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UmweltJournal Ausgabe 2018-05

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UmweltJournal Ausgabe

U M W E L T T E C H N I K • E N E R G I E • A B F A L L W I R T S C H A F T Retouren an Postfach 555, 1008 Wien | Österreichische Post AG | SCIAM Fachmedien GmbH & Co KG, Geblergasse 95, 1170 Wien | Zulassungsnummer: MZ 02Z030100 M SEIT 1994 | SEPTEMBER 2018 – AUSGABE 5 | EINZELPREIS: EURO 4,50,- Arne Ragossnig Schadstofferkundungen von Abbruchobjekten von Bauherren, Abbruchfirmen und Gutachtern sind sehr unterschiedlich. Seite 13 WWW Norm | Recht | Praxis Werden Sie Zertifizierte/r Umweltmanager/in TÜV ® Zertifizierte/r Energiemanager/in TÜV ® Info & Anmeldung: TÜV AUSTRIA Akademie akademie@tuv.at | +43 5 0454-8000 AUS DEM INHALT Das Partyschiff „Johann Strauss“ (lange als der Schandfleck des Donaukanals bezeichnet) wurde Anfang Mai von Robert Riepl, einem Grazer Schrotthändler, ersteigert und verschrottet. Das UmweltJournal zeigt nun exklusive Bilder des Schiffs vor seiner letzten Fahrt und sprach mit dem Käufer von Rcore. Seite 6 Die zerstörerischen Auswirkungen von Starkregen sind eine der bedeutendsten Naturgefahren in Europa. Das Projekt „Rainman“ hat das Ziel, über ein integriertes Starkregen-Risikomanagement Schäden in städtischen und ländlichen Regionen zu reduzieren, die mit Starkregen in Zusammenhang entstehen. Partner aus sechs Ländern erarbeiten gemeinsam eine Toolbox mit übertragbaren Werkzeugen. Seite 10 STANDPUNKT Werner Berens P.B.B. VERLAGSPOSTAMT A-1170 WIEN Unsere Maschinen sollen in Zukunft erkennen, ob ein Verschleißteil ausgetauscht werden muss, und dieses selbstständig bestellen. Seite 15 Thema dieser Ausgabe: Zopfstoffe Heftthema: Zopfstoffe im Abwasser Verzopft und zugemüllt Johannes Stern Ein Entwurf für einen neuen Internationaler Standard definiert Grundsätze und Leitlinien im Umgang mit dem Klimawandel. Seite 22 Vorher und nachher ... Das Erscheinungsbild von Feucht- und anderen Hygienetüchern divergiert. Sie sollen dem Besucher den Klogang „versüßen“, reinigen sanft Babypopos, entfernen Makeup und putzen sogar den Boden: feuchte Toilettentücher. Weich, wohlriechend und schonend tun sie ihre Arbeit. Ganze Arbeit – denn im Klo runtergespült verursachen sie für Kanalnetzbetreiber und Abwasser- sowie Kläranlagen ein völliges Desaster. Feuchttücher sind der Traum der Verbraucher – und der Alptraum für Abwasserentsorger. Foto: GAS Foto: iStock.com Die Menschen sind überfordert – vom Klimawandel Ich habe mich hier schon einmal psychologisierend versucht. Und zwar habe ich damals behauptet, dass wir Menschen uns aufgrund unserer unverändert vorhandenen Programmierung aus dem Regenwald und der Steppe nach wie vor nur dafür interessieren, was hinter dem nächsten Busch raschelt. Ob es dort in 14 Tagen oder 20 Jahren raschelt, ist für uns belanglos. Das führt dazu, dass es den meisten von uns unmöglich ist, heute Taten zu setzen, die das Rascheln in 20 Jahren verhindern werden. Genau das ist im Falle des Klimawandels aber notwendig. Im Jahrhundertsommer 2003 gab es in Europa 70.000 Hitzetote. Stellen Sie sich vor, eine Terrororganisation hätte in Europa im gleichen Ausmaß gewütet! Wahrscheinlich hätten wir das Militär eingesetzt, den Ausnahmezustand ausgerufen, den Rechtsstaat weitgehend außer Kraft gesetzt, das Wirtschaftsleben wäre weitgehend zum Erliegen gekommen et cetera. Und was passiert in Wirklichkeit? Weitgehend Schulterzucken! Nun könnte dieser Sommer dazu angetan sein, dass viele Menschen ein Geräusch vernehmen: Dürreschäden in der westeuropäischen Landwirtschaft (sogar beim unmittelbaren Nachbarn) von historischem Ausmaß, Waldbrände im Norden Europas von historischem Ausmaß, Hitze am Nordpol von historischem Ausmaß, stabile Wetterlagen, die sehr ungewöhnlich sind. Die Strompreise sind gestiegen, weil viele Atom-, Gas-, und Kohlekraftwerke von England über Frankreich bis nach Deutschland nicht mehr ausreichend kaltes Flusswasser zur Kühlung zur Verfügung haben. (So viel zum Thema Absicherung der Stromversorgung mit Hilfe der atomar/fossilen Kraftwerke ...) Die Einschläge rücken näher, aber geht ein Ruck durch die Gesellschaft? Wahrscheinlich wird erst Homo Sapiens 2.0, der Mensch nach der Klimakatastrophe, etwas weiter voraus denken können. Patrick Wagenhofer pw@wagenhofer-ee.com Feuchttücher oder sogenannten „Zopfstoffe“ im Abwasser verursachen Millionen-Schäden an Pumpen und Anlagen. Alle Kanal- und Kläranlagenbetreiber weltweit sind immer stärker mit diesem Problem konfrontiert. Trotz vieler Informationskampagnen landen sie immer häufiger im Klo und danach im Kanal. Sie führen zu enormen volkswirtschaftlichen Kosten, denn die reißfesten Kunstfasern der Feuchttücher sind kaum klein zu kriegen. Allgemein gültige Normen für Materialeigenschaften beziehungsweise Kennzeichnungspflichten für Feuchttücher wurden bisher vom Gesetzgeber noch nicht vorgesehen. Deshalb hat die Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger (GSA) bei der Montanuniversität Leoben die Studie „Analyse und Verbleib von Feuchttücher-Abfall in der Kanalisation“ beauftragt. Nach eingehender Analyse der im Rechengut mehrerer steirischer Kläranlagen gefundener Feuchttücher – eine wahrlich nicht besonders delikate Arbeit – wurden drei unterschiedliche Gruppen von Feuchttüchern – von abbaubar bis nicht abbaubar – definiert. Jedenfalls sind Erzeugnisse mit einem hohen (oder ausschließlichen) Naturfaser-Anteil (Zellulose) unproblematisch. Feuchttücher nur kleiner Teil des Problems? Die Marktvolumina für Feuchttücher haben sich – vor allem in Westeuropa und in den USA – in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitet: jährlich um bis zu neun Prozent. Mit dieser deutlichen Verkaufs-Zunahme ist zukünftig mit einer merklichen Steigerung der Entsorgungskosten zu rechnen. Diese betragen gegenwärtig bereits in der Steiermark rund 3,6 Millionen Euro. Diese Allgemeinkosten trägt jeder Bürger mit seinen Kanalbenützungsgebühren. Professionelle Erzeuger von Feuchttüchern sind sich dabei zwar häufig der Problemlage bewusst, schieben den schwarzen Peter jedoch an den Konsumenten oder andere Produktvarianten weiter: Ebenso unreflektiert wie Toilettenpapier gekauft, benutzt und entsorgt würde, landeten auch viele andere Hygieneartikel wie Babytücher, Tampons und Wattestäbchen im Klo: „Alle Hygieneprodukte, die im Bad verwendet werden, laufen Gefahr, unbedacht die Toilette heruntergespült zu werden. Auch das hat etwas mit Habitualisierung zu tun“, sagt etwa Wolfgang Tenbusch der Geschäftsführer des Hygieneartikelerzeugers Albaad. Zudem seien Baby- und Kosmetiktücher bestehend aus Spunlace, einem Verbund aus Viskose und Polyesterfasern, das Hauptproblem in der Diskussion. Diese Fasern seien mechanisch miteinander verkettet und enorm reißfest. Ganz anders verhielten sich die neuesten Entwicklungen von feuchtem Toilettenpapier. Nach der Benutzung fingen diese bereits nach wenigen Minuten an, sich in ihre Faserbestandteile aufzulösen. „Für den Abwassertechniker in der Kläranlage ist aber eine Unterscheidung, ob er es bei einer Verzopfung mit Baby- und Kosmetiktüchern oder feuchtem Toilettenpapier zu tun hat, schlichtweg nicht möglich“, sagt Tenbusch. Aus diesem Grund würde die Gesamtproblematik häufig und fälschlicherweise dem Feuchttuch zugeschrieben. Technische und politische Lösungen … Ob nun Feuchttücher, Slipeinlagen, Binden, Tampons oder Windeln – all diese Materialien gehören genauso wenig in die Toilette wie Wattestäbchen und Kondome. Wie aber garantieren, dass sie nicht hineingeworfen werden, beziehungsweise: wer zahlt? Das derzeitig in Europa diskutierte Maßnahmen-Paket ist noch sehr unterschiedlich: Es reicht von einem Verbot von Feuchttüchern bis zur verpflichtenden Kostenbeteiligung der Erzeuger im Rahmen der Herstellerverantwortung. Die GSA möchte mit ihrer aktuellen Studie die Initiative für ein umfassendes und schrittweises Maßnahmenpaket setzen mit dem obersten Ziel, eine Verringerung, Kennzeichnung aber auch ein gesetzliches Verbot der biologisch nicht abbaubaren und reißfesten Kunstfaser-Feuchttücher zu erreichen. Daneben sind weitere Aktivitäten vorgesehen, wie die Information der Bevölkerung oder Kooperationen mit strategischen Partnern. Aber es gibt auch technische Lösungen, wie man Zopofstoffen Herr werden oder vorbeugen kann. Lesen Sie dazu ab Seite 4. WWW Besuchen Sie uns jetzt auf www.umweltjournal-online.at

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