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UmweltJournal Ausgabe 2019-02

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UmweltJournal Ausgabe

U M W E L T T E C H N I K • E N E R G I E • A B F A L L W I R T S C H A F T Retouren an Postfach 555, 1008 Wien | Österreichische Post AG | SCIAM Fachmedien GmbH & Co KG, Geblergasse 95, 1170 Wien | Zulassungsnummer: MZ 02Z030100 M SEIT 1994 | MÄRZ 2019 – AUSGABE 2 | EINZELPREIS: EURO 4,50,- Greta Thunberg Wir sind hier um Euch mitzuteilen, dass eine Veränderung auf Euch zukommt – ob Ihr wollt oder nicht. Seite 3 AUS DEM INHALT Im Meer treibende Geisternetze und anderer Müll könnten in Zukunft automatisch von Flugzeugen, Drohnen oder Satelliten aufgespürt werden. Die Grundlagen dafür hat ein Forscherteam um Shungudzemwoyo Garaba vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg gelegt. Die Forscher unterstützen auch das derzeit etwas strauchelnde Projekt „Ocean Cleanup“ im Pazifik. Seite 4 Auf immer mehr Dächern Österreichs sind Photovoltaik- Module zu finden. Während die Technologie im Bereich der Primärproduktion rasant voran schreitet, findet am Ende der Lebensdauer üblicherweise kein spezialisiertes Recycling statt. Die Erforschung zukunftsorientierter Recyclingprozesse ist der Grundstein um für die immer größeren Abfallmengen gerüstet zu sein. Der Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversität Leoben beschäftigt sich im Projekt „PVRe² - Sustainable Photovoltaics“ mit der Verbesserung der Nachhaltigkeit siliziumbasierter Module. Seite 13 STANDPUNKT US Schieferöl – naht die Wende? Die Förderung von konventionellem Erdöl hat zwischen 2005 und 2008 ihren Höhepunkt überschritten. Dies passte faszinierender Weise mit den Prognosen von M. King Hubbert aus den 1960er Jahren überein und veranlasste viele Experten dazu, den sogenannten Peak Oil auszurufen. Diese am Ölmarkt zu beobachtende Verknappung des Ölangebotes ließ die Ölpreise von einem Niveau von circa zehn US-Dollar pro Barrel bis in die Spitze von rund 140 US-Dollar pro Barrel steigen. Ein globaler Kosteneffekt, der unter anderem auch dazu geführt hat, dass einige ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten und einige Kredit-Blasen platzten. Die danach deutlich höheren Ölpreise erlaubten nun die Förderung von unkonventionellem Öl, etwa aus Tiefseebohrungen oder Ölsanden. Den größten Effekt auf die globale Ölförderung aber hatte der Start der US-Schieferöl-Förderung. Nur sie konnte die Mengen signifikant erhöhen – was einen interessanten Umkehrschluss zur Folge hat: Wenn diese Förderung zurückgeht, ist Peak Oil endgültig erreicht. Man kann dabei die US-Schieferöl-Branche als Potemkinsches Dorf bezeichnen. Sie hat insgesamt einen Verlust von rund 300 Milliarden US-Dollar angehäuft, viele Unternehmen sind bankrott – dennoch hat die Wallstreet über Jahre investiert. Mittlerweile versiegt dieser Zufluss neuer Mittel und so stockt auch die rasche Expansion der Bohrtürme. Würde er 2019 gänzlich gestoppt, bräche die Förderung um geschätzte 60 Prozent ein. Experten sehen auch bereits Anzeichen für eine Verlangsamung der Förderzuwächse. Der drohende globale Kosteneffekt wird - ohne groß den Teufel an die Wand zu mahlen - wieder global das Potenzial haben, sämtliche Kredit-Blasen platzen zu lassen. Übrigens liegt die globale Verschuldung derzeit bei etwa 320 Prozent vom globalen BIP ... Patrick Wagenhofer pw@wagenhofer-ee.com Wolfgang Eichberger P.B.B. VERLAGSPOSTAMT A-1170 WIEN Sie wurden von künstlicher Intelligenz ersetzt! Diesen Satz fürchten viele Profis der Energiebranche. Seite 12 Thema dieser Ausgabe: GEFÄHRLICHE ABFÄLLE Rudolf Kanzian Lithium-Batterien im Restmüll: Ursache für gefährliche Brände Die Überprüfung des Genehmigungskonsenses gewerblicher Betriebsanlagen entfällt für EMAS-Betriebe. Seite 15 Die Montanuniversität Leoben bestätigte kürzlich den Verdacht zu dem Abfallentsorger schon Alarm geschlagen hatten: Lithium-Batterien sind für zahlreiche Brände in Abfallbehandlungsanlagen verantwortlich. Die Brandschäden in den letzten fünf Jahren werden von den Entsorgern auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. Falsch entsorgte Lithium- Batterien sind die Hauptursache von zahlreichen Bränden in Abfallbehandlungsanlagen. Das bestätigen Daten aus dem Forschungsprojekt der Montanuniversität Leoben BatSAFE, das im November 2018 präsentiert wurde. Allein in Österreich landen rund 700.000 Lithium-Batterien im Restmüll, statt in den dafür vorgesehenen Sammelstellen. Bis zum Jahr 2025 könnte ihre Zahl auf bis zu drei Millionen steigen – und somit für noch mehr Brände sorgen. Die Abfallentsorger schlagen schon seit Längerem Alarm und fordern deutlich höhere Sammelquoten, um weitere Brände zu verhindern. „Lithium-Batterien im Restmüll sind für uns eine Katastrophe“, bringt Hans Roth, Präsident des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe, das Problem auf den Punkt. „Für unsere Mitgliedsbetriebe sind die Brände abseits von einem finanziellen Desaster auch ein enormes Sicherheitsthema, denn dort arbeiten Menschen, die sich täglich einer großen Gefahr aussetzen. Das kann so nicht weitergehen.“ Zunehmender Einsatz von Lithium-Batterien Man findet sie in Handys, Laptops, E-Bikes, Akkubohrern, Drohnen, aber auch in Kleidungsstücken und blinkenden Wo überall Lithium Batterien zu finden sind: • Elektronische Geräte wie Laptops, Handys, Drohnen, Digicams • Haushaltsgeräte wie z.B. Akku-Bohrer • E-Bikes, Elektroscooter, Elektroautos, Elektroboote • Modellbau • Kinderspielzeug Kinderschuhen: Leistungsstarke Lithium-Batterien sind mittlerweile allenthalben und ihr Einsatz steigt. Winzige Schäden reichen dabei aus, um ihr Brandrisiko deutlich zu erhöhen – nicht nur bei den Abfallentsorgern, ebenso im Handel und in privaten Haushalten. Berichte in Zeitungen darüber mehren sich seit Jahren, und zwar europaweit. Dass auch der Großteil der Brandfälle in Abfallbehandlungsanlagen Österreichs auf Lithium-Batterien zurück zu führen ist, hat nun die Montanuniversität Leoben in einer aktuellen Studie bestätigt. „Wir forschen seit Jahren an den Brandursachen in der Abfallwirtschaft und sind zu einem eindeutigen Schluss gekommen: Lithium-Batterien im Restmüll sind die Hauptursache dieser gefährlichen Brände,“ sagt Roland Pomberger, Leiter des Projekts BatSAFE. Eine Lösung des Problems könne nur gemeinsam mit allen Beteiligten gefunden werden. Dazu gehörten die Herstellerfirmen, die Bevölkerung und die Abfallentsorger. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen allerdings müsste die Politik schaffen. „Eine Sammelquote von 80, 90 Prozent könnte das Problem relativ leicht aus der Welt schaffen“, ist Pomberger überzeugt, wenn auch skeptisch, ob diese erreichbar sei. Derzeit liegt die gesetzlich vorgeschriebene Quote nur bei 45 Prozent, gesammelt wird rund die Hälfte aller im Umlauf gebrachten Batterien, Tendenz leicht fallend. Ein Teil der alten Akkus und Batterien liegt noch in privaten Haushalten und sind übrigens auch dort eine Gefahrenquelle. Die aktuelle Sammelquote von 45 Prozent ist angesichts des Gefahrenpotenzials von Lithium- Batterien obsolet, ist auch Roth überzeugt. „Lithium-Batterien dürfen nicht in den Restmüll. Das muss jeder wissen, der Produkte mit Lithium-Batterien nützt. Sonst wird es jedes Jahr mehr Brände geben.“ Finanzieller Schaden in Millionenhöhe Weltweit häufen sich die Meldungen mit gefährlichen Zwischenfällen im Zusammenhang mit Lithium-Ionen-Akkus. So sind beispielsweise Mitte Dezember in einem Lagerabschnitt einer Produktionshalle des niederländischen Fahrradherstellers Accell Benelux durch einen Kurzschluss circa 200 Lithium- Batterien in Brand geraten. Ein spezielles Brandschutzlager der Salzburger Firma Denios verhinderte dabei jedoch eine Ausbreitung des Brandes. Laut BatSAFE verursachen aber vor allem die im Restmüll entsorgten Lithium-Batterien in heimischen Sortieranlagen bis zu 70 potenzielle Brandunfälle pro Jahr (Lesen Sie zum Thema Brandschutz in Abfallanlagen auch auf Seite 9). „Unsere Betriebe sind die Leidtragenden einer Entwicklung, für die wir nicht verantwortlich sind“, so Roth weiter. „Vielmehr investieren wir seit Jahren in Recycling und bemühen uns, die Ressourcenwirtschaft zu fördern. Aber Lithium-Batterien im Restmüll führen zu Schäden in Millionen Höhe, abgebrannte Betriebe müssen ganz von vorne Foto: iStock.com anfangen.“ Konkret geht es um einen Schaden von über 100 Millionen Euro, die Brandschäden bei den Abfallentsorgern in den letzten Jahren verursacht haben. Diese Investitionen, aber auch weitere Vorsorgemaßnahmen führen zu Kostenerhöhungen von rund einem Viertel zu den heutigen Preisen. Ergänzend zu einer höheren Quote müssten die Hersteller daran arbeiten, Lithium-Batterien sicherer zu machen, ansonsten sollte ein Verkaufsverbot drohen. Nicht wünschenswert, aber womöglich der letzte Ausweg wäre eine Pfandlösung, so die Experten. Als ersten Schritt müssten aber Konsumenten umfassend informiert werden, wo überall Lithium-Batterien sind und wie sie korrekt entsorgt werden. Nämlich ausschließlich in die dafür vorgesehenen kommunalen Sammelstellen oder in Geschäften, die Batterien und Akkus verkaufen – kostenlos.