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AEVON - GesundPlus Magazin, Themenschwerpunktschwindel

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Patientenmagazin des AEVON Ärzteverbundes Oberpfalz Nord

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Foto © atira - Fotolia.com Das Gefühl "Alles dreht sich" kennt wohl jeder. Nicht nur im Karussell. Schwindel – das Karussell im Kopf Dr. Franz Sollfrank, Hausarzt, Vohenstrauß Schwindel (mediz.: Vertigo) überkommt einen oft plötzlich: Die Welt scheint sich zu drehen, der Boden schwankt oder es wird einem schwarz vor den Augen. Auch das das Gefühl, in einem Lift zu fahren, kann auftreten. Fast jeder Dritte erlebt in seinem Leben einen mittleren bis schweren Schwindelanfall, schätzen Experten. Im Alter nimmt die Häufigkeit zu. Die Gleichgewichtsstörungen sind meist vorübergehend, einige Menschen leiden jedoch unter Dauerschwindel. Oft stecken ungefährliche Ursachen hinter den Anfällen, die sich durch einfache Übungen behandeln lassen, es gibt aber auch verschiedene Krankheiten, die uns schwindelig werden lassen. Als Begleitsymptome treten häufig Übelkeit, Ohrensausen und/oder Benommenheit. Einige Betroffene schwitzen, werden blass oder verlieren sogar das Bewusstsein. Das Gleichgewichtssystem Verschiedene Arten des Schwindels »» plötzlich auftretender Drehschwindel für wenige Sekunden oder Minuten »» anhaltender Drehschwindel über Stunden oder Tage mit Fallneigung mit Übelkeit und Erbrechen »» Lagerungsschwindel durch Neigen des Kopfes »» Schwankschwindel mit Gang- und Standunsicherheit und Fallneigung »» Schwindel bei Reisekrankheit oder bei Höhenangst unser Gehirn (unterstützt von den Augen) und Rezeptoren in Muskeln, Sehnen, Gelenken und Haut. Vestibulärer Schwindel Liegt eine Störung des Vestibularisapparates oder spezieller Hirnbereiche vor, spricht man von (peripher- oder zentral-) vestibulärem Schwindel. Beispiele hierfür sind: Das Zusammenspiel von drei Bereichen in unserem Körper ist verantwortlich für Gleichgewicht und die räumliche Orientierung: Der Vestibularisapparat im Innenohr, • Gutartiger paroxysmaler Lagerungsschwindel • Neuritis vestibularis: Entzündung des Gleichgewichtsnervs 4 | GesundPlus Magazin

Schwindel – das Karussell im Kopf • Vestibularisparoxysmie • Morbus Menière • vestibuläre Migräne • Schlaganfall / Entzündungen mit Kleinhirnbeteiligung • Tumor des Hör- und Gleichgewichtsnervs (Akustikusneurinom) • Felsenbeinfraktur mit Ausfall des Gleichgewichtsorgans • Vestibuläre Epilepsie • Reisekrankheit (Kinetose): Reizüberflutung durch ungewohnte Bewegungen wie kurvenreiches Auto- oder Busfahren, Luftturbulenzen im Flugzeug sowie durch Wellengang auf See Nicht-vestibulärer Schwindel Aber auch eine Vielzahl von anderen Erkrankungen kann das Symptom Schwindel (nicht-vestibulär) erzeugen , z.B.: • Niedriger oder hoher Blutdruck • Blutarmut (Anämie) • Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche • Lungenembolie • Niedriger Blutzuckerspiegel (Unterzucker) • Verengung der hirnversorgenden Gefäße (Arteriosklerose) • Medikamentennebenwirkungen • Alkohol und Drogen • Sehstörungen /schlecht eingestellte oder ungewohnte Brille • Psychisch verursachter Schwindel ohne körperliche Ursache (z.B. phobischer Schwankschwindel, relativ häufig!). Hierbei fühlen sich die Patienten seelisch gesund und eine Vielzahl von Fachärzten wird aufgesucht, ohne dass eine körperliche Ursache festgestellt werden kann • Ob Krankheiten im Bereich der Halswirbelsäule Schwindel auslösen können, wird kontrovers diskutiert, häufig werden jedoch andere Ursachen gefunden. Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden? Grundsätzlich liegt zwar bei Schwindelsymptomen häufig eine harmlose Ursache vor, jedoch wird der Schwindel oft als sehr störend und bedrohlich empfunden. Es empfiehlt sich deshalb, soweit nicht bereits eine frühere Abklärung stattgefunden hat, einen Arzt aufzusuchen, insbesondere wenn • Schwindel ohne äußere Ursache, der heftig, plötzlich oder wiederkehrend auftritt • Bestimmte Kopfbewegungen immer zum Schwindelgefühl führen • Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Ohrensausen, Benommenheit, Sehstörungen oder Atemnot auftreten • Schwindel im Zusammenhang mit einer Infektion mit oder ohne Fieber auftritt • Die Gleichgewichtsstörung in bestimmten Situationen immer wieder auftritt, zum Beispiel in Menschenmengen, beim Autofahren oder bei großem Stress. Diagnosefindung Zunächst sollte der Hausarzt aufgesucht werden, da er mit dem Patienten am besten vertraut ist und evtl. bereits aufgrund der Vorgeschichte bzw. zahlreicher Basisuntersuchungen (körperliche Untersuchung, Blutentnahme, Blutdruckmessung, EKG usw.) die Schwindelursache eingrenzen kann. Folgende Informationen können wichtig sein: • Art des Schwindels (Dreh-/Schwank-/ Lift-Schwindel, Benommenheit) • Dauer der Schwindelepisoden • Begleitsymptome (Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen…) • Auslösende Faktoren, Linderung durch … • Medikamente In vielen Fällen ist es jedoch auch nötig, zur Ursachenfindung spezielle fachärztliche Untersuchungen durchführen zu lassen : • beim Neurologen, HNO-Arzt, Internist, Psychiater • Ggf. Bildgebende Verfahren (z.B. CT/ MRT) als ergänzende Untersuchungen Behandlungsmöglichkeiten bei Schwindel Wird eine auslösende Ursache oder Krankheit gefunden, so muss diese – soweit möglich – beseitigt bzw. behandelt werden. Bestimmte Schwindelformen (insbesondere der Paroxysmale Lagerungsschwindel) können durch Schwindelübungen bekämpft werden. Mit Medikamenten können Häufigkeit und Ausprägung der Schwindelattacken günstig beeinflusst, Übelkeit und Erbrechen gelindert werden. Bei psychisch bedingtem Schwindel haben sich psychotherapeutische Maßnahmen (z.B. Verhaltenstherapie) als erfolgreich erwiesen. In schweren Fällen können diese durch eine medikamentöse Behandlung unterstützt werden. Was kann ich selbst tun? Foto © psdesign1 - Fotolia.com Das Gleichgewichtssystem im Gehirn ist lernfähig. Gleichgewichtsübungen und Aktivität sind deshalb der Schlüssel für mehr Bewegungssicherheit. Wer sich regelmäßig bewegt, sich ausgewogen ernährt und Stress abbaut, schafft wichtige Voraussetzungen für ein gesundes Gleichgewicht. Hausärzte Seite 21 GesundPlus Magazin | 5