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UmweltJournal Ausgabe 2018-01

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4 AUSLAND UmweltJournal /Jänner 2018 Report von der Eco Expo Asia in Hongkong „Hongkong hat keine andere Wahl mehr“ Die Notwendigkeit für Umwelttechniklösungen in Fernasien steigt rapide an. Nachdem prekäre Umweltzustände China im Sommer dieses Jahres dazu getrieben haben einen Importstopp für unsortierten Abfall zu verkünden, müssen zahlreiche Müllexporteure, wie Hongkong, Macao und Co. nun selbst lernen ihrer Abfälle Herr zu werden. Ein Boom für Recycling- und Abfallverwertungstechnologien zeichnet sich ab, der aber nur kurze Zeit dauern könnte, denn China möchte ab 2025 seinen ausländischen Technikbedarf massiv reduzieren. In der neuen WEEE-Anlage von ALBA wird seit November 2017 der gesamte regulierte E-Schrott der Metropole verwertet. Autor: Alexander Kohl alexander.kohl@sciam.at China war lange Zeit die größte Müllkippe der Welt. Das soll sich nun ändern. Am 18. Juli 2017 teilte die chinesische Regierung in einem Schreiben an die Welthandelsorganisation (WTO) mit, dass „zum Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Bevölkerung der Import von stark verschmutztem Hausmüll verboten“ werde. In zur Wiederverwertung importiertem Müll seien große Mengen an unbrauchbaren und teils gefährlichen Abfällen gefunden worden. Daher werde China ab Jahresende keinen Abfall mehr einführen wie etwa Plastikmüll, Papier, Asche sowie Wolle- und Baumwollreste und Schlacke aus der Stahlproduktion. Viele weiterer Fraktionen sollen nur mehr vorsortiert oder vorbehandelt ins Land kommen dürfen. Diese Entscheidung trifft viele Länder, die ihren Müll schon seit Jahren nach China verfrachten. Die riesigen Containerschiffe, die vollgefüllt mit Kleidung und Spielzeug von den chinesischen Häfen aus in die Welt zogen, kamen meist wieder leer zurück, bis man auf die Idee kam, diese mit Müll vollzustopfen. So wurden Schrott und Plastikfraktionen ins Reich der Mitte transportiert. Dort holten sich die Chinesen sämtliche nützliche Rohstoffe wieder heraus und verwerteten sie. Im Laufe der Zeit wurde China so zum größten Müllimporteur der Welt. Allein im vergangenen Jahr importierte die Volksrepublik 7,3 Millionen Tonnen Plastikmüll im Wert von 3,7 Milliarden Dollar – das waren 56 Prozent der weltweiten Einfuhren. Neben Japan und den USA, auf die jeweils zehn Prozent entfielen, stammt der meiste Plastikabfall aus Hongkong. Ebenso wie Altpapier, E-Schrott und unsortierter Restmüll. In Hongkong: „Weltuntergang“ Die radikale Abwehr dieses Abfallstroms an der chinesischen Grenze traf die Metropole am Perlfluss ins Herz. Auch wenn sich die Situation in China etwa aufgrund der Gewässerverunreinigung klar ersichtlich zuspitzte, hatte niemand diesen Schritt erwartet. „In Hongkong wurde der Abfall-Importstopp der Chinesen aufgenommen, als bedeute das den Weltuntergang“, schildert Wolfgang Ehmann, Executive Director der deutschen Außenhandelskammer in Hongkong. „Es herrschte völlige Frustration, als sei allen der Himmel auf den Kopf gefallen“, doch schon wenige Wochen danach sah Ehmann, wie die Industrie durch diese Drucksituation beflügelt wurde. „Hongkong hat jetzt keine andere Wahl mehr, als sich um seinen eigenen Dreck zu kümmern“, meint Ehmann, und das sei auch gut so. Denn die Deponien der Handelsstadt seien voll und die Alternative China habe sich nun endgültig aus dem Müll-Spiel genommen. Eine der ersten Maßnahmen ist nun der schon seit Jahrzehnten diskutierte Bau einer eigenen Müllverbrennungsanlage im nahen Stadtgebiet. Lange Zeit hatte sich die Bevölkerung gegen die verhasste Technologie, die als schmutzig und ungesund gilt, gewehrt – nun wird sie alternativlos. Ab 2022 soll in Shek-Kwu-Chau, einer Insel südöstlich des Zentrums der Megastadt, eine MVA mit einer Kapazität von 3.000 Tonnen an Siedlungsabfällen pro Tag stehen. Aktuell läuft die Ausschreibung dafür. „Es wird aber wohl noch mindestens eine zweite nötig sein“, meint Ehmann mit Blick auf die über 9.000 Tonnen Hausmüll, die täglich anfallen – alleine 6,5 Tonnen davon sind übrigens Küchenabfälle. ALBA betreibt WEEE-Anlage Aber auch bei den restlichen Abfallfraktionen nähert man sich in Hongkong langsam einer geregelten Verwertung – allein der Elektronik-Abfall wird auf rund 70.000 Tonnen geschätzt. Dafür ging noch Ende vergangenen Jahres die nagelneue E-Schrott-Recyclinganlage der ALBA Group in Betrieb. Zukünftig wird hier der gesamte regulierte Elektroschrott der Sieben-Millionen-Metropole behandelt und verwertet. Vor allem Haushaltsgroßgeräte wie Kühl- und Klimageräte, Fernseher, Waschmaschinen und Computer werden darin aufbereitet. Zunächst ist in der Anfangsphase ein Volumen von 30.000 Tonnen pro Jahr geplant. Die Kapazität ist auf 56.000 erweiterbar. Neben der Behandlung und Verwertung der Abfälle in der neuen Anlage übernimmt ALBA auch die Sammlung des im gesamten Stadtgebiet anfallenden Elektro- und Elektronikschrotts. Derzeit gibt es dafür vier regionale Zentren, die als Knotenpunkte für die Sammlung und vorübergehende Lagerung der Geräte fungieren. Bei dem WEEE-Projekt handelt es sich übrigens um den größten Einzelauftrag in der Geschichte der ALBA Group. Chinesische Konkurrenz wird stärker Die Aufbruchsstimmung im Abfallverwertungssektor Hongkongs und Chinas zieht internationale Kreise und lockt die globale Recyclingindustrie abermals nach Fernasien. Dass aber gerade der Umweltmarkt in China kein einfach zu beackerndes Feld ist, weiß Franz Rößler, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Hongkong. „Wir bemühen uns in diesem Markt schon seit vielen Jahren etwas für unsere österreichischen Unternehmen zu bewegen.“ Zwar würden die Österreicher in der Umwelttechnik sehr viel Know-how und hierzulande auch ein gutes Image besitzen, aber der Markt wolle dennoch nicht so richtig anspringen. Vor einigen Jahren noch war es die Konkurrenz mit anderen europäischen Firmen – „nun kommt eine starke lokale Mitbewerberschaft in China selbst hoch, die technisch Interview mit Jens Hildebrandt, Deutsche Handelskammer Chancen und Risiken durch „China 2025“ Jens Hildebrandt ist Delegierter der Deutschen Wirtschaft – Kanton (Guangzhou) und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in China für Süd- und Südwestchina (AHK). Er begleitet und berät zahlreiche deutsche Unternehmen in China. Im Interview spricht Hildebrandt über seine Erfahrungen in Südchina, zeigt Chancen und Herausforderungen für deutsche Mittelständler auf und erklärt, welches Potenzial Industriestädte wie die Metal Eco City haben. Foto: AHK China "Die Bandbreite Erfolg versprechender Branchen ist groß ... vom Bereich Produktionstechnik, über Umwelttechnik bis hin zur Kreativwirtschaft." Jens Hildebrandt Wenn deutsche Unternehmen in China aktiv werden möchten, denken viele nur an Weltmetropolen wie Peking oder Shanghai. Obwohl auch das Perlflussdelta zu den reichsten Regionen Chinas gehört, rückt der Süden bei der Standortwahl nicht gleich in den Fokus. Welches Potenzial sehen Sie in Südchina? Hildebrandt: Das Perlflussdelta steht tatsächlich zu Unrecht – vor allem aus deutscher Sicht – häufig im Schatten Pekings und Shanghais. Mit zehn Prozent des chinesischen BIPs hat die Region aber eine Wirtschaftskraft, die etwa so groß ist wie die ganz Indonesiens. Als eigenständiges Land wäre das Delta außerdem die drittgrößte Handelsnation der Welt, direkt nach den USA und Deutschland. Das muss man sich mal vorstellen. Das Potenzial für deutsche Unternehmen ist dementsprechend groß, nicht zuletzt da aktuell nach wie vor ein Strukturwandel zu höherwertiger Produktion stattfindet und viel in Produktionstechnik investiert wird. Gleichzeitig ist das Perlflussdelta die Heimat chinesischer Innovationsführer ... Richtig. Mehr als 40 Prozent aller 2016 international angemeldeten Patente Chinas kamen von hiesigen Unternehmen. Das bietet neue Chancen zur Zusammenarbeit mit leistungsfähigen lokalen Marktführern, auch zum gemeinsamen Erfolg auf Drittmärkten. Nicht zuletzt ist die Region ein hoch attraktiver Konsumentenmarkt und durch die traditionelle Stärke im Handel ein guter Einstiegspunkt für den gesamten chinesischen Markt. Umweltschutz, Innovationen, E-Mobilität – in welchen Branchen können deutsche Unternehmer in Südchina in den kommenden Jahren erfolgreich sein? Die Bandbreite Erfolg versprechender Branchen ist groß, nicht zuletzt aus dem bereits genannten Aufwertungsprozess heraus. Das reicht vom Bereich Produktionstechnik, über Umwelttechnik bis hin zur Kreativwirtschaft. Man sollte aber eben nicht nur den lokalen Markt im Blick haben, sondern das Perlflussdelta auch als Sprungbrett für Asien oder weitere Märkte weltweit wahrnehmen. „Made in China 2025“ trifft „Industrie 4.0“ – sehen Sie in den beiden Zukunftsstrategien eher Chancen oder Risiken? Es ist wohl beides zugleich. In Sachen Automatisierung und Smart- Manufacturing sind der Großteil der chinesischen Hersteller noch nicht auf dem Niveau des deutschen Mittelstands angelangt. Deutsche Mittelständler können in diesen Bereichen Produkte und Lösungen anbieten, nach denen in der chinesischen Industrie sehr hohe Nachfrage besteht. Hier besteht für die nächsten Jahre noch ein großes Marktpotenzial. Gleichzeitig ist es tatsächlich so, dass chinesische Hersteller gezielt durch die Initiative „China 2025“ in ausgewählten Branchen zu Marktführern entwickelt werden sollen. Hier gilt es für deutsche Unternehmen die Augen offen zu halten und genau die Entwicklungen in China zu beobachten. In diesen Branchen wird es zunehmend für unsere Unternehmen wichtig, die Innovationsführerschaft auf- und auszubauen. Mittelständler aus Europa haben oft Angst, auf dem chinesischen Markt zu scheitern. Was sind erfahrungsgemäß die häufigsten Gründe für ein Scheitern? Viele ausländische und auch deutsche Unternehmen, scheitern auf dem chinesischen Markt, weil sie Geschäftsmodell und -praxis nicht an die ortsspezifischen Gegebenheiten in China anpassen. Bei Unternehmensgründung, Marketing und Vertrieb lohnt es sich daher einen erfahrenen, ortskundigen Partner an der Seite zu haben, der einen auf die Besonderheiten Chinas vorbereitet und entsprechend berät. Des Weiteren wird vor allem von kleineren Mittelständlern unterschätzt, wie ressourcenaufwendig die Betreuung eines Standortes in China tatsächlich ist. Der Herdentrieb ist bei deutschen Unternehmern ausgeprägt – es gibt ein Gefühl der Sicherheit, wenn sich in einem Industriepark bereits deutsche Unternehmen angesiedelt haben. Sie kennen die Metal Eco City in Jieyang persönlich. Wie bewerten Sie das Potenzial der deutsch-chinesischen Stadt? China ist ein sehr großes Land, daher gibt es meist auch nicht nur einen „passenden“ Standort für deutsche Unternehmen. Die Metal Eco City engagiert sich jedoch sehr aktiv im Kreis deutscher Mittelständler und bietet umfangreiche Dienstleistungen und Unterstützung für angesiedelte Firmen. Gerade solche weichen Faktoren und das lokale Engagement können häufig entscheidend sein über Erfolg und Misserfolg von Ansiedlungen. Natürlich ist auch die Nähe und Anbindung an weitere wichtige Zentren in Südchina ein wichtiger Faktor. Von daher sehe ich durchaus gutes Potenzial für deutsche Firmen in Jieyang.

Jänner 2018/ UmweltJournal AUSLAND 5 Fotos: ALBA Foto: Kohl Auf der 12. Eco Expo Asia trafen sich Ende Oktober 2017 wieder fast 69.000 Besucher und 636 Aussteller aus 151 Ländern. Auch ein Gemeinschaftsstand Schweiz-Österreich präsentierte sich auf der einzigen Messe für Umwelttechnik in Hongkong. Rainer Strauch, Projektleiter F&E bei Cree, referierte beim gut besuchten Kongress über die Zukunft des Holzbaus in Metropolen. In den Straßen Hongkongs türmen sich fein säuberlich die zusammengeschnürten Papiermüllpakete. Sie alle werden nach China verkauft. Noch. enorm aufgeholt hat und noch zusätzlich durch die Initiative ‚Made in China 2025‘ gepusht werden soll“, erzählt Rössler. „Lieferungen aus dem Ausland werden heute schon immer argwöhnischer beäugt“, so der Wirtschaftsdelegierte und China möchte bis ins Jahr 2047 ja sogar die führende Industrienation der Welt werden. Dabei soll vor allem die Umwelttechnikbranche immer weniger vom Ausland abhängig sein. Mehr Europäer auf Eco Expo Asia Da es dafür jedoch Zeit braucht und der akute Bedarf an leistungsfähiger Umwelttechnologie in China schon jetzt riesengroß ist, stehen aktuell die Chancen nicht schlecht für österreichische und deutsche Unternehmen sich am Markt zu positionieren, wie Jens Hildebrandt, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in China, behauptet (im Interview auf Seite 4). Die Verschmutzung von Luft und Gewässern schränken mittlerweile den Fortschritt des asiatischen Riesen gewaltig ein. Bevölkerung, Landwirtschaft und auch Teile der Industrie, die auf verwertbares Brauchwasser angewiesen sind, leiden massiv unter der prekären Umweltsituation. Die Auflagen für Luft- und Gewässerschutz steigen daher sprunghaft und werden nun auch immer häufiger exekutiert. Die Industrie sucht nach Lösungen. Auch auf der Eco Expo Asia, die alljährlich in der Asia World Expo nahe dem Hongkonger Flughafen stattfindet. Fast 69.000 Besucher aus 151 Ländern trafen auf der Messe auf 636 Aussteller und konnten am dritten Messetag auch den Ausführungen von Rainer Strauch, Projektleiter F&E bei Cree, über die Zukunft des Baus von Holz-Hochhäusern in Metropolen lauschen. Zahlreiche Branchenunternehmen aus Europa waren heuer wieder auf der Messe vertreten – auch aus Österreich. „Wir wollen hier einmal Flagge zeigen“, sagt Andreas Senkbeil, Sales Director Asia Pacific des Salzburger Schredderherstellers Untha, am „Gemeinschaftsstand Schweiz-Österreich“. „Im Moment ist es für uns wichtig einmal unseren Namen gemeinsam mit unserer Technologie in den Köpfen der Menschen zu verankern“, sagt Senkbeil. Danach will Untha aber „in jedem Fall beim sich abzeichnenden Umwelttechniktrend in China und Hongkong dabei sein“. Die nächste Chance einmal auf der kommenden Eco Expo Asia dabei zu sein bietet sich jedenfalls schon dieses Jahr wieder, und zwar von 25. bis 27. Oktober 2018 – voraussichtlich wieder mit einer Schweiz-Österreich Beteiligung. Besuchen WWW Sie uns jetzt auf www.umweltjournal-online.at 30% Kostensenkung im ersten Jahr im Vergleich zu herkömmlichen Antriebssystemen VLT® AQUA DRIVE FC 202 Flexibel, modular und anpassungsfähig. Beste Wahl für alle Wasseranwendungen. Tägliche Lastschwankungen in der Wasserversorgung machen eine moderne Drehzahlregelung aller Pumpen, Ventilatoren und Gebläse wirtschaftlich notwendig. Danfoss Drives bietet Ihnen das umfangreichste Portfolio im Markt. Antriebe von 1,1 kW bis 5,3 MW sorgen für optimale Prozesse und minimierte Kosten. Besuchen Sie uns auf der SPS IPC Drives 2017 in Halle 3, Stand 318 Weitere Informationen finden Sie unter: www.danfoss.at/drives Danfoss Gesellschaft m.b.H. · Danfoss Drives Telefon: +43 1 253 022 322, E-Mail: cs@danfoss.at Danfoss_AZ_VLT_AQUA DRIVE_2017_275x196,5_A.indd 1 10.10.17 14:31