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Bock E-Paper 2025_KW50

WIRSTREICHENNACH

WIRSTREICHENNACH IHREMGESCHMACKWir streichen die SommerfarbeErdbeerrot oder eine von40000 anderen Farben.

Bock | Dienstag, 9. Dezember 2025 5GesellschaftHelfen, wenn Hilfe nötig istAm kommenden Wochenende findet der 11. Schaffhauser Weihnachtsmarkt statt. Mit dabei sind auch wieder Carmen und Walter Isler mit einemStand und ihrer Aktion «Markt von Bethlehem». Mit den in Bethlehem bestellten Produkten aus Olivenholz werden christliche Schnitzerfamilienfinanziell unterstützt. Zusätzliche Spenden und «Trinkgelder» senden die beiden Organisatoren nach dem Markt gerne an weitere Bedürftige.SOZIALES ENGAGEMENTSCHAFFHAUSEN/BETHLEHEMSandro Zoller«Der Start der ökumenischen Aktion‹Markt von Bethlehem›, im vergangenenJahr, hat uns tief bewegt. Wir durften eineüberwältigende Unterstützung erleben –nicht nur finanziell, sondern vor allemmenschlich. Viele Besucherinnen und Besucherkamen auf uns zu und erzählten,dass sie von der Aktion in der Zeitung gelesenhätten. Sie wollten nicht nur kaufen,sondern bewusst beitragen», erinnern sichCarmen und Walter Isler gerne zurück. Oftseien Beträge grosszügig aufgerundet worden.Sie hätten spüren können, dass es fürdie Menschen ein echtes Bedürfnis war, denChristinnen und Christen in Bethlehembeizustehen: «Auch finanziell war die Aktionein starkes Zeichen der Verbundenheit.Wir hatten Olivenholzprodukte im Wertvon rund 7000 Franken eingekauft undkonnten schlussendlich über 10 000 Frankennach Bethlehem überweisen.»Da sich die Situation am Geburtsort Jesu –den Überlieferungen nach – nicht verbesserthat, entschied sich das Ehepaar Islerauch dieses Jahr einen Stand am SchaffhauserWeihnachtsmarkt aufzustellen undOlivenholzprodukte aus Bethlehem anzubieten.«Das grosse Wohlwollen der Mitmenschenhat uns getragen. Viele botenspontan ihre Hilfe an, standen selbst mitam Stand, wollten aktiv mitanpacken undein Stück Verantwortung übernehmen.Diese Resonanz hat uns enorm motiviert.»Lage weiterhin sehr angespanntDie Lage in Bethlehem hat sich im vergangenenJahr weiter verschärft. Die wirtschaftlicheExistenz vieler Familien sei akutbedroht. Rund 85 Prozent der Menschenleben vom Tourismus, doch dieser ist derzeitpraktisch vollständig eingebrochen.«Viele verlieren dadurch ihr Einkommenund sehen keine Perspektive mehr für ihreZukunft vor Ort», erklärt Walter Isler währenddes Austausches mit dem «Bock.»In der Folge würden immer mehr Familienauswandern, um ihren Kindern ein sicheresund stabiles Leben ermöglichen zukönnen. Die Unsicherheit halte seit Jahrenan, und eine Verbesserung sei momentannicht absehbar.«Wir selbst konnten leider erneut nichtnach Bethlehem reisen, da sämtliche Reiseangebotegestrichen wurden.» Dennochstünden sie weiterhin in engem Austauschmit ihrer Kontaktperson vor Ort.Während um 1910 noch rund 90 Prozentder Bevölkerung christlich war, sank derAnteil in den 1970er-Jahren bereits auf fast30 Prozent. Heute machen Christinnenund Christen nur noch rund zehn Prozentaus. In der Stadt Bethlehem leben vermutlichnur noch circa 3000 Christinnen undChristen. Wird der Ballungsraum hinzugezählt,sind es höchstens zehntausend.Keine Touristen, keine Einnahmen«Wir beziehen unsere Olivenholzproduktedirekt von verschiedenen kleinen Betriebenin Bethlehem. Insgesamt gibt es dortrund 587 Schnitzerfamilien. Das sind etwa3200 Menschen, die von diesem Handwerkleben», so Walter Isler. Wie in vielentraditionellen Familienstrukturen würdendie Kinder mit ihrer Arbeit oft auch Elternund Grosseltern unterstützen.Auch dieses Jahr haben sie Waren im Wertvon rund 7000 Franken, inklusive Fracht,eingekauft. «Dieses Geld ging direkt an dieSchnitzerfamilien. Zusätzlich hoffen wirauf Spenden, die wir wie zuvor über unsereKontakte zielgerichtet an bedürftige Familienweitergeben», fügt Carmen Isler an.Dazu würden Sie ausschliesslich mit direkten,langjährigen Kontakten in Bethlehemzusammenarbeiten. Carmen undWalter Isler unterstützen das «Holy ChildProgram» einer Schule für traumatisierteKinder, mit welcher sie im regelmässigenAustausch stehen: «Im vergangenen Jahrkonnten wir ebenfalls einen namhaftenBetrag einer Franziskaner-Ordensfrau vorOrt überweisen, die dann gezielt Familienin Not unterstützt.»Auch für die diesjährige Aktion arbeitendie beiden Schaffhauser mit einer Kontaktpersonin Bethlehem zusammen. Dieseübernimmt die Koordination mit denSchnitzerfamilien und organisiert den Versand.«Ohne diese lokale Unterstützungwäre unsere Aktion in dieser Form garnicht möglich.»Kunstwerke aus OlivenholzViele bestellte Olivenholzartikel haben thematischeinen direkten Bezug zu Bethlehemund zur Weihnachtsgeschichte. Dazu gehörenKrippen, Engel, Christbaumschmuck,Kerzenhalter und Handschmeichler. Danebenbieten Isler an ihrem Stand auchKüchen- und Gebrauchsgegenstände wieSchalen, Schneidebretter, Salatbesteck,Kochlöffel und Bratwender an. «Olivenholzhat in Bethlehem eine lange Traditionund verbindet Handwerk, Herkunft undGeschichte auf besondere Weise.»Carmen und Walter Isler wünschen sich,dass sie an das Ergebnis des letzten Jahresanknüpfen können. Wichtig sei ihnen,dass sie zumindest den Warenwert vonDer «Bock» besuchte bereits vergangenes Jahr, bei der ersten Auflage der Aktion «Markt von Bethlehem», Carmen und Walter Isler. Am 13. und14. Dezember haben die beiden einen Stand direkt beim Münsterportal und freuen sich über jeden Besuch. Bilder: Sandro Zollerrund 7000 Franken decken können. «Alles,was darüber hinausgeht, würden wirsehr gerne wieder für direkte Hilfe vorOrt nach Bethlehem weiterleiten», erzähltCarmen Isler, während sie ein paar Holzprodukteaus der Verpackung holt.Ökumenisch getragenes ProjektIn diesem Jahr werden der Bethlehem-Standund der Friedenslicht-Verkauf gemeinsamals ein grosser, zusammenhängender Standgeführt – und das direkt beim Münsterportal.«Dadurch sind wir beide gut sichtbarund für Gespräche erreichbar, unterstütztvon vielen freiwilligen Helferinnen undHelfern», sagt Carmen Isler. Walter Islerergänzt strahlend: «Hauptsächlich wirdmeine Frau vor Ort sein. Sie ist das Gesichtder Aktion und liebt es, mit den Menschenin Kontakt zu treten.»Die Aktion soll ein Stück der Geschichteder Christenheit und deren geistiges undkulturelles Erbe nach Schaffhausen tragen.«Die reformierte und katholische Kircheunterstützen uns konkret durch die organisatorischeEinbettung, die Kommunikationund die Möglichkeit, den Stand beimMünsterportal durchzuführen.»Zudem übernehme die katholische Kirchedie Vorfinanzierung der Ware, was das Engagementüberhaupt erst ermöglicht habe.Letztes Jahr hatten sie sechs handgemachte Krippen direkt aus Bethlehem im Angebot. Da die Nachfrage sehr hoch war, haben sie nun mehr bestellt.Ein Teil davon wurde bereits von Interessenten reserviert. Die Krippe rechts auf dem Bild beinhaltet ein Musikwerk, das mit dem Stern aufgezogen wird.«Wenn wir nächstes Jahr nicht mehr eine Aktionstarten müssen, würde uns das sehr freuen.Denn dies hiesse, dass sich die Lage verbesserthat und wieder Touristen kommen.»Interview mit Kontaktperson vor OrtSamir Baboun lebt in Bethlehem und istReiseleiter. Er kennt den Ort wie seine eigeneWestentasche und kann aus eigener Erfahrungsprechen.«Bock»: Wie sieht die aktuelle Lage für dieBevölkerung, Christen im Speziellen, aus?Samir Baboun: Die aktuelle Lage für dieBevölkerung sieht sehr schwarz aus. Nachvielen Jahren der Unruhen, ist keine baldigeLösung in Sicht. Das Leben in Palästina istnicht mehr ertragbar. Nichts funktioniertrichtig. Es fehlen den Menschen viele Sachenim Alltag, insbesondere das Grundelement«Frieden». Ohne Frieden kannman kein normales Leben führen. Um einLand weiterzuentwickeln und resilient zumachen, braucht man Frieden, denn nurdurch ihn gibt es Stabilität und Sicherheit.Die Leute sind von den vielen Kriegen sehrmüde geworden. Unsere Kinder sehnen sichnach Frieden. Für die Christen im Speziellenist das sehr wichtig, da sie in der Minderheitsind. In Palästina beträgt die Zahl derChristen 1,2 Prozent der gesamten Bevölkerung.Palästina, bestehend aus West Jordanlandund der Gazastreifen, hat aktuell rundfünf Millionen Einwohner – drei Millionenim West Jordanland und zwei Millionen imGazastreifen. Ich bin ganz sicher, dass seitdem letzten Krieg die Zahl viel weniger gewordenist, insbesondere die der Christen.Ich habe von einigen christlichen Freundenund Bekannten gehört, dass sie das Landverlassen möchten, weil sie für ihre Kindereine sichere Zukunft suchen.Wie versuchen Sie der schwierigen Lagezu trotzen?Baboun: Die Lage ist nicht einfach, da dieArbeitslosigkeit im Land circa 65 Prozentbeträgt. In Bethlehem liegt sie noch höher.Viele Menschen haben ihren Job durch denKrieg verloren. Insbesondere die, welche inder Tourismusbranche arbeiten, etwa wieich. Die Wirtschaft von Bethlehem stütztsich zu 85 Prozent auf den Tourismus. Inder Corona Zeit kamen für etwa drei Jahrekeine Touristen ins Heilige Land und jetztwieder seit dem 7. Oktober und wer weiss,wie lange das noch dauert. Man hat alleseine Ersparnisse verbraucht, wenn manüberhaupt was hatte. Viele sind Sozialfällegeworden. Ich und viele Schnitzer, die aufdie Touristen, welche Bethlehem besuchen,angewiesen sind, suchten nach einerLösung. Wenn also die Touristen nicht zuuns kommen können, müssen wir unsereProdukte irgendwie zu ihnen bringen. Unddas musste trotz der vielen Herausforderungen,wie etwa den hohen Transportkostenund vielen Sperren, bewerkstelligt werden.Wir hoffen, dass unsere christlichen Mitbrüderund -schwestern in Europa uns indieser schwierigen Lage durch den Verkaufunserer Produkte unterstützen können unddadurch die wenigen verbliebenen Christenweiterhin in Bethlehem verbleiben können.Stellen Sie sich Bethlehem ohne Christenvor. Wer wird sich dann noch darum kümmern,dass das ewige Licht in der Geburtskircheweiter brennt? Wir brauchen nichtnur finanzielle, sondern auch politischeUnterstützung sowie Gebete für Friedenund Gerechtigkeit.Welche Funktion haben Sie im Projekt«Markt von Bethlehem»?Baboun: Ich selbst versuche durch denVerkauf der Olivenholzschnitzereienchristliche Familien durch meine Beziehungenin Europa zu unterstützen undauch selbst davon zu leben.Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?Baboun: Für die Zukunft, wie die meistenMenschen auf dieser Welt, erhoffe ich mirein friedliches und normales Leben für meineFamilie und mein Volk, Frieden unterden Menschen, egal zu welcher Religionoder Nationalität sie gehören, Gerechtigkeitund Sicherheit für alle Menschen dieserWelt und natürlich im Heiligen Land. Ichbin ein Mensch des Friedens und glaube festan die Versöhnung zwischen den Völkern.AnzeigeIHR TOYOTA & LEXUSSPEZIALISTBeringen-Enge • 052 630 10 10 • engebrunnen.ch

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