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Inhaltsübersicht:

Aus der Redaktion

durchblick 1/ 2007 3

Seite

Aus der Redaktion 03

Entflammt für die Feuerwehr 04

Bi de Hollänner 07

Siebenbürgische Kirchenburgen 08

Achtzig ehrenamtliche Helfer im 3. Lebensalter 11

Wertebildung in der älteren Generation 12

Herr und Hund vor Gericht 13

Serviceseite 14

Steh auf! 15

Ein Ausschnitt anderen Lebens … 16

Marias Krimi 18

Älter werden in Siegen 20

„Wohnst du noch, oder …?“ 21

Die Burg auf dem Ginsberg 22

Einblick in den Integrationsrat 24

Wahlen zum Seniorenbeirat 2007 25

20 Jahre „durchblick“ 25

Wenn Rentner auf Reisen gehen 26

Gott nur ein Hirngespinst, der freie Wille eine Illusion? 28

Kein Licht in der Dunkelheit 34

Gedächtnistraining 37

Buchbesprechung 38

Pfingsten zu KulturPur 2007 38

Serviceseite 39

Diskriminierung blockiert 40

Leserbriefe / Maiengruß 41

Lösungen / Impressum 42

Zu guter Letzt 42

Zunehmend mehr ältere Menschen mit Migrationshintergrund leben unter uns. Viele der

früheren „Gastarbeiter“ sind nach einem arbeitsreichen Berufsleben als Rentnerinnen und

Rentner hiergeblieben. Der Integrationsrat der Stadt Siegen möchte deshalb in dieser Ausgabe

seine regionalen Aktivitäten für Seniorinnen und Senioren vorstellen. Angesichts der

wachsenden Zahl alter Menschen mit Migrationshintergrund, stellen wir (auch in künftigen

Ausgaben des durchblick) den erforderlichen Platz für Ankündigungen und Berichterstattungen

gerne zur Verfügung.

Große Resonanz erhielt die letzte Ausgabe des durchblick, die Geburtstagsausgabe. Unsere

Redakteure führten viele Gespräche, erhielten Anregungen und Kritik. Wir machen an

dieser Stelle erneut darauf aufmerksam, dass wir an den kommenden Samstagen unseren

Leserinnen und Lesern auf den Siegener Wochenmärkten wieder Rede und Antwort stehen

werden. Lassen Sie sich an unserem Stand auf einen Kaffee einladen. Lernen Sie dort

auch unsere neue Redakteurin und Mundart-Buchautorin Gerda Greis kennen. Nach wie

vor freuen wir uns aber auch über Leserbriefe. Teilen Sie uns mit, was Ihnen am durchblick

missfällt oder gefällt.

Im Juni stellten wir unsere Leserin Ingrid Seidel vor. Die Siegerländerin trainierte damals

für den New-York-Marathon. Der 5. November 2006 war der große Tag für sie. Die

62-Jährige kam im Mittelfeld der gesamten Frauenkonkurrenz ins Ziel. In der nächsten

Ausgabe wollen wir über ihre Erlebnisse berichten.

Ihnen nun viel Freude beim Lesen des neuen durchblick.


Porträt

Entflammt für die Feuerwehr

Als der Orkan Kyrill im Januar auch über dem Siegerland

wütete und Spuren der Verwüstung hinterließ, wurde

uns wieder einmal bewusst, was die Feuerwehr für uns bedeutet.

Ohne Feuerwehr geht gar nichts, wenn die Natur mit

Macht zuschlägt. Als sich die wilde Nacht in den Morgenstunden

des 19. Januar besänftigt hatte, waren bei der Hauptwache

Fludersbach 980 Notrufe angekommen.

Friedhelm Weyand, Hauptbrandmeister im Ruhestand

seit 1992, wäre vor 15 Jahren bei solchen Einsätzen noch

dabei gewesen. Heute kann er zu Hause bleiben, wenn er

sich in seine 40-jährige Dienstzeit zurückversetzen will,

die ihm Lebensinhalt wurde. Dabei ist er im eigenen Haus

mit angebauter Garage, umgeben von wuchtigen Motorspritzen,

Atemschutzgeräten, Signalanlagen, Schläuchen,

Feuerlöschern, 30 Strahlrohren, Funkgeräten, Handscheinwerfern

und allem, was zur zünftigen Ausrüstung der Florians

jünger gehört.

In langer Reihe präsentiert sich die Dienstkleidung der

Feuerwehr aus aller Herren Länder und lässt erkennen, dass

international nicht nur „Blauröcke" für Schutz und Wehr

verantwortlich sind. Da sind Jacken in verschiedensten Formen

und Farben dabei, und unter den rund hundert Mützen

und Helmen gleicht kein Stück dem anderen. Da fehlen nur

noch die Kollegen, die die schmucken Uniformen und

Kopfbedeckungen getragen haben, zum Beispiel in Russland,

USA, Österreich, Japan, Frankreich der Schweiz oder

der früheren DDR. Hinzu kommen in großer Zahl Orden,

Wappen und Ehrenzeichen.

Eine faszinierende Sammlung, die den Arbeitsbereich

der Feuerwehr im Wandel der Zeiten, und ganz besonders

in und um Siegen, greifbar lebendig werden lässt, hat der

Feuerwehrmann aus Leidenschaft in 40 Jahren bei sich zu

Hause entstehen lassen. Aus Gegenwart und Vergangenheit

stammen seine Schätze, die sich dicht an dicht- und jeweils

kennzeichnend beschriftet- in hohen Regalen präsentieren,

darunter zahlreiche Exemplare mit Seltenheitswert. Da

drängt sich die Frage auf: ,,Lieber Herr Weyand, wie kommen

Sie denn an so etwas?" Darunter ist zum Beispiel ein

kupferner Feuerlöscher Baujahr 1927 aus Westminster

oder als ältestes „Schätzchen" ein über hundertjähriger

Feuermelder, der bis 1975 noch in Do~tmund in Betrieb

war. Der Experte scheint zu wittern, wo und bei wem die

Suche und Nachfrage lohnt. Er bleibt da keine Antwort

schuldig: ,,Da kommt aus der Erfahrung und Vertrautheit

mit allem, was zur Feuerwehr gehört ein Gespür dafür, wo

die Nachfrage lohnt. Ich kenne jedes Detail, egal ob es aus

Fuhrpark, Werkstatt, Wache oder natürlich aus der Sammlung

stammt."

Vieles wird unter alten Wehr-Kameraden und ebenfalls

begeisterten Sammlern getauscht, verkauft, verschenkt.

Auf Börsen, Floh- und Trödelmärkten, in Zeitschriften und

Fachliteratur fahndet der Sammler mit Spürnase nach neuen

Kontakten und Errungenschaften. Dazu sagt er: ,,Da ist

eine weite Anreise auch ins Ausland oder ein schwieriger

Transport kein Hindernis. Es macht einfach Freude." So

war auch die Anschaffung der gewichtigen Motorspritze

Magirus Goliath III von 1941 kein Problem. Ein etwas jüngeres

Modell hat einen VW-Motor.

Was Weyand bescheiden „private Sammlung" nennt, ist

eigentlich ein kleines Museum. Aber um solchen Anspruch

zu erfüllen, fehlt der geeignete öffentliche Raum für interessierte

Besucher. Da ist Hoffnung angesagt: ,,Vielleicht

lässt sich da etwas machen, wenn der projektierte Neubau

der Wache an der Stadtteilgrenze zu Weidenau einmal fertig

sein wird", hofft der Sammler, dem so etwas in ►

Die Siegener Feuerwehr in den 50er-Jahren.

4

durchblick l 112007


Aussicht gestellt wurde. Der Museumsführer, der spannend

und fundiert erläutern kann, müsste nicht mehr gesucht

werden.

Besondere Stücke haben besondere Geschichten; traurige,

wenn Hilfe zu spät kommt, ermutigende, wenn oft unter

Einsatz des eigenen Lebens eine Gefahr gebannt, ein

Opfer gerettet werden kann. Friedhelm Weyand kennt viele

solche Geschichten. Ein Wiederbelebungsgerät Baujahr

1928 erinnert unmittelbar daran, dass immer wieder auch

der Tod im Einsatz ist und manchmal den Sieg davonträgt.

Zwei Feuerwehrmänner verloren im Januar den Kampf gegen

Orkan Kyrill bei einer Rettungsaktion und zahlten die

„Opferbereitschaft im Dienst“ mit ihrem Leben.

Porträt

Weyand denkt an die Gasexplosion am Fischbacherberg

1963. „Wir waren die Ersten an der Unglücksstelle. Es war

uns gleich klar, dass von den sechs Hausbewohnern niemand

mehr gerettet werden konnte. Am schlimmsten war

es immer, wenn Kinder betroffen waren.“

Aber auch erfreuliche und erheiternde Erinnerungen an

ungewöhnliche Rettungsaktionen kommen auf: „Da war

einem Tierfreund sein Papagei weggeflogen. Wir haben den

Vogel entdeckt und verfolgt, immer hinterher. Als er hoch

oben auf einer Baumspitze gelandet war, sind wir ihm auf

der Leiter ganz nah gekommen, aber dann war er wieder

weg. Unter Büschen ließ er sich schließlich einfangen. Er

war völlig außer Atem, wir auch.“ Bei einer Führung durch

die Sammlung gehören solche Erinnerungen an den Arbeitsalltag

dazu.

Manches Ausstellungsstück kann älteren Bürgern ins

Gedächtnis bringen, was zu ihrer eigenen Geschichte gehört:

Aus einem Siegener Bunker stammen Volksgasmasken

und eine Luftschutzapotheke, die Weyand sich abholen

konnte. Wie schon oft brachte ihm ein Zufall dabei

eine weitere Bereicherung für die Sammlung, diesmal mit

der dazugehörigen Chronik in Bild und Wort. Er denkt

zurück: „Ich kam dazu, als aus einer Bunkerzelle Mengen

von dortgebliebenen Unterlagen aus der Zeit zwischen 1939

und 1945 entsorgt werden sollten. Mir wurde klar, dass sich

darunter vieles befand, das erhaltenswert schien. Das war

ein Glücksfall“, sagt Weyand.

Friedhelm Weyand an seinen historischen Motorspritzen.

Er hat das dunkle Kapitel deutscher Geschichte unter

Nazi-Herrschaft als Schuljunge kennengelernt und in seiner

Chronik der Wehr – auch mithilfe der geretteten Unterlagen

aus dem Bunker – ausführlich dokumentiert. In Auszügen

hat er seine Sammlung schon mit großem Erfolg vorgestellt.

Das geschah im Siegerlandmuseum, im Kreishaus,

in der City-Galerie im Frühjahr 2000, im Kreiskrankenhaus

in Weidenau im Café Sohler, 2003 im Freudenberger Technikmuseum

oder 2004 im einstigen Kaufhofgebäude, jetzt

KrönchenCenter. Hier wurden Teile der Sammlung Weyand

in die eindrucksvolle Ausstellung der Universität Siegen

zum 16. Dezember 1944 einbezogen. Das war der Tag,

an dem ein Feuer, das keine Wehr beherrschen konnte, die

Stadt in ein Flammenmeer verwandelte.

Wie schon erwähnt, beschränkt sich die Sammelleidenschaft

des Feuerwehrmanns im Unruhestand nicht auf die

große Zahl der bewundernswerten Ausstellungsstücke. Besondere

Beachtung gehört auch den in Regalen bewahrten

Ordnern, in denen sich die Geschichte der Siegener Feuerwehr

in Bild und Text widerspiegelt. Da ist in Urkunden,

Rechnungen, Verordnungen und Gesetzestexten, Zeitungsartikeln

und bestechenden Fotos dokumentiert, was sich

aus dem bescheidenen Stand seit der Gründung der Feuerwehr

1865 entwickelt und erhalten hat, allen Einbrüchen

von Kriegswirren zum Trotz.

Fotos vom Festzug zur 100-Jahr-Feier 1965 mit rund

tausend Uniformierten aus Sieger- und Sauerland veranschaulichen

die Freude am erreichten Erfolg. Weyand erinnert

sich gern: „Die ganze Stadt feierte damals mit.“ ➤

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durchblick 1/ 2007 5


Porträt

Luftschutzbauten in der Fludersbach ihrer Bestimmung

übergeben. Zu dieser Feier werden lediglich diejenigen Angehörigen

vom SHD (Sicherheitshilfsdienst) eingeladen,

die mehr als 50 Tagewerke an Luftschutzdiensten geleistet

haben.“ Beim SHD handelte es sich um ältere Jahrgänge

der Bürgerschaft, die für Bauarbeiten eingesetzt wurden.

Im Februar 1946 bittet die Fire-Station Fludersbach den

Captain C. H. Jones vom Military Government um die Genehmigung

zum Kauf von 30 Glühbirnen zu 25 Watt, 15 zu

100 Watt und fünf zu 150 Watt, mit dem begleitenden Text:

„Die Beleuchtung der Feuerwache ist zur Zeit völlig unzureichend,

insbesondere bei Nachtalarm.“ Der Umgangston

änderte sich bald.

Noch ist die Feuerwache in der Fludersbach beheimatet.

Eine bunte Bilderfolge zeigt die Feuerwache Fludersbach

in verschiedenen Entwicklungsphasen bis heute: Die

älteste und die modernste Drehleiter des Fuhrparks, die erste

Siegener Motorspritze von 1925, dann die Löschzüge im

Wandel der Zeit. In Momentaufnahmen wird das Arbeitsund

Gemeinschaftsleben der Mannschaften rund um die

Uhr dokumentiert.

Der so vielfältig illustrierte Textteil der Chronik erweist

sich auch als äußerst anschauliche Lektüre. Das beginnt mit

dem ausführlichen Rückblick auf Gesetze im Mittelalter für

den gebotenen Feuerschutz, bei Verstößen „mit Strafen an

Leib und Leben“. Es setzt sich fort mit Feuerlöschverordnungen

vor 150 Jahren. Da heißt es zum Beispiel fürsorglich:

„Die Spritzenleute stellen sich in langer Reihe an den

Druckbaum zum Pumpen. Sie werden öfter abgelöst, damit

ihre Ermüdung nicht die Kraft der Spritze vermindert.“

Ein Briefwechsel zwischen der Feuerwehr und der vorgesetzten

Regierung wirft Schlaglichter auf die Zeit

während und nach dem 2. Weltkrieg. Im Winter 1941 verweist

der Hauptmann der Schutzpolizei in einem Schreiben

an den Führer des Luftschutz-Sanitätsdienstes auf ein bedeutendes

Datum: „Am Mittwoch, 5. November, werden die

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Im Juli 1952 schreibt der Kommandeur vom Standort

Siegen der Belgischen Garnison an den Chef der Feuerwehr:

„Für das prompte und erfolgreiche Einschreiten der

hiesigen Feuerwehrabteilung bei dem kürzlich ausgebrochenen

Brand im Bereich der Heidenbergkaserne spreche

ich der tüchtigen Löschmannschaft als Standortältester

meinen aufrichtigen Dank aus.“

Das ist lebendige, archivierte Zeitgeschichte, aufgespürt

bei der Feuerwehr von jemand, der ganz alltägliche Einblicke

in das Leben der Wehr auch in Krisenzeiten gibt,

Einblicke, die sonst sicher irgendwann vergessen würden.

Friedhelm Weyand kam 18-jährig zu den „Freiwilligen“,

Löschzug Hammerhütte, und wechselte 1953 zur hauptamtlichen

Wache Fludersbach. Die ehemaligen Luftschutzbauten

hatten sich inzwischen fortschrittlich entwickelt.

Das Warnsystem und der Krankentransport waren voll in

Funktion. Der Fuhrpark bestand aus Löschfahrzeugen und

Krankenwagen. Eine zuvor abgeschlossene Kfz-Elektrikerlehre

bot dem jungen Feuerwehrmann hier das Rüstzeug,

das er in der Werkstatt sinnvoll einsetzen konnte. Sein

handwerkliches Talent kommt ihm heute noch beim Sanieren

seiner Sammel-Prachtstücke zugute.

1977 wurde Hauptbrandmeister Weyand Leiter der

Wachabteilung drei. Mit einigen Werkzeugen, Geräten und

anderen Utensilien seiner Sammlung hat er selbst Brände

bekämpft oder bei Krankentransporten, Unfällen, Naturkatastrophen

seinen Dienst am Nächsten geleistet. Weyands

eigene Uniform hat in der langen Reihe der aufbewahrten

internationalen Jacken ihren Platz. Das Paradestück unter

den Uniformen ist eine originalgetreu nach Maß für den

Pensionär geschneiderte weiße Jacke, wie sie um 1900 bei

der Wehr in Siegen Mode war.

Friedhelm Weyand ist 74 Jahre alt, nachweisbar nur im

Kalender; und er bleibt durch seine Sammlung mittendrin

im Betrieb, in der Großfamilie Feuerwehr, der er seine

Lebensaufgabe gewidmet hat. Seine Sammlung ist der

Beweis dafür.

Maria Anspach

6 durchblick 1/ 2007


Mundart

Bi de Hollänner

Mier, d’r Minne on ech fuern altemo Afang Abrell no

Holland a de Nordseekesde. En Zandlooper wonden m’r en

nem Ferijehuss, hadden zom Schdrand kumm 10 Minudde

ze laufe, ha bal jeden Dach freschen Fesch gässe on os emmer

werrer gewonnert, wi flissich so’en Maulwurf en

kuerzer Zitt de sandije Wes emgrawe ka.

A nem sonnije Nommedach säde min Ma emo zo mier:

„Komm, det Wasser zitt sech zerecke, m’r ha Ebbe, itz mache

m’r en Schdrandladsche.“ Em Frejoar es do net so fel

loss, nuer e par Li komen os entgäje on en Hond, so en massijer

Näjjfundlänner, dä am Wasser entlang schwearfällich

duerch d’r Sand schbrong.

Se’ ech schoa fa wierem en Hond, da glengeln bi mier de

Alarmglocke. Ech woar fenne, do hät mech emo en Schäferhond

ewer fenf Minudde lang oawe am decke Bai fästgehale,

on dat Gebess fa däm hadde sech def end Flaisch

engegrawe; alles woar blou onnerlaufe. Seit dä Zitt a, egal

wi groas se sin, well ech met dänn Fierbainern niks zedo ha.

Go mier bi os schbaziern, laufe ech emmer e par Schre

henner d’m Minne hear, sin mier awer bi de Hollänner, da

gearet m’r so got, dat hä henner mier hear ladscht. So lef

ech da en Zitt lang foar äm hear, m’r ha os och onnerhale

on mänchmo ha ech mech och emgedrät. Di Li , di a os forbi

gange sin, sogen fa henne ganz glai uss, on dä Hond och.

Uerblötzlich awer felde ech mich d’rzo gezwonge,

schdo ze bliwe. Ech dochde, min Ma lät m’r fa henne de

Arme of de Schollern, awer wäswäje dreckt hä mech so fäsde

no onne, darrech net wierer go ka? Ech woll m’r da grad

de Bemärgung erlauwe ze sä, ha kenn re’ich e bessje zärtlicher

zo m’r sin, do gefriert m’r det Blot en de Oarern.

Nämlich en däm ech d’r Kobb remdräte, wat m’r och

schwear fel, sog ech of minner Scholler dechde, lange,

brungne Hoarn. Schdockeschdiff en däm Augebleck, wueret

m’r och noch am Hals so warm. Nuer min Auge bewäjden

sech on sojen – e Schdecke Schlabberoar, e Aug, de

Schnudde on de lange Zong fa däm Näjjfundlänner.

Du lewer Gott, glich bissde dech en d’r Hals on da häsde

neme lang ze läwe. Härre net! Da hoarde ech de Schdemm

fa minnem Ma: „Dä Hond well nuer met d’r schbeln.“ „Wearem

da net met dier?“ „Mier erre doch net of d’r Bockel

geschbronge!“ Als ech schwadde, wuer ech afgeläckt. Fa

däm Hond! Min Oar woar nass foar ludder Sabber.

No dochde ech nuer noch, se’ schdell, blib schdo on fall

blos net em, sost bissde dech womechlich noch en de Bain, di

sowiso so schdrack fort sin. Wat häsde da? Itzend werrer,

uerblötzlich – en schreller Peff. Di Li hadden ear Hond fermesst.

Dä redschde m’r da d’r Bockel ronner, on fort woare.

Ech ha en geschbalene „Persönlichkeit“ zo de Hondsdierer.

Di komme all of mech zo, di wonn mech, on ech sin

da fro, wann se a d’r Kear sin. Am lebsde se’n ech en Hond

of ner Postkade.

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durchblick 1/ 2007 7


Historisches

Siebenbürgische Kirchenburgen

Die Kirchenburgen Siebenbürgens entstanden in den

Jahrhunderten der Türkenabwehr.

Vor achthundertzwanzig Jahren kamen aus entfernten

abendländischen Gegenden deutsche Kolonisten in die

vom Karpatenbogen umschlossene Kulturlandschaft –

Transsilvanien – genannt. Auf diesem Boden alter Geschichte

ließen sich die deutschen Einwanderer nieder, die

bis auf den heutigen Tag ihre eigene Sprache, ihre Trachten

und Bräuche bewahrt haben, die sie von der menschlichen

und sozialen innerkarpatischen Landschaft als besondere

Gruppe abheben. Dieses Gebiet war seit dem 9.

Jahrhundert in das ungarische Königreich eingegliedert.

Die ungarischen Könige riefen im 12. Jahrhundert Deutsche

ins Land, um ihr Reich im Osten gegen die verheerenden

Sturzfluten der großen asiatischen Völkerbewegung zu

schützen. Unter dem Sammelnamen „Siebenbürger Sachsen“

bekannt, bildeten die aus verschiedenen deutschen

Gauen kommenden Ansiedler mehrere, genau abgegrenzte

Enklaven, inmitten der bodenständigen Rumänen, neben

der hier ansässig gewordenen magyarischen Bevölkerung.

Den Siedlern wurden politische, wirtschaftliche, religiöse

und soziale Rechte zugesprochen, die in dem sogenannten

„goldenen Freibrief“ schriftlich festgehalten waren.

Als Gegenleistung mussten die Siedler eine Art

Grundsteuer zahlen und bei einer Heerfahrt des Königs

mussten sie Bewaffnete stellen. Die zugesprochenen Rechte

wie eigenständige Gerichtsbarkeit, Selbstverwaltung,

Territorialautonomie auf dem ihnen überantworteten Königsboden

waren entscheidend für die Entwicklung zu einer

Eigenstaatlichkeit. Innerhalb des ungarischen Königreiches

bildete das geschlossene Siedlungsgebiet eine eigene territorial-administrative

Einheit, frei von Adelsherrschaft und

Leibeigenschaft nur dem König unterstellt. Sie haben diese

Rechte jahrhundertelang gehütet und verteidigt vor dem

ungarischen Adel und später, als Siebenbürgen 1691 unter

habsburgische Herrschaft kam, vor den Wiener Staatsmännern,

die die Autonomie Siebenbürgens beseitigen wollten.

Es entstand bei ihnen ein klares und sehr betontes Rechtsbewusstsein,

ein lebendiges Freiheitsgefühl sowie eine

demokratische Anschauung und Denkweise. Sie schufen

eine vielfach gegliederte Gesellschaftsordnung, die das

ganze Leben umfasste, aber keine Vorrechte und keinen

Grundbesitz eines Adels kannten.

Der Anschluss Siebenbürgens an Rumänien im Jahre

1920 leitete eine neue Phase der siebenbürgischen Geschichte

ein. Von da an betrachtete sich das sächsische Volk

als ein Glied des rumänischen Reiches.

Im Gesamtbild einer einheitlichen Entwicklung der Materialkultur

und Geistesgeschichte Siebenbürgens bildete

die sächsische Bevölkerung einen bedeutenden zivilisatorischen

und fortschrittlichen Faktor, dank ihrer hohen, von

Humanismus beseelten Ideale. Die im Laufe der Jahrhunderte

geschaffene Sachkultur der Siebenbürger Sachsen,

ihre Baudenkmäler, die historischen Aktionen, die sie

bestimmten oder beeinflussten, ihre Kultur, die von den

vornehmsten menschlichen Idealen der Freiheit, Gerechtigkeit

und geistigen Fortschritts getragen wird, bedeutet im

Kontext der materiellen und spirituellen Gesamtleistung

Siebenbürgens und Rumäniens einen wertvollen und gewichtigen

Beitrag.

Im Jahre 1241 brachen die ersten mongolischen Horden

in Siebenbürgen ein. Die verheerenden Mongolenstürme

dauerten jahrzehntelang.

Speckturm der Kirchenburg Zied.

Im Jahre 1395 waren die Osmanen erstmals in Siebenbürgen.

Die Türkeneinfälle dauerten nahezu drei Jahrhunderte.

Das Kriegselend trieb die Bevölkerung den Widerstand

gegen die Feinde zu organisieren. Die Städte wurden

befestigt, indem man um die Stadt Mauern und bewehrte

Türme errichtete. Hermannstadt zum Beispiel hatte 60 bewehrte

Türme. Die Dorfbewohner begannen die Dorf- ➤

8 durchblick 1/ 2007


Historisches

kirchen, die im Zentrum des Dorfes standen und leicht zu

erreichen waren, wehrhaft auszubauen. Bei der Wehrbarmachung

der Kirche wurde meist der Kirchturm als erster

Bauteil befestigt, aber auch über Chor und Schiff wurden

Wehrgeschosse errichtet. Die Kirchhöfe wurden mit starken

Ringmauern umfriedet, einfache, doppelte und sogar

dreifache Ringmauern von Türmen und Basteien befestigt.

Sie wurden mit Schießscharten, Pechnasen, Gusslöchern

versehen, die Türme ebenfalls. An der Innenseite der Ringmauern

wurden Wohn- und Vorratskammern angebaut, um

Belagerungen standzuhalten. Die Dorfbewohner befestigten

ihre Kirchen, weil sie sich im Hause Gottes dem Schutz

des Allmächtigen am nächsten glaubten, nach Martin Luthers

Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“.

Die Kirchenburgen zeigen

eine typologische Vielfalt, die sich

ausdrückt im Stil der Sakralbauten

und deren späterer Wehrbarmachung

und im Anlageplan der

sie umgebenden Burgmauern und

Verteidigungsvorrichtungen und

ist bedingt durch die verschiedenartige

demografische Zusammensetzung

der Einwanderergruppen

und dem chronologisch

verschiedenen Zeitpunkt ihrer

Ansiedlung von der Mitte des

12. Jahrhunderts bis zu Beginn

des 14. Jahrhunderts. Die größte

und stattlichste Kirchenburg des

Landes ist Tartlau. Die Befestigungsanlagen

stammen aus dem

15. Jahrhundert und übertreffen

an Größe und Wucht alle anderen

Kirchenburgen des Landes.

Die Kirche ist mit einem Bering

umgeben, dessen Mauern 12 bis

14 m hoch und an der Basis fünf

Meter stark sind, die in Höhe des

Wehrgangs von Schießscharten

und Gusslöchern durchbrochen

und von fünf nach außen vorspringenden

Türmen geschützt

sind. In zehn Metern Höhe verläuft

ein fast zwei Meter breiter

Wehrgang rund über den ganzen

Mauergürtel, von einem Satteldach

überdeckt und nur spärlich

durch die Schießschlitze erhellt.

Um die dem Burghof zugekehrte

Seite des Berings sind in drei

und vier Reihen übereinander

Vorratskammern angebracht, insgesamt

272 Vorratskammern mit

eigenem Eingang und Lüftungsfensterchen.

Jeder Bauernhof besaß eine Kammer in der

Burg, wo Korn und Speck gehalten und in Belagerungszeiten

auch gewohnt wurde. Auf den Eichentüren sind noch

die Schilder mit den Hausnummern aufgenagelt, und der

Speck reift auch heute noch in dem luftigen kühlen Turmgemäuer

zwischen Dezember und April zum zarten, mürben

siebenbürgischen Speck. Der Weg in die Burg führte

über eine Zugbrücke durch einen langen überwölbten

Gang, der fünfmal durch Fallgitter gesperrt war. Diese Burg

hat allen Stürmen getrotzt.

Eine andere bedeutsame und bemerkenswerte Kirchenburg

ist auch Birthälm, die von 1572 bis 1867 evan- ➤

durchblick 1/ 2007


Historisches

Ringmauer mit Wohn- und Vorratskammern der Tartlauer Kirchenburg.

gelischer Bischofssitz war. Drei starke, bis 12 m hohe Mauern

umschlossen auf steilem Bergkegel den Kirchhof, fünf

Türme und sechs Basteien verstärkten die Mauern.

Die Wasserversorgung war ein wichtiges Problem. Die

meisten Burgen besaßen einen Brunnen im Hof, fand man

die Wasserader ausgerechnet unter dem Kirchengebäude,

so wurde der Brunnen eben im Schiff gegraben, der Schacht

mit Steinen ausgemauert und mit einem dem Bretterboden

eingefügten Deckel verschlossen. Auch heute gibt es noch

Kirchenburgen, wo man aus dem Brunnen des Kirchschiffes

trinken kann. Die Kirchenburgen Siebenbürgens waren

dafür eingerichtet, dass das tägliche Leben in Belagerungszeiten

innerhalb der Burg seinen Fortgang nehmen konnte.

Wehrkirchen und befestigte Kirchhöfe sind eine gesamteuropäische

Erscheinung und ebenso auch in den

christlichen Gebieten des Nahen Ostens. Bezeichnend ist

es allerdings, dass in Siebenbürgen – als südöstlichem Vorposten

des Abendlandes – diese mittelalterlichen sakralen

Wehrbauten nicht nur die größte typologische Vielfalt und

räumliche Dichte erreichen, sondern

auch die vollkommenste Ausgestaltung

komplexer Verteidigungssysteme jener

Zeit, da sie am längsten ihre defensive

Funktion bewahrten und sich der

Kriegstechnik fortlaufend anpassen

mussten.

Von den 300 Kirchenburgen, die um

1600 alle siebenbürgischen Dörfer

schützten, bestanden bis zur großen

Auswanderung der Siebenbürger Sachsen

im Jahre 1989 noch ungefähr 160

gut erhalten. Heute sind diese stolzen

Burgen Zeugen sächsischer Geschichte.

Sie sprechen von Kampf und Abwehr

und von einem gemeinschaftlichen

Leben der Siebenbürger Sachsen.

Sie sind Sinnbilder gemeinsamer Kraft.

Sie zeugen von schöpferischem Einfallsreichtum, Widerstandskraft

und menschlichem Beharren.

Aus europäischer Sicht bedeuteten die siebenbürgischen

Kirchenburgen dank ihrer Dichte und Wehrhaftigkeit, dank

des Widerstands ihrer Verteidiger eine uneinnehmbare Abwehrfront

gegen das Vordringen der Ottomanen zum Herzen

Europas. Bei ihren Einfällen in Siebenbürgen fand die

blitzschnelle gefürchtete türkische Reiterei weder Proviant

noch Futter für ihre Pferde, sondern nur verschlossene Burgen,

deren Schießscharten und Gusserker die Feinde mit

Kugelregen und siedenden Pechgüssen empfingen.

Als die Türken dennoch bis Buda und Wien vordrangen,

mussten sie ihren Weg über Belgrad nehmen und den siebenbürgischen

Wehrblock der Kirchenburgen und befestigten

Städte umkrümmen. Zum Schutz ihres Lebens von

den sächsischen Bauern Siebenbürgens errichtet, waren die

Kirchenburgen zugleich jahrhundertelang ein Schutzwall

Europas gegen die ottomanische Sturzflut.

Dorothea Istock

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10 durchblick 1/ 2007


Gesellschaft

Achtzig ehrenamtliche Helfer im 3. Lebensalter

Siegener Tafel versorgt jede Woche Bedürftige

Wenn man an den Ausgabetagen der Siegener Tafel

einen Besuch abstattet, ist man beeindruckt von der Vielzahl

der ehrenamtlichen Mitarbeiter dieser sozialen Einrichtung.

Diese wuseln nur so durch die Vorratslager und stellen für

die am Ausgabeschalter wartenden bedürftigen Menschen

einen Korb mit Lebensmitteln zusammen. An vier Ausgabefenstern

können acht Gäste gleichzeitig bedient werden.

Aber bevor überhaupt etwas verteilt werden kann, ist ein

großer logistischer Aufwand notwendig. Jede Woche sind

mehrere Männer mit zwei Kühlfahrzeugen unterwegs, um

in vielen Groß- und Supermärkten die Waren abzuholen, für

die die Händler keine Verwendung mehr haben. In der Tafel-Zentrale

im Hammerwerk in Weidenau werden diese

Lebensmittel dienstags und donnerstags dann ausgegeben.

Immer mal wieder sehen sich die Mitarbeiter mit dem

Vorwurf konfrontiert „Da kann ja jeder hingehen und sich

leicht bedienen“. Dem ist nicht so: Die Bedürftigkeit muss

nachgewiesen werden und die Gäste müssen jedes Mal

einen geringen Eigenanteil zahlen. Allerdings – so Sybille

Klein, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit – die Bedürftigkeit

steigt an. Jede Woche kommen bei der Tafel

zehn bis fünfzehn Familien dazu.

Die Tafel arbeitet gegen den Hunger in unserer Stadt.

Im Mai d. J. besteht die Tafel neun Jahre in Siegen und

betreut heute jede Woche über 3000 Gäste. Das ist nur mit

vielen motivierten ehrenamtlichen Helfern zu schaffen – so

die Vorsitzende Anne Schäfer und Vorstandsmitglied Annette

Freundt – denen es ein Anliegen ist, aus z. T. ganz unterschiedlichen

Gründen den Bedürftigen zu helfen. Gemeinsame

Feste und Unternehmungen stärken die Motivation

und das Gemeinschaftsgefühl unter den vielen Mitarbeitern.

Die Tafeln an inzwischen 650 Orten bundesweit sind

ganz eigenständig und finanzieren sich aus Spenden. Die

Mitarbeiter der Siegener Tafel wünschen sich im Kampf

„Gegen den Hunger in unserer Stadt“ tatkräftige Mithilfe,

getreu dem Motto „Das wichtigste Kapital der Tafeln sind

Menschen, die dazu beitragen, damit es anderen Menschen

besser geht.“

Horst Mahle

durchblick 1/ 2007 11


Generationen im Dialog

Wertebildung in der älteren Generation

Wie planen wir unser Alter, welche Werte leiten uns dabei?

In unserer Gesellschaft nehmen verwandtschaftliche

Kontakte zwischen den Generationen ab. Damit schwinden

die Gelegenheiten, dass ältere und jüngere Menschen

voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen

können.

Generationenbeziehungen ohne verwandtschaftliche

Bindungen werden aus diesem Grund immer wichtiger. Es

kommt darauf an, die Prinzipien der Großfamilie in moderne

Strukturen zu übertragen und so den Kreislauf des

Gebens und Nehmens zwischen den Generationen zu fördern.

Vor diesem Hintergrund fanden im Januar 07 in der

Akademie Biggesee und in der Evangelischen Tagungsstätte

„haus nordhelle“ mehrtägige Veranstaltungen statt.

„Jung und Alt im Dialog“

Im Einladungstext der Akademie Biggesee hieß es „Selten

war eine Gesellschaft von so starken Umbrüchen geprägt

wie heute: Zukunftsängste, Perspektivlosigkeit und

ein Abtauchen in virtuelle Welten bei großen Teilen der

jungen Generation stehen einer älteren Generation gegenüber,

die oft einen zunehmenden Werteverlust auf Seiten

der Jüngeren beklagt“. In einem generationenübergreifenden

Dialog sollten die Grundwerte einer lebendigen

Zivilgesellschaft ermittelt werden. Der Einladung zu einer

Infos & Bestellung: Tel. 02737/505-161

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frisches Obst.

dreitägigen Begegnung folgten 30 Schülerinnen und

Schüler von Gymnasien in Siegen und Lennestadt sowie

20 ältere Erwachsene. In Arbeitsgruppen von je vier älteren

und sechs jungen Menschen wurde erarbeitet, welche

Grundwerte für ein zukünftiges Gesellschaftsmodell gelten

könnten. Ablauf und Ergebnisse der Tagung wurden von

allen Beteiligten – offenbar ohne Ausnahme – als Überraschung

und Bereicherung erlebt. Dies bestätigte sich nicht

nur in der unbefangenen und kreativen Zusammenarbeit,

sondern auch in einer anonym gehaltenen Befragung. Hier

zeigte sich, dass die Grundwerte beider Generationen zwar

nicht identisch sind, aber doch nahe beieinander liegen.

Zum Beispiel war die Hochschätzung der Familie seitens

der jungen Leute für viele Ältere eine Überraschung. In einer

19-stufigen Skala wurde sie (nach „Freundschaft“ und

„Vertrauen“) an die dritte Stelle gesetzt. Auch für die Älteren

stand „Familie“ (nach „Friede“ und „Gerechtigkeit“) an

dritter Stelle der Werteskala. Es wurde erkennbar, dass das

Verhältnis zwischen Eltern und Kindern sich von einer hierarchischen

hin zu einer partnerschaftlichen Struktur verschoben

hat.

„Einfach anders altern“

Welchen Beitrag können wir älteren Menschen leisten,

was sollten wir uns zumuten bei der Suche nach einem tragfähigen

zukünftigen Gesellschaftsmodell? Wie planen wir

unser Alter, welche Werte leiten uns dabei? Diese und weitere

Fragen wurden im Rahmen einer zweitägigen Veranstaltung

in der Evangelischen Tagungsstätte „haus nordhelle“

bearbeitet. Im Mittelpunkt stand hier die Wahrnehmung der

individuellen Lebenssituation und der nachberuflichen Lebenszeit

als Zeit der persönlichen Erfüllung, die zu einer

Entfaltung der Kräfte in Richtung auf Autonomie, Selbstbestimmung,

zum Erhalt der Lebensqualität und der Teilhabe

werden kann. Eine Diskussion des Begriffs „Werte“

führte zu der Feststellung, dass diese sich abgrenzen von

Normen oder Wünschen. Danach sind Werte Ausdruck für

das, was eine Person oder eine Gruppe für wünschenswert

hält, wovon sie emotional ergriffen ist, während Normen

die Handlungsmöglichkeiten von Menschen einschränken.

Bei dieser Gruppe (37 ältere Erwachsene) zeigte sich, dass

Toleranz als wichtigster Grundwert einer lebendigen Zivilgesellschaft

gesehen wird – nahezu gleichauf mit dem Streben

nach Menschenwürde und Gerechtigkeit. Von der Anregung

„Spüre die Kraft, die in dir steckt. Verzage nicht. Besinne dich

auf deine Fähigkeiten, und du wirst überrascht sein, wenn du

dich neu entdeckst!“ wurden alle Beteiligten erreicht.

Das „haus nordhelle“ beabsichtigt, eine Reihe von Tagungen

anzubieten, in denen Fragen des Alterns und entsprechende

Orientierungen erarbeitet bzw. vertieft werden

sollen.

Erich Kerkhoff

12 durchblick 1/ 2007


Aufrichtige Sympathiebekundungen für einen Labradormischling,

der Sachbeschädigung und Körperverletzung

begangen haben sollte, gaben zwei Zeugen vor

dem Amtsgericht ab.

„Kennen Sie den Hund des Angeklagten?“, hatte die

Richterin einen Zeugen gefragt. Sie erhielt die Antwort

eines Mannes, der am Tatort, einem Biergarten, zugegen

gewesen war: „Das ist der friedlichste Hund der Welt. Der

freut sich immer wie ein kleiner König, wenn er mich

sieht.“

Unterhaltung

Herr und Hund vor Gericht

„Liebenswert, mit angenehmem Wesen“, bestätigte ein

weiterer Augenzeuge. Der tatverdächtige Vierbeiner, der

nicht geladen und auch nicht erschienen war, hatte seinen

gesetzlichen Vertreter auf der Anklagebank. Der seriöse ältere

Herr, hier als „Herrchen“, bestritt die Vorwürfe energisch.

Zur Sache: Man habe zu dritt im vergangenen Sommer

an einem Tisch im Biergarten eines Siegener Lokals

gesessen, als zwei Jungen auf dem angrenzenden Gehweg

vorbeigekommen seien, einer von ihnen mit eisernem Tretroller.

Das Gefährt, so ein Zeuge, habe laut geknattert; das habe

den zu Füßen seines Herrn dösenden Hund aufgeweckt

und auf Trab gebracht. Der Hund habe den Jungen nicht

angesprungen, höchstens mit der Pfote berührt, und keinesfalls

gebissen. Sein Besitzer habe sich gleich um das

Kind bemüht. Das bestätigten die Zeugen.

Die Sachbeschädigung sollte der Hose des 12-Jährigen

gegolten haben, der bei der plötzlichen Konfrontation mit

dem großen, weißen Hund vom Roller gefallen war. Die

Mutter des Jungen schilderte die zu Hause in Augenschein

genommenen Folgen des Vorfalls sehr plastisch: Das Gesäß

des Kindes sei rund um eine Bisswunde grün und blau

gewesen. „Alle Zähne des Hundes“ – so die Zeugin – hätten

sich auf dem Hinterteil abgezeichnet. Dafür gab es

allerdings keine weiteren Augenzeugen. Ein Arzt habe die

Mutter telefonisch beruhigt, Kühlen der Wunde könne

genügen. Ihr Versuch, den Mann mit Hund noch im Lokal

ausfindig zu machen, sei gescheitert: „Die Wirtin hat einfach

gesagt, hier war kein großer, weißer Hund. Wir haben

uns schließlich an den Angeklagten erinnert, der in unserer

Nähe wohnt und einen solchen Hund besitzt“, sagte die

Zeugin. Sie habe dort angerufen und – als ihr Verdacht sich

bestätigt habe – Anzeige erstattet. Schließlich habe sie Ersatz

für die zerbissene Hose haben wollen.

„Geschädigten“ gab die Hoffnung auf Schmerzensgeld auf

und sah ein, was die Richterin verdeutlicht hatte: „Der

Schmerz des Jungen bei dem Biss in den Po lässt sich leider

heute nicht mehr beweisen.“ Und die Kosten für eine

neue Hose hatte die Versicherung des Hundebesitzers bereits

bezahlt. Im Einverständnis aller Beteiligten wurde das

Verfahren eingestellt.

Vor dem Ausgang des Gerichts wartete „Frauchen“ auf

„Herrchen“ mit einem großen, weißen Hund an kurzer Leine.

Maria Anspach

Der Biss ins Gesäß, den außer der Mutter niemand gesehen

hatte, war für die Richterin kein sehr überzeugendes

Indiz für eine Verurteilung. Die Zeugin und der Junge seien

durchaus glaubwürdig, aber der Angeklagte und die Zeugen

vom Biergarten auch. Also, was tun? Die Mutter des

durchblick 1/ 2007 13


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14 durchblick 1/ 2007


Altersbilder

Steh auf!

„Liegen und Schonung machen gesund.“ Diese Vorstellung

ist veraltet und wirkt sich fatal aus, wie Dr. Angelika

Zegelin, Pflegewissenschaftlerin von der Universität

Witten/Herdecke, darlegte. Auf Einladung der HsM Initiative

gegen Gewalt im Alter e.V. verstand es die Wissenschaftlerin,

zahlreiche interessierte Zuhörer vom Gegenteil

zu überzeugen. Der Titel ihres Vortrags (Ende Januar) im

Siegener Lÿz: „Festgenagelt sein – der Prozess des Bettlägerigwerdens.“

Anscheinend ist jedem auf den ersten Blick klar, worum

es sich bei der Bettlägerigkeit handelt. Aber Angelika

Zegelin belegte, dass keineswegs ausreichend geklärt ist,

noch hinlänglich untersucht wurde, wie es zur Bettlägerigkeit

kommt. Bezeichnend sei jedoch das allgemeine Verständnis.

Danach sind Krankenhäuser „Liegeanstalten“,

Patienten „liegen“ in den Betten, und es gibt keinen anderen

Rückzugsort für sie. Es wird von ihnen erwartet, dass

sie sich im Bett aufhalten, wenn sie krank sind. Liegende

Menschen sind hilfebedürftig und dementsprechend sind

vielerorts die Gepflogenheiten in Krankenhäusern und

Pflegeeinrichtungen. Zahlreiche Rationalisierungen und

Routinen fördern eher die Passivität als die Aktivität der Patienten.

Strukturelle Gegebenheiten wie Personal- und Zeitmangel,

starre Tagesabläufe, schließlich mangelhafter oder

fehlender Einsatz geeigneter Hilfsmittel sowie unbequeme

Sitzmöbel fördern die Ortsfixierung der Betroffenen.

Oft wird dieser Zustand als schicksalhaft und als Krankheitsfolge

erlebt, dabei kann sie eine Folge unglücklicher

Umstände sein. Die Lebenswelt der Betroffenen ist häufig

trostlos, isoliert und mit der Gefahr verbunden, geistig zu

verarmen. Die erschreckend schnell schwindende Kraft

und die damit verbundene Abnahme der Mobilität hat nicht

nur Einfluss auf den Einzelnen, sondern auch auf dessen

Rollen in seinen Beziehungen zu anderen Menschen. Schon

ein Liegen über 48 Stunden führt laut Zegelin zu körperlichen

Umstellungen. Vor allem bei älteren Menschen setzen

Kreislaufprobleme und Muskelschwund ein. In der Medizin

wird inzwischen deshalb weitgehend auf die Verordnung

von Bettruhe verzichtet.

Wie Angelika Zegelin darlegte, entwickelt Bettlägerigkeit

sich über mehrere Phasen. Fehlende Hilfestellung, unpassende

Möbel und vor allem Rücksichtnahme, „keine

Umstände machen wollen“, führten zur Bettlägerigkeit.

Schließlich führt eine „Ortsfixierung“ dazu, dass die Menschen

Hilfe brauchen, um Bett oder Sessel zu verlassen –

ist diese Hilfe nicht mehrmals am Tag zur Stelle, werden

die Menschen „festgenagelt“.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Februar

2007) werden zurzeit noch zwei Drittel der Pflegebedürftigen

zu Hause versorgt, annähernd 1 Million Menschen allein

durch Angehörige. Aber immer mehr Deutsche sind auf

die Hilfe und Pflege anderer angewiesen. Gleichzeitig

nimmt der Trend zur Pflege in Pflegeheimen und durch ambulante

Dienste zu und damit steigt die Gefahr, dass immer

Dr. Angelika Zegelin (Pflegewissenschaftlerin aus Dortmund)

ist gelernte Krankenschwester und Lehrerin für

Pflegeberufe. Sie blickt auf eine 25-jährige Tätigkeit in

Aus- und Weiterbildung für Pflegende und zahlreiche berufspolitische

Aktivitäten (wie z. B. den Aufbau der Pflegewissenschaft

in Deutschland) zurück.

mehr alte Menschen in eine im wörtlichen Sinn „beklemmende“

Situation geraten.

Der emotional anrührende Vortrag von Angelika Zegelin

zeigte, wie sehr das Mensch-Sein davon abhängig ist,

mobil und selbstbestimmt zu sein. Tröstlich war der Hinweis,

dass es Möglichkeiten gibt, den Zustand der Bettlägerigkeit

in allen Phasen rückgängig zu machen. „Aber“ –

so die Referentin – „um pflegewissenschaftliche Erkenntnisse

umzusetzen, bedarf es der Nachfrage aus der Bevölkerung.“

Erich Kerkhoff

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durchblick 1/ 2007 15


Da war diese Unentschlossenheit: Fahren wir oder fahren

wir nicht! Eigentlich bedurfte es keiner großen Überlegung

mit zum Rhein zu fahren, denn ein Angebot, das die

Stadt in ihren Aktionen: „Fit ab 50“ bot, war mehr als günstig.

Es war im wahrsten Sinne des Wortes fünf Minuten vor

12 Uhr, als mein Mann am Freitag das Bürgerbüro anrief,

um nachzufragen, ob noch zwei Plätze frei wären. Selbstverständlich

konnte er die vorbestellten Tickets am Montagmorgen

abholen.

So warteten wir Mittwoch um 7.15 Uhr zusammen mit

mehr als 200, vorwiegend älteren Menschen, weit über 50

Jahre, am Abholpunkt.Viele standen in Gruppen beieinander

und führten rege Gespräche, andere verharrten gespannt.

Wir, ein wenig abseits stehend, betrachteten das Ganze mit

gemischten Gefühlen. Im Austausch stummer Blicke wusste

ich, was mein Mann dachte: Wir hier? Zwischen all den

Alten? „Wir sind auch nicht mehr die jüngsten Hüpfer!“,

sagte ich mit ein wenig gedämpfter Stimme zu meinem

Mann. Er nickte stumm. Ehe wir weiter zum Nachdenken

kamen, fuhr schon der erste moderne, doppelstöckige Bus

vor und nahm einen Teil der Fahrgäste auf. Mein Mann und

ich bekamen im vorderen Bereich des Busses einen komfortablen

Sitzplatz mit Tisch. Ein älteres Ehepaar saß uns

schon in Fahrtrichtung gegenüber, das uns mit einem

freundlichen „Guten Morgen!“ begrüßte. Aus dem Fenster

blickend sahen wir, dass drei weitere Busse folgten, die

sich überraschend schnell füllten. Bald darauf schlossen

sich die Türen und eine angenehme, weibliche Stimme

stellte sich vor und begrüßte uns aufs Herzlichste. Die Seniorenbeauftragte

der Stadt erklärte uns die Fahrstrecke und

weitere Aktivitäten des Tages, welches mit fröhlichem

Klatschen belohnt wurde. Ebenso erwähnte sie, dass sich

zwei Sanitäter an Bord befänden, wenn einmal jemand Hilfe

benötige, wäre dafür gesorgt.

Nun standen uns drei Stunden Busfahrt bevor. Zaghaft

begannen unsere Tischnachbarn über die Fahrt zu sprechen

Leserbeitrag

Ein Ausschnitt anderen Lebens …

Die „Loreleystar“ führt uns über die schönste Strecke des Mittelrheins.

und es dauerte nicht lange, da waren wir in einem intensiven

Gespräch verwickelt. Hierbei erfuhren wir, dass wir aus

derselben Stadt kamen, das Ehepaar, beide 85 Jahre alt,

nahm schon an mehreren Touren teil und erzählte voller Begeisterung

von den Fahrten. Die ein oder andere Begebenheit

trug der alte Herr sehr lebhaft vor, sodass die am Nebentisch

Sitzenden auch diesen Erzählungen lauschten und

ganz automatisch nun daran teilnahmen. Es blieb nicht aus,

dass auch der eigene Lebensweg mit eingeflochten wurde.

Der alte Herr und seine Frau wechselten sich in ihren Schilderungen

ab, die uns immer stiller werden ließen. Er

berichtete von den Wirrnissen des Krieges, seiner Gefangenschaft,

das Herüberkommen aus dem Osten, das Kennenlernen

seiner Frau, wobei sie gleich anflocht, dass sie seit

über 60 Jahre den gemeinsamen Lebensweg gehen würden.

„Die Kinder sind schon lange aus dem Haus und nun können

wir auch noch ein bisschen leben. Alles andere, was

noch kommt, kann uns nicht aus der Bahn werfen!“, meinte

sie still lächelnd und verstohlen zu ihrem Mann blickend.

Zwischendurch wurden uns Kaffee und andere Getränke

gereicht, zu denen wir die mitgebrachten „Bütterkes“

verzehrten.

Währenddessen erklang wieder die sympathische Stimme

der Seniorenbeauftragten, die unser erstes Ziel ankündigte:

„Ja, meine Damen und Herren, in einer viertel Stunde

landen wir in Kamp-Bornhofen und wir besteigen dann

die „Loreleystar“, die uns über die schönste Strecke des

Mittelrheins führt und nach Rüdesheim bringt. Gute vier

Stunden wird die Fahrt auf dem Schiff dauern, die uns an

all den schönsten Ecken des Rheins vorbeiführt. Ich wünsche

Ihnen allen viel Vergnügen!“

Das Aussteigen aus den Bussen ging trotz einiger Gehbehinderter

äußerst zügig und bald schipperten wir bei

schönstem Sommerwetter über den Rhein. Das anschließende

gemeinsame Mittagessen an Bord wurde von einem

Alleinunterhalter musikalisch leise untermalt. Die zufriedenen,

strahlenden Gesichter, wunderten

uns mehr und mehr. Ein

anderes Ehepaar, das uns jetzt gegenübersaß,

ließ uns nun ganz sprachlos

werden, denn der Mann äußerte

sich sehr locker: „Ich bin das reinste

Ersatzteillager, fast alles in mir ist

erneuert, aber mir geht es bestens,

trotz meiner 93 Jahre!“ Schmunzelnd

bat er nach dem Essen seine

Frau um einen Tanz und begab sich

mit ihr auf die Tanzfläche, worauf

sie langsam, aber gekonnt einen

Walzer aufs Parkett legten. Wir

suchten lieber das Oberdeck auf und

genossen in bequemen Sesseln die

Sonne und den herrlichen Blick zu

den vorüberziehenden Wein- ➤

16 durchblick 1/ 2007


bergen und Burgen. Bald näherten wir uns Rüdesheim, das

jeder auf seine Weise erkunden konnte. Mein Mann und ich

beschlossen, die „Drosselgasse“ zum Abschluss anzusehen

und lernten dadurch andere, schöne Ecken von Rüdesheim

kennen. In einer weinumlaubten

„Straußenwirtschaft“, mundeten

uns der Kaffee und ein

großes Stück Erdbeertorte ganz

besonders, wobei uns die

Füße das Ausruhen dankten.

Viel zu schnell ging die

Zeit vorüber und wir begaben

uns zum verabredeten Bushalteplatz, wo sich schon die

meisten der Mitfahrenden versammelt hatten. Mit regem

Geschnatter füllten sich die Busse. Wir saßen wieder dem

alten Ehepaar gegenüber, das jetzt besonders strahlte. Von

Müdigkeit keine Spur …

Der Bus setzte nun zur Heimfahrt an und wir kamen erneut

ins Gespräch. Die Erlebnisse der letzten Stunden wurden

ausgetauscht und wir vergaßen, dass wir unter „alten

Menschen“ waren, die nur Heiterkeit und Lebenslust versprühten.

„Eigentlich wollte ich ja morgen die Wandertour

mitmachen, aber mein Arzt hat mir einen Strich durch die

Rechnung gemacht. Sie müssen wissen, dass ich regelmäßig

zur Chemotherapie muss, und die bekomme ich gerade

morgen. Aber am kommenden Sonntag fahre ich eine

Leserbeitrag

„Die Kinder sind schon lange

aus dem Haus und nun können

wir noch ein bisschen leben.“

Woche zum Müritzsee. Wandern kann ich zwar nicht mehr,

aber der Bus bringt uns ja überall hin!“ Der 85-Jährige muss

wohl unsere erstaunten und erschrockenen Gesichter gesehen

haben und klärte uns um ein Weiteres auf: „ Ich bin ja

nicht alleine, wir gehen immer

gemeinsam zur Chemo,

meine Frau und ich!“ „Ja!“,

bestätigte seine Frau, „wir haben

beide Krebs und lassen

uns nicht unterkriegen. Und

so lange es geht, fahren wir

und genießen die Welt!“

Weitere Einzelheiten der Krankheitsbilder hörten wir

auf der Rückfahrt, aber auch eine andere Achtung vor dem

Leben wurde uns bewusst gemacht, jedoch in einer Form,

von der wir uns nicht annähernd vorher Gedanken gemacht

hatten. So viel Lebensmut in sterbender Zeit aufzubringen,

bedarf einer Kraft, die für uns unvorstellbar schien. Nach

entbehrungsreichem und doch glücklichem Leben so Abschied

zu nehmen und nicht zu wissen, ob dieser heute,

morgen oder übermorgen sein wird, hatte uns sehr beeindruckt.

Es klang beinahe banal, als wir zum Abschied alles

Gute wünschten und uns in tiefer Nachdenklichkeit auf den

Heimweg begaben, im Geiste bei den „Alten“, mit ihrer bewundernswerten,

unbeugsamen Stärke …

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durchblick 1/ 2007 17


Elly Pempelford war eine reizende alte Dame mit wippenden,

weißen Löckchen, immer freundlich, hilfsbereit

und voller Vertrauen gegenüber ihren Mitmenschen, vor allem

in ihrem Heimatdorf Unter-Himmelsbach. Sie arbeitete

nicht mehr als Oberschwester im Kreiskrankenhaus, aber

fast jeder im Ort nannte sie noch Schwester Elly.

„Etwas Gutes steckt in jedem, man muss nur daran glauben“,

sagte sie sich. Wenn ihr wirklich einmal jemand überhaupt

nicht gefiel, versuchte sie, ihm aus dem Weg zu gehen,

wenn sich das vermeiden ließ. Aber das war nicht

immer der Fall.

Als sie an einem sonnigen Wochenende in die Kleinbahn

gestiegen war, um ihren Bruder in der nahe gelegenen

Kreisstadt zu besuchen, war es zu spät für Elly Pempelford,

sich noch aus dem Staub zu machen, um sich

solche unerwünschte Zeitverschwendung zu ersparen. Elvira

Brill, die größte Klatschbase von Unter-Himmelsbach,

hatte sie bereits entdeckt. „Welch hübsche Überraschung,

Schwester Elly“, flötete sie und machte unmissverständlich

einladende Handbewegungen. Dann bugsierte sie Ellys

kleinen Koffer neben ihren eigenen ins Gepäcknetz. Die

Mitteilung der alten Giftnudel, dass sie Unter-Himmelsbach

in Kürze verlassen würde, um in der Kreisstadt zu arbeiten,

hörte Schwester Elly mit Freuden.

Kaum jemand im Dorf hatte begriffen, warum der nette

Apotheker Antonius Bornemann diese Person seit dem

plötzlichen Tod ihres Vaters als Hausangestellte beschäftigte.

„Man hat mir eine viel

bessere Stellung angeboten“,

berichtete Elvira Brill und

fügte hinzu: „Ich werde ja

doch überflüssig, wenn Bornemann

jetzt wieder heiratet.

Aber für Himmelsdorf habe

ich ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk.“ Mit gedämpfter

Stimme fuhr sie fort: „Sie wissen ja, dass mein

Vater Privatdetektiv war. In seinem Tagebuch hat er vielen

ehrbaren Bürgern unseres Dorfes ein Denkmal gesetzt. Es

steht alles – bis auf das Vorwort – in dem versiegelten Tagebuch.“

Schwester Elly wusste, dass der alte Brill weiter

nach Verdächtigen gefahndet hatte, als er pensioniert war.

Dass er die Ergebnisse bereits dokumentiert hatte, konnte

sie nicht wissen.

Fräulein Brill setzte zum Schluss ihrem spannenden

Bericht noch die Krone auf: Sie angelte aus ihrer hochgeschlossenen

Wollbluse ein Blatt Papier und reichte es der

erstaunten Elly mit den Worten: „Hier ist das Vermächtnis

meines Vaters. Er glaubte, dass er von einem Himmelsbacher

ermordet wird, aber er starb doch ganz normal im Bett.

Hier, lesen sie selbst.“ Und Schwester Elly las:

Marias Krimi

Das Geheimnis des Koffers

„Etwas Gutes steckt in jedem,

man muss nur daran glauben.“

„Liebe Himmelsbacher.

Ich möchte mein Wissen um Eure kleinen Schwächen nicht

mit ins Grab nehmen. In meinem Tagebuch steht vieles über

einige von Euch, die ich über die Jahre in ihrem Umfeld belauscht,

beobachtet und ausgehorcht habe. Es handelt von

kleinen Sünden: Betrug, Diebstahl, Schwindel, Untreue und

Verstößen gegen die Sittlichkeit. Nur ein Verbrechen konnte

ich aufklären, das schwerer wiegt, als alles, was ich über

Euch weiß. Aber es bleibt als mein versiegeltes Geheimnis

im Tresor, bis ich abberufen werde. Ich nenne mein Tagebuch

„Viele kleine Gauner und mein Mörder“. Meine Tochter

wird es nach meinem Tod veröffentlichen, ohne Eure Namen,

die dürft Ihr selbst erraten. Aber ein Name wird dort

genannt, der meines Mörders. Die Geschichte seiner

Schuld ist nachzulesen. Dieser Himmelsbacher gehört in

die Hölle und ich hoffe, die Polizei wird dafür sorgen. Lebt

wohl und seid mir nicht böse; keiner ist unfehlbar.

Euer Walter Brill.“

Schwester Elly musste sich ein Tränchen aus den Augen

wischen, aber das Buch wollte sie unbedingt haben.

„Das wird in Himmelsbach einschlagen wie eine Bombe“,

freute sich Fräulein Brill im Voraus. Dann versteckte sie

den letzten Willen ihres Vaters wieder in Nähe der Herzgegend.

Elly versuchte, um von dem heiklen Thema abzulenken,

Elvira Brill für ihre Häkelmuster zu interessieren,

die sie für ihre Schwägerin eingepackt hatte. Sie holte eins

der Prachtexemplare aus ihrem Köfferchen, aber Fräulein

Brill hatte offensichtlich kein Verständnis für Handarbeiten.

Schwester Elly fragte noch nach der Auserwählten vom

Apotheker, für den sie eine

Schwäche hatte. Seltsam, ihn

ließ die Giftschlange aus ihren

Klatschgeschichten heraus.

Vielleicht war ja doch mal

irgendetwas wie ein warmes

Gefühl in ihrem Herzen lebendig.

Während Elly in Gedanken dem Ausgang entgegenstrebte,

wurde ihr klar, dass sie sich überhaupt nicht

von der Klatschbase verabschiedet hatte. Sie machte noch

einmal kehrt. Die Abteiltür stand auf. Fräulein Brill saß regungslos

auf dem Eckplatz am Fenster. Mit Entsetzen starrte

Schwester Elly auf Würgemale am Hals der eben noch

so gesprächigen Frau. Wenig später saß sie dem Inspektor

der Bahnpolizei gegenüber und beantwortete seine Fragen:

„Nein, es war niemand anderes im Abteil.“ Einen kleinen,

schwarzen Koffer hatte Fräulein Brill bei sich gehabt, aber

den beachtete keiner mehr. Elly bekam einen Cognac,

musste ihre Adresse hinterlassen und wurde vom Inspektor

mit netten Worten zur Tür gebracht. Am Nachmittag fuhr

sie ein junger Polizist mit dem Streifenwagen nach Hause.

Als sie dort ihren kleinen Koffer aus dem Flur ins Zimmer

trug, stutzte sie plötzlich. Das war doch nicht ihr Koffer,

obwohl er ganz ähnlich aussah, bis auf das altmodische, ➤

18 durchblick 1/ 2007


Marias Krimi

besonders verriegelte Schloss. Sie erinnerte sich, dass sie

ihren eigenen Koffer aus der Ablage geholt hatte, um Fräulein

Brill ein Häkelmuster zu zeigen. Trotzdem hatte sie

dann noch einmal in die Ablage gegriffen und den falschen

Koffer mitgenommen. Einen Moment übermannte Elly ein

beklommenes Gefühl. Sie überwand es, weil die Neugier

überwog, und schob mit aller Kraft den großen Riegel zur

Seite. Da lag es vor ihr auf einer Silberfolie: das versiegelte

Manuskript mit den Sünden der Himmelsbacher. Es war

schwarz eingeschlagen. Auf dem Deckblatt stand: „Streng

geheim“ – „Viele Gauner und ein Mörder“. Bei dem Wort

Mörder zuckte Schwester Elly zusammen. Wo war ihr kriminalistischer

Instinkt geblieben? Der Verbrecher, der

Fräulein Brill umgebracht hatte, würde das Buch bei ihr suchen

und ihre Adresse finden. In Panik versteckte sie das

Tagebuch unter dem Polster ihres Sessels und den Koffer

unter dem Bett.

Plötzlich sah sie einen Schatten hinter der angelehnten

Terrassentür. Herein stürzte ein vierschrötiger Kerl, der so

aussah, wie sie sich immer einen Killer vorgestellt hatte.

„Her mit dem Koffer, altes Mädchen“, brüllte der Fremde.

Schwester Elly versuchte es mit einem Trick. „Ich habe

die Polizei schon verständigt, als ich die Verwechslung

der beiden Koffer gemerkt habe“, sagte sie mit zittriger

Stimme. In diesem Moment schrillte die Türklingel. Mit

einem Satz war der unerwünschte Besucher durch die Terrassentür

verschwunden. Der Trick war gelungen, aber, wer

kam jetzt noch? Voller Angst öffnete Elly Pempelton die

Haustür. Fast wäre sie dem netten Apotheker um den Hals

gefallen, der ihr da plötzlich gegenüberstand und erklärte:

„Ich habe mir Sorgen um Sie gemacht, als ich Sie vorhin

vom Fenster aus mit dem Polizeiwagen kommen sah.“

Schwester Elly strahlte ihn an: „Und nun haben Sie mir das

Leben gerettet.“

„Sie goss dem späten Gast ein Glas Sherry ein und setzte

sich in Positur. Dann erzählte sie die Geschichte von der

Bahnfahrt mit Elvira Brill und deren unvorhergesehenem

Ende: „Ich kenne das Motiv und den Mörder“, sagte sie

stolz. „Das Motiv ist das Tagebuch von Detektiv Brill und

der Killer ist gekauft.“ Sie berichtete von den verwechselten

Koffern. Bornemann unterbrach sie plötzlich scharf:

„Haben Sie das Tagebuch weiter gelesen?“ Das verneinte

sie und fuhr fort: „Aber ich werde es jetzt zu Ende lesen

und dann rufe ich die Polizei an, ehe unser Killerfreund

wiederkommt.“

„Das werden Sie nicht tun“, zischte Bornemann, der

plötzlich aufgesprungen war. Elly spürte mit einer Mischung

aus Angst und grenzenlosem Staunen, wie sich die

Hände des Apothekers fest um ihren Hals legten.

„Das werden Sie nicht tun, was Sie da gerade vorhaben,

Herr Bornemann“, sagte eine Stimme, die wie Elly zu ihrer

grenzenlosen Erleichterung feststellte, dem Inspektor der

Bahnpolizei gehörte, der durch die Terrassentür gekommen

war. An den Händen des Apothekers, die sich spontan von

Schwester Ellys Hals gelöst hatten, klickten die Handschellen.

Dann wandte sich der Polizist an den Apotheker:

„Wir haben einen Mann vor zwei Stunden mit einem

schwarzen Köfferchen in der Nähe der Bahngleise festgenommen.

Die Häkeldeckchen von Schwester Elly konnten

wir auch wirklich nicht dem Killer zuordnen, der bereits gestanden

hat, in Ihrem Auftrag gehandelt zu haben, Herr

Bornemann. Deshalb bin ich Gott sei Dank noch rechtzeitig

hierhergekommen.

Dann hielt der Inspektor dem blass gewordenen Apotheker

die letzte Seite des entsiegelten Tagebuchs vor die

Nase. „Hier fehlt noch der Name des Rauschgiftbosses, der

als getarnter Apotheker seit Jahren den Markt einer Jugendsekte

mit Heroin belieferte. Der alte Brill ist Ihnen auf

die Schliche gekommen. Durch seine Tochter haben Sie

von dem Tagebuch erfahren. Die kleinen Mengen Arsen,

die Elvira Brill ihrem Vater jeden Abend ahnungslos in sein

Schlafmittel kippte, brachte ihm den schleichenden Tod.

Er hat es gemerkt, als es ihm immer schlechter ging und

diese Entdeckung noch im Tagebuch eingetragen. Der arme

alte Mann war Ihr erstes Opfer. Seine Tochter musste

ihm folgen, weil Sie das verräterische Tagebuch haben

wollten. Da fehlt jetzt nur noch ihr Autogramm.“

Den Namen Antonius Bornemann musste der Mörder –

so wie es der alte Brill gewollt hatte – selbst auf der letzten

Seite des Tagebuchs eintragen. Es wurde ein Bestseller

und brachte Unter-Himmelsbach ungeahnte Berühmtheit.

Maria Anspach

Damit man in jedem Alter

die Zeit noch schöner

genießen kann ...

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durchblick 1/ 2007 19


Leben im Alter

Älter werden in Siegen

Ein Beitrag der Leitstelle „Leben im Alter“

Ausweitung der präventiven Altenarbeit und Aufbau

von Netzwerken im Bereich Siegen-Nord.

Im Februar 2006 erreichte die Stadt Siegen eine Ausschreibung

des Bundesministeriums für Familie, Senioren,

Frauen und Jugend, in der bundesweit viel versprechende

Beispiele dafür, wie engagierte Bürgerinnen und Bürger

kommunale Angebote aufrechterhalten oder die Palette solcher

Projekte erweitern, gesucht werden. Das besondere

Interesse galt dabei Projekten, in denen älteren Menschen

eine Schlüsselfunktion zukommt.

Da in der Stadt Siegen die Einbeziehung des Bürgerengagements

seit Jahren Bestandteil der kommunalen

Altenarbeit ist, fiel es nicht schwer, mehrerer Projekte

gleichzeitig in die Ausschreibung zu bringen.

Am 26. 01. 2007 trafen sich in einer ersten Runde mit

Dr. Ludger Klein vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik

die Seniorenbeiräte und Ratsmitglieder aus

Geisweid und Weidenau sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

des Allgemeinen Sozialdienstes aus diesen Stadtteilen,

Vertreter des Integrationsrates und des Lokalen

Bündnisses für Familien sowie auch schon einige interessierte

Bürgerinnen und Bürger.

Unter dem Thema „Ausweitung der präventiven Altenarbeit

und Aufbau von Netzwerken“ wurden zielgruppenorientierte

Hilfe- und Unterstützungsszenarien diskutiert,

die dazu beitragen, dass älter werden in Siegen nicht soziale

Isolation bedeutetet.

Wie geht es nun weiter ?

Beispielsweise die Gründung einer Stiftung „Altenarbeit“

oder die Entwicklung von Netzwerken und die Ausweitung

präventiver Arbeit in einem ausgewählten Bezirk.

Von mehr als 100 Bewerbern

wurden durch das Bundesfamilienministerium

12 Kommunen

ausgewählt; und Siegen

ist dabei. Darauf sind

wir sehr stolz, weil wir darin

auch Anerkennung für unsere

strategische Ausrichtung sehen, die mit der Leitstelle

„Leben im Alter“ und der Fortschreibung des Altenplanes

im Jahr 2006 fortgesetzt wurde.

Inzwischen nahmen Frau Schneider als Vertreterin der

Stadt Siegen und Herr Alberts für den ehrenamtlichen Bereich

an einer Tagung des Familienministeriums teil, die als

Start für das Modellprojekt galt.

Im Rahmen des ausgeschriebenen Modellprojektes wird

den Kommunen ein Beratungsangebot zur Seite gestellt,

mit dem der Aufbau von Angeboten möglichst effizient und

bürgernah gestaltet werden kann. Diese Beratung und Begleitung

wird durch das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik

in Frankfurt geleistet. Zielsetzung ist, Erfolg

versprechende Strategien und Rahmenbedingungen für die

Aufrechterhaltung und Ausweitung kommunaler Angebote

durch die Selbstorganisation älterer Menschen zu erproben

und auf dieser Grundlage ein Handbuch zu erstellen.

Bundesweit 12 Kommunen

ausgesucht – und Siegen ist dabei !

Unter Einbeziehung von Daten über die Bevölkerungsentwicklung

und Wohnverhältnisse werden wir eine Bestandsaufnahme

vorhandener Dienste und Angebote vornehmen.

Dies sind z. B. alle

Angebote mit Bezug zur Pflege,

präventive und vorpflegerische

Dienste und Leistungen,

Selbsthilfegruppen,

Kirchengemeinden, Verbände,

Einkaufsmöglichkeiten,

Ärzte, Ämter, Kultur- und Kommunikationsangebote,

hauswirtschaftliche Hilfen, Krankenhaussozialdienste, Vereine,

Angebote für Migrantinnen und Migranten sowie des

öffentlichen Personennahverkehrs.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen gehen wir dann auf

die Bevölkerung in Siegen-Nord zu, mit dem Ziel, weitere

Bedürfnisse, aber auch Engagementbereitschaft abzufragen.

Wichtiges Bindeglied sind dabei die ehrenamtlichen

Seniorenbeiräte, für die sich stellvertretend Herr Alberts in

die Arbeit einbringen wird.

Mittelfristig wollen wir erreichen, dass bürger- und

wohnortnah Anlaufstellen entwickelt werden, die Drehund

Angelpunkt von Hilfegesuchen und Angeboten sind.

Sie sollen seismografisch und demografiesensibel die Situation

in den Bezirken aufnehmen und weitergeben, aber

auch unser Konzept des „präventiven Hausbesuches“ umsetzten.

Die Stadt Siegen hat die Zielsetzung, ihr Konzept zum

Aus- und Aufbau nachfrageorientierter und quartiersbezogener

Infrastruktur für Ältere umzusetzen. Wir haben uns

entschieden, damit im Siegener Norden, also in Geisweid

und Weidenau, anzufangen.

Die Rolle der Stadt Siegen wird u. a. in der Unterstützung

und dem Aufbau dieser Strukturen liegen, aber nicht

zuletzt auch darin, weitere Modelle zu entwickeln, die dazu

beitragen, ihrer Verpflichtung im Rahmen der Daseinsvorsorge

nachzukommen.

20 durchblick 1/ 2007


Leben und Wohnen im Alter

„Wohnst du noch, oder …?“

Die Lebenssituation älterer Menschen im Kreis Siegen-

Wittgenstein war Gegenstand einer Befragung, die 2004

von der Kreisverwaltung gemeinsam mit dem Kölner

IKOS-Institut durchgeführt wurde.

Einen Schwerpunkt bei der Betrachtung bildete die Wahrnehmung

von Seniorenpaaren, da rund 68 Prozent der Befragten

angaben, mit einem Partner zusammenzuleben.

Die Befragung zeigt: Den älteren Menschen im Kreis

Siegen-Wittgenstein geht es generell gut und sie fühlen sich

nicht einsam. Im Gegenteil: Sie sind viel aktiver und unternehmens-

und kontaktfreudiger als frühere Generationen.

Allerdings haben sie große Sorge, ihren Mitmenschen

einmal zur Last zu fallen. Selbstständigkeit wird als enorm

wichtig angesehen.

• Die Siegerländer Senioren sind ortsverbunden und

haben häufig ein Eigenheim. Immer wieder taucht die

Befürchtung auf, dass es zu groß sein könnte. Die Ausstattung

der Senioren-Haushalte ist wesentlich besser

als noch vor einigen Jahren. Nicht selten ist auch ein

Internetanschluss vorhanden.

• Die älteren Menschen im Kreis Siegen-Wittgenstein

machen sich um ihre Zukunft große Sorgen und haben

eine hohe Erwartungshaltung an die kommunalpolitischen

und gesellschaftlichen Kräfte.

• Altenbegegnungsstätten stoßen auf wenig Begeisterung

und sind nicht mehr zeitgemäß. Größeres Interesse

besteht dagegen an Beratung und Unterstützung

im Alltag.

• Auffällig ist die große Unsicherheit im Bereich der

Pflege. Nur solange der Partner an der Seite steht, ist

eine gegenseitige Unterstützung gut möglich. Für die

Pflege wollen ältere Menschen ihre Selbstständigkeit

und das eigene Zuhause am liebsten beibehalten.

(Quelle:www.siegen-wittgenstein.de)

Bis zum Jahr 2020 wird sich die Lebenssituation älterer

Menschen im Kreis Siegen-Wittgenstein erheblich verändern.

Denn ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt von jetzt

24,6 auf annähernd 30 Prozent. Die Zahl der über 79-Jährigen

wird sich in absehbarer Zeit sogar verdoppeln. Damit steigt

auch die Zahl der Hochaltrigen, Alleinlebenden und Pflegebedürftigen.

Schon seit einigen Jahren sind immer mehr Menschen

auf die Hilfe und Pflege anderer angewiesen, gegenwärtig

in der überwiegenden Mehrheit (68 %) Frauen. Der

Trend zur Pflege durch ambulante Dienste nimmt weiter zu,

denn bevorzugt wird man in der eigenen Wohnung und in

vertrauter Umgebung älter. Aber es fällt den meisten Menschen

schwer, ihre gewohnte Umgebung altersgerecht zu

verändern. Das kann auf lange Sicht die Lebensqualität und

die Selbstständigkeit einschränken. Die Unfallgefahr nimmt

im Alter erheblich zu. Die meisten Unfälle geschehen dann

in der häuslichen Umgebung.

Schwieriger als die

Realisierung technischer

Lösungen ist nicht selten,

ältere Leute von der Notwendigkeit

und Machbarkeit

einer Wohnungsanpassung

zu überzeugen.

Viele scheuen die Veränderung,

fürchten Schmutz

oder komplizierte Anträge.

Hier setzt die ehrenamtliche

Beratungstätigkeit

z. B. von Mitgliedern

des Vereins ALTERAktiv

Siegen-Wittgenstein an.

In Kooperation mit den

Fachstellen der Kommunen

und der Kreisverwaltung

Siegen-Wittgenstein

stellen sie sich u. a. folgenden

Anforderungen:

Klaus Stehn, verantwortlich

für die Wohnberatung des Vereins

ALTERAktiv, gibt Auskunft

unter Telefon 02 71/2 50 32 39.

• Einfühlungsvermögen in die Lebenssituation der Ratsuchenden,

• beraterische Fähigkeiten,

• handwerklich-technisches Verständnis,

• Wissen über technische Hilfsmittel und baulich-technische

Grundlagen,

• Grundkenntnisse über barrierefreie Gestaltung von

Wohnräumen,

• Kenntnisse über die Finanzierung von Wohnungsanpassungsmaßnahmen.

Eine besondere Herausforderung liegt in der Tatsache,

dass die Zahl der älteren Zuwanderer überdurchschnittlich

steigt und diese oft kulturell und biografisch begründete

Probleme haben. In Zusammenarbeit mit Gruppen und Familienvereinen

aus dieser Zielgruppe sowie mit Unterstützung

entsprechender Fachstellen bietet ALTERAktiv dafür

eigene Beratungsangebote an.

Erich Kerkhoff

durchblick 1/ 2007 21


„Da oben auf der Kuppe, umkränzt vom Eichenhain,

zeugt von vergangenen Zeiten, zerbröckeltes Gestein; da

wieget jetzt die Diestel ihr Haupt im eilenden Wind – Türme,

Mauern und Ritter schon längst verschwunden sind.“

(Heinrich Achenbach, „Ginsberg und Grund“)

Es ist ein eigenartiger Zauber, der von einer „alten

Burg“ ausgeht, wie sie im Lande zerstreut herumliegen und

auch im Siegerland ziemlich zahlreich auftreten. Zwar sind

die meisten von ihnen in Schutt und Trümmer gesunken,

aber die Volkssage hat sich ihrer bemächtigt und einen geheimnisvollen

Schleier über

sie gebreitet. Die alten Leute

wissen von unterirdischen Gewölben

und verborgenen Schätzen

viel zu erzählen, oder von

Raubrittern, Burgfrauen und

sonstigen Gestalten, die heute noch an diesen verwunschenen

Orten ihr Unwesen treiben und die daher von Ängstlichen

scheu gemieden werden. So zum Beispiel die Sage

vom frechen Raubritter Hübner, der in seiner Rüstung gebettet

unter der Eiche liegt, die seinen Namen trägt, oder

auch die Sagen „Das Fräulein vom Kindelsberg“, „Der bestrafte

Priester“ und „Der Ritter mit dem schwarzen Pferd“,

die bis auf den heutigen Tag im Volke lebendig geblieben

sind, wenn es um die Burg auf dem Ginsberg geht.

Die Burg tritt urkundlich zuerst 1255 im Zusammenhang

mit der nassauischen Landesteilung zwischen den

Grafen Walram und

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Aus dem Siegerland

Die Burg auf dem Ginsberg

Es ist ein eigenartiger Zauber,

der von einer alten Burg ausgeht

Otto von Nassau in

das Blickfeld der Geschichte.

Unter der

Bezeichnung „novum

castrum“ wird sie

mit den Städten und

Burgen Siegen, Herborn

und Dillenburg

der ottonischen Linie

des Grafenhauses zugesprochen.

Bisher

wurde ihre Erbauung

dem Grafen Heinrich

II. (1197–1247)

zugeschrieben, der sie

zum Schutz gegen

Überfälle und Befehdungen

an der nordöstlichen

Grenze seiner

Grafschaft angelegt

haben soll. Die seit

1961 vorgenommenen

Freilegungsarbeiten

haben jedoch ergeben,

dass die Anfänge der Ginsburg in einer Turmburg

des 12. oder gar des 11. Jahrhunderts zu sehen sind. Unter

dem heute gebräuchlichen Namen „Ginsberg“ wird die

Bergfeste in einer Urkunde vom 27. April 1292 erstmals

genannt. Weitere Urkunden mit der Burgerwähnung liegen

von 1295, 1303, 1341 und 1343 vor. Die erste nähere

Beschreibung der Feste ist in einer Urkunde von 1345

enthalten, in der Graf Otto II. von Nassau dem Erzbischof

Walram von Köln neben mehreren Siegerländer Kirchspielen

die Hälfte seiner Burg und ihres Zubehör verkaufte.

Damals hatte die „burch zume Gensberghe“ schon

mehrere Türme, Pforten, Häuser,

eine Umfassungsmauer

und Wall (Gräben), dazu Festungsanlagen

mit Wegen und

Brücken, Brunnen und sonstiges

Zubehör. Es werden neben

den Liegenschaften ferner Burgleute, Pförtner, Turmknechte

und Wächter aufgeführt. Vierzehn Jahre später

gelingt es dem Grafen, das Halbteil zurückzukaufen.

Nassau musste weiter 1355 seinen Burganteil an die Ritter

von Haiger verpfänden und 1356 die Burg dem Landgrafen

von Hessen öffnen. Diese Tatsachen kennzeichnen eine

eingeschränkte Macht und einen finanziellen Tiefstand

der Landesherren.

Aus den Rechnungen der gräflichen Kammer geht hervor,

dass die Burg im 15. Jahrhundert (1463 und 1496/97)

erneuerungsbedürftig gewesen ist. Die Rechnungen der

vorgenommenen Bauarbeiten deuten auf eine Erneuerung

und Erweiterung hin. Während der Bautätigkeit war auf

der Burg ein „Droste“ (Burggraf, Burgverwalter), die Grafen

von Nassau-Siegen, kamen gelegentlich zur Ausübung

der Jagd als Gäste auf die Ginsburg. Die Speisen und Getränke

für die gräfliche Herrschaft und deren Diener wurden

von Hilchenbach zur Ginsburg heraufgeschafft. Daraus

ergibt sich, dass die Burg einer größeren Anzahl von

Personen keine ausreichende Aufenthaltsräume bot, sondern

dass sie in erster Linie nur Bedeutung als Grenzfeste

hatte. (Bei den Ausgrabungen zeigte sich, dass nur ein

Wohnhaus vorhanden gewesen ist.) Um 1520 stand die

Burg im Zusammenhang mit Hexenverbrennungen.

Wilhelm I. von Oranien, genannt der Schweiger (1533–

1584), hielt im April 1568 mit seinen Beamten, Offizieren

und niederländischen Getreuen auf der Burg wichtige Besprechungen

ab, die zu den Befreiungsplänen für die Niederlande

führten. Ende April desselben Jahres ließ er auf

der Ginsberger Heide unter Befehl seines Bruders Ludwig

die Regimente sammeln, die nach Holland aufbrachen. Damit

hat die Burg über die Lokalgeschichte hinaus eine besondere

historische Bedeutung erlangt. Noch einmal sah

die Burg schwer bewaffnete Soldaten. Es war 1568, als der

Einfall der Spanier in den Nassauer Landen befürch- ➤

22 durchblick 1/ 2007


Aus dem Siegerland

tet wurde. Danach verfiel die Burg mehr und mehr. Jahre

gingen dahin, ohne dass die Burg in Akten erwähnt wurde.

Im Jahre 1621, in Ausführung einer Erbteilung, sollte

der Graf Wilhelm zu Siegen die Burg beziehen. Jedoch

wurden die erforderlichen Renovierungsarbeiten auf rund

4000 Gulden geschätzt. Wilhelm, der sich Graf von Nassau-Siegen-Ginsberg

nannte, konnte aber diese Summe

nicht aufbringen und erwarb stattdessen die sogenannte

Wilhelmsburg in Hilchenbach. Nach dem Tod Wilhelms

ging das Eigentum an der Burg 1649 an den Fürsten Johann

Moritz von Nassau-Siegen über. Die allgemeine Verarmung

der Fürsten, auch der Siegener Grafen, machte es unmöglich,

dass die Ginsburg wiederhergestellt wurde, ja

nicht einmal erhalten werden konnte. So konnten Sturm,

Regen und Frost ihre vernichtende Macht ungehindert an

der Burg ausüben, sodass sie mehr und mehr in Verfall geriet,

und die benachbarten Bewohner halfen nach, indem sie

willkommenes Material zum Bau von Häusern und Ställen

bei der verlassenen Ginsburg fanden. Rund 200 Jahre später

ließ die preußische Forstverwaltung als Eigentümerin

der Ruine den Bergfriedrest und noch einige vorhandene

Gewölbe zuwerfen.

Im Jahre 1961 begann man mit den Freilegungs- und

Restaurierungsarbeiten in und an der Burgruine und eine

heimatgeschichtliche Gedenkstätte einzurichten. Burgen

und Schlösser einer Landschaft sind Denkmäler der Erinnerung,

Monumente, die in beredter Form Zeugnis ablegen

von dem, was einst gewesen. Sie berichten von den Menschen,

die sie planten und erbauten, von deren Lebenskampf

mit dem Willen zu Schutz und Macht und letztlich

auch von ihrem Werden und Vergehen.

Den Boden zu kennen, worauf man steht,

zu wissen, was einst gewesen,

nun aber verschwunden;

einzusehen, warum das gekommen;

zu begreifen, was in der Vorzeit

wurzelnd noch aufrecht steht –

das scheint Anfang und Vorbedingung

aller besseren Bildung! (Adolf Diesterweg)

Seit einigen Jahren ist die Ginsburg ein Treffpunkt der

europäischen Jugend. Jedes Jahr wird auf der Ginsberger

Heide ein Europa-Zeltlager aufgeschlagen, wo verschiedene

kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Ziel aller Bestrebungen

ist, die kulturelle Eigenart jedes denkmalwerten

Baues in seiner Umgebung, trotz aller Strukturveränderungen,

zu erhalten und zu revitalisieren.

Dorothea Istock

Am Ev. Jung-Stilling-Krkhs.

in Siegen

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Ambulante Rehabilitation

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Prävention und Gesundheitssport

durchblick 1/ 2007 23


Wir, der Integrationsrat der Stadt Siegen, sind

die politische Interessenvertretung der hier in Siegen

lebenden Migranten.

Mit vielen lokalen Aktivitäten leisten wir einen Beitrag

zum Abbau von Vorurteilen gegenüber Menschen aus anderen

Kulturen. Insbesondere will der Integrationsrat zum

besseren Verständnis zwischen allen hier lebenden Bevölkerungsgruppen

beitragen.

Trotz unterschiedlicher Herkunft oder Lebensart ist es

uns wichtig, dass man sich kennenlernt, sich gegenseitig

kulturell bereichern kann und vor allem respektiert. Eigentlich

versteht sich der Integrationsrat dabei als Bindeglied

und Förderer von zahlreichen interkulturellen Veranstaltungen

hier in Siegen. Die wirklichen Akteure sind alle Siegener

Institutionen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen,

die sich immer wieder aktiv einbringen.

Siegen

Einblick in den Integrationsrat

Ende des letzten Jahres fand das erste Treffen „Internationale

Seniorenbegegnung“ statt. Diese Veranstaltung war

so erfolgreich, dass wir sie dieses Jahr im August wiederholen

werden. Wir freuen uns auch dann auf viele, viele Besucher,

die in einem interkulturellen Ambiente interessante

...wo man zu Hause ist.

“Haus an der Weiß“

Senioren-Wohn-und Pflegeheim

Ambulanter Pflegedienst

Kurzzeit- und Tagespflege

Hausnotruf

Seniorenwohnen

Pflegeberatung

G. Eickhoff Betriebs GmbH

Augraben 15

57234 Wilnsdorf-Niederdielfen

Telefon: 0271/39840 Fax 0271/390793

www.haus-an-der-weiss.de

Nachtwächterführung mit Ausklang im alten Weinkeller.

Gespräche führen können und dabei mit leckerem Essen

verwöhnt werden. Die hiesigen Wohlfahrtsverbände und

Pflegedienste wollen sich vorstellen und alle Besucher haben

die Möglichkeit, sich detalliert zu informieren.

Neben regelmäßigen Informationsveranstaltungen mit

interessanten Themen und Aktionen für Erwachsene und

Jugendliche sind uns natürlich Projekte mit älteren Menschen

sehr wichtig.

Es steht außer Frage, dass wir in Siegen immer mehr

Rentnerinnen und Rentner mit Migrationshintergrund haben.

Wir wünschen uns, dass diese Menschen nach dem

Ausscheiden aus dem Berufsleben nicht in die Isolation

fallen. Wir könnten uns einen regen Austausch und die Kooperation

mit Seniorengruppen sehr gut vorstellen, und wer

weiß, vielleicht hat jemand die eine oder andere nette Anregung.

Es wäre doch einfach schön, wenn in den verschiedenen

Siegener Einrichtungen für Senioren auch diejenigen

einbezogen werden könnten, die vielleicht nicht so gut die

deutsche Sprache beherrschen. Sprache ist wichtig, aber

vielleicht sind da auch noch andere Bereiche des „Menschsein“

von Bedeutung, wie z. B. handwerkliche Fertigkeiten.

Nebenbei wird auch noch die deutsche Sprache gepflegt.

Nähere Auskunft erhalten Sie unter der Rufnummer

02 71/4 04 14 45.

Pilar Mesa Navarro

AK Öffentlichkeitsarbeit des Integrationsrates

24 durchblick 1/ 2007


Aus dem Seniorenbeirat

Wahlen zum Seniorenbeirat 2007

Die Wahlzeit des derzeitigen Seniorenbeirates der Stadt

Siegen neigt sich dem Ende zu.

Nachdem die gewählten Damen und Herren sich in den

vergangenen fünf Jahren bemüht haben, die Belange der älteren

Menschen in Siegen zu vertreten, muss nun im Sommer

dieses Jahres ein neuer Seniorenbeirat gewählt werden.

Unterstützung und Beratung einzelner Bürgerinnen und

Bürger bei den verschiedensten Anliegen, z. B.: Behördenangelegenheiten

– Verbesserung der Notfallhilfe durch

Nummerierung der Ruhebänke in Siegen – Öffentlicher

Personennahverkehr: Bürgergespräch VWS – Englischunterricht

für Senioren im Haus Herbstzeitlos – Beratung

in Seniorenangelegenheiten in den verschiedenen Ausschüssen

des Rates der Stadt Siegen – Beratende Beteilung

(Seniorenaspekte) bei der Stadtplanung (Umbau Siegerlandhalle,

Gestaltung Innenstadt, Theater usw.) – Partnerschaft

mit Senioren aus Leeds-Morley, gemeinsames Buchprojekt

„und samstags in die Zinkbadewanne“

Bei den durchzuführenden Wahlen sind einige Änderungen

vorgesehen. So soll das Wahlalter von 58 auf 60 Jahre

heraufgesetzt werden. Dies erscheint angesichts der steigenden

Lebenserwartung sinnvoll; auch dann gibt es in der

Stadt Siegen noch ca. 26.500 Wahlberechtigte. Außerdem

soll die Wahl diesmal als Briefwahl durchgeführt werden,

weil bei der bisherigen Praxis der Wahl an einem bestimmten

Tag in Wahllokalen doch nur ein geringer Anteil

der Senioren sich beteiligt hat. Ab April wird zur Kandidatur

und zur Einreichung von Wahlvorschlägen aufgefordert.

Kandidieren kann jeder in dem entsprechenden Wahlalter

für den jeweiligen Wahlbezirk. Man benötigt dazu 20

Unterstützungsunterschriften. Auskunft gibt der Seniorenbeirat

unter der Tel. 4 04-13 34.

Horst Mahle

Die Ausstellung „20 Jahre durchblick“ zeigte vom

16. November bis Mitte Dezember 2006 Titel und Texte zur

Entwicklungsgeschichte des durchblick.

Mit Preisen versehen wurde die Teilnahme an der Wahl

des schönsten Titelbildes. Gewonnen hat den 1. Preis mit

100 Euro Friedhelm Gerhards. Der 2. und 3. Preis mit je 50

Euro ging an Thilo Huster und Beatrix Schwarz. Die

Preisträger der Preise 4 bis 15 werden in den nächsten Tagen

benachrichtigt, sie dürfen sich je ein Buch aus der

„durchblick-buchreihe“ auswählen.

Unter dem gleichen Titel „20 Jahre durchblick“ fand im

letzten Jahr die Geburtstagsfeier im Siegener Rathaus statt.

Als Festredner würdigte Bürgermeister Ulf Stötzel die Arbeit

der städtischen Seniorenzeitung.

Der Vorsitzende des Vereins durchblick-Siegen Information

und Medien e.V., Friedhelm Eickhoff, gab in seinem

Vortrag eine Übersicht über die Entwicklung des durchblick

von 1986 bis 2006.

In eigener Sache

20 Jahre „durchblick“

Heute arbeiten annähernd 50 Personen an verschiedenen

Projekten im Verein. Die meisten sind damit beschäftigt,

das viermal jährlich erscheinende Magazin zu erstellen

und zu verteilen. Mit einer Auflagenhöhe von zuletzt

10 000 Exemplaren, nur für Siegen, ist der durchblick ein

erfolgreiches regionales Medium geworden.

Friedhelm Gerhards nimmt den 1. Preis von Friedhelm

Eickhoff, dem verantw. Redakteur des durchblick, entgegen.

durchblick 1/ 2007 25


Reisen

Wenn Rentner auf Reisen gehen

Malta – eine kulturträchtige Insel im Mittelmeer.

Die Tourismus-Branche muss sich auf eine neue Zielgruppe

einstellen. Einer von drei Urlaubern ist im Seniorenalter

– Tendenz steigend.

Einer ADAC-Studie zufolge wird der Pkw-Verkehr in

Zukunft zunehmen, obwohl die Bevölkerung in Deutschland

schrumpft und

die Zahl der über 60-

Jährigen stark zunimmt.

Ein Widerspruch?

Keineswegs,

denn so die wissenschaftliche

Grunderkenntnis:

In Zukunft

werden ältere Menschen

ihr Auto weit

mehr nutzen als die

heutigen Senioren.

Auch die Frauen holen

beim Autofahren

kräftig auf. Die Begründung

liegt darin,

dass es die Senioren

der Zukunft ja immer

gewohnt waren, selbst

mobil zu sein. Sie

werden deshalb auch

im Alter auf ihr Auto

nicht verzichten. Voraussetzung

ist allerdings,

man bleibt einigermaßen

fit und das

Autofahren bezahlbar.

Nun sind die Zeiten,

in denen sich die

über 60-Jährigen mit sonntäglichen

Kaffeefahrten in die nähere Umgebung

begnügten, längst vorbei. Heute haben

wir ganz andere Ansprüche, wenn es in

den Urlaub geht. Das machten auch Experten

kürzlich vor dem Tourismus-Ausschuss

des Bundestages in Berlin deutlich.

Ob Rundreise in den USA, eine

Nilkreuzfahrt oder Schwarzwaldurlaub,

die Wünsche sind vielfältig. Man hat erkannt,

dass es immer mehr Senioren in

Deutschland gibt und immer mehr von

ihnen am Urlaubsgeschehen teilnehmen.

Der Statistik zufolge reisen 75 Prozent

der Menschen über 60 regelmäßig und

immerhin fast zwei Drittel der über

70-Jährigen verzichten nicht auf ihren

Urlaub. Damit ist heute einer von drei

Urlaubern im Seniorenalter – und die

Tendenz ist steigend.

Nach Aussagen der Reiseunternehmen sind die Wünsche

der Seniorenurlauber genauso vielfältig wie die junger

Reisender. Denn Vorlieben ändern sich nicht plötzlich

mit zunehmendem Alter. Wer schon immer Kulturreisen

liebte, wird auch mit 65 diese Vorliebe nicht aufgeben. Und

wer schon immer gerne wanderte, wird so lange weiter

wandern wollen, wie die Gesundheit es zulässt. Ein Reiseveranstalter

berichtet, dass viele seiner Mitreisenden die 90

überschritten hätten. Sehr beliebt bei Senioren sind auch

Kreuzfahrten und Flussreisen.

Bei uns – meiner Frau, einem befreundeten Ehepaar im

Seniorenalter und mir – war vor kurzem Malta als Reiseziel

beliebt, wovon ich gerne einige Eindrücke weitergeben

möchte.

Malta – eine kulturträchtige Insel im Mittelmeer

Malta nennt sich gern das Herz des Mittelmeers. Es liegt

im Schnittpunkt aller Kulturen und Ereignisse, die die Geschichte

geprägt haben. In steinzeitlichen Tempeln wandelt

man zwischen Mauern aus vielen Tonnen schweren Steinblöcken

durch die über 5000 Jahre alte Glaubenswelt der

Malteser. Katakomben erinnern an die frühe Zeit des Christentums.

Malta war oft ein Spielball der Geschichte und so

wundert es nicht, dass viele Kulturen ihre steinernen Zeugnisse

hinterlassen haben. Diese Kulturdenkmäler sind das

eigentlich Faszinierende an Malta.

Beispiel Mdina: Die alte Hauptstadt Maltas ist mit ihren

schmalen Gassen und ihrer vollständig erhaltenen historischen

Bebauung ein Ort, in dem man sich noch wie im Mittelalter

fühlen kann. In byzantinischer Zeit wurde die antike

Stadt, die von drei Seiten durch Felsabbrüche geschützt ist,

zur Festung ausgebaut. Die Stadt verlor in der Zeit der Herrschaft

durch den Johanniterorden rasch an politischer Bedeutung,

aber die monumentalen Bauwerke der Blüte- ➤

26 durchblick 1/ 2007


Reisen

zeit sind bis heute erhalten und für kulturell interessierte

Besucher eine Augenweide. Mdina entwickelte sich zur „Stillen

Stadt“, heute leben hier kaum mehr als 500 Einwohner.

Im benachbarten Mosta kann man die drittgrößte Kuppelkirche

Europas besichtigen. Diese imposante Pfarrkirche

krönt nach dem Petersdom in Rom und der Londoner

St. Paul’s Kirche Europas größte Kuppel mit einer Spannweite

von 43 m. Bemerkenswert ist die Stabilität des Bauwerks,

dessen Gewölbe aus maltesischem Kalkstein so

konstruiert ist, dass sich die einzelnen Steine zwischen den

Widerlagern verspannen und auf diese Weise ihr Gewicht

selbst tragen. So hielt die Kirche, die in der Anflugschneise

eines damaligen Militärflughafens lag, im Zweiten Weltkrieg

sogar drei Fliegerbomben stand. Eine dieser Bomben

ist heute in der Sakristei zu besichtigen.

Wir wohnten in St. Paul’s Bay im Norden der Insel, wo

einst der Apostel Paulus gestrandet sein soll. Heute ist hier

das größte Touristenzentrum Maltas. Viele Legenden ranken

sich um den Apostel Paulus, der als hl. Paulus für die

Malteser eine tiefe Bedeutung hat. Am bekanntesten ist die

Überlieferung seines Schiffbruchs und des Schlangenwunders,

die Lukas in seinem biblischen Bericht ausführlich geschildert

hat. Er erzählt, dass das Schiff des Paulus, der ja

nach seiner Verhaftung in Jerusalem sein Recht auf einen

Prozess vor dem Kaiser geltend gemacht hatte, auf der Fahrt

nach Rom in einen Sturm geriet. Dabei wurde er nach Westen

abgetrieben und strandete schließlich an Maltas Küste.

Die Inselbewohner entzündeten ein Feuer, um die Schiffbrüchigen

zu wärmen. Als Paulus ein Reisigbündel auf das

Feuer legte, war darin eine Otter, die sich an seiner Hand

festbiss. Die Malteser sahen dies als ein Zeichen, dass Paulus

ein Mörder wäre. Doch wider Erwarten zeigte der Schlangenbiss

keine Wirkung und dem heiligen Mann geschah

nichts. Deshalb meinten die Leute, er müsse ein Gott sein.

Sandstrände gibt es auf Malta nur wenige; wer einen

reinen Badeurlaub machen möchte, für den ist Malta die

falsche Adresse. Für den kulturell interessierten Reisenden

ist diese kleine Insel mit ihrem ausgeglichenen Mittelmeerklima

ein Muss – wobei die imposante Hauptstadt

Valetta noch ein eigenes Thema ist. Horst Mahle

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durchblick 1/ 2007 27


Um was geht es?

Gehören Sie zu den 80% der Deutschen, die an die Existenz

Gottes glauben? Sind Sie der festen Überzeugung, einen

eigenen Willen zu haben, mit dem Sie jederzeit frei und unabhängig

entscheiden können, was Sie tun und was Sie bleiben

lassen. Ja? Dann stellen Sie sich bitte einmal vor, es

käme ein hoch qualifizierter Neurowissenschaftler zu Ihnen

und würde Ihnen im Brustton der Überzeugung sagen, es

tut mir ja leid, liebe Frau … oder lieber Herr …, aber den

„lieben Gott“, an den Sie bisher geglaubt haben, den gibt

es in Wirklichkeit gar nicht. Ebenso wenig verfügen Sie

über einen „freien Willen“. Wir Wissenschaftler haben bei

der Erforschung des Gehirns nämlich herausgefunden, dass

beides nur reine Einbildungen von Ihnen sind. Der „liebe

Gott“ und auch der „freie Wille“,

das sind nur „Hirngespinste“. Ihr

Gehirn gaukelt Ihnen da etwas

vor. Außerdem muss ich Ihnen

leider mitteilen, dass wir trotz

intensiver Suche mit modernster

bildgebender Verfahrenstechnik

nirgendwo im Gehirn des Menschen

ein ICH gefunden haben.

Das gibt es in Wirklichkeit nämlich

auch nicht. Alles nur reine

Illusionen. Aus naturwissenschaftlicher

Sicht betrachtet nichts

anderes, als aus der Evolution

hervorgegangene nützliche Erscheinungen

oder, wie wir Hirnforscher sagen, konstruierte

Netzwerke des menschlichen Gehirns, die sich im Kampf

ums Überleben der Spezies Mensch in Jahrtausenden entwickelt

und bewährt haben. Mehr nicht.

Na toll, würden Sie sicherlich denken, der „spinnt“ doch

selbst, dieser Hirnforscher. Mein ICH soll es nicht geben,

einen freien Willen soll ich nicht haben und der liebe Gott

ist auch nur ein Hirngespinst in meinem Kopf. Das sind ja

schöne Erkenntnisse. Wo sind wir denn? Wo kommen wir

denn hin, wenn das stimmen würde? Richtig gedacht. Genau

das sind Punkt und die ernste Frage, die sich hinter meiner

etwas lockeren Einführungsformulierung verbergen.

Wo kommen wir hin, wenn sich diese, heute von vielen

Neurobiologen vertretenen Auffassungen und Theorien,

auf die ich nachstehend etwas näher eingehen werde, in den

nächsten Jahren bestätigen und experimentell verfestigen?

Kein feststellbares ICH, keinen freien Willen, keinen absoluten

Gott. Alles nur neurophysiologisch erklärbare Prozesse

unseres Gehirns.

Kaum auszudenken, wenn diese drei Säulen, auf denen

unser abendländisches Menschenbild aufgebaut ist, von

Philosophisches

Gott nur ein Hirngespinst, der freie Wille eine Illusion?

Gedanken über die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung

Sind wir Gefangene unserer Neuronen?

naturwissenschaftlicher Seite aus zum Einsturz gebracht

würden. Dabei wäre es ja nicht das erste Mal, dass wissenschaftliche

Erkenntnisse an unserem Welt- und Menschenbild

rütteln und es nachhaltig verändern. Ich erinnere nur

an die drei bekanntesten, sogenannten narzistischen Kränkungen

des Menschen, die kosmologische durch Kopernikus,

die biologische durch Darwin und die psychologische

durch Freud. Aber, so meine Befürchtung, würde uns durch

eine Bestätigung und Akzeptanz dieser in den letzten Jahren

gewonnenen Erkenntnisse über unser Gehirn nicht der

feste Boden, auf dem die Begründung unserer menschlichen

Existenz steht, unter den Füßen weggezogen, uns sozusagen

der K.O. versetzt? Was wären wir dann noch? Ohne

ein verantwortungsbewusstes ICH, ohne ein freiheitliches

Denken und Handeln und ohne

ein religiös begründetes Fundament

unserer menschlichen Existenz?

Glaubt man diesen wissenschaftlichen

Aussagen über unser

Gehirn, dann sind wir Menschen

nur aus der Evolution zufällig hervorgegangene

biologische Überlebensmaschinen

mit einer hoch

komplexen, durch elektrische

Impulse und bio-chemische Prozesse

gesteuerten Schaltzentrale,

dem Gehirn. Was für eine Vorstellung.

Das wäre doch die Abschaffung

des Menschen selbst.

Oder müssen wir uns darauf einstellen, dass das Bild, das

wir von uns haben, völlig neu gezeichnet werden muss mit

allen Konsequenzen? Kein Wunder, wenn Eugen Drewermann

in seinem neuen Buch „Atem des Lebens – die moderne

Neurologie und die Frage nach Gott“ in seiner Einleitung

schreibt: „Vieles von dem, was Menschen bislang

von sich glauben wollten beziehungsweise glauben sollten,

steht offenbar dicht vor dem Einsturz, und es ist kaum ein

Zweig der Anthropologie denkbar, der nicht auf das Nachhaltigste

von den zu erwartenden Umbrüchen wohl schon

der nächsten Jahre betroffen sein wird. Am entschiedensten

aber gilt das mit der Gewissheit für die Theologie, diese

Hüterin der metaphysischen Lehre von der Unsterblichkeit

der Seele. Die Seelenruhe jedenfalls ist schwer begreifbar,

mit welcher die lehrstuhlinnehabenden Dozenten der Lehre

von Gott dieser ihrer derzeit tiefsten Infragestellung gegenüberstehen.“

Einer der wenigen deutschen Philosophen,

der sich mit der Thematik der Hirnforschung

auseinandersetzt, ist der Leiter des Arbeitsbereiches Theoretische

Philosophie der Universität Mainz, Thomas Metzinger.

Er sagt: „Die Hirnforschung verändert in dramatischer

Weise unser Menschenbild und damit die Grundlage

unserer Kultur, die Basis unserer ethischen, wie poli- ➤

28 durchblick 1/ 2007


tischen Entscheidungen.“ (Magazin „Gehirn und Geist“

Dossier 1/2006)

Eins steht fest, die moderne Hirnforschung wirft in Bezug

auf das Verhältnis zwischen ihren bisher gewonnenen

Erkenntnissen und unserem heute allgemein gültigen Menschenbild

tief greifende Fragen der Konvergenz (Übereinstimmung)

auf, die nicht nur von Theologen, sondern auch

von Philosophen, Soziologen, Psychologen bis hin zu den

Juristen und unserem heute gültigen Strafrecht erst noch

sinnvoll und befriedigend beantwortet werden müssen. Ein

schwieriges, aber dringend notwendiges Unterfangen.

Gleichzeitig aber auch eine große Herausforderung der

Verantwortlichen, sich im Grenzbereich zwischen Naturwissenschaften

und Geisteswissenschaften

zu bewähren.

Und, wie auf der

breiten Plattform der Medienwelt

zu beobachten

ist, hat diese Auseinandersetzung

seit längerer Zeit mit schwankender Intensität

und wechselhaftem Medieninteresse bereits begonnen. So

viel zur Einleitung und zum Neugierigmachen.

Der Hauptbeteiligte

Die Thematik, die sich aus den unterschiedlichen Menschenbildern

ergibt, auf der einen Seite das Biologische der

Hirnforschung und auf der anderen Seite das Humanistische

der Philosophie bzw. das christlich-religiöse der Theologie,

ist viel zu umfassend, als dass ich sie im Rahmen dieses

Beitrages zufriedenstellend ansprechen könnte. Hinzu

kommt, dass der Hauptbeteiligte in dieser Auseinandersetzung,

unser Gehirn, ein sehr kompliziertes, hoch komplex

arbeitendes und sich selbst organisierendes Organ ist. Mit

einem Durchschnittsgewicht von 1245 Gramm bei Frauen

und 1375 Gramm bei Männern macht es ca. 2 % der Körpermasse

aus, verbraucht aber 20 % der Blutzufuhr für seinen

erhöhten Sauerstoffbedarf. Es besitzt Schätzungen zufolge

ca.100 Milliarden (10 11 ) Nervenzellen (Neuronen),

die über ca. 100 Billionen (10 14 ) Kontaktstellen (Synapsen)

miteinander verbunden sind. Das sind mehr Zellen, als unsere

Milchstraße Sterne hat. Die evolutionäre Entwicklung

des menschlichen Gehirns ist ein Prozess über Jahrmillionen.

In dieser langen Zeit entwickelte sich das Gehirn in seinem

Aufbau ganz langsam von innen (Rückenmark) nach

außen (Großhirnrinde). So haben sich seine „menschlichen“

Qualitäten und Leistungen gegenüber den Primaten,

wie z. B. das sprachliche Ausdrucksvermögen oder die

Fähigkeit der abstrakten Begriffsbildung, im Verlaufe der

letzten 4 Millionen Jahren entwickelt. Aus dieser Sichtweise

betrachtet, laufen wir Menschen mit einem „alten

Modell“ im Kopf herum. Interessant ist zu wissen, dass es

zwischen dem Aufbau und der Funktionsweise eines menschlichen

Gehirns und dem eines Säugetieres kaum Unterschiede

gibt. „Es gibt keinen >qualitativen evolutiven Sprung<

zwischen dem Verhalten des Menschen und dem seiner

Philosophisches

„Der Mensch kann zwar tun, was er will,

aber nicht wollen, was er will“

nächsten Verwandten, der Schimpansen, und im weiteren

Sinne dem der anderen Primaten und Säugetiere (Gerhard

Roth in: Fühlen, Denken, Handeln S. 450/451). So ist die

Arbeitsweise der Nervenzelle im Gehirn einer Ratte die

gleiche, wie die im Gehirn eines Menschen. Der Hauptunterschied

zwischen Mensch und Tier liegt, man höre und

staune, im Wesentlichen nur in der unterschiedlichen Größe

der Großhirnrinde (Cortex ceribi), ist also vorwiegend

quantitativer und nicht qualitativer Natur. Und weil dies so

ist, beruhen die Erkenntnisse der Hirnforschung zu einem

großen Teil auch auf, für die Tiere leider oft sehr qualvollen,

Tierversuchen. Ich will es bei diesen wenigen Angaben

über das Gehirn belassen, denn sich näher mit ihm und

seinen Funktionen zu beschäftigen bedeutet sehr schnell,

mit einer Fülle von biologischen

Fachausdrücken

und psychologischen Begriffen

konfrontiert zu

werden, die einer guten

Erklärung bedürfen. Deshalb

verzichte ich darauf und konzentriere mich nachfolgend

auf zwei, in der Auseinandersetzung zwischen Hirnforschern,

Philosophen und Theologen allerdings sehr

wichtige Kernfragen: Sind ICH und freier Wille nur eine

Illusion? Und: Ist Gott nur ein Produkt des menschlichen

Gehirns? Gehen wir diesen beiden Fragen einmal etwas nach.

Mein ICH und die Willensfreiheit, nur eine Illusion?

Mal ganz ehrlich, haben Sie nicht auch schon hin und

wieder leise Zweifel daran gehegt, einen freien Willen zu

haben? Ich erinnere nur an die vielen guten Vorsätze, aus

denen meist nichts geworden ist. Für meinen Teil muss ich

gestehen, dass es mit meinem freien Willen, die Schublade

mit den Süßigkeiten beim Vorbeigehen nicht zu öffnen,

nicht weit her ist. Da bleibt beim Griff in die geöffnete

Schublade oft genug nur die biblische Feststellung: „Der

Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Matth. 26, 41).

Hinter dieser resignierenden Erkenntnis steht meine Überzeugung,

ich könnte auch anders, wenn ich nur richtig wollte.

Mir fehlt nur der starke und feste Wille, die Schublade

nicht zu öffnen. Dieser Gedanke, auch eine Handlungsalternative

zu haben, wird uns schon in frühester Kindheit

fest eingeprägt, vielleicht sogar eingeprügelt. Wir lernen zu

denken, dass die Bestrafung einer Tat nur deshalb erfolgt,

weil es zu der ausgeführten (falschen) Handlung immer

auch eine (bessere) Alternative gegeben hätte. Wir hätten

uns freiwillig auch anders entscheiden können. Und genau

das ist der springende Punkt in der Auseinandersetzung mit

den Hirnforschern. Die behaupten nämlich, dass wir Menschen

eben nicht frei und bewusst über das entscheiden

können, was wir tun und was wir lassen. Unser Willensakt

ist, so ihre Aussagen, durch genetische Veranlagung, frühkindliche

Prägung, kulturelle Einflüsse und unbewusst ablaufende

neurophysiologische Prozesse determiniert, also

vorbestimmt. Selbst die von uns bewusst getroffenen Entscheidungen

unterliegen diesen fest vorgegebenen ➤

durchblick 1/ 2007 29


Philosophisches

unbewussten Abläufen und Bedingungen. Die Auffassung

einer „Unfreiheit“ des menschlichen Wollens ist nicht neu.

Dass die in der Natur herrschende Kausalwirkung nach

dem Prinzip von Ursache und Wirkung auch auf den

menschlichen Geist anzuwenden ist, finden wir an vielen

Stellen in der Geschichte von Geistes- und der Naturwissenschaften.

So kommt vor 150 Jahren der deutsche Philosoph

Arthur Schopenhauer (1788–1860) schon zu dieser,

allerdings mehr philosophisch als naturwissenschaftlich

gut begründeten Erkenntnis. Seine bekannte, etwas vereinfachte

und komprimierte Aussage dazu: „Der Mensch kann

zwar tun, was er will, aber nicht wollen, was er will“, trifft

aus Sicht der Hirnforscher den Nagel auf den Kopf.

Aber worauf stützen nun viele Hirnforscher, darunter

die beiden wohl bekanntesten Deutschen, Gerhard Roth

und Wolf Singer, ihre naturwissenschaftliche Aussage, wir

besäßen keinen freien Willen beziehungsweise wir hätten

in einem laufenden Entscheidungsprozess nur ein sehr eingeschränktes

Vetorecht? Ihre Hauptargumente stützen sie,

soweit ich es beurteilen kann, auf zwei Grunderkenntnisse.

Erstens: Alle mentalen Leistungen und geistigen Fähigkeiten

haben immer ein Korrelat (Wechselbeziehung) zu

der materiellen Substanz unseres Gehirns. Daraus folgern

sie, dass nicht nur unsere körperlichen, sondern auch unsere

geistigen Tätigkeiten allein auf materielle Ursachen

zurückzuführen sind. Diese Rückführung auf reine Naturprozesse,

auch als Reduktionismus bezeichnet, bedeutet

nicht mehr, aber auch nicht weniger, dass unser Geist, unser

ganzes seelisches Innenleben, immer an einen materiellen

Träger gebunden ist und ausschließlich einen natürlichen

Ursprung hat. Geist und Seele sind demzufolge keine

unerklärlichen, metaphysischen Erscheinungen, sondern

physikalisch und physiologisch erklärbare Prozesse in unserem

Gehirn. Um es kurz und knapp zu formulieren: ohne

Materie kein Geist, ohne Geist keine Seele. Diese Überzeugung,

der Mensch sei eine aus der Natur hervorgegangene

Einheit von Körper, Geist und Seele, gibt es nicht erst

seit heute und wird als „reiner Naturalismus“ oder auch

„ontologischer Monismus“ bezeichnet. Durch diese Aussage

wird der in der Philosophie und Theologie seit über

2500 Jahren von Platon über Augustinus und Descartes bis

heute meist vertretene Dualismus, das heißt die Trennung

von Leib und Seele, in Frage gestellt. Der Mensch ist nach

dieser monistischen Theorie, um es einmal umgangssprachlich

auszudrücken, „mit Haut und Haaren“ ein vollkommen

natürliches Wesen, das mit seinem Tod als Ganzes

für immer zugrunde geht.

Das für mich sehr Nachdenkliche an dieser wissenschaftlichen

Erkenntnis ist, dass die von der Hirnforschung

gelieferten Argumente in vieler Hinsicht überzeugend sind.

Warum? Sie basieren, neben Tierversuchen, auf Beobachtungen

und Untersuchungen von Menschen, deren Gehirne

durch Krankheiten oder Unfälle Schädigungen aufweisen

und mit modernsten bildgebenden Verfahrenstechniken

durchgeführt wurden. Dabei kommen sie zu der grundlegenden

Erkenntnis:Treten substanzielle Veränderungen im

Gehirn auf, so korrelieren diese, in Abhängigkeit welches

Gehirnareal betroffen ist, mit teilweise gravierenden Veränderungen,

auch der mentalen Leistungen und geistigen

Fähigkeiten der Betroffenen. Das bedeutet, dass materielle

Beeinträchtigungen im Gehirn dazu führen können, dass

sich das ICH eines Menschen mit seinen Wahrnehmungen,

seinen Gefühlen und in seinem Denken und Handeln

grundlegend wandelt. Hierzu gibt es viele gute und praktische

Beispiele. Interessierten „durchblick“-Lesern, die mehr

über diese Beispiele eines ICH-Wandels wissen möchten,

empfehle ich das Buch „ICH, wie wir uns selbst erfinden“

(Campus-Verlag). Allerdings warnen die Autoren ➤

Es ist nach wie vor ein Geheimnis, wie sich aus den neurophysiologischen Prozessen in den über 100 Milliarden grauen

Nervenzellen unseres Gehirns die bunte Welt des Lebens formt und Geist und Seele in Erscheinung treten.

Bildquelle: BMBF www.idw.online.de

30 durchblick 1/ 2007


gleich am Anfang ausdrücklich vor möglichen Nebenwirkungen.

Ein Beispiel aus diesem Buch in Kurzfassung mag

dies verdeutlichen. Dem 51-jährigen britischen Bauarbeiter

Tommy McHugh, ein gewalttätiger, heroinsüchtiger Ex-

Sträfling, platzte eine Arterie im Vorderhirn. Im Krankenhaus

klammerten die Ärzte die Arterie mit einem Metallclip

ab. Klinikroutine. Bei den anschließend üblichen neurophysiologischen

Tests wurden keine größeren Ausfälle festgestellt.

Nach 10 Tagen und leichten Schwierigkeiten, seine

linke Gesichtshälfte zu rasieren, wurde McHugh nach

Hause entlassen. Zwei Wochen nach der Notoperation begann

der unglaubliche mentale Wandel von McHugh. Er

begann Gedichte zu schreiben, Zeichnungen anzufertigen

und Bilder zu malen. In kürzester Zeit wurde aus dem nach

eigener Einschätzung einst jähzornigen und aggressiven

Schläger, dessen einziger Zugang zur bildenden Kunst

seine Tattoos am Oberarm

waren, ein obsessiver,

auf regionaler Ebene

durchaus anerkannter

Künstler, der bekundet,

seine weiblichen Seiten

in sich entdeckt zu haben.

Seine Aussage zu

diesem Wandel. „Was auch immer in meinem Gehirn passiert

ist, ich finde es absolut fantastisch. Noch nie habe ich

mich so gut gefühlt. Mein Leben ist 100 Prozent besser

geworden.“ Soweit McHugh. Ich denke, dieses Beispiel

allein zeigt schon deutlich, wie zerbrechlich unser ICH ist

und mit ihm unsere Willensfreiheit, und in welch einer materiellen

Abhängigkeit wir beide Begriffe sehen müssen,

wenn ein so kleiner materieller Eingriff im Gehirn eines

Menschen eine so große geistige Veränderung zur Folge

haben kann. Aber es sind für mich nicht nur diese spektakulären

Beispiele, die mich sehr nachdenklich stimmen,

sondern es ist auch das Wissen um die Demenz und Alzheimer

Erkrankung vieler älterer Menschen, in deren Verlauf

die Persönlichkeit der Betroffenen, ihr ICH, durch die

substanziellen Veränderungen des Gehirns langsam verloren

geht. Da taucht schnell eine der vier berühmten Kant’-

schen Fragen auf: Was ist der Mensch?

Philosophisches

Zweitens: In unserem Gehirn laufen die meisten aller

Prozesse auf einer unbewussten Ebene ab, wie z. B. die

Überwachung der körperlichen Funktionen und Organe

(Blutdruck, Blutzuckerspiegel usw.). Diese Kontrollprozesse

können uns nicht bewusst werden, weil sie in Hirnarealen

ablaufen, die unserem Bewusstsein grundsätzlich

verschlossen sind. Und so, sagen die Hirnforscher, verhält

es sich auch mit dem Entscheidungsprozess bei einem Willensakt.

Auch bei ihm sind Hirnareale beteiligt, die für unser

Bewusstsein unzugänglich sind. Hinzu kommt die hohe

Komplexität der an einem Entscheidungsprozess beteiligten

Neuronen-Netzwerke, deren Informationsumfang so

groß ist, dass er nicht gleichzeitig ins Bewusstsein gelangen

kann. Zu diesen beiden Faktoren, Bewusstseinsunfähigkeit

und zu hohe Komplexität, kommt noch ein dritter

Faktor, die Zeit. Genauer gesagt, die zeitliche Abfolge

der Aktionen eines Entscheidungsprozesses. Diese zeitliche

Reihenfolge von messbaren Erregungsmustern (Aktionen)

hat der amerikanische em. Professor für Neurophysiologie

der Universität California, Benjam Libet, bereits in den

80er-Jahren eingehend untersucht. Er kommt zu der nüchternen

Erkenntnis: „Der Gehirnprozess der Vorbereitung

eines Willenaktes beginnt etwa 400 Millisekunden vorher

also deutlich vor dem Auftreten des bewussten Handlungswillens.

Die Einleitung der frei gewollten Handlung

scheint im Gehirn unbewusst einzusetzen, und zwar deutlich

bevor die Person sich dessen bewusst ist, dass sie handeln

will.“ (Hirnforschung und Willensfreiheit, Suhrkamp-

Verlag S. 275/276) Um diese Erkenntnis bewusster und

unbewusster Abläufe in unserem Gehirn etwas zu verdeutlichen,

ein einfaches Beispiel.

Ich suche den Namen

eines Bekannten,

den ich auf der Straße

zufällig sehe, finde ihn

aber nicht. Trotz intensiver

Willensanstrengung

fällt er mir nicht ein. Irgendwann

gebe ich die Suche in meinem Gehirn auf und

wende meine Aufmerksamkeit einem anderen Problem zu.

Plötzlich, ich hatte die Suche ja schon eingestellt und ohne

dass ich es noch bewusst will, taucht der gesuchte Name in

meinem Bewusstsein auf. Mein Gehirn hat offenbar, ohne

mein bewusstes Wollen, nicht aufgegeben und weiter nach

dem Namen gesucht und ihn gefunden. Ein weiteres Beispiel.

Ich habe etwas getan, obgleich ich es nicht wirklich

wollte. Ich hatte bei der Entscheidung von Anfang an ein

flaues Gefühl, ohne es konkret begründen zu können. Das

bekannte „mulmige Gefühl“ in der Magengegend. Für die

Hirnforscher ein sicheres Zeichen, dass mir zum Zeitpunkt

der Entscheidung nicht alle in meinem Gehirn gespeicherten

Informationen bewusst zur Verfügung standen. In beiden

Beispielen muss mein bewusstes ICH (leider) erkennen,

dass auch noch andere, unbekannte Kräfte im Gehirn am

Werke sind, die es nicht beeinflussen kann. Um es mit einem

Satz von Gerhard Roth auf den Punkt zu bringen: „… die

Forschungsergebnisse zeigen, dass die beiden entscheidenden

Komponenten des Phänomens >Willensfreiheit<,

nämlich etwas frei zu wollen (zu beabsichtigen, zu planen)

und etwas in einem freien Willensakt aktuell zu verursachen,

eine Täuschung sind.“ (Fühlen, Denken, Handeln S. 445)

„Die Hirnforschung verändert in

dramatischer Weise unser Menschenbild

und damit die Grundlage unserer Kultur.“

Für Hirnforscher, wie Gerhard Roth und Wolf Singer,

ist unser ICH kein immaterieller, zentralistischer Dirigent,

der hoheitsvoll seine Entscheidungen trifft und damit seinen

Willen bekundet. Dieses herkömmliche Bild ist für sie

eine Illusion. Sie definieren das ICH als ein hoch differenziertes,

sich ständig neu konstruierendens Netzwerk aus

Millionen gleichzeitig aktiver Neuronen in unterschiedlichen

Hirnarealen. Keine materiell unabhängige, metaphy- ➤

durchblick 1/ 2007 31


Philosophisches

sische Instanz. Eine wissenschaftliche Aussage, die ich in

der „dritten Person“, also objektiv betrachtet, nachvollziehen

kann, mit der ich aber aus Sicht der „ersten Person“,

als subjektives ICH, so meine Probleme habe. Meine Alltagserfahrungen

mit mir selbst sagen mir etwas völlig anderes

und es wird mir (wieder einmal) deutlich bewusst,

dass wir Menschen in drei Welten leben, der des „Wissens“,

der „Erfahrung“ und des „Erlebens“. Und genau mit dieser

Feststellung bin ich bei einer für mich sehr entscheidenden

Frage an die Hirnforscher angekommen: Wie wird aus den

objektiv messbaren, neuronalen Prozessen ein subjektives,

nicht messbares Erleben? Anders gefragt: Wie erfolgt

der Stufenübergang von der materiellen Basisebene

in die höher entwickelte geistige Ebene? Oder noch anders

formuliert: Wie erfolgt die Transformation materieller

Substanzeigenschaften in erlebte Gefühle, wie Liebe und

Hass, Freude und Trauer, Hoffnung und Angst? Diese vielleicht

alles entscheidende Antwort ist uns die Hirnforschung

bis heute schuldig geblieben. Zugegeben, ihre

Beantwortung ist sehr schwierig und für einige Wissenschaftler

wird sie auch nie beantwortet werden können. Die

Schwierigkeiten beginnen ja schon mit den allgemein gültigen

wissenschaftlichen Voraussetzungen. Jeder Wissenschaftler,

also auch der Hirnforscher, will und muss bei seinen

experimentellen Versuchen die zu untersuchenden

Gegenstände und Abläufe messen, wiegen, prüfen, zählen

oder vergleichen können. Seine Ergebnisse müssen verifizierbar

beziehungsweise falsifizierbar sein, sonst fehlt ihnen

die wissenschaftliche Akzeptanz. Das subjektive Erleben

eines Individuums entzieht sich aber jeder wissenschaftlichen

Methode. Man kann Liebe nicht messen, Trauer nicht

wiegen und Freude und Glück nicht zählen. Diese ganz persönliche

Welt des „ICH-Erlebens“ entzieht sich einer wissenschaftlichen

Überprüfung. Dazu ein Beispiel. Hirnforscher

können heute gut feststellen, ob das Hören von Musik eine

entspannte und beglückende Stimmung erzeugt. Dies geschieht

durch das Erkennen von Erregungsmustern in dafür

zuständigen Hirnarealen in Verbindung mit der Ausschüttung

bio-chemischer Substanzen (Neurotransmitter) wie

Noradrenalin, Serotonin oder Dopamin.

Alles substanziell prüf- und

messbar. Was sie jedoch nicht bestimmen

können, ist der indivi-

duelle Inhalt, das ganz persönliche Erleben und die Gefühle

eines Menschen. Sie können nicht unterscheiden, ob die

materiellen Veränderungen im Gehirn auf das Hören eines

Schlagerliedes von Heino oder auf das Hören der Krönungsmesse

von Mozart zurückzuführen ist. Auf dieser

tiefsten Ebene menschlichen Erlebens, da, wo für mich die

wahren Wirkursachen für menschliches Fühlen, Denken

und Handeln zu finden sind und unser „Gemüt“ zu Hause

ist, dessen Stimmungen jeder von uns Tag für Tag als innere

Realität erfährt, in dieser persönlichen Erlebniswelt versagen

bis heute alle wissenschaftlichen Methoden. Und solange

der Schlüssel für den „Umschalter“ von materiell objektiv

messbaren Substanzen in ein immateriell subjektives

Erleben nicht gefunden ist, bleibt auch das Tor zu dieser

geistig subtilen „ICH-Welt“, zu diesem „inneren Raum und

Seelengrund“ eines jeden Einzelnen für eine naturwissenschaftliche

Überprüfbarkeit verschlossen. Bis dahin bleiben

für mich Geist und Seele rätselhafte und geheimnisvolle

Phänomene. Ob sie jemals zufriedenstellend erklärt werden

können, wer weiß?

Am Ende meiner Gedanken über die Willensfreiheit

möchte ich noch darauf hinweisen, dass es zu dem von der

überwiegenden Zahl der Hirnforscher vertretenen Standpunkt

eines strikten Materialismus, von Philosophen und

Theologen einmal abgesehen, im Lager der Naturwissenschaftler

selbst durchaus Gegenpositionen gibt. Als ein Beispiel

für viele sei hier der 1997 verstorbene australische

Physiologe und Nobelpreisträger Sir John Eccles genannt,

der mit seinem Buch „Das ICH und sein Gehirn“ bekannt

wurde. Eccles lehnte den bereits angesprochenen reinen

Materialismus, also die Position, das Bewusstsein lasse sich

auf rein physikalische und chemische Prozesse zurückführen,

ab. Er verglich das Gehirn mit einem Computer und

das ICH mit dessen Programmierer. Dieses ICH (Geist,

Seele) sei übernatürlich und bediene sich des Gehirns als

Instrument und es gebe Anlass zur Hoffnung, dass es nach

dem Tod weiterbestehe. Er hat nachgewiesen, dass es

unsere Gedanken und unser Wille sind, die im Gehirn sogenannte

Neuroproteine aktivieren, dass sich geistige Prozesse

materiell abbilden und nicht etwa Funktionen biochemischer,

also materieller Prozesse sind. Seine prägnant

knappe Aussage: „Der immaterielle Geist bewegt unser ➤

Wie wird aus den objektiv messbaren, neuronalen Prozessen ein subjektives, nicht messbares Erleben? Wie erfolgt die

Transformation in erlebte Gefühle, wie Liebe und Hass, Freude und Trauer, Hoffnung und Angst? Skizzen: Manfred Hübscher

32 durchblick 1/ 2007


Philosophisches

Wir wissen nicht, wohin beide Wege führen. Welchen von beiden wir nehmen, entscheidet unser Gehirn in einem unbewusst

ablaufenden Prozess. Erst danach wird er uns als „freier Wille“ bewusst.

(Bildquelle: www.PixelQuelle.de)

Gehirn.“ (aus: Die Welle ist das Meer, S. 107, Herder-spectrum

Verlag). Untersuchungen, die an buddhistischen Mönchen

während ihrer Meditationsübungen durchgeführt wurden,

scheinen dies zu bestätigen. Auch für den im Jahre

2004 verstorbenen bekannten Hirnforscher Detlef B. Linke

ist unser Geist mehr als unser Gehirn. Für ihn ist das

menschliche Gehirn ein Neuronen-Universum, in dessen

subtilen Weiten irgendwo der „Schlüssel zur Unendlichkeit“

(gleichnamiger Titel seines 2004 erschienenen Buches)

verborgen ist. Dies gilt in ganz besonderem Maße für

die geheimnisvolle Welt des „ICH-Erlebens“. Sie ist auf der

von den Hirnforschern bisher gezeichneten Landkarte noch

ein weißer Fleck oder, um es im Vergleich mit Detlef Linke

auszudrücken, ein energetisch zwar spürbares, aber materiell

unsichtbares schwarzes Loch.

Schließen möchte ich mit einer Aussage des bereits erwähnten

Sir John Eccles: „Meinen Körper und mein Gehirn

kann ich erklären, aber das ist nicht alles. Meine eigene

Existenz kann ich nicht erklären.“ Genau mit dieser Erkenntnis,

die eigene Existenz nicht erklären zu können, tauchen

Grundsatzfragen über das persönlich gelebte Leben

auf. Es sind Fragen, die sich viele Menschen meist erst in

schwierigen Lebenssituationen, im Angesicht einer schweren

Krankheit oder in der Nähe des Todes stellen. Fragen

wie: „Warum gerade ich?“ oder „Das kann doch nicht alles

gewesen sein?“ Auf solch ganz persönliche Lebensfragen

weiß die Hirnforschung natürlich keine Antwort zu geben.

Wie sollte sie auch, denn sie zu beantworten zählt nicht

zu ihren Aufgaben. Außerdem sind solche Fragen nicht an

sie gerichtet. Ihr Adressat ist ein anderer. Wir Menschen

stellen sie einem anderen „Gegenüber“, wer immer das für

den Einzelnen auch sein mag. Wobei ich bei meiner eingangs

erwähnten zweiten Frage angekommen bin: Ist Gott

nur ein Hirngespinst in unserem Kopf?

Wie ich aber leider feststellen muss, reicht hierfür der

Platz nicht mehr aus. Deshalb muss ich den „lieben Gott“

und Sie als „durchblick“-Leserin und „durchblick“-Leser

um Verständnis bitten, wenn ich mich mit dieser Frage erst

in der nächsten „durchblick“-Ausgabe beschäftige. Genießen

Sie bis dahin eine hoffentlich sonnenreiche und farbenfrohe

Frühlingszeit.

Eberhard Freundt

Tierarzt Mobil

Jutta Martens

Hauptstraße 111 · 57074 Siegen

Telefon 02 71/40 59 8410

Mobil 0151/15 63 37 00

durchblick 1/ 2007 33


Aus dem Leben

Kein Licht in der Dunkelheit

Der Stromklau geht um. Erinnerungen an die Kriegszeit

werden wach. Damals war es der Kohlenklau.

„Es werde Licht, und es ward Licht“, heißt es in der

Schöpfungsgeschichte. Die Überlieferung will es, dass

Goethe noch auf dem Totenbett gerufen hat: „Mehr Licht.“

Ressourcen werden so langsam knapp. Noch herrscht

kein Mangel an Tageslicht, wenn sich auch bedrohliche

Dunstglocken über Großstädte legen, aber das künstliche

Licht wird allmählich zum Luxusartikel. Vereinzelt werden

Menschen, auch in Europa, zur Petroleumlampe zurückkehren

müssen, unendlich lange Dämmerstunden einlegen.

Echte Kerzen sind auch fast unerschwinglich. Oder wird

das Beispiel Schule machen, ein parasitäres Dasein auf Kosten

einer wehrlosen, unbescholtenen Kreatur zu fristen?

Eine Freundin erzählt, wie es dunkel um sie wurde. Mitnichten

war es die wohlige Dunkelheit, die einem schützend

umfängt, auch war es nicht das Versagen ihrer Licht

spendenden Quellen. Ich lasse sie zu Wort kommen:

„Mittlerweile aufgeklärt, bin ich auch wieder etwas abgeklärter,

der Sturm der größten Erregung und Entrüstung

hat sich gelegt.“ Ein weiteres unheilschwangeres Ereignis

trat ein und überlagerte das vorausgegangene, ein Zeichen

dafür, dass sich fast alles im Leben relativiert, vielleicht

auch der Tod, wenn er als Erlösung empfunden wird.

Just in der Adventszeit, die ansonsten auf andere Weise

verheißungsvoll sich ankündigt, hielt ich meine aktuelle

Stromrechnung in Händen. Wie elektrisiert starrte ich auf

den Betrag der geforderten Nachzahlung. Fieberhaft suchte

mein Auge die Angaben über die Höhe des Verbrauchs.

Götterdämmerung. Dantes Inferno kündigte sich an. Diese

Zahl ließ mich nicht mehr los. Wie eine Leuchtreklame mit

Herzblut geschrieben tänzelte sie, irrlichternd, vor meinen

Augen auf und ab. Das musste Manipulation sein. Das

RWE selbst? Sie hatten dieses Mal persönlich abgelesen, da

eine Familie ausgezogen war. Aber welches Interesse sollten

sie dabei verfolgen? Ich ließ die Mitbewohner Revue

passieren. Wer hatte von meinem Tellerchen gegessen? Der

ungeheuerliche Vorgang entwickelte seine Eigendynamik.

Mein Kopf wurde zur Schaltzentrale, wo die verschiedenen

Kabel umgelegt werden. Es gab Kabelsalat, Kurzschlüsse,

Schwelbrände. Ich war beschäftigt. Das war jetzt mein Projekt,

gezwungenermaßen. Über Wochen floss meine ganze

Energie hinein. Ich verzahnte mich im Stromkreis, kroch

nur noch in den Niederungen des Alltags umher, kein Raum

mehr für hehre Gedanken, für Visionen. Hier entzog sich

etwas meiner Kontrolle, fatal für einen Menschen, der kontrolliert

lebt.

34 durchblick 1/ 2007


Es lag mir – zunächst – fern, jemanden zu verdächtigen.

Ich betrachtete jede meiner Steckdosen mit Argwohn. Aber

es war nicht der Herdanschluss, schon vor meinem Einzug

nur mittels Hansaplast in seinem Sockel gehalten, auch

nicht die geschwärzte Steckdose meines Anrufbeantworters.

Ich spürte förmlich, wie die elektrischen Schwingungen,

über mein Haupt hinweg, von mir ungenutzt, im Orkus

entschwanden. Könnte doch eine Wünschelrute die

Quelle aufspüren oder ein Netz von empfindlichen Sensoren

über Leitungen gelegt werden. Mein Zähler wurde zum

Monster. Ich konnte ihn nicht aufhalten, ebenso wenig wie

die Zeit und den körperlichen Verfall. Ich zog panisch

sämtliche Stecker aus ihren Anschlüssen, stürzte zum

Zähler. Er zählte unbeeindruckt weiter. Die Lichtgestalt

meines Vermieters tauchte vor meinem inneren Auge auf.

Er würde Rat wissen.

Ich ging zu ihm. Mit leidenschaftlicher Teilnahmslosigkeit

schaute er mich an. In solchen elegischen Situationen

misst er die Zeit an der Ewigkeit, ist mit einem sehr

langten Atem ausgestattet. Er blieb unbeeindruckt, überließ

mir die Initiative. Sein Nimbus bröckelte von neuem.

Aus dem Leben

Mein Vorsprechen bei diversen Beratungsstellen ließ

mich nicht heller in die Zukunft blicken. Service- Leistungen

sind nicht mehr an der Tagesordnung.

Die Welt ließ mich im Stich. Wochenlang saß ich vor

den Trümmern meines Selbstwertgefühls, musste mich jeden

Tag neu zusammensetzen, fühlte mich gedemütigt, verfolgt

und bedroht. Die typische Opferhaltung. Handeln hätte

ich müssen, um mich selbst zu erlösen, Anzeige erstatten.

Aber gegen wen? Ich wollte keine Eskalation. Nichts war

greifbar, ich spielte mit in einem Krimi, wie üblich, Ausgang

ungewiss. Magisch zog es mich immer wieder in den

Hausflur, wo die Zähler friedlich nebeneinander angeordnet

waren. Ich schaltete Sicherungen aus und wieder ein,

die letzte Runde drehte ich um Mitternacht bei Kerzenschein,

weil das Flur- und Außenlicht auch über meinen

Zähler lief. Ich las ab, verglich, hielt fest, immer in der

Hoffnung, irgendwo würde eine Kühltruhe auftauen. Keine

derartige Meldung ging bei mir ein. Das Setting entbehrte

nicht einer romantischen Komponente. Ich duschte

bei Kerzenbeleuchtung, wenn ich – wieder einmal – eine

mir verdächtige Sicherung ausgeschaltet hatte und ging im

Schimmer einer Kerze zu Bett. Bei meinen Experimenten

meinte ich, festgestellt zu haben, dass es eine Verbindung

von mir zur Warmwasseraufbereitung geben musste. Nur

ein Elektroinstallateur konnte Licht in diese Dunkelheit

bringen. Ich hatte im Vorfeld Kontakt aufgenommen, versuchte,

jedoch, diesen Gedanken meinem Vermieter

schmackhaft zu machen. Er setzt, grundsätzlich, auf

Freundschaftsdienste. Das bedeutet für den Betroffenen

lange Wartezeiten und hat immer auch den Ruch der Konspiration.

Ein dubioser, da mir nicht vorgestellter, Experte

muss vorgesprochen haben. Ihm fiel lediglich eine weitere

Unkorrektheit auf: Die Waschmaschinen im Arbeitsraum

steckten nicht in den jeweils dazugehörigen Anschlüssen.

Keine weiteren Auffälligkeiten. Ich erfuhr dies nur auf

Nachfrage. Die lapidare Begründung vonseiten des Vermieters:

Sie waren ja nicht da, Frau E. Sein indolentes Gebaren

lässt mich zu dem Schluss kommen, dass ich einer

optischen Täuschung erlegen sein muss und alles nur in

meiner Fantasie sich abspielt.

Ein von mir bestallter Elektriker betrat die Szene. Sein

Auftrag endete schon bei der Feststellung, dass mein Zähler

nicht mehr verplombt sei. Mein Vermieter legte ihm das

Handwerk. Er befürchtete eine horrende Rechnung, stellte

mir aber einen Bekannten vom RWE in Aussicht, allerdings

erst für Januar. Schon wieder eine irritierende Konstellation.

Er ließ mich am ausgestreckten Arm verhungern.

Tagein, tagaus führte ich meine leidenschaftlichen Monologe.

Es waren Hunderte an der Zahl. Es gab so viele Varianten,

die sich jeweils an der von mir visualisierten Reaktion

meines Antagonisten ausrichteten. Wenn du geredet

hättest, Desdemona … Meine Gedanken irrten vom rechten

Weg ab. Schmerzensgeld wäre doch das Mindeste, was

mir zustünde. Ich erstattete Anzeige beim RWE. War ich

ein Ungeheuer? Ich zog sie wieder zurück, ließ aber den

Zähler neu verplomben. Der junge Mann schaute sich etwas

gründlicher im Schaltkasten um und lieferte mir einen

entscheidenden Hinweis. Weiter gingen seine Befugnisse

nicht. Ich hatte nun einen Befund und konnte meinen Vermieter

kommen lassen. Aber er kam nicht. Zum Fest der

Liebe und zu Silvester keinen Gruß. Diese Geste hätte die

Bombe etwas entschärfen können. War ich im Irrtum befangen?

Handelte es sich nur um ein Kavaliersdelikt? ➤

durchblick 1/ 2007 35


Aus dem Leben

Oder zappelte er wie die Spinne im Netz, in der Hoffnung,

dieser Kelch möge an ihm vorübergehen? Ähnliche Konfrontationen

haben mir gezeigt, dass ich sein Verhalten

nicht ändern kann, ich muss meine Vorgehensweise optimieren.

Der Fehler liegt, sicherlich, bei einem der Elektriker, die die

Anlage installiert haben. Ich beklage nur seine Art des Umgangs

mit dieser peinlichen Affäre. In einem unspektakulären

Akt wurde die Anlage umgeklemmt. Erster Akt.

Vorhang zu!

Schon kurz nach meinem Einzug gab es eine Episode,

die Unheil hätte ahnen lassen sollen. Der Heizkörper in der

Küche spendete nicht die zu erwartende Wärme. Ich saß auf

meinem bequemen Sofa wie

auf einem zugigen Bahnsteig,

da auch die Fenster

nicht allzu dicht schlossen.

Einige Male sprach ich bei

ihm vor und drang nicht zu

ihm durch. Nach drei Monaten

stieg ich wieder einmal

die herrschaftliche Treppe empor, wie Orpheus aus der

Unterwelt kommend, sprich: aus der Einliegerwohnung. Er

hatte Besuch. Meine Bekannten hatten sich schon über die

Kälte beklagt. Sein süffisanter Kommentar: Ach Gott, Frau

E., dass tut mir aber fast schon leid.

Sein befreundeter RWEler entpuppte sich als der Mann

der Stunde (vielleicht hatte mein Vermieter ihn unterschätzt).

Es war die Solaranlage, Mitesser an meiner Strippe.

Die Fakten sind wahrheitsgemäß

eingeflossen. Dichterische Freiheiten

sind auch beim Erzählen erlaubt.

Das sind meine Empfindungen, es ist meine Wahrnehmung

des Spuks. Die Fakten sind wahrheitsgemäß eingeflossen.

Dichterische Freiheiten sind auch beim Erzählen

erlaubt. Der Blickwinkel

meines Vermieters? Er ist

der andere und wird es, daher,

anders erlebt haben.

Meine Wohnung ist mir

sehr nah und doch so fern.

Da ist sehr viel negative

Energie. Ich weiß um sein Talent, durch Zugewandtheit

Vertrauen wieder aufzubauen. Siegt am Ende die Bequemlichkeit?

„Es ist meiner Meinung nach ratsamer, eher vielen

Menschen zu trauen als ihnen zu misstrauen. Glauben

Sie jedem, und Sie können sich der wundervollen Illusion

hingeben, dass es das Leben gut mit Ihnen meint.“ Das sind

Worte von Roger Rosenblatt.

Erika Krumm

36 durchblick 1/ 2007


Gedächtnistraining

„Lache das Leben an, vielleicht lacht es wieder.“ Jean Paul

Versteckte Blumen

Bringen Sie die Buchstaben der Blüten jeweils in die richtige Reihenfolge.

Es ergeben sich dann die Blumennamen.

Klassische Komponisten

Das sind ihre großen Werke:

1. Slavische Tänze, 2. Eine kleine Nachtmusik, 3. Messias, 4. Liebestraum,

5. Bolero, 6. Ein deutsches Requiem, 7. Mondscheinsonate

Trainingsmaterial des BVGT e.V.

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

D

H

L

R

B

M

B

Lösungswort: …………………………………………

Brückenwörter

1. April ..................................................Frage

2. April ..................................................Falter

3. April ..................................................Hahn

4. April ..................................................Mann

5. April ..................................................Duft

6. April ..................................................Haft

7. April ..................................................Schauer

8. April ..................................................Land

9. April ..................................................Papier

10. April ..................................................Haus

1. Stadt der Liebe

....................................................

2. Weltstadt mit Herz

....................................................

3. Die Ewige Stadt

....................................................

4. Das Tor zur Welt (in Deutschland)

....................................................

5. Die Goldene Stadt

....................................................

6. Die Edelsteinstadt

....................................................

7. Die graue Stadt am Meer

....................................................

8. Die Lagunenstadt

....................................................

9. Die Bankenstadt (in Deutschland)

....................................................

10. Die Grachtenstadt

....................................................

Städteraten

11. Elbflorenz

....................................................

12. Die Walzerstadt

....................................................

13. Die Mozartstadt

....................................................

14. Die Lederstadt

....................................................

15. Deutsche Weltstadt

....................................................

16. Deutsche Messestadt

....................................................

17. Europas nördlichste Stadt

....................................................

18. Die Spielzeugstadt

....................................................

19. Die Schmuck- und Goldstadt

....................................................

Redewendungen zum Thema Musik

Ergänzen Sie folgende Redewendungen:

1. Etwas tut höllisch weh. Die Englein …………………… hören.

2. Etwas ist bereits weit und breit bekannt.

Das …………………………………… von den Dächern.

3. Jemanden heftig ausschimpfen. Jemandem ……………… blasen.

4. Auf etwas Erwiderung bekommen. Auf ……………… …stoßen.

5. Die passende Ansprache wählen. Den ………………… finden.

6. Jemandem mit einem Instrument die Meinung sagen.

Eine ……………………… halten.

7. Sich in den Mittelpunkt setzen. Immer ……………… spielen wollen.

8. In regelmäßigen Abständen Kinder haben.

Kinder wie die …………………… haben.

9. Unfrieden stiften. .…………………… erzeugen.

10. Sich an gesellschaftliche Spielregeln halten.

Das gehört zum ……………………… .

11. Jemanden für etwas gewinnen wollen.

Die …………………… rühren.

12. Verschiedene Dinge zusammenführen.

Etwas in …………………… bringen.

13. Etwas völlig verpatzen. Etwas …………………… .

14. Etwas flüchtig erwähnen. Etwas …………………… lassen.

15. Friedlich beisammen sein. In …………………… leben.

16. Alle Möglichkeiten ausschöpfen. Alle ………………… ziehen.

17. Die große Liebe. Der Himmel …………………… .

18. Jemandem zeigen, wo es langgeht. Die ……………… beibringen.

19. Viel Wirbel um etwas machen. Auf …………………… hauen.

20. Jemandem auf das Richtige ansprechen.

Die …………………… zum Klingen bringen.

durchblick 1/ 2007 37


Kultur

Am Ende ein Anfang

Barbara Bronnen

„Ich bin froh, dass ich endlich alt genug bin, um das

zu erleben.“

Das Glück der späten Liebe oder Liebe im Alter: Dieses

bislang ebenso heikle wie verschwiegene Tabuthema

wird in unserer älter werdenden Gesellschaft immer aktueller.

Filme wie „Elsa und Fred“ (Spanien/Argentinien

2005) oder „Mathilde liebt“ (ARD 2006) zeigen, wie sehr

dieses Thema den Nerv der Zeit trifft.

Lässt sich im Alter noch die Liebe leben? Im Mittelpunkt

des Romans „Am Ende ein Anfang“ von Barbara

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Bronnen stehen zwei Menschen, die vor über 30 Jahren ein

Liebespaar waren: Charlotte, die erfolgreiche Fotografin,

und Johannes, der charmante Verlagsleiter. Nun sind sie

um die siebzig und sehen sich zufällig für wenige Minuten

auf dem Hauptbahnhof Hannover wieder. Dann fährt

sie weiter nach München, er nach Hamburg. Sie ist inzwischen

Witwe und er von seiner jungen Freundin verlassen

worden.

Voller Erwartung beginnt Johannes, Charlotte zu schreiben,

zögernd-abwartend antwortet sie. Tastende Versuche,

zwischen dem Gestern und Heute Brücken zu schlagen, Bilder

wachzurufen, von ihrer Liebe, ihren Nächten, und die

wachsende Hoffnung, aus der alten Liebe eine neue entstehen

zu lassen. Da aber taucht seine ehemalige Freundin auf …

„Am Ende ein Anfang“ ist das kühne, kluge Buch einer

erfahrenen Autorin zu einem heiklen Thema in unserer älter

werdenden Gesellschaft: spannend und erotisch, komisch

und traurig – ein Roman, der Mut macht.

Ein mutiges, kühnes und kluges Buch – unprätentiös

und sensibel erzählt, spannend, erotisch, komisch und ehrlich.

Barbara Bronnen, geb. 1938 in Berlin als Tochter des

umstrittenen Schriftstellers Arnold Bronnen und der Journalistin

Hildegard von Lossow. Kindheit in Bad Goisern

und Linz, Studium der Germanistik und Philosophie in

München. Promotion über Hermanovsky-Orlando, ab Mitte

der 1970er-Jahre freie Schriftstellerin und Journalistin.

Lebt in München.

Am Ende ein Anfang, Roman, 176 Seiten, 18 Euro,

ISBN 3-7160-2359-0, Arche-Verlag Zürich-Hamburg.

Pfingsten zu KulturPur 2007

Vom 24.–28. Mai nun schon zum 17. Mal internationale Produktionen in der Zeltstadt auf dem Giller

Über 55.000 begeisterte Besucher zählte das letztjährige

internationale Musik- und Theaterfestival KulturPur.

Die stetig wachsende Beliebtheit verdankt es sicherlich seinem

familiärem Charme, der idyllischen Lage und der imposanten

Kulisse der Zelttheaterstadt. Wo sich sonst Fuchs

und Hase „Gute Nacht“ sagen, begeisterten bisher u. a.

Juliette Gréco, Gilbert Bécaud oder Milva das Publikum

des größten naturnahen Festivals in Deutschland.

Dank der bewährten Mischung aus Kreativität, Star-Akzenten

und Risikobereitschaft kann auch das diesjährige

Festival mit einem hochkarätigen und abwechslungsreichen

Programm aufwarten. Das Nachmittagsprogramm mit

Artistik, Theater und Mitmachaktionen spricht vor allem

Familien an, während die Abendprogramme mit hochkarätigen

Stars und aufwendigen Bühnenproduktionen alle

Altersgruppen in die Zelte locken.

Das meist kostenlose Rahmen- und Tagesprogramm lädt

dazu ein, die Atmosphäre entspannt zu genießen. Nachtschwärmer

können sich nach Einbruch der Dunkelheit am

imposanten Anblick des Lichtermeeres erfreuen. KulturPur

ist jeden Tag mit einer im Vorverkauf erworbenen Eintrittskarte

über kostenlose Bus- und Bahnverbindungen erreichbar.

Auch nach den Spätveranstaltungen stehen noch

Shuttlebusse zur Verfügung.

Infos gibt es ab dem 22. März im Internet unter

www.siwikultur.de oder unter Info-Nummer 02 71/3 33-24 40.

38 durchblick 1/ 2007


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durchblick 1/ 2007 39


Gesellschaft

Diskriminierung blockiert

Eine im Januar 2007 ausgestrahlte und vom ZDF mit

großem Aufwand erstellte dreiteilige „Doku-Fiction“ verbreitete

ein Bild des Alters, das ältere Menschen stigmatisierte

und die Bürger durch Horrorszenarien verunsicherte.

Das hat bei vielen Älteren, aber auch bei jungen

Menschen Zukunftsängste geschürt. Diese werden geradezu

animiert, auszuwandern und – wenn überhaupt – anderswo

ihre Kinder aufzuziehen.

Insgesamt wird mit dem Film ein Altersbild vermittelt,

das weder heute noch morgen zutrifft. Daher ist der Film

kontraproduktiv und vermittelt außerdem den Eindruck,

dass es sich hier auch um eine interessengeleitete Kampagne

handelt. Es ist fragwürdig, wenn durch Fernsehbeiträge

zur besten Sendezeit die private Vorsorge als einzige

Alternative für die Bürger angeboten wird.

Der Film verschweigt, dass ältere Menschen weniger

ein Kostenfaktor sind, sondern vor allem Gewinn und Stütze

für unsere Gesellschaft. Sie betreuen Enkelkinder, pflegen

gleichaltrige oder noch ältere Angehörige, unterstützen

Nachbarn und engagieren sich ehrenamtlich. Seit Jahren

schon nimmt die Engagementbereitschaft bei den Älteren

weiter zu und liegt nach aktuellen Untersuchungen mit 36 %

an der Spitze. Ein diskriminierendes Zerrbild kann diese

Bereitschaft und außerdem die Konsumbereitschaft älterer

Menschen nur blockieren.

Trotz aller Einwände hat der Film jedoch auch einen positiven

Effekt: Die Öffentlichkeit wird mit den drohenden

Auswirkungen des demografischen Wandels konfrontiert,

denen energisch entgegenzuwirken ist: Altersarmut, finanzieller

Kollaps des Gesundheitswesens sowie robotergesteuerte

„Pflege-Batterien“ und 4-Liter-Windeln statt menschenwürdiger

Pflege. Damit weist der Film eindringlich

darauf hin, dass endlich gehandelt werden muss, um solche

Entwicklungen zu verhindern.

Was getan werden muss, ist schon lange bekannt:

• Ausgewogene Lastenverteilung zwischen Alten und

Jungen

• Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

• Präventive Maßnahmen zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit

• Anpassung des Wohnumfeldes an die Bedürfnisse

Älterer.

Ältere Menschen sollten sich jedoch auch individuell

gegen negative Altersvorstellungen wehren. Diese zeigen

sich häufig in Form der Unteranpassung oder Selbstdiskriminierung:

• Ältere Menschen vermeiden im Gespräch mit Jüngeren

gezielt bestimmte Themen.

• Wenn sich der Ältere überfordert fühlt, verweist er auf

gesundheitliche Probleme etc.

• Ältere Menschen passen ihr Gesprächsverhalten den vermuteten

Erwartungen an, die man mit Älteren verbindet.

Dieses Verhalten führt zu selbstverschuldeter Unmündigkeit.

Wer sich selbst abwertet, blockiert seine Denkfähigkeit

schon im frühen Alter. Erich Kerkhoff

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Pfingsten 2007

24. bis 28. Mai

Internationales Musikund

Theaterfestival

auf dem Giller bei

Hilchenbach-Lützel

Veranstalter: Kreis Siegen-Wittgenstein / Städte Siegen und Hilchenbach / Gebr.-Busch-Kreis / IG Metall Siegen

40 durchblick 1/ 2007


Leserbriefe

durchblick 3-2006

… es wurde festgestellt, dass es einen privatärztlichen

Notdienst nur für Reiche gibt! …

Was Sie mit dieser Polemik bezwecken wollen, dürfte

wohl jeder Frau und jedem Mann klar sein. Ich jedenfalls

gehöre nicht zu den von Ihnen genannten „Reichen“, bin

aber dankbar und zufrieden darüber, zu wissen, dass es

einen solchen privatärztlichen Notdienst gibt. Aus eigener

Erfahrung mit diesem Dienst kann ich nur jedem dazu

raten, anstelle des normalen Notdienstes, welcher bekanntlich

nahe dem Kreisklinikum Siegen, Haus Siegen,

angesiedelt ist, den privatärztlichen Notdienst mit der Freudenberger

Ruf-Nr. anzurufen. Denn dort bekommt Frau und

auch Mann durch kompetente Fachärzte ausgezeichnete

Hilfe (in der eigenen Wohnung – oder wo auch immer) und

es entfällt die in Notfällen oftmals nicht mögliche Hin- und

Rückfahrt nach Siegen, wo evtl. nur ein Rezept ausgestellt

wird mit dem Hinweis, am nächsten normalen Werktag

doch den Hausarzt aufzusuchen.

Danke nochmals an den privatärztlichen Notdienst mit

der Freudenberger Ruf-Nr. für schnelle und ausgezeichnete

Hilfe durch die diensthabende Ärztin, welche sich sehr

um mich bemühte. Gerne habe ich den zu entrichtenden Betrag

bezahlt – denn es wurde mir ausgezeichnet geholfen.

Vielleicht sollte manche Frau oder mancher Mann etwas

weniger in Kosmetika oder extravagante Kleidung investieren,

dann können auch sie sich im Notfall den Notdienst

für „Reiche“ leisten.

Viele Grüße und ein hoffentlich notarztfreies Wochenende

wünscht Ihnen

R. Nerlich

Mit Freude nehme ich zur Kenntnis, dass zur Belebung

der Oberstadt nun ein Oldtimer-Bus eingesetzt wird. Als

eifriger „durchblick“-Leser fällt mir natürlich auf, dass vor

drei Jahren in Ihrem Heft 4-2004 ein genau solcher Vorschlag

gemacht wurde. Leider wird das nirgendwo erwähnt!

Ursula Moll, Siegen

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Der „durchblick“ bietet eine ausgewählte Palette Lesestoff

für interessierte Menschen. Eine besondere Bereicherung

für mich sind die Beiträge über Philosophie und Ethik

von Herrn Eberhard Freundt, seine Gedanken zu Frieden

und Toleranz.

Helga Sperling, Netphen

Maiengruß

Kommt, lasst uns den Mai begrüßen,

diesen lustigen Gesell,

er will’s Leben uns versüßen,

macht den Himmel wieder hell.

Gibt den Bäumen ihre Krone,

lässt die Vögel Nester bau’n,

unterm Heck die Veilchen wohnen,

lässt uns grüne Wiesen schau’n.

Dicke Dolden trägt der Flieder

und verstreut den süßen Duft,

alle Stauden sprießen wieder

in der milden Maienluft.

Osterglocken und Narzissen,

Primeln, Tulpen, Maiengrün,

Polsterblumen und Blaukissen

richtig beieinander stehen.

Knospen trägt die stolze Rose,

Du kannst gar nicht widerstehn,

immer wieder ihre Pose

voller Ehrfurcht anzusehn.

Tisch und Stühle stehn im Garten

und sie laden freundlich ein,

nein – brauchst nicht mehr lang zu warten,

lade Freunde Dir zum Wein.

Oder auch zu einer Bowle,

die im Mai besonders gut,

dass sich auch Dein Herz erhole,

dazu macht der Mai Dir Mut.

Lass Dich von den Augen führen

über Berg und Tal im Mai,

glaub mir, Freund, Du wirst es spüren,

Wonnemonat macht Dich frei.

Denk nicht mehr an dunkle Tage,

schau, wie die Natur sich schmückt.

Wirf jetzt von Dir alle Plage,

sei – genau wie er – beglückt.

Inge Göbel

durchblick 1/ 2007 41


Unterhaltung/Impressum

Kopfzeile

Uns fiel auf …

… dass alte Menschen von Banken diskriminiert werden

Trotz anderslautender Beteuerungen der Geldinstitute lehnen

diese Kredite bei älteren Menschen teilweise schon ab

55 Jahren ab. Banken, die sich anders verhalten, müsse man

„wie die Stecknadel im Heuhaufen“ suchen, sagt Hanne

Schweitzer vom Büro gegen Altersdiskriminierung in Köln.

… dass es bald Pflaster gegen Alzheimer geben soll

Ein Forschungsteam aus den USA und Japan schließt aus

den Versuchen an Mäusen eine Impfung über die Haut zur

Vorbeugung oder auch Behandlung von Alzheimer nicht

aus. Allerdings gibt es bisher bei Menschen bei solcher Behandlung

noch starke Nebenwirkungen.

… dass Senioren sich mit Eisenstangen prügelten

In Hannover schlugen sich zwei 83- und 80-jährige Senioren

wegen eines unbegründeten Diebstahlverdachts krankenhausreif.

Wo war hier die sprichwörtliche Altersweisheit geblieben?

… dass zwei Senioren die reichsten Deutschen sind

Die Gründer des Lebensmittelkonzerns Aldi, Karl (86) und

Theo (84) Albrecht, sind auch in diesem Jahr die reichsten

Deutschen. Was macht man in diesem Alter mit einem Vermögen

von 16 Mrd. Euro?

Lösungen von Seite 37 Gedächtnistraining

Versteckte Blumen: (von rechts nach links) Nelke, Tulpe, Rose, Veilchen,

Malve, Iris, Aster, Lilie, Goldlack, Phlox, Anemone, Erika.

Städteraten: 1. Paris, 2. München, 3. Rom, 4. Hamburg, 5. Prag, 6. Idar

Oberstein, 7. Husum, 8. Venedig, 9. Frankfurt, 10. Amsterdam, 11. Dresden,

12. Wien, 13. Salzburg, 14. Offenbach, 15. Berlin, 16. Leipzig,

17. Hammerfest, 18. Nürnberg, 19. Pforzheim. Klassische Komponisten:

1. Dvořák, 2. Mozart, 3. Händel, 4. Liszt, 5. Ravel, 6. Brahms,

7. Beethoven, Lösungswort: Konzert. Brückenwörter: 1. Scherz,

2. Nacht, 3. Wetter, 4. Schauer, 5. Morgen, 6. Launen, 7. Regen, 8. Abend,

9. Thesen, 10. Narren. Redewendungen zum Thema Musik: 1. Die

Englein im Himmel singen hören, 2. Das Pfeifen die Spatzen von den

Dächern, 3. Jemandem den Marsch blasen, 4. Auf Resonanz stoßen,

5. Den richtigen Ton finden, 6. Eine Standpauke halten, 7. Immer die

erste Geige spielen wollen, 8. Kinder wie die Orgelpfeifen haben,

9. Misstöne erzeugen, 10. Das gehört zum guten Ton, 11. Die Werbetrommel

rühren, 12. Etwas in Einklang bringen, 13. Etwas vergeigen,

14. Etwas anklingen lassen, 15. In Harmonie leben, 16. Alle Register

ziehen, 17. Der Himmel hängt voller Geigen, 18. Die Flötentöne beibringen,

19. Auf die Pauke hauen, 20. Die richtige Saite zum Klingen bringen.

Zu guter Letzt …

… hat sich einer unserer Kollegen für Sonntag 8.30 Uhr den

Wecker gestellt, um pünktlich um 10 Uhr Fernsehen zu

schauen. Das ZDF hatte einen Film über die Aktivitäten des

befreundeten Vereins ALTERAktiv gedreht, der mit seinem

Internetcafé gemeinsam mit uns und anderen Gruppen das

Haus Herbstzeitlos belegt. Punkt 10 Uhr flimmerte aus der

Röhre der erste Beitrag über Kumpel aus dem Ruhrpott. Es

folgten weitere. Gegen 10.30 Uhr holte er seine vergessene

Brille aus dem oben liegenden Schlafzimmer, weil seine

Augen danach verlangten. Zurückgekommen, staunte er

nicht schlecht. Die Sendung war vorbei. Kein Bild, kein

Ton, kein Wort von ALTERAktiv. Beim genauen Betrachten

des Bildschirms stellte der Kollege dann fest, dass er den

Sender SWF eingeschaltet hatte und nicht das erwartete ZDF.

durchblick

Herausgeber:

durchblick-siegen Information und Medien e.V., im Auftrag der

Stadt Siegen – Seniorenbüro

Anschrift der Redaktion:

„Haus Herbstzeitlos“ · Marienborner Straße 151 · 57074 Siegen

Telefon + Fax: 02 71/ 6 16 47 · Mobil: 01 71/ 6 20 64 13

E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de

Internet: www.durchblick-siegen.de

Öffnungszeiten:

dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 12.30 Uhr

dienstags auch von 15.00 bis 18.00 Uhr

Redaktion:

Maria Anspach; Friedhelm Eickhoff (verantw.); Eberhard Freundt;

Dieter Gerst; Inge Göbel; Gerda Greis; Dorothea Istock; Erich Kerkhoff;

Erika Krumm; Horst Mahle

An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:

Barbara Kerkhoff; Thomas Benauer; Toni Diehl; Helga Siebel-

Achenbach; Sabine Völkel; Andreas Schmidt; Edith Maria Bürger;

Dr. Ursula Glagau-Gloor; Pilar Mesa Navarro

Fotos/Zeichnungen/Grafik (soweit nicht im Bild angegeben):

SATURN, M. Anspach, D. Istock, E. Freund, F. Fischer, T. Benauer,

E. Kerkhoff, Astrid E. Schneider, F. Eickhoff, D. Gerst, Sabine Völkel,

Manfred Hübscher, Kulturbüro, Friedhelm Weyand, Ulf Engelmann,

Horst Mahle, Dieter Wardenbach

Gestaltung: C. Petri

Gesamtherstellung:

Vorländer · Obergraben 39 · 57072 Siegen

Verteilung:

Helga Siebel-Achenbach Ltg., alle Redakteure, Ellen Schumacher,

Fred Schumacher, Hannelore Münch, Fritz Fischer, Paul Jochem, Elisabeth

Flöttmann, Helga Sperling, Hermann Wilhelm, Dieter Wardenbach,

Karl-Wilhelm Steinmetz, Ingrid Drabe

Erscheinungsweise:

März, Juni, September, Dezember

Auflage:

8 200. Der durchblick liegt kostenlos bei den Sparkassen, Apotheken,

Arztpraxen, den Zeitungsverlagen der City-Galerie, in Geschäften

des Siegerlandzentrums und in öffentlichen Gebäuden aus. Für die

Postzustellung berechnen wir für vier Ausgaben jährlich 8 Euro.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die

Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte

Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte Beiträge

werden nicht zurückgeschickt. Für unsere Anzeigenkunden gilt die

Preisliste 6/2004.

42 durchblick 1/ 2007


Der Leistungsverbund im Handwerk

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für's Leben

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Wer jetzt reagiert, kann Förderungen

für barrierefreie Umbaumaßnahmen nutzen

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Unterstützung nicht nur im akuten Bedarfsfall

Weitläufig bekannt ist sicher, dass Pflegebedürftige,

Menschen mit Behinderungen und ab 60 Jahren Finanzmittel

bei diversen Stellen und Behörden beantragen können.

Neu ist jetzt, dass entgegen der bisher gewährten Geldern

• die Einhaltung von Einkommensgrenzen

• die Erforderlichkeit eines Schwerbehindertenausweises sowie

• der Nachweis der Pflegebedürftigkeit entfallen.

Die KfW hält für solche Umbauten zinsgünstige Finanzierungen

(0,5 %) bereit. Die Zuteilung erfolgt sogar größten teils ohne

Grundbucheintragung.

Der Topf für diese Art der Förderung ist auf eine bestimmte

Summe begrenzt und wird von Fall zu Fall nach Eingang

geprüft. Melden Sie sich daher rechtzeitig, wenn Sie

barrierefreie Umbaumaßnahmen planen. Wir unterstützen Sie

bei der Beantragung und den erforderlichen Behördengängen.

Als zertifizierte Meisterbetriebe für barrierefreies Bauen und

Wohnen garantieren wir eine qualifizierte und korrekte

Planung und Durchführung Ihrer Baumaßnahmen.

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