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UmweltJournal Ausgabe 2017-02

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UmweltJournal Ausgabe

U M W E L T T E C H N I K • E N E R G I E • A B F A L L W I R T S C H A F T Bei Unzustellbarkeit retour an: Postfach 555 in 1008 Wien Zulassungsnummer: GZ 02Z030100M SEIT 1994 | MÄRZ 2017 – AUSGABE 2 | EINZELPREIS: EURO 4,20,- Jürgen R. Schmid Industrie 4.0 wird Arbeitsplätze kosten, weil manche Arbeiten einfach wegfallen. Aber es werden neue auch entstehen. Seite 5 Thomas Strobel Die Digitalisierung muss Logistikströme vermeiden, Ressourcen einsparen und auch Wertstoffkreisläufe im Blick haben Seite 8 P.B.B. VERLAGSPOSTAMT A-1170 WIEN Johannes Stern Laut „Unscear“-Bericht verursacht Radon rund 52 Prozent der globalen mittleren Exposition durch natürliche Strahlung. Seite 22 Thema dieser Ausgabe: Industrie 4.0 AUS DEM INHALT Von 28. bis 30. März trifft sich die Wasserbranche wieder zur Wasser Berlin International. Die Messe präsentiert sich in diesem Jahr mit vielen Premieren und neuen Services noch innovativer, informativer und internationaler. Die Besucher können WASsERLE- BEN – am Innovation Plaza, bei den Kongressen und am Stand des Partnerlandes Iran. Seite 16 Foto: colourbox Im Rahmen der Errichtung des Semmering-Basistunnel fällt Tunnelausbruch und Aushubmaterial im Ausmaß von 6,2 Millionen Kubikmetern an. Um einen Teil davon zu entsorgen wurde im Longsgraben, einem unbewohnten Seitengraben des Fröschnitzgrabens, eine Deponie gebaut. Das UmweltJournal zeigt in einem technischen Bericht die Ausmaße dieses Mega-Projekts. Seite 18 STANDPUNKT Rekorde, schneller als befürchtet! Das Jahr 2016 war global wieder einmal das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Die globale Erwärmung schreitet mit gewaltigen Schritten voran. Wer sich Hoffnungen gemacht hat auf eine Stagnation der Temperaturen, wie mancherorts fälschlicherweise zu lesen war, ist seinem Wunschdenken erlegen. Drei Rekordjahre in Folge –2014, 2015 und 2016 – gab es ebenfalls noch nie! In Österreich gehen die Treibhausgasemissionen nach wie vor leicht zurück. Doch der Hauptgrund für den Rückgang der letzten beiden Jahre liegt laut Klimaschutzbericht 2016 (Umweltbundesamt) an den wärmeren Wintern und somit am Wetter und nicht an Einsparungsmaßnahmen! Welch ein Armutszeugnis nicht nur für die Politik, sondern für uns Österreicher. Wir tun viel zu wenig! Wohin fliegen Sie übrigens heuer im Sommerurlaub? Haben Sie auch den Spargel aus Peru im Supermarkt gekauft? Haben Sie schon das neueste Smartphone? Gibt es auf Ihrem Speiseplan auch jeden Tag Fleisch? Haben Sie mitbekommen, dass sich die Preise für Gemüse verdoppelt bis verdreifacht haben, weil die letzte Kältewelle zu großen Verlusten in den Anbaugebieten in Italien und Spanien geführt hat? Von dort kommt nämlich im Winter fast unser ganzes Gemüse. Wetterereignisse wie diese könnten laut Klimaforschern durch den Klimawandel in Europa noch häufiger werden, da sich klassische Wettersystem verschieben. Gleiches könnte für Hitzewellen im Sommer gelten. Diese führten bereits nicht nur zu Hitzetoten sondern auch zu großflächigen Ernteausfällen bis nach Russland. Der Schritt von höheren Preisen zu leeren Regalen ist nicht weit. Wenn Sie genaueres wissen wollen, suchen Sie im Internet nach „cold blob“. Viele Ultrareiche kaufen sich inzwischen Insel, Eilande oder riesige Flächen mit eigenen Landepisten, um dort Überlebensinseln zu errichten. Vielleicht bringt diese Info wieder ein paar mehr zum Handeln … Ceterum Censeo, dass Peak Oil 2015 war. Mag. Patrick Wagenhofer, MSc pw@wagenhofer-ee.com Vierte Revolution oder reine Vision? Industrie 4.0 ist als Begriff nicht mehr wegzudenken. Dass die Umsetzung etwas dauert, sollte nicht verwundern, schließlich soll es sich um die nächste industrielle Revolution handeln, sagen zumindest die Proponenten der Automatisierung – eine Revolution aber, an der noch gebastelt werden muss, wie der Status Quo zeigt ... Autoren: Peter R. Nestler, Alexander A. Kohl Der Begriff „Industrie 4.0“ wurde erstmals auf der Hannover Messe im Jahr 2012 propagiert. Seit er geboren wurde, wird eine Positionierung und Begriffserklärung versucht. Ohne die kann die geplante Revolution in der Industrie nämlich nicht starten. Die industrielle Produktion soll mittels moderner Informationsund Kommunikationstechnologie verzahnt werden. Technische Grundlage sind intelligente, digital vernetzte Systeme, mit deren Hilfe eine weitestgehend selbst organisierte Produktion möglich wird. „Ich halte den Begriff Industrie 4.0 aber für verbesserungsfähig“, meinte jüngst Fraunhofer-Austria-Boss Wilfried Sihn auf einer Veranstaltung der Hannover Messe in Wien. „Denn durch diesen Terminus lehnen sich alle zurück, die mit ‚Industrie‘ nichts zu tun haben.“ Die Digitalisierung aber würde jede Branche, jeden Wirtschaftsbereich, jede noch so kleine Nische beeinflussen und zum Teil vollkommen umkrempeln. Viele werden dabei Federn lassen müssen, soviel steht jetzt schon fest, wenn man dem neuen Tenor der 4.0-Experten Glauben schenkt. Auch Sihn betont, dass der Wirtschaft und Gesellschaft damit gewaltige Veränderungen be- vorstehen würden: „Es kommt eine soziale Veränderungswelle auf uns zu, auf die wir noch überhaupt nicht vorbereitet sind.“ Vor allem auf politischer Ebene würde dabei noch viel zu viel schöngeredet, so Sihn. „Industrie 4.0 wird sehr viele Arbeitsplätze – vor allem im niedrigen Qualifikationsbereich – wegrationalisieren. Die Kassiererin im Supermarkt und der Staplerfahrer im Lager sind aussterbende Berufe.“ Daneben werde Industrie 4.0 in Summe aber sogar Arbeitsplätze schaffen, wie auch zahlreiche Industrievertreter behaupten (lesen Sie auf Seite 5). Auch Sihn betont: „Die Digitalisierung der Wirtschaft wird auch viele neue Bereiche entstehen lassen, in denen der Arbeitsfaktor Mensch gebraucht wird, allerdings verknüpft mit der Notwendigkeit zu zusätzlichen Qualifizierungen der Beschäftigten“. Nachholbedarf bei Infrastruktur und Ausbildung Damit die Idee „Industrie 4.0“ auch zu einer gelungenen Umsetzung kommen kann, müssten sich aber die vorhandenen Rahmenbedingungen in einigen Bereichen dramatisch verbessern. Nachholbedarf gibt es dabei vor allem in Sachen Bildung und Infrastruktur, die größte aktuelle Hürde aber sei vor allem das Bewusstsein der Entscheidungsträger. Trotz der hohen wirtschaftlichen Potenziale, die mit Industrie 4.0 einhergehen, nähert sich das mittelständische Gewerbe dem Thema noch relativ zurückhaltend. Mittelständlern fällt es angesichts knapper Ressourcen nicht leicht, die technologische Reife verschiedener IT-Systeme zu beurteilen und deren wirtschaftlichen Nutzen für das Unternehmen einzuschätzen. Zudem mangelt es in der Umsetzung an einem planvollen Vorgehen seitens des Managements. Investitionen werden oft nicht getätigt, weil es an verbindlichen, allgemeinen Standards und Normen mangelt. Das Fraunhofer IFF hat sich nun einem dieser Hemmnisse gestellt und einen branchenunabhängigen „Industrie- 4.0-CheckUp“ entwickelt, mit dem die Digitalisierungspotenziale von Unternehmen systematisch analysiert und effektive Maßnahmen individuell geplant werden können (lesen Sie dazu auf Seite 7). Startschwierigkeiten Damit intelligente Produktion aber funktioniert, braucht es auch in jedem Fall Normen und Standards. „Standards werden die intelligente Vernetzung von Produktionssystemen unterstützen“, so Karl Grün, Director Development bei Austrian Standards dazu. Daher hat Austrian Standards gemeinsam mit dem OVE, dem Patentamt und weiteren Mitgliedern der Plattform Industrie 4.0 Österreich Normungskompass entwickelt. (Beim Zukunftsdialog „FutureStandardsNow – Industrie 4.0“ am 15. März 2017 wird darauf eingegangen und gezeigt, wie Standards neue Geschäftsmodelle unterstützen, die sich durch die Vernetzung der Produktion und von industriellen Prozessen ergeben.) Industrie 4.0 hat also noch immer Startschwierigkeiten, allerdings ist bereits eine Reihe von Unternehmen auf diesen Zug aufgesprungen. Wohin die Reise gehen wird, werden die nächsten Jahre weisen. Zurzeit können die Anforderungen aus Industrie 4.0 noch bei weitem nicht erfüllt werden. Das gilt für die Infrastruktur genauso wie für den Sektor Aus- und Weiterbildung. Bei den aktuell knappen Budgets wird sich da auch nicht rasch etwas ändern können. Es braucht also einen langen Atem und/oder viel Geduld. Allclick AUSTRIA GmbH Wiener Straße 100 2511 Pfaffstätten Tel.: 02252/49 001-0 Fax: 02252/49001-40 office@allclick.at www.allclick.at Schallschutztechnik Inneneinrichtung Lagerhilfsmittel Lagereinrichtung Ihr Partner für Schallschutz