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UmweltJournal Ausgabe 2018-01

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UmweltJournal Ausgabe

U M W E L T T E C H N I K • E N E R G I E • A B F A L L W I R T S C H A F T Retouren an Postfach 555, 1008 Wien | Österreichische Post AG | SCIAM Fachmedien GmbH & Co KG, Geblergasse 95, 1170 Wien | Zulassungsnummer: MZ 02Z030100 M SEIT 1994 | JÄNNER 2018 – AUSGABE 1 | EINZELPREIS: EURO 4,50,- Jens Hildebrandt Das Perlflussdelta steht tatsächlich zu Unrecht häufig im Schatten von Peking und Shanghai. Seite 4 AUS DEM INHALT Die Sammlung von Abfällen mit Unterflurcontainern stellt bereits einen ausgeprägten Trend dar, der in vielen Städten umgesetzt wird. Nun beginnt auch Salzburg als erste heimische Gemeinde ein größeres Unterflursystem zu errichten – im Sommer hat man dazu ein Fahrzeug des Unterflurspezialisten Villiger erworben. Seite 10 Thomas Strobel P.B.B. VERLAGSPOSTAMT A-1170 WIEN Wer „4.0“ kommunal gestalten will, muss in vorhandenen Siedlungsräumen neuen Nutzen schaffen. Seite 8 Thema dieser Ausgabe: Kommune 4.0 Rudolf Kanzian Unternehmen können erneuerbare Strom- oder Wärmeerzeugung als Energieeffizienzmaßnahme geltend machen. Seite 16 Foto: colourbox Dass Hanf hierzulande noch vor einem Jahrhundert eine der wichtigsten Kulturpflanzen war, wissen heute nur mehr wenige. Ein Produkt, das nun bereits in Serie gefertigt wird, ist die Hanffaser-Dämmplatte von Capatect. Ihre Eigenschaften hinsichtlich Energieeinsparung und Wohngefühl sind beachtlich – bei Schallschutz und Widerstandsfähigkeit aber ist sie sogar unschlagbar. ab Seite 12 STANDPUNKT Schaffen wir das 1,5 Grad Ziel? „Das digitale Abbild meiner Gemeinde“ Nicht nur in der Industrie ist der Begriff der Digitalisierung in aller Munde, auch in den Gemeinden ist er längst angekommen. Doch was die „Kommune 4.0“ tatsächlich zu leisten im Stande ist, erahnen noch immer nur Experten – und nun auch erste Pioniere. Die Gemeinde Bischofshofen im Salzburger Pongau beispielsweise zeigt anhand eines aktuellen Projektes vor, wie allumfassend der digitale Impact in einer öffentlichen Verwaltung aussehen kann. Die Wissenschaft hat für uns Folgendes berechnet: Wir dürfen die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde um maximal zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Epoche ansteigen lassen, wenn wir eine Klimakatastrophe verhindern wollen. Da diese Aussage noch eine hohe Unsicherheit aufweist, empfiehlt die Wissenschaft, es besser bei 1,5 Grad bleiben zu lassen. Das kennen wir heute als „Ziel von Paris“ zur COP 21 im Dezember 2015. Wo stehen wir aktuell – bereits zwei Jahre (!) später? 2016 war laut C3S (Copernicus Climate Change Service) relativ zur Mitte des 19. Jahrhunderts das wärmste Jahr und damit noch wärmer als das Rekordjahr 2015. Letztes Jahr erreichte die Fieberkurve bereits 1,3 Grad Celsius, womit der Abstand zum Ziel von 1,5 Grad Celsius dahinschmilzt. Im Februar 2016 lagen die Temperaturen sogar schon auf den 1,5 Grad Celsius. Wenn Sie nun ein mulmiges Gefühl bekommen haben, dann geht es Ihnen so wie mir. Aber damit noch nicht genug… Der Bericht UNEP Emissions Gap Reports kommt zu dem Ergebnis, dass die derzeitigen Pariser Zusagen zur Emissionsreduktion nur in etwa ein Drittel der bis 2030 erforderlichen Emissionsreduktionen liefern würden. Wir unternehmen also ein extrem gefährliches Experiment mit unserer Kugel, auf der wir alle sitzen. Wir haben übrigens keine andere. Unser Verhalten muss sich ändern. Setzen Sie diese Fakten in Relation zu dem, was uns täglich daran hindert, unsere Existenzgrundlage zu retten: „Ich bin halt ein Fleischtiger.“ „E-Autos sind teurer und die Reichweite ist für mich zu kurz.“ „Fotovoltaik rechnet sich nicht.“ „Im Sommer fliegen wir immer.“ „Hausdämmung rechnet sich nicht.“ Denken Sie darüber nach und dann fotografieren Sie diesen Kommentar und verschicken Sie das Bild an all Ihre WhatsApp und FB-Kontakte. Danke im Namen unserer aller Kugel! Patrick Wagenhofer pw@wagenhofer-ee.com Der Transfer von der analogen zur digitalen Verwaltung ist für viele Gemeinden bereits Realität geworden. Der Großteil aller Daten wird heute digital aufgenommen, bearbeitet und verwertet, etwa bei Strom- und Wassernetzen, Kabelinfrastruktur oder Straßenbeleuchtung und vielem mehr. Digitalisierung kann aber noch tiefer wirken und ganze Gemeinden bis in ihre innersten Abläufe umformen. Das zeigen nun auch erste Pionierprojekte, bei denen sich erahnen lässt, wohin der digitale Weg für Kommunen führen kann. „Wir digitalisieren einen kompletten Straßenzug“ So zum Beispiel in der Gemeinde Bischofshofen im Salzburger Land. Hier stellt derzeit Claus Salzmann, Geschäftsführer von ETS – Elektrotechnik, gemeinsam mit dem zuständigen Bauamtsleiter Heinz Neumayer ein kommunales Digitalisierungsprojekt auf die Beine, das seinesgleichen sucht – betitelt mit dem Terminus: „Musterstraße“. „Wir digitalisieren dabei einen kompletten Straßenzug: Das heißt die gesamte Infrastruktur, alle Lichtpunkte, jeden Baum, Zebrastreifen, Verkehrszeichen und natürlich alle öffentliche Einrichtungen; alles, was in einer Gemeinde mit einem Bescheid behaftet ist“, schildert Salzmann. Heinz Neumayer nennt das Kind beim Namen: „Im Endeffekt geht es um nichts anderes als die Erschaffung der ‚Gemeinde 4.0‘. Wir beginnen bei dieser Musterstraße mit der Hinterlegung sämtlicher Daten, wie Bauakte der jeweiligen Grundstücke, Erfassung der Beleuchtungspunkte, Verkehrszeichen, Straßenmarkierungen … Kurz gesagt: Ich erstelle ein digitales Abbild der Gemeinde“, schwärmt der Bauamtsleiter. Was aber bringt das nun konkret für die Gemeindearbeit? Heinz Neumayer erklärt das anhand eines Beispiels: „Nehmen wir ein Verkehrszeichen – in unserem neuen System kann ich nun digital sämtliche objektbezogenen relevanten Daten hinterlegen beziehungsweise verknüpfen: Die Beratung des Verkehrsausschusses, den Amtsbericht, den Beschluss der Gemeindevertretung, kundgemachte Verordnungen, einen Vermerk der Aufstellung und die regelmäßige Prüfung der Standsicherheit oder der Befestigung des Verkehrszeichens - und ich kann dies alles in einem virtuellen Stadtplan visualisieren.“ Kommunales Infrastrukturmanagement wird digital Dasselbe sei auch mit jedem anderen Objekt möglich. Der gesamte Zyklus könne nachverfolgt werden und es besteht durch die Abbildung der regelmäßigen Begehung oder Wartung auch Rechtssicherheit für die Gemeinde. „Insbesondere bringt dies eine spürbare Erleichterung im Alltag“, sagt Neumayer. Viele Gemeinden seien sich dabei noch gar nicht bewusst darüber, wie tief Digitalisierung in ihre öffentliche Verwaltungstätigkeit einwirken könnte. Die meisten würden darunter oft nicht mehr als das Einscannen und Ablegen von Dokumenten in virtuellen Ordnern verstehen. „Hier sind wir in der Stadtgemeinde Bischofshofen sicher den radikalsten Weg gegangen“, meint Neumayer „und zwar in dem Sinne, dass wir wirklich digitalisieren. Wir machen das umfassend und können damit alle einhergehenden Vorteile nutzen.“ Im Bereich der Kommunen gibt es schon länger diverse Programme zur Administration des Bestandes, diese konnten zumeist aber nur einen Teilbereich des gesamten kommunalen Aufgabengebietes abbilden. Zum Teil werden auch einzelne Infrastrukturbereiche auf unterschiedlichen Programmen betrieben, was die Dinge oft unnötig kompliziert. Auch Claus Salzmann betont, dass viele Gemeinden digital schon gut aufgestellt seien, viele jedoch noch Probleme dabei hätten, das große Ganze zu sehen: „Wir haben in unserem Projekt nun wirklich alles in einem System verbunden, was nur digital erfasst werden kann“, so Salzmann. Die Idee der „Musterstraße“ könne man nun ohne Weiteres auch auf andere Gemeinden umlegen. Der erste und wichtigste Schritt sei jedoch ein gedanklicher, wie beide Experten betonen: „Im Sinne eines kommunalen Infrastrukturmanagements ist die ‚Gemeinde 4.0‘ heute als Industrieanlage zu verstehen“, meint Heinz Neumayer. „Die Gebäude und Grundstücke sind die einzelnen Anlagenteile, die Straßen, Kanäle und Wasserleitungen sind die Leitungsstränge.“