München-Mini: Bier

volkagentur

Historische Biertour durch München
Astrid Assèl und Christian Huber führen in ihrer historischen Biertour zu allen bedeutenden Stationen der Brauhistorie in der Münchner Altstadt. Mit zahlreichen Abbildungen, Tourplan und MVG-Plan.

traße Augustiner Straße Löwengrube Frauenplatz Filserbräugasse Weinstraße Landsc

F

Die Starkbierprobe

Prüfung der Bierqualität im 15./16. Jh.:

2 bis 3 Männer setzten sich auf eine Bank,

auf der frisch gezapftes Bier verteilt wurde.

Standen die Männer nach 2 Stunden

gleichzeitig auf, musste die Bank an den

Lederhosen kleben bleiben, damit das

Bier den Test überstand.

vestiert wurde. Durch das starke Bevölkerungswachstum

stieg aber zugleich

der Bedarf, so dass wieder vermehrt

schwarz zu Hause gebraut wurde. Dies

veranlasste Herzog Stefan II. zu einer

grundlegenden Braureform 1372, die für

über 400 Jahre gültig blieb: von nun an

durfte jeder, »den es gelüstet«, brauen,

wenn er sich zuvor für 6 Gulden das hierzu

nötige Lehen vom Herzog eingeholt

hatte. Zusätzlich mussten alle Brauer

zusammen weiterhin die 50 Gulden jährlich

abführen.

Die neue Brauergeneration bestand anfangs

aus Berufswechslern, zunehmend

aber auch aus »Aufsteigern«, also gelernten

Bräuknechten, die sich als

»Prew« (»Bräu«) selbstständig machten.

Dadurch wurde das Brauwesen professionalisiert,

und nach anfänglich nur zögerlicher

Vermehrung der Braustätten

kam es im 15. und 16. Jahrhundert zu

einem wahren Gründungsboom: im Jahre

1600 brauten 74 bürgerliche Bräus,

zusammen mit den sechs Klosterbrauereien

gab es also 80 Brauereien für etwa

20.000 Einwohner.

Als älteste Brauerei aus dieser

Zeit wurde 1397 von

Hans Welser etwa 20 m

weiter in der Neuhauser

Straße 4 die 7

Oberspatenbrauerei

gegründet, Vorläuferin

des heutigen

D Spatenbräu. Nach-

dem sich diese Brauerei

im 19. Jahrhundert unter den

herausragenden Brauern Gabriel mayr dem Älteren und dem

Sedl-

Jüngeren

Gründung der

Brauerei

1397

zunehmend vergrößerte, erfolgte die

Verlagerung der Produktionsstätten vor

die Stadt an die Marsstraße. Dort wird

auch heute noch das Spatenbier gebraut.

Wenn wir nun die Augustiner Straße entlanggehen,

die mit ihrem Bogen dem

Verlauf der ursprünglichen ersten Stadtmauer

folgt, gelangen wir an ihrem Ende

zur ehemaligen Löwengrube 17. Während

der »Gründungswelle« von Brauereien

wurde relativ spät 1524 von Jörg

Schnaitter an dieser vergleichsweise

abgelegenen Stelle die 8 E Löwenbrauerei

gegründet. Ein Fresko an der

Fassade, das »Gabriel in der Löwengrube«

darstellte, gab der Straße den ungewöhnlichen

Namen. In späteren Jahren

waren in die Fassade der Brauerei zwei

steinerne Löwen-Reliefs eingelassen

worden.

Anders als oftmals gedacht wurden zumindest

Brauereien selten über die Söhne,

sondern meist über die weibliche

Linie vererbt. Die Brauerstöchter oder

-witwen heirateten einen gelernten

Brauer, die Braustätte verblieb aber im

weiblichen Besitz. Im 18. Jahrhundert

wurden sogar bis zu 20 % der Brauereien

von alleinstehenden Frauen geleitet. Zu

diesen gehörte Maria Theresia Gegin, die

der Brauerei den unschlagbaren Markennamen

Löwenbräu verlieh und sie

über 20 Jahre lang leitete.

Auch die Löwenbrauerei expandierte

unter den Brauern Georg und Ludwig

Brey immer mehr und wurde schließlich

unangefochtene Nummer 1 unter den

Münchner Brauereien. Sie verlagerte

Gründung der

1851 ihren

Brauerei

1524

Braubetrieb

aus Platzgründen

aus der Innenstadt

an die Nymphengroßen

burger Straße, wo man heute noch die

kupfernen Sudpfannen sehen

kann.

Von der Löwengrube aus steigen wir nun

zur Nordseite der Frauenkirche hinauf.

Über den Grund des ehemaligen Friedhofes

gelangen wir auf der Rückseite der

monumentalen spätgotischen Kirche zur

Filserbräugasse. Ihren Namen bezieht

diese Gasse von der 9 Fil ser brauerei,

die 1484 gegründet wurde. Diese Brauerei

befand sich an der Ecke zur Weinstraße,

deren Name auf den 10 Wein markt

hinweist, der hier früher stattfand. Auch

wenn man immer wieder lesen kann,

dass auch in München bis 1600 wesentlich

mehr Wein als Bier getrunken worden

sei, so entbehrt dies doch jeder

Grundlage. In München war das Bier immer

das wichtigere Alltagsgetränk, der

Wein dagegen vor allem für festliche Gelegenheiten

reserviert. In nahezu allen

Geschäften dieser Straße waren Weinhandlungen,

während die auswärtigen

Händler auf offenem Platz verkaufen

mussten. Der nicht verkaufte Wein wurde

Münchner Bockkeller am Platzl, 1829. Hier wurde das im

benachbarten Hofbräuhaus gebraute Bockbier ausgeschenkt.

jeden Abend in den städtischen Weinstadel

gebracht.

Wenn wir über die Landschaftsstraße

hinter dem Rathausblock weitergehen

bis zur Dienerstraße, gelangen wir nach

einer kurzen Wendung nach rechts über

den Hintereingang in den Hof eben dieses

ehemaligen Weinstadels, der bis zur

Burgstraße reichte. Heute wird in dem

Gebäude die Gastwirtschaft 11 »Hofer

– der Stadtwirt« betrieben. Hier kann

während einer ersten Verschnauf- und

Bierpause eines der ältesten Münchner

Stadthäuser mit gotischem Innenhof,

Spindeltreppe und einer »Himmelsleiter«

(eine schmale Treppe, die neben

dem Haupteingang in einem Zug vom

Erdgeschoss bis in den Speicher des

Hauses führt) bewundert werden. Der

Aufbau des Hauses entspricht dem typischen

Stil der damaligen Handwerksbetriebe

und auch der Brauereien, die vom

Vordergebäude bis zur nächsten Parallelstraße

reichten und einen Innenhof

hatten. Wenn Sie die Gaststätte über den

Haupteingang in der Burgstraße verlassen,

sehen Sie die prachtvolle, kürzlich

sanierte Renaissancefassade des Hauses.

Anschließend führt unser Weg weiter zum

Alten Hof, wobei wir direkt gegenüber

G

1363

Erster nachweisbarer

Bräustadel, an der

inneren Stadtmauer

gelegen.

07.08.1372

Eine Krise des Patrizierbrauens

sorgt für einen

Engpass in der Bierversorgung.

Folge: Eine

Reform der Brauverfassung

durch Herzog

Stefan II.: Jeder, »den

es gelüstet«, darf nun

gegen eine jährliche

Abgabe brauen.

1397

Gründung des (Ober-)

Spatenbräu durch Hans

Welser.

1309

»Das schlägt dem Fass

den Boden aus«: Schlechtes

Bier wird öffentlich

durch Zerschlagung der

Fässer vernichtet.

30.11.1487

Münchner Reinheitsgebot

unter Herzog

Albrecht IV. (»dem

Weisen«).

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