche technologischen Entwicklungen
stufen Sie aktuell in der Fotografie
als besonders relevant ein?
Patrick Lambertz: Aus unserer Perspektive
ist die Kameraindustrie an einem
Punkt angelangt, an dem reine Leistungsdaten
nicht mehr alles entscheiden.
Viele Systeme sind heute technisch auf
einem sehr hohen Niveau. Performance
wird sozusagen zur Commodity.
Mit digitalen Rückteilen im Mittelformat
und entsprechend hochkarätigen
Objektiven besetzt ALPA zwar immer
noch die Referenzklasse, was die Bildqualität
angeht. Gleichzeitig sehen wir
zum Beispiel bei den Teilnehmerinnen
und Teilnehmern unserer ALPA Escapes,
dass andere Fragen an Bedeutung
gewinnen:
Inspiriert mich eine Kamera, rauszugehen
und zu fotografieren? Bringt sie
mich dazu, genauer hinzusehen? Fordert
sie mich heraus, besser zu werden? Gibt
sie mir mehr Kontrolle – oder nimmt sie
mir eher etwas ab?
In einer Zeit, in der wir immer häufiger
das Steuer aus der Hand geben, ist eine
ALPA fast ein Gegenentwurf: ein Werkzeug,
das den Fotografen wieder in die
Mitte stellt. Sie hilft, den Autopiloten abzustellen
und bewusster zu sehen und zu
gestalten.
Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass
die persönliche Nähe zu Künstlern und
Fotografen eine immer wichtigere Rolle
spielt. Nicht nur die Technologie zählt,
sondern auch das Umfeld, die Haltung
und der Austausch, der daraus entsteht.
Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?
Patrick Lambertz: Wenn wir über Aufnahme
und Nachbearbeitung sprechen,
ist Digitalisierung zunächst einmal eine
weitere Art, Licht einzufangen und sichtbar
zu machen. Nicht mehr und nicht
weniger.
Ich selbst habe als Student in meinem
Heimlabor keine Lüftung installiert und
mich dadurch auf die Chemikalien sensibilisiert.
Irgendwann wurde die Laborarbeit
für mich gesundheitlich unmöglich.
Als die digitale Fotografie reif genug
war, war das für mich eine Erlösung.
Ich liebe und praktiziere nach wie vor analoge
Fotografie – sie hat ihren ganz eigenen
Charme. Die Digitalisierung, auch in
der Nachbearbeitung, bietet hingegen viele
Möglichkeiten, auf die ich nicht mehr verzichten
möchte. Und sei es nur bei der Bearbeitung
analoger Negative.
Für mich sind analog und digital keine
Glaubensfrage. Es sind zwei unterschiedliche
Wege, mit Licht und Zeit
umzugehen.
Wie werden die KI und die sich rasant
weiterentwickelnde Technik die
Fotografie verändern, die Kamera
abschaffen?
Hans Keist: Das kann heute niemand
seriös mit Sicherheit sagen. Aber es ist offensichtlich,
dass KI die Bildproduktion
tiefgreifend verändern wird.
In einigen Bereichen der angewandten
Fotografie wird sie aus rein wirtschaftlichen
Gründen eine große Rolle
spielen. Wenn ein Bild vor allem
eine bestimmte Stimmung, Oberfläche
oder Kulisse liefern muss, wird
KI oft schneller und günstiger sein.
Gewisse kommerzielle Bildwelten
werden deshalb möglicherweise ganz
oder teilweise in diese Richtung abwandern.
Gleichzeitig glauben wir, dass dadurch
das tatsächlich fotografierte Bild wieder
an Bedeutung gewinnen kann. Gerade
anspruchsvolle Marken, Künstler und
Sammler werden stärker unterscheiden:
Ist dieses Bild berechnet worden – oder
ist jemand tatsächlich dort gewesen?
Hat jemand gesehen, entschieden, gewartet,
gearbeitet?
Eine steigende Skepsis gegenüber künstlich
erzeugter Authentizität könnte dazu
führen, dass echte, fotografisch entstandene
Bildwelten wieder bewusster
wahrgenommen werden. Die Kamera
wird deshalb aus unserer Sicht nicht
verschwinden. Aber sie könnte wieder
bewusster gewählt werden – weniger als
Alltagsgerät, mehr als Instrument einer
Haltung.
Ist Technik oder Kreativität wichtiger
– oder untrennbar miteinander
verbunden?
Hans Keist: Die Kreativität ist der
Funke, der durch die stimmige Nutzung
von Technologie zur vollen Entfaltung
kommt. Technische Neuerungen ermöglichen
oft auch neues Sehen. Sie sind
vielleicht nicht untrennbar miteinander
verbunden, aber stehen sicherlich in einer
fruchtbaren und offenen Beziehung
zueinander.
Wer sind Ihre Kunden?
Patrick Lambertz: Unsere Kunden
sind so vielseitig und individuell wie
unsere Kameras. Da sind professionelle
Fotografen und anspruchsvolle Enthusiasten.
Weltberühmte Künstler, Architekten,
Designer, Unternehmer aus allen
Ländern der Welt. Was sie alle vereint,
ist die Beziehung zur Fotografie und die
Sehnsucht oder auch der Drang, sich in
Bildern auszudrücken. Viele von ihnen
publizieren Bücher, machen Ausstellungen.
Wir sehen uns dabei als Drehscheibe.
Wir stellen Kontakte her und
vermitteln Beziehungen. Zu Galeristen,
Verlagen, Auftraggebern, Kuratoren,
technischen Dienstleistern. Wir sehen
unsere Kunden nicht als Endstation für
unsere Kameras, sondern als Beginn
einer Beziehung, die über Jahrzehnte
andauert und ein dichtes Geflecht von
Beziehungen und auch Freundschaften
verkörpert. Und Freunde lässt man nicht
mit einem technischen Problem im Regen
stehen.
Warum entscheiden sich Profis bewusst
für manuelle High-End-Kameras
statt für automatisierte Systeme?
Patrick Lambertz & Hans Keist:
So pauschal würden wir das gar nicht
© Julian Calverley
unterschreiben. Es hängt stark vom Einsatzgebiet
ab, ob man sich für ein hochautomatisiertes
System oder eine manuelle
High-End-Kamera entscheidet. Es
gibt sehr gute Gründe für automatisierte
Systeme, und die meisten ALPA-Besitzer
haben nicht nur eine Kamera.
Eine ALPA ist nicht für jede Aufgabe
die richtige Kamera. Und genau das ist
vielleicht auch Teil ihrer Stärke. Sie muss
nicht alles können, sondern das, wofür
sie gebaut wurde, außergewöhnlich gut.
Von denjenigen, die sich bewusst für eine
ALPA entscheiden, hören wir immer wieder
ähnliche Gründe: Flexibilität, Modularität,
Verarbeitungsqualität, Haptik,
Service und der persönliche Kontakt zu
uns. Manchmal spielt natürlich auch
das Image der Marke eine Rolle. Aber am
Ende ist es meistens die Kombination
aus Präzision, Reduktion und Kontrolle,
die den Ausschlag gibt.
Wie wichtig ist die partnerschaftliche
Zusammenarbeit mit Künstler:innen/Artists
und das Erzählen
von Geschichten im Marketing von
ALPA?
Patrick Lambertz: Die Zusammenarbeit
mit unseren Künstlerinnen und
Künstlern hat viele Gesichter. Wichtig
ist uns vor allem, dass diejenigen, mit
denen wir zusammenarbeiten, ALPA aus
Überzeugung nutzen.
Einerseits haben wir als Boutique-Hersteller
nicht die Margen, um Produkte
breit zu verteilen. Andererseits würde darunter
auch die Glaubwürdigkeit leiden.
Wir möchten keine künstlichen Testimonials
aufbauen. Die Künstlerinnen
und Künstler, die auf unserer Website zu
sehen sind, nutzen ALPA aus Überzeugung
– und in der Regel haben sie ihre
Ausrüstung ganz normal gekauft.
Hans Keist: Was das Erzählen von
Geschichten anbelangt: ALPA hat sich
während der Ära Capaul und Weber
sehr dezent zurückgehalten. Die Kameras
wurden fast wie ein Geheimtipp von
Kenner zu Kenner weitergegeben. Das
hat wesentlich zum heutigen Kultstatus
der Produkte beigetragen, aber natürlich
auch die Bekanntheit limitiert.
Patrick Lambertz: Dabei gibt es unzählige
spannende Geschichten rund um
ALPA. Über Fotografen, Künstler, Projekte,
technische Lösungen und manchmal
auch über Kameras, die nach Jahrzehnten
wieder auf unserem Tisch liegen.
Dieses Wissen möchten wir stärker
sichtbar machen.
Wir wollen die Qualität und den Premiumanspruch
der Produkte erlebbarer
machen – von der Website bis hin zur
Verpackung. Nicht lauter, sondern klarer.
Nicht künstlicher, sondern näher an
dem, was ALPA wirklich ausmacht.
Was fasziniert Sie persönlich an Fotografie
und der Arbeit mit Kameratechnologie?
Patrick Lambertz & Hans Keist: Uns
fasziniert, dass Fotografie nie nur Technik
und nie nur Gefühl ist. Sie liegt genau
dazwischen. Man arbeitet mit Licht,
Zeit, Raum, Material und Entscheidungen.
Das klingt fast abstrakt, ist aber in
der Praxis sehr konkret: Wo stehe ich?
Wann löse ich aus? Was lasse ich weg?
Fotografie hat sehr viel mit Aufmerksamkeit
zu tun. Man muss sich auf einen
Ort, ein Objekt oder einen Menschen
einlassen. Manchmal ist das Bild schon
da, aber man sieht es erst, wenn man
langsamer wird.
An der Kameratechnologie interessiert
uns deshalb nicht Technik um der Technik
willen. Spannend wird sie dann,
wenn sie Entscheidungen nicht ersetzt,
sondern präziser macht. Eine gute Kamera
sollte nicht zwischen Fotograf und
Motiv treten. Sie sollte eine Art Verlängerung
des Gedankens werden.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum
wir bei ALPA so gerne von Instrumenten
sprechen. Eine ALPA versucht nicht, den
Fotografen zu überholen. Sie ist eher ein
sehr präzises Gegenüber. Man arbeitet
mit ihr. Und wenn alles stimmt – Kamera,
Objektiv, Licht, Konzentration –,
dann entsteht eine Art handwerkliche
Freude. Viele unserer Kunden kennen
und schätzen genau dieses Gefühl.
Was macht für Sie ein „perfektes“
Bild aus?
Patrick Lambertz & Hans Keist:
Das perfekte Bild gibt es wahrscheinlich
nicht – und genau deshalb sucht man
es immer weiter. Technisch kann man
vieles kontrollieren: Schärfe, Perspektive,
Tonwerte, Farbe, Ausgabe. Aber am
Ende braucht ein Bild etwas, das sich
nicht ganz kontrollieren lässt.
Perfekt ist für uns deshalb nicht gleichbedeutend
mit makellos. Natürlich
lieben wir Präzision, sonst würden wir
keine ALPA bauen. Aber Präzision allein
macht noch kein Bild. Entscheidend ist,
ob ein Bild eine Präsenz hat.
Es gibt Bilder, die sind vollkommen korrekt
und bleiben trotzdem leer. Und es
gibt Bilder, die haben eine kleine Unruhe,
eine Verschiebung, etwas Unerwartetes –
und genau dadurch werden sie stark.
Vielleicht ist ein Bild dann besonders
gut, wenn es gleichzeitig klar und offen
ist. Wenn man spürt, dass jemand sehr
bewusst entschieden hat, aber das Bild
trotzdem nicht erklärt werden muss. Es
hat eine eigene Stille, eine eigene Spannung.
Für uns ist das interessanter als
Perfektion im eigentlichen Sinn.
Ein starkes Bild bleibt nicht nur auf dem
Papier oder auf dem Bildschirm. Es arbeitet
im Kopf weiter.
Das Gespräch führte Kai Geiger
32 | Fototipps
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LOUISE | arttourist.com | 2026 Linz | 33
Mit dem Francisco Carolinum (FC) verfügt Linz über ein
Haus, das sich konsequent der Fotografie und Medienkunst
widmet. Als Institution des Landes Oberösterreich steht es
für einen differenzierten, zeitgenössischen Umgang mit
Bildmedien, mit einem besonderen Fokus auf feministische
Perspektiven und die Entwicklung neuer medialer Ausdrucksformen.
Das DFC (Digitales Francisco Carolinum) erweitert
diesen Anspruch bis in den virtuellen Raum–es gibt
das Museum auch im Metaverse von Cryptovoxels.
Das Francisco Carolinum fungiert als Schnittstelle, an der
sich fotografische Tradition, medienkünstlerische Gegenwart
und zukünftige Bildformen begegnen. Mit wissenschaftlicher,
kuratorischer und diskursiver Konsequenz wird
hier ein Feld bearbeitet, dessen Grenzen längst fließend geworden
sind.
Kaum ein anderes Medium wurde so beharrlich daraufhin
befragt, was es eigentlich ist, worin sein spezifischer künstlerischer
Eigenwert liegt und wie es sich von anderen Bildformen
unterscheidet. Diese Selbstreflexivität gehört bis heute
zum innersten Kern der Fotografie. Ebenso beständig ist die
Frage nach dem Umgang mit der allgegenwärtigen Bilderflut:
Wie unterscheiden wir zwischen Kunst und Nicht-Kunst,
zwischen beiläufigem und bedeutsamem Bild, zwischen dokumentarischer
Funktion und ästhetischem Anspruch?
Ausstellungsansicht, Annegret Soltau „Unzensiert“ 2026, Foto: Andreas Röbl | © VG Bild-Kunst. Bonn, 2026
Linz (A)
Francisco
Carolinum Linz
Ein Haus für Fotografie
und Medienkunst
Diese Fragen werden im Francisco Carolinum nicht nur theoretisch
verhandelt, sondern auch in konkrete Ausstellungsformate
übersetzt. Die Präsentationen versammeln künstlerische
Positionen, die zeigen, wie Fotografie als gesellschaftliches,
politisches und persönliches Medium wirkt und gewirkt hat.
Die Retrospektive von Annegret Soltau verdeutlicht beispielsweise,
wie eng fotografische Praxis mit Fragen von Körper, Identität
und gesellschaftlichen Rollenbildern verbunden ist. Parallel
dazu positioniert sich Ewa Partum mit conceptual cxercises
als zentrale Stimme feministischer Konzeptkunst. Mit Georg
Petermichl richtet sich der Blick auf Fotografie als soziales Instrument
und kollektives Gedächtnis. Die Gruppenausstellung
Some Secrets on Photography widmet sich den verborgenen historischen
und theoretischen Dimensionen des Mediums.
Die Hans Frank Galerie im Erdgeschoss des Francisco Carolinum
ist der historischen Fotografie gewidmet. Ausgangspunkt
für die Ausstellungen ist die historische Fotosammlung
des Landes Oberösterreich, deren Grundstock die exquisite
Sammlung von Hans Frank bildete. Als international vernetzter
Sammler, Forscher und Autor trug Hans Frank mit seinem
Engagement dazu bei, ein historisches Bewusstsein für das
Medium Fotografie in Österreich zu schaffen. In einem Zeitraum
von über 50 Jahren stellte er mit enzyklopädischem Anspruch
ein historisch-biobibliographisches „Archiv der öster-
Atelier d’Ora, Die Tänzerin Elsa Krüger, 1922 | Silbergelatine, 22,5 x 15,5 cm
© OÖ Landes-Kultur GmbH
reichischen Photographen des 19. Jahrhunderts bis zur Zeit des
Ersten Weltkriegs“ zusammen. 2024 wurde die Hans-Frank-
Galerie mit der Ausstellung der Sammlung von Autochromen
und Frühformen von transparenten Farblichtbildern eröffnet.
Seither wurden dort die Sammlungsbestände von Werken von
Dora Kallmus alias Madame D’Ora sowie eine Schau zu Josephine
Baker gezeigt.
Mit einem offenen Wettbewerb für künstlerische (Post-)Fotografie
schärft das Francisco Carolinum sein Selbstverständnis
als Plattform für fotografische Praxis. Ziel ist es, die gesamte
Bandbreite fotografischer Ausdrucksformen sichtbar zu machen
– von analoger Fotografie über digitale Verfahren bis hin
zu KI-generierten, postfotografischen und installativen Arbeiten.
Mit der Auszeichnung von Erli Grünzweil wird eine junge
Position der oberösterreichischen Kunstszene sichtbar. Gleichzeitig
markiert der neu etablierte Preis den Ausgangspunkt
für eine langfristige Förderung zeitgenössischer Fotografie in
Oberösterreich. Ergänzt wird das Projekt durch einen parallel
initiierten Amateurfotowettbewerb.
Ab Herbst 2026 öffnet sich das Museum verstärkt in Richtung
Medienkunst und digitale Gegenwart. Die Sammlung des Francisco
Carolinum verfügt über einen umfangreichen Bestand
an NFTs (Non-Fungible Tokens), die im Rahmen einer eigenen
Präsentation erstmals einem breiteren Publikum zugänglich
gemacht und zur Diskussion gestellt werden. Die Sammlung
beinhaltet bemerkenswerte Arbeiten von Pionieren der digitalen
Kunst, die die Blockchain-Technologie nutzen. Parallel
dazu widmet sich eine Einzelausstellung dem Werk der österreichischen
Künstlerin Claudia Larcher, die sich in ihren Arbeiten
mit digitalen Bildwelten und medial konstruierten Wirklichkeiten
auseinandersetzt.
Das halbjährlich erscheinende Fotomagazin „FRANCISCO
CAROLINUM“ setzt einen weiteren Akzent: Ausstellungen und
Kunstpositionen im Bereich Foto und Medien werden präsentiert
und zur Diskussion gestellt.
Francisco Carolinum Linz
Museumstr. 14, 4020 Linz
www.ooekultur.at | @fc_linz
PROGRAMM
Annegret Soltau Unzensiert.
Eine Retrospektive
bis 28.06.26
ewa partum conceptual exercises
bis 28.06.26
Some Secrets on Photography –
Was Sie noch nicht über die
Fotografie wussten
bis 02.08.
Georg Petermichl
Universal Thoughts: Kleinstes
gemeinsames Vielfaches
bis 02.08.
What a View! Zeitgenössische Kunst
in Oberösterreich
bis 02.08.
Claudia Larcher
No applause, no life, no pain
25.09.26 – Jan. 27
Ansicht Francisco Carolinum Linz, 2026, Foto: Rainer Iglar
Erli Grünzweil, Genesis of Emptiness from the series Where Deer Fly and Stones Cry, 2024
34 | Köln
LOUISE | arttourist.com | 2026
NOBODYS LIBRARY - STEPHEN GILL’S PHOTOBOOKS/ BRAUNSCHWEIG / 2018 /
FOTO: FREDERIC LEZMI
CARLSWERK PROTOTYPE / KÖLN / 2014 / FOTO: DANIEL ZAKHAROV
PHOTOBOOKSTUDY: READING NEW YORK / BARCELONA / 2017 / FOTO: FREDERIC LEZMI
The PhotoBookMuseum
The PhotoBookMuseum wurde 2014 in Köln von Markus
Schaden und Frederic Lezmi gegründet. Als gemeinnützige Organisation
fördert es das Fotobuch als eine der zentralen Ausdrucksformen
der Fotografie. Das Museum dient als Plattform
für Sammlungen, Ausstellungen und Events und ist der Erforschung
und Vermittlung zeitgenössischer Fotobuchkultur gewidmet.
Als Museum des 21. Jahrhunderts versteht es sich als
lebendiger, sozialer Ort, der einem breiten Publikum offensteht.
Bisher ohne festes Haus als mobiles Museum aktiv nutzt es innovative
mobile Vermittlungs- und Ausstellungsstrategien und lädt
fernab des musealen Mainstreams international zur Partizipation
ein. Das PhotoBookMuseum ist bisher weltweit das einzige Museum,
das sich ausschließlich dem Medium Fotobuch widmet.
Ein fester Standort in Köln, an dem es mit seinen nationalen und
internationalen Sammlungsbeständen langfristig arbeiten, ausstellen
und vermitteln kann, ist geplant und in Aussicht.
Nach einem temporären Prototyp in einer 6000 m2 Industriehalle
im Carlswerk in Köln-Mühlheim im Jahr 2014 war das
PhotoBookMuseum seitdem mit großen Ausstellungen und
Containern auf Fotofestivals unter anderem in Oslo, Krakau,
Kassel und Barcelona zu Gast. Von 2016 bis 2018 konnte in Kooperation
mit der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft das
mehrjährige partizipative Fotobuchprojekt „Welt im Umbruch“
in fünf Containern mit Stationen in Rostock, Duisburg und Kassel
realisiert werden.
Die PhotoBookMasterclass, das Workshop Programm des Museums,
richtet sich an ein internationales Publikum. In den letzten
Jahren konnte das Team des PhotoBookMuseums, meist mit
Unterstützung des Goethe-Instituts und mit lokalen Partnern
vor Ort, viele spannende Fotobuch-Workshops unter anderem
in Bahrain, Bangladesch, Indonesien, Israel und der Türkei ausrichten.
CARLSWERK PROTOTYPE / KÖLN / 2014 / FOTO: DIETER RÖSELER
„The photobook is one of the most
important mediums in our culture.“
Manfred Heiting, Fotobuch-Sammler, Los Angeles
Mit der Übernahme des renommierten Dummy Awards vom
Fotobook-Festival in Kassel im Jahr 2023 kann das PhotoBook-
Museum die Bedeutung dieses internationalen Wettbewerbs für
unveröffentlichte Fotobücher für junge Fotograf:innen in aller
Welt sichern und dessen Reichweite in Zukunft weiter ausbauen.
Eine Shortlist von 50 Büchern aus den Einsendungen, 383
Dummies aus 45 Ländern im Jahr 2023, geht als Ausstellung
ein Jahr lang auf Festivals und Art Spaces auf „World Tour“. Am
Ende werden fünf Bücher ausgezeichnet und eines davon gedruckt
und verlegt.
Seit Herbst 2022 betreibt das PhotoBookMuseum zudem einen
„Showroom for Photobooks“ – THE BOX in der Körnerstraße
in Köln. Als Schaufenster in die Sammlung konzipiert, werden
in 2-3 monatlichem Wechsel einzelne Fotobücher, thematische
Ausstellungen oder Sammlungsgebiete vorgestellt.
The PhotoBookMuseum gGmbH
Körnerstraße 6-8, D-50823 Köln
www.thephotobookmuseum.com
www.instagram.com/the_photobookmuseum
dummyaward.org
Neues Museum Nürnberg 2025 Grand Hotel Parr
LOUISE | arttourist.com | 2026 Köln | 35
Wir sprachen mit Markus Schaden
Sie sind Mitbegründer des Photo-
BookMuseums in Köln und ausgewiesener
und viel gefragter Experte
im Bereich der Fotobücher.
Welches erste Foto und/oder Fotobuch
hat Sie dermaßen in den
Bann gezogen, dass aus einem
Sortimentsbuchhändler eine der
führenden Spezialbuchhandlungen
wurde und Sie die Fotografie
nie mehr losgelassen hat?
Markus Schaden: Ja, das war CO-
LOGNE INTIME von Chargesheimer
von 1957. A photobook changed my
life … kann ich nur sagen. Ich streunte
1985 während meiner Zeit an der
Frankfurter Buchhändlerschule gerne
durch Antiquariate und plötzlich
hatte ich dieses mir unbekannte Fotobuch
über Köln in meinen Händen.
Chargesheimer hieß der Autor und
Fotograf. Fasziniert von seinen ungeschminkten,
aber doch so eindringlichen
fotografischen Blicken auf
Köln kaufte ich mir das Buch kurzentschlossen.
Die Stadt offenbarte
sich mir in diesen Fotos in einer Art
kölschem, magischem Realismus und
mit unerwarteter Gravitation. Die
wurde so stark, dass ich meinen Plan,
vom Rhein in das coole Berlin zu ziehen,
kurzentschlossen verwarf und
blieb. Sowohl Köln als auch Chargesheimer
und sein Werk haben mich
seitdem nicht mehr losgelassen und
begeistern mich noch heute. Daraus
ist dann eine Art dauerhafte Liaison
geworden. Denn schon einige Jahre
später gründete ich mit meinem Bruder
einen eigenen Verlag. Wir entwickelten
neue Ideen für eine Fotobuchkultur,
sammelten und verkauften
Fotobücher und verlegten unter anderem
auch unser erstes Chargesheimer
Buch. In der Folge gründeten wir
1998 dann die Fotobuchhandlung
schaden.com, direkt gelegen am Fuß
des Kölner Doms. Sozusagen genau
zwischen Erzbischof und Brauhaus.
Das hätte dem Chargesheimer gefallen!
Amen und Prost.
Welche Bedeutung hat das Fotobuch
innerhalb des Buchmarkts
© STUDIO COLOGNE / The PhotoBookMuseum, 2024
heute und wie hat sich der Markt
für Fotobücher in den letzten 30
Jahren entwickelt?
Markus Schaden: Der Buchmarkt
selbst war schon immer ein schwieriges
Geschäft. Das Buch als Medium
wurde ja schon vielmals totgesagt,
ersteht aber immer wieder auf. Analoge
Medien sind aber im Trend wie
das Vinyl im Musikgeschäft. Das gilt
beim Fotobuch auch. Die jungen Generationen
sind ganz begeistert vom
Papier und dem Buch. Die digitale
Drucktechnik hat natürlich auch im
Fotobuchmarkt vieles entscheidend
verändert. Auf den Punkt gebracht:
Es hat die Buchproduktion unabhängiger
von Verlagen gemacht. Vor 30
Jahren brauchte man einen Verlag,
heute kann man im DIY publizieren.
Damals erschienen 500 Fotobücher
im Jahr in einer Auflagenhöhe von
5000 Exemplaren, heutzutage erscheinen
5000 Fotobücher mit 500
Exemplaren. Es gibt mehr Vielfalt,
aber auch mehr Unübersichtlichkeit.
Allerdings haben sich die Informations-
und Absatzwege durch Social
Media verbessert und den Vertrieb
demokratisiert.
Was ist das Fotobuch im digitalen
Zeitalter und dem Overload
an privaten Handybildern, überflutenden
Bildergalerien und immer
attraktiver werdenden Printon-Demand-Möglichkeiten
noch
Wert?
Markus Schaden: Jeder kann sich
heutzutage im Medium Fotobuch
ausdrücken. Das private Fotobuch
hat die Rolle des früheren Fotoalbums
übernommen und erfreut sich
großem Zuspruch. Hier generiert die
Buchform natürlich Selektion und
zwingt Menschen, Fotos zu bewerten
und zu editieren. Hier braucht
es noch Hilfe und Unterstützung, visuelle
Kompetenz zu verbessern. Die
Rolle des Mediums Buch innerhalb
der Fotografie, Kunst und Kultur
weiterhin zu etablieren und zu verankern,
ist die Aufgabe der Zukunft.
Ist diese Entwicklung „Fluch“
oder Chance, wie wird sich das
Fotobuch weiterentwickeln?
Markus Schaden: Das Fotobuch
als vielfältiger Container für Fotografien
und Narrative aller Art und
unterschiedlichster Formen, sozusagen
als ein globales „visuelles Esperanto“
ist für mich von enormem
Wert und eine der spannendsten Arten
von Kommunikation in der Zukunft.
Also mehr Chance als Fluch!
Wer sammelt Fotobücher und
mit welcher Passion und Ziel?
Markus Schaden: Es gibt weltweit
seit Jahren eine Vielzahl von privaten
Sammlern, die sammeln, was
sie begeistert und interessiert, meistens
thematisch orientiert. Die einen
Fotobücher über Paris oder Tokyo,
andere nach Verlagen oder Kulturräumen.
Da gibt es viele Leidenschaften.
Und dann kommt irgendwann
der Punkt, über die Zukunft
dieser privaten Sammlungen nachzudenken,
meistens erst, wenn die Regale
anfangen überzuquellen und die
Räumlichkeiten ausgeschöpft sind.
Bedauerlicherweise gibt es dann,
natürlich neben der Möglichkeit, die
Fotobuchsammlung wieder zurück in
den Buchmarkt zu bringen, wenig Institutionen
wie z.B. Museen, Bibliotheken
oder andere Fotografie-Orte,
die mit dem Buch als Sammlungsobjekt
vertraut sind und überhaupt mit
diesem Medium agieren können.
Das war und ist ein guter Grund, das
PhotoBookMuseum zu gründen und
zu betreiben.
Was ist für Sie das perfekte Foto?
Markus Schaden: Gibt es das perfekte
Foto überhaupt? Hier ist meins:
Das sogenannte „BLUE MARBLE“-
Foto – der Erdenaufgang aus der
Raumfahrtkapsel (gerade nochmal
in Neufassung von der Artemis-Mission!)
– vereint schon in optimaler
Weise Perfektion in Motiv und Technik.
Aber die Rolle des ikonischen
Einzelbildes in der Fotografie ist
schon fast Geschichte. In Zukunft
wird die Bedeutung mehr im Geschichtenerzählen
liegen.
... und wie wird daraus ein gutes
und erfolgreiches Fotobuch, das
für Sie welche Kriterien erfüllen
muss?
Markus Schaden: Ein gutes Fotobuch
muss visuell und formal überzeugen
und das Narrativ muss begeistern.
Das ist nicht einfach und
es gibt dafür keinen generellen Kriterien-Katalog.
Ein gutes Fotobuch
ist fast immer ein Produkt guter
Kollaboration. Dafür muss man sich
vollends auf das gründliche „sogenannte“
Editieren eines Fotobuches
einlassen. Der Prozess, aus einem
Haufen Fotos ein Buch zu machen,
heißt auch, auf die Bilder zu hören.
Dann geht es los, manchmal ist das
Ziel der Mission noch ungewiss. Es
heißt dann, Fotografien in lesbare
Sequenzen zu bringen. Das ist komplex
und kann oft misslingen. Dann
braucht es noch alle Entscheidungen
vom Titel, Titelbild, Gestaltung
und natürlich die Produktion. Immer
wieder ein Abenteuer!
Markus Schaden © STUDIO COLOGNE / The PhotoBookMuseum, 2024
Sie waren Buchhändler und Verleger
und haben beides in den
2010er-Jahren an den Nagel gehängt,
um sich der Idee des PhotoBookMuseums
zu widmen. Wie
ist es dazu gekommen?
Markus Schaden: Ich brauchte eine
neue Herausforderung. Nach all den
Jahren als Buchhändler und Verleger
wollte ich mich dem Medium
Fotobuch neu stellen. Fotobuchkultur
weiterzuentwickeln interessierte
mich sehr und ich dachte, ein Foto-
Museum mal neu aus der Buch-Perspektive
zu definieren, ist spannend.
Ich hatte ein erfahrenes kleines Team
am Start und das Projekt nahm Anfang
2013 Fahrt auf. Mit viel Einsatz
und einer Menge Crowdfunding
ging es los und mündete im Sommer
2014 in eine große Prototyp-Ausstellung
auf über 6000 m2 und über 30
Einzelausstellungen in einer alten
umgenutzten Kölner Fabrikhalle. Ein
großer Erfolg mit ca. 20.000 Besuchern
in drei Monaten.
Was ist das PhotoBookMuseum?
Markus Schaden: Ein sehr aktives
und bis jetzt weltweit einzigartiges
Museum, das sich ausschließlich
der Kultur des Fotobuchs widmet,
sammelt, viele kleine und große Ausstellungen
konzipiert, weltweit vernetzt
ist und international mit vielen
Partnern kooperiert. Einen großen
Schwerpunkt legt das PhotoBookMuseum
auf innovative Vermittlungsformen
und auf die Förderung junger
Fotobuchmacher:innnen. Dafür betreibt
das Museum auch den internationalen
DUMMY AWARD – eine
Ausschreibung für noch unveröffentlichte
Fotobücher.
Ein Museum ohne permanentes
Haus, wie funktioniert Ihr Museum?
Markus Schaden: Ein Museum
dauerhaft zu etablieren und zu institutionalisieren,
ist ein schwieriger
und langwieriger Prozess. Da gibt es
immer Höhen und Tiefen. Wir haben
unseren Sitz in der Köln-Ehrenfelder
Körnerstraße. Eine legendäre
Straße, berühmt für nachbarschaftliches
und vielfältiges Leben, ein
perfekter Ort für uns. Über die Jahre
hat das Engagement des Museums
in der Straße zu vielen Optionen für
viele Pop-up-Räume und die Mithilfe
der Nachbarn generiert. Fotografie ist
Dialog! Also haben wir aus der Not
eine Tugend gemacht und einfach die
ganze Straße involviert. So bieten sich
deshalb dort immer wieder spannende
Locations, die wir hoffentlich auch
als dauerhafte Orte in der Zukunft
nutzen und bespielen können. Ein alter
Bunker und seit Kurzem eine große
alte Spielhalle stehen uns dort zur
Verfügung. Museumsmauern müssen
wir keine niederreißen, um mehr neues
Publikum zu finden. Nach einem
Jahrzehnt begeistert diese Strategie
jetzt sogar das Kölner Kulturamt,
man weiß: Die Stadtkassen sind
klamm und neue Ideen gefragt. Also
nicht nur „Museum“ auf die Straße,
sondern das Museum ist die Straße.
Dieses Konzept entwickeln wir weiter
und haben bis jetzt private Unterstützer:innen,
die unseren Betrieb in der
Form ermöglichen – welch ein Glück
in diesen Zeiten!
Was steht auf der Agenda, was
sind die Highlights des Photo-
BookMuseums in diesem Jahr?
Markus Schaden: Wir arbeiten
gerade daran, im Herbst unser sehr
erfolgreiches Ausstellungsprojekt
„GRAND HOTEL PARR – Fotobücher
von Martin Parr“ nach Köln in
die alte Spielhalle zu bringen. Die
Premiere dieser großen Fotobuch-Retrospektive
des britischen MAGNUM-
Fotografen fand im Oktober 2025
in Nürnberg im NEUEN MUSEUM
statt. Ein großer Publikumserfolg
und noch von Martin Parr zur Eröffnung
besucht, bevor er tragischerweise
sechs Wochen später plötzlich
verstarb. Unser kleineres Galerieprogramm
in unserer sogenannten
BOX zeigt zurzeit PUK! PUK! Fotobücher
aus Bulgarien und im Laufe
des Sommers den DUMMY AWARD
2026 Reading Room. Im Garten des
Bunkers zeigen wir Open Air Fotobücher
von Stephen Gill. Weitere Großprojekte
folgen 2027 und 2028.
Das Gespräch führte Kai Geiger
36 | Fototipps
LOUISE | arttourist.com | 2026
Fortsetzung von Seite 23
Thomas Biasotto – Massiv ©Thomas Biasotto
Thomas Biasotto Massiv
13.07. – 09.11.2027
Zur Veröffentlichung meines Buches MASSIV
im Jahr 2021 erwarteten meine Frau und ich
die Geburt unserer Tochter. In dieser Zeit reifte
der Wunsch, ein starkes Zeichen für den
Schutz der Alpen zu setzen. Deshalb spendete
ich den gesamten Bucherlös – über 100.000
Euro – an Projekte zum Erhalt unserer Berge.
Ich wollte meiner Tochter später nicht erklären
müssen, dass ich untätig geblieben bin,
während unsere Alpen bedroht waren. Kurz
vor dem Erscheinen des Buches entstand
auch der Kurzfilm A letter to my daughter
– ein persönlicher, hoffnungsvoller Brief an
mein ungeborenes Kind.
Lumen Museum | www.lumenmuseum.it/de-de
Wang Wei, 1/30 sec. underwater, 1999 | © Wang Wei
Dunkerque (F)
Slide/Show | Filme und zeitgenössische
Kunst aus China
bis 30.08.2026
Seit dem 10. April und den ganzen Sommer
über ist das Institut für Fotografie im Frac
Grand Large (Dünkirchen) mit „Slide/Show“
vertreten, einer Ausstellung an der Schnittstelle
zwischen Fotografie und zeitgenössischer Kunst.
Diese Ausstellung vereint Kunstwerke und bisher
unveröffentlichte Archivmaterialien, um
den Einfluss des Dias in den Gründungsjahren
der Koproduziert vom Institut für Fotografie
und dem UCCA Center for Contemporary Art
(Peking), wo sie 2023 gezeigt wurde, macht
„Slide/Show. Projektionen und zeitgenössische
Kunst in China“ anlässlich ihrer ersten Präsentation
in Europa im Frac Grand Large Station.
Anhand von 15 bedeutenden Installationen
zeitgenössischer chinesischer Künstler, von denen
die meisten zum ersten Mal in Frankreich
zu sehen sind, bisher unveröffentlichten Archivdokumenten
und mehreren hundert Farbdiapositiven
(Originale und Reproduktionen) verdeutlicht
die Ausstellung den Einfluss, den die
fotografische Projektion auf den Aufschwung
der zeitgenössischen Kunst in China hatte.
Frac Grand Large des Hauts-de-France, Dunkerque
| www.fracgrandlarge-hdf.fr/en/
Kerstin Weiser, von Sandburg zu Sandburg, 2025-ongoing
© Kerstin Weiser
Frankfurt
Worlds within Worlds
bis 16.08.2026
Zum zweiten Mal haben Studierende der
Fotografie an der Hochschule für Gestaltung
Offenbach und Studierende des Masterprogramms
Curatorial Studies an der
Goethe-Universität und der Städelschule
Frankfurt die Gelegenheit, gemeinsam
ein Ausstellungsprojekt in den Räumlichkeiten
der Deutsche Börse Photography
Foundation zu realisieren. Aus dieser Zusammenarbeit
ist die Gruppenausstellung
„Worlds within Worlds“ entstanden. Sie
versammelt 14 Künstler:innen, deren
Arbeiten sich entlang von Zwischenwelten
unserer Realität(en) bewegen. In
der Auseinandersetzung mit politischen,
historischen und gesellschaftlichen Themen
werden die Grenzen des Mediums
Fotografie ausgelotet, verändert und erweitert.
Die ausgestellten künstlerischen
Positionen reflektieren biografische Erfahrungen,
subjektive Wahrnehmungsmuster und persönliche Interessen. Gleichzeitig verflechten
sich diese individuellen Ausgangspunkte mit kollektiven Realitäten und übergeordneten
Themen.
Edith Tudor Hart, »Suppenausgabe«, Wien, ca. 1931 ©The Estate
of W. Suschitzky. Courtesy FOTOHOF>ARCHIV
Dornbirn (A)
a woman’s many faces
Edith Tudor-Hart
18.06. – 10.10.2026
Die 1908 in Wien geborene Fotografin Edith
Tudor-Hart, bekannt durch ihre sozialdokumentarischen
Fotoarbeiten, thematisierte
gesellschaftliche Missstände, Armut, Integration,
Frauenrechte und dokumentierte
die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse
der 1930er Jahre in Wien und London. Ursprünglich
als Montessoripädagogin ausgebildet,
fotografierte sie in den späten 1940er
Jahren im Exil in Großbritannien Kinder und
deren Unterricht in progressive Erziehungseinrichtungen.
Ein Teil dieser schönen und
einfühlsamen Arbeiten wurde in dem Lehrbuch
„Moving and Growing“ (1952) publiziert.
Sie spielte aber auch eine wichtige Rolle
beim Knüpfen von Kontakten zwischen
dem sowjetischen Geheimdienst und wichtigen
Entscheidungsträgern der englischen
Gesellschaft, die später als der Spionagering
der „Cambridge Five“ bekannt war. Daher
wurde sie jahrelang vom britischen Geheimdienst
überwacht. Der dadurch entstandene
Druck veranlasste sie, einige ihrer Negative
und Photographien zu vernichten, um sich
schließlich ganz aus der Photographie zurückzuziehen.
Die Ausstellung gibt einen
umfassenden Einblick in ihr photographisches
Wirken.
FLATZ Museum – Zentrum für Photographie
www.flatzmuseum.at
Ausstellungsplakat © Kunsthalle Düsseldorf
Düsseldorf
Deutscher Jugendfotopreis
18.09.–15.11.2026
Mit dem Jahresthema „Ein Haus, Ein Boot,
Ein Auto“ lädt der Deutsche Jugendfotopreis
erneut begeisterte Fotograf*innen bis 25 Jahre
dazu ein, ihre Eindrücke und Sorgen zur eigenen
Zukunft fotografisch einzufangen. Die
von einer sechsköpfigen Fachjury ausgewählten
Gewinner*innen werden ihre prämierten
Arbeiten erstmalig im KIT – Kunst im Tunnel
ausstellen. Es ist ein großes Anliegen des KIT,
jungen Talenten erste Erfahrungen mit dem
institutionellen Ausstellen zu ermöglichen.
Kunsthalle Düsseldorf
www.kunsthalle-duesseldorf.de
www.
.com
Joel Sternfeld, Kansas City, Kansas, May 1983 © Joel Sternfeld
Human Topographies
Art Collection Deutsche Börse
bis 16.08.2026
Die Ausstellung präsentiert rund 60 Werke der Art Collection Deutsche Börse, die die vielfältigen
Facetten menschlich gestalteter Lebensräume sichtbar machen. Diese reichen von
dicht bebauten asiatischen Megacitys über nordamerikanische Metropolen und Kleinstädte
an der deutschen und französischen Peripherie bis hin zur Weite dünn besiedelter Landstriche
im mittleren Westen der USA - sowie den vielen Variationen des Dazwischen. Die
gezeigten Arbeiten veranschaulichen, wie unterschiedlich das Zusammenspiel von Landschaft,
Architektur und Mensch aussehen kann. Dabei verweisen sie darauf, welche Herausforderungen
Natur und klimatische Bedingungen in den unterschiedlichen Regionen
hervorbringen und wie Architekt*innen und Städteplaner*innen damit umgehen. Die
Bandbreite umfasst eine harmonische Einbettung der Architektur über ein bisweilen skurril
erscheinendes Verständnis von urbaner Gestaltung bis hin zur fast vollständigen Verdrängung
der ursprünglichen Landschaft.
Deutsche Börse Photography Foundation
Deutsche Börse Group, The Cube, Eschborn
www.deutscheboersephotographyfoundation.org
Erlangen
Cyrill Lachauer. The Sunset Route
feat. Mike Brodie, Mouse Green,
Rhyw, Katja Schmidt, Mia Justice
Smith, Moritz Stumm
20.06. – 27.09.2026
Die Landschaft als sprechender, mit Bedeutung
aufgeladener Raum ist ein Bezugspunkt,
zu dem Cyrill Lachauer (* 1979 in Rosenheim,
DE) in seinem fotografischen und filmischen
Werk immer wieder zurückkehrt. Mit ausgeprägtem
Gespür für historische und politische
Zusammenhänge bereiste Lachauer über Jahre
hinweg die USA, Mexiko und Bosnien. Die
Ausstellung The Sunset Route im Kunstpalais
versammelt Arbeiten, die zwischen 2020 und
2025 entstanden sind und in Form einer poetischen
(Auto-)Ethnografie drängende Fragen
behandeln: nach Freiheit, Selbstbestimmtheit
und Widerständigkeit, aber auch Kolonisation,
Ausgrenzung und Ausbeutung. Der Titel The
Sunset Route bezieht sich auf die gleichnamige,
über 3.000 Kilometer lange Eisenbahnstrecke,
die ganz im Süden der USA das Landesinnere
mit der Pazifikküste verbindet. Seit
dem Ende des 19. Jahrhunderts reisen Hobos
(Wanderarbeiter*innen) und andere „transient
people“ (Menschen ohne festen Wohnsitz) auf
dieser und anderen Routen auf Güterzügen
durch Nordamerika. Lachauer begann 2019
selbst als „train hopper“, das Land zu durchqueren.
Aus dieser Phase entwickelte sich das
Filmprojekt Slack, an dem Lachauer mit dem
US-Fotografen Mike Brodie von 2022 bis 2025
arbeitete.
Kunstpalais | www.kunstpalais.de
LOUISE | arttourist.com | 2026 Fototipps | 37
Essen
Photography Masters
16.10.2026 – 10.01.2027
Die Ausstellung zeigt ausgewählte Abschlussarbeiten
von Absolvent:innen des Masterstudienprogramms
Photography Studies & Practice
der Folkwang Universität der Künste. Die
beiden Folkwang-Institutionen setzen damit
ihre Kooperation fort, die 2016 mit der Reihe
Stopover begann.
Museum Folkwang | www.museum-folkwang.de
Halle
Helga Paris
Häuser und Gesichter
Halle 1983–85
12.06.2026 — 20.09.2026
Mitte der 1980er Jahre gelang Helga Paris
mit der Serie „Häuser und Gesichter“ in über
100 eindrücklichen Fotografien ein sensibles
Porträt der Stadt Halle (Saale). Eine für
1986 geplante Ausstellung fiel der DDR-Politik
zum Opfer: Zu deutlich zeigten die Bilder
den architektonischen Verfall und morbiden
Charme der Saalestadt.
40 Jahre später präsentiert das Kunstmuseum
Moritzburg Halle (Saale) diesen nach einem
Text des Lyrikers Detlef Opitz als „Diva in
Grau“ bekannt gewordenen Klassiker der Fotogeschichte
erneut.
Kunstmuseum Moritzburg Halle
www.kunstmuseum-moritzburg.de
GenZ © Daniel Obasi
Frankfurt
Gen Z: Shaping a new gaze
bis 30.08.2026
Eine Generation, unzählige Perspektiven:
Die Ausstellung GEN Z: SHAPING A NEW
GAZE gibt das Wort an junge Menschen, die
mehrheitlich zwischen 1995 und 2010 geboren
wurden — und die Welt, in der sie aufgewachsen
sind, nicht einfach hinnehmen.
Diese Generation hinterfragt Normen, bricht
mit Konventionen und definiert ihren Platz
in einer sich wandelnden Zeit. Die Gruppenausstellung
im Fotografie Forum Frankfurt
zeigt Werke von 40 Fotokünstler:innen aus 25
Ländern. Mit persönlichen Erzählungen, pluralen
Identitäten, neu definierten familiären
Bindungen und einer sensiblen Auseinandersetzung
mit Körper und Gender verflechten
sich die Arbeiten der Künstler:innen zu einer
vibrierenden kollektiven Energie — einem
reichhaltigen Mosaik aus Erfahrungen, kulturellen
Hintergründen und Perspektiven, in
dem das Persönliche politisch wird.
Fotografie Forum Frankfurt | www.fffrankfurt.org
Sau Leiter, Waiter, Paris 1959 © Saul Leiter Foundation
Frankfurt
Through the Eyes of Saul Leiter
bis 26.08.2026
Die Leica Galerie Frankfurt präsentiert vom
22. Mai bis 26. August 2026 die Ausstellung
„Through the Eyes of Saul Leiter“. Die Retrospektive
widmet sich einem der prägenden
Fotografen des 20. Jahrhunderts und zeigt
eine sorgfältig kuratierte Auswahl ikonischer
wie seltener Werke.
Saul Leiter zählt zu den Wegbereitern einer
Fotografie, die das Alltägliche in poetische
Bilder verwandelt. Die Ausstellung in der
Leica Galerie Frankfurt versammelt frühe
Schwarz-Weiß-Arbeiten ebenso wie seine
wegweisenden Farbfotografien und eröffnet
so einen konzentrierten Blick auf ein Werk,
das bis heute nachwirkt.
Zu sehen sind Porträts, Akte und Straßenszenen
aus New York, in denen sich Leiters Gespür
für Farbe, Licht, Schatten und Reflexionen
auf unverwechselbare Weise verdichtet.
Die Retrospektive entstand in enger Zusammenarbeit
mit der Saul Leiter Foundation sowie
Roger Szmulewicz von der Gallery FIFTY
ONE in Antwerpen
Leica Galerie | www.leica-camera.com
Helga Paris: aus der Serie: Häuser und Gesichter. Halle 1983–85,
Silbergelatine/Vintage Print, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum
Moritzburg Halle (Saale), Repro: Kulturstiftung Sachsen-
Anhalt © Nachlass/Estate Helga Paris
Groenland_Not For Sale, Kullorsuaq, Bild Julian Jonas Schmitt,
Courtesy und © ALPS Alpines Museum der Schweiz
Frankfurt
Grönland – Not For Sale –
Kalaallit Nunaat Forever
19.06. – 11.10.2026
Grönland, ein vom arktischen Meer umgebenes
Land, sechs Mal so groß wie Deutschland.
Das ewige Eis schmilzt unaufhörlich und das
Land steht vor riesigen Veränderungen, die
wie eine Lupe auf die Themen unserer Zeit
zoomen. Grönland – Not For Sale – Kalaallit
Nunaat Forever ist eine Ausstellung, die
in Kooperation mit dem ALPS Alpines Museum
der Schweiz, Bern gezeigt wird. Über vier
Jahre sind berührende und intime filmische
Zeugnisse entstanden. Diese ermöglichen
eine sinnliche Reise in die kaleidoskopischen
Erzählungen eines komplexen Landes und
deren Menschen. Sie nehmen uns mit in ihre
Wirklichkeit und schaffen neue Einblicke
und Verständnis für ihr Land und ihre Kulturen.
Was uns so fern scheint, ist doch so nah.
Frankfurter Kunstverein | www.fkv.de
Jürgen Klauke, Schlachtfelder, 2009 – 2010, 144-teilig, je 49 x 68
cm, gesamt 2940 x 1630 cm, C-Print. Courtesy of the artist.
Gießen
Jürgen Klauke
Schlachtfelder
27.11.2026 – 07.03.2027
Jürgen Klauke zählt zu den wegweisenden
Künstlern, die seit den 1970er-Jahren mit
Fotografie, Performance und inszenierten
Bildserien die Grenzen von Identität, Körper
und Geschlechterrollen radikal hinterfragen.
Seine Arbeiten verbinden subtile
Ironie mit existenziellen Fragen nach Normierung,
Begehren und gesellschaftlichen
Zuschreibungen. Die Ausstellung präsentiert
zentrale Werkgruppen neu und zeigt,
wie Klauke mit präziser Bildsprache die
Konstruktion des Selbst sichtbar macht.
Der Titel der Ausstellung beschreibt das
monumentale gleichnamige Fototableau
Klaukes welches existenzielle Endlichkeit
thematisiert.
Kunsthalle Gießen | www.kunsthalle-giessen.de
HANS HANSEN (* 1940), Plakat für den VW-Käfer (VW-Typ 1), 1970er Jahre, Offsetdruck
H. 110,5 cm, B. 78 cm, Erstellt im Auftrag der Volkswagen AG Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Hamburg
Hans Hansen
bis 01.11.2026
Mit der Ausstellung „Foto: Hans Hansen“ widmet das Museum für Kunst und Gewerbe
Hamburg (MK&G) einem der bedeutendsten Fotografen der Nachkriegszeit vom 17. April
bis 1. November 2026 eine umfassende Werkschau. Gezeigt werden rund 220 ikonische
Fotografien aus über sechs Jahrzehnten. In internationalen Kampagnen unter anderem
für Lufthansa, Nikon, Volkswagen und Erco hat Hans Hansen die Produktfotografie seit
den 1960er Jahren revolutioniert und das kollektive Bildgedächtnis ganzer Generationen
geprägt. Ergänzt wird die Schau durch Arbeiten, die seine enge Zusammenarbeit mit Designer*innen
wie Tapio Wirkkala sichtbar machen. Werkzeuge, Korrespondenzen, Skizzen,
Archivmaterial und ausgewählte Objekte aus seiner Privatsammlung eröffnen darüber hinaus
vertiefende Einblicke in seinen Arbeitsprozess. Mit der jüngsten Werkserie „Analog“
(2024) richtet Hansen den Blick zugleich auf die eigenen fotografischen Gestaltungsmittel
in seiner unverwechselbaren sachlich-minimalistischen Bildsprache; eigens für die Ausstellung
entsteht zudem eine neue Fotoserie.
Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg
www.mkg-hamburg.de
Weiter auf Seite 45
38 | Fototipps
LOUISE | arttourist.com | 2026
Fortsetzung von Seite 39
Fotograf:innen: Derek Bennett (1944–1990),
Christiane Eisler (geb. 1958), Karl Kugel (geb.
1957), Ute Mahler (geb. 1949), Henry Maitek
(1922–2007), Evelyn Richter (1930–2021)
und Erasmus Schröter (1956–2021)
Brenda_Alamilla, Transformationen des Schweigens, DETAIL www.
guteaussichten.org © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Titelmotiv der Ausstellung: Renée in Kostüm von Christian Dior, Paris 1951; Aufnahme von Regina Relang, Münchner Stadtmuseum,
Sammlung Fotografie, Archiv Regina Relang
Heidelberg
Ikonen der Mode
Fotografien von Regina Relang
bis 19.07.2026
Mode ist mehr als Kleidung – sie ist Ausdruck von Stil, Zeitgeist und Vision. Die 1909 in
Stuttgart geborene Regina Relang besaß ein außergewöhnliches Gespür für die elegante Welt
und stieg in der Nachkriegszeit zur erfolgreichsten Modefotografin Deutschlands auf. Mit
ihrer Kamera richtete sie den Blick auf die Haute Couture in Paris, Florenz und Rom und
fotografierte Kollektionen bekannter Modemacher wie Christian Dior, Pierre Cardin und Yves
Saint Laurent. Die Ausstellung in Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum präsentiert
rund achtzig Aufnahmen von Regina Relang, die einen Bogen von den 1930er Jahren bis in
die späten 1970er Jahre spannen. Die Fotografien entfalten ihren Charme überwiegend in
originalen Schwarzweiß-Abzügen. Großformatige Reproduktionen, edle Accessoires und beispielhafte
Kleidungsstücke runden den modischen Streifzug durch die Jahrzehnte stilvoll ab.
Kurpfälzischen Museum Heidelberg
www.museum-heidelberg.de/Museum-Heidelberg/startseite/ausstellungen/ikonen+der+mode
Die aktuellen Preisträger*innen sind Brenda
Alamilla, Daniela Duckwitz, Lynn Gerstmair,
Bob Jones, Sophie Nawova Meyer,
Steffen Niers, Anissa Tavara und Gerd Waliszewski.
Der neue Jahrgang beschäftigt sich wieder
mit aktuellen Fragen unserer Zeit und lotet
die vielfältigen Möglichkeiten, Techniken
und Genres von Fotografie und Video aus.
Im Fokus stehen familiäre Spurensuchen,
die Konstitution des Selbst in der Fotografie,
Experimente zu neuen, biologisch abbaubaren
Bildmaterialien, das menschenverursachte
Artensterben, Formen des
Sensationsjournalismus und Misogynie in
Mexiko, das Leben junger Menschen im
Ukraine-Krieg und die Fotografie als Medium
gegen das Vergessen. Das Landesmuseum
Koblenz zeigt seit 2015 die jährliche
Ausstellung der Preisträger*innen des renommierten
Nachwuchsförderpreises auf
der Festung Ehrenbreitstein.
Landesmuseum Koblenz | Kulturzentrum Festung
Ehrenbreitstein | www.guteaussichten.org
Man Ray, Kiki, Violon d’Ingres, 1924, Gelatinesilberpapier, Montage,
38,6 x 30 cm | Museum Ludwig, Köln Repro: Historisches
Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv
© Man Ray 2015 Trust / VG Bild-Kunst, 2026
Man Ray: Kiki
31.10.2026–04.04.2027
Man Rays Fotografie von Alice Prin, genannt
Kiki de Montparnasse (1901–1953), zeigt sie
als Rückenakt, ein Tuch um die Hüften, eines
um den Kopf. Inspiriert von Jean-Auguste-
Dominique Ingres’ Rückenakten überführt
Man Ray das Motiv ins 20. Jahrhundert: Er
malt Schalllöcher einer Geige auf die Fotografie,
sodass Kikis Rücken zum Körper eines
Streichinstruments wird. Der Abzug im Museum
Ludwig stammt aus der Sammlung
Gruber; die Präsentation beleuchtet Entstehung
und Geschichte dieses surrealistischen
Meisterwerks.
Museum Ludwig | www.museum-ludwig.de
Rodney Smith, A. J. from behind in Field, Harriman, New York,
1994, Fotografie | © Estate of Rodney Smith
Heilbronn
Rodney Smith
26.09.2026 – 24.01.2027
Mit seiner unverwechselbaren Bildsprache
zählt Rodney Smith (1947 – 2016) zu den bedeutendsten
Fotografen des späten 20. und
frühen 21. Jahrhunderts. Bekanntheit erlangte
der US-Amerikaner und Schüler von Walker
Evans vor allem mit seinen Arbeiten für
renommierte Magazine und Modezeitschriften,
doch ihre künstlerische Qualität und
ihre Originalität überragen das Niveau von
Auftragswerken bei weitem. Smiths Bilder
strahlen eine poetische Kraft aus, die das Publikum
durch den Einklang von Eleganz, subtilem
Humor und technisch-kompositorischer
Präzision in faszinierende Welten zwischen
Traum und Wirklichkeit entführt. Nicht selten
erinnern seine inszenierten Fotografien
an die rätselhaften Gemälde des Surrealisten
René Magritte. Als überzeugter Schwarz-
Weiß-Fotograf entdeckte Smith die Farbfotografie
erst spät für sich und bewies auch darin
große Meisterschaft in der Beherrschung des
Lichts. Mit über 120 Exponaten aus allen
Werkphasen vermittelt die Ausstellung erstmals
in Deutschland umfassende Einblicke
in das vielfältige Œuvre von Rodney Smith.
Seine ebenso virtuose wie perfekte „Alchemie
des Lichts“ führt eindrucksvoll vor Augen,
dass Fotografie mehr ist als bloße Realitätswiedergabe.
Mit dieser Schau setzt die Kunsthalle
Vogelmann ihre Reihe zu bedeutenden
Fotokünstler:innen im 20. Jahrhundert fort.
Kunsthalle Vogelmann
museen.heilbronn.de/kunsthalle-vogelmann
Koblenz
gute aussichten – junge deutsche
fotografie 2025/2026
bis 09.08.2026
Zum 22. Mal kürt „gute aussichten – junge
deutsche fotografie“ in diesem Jahr seine
Preisträger*innen. Kern des 2004 gegründeten
Projektes ist ein jährlich stattfindender
Wettbewerb für Abschlussarbeiten aus allen
deutschen Hochschulen und Akademien,
die einen Studiengang Fotografie anbieten.
Evelyn Richter, Vor Wolfgang Mattheuers „Die Ausgezeichnete“,
1973/74. Albertinum Dresden, 1975, Gelatinesilber auf Barytpapier,
Handabzug der Künstlerin, 40 x 30,4 cm, Museum Ludwig,
Köln © Evelyn Richter Archiv der Ostdeutschen Sparkassenstiftung
im Museum der bildenden Künste Leipzig Repro: Historisches Archiv
mit Rheinischem Bildarchiv © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Köln
Sammlung Fotografie:
Zweimal Deutschland um 1980
bis 11.10.2026
Die Sammlung Fotografie des Museum Ludwig
umfasst rund 70.000 Werke von den Anfängen
der Fotografie im frühen 19. Jahrhundert
bis in die Gegenwart. In unseren Fotoräumen
stellen wir regelmäßig Werke zu ausgesuchten
Themen und Fotograf:innen zusammen.
Die Präsentation zeigt eine Auswahl von
Fotografien aus Ost- und Westdeutschland,
die um das Jahr 1980 entstanden sind. Die
Arbeiten von sieben Fotograf:innen geben
Einblicke in gesellschaftliche und alltägliche
Lebenswelten beider deutscher Staaten, die
von unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen
Systemen geprägt waren.
Aus der Ausstellung Inferno & Paradiso d‘Alfredo Jaar © Veronique
De Viguerie
Lausanne (CH)
Alfredo Jaar
Inferno & Paradiso
26.06.–01.11.2026
Inferno & Paradiso ist eine immersive Installation
des Künstlers Alfredo Jaar (1956),
einer bedeutenden Größe der internationalen
zeitgenössischen Kunstszene. In diesem
Originalwerk geht er der Frage nach, ob die
beständige Flut von Bildern menschlichen
Leids uns abstumpft. Für das einzigartige Projekt
wurden zwanzig internationale Reporter
eingeladen, je zwei Bilder aus ihren Archiven
auszuwählen: das schmerzhafteste und das
hoffnungsvollste. Diese Fotografien werden
als Diaprojektionen gezeigt. Sie nehmen uns
mit auf eine Reise durch Höllen und Paradiese
– ähnlich wie Virgil Dante durch Die Göttliche
Komödie führt.
Die Ausstellung ist eine Koproduktion mit
dem Kulturverein On The Move für das internationale
Fotofestival Cortona On The
Move.
Hannah Darabi
Why don’t you dance?
26.06 – 01.11.2026
Mit Why Don’t You Dance? (Warum tanzt du
nicht?) präsentiert Hannah Darabi, Preisträgerin
des Prix Elysée 2025, ein Projekt über
iranische Volkstänze. Das Projekt kombiniert
LOUISE | arttourist.com | 2026 Fototipps | 39
Hannah Darabi, Constitutional Law, Polygamy, Yes/No, “Mahvashs
Book of Pleasure”, 2024, aus der Serie Why Don’t You Dance?, fortlaufend
© Hannah Darabi
Fotografien, Videos und Archivmaterial und
untersucht, wie Tanz je nach sozialem und
politischem Kontext zu einem Ausdruck von
Identität und Emanzipation werden kann,
insbesondere innerhalb der iranischen Diaspora.
Es ist inspiriert von der Autobiografie
von Mahvash und den Karaoke-Abenden des
Cabaret Tehran in Los Angeles. Damit schlägt
Darabi eine Brücke zwischen historischen
und zeitgenössischen Tanzpraktiken.
Der Prix Elysée beruht auf einer exklusiven
Partnerschaft zwischen Photo Elysée und
Parmigiani Fleurier.
Lausanne Photo Elysee
www.elysee.ch/de/museum/
Jiří Kolář, Das ausruhende Nationaltheater, 1960, Lentos Kunstmuseum
Linz © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Jubiläums richtet die Ausstellung ihren Fokus
auf die technischen Verfahren und materiellen
Besonderheiten des Mediums. Im
Zentrum steht die Frage, was die Fotografie,
über ihre dokumentarische Dimension
hinaus, als künstlerisches Ausdrucksmittel
charakterisiert. Die Schau versammelt ausgewählte
Werke, ergänzt durch historische
Kameratechnik aus den Sammlungen des
Lentos und des Nordico: beginnend bei
den ersten fotografischen Methoden im
19. Jahrhundert über Dunkelkammerexperimente
der klassischen Moderne bis hin
zu zeitgenössischen Arbeiten, die neue digitale
Prozesse für sich nutzen.
Lentos Kunstmuseum | www.lentos.at
WEITERE
AUSSTELLUNGEN
Lausanne (CH)
Tiermodell 200 Jahre Fotografie
04.12.2026–04.04.2027
Lausanne Photo Elysee
www.elysee.ch/de/museum/
Los Angeles (USA)
Marilyn Monroe: Hollywood Icon
31.05.2026–28.02.2027
Academy Museum of Emotion Pictures
www.academymuseum.org
Luzern (CH)
Dominik Zietlow
Nur die Berge begegnen sich nie
Manor Kunstpreis Zentralschweiz Luzern
24.10.2026–31.01.2027
Kunstmuseum Luzern
www.kunstmuseum-luzern.ch
Madrid (E)
Fiebre Photobook Fest XIII
18.–20.9.2026
La Casa Encendida, Madrid
www.fiebrephotobook.com
Malmö (SE)
Deborah Turbeville Photocollage
bis 27.09.2026
Moderna Museet
www.modernamuseet.se/malmo/en/
Montelimar (F)
Nicolas Bouvier Voyages au levant
bis 31.10.2026
Musée d’Art Contemporain
www.montelimar-agglo.fr/vie-quotidienne/
culture/musee-dart-contemporain
München
Jeff Dunas – Photography:
American Pictures & State of the Blues
bis 31.07.2026
Amerikahaus
www.amerikahaus.de
Oberhausen
Anja Niedringhaus – An vorderster Front
Pulitzer-Preisträgerin, Pressefotografin, Porträtistin
10.05.–13.09.2026
LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
www.ludwiggalerie.de
Stockholm (SE)
Brassai
The Secret signs of Paris
bis 04.10.2026
Moderna Muset
www.modernamuseet.se
Toulouse (F)
Chema Madoz | Helena Almeida
« Diseños habitados »
bis 23.08.2026
Le Château d’Eau in Toulouse
www.chateaudeau.toulouse.fr
Tours (F)
Madeleine de Sinéty Une Vie - Ein Leben
bis 27.09.2026
Fragile beauté - Zerbrechliche Schönheit
Fotografien aus der Sammlung von Sir Elton John
und David Furnish Ausstellung
bis 27.09.2026
Secrets et mensonges - Geheimnisse und Lügen
19.06.–15.11.2026
Laila Hida
La nuit américaine - Die amerikanische Nacht
19.06.–15.11.2026
Château de Tours
www.chateau.tours.fr
Vaduz (LIE)
Eleanor Antin
Eine Retrospektive
bis 28.09.2026
Kunstmuseum Lichtenstein
www.kunstmuseum.li
München
Menschenbilder. Porträt- und Genrefotografien
aus der Sammlung Dietmar Siegert Meisterwerke
der Neuen Pinakothek in der Alten Pinakothek
13.10.2026–31.01.2027
Alte Pinakothek | www.pinakothek.de/de/
menschenbilder-sammlung-siegert
New York (USA)
Andy Warhol Family Album
bis 19.10.2026
Whitney Museum of American Art
www.whitney.org
Wien (A)
Richard Prince
bis 16.08.2026
Albertina
www.albertina.at
Zürich (CH)
Fast ein Paradies Kolonialzeitliche Fotografie in
der Gegenwartskunst
bis 06.09.2026
Museum Rietberg
www.rietberg.ch
Roxana Rios, Herrenbildnis, Sarafina, Fine-Art Print, 108 × 144 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Leipzig
Roxana Rios
bis 28.03.2027
2024 eröffnete das Fassadenprojekt mit der
Werkgruppe Tenseness von Cihan Çakmak,
der 2025 Katharina Schreiters Serie Membran
folgte. Mit Ode to Eris von Roxana Rios startet
es nun in die dritte Ausgabe.
Roxana Rios (*1994) setzt sich in der vom
MdbK beauftragten Serie in Form von fotografisch-
performativen Neuauffassungen
mit ausgewählten Werken der Dauerausstellung
auseinander. Rios‘ künstlerische Praxis
zeichnet sich durch ein kritisches Hinterfragen
historisch gewachsener Narrative, insbesondere
der Verbindungen zwischen Bildund
Wissensproduktion, aus. Es geht dabei
letztlich um die Frage, wie sich bestimmte
Bildmuster in der Kunstgeschichte, beispielsweise
Geschlechterstereotype, bis heute fortgeschrieben
und verfestigt haben. Der Körper
gilt Roxana Rios dabei als „Konstrukt, Material
und Repräsentantin innerhalb gesellschaftlicher
(An-)Ordnungen“.
Museum der bildenden Künste Leipzig
www.mdbk.de
Linz (A)
200 Jahre Fotografie
29.5.–16.8.26
Im Jahr 1826 gelang es dem französischen
Erfinder Joseph Nicéphore Niépce, den Blick
aus seinem Arbeitszimmer dauerhaft auf einer
beschichteten Zinnplatte festzuhalten.
Dieses Ereignis gilt heute als eine der Geburtsstunden
der Fotografie. Seither hat das
Medium nicht nur unseren Blick auf die Welt
verändert, sondern auch die Bildproduktion
und Arbeitsweise von Künstler:innen nachhaltig
geprägt. Anlässlich dieses runden
Okabe Momo, Untitled, 2020; from the series Ilmatar.
Courtesy the artist and Aperture
London (GB)
Japanese Women Photographers:
From 1950s to Now
24.06.–27.09.2026
A major exhibition reframing the history
of Japanese photography through the voices
and lens of 27 women working from the
1950s to today. This landmark exhibition
rewrites the story of Japanese photography
through the eyes of women. Japanese Women
Photographers spotlights the work of
27 groundbreaking artists, from the 1950s
to today, whose perspectives have shaped
how Japan sees itself, and how it is seen by
the world.
Spanning identity, pop culture, fashion
and everyday life, the exhibition celebrates
internationally renowned Japanese women
photographers, alongside those who
have long been overlooked. The result is
a powerful rebalancing of a history too often
told through a single, male-dominated
lens.
The Photographers Gallery
www.thephotographersgallery.org.uk
München
Zehn Leben. Delschad Khorschid
und Jan-Hendrik Pelz
bis 08.11.2026
Flucht, Trauma und Sehnsucht sind die zentralen
Themen der Ausstellung „Zehn Leben“
von Delschad Numan Khorschid und Jan-
Hendrik Pelz im Museum Villa Stuck. Delschad
Numan Khorschid, Ensemblemitglied
des Münchner Residenztheaters, verarbeitet
die traumatischen Erinnerungen an seine
einsame Flucht als Kurde aus dem Irak nach
Deutschland in Gemälden, Fotografien und
Texten. Jan-Hendrik Pelz macht mit groß-
Marilyn Monroe, by Cecil Beaton, bromide print, 1956, Collection National Portrait Gallery, NPG #40269
London (GB)
Marilyn Monroe
04.06. – 06.09.2026
In celebration of the Hollywood star’s 100th birthday and in association with the Marilyn
Monroe estate, Marilyn Monroe: A Portrait will explore the life, career and legacy of Marilyn
Monroe through portraits created by some of the greatest photographers and artists
of the 20th and 21st centuries. Bringing together works by Andy Warhol, Pauline Boty,
Marlene Dumas, James Gill, Rosalyn Drexler and Audrey Flack, alongside over 20 era-defining
photographers, including Cecil Beaton, Philippe Halsman, Bernard of Hollywood,
André de Dienes, Eve Arnold, Inge Morath, Alfred Eisenstaedt, Milton Greene, Sam Shaw,
Richard Avedon and George Barris, the exhibition will foreground Monroe’s collaborative
approach to image making and her creative agency. The exhibition will also include personal
belongings such as books, scripts and clothes to enrich understanding of the woman
behind the image.
National Portrait Gallery | www.npg.org.uk
40 | Fototipps
LOUISE | arttourist.com | 2026
Delschad Numan Khorschid: Hand. Fotografie. Irak, 2018.
formatigen, meist fotorealistischen Gemälden
und Skulpturen auf migrantische Schicksale
und die damit verbundenen Traumata
aufmerksam. Vor dem Hintergrund aktueller
gesellschaftspolitischer Debatten, in denen
Migration häufig auf Zahlen sowie Zurückweisungs-
und Beschränkungsforderungen
reduziert wird, eröffnet diese Ausstellung
einen Raum für Empathie und Verständnis.
Villa Stuck | www.villastuck.de
Portrait Alexandra Catiere © Catherine Peter
experience at a time when Paris emerges as a
global capital of photography.
Each year, Photo Days offers a photographer a
carte blanche inspired by Balzac, exhibited in
the historic Rotonde Balzac. For its 2026 edition,
in collaboration with Maison Balzac (City of Paris
Museum), and with the support of La Fondation
des Artistes and Château Jean-Faure (Saint-
Émilion), the exhibition will present the project
of our open call winner, Alexandra Catiere.
Alexandra Catiere’s life path, from the former
Soviet Union to the United States and
then to France, both scorns borders and
testifies to her striving for universality. The
photographer has made timelessness a salient
feature of an oeuvre that revives photography’s
humanistic tradition in a virtuoso
capturing of sensation and atmosphere.
Never settling simply for portrait or reportage,
Alexandra uses the camera to express her
empathy with human nature and, most of
all, with life itself.
www.photodays.paris
Nederlands Fotomuseum, panorama © Iwan Baan
Rotterdam (NL)
Nederlands Fotomuseum
On Saturday 7 February 2026, the Nederlands Fotomuseum will officially open the doors
of its new home in the renovated Santos warehouse, a listed building in Rotterdam’s
Rijnhaven district. The museum will provide a modern home for the national collection
of over 6.5 million objects, one of the largest museum photography collections in the
world, as well as space for exhibitions and a wide range of public activities. The location
in the Santos warehouse marks a new phase for the museum and has been made possible
thanks to a generous donation from the Droom en Daad Foundation.
The collection of the Nederlands Fotomuseum comprises more than 6.5 million objects,
making it one of the largest museum photography collections in the world. It consists
of more than 175 archives of Dutch photographers, with millions of negatives, slides,
prints and other photographic objects. The collection covers an important part of the
history
of photography in the Netherlands, from the earliest daguerreotypes from 1842 to contemporary
digital prints, with an emphasis on 20th-century analogue and documentary
photography, supplemented by recent works of art and installations. Unique items include
exceptional photographs from the former Dutch colonies, such as work by Kassian
Céphas and Augusta Curiel. A number of the works in the collection, such as the
prints by Werner Mantz, Sanne Sannes, Ed van der Elsken, Ata Kandó, Violette Cornelius
and Peter Martens, are among the best photographs ever taken in the Netherlands.
Nederlands Fotomuseum | www.nederlandsfotomuseum.nl/en/
Schaufenster Spiegelung, 1939-1945 © Estate of Lisette Model,
courtesy of Baudoin Lebon and Avi Keitelman
München
Lisette Model
18.03.–05.07.2026
Mit ihren aufsehenerregend direkten Bildern
verändert Lisette Model (1901–1983)
die Fotografie schlagartig. Ihre unmittelbare,
humorvolle, oft konfrontative,
manchmal aber auch empathische Form
der Wiedergabe revolutioniert die klassische
Dokumentarfotografie. In ihren Aufnahmen
von Straßenszenen und Porträts
verbinden sich sozialer Realismus und
emotionaler Ausdruck: „Schieß aus dem
Bauch heraus!“ lautet ihr berühmtes
Credo. Die Ausstellung vereint Models
wichtigste Werkgruppen aus ihrem beinahe
dreißigjährigen Schaffen zwischen 1932 und
1959, darunter auch bisher noch nie ausgestellte
Arbeiten.
Versicherungskammer Kulturstiftung
Kunstfoyer
www.versicherungskammer-kulturstiftung.de
Paris (F)
Photo Days
02. – 30.11.2026
Since 2020, Photo Days has been an annual
festival bringing together all photography-related
events taking place each November in
and around Paris.
Known as the new “month of photography,”
Photo Days offers free, exclusive visits to
institutions, galleries, fairs, and a selection
of carefully chosen private locations—such
as artists’ studios, laboratories, and apartments—providing
collectors and professionals
with a fully immersive photographic
©Teresa Giannico, Dealing with Daily Photographs - Feb 18, 2025,
print on cotton paper, cm 45x30, courtesy Viasaterna
Rotterdam (NL)
Unseen Photo
19. – 21.03.2027
At the end of March, Rotterdam briefly turns
into an exciting hub for photography. Across
three locations, visitors can experience just
how broad and dynamic the medium is today:
with Unseen Photo as part of Art Rotterdam,
the Unseen Book Market in the newly
reopened Nederlands Fotomuseum and the
photography festival Rotterdam Photo at
Deliplein. Together, they form an engaging
route across three distinct contexts, appealing
to everyone interested in photography,
from collectors and professionals to curious
visitors. Unseen is part of Art Rotterdam.
www.unseenphoto.com
www.
.com
Asisi Panorama, Konstanz, Architekturfotografie Bodensee ©
Helmuth Scham
Schweiz (CH)
Züri Nord Archi Photo
Helmuth Scham arbeitet seit über 25 Jahren
als Fotograf für Coporate Imaging und Architekturthemen.
Unter dem Label ZÜRI NORD
ARCHIPHOTO dokumentiert er Bauten, Räume,
Sanierungsprojekte und Denkmäler. Seine
aktuellen Projekte sind: Generalsanierung
eines Fischerhauses von 1530, das Asisi Panorama
in Konstanz sowie der wegweisende
Umbau des Konstanzer Telekom-Turmes nach
Plänen von Sauerbruch Hutton aus Berlin.
Er lebt in Konstanz am Bodensee und übernimmt
Aufträge in Deutschland und der benachbarten
Schweiz.
www.zuerinord.eu
Tallinn (EST)
Foto Tallinn
18. – 20.9.2026
Held biannually, the international art fair
Foto Tallinn presents jury-selected artists and
galleries showcasing the latest contemporary
photographic art, offering collectors and art
audiences rare access to new artwork, new
ideas, and the people behind the art.
At the fair, exhibiting galleries, collectives,
project spaces, and artists can introduce the
Foto Tallinn 2026, Plakat © Erkki Huila
selected works to a diverse audience, find
new collectors and grow their networks of
professional contacts.
The last edition of Foto Tallinn took place in
2024 with 25 international exhibitors presenting
works by 35 artists. Foto Tallinn 2026
will present 45 artists, including 16 international
art galleries.
Kai Art Center | www.fototallinn.ee/en/
Thessaloniki (GR)
VAiF26 (upcoming edition)
29.11. - 06.12.2026
Visual Arts International Festival – VAiF is
an international festival of contemporary
visual arts based in Thessaloniki, Greece, focusing
on photography, graphic design, and
expanded visual practices. The festival brings
together emerging and established artists
through exhibitions, open calls, and public
programming, activating multiple venues
across the city, from industrial spaces to galleries
and cultural institutions. The 2026 edition
of VAiF is developed around the notion
of memory as a creative and research-driven
LOUISE | arttourist.com | 2026 Fototipps | 41
framework. Through a series of curated exhibitions
and open calls, the festival explores
the relationship between memory, tradition,
and visual culture, approaching archives not
as static records but as active material for reinterpretation.
www.vaif.gr
umfasst heute neben Werken des Künstlers
Georg Friedrich Zundels rund 500 Arbeiten
von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart.
Zu sehen sind neben Arbeiten von Lars Eidinger
unteren anderen Werke von: Gilbert und
George, Yves Klein, Franz Erhard Walther, Katja
Strunz, Ben Willikens u.a.
Kunsthalle Tübingen
www.kunsthalle-tuebingen.de
engage in dialogue. Through his portraits of
celebrities and his depictions of anonymous
figures, he explores the notions of consumption,
desire and transcendence. Renowned
for the richness and diversity of his work, he
challenges the boundaries between fashion,
art and the sacred, and continues to inspire a
whole generation of visual creators.
www.opera-vichy.com/agenda/portraits-14
faszinierende Gebilde schafft? Photo | Brut.
Feeling Photography präsentiert solche leidenschaftlichen
Auseinandersetzungen mit
künstlerischen Prozessen von Autodidakt:innen,
die jenseits eines normativen Kunstverständnisses
eigenständige fotografische
Kunst- und Bildwelten hervorbringen.
Lu Yang: The Doku Trilogy | bis 06.09.2026
Zanele Muholi | 19.09.2026–10.01.2027
Foto Arsenal | www.fotoarsenalwien.at
Lars Eidinger, Peking, 2013 © Courtesy Ruttkowski;68, Köln,
Düsseldorf, Paris, New York
Tübingen
Lars Eidinger. Present Perfect
Ein Dialog mit der Sammlung
10.10.2026 – 14.01.2027
Seit über dreißig Jahren fängt der Schauspieler
Lars Eidinger die Wirklichkeit zunächst
mit der Spiegelreflexkamera später mit seinem
Smartphone ein. Mit dem Blick für das
Besondere gibt er dabei die Wirklichkeit so
wieder wie sie ist: eine steinerne Nymphe
ohne Hände am Wegesrand, geometrisch zugerichtete
Bäume und Hecken oder Passanten
im Doppelgänger-Look. Die scheinbar
beiläufig eins zu eins von Eidinger eingefangenen
Momentaufnahmen und Szenerien geben
unmittelbar und unverfälscht nicht nur
Auskunft über die conditio humana, sondern
legen en passant Tiefenschichten der westlichen
Wohlstandgesellschaft bloß, so dass existentielle
Emotionen, Bedürfnisse und Rituale
des Gegenwartsmenschen unverstellt zum
Ausdruck kommen. Unter dem Titel PRESENT
PERFECT präsentiert die Kunsthalle in enger
Zusammenarbeit mit dem Künstler nicht nur
die Fotografien und Videos von Lars Eidinger,
sondern bringt ausgewählte Werkgruppen
seiner visuellen Anthropologie in einen Dialog
mit Werken anderer Künstlerinnen und
Künstler. So treffen in der thematisch strukturierten
Präsentation Fotografien von Lars
Eidinger erstmals auf Exponate aus der Sammlung
der Kunsthalle Tübingen. Die hauseigene
Sammlung wurde seit den 1970er Jahren
sukzessive um Dauerleihgaben erweitert und
Ausstellungsplakat © Portrait(s) - Le Rendez-vous photographique
de Vichy
Vichy (F)
Portrait(s) - Le Rendez-vous
photographique de Vichy
19.06. – 04-10.2026
‘Portrait(s)’ presents and celebrates four decades
of work by David LaChapelle, a leading
figure in contemporary visual art, with a solo
exhibition bringing together both iconic and
previously unseen works.
An American photographer and filmmaker,
he has made his mark through the power of
his images and his spectacular visual world.
His work is distinguished by a unique, colourful
pop and baroque aesthetic and a
theatrical staging.
An heir to Pop Art, marked by his collaboration
with Andy Warhol early in his career,
LaChapelle has developed a visual universe
where popular culture, spirituality and
critical reflection on contemporary society
ANONYMOUS „METTREAUX“, untitled, signed „METTREAUX“ on
the reverse and dated February 19, 2020 © Photo | Brut, Collection
Bruno Decharme
Wien
Photo | Brut
Feeling Photography – from The
Bruno Decharme Collection
bis 06.09.2026
Foto Arsenal Wien ermöglicht erstmals in
Österreich einen Einblick in über 40 künstlerische
Prozesse aus mehr als 10 Nationen –
basierend auf einer der größten Sammlungen
der Photo Brut, die der französische Filmemacher
Bruno Decharme seit über 40 Jahren
zusammengetragen hat. Was, wenn jemand
über Jahrzehnte hinweg Fotografien mit kleinen
Buchstaben beschriftet – nicht nur ein
paar Bilder, sondern eine überwältigende Anzahl?
Was, wenn sich ein Automechaniker
als Kleopatra, Papst Johannes Paul II. oder
als Hollywoodstar für die Kamera verkleidet
– und nicht nur in diese Rollen schlüpft,
sondern in hunderte, tausende? Was, wenn
jemand Unmengen von Fotos sammelt, diese
zerschneidet, neu zusammennäht und daraus
Walk with Lions tourist experience. South Africa. © Zed Nelson /
Institute
Wien (A)
ROTLICHT – Festival für
analoge Fotografie 2026
26.11.–06.12. 2026
Das ROTLICHT - Festival für analoge Fotografie
ist ein internationales Festival, das dieses
Jahr zum sechsten Mal in Wien stattfindet.
Vom 26. November bis zum 6. Dezember
bringt das Festival die Fotografie-Szene in der
Hauptstadt zusammen.
Die „Festival Selection“ widmet sich in diesem
Jahr dem Werk “The Anthropocene Illusion”
des Londoner Fotografen Zed Nelson.
Ausgehend von dieser Arbeit steht im Zentrum
von ROTLICHT auch die zweite Hauptausstellung
in der Säulenhalle des Atelierhauses
der Akademie der bildenden Künste
Wien, welche die 20 Gewinner:innen des
internationalen Open Calls präsentieren
wird. Dieses Jahr mit dem Thema „The Anthropocene:
Hybrid Realities“. Das Festival
Thema lädt Künstler:innen ein, das Verhältnis
von Mensch, Natur und Bild neu zu
denken – zwischen Eingriff und Auflösung,
Einfluss und Verletzlichkeit, Konstruktion
und Zerfall. Der Mensch konsumiert “unbegrenzt”
Ressourcen, kolonisiert den Planeten,
zerstört die Natur und baut eine künstliche
Umgebung stattdessen. Es wird dem Men-
die uns alle bewegen: Klimawandel
und Umweltverschmutzung,
soziale Gerechtigkeit, die Krise
der Flüchtlingspolitik und eine
sich verändernde Weltordnung
sind ihre Themen. Eine Fotoausstellung
mit Werken von: Massimiliano
Corteselli, Docks Collective,
Aurélien Goubau, Mathilde
Tijen Hansen, Dina Oganova, Alice
Poyzer, Clémentine Schneidermann,
Michal Siarek und
Éva Szombat.
Spina Americana. Macksville, Kansas 2021 © Richard Sharum
Ulm
Im Schatten des
amerikanischen Traums:
Richard Sharums
Amerika-Trilogie
07.06.2026–20.09.2026
Der US-Fotograf Richard Sharum
richtet seinen Blick dorthin, wo
der amerikanische Traum ins Flackern
gerät. Jenseits von Klischees
zeigen seine stillen Schwarz-Weiß-
Fotografien Lebensrealitäten, die
selten Beachtung finden – als individuelle
Geschichten voller Verletzlichkeit,
Widerstandskraft und
Würde. Sharums Amerika-Trilogie
besteht aus drei fotografischen
Serien, die verschiedene Facetten
gesellschaftlicher Wirklichkeit erfahrbar
machen. Gemeinsam entwerfen
sie ein Porträt eines Landes,
das von sozialen Spannungen und
wirtschaftlichem Druck geprägt
ist – zugleich aber von erstaunlicher
menschlicher Stärke.
Black Cowboys
Sabine Bungert &
Stefan Dolfen
13.06.2026–20.09.2026
Das Klischee vom heldenhaften
weißen Cowboy prägt bis heute
Keisha. Atlanta Saddle Club Association, Georgia © Sabine Bungert und Stefan Dolfen
unser Bild vom „Wilden Westen“.
In Wirklichkeit war ein Viertel der
Cowboys Afroamerikaner. In den
letzten Jahren ist in den USA eine
Gemeinschaft Schwarzer Cowboys
entstanden, die ihre Geschichte
nun selbst erzählen.
2022 und 2023 reisten Sabine
Bungert und Stefan Dolfen von
Maryland nach Kalifornien, über
Arizona, New Mexico nach Texas,
weiter nach South und North Carolina
undnach Chicago. Sie trafen
zahlreiche Black Cowboys und
Black Cowgirls sowie Menschen,
die sich für deren Kultur interessieren.
Seit über 15 Jahren arbeiten
Sabine Bungert und Stefan Dolfen
gemeinsam an fotografischen
Langzeitprojekten.
Zwischen Berlin und
Tbilissi
Junge Fotograf:innen
schauen auf ihre Welt
03.10.2026–10.01.2027
Wie sehen junge Dokumentarfotograf*innen
Europa? Der Hamburger
Peter Bialobrzeski hat einige
von ihnen eingeladen, ihre
Sicht auf die Welt von heute vorzustellen.
Sie werfen Fragen auf,
I Am Georgia © Dina Oganova
Stadthaus Ulm
stadthaus.ulm.de
42 | Sindelfingen
LOUISE | arttourist.com | 2026
Fortsetzung von Seite 41
schen eine eigene geologische Kraft zugeschrieben.
Das Festival wird durch zahlreiche weitere Ausstellungen
ergänzt, welche in Galerien, Off Spaces und anderen Standorten
über die gesamte Stadt verteilt stattfinden und das
Programm durch diverse künstlerische Interpretationen und
Positionen, sowohl von Solokünstler:innen als auch von
Gruppen und Kollektiven, bereichern. Workshops, Talks und
andere Events komplettieren das breit gefächerte Angebot,
welches wie jedes Jahr ein internationales Publikum nach
Wien bringt.
www.rotlicht-festival.at
Sindelfingen
NO PLACE LIKE HOME
ITALIENISCHE FOTOGRAFIE
SEIT DEN 1980ER JAHREN
01.02.2026–16.08.2026
Das SCHAUWERK Sindelfingen zeigt
unter dem Titel NO PLACE LIKE HOME
eine sehenswerte Überblicksausstellung
zur Entwicklung der italienischen Fotografie
seit den 1980er Jahren. Die in Kooperation
mit dem IKS Photo Düsseldorf
entstandene Schau präsentiert rund
300 Arbeiten von 42 Fotograf:innen. In
der Poesie des Alltags erfassen sie soziale
wie gesellschaftliche Verflechtungen,
entlarven und reflektieren die imperiale
Vergangenheit ihres Heimatlandes und
hinterfragen kritisch das Medium der
Fotografie: mal traditionell, mal konzeptionell,
immer berührend und fernab der
Klischees von „Dolce Vita“ und „Bella
Italia“. Zugleich zeichnet die Ausstellung
nach, wie sich die Fotografie schrittweise
aus dem Schatten der etablierten Kunstformen
löste und sich als autonome
künstlerische Praxis behauptete.
Wie ganz Europa erlebte auch Italien
nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
tiefgreifende Umbrüche: Der wirtschaftliche
Aufschwung in den 1950er- und
1960er-Jahren veränderte die Landschaft
und den urbanen Raum nachhaltig, gefolgt
von sozialen Spannungen und politischen
Konflikten in den 1970er-Jahren.
In diesem Kontext und im Umfeld von
Ausstellungsansicht NO PLACE LIKE HOME
Foto: Frank Kleinbach
Neorealismus und Arte Povera entwickelte
sich eine künstlerische Fotografie, die
zunehmend eigene Wege ging.
Guido Guidi und Luigi Ghirri zählen zu
den international einflussreichsten Fotografen
Italiens. Sie prägten in den 1980er-
Jahren maßgeblich die sogenannte „Fotografie
der Orte“, die einen neuen Blick
auf ländliche und städtische Räume warf.
Viele Arbeiten dieser Zeit untersuchen
die Beziehungen zwischen Menschen
und ihren Lebensräumen und verbinden
persönliche Erfahrungen mit historischen
und kollektiven Erinnerungen.
Diese Rückbesinnung auf das Dokumentarische
ging mit einer Erneuerung der
fotografischen Tradition einher.
Die wirtschaftliche Dynamik des fortgeschrittenen
Kapitalismus und die ersten
Auswirkungen der Globalisierung
führten in den 1990er-Jahren zu einer
thematischen Verschiebung. Fotograf:innen
wie Marina Ballo Charmet, Paola
De Pietri, William Guerrieri oder Paola
Di Bello richteten ihren Fokus zunehmend
auf urbane Räume, Prozesse des
Identitätsverlusts sowie soziale Fragestellungen.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends
bildeten verschiedene Krisen einen
Nährboden für neue fotografische
Ansätze und künstlerische Strategien.
Soziale Ungerechtigkeiten im Land, Forderungen
nach Gleichberechtigung der
Geschlechter oder Fragen der Migration
schufen einen neuen kulturellen Rahmen
und brachten eine junge Generation von
Fotograf:innen hervor: Marcello Galvani,
Francesco Neri, Luca Nostri, Allegra Martin
und Cesare Fabbri. Sie verstanden sich
als Vertreter einer langen künstlerischen
Tradition und wandten sich dem urbanen
Raum in der Provinz zu.
In der jungen italienischen Fotografie
wird deutlich, dass Fotograf:innen wie
Francesca Iovene, Carmen Colombo,
Matteo Di Giovanni, Tomaso Clavarino,
Giulia Agostini, Federico Clavarino und
Iacopo Pasqui einen freieren Umgang
mit Erzählstrukturen rund um die Themen
Individualität, Community und
Diversität propagieren. In den oft biografisch
geprägten Serien vernachlässigen
sie die erzählerische Abfolge von Bildern
zugunsten einer Aneinanderreihung einzelner
figurativer Elemente, die mit symbolischen
Werten ihrer Generation aufgeladen
sind. Dabei setzen sie sich kritisch
mit dem Begriff von Heimat und der eigenen
Herkunft auseinander.
Die Ausstellung wird im SCHAUWERK
Sindelfingen in einem ehemaligen,
rund 15 Meter hohen Hochregallager
präsentiert, das durch eine rundumlaufende
Rampe begehbar ist. Besucherinnen
und Besucher bewegen sich durch
einen Parcours der italienischen Fotografie,
der chronologisch nach Jahrzehnten
angelegt ist und zugleich immer wieder
spannungsreiche Blickbezüge zu Werken
anderer Jahre eröffnet.
SCHAUWERK Sindelfingen
Eschenbrünnlestraße 15
71065 Sindelfingen
www.schauwerk-sindelfingen.de
Öffnungszeiten Mi – So 11 – 18 Uhr
VORSCHAU
Santé, Morellet!
05.07.2026 – 17.01.2027
Anatomy of Presence
27.09.2026 – 18.07.2027
Luighi Ghirri, Marina di Ravenna, 1986
Alessandra Dragoni, Terrace, Ravenna, 2019
Winterthur (CH)
Andri Pol – Poliversum
27.06.2026 - 06.12.2026
Einführung in die Ausstellung mit Andri Pol und Lars Willumeit,
Kurator der Ausstellung
Andri Pol (* 1961) gehört zu den prägendsten und vielfach
ausgezeichneten Vertretern des Schweizer Fotojournalismus
der letzten vierzig Jahre. Er hat in dieser Ära mit seinen Fotografien
einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die visuelle
Identität sowohl schweizerischer
als auch internationaler
Printmedien wie z.B. Zeit
Magazin, DU, Das Magazin,
Facts oder GEO zu definieren.
Die Ausstellung Andri Pol –
Poliversum nimmt den 65.
Geburtstag des Fotografen,
den es während der Ausstellungsperiode
zu feiern gilt,
zum Anlass, ihm eine große
Ausstellung auszurichten. Die
Ausstellung umfasst alle drei
Ausstellungsflächen der Fotostiftung
Schweiz, inklusive
Foyer. Sie hat retrospektiven
Andri Pol, Herbstmeisterschaft des
Schweizerischen Bodybuilding, Buchs,
2005, © Andri Pol / Fotostiftung Schweiz
Charakter und stellt damit sowohl die Essenz von Pols fotografischem
Schaffen als auch die Vielfalt seiner thematischen
Interessen über eine Schaffensperiode seit den späten 1980er-
Jahren vor. Schwerpunkte sind dabei die Genres der Fotoreportage
und des Porträts, aber auch Alltagsbeobachtungen,
die Pol auf dem gesamten Globus gemacht hat. Und auch
wenn seine Reisen ihn oft an sehr entlegene Orte wie z.B.
Tuvalu bringen, so findet er doch mit der Schweiz, Japan und
China geografische Ankerpunkte, zu denen er immer wieder
zurückkehrt, um größere Langzeitprojekte zu realisieren.
Fotostiftung Schweiz | www.fotostiftung.ch
Zürich (CH)
Die Photobastei hat es geschafft –
die Zukunft bricht an!
Die Stadt Zürich sichert mit einem existenzsichernden Beitrag
dieses und nächstes Jahr das Bestehen der Photobastei
– und stellt ab 2028 eine reguläre Förderung in Aussicht.
Bis 2028, bis zu ordentlichen Subventionen machst deshalb
DU den entscheidenden Unterschied!
Nach Jahren des Sparens können wir nun vieles nicht
mehr so umsetzen, was die Photobastei ausmacht – auch
mit dem städtischen Beitrag bis 2028 nicht!
Die Infrastruktur ist altersmüde
An uns herangetragene großartige Ideen, Veranstaltungen
und Ausstellungen müssen wir auf «später» verschieben
Große, eigene Ausstellungen sind zu riskant Sichtbarkeit
fehlt, um die ganze Stadtgesellschaft zu erreichen. Die
wachsende Arbeit stemmen zu wenige Schultern. Diese
Kampagne will dies ändern – schon heute und nicht erst
ab 2028!
Deshalb macht jeder Beitrag einen Unterschied!
wemakeit.com/projects/mach-den-unterschied
www.photobastei.ch
© Photobastei Zürich
LOUISE | arttourist.com | 2026 Stuttgart | 43
Stuttgart
Fotografie-
Ausstellungen in der
Staatsgalerie 2026
Magic and Mask © Bungert & Dolfen
Stuttgart
Fotosommer Stuttgart
Unordnung
17.07.–26.07.2026
Der Fotosommer Stuttgart eröffnet am Abend
des 17.07.2026 in der Staatsgalerie Stuttgart /
THE GÄLLERY mit der Ausstellung »UNORD-
NUNG«.
Unordnung ist das Thema des vom 17.07.-
26.07 2026 stattfindenden Fotofestivals.
Mit Unordnung bezeichnen wir einen Zustand,
in dem uns die Übersicht fehlt und wir
uns neu orientieren müssen. Wenn eine bestehende
Ordnung ihre Gültigkeit verliert, bedeutet
dies also nicht nur einen Verlust, sondern
zugleich einen Gewinn unerwarteter Perspektiven.
Die aus über 300 Einsendungen jurierte
Ausstellung in THE GÄLLERY in der Staatsgalerie,
die den prominenten und über die Kernzeit
des Festivals hinausgehenden Mittelpunkt
des weitverzweigten Fotosommer-Programms
darstellt (s. rechts), präsentiert Werke von 23
Künstlerinnen und Künstlern, die verschiedenste
Dimensionen des Themas fotografisch
erkunden. Dabei wird deutlich, dass Unordnung
nicht durchweg als sichtbares Phänomen
auftritt, sondern sich bisweilen auch unter einer
streng geordneten Oberfläche verbirgt. Fotografie
kann beides: Zustände offenkundiger
Unordnung ins Bild bannen und unterschwellige
Formen von Unordnung spürbar machen.
Eine tragende Rolle beim Fotosommer spielen
über all die Jahre nicht nur öffentliche Institutionen
wie die Staatsgalerie, sondern auch
Vulvodynie © Celia Joy Homann
Hochschulen, Werkstätten und private Galerien,
die am Fotosommer teilnehmen und
zeitgleich Positionen ihrer Künstlerinnen und
Künstler zum Thema Unordnung präsentieren.
Mit über 30 Ausstellungen im Stadtgebiet zum
Thema erwartet Sie vom 17.07. bis 26.07.2026
ein spannender Rundgang zu verschiedenen
fotografischen Positionen.
Kurator: Bertram Kaschek
www.fotosommer-stuttgart.de
Wolfgang Zurborn, Crowds © Wolfgang Zurborn
Valerie Schmidt, Bild aus der Serie »Claus stolpert«, 2018,
© Valerie Schmidt
»UNORDNUNG«
FOTOSOMMER STUTTGART 2026
18.07.–13.09.2026
THE GÄLLERY – Raum für Fotografie
siehe links
Concerto for TV Cello (Nam June Paik 1971), performed von Charlotte
Moorman am 6.7.1974 in Köln, fotografiert von Hanns Sohm,
Staatsgalerie Stuttgart, Archiv Sohm
„BÄNG! RADIKALE KÜNSTLERINNEN
AUS DEM ARCHIV SOHM“
10.10.2026–31.01.2027
Der Ausstellungsparcours präsentiert die Kunst
des Flüchtigen: Fotografien zu Happenings und
Aktionen der 1960er- und 1970er-Jahre. Dabei
stehen fünf Ausnahmekünstlerinnen im Fokus
– Charlotte Moorman (1933-1991), Carolee
Schneemann (1939-2019), Yvonne Rainer (geb.
1934), Yoko Ono (geb. 1933) und Valie Export
(geb. 1940). Furchtlos, mutig, kompromisslos
und inspirierend zeigen sich die Künstlerinnen.
Indem sie grundlegende Themen wie Emanzipation,
Friede, Freiheit und Selbstbestimmung
in ihren Werken verarbeiten, setzen sie aufsehenerregende
Akzente für die performative
Kunst der Moderne.
Kuratorin: Elke Allgaier
THE GÄLLERY – Raum für Fotografie
Philippe Halsman, Dalí Atomicus, ca. 1948, Staatsgalerie Stuttgart,
Graphische Sammlung, erworben 2025 aus Mitteln der Museumsstiftung
Baden-Württemberg, Sammlung Dietmar Siegert, © Philippe
Halsman Estate 2026, Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador
Dalí / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
„ALLES SURREAL?!“
04.12.2026–11.04.2027
1924 legt André Breton in Paris mit
dem Manifest des Surrealismus den programmatischen
Grundstein für eine der
wohl berühmtesten und folgenreichsten
künstlerischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts.
Ausgehend von der Literatur erfassen
surrealistische Tendenzen ab Mitte
der 1920er-Jahre auch Malerei und Bildhauerei
und bewirken überdies eine neuartige
Ästhetik in den noch jungen Medien
Film und Fotografie. Fotografen wie Brassaï,
Man Ray, Georges Hugnet oder Hans Bellmer
spielen in ihren Aufnahmen mit dem
Grat zwischen Fiktion und Realität und
hinterfragen tradierte Narrative. Mittels
ungewöhnlicher Perspektiven, Fotomontagen
und Collagen loten die surrealistischen
Fotografinnen und Fotografen die Grenzen
des Mediums aus und heben bisherige Sehgewohnheiten
aus den Angeln. Schockiert
von der Sinnlosigkeit des Ersten Weltkriegs
und beeinflusst von den Thesen Sigmund
Freuds übersteigen ihre Werke zunehmend
radikal die Ebenen von Vernunft und Verstand
und lassen das Assoziative und
Traumhafte in den Vordergrund treten. Im
Mittelpunkt steht dabei immer wieder auch
der menschliche Körper, der seziert und
verfremdet wird, um einer vermeintlichen
Wirklichkeit näher zu kommen. Mit ihren
inszenierten Realitäten wagen die surrealistischen
Künstlerinnen und Künstler
einen Gegenentwurf zum Weltbild der
bürgerlichen Gesellschaft mitsamt ihren als
verlogen empfundenen Moralvorstellungen
und leisten so einen wesentlichen Beitrag
zur Kunst der Moderne.
Die Ausstellung „Alles surreal?!“ in der Staatsgalerie
Stuttgart zeichnet anhand von rund
250 Originalabzügen aus der Sammlung Dietmar
Siegert die verschiedenen Gebrauchsweisen
des Mediums Fotografie im Surrealismus
in Frankreich, Belgien und Deutschland im
Zeitraum von etwa 1925 bis 1945 nach. Die
Präsentation erfolgt im Dialog mit ca. 30-40
Gemälden, Grafiken Skulpturen und Objekten
von Salvador Dalí, Joan Miró, René Magritte,
Marcel Duchamp, Max Ernst, Pablo
Picasso aus der Sammlung der Staatsgalerie,
ergänzt um ausgewählte Leihgaben aus internationalen
Museen und Privatsammlungen.
Unterstützt wird das Projekt u.a. durch die
Sammlung Klewan in München, die bereits
eine flexible Auswahl aus ihrem umfangreichen
Surrealismus-Bestand zugesichert hat,
zu dem zentrale Arbeiten von André Masson,
Max Ernst, Salvador Dalí u.v.a. gehören.
Kuratoren-Team: Jens Ullner, Dr. Ulrich Pohlmann,
Katharina Massing
www.staatsgalerie.de
44 | Vevey
LOUISE | arttourist.com | 2026
Imilla, Deysi #2 © Luisa Dörr
Vevey (CH)
Biennale
Images
Vevey
05.–27.09.2026
Vom 5. bis 27. September 2026 feiert die Biennale Images Vevey
ihre 10. Ausgabe unter dem Motto „We are family!“. Diese
Jubiläumsausgabe ist dem Wiedersehen, dem Austausch und
dem gemeinsamen Feiern gewidmet und präsentiert rund 50
Künstlerinnen und Künstler aus etwa 15 Ländern.
Queen of Fucking Everything © Erika Stucky
„Eine Stadt, die sich in eine Kunstgalerie
verwandelt.“ – The New York Times
Seit 2008 verwandelt Images Vevey die Stadt alle zwei Jahre im
September in ein weitläufiges Freilichtmuseum. Die Schweizer
Biennale für visuelle Künste hat durch ihre monumentalen Installationen
im Innen- und Außenbereich, die stets im Dialog mit
ihrer Umgebung stehen, internationale Bekanntheit erlangt.
Ob in Vevey, am Times Square, in Japan oder auf Sizilien – jedes
Projekt von Images Vevey wird in enger Zusammenarbeit
mit den Kunstschaffenden entwickelt und ist ortsspezifisch zugeschnitten.
Von Fotografien im Genfersee bis hin zu Ausstellungen
auf Hausdächern oder internationalen Großprojekten:
Jeder Beitrag lässt die Grenzen zwischen Fotografie und zeitgenössischer
Kunst sowie zwischen künstlerischem Anspruch und
öffentlicher Zugänglichkeit verschwimmen.
Durch das Zusammenspiel international renommierter Größen
und aufstrebender Talente, die Neuinterpretation ikonischer
Werke und die Förderung neuer Produktionen hat sich Images
Vevey als „eines der weltweit führenden Festivals für visuelle
Künste“ (Le Monde) etabliert.
Untitled, 1995, from the series ‘Ray’s a Laugh’ © Richard Billingham, courtesy Anthony Wilkinson Gallery | © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026
2026: EINE JUBILÄUMSAUSGABE,
EIN SYMBOLISCHES JAHR
Die 10. Ausgabe der Biennale Images Vevey würdigt zusätzlich
drei weitere bedeutende Meilensteine:
200 Jahre Fotografie: Anlässlich des zweihundertjährigen Bestehens
der Fotografie schließt sich Images Vevey dem Programm
des französischen Kulturministeriums an. Im Mittelpunkt steht
der britische Künstler Richard Billingham mit einer Ausstellung,
die eigens zum 30-jährigen Jubiläum seiner ikonischen
Serie Ray’s a Laugh konzipiert wurde.
15 Jahre Inside Out: Nach 590.374 Porträts in 154 Ländern hat
der Künstler JR die Biennale Images Vevey ausgewählt, um das
15-jährige Bestehen seines weltweiten Projekts Inside Out zu feiern.
Einer der ersten großen Meilensteine dieses Projekts fand
bereits 2012 in Vevey statt.
60 Jahre Montreux Jazz Festival: Als Hommage an den „großen
musikalischen Nachbarn“ zeigt eine Außeninstallation Porträts
internationaler Stars wie Grace Jones, Lionel Richie, Janelle Monáe
und Sting, fotografiert von Anoush Abrar.
www.images.ch
Nights With You, de la série Le Meilleur Ami du Chien © Mazaccio & Drowilal, 2013
Abdulhamid Kircher, To Be Held By The Earth_9
LOUISE | arttourist.com | 2026 Vevey | 45
Wir sprachen mit Stefano Stoll
Warum ist Vevey die perfekte Stadt
für Fotografie und ein internationales
Fotofestival?
Stefano Stoll: Vevey vereint ziemlich
einzigartige Voraussetzungen. Es ist eine
Stadt, die tief mit dem Bild verbunden
ist: Eine der ältesten Fotoschulen Europas
wurde hier während des Zweiten
Weltkriegs gegründet, das Schweizer Kameramuseum
befindet sich hier, und die
Stadt ist auch mit der Figur von Charlie
Chaplin verbunden, der mehr als fünfundzwanzig
Jahre hier lebte – eine Präsenz,
die heute durch das ihm gewidmete
Museum fortgeführt wird.
Seit den 1990er-Jahren hat sich die
Stadt Vevey zudem mit dem Label des
Stadtmarketings „Vevey ville d’images“
positioniert. Ein visionärer Ansatz, der
die Grundlage für das Projekt Images
Vevey gelegt hat, das diese Absicht konkretisiert.
Über diese Geschichte hinaus ist Vevey
vor allem ein Experimentierfeld.
Die Stadt bietet eine große Vielfalt an
Kontexten – Uferpromenaden, Fassaden,
Gärten, Industriebrachen, Keller,
Dächer, See –, die es ermöglichen, Ausstellungen
anders zu denken. Bei Images
Vevey ist die Stadt keine Kulisse – sie ist
Teil der visuellen Erfahrung.
Wie ich oft betont habe, hat Kunst das
Potenzial, eine Stadt, ihre Architektur
und ihre Geschichte zu verwandeln; und
umgekehrt kann ein Werk im Licht seines
Präsentationskontexts eine neue Interpretation
finden. Genau das geschieht
hier bei der Kuratierung der Projekte von
Images Vevey.
Wann und wie begann das Images
Vevey, das in diesem Jahr 10 Jahre
feiert?
Stefano Stoll: Images Vevey entstand
2008 mit der Idee, die Stadt zu einem
Labor zu machen, um neue Arten der
Präsentation von Fotografie zu erproben.
Das Projekt ging von einer einfachen
Feststellung aus: Die Fotografie entwickelt
sich schnell, aber ihre Ausstellungsformen
bleiben oft sehr konventionell.
Es geht also darum, die frontale
Beziehung zwischen Betrachter und Bild
zu überwinden, um echte visuelle und
physische Erfahrungen zu schaffen.
Die Formel, die das Programm seit Beginn
leitet, lässt sich so zusammenfassen:
ein Künstler, eine Serie, ein Ort, eine
Präsentationsform … eine Geschichte.
Dieser erfahrungsbasierte Ansatz steht
seit der ersten Ausgabe im Zentrum des
Projekts und ist zum Markenzeichen
von Images Vevey geworden.
Die diesjährige Biennial of visual
arts Vevey steht unter dem Thema
„Family!“. Welche Gedanken verbergen
sich dahinter, und wie muss
man sich den Prozess von Themenfestlegung
und Auswahl der Künstler:innen
vorstellen?
Stefano Stoll: Die Familie wird hier als
offenes Thema verstanden, das über die
biologische Bedeutung hinausgeht und
Familie als affektiven, sozialen oder
politischen Begriff behandelt.
Was mich an einem Thema interessiert,
ist, dass es multiple Lesarten ermöglicht.
Familie berührt Fragen der
Abstammung, der Weitergabe, des Gedächtnisses,
der Geburt, der Trauer, aber
auch Formen der Zugehörigkeit oder Solidarität.
Für diese 10. Ausgabe verweist dieses
Thema auch auf die Geschichte von
Images Vevey, auf all die Menschen –
Künstler, Publikum, Partner –, die seit
den Anfängen zum Projekt beigetragen
haben. In der kuratorischen Arbeit geht
es immer darum, Künstler auszuwählen,
deren Werke eine persönliche Sicht
auf das Thema bieten, anstatt es einfach
zu illustrieren.
Wie finden Sie die immer neuen
Ausstellungsorte, die den besonderen
Reiz des Images Vevey ausmachen?
Stefano Stoll: Die Wahl der Orte ist
das Ergebnis einer ständigen Suche. Bei
Images Vevey ist die Übereinstimmung
zwischen einem Werk und einem Ort
das, was ich oft als den entscheidenden
Stefano Stoll © Julien Gremaud
Faktor bezeichnet habe. Entscheidend
ist die narrative Beziehung, die sich zwischen
einem Werk und einem urbanen
Kontext herstellen lässt.
Der Kontext inspiriert. Er verändert
manchmal die Bedeutung eines Bildes.
Das bedeutet auch, mit zahlreichen
Parametern umzugehen: architektonische
Einschränkungen, Verfügbarkeit
der Orte, technische Bedingungen, Wetter
oder regulatorische Unwägbarkeiten.
Die Programmgestaltung im öffentlichen
Raum entsteht unter dem Einfluss
vieler externer Faktoren, darunter die
Transformationen der Stadt oder die Dynamiken
des Immobilienmarktes. Doch
diese Einschränkungen tragen oft auch
zur Kreativität bei.
Wer entscheidet, wer wo gezeigt
wird? Entscheiden die Künstler:innen,
Kurator:innen oder die Oragnisator:innen,
wer welchen Ort bespielt?
Stefano Stoll: Es ist immer ein Dialog.
Das Programm entsteht aus dieser Beziehung
zwischen einem Werk, seiner
Präsentationsform und dem gewählten
Ort. Das erfordert eine enge Zusammenarbeit
mit den Künstlern, oft rund um
maßgeschneiderte Inszenierungen.
Viele Projekte werden als Prototypen
entwickelt, gemeinsam mit den Künstlern
oder Partnern erarbeitet und dann
an einen spezifischen Ort angepasst.
Dieser Prozess ist bei Images Vevey sehr
wichtig und kann sich über mehr als
zwölf Monate erstrecken. Er ermöglicht
es, diese Begegnung zu gestalten und das
künstlerische Anliegen aus einem neuen
Blickwinkel hervorzuheben.
In Vevey wird Fotografie museal
wie auch im Freien gezeigt. Was
ist der besondere Reiz und die Wirkung
von Fotografie im öffentlichen
Raum, und was muss dabei beachtet
werden?
Stefano Stoll: Der öffentliche Raum erlaubt
es dem Bild, seine gewohnten Rahmen
zu verlassen. Fotografie ist heute
eine universelle Sprache. Was mich interessiert,
ist die Art und Weise, wie der
Rezeptionskontext das Werk verändert –
und umgekehrt. Ein Bild an einer Fassade,
unter Wasser oder in einem Garten
wird nicht mehr auf die gleiche Weise
wahrgenommen.
Der öffentliche Raum ermöglicht auch
eine direktere Beziehung zu einem breiten
Publikum, das manchmal nicht vorgebildet
ist. Es ist eine andere Form der
Begegnung mit der Kunst und mit den
Geschichten der Künstler.
Das erfordert jedoch ein sehr gutes Verständnis
des künstlerischen Anliegens
und verlangt, Maßstab, Trägermaterial,
Umgebung und Rezeptionsbedingungen
sehr präzise zu durchdenken.
Wie kamen Sie zur Fotografie und
was begeistert Sie am Medium Fotografie?
Stefano Stoll: Als Mitbegründer und
Co-Direktor der Bieler Fototage wurde
mir bewusst, dass Fotografie ein viel
größeres Potenzial hat, als nur an den
Wänden von Galerien und Museen gezeigt
zu werden.
Meine Tätigkeit im künstlerischen Leitungsteam
der Schweizerischen Landesausstellung
Expo.02 im Jahr 2002 hat
mir gezeigt, dass es atypische und groß
angelegte Formen gibt, Begegnungen
zwischen Kunst und einem breiten Publikum
zu gestalten.
Was muss eine Fotografie mit Ihnen
machen, in Ihnen bewegen, damit
sie in Ihren Fokus kommt, Sie diese
ausstellen?
Stefano Stoll: Eine gute fotografische
Serie ist eine Serie, die eine Geschichte
erzählt – zugleich intim und universell
–, auf sehr direkte und unverstellte
Weise. Ich bevorzuge narrative fotografische
Ansätze gegenüber der dokumentarischen
Fotografie, die dieses
Medium seit seinen Anfängen geprägt
hat.
Was sind die Highlights der diesjährigen
10. Biennale Images Vevey?
Stefano Stoll: Diese Ausgabe ist zunächst
durch ihr Thema „We are family!“
und ihren Jubiläumscharakter
geprägt. Nach einer Befragung unseres
Publikums werden wir einige der Künstlerinnen
und Künstler zurückbringen,
die besonders in Erinnerung geblieben
sind.
Diese 10. Ausgabe vereint somit historische
Künstler und neue Stimmen, mit
mehreren bedeutenden Rückkehrern. Sie
tritt auch in Dialog mit anderen symbolischen
Jubiläen: 200 Jahre Fotografie,
15 Jahre des Projekts Inside Out von
JR, 60 Jahre des Montreux Jazz Festivals
(unser „großer Bruder“) – in einer Logik
von Resonanzen statt bloßer Gedenkfeiern.
Und wie immer besteht die Herausforderung
darin, Installationen vorzuschlagen,
die speziell für Vevey konzipiert
sind und daher nur hier zu sehen sind.
Die Zukunft von Images Vevey?
Welche Ideen, Projekte und Visionen
sind von Stefano Stoll noch unrealisiert?
Stefano Stoll: Ich wünsche mir, dass
Images Vevey sich weiterhin durch
Begegnungen mit Künstlern aus der
ganzen Welt und ihren verrücktesten,
außergewöhnlichsten und unkonventionellsten
Projekten entwickelt.
Wir möchten Künstler aus ihrer Komfortzone
herausholen, damit Images Vevey
als Labor für diese Künstler dienen
kann und auch in Zukunft Ausdrucksformen
erfindet, die man in Museen und
anderen Fotofestivals weltweit nicht finden
kann.
Die Zukunft von Images Vevey besteht
darin, weiterhin zu inspirieren.
Das Gespräch führte Kai Geiger
STEFANO STOLL
Stefano Stoll (geboren 1974 in
Zürich, Schweiz) ist der Gründer, Direktor
und Chefkurator von Images
Vevey in der Schweiz. Diese dynamische
Marke umfasst vier Hauptaktivitäten:
eine Biennale, einen
Förderpreis, einen permanenten
Ausstellungsraum und einen Verlag.
Seit 2008 hat Stefano Stoll monumentale
Außeninstallationen zum
Markenzeichen der Biennale für
visuelle Künste gemacht. Alle zwei
Jahre präsentiert Images Vevey ortsspezifische
fotografische Installationen
im Freien und in Innenräumen –
in den Straßen und Parks von Vevey,
an Gebäudefassaden, in Museen
und Galerien und sogar im Genfersee.
Er hat mit Künstlern wie Cindy
Sherman, Dayanita Singh, Christian
Marclay, Hans-Peter Feldmann, Paul
Fusco, René Burri, Lee Friedlander,
Ryōji Ikeda, Alex Prager, JR, Erwin
Wurm, Lebohang Kganye, Daidō
Moriyama, Christian Boltanski, Martin
Parr, Bettina Rheims, Alec Soth,
Thomas Struth, Bertien van Manen,
Carmen Winant und Gillian Wearing
zusammengearbeitet.
Neben der Leitung des Grand Prix
Images Vevey, einem der traditionsreichsten
europäischen Stipendien
für fotografisches Schaffen, gründete
und kuratiert er einen permanenten
Off-Space für zeitgenössische
Fotografie (L’Appartement – Espace
Images Vevey). Derzeit baut er den
hauseigenen Verlag von Images Vevey
weiter aus, der sich innovativen
redaktionellen Projekten widmet,
insbesondere durch die Schaffung
des Images Vevey Book Award.
Mehrere Bücher der Editions Images
Vevey standen auf der Shortlist der
renommierten Paris Photo-Aperture
Foundation Awards, von denen
eines als „Best PhotoBook of the
Year 2020“ ausgezeichnet wurde.
Rineke Dijkstra, Almerisa series, 1994 – today
Er ist Mitglied der AICA (Internationaler
Kunstkritikerverband)
und schreibt über Kulturpolitik,
Bildende Kunst und Fotografie.
2019 veröffentlichte er The Book of
Images (Koenig Books London), ein
Lexikon visueller Erfahrungen, das
die 299 Künstler aus 39 Ländern
vorstellt, die zwischen 2008 und
2018 an den Projekten von Images
Vevey teilgenommen haben.
46 | Videokunst
LOUISE | arttourist.com | 2026
Videokunst
Videokunst ist eine der wandlungsfähigsten Ausdrucksformen der Gegenwartskunst – ein Medium, das sich bewusst
zwischen den klassischen Kategorien bewegt. Seit ihren Anfängen in den 1960er-Jahren, als tragbare Kameras erstmals
künstlerisch eingesetzt wurden, hat sich Videokunst kontinuierlich weiterentwickelt und dabei immer wieder neue
technische Möglichkeiten aufgenommen. Doch trotz aller Innovationen bleibt ihr Kern derselbe: die Untersuchung
von Zeit, Wahrnehmung und Realität durch bewegte Bilder.
Im Gegensatz zum Film, der meist narrativen Strukturen folgt, entzieht sich Videokunst oft bewusst einer linearen
Erzählweise. Sie arbeitet mit Fragmenten, Wiederholungen, Verlangsamungen oder Überlagerungen und fordert das
Publikum dazu auf, Seherfahrungen neu zu denken. Dabei kann sie gleichermaßen intim wie monumental wirken –
vom kleinen Bildschirm in einer dunklen Ecke bis hin zu raumfüllenden Installationen.
Ein wesentliches Merkmal der Videokunst ist ihre Offenheit. Sie verbindet Elemente aus Performance, Musik, Skulptur
und digitaler Technologie und überschreitet dabei konsequent mediale Grenzen. Gerade im Zeitalter von Streaming,
sozialen Medien und allgegenwärtigen Bildschirmen gewinnt sie neue Relevanz: Videokunst reflektiert nicht nur die
Bilderflut unserer Zeit, sondern hinterfragt auch deren Wirkung auf unsere Wahrnehmung und unser Verständnis
von Wirklichkeit. So ist Videokunst heute weniger ein klar umrissenes Genre als vielmehr ein dynamisches Feld – ein
Experimentierraum, in dem Künstlerinnen und Künstler die Sprache der Bilder immer wieder neu erfinden.
Sie sind Kurator, Verleger, Dozent
im „Dienst“ und der Leidenschaft
für zeitbasierte Medienkunst erlegen.
Welcher Kunstfilm, welches
Video war der Türöffner für diese
Leidenschaft?
Olaf Stüber: Das war wohl 2003
Corinna Schnitt in der ersten reinen
Videokunst-Ausstellung in meiner damaligen
Galerie. Es war nicht nur ein
einzelner Film, der eine Tür öffnete,
sondern gleich eine kleine Werkgruppe:
„Schönen, guten Tag“, 1995, „Zwischen
vier und sechs“, 1997 „Raus
aus seinen Kleidern“, 1999 und „Das
schlafende Mädchen“, 2001. In ihren
Arbeiten, meist auf 16mm gedreht, ver
wandelte Corinna Schnitt dokumentarische
Fundstücke in herrlich absurde
Geschichten des kleinbürgerlichen Alltags.
Mit messerscharfem, augenzwinkerndem
Humor sezierte sie in diesen
Filmen Sprache, Gewohnheiten und
Floskeln, bis sich die Grenze zwischen
banaler Realität und komischer Groteske
vollends verwischte. Die Ausstellung
war mehr als ein Türöffner für meine
Leidenschaft. Sie war ein Türöffner in
einen ganz neuen Diskurs: über Medien,
die Präsentation von Medien und
Communitybuilding. Das erste Mal seit
der Eröffnung meiner Galerie tauschten
sich die Besucher über das Gesehene
aus. Auf einmal schienen alle Freude
daran zu haben, an der Eröffnung teilzunehmen
und am Galerienprogramm
partizipieren zu können.
Wie hat sich der Stellenwert von
Videokunst im musealen Kontext
von den Anfängen bis heute verändert?
Olaf Stüber: Nicht sehr viel. Künstlerfilm
und -video oder vielleicht auch
„zeitbasierte Medien“ fristen bis heute
ein Nischendasein. Der Art Basel/UBS-
Report 2025 zeigt – wie seit vielen Jahren
–, dass für diese Kunstform lediglich
0,7 bis 1% des gesamten globalen
bewegten Geldes ausgegeben wird – von
privaten und institutionellen Sammlungen
zusammen. Noch immer besteht
eine krasse Diskrepanz zwischen
der Bedeutung der Kunstform, die ja
gerne und viel gezeigt wird, und den
VAM © Knut Klaßen
Wir sprachen mit Olaf Stüber, Veranstalter
der Reihe „Videoart at Midnight“ in Berlin
Douglas Gordon + Olaf Stüber
© Jan Nicolas Harting
tatsächlichen Ankäufen. Viele relevante
Beiträge werden, wenn sie nicht über
den Umweg der privaten Sammlungsschenkungen
oder Künstlernachlässe
ihren Weg in Museumssammlungen
finden, der Nachwelt verloren gehen.
Es gibt einige beachtliche Videokunstsammlungen
in namhaften
Museen wie dem MoMA New York,
dem ZKM in Karlsruhe, dem Folkwang
Museum in Essen oder dem
Kunsthaus Zürich. Diese sind aber
mehrheitlich unter Verschluss und
werden nur temporär gezeigt. Was
passiert mit und in den Sammlungen
und wer nutzt sie wie?
Olaf Stüber: Gute Frage. Ich glaube,
dass die großen Museen erhebliche
Anstrengungen unternehmen, frühe
Videoarbeiten zu restaurieren und zu
digitalisieren. Da gibt es aber neben
den restauratorischen Fragen auch
immer rechtliche. Oftmals wurde beispielsweise
lediglich ein O-Matic-Band
gekauft, ohne Zertifikat, ohne andere
Belege. Die nachträgliche Beschaffung
der notwendigen Rechte kann sich als
sehr kompliziert erweisen.
Das digitale Zugänglichmachen
von Museumssammlungen gestaltet
sich auch aus den genannten rechtlichen
Fragestellungen – ob für das
Onlinestreamen oder für digitale
Sichtungsplätze in den Museen – als
eher schwierig. Viele Künstler wollen
schlicht den Online-Zugang zu ihren
Arbeiten nicht.
War und ist dies ein fließender
Übergang oder gibt es einen klaren
Schnitt zwischen der Videokunst
eines Nam June Paik, Marcel
Odenbach, Ulrike Rosenbach
und Künstler:innen von heute, die
sich in digitalisierten Welten und
immersiven Umgebungen bewegen
und ein hybrides Zusammenspiel
von Kunst, Wissenschaft und
Technologien kreieren?
Olaf Stüber: Ich bin kein Kunsthistoriker,
aber soweit ich das beobachte,
ist der Übergang fließend. Was früher
die tragbare Sony-Portapak-Videokamera
war, ist heute das iPhone mit
4k-Auflösung und Raw-Aufnahme.
Videokünstler haben immer die neueste
Technik verwendet. Was früher
Türme mit Monitoren waren, sind
heute raumgreifende Installationen,
projiziert oder mit großformatigen
LED-Wänden.
Vielleicht lässt sich ein Schnitt
2021/2022 machen, als das Thema
NFT und generative Kunst aufkam,
also die Bildgestaltung nicht mehr per
Kamera, sondern am Computer stattfand
und sich die Marktbedingungen
und -strukturen für diese neuen Medien
komplett änderten.
Sie haben von 2001 bis 2011 die
Galerie Olaf Stüber betrieben. Wer
sammelt Videokunst und wie bemisst
sich der Preis und der Wert
des Mediums?
Olaf Stüber: Videokunst sammeln
sowohl private als auch institutionelle
Sammlungen. Lange nicht genug,
wie oben schon erwähnt. Die Frage
zielt wohl auf die privaten Sammler
ab? Es sind nicht nur junge Sammler,
wie man vielleicht denken könnte. Ich
würde fast sagen, es sind eher die „fortgeschrittenen“
Sammler, die mit dem
Ankauf anderer Medien Erfahrung gesammelt
haben und sich dann in den
Bereich Videokunst vorwagen. Also die
Sammler, die nicht mehr für die Wand
im Wohnzimmer kaufen, sondern weil
sie die Kunst einfach besitzen wollen
oder erkannt haben, dass ein Werk eine
Bedeutung hat, auch wenn es dann in
der Schublade oder auf einem Server
gespeichert wird und nicht mehr sichtbar
ist. Die wenigsten sammeln aus
Prestigegründen. Und Spekulation erlaubt
sich ohnehin nicht, da es kein Sekundärmarkt
für Videokunst gibt. Ich
glaube, dass viele Videokunstsammler
tatsächlich kaufen, weil sie dabei sein
und unterstützen wollen: die Künstler,
die Galerie. Immer wieder sehe ich Beispiele,
wo aus Käufern Produzenten
werden, also Sich-am-Entstehungsprozess-Beteiligende.
Die Preisgestaltung setzt sich wie bei
anderen Medien aus verschiedenen
Faktoren zusammen: den Produktionskosten,
dem Renommee des Künstlers,
dem Renommee der Galerie, dem
Renommee des Marktplatzes usw. Und
am Ende ist es vielleicht auch eine Behauptung,
die dann aber von Marktteilnehmern
durch den tatsächlichen
Kauf bestätigt werden muss.
Wie wichtig sind Portale wie IMAI
PLAY oder ihre eigene Edition „Videoart
at Midnight“ für den Erhalt
von Videokunst? Was wird
dort angeboten und von wem wird
es genutzt?
Olaf Stüber: Beides hat seine Berechtigung
auf unterschiedliche Weise.
IMAI hat eine sehr starke Position in
der Erhaltung von Werken, insbesondere
auch von früher Videokunst, und
darin, diese auch online zugänglich zu
Pauline Boudry + Renate Lorenz-02
machen. Wer das Angebot von IMAI
nutzt, entzieht sich meiner Kenntnis,
ich vermute eher Forschende. Die „Videoart
at Midnight“-Edition geht einen
anderen Weg. Die einzelnen Werke
werden auf dem Kunstmarkt angeboten.
Allerdings nicht in einer üblichen
Auflage von 3, 5 oder 7 Kopien, sondern
in einer Auflage von 40. Dadurch
ist es uns möglich, die Editionen zu einem
sehr günstigen Preis anzubieten.
Es ist weniger ein profitorientiertes als
ein demokratisches Modell, das die Erhaltung
der Werke auf mehrere Schultern,
sprich Sammlungen, verteilt. Die
„Videoart at Midnight“-Edition zielt
auf eine breitere Sichtbarkeit, die Bildung
einer Gemeinschaft um „Videoart
at Midnight“ herum ab. Damit
versuchen wir dem Medium eher gerecht
zu werden als die sonst auf dem
Kunstmarkt vorherrschende strenge
Limitierung.
Zusammen mit dem Berliner
Sammler Ivo Wessel gründeten Sie
die Reihe „Videoart at Midnight“.
Was verbirgt sich dahinter?
Olaf Stüber: Ivo Wessel war 2008 Mitgründer
von „Videoart at Midnight“. Er
war damals nicht nur ein eng mit der
Galerie verbundener Sammler, sondern
auch ein profunder Kenner der Berliner
OLAF STÜBER
Olaf Stüber ist ein Berliner Kurator,
Herausgeber und Referent mit
einem Schwerpunkt auf Künstlerfilm
und -video. Bereits mit seiner
Galerie (2001–2011) setzte er einen
Schwerpunkt auf das Bewegtbild
und war damit zu der Zeit einer der
wenigen Galeristen, die sich dieses
Mediums überhaupt annahmen.
Das wohl bekannteste Projekt
von Olaf Stüber ist „Videoart at
Midnight“, das er 2008 gemeinsam
mit einem befreundeten Sammler
ins Leben rief: Die monatlich stattfindende
Veranstaltungs-Reihe im
Babylon Kino in Berlin-Mitte lädt
Künstler:innen ein, ihre Werke auf
der großen Leinwand zu zeigen. Sie
eröffnet damit einen Einblick in die
aktuelle Videokunstproduktion der
internationalen Berliner Kunstszene
und bietet sowohl namhaften wie
auch aufstrebenden vielversprechenden
Künstlern ein einzigartiges
Forum.
Darüber hinaus ist Olaf Stüber
Herausgeber einer Videokunstedition.
Er hält regelmäßig Vorträge
und Workshops insbesondere
über Künstlerfilm und -video im
Netzwerk des Kunstmarktes, wie
beispielsweise im Bildungswerk des
Berufsverbands Bildender Künstler
sowie international an Hochschulen.
Er kuratiert regelmäßig Programme
und Ausstellungen für Institutionen
wie dem Goethe-Institut, für Messen
und Festivals und war Mitglied in
einer Vielzahl von Festival-Jurys.
Olaf Stüber lebt und arbeitet in
Berlin. Er ist Mitglied im IKT International
Association of Curators of
Contemporary Art.
LOUISE | arttourist.com | 2026 Videokunst | 47
Videokunst Tipps
audience © Thierry Geoffroy
Kunstszene. Aus den Erfahrungen, die
ich mit der Galerie insbesondere auf
Messen gemacht habe, wollten wir
einen „Safe Space“ für Künstler, die
mit Film und Video arbeiten, anbieten.
Das Konzept war von Anfang an sehr
einfach: einmal im Monat, immer an
einem Freitag um Mitternacht, wollten
wir einen Künstler/eine Künstlerin einladen,
ihre Werke auf der großen Leinwand
eines Kinos zu zeigen. In guter
Bildqualität und mit gutem Soundsystem.
Jeder Abend sollte einem Künstler/einer
Künstlerin gewidmet sein, sie
sollten anwesend sein und, so der Plan,
ihre Werke selbst dem Publikum vorstellen.
Um wirklich unabhängig zu sein,
wollten wir aus dem monetären System
aussteigen und ein Projekt starten,
das ohne Budget funktioniert. Bis
heute bekommen weder das Kino noch
die Künstler noch ich selbst Geld aus
diesem Projekt. Und da die Kosten bei
null sind, müssen wir auch keinen
Eintritt verlangen. Dieses finanzielle
Vakuum schafft eine einzigartige
Freiheit: Wir sind weit entfernt von
Marktinteressen oder auch politischen
Zwängen – in einem Raum (Kino) und
zu einer Zeit (Mitternacht), zu der Besucher
nur kommen, weil sie sich bewusst
dafür entscheiden, sich mit der
Kunst auseinanderzusetzen.
Ist die Veranstaltungsreihe Treffpunkt
einer eingeschworenen Fangemeinde
oder wie ist die Typologie
Ihres Publikums?
Olaf Stüber: Durch den Wegfall des
Ticketpreises haben wir den Besucher
vom Konsumenten zum Teilnehmenden
gemacht. Über die Jahre hat sich
„Videoart at Midnight“ zu einer Art
Kultveranstaltung entwickelt. Während
wir regelmäßig zwischen 120
und 150 Gäste begrüßen, füllen
Abende mit Künstlern wie Douglas
Gordon, Hito Steyerl oder Wolfgang
Tillmans das Kino mit seinen 500
Sitzen bis auf den letzten Platz. Es
gibt ein langjähriges Stammpublikum,
aber es kommen immer wieder
neue, oft junge Besucher. Insgesamt
ist unser Publikum international,
divers und unglaublich loyal. Das
beweist: Wenn man den kommerziellen
Druck rausnimmt, verliert man
nichts, sondern gewinnt einen lebendigen,
dynamischen Diskurs, der
weitaus widerstandsfähiger und authentischer
ist als viele kommerzielle
Strukturen. Dies hat dazu geführt,
dass ich 2011 meine Galerie schloss
und mehr und mehr Zeit und Energie
in „Videoart at Midnight“ gesetzt
habe.
Letztendlich geht es darum, die
Kunsterfahrung mit anderen zu teilen.
In einem kommerziellen Umfeld
wird Kunst oft als „privat asset“ betrachtet.
Bei Videoart at Midnight
bringen wir sie zurück in die „community“.
Es geht um den gemeinsamen
Moment des Sehens, die geteilte
Stille in der Dunkelheit und den anschließenden
Diskurs.
Das Gespräch führte Kai Geiger
Angelica Mesiti, The Rites of When © Tinguely Musuem
Basel (CH)
Angelica Mesiti – Reverb
bis 30.8.2026
In einer Zeit, die von digitaler Kommunikation geprägt ist,
richtet Reverb den Blick auf körperliche Formen menschlicher
Verständigung. Die Ausstellung versammelt fünf
Videoarbeiten der australischen Künstlerin Angelica Mesiti,
die unterschiedliche Disziplinen auf poetische Weise
miteinander verknüpft. Die Werke führen den Zauber des
Alltäglichen unmittelbar vor Augen und zeigen, wie kulturelle
Traditionen, Rituale, Musik und Klänge Identität
formen und Gemeinschaft stiften.
Angelica Mesiti (*1976), wohnhaft in Paris, arbeitet multidisziplinär
an der Schnittstelle von Performance, Sound
und Video. Ihre filmischen Arbeiten und raumgreifenden
Installationen machen performative Praktiken erlebbar:
Sound, Bewegung und Gestik dienen als nonverbale Kommunikationsformen
und erzeugen Resonanzen zwischen
Menschen, Orten und kulturellen Praktiken.
Museum Tinguely | www.tinguely.ch
Stephanie Comilang Lumapit Sa Akin Paraiso, Berlinische Galerie
Berlin
IBB-Videoraum Berlinische Galerie
Im IBB-Videoraum werden seit 2011 Künstler:innen
präsentiert, die mit zeitbasierten Medien arbeiten. Das
Programm umfasst nicht nur etablierte Namen der zeitgenössischen
Videokunst, sondern auch junge Positionen,
die bisher kaum in Museen zu sehen waren. Ihnen
soll in der Berlinischen Galerie ein erster institutioneller
Auftritt ermöglicht werden.
Jedes Screening erlaubt eine neue Auseinandersetzung
mit Werken, die mediale oder auch politische und soziale
Fragestellungen anstoßen. Besonderes Augenmerk
liegt dabei darauf, marginalisierten Perspektiven Raum
zu geben und Auswirkungen von Machtstrukturen
sichtbar zu machen.
Daniel Asadi Faezi & Mila Zhluktenko| 03.06.– 06.09.2026
Creamcake 3hd 2026 |ab September 2026
www.berlinischegalerie.de/ibb-videoraum/
Genf (CH)
Videosammlung des FMAC - Collection
d’art contemporain de la Ville de Genève
Die Videosammlung des FMAC besteht aus rund 1‘700
Werken. Sie zählt zu den bedeutendsten in Europa.
Sie beruht auf vier Ensembles, den jährlich vom FMAC
getätigten Videoankäufen, den Werken des Fonds André
Iten, die 2009 vom Centre pour l‘Image Contemporaine
(CIC) geerbt wurden und den wichtigsten Teil
dieser Sammlung bilden, dem Fonds Chazalon, der
auf und um das Werk von Chris Marker herum aufgebaut
wurde, dem Fonds Olesen-Minkoff, der die gesamte
Arbeit dieses Genfer Künstlerpaars umfasst, das
als Pioniere der Videokunst gelten kann. Die Videosammlung
des FMAC besteht aus rund 1‘700 Werken.
Sie zählt zu den bedeutendsten in Europa.
www.fmac-geneve.ch
Stiftung IMAI
Die Stiftung IMAI widmet sich der Archivierung, Distribution,
Erhaltung und Vermittlung von Videokunst. Das
Archiv umfasst rund 3.000 künstlerisch und dokumentarisch
wertvolle Werke, die einen weitgefassten Überblick
über die Entwicklung der Videokunst geben: von ihrer
Pionierzeit in den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Das
Online-Videoarchiv umfasst annähernd 1.100 Videos,
die in voller Länge abgespielt werden können. Es stellt ein
fundiertes Informations- und Rechercheinstrument über
die Entwicklung der Videokunst von den 1960er Jahren
bis heute dar und bietet Wissenschaftler*innen, Studierenden
und allen Interessierten einen beachtlichen Fundus
an kunsthistorisch bedeutsamen audiovisuellen Kunstwerken
und Dokumentationen.
www.stiftung-imai.de
www.stiftung-imai.de/video/katalog
David Hall, TV Interruptions (7 TV Pieces), 1971 © David Hall
Karlsruhe
Medialounge des ZKM Karslruhe
Die Medialounge ist ein sogenannter »third place«,
d.h. ein Ort, der nicht das Zuhause oder der Arbeitsplatz
ist, sondern ein öffentlicher Raum, in dem man
sich ohne jede berufliche Verpflichtung oder Zwang,
etwas zu kaufen, aufhalten und austauschen kann. Die
Medialounge bietet ideale Bedingungen, um zu lesen,
gemeinsam zu lernen, zu diskutieren und die Videound
Audiosammlung des ZKM zu entdecken. Die Videosammlung
umfasst über 1.500 Werke, die Audiosammlung
über 9.000 Titel, darunter auch die Titel
des IDEAMA, des »Internationalen digitalen elektroakustischen
Musikarchivs«.
www.zkm.de/de/medialounge
2026 Videoart at Midnight meets Seoul
Installation view, GENERATION LOSS, JSF Düsseldorf, first floor. Photo ©Simon
Vogel, Cologne.
Düsseldorf
Julia Stoschek Foundation
Die Julia Stoschek Foundation ist eine 2017 gegründete
gemeinnützige Kunst- und Kulturstiftung, die sich der öffentlichen
Präsentation, Vermittlung, Förderung, Konservierung
und wissenschaftlichen Aufarbeitung zeitbasierter
Kunst widmet.
Mit über 1.000 Werken von mehr als 300 Künstler:innen
umfasst die 2002 gegründete JULIA STOSCHEK COL-
LECTION Video, Film, Mehrkanal-Videoinstallationen,
Multimedia-Environments, Performance-, Sound- und
Virtual-Reality-Arbeiten. Fotografie, Skulptur und Malerei
ergänzen den zeitbasierten Schwerpunkt.
www.jsfoundation.art
Csilla Könczei, Egy elvont ismeret – An Abstract Knowledge, 1993
© Csilla Könczei
Hidden on Tape. Frühe Videokunst in Europa
28.11.2026 – 30.05.2027
Die Ausstellung gibt anhand einer Auswahl von Arbeiten
aus mehr als 26 europäischen Ländern – wobei Europa
als eine geografische, kulturelle und soziopolitische Zuordnung
verstanden wird –, einen Überblick über die Entwicklungen
der Videokunst und ihre unterschiedlichen
Ausformungen in Europa – ausgehend vom Ende der
1950er- bis in die 1990er-Jahren.
www.zkm.de
48 | Discover
LOUISE | arttourist.com | 2026
Art is defiant
Katharina Sieverding, Stauffenberg-Block IX/1969, 1969/1996. © Katharina Sieverding, VG Bild-Kunst. Photography by © Klaus Mettig, VG Bild-Kunst. Courtesy of the artist and Galerie Thomas Schulte.
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June 18 - 21, 2026