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UmweltJournal Ausgabe 2018-06

UmweltJournal Ausgabe

U M W E L T T E C H N I K • E N E R G I E • A B F A L L W I R T S C H A F T Retouren an Postfach 555, 1008 Wien | Österreichische Post AG | SCIAM Fachmedien GmbH & Co KG, Geblergasse 95, 1170 Wien | Zulassungsnummer: MZ 02Z030100 M SEIT 1994 | NOVEMBER 2018 – AUSGABE 6 | EINZELPREIS: EURO 4,50,- Christian Holzer Man muss die Ökodesignrichtlinie um Kriterien des „Design for Recycling“ und „Re-Use“ erweitern. Seite 4 AUS DEM INHALT Das Rohstoffpotenzial von Siedlungsabfalldeponien wird häufig als „zu wenig“, „zu schmutzig“ oder „zu feinkörnig“ angesehen. Nun wird mit dem Projekt „EU Training Network for Resource Recovery Through Enhanced Landfill Mining” (NEW-MINE) ein neuer Versuch unternommen, um Abfälle, die seit Jahrzehnten in Deponien vor sich hin verrotten, doch noch einer stofflichen oder energetischen Verwertung zuzuführen. Die Montanuniversität Leoben ist mit an Bord. Seite 9 Carl-A. Fechner P.B.B. VERLAGSPOSTAMT A-1170 WIEN Die Ausbeutung der Erde durch den Menschen hat in diesem Jahrhundert ungeheure Ausmaße angenommen. Seite 20 Willi Linder Thema dieser Ausgabe: Abfallwirtschaft der Zukunft Kreislaufwirtschaft konkret? Wir wollen mit dem neuen Lehrgang „Lernraum Natur“ dem Trend der Naturentfremdung entgegenwirken. Seite 21 Fotos: iStock.com STANDPUNKT „Ocean Cleanup“ Im September war es soweit: Ocean Cleanup ist nach fünf Jahren Vorbereitung in See gestochen, ein ambitioniertes Projekt des jungen Niederländers Boyan Slat, um zumindest einen kleinen Teil der Plastikmengen einzusammeln, die in gigantischem Ausmaß zwischen Hawaii und Kalifornien treiben. Trotz all dieser Bemühungen ist eine Lösung des Problems in weiter Ferne. Nach wie vor steigt die Plastikproduktion, derzeit werden über 500 Millionen Tonnen pro Jahr hergestellt. Für Nachschub ist damit ausreichend gesorgt. Schätzungsweise acht Millionen Tonnen gelangen jährlich in die Weltmeere. Um das einzudämmen wird in der EU noch immer darüber diskutiert, ob man Sackerl und Einwegplastik verbieten soll. Eine Schande, dass noch immer nichts passiert ist. In Ruanda sind Plastiksackerl längst verboten. Geht ja einfach, meinen Sie? Kagame regiert ja quasi als Diktator. Jedoch folgt er hier dem Diktat der Vernunft. Auch das Diktat des Geldes kann Auslöser solcher Gesetze sein: Um nicht Tourismus-Einnahmen durch verschmutzte Strände zu verlieren, hat Jamaika Plastik und Styropor verboten. Vollkommen ungelöst ist auch das Problem Mikroplastik in der Umwelt. Dieses globale Phänomen hat sehr viele Quellen, vor allem Abrieb wie von Schuhsohlen, Fahrbahnen oder Reifen. Allein in Deutschland schätzt man die jährliche Menge an Mikroplastik auf 330.000 Tonnen, ein Drittel davon stammt vom Reifen-Abrieb. Wie die aktuelle Forschung belegt, erfolgt die weltweite Verteilung nicht nur durch Wind und Regen oder Wasser-Lebewesen, sondern auch durch Insekten, die als Larven Mikroplastik aufnehmen. Plastik ist also längst in unserer Nahrungskette, und das wird weiterhin viele Jahre so bleiben. Ganz egal ob wir verbieten oder freiwillig vermeiden. Ing. Walter Kletzmayr KLEWA Umwelttechnik GmbH walter@klewa.co.at Die 3-Fachmesse für BAU, BAD, ENERGIE 1. - 3. März 19 Mi 27. Feb., SHK-Fachtag Do 28. Feb., Bau- & SHK-Fachtag Das EU-Kreislaufwirtschaftspaket soll nun immer mehr in die Umsetzungsphase eintauchen, betonen Regierungen wie unabhängige Experten. Auch die Reparierbarkeit von Produkten und Ökodesign bei Abfallströmen der Zukunft wird dabei eine Rolle spielen. Mit wesentlichen Richtlinienänderungen hat im April dieses Jahres das seit drei Jahren heftig diskutierte EU-Kreislaufwirtschaftspaket noch einmal an Brisanz gewonnen. Abfallwirtschaft und Ressourcenmanagement werden nun unter den Top-Agenden neben Digitalisierung und Energiewende gelistet und hat damit einen deutlich höheren politischen Stellenwert bekommen. Im Rahmen der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft widmete man sich daher bis dato wohl am intensivsten diesem Thema – so auch beim internationalen Kongress zur Zukunft der Kreislaufwirtschaft in Wien. Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger betonte dabei, dass die Bewusstseinsbildung und die Einbindung der Bevölkerung in das Thema Kreislaufwirtschaft eine zentrale Rolle spielen müsse: „Kreislaufwirtschaft ist nichts Abstraktes. Es ist ganz einfach: Wertvolle Ressourcen gilt es verantwortungsbewusst und effizient zu nutzen. Richtig getrennter Abfall von heute ist dabei der Rohstoff von morgen. Das betrifft uns alle – jede und jeder Einzelne kann einen wertvollen Beitrag leisten.“ Kreislaufwirtschaft soll also „konkret“ – so will es die Politik; welche Handlungsfelder dabei besonders im Fokus stehen, listet ein neues Positionspapier des ÖWAV auf. Eine noch bessere und umfangreichere Datensammlung, sowie verstärktes Ökodesign stehen in diesem Papier an vorderster Front (lesen Sie ab Seite 4). 54 Arbeitsfelder Der Aktionsplan der Europäischen Kommission selbst listet 54 Arbeitsfelder auf – vom Produktdesign über Rohstoffbedingungen bis hin zur Wiederverwendung und zum Recycling. Auch über Europa hinaus wachsen die Ambitionen in Richtung „Circular Economy“. „Die Unido arbeitet auf globaler Ebene an der Entwicklung mehrerer Bausteine für die Kreislaufwirtschaft“, so der stellvertretende Generaldirektor der Unido Hiroshi Kuniyoshi. „Wir wandeln an ungefähr 15 Standorten in Entwicklungsländern Industrieparks in Öko-Industrieparks um, wir haben in mehr als 60 Entwicklungs- und Schwellenländern ein Netz von Zentren, die ressourceneffizientere und sauberere Produktionsweisen fördern, aufgebaut und wir sind an zahlreichen Recycling- und Abfallwirtschaftsprojekten in der ganzen Welt beteiligt.“ Im abfallwirtschaftlichen Vergleich zählt Österreich aber immer noch zu den internationalen Vorreitern. In österreichischen Haushalten fallen jährlich rund 4,3 Millionen Tonnen Abfälle an, wovon rund 90 Prozent stofflich oder thermisch verwertet – also weiter genutzt – werden. Das gesammelte Altpapier wird fast zur Gänze für die Produktion neuer Papierprodukte verwendet. Ein zentraler Bestandteil der Kreislaufwirtschaft ist auch das Recycling von Abfällen. Beispielsweise benötigt das Wiedereinschmelzen von Aluminium im Vergleich zur Neuherstellung nur fünf Prozent der Energie. Kreislaufwirtschaft als Zukunftsmodell Daneben findet sich auch das Thema Reparierbarkeit und Re-Use von Produkten immer häufiger auf kreislaufwirtschaftlichen Umsetzungsplänen. Der Tiroler Umweltverein zeigt vor wie das funtionieren kann: seit 2008 werden in einem Projekt rund 13.000 Schultaschen wieder zu verwenden. „Das erfolgreiche Tiroler Schultaschenprojekt zeigt, dass die Bevölkerung Re-Use-Initiativen engagiert unterstützt, und dieses Projekt soll als Anregung dienen, noch brauchbare Gegenstände einer Wiederverwendung zuzuführen anstatt sie als Abfälle zu entsorgen“, stellt Michael Kneisl Obmann des Umweltverein Tirol fest. Die Nachfrage nach den Re-Use-Produkten im Inland ist dabei stark gestiegen. In 106 Re- Use-Shops wurden 2017 rund 5.150 Tonnen Re-Use-Produkte an etwa 1,6 Mio Kunden ver- kauft und darüber hinaus weitere 190 Tonnen an Bedürftige abund 340 Tonnen an inländische Händler weitergegeben. Deutlich zugenommen hat - mit derzeit etwa 1.500 Stellen - auch die Anzahl der Arbeitsplätze, wie RepaNet, das Re-Use- und Reparaturnetzwerk Österreichs, betont. Die Idee der Kreislaufwirtschaft aber geht tatsächlich einen Schritt weiter als Re-Use. Denn Produkte sollten von vornherein so gestaltet werden, dass sie später leichter repariert, wiederverwendet oder recycelt werden können. Eine Forderung, die vor allem für die neuen zu erwartenden Abfallströme der Zukunft gilt, wie Batterien von Elektroautos und Co. Waren 2017 insgesamt weltweit gerade mal etwa eine Million reine E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride auf der Straße unterwegs, wird die Zahl der jährlich neu zugelassenen E-Autos bis 2030 auf über 20 Millionen weltweit steigen. Damit steigen auch die Notwendigkeiten für effektives Recycling und Wiederverwertbarkeit dieser neuen Massentechnologie – notwendige Kreislaufwirtschaft eben. Allclick AUSTRIA GmbH Wiener Straße 100, 2511 Pfaffstätten Tel.: 02252/49 001-0, Fax: 02252/49001-40 , www.allclick.at Schallschutztechnik | Inneneinrichtung | Lagerhilfsmittel | Lagereinrichtung Ihr Partner für Schallschutz espa19_TK_85x42mm_Umwelt.indd 1 24.10.18 07:34