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Berliner Zeitung 25.10.2018

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Aufregende Zeiten: Vorzwanzig Jahren startete die rot-grüne Bundesregierung – Seite 3 Heute mit Kulturkalender 8°/13° Ab und an Regen Wetter Seite 2 EU verbietet Plastiklöffel und Wattestäbchen Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8 www.berliner-zeitung.de Paketbomben-Terror in den USA Politik Seite 5 Donnerstag,25. Oktober 2018 Nr.249 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Attraktiver Profi-Fußball: FC Union lässt nicht locker SportSeite 19 Rowohlt-Skandal Eine friedfertige Frau VonHarry Nutt Die Buchbranche floriert, zumindest was die Produktion medial verwertbarer Nachrichten angeht. Dabei wäreder Hinweis,dass die frühere Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz zum Berliner Ullstein-Verlag wechselt, vor wenigen Wochen kaum mehr als eine Randnotiz gewesen. Nun aber erscheint der angekündigte Personalwechsel zum kommenden Frühjahr wie ein von vielen herbeigesehnter Ausweg aus einer festgefahrenen Situation, die die literarische Welt in Auf- Barbara Laugwitz wechselt zum Berliner Ullstein-Verlag. ruhr versetzt und einem großen Medienkonzern eine handfeste Imagekrise bescherthatte. Dabei war eine große Portion Stolz mit im Spiel, als unlängst das Management der Holtzbrinck-Buchverlage den Bestsellerautor Florian Illies als neuen Rowohlt-Chef ausrief. Dass man sich zugleich etwas unsanft von Illies’ Vorgängerin Barbara Laugwitz getrennt hatte,war allenfalls dem verklausulierten Jargon einer Konzernmitteilung zu entnehmen. DerLiteraturbetrieb brauchte ein paar Tage, ehe der Inhalt der Nachricht vollends erfasst war, reagierte dann aber mit überschäumenden Solidaritätsadressen für die geschasste Verlegerin. Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek witterte eine männliche Verschwörung gegen Frauen in Führungspositionen: „Jetzt ist schon wieder eine Frau rausgekippt worden wie Abfall. (...) Nein, nein, das geht gar nicht“. Das amerikanische Schriftstellerehepaar Siri Hustvedt und Paul Auster sowie sein Landsmann Jonathan Franzen steuerten empörte Grußadressen an Laugwitz bei, in denen sie bekundeten, immer bestens mit ihr zusammengearbeitet zu haben. Für die 1971 in Berlin geborene Barbara Laugwitz, in deren Ägide Bestsellerautoren wie der witzelnde Arzt Eckhart von Hirschhausen und der Kolumnist Jan Weiler („Maria, ihm schmeckt’s nicht“) bei Rowohlt anheuerten, ist die Verpflichtung durch den zur schwedischen Verlagsgruppe Bonnier gehörenden Ullstein-Verlag auch eine Rückkehr. Nicht nur nach Berlin, sondernauch in den Verlag in der Friedrichstraße 126, in dem Laugwitz bis 2005 als Lektorin gearbeitet hatte. Alter Verlag, neue Position. BarbaraLaugwitz werdedie Ullstein-Geschäftsführer Gunnar Cynybulk und Julia Claren unterstützen und die Programme weiterentwickeln, teilte Ullstein am Mittwoch mit. Wasden zwischenzeitlich auch Anwälte und Gerichte beschäftigenden Streit mit Rowohlt angeht, zeigte sich Laugwitz nun friedfertig und versöhnlich. Es sei ihr wichtig gewesen, die lange Zusammenarbeit in der Verlagsgruppe nicht im Streit zu beenden. Google will guter Nachbar sein Der Internet-Riese verzichtet auf seinen Campus in Kreuzberg und überlässt die Räume sozialen Einrichtungen. Monatelang protestierten Anwohnerinitiativen gegen das Projekt. Opposition sieht den Wirtschaftsstandort Berlin geschädigt. So hätte es werden sollen: Eine Google-Campus-Veranstaltung vor einem Jahr im UmspannwerkinKreuzberg.Google zieht nun erstmal nicht ein. VonAnne Lena Mösken und Elmar Schütze Was wie ein Kampf zwischen David und Goliath begann, endete mit einem Sieg vieler kleiner Davids –und einem augenscheinlich glücklichen Goliath. So sah es zumindest auf der Pressekonferenz aus, zuder Google am Mittwoch ins Umspannwerk inBerlin- Kreuzberg geladen hatte. Dort verkündete Rowan Barnett, Chef von Googles Start-up-Förderung, dass der US-Konzerndortnun doch nicht wie geplant zum Jahresende einen Campus eröffnen wird. Stattdessen soll ein „Haus für soziales Engagement“ einziehen, betrieben von der Onlinespendenplattform Betterplace und dem Verein Karuna, der sich um Kinder und Jugendliche in Notkümmert. „Wir haben eingesehen, dass dieser Wegder beste für Kreuzberg ist“, sagte Rowan Barnett. Er habe zuletzt mit Dutzenden gemeinnützigen Organisationen im Kiez gesprochen und sei zum Schluss gekommen, die gesamten 3000 Quadratmeter, die Google im Umspannwerk angemietet hat und derzeit noch renoviert, Betterplace und Karuna zu überlassen. Insgesamt 14 Millionen Euro werde Google dennoch für das Projekt ausgeben. Man darf an dieser Stelle ruhig mal kurzstaunen ob einer derartigen Selbstlosigkeit, die in dieser Größenordnung nicht jeden Tag zu beobachten ist. Undauch ob der Volte, die Google vollzogen hat. Der Campus, der dort nämlich ursprünglich geplant war, wäre der siebte gewesen, den Google eröffnet hätte, nach TelAviv, Madrid, London, São Paolo, Warschau und Seoul. Dahinter verbergen sich sogenannte Hubs für Start-ups,die Google in einem Mentoring-Programm unter seine Fittiche nimmt und mit Investoren und potenziellen Mitarbeitern zusammenbringt –ein ähnliches Konzept also wie etwa in der Factory, die es bereits in Mitte undTreptowgibt und bei der Google auch Partner ist. Daszieht jedes Jahr Zehntausende Besucher aus der Start-up-Szene an, und genau das war einer der Gründe, warum zwei Jahre nachdem Rowan Barnett den Campus Berlin angekündigt hatte,ganz Kreuzberggepflastert ist von Aufklebern mit dem Schriftzug: „Google ist kein guter Nachbar“ und „Fuck off Google“. Denn mit Kreuzberg hatte sich Google einen Standort ausgesucht, der zwar so kreativ und divers ist, wie es für Google spannend ist, in dem aber auch der Druck der Gentrifizierung so hoch ist wie nirgends sonst in der Stadt, ja nirgends in ganz Deutschland. Zahlreiche Anwohnerinitiativen protestierten gegen den Campus. Einen besseren Feind, als einen Konzern, derzeit der drittgrößte der Welt, der jedes Jahr Milliardenumsätze macht und zudem Probleme mit der Privatsphäre seiner Nutzer und mit dem Kartellrecht der EU hat, hätten sich die Gentrifizierungsgegner auch gar nicht wünschen können. Im September besetzten Aktivisten das Umspannwerk für ein paar Stunden, ehe die Polizei einschritt. Ist Google also vor diesem Bürgerunmut eingeknickt? „Wir haben uns nicht von den Protesten leiten lassen, sondern von dem Dialog, den wir mit unzähligen Organisationen geführt haben“, sagte Rowan Barnett am Mittwoch. Diese Beteuerung änderte aber nichts daran, dass FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja schon voneiner „schöngeredeten Resignation“ sprach. DieBotschaft an alle zukünf- „Wir haben eingesehen, dass dieser Wegder beste für Kreuzberg ist.“ Rowan Barnett, Chef von Google für Start-ups tigen Unternehmen und Investoren sei fatal: „Kommt bloß nicht nach Berlin, erst recht nicht nach Kreuzberg.“ Dieser vermeintliche Sieg werde„Kiez- und Milieuschutzfanatiker nun weiter ermutigen, jegliche Veränderung radikal zu torpedieren.“ Tatsächlich verliere Berlin bereits heute „zunehmend die Gunst der Gründer, weil Wohnraum und Büroflächen fehlen und optimale Förderbedingungen nur Marketingversprechen bleiben“, so Czaja. Da in Berlin immer noch die meisten Start-ups in ganz Deutschlandsitzen, wieder Städtevergleich im gerade veröffentlichten Start-up-Monitor zeigt, ist Czajas Vision vielleicht etwas düster.Darüber hinaus engagiertsich Google weiterhin für Start-ups in der Stadt, demnächst wird das Team von Rowan Barnett Büros in der Tucholskystraße in Mitte beziehen. BERND BRUNDERT Und sodeutet auch die von der Grünen Ramona Pop geführte Wirtschaftsverwaltung Googles überraschenden Sinneswandel erst mal positiv für denWirtschaftsstandortBerlin. Einen Ort für soziale Unternehmen zu schaffen, seien „interessante Pläne“, hieß es. Diese zeigten die „zunehmende Bedeutung vonsozial und ökologisch orientierten Unternehmen und der nicht gewinnorientierten Ökonomie“. Derzeit steuerten Sozialunternehmen knapp sechs Prozent zur Berliner Bruttowertschöpfung bei. „An der Schnittstelle zwischen sozial-ökologischem Wirtschaften und innovativen Techlösungen steckt viel Potenzial für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen“, hieß es weiter. Unddie Vertreter dieser Sozialunternehmen, die eben finanziell gesehen zu den Davids der Berliner Wirtschaft zählen, saßen am Mittwoch stolz neben Rowan Barnett. „Oft sind die großen Techkonzerne die einzigen die das Geld haben, ihreVisionen für die Zukunft auch umzusetzen“, sagte Joana Breidenbach, Mitbegründerin von Betterplace. Das Umspannwerk könne jetzt „ein Ort werden, dieWelt, in der wir leben wollen, mitzugestalten“ – zumindest bis 2023, so lange läuft der Mietvertrag. Beiden anderen Davids –den Aktivisten, die gegen den Campus protestierthatten –knallten erst mal die Sektkorken, zumindest als Emojis auf denTwitter.„Wirhatten schon damit gerechnet, dass Google irgendwann aufgibt, wenn der öffentliche Druck zu groß wird“, sagte Stefan Klein von der InitiativeGloreiche,die gegen die Gentrifizierung im Reichenberger Kiez kämpft.„Google ist eben ein Unternehmen, das empfindlich ist, wenn es um sein Image geht.“ Kommentar Seite 8 Bald wieder Fernzüge am Bahnhof Zoo? Neues Konzept sieht Stopps in der City West vor VonPeter Neumann Die Absage war unmissverständlich. Nein, am Bahnhof Zoologischer Garten würden nie wieder ICE- Züge halten, bekräftigte der Berliner Bahn-Manager Alexander Kaczmarekerst kürzlich wieder.Wer in einen Fernverkehrszug steigen will, muss den Hauptbahnhof, Spandau oder eine andereStation ansteuern. Doch nun haben die Fans des Bahnhofs Zoo unerwartet Schützenhilfe bekommen. In dem Konzept für den Bahnverkehr 2030, das Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor zwei Wochen präsentiert hat, ist die Station am Hardenbergplatz verzeichnet –als Zwischenhalt für die fünf Fernverkehrslinien, die künftig auf der Stadtbahn im Zentrum vonBerlin verkehren sollen. DerNetzplan, der auf der Basiseines Modellfahrplans entstand, ist auf der Internetseite des Ministeriums zu finden. Dort ist der Bahnhof Zooals Zwischenhalt verzeichnet. Auch wenn die ICE-Züge nach Hannover, Köln oder Mannheim nicht dazu gehören, weil sie innerhalb Berlins eine andere Strecke benutzen: Auf jeden Fall wäre esein Fortschritt im Vergleich zum jetzigen Zustand. Zwar halten am Zooviele S- und U-Bahnen, Regionalzüge und Busse. Doch alle DB-Fernzüge rollen durch. Das ist so, seit 2006 der neue Hauptbahnhof eröffnet wurde.Auch andauernde Proteste konnten nichts daran ändern–bis jetzt. Schneller durch den Süden Berlins Zwar lässt die DB weiterhin nicht erkennen, dass sie von ihrer jetzigen Praxis abrücken will. Positive Einschätzungen gab es aber zu anderen Teilen des Bahnkonzepts, das in der Zuständigkeit des Bundes nun weiter ausgearbeitet werden soll. Danach ist auch vorgesehen, die Anhalter Bahn, die unter anderem durch Südende, Lankwitz und Lichterfelde Ostführt,von zwei aufvier Gleise zu erweitern. Der Platz sei da, hieß es. Auch für die Hamburger Bahn sehen die Autoren des ersten Gutachter- Entwurfs für den Deutschland-Takt zusätzliche Gleise vor. Zwei neue Regionalbahnlinien sollen über Zehlendorf–Südkreuz–Ostkreuz nach Lichtenbergführen. Berlin Seite12 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 41043

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