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Inhaltsübersicht:
Aus der Redaktion
durchblick 1/ 2007 3
Seite
Aus der Redaktion 03
Entflammt für die Feuerwehr 04
Bi de Hollänner 07
Siebenbürgische Kirchenburgen 08
Achtzig ehrenamtliche Helfer im 3. Lebensalter 11
Wertebildung in der älteren Generation 12
Herr und Hund vor Gericht 13
Serviceseite 14
Steh auf! 15
Ein Ausschnitt anderen Lebens … 16
Marias Krimi 18
Älter werden in Siegen 20
„Wohnst du noch, oder …?“ 21
Die Burg auf dem Ginsberg 22
Einblick in den Integrationsrat 24
Wahlen zum Seniorenbeirat 2007 25
20 Jahre „durchblick“ 25
Wenn Rentner auf Reisen gehen 26
Gott nur ein Hirngespinst, der freie Wille eine Illusion? 28
Kein Licht in der Dunkelheit 34
Gedächtnistraining 37
Buchbesprechung 38
Pfingsten zu KulturPur 2007 38
Serviceseite 39
Diskriminierung blockiert 40
Leserbriefe / Maiengruß 41
Lösungen / Impressum 42
Zu guter Letzt 42
Zunehmend mehr ältere Menschen mit Migrationshintergrund leben unter uns. Viele der
früheren „Gastarbeiter“ sind nach einem arbeitsreichen Berufsleben als Rentnerinnen und
Rentner hiergeblieben. Der Integrationsrat der Stadt Siegen möchte deshalb in dieser Ausgabe
seine regionalen Aktivitäten für Seniorinnen und Senioren vorstellen. Angesichts der
wachsenden Zahl alter Menschen mit Migrationshintergrund, stellen wir (auch in künftigen
Ausgaben des durchblick) den erforderlichen Platz für Ankündigungen und Berichterstattungen
gerne zur Verfügung.
Große Resonanz erhielt die letzte Ausgabe des durchblick, die Geburtstagsausgabe. Unsere
Redakteure führten viele Gespräche, erhielten Anregungen und Kritik. Wir machen an
dieser Stelle erneut darauf aufmerksam, dass wir an den kommenden Samstagen unseren
Leserinnen und Lesern auf den Siegener Wochenmärkten wieder Rede und Antwort stehen
werden. Lassen Sie sich an unserem Stand auf einen Kaffee einladen. Lernen Sie dort
auch unsere neue Redakteurin und Mundart-Buchautorin Gerda Greis kennen. Nach wie
vor freuen wir uns aber auch über Leserbriefe. Teilen Sie uns mit, was Ihnen am durchblick
missfällt oder gefällt.
Im Juni stellten wir unsere Leserin Ingrid Seidel vor. Die Siegerländerin trainierte damals
für den New-York-Marathon. Der 5. November 2006 war der große Tag für sie. Die
62-Jährige kam im Mittelfeld der gesamten Frauenkonkurrenz ins Ziel. In der nächsten
Ausgabe wollen wir über ihre Erlebnisse berichten.
Ihnen nun viel Freude beim Lesen des neuen durchblick.
Porträt
Entflammt für die Feuerwehr
Als der Orkan Kyrill im Januar auch über dem Siegerland
wütete und Spuren der Verwüstung hinterließ, wurde
uns wieder einmal bewusst, was die Feuerwehr für uns bedeutet.
Ohne Feuerwehr geht gar nichts, wenn die Natur mit
Macht zuschlägt. Als sich die wilde Nacht in den Morgenstunden
des 19. Januar besänftigt hatte, waren bei der Hauptwache
Fludersbach 980 Notrufe angekommen.
Friedhelm Weyand, Hauptbrandmeister im Ruhestand
seit 1992, wäre vor 15 Jahren bei solchen Einsätzen noch
dabei gewesen. Heute kann er zu Hause bleiben, wenn er
sich in seine 40-jährige Dienstzeit zurückversetzen will,
die ihm Lebensinhalt wurde. Dabei ist er im eigenen Haus
mit angebauter Garage, umgeben von wuchtigen Motorspritzen,
Atemschutzgeräten, Signalanlagen, Schläuchen,
Feuerlöschern, 30 Strahlrohren, Funkgeräten, Handscheinwerfern
und allem, was zur zünftigen Ausrüstung der Florians
jünger gehört.
In langer Reihe präsentiert sich die Dienstkleidung der
Feuerwehr aus aller Herren Länder und lässt erkennen, dass
international nicht nur „Blauröcke" für Schutz und Wehr
verantwortlich sind. Da sind Jacken in verschiedensten Formen
und Farben dabei, und unter den rund hundert Mützen
und Helmen gleicht kein Stück dem anderen. Da fehlen nur
noch die Kollegen, die die schmucken Uniformen und
Kopfbedeckungen getragen haben, zum Beispiel in Russland,
USA, Österreich, Japan, Frankreich der Schweiz oder
der früheren DDR. Hinzu kommen in großer Zahl Orden,
Wappen und Ehrenzeichen.
Eine faszinierende Sammlung, die den Arbeitsbereich
der Feuerwehr im Wandel der Zeiten, und ganz besonders
in und um Siegen, greifbar lebendig werden lässt, hat der
Feuerwehrmann aus Leidenschaft in 40 Jahren bei sich zu
Hause entstehen lassen. Aus Gegenwart und Vergangenheit
stammen seine Schätze, die sich dicht an dicht- und jeweils
kennzeichnend beschriftet- in hohen Regalen präsentieren,
darunter zahlreiche Exemplare mit Seltenheitswert. Da
drängt sich die Frage auf: ,,Lieber Herr Weyand, wie kommen
Sie denn an so etwas?" Darunter ist zum Beispiel ein
kupferner Feuerlöscher Baujahr 1927 aus Westminster
oder als ältestes „Schätzchen" ein über hundertjähriger
Feuermelder, der bis 1975 noch in Do~tmund in Betrieb
war. Der Experte scheint zu wittern, wo und bei wem die
Suche und Nachfrage lohnt. Er bleibt da keine Antwort
schuldig: ,,Da kommt aus der Erfahrung und Vertrautheit
mit allem, was zur Feuerwehr gehört ein Gespür dafür, wo
die Nachfrage lohnt. Ich kenne jedes Detail, egal ob es aus
Fuhrpark, Werkstatt, Wache oder natürlich aus der Sammlung
stammt."
Vieles wird unter alten Wehr-Kameraden und ebenfalls
begeisterten Sammlern getauscht, verkauft, verschenkt.
Auf Börsen, Floh- und Trödelmärkten, in Zeitschriften und
Fachliteratur fahndet der Sammler mit Spürnase nach neuen
Kontakten und Errungenschaften. Dazu sagt er: ,,Da ist
eine weite Anreise auch ins Ausland oder ein schwieriger
Transport kein Hindernis. Es macht einfach Freude." So
war auch die Anschaffung der gewichtigen Motorspritze
Magirus Goliath III von 1941 kein Problem. Ein etwas jüngeres
Modell hat einen VW-Motor.
Was Weyand bescheiden „private Sammlung" nennt, ist
eigentlich ein kleines Museum. Aber um solchen Anspruch
zu erfüllen, fehlt der geeignete öffentliche Raum für interessierte
Besucher. Da ist Hoffnung angesagt: ,,Vielleicht
lässt sich da etwas machen, wenn der projektierte Neubau
der Wache an der Stadtteilgrenze zu Weidenau einmal fertig
sein wird", hofft der Sammler, dem so etwas in ►
Die Siegener Feuerwehr in den 50er-Jahren.
4
durchblick l 112007
Aussicht gestellt wurde. Der Museumsführer, der spannend
und fundiert erläutern kann, müsste nicht mehr gesucht
werden.
Besondere Stücke haben besondere Geschichten; traurige,
wenn Hilfe zu spät kommt, ermutigende, wenn oft unter
Einsatz des eigenen Lebens eine Gefahr gebannt, ein
Opfer gerettet werden kann. Friedhelm Weyand kennt viele
solche Geschichten. Ein Wiederbelebungsgerät Baujahr
1928 erinnert unmittelbar daran, dass immer wieder auch
der Tod im Einsatz ist und manchmal den Sieg davonträgt.
Zwei Feuerwehrmänner verloren im Januar den Kampf gegen
Orkan Kyrill bei einer Rettungsaktion und zahlten die
„Opferbereitschaft im Dienst“ mit ihrem Leben.
Porträt
Weyand denkt an die Gasexplosion am Fischbacherberg
1963. „Wir waren die Ersten an der Unglücksstelle. Es war
uns gleich klar, dass von den sechs Hausbewohnern niemand
mehr gerettet werden konnte. Am schlimmsten war
es immer, wenn Kinder betroffen waren.“
Aber auch erfreuliche und erheiternde Erinnerungen an
ungewöhnliche Rettungsaktionen kommen auf: „Da war
einem Tierfreund sein Papagei weggeflogen. Wir haben den
Vogel entdeckt und verfolgt, immer hinterher. Als er hoch
oben auf einer Baumspitze gelandet war, sind wir ihm auf
der Leiter ganz nah gekommen, aber dann war er wieder
weg. Unter Büschen ließ er sich schließlich einfangen. Er
war völlig außer Atem, wir auch.“ Bei einer Führung durch
die Sammlung gehören solche Erinnerungen an den Arbeitsalltag
dazu.
Manches Ausstellungsstück kann älteren Bürgern ins
Gedächtnis bringen, was zu ihrer eigenen Geschichte gehört:
Aus einem Siegener Bunker stammen Volksgasmasken
und eine Luftschutzapotheke, die Weyand sich abholen
konnte. Wie schon oft brachte ihm ein Zufall dabei
eine weitere Bereicherung für die Sammlung, diesmal mit
der dazugehörigen Chronik in Bild und Wort. Er denkt
zurück: „Ich kam dazu, als aus einer Bunkerzelle Mengen
von dortgebliebenen Unterlagen aus der Zeit zwischen 1939
und 1945 entsorgt werden sollten. Mir wurde klar, dass sich
darunter vieles befand, das erhaltenswert schien. Das war
ein Glücksfall“, sagt Weyand.
Friedhelm Weyand an seinen historischen Motorspritzen.
Er hat das dunkle Kapitel deutscher Geschichte unter
Nazi-Herrschaft als Schuljunge kennengelernt und in seiner
Chronik der Wehr – auch mithilfe der geretteten Unterlagen
aus dem Bunker – ausführlich dokumentiert. In Auszügen
hat er seine Sammlung schon mit großem Erfolg vorgestellt.
Das geschah im Siegerlandmuseum, im Kreishaus,
in der City-Galerie im Frühjahr 2000, im Kreiskrankenhaus
in Weidenau im Café Sohler, 2003 im Freudenberger Technikmuseum
oder 2004 im einstigen Kaufhofgebäude, jetzt
KrönchenCenter. Hier wurden Teile der Sammlung Weyand
in die eindrucksvolle Ausstellung der Universität Siegen
zum 16. Dezember 1944 einbezogen. Das war der Tag,
an dem ein Feuer, das keine Wehr beherrschen konnte, die
Stadt in ein Flammenmeer verwandelte.
Wie schon erwähnt, beschränkt sich die Sammelleidenschaft
des Feuerwehrmanns im Unruhestand nicht auf die
große Zahl der bewundernswerten Ausstellungsstücke. Besondere
Beachtung gehört auch den in Regalen bewahrten
Ordnern, in denen sich die Geschichte der Siegener Feuerwehr
in Bild und Text widerspiegelt. Da ist in Urkunden,
Rechnungen, Verordnungen und Gesetzestexten, Zeitungsartikeln
und bestechenden Fotos dokumentiert, was sich
aus dem bescheidenen Stand seit der Gründung der Feuerwehr
1865 entwickelt und erhalten hat, allen Einbrüchen
von Kriegswirren zum Trotz.
Fotos vom Festzug zur 100-Jahr-Feier 1965 mit rund
tausend Uniformierten aus Sieger- und Sauerland veranschaulichen
die Freude am erreichten Erfolg. Weyand erinnert
sich gern: „Die ganze Stadt feierte damals mit.“ ➤
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Porträt
Luftschutzbauten in der Fludersbach ihrer Bestimmung
übergeben. Zu dieser Feier werden lediglich diejenigen Angehörigen
vom SHD (Sicherheitshilfsdienst) eingeladen,
die mehr als 50 Tagewerke an Luftschutzdiensten geleistet
haben.“ Beim SHD handelte es sich um ältere Jahrgänge
der Bürgerschaft, die für Bauarbeiten eingesetzt wurden.
Im Februar 1946 bittet die Fire-Station Fludersbach den
Captain C. H. Jones vom Military Government um die Genehmigung
zum Kauf von 30 Glühbirnen zu 25 Watt, 15 zu
100 Watt und fünf zu 150 Watt, mit dem begleitenden Text:
„Die Beleuchtung der Feuerwache ist zur Zeit völlig unzureichend,
insbesondere bei Nachtalarm.“ Der Umgangston
änderte sich bald.
Noch ist die Feuerwache in der Fludersbach beheimatet.
Eine bunte Bilderfolge zeigt die Feuerwache Fludersbach
in verschiedenen Entwicklungsphasen bis heute: Die
älteste und die modernste Drehleiter des Fuhrparks, die erste
Siegener Motorspritze von 1925, dann die Löschzüge im
Wandel der Zeit. In Momentaufnahmen wird das Arbeitsund
Gemeinschaftsleben der Mannschaften rund um die
Uhr dokumentiert.
Der so vielfältig illustrierte Textteil der Chronik erweist
sich auch als äußerst anschauliche Lektüre. Das beginnt mit
dem ausführlichen Rückblick auf Gesetze im Mittelalter für
den gebotenen Feuerschutz, bei Verstößen „mit Strafen an
Leib und Leben“. Es setzt sich fort mit Feuerlöschverordnungen
vor 150 Jahren. Da heißt es zum Beispiel fürsorglich:
„Die Spritzenleute stellen sich in langer Reihe an den
Druckbaum zum Pumpen. Sie werden öfter abgelöst, damit
ihre Ermüdung nicht die Kraft der Spritze vermindert.“
Ein Briefwechsel zwischen der Feuerwehr und der vorgesetzten
Regierung wirft Schlaglichter auf die Zeit
während und nach dem 2. Weltkrieg. Im Winter 1941 verweist
der Hauptmann der Schutzpolizei in einem Schreiben
an den Führer des Luftschutz-Sanitätsdienstes auf ein bedeutendes
Datum: „Am Mittwoch, 5. November, werden die
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Im Juli 1952 schreibt der Kommandeur vom Standort
Siegen der Belgischen Garnison an den Chef der Feuerwehr:
„Für das prompte und erfolgreiche Einschreiten der
hiesigen Feuerwehrabteilung bei dem kürzlich ausgebrochenen
Brand im Bereich der Heidenbergkaserne spreche
ich der tüchtigen Löschmannschaft als Standortältester
meinen aufrichtigen Dank aus.“
Das ist lebendige, archivierte Zeitgeschichte, aufgespürt
bei der Feuerwehr von jemand, der ganz alltägliche Einblicke
in das Leben der Wehr auch in Krisenzeiten gibt,
Einblicke, die sonst sicher irgendwann vergessen würden.
Friedhelm Weyand kam 18-jährig zu den „Freiwilligen“,
Löschzug Hammerhütte, und wechselte 1953 zur hauptamtlichen
Wache Fludersbach. Die ehemaligen Luftschutzbauten
hatten sich inzwischen fortschrittlich entwickelt.
Das Warnsystem und der Krankentransport waren voll in
Funktion. Der Fuhrpark bestand aus Löschfahrzeugen und
Krankenwagen. Eine zuvor abgeschlossene Kfz-Elektrikerlehre
bot dem jungen Feuerwehrmann hier das Rüstzeug,
das er in der Werkstatt sinnvoll einsetzen konnte. Sein
handwerkliches Talent kommt ihm heute noch beim Sanieren
seiner Sammel-Prachtstücke zugute.
1977 wurde Hauptbrandmeister Weyand Leiter der
Wachabteilung drei. Mit einigen Werkzeugen, Geräten und
anderen Utensilien seiner Sammlung hat er selbst Brände
bekämpft oder bei Krankentransporten, Unfällen, Naturkatastrophen
seinen Dienst am Nächsten geleistet. Weyands
eigene Uniform hat in der langen Reihe der aufbewahrten
internationalen Jacken ihren Platz. Das Paradestück unter
den Uniformen ist eine originalgetreu nach Maß für den
Pensionär geschneiderte weiße Jacke, wie sie um 1900 bei
der Wehr in Siegen Mode war.
Friedhelm Weyand ist 74 Jahre alt, nachweisbar nur im
Kalender; und er bleibt durch seine Sammlung mittendrin
im Betrieb, in der Großfamilie Feuerwehr, der er seine
Lebensaufgabe gewidmet hat. Seine Sammlung ist der
Beweis dafür.
Maria Anspach
6 durchblick 1/ 2007
Mundart
Bi de Hollänner
Mier, d’r Minne on ech fuern altemo Afang Abrell no
Holland a de Nordseekesde. En Zandlooper wonden m’r en
nem Ferijehuss, hadden zom Schdrand kumm 10 Minudde
ze laufe, ha bal jeden Dach freschen Fesch gässe on os emmer
werrer gewonnert, wi flissich so’en Maulwurf en
kuerzer Zitt de sandije Wes emgrawe ka.
A nem sonnije Nommedach säde min Ma emo zo mier:
„Komm, det Wasser zitt sech zerecke, m’r ha Ebbe, itz mache
m’r en Schdrandladsche.“ Em Frejoar es do net so fel
loss, nuer e par Li komen os entgäje on en Hond, so en massijer
Näjjfundlänner, dä am Wasser entlang schwearfällich
duerch d’r Sand schbrong.
Se’ ech schoa fa wierem en Hond, da glengeln bi mier de
Alarmglocke. Ech woar fenne, do hät mech emo en Schäferhond
ewer fenf Minudde lang oawe am decke Bai fästgehale,
on dat Gebess fa däm hadde sech def end Flaisch
engegrawe; alles woar blou onnerlaufe. Seit dä Zitt a, egal
wi groas se sin, well ech met dänn Fierbainern niks zedo ha.
Go mier bi os schbaziern, laufe ech emmer e par Schre
henner d’m Minne hear, sin mier awer bi de Hollänner, da
gearet m’r so got, dat hä henner mier hear ladscht. So lef
ech da en Zitt lang foar äm hear, m’r ha os och onnerhale
on mänchmo ha ech mech och emgedrät. Di Li , di a os forbi
gange sin, sogen fa henne ganz glai uss, on dä Hond och.
Uerblötzlich awer felde ech mich d’rzo gezwonge,
schdo ze bliwe. Ech dochde, min Ma lät m’r fa henne de
Arme of de Schollern, awer wäswäje dreckt hä mech so fäsde
no onne, darrech net wierer go ka? Ech woll m’r da grad
de Bemärgung erlauwe ze sä, ha kenn re’ich e bessje zärtlicher
zo m’r sin, do gefriert m’r det Blot en de Oarern.
Nämlich en däm ech d’r Kobb remdräte, wat m’r och
schwear fel, sog ech of minner Scholler dechde, lange,
brungne Hoarn. Schdockeschdiff en däm Augebleck, wueret
m’r och noch am Hals so warm. Nuer min Auge bewäjden
sech on sojen – e Schdecke Schlabberoar, e Aug, de
Schnudde on de lange Zong fa däm Näjjfundlänner.
Du lewer Gott, glich bissde dech en d’r Hals on da häsde
neme lang ze läwe. Härre net! Da hoarde ech de Schdemm
fa minnem Ma: „Dä Hond well nuer met d’r schbeln.“ „Wearem
da net met dier?“ „Mier erre doch net of d’r Bockel
geschbronge!“ Als ech schwadde, wuer ech afgeläckt. Fa
däm Hond! Min Oar woar nass foar ludder Sabber.
No dochde ech nuer noch, se’ schdell, blib schdo on fall
blos net em, sost bissde dech womechlich noch en de Bain, di
sowiso so schdrack fort sin. Wat häsde da? Itzend werrer,
uerblötzlich – en schreller Peff. Di Li hadden ear Hond fermesst.
Dä redschde m’r da d’r Bockel ronner, on fort woare.
Ech ha en geschbalene „Persönlichkeit“ zo de Hondsdierer.
Di komme all of mech zo, di wonn mech, on ech sin
da fro, wann se a d’r Kear sin. Am lebsde se’n ech en Hond
of ner Postkade.
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durchblick 1/ 2007 7
Historisches
Siebenbürgische Kirchenburgen
Die Kirchenburgen Siebenbürgens entstanden in den
Jahrhunderten der Türkenabwehr.
Vor achthundertzwanzig Jahren kamen aus entfernten
abendländischen Gegenden deutsche Kolonisten in die
vom Karpatenbogen umschlossene Kulturlandschaft –
Transsilvanien – genannt. Auf diesem Boden alter Geschichte
ließen sich die deutschen Einwanderer nieder, die
bis auf den heutigen Tag ihre eigene Sprache, ihre Trachten
und Bräuche bewahrt haben, die sie von der menschlichen
und sozialen innerkarpatischen Landschaft als besondere
Gruppe abheben. Dieses Gebiet war seit dem 9.
Jahrhundert in das ungarische Königreich eingegliedert.
Die ungarischen Könige riefen im 12. Jahrhundert Deutsche
ins Land, um ihr Reich im Osten gegen die verheerenden
Sturzfluten der großen asiatischen Völkerbewegung zu
schützen. Unter dem Sammelnamen „Siebenbürger Sachsen“
bekannt, bildeten die aus verschiedenen deutschen
Gauen kommenden Ansiedler mehrere, genau abgegrenzte
Enklaven, inmitten der bodenständigen Rumänen, neben
der hier ansässig gewordenen magyarischen Bevölkerung.
Den Siedlern wurden politische, wirtschaftliche, religiöse
und soziale Rechte zugesprochen, die in dem sogenannten
„goldenen Freibrief“ schriftlich festgehalten waren.
Als Gegenleistung mussten die Siedler eine Art
Grundsteuer zahlen und bei einer Heerfahrt des Königs
mussten sie Bewaffnete stellen. Die zugesprochenen Rechte
wie eigenständige Gerichtsbarkeit, Selbstverwaltung,
Territorialautonomie auf dem ihnen überantworteten Königsboden
waren entscheidend für die Entwicklung zu einer
Eigenstaatlichkeit. Innerhalb des ungarischen Königreiches
bildete das geschlossene Siedlungsgebiet eine eigene territorial-administrative
Einheit, frei von Adelsherrschaft und
Leibeigenschaft nur dem König unterstellt. Sie haben diese
Rechte jahrhundertelang gehütet und verteidigt vor dem
ungarischen Adel und später, als Siebenbürgen 1691 unter
habsburgische Herrschaft kam, vor den Wiener Staatsmännern,
die die Autonomie Siebenbürgens beseitigen wollten.
Es entstand bei ihnen ein klares und sehr betontes Rechtsbewusstsein,
ein lebendiges Freiheitsgefühl sowie eine
demokratische Anschauung und Denkweise. Sie schufen
eine vielfach gegliederte Gesellschaftsordnung, die das
ganze Leben umfasste, aber keine Vorrechte und keinen
Grundbesitz eines Adels kannten.
Der Anschluss Siebenbürgens an Rumänien im Jahre
1920 leitete eine neue Phase der siebenbürgischen Geschichte
ein. Von da an betrachtete sich das sächsische Volk
als ein Glied des rumänischen Reiches.
Im Gesamtbild einer einheitlichen Entwicklung der Materialkultur
und Geistesgeschichte Siebenbürgens bildete
die sächsische Bevölkerung einen bedeutenden zivilisatorischen
und fortschrittlichen Faktor, dank ihrer hohen, von
Humanismus beseelten Ideale. Die im Laufe der Jahrhunderte
geschaffene Sachkultur der Siebenbürger Sachsen,
ihre Baudenkmäler, die historischen Aktionen, die sie
bestimmten oder beeinflussten, ihre Kultur, die von den
vornehmsten menschlichen Idealen der Freiheit, Gerechtigkeit
und geistigen Fortschritts getragen wird, bedeutet im
Kontext der materiellen und spirituellen Gesamtleistung
Siebenbürgens und Rumäniens einen wertvollen und gewichtigen
Beitrag.
Im Jahre 1241 brachen die ersten mongolischen Horden
in Siebenbürgen ein. Die verheerenden Mongolenstürme
dauerten jahrzehntelang.
Speckturm der Kirchenburg Zied.
Im Jahre 1395 waren die Osmanen erstmals in Siebenbürgen.
Die Türkeneinfälle dauerten nahezu drei Jahrhunderte.
Das Kriegselend trieb die Bevölkerung den Widerstand
gegen die Feinde zu organisieren. Die Städte wurden
befestigt, indem man um die Stadt Mauern und bewehrte
Türme errichtete. Hermannstadt zum Beispiel hatte 60 bewehrte
Türme. Die Dorfbewohner begannen die Dorf- ➤
8 durchblick 1/ 2007
Historisches
kirchen, die im Zentrum des Dorfes standen und leicht zu
erreichen waren, wehrhaft auszubauen. Bei der Wehrbarmachung
der Kirche wurde meist der Kirchturm als erster
Bauteil befestigt, aber auch über Chor und Schiff wurden
Wehrgeschosse errichtet. Die Kirchhöfe wurden mit starken
Ringmauern umfriedet, einfache, doppelte und sogar
dreifache Ringmauern von Türmen und Basteien befestigt.
Sie wurden mit Schießscharten, Pechnasen, Gusslöchern
versehen, die Türme ebenfalls. An der Innenseite der Ringmauern
wurden Wohn- und Vorratskammern angebaut, um
Belagerungen standzuhalten. Die Dorfbewohner befestigten
ihre Kirchen, weil sie sich im Hause Gottes dem Schutz
des Allmächtigen am nächsten glaubten, nach Martin Luthers
Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“.
Die Kirchenburgen zeigen
eine typologische Vielfalt, die sich
ausdrückt im Stil der Sakralbauten
und deren späterer Wehrbarmachung
und im Anlageplan der
sie umgebenden Burgmauern und
Verteidigungsvorrichtungen und
ist bedingt durch die verschiedenartige
demografische Zusammensetzung
der Einwanderergruppen
und dem chronologisch
verschiedenen Zeitpunkt ihrer
Ansiedlung von der Mitte des
12. Jahrhunderts bis zu Beginn
des 14. Jahrhunderts. Die größte
und stattlichste Kirchenburg des
Landes ist Tartlau. Die Befestigungsanlagen
stammen aus dem
15. Jahrhundert und übertreffen
an Größe und Wucht alle anderen
Kirchenburgen des Landes.
Die Kirche ist mit einem Bering
umgeben, dessen Mauern 12 bis
14 m hoch und an der Basis fünf
Meter stark sind, die in Höhe des
Wehrgangs von Schießscharten
und Gusslöchern durchbrochen
und von fünf nach außen vorspringenden
Türmen geschützt
sind. In zehn Metern Höhe verläuft
ein fast zwei Meter breiter
Wehrgang rund über den ganzen
Mauergürtel, von einem Satteldach
überdeckt und nur spärlich
durch die Schießschlitze erhellt.
Um die dem Burghof zugekehrte
Seite des Berings sind in drei
und vier Reihen übereinander
Vorratskammern angebracht, insgesamt
272 Vorratskammern mit
eigenem Eingang und Lüftungsfensterchen.
Jeder Bauernhof besaß eine Kammer in der
Burg, wo Korn und Speck gehalten und in Belagerungszeiten
auch gewohnt wurde. Auf den Eichentüren sind noch
die Schilder mit den Hausnummern aufgenagelt, und der
Speck reift auch heute noch in dem luftigen kühlen Turmgemäuer
zwischen Dezember und April zum zarten, mürben
siebenbürgischen Speck. Der Weg in die Burg führte
über eine Zugbrücke durch einen langen überwölbten
Gang, der fünfmal durch Fallgitter gesperrt war. Diese Burg
hat allen Stürmen getrotzt.
Eine andere bedeutsame und bemerkenswerte Kirchenburg
ist auch Birthälm, die von 1572 bis 1867 evan- ➤
durchblick 1/ 2007
Historisches
Ringmauer mit Wohn- und Vorratskammern der Tartlauer Kirchenburg.
gelischer Bischofssitz war. Drei starke, bis 12 m hohe Mauern
umschlossen auf steilem Bergkegel den Kirchhof, fünf
Türme und sechs Basteien verstärkten die Mauern.
Die Wasserversorgung war ein wichtiges Problem. Die
meisten Burgen besaßen einen Brunnen im Hof, fand man
die Wasserader ausgerechnet unter dem Kirchengebäude,
so wurde der Brunnen eben im Schiff gegraben, der Schacht
mit Steinen ausgemauert und mit einem dem Bretterboden
eingefügten Deckel verschlossen. Auch heute gibt es noch
Kirchenburgen, wo man aus dem Brunnen des Kirchschiffes
trinken kann. Die Kirchenburgen Siebenbürgens waren
dafür eingerichtet, dass das tägliche Leben in Belagerungszeiten
innerhalb der Burg seinen Fortgang nehmen konnte.
Wehrkirchen und befestigte Kirchhöfe sind eine gesamteuropäische
Erscheinung und ebenso auch in den
christlichen Gebieten des Nahen Ostens. Bezeichnend ist
es allerdings, dass in Siebenbürgen – als südöstlichem Vorposten
des Abendlandes – diese mittelalterlichen sakralen
Wehrbauten nicht nur die größte typologische Vielfalt und
räumliche Dichte erreichen, sondern
auch die vollkommenste Ausgestaltung
komplexer Verteidigungssysteme jener
Zeit, da sie am längsten ihre defensive
Funktion bewahrten und sich der
Kriegstechnik fortlaufend anpassen
mussten.
Von den 300 Kirchenburgen, die um
1600 alle siebenbürgischen Dörfer
schützten, bestanden bis zur großen
Auswanderung der Siebenbürger Sachsen
im Jahre 1989 noch ungefähr 160
gut erhalten. Heute sind diese stolzen
Burgen Zeugen sächsischer Geschichte.
Sie sprechen von Kampf und Abwehr
und von einem gemeinschaftlichen
Leben der Siebenbürger Sachsen.
Sie sind Sinnbilder gemeinsamer Kraft.
Sie zeugen von schöpferischem Einfallsreichtum, Widerstandskraft
und menschlichem Beharren.
Aus europäischer Sicht bedeuteten die siebenbürgischen
Kirchenburgen dank ihrer Dichte und Wehrhaftigkeit, dank
des Widerstands ihrer Verteidiger eine uneinnehmbare Abwehrfront
gegen das Vordringen der Ottomanen zum Herzen
Europas. Bei ihren Einfällen in Siebenbürgen fand die
blitzschnelle gefürchtete türkische Reiterei weder Proviant
noch Futter für ihre Pferde, sondern nur verschlossene Burgen,
deren Schießscharten und Gusserker die Feinde mit
Kugelregen und siedenden Pechgüssen empfingen.
Als die Türken dennoch bis Buda und Wien vordrangen,
mussten sie ihren Weg über Belgrad nehmen und den siebenbürgischen
Wehrblock der Kirchenburgen und befestigten
Städte umkrümmen. Zum Schutz ihres Lebens von
den sächsischen Bauern Siebenbürgens errichtet, waren die
Kirchenburgen zugleich jahrhundertelang ein Schutzwall
Europas gegen die ottomanische Sturzflut.
Dorothea Istock
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10 durchblick 1/ 2007
Gesellschaft
Achtzig ehrenamtliche Helfer im 3. Lebensalter
Siegener Tafel versorgt jede Woche Bedürftige
Wenn man an den Ausgabetagen der Siegener Tafel
einen Besuch abstattet, ist man beeindruckt von der Vielzahl
der ehrenamtlichen Mitarbeiter dieser sozialen Einrichtung.
Diese wuseln nur so durch die Vorratslager und stellen für
die am Ausgabeschalter wartenden bedürftigen Menschen
einen Korb mit Lebensmitteln zusammen. An vier Ausgabefenstern
können acht Gäste gleichzeitig bedient werden.
Aber bevor überhaupt etwas verteilt werden kann, ist ein
großer logistischer Aufwand notwendig. Jede Woche sind
mehrere Männer mit zwei Kühlfahrzeugen unterwegs, um
in vielen Groß- und Supermärkten die Waren abzuholen, für
die die Händler keine Verwendung mehr haben. In der Tafel-Zentrale
im Hammerwerk in Weidenau werden diese
Lebensmittel dienstags und donnerstags dann ausgegeben.
Immer mal wieder sehen sich die Mitarbeiter mit dem
Vorwurf konfrontiert „Da kann ja jeder hingehen und sich
leicht bedienen“. Dem ist nicht so: Die Bedürftigkeit muss
nachgewiesen werden und die Gäste müssen jedes Mal
einen geringen Eigenanteil zahlen. Allerdings – so Sybille
Klein, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit – die Bedürftigkeit
steigt an. Jede Woche kommen bei der Tafel
zehn bis fünfzehn Familien dazu.
Die Tafel arbeitet gegen den Hunger in unserer Stadt.
Im Mai d. J. besteht die Tafel neun Jahre in Siegen und
betreut heute jede Woche über 3000 Gäste. Das ist nur mit
vielen motivierten ehrenamtlichen Helfern zu schaffen – so
die Vorsitzende Anne Schäfer und Vorstandsmitglied Annette
Freundt – denen es ein Anliegen ist, aus z. T. ganz unterschiedlichen
Gründen den Bedürftigen zu helfen. Gemeinsame
Feste und Unternehmungen stärken die Motivation
und das Gemeinschaftsgefühl unter den vielen Mitarbeitern.
Die Tafeln an inzwischen 650 Orten bundesweit sind
ganz eigenständig und finanzieren sich aus Spenden. Die
Mitarbeiter der Siegener Tafel wünschen sich im Kampf
„Gegen den Hunger in unserer Stadt“ tatkräftige Mithilfe,
getreu dem Motto „Das wichtigste Kapital der Tafeln sind
Menschen, die dazu beitragen, damit es anderen Menschen
besser geht.“
Horst Mahle
durchblick 1/ 2007 11
Generationen im Dialog
Wertebildung in der älteren Generation
Wie planen wir unser Alter, welche Werte leiten uns dabei?
In unserer Gesellschaft nehmen verwandtschaftliche
Kontakte zwischen den Generationen ab. Damit schwinden
die Gelegenheiten, dass ältere und jüngere Menschen
voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen
können.
Generationenbeziehungen ohne verwandtschaftliche
Bindungen werden aus diesem Grund immer wichtiger. Es
kommt darauf an, die Prinzipien der Großfamilie in moderne
Strukturen zu übertragen und so den Kreislauf des
Gebens und Nehmens zwischen den Generationen zu fördern.
Vor diesem Hintergrund fanden im Januar 07 in der
Akademie Biggesee und in der Evangelischen Tagungsstätte
„haus nordhelle“ mehrtägige Veranstaltungen statt.
„Jung und Alt im Dialog“
Im Einladungstext der Akademie Biggesee hieß es „Selten
war eine Gesellschaft von so starken Umbrüchen geprägt
wie heute: Zukunftsängste, Perspektivlosigkeit und
ein Abtauchen in virtuelle Welten bei großen Teilen der
jungen Generation stehen einer älteren Generation gegenüber,
die oft einen zunehmenden Werteverlust auf Seiten
der Jüngeren beklagt“. In einem generationenübergreifenden
Dialog sollten die Grundwerte einer lebendigen
Zivilgesellschaft ermittelt werden. Der Einladung zu einer
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frisches Obst.
dreitägigen Begegnung folgten 30 Schülerinnen und
Schüler von Gymnasien in Siegen und Lennestadt sowie
20 ältere Erwachsene. In Arbeitsgruppen von je vier älteren
und sechs jungen Menschen wurde erarbeitet, welche
Grundwerte für ein zukünftiges Gesellschaftsmodell gelten
könnten. Ablauf und Ergebnisse der Tagung wurden von
allen Beteiligten – offenbar ohne Ausnahme – als Überraschung
und Bereicherung erlebt. Dies bestätigte sich nicht
nur in der unbefangenen und kreativen Zusammenarbeit,
sondern auch in einer anonym gehaltenen Befragung. Hier
zeigte sich, dass die Grundwerte beider Generationen zwar
nicht identisch sind, aber doch nahe beieinander liegen.
Zum Beispiel war die Hochschätzung der Familie seitens
der jungen Leute für viele Ältere eine Überraschung. In einer
19-stufigen Skala wurde sie (nach „Freundschaft“ und
„Vertrauen“) an die dritte Stelle gesetzt. Auch für die Älteren
stand „Familie“ (nach „Friede“ und „Gerechtigkeit“) an
dritter Stelle der Werteskala. Es wurde erkennbar, dass das
Verhältnis zwischen Eltern und Kindern sich von einer hierarchischen
hin zu einer partnerschaftlichen Struktur verschoben
hat.
„Einfach anders altern“
Welchen Beitrag können wir älteren Menschen leisten,
was sollten wir uns zumuten bei der Suche nach einem tragfähigen
zukünftigen Gesellschaftsmodell? Wie planen wir
unser Alter, welche Werte leiten uns dabei? Diese und weitere
Fragen wurden im Rahmen einer zweitägigen Veranstaltung
in der Evangelischen Tagungsstätte „haus nordhelle“
bearbeitet. Im Mittelpunkt stand hier die Wahrnehmung der
individuellen Lebenssituation und der nachberuflichen Lebenszeit
als Zeit der persönlichen Erfüllung, die zu einer
Entfaltung der Kräfte in Richtung auf Autonomie, Selbstbestimmung,
zum Erhalt der Lebensqualität und der Teilhabe
werden kann. Eine Diskussion des Begriffs „Werte“
führte zu der Feststellung, dass diese sich abgrenzen von
Normen oder Wünschen. Danach sind Werte Ausdruck für
das, was eine Person oder eine Gruppe für wünschenswert
hält, wovon sie emotional ergriffen ist, während Normen
die Handlungsmöglichkeiten von Menschen einschränken.
Bei dieser Gruppe (37 ältere Erwachsene) zeigte sich, dass
Toleranz als wichtigster Grundwert einer lebendigen Zivilgesellschaft
gesehen wird – nahezu gleichauf mit dem Streben
nach Menschenwürde und Gerechtigkeit. Von der Anregung
„Spüre die Kraft, die in dir steckt. Verzage nicht. Besinne dich
auf deine Fähigkeiten, und du wirst überrascht sein, wenn du
dich neu entdeckst!“ wurden alle Beteiligten erreicht.
Das „haus nordhelle“ beabsichtigt, eine Reihe von Tagungen
anzubieten, in denen Fragen des Alterns und entsprechende
Orientierungen erarbeitet bzw. vertieft werden
sollen.
Erich Kerkhoff
12 durchblick 1/ 2007
Aufrichtige Sympathiebekundungen für einen Labradormischling,
der Sachbeschädigung und Körperverletzung
begangen haben sollte, gaben zwei Zeugen vor
dem Amtsgericht ab.
„Kennen Sie den Hund des Angeklagten?“, hatte die
Richterin einen Zeugen gefragt. Sie erhielt die Antwort
eines Mannes, der am Tatort, einem Biergarten, zugegen
gewesen war: „Das ist der friedlichste Hund der Welt. Der
freut sich immer wie ein kleiner König, wenn er mich
sieht.“
Unterhaltung
Herr und Hund vor Gericht
„Liebenswert, mit angenehmem Wesen“, bestätigte ein
weiterer Augenzeuge. Der tatverdächtige Vierbeiner, der
nicht geladen und auch nicht erschienen war, hatte seinen
gesetzlichen Vertreter auf der Anklagebank. Der seriöse ältere
Herr, hier als „Herrchen“, bestritt die Vorwürfe energisch.
Zur Sache: Man habe zu dritt im vergangenen Sommer
an einem Tisch im Biergarten eines Siegener Lokals
gesessen, als zwei Jungen auf dem angrenzenden Gehweg
vorbeigekommen seien, einer von ihnen mit eisernem Tretroller.
Das Gefährt, so ein Zeuge, habe laut geknattert; das habe
den zu Füßen seines Herrn dösenden Hund aufgeweckt
und auf Trab gebracht. Der Hund habe den Jungen nicht
angesprungen, höchstens mit der Pfote berührt, und keinesfalls
gebissen. Sein Besitzer habe sich gleich um das
Kind bemüht. Das bestätigten die Zeugen.
Die Sachbeschädigung sollte der Hose des 12-Jährigen
gegolten haben, der bei der plötzlichen Konfrontation mit
dem großen, weißen Hund vom Roller gefallen war. Die
Mutter des Jungen schilderte die zu Hause in Augenschein
genommenen Folgen des Vorfalls sehr plastisch: Das Gesäß
des Kindes sei rund um eine Bisswunde grün und blau
gewesen. „Alle Zähne des Hundes“ – so die Zeugin – hätten
sich auf dem Hinterteil abgezeichnet. Dafür gab es
allerdings keine weiteren Augenzeugen. Ein Arzt habe die
Mutter telefonisch beruhigt, Kühlen der Wunde könne
genügen. Ihr Versuch, den Mann mit Hund noch im Lokal
ausfindig zu machen, sei gescheitert: „Die Wirtin hat einfach
gesagt, hier war kein großer, weißer Hund. Wir haben
uns schließlich an den Angeklagten erinnert, der in unserer
Nähe wohnt und einen solchen Hund besitzt“, sagte die
Zeugin. Sie habe dort angerufen und – als ihr Verdacht sich
bestätigt habe – Anzeige erstattet. Schließlich habe sie Ersatz
für die zerbissene Hose haben wollen.
„Geschädigten“ gab die Hoffnung auf Schmerzensgeld auf
und sah ein, was die Richterin verdeutlicht hatte: „Der
Schmerz des Jungen bei dem Biss in den Po lässt sich leider
heute nicht mehr beweisen.“ Und die Kosten für eine
neue Hose hatte die Versicherung des Hundebesitzers bereits
bezahlt. Im Einverständnis aller Beteiligten wurde das
Verfahren eingestellt.
Vor dem Ausgang des Gerichts wartete „Frauchen“ auf
„Herrchen“ mit einem großen, weißen Hund an kurzer Leine.
Maria Anspach
Der Biss ins Gesäß, den außer der Mutter niemand gesehen
hatte, war für die Richterin kein sehr überzeugendes
Indiz für eine Verurteilung. Die Zeugin und der Junge seien
durchaus glaubwürdig, aber der Angeklagte und die Zeugen
vom Biergarten auch. Also, was tun? Die Mutter des
durchblick 1/ 2007 13
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14 durchblick 1/ 2007
Altersbilder
Steh auf!
„Liegen und Schonung machen gesund.“ Diese Vorstellung
ist veraltet und wirkt sich fatal aus, wie Dr. Angelika
Zegelin, Pflegewissenschaftlerin von der Universität
Witten/Herdecke, darlegte. Auf Einladung der HsM Initiative
gegen Gewalt im Alter e.V. verstand es die Wissenschaftlerin,
zahlreiche interessierte Zuhörer vom Gegenteil
zu überzeugen. Der Titel ihres Vortrags (Ende Januar) im
Siegener Lÿz: „Festgenagelt sein – der Prozess des Bettlägerigwerdens.“
Anscheinend ist jedem auf den ersten Blick klar, worum
es sich bei der Bettlägerigkeit handelt. Aber Angelika
Zegelin belegte, dass keineswegs ausreichend geklärt ist,
noch hinlänglich untersucht wurde, wie es zur Bettlägerigkeit
kommt. Bezeichnend sei jedoch das allgemeine Verständnis.
Danach sind Krankenhäuser „Liegeanstalten“,
Patienten „liegen“ in den Betten, und es gibt keinen anderen
Rückzugsort für sie. Es wird von ihnen erwartet, dass
sie sich im Bett aufhalten, wenn sie krank sind. Liegende
Menschen sind hilfebedürftig und dementsprechend sind
vielerorts die Gepflogenheiten in Krankenhäusern und
Pflegeeinrichtungen. Zahlreiche Rationalisierungen und
Routinen fördern eher die Passivität als die Aktivität der Patienten.
Strukturelle Gegebenheiten wie Personal- und Zeitmangel,
starre Tagesabläufe, schließlich mangelhafter oder
fehlender Einsatz geeigneter Hilfsmittel sowie unbequeme
Sitzmöbel fördern die Ortsfixierung der Betroffenen.
Oft wird dieser Zustand als schicksalhaft und als Krankheitsfolge
erlebt, dabei kann sie eine Folge unglücklicher
Umstände sein. Die Lebenswelt der Betroffenen ist häufig
trostlos, isoliert und mit der Gefahr verbunden, geistig zu
verarmen. Die erschreckend schnell schwindende Kraft
und die damit verbundene Abnahme der Mobilität hat nicht
nur Einfluss auf den Einzelnen, sondern auch auf dessen
Rollen in seinen Beziehungen zu anderen Menschen. Schon
ein Liegen über 48 Stunden führt laut Zegelin zu körperlichen
Umstellungen. Vor allem bei älteren Menschen setzen
Kreislaufprobleme und Muskelschwund ein. In der Medizin
wird inzwischen deshalb weitgehend auf die Verordnung
von Bettruhe verzichtet.
Wie Angelika Zegelin darlegte, entwickelt Bettlägerigkeit
sich über mehrere Phasen. Fehlende Hilfestellung, unpassende
Möbel und vor allem Rücksichtnahme, „keine
Umstände machen wollen“, führten zur Bettlägerigkeit.
Schließlich führt eine „Ortsfixierung“ dazu, dass die Menschen
Hilfe brauchen, um Bett oder Sessel zu verlassen –
ist diese Hilfe nicht mehrmals am Tag zur Stelle, werden
die Menschen „festgenagelt“.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Februar
2007) werden zurzeit noch zwei Drittel der Pflegebedürftigen
zu Hause versorgt, annähernd 1 Million Menschen allein
durch Angehörige. Aber immer mehr Deutsche sind auf
die Hilfe und Pflege anderer angewiesen. Gleichzeitig
nimmt der Trend zur Pflege in Pflegeheimen und durch ambulante
Dienste zu und damit steigt die Gefahr, dass immer
Dr. Angelika Zegelin (Pflegewissenschaftlerin aus Dortmund)
ist gelernte Krankenschwester und Lehrerin für
Pflegeberufe. Sie blickt auf eine 25-jährige Tätigkeit in
Aus- und Weiterbildung für Pflegende und zahlreiche berufspolitische
Aktivitäten (wie z. B. den Aufbau der Pflegewissenschaft
in Deutschland) zurück.
mehr alte Menschen in eine im wörtlichen Sinn „beklemmende“
Situation geraten.
Der emotional anrührende Vortrag von Angelika Zegelin
zeigte, wie sehr das Mensch-Sein davon abhängig ist,
mobil und selbstbestimmt zu sein. Tröstlich war der Hinweis,
dass es Möglichkeiten gibt, den Zustand der Bettlägerigkeit
in allen Phasen rückgängig zu machen. „Aber“ –
so die Referentin – „um pflegewissenschaftliche Erkenntnisse
umzusetzen, bedarf es der Nachfrage aus der Bevölkerung.“
Erich Kerkhoff
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durchblick 1/ 2007 15
Da war diese Unentschlossenheit: Fahren wir oder fahren
wir nicht! Eigentlich bedurfte es keiner großen Überlegung
mit zum Rhein zu fahren, denn ein Angebot, das die
Stadt in ihren Aktionen: „Fit ab 50“ bot, war mehr als günstig.
Es war im wahrsten Sinne des Wortes fünf Minuten vor
12 Uhr, als mein Mann am Freitag das Bürgerbüro anrief,
um nachzufragen, ob noch zwei Plätze frei wären. Selbstverständlich
konnte er die vorbestellten Tickets am Montagmorgen
abholen.
So warteten wir Mittwoch um 7.15 Uhr zusammen mit
mehr als 200, vorwiegend älteren Menschen, weit über 50
Jahre, am Abholpunkt.Viele standen in Gruppen beieinander
und führten rege Gespräche, andere verharrten gespannt.
Wir, ein wenig abseits stehend, betrachteten das Ganze mit
gemischten Gefühlen. Im Austausch stummer Blicke wusste
ich, was mein Mann dachte: Wir hier? Zwischen all den
Alten? „Wir sind auch nicht mehr die jüngsten Hüpfer!“,
sagte ich mit ein wenig gedämpfter Stimme zu meinem
Mann. Er nickte stumm. Ehe wir weiter zum Nachdenken
kamen, fuhr schon der erste moderne, doppelstöckige Bus
vor und nahm einen Teil der Fahrgäste auf. Mein Mann und
ich bekamen im vorderen Bereich des Busses einen komfortablen
Sitzplatz mit Tisch. Ein älteres Ehepaar saß uns
schon in Fahrtrichtung gegenüber, das uns mit einem
freundlichen „Guten Morgen!“ begrüßte. Aus dem Fenster
blickend sahen wir, dass drei weitere Busse folgten, die
sich überraschend schnell füllten. Bald darauf schlossen
sich die Türen und eine angenehme, weibliche Stimme
stellte sich vor und begrüßte uns aufs Herzlichste. Die Seniorenbeauftragte
der Stadt erklärte uns die Fahrstrecke und
weitere Aktivitäten des Tages, welches mit fröhlichem
Klatschen belohnt wurde. Ebenso erwähnte sie, dass sich
zwei Sanitäter an Bord befänden, wenn einmal jemand Hilfe
benötige, wäre dafür gesorgt.
Nun standen uns drei Stunden Busfahrt bevor. Zaghaft
begannen unsere Tischnachbarn über die Fahrt zu sprechen
Leserbeitrag
Ein Ausschnitt anderen Lebens …
Die „Loreleystar“ führt uns über die schönste Strecke des Mittelrheins.
und es dauerte nicht lange, da waren wir in einem intensiven
Gespräch verwickelt. Hierbei erfuhren wir, dass wir aus
derselben Stadt kamen, das Ehepaar, beide 85 Jahre alt,
nahm schon an mehreren Touren teil und erzählte voller Begeisterung
von den Fahrten. Die ein oder andere Begebenheit
trug der alte Herr sehr lebhaft vor, sodass die am Nebentisch
Sitzenden auch diesen Erzählungen lauschten und
ganz automatisch nun daran teilnahmen. Es blieb nicht aus,
dass auch der eigene Lebensweg mit eingeflochten wurde.
Der alte Herr und seine Frau wechselten sich in ihren Schilderungen
ab, die uns immer stiller werden ließen. Er
berichtete von den Wirrnissen des Krieges, seiner Gefangenschaft,
das Herüberkommen aus dem Osten, das Kennenlernen
seiner Frau, wobei sie gleich anflocht, dass sie seit
über 60 Jahre den gemeinsamen Lebensweg gehen würden.
„Die Kinder sind schon lange aus dem Haus und nun können
wir auch noch ein bisschen leben. Alles andere, was
noch kommt, kann uns nicht aus der Bahn werfen!“, meinte
sie still lächelnd und verstohlen zu ihrem Mann blickend.
Zwischendurch wurden uns Kaffee und andere Getränke
gereicht, zu denen wir die mitgebrachten „Bütterkes“
verzehrten.
Währenddessen erklang wieder die sympathische Stimme
der Seniorenbeauftragten, die unser erstes Ziel ankündigte:
„Ja, meine Damen und Herren, in einer viertel Stunde
landen wir in Kamp-Bornhofen und wir besteigen dann
die „Loreleystar“, die uns über die schönste Strecke des
Mittelrheins führt und nach Rüdesheim bringt. Gute vier
Stunden wird die Fahrt auf dem Schiff dauern, die uns an
all den schönsten Ecken des Rheins vorbeiführt. Ich wünsche
Ihnen allen viel Vergnügen!“
Das Aussteigen aus den Bussen ging trotz einiger Gehbehinderter
äußerst zügig und bald schipperten wir bei
schönstem Sommerwetter über den Rhein. Das anschließende
gemeinsame Mittagessen an Bord wurde von einem
Alleinunterhalter musikalisch leise untermalt. Die zufriedenen,
strahlenden Gesichter, wunderten
uns mehr und mehr. Ein
anderes Ehepaar, das uns jetzt gegenübersaß,
ließ uns nun ganz sprachlos
werden, denn der Mann äußerte
sich sehr locker: „Ich bin das reinste
Ersatzteillager, fast alles in mir ist
erneuert, aber mir geht es bestens,
trotz meiner 93 Jahre!“ Schmunzelnd
bat er nach dem Essen seine
Frau um einen Tanz und begab sich
mit ihr auf die Tanzfläche, worauf
sie langsam, aber gekonnt einen
Walzer aufs Parkett legten. Wir
suchten lieber das Oberdeck auf und
genossen in bequemen Sesseln die
Sonne und den herrlichen Blick zu
den vorüberziehenden Wein- ➤
16 durchblick 1/ 2007
bergen und Burgen. Bald näherten wir uns Rüdesheim, das
jeder auf seine Weise erkunden konnte. Mein Mann und ich
beschlossen, die „Drosselgasse“ zum Abschluss anzusehen
und lernten dadurch andere, schöne Ecken von Rüdesheim
kennen. In einer weinumlaubten
„Straußenwirtschaft“, mundeten
uns der Kaffee und ein
großes Stück Erdbeertorte ganz
besonders, wobei uns die
Füße das Ausruhen dankten.
Viel zu schnell ging die
Zeit vorüber und wir begaben
uns zum verabredeten Bushalteplatz, wo sich schon die
meisten der Mitfahrenden versammelt hatten. Mit regem
Geschnatter füllten sich die Busse. Wir saßen wieder dem
alten Ehepaar gegenüber, das jetzt besonders strahlte. Von
Müdigkeit keine Spur …
Der Bus setzte nun zur Heimfahrt an und wir kamen erneut
ins Gespräch. Die Erlebnisse der letzten Stunden wurden
ausgetauscht und wir vergaßen, dass wir unter „alten
Menschen“ waren, die nur Heiterkeit und Lebenslust versprühten.
„Eigentlich wollte ich ja morgen die Wandertour
mitmachen, aber mein Arzt hat mir einen Strich durch die
Rechnung gemacht. Sie müssen wissen, dass ich regelmäßig
zur Chemotherapie muss, und die bekomme ich gerade
morgen. Aber am kommenden Sonntag fahre ich eine
Leserbeitrag
„Die Kinder sind schon lange
aus dem Haus und nun können
wir noch ein bisschen leben.“
Woche zum Müritzsee. Wandern kann ich zwar nicht mehr,
aber der Bus bringt uns ja überall hin!“ Der 85-Jährige muss
wohl unsere erstaunten und erschrockenen Gesichter gesehen
haben und klärte uns um ein Weiteres auf: „ Ich bin ja
nicht alleine, wir gehen immer
gemeinsam zur Chemo,
meine Frau und ich!“ „Ja!“,
bestätigte seine Frau, „wir haben
beide Krebs und lassen
uns nicht unterkriegen. Und
so lange es geht, fahren wir
und genießen die Welt!“
Weitere Einzelheiten der Krankheitsbilder hörten wir
auf der Rückfahrt, aber auch eine andere Achtung vor dem
Leben wurde uns bewusst gemacht, jedoch in einer Form,
von der wir uns nicht annähernd vorher Gedanken gemacht
hatten. So viel Lebensmut in sterbender Zeit aufzubringen,
bedarf einer Kraft, die für uns unvorstellbar schien. Nach
entbehrungsreichem und doch glücklichem Leben so Abschied
zu nehmen und nicht zu wissen, ob dieser heute,
morgen oder übermorgen sein wird, hatte uns sehr beeindruckt.
Es klang beinahe banal, als wir zum Abschied alles
Gute wünschten und uns in tiefer Nachdenklichkeit auf den
Heimweg begaben, im Geiste bei den „Alten“, mit ihrer bewundernswerten,
unbeugsamen Stärke …
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durchblick 1/ 2007 17
Elly Pempelford war eine reizende alte Dame mit wippenden,
weißen Löckchen, immer freundlich, hilfsbereit
und voller Vertrauen gegenüber ihren Mitmenschen, vor allem
in ihrem Heimatdorf Unter-Himmelsbach. Sie arbeitete
nicht mehr als Oberschwester im Kreiskrankenhaus, aber
fast jeder im Ort nannte sie noch Schwester Elly.
„Etwas Gutes steckt in jedem, man muss nur daran glauben“,
sagte sie sich. Wenn ihr wirklich einmal jemand überhaupt
nicht gefiel, versuchte sie, ihm aus dem Weg zu gehen,
wenn sich das vermeiden ließ. Aber das war nicht
immer der Fall.
Als sie an einem sonnigen Wochenende in die Kleinbahn
gestiegen war, um ihren Bruder in der nahe gelegenen
Kreisstadt zu besuchen, war es zu spät für Elly Pempelford,
sich noch aus dem Staub zu machen, um sich
solche unerwünschte Zeitverschwendung zu ersparen. Elvira
Brill, die größte Klatschbase von Unter-Himmelsbach,
hatte sie bereits entdeckt. „Welch hübsche Überraschung,
Schwester Elly“, flötete sie und machte unmissverständlich
einladende Handbewegungen. Dann bugsierte sie Ellys
kleinen Koffer neben ihren eigenen ins Gepäcknetz. Die
Mitteilung der alten Giftnudel, dass sie Unter-Himmelsbach
in Kürze verlassen würde, um in der Kreisstadt zu arbeiten,
hörte Schwester Elly mit Freuden.
Kaum jemand im Dorf hatte begriffen, warum der nette
Apotheker Antonius Bornemann diese Person seit dem
plötzlichen Tod ihres Vaters als Hausangestellte beschäftigte.
„Man hat mir eine viel
bessere Stellung angeboten“,
berichtete Elvira Brill und
fügte hinzu: „Ich werde ja
doch überflüssig, wenn Bornemann
jetzt wieder heiratet.
Aber für Himmelsdorf habe
ich ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk.“ Mit gedämpfter
Stimme fuhr sie fort: „Sie wissen ja, dass mein
Vater Privatdetektiv war. In seinem Tagebuch hat er vielen
ehrbaren Bürgern unseres Dorfes ein Denkmal gesetzt. Es
steht alles – bis auf das Vorwort – in dem versiegelten Tagebuch.“
Schwester Elly wusste, dass der alte Brill weiter
nach Verdächtigen gefahndet hatte, als er pensioniert war.
Dass er die Ergebnisse bereits dokumentiert hatte, konnte
sie nicht wissen.
Fräulein Brill setzte zum Schluss ihrem spannenden
Bericht noch die Krone auf: Sie angelte aus ihrer hochgeschlossenen
Wollbluse ein Blatt Papier und reichte es der
erstaunten Elly mit den Worten: „Hier ist das Vermächtnis
meines Vaters. Er glaubte, dass er von einem Himmelsbacher
ermordet wird, aber er starb doch ganz normal im Bett.
Hier, lesen sie selbst.“ Und Schwester Elly las:
Marias Krimi
Das Geheimnis des Koffers
„Etwas Gutes steckt in jedem,
man muss nur daran glauben.“
„Liebe Himmelsbacher.
Ich möchte mein Wissen um Eure kleinen Schwächen nicht
mit ins Grab nehmen. In meinem Tagebuch steht vieles über
einige von Euch, die ich über die Jahre in ihrem Umfeld belauscht,
beobachtet und ausgehorcht habe. Es handelt von
kleinen Sünden: Betrug, Diebstahl, Schwindel, Untreue und
Verstößen gegen die Sittlichkeit. Nur ein Verbrechen konnte
ich aufklären, das schwerer wiegt, als alles, was ich über
Euch weiß. Aber es bleibt als mein versiegeltes Geheimnis
im Tresor, bis ich abberufen werde. Ich nenne mein Tagebuch
„Viele kleine Gauner und mein Mörder“. Meine Tochter
wird es nach meinem Tod veröffentlichen, ohne Eure Namen,
die dürft Ihr selbst erraten. Aber ein Name wird dort
genannt, der meines Mörders. Die Geschichte seiner
Schuld ist nachzulesen. Dieser Himmelsbacher gehört in
die Hölle und ich hoffe, die Polizei wird dafür sorgen. Lebt
wohl und seid mir nicht böse; keiner ist unfehlbar.
Euer Walter Brill.“
Schwester Elly musste sich ein Tränchen aus den Augen
wischen, aber das Buch wollte sie unbedingt haben.
„Das wird in Himmelsbach einschlagen wie eine Bombe“,
freute sich Fräulein Brill im Voraus. Dann versteckte sie
den letzten Willen ihres Vaters wieder in Nähe der Herzgegend.
Elly versuchte, um von dem heiklen Thema abzulenken,
Elvira Brill für ihre Häkelmuster zu interessieren,
die sie für ihre Schwägerin eingepackt hatte. Sie holte eins
der Prachtexemplare aus ihrem Köfferchen, aber Fräulein
Brill hatte offensichtlich kein Verständnis für Handarbeiten.
Schwester Elly fragte noch nach der Auserwählten vom
Apotheker, für den sie eine
Schwäche hatte. Seltsam, ihn
ließ die Giftschlange aus ihren
Klatschgeschichten heraus.
Vielleicht war ja doch mal
irgendetwas wie ein warmes
Gefühl in ihrem Herzen lebendig.
Während Elly in Gedanken dem Ausgang entgegenstrebte,
wurde ihr klar, dass sie sich überhaupt nicht
von der Klatschbase verabschiedet hatte. Sie machte noch
einmal kehrt. Die Abteiltür stand auf. Fräulein Brill saß regungslos
auf dem Eckplatz am Fenster. Mit Entsetzen starrte
Schwester Elly auf Würgemale am Hals der eben noch
so gesprächigen Frau. Wenig später saß sie dem Inspektor
der Bahnpolizei gegenüber und beantwortete seine Fragen:
„Nein, es war niemand anderes im Abteil.“ Einen kleinen,
schwarzen Koffer hatte Fräulein Brill bei sich gehabt, aber
den beachtete keiner mehr. Elly bekam einen Cognac,
musste ihre Adresse hinterlassen und wurde vom Inspektor
mit netten Worten zur Tür gebracht. Am Nachmittag fuhr
sie ein junger Polizist mit dem Streifenwagen nach Hause.
Als sie dort ihren kleinen Koffer aus dem Flur ins Zimmer
trug, stutzte sie plötzlich. Das war doch nicht ihr Koffer,
obwohl er ganz ähnlich aussah, bis auf das altmodische, ➤
18 durchblick 1/ 2007
Marias Krimi
besonders verriegelte Schloss. Sie erinnerte sich, dass sie
ihren eigenen Koffer aus der Ablage geholt hatte, um Fräulein
Brill ein Häkelmuster zu zeigen. Trotzdem hatte sie
dann noch einmal in die Ablage gegriffen und den falschen
Koffer mitgenommen. Einen Moment übermannte Elly ein
beklommenes Gefühl. Sie überwand es, weil die Neugier
überwog, und schob mit aller Kraft den großen Riegel zur
Seite. Da lag es vor ihr auf einer Silberfolie: das versiegelte
Manuskript mit den Sünden der Himmelsbacher. Es war
schwarz eingeschlagen. Auf dem Deckblatt stand: „Streng
geheim“ – „Viele Gauner und ein Mörder“. Bei dem Wort
Mörder zuckte Schwester Elly zusammen. Wo war ihr kriminalistischer
Instinkt geblieben? Der Verbrecher, der
Fräulein Brill umgebracht hatte, würde das Buch bei ihr suchen
und ihre Adresse finden. In Panik versteckte sie das
Tagebuch unter dem Polster ihres Sessels und den Koffer
unter dem Bett.
Plötzlich sah sie einen Schatten hinter der angelehnten
Terrassentür. Herein stürzte ein vierschrötiger Kerl, der so
aussah, wie sie sich immer einen Killer vorgestellt hatte.
„Her mit dem Koffer, altes Mädchen“, brüllte der Fremde.
Schwester Elly versuchte es mit einem Trick. „Ich habe
die Polizei schon verständigt, als ich die Verwechslung
der beiden Koffer gemerkt habe“, sagte sie mit zittriger
Stimme. In diesem Moment schrillte die Türklingel. Mit
einem Satz war der unerwünschte Besucher durch die Terrassentür
verschwunden. Der Trick war gelungen, aber, wer
kam jetzt noch? Voller Angst öffnete Elly Pempelton die
Haustür. Fast wäre sie dem netten Apotheker um den Hals
gefallen, der ihr da plötzlich gegenüberstand und erklärte:
„Ich habe mir Sorgen um Sie gemacht, als ich Sie vorhin
vom Fenster aus mit dem Polizeiwagen kommen sah.“
Schwester Elly strahlte ihn an: „Und nun haben Sie mir das
Leben gerettet.“
„Sie goss dem späten Gast ein Glas Sherry ein und setzte
sich in Positur. Dann erzählte sie die Geschichte von der
Bahnfahrt mit Elvira Brill und deren unvorhergesehenem
Ende: „Ich kenne das Motiv und den Mörder“, sagte sie
stolz. „Das Motiv ist das Tagebuch von Detektiv Brill und
der Killer ist gekauft.“ Sie berichtete von den verwechselten
Koffern. Bornemann unterbrach sie plötzlich scharf:
„Haben Sie das Tagebuch weiter gelesen?“ Das verneinte
sie und fuhr fort: „Aber ich werde es jetzt zu Ende lesen
und dann rufe ich die Polizei an, ehe unser Killerfreund
wiederkommt.“
„Das werden Sie nicht tun“, zischte Bornemann, der
plötzlich aufgesprungen war. Elly spürte mit einer Mischung
aus Angst und grenzenlosem Staunen, wie sich die
Hände des Apothekers fest um ihren Hals legten.
„Das werden Sie nicht tun, was Sie da gerade vorhaben,
Herr Bornemann“, sagte eine Stimme, die wie Elly zu ihrer
grenzenlosen Erleichterung feststellte, dem Inspektor der
Bahnpolizei gehörte, der durch die Terrassentür gekommen
war. An den Händen des Apothekers, die sich spontan von
Schwester Ellys Hals gelöst hatten, klickten die Handschellen.
Dann wandte sich der Polizist an den Apotheker:
„Wir haben einen Mann vor zwei Stunden mit einem
schwarzen Köfferchen in der Nähe der Bahngleise festgenommen.
Die Häkeldeckchen von Schwester Elly konnten
wir auch wirklich nicht dem Killer zuordnen, der bereits gestanden
hat, in Ihrem Auftrag gehandelt zu haben, Herr
Bornemann. Deshalb bin ich Gott sei Dank noch rechtzeitig
hierhergekommen.
Dann hielt der Inspektor dem blass gewordenen Apotheker
die letzte Seite des entsiegelten Tagebuchs vor die
Nase. „Hier fehlt noch der Name des Rauschgiftbosses, der
als getarnter Apotheker seit Jahren den Markt einer Jugendsekte
mit Heroin belieferte. Der alte Brill ist Ihnen auf
die Schliche gekommen. Durch seine Tochter haben Sie
von dem Tagebuch erfahren. Die kleinen Mengen Arsen,
die Elvira Brill ihrem Vater jeden Abend ahnungslos in sein
Schlafmittel kippte, brachte ihm den schleichenden Tod.
Er hat es gemerkt, als es ihm immer schlechter ging und
diese Entdeckung noch im Tagebuch eingetragen. Der arme
alte Mann war Ihr erstes Opfer. Seine Tochter musste
ihm folgen, weil Sie das verräterische Tagebuch haben
wollten. Da fehlt jetzt nur noch ihr Autogramm.“
Den Namen Antonius Bornemann musste der Mörder –
so wie es der alte Brill gewollt hatte – selbst auf der letzten
Seite des Tagebuchs eintragen. Es wurde ein Bestseller
und brachte Unter-Himmelsbach ungeahnte Berühmtheit.
Maria Anspach
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die Zeit noch schöner
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durchblick 1/ 2007 19
Leben im Alter
Älter werden in Siegen
Ein Beitrag der Leitstelle „Leben im Alter“
Ausweitung der präventiven Altenarbeit und Aufbau
von Netzwerken im Bereich Siegen-Nord.
Im Februar 2006 erreichte die Stadt Siegen eine Ausschreibung
des Bundesministeriums für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend, in der bundesweit viel versprechende
Beispiele dafür, wie engagierte Bürgerinnen und Bürger
kommunale Angebote aufrechterhalten oder die Palette solcher
Projekte erweitern, gesucht werden. Das besondere
Interesse galt dabei Projekten, in denen älteren Menschen
eine Schlüsselfunktion zukommt.
Da in der Stadt Siegen die Einbeziehung des Bürgerengagements
seit Jahren Bestandteil der kommunalen
Altenarbeit ist, fiel es nicht schwer, mehrerer Projekte
gleichzeitig in die Ausschreibung zu bringen.
Am 26. 01. 2007 trafen sich in einer ersten Runde mit
Dr. Ludger Klein vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik
die Seniorenbeiräte und Ratsmitglieder aus
Geisweid und Weidenau sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
des Allgemeinen Sozialdienstes aus diesen Stadtteilen,
Vertreter des Integrationsrates und des Lokalen
Bündnisses für Familien sowie auch schon einige interessierte
Bürgerinnen und Bürger.
Unter dem Thema „Ausweitung der präventiven Altenarbeit
und Aufbau von Netzwerken“ wurden zielgruppenorientierte
Hilfe- und Unterstützungsszenarien diskutiert,
die dazu beitragen, dass älter werden in Siegen nicht soziale
Isolation bedeutetet.
Wie geht es nun weiter ?
Beispielsweise die Gründung einer Stiftung „Altenarbeit“
oder die Entwicklung von Netzwerken und die Ausweitung
präventiver Arbeit in einem ausgewählten Bezirk.
Von mehr als 100 Bewerbern
wurden durch das Bundesfamilienministerium
12 Kommunen
ausgewählt; und Siegen
ist dabei. Darauf sind
wir sehr stolz, weil wir darin
auch Anerkennung für unsere
strategische Ausrichtung sehen, die mit der Leitstelle
„Leben im Alter“ und der Fortschreibung des Altenplanes
im Jahr 2006 fortgesetzt wurde.
Inzwischen nahmen Frau Schneider als Vertreterin der
Stadt Siegen und Herr Alberts für den ehrenamtlichen Bereich
an einer Tagung des Familienministeriums teil, die als
Start für das Modellprojekt galt.
Im Rahmen des ausgeschriebenen Modellprojektes wird
den Kommunen ein Beratungsangebot zur Seite gestellt,
mit dem der Aufbau von Angeboten möglichst effizient und
bürgernah gestaltet werden kann. Diese Beratung und Begleitung
wird durch das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik
in Frankfurt geleistet. Zielsetzung ist, Erfolg
versprechende Strategien und Rahmenbedingungen für die
Aufrechterhaltung und Ausweitung kommunaler Angebote
durch die Selbstorganisation älterer Menschen zu erproben
und auf dieser Grundlage ein Handbuch zu erstellen.
Bundesweit 12 Kommunen
ausgesucht – und Siegen ist dabei !
Unter Einbeziehung von Daten über die Bevölkerungsentwicklung
und Wohnverhältnisse werden wir eine Bestandsaufnahme
vorhandener Dienste und Angebote vornehmen.
Dies sind z. B. alle
Angebote mit Bezug zur Pflege,
präventive und vorpflegerische
Dienste und Leistungen,
Selbsthilfegruppen,
Kirchengemeinden, Verbände,
Einkaufsmöglichkeiten,
Ärzte, Ämter, Kultur- und Kommunikationsangebote,
hauswirtschaftliche Hilfen, Krankenhaussozialdienste, Vereine,
Angebote für Migrantinnen und Migranten sowie des
öffentlichen Personennahverkehrs.
Mit den gewonnenen Erkenntnissen gehen wir dann auf
die Bevölkerung in Siegen-Nord zu, mit dem Ziel, weitere
Bedürfnisse, aber auch Engagementbereitschaft abzufragen.
Wichtiges Bindeglied sind dabei die ehrenamtlichen
Seniorenbeiräte, für die sich stellvertretend Herr Alberts in
die Arbeit einbringen wird.
Mittelfristig wollen wir erreichen, dass bürger- und
wohnortnah Anlaufstellen entwickelt werden, die Drehund
Angelpunkt von Hilfegesuchen und Angeboten sind.
Sie sollen seismografisch und demografiesensibel die Situation
in den Bezirken aufnehmen und weitergeben, aber
auch unser Konzept des „präventiven Hausbesuches“ umsetzten.
Die Stadt Siegen hat die Zielsetzung, ihr Konzept zum
Aus- und Aufbau nachfrageorientierter und quartiersbezogener
Infrastruktur für Ältere umzusetzen. Wir haben uns
entschieden, damit im Siegener Norden, also in Geisweid
und Weidenau, anzufangen.
Die Rolle der Stadt Siegen wird u. a. in der Unterstützung
und dem Aufbau dieser Strukturen liegen, aber nicht
zuletzt auch darin, weitere Modelle zu entwickeln, die dazu
beitragen, ihrer Verpflichtung im Rahmen der Daseinsvorsorge
nachzukommen.
20 durchblick 1/ 2007
Leben und Wohnen im Alter
„Wohnst du noch, oder …?“
Die Lebenssituation älterer Menschen im Kreis Siegen-
Wittgenstein war Gegenstand einer Befragung, die 2004
von der Kreisverwaltung gemeinsam mit dem Kölner
IKOS-Institut durchgeführt wurde.
Einen Schwerpunkt bei der Betrachtung bildete die Wahrnehmung
von Seniorenpaaren, da rund 68 Prozent der Befragten
angaben, mit einem Partner zusammenzuleben.
Die Befragung zeigt: Den älteren Menschen im Kreis
Siegen-Wittgenstein geht es generell gut und sie fühlen sich
nicht einsam. Im Gegenteil: Sie sind viel aktiver und unternehmens-
und kontaktfreudiger als frühere Generationen.
Allerdings haben sie große Sorge, ihren Mitmenschen
einmal zur Last zu fallen. Selbstständigkeit wird als enorm
wichtig angesehen.
• Die Siegerländer Senioren sind ortsverbunden und
haben häufig ein Eigenheim. Immer wieder taucht die
Befürchtung auf, dass es zu groß sein könnte. Die Ausstattung
der Senioren-Haushalte ist wesentlich besser
als noch vor einigen Jahren. Nicht selten ist auch ein
Internetanschluss vorhanden.
• Die älteren Menschen im Kreis Siegen-Wittgenstein
machen sich um ihre Zukunft große Sorgen und haben
eine hohe Erwartungshaltung an die kommunalpolitischen
und gesellschaftlichen Kräfte.
• Altenbegegnungsstätten stoßen auf wenig Begeisterung
und sind nicht mehr zeitgemäß. Größeres Interesse
besteht dagegen an Beratung und Unterstützung
im Alltag.
• Auffällig ist die große Unsicherheit im Bereich der
Pflege. Nur solange der Partner an der Seite steht, ist
eine gegenseitige Unterstützung gut möglich. Für die
Pflege wollen ältere Menschen ihre Selbstständigkeit
und das eigene Zuhause am liebsten beibehalten.
(Quelle:www.siegen-wittgenstein.de)
Bis zum Jahr 2020 wird sich die Lebenssituation älterer
Menschen im Kreis Siegen-Wittgenstein erheblich verändern.
Denn ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt von jetzt
24,6 auf annähernd 30 Prozent. Die Zahl der über 79-Jährigen
wird sich in absehbarer Zeit sogar verdoppeln. Damit steigt
auch die Zahl der Hochaltrigen, Alleinlebenden und Pflegebedürftigen.
Schon seit einigen Jahren sind immer mehr Menschen
auf die Hilfe und Pflege anderer angewiesen, gegenwärtig
in der überwiegenden Mehrheit (68 %) Frauen. Der
Trend zur Pflege durch ambulante Dienste nimmt weiter zu,
denn bevorzugt wird man in der eigenen Wohnung und in
vertrauter Umgebung älter. Aber es fällt den meisten Menschen
schwer, ihre gewohnte Umgebung altersgerecht zu
verändern. Das kann auf lange Sicht die Lebensqualität und
die Selbstständigkeit einschränken. Die Unfallgefahr nimmt
im Alter erheblich zu. Die meisten Unfälle geschehen dann
in der häuslichen Umgebung.
Schwieriger als die
Realisierung technischer
Lösungen ist nicht selten,
ältere Leute von der Notwendigkeit
und Machbarkeit
einer Wohnungsanpassung
zu überzeugen.
Viele scheuen die Veränderung,
fürchten Schmutz
oder komplizierte Anträge.
Hier setzt die ehrenamtliche
Beratungstätigkeit
z. B. von Mitgliedern
des Vereins ALTERAktiv
Siegen-Wittgenstein an.
In Kooperation mit den
Fachstellen der Kommunen
und der Kreisverwaltung
Siegen-Wittgenstein
stellen sie sich u. a. folgenden
Anforderungen:
Klaus Stehn, verantwortlich
für die Wohnberatung des Vereins
ALTERAktiv, gibt Auskunft
unter Telefon 02 71/2 50 32 39.
• Einfühlungsvermögen in die Lebenssituation der Ratsuchenden,
• beraterische Fähigkeiten,
• handwerklich-technisches Verständnis,
• Wissen über technische Hilfsmittel und baulich-technische
Grundlagen,
• Grundkenntnisse über barrierefreie Gestaltung von
Wohnräumen,
• Kenntnisse über die Finanzierung von Wohnungsanpassungsmaßnahmen.
Eine besondere Herausforderung liegt in der Tatsache,
dass die Zahl der älteren Zuwanderer überdurchschnittlich
steigt und diese oft kulturell und biografisch begründete
Probleme haben. In Zusammenarbeit mit Gruppen und Familienvereinen
aus dieser Zielgruppe sowie mit Unterstützung
entsprechender Fachstellen bietet ALTERAktiv dafür
eigene Beratungsangebote an.
Erich Kerkhoff
durchblick 1/ 2007 21
„Da oben auf der Kuppe, umkränzt vom Eichenhain,
zeugt von vergangenen Zeiten, zerbröckeltes Gestein; da
wieget jetzt die Diestel ihr Haupt im eilenden Wind – Türme,
Mauern und Ritter schon längst verschwunden sind.“
(Heinrich Achenbach, „Ginsberg und Grund“)
Es ist ein eigenartiger Zauber, der von einer „alten
Burg“ ausgeht, wie sie im Lande zerstreut herumliegen und
auch im Siegerland ziemlich zahlreich auftreten. Zwar sind
die meisten von ihnen in Schutt und Trümmer gesunken,
aber die Volkssage hat sich ihrer bemächtigt und einen geheimnisvollen
Schleier über
sie gebreitet. Die alten Leute
wissen von unterirdischen Gewölben
und verborgenen Schätzen
viel zu erzählen, oder von
Raubrittern, Burgfrauen und
sonstigen Gestalten, die heute noch an diesen verwunschenen
Orten ihr Unwesen treiben und die daher von Ängstlichen
scheu gemieden werden. So zum Beispiel die Sage
vom frechen Raubritter Hübner, der in seiner Rüstung gebettet
unter der Eiche liegt, die seinen Namen trägt, oder
auch die Sagen „Das Fräulein vom Kindelsberg“, „Der bestrafte
Priester“ und „Der Ritter mit dem schwarzen Pferd“,
die bis auf den heutigen Tag im Volke lebendig geblieben
sind, wenn es um die Burg auf dem Ginsberg geht.
Die Burg tritt urkundlich zuerst 1255 im Zusammenhang
mit der nassauischen Landesteilung zwischen den
Grafen Walram und
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Die Burg auf dem Ginsberg
Es ist ein eigenartiger Zauber,
der von einer alten Burg ausgeht
Otto von Nassau in
das Blickfeld der Geschichte.
Unter der
Bezeichnung „novum
castrum“ wird sie
mit den Städten und
Burgen Siegen, Herborn
und Dillenburg
der ottonischen Linie
des Grafenhauses zugesprochen.
Bisher
wurde ihre Erbauung
dem Grafen Heinrich
II. (1197–1247)
zugeschrieben, der sie
zum Schutz gegen
Überfälle und Befehdungen
an der nordöstlichen
Grenze seiner
Grafschaft angelegt
haben soll. Die seit
1961 vorgenommenen
Freilegungsarbeiten
haben jedoch ergeben,
dass die Anfänge der Ginsburg in einer Turmburg
des 12. oder gar des 11. Jahrhunderts zu sehen sind. Unter
dem heute gebräuchlichen Namen „Ginsberg“ wird die
Bergfeste in einer Urkunde vom 27. April 1292 erstmals
genannt. Weitere Urkunden mit der Burgerwähnung liegen
von 1295, 1303, 1341 und 1343 vor. Die erste nähere
Beschreibung der Feste ist in einer Urkunde von 1345
enthalten, in der Graf Otto II. von Nassau dem Erzbischof
Walram von Köln neben mehreren Siegerländer Kirchspielen
die Hälfte seiner Burg und ihres Zubehör verkaufte.
Damals hatte die „burch zume Gensberghe“ schon
mehrere Türme, Pforten, Häuser,
eine Umfassungsmauer
und Wall (Gräben), dazu Festungsanlagen
mit Wegen und
Brücken, Brunnen und sonstiges
Zubehör. Es werden neben
den Liegenschaften ferner Burgleute, Pförtner, Turmknechte
und Wächter aufgeführt. Vierzehn Jahre später
gelingt es dem Grafen, das Halbteil zurückzukaufen.
Nassau musste weiter 1355 seinen Burganteil an die Ritter
von Haiger verpfänden und 1356 die Burg dem Landgrafen
von Hessen öffnen. Diese Tatsachen kennzeichnen eine
eingeschränkte Macht und einen finanziellen Tiefstand
der Landesherren.
Aus den Rechnungen der gräflichen Kammer geht hervor,
dass die Burg im 15. Jahrhundert (1463 und 1496/97)
erneuerungsbedürftig gewesen ist. Die Rechnungen der
vorgenommenen Bauarbeiten deuten auf eine Erneuerung
und Erweiterung hin. Während der Bautätigkeit war auf
der Burg ein „Droste“ (Burggraf, Burgverwalter), die Grafen
von Nassau-Siegen, kamen gelegentlich zur Ausübung
der Jagd als Gäste auf die Ginsburg. Die Speisen und Getränke
für die gräfliche Herrschaft und deren Diener wurden
von Hilchenbach zur Ginsburg heraufgeschafft. Daraus
ergibt sich, dass die Burg einer größeren Anzahl von
Personen keine ausreichende Aufenthaltsräume bot, sondern
dass sie in erster Linie nur Bedeutung als Grenzfeste
hatte. (Bei den Ausgrabungen zeigte sich, dass nur ein
Wohnhaus vorhanden gewesen ist.) Um 1520 stand die
Burg im Zusammenhang mit Hexenverbrennungen.
Wilhelm I. von Oranien, genannt der Schweiger (1533–
1584), hielt im April 1568 mit seinen Beamten, Offizieren
und niederländischen Getreuen auf der Burg wichtige Besprechungen
ab, die zu den Befreiungsplänen für die Niederlande
führten. Ende April desselben Jahres ließ er auf
der Ginsberger Heide unter Befehl seines Bruders Ludwig
die Regimente sammeln, die nach Holland aufbrachen. Damit
hat die Burg über die Lokalgeschichte hinaus eine besondere
historische Bedeutung erlangt. Noch einmal sah
die Burg schwer bewaffnete Soldaten. Es war 1568, als der
Einfall der Spanier in den Nassauer Landen befürch- ➤
22 durchblick 1/ 2007
Aus dem Siegerland
tet wurde. Danach verfiel die Burg mehr und mehr. Jahre
gingen dahin, ohne dass die Burg in Akten erwähnt wurde.
Im Jahre 1621, in Ausführung einer Erbteilung, sollte
der Graf Wilhelm zu Siegen die Burg beziehen. Jedoch
wurden die erforderlichen Renovierungsarbeiten auf rund
4000 Gulden geschätzt. Wilhelm, der sich Graf von Nassau-Siegen-Ginsberg
nannte, konnte aber diese Summe
nicht aufbringen und erwarb stattdessen die sogenannte
Wilhelmsburg in Hilchenbach. Nach dem Tod Wilhelms
ging das Eigentum an der Burg 1649 an den Fürsten Johann
Moritz von Nassau-Siegen über. Die allgemeine Verarmung
der Fürsten, auch der Siegener Grafen, machte es unmöglich,
dass die Ginsburg wiederhergestellt wurde, ja
nicht einmal erhalten werden konnte. So konnten Sturm,
Regen und Frost ihre vernichtende Macht ungehindert an
der Burg ausüben, sodass sie mehr und mehr in Verfall geriet,
und die benachbarten Bewohner halfen nach, indem sie
willkommenes Material zum Bau von Häusern und Ställen
bei der verlassenen Ginsburg fanden. Rund 200 Jahre später
ließ die preußische Forstverwaltung als Eigentümerin
der Ruine den Bergfriedrest und noch einige vorhandene
Gewölbe zuwerfen.
Im Jahre 1961 begann man mit den Freilegungs- und
Restaurierungsarbeiten in und an der Burgruine und eine
heimatgeschichtliche Gedenkstätte einzurichten. Burgen
und Schlösser einer Landschaft sind Denkmäler der Erinnerung,
Monumente, die in beredter Form Zeugnis ablegen
von dem, was einst gewesen. Sie berichten von den Menschen,
die sie planten und erbauten, von deren Lebenskampf
mit dem Willen zu Schutz und Macht und letztlich
auch von ihrem Werden und Vergehen.
Den Boden zu kennen, worauf man steht,
zu wissen, was einst gewesen,
nun aber verschwunden;
einzusehen, warum das gekommen;
zu begreifen, was in der Vorzeit
wurzelnd noch aufrecht steht –
das scheint Anfang und Vorbedingung
aller besseren Bildung! (Adolf Diesterweg)
Seit einigen Jahren ist die Ginsburg ein Treffpunkt der
europäischen Jugend. Jedes Jahr wird auf der Ginsberger
Heide ein Europa-Zeltlager aufgeschlagen, wo verschiedene
kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Ziel aller Bestrebungen
ist, die kulturelle Eigenart jedes denkmalwerten
Baues in seiner Umgebung, trotz aller Strukturveränderungen,
zu erhalten und zu revitalisieren.
Dorothea Istock
Am Ev. Jung-Stilling-Krkhs.
in Siegen
(02 71) 8 10 88
Am Schloßberg
in Freudenberg
(0 27 34) 43 94 77
Am Ev. Krankenhaus
in Kredenbach
(0 27 32) 20 91 25
Zentrum für
Ambulante Rehabilitation
Physiotherapie
Prävention und Gesundheitssport
durchblick 1/ 2007 23
Wir, der Integrationsrat der Stadt Siegen, sind
die politische Interessenvertretung der hier in Siegen
lebenden Migranten.
Mit vielen lokalen Aktivitäten leisten wir einen Beitrag
zum Abbau von Vorurteilen gegenüber Menschen aus anderen
Kulturen. Insbesondere will der Integrationsrat zum
besseren Verständnis zwischen allen hier lebenden Bevölkerungsgruppen
beitragen.
Trotz unterschiedlicher Herkunft oder Lebensart ist es
uns wichtig, dass man sich kennenlernt, sich gegenseitig
kulturell bereichern kann und vor allem respektiert. Eigentlich
versteht sich der Integrationsrat dabei als Bindeglied
und Förderer von zahlreichen interkulturellen Veranstaltungen
hier in Siegen. Die wirklichen Akteure sind alle Siegener
Institutionen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen,
die sich immer wieder aktiv einbringen.
Siegen
Einblick in den Integrationsrat
Ende des letzten Jahres fand das erste Treffen „Internationale
Seniorenbegegnung“ statt. Diese Veranstaltung war
so erfolgreich, dass wir sie dieses Jahr im August wiederholen
werden. Wir freuen uns auch dann auf viele, viele Besucher,
die in einem interkulturellen Ambiente interessante
...wo man zu Hause ist.
“Haus an der Weiß“
Senioren-Wohn-und Pflegeheim
Ambulanter Pflegedienst
Kurzzeit- und Tagespflege
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Seniorenwohnen
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Nachtwächterführung mit Ausklang im alten Weinkeller.
Gespräche führen können und dabei mit leckerem Essen
verwöhnt werden. Die hiesigen Wohlfahrtsverbände und
Pflegedienste wollen sich vorstellen und alle Besucher haben
die Möglichkeit, sich detalliert zu informieren.
Neben regelmäßigen Informationsveranstaltungen mit
interessanten Themen und Aktionen für Erwachsene und
Jugendliche sind uns natürlich Projekte mit älteren Menschen
sehr wichtig.
Es steht außer Frage, dass wir in Siegen immer mehr
Rentnerinnen und Rentner mit Migrationshintergrund haben.
Wir wünschen uns, dass diese Menschen nach dem
Ausscheiden aus dem Berufsleben nicht in die Isolation
fallen. Wir könnten uns einen regen Austausch und die Kooperation
mit Seniorengruppen sehr gut vorstellen, und wer
weiß, vielleicht hat jemand die eine oder andere nette Anregung.
Es wäre doch einfach schön, wenn in den verschiedenen
Siegener Einrichtungen für Senioren auch diejenigen
einbezogen werden könnten, die vielleicht nicht so gut die
deutsche Sprache beherrschen. Sprache ist wichtig, aber
vielleicht sind da auch noch andere Bereiche des „Menschsein“
von Bedeutung, wie z. B. handwerkliche Fertigkeiten.
Nebenbei wird auch noch die deutsche Sprache gepflegt.
Nähere Auskunft erhalten Sie unter der Rufnummer
02 71/4 04 14 45.
Pilar Mesa Navarro
AK Öffentlichkeitsarbeit des Integrationsrates
24 durchblick 1/ 2007
Aus dem Seniorenbeirat
Wahlen zum Seniorenbeirat 2007
Die Wahlzeit des derzeitigen Seniorenbeirates der Stadt
Siegen neigt sich dem Ende zu.
Nachdem die gewählten Damen und Herren sich in den
vergangenen fünf Jahren bemüht haben, die Belange der älteren
Menschen in Siegen zu vertreten, muss nun im Sommer
dieses Jahres ein neuer Seniorenbeirat gewählt werden.
Unterstützung und Beratung einzelner Bürgerinnen und
Bürger bei den verschiedensten Anliegen, z. B.: Behördenangelegenheiten
– Verbesserung der Notfallhilfe durch
Nummerierung der Ruhebänke in Siegen – Öffentlicher
Personennahverkehr: Bürgergespräch VWS – Englischunterricht
für Senioren im Haus Herbstzeitlos – Beratung
in Seniorenangelegenheiten in den verschiedenen Ausschüssen
des Rates der Stadt Siegen – Beratende Beteilung
(Seniorenaspekte) bei der Stadtplanung (Umbau Siegerlandhalle,
Gestaltung Innenstadt, Theater usw.) – Partnerschaft
mit Senioren aus Leeds-Morley, gemeinsames Buchprojekt
„und samstags in die Zinkbadewanne“
Bei den durchzuführenden Wahlen sind einige Änderungen
vorgesehen. So soll das Wahlalter von 58 auf 60 Jahre
heraufgesetzt werden. Dies erscheint angesichts der steigenden
Lebenserwartung sinnvoll; auch dann gibt es in der
Stadt Siegen noch ca. 26.500 Wahlberechtigte. Außerdem
soll die Wahl diesmal als Briefwahl durchgeführt werden,
weil bei der bisherigen Praxis der Wahl an einem bestimmten
Tag in Wahllokalen doch nur ein geringer Anteil
der Senioren sich beteiligt hat. Ab April wird zur Kandidatur
und zur Einreichung von Wahlvorschlägen aufgefordert.
Kandidieren kann jeder in dem entsprechenden Wahlalter
für den jeweiligen Wahlbezirk. Man benötigt dazu 20
Unterstützungsunterschriften. Auskunft gibt der Seniorenbeirat
unter der Tel. 4 04-13 34.
Horst Mahle
Die Ausstellung „20 Jahre durchblick“ zeigte vom
16. November bis Mitte Dezember 2006 Titel und Texte zur
Entwicklungsgeschichte des durchblick.
Mit Preisen versehen wurde die Teilnahme an der Wahl
des schönsten Titelbildes. Gewonnen hat den 1. Preis mit
100 Euro Friedhelm Gerhards. Der 2. und 3. Preis mit je 50
Euro ging an Thilo Huster und Beatrix Schwarz. Die
Preisträger der Preise 4 bis 15 werden in den nächsten Tagen
benachrichtigt, sie dürfen sich je ein Buch aus der
„durchblick-buchreihe“ auswählen.
Unter dem gleichen Titel „20 Jahre durchblick“ fand im
letzten Jahr die Geburtstagsfeier im Siegener Rathaus statt.
Als Festredner würdigte Bürgermeister Ulf Stötzel die Arbeit
der städtischen Seniorenzeitung.
Der Vorsitzende des Vereins durchblick-Siegen Information
und Medien e.V., Friedhelm Eickhoff, gab in seinem
Vortrag eine Übersicht über die Entwicklung des durchblick
von 1986 bis 2006.
In eigener Sache
20 Jahre „durchblick“
Heute arbeiten annähernd 50 Personen an verschiedenen
Projekten im Verein. Die meisten sind damit beschäftigt,
das viermal jährlich erscheinende Magazin zu erstellen
und zu verteilen. Mit einer Auflagenhöhe von zuletzt
10 000 Exemplaren, nur für Siegen, ist der durchblick ein
erfolgreiches regionales Medium geworden.
Friedhelm Gerhards nimmt den 1. Preis von Friedhelm
Eickhoff, dem verantw. Redakteur des durchblick, entgegen.
durchblick 1/ 2007 25
Reisen
Wenn Rentner auf Reisen gehen
Malta – eine kulturträchtige Insel im Mittelmeer.
Die Tourismus-Branche muss sich auf eine neue Zielgruppe
einstellen. Einer von drei Urlaubern ist im Seniorenalter
– Tendenz steigend.
Einer ADAC-Studie zufolge wird der Pkw-Verkehr in
Zukunft zunehmen, obwohl die Bevölkerung in Deutschland
schrumpft und
die Zahl der über 60-
Jährigen stark zunimmt.
Ein Widerspruch?
Keineswegs,
denn so die wissenschaftliche
Grunderkenntnis:
In Zukunft
werden ältere Menschen
ihr Auto weit
mehr nutzen als die
heutigen Senioren.
Auch die Frauen holen
beim Autofahren
kräftig auf. Die Begründung
liegt darin,
dass es die Senioren
der Zukunft ja immer
gewohnt waren, selbst
mobil zu sein. Sie
werden deshalb auch
im Alter auf ihr Auto
nicht verzichten. Voraussetzung
ist allerdings,
man bleibt einigermaßen
fit und das
Autofahren bezahlbar.
Nun sind die Zeiten,
in denen sich die
über 60-Jährigen mit sonntäglichen
Kaffeefahrten in die nähere Umgebung
begnügten, längst vorbei. Heute haben
wir ganz andere Ansprüche, wenn es in
den Urlaub geht. Das machten auch Experten
kürzlich vor dem Tourismus-Ausschuss
des Bundestages in Berlin deutlich.
Ob Rundreise in den USA, eine
Nilkreuzfahrt oder Schwarzwaldurlaub,
die Wünsche sind vielfältig. Man hat erkannt,
dass es immer mehr Senioren in
Deutschland gibt und immer mehr von
ihnen am Urlaubsgeschehen teilnehmen.
Der Statistik zufolge reisen 75 Prozent
der Menschen über 60 regelmäßig und
immerhin fast zwei Drittel der über
70-Jährigen verzichten nicht auf ihren
Urlaub. Damit ist heute einer von drei
Urlaubern im Seniorenalter – und die
Tendenz ist steigend.
Nach Aussagen der Reiseunternehmen sind die Wünsche
der Seniorenurlauber genauso vielfältig wie die junger
Reisender. Denn Vorlieben ändern sich nicht plötzlich
mit zunehmendem Alter. Wer schon immer Kulturreisen
liebte, wird auch mit 65 diese Vorliebe nicht aufgeben. Und
wer schon immer gerne wanderte, wird so lange weiter
wandern wollen, wie die Gesundheit es zulässt. Ein Reiseveranstalter
berichtet, dass viele seiner Mitreisenden die 90
überschritten hätten. Sehr beliebt bei Senioren sind auch
Kreuzfahrten und Flussreisen.
Bei uns – meiner Frau, einem befreundeten Ehepaar im
Seniorenalter und mir – war vor kurzem Malta als Reiseziel
beliebt, wovon ich gerne einige Eindrücke weitergeben
möchte.
Malta – eine kulturträchtige Insel im Mittelmeer
Malta nennt sich gern das Herz des Mittelmeers. Es liegt
im Schnittpunkt aller Kulturen und Ereignisse, die die Geschichte
geprägt haben. In steinzeitlichen Tempeln wandelt
man zwischen Mauern aus vielen Tonnen schweren Steinblöcken
durch die über 5000 Jahre alte Glaubenswelt der
Malteser. Katakomben erinnern an die frühe Zeit des Christentums.
Malta war oft ein Spielball der Geschichte und so
wundert es nicht, dass viele Kulturen ihre steinernen Zeugnisse
hinterlassen haben. Diese Kulturdenkmäler sind das
eigentlich Faszinierende an Malta.
Beispiel Mdina: Die alte Hauptstadt Maltas ist mit ihren
schmalen Gassen und ihrer vollständig erhaltenen historischen
Bebauung ein Ort, in dem man sich noch wie im Mittelalter
fühlen kann. In byzantinischer Zeit wurde die antike
Stadt, die von drei Seiten durch Felsabbrüche geschützt ist,
zur Festung ausgebaut. Die Stadt verlor in der Zeit der Herrschaft
durch den Johanniterorden rasch an politischer Bedeutung,
aber die monumentalen Bauwerke der Blüte- ➤
26 durchblick 1/ 2007
Reisen
zeit sind bis heute erhalten und für kulturell interessierte
Besucher eine Augenweide. Mdina entwickelte sich zur „Stillen
Stadt“, heute leben hier kaum mehr als 500 Einwohner.
Im benachbarten Mosta kann man die drittgrößte Kuppelkirche
Europas besichtigen. Diese imposante Pfarrkirche
krönt nach dem Petersdom in Rom und der Londoner
St. Paul’s Kirche Europas größte Kuppel mit einer Spannweite
von 43 m. Bemerkenswert ist die Stabilität des Bauwerks,
dessen Gewölbe aus maltesischem Kalkstein so
konstruiert ist, dass sich die einzelnen Steine zwischen den
Widerlagern verspannen und auf diese Weise ihr Gewicht
selbst tragen. So hielt die Kirche, die in der Anflugschneise
eines damaligen Militärflughafens lag, im Zweiten Weltkrieg
sogar drei Fliegerbomben stand. Eine dieser Bomben
ist heute in der Sakristei zu besichtigen.
Wir wohnten in St. Paul’s Bay im Norden der Insel, wo
einst der Apostel Paulus gestrandet sein soll. Heute ist hier
das größte Touristenzentrum Maltas. Viele Legenden ranken
sich um den Apostel Paulus, der als hl. Paulus für die
Malteser eine tiefe Bedeutung hat. Am bekanntesten ist die
Überlieferung seines Schiffbruchs und des Schlangenwunders,
die Lukas in seinem biblischen Bericht ausführlich geschildert
hat. Er erzählt, dass das Schiff des Paulus, der ja
nach seiner Verhaftung in Jerusalem sein Recht auf einen
Prozess vor dem Kaiser geltend gemacht hatte, auf der Fahrt
nach Rom in einen Sturm geriet. Dabei wurde er nach Westen
abgetrieben und strandete schließlich an Maltas Küste.
Die Inselbewohner entzündeten ein Feuer, um die Schiffbrüchigen
zu wärmen. Als Paulus ein Reisigbündel auf das
Feuer legte, war darin eine Otter, die sich an seiner Hand
festbiss. Die Malteser sahen dies als ein Zeichen, dass Paulus
ein Mörder wäre. Doch wider Erwarten zeigte der Schlangenbiss
keine Wirkung und dem heiligen Mann geschah
nichts. Deshalb meinten die Leute, er müsse ein Gott sein.
Sandstrände gibt es auf Malta nur wenige; wer einen
reinen Badeurlaub machen möchte, für den ist Malta die
falsche Adresse. Für den kulturell interessierten Reisenden
ist diese kleine Insel mit ihrem ausgeglichenen Mittelmeerklima
ein Muss – wobei die imposante Hauptstadt
Valetta noch ein eigenes Thema ist. Horst Mahle
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durchblick 1/ 2007 27
Um was geht es?
Gehören Sie zu den 80% der Deutschen, die an die Existenz
Gottes glauben? Sind Sie der festen Überzeugung, einen
eigenen Willen zu haben, mit dem Sie jederzeit frei und unabhängig
entscheiden können, was Sie tun und was Sie bleiben
lassen. Ja? Dann stellen Sie sich bitte einmal vor, es
käme ein hoch qualifizierter Neurowissenschaftler zu Ihnen
und würde Ihnen im Brustton der Überzeugung sagen, es
tut mir ja leid, liebe Frau … oder lieber Herr …, aber den
„lieben Gott“, an den Sie bisher geglaubt haben, den gibt
es in Wirklichkeit gar nicht. Ebenso wenig verfügen Sie
über einen „freien Willen“. Wir Wissenschaftler haben bei
der Erforschung des Gehirns nämlich herausgefunden, dass
beides nur reine Einbildungen von Ihnen sind. Der „liebe
Gott“ und auch der „freie Wille“,
das sind nur „Hirngespinste“. Ihr
Gehirn gaukelt Ihnen da etwas
vor. Außerdem muss ich Ihnen
leider mitteilen, dass wir trotz
intensiver Suche mit modernster
bildgebender Verfahrenstechnik
nirgendwo im Gehirn des Menschen
ein ICH gefunden haben.
Das gibt es in Wirklichkeit nämlich
auch nicht. Alles nur reine
Illusionen. Aus naturwissenschaftlicher
Sicht betrachtet nichts
anderes, als aus der Evolution
hervorgegangene nützliche Erscheinungen
oder, wie wir Hirnforscher sagen, konstruierte
Netzwerke des menschlichen Gehirns, die sich im Kampf
ums Überleben der Spezies Mensch in Jahrtausenden entwickelt
und bewährt haben. Mehr nicht.
Na toll, würden Sie sicherlich denken, der „spinnt“ doch
selbst, dieser Hirnforscher. Mein ICH soll es nicht geben,
einen freien Willen soll ich nicht haben und der liebe Gott
ist auch nur ein Hirngespinst in meinem Kopf. Das sind ja
schöne Erkenntnisse. Wo sind wir denn? Wo kommen wir
denn hin, wenn das stimmen würde? Richtig gedacht. Genau
das sind Punkt und die ernste Frage, die sich hinter meiner
etwas lockeren Einführungsformulierung verbergen.
Wo kommen wir hin, wenn sich diese, heute von vielen
Neurobiologen vertretenen Auffassungen und Theorien,
auf die ich nachstehend etwas näher eingehen werde, in den
nächsten Jahren bestätigen und experimentell verfestigen?
Kein feststellbares ICH, keinen freien Willen, keinen absoluten
Gott. Alles nur neurophysiologisch erklärbare Prozesse
unseres Gehirns.
Kaum auszudenken, wenn diese drei Säulen, auf denen
unser abendländisches Menschenbild aufgebaut ist, von
Philosophisches
Gott nur ein Hirngespinst, der freie Wille eine Illusion?
Gedanken über die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung
Sind wir Gefangene unserer Neuronen?
naturwissenschaftlicher Seite aus zum Einsturz gebracht
würden. Dabei wäre es ja nicht das erste Mal, dass wissenschaftliche
Erkenntnisse an unserem Welt- und Menschenbild
rütteln und es nachhaltig verändern. Ich erinnere nur
an die drei bekanntesten, sogenannten narzistischen Kränkungen
des Menschen, die kosmologische durch Kopernikus,
die biologische durch Darwin und die psychologische
durch Freud. Aber, so meine Befürchtung, würde uns durch
eine Bestätigung und Akzeptanz dieser in den letzten Jahren
gewonnenen Erkenntnisse über unser Gehirn nicht der
feste Boden, auf dem die Begründung unserer menschlichen
Existenz steht, unter den Füßen weggezogen, uns sozusagen
der K.O. versetzt? Was wären wir dann noch? Ohne
ein verantwortungsbewusstes ICH, ohne ein freiheitliches
Denken und Handeln und ohne
ein religiös begründetes Fundament
unserer menschlichen Existenz?
Glaubt man diesen wissenschaftlichen
Aussagen über unser
Gehirn, dann sind wir Menschen
nur aus der Evolution zufällig hervorgegangene
biologische Überlebensmaschinen
mit einer hoch
komplexen, durch elektrische
Impulse und bio-chemische Prozesse
gesteuerten Schaltzentrale,
dem Gehirn. Was für eine Vorstellung.
Das wäre doch die Abschaffung
des Menschen selbst.
Oder müssen wir uns darauf einstellen, dass das Bild, das
wir von uns haben, völlig neu gezeichnet werden muss mit
allen Konsequenzen? Kein Wunder, wenn Eugen Drewermann
in seinem neuen Buch „Atem des Lebens – die moderne
Neurologie und die Frage nach Gott“ in seiner Einleitung
schreibt: „Vieles von dem, was Menschen bislang
von sich glauben wollten beziehungsweise glauben sollten,
steht offenbar dicht vor dem Einsturz, und es ist kaum ein
Zweig der Anthropologie denkbar, der nicht auf das Nachhaltigste
von den zu erwartenden Umbrüchen wohl schon
der nächsten Jahre betroffen sein wird. Am entschiedensten
aber gilt das mit der Gewissheit für die Theologie, diese
Hüterin der metaphysischen Lehre von der Unsterblichkeit
der Seele. Die Seelenruhe jedenfalls ist schwer begreifbar,
mit welcher die lehrstuhlinnehabenden Dozenten der Lehre
von Gott dieser ihrer derzeit tiefsten Infragestellung gegenüberstehen.“
Einer der wenigen deutschen Philosophen,
der sich mit der Thematik der Hirnforschung
auseinandersetzt, ist der Leiter des Arbeitsbereiches Theoretische
Philosophie der Universität Mainz, Thomas Metzinger.
Er sagt: „Die Hirnforschung verändert in dramatischer
Weise unser Menschenbild und damit die Grundlage
unserer Kultur, die Basis unserer ethischen, wie poli- ➤
28 durchblick 1/ 2007
tischen Entscheidungen.“ (Magazin „Gehirn und Geist“
Dossier 1/2006)
Eins steht fest, die moderne Hirnforschung wirft in Bezug
auf das Verhältnis zwischen ihren bisher gewonnenen
Erkenntnissen und unserem heute allgemein gültigen Menschenbild
tief greifende Fragen der Konvergenz (Übereinstimmung)
auf, die nicht nur von Theologen, sondern auch
von Philosophen, Soziologen, Psychologen bis hin zu den
Juristen und unserem heute gültigen Strafrecht erst noch
sinnvoll und befriedigend beantwortet werden müssen. Ein
schwieriges, aber dringend notwendiges Unterfangen.
Gleichzeitig aber auch eine große Herausforderung der
Verantwortlichen, sich im Grenzbereich zwischen Naturwissenschaften
und Geisteswissenschaften
zu bewähren.
Und, wie auf der
breiten Plattform der Medienwelt
zu beobachten
ist, hat diese Auseinandersetzung
seit längerer Zeit mit schwankender Intensität
und wechselhaftem Medieninteresse bereits begonnen. So
viel zur Einleitung und zum Neugierigmachen.
Der Hauptbeteiligte
Die Thematik, die sich aus den unterschiedlichen Menschenbildern
ergibt, auf der einen Seite das Biologische der
Hirnforschung und auf der anderen Seite das Humanistische
der Philosophie bzw. das christlich-religiöse der Theologie,
ist viel zu umfassend, als dass ich sie im Rahmen dieses
Beitrages zufriedenstellend ansprechen könnte. Hinzu
kommt, dass der Hauptbeteiligte in dieser Auseinandersetzung,
unser Gehirn, ein sehr kompliziertes, hoch komplex
arbeitendes und sich selbst organisierendes Organ ist. Mit
einem Durchschnittsgewicht von 1245 Gramm bei Frauen
und 1375 Gramm bei Männern macht es ca. 2 % der Körpermasse
aus, verbraucht aber 20 % der Blutzufuhr für seinen
erhöhten Sauerstoffbedarf. Es besitzt Schätzungen zufolge
ca.100 Milliarden (10 11 ) Nervenzellen (Neuronen),
die über ca. 100 Billionen (10 14 ) Kontaktstellen (Synapsen)
miteinander verbunden sind. Das sind mehr Zellen, als unsere
Milchstraße Sterne hat. Die evolutionäre Entwicklung
des menschlichen Gehirns ist ein Prozess über Jahrmillionen.
In dieser langen Zeit entwickelte sich das Gehirn in seinem
Aufbau ganz langsam von innen (Rückenmark) nach
außen (Großhirnrinde). So haben sich seine „menschlichen“
Qualitäten und Leistungen gegenüber den Primaten,
wie z. B. das sprachliche Ausdrucksvermögen oder die
Fähigkeit der abstrakten Begriffsbildung, im Verlaufe der
letzten 4 Millionen Jahren entwickelt. Aus dieser Sichtweise
betrachtet, laufen wir Menschen mit einem „alten
Modell“ im Kopf herum. Interessant ist zu wissen, dass es
zwischen dem Aufbau und der Funktionsweise eines menschlichen
Gehirns und dem eines Säugetieres kaum Unterschiede
gibt. „Es gibt keinen >qualitativen evolutiven Sprung<
zwischen dem Verhalten des Menschen und dem seiner
Philosophisches
„Der Mensch kann zwar tun, was er will,
aber nicht wollen, was er will“
nächsten Verwandten, der Schimpansen, und im weiteren
Sinne dem der anderen Primaten und Säugetiere (Gerhard
Roth in: Fühlen, Denken, Handeln S. 450/451). So ist die
Arbeitsweise der Nervenzelle im Gehirn einer Ratte die
gleiche, wie die im Gehirn eines Menschen. Der Hauptunterschied
zwischen Mensch und Tier liegt, man höre und
staune, im Wesentlichen nur in der unterschiedlichen Größe
der Großhirnrinde (Cortex ceribi), ist also vorwiegend
quantitativer und nicht qualitativer Natur. Und weil dies so
ist, beruhen die Erkenntnisse der Hirnforschung zu einem
großen Teil auch auf, für die Tiere leider oft sehr qualvollen,
Tierversuchen. Ich will es bei diesen wenigen Angaben
über das Gehirn belassen, denn sich näher mit ihm und
seinen Funktionen zu beschäftigen bedeutet sehr schnell,
mit einer Fülle von biologischen
Fachausdrücken
und psychologischen Begriffen
konfrontiert zu
werden, die einer guten
Erklärung bedürfen. Deshalb
verzichte ich darauf und konzentriere mich nachfolgend
auf zwei, in der Auseinandersetzung zwischen Hirnforschern,
Philosophen und Theologen allerdings sehr
wichtige Kernfragen: Sind ICH und freier Wille nur eine
Illusion? Und: Ist Gott nur ein Produkt des menschlichen
Gehirns? Gehen wir diesen beiden Fragen einmal etwas nach.
Mein ICH und die Willensfreiheit, nur eine Illusion?
Mal ganz ehrlich, haben Sie nicht auch schon hin und
wieder leise Zweifel daran gehegt, einen freien Willen zu
haben? Ich erinnere nur an die vielen guten Vorsätze, aus
denen meist nichts geworden ist. Für meinen Teil muss ich
gestehen, dass es mit meinem freien Willen, die Schublade
mit den Süßigkeiten beim Vorbeigehen nicht zu öffnen,
nicht weit her ist. Da bleibt beim Griff in die geöffnete
Schublade oft genug nur die biblische Feststellung: „Der
Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Matth. 26, 41).
Hinter dieser resignierenden Erkenntnis steht meine Überzeugung,
ich könnte auch anders, wenn ich nur richtig wollte.
Mir fehlt nur der starke und feste Wille, die Schublade
nicht zu öffnen. Dieser Gedanke, auch eine Handlungsalternative
zu haben, wird uns schon in frühester Kindheit
fest eingeprägt, vielleicht sogar eingeprügelt. Wir lernen zu
denken, dass die Bestrafung einer Tat nur deshalb erfolgt,
weil es zu der ausgeführten (falschen) Handlung immer
auch eine (bessere) Alternative gegeben hätte. Wir hätten
uns freiwillig auch anders entscheiden können. Und genau
das ist der springende Punkt in der Auseinandersetzung mit
den Hirnforschern. Die behaupten nämlich, dass wir Menschen
eben nicht frei und bewusst über das entscheiden
können, was wir tun und was wir lassen. Unser Willensakt
ist, so ihre Aussagen, durch genetische Veranlagung, frühkindliche
Prägung, kulturelle Einflüsse und unbewusst ablaufende
neurophysiologische Prozesse determiniert, also
vorbestimmt. Selbst die von uns bewusst getroffenen Entscheidungen
unterliegen diesen fest vorgegebenen ➤
durchblick 1/ 2007 29
Philosophisches
unbewussten Abläufen und Bedingungen. Die Auffassung
einer „Unfreiheit“ des menschlichen Wollens ist nicht neu.
Dass die in der Natur herrschende Kausalwirkung nach
dem Prinzip von Ursache und Wirkung auch auf den
menschlichen Geist anzuwenden ist, finden wir an vielen
Stellen in der Geschichte von Geistes- und der Naturwissenschaften.
So kommt vor 150 Jahren der deutsche Philosoph
Arthur Schopenhauer (1788–1860) schon zu dieser,
allerdings mehr philosophisch als naturwissenschaftlich
gut begründeten Erkenntnis. Seine bekannte, etwas vereinfachte
und komprimierte Aussage dazu: „Der Mensch kann
zwar tun, was er will, aber nicht wollen, was er will“, trifft
aus Sicht der Hirnforscher den Nagel auf den Kopf.
Aber worauf stützen nun viele Hirnforscher, darunter
die beiden wohl bekanntesten Deutschen, Gerhard Roth
und Wolf Singer, ihre naturwissenschaftliche Aussage, wir
besäßen keinen freien Willen beziehungsweise wir hätten
in einem laufenden Entscheidungsprozess nur ein sehr eingeschränktes
Vetorecht? Ihre Hauptargumente stützen sie,
soweit ich es beurteilen kann, auf zwei Grunderkenntnisse.
Erstens: Alle mentalen Leistungen und geistigen Fähigkeiten
haben immer ein Korrelat (Wechselbeziehung) zu
der materiellen Substanz unseres Gehirns. Daraus folgern
sie, dass nicht nur unsere körperlichen, sondern auch unsere
geistigen Tätigkeiten allein auf materielle Ursachen
zurückzuführen sind. Diese Rückführung auf reine Naturprozesse,
auch als Reduktionismus bezeichnet, bedeutet
nicht mehr, aber auch nicht weniger, dass unser Geist, unser
ganzes seelisches Innenleben, immer an einen materiellen
Träger gebunden ist und ausschließlich einen natürlichen
Ursprung hat. Geist und Seele sind demzufolge keine
unerklärlichen, metaphysischen Erscheinungen, sondern
physikalisch und physiologisch erklärbare Prozesse in unserem
Gehirn. Um es kurz und knapp zu formulieren: ohne
Materie kein Geist, ohne Geist keine Seele. Diese Überzeugung,
der Mensch sei eine aus der Natur hervorgegangene
Einheit von Körper, Geist und Seele, gibt es nicht erst
seit heute und wird als „reiner Naturalismus“ oder auch
„ontologischer Monismus“ bezeichnet. Durch diese Aussage
wird der in der Philosophie und Theologie seit über
2500 Jahren von Platon über Augustinus und Descartes bis
heute meist vertretene Dualismus, das heißt die Trennung
von Leib und Seele, in Frage gestellt. Der Mensch ist nach
dieser monistischen Theorie, um es einmal umgangssprachlich
auszudrücken, „mit Haut und Haaren“ ein vollkommen
natürliches Wesen, das mit seinem Tod als Ganzes
für immer zugrunde geht.
Das für mich sehr Nachdenkliche an dieser wissenschaftlichen
Erkenntnis ist, dass die von der Hirnforschung
gelieferten Argumente in vieler Hinsicht überzeugend sind.
Warum? Sie basieren, neben Tierversuchen, auf Beobachtungen
und Untersuchungen von Menschen, deren Gehirne
durch Krankheiten oder Unfälle Schädigungen aufweisen
und mit modernsten bildgebenden Verfahrenstechniken
durchgeführt wurden. Dabei kommen sie zu der grundlegenden
Erkenntnis:Treten substanzielle Veränderungen im
Gehirn auf, so korrelieren diese, in Abhängigkeit welches
Gehirnareal betroffen ist, mit teilweise gravierenden Veränderungen,
auch der mentalen Leistungen und geistigen
Fähigkeiten der Betroffenen. Das bedeutet, dass materielle
Beeinträchtigungen im Gehirn dazu führen können, dass
sich das ICH eines Menschen mit seinen Wahrnehmungen,
seinen Gefühlen und in seinem Denken und Handeln
grundlegend wandelt. Hierzu gibt es viele gute und praktische
Beispiele. Interessierten „durchblick“-Lesern, die mehr
über diese Beispiele eines ICH-Wandels wissen möchten,
empfehle ich das Buch „ICH, wie wir uns selbst erfinden“
(Campus-Verlag). Allerdings warnen die Autoren ➤
Es ist nach wie vor ein Geheimnis, wie sich aus den neurophysiologischen Prozessen in den über 100 Milliarden grauen
Nervenzellen unseres Gehirns die bunte Welt des Lebens formt und Geist und Seele in Erscheinung treten.
Bildquelle: BMBF www.idw.online.de
30 durchblick 1/ 2007
gleich am Anfang ausdrücklich vor möglichen Nebenwirkungen.
Ein Beispiel aus diesem Buch in Kurzfassung mag
dies verdeutlichen. Dem 51-jährigen britischen Bauarbeiter
Tommy McHugh, ein gewalttätiger, heroinsüchtiger Ex-
Sträfling, platzte eine Arterie im Vorderhirn. Im Krankenhaus
klammerten die Ärzte die Arterie mit einem Metallclip
ab. Klinikroutine. Bei den anschließend üblichen neurophysiologischen
Tests wurden keine größeren Ausfälle festgestellt.
Nach 10 Tagen und leichten Schwierigkeiten, seine
linke Gesichtshälfte zu rasieren, wurde McHugh nach
Hause entlassen. Zwei Wochen nach der Notoperation begann
der unglaubliche mentale Wandel von McHugh. Er
begann Gedichte zu schreiben, Zeichnungen anzufertigen
und Bilder zu malen. In kürzester Zeit wurde aus dem nach
eigener Einschätzung einst jähzornigen und aggressiven
Schläger, dessen einziger Zugang zur bildenden Kunst
seine Tattoos am Oberarm
waren, ein obsessiver,
auf regionaler Ebene
durchaus anerkannter
Künstler, der bekundet,
seine weiblichen Seiten
in sich entdeckt zu haben.
Seine Aussage zu
diesem Wandel. „Was auch immer in meinem Gehirn passiert
ist, ich finde es absolut fantastisch. Noch nie habe ich
mich so gut gefühlt. Mein Leben ist 100 Prozent besser
geworden.“ Soweit McHugh. Ich denke, dieses Beispiel
allein zeigt schon deutlich, wie zerbrechlich unser ICH ist
und mit ihm unsere Willensfreiheit, und in welch einer materiellen
Abhängigkeit wir beide Begriffe sehen müssen,
wenn ein so kleiner materieller Eingriff im Gehirn eines
Menschen eine so große geistige Veränderung zur Folge
haben kann. Aber es sind für mich nicht nur diese spektakulären
Beispiele, die mich sehr nachdenklich stimmen,
sondern es ist auch das Wissen um die Demenz und Alzheimer
Erkrankung vieler älterer Menschen, in deren Verlauf
die Persönlichkeit der Betroffenen, ihr ICH, durch die
substanziellen Veränderungen des Gehirns langsam verloren
geht. Da taucht schnell eine der vier berühmten Kant’-
schen Fragen auf: Was ist der Mensch?
Philosophisches
Zweitens: In unserem Gehirn laufen die meisten aller
Prozesse auf einer unbewussten Ebene ab, wie z. B. die
Überwachung der körperlichen Funktionen und Organe
(Blutdruck, Blutzuckerspiegel usw.). Diese Kontrollprozesse
können uns nicht bewusst werden, weil sie in Hirnarealen
ablaufen, die unserem Bewusstsein grundsätzlich
verschlossen sind. Und so, sagen die Hirnforscher, verhält
es sich auch mit dem Entscheidungsprozess bei einem Willensakt.
Auch bei ihm sind Hirnareale beteiligt, die für unser
Bewusstsein unzugänglich sind. Hinzu kommt die hohe
Komplexität der an einem Entscheidungsprozess beteiligten
Neuronen-Netzwerke, deren Informationsumfang so
groß ist, dass er nicht gleichzeitig ins Bewusstsein gelangen
kann. Zu diesen beiden Faktoren, Bewusstseinsunfähigkeit
und zu hohe Komplexität, kommt noch ein dritter
Faktor, die Zeit. Genauer gesagt, die zeitliche Abfolge
der Aktionen eines Entscheidungsprozesses. Diese zeitliche
Reihenfolge von messbaren Erregungsmustern (Aktionen)
hat der amerikanische em. Professor für Neurophysiologie
der Universität California, Benjam Libet, bereits in den
80er-Jahren eingehend untersucht. Er kommt zu der nüchternen
Erkenntnis: „Der Gehirnprozess der Vorbereitung
eines Willenaktes beginnt etwa 400 Millisekunden vorher
also deutlich vor dem Auftreten des bewussten Handlungswillens.
Die Einleitung der frei gewollten Handlung
scheint im Gehirn unbewusst einzusetzen, und zwar deutlich
bevor die Person sich dessen bewusst ist, dass sie handeln
will.“ (Hirnforschung und Willensfreiheit, Suhrkamp-
Verlag S. 275/276) Um diese Erkenntnis bewusster und
unbewusster Abläufe in unserem Gehirn etwas zu verdeutlichen,
ein einfaches Beispiel.
Ich suche den Namen
eines Bekannten,
den ich auf der Straße
zufällig sehe, finde ihn
aber nicht. Trotz intensiver
Willensanstrengung
fällt er mir nicht ein. Irgendwann
gebe ich die Suche in meinem Gehirn auf und
wende meine Aufmerksamkeit einem anderen Problem zu.
Plötzlich, ich hatte die Suche ja schon eingestellt und ohne
dass ich es noch bewusst will, taucht der gesuchte Name in
meinem Bewusstsein auf. Mein Gehirn hat offenbar, ohne
mein bewusstes Wollen, nicht aufgegeben und weiter nach
dem Namen gesucht und ihn gefunden. Ein weiteres Beispiel.
Ich habe etwas getan, obgleich ich es nicht wirklich
wollte. Ich hatte bei der Entscheidung von Anfang an ein
flaues Gefühl, ohne es konkret begründen zu können. Das
bekannte „mulmige Gefühl“ in der Magengegend. Für die
Hirnforscher ein sicheres Zeichen, dass mir zum Zeitpunkt
der Entscheidung nicht alle in meinem Gehirn gespeicherten
Informationen bewusst zur Verfügung standen. In beiden
Beispielen muss mein bewusstes ICH (leider) erkennen,
dass auch noch andere, unbekannte Kräfte im Gehirn am
Werke sind, die es nicht beeinflussen kann. Um es mit einem
Satz von Gerhard Roth auf den Punkt zu bringen: „… die
Forschungsergebnisse zeigen, dass die beiden entscheidenden
Komponenten des Phänomens >Willensfreiheit<,
nämlich etwas frei zu wollen (zu beabsichtigen, zu planen)
und etwas in einem freien Willensakt aktuell zu verursachen,
eine Täuschung sind.“ (Fühlen, Denken, Handeln S. 445)
„Die Hirnforschung verändert in
dramatischer Weise unser Menschenbild
und damit die Grundlage unserer Kultur.“
Für Hirnforscher, wie Gerhard Roth und Wolf Singer,
ist unser ICH kein immaterieller, zentralistischer Dirigent,
der hoheitsvoll seine Entscheidungen trifft und damit seinen
Willen bekundet. Dieses herkömmliche Bild ist für sie
eine Illusion. Sie definieren das ICH als ein hoch differenziertes,
sich ständig neu konstruierendens Netzwerk aus
Millionen gleichzeitig aktiver Neuronen in unterschiedlichen
Hirnarealen. Keine materiell unabhängige, metaphy- ➤
durchblick 1/ 2007 31
Philosophisches
sische Instanz. Eine wissenschaftliche Aussage, die ich in
der „dritten Person“, also objektiv betrachtet, nachvollziehen
kann, mit der ich aber aus Sicht der „ersten Person“,
als subjektives ICH, so meine Probleme habe. Meine Alltagserfahrungen
mit mir selbst sagen mir etwas völlig anderes
und es wird mir (wieder einmal) deutlich bewusst,
dass wir Menschen in drei Welten leben, der des „Wissens“,
der „Erfahrung“ und des „Erlebens“. Und genau mit dieser
Feststellung bin ich bei einer für mich sehr entscheidenden
Frage an die Hirnforscher angekommen: Wie wird aus den
objektiv messbaren, neuronalen Prozessen ein subjektives,
nicht messbares Erleben? Anders gefragt: Wie erfolgt
der Stufenübergang von der materiellen Basisebene
in die höher entwickelte geistige Ebene? Oder noch anders
formuliert: Wie erfolgt die Transformation materieller
Substanzeigenschaften in erlebte Gefühle, wie Liebe und
Hass, Freude und Trauer, Hoffnung und Angst? Diese vielleicht
alles entscheidende Antwort ist uns die Hirnforschung
bis heute schuldig geblieben. Zugegeben, ihre
Beantwortung ist sehr schwierig und für einige Wissenschaftler
wird sie auch nie beantwortet werden können. Die
Schwierigkeiten beginnen ja schon mit den allgemein gültigen
wissenschaftlichen Voraussetzungen. Jeder Wissenschaftler,
also auch der Hirnforscher, will und muss bei seinen
experimentellen Versuchen die zu untersuchenden
Gegenstände und Abläufe messen, wiegen, prüfen, zählen
oder vergleichen können. Seine Ergebnisse müssen verifizierbar
beziehungsweise falsifizierbar sein, sonst fehlt ihnen
die wissenschaftliche Akzeptanz. Das subjektive Erleben
eines Individuums entzieht sich aber jeder wissenschaftlichen
Methode. Man kann Liebe nicht messen, Trauer nicht
wiegen und Freude und Glück nicht zählen. Diese ganz persönliche
Welt des „ICH-Erlebens“ entzieht sich einer wissenschaftlichen
Überprüfung. Dazu ein Beispiel. Hirnforscher
können heute gut feststellen, ob das Hören von Musik eine
entspannte und beglückende Stimmung erzeugt. Dies geschieht
durch das Erkennen von Erregungsmustern in dafür
zuständigen Hirnarealen in Verbindung mit der Ausschüttung
bio-chemischer Substanzen (Neurotransmitter) wie
Noradrenalin, Serotonin oder Dopamin.
Alles substanziell prüf- und
messbar. Was sie jedoch nicht bestimmen
können, ist der indivi-
duelle Inhalt, das ganz persönliche Erleben und die Gefühle
eines Menschen. Sie können nicht unterscheiden, ob die
materiellen Veränderungen im Gehirn auf das Hören eines
Schlagerliedes von Heino oder auf das Hören der Krönungsmesse
von Mozart zurückzuführen ist. Auf dieser
tiefsten Ebene menschlichen Erlebens, da, wo für mich die
wahren Wirkursachen für menschliches Fühlen, Denken
und Handeln zu finden sind und unser „Gemüt“ zu Hause
ist, dessen Stimmungen jeder von uns Tag für Tag als innere
Realität erfährt, in dieser persönlichen Erlebniswelt versagen
bis heute alle wissenschaftlichen Methoden. Und solange
der Schlüssel für den „Umschalter“ von materiell objektiv
messbaren Substanzen in ein immateriell subjektives
Erleben nicht gefunden ist, bleibt auch das Tor zu dieser
geistig subtilen „ICH-Welt“, zu diesem „inneren Raum und
Seelengrund“ eines jeden Einzelnen für eine naturwissenschaftliche
Überprüfbarkeit verschlossen. Bis dahin bleiben
für mich Geist und Seele rätselhafte und geheimnisvolle
Phänomene. Ob sie jemals zufriedenstellend erklärt werden
können, wer weiß?
Am Ende meiner Gedanken über die Willensfreiheit
möchte ich noch darauf hinweisen, dass es zu dem von der
überwiegenden Zahl der Hirnforscher vertretenen Standpunkt
eines strikten Materialismus, von Philosophen und
Theologen einmal abgesehen, im Lager der Naturwissenschaftler
selbst durchaus Gegenpositionen gibt. Als ein Beispiel
für viele sei hier der 1997 verstorbene australische
Physiologe und Nobelpreisträger Sir John Eccles genannt,
der mit seinem Buch „Das ICH und sein Gehirn“ bekannt
wurde. Eccles lehnte den bereits angesprochenen reinen
Materialismus, also die Position, das Bewusstsein lasse sich
auf rein physikalische und chemische Prozesse zurückführen,
ab. Er verglich das Gehirn mit einem Computer und
das ICH mit dessen Programmierer. Dieses ICH (Geist,
Seele) sei übernatürlich und bediene sich des Gehirns als
Instrument und es gebe Anlass zur Hoffnung, dass es nach
dem Tod weiterbestehe. Er hat nachgewiesen, dass es
unsere Gedanken und unser Wille sind, die im Gehirn sogenannte
Neuroproteine aktivieren, dass sich geistige Prozesse
materiell abbilden und nicht etwa Funktionen biochemischer,
also materieller Prozesse sind. Seine prägnant
knappe Aussage: „Der immaterielle Geist bewegt unser ➤
Wie wird aus den objektiv messbaren, neuronalen Prozessen ein subjektives, nicht messbares Erleben? Wie erfolgt die
Transformation in erlebte Gefühle, wie Liebe und Hass, Freude und Trauer, Hoffnung und Angst? Skizzen: Manfred Hübscher
32 durchblick 1/ 2007
Philosophisches
Wir wissen nicht, wohin beide Wege führen. Welchen von beiden wir nehmen, entscheidet unser Gehirn in einem unbewusst
ablaufenden Prozess. Erst danach wird er uns als „freier Wille“ bewusst.
(Bildquelle: www.PixelQuelle.de)
Gehirn.“ (aus: Die Welle ist das Meer, S. 107, Herder-spectrum
Verlag). Untersuchungen, die an buddhistischen Mönchen
während ihrer Meditationsübungen durchgeführt wurden,
scheinen dies zu bestätigen. Auch für den im Jahre
2004 verstorbenen bekannten Hirnforscher Detlef B. Linke
ist unser Geist mehr als unser Gehirn. Für ihn ist das
menschliche Gehirn ein Neuronen-Universum, in dessen
subtilen Weiten irgendwo der „Schlüssel zur Unendlichkeit“
(gleichnamiger Titel seines 2004 erschienenen Buches)
verborgen ist. Dies gilt in ganz besonderem Maße für
die geheimnisvolle Welt des „ICH-Erlebens“. Sie ist auf der
von den Hirnforschern bisher gezeichneten Landkarte noch
ein weißer Fleck oder, um es im Vergleich mit Detlef Linke
auszudrücken, ein energetisch zwar spürbares, aber materiell
unsichtbares schwarzes Loch.
Schließen möchte ich mit einer Aussage des bereits erwähnten
Sir John Eccles: „Meinen Körper und mein Gehirn
kann ich erklären, aber das ist nicht alles. Meine eigene
Existenz kann ich nicht erklären.“ Genau mit dieser Erkenntnis,
die eigene Existenz nicht erklären zu können, tauchen
Grundsatzfragen über das persönlich gelebte Leben
auf. Es sind Fragen, die sich viele Menschen meist erst in
schwierigen Lebenssituationen, im Angesicht einer schweren
Krankheit oder in der Nähe des Todes stellen. Fragen
wie: „Warum gerade ich?“ oder „Das kann doch nicht alles
gewesen sein?“ Auf solch ganz persönliche Lebensfragen
weiß die Hirnforschung natürlich keine Antwort zu geben.
Wie sollte sie auch, denn sie zu beantworten zählt nicht
zu ihren Aufgaben. Außerdem sind solche Fragen nicht an
sie gerichtet. Ihr Adressat ist ein anderer. Wir Menschen
stellen sie einem anderen „Gegenüber“, wer immer das für
den Einzelnen auch sein mag. Wobei ich bei meiner eingangs
erwähnten zweiten Frage angekommen bin: Ist Gott
nur ein Hirngespinst in unserem Kopf?
Wie ich aber leider feststellen muss, reicht hierfür der
Platz nicht mehr aus. Deshalb muss ich den „lieben Gott“
und Sie als „durchblick“-Leserin und „durchblick“-Leser
um Verständnis bitten, wenn ich mich mit dieser Frage erst
in der nächsten „durchblick“-Ausgabe beschäftige. Genießen
Sie bis dahin eine hoffentlich sonnenreiche und farbenfrohe
Frühlingszeit.
Eberhard Freundt
Tierarzt Mobil
Jutta Martens
Hauptstraße 111 · 57074 Siegen
Telefon 02 71/40 59 8410
Mobil 0151/15 63 37 00
durchblick 1/ 2007 33
Aus dem Leben
Kein Licht in der Dunkelheit
Der Stromklau geht um. Erinnerungen an die Kriegszeit
werden wach. Damals war es der Kohlenklau.
„Es werde Licht, und es ward Licht“, heißt es in der
Schöpfungsgeschichte. Die Überlieferung will es, dass
Goethe noch auf dem Totenbett gerufen hat: „Mehr Licht.“
Ressourcen werden so langsam knapp. Noch herrscht
kein Mangel an Tageslicht, wenn sich auch bedrohliche
Dunstglocken über Großstädte legen, aber das künstliche
Licht wird allmählich zum Luxusartikel. Vereinzelt werden
Menschen, auch in Europa, zur Petroleumlampe zurückkehren
müssen, unendlich lange Dämmerstunden einlegen.
Echte Kerzen sind auch fast unerschwinglich. Oder wird
das Beispiel Schule machen, ein parasitäres Dasein auf Kosten
einer wehrlosen, unbescholtenen Kreatur zu fristen?
Eine Freundin erzählt, wie es dunkel um sie wurde. Mitnichten
war es die wohlige Dunkelheit, die einem schützend
umfängt, auch war es nicht das Versagen ihrer Licht
spendenden Quellen. Ich lasse sie zu Wort kommen:
„Mittlerweile aufgeklärt, bin ich auch wieder etwas abgeklärter,
der Sturm der größten Erregung und Entrüstung
hat sich gelegt.“ Ein weiteres unheilschwangeres Ereignis
trat ein und überlagerte das vorausgegangene, ein Zeichen
dafür, dass sich fast alles im Leben relativiert, vielleicht
auch der Tod, wenn er als Erlösung empfunden wird.
Just in der Adventszeit, die ansonsten auf andere Weise
verheißungsvoll sich ankündigt, hielt ich meine aktuelle
Stromrechnung in Händen. Wie elektrisiert starrte ich auf
den Betrag der geforderten Nachzahlung. Fieberhaft suchte
mein Auge die Angaben über die Höhe des Verbrauchs.
Götterdämmerung. Dantes Inferno kündigte sich an. Diese
Zahl ließ mich nicht mehr los. Wie eine Leuchtreklame mit
Herzblut geschrieben tänzelte sie, irrlichternd, vor meinen
Augen auf und ab. Das musste Manipulation sein. Das
RWE selbst? Sie hatten dieses Mal persönlich abgelesen, da
eine Familie ausgezogen war. Aber welches Interesse sollten
sie dabei verfolgen? Ich ließ die Mitbewohner Revue
passieren. Wer hatte von meinem Tellerchen gegessen? Der
ungeheuerliche Vorgang entwickelte seine Eigendynamik.
Mein Kopf wurde zur Schaltzentrale, wo die verschiedenen
Kabel umgelegt werden. Es gab Kabelsalat, Kurzschlüsse,
Schwelbrände. Ich war beschäftigt. Das war jetzt mein Projekt,
gezwungenermaßen. Über Wochen floss meine ganze
Energie hinein. Ich verzahnte mich im Stromkreis, kroch
nur noch in den Niederungen des Alltags umher, kein Raum
mehr für hehre Gedanken, für Visionen. Hier entzog sich
etwas meiner Kontrolle, fatal für einen Menschen, der kontrolliert
lebt.
➤
34 durchblick 1/ 2007
Es lag mir – zunächst – fern, jemanden zu verdächtigen.
Ich betrachtete jede meiner Steckdosen mit Argwohn. Aber
es war nicht der Herdanschluss, schon vor meinem Einzug
nur mittels Hansaplast in seinem Sockel gehalten, auch
nicht die geschwärzte Steckdose meines Anrufbeantworters.
Ich spürte förmlich, wie die elektrischen Schwingungen,
über mein Haupt hinweg, von mir ungenutzt, im Orkus
entschwanden. Könnte doch eine Wünschelrute die
Quelle aufspüren oder ein Netz von empfindlichen Sensoren
über Leitungen gelegt werden. Mein Zähler wurde zum
Monster. Ich konnte ihn nicht aufhalten, ebenso wenig wie
die Zeit und den körperlichen Verfall. Ich zog panisch
sämtliche Stecker aus ihren Anschlüssen, stürzte zum
Zähler. Er zählte unbeeindruckt weiter. Die Lichtgestalt
meines Vermieters tauchte vor meinem inneren Auge auf.
Er würde Rat wissen.
Ich ging zu ihm. Mit leidenschaftlicher Teilnahmslosigkeit
schaute er mich an. In solchen elegischen Situationen
misst er die Zeit an der Ewigkeit, ist mit einem sehr
langten Atem ausgestattet. Er blieb unbeeindruckt, überließ
mir die Initiative. Sein Nimbus bröckelte von neuem.
Aus dem Leben
Mein Vorsprechen bei diversen Beratungsstellen ließ
mich nicht heller in die Zukunft blicken. Service- Leistungen
sind nicht mehr an der Tagesordnung.
Die Welt ließ mich im Stich. Wochenlang saß ich vor
den Trümmern meines Selbstwertgefühls, musste mich jeden
Tag neu zusammensetzen, fühlte mich gedemütigt, verfolgt
und bedroht. Die typische Opferhaltung. Handeln hätte
ich müssen, um mich selbst zu erlösen, Anzeige erstatten.
Aber gegen wen? Ich wollte keine Eskalation. Nichts war
greifbar, ich spielte mit in einem Krimi, wie üblich, Ausgang
ungewiss. Magisch zog es mich immer wieder in den
Hausflur, wo die Zähler friedlich nebeneinander angeordnet
waren. Ich schaltete Sicherungen aus und wieder ein,
die letzte Runde drehte ich um Mitternacht bei Kerzenschein,
weil das Flur- und Außenlicht auch über meinen
Zähler lief. Ich las ab, verglich, hielt fest, immer in der
Hoffnung, irgendwo würde eine Kühltruhe auftauen. Keine
derartige Meldung ging bei mir ein. Das Setting entbehrte
nicht einer romantischen Komponente. Ich duschte
bei Kerzenbeleuchtung, wenn ich – wieder einmal – eine
mir verdächtige Sicherung ausgeschaltet hatte und ging im
Schimmer einer Kerze zu Bett. Bei meinen Experimenten
meinte ich, festgestellt zu haben, dass es eine Verbindung
von mir zur Warmwasseraufbereitung geben musste. Nur
ein Elektroinstallateur konnte Licht in diese Dunkelheit
bringen. Ich hatte im Vorfeld Kontakt aufgenommen, versuchte,
jedoch, diesen Gedanken meinem Vermieter
schmackhaft zu machen. Er setzt, grundsätzlich, auf
Freundschaftsdienste. Das bedeutet für den Betroffenen
lange Wartezeiten und hat immer auch den Ruch der Konspiration.
Ein dubioser, da mir nicht vorgestellter, Experte
muss vorgesprochen haben. Ihm fiel lediglich eine weitere
Unkorrektheit auf: Die Waschmaschinen im Arbeitsraum
steckten nicht in den jeweils dazugehörigen Anschlüssen.
Keine weiteren Auffälligkeiten. Ich erfuhr dies nur auf
Nachfrage. Die lapidare Begründung vonseiten des Vermieters:
Sie waren ja nicht da, Frau E. Sein indolentes Gebaren
lässt mich zu dem Schluss kommen, dass ich einer
optischen Täuschung erlegen sein muss und alles nur in
meiner Fantasie sich abspielt.
Ein von mir bestallter Elektriker betrat die Szene. Sein
Auftrag endete schon bei der Feststellung, dass mein Zähler
nicht mehr verplombt sei. Mein Vermieter legte ihm das
Handwerk. Er befürchtete eine horrende Rechnung, stellte
mir aber einen Bekannten vom RWE in Aussicht, allerdings
erst für Januar. Schon wieder eine irritierende Konstellation.
Er ließ mich am ausgestreckten Arm verhungern.
Tagein, tagaus führte ich meine leidenschaftlichen Monologe.
Es waren Hunderte an der Zahl. Es gab so viele Varianten,
die sich jeweils an der von mir visualisierten Reaktion
meines Antagonisten ausrichteten. Wenn du geredet
hättest, Desdemona … Meine Gedanken irrten vom rechten
Weg ab. Schmerzensgeld wäre doch das Mindeste, was
mir zustünde. Ich erstattete Anzeige beim RWE. War ich
ein Ungeheuer? Ich zog sie wieder zurück, ließ aber den
Zähler neu verplomben. Der junge Mann schaute sich etwas
gründlicher im Schaltkasten um und lieferte mir einen
entscheidenden Hinweis. Weiter gingen seine Befugnisse
nicht. Ich hatte nun einen Befund und konnte meinen Vermieter
kommen lassen. Aber er kam nicht. Zum Fest der
Liebe und zu Silvester keinen Gruß. Diese Geste hätte die
Bombe etwas entschärfen können. War ich im Irrtum befangen?
Handelte es sich nur um ein Kavaliersdelikt? ➤
durchblick 1/ 2007 35
Aus dem Leben
Oder zappelte er wie die Spinne im Netz, in der Hoffnung,
dieser Kelch möge an ihm vorübergehen? Ähnliche Konfrontationen
haben mir gezeigt, dass ich sein Verhalten
nicht ändern kann, ich muss meine Vorgehensweise optimieren.
Der Fehler liegt, sicherlich, bei einem der Elektriker, die die
Anlage installiert haben. Ich beklage nur seine Art des Umgangs
mit dieser peinlichen Affäre. In einem unspektakulären
Akt wurde die Anlage umgeklemmt. Erster Akt.
Vorhang zu!
Schon kurz nach meinem Einzug gab es eine Episode,
die Unheil hätte ahnen lassen sollen. Der Heizkörper in der
Küche spendete nicht die zu erwartende Wärme. Ich saß auf
meinem bequemen Sofa wie
auf einem zugigen Bahnsteig,
da auch die Fenster
nicht allzu dicht schlossen.
Einige Male sprach ich bei
ihm vor und drang nicht zu
ihm durch. Nach drei Monaten
stieg ich wieder einmal
die herrschaftliche Treppe empor, wie Orpheus aus der
Unterwelt kommend, sprich: aus der Einliegerwohnung. Er
hatte Besuch. Meine Bekannten hatten sich schon über die
Kälte beklagt. Sein süffisanter Kommentar: Ach Gott, Frau
E., dass tut mir aber fast schon leid.
Sein befreundeter RWEler entpuppte sich als der Mann
der Stunde (vielleicht hatte mein Vermieter ihn unterschätzt).
Es war die Solaranlage, Mitesser an meiner Strippe.
Die Fakten sind wahrheitsgemäß
eingeflossen. Dichterische Freiheiten
sind auch beim Erzählen erlaubt.
Das sind meine Empfindungen, es ist meine Wahrnehmung
des Spuks. Die Fakten sind wahrheitsgemäß eingeflossen.
Dichterische Freiheiten sind auch beim Erzählen
erlaubt. Der Blickwinkel
meines Vermieters? Er ist
der andere und wird es, daher,
anders erlebt haben.
Meine Wohnung ist mir
sehr nah und doch so fern.
Da ist sehr viel negative
Energie. Ich weiß um sein Talent, durch Zugewandtheit
Vertrauen wieder aufzubauen. Siegt am Ende die Bequemlichkeit?
„Es ist meiner Meinung nach ratsamer, eher vielen
Menschen zu trauen als ihnen zu misstrauen. Glauben
Sie jedem, und Sie können sich der wundervollen Illusion
hingeben, dass es das Leben gut mit Ihnen meint.“ Das sind
Worte von Roger Rosenblatt.
Erika Krumm
36 durchblick 1/ 2007
Gedächtnistraining
„Lache das Leben an, vielleicht lacht es wieder.“ Jean Paul
Versteckte Blumen
Bringen Sie die Buchstaben der Blüten jeweils in die richtige Reihenfolge.
Es ergeben sich dann die Blumennamen.
Klassische Komponisten
Das sind ihre großen Werke:
1. Slavische Tänze, 2. Eine kleine Nachtmusik, 3. Messias, 4. Liebestraum,
5. Bolero, 6. Ein deutsches Requiem, 7. Mondscheinsonate
Trainingsmaterial des BVGT e.V.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
D
H
L
R
B
M
B
Lösungswort: …………………………………………
Brückenwörter
1. April ..................................................Frage
2. April ..................................................Falter
3. April ..................................................Hahn
4. April ..................................................Mann
5. April ..................................................Duft
6. April ..................................................Haft
7. April ..................................................Schauer
8. April ..................................................Land
9. April ..................................................Papier
10. April ..................................................Haus
1. Stadt der Liebe
....................................................
2. Weltstadt mit Herz
....................................................
3. Die Ewige Stadt
....................................................
4. Das Tor zur Welt (in Deutschland)
....................................................
5. Die Goldene Stadt
....................................................
6. Die Edelsteinstadt
....................................................
7. Die graue Stadt am Meer
....................................................
8. Die Lagunenstadt
....................................................
9. Die Bankenstadt (in Deutschland)
....................................................
10. Die Grachtenstadt
....................................................
Städteraten
11. Elbflorenz
....................................................
12. Die Walzerstadt
....................................................
13. Die Mozartstadt
....................................................
14. Die Lederstadt
....................................................
15. Deutsche Weltstadt
....................................................
16. Deutsche Messestadt
....................................................
17. Europas nördlichste Stadt
....................................................
18. Die Spielzeugstadt
....................................................
19. Die Schmuck- und Goldstadt
....................................................
Redewendungen zum Thema Musik
Ergänzen Sie folgende Redewendungen:
1. Etwas tut höllisch weh. Die Englein …………………… hören.
2. Etwas ist bereits weit und breit bekannt.
Das …………………………………… von den Dächern.
3. Jemanden heftig ausschimpfen. Jemandem ……………… blasen.
4. Auf etwas Erwiderung bekommen. Auf ……………… …stoßen.
5. Die passende Ansprache wählen. Den ………………… finden.
6. Jemandem mit einem Instrument die Meinung sagen.
Eine ……………………… halten.
7. Sich in den Mittelpunkt setzen. Immer ……………… spielen wollen.
8. In regelmäßigen Abständen Kinder haben.
Kinder wie die …………………… haben.
9. Unfrieden stiften. .…………………… erzeugen.
10. Sich an gesellschaftliche Spielregeln halten.
Das gehört zum ……………………… .
11. Jemanden für etwas gewinnen wollen.
Die …………………… rühren.
12. Verschiedene Dinge zusammenführen.
Etwas in …………………… bringen.
13. Etwas völlig verpatzen. Etwas …………………… .
14. Etwas flüchtig erwähnen. Etwas …………………… lassen.
15. Friedlich beisammen sein. In …………………… leben.
16. Alle Möglichkeiten ausschöpfen. Alle ………………… ziehen.
17. Die große Liebe. Der Himmel …………………… .
18. Jemandem zeigen, wo es langgeht. Die ……………… beibringen.
19. Viel Wirbel um etwas machen. Auf …………………… hauen.
20. Jemandem auf das Richtige ansprechen.
Die …………………… zum Klingen bringen.
durchblick 1/ 2007 37
Kultur
Am Ende ein Anfang
Barbara Bronnen
„Ich bin froh, dass ich endlich alt genug bin, um das
zu erleben.“
Das Glück der späten Liebe oder Liebe im Alter: Dieses
bislang ebenso heikle wie verschwiegene Tabuthema
wird in unserer älter werdenden Gesellschaft immer aktueller.
Filme wie „Elsa und Fred“ (Spanien/Argentinien
2005) oder „Mathilde liebt“ (ARD 2006) zeigen, wie sehr
dieses Thema den Nerv der Zeit trifft.
Lässt sich im Alter noch die Liebe leben? Im Mittelpunkt
des Romans „Am Ende ein Anfang“ von Barbara
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Bronnen stehen zwei Menschen, die vor über 30 Jahren ein
Liebespaar waren: Charlotte, die erfolgreiche Fotografin,
und Johannes, der charmante Verlagsleiter. Nun sind sie
um die siebzig und sehen sich zufällig für wenige Minuten
auf dem Hauptbahnhof Hannover wieder. Dann fährt
sie weiter nach München, er nach Hamburg. Sie ist inzwischen
Witwe und er von seiner jungen Freundin verlassen
worden.
Voller Erwartung beginnt Johannes, Charlotte zu schreiben,
zögernd-abwartend antwortet sie. Tastende Versuche,
zwischen dem Gestern und Heute Brücken zu schlagen, Bilder
wachzurufen, von ihrer Liebe, ihren Nächten, und die
wachsende Hoffnung, aus der alten Liebe eine neue entstehen
zu lassen. Da aber taucht seine ehemalige Freundin auf …
„Am Ende ein Anfang“ ist das kühne, kluge Buch einer
erfahrenen Autorin zu einem heiklen Thema in unserer älter
werdenden Gesellschaft: spannend und erotisch, komisch
und traurig – ein Roman, der Mut macht.
Ein mutiges, kühnes und kluges Buch – unprätentiös
und sensibel erzählt, spannend, erotisch, komisch und ehrlich.
Barbara Bronnen, geb. 1938 in Berlin als Tochter des
umstrittenen Schriftstellers Arnold Bronnen und der Journalistin
Hildegard von Lossow. Kindheit in Bad Goisern
und Linz, Studium der Germanistik und Philosophie in
München. Promotion über Hermanovsky-Orlando, ab Mitte
der 1970er-Jahre freie Schriftstellerin und Journalistin.
Lebt in München.
Am Ende ein Anfang, Roman, 176 Seiten, 18 Euro,
ISBN 3-7160-2359-0, Arche-Verlag Zürich-Hamburg.
Pfingsten zu KulturPur 2007
Vom 24.–28. Mai nun schon zum 17. Mal internationale Produktionen in der Zeltstadt auf dem Giller
Über 55.000 begeisterte Besucher zählte das letztjährige
internationale Musik- und Theaterfestival KulturPur.
Die stetig wachsende Beliebtheit verdankt es sicherlich seinem
familiärem Charme, der idyllischen Lage und der imposanten
Kulisse der Zelttheaterstadt. Wo sich sonst Fuchs
und Hase „Gute Nacht“ sagen, begeisterten bisher u. a.
Juliette Gréco, Gilbert Bécaud oder Milva das Publikum
des größten naturnahen Festivals in Deutschland.
Dank der bewährten Mischung aus Kreativität, Star-Akzenten
und Risikobereitschaft kann auch das diesjährige
Festival mit einem hochkarätigen und abwechslungsreichen
Programm aufwarten. Das Nachmittagsprogramm mit
Artistik, Theater und Mitmachaktionen spricht vor allem
Familien an, während die Abendprogramme mit hochkarätigen
Stars und aufwendigen Bühnenproduktionen alle
Altersgruppen in die Zelte locken.
Das meist kostenlose Rahmen- und Tagesprogramm lädt
dazu ein, die Atmosphäre entspannt zu genießen. Nachtschwärmer
können sich nach Einbruch der Dunkelheit am
imposanten Anblick des Lichtermeeres erfreuen. KulturPur
ist jeden Tag mit einer im Vorverkauf erworbenen Eintrittskarte
über kostenlose Bus- und Bahnverbindungen erreichbar.
Auch nach den Spätveranstaltungen stehen noch
Shuttlebusse zur Verfügung.
Infos gibt es ab dem 22. März im Internet unter
www.siwikultur.de oder unter Info-Nummer 02 71/3 33-24 40.
38 durchblick 1/ 2007
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durchblick 1/ 2007 39
Gesellschaft
Diskriminierung blockiert
Eine im Januar 2007 ausgestrahlte und vom ZDF mit
großem Aufwand erstellte dreiteilige „Doku-Fiction“ verbreitete
ein Bild des Alters, das ältere Menschen stigmatisierte
und die Bürger durch Horrorszenarien verunsicherte.
Das hat bei vielen Älteren, aber auch bei jungen
Menschen Zukunftsängste geschürt. Diese werden geradezu
animiert, auszuwandern und – wenn überhaupt – anderswo
ihre Kinder aufzuziehen.
Insgesamt wird mit dem Film ein Altersbild vermittelt,
das weder heute noch morgen zutrifft. Daher ist der Film
kontraproduktiv und vermittelt außerdem den Eindruck,
dass es sich hier auch um eine interessengeleitete Kampagne
handelt. Es ist fragwürdig, wenn durch Fernsehbeiträge
zur besten Sendezeit die private Vorsorge als einzige
Alternative für die Bürger angeboten wird.
Der Film verschweigt, dass ältere Menschen weniger
ein Kostenfaktor sind, sondern vor allem Gewinn und Stütze
für unsere Gesellschaft. Sie betreuen Enkelkinder, pflegen
gleichaltrige oder noch ältere Angehörige, unterstützen
Nachbarn und engagieren sich ehrenamtlich. Seit Jahren
schon nimmt die Engagementbereitschaft bei den Älteren
weiter zu und liegt nach aktuellen Untersuchungen mit 36 %
an der Spitze. Ein diskriminierendes Zerrbild kann diese
Bereitschaft und außerdem die Konsumbereitschaft älterer
Menschen nur blockieren.
Trotz aller Einwände hat der Film jedoch auch einen positiven
Effekt: Die Öffentlichkeit wird mit den drohenden
Auswirkungen des demografischen Wandels konfrontiert,
denen energisch entgegenzuwirken ist: Altersarmut, finanzieller
Kollaps des Gesundheitswesens sowie robotergesteuerte
„Pflege-Batterien“ und 4-Liter-Windeln statt menschenwürdiger
Pflege. Damit weist der Film eindringlich
darauf hin, dass endlich gehandelt werden muss, um solche
Entwicklungen zu verhindern.
Was getan werden muss, ist schon lange bekannt:
• Ausgewogene Lastenverteilung zwischen Alten und
Jungen
• Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
• Präventive Maßnahmen zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit
• Anpassung des Wohnumfeldes an die Bedürfnisse
Älterer.
Ältere Menschen sollten sich jedoch auch individuell
gegen negative Altersvorstellungen wehren. Diese zeigen
sich häufig in Form der Unteranpassung oder Selbstdiskriminierung:
• Ältere Menschen vermeiden im Gespräch mit Jüngeren
gezielt bestimmte Themen.
• Wenn sich der Ältere überfordert fühlt, verweist er auf
gesundheitliche Probleme etc.
• Ältere Menschen passen ihr Gesprächsverhalten den vermuteten
Erwartungen an, die man mit Älteren verbindet.
Dieses Verhalten führt zu selbstverschuldeter Unmündigkeit.
Wer sich selbst abwertet, blockiert seine Denkfähigkeit
schon im frühen Alter. Erich Kerkhoff
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Pfingsten 2007
24. bis 28. Mai
Internationales Musikund
Theaterfestival
auf dem Giller bei
Hilchenbach-Lützel
Veranstalter: Kreis Siegen-Wittgenstein / Städte Siegen und Hilchenbach / Gebr.-Busch-Kreis / IG Metall Siegen
40 durchblick 1/ 2007
Leserbriefe
durchblick 3-2006
… es wurde festgestellt, dass es einen privatärztlichen
Notdienst nur für Reiche gibt! …
Was Sie mit dieser Polemik bezwecken wollen, dürfte
wohl jeder Frau und jedem Mann klar sein. Ich jedenfalls
gehöre nicht zu den von Ihnen genannten „Reichen“, bin
aber dankbar und zufrieden darüber, zu wissen, dass es
einen solchen privatärztlichen Notdienst gibt. Aus eigener
Erfahrung mit diesem Dienst kann ich nur jedem dazu
raten, anstelle des normalen Notdienstes, welcher bekanntlich
nahe dem Kreisklinikum Siegen, Haus Siegen,
angesiedelt ist, den privatärztlichen Notdienst mit der Freudenberger
Ruf-Nr. anzurufen. Denn dort bekommt Frau und
auch Mann durch kompetente Fachärzte ausgezeichnete
Hilfe (in der eigenen Wohnung – oder wo auch immer) und
es entfällt die in Notfällen oftmals nicht mögliche Hin- und
Rückfahrt nach Siegen, wo evtl. nur ein Rezept ausgestellt
wird mit dem Hinweis, am nächsten normalen Werktag
doch den Hausarzt aufzusuchen.
Danke nochmals an den privatärztlichen Notdienst mit
der Freudenberger Ruf-Nr. für schnelle und ausgezeichnete
Hilfe durch die diensthabende Ärztin, welche sich sehr
um mich bemühte. Gerne habe ich den zu entrichtenden Betrag
bezahlt – denn es wurde mir ausgezeichnet geholfen.
Vielleicht sollte manche Frau oder mancher Mann etwas
weniger in Kosmetika oder extravagante Kleidung investieren,
dann können auch sie sich im Notfall den Notdienst
für „Reiche“ leisten.
Viele Grüße und ein hoffentlich notarztfreies Wochenende
wünscht Ihnen
R. Nerlich
Mit Freude nehme ich zur Kenntnis, dass zur Belebung
der Oberstadt nun ein Oldtimer-Bus eingesetzt wird. Als
eifriger „durchblick“-Leser fällt mir natürlich auf, dass vor
drei Jahren in Ihrem Heft 4-2004 ein genau solcher Vorschlag
gemacht wurde. Leider wird das nirgendwo erwähnt!
Ursula Moll, Siegen
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Der „durchblick“ bietet eine ausgewählte Palette Lesestoff
für interessierte Menschen. Eine besondere Bereicherung
für mich sind die Beiträge über Philosophie und Ethik
von Herrn Eberhard Freundt, seine Gedanken zu Frieden
und Toleranz.
Helga Sperling, Netphen
Maiengruß
Kommt, lasst uns den Mai begrüßen,
diesen lustigen Gesell,
er will’s Leben uns versüßen,
macht den Himmel wieder hell.
Gibt den Bäumen ihre Krone,
lässt die Vögel Nester bau’n,
unterm Heck die Veilchen wohnen,
lässt uns grüne Wiesen schau’n.
Dicke Dolden trägt der Flieder
und verstreut den süßen Duft,
alle Stauden sprießen wieder
in der milden Maienluft.
Osterglocken und Narzissen,
Primeln, Tulpen, Maiengrün,
Polsterblumen und Blaukissen
richtig beieinander stehen.
Knospen trägt die stolze Rose,
Du kannst gar nicht widerstehn,
immer wieder ihre Pose
voller Ehrfurcht anzusehn.
Tisch und Stühle stehn im Garten
und sie laden freundlich ein,
nein – brauchst nicht mehr lang zu warten,
lade Freunde Dir zum Wein.
Oder auch zu einer Bowle,
die im Mai besonders gut,
dass sich auch Dein Herz erhole,
dazu macht der Mai Dir Mut.
Lass Dich von den Augen führen
über Berg und Tal im Mai,
glaub mir, Freund, Du wirst es spüren,
Wonnemonat macht Dich frei.
Denk nicht mehr an dunkle Tage,
schau, wie die Natur sich schmückt.
Wirf jetzt von Dir alle Plage,
sei – genau wie er – beglückt.
Inge Göbel
durchblick 1/ 2007 41
Unterhaltung/Impressum
Kopfzeile
Uns fiel auf …
… dass alte Menschen von Banken diskriminiert werden
Trotz anderslautender Beteuerungen der Geldinstitute lehnen
diese Kredite bei älteren Menschen teilweise schon ab
55 Jahren ab. Banken, die sich anders verhalten, müsse man
„wie die Stecknadel im Heuhaufen“ suchen, sagt Hanne
Schweitzer vom Büro gegen Altersdiskriminierung in Köln.
… dass es bald Pflaster gegen Alzheimer geben soll
Ein Forschungsteam aus den USA und Japan schließt aus
den Versuchen an Mäusen eine Impfung über die Haut zur
Vorbeugung oder auch Behandlung von Alzheimer nicht
aus. Allerdings gibt es bisher bei Menschen bei solcher Behandlung
noch starke Nebenwirkungen.
… dass Senioren sich mit Eisenstangen prügelten
In Hannover schlugen sich zwei 83- und 80-jährige Senioren
wegen eines unbegründeten Diebstahlverdachts krankenhausreif.
Wo war hier die sprichwörtliche Altersweisheit geblieben?
… dass zwei Senioren die reichsten Deutschen sind
Die Gründer des Lebensmittelkonzerns Aldi, Karl (86) und
Theo (84) Albrecht, sind auch in diesem Jahr die reichsten
Deutschen. Was macht man in diesem Alter mit einem Vermögen
von 16 Mrd. Euro?
Lösungen von Seite 37 Gedächtnistraining
Versteckte Blumen: (von rechts nach links) Nelke, Tulpe, Rose, Veilchen,
Malve, Iris, Aster, Lilie, Goldlack, Phlox, Anemone, Erika.
Städteraten: 1. Paris, 2. München, 3. Rom, 4. Hamburg, 5. Prag, 6. Idar
Oberstein, 7. Husum, 8. Venedig, 9. Frankfurt, 10. Amsterdam, 11. Dresden,
12. Wien, 13. Salzburg, 14. Offenbach, 15. Berlin, 16. Leipzig,
17. Hammerfest, 18. Nürnberg, 19. Pforzheim. Klassische Komponisten:
1. Dvořák, 2. Mozart, 3. Händel, 4. Liszt, 5. Ravel, 6. Brahms,
7. Beethoven, Lösungswort: Konzert. Brückenwörter: 1. Scherz,
2. Nacht, 3. Wetter, 4. Schauer, 5. Morgen, 6. Launen, 7. Regen, 8. Abend,
9. Thesen, 10. Narren. Redewendungen zum Thema Musik: 1. Die
Englein im Himmel singen hören, 2. Das Pfeifen die Spatzen von den
Dächern, 3. Jemandem den Marsch blasen, 4. Auf Resonanz stoßen,
5. Den richtigen Ton finden, 6. Eine Standpauke halten, 7. Immer die
erste Geige spielen wollen, 8. Kinder wie die Orgelpfeifen haben,
9. Misstöne erzeugen, 10. Das gehört zum guten Ton, 11. Die Werbetrommel
rühren, 12. Etwas in Einklang bringen, 13. Etwas vergeigen,
14. Etwas anklingen lassen, 15. In Harmonie leben, 16. Alle Register
ziehen, 17. Der Himmel hängt voller Geigen, 18. Die Flötentöne beibringen,
19. Auf die Pauke hauen, 20. Die richtige Saite zum Klingen bringen.
Zu guter Letzt …
… hat sich einer unserer Kollegen für Sonntag 8.30 Uhr den
Wecker gestellt, um pünktlich um 10 Uhr Fernsehen zu
schauen. Das ZDF hatte einen Film über die Aktivitäten des
befreundeten Vereins ALTERAktiv gedreht, der mit seinem
Internetcafé gemeinsam mit uns und anderen Gruppen das
Haus Herbstzeitlos belegt. Punkt 10 Uhr flimmerte aus der
Röhre der erste Beitrag über Kumpel aus dem Ruhrpott. Es
folgten weitere. Gegen 10.30 Uhr holte er seine vergessene
Brille aus dem oben liegenden Schlafzimmer, weil seine
Augen danach verlangten. Zurückgekommen, staunte er
nicht schlecht. Die Sendung war vorbei. Kein Bild, kein
Ton, kein Wort von ALTERAktiv. Beim genauen Betrachten
des Bildschirms stellte der Kollege dann fest, dass er den
Sender SWF eingeschaltet hatte und nicht das erwartete ZDF.
durchblick
Herausgeber:
durchblick-siegen Information und Medien e.V., im Auftrag der
Stadt Siegen – Seniorenbüro
Anschrift der Redaktion:
„Haus Herbstzeitlos“ · Marienborner Straße 151 · 57074 Siegen
Telefon + Fax: 02 71/ 6 16 47 · Mobil: 01 71/ 6 20 64 13
E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de
Internet: www.durchblick-siegen.de
Öffnungszeiten:
dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 12.30 Uhr
dienstags auch von 15.00 bis 18.00 Uhr
Redaktion:
Maria Anspach; Friedhelm Eickhoff (verantw.); Eberhard Freundt;
Dieter Gerst; Inge Göbel; Gerda Greis; Dorothea Istock; Erich Kerkhoff;
Erika Krumm; Horst Mahle
An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:
Barbara Kerkhoff; Thomas Benauer; Toni Diehl; Helga Siebel-
Achenbach; Sabine Völkel; Andreas Schmidt; Edith Maria Bürger;
Dr. Ursula Glagau-Gloor; Pilar Mesa Navarro
Fotos/Zeichnungen/Grafik (soweit nicht im Bild angegeben):
SATURN, M. Anspach, D. Istock, E. Freund, F. Fischer, T. Benauer,
E. Kerkhoff, Astrid E. Schneider, F. Eickhoff, D. Gerst, Sabine Völkel,
Manfred Hübscher, Kulturbüro, Friedhelm Weyand, Ulf Engelmann,
Horst Mahle, Dieter Wardenbach
Gestaltung: C. Petri
Gesamtherstellung:
Vorländer · Obergraben 39 · 57072 Siegen
Verteilung:
Helga Siebel-Achenbach Ltg., alle Redakteure, Ellen Schumacher,
Fred Schumacher, Hannelore Münch, Fritz Fischer, Paul Jochem, Elisabeth
Flöttmann, Helga Sperling, Hermann Wilhelm, Dieter Wardenbach,
Karl-Wilhelm Steinmetz, Ingrid Drabe
Erscheinungsweise:
März, Juni, September, Dezember
Auflage:
8 200. Der durchblick liegt kostenlos bei den Sparkassen, Apotheken,
Arztpraxen, den Zeitungsverlagen der City-Galerie, in Geschäften
des Siegerlandzentrums und in öffentlichen Gebäuden aus. Für die
Postzustellung berechnen wir für vier Ausgaben jährlich 8 Euro.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die
Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte
Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte Beiträge
werden nicht zurückgeschickt. Für unsere Anzeigenkunden gilt die
Preisliste 6/2004.
42 durchblick 1/ 2007
Der Leistungsverbund im Handwerk
®
für's Leben
informiert:
Wer jetzt reagiert, kann Förderungen
für barrierefreie Umbaumaßnahmen nutzen
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Unterstützung nicht nur im akuten Bedarfsfall
Weitläufig bekannt ist sicher, dass Pflegebedürftige,
Menschen mit Behinderungen und ab 60 Jahren Finanzmittel
bei diversen Stellen und Behörden beantragen können.
Neu ist jetzt, dass entgegen der bisher gewährten Geldern
• die Einhaltung von Einkommensgrenzen
• die Erforderlichkeit eines Schwerbehindertenausweises sowie
• der Nachweis der Pflegebedürftigkeit entfallen.
Die KfW hält für solche Umbauten zinsgünstige Finanzierungen
(0,5 %) bereit. Die Zuteilung erfolgt sogar größten teils ohne
Grundbucheintragung.
Der Topf für diese Art der Förderung ist auf eine bestimmte
Summe begrenzt und wird von Fall zu Fall nach Eingang
geprüft. Melden Sie sich daher rechtzeitig, wenn Sie
barrierefreie Umbaumaßnahmen planen. Wir unterstützen Sie
bei der Beantragung und den erforderlichen Behördengängen.
Als zertifizierte Meisterbetriebe für barrierefreies Bauen und
Wohnen garantieren wir eine qualifizierte und korrekte
Planung und Durchführung Ihrer Baumaßnahmen.
Fördermittel stehen ebenfalls für die Nutzung erneuerbarer
Energien, sowie für Maßnahmen zur Wärmedämmung bereit.
Auch hier stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
Ihre BAVITA-Partner:
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