14.02.2014 Vues

Numéro 6 (juin) - Differdange

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Die Escher Zeitung berichtet weiter:<br />

Auffinden der Schwerverletzten.<br />

Gegen halb zehn passierten zwei Dienstmädchen dasselbst;<br />

die eine, Frl. Wanz, sagte zu ihrer Begleiterin: Hörst du nicht<br />

ein Wimmern und Aechzen, was soll das sein? Man rief einen<br />

Arbeiter, welcher die Türe aufstiess und den Daliegenden für<br />

einen „Trunkenen“ ansah. Herr Polizeisekretär Noel ging in<br />

diesem Augenblicke vorbei, trat hinzu und erkannte den erschlagenen<br />

Strauss und dessen Ehefrau. Sofort eilten Nachbarn<br />

herbei und nun enthüllte sich die grausige Tat.<br />

Als man Strauss aufhob, wimmerte er noch röchelnd : „Lass<br />

mich doch gehen.“ Er war wohl im Glauben noch in den Händen<br />

seines Peinigers zu sein. Die bewusstlose Frau war während<br />

dieser Zeit nach der ersten Etage ins Bett gebracht worden<br />

.<br />

Die beiden Ärzte H. Dr Heß, wie H. Dr Pesch erschienen sofort,<br />

liessen den Verletzten die liebevollste Pflege zuteil. Bei<br />

Strauss war alle ärztliche Hilfe vergebens, derselbe verstarb<br />

am Dienstag Nacht um 2 Uhr morgens, ohne das Bewusstsein<br />

erlangt zu haben.<br />

Frau Strauss schien ausser Gefahr zu sein, fällt aber von einer<br />

Ohnmacht in die andere und kann sich auf nichts besinnen,<br />

welches den Hergang in etwa erläutern könnte.<br />

Nach der Tat<br />

Wie gesagt musste der Täter sogleich geflüchtet sein, ohne in<br />

der Eile Geld gefunden zu haben. Der ermordete Strauss hatte<br />

in seiner Tasche etwa 11 Mark. Auf dem Tische in der Küche<br />

lagen in einer Börse 3 Mark 50 Pfennige, welche wahrscheinlich<br />

die Frau, als sie von ihrem Manne gerufen wurde, dorten<br />

in der Eile liegen liess. Die 1.700 Mark waren kurz vorher<br />

durch Einlösen des Wechsels verausgabt. In der ersten Etage<br />

fanden sich noch unter weissem Linnen 50 Franken in französischem<br />

Gelde und 114 Mark in deutschem Gelde.<br />

Die Zeit des Mordes<br />

Etwas vor 8 Uhr abends war Madame Strauß zu Herrn Meintz<br />

hingegangen, um die beiden Wechsel einzulösen. Der Mord<br />

muß also zwischen 9 und halb 10 Uhr geschehen sein. Um<br />

viertel vor 10 wurden die beiden Verwundeten und Schwerverletzten<br />

aufgefunden.<br />

Die Mordwaffe<br />

Der etwa 70 cm lange, abgerundete, faustdicke Knüppel war<br />

in ein deutsches Zeitungsblatt die „Saarwacht“ mit Zwirn herum<br />

behutsam eingewickelt. Diese Zeitung hat wohl einige<br />

Abonnenten zu Oberkorn, welche aber gänzlich außer Frage<br />

kommen, da eine und dieselbe Nummer noch in deren Besitz<br />

ist und es überhaupt Leute sind, welche in dieser Beziehung<br />

einen tadellosen, ehrenhaften Ruf genießen.<br />

Die Person des Mörders<br />

Ueber die Person des Mörders gehen die Ansichten weit auseinander.<br />

Der Hauptzeuge ist durch seinen Tod stumm, die<br />

Frau Strauss weiss ebenso viel wie nichts. Sie kann sich an<br />

nichts erinnern. Man ist hier so gewohnt alles auf die Schultern<br />

der Italiener zu laden, so kam es auch, dass zwei verdächtige<br />

Personen dieser Nationalität arretiert wurden. Das<br />

Einwickelpapier, die vorgenannte „Saarwacht“ oder „Saarpost“<br />

könnte darauf hinlenken, dass ein Deutscher der Täter<br />

ist, es kann dieses jedoch gerade so gut ein Ablenkmanöver<br />

gewesen sein.<br />

Nächste Folge: „Verdächtige“<br />

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