München-Mini: Wiesn

volkagentur

München-Mini: Wiesn
Ein historischer Rundgang über das Oktoberfest
Die erfahrenen München-Führer und Bier-Insider Rudolf Hartbrunner und Heinrich Ortner begleiten Sie auf einem Rundgang durch die historische Wiesn. Mit zahlreichen Abbildungen, Tourplan und MVG-Plan

Löwenbräu-Festhalle

5.700 Plätze im Zelt und 2.800 Plätze im Garten; Gesamt: 8.500 Plätze

Seit: 1910 Bier: Löwenbräu Oktoberfestbier

Musik: Bert Hansmaiers »Heldensteiner«

Kontakt: 089-47 76 77; festzelt@unionsbraeu.de

»L

ööööööwenbräu« erschallt es

schon von Weitem über die

Wiesn. Der 4,5 Meter hohe Löwe über

dem Eingang preist unermüdlich den

Gerstensaft seiner Festhalle. Sobald das

Zelt im Rohbau steht, bezieht auch er

seinen Posten. Ihm folgt das weithin

sichtbare Wahrzeichen der Festhalle,

der 37 Meter hohe Löwenbräu-Turm, auf

welchem ein weiterer beweglicher Löwe

über das Oktoberfest wacht. Klar, dass

sich die »Münchner Löwen«, die Fans

des TSV 1860 München, hier am wohlsten

fühlen.

Nachdem mehrere originelle Ideen

für die Zeltfassade durchprobiert

worden waren, hatte in den 1950er

Jahren der damalige Brauereidirektor

den findigen Einfall, den brüllenden

Löwen zu installieren. Die Wirtskonkurrenz

indes versuchte sich

quer zu stellen und konnte für das

Jahr 1952 sogar ein Schweigegebot

erzwingen. Die Münchner Bevölkerung

protestierte, dem Löwen wurde

der provokant umgebundene

Maulkorb ein Jahr später wieder abgenommen.

2005 kam dem damaligen

Wiesnwirtesprecher und Wirt

der Löwenbräu-Festhalle Wiggerl

Hagn die Idee zur Einführung eines

Masskrugs aus Plastik und stieß

auf breite Ablehnung. Seine Argumente

waren jedoch nicht ohne:

Im Schnitt gehen pro Wiesnzelt

10


jährlich etwa zwanzig Tonnen Masskrüge

zu Bruch. Zudem kommen pro Jahr

und Zelt bei rund fünfzig Schlägereien

Masskrüge zum Einsatz. Auch die weiblichen

Bedienungen der Zelte würden be

einer Gewichtsreduzierung der Krüge

um 800g pro Stück wohl kaum protestieren:

Ein voller Glaskrug wiegt immerhin

etwa 2,2kg. Bis zu 14 Stück gleichzeitig

tragen sie durch die Reihen. Hagn lenkte

letztlich aber ein: »Ich hab nur mal drüber

nachgedacht.«

Nach einem Jahr erzwungener Schonung

der Stimmbänder durfte der Löwe ab 1953

wieder aus voller Inbrunst brüllen. Davon zeugt

auch der Löwenbräu-Kalender von 1954.

1906

Ein Kellnerinnen-Streik

bedroht die Durchführung

des Oktoberfests.

Forderung: Zwei Mark

Tageslohn.

1908

sorgt die erste Achterbahn,

eine sogenannte

»Figur-8-Bahn«, für

einiges Aufsehen.

1913

Die Wiesn steht zum

letzten Mal unter der

Schirmherrschaft eines

bayerischen Monarchen.

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