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Berliner Zeitung 31.05.2018

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Fußball und Folter: Die WM in Argentinien vor 40 Jahren und die Folgen – Seite 3 Heute mit Kulturkalender 20°/31° Keine Abkühlung Wetter Seite 2 Eine Gefahr? Legionellen in zwei Berliner Bädern Wissenschaft Seite 17 www.berliner-zeitung.de Schöne Aussichten: Die Usedom-Dokumentation Feuilleton Seite 21 Donnerstag,31. Mai 2018 Nr.124 FA -74. Jahrgang Auswärts/D: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Fingierter Mord in Kiew: Arkadi Babtschenko lebt Politik Seite 5 USA Der eine Tweet zu viel VonKarlDoemens Die Titelheldin vonder Serie„Roseanne“ ist eine bodenständige Frau. Das Leben hat es nicht immer gut gemeint mit der Arbeiterfamilie Conner. Tochter Becky hofft vergeblich, als Leihmutter zu etwas Geld zu kommen. Roseanne selbst fehlt das Geld für eine Knie-Operation. Mit burschikosem Witz hält sie die Familie zusammen. Als Dauerkonsumentin des rechten Fernsehsenders Foxschwärmt sie für Trump und fürchtet sich vor den muslimischen Nachbarn Samir und Fatima. Trotzdem Roseanne Barr, verteidigt sie Fatima, als diese im Schauspielerin mit seltsamem Humor Supermarkt angepöbelt wird. Mitder Wiederbelebung der Kultserie im Trump-Milieu nach zwanzigjähriger Pause schien dem US- Fernsehsender ABC vor zwei Monaten ein Coup gelungen zu sein. Mehr als 18 Millionen Zuschauer schauten im Schnitt die zehnte Staffel und bescherten der Disney-Tochter Werbeeinnahmen von45Millionen Dollar. Doch nun zeigt sich: Die gutmütige Roseanne ist reine Fiktion. In Wirklichkeit scheint die Hauptdarstellerin Roseanne Barr eine hasserfüllte Verschwörungstheoretikerin zu sein. Seit längerem schon fiel die 65- Jährige durch Twitter-Botschaften auf, in denen sie behauptete,die Demokraten betrieben einen Pädophilen-Ring. Doch die Tirade vom Dienstag war zu viel. Erst fantasierte sie, die Clinton-Tochter sei mit einem Sohn des bei den Republikanernverhassten Milliardärs und Holocaust-Überlebenden George Soros verheiratet, den sie als „Nazi“ beleidigte.Dann verunglimpfte sie die Afroamerikanerin Valerie Jarrett, eine frühere Beraterin von Barack Obama, als angebliche Nachfahrin vonMuslimbrüdernund Affen. Barrs Versuch, den Eklat als nächtlichen „Witz“ unter dem Einfluss von Schlaftabletten kleinzureden, misslang. Innerhalb weniger Stunden reagierte ABC: Der Sender setzte die geplante elfte Staffel der Serie abund nahm die bisherigen Folgen aus dem Netz. Nicht immer wird in Amerika unter Donald Trump so konsequent gegen Rassismus durchgegriffen. Der Präsident selber, der Barr zum Erfolg der Serie gratuliert hatte, verkniff sich jetzt jeden Kommentar. Reicht das? Die Angst vor einem zu kleinen BER ist unbegründet, sagt Airport-Chef Engelbert Lütke Daldrup. Er legt der Berliner Zeitungseine Zahlen vor. Berlin Seite9 Plagiatsvorwürfe gegen Frank Steffel VonFrederik Bombosch und Elmar Schütze Der einflussreiche Berliner CDU-Spitzenpolitiker Frank Steffel gerät wegen seiner Doktorarbeit von 1999 möglicherweise unter Druck. In dem Werk mit 327 Seiten sollen lange Passagen vonanderen Autoren stammen, ohne dass sie Steffel klar kenntlich gemacht hat. DerPlagiatsvorwurf wirdvon der InternetplattformVroniplag erhoben, die Steffels Arbeit stichprobenartig untersucht hat. Steffel arbeitete zu dem Thema „Bedeutung und Entwicklung der Unternehmer in den neuen Bundesländernnach der Deutschen Einheit 1990“. Der Christdemokrat zählt als Kreisvorsitzender vonReinickendorf zu den mächtigen Männern inder Berliner CDU. 2001 trat er als Spitzenkandidat gegen den damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) an und verlor. Seit 2009 sitzt Steffel im Bundestag. Die Freie Universität Berlin, an der Steffel die Arbeit eingereicht hat, prüfe die Vorwürfe, sagte ein FU- Sprecher der Berliner Zeitung. Steffel ist darüber informiert. „Ich habe volles Vertrauen in die Gremien der FU“, sagte er der Berliner Zeitung. Der Berliner CDU-Spitzenpolitiker soll in seiner Doktorarbeit falsch zitiert haben Und er zitiert seinen Doktorvater Dietrich W. Winterhager: „Der Doktorand hat ersichtlich keine Täuschungsabsicht gehabt.“ Der Plagiatsfachmann und Vroniplag-Gründer Martin Heidingsfelder hat dagegen herausgefunden, dass sich Frank Steffel zum Beispiel im ersten Kapitel seiner Arbeit großflächig bei anderen Autoren bedient hat. So verwendet er absatzweise Passagen aus „Die Leistungsgesellschaft“ des US-amerikanischen Psychologen David C. McClelland, ohne dies an jeder Stelle korrekt zu kennzeichnen. Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Markus Nöth äußert sich allgemein zu Qualitätsanforderungen an wissenschaftlichen Arbeiten: „Wer Zitate nicht korrekt kennzeichnet, gibt als Eigenleistung aus, was keine ist“, sagt er. „Das ist eine Missachtung geistigen Eigentums.“ DieBerliner Zeitung hat weitereStellen gefunden, in denen Steffel blockweise abgeschrieben hat. Der 52-jährige Steffel steht mit dem möglichen Ärger um seine Doktorarbeit in einer illustren Reihe. Besonders spektakulär war der Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Politiker wechselte gerade als „Der Doktorand hat ersichtlich keine Täuschungsabsicht gehabt.“ Dietrich W. Winterhager, Doktorvater von Frank Steffel, zu den Plagiatsvorwürfen Chef vomWirtschafts- zum Verteidigungsministerium, als 2010 Kritik an seiner Doktorarbeit zu einem außenund verfassungspolitischen Thema laut wurde. Die Plattform Vroniplag lieferte Beweise, dass seine Arbeit zu Teilen abgeschrieben war und wissenschaftlichen Grundsätzen nicht genügte. Nachdem die Universität Bayreuth ihm den Doktorgrad aberkannt hatte, legte zu Guttenberg im März 2011 alle politischen Ämter nieder und spielt in der Bundespolitik seitdem keine Rolle mehr. Plagiatsvorwürfe mussten auch die Bundesministerinnen Annette Schavan und Ursula von der Leyen (beide CDU) über sich ergehen lassen. Schavan trat als Bildungsministerin zurück, nachdem die Heinrich- Heine-Universität Düsseldorf ihr 2013 den Doktorgrad aberkannt hatte, den sie ihr 33 Jahre zuvor verliehen hatte. Doch Schavan blieb im Politbetrieb, 2014 wurde sie Botschafterin im Vatikan. Ursula von der Leyen hatte 2016 Ärger mit ihrer medizinischen Promotion. Obwohl in ihrer Arbeit von 1991 Plagiatenachgewiesen wurden, erkannte ihr die Medizinische Hochschule Hannover die Doktorwürden nicht ab.Eshabekeine Täuschungsabsicht vorgelegen. Ursula von der Leyen–seit Angela MerkelsAmtsantritt 2005 in allen Kabinetten dabei – ist bis heuteVerteidigungsministerin und wichtige Kanzlerin-Verbündete. Auch Berliner Landespolitiker wurden schon beim Schummeln erwischt. So darf sich Florian Graf seit 2012 nicht mehr Doktor nennen. Seine ander Universität Potsdam erworbenenakademischen Würden erwiesen sich als unhaltbar. Geschadet hat es ihm vordergründig nicht, Graf blieb CDU-Fraktionsvorsitzender – und ist es bis heute. Berlin Seite10 IMAGO/BERND FRIEDEL Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 Die Berliner Industrie ist skeptisch Weniger Arbeitslose, aber getrübte Aussichten 194050 VonJochen Knoblach Die Bundesagentur für Arbeit konnte am Mittwoch abermals einen Rekord vermelden. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ging im Mai weiter zurück und rutschte mit 2,315 Millionen Erwerbslosen auf den niedrigsten Mai-Stand seit der Wiedervereinigung. 5,1 Prozent beträgt nun die Arbeitslosenquote in Deutschland. In Berlin sind aktuell 157 000 Menschen ohne Arbeit, gut 11 000 weniger als im Mai des vorigen Jahres. Hier beträgt die Arbeitslosenquote 8,1 Prozent. Beides sind ebenfalls Rekordwerte,doch sind die weiteren Aussichten getrübt. Die Berliner Industrie- und Handelskammer konstatiert in ihrer aktuellen Konjunkturumfrage insbesondere inder hiesigen Industrie große Skepsis. Dort büßte der Geschäfts-Index, der die aktuelle Wirtschaftslage sowie die Erwartungen der Industrie-Unternehmen abbildet, im Vergleich zum Jahresbeginn 13 Punkte ein und fiel auf den schwächsten Stand seit Herbst 2016. Es sind vor allem Unsicherheiten im Handel mit den USA und China sowie der bevorstehende Brexit, die die Erwartungen in der Industrie dämpfen. Denn die ist starkvom Export abhängig. Ging in einer Umfrage zu Jahresbeginn noch jedes dritte Unternehmen von steigenden Exporten aus, ist es inzwischen nur noch rund jedes vierte. Bei der IHK wird das mit einiger Sorge betrachtet, da das produzierende Gewerbe als Frühindikator für die Konjunkturentwicklung gilt. Soll heißen: Verliert die Industrie weiter, so wirdsich das in Folge auch auf andere Wirtschaftszweige auswirken. Berlin Seite 14 501603 41122

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