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MASCHINEN & TECHNIK | Dezember 2025 / Januar 2026

Jahresabschlussausgabe 2025

Herausforderung

Herausforderung Fahrermangel:Speditionen suchen LösungenDOLL >> Der Fahrermangel setzt die Schwerlastbranche zunehmend unter Druck.Laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fehlen derzeit mehr als70.000 qualifizierte Lkw-Fahrer. Gleichzeitig bleibt der Transportbedarf unveränderthoch. Für viele Speditionen wird es daher immer schwerer, jeden Auftrag zubesetzen. Fallen einzelne Transporte aus, geraten ganze Lieferketten ins Wanken.Eine Verbesserung der Situation scheint nicht in Sicht. Die Speditionen müssen deshalbneue Wege gehen.Nach Angaben des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung(BGL) scheiden jährlich rund 30.000 erfahrene Lkw-Fahrer altersbedingt aus, währendpro Jahr nur etwa 17.000 Nachwuchsfahrer nachrücken. Besonders deutlichzeigt sich der Mangel im Schwertransport. Hier sind die Anforderungen an die Fahrerbesonders hoch. Benötigt werden Fahrer, die in der Lage sind, die komplexeFahrzeugtechnik zu beherrschen und auch mit anspruchsvoller Ladung verantwortungsvollumzugehen. Solche erfahrenen Spezialisten sind nicht leicht auf demArbeitsmarkt zu finden.Sind Quereinsteiger die Lösung?Um ihre Aufträge besetzen zu können, greifen immer mehr Speditionen auf Quereinsteigerzurück, die personelle Engpässe abfedern sollen. „Allerdings reicht alsQualifikation für den Schwerlasttransport der CE-Führerschein allein nicht aus“,gibt Mathias Neumayer zu bedenken. Neumayer ist Produktmanager Schwertransportbei Doll, einem führenden deutschen Hersteller von Schwertransportfahrzeugenin Europa.„Ein Tiefbett millimetergenau zu manövrieren, erfordert vielErfahrung. Man muss die Nachlenkung der Achsen und dieHydraulik präzise beherrschen.“Seine Einschätzungen stützen sich vor allem auf Rückmeldungen von Doll-Kunden,die ihre Erfahrungen aus der Praxis schildern. Neue Fahrer brauchen oft Wochen,wenn nicht sogar Monate, um alle Funktionen der Spezialfahrzeuge sicher zu beherrschen.Doch dafür fehlen den meisten Unternehmen die Ressourcen. Die Speditionensetzen deshalb zunehmend auf hochmoderne digitale Assistenzsysteme.Sind die Fahrzeuge damit ausgerüstet, können sich auch weniger erfahrene Fahrerschnell in die komplexe Fahrzeugtechnik einarbeiten und diese fehlerfrei bedienen.Doll stattet seine Schwerlastfahrzeuge beispielsweise mit dem digitalen Steuerungssystem»Doll control« aus. Über ein robustes Farbdisplay am Rahmen lassensich sämtliche Trailerfunktionen steuern und überwachen. Das Display gibt klareHinweise in ganzen Sätzen, statt mit kryptischen Anzeigen die Fahrer zu verwirren.Die Bedienoberflächen nutzen überdies eindeutige Symbole, zum Beispiel für dasAbsenken oder Anheben der Ladefläche. „Assistenzsysteme müssen intuitiv sein“,so Neumayer. „Wer ständig im Handbuch blättern muss, verliert Zeit.“ Alle Auflieger-Funktionen lassen sich auch über die Funkfernbedienung »Doll connect« steuern.Der Fahrer kann so einfach vom Fahrersitz aus in die Lenkung eingreifen oder dasFahrniveau einstellen. Die Anzeigen von Fernbedienung und Display lassen sich aufverschiedene Sprachen umstellen. Dadurch können auch angeworbene Fahrer ausPolen oder Tschechien die komplexen Fahrzeuge ohne Sprachbarriere bedienen.Unfälle und Ausfälle vermeidenEin weiterer wichtiger Punkt ist die Unfallverhütung. Wenn wenig Fahrer zurVerfügung stehen, erhöht sich der Zeitdruck und damit das Risiko, durch FehlbedienungenUnfälle zu verursachen. Die digitalen Systeme helfen dabei, Fehlbedienungenund Unfälle nachhaltig zu vermeiden. Beispielsweise durch einemoderne Sensorik, die permanent die zentralen Funktionen überwacht, darunterdie Achslasten, den Füllstand der Zentralschmieranlage oder die Überwachungder Abdrückzylinder unterhalb des Schwanenhals. Treten Gefahren auf, wird derFahrer sofort gewarnt. „Mit knappem Personal kann sich keine Spedition leisten,dass Fahrzeuge wegen Schäden stillstehen, die leicht zu vermeiden gewesenwären“, sagt Neumayer. „Das fängt schon bei einfachen Dingen wie den Abdrückzylindernam Schwanenhals an. Ist der Schwanenhals wieder angedockt, müssensie vor der Abfahrt noch eingefahren werden. Eine Routineaufgabe, die imhektischen Alltag schnell mal vergessen werden kann. Unsere Systeme warnenden Fahrer dann sofort.“Die Systeme schützen den Fahrer auch vor gravierenderen Risiken, wie zum Beispielfalscher Beladung. Die Achslastanzeige im Auflieger überträgt die Daten inEchtzeit auf das Farbdisplay. Auf diese Weise kann der Fahrer die Ladung genau60 BAU- / NUTZFAHRZEUGE

im Lastzentrum positionieren. Ist die Ladung ungleichverteilt oder sind einzelne Achsen überlastet, wirddies im 7-Zoll-Farbdisplay oder auf der Funkfernbedienungangezeigt. Eine »Wasserwaagen«-Funktionüberwacht außerdem die Seitenneigung des Fahrzeugs.Steht der Auflieger auf einem unebenen Waldwegoder einer seitlich abschüssigen Straße, stelltdas System die Ladefläche mit einem Knopfdruckautomatisch waagerecht.Mehr Transporte mit wenig PersonalAuch erfahrene Fahrer profitieren von der Digitalisierungim Schwertransport. Die Assistenzsystemeautomatisieren komplexe Arbeitsschritte, die vorherviele einzelne Handgriffe erforderten. Auf diese Weisesparen die Routiniers Zeit und können mehr Fahrtenübernehmen. „Um die Ladefläche anzuheben, mussteder Fahrer früher aussteigen und die Hydraulik manuellbetätigen“, erläutert Neumayer. „Heute lässtsich alles aus dem Fahrerhaus per Fernbedienungsteuern. Mit einem Tastendruck fahren alle Achsengleichzeitig auf eines der vier voreingestellten Fahrniveaushoch.“© DollEin weiteres Beispiel: Wenn der Fahrer das Fahrzeugnach dem manuellen Nachlenken wieder einspurenmöchte, reicht ebenfalls ein Knopfdruck auf der Fernbedienung.Ein manuelles Ausrichten der Achsen aufgerader Strecke ist nicht mehr nötig. Möglich machtdas die elektronische Einspurung »Doll EEP«, die sogarbei langsamer Kurvenfahrt den richtigen Lenkeinschlagder Achsen ermittelt und den Aufliegerautomatisch einspurt.Langfristig werde die Brancheohne digitale Unterstützung kaumauskommen, so Neumayer. „Wirkönnen den Fahrermangel nichtwegdiskutieren. Aber wir könnendie Arbeit so gestalten, dass wenigerAusfälle entstehen und der Jobfür Fahrer attraktiver wird. JedeMaßnahme, die Sicherheit undEffizienz erhöht, ist ein Schritt in dierichtige Richtung.“