Aufrufe
vor 2 Jahren

Berliner Zeitung 08.03.2018

  • Text
  • Kino
  • Berlin
  • Cinestar
  • Kinowelt
  • Berliner
  • Cineplex
  • Vorstellung
  • Filmpalast
  • Friedrichshain
  • Palast
  • Zeitung
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Frauentag: Unbekannte Heldinnen der Emanzipation – Seiten 2und 3 . . Donnerstag, 8. März 2018 Nr.57HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... I T A L I E N Rechter Einwanderer VON REGINA KERNER Tony Iwobi wirdSenator für die rechtsextreme Lega. Die Geschichte vonTony Iwobi ist eigentlich eine Vorzeige-Geschichte zum Thema Migration. Als er 22 Jahre alt war, kam er aus Nigeria nach Italien, mit einem Studentenvisum. Heute,vierzig Jahrespäter, ist er italienischer Staatsbürger, Inhaber einer Internetfirma mit zwölf Angestellten in der Provinz Bergamo, verheiratet mit einer Norditalienerin, Familienvater und bestens integriert. Demnächst wird er als erster schwarzer Abgeordneter in den römischen Palazzo Madama einziehen, den Sitz des Senats, der zweiten Parlamentskammer. Für Irritation sorgt nur eines: Tony Iwobis Parteibuch. Er gehört nämlich der rechten Lega an und warb im Wahlkampf mit dem Slogan „Stop Invasione“ –Stopp der Invasion der Bootsflüchtlinge, die vorwiegend aus Afrika kommen. Die Lega holte am Sonntag mit mehr als 17 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte, ihr Chef Matteo Salvini will Premier werden und unverzüglich 600 000 illegale Zuwanderer aus dem Land werfen. Iwobi ist in der Partei seit vier Jahren für das Thema Migration zuständig. Er sieht keinen Widerspruch zwischen seiner Hautfarbe und seinen Überzeugungen. „Steht denn irgendwo geschrieben, dass ein Schwarzernicht rechts wählen darf?“, fragt er. Er sei stolz darauf, der Lega seit 25 Jahren anzugehören, als „schwarzes Schaf“, wie er scherzhaft anmerkt. Die Idee des Föderalismus habe ihn in den 90er-Jahren angelockt. Damals hieß die Partei Lega Nord und bestand aus Separatisten, die Norditalien von den als Schmarotzern beschimpften Süditalienern abspalten wollten. Unter Salvini driftete sie sehr weit nach rechts,strich den Zusatz„Nord“ und sorgte sich um den Fortbestand der weißen Rasse.Als Italien 2013 eine aus dem Kongo stammende Ministerin bekam, nannte ein Lega-Politiker sie einen Orang-Utan. Nein, die Lega sei nicht rassistisch, beteuertder künftige Senator Iwobi. SolcherartBemerkungen seien nicht sympathisch, in der politischen Auseinandersetzung aber nicht schlimm. „Was meinen Sie, was ich selbst an Beleidigungen erlebt habe. Ich hänge das nicht an die große Glocke.“ Seine Partei habe auch nichts gegen Zuwanderer.„Unsist klar, dass Migration in der DNA des Menschen liegt. Aber solange es Staatsgrenzen gibt, ist illegale Zuwanderung eine Straftat.“ Undüberall in Italien sehe er Flüchtlinge,die völlig sich selbst überlassen seien. „Eine soziale Bombe.“ Iwobi sieht sich als Kämpfer für diejenigen, die legal ins Land kommen, so wie er vor40Jahren. „Deshalb wählen viele vondenen mit ordentlichen Papieren die Lega.“ Auch viele Schwarze seien darunter,behauptet Iwobi. Er, der in Nigeria in einer katholischen Familie mit zehn Geschwistern aufwuchs und sich in Italien anfangs als Straßenkehrer durchschlug, fühlt sich heute durch und durch als Italiener. Das habe er sich mit vielen Opfernverdient, betont er. Italiens Fußballstar MarioBalotelli, Sohn ghanaischer Einwanderer und aus den Stadien an Affenlaute und Bananenwürfe gewöhnt, reagierte schockiert auf die Nachricht über den ersten afrikanisch-stämmigen Lega-Senator. „Vielleicht bin ich blind oder vielleicht haben sie ihm noch nicht gesagt, dass er schwarzist. Schande!!!“, schrieb Balotelli auf Instagram. Lotto 18 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 16, 29 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 16 ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH, 10171Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 41010 VON PETER NEUMANN Z ugausfälle,überfüllteWagen: Fahrgäste der Berliner U- Bahn leiden unter der Krise des wichtigsten Verkehrsmittels in der deutschen Hauptstadt. Jetzt zeigen neue interne Zahlen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), wie gravierend die Misere momentan ist. „Die Lage ist katastrophal –dramatischer als bei der S-Bahn“, sagte Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB am Donnerstag. Nach Informationen der Berliner Zeitung kamen Dienstagfrüh auf den Linien U5bis U9 insgesamt 60 Wagen weniger als geplant in den Einsatz. Am Mittwochmorgen belief sich das Defizit auf 42Wagen. Laut BVGwerden auf diesen Strecken derzeit 612 Wagen benötigt. DieAusfallquoten betrugen an diesen Tagen zehn und sieben Prozent. Noch spürbarer ist der Mangel auf den Linien U1 bis U4. Dortfehlten Dienstagfrüh ebenfalls gemessen am aktuellen Bedarf insgesamt 58 Wagen, am Mittwoch waren es 56. Für diese Linien beziffert die BVG den Bedarf derzeit auf 380 Wagen. An beiden Tagen standen auf diesen Linien rund 15 Prozent der U- Bahn-Wagen für den geplanten Verkehr nicht zur Verfügung . Jahrelange Versäumnisse „Dieser Tage macht uns insbesondere inden Werkstätten die anhaltende Grippewelle zu schaffen“, erklärte BVG-Sprecher Markus Falkner.„So kames dazu, dass ausgerechnet in diesen Tagen viel mehr Reparaturund Reinigungsarbeiten auf eine dezimierte Mannschaft trafen und die Arbeiten nicht so Die Berliner U-Bahn-Krise Die BVG hat zu wenig Wagen, und die sind auch noch alt. Die Lage ist katastrophal, sagt der Fahrgastverband. Und erst in einigen Jahren soll es wieder besser werden. schnell wie gewohnt durchgeführtwerdenkonnten.“ Einweiterer Faktor:„Vermehrte Vandalismusschäden, insbesondere überdurchschnittlich viele Graffiti, haben dazu geführt, dass vermehrt Züge in die Werkstätten geführtwerdenmussten.“ Für diese Erklärung können die internen Zahlen für Dienstag und Mittwoch aber nicht als Beleg herangezogen werden.Denn danach standen am Dienstag 24 U-Bahn-Wagen wegen Schmierereien und Sachbeschädigungen nicht zur Verfügung, am Mittwoch warenesacht. Gravierender wirkt sich aus, dass die Flotte relativ alt ist und viele Fahrzeuge nur noch mit großem Aufwand betriebsfähig zu halten sind. So standen am Mittwoch 390 der insgesamt 1284 U-Bahn-Wagen in den Werkstätten. Davon waren 126 nicht im Verkehr einsetzbar, weil sie instand gesetzt werden. 16 Wagen pausierten, weil Material fehlt. 56 Wagen werden als „abgestellt“ verzeichnet. „Infrüheren Jahren war meist nur vonder Krise bei der S-Bahn die Rede. Jetzt müssen wir feststellen, dass wir eine Krise bei der BVG haben“, sagte Wieseke. EinVergleich zeigt, dass die Ausfälle bei der S-Bahn derzeit geringer sind. Am Mittwoch kamen 1018 Wagen im Linieneinsatz, Verträge fordern 1060 Wagen. Somit belief sich die Ausfallquote auf vier Prozent. Mitmehrals eine halbe Milliarde Fahrgästen pro Jahr ist die U-Bahn der bedeutendste Verkehrsträger in Berlin. Im Ranking der europäischen Metro- Metropolen liegt Berlin auf Platz 5. Allerdings müssen es Beschäftigte und Fahrgäste ausbaden, dass das Landesunternehmen zu wenig in den Fahrzeugpark investiert habe, sagte Jens Wie- „In früheren Jahren war meist nur von der Krise bei der S-Bahn die Rede. Jetzt müssen wir feststellen, dass wir eine Krise bei der BVG haben.“ Jens Wieseke, Berliner Fahrgastverband seke.„Wirhaben es mitjahrelangen Versäumnissen zu tun.“ Unter dem rot-roten Senat und anderen Berliner Landesregierungen wurde der Schwerpunkt auf das Sparen gelegt. Die BVG, die lange Zeit wegen hoher Defizite als Sorgenkind galt, sollte mit Rationalisierungen wettbewerbsfähig gemacht werden. Aufsichtsratsmitglieder berichteten damals, dass ein Senatsvertreter von alten Bahnen schwärmte, die er im Urlaub gesehen habe und die immer noch fahren. Einwände, wonach Oldtimer einen erhöhten Aufwand und höhereAusgaben erfordern, wurden nicht akzeptiert. Obwohl die Zahl der U-Bahn- Fahrgäste seit 2007 um 17 Prozent stieg, wurde die Flotte um 68 Wagen reduziert. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge nahm mit den Jahren zu. Aufden Linien U1 bis U4 liegt es nun bei rund 30 Jahren, auf den anderen Linien bei knapp 28 Jahren. Die ältesten Wagen im Betrieb werden im Juni 62 Jahrealt. U2und U3kürzer als gewohnt Inzwischen wurde die Wende eingeleitet, ab 2021 sollen bis zu 1050 Wagen geliefert werden. Doch bis sich die Lage grundlegend bessert, wird es dauern. Wieseke forderte BVG-Chefin Sigrid Nikutta auf, solange auf Werbeaktionen wie jüngst Turnschuhe mit eingearbeiteten Jahreskarten zu verzichten. „Wir brauchen keine Marketing- Gags“, verlangte er. Am Mittwoch fielen auf den Linien U5bis U9,die wegen ihrer breiteren Tunnel als Großprofil bezeichnet werden,imBerufsverkehr fünf von 98Zugverbänden aus,sodie BVG. Aufden Strecken des Kleinprofils musste kein Kurs gestrichen werden, allerdings waren U-Bahn-Züge kürzer als bisher. Auf der Linie U2 rollten Sechs-Wagen-, auf derU3Vier-Wagen-Verbände. Die BVG hat derzeit sogar Glück. Weil Strecken wegen Bauarbeiten gesperrt worden sind, braucht sie weniger U-Bahnen. Hinzu kommt, dass auf der U7 der Fahrplan leicht ausgedünnt worden ist –auf einen 4,5-Minuten-Takt, was den Bedarf allein um 24 Wagen senkt. Ohne die Einschränkungen bräuchte die BVGfürsKleinprofil 404 und fürs Großprofil 648 Wagen. DerMangel wäredann noch größer. ISTOCKPHOTO Kulturkalender Konzerte,Kino und Bühnen im Blick Giffey soll Ministerin werden Ostdeutsche SPD-Verbände für Neuköllns Bürgermeisterin V ON TOBIAS MILLER Schneller und steiler kann man in Deutschland wohl kaum politisch Karriere machen als Franziska Giffey. Erst vor knapp drei Jahren stieg sie auf von der Bezirksstadträtin für Bildung zur Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln. Jetzt ist sie Kandidatin fürs Bundeskabinett. Zumindest wenn es nach dem Willen der ostdeutschen Landesverbände der SPD geht. Nach Informationen der Berliner Zeitung haben die sich darauf verständigt, Giffey als Ministerin zu fordern. Giffey ist nämlich Ostdeutsche. Die 39-Jährige ist in Frankfurt (Oder) zur Welt gekommen, in Fürstenwalde hat sie Abitur gemacht, studierte in Berlin. Undder Ostenist bislang in der Ministerriege des vierten Kabinetts vonKanzlerin Angela Merkel nur schwach vertreten. Die Union hat, außer Merkel selbst, keinen Minister aus den neuen Bundesländernbenannt. DieSPD hat sich daraufhin nicht nur verpflichtet, ihre sechs Minister gleichmäßig mit Frauen und Männern zu besetzen, sondern auch Ostdeutsche angemessen zu berücksichtigen. Giffey erfüllt nun DPA/MAURIZIO GAMBARINI Zielstrebig und klar: Franziska Giffey, Noch-Bürgermeisterin von Neukölln gleich zwei Kriterien –und die Kandidatin gilt als ehrgeizig. Giffey selber hielt sich am Mittwochabend zurück: „Es ist noch nichts entschieden. Ich kann mich deshalb nicht an Spekulationen beteiligen“, sagte sie der Berliner Zeitung auf Nachfrage.Eine Absage istdas aber auch nicht. Giffey wirdfür die Ressorts Familie oder Arbeit/Soziales gehandelt. Am Freitag will die SPD-Spitze ihre Ministerliste offiziell beschließen und verkünden. Die Wahl Merkels zur Kanzlerin und die Vereidigung des Kabinetts ist für den 14. März geplant. Die längste Zeit der Regierungsfindung geht damit zu Ende. PolitikSeite 4 WETTER BERLIN: Starkbewölkt. Örtliche Regenschauer.Tageshöchstwerte um 8, nachts bei 2Grad. Seite 10

2019

2018