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UmweltJournal Ausgabe 2019-04

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UmweltJournal Ausgabe

Retouren an Postfach 555, 1008 Wien | Österreichische Post AG | SCIAM Fachmedien GmbH & Co KG, Geblergasse 95, 1170 Wien | Zulassungsnummer: MZ 02Z030100 M U M W E L T T E C H N I K • E N E R G I E • A B F A L L W I R T S C H A F T SEIT 1994 | JULI 2019 – AUSGABE 4 | EINZELPREIS: EURO 4,50,- Werden Sie: Michael Griebaum Das Ziel der OÖ Umwelttage ist es, das Thema „Ver- und Entsorgungsleitungen“ in den Fokus zu rücken. Seite 2 zertifizierte/r Umweltmanager/in TÜV ® zertifizierte/r Energiemanager/in TÜV ® Info & Anmeldung tuv-akademie.at/umwelt | akademie@tuv.at | +43 5 0454-8000 AUS DEM INHALT Inserat_Umweltjournal_85x42_TÜVAkademie_Umweltmanager_15062019.indd 1 13.06.2019 12:00:22 Ein deutscher Abluftfilter- Hersteller beseitigt feinste Staubpartikel in einem 3,7 Kilometer langem Straßentunnel der chinesischen Metropole zu mehr als 90 Prozent. Das System transportiert die gesamte Abluft – 5,4 Millionen Kubikmeter pro Stunde – nicht nur an die Oberfläche, sondern reinigt sie gleichzeitig von Schadstoffen. Die Filter zählen zu den weltweit größten dieser Art. Seite 6 In Aspern Seestadt treten künftig Häuser in Dialog und „sprechen sich ab“ in punkto Energiebedarf oder kommunizieren mit Bewohnern und Infrastruktur. Technikzentrale, Wetterstation, Automobil, User und smartes Netz sind dabei nur einige „Gesprächspartner“ von zukünftigen intelligenten Gebäuden. Seite 11 Axel Dick P.B.B. VERLAGSPOSTAMT A-1170 WIEN Es wächst eine Generation heran, die es nicht tolerieren wird, wenn wir Klimaschutz vernachlässigen. Seite 5 Thema dieser Ausgabe: Green Finance Foto: iStock.com Rudolf Kanzian Mit den 17 „SDGs“ können Unternehmen neben Umweltbelangen auch um soziale Angelegenheiten fokussieren. Seite 16 EU-Standard für grüne Anleihen erwartet Grüne Investments boomen. Banken und Vorsorgekassen springen aufgrund steigender Nachfrage immer mehr auf „Green Bonds“ auf. Nun soll ein übergeordneter EU-Standard grüne Anleihen besser vergleichbar machen. Zusätzlich soll mit der „Taxonomie-Verordnung“ ein Klassifizierungssystem für nachhaltiges Investieren und Wirtschaften geschaffen werden. Die Saudische Bombe STANDPUNKT Der staatliche saudische Ölkonzern Aramco will Geld aufnehmen und dafür braucht es einen „Prospekt“ für die Anleger. Das Interesse an diesem Prospekt ist sehr groß, da man sich erhoffte, einige bisher wohl gehütete Staatsgeheimnisse zu erfahren. Nachdem sich SA nun zwei Jahre lang geziert hat, liegt der Prospekt nun vor und es finden sich wahrlich Augen öffnende Informationen darin. Die „Bombe“ ist aber, dass das größte Ölfeld der Welt, Ghawar, statt wie bisher behauptet/geschätzt nicht über 5,5 Millionen Fässer Öl pro Tag (mbpd) liefert sondern nur 3,8. Das muss man einordnen. Die globale Förderung liegt bei rund 85 mbpd. Die Menge, die die OPEC durch Förderkürzungen zurückhält und damit die Preise von 40 USD auf 70 USD getrieben hat, liegt bei ein bis zwei mbpd. Saudi Arabien fördert rund zehn mbpd. Das heißt, dass das größte Ölfeld der Erde das Produktionsmaximum hinter sich hat - wahrscheinlich sogar schon seit 2005. Das wird auch für die anderen Super-Giganten Felder gelten. Das ist per se keine echte Überraschung bei Ölfeldern, die über 70 Jahre alt sind. Aber SA hat bisher immer das Gegenteil behauptet – und „alle“ haben es geglaubt. Im letzten Artikel habe ich berichtet, dass das Produktionsmaximum von US-Schieferöl mit circa 2020 in Sichtweite kommt. Nun kann auch Saudi Arabien die Produktion nicht mehr ausweiten. Wohin steigende Ölpreise führen, noch dazu in Kombination mit einer nachlassenden Weltkonjunktur, wissen wir. Darüber hinaus hängt die Vormachtstellung des US-Dollar am Saudi-Arabischen Öl. Hier beginnen geostrategische Tektonikverschiebungen, die man mit freien Auge sehen kann: USA verurteilen SA im Fall Khashoggi, die Veröffentlichung von 911 Dokumenten wird wieder angedroht, NOPEC ist wieder am Tableau. Bis vor kurzem haben die USA nichts über ihren wichtigsten Verbündeten kommen lassen. Jetzt müssen wir uns gut anschnallen – am besten im E-Auto und mit PV-Anlage am Hausdach. Mag. Patrick Wagenhofer, MSc pw@wagenhofer-ee.com Die Begriffe „Nachhaltige Investments“ und „Green Finance“ liegen in der Finanzbranche derzeit in aller Munde. Zahlreiche Anbieter konstatieren, dass die Nachfrage im Bereich nachhaltiger Fonds steigt sowohl bei Privat- als auch institutionellen Kunden überdurchschnittlich steige. Nun knackte vor kurzem auch erstmals ein österreichischer Nachhaltigkeitsfonds die 1-Milliarde-Euro-Marke. Der betreffende „Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix“ hat sein Volumen seit Jänner 2018 verdoppelt und verzeichnet dabei vorwiegend Zuflüsse aus dem Privatanleger-Segment. „Nachhaltigkeit ist einer der großen Megatrends unserer Zeit, der gerade im Begriff ist, ganz massiv ins Asset Management einzufließen“, sagt Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG dazu. Diese Entwicklung würde sich weiter fortsetzen, weil Anleger zunehmend verantwortungsbewusst investieren möchten, „und andererseits auch immer mehr Fondsanbieter selbst einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten wollen“, so Aigner. Eine Rolle spielen dabei aber sicher auch die vielfach stabileren Renditen nachhaltiger Investments, die in einer aktuellen Mercer-Studie „Investing in a Time of Climate Change“ besonders hervorgehoben werden: „Laut unserer Modellbetrachtungen kann eine stärkere Be- rücksichtigung nachhaltiger Anlagen im Portfolio die Renditen verbessern“, sagt Helga Birgden von Mercer. Zudem sei eine zentrale Schlussfolgerung der Studie, dass Investoren selbst aktiv auf ein „2 Grad Celsius Szenario“ hinsichtlich der durchschnittlichen globalen Erwärmung hinarbeiten müssten und dies auch als Chance verstehen sollten: „In fast allen Anlageklassen, Regionen und Zeiträumen zeigen unsere Analysen, dass die zu erwartenden Renditen im zwei Grad Celsius Szenario deutlich besser ausfallen als bei einer Erwärmung von drei oder vier Grad Celsius. Außerdem bietet der dafür notwendige Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und Gesellschaft neue Anlagechancen“, so Birgden. Green Finance Agenda In Österreich hätten dabei die Vorsorgekassen eine Vorreiterrolle im Bereich Nachhaltigkeit übernommen. Auch die hiesigen Pensionskassen berücksichtigten zunehmend den Faktor Nachhaltigkeit in ihrer Veranlagung. „Selbst einige Versicherungen werfen inzwischen einen prüfenden Blick auf das Thema“, so Angelika Delen von Mercer. Einen weiteren Push für den Sektor nachhaltiger Anlagen soll nun auch die österreichische Green Finance Agenda liefern, die im Frühjahr gestartet wurde. Bis Ende des Jahres soll sich dabei eine Fokusgruppe mit etwa 25 Schlüsselakteuren des österreichischen Finanzsektors der Frage widmen, wie der österreichische Finanzmarkt einen Beitrag zur Erreichung der Klima- und Energieziele leisten kann. EU-Green-Bond-Standard und Taxonomie-Verordnung Im März hat zudem eine von der Kommission im Juli 2018 eingesetzte Technische Expertengruppe für nachhaltige Finanzierungen ihren vorläufigen Entwurf veröffentlicht, wie ein EU-Standard für grüne Anleihen (EU Green Bonds) aussehen könnte. Hintergrund: Im Rahmen des Aktionsplans der Kommission zur Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums wurde das Ziel formuliert, erhebliche Investitionen für Klima- und Umweltschutz zu mobilisieren, indem ein EU-Kennzeichen entwickelt wird, das Hindernisse für die Entwicklung des Marktes für grüne Anleihen beseitigen soll. Der Standard würde laut Kommission auf einer starken Verifizierungs- und Akkreditierungsstruktur beruhen und eng mit dem neuen EU-weiten Klassifizierungssystem für umweltverträgliches Wirtschaften („EU-Taxonomie“) verknüpft sein. (Anmerkung: Die endgültigen Empfehlungen der Technischen Expertengruppe wurden der Kommission im Juni 2019 in ihrem Bericht vorgelegt und waren zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht bekannt.) Die dazu geplante Taxonomie-Verordnung ist als Klassifizierungssystem gedacht. Banken, Versicherungen und Anlageberatern soll damit ein Kriterienkatalog vorgelegt, der als Grundlage für die Bewertung des Nachhaltigkeitsgrades von Unternehmen dient. Jenen Unternehmen, die sechs Umweltziele verfehlen, drohen schlechtere Konditionen bei der Kreditaufnahme. (Lesen Sie auf Seite 5) Die Verordnung dürfte noch in diesem Jahr beschlossen und bereits 2020 in Kraft treten.