2HintergrundBock | Dienstag, 13. Januar 2026«partyheart»: feiern mit herz«PartyHeart» ist eine Kampagne, welche am 15. Dezember 2025 in Schaffhausen lanciert worden ist. Das Ziel ist, Grenzüberschreitungen imNachtleben zu reduzieren und Respekt, Toleranz und Sicherheit zu erhöhen. Wer mit dabei ist und was es konkret mit der Kampagne auf sich hat,erzählt Hanna Vöhringer, Fachverantwortliche für die Umsetzung der Istanbul-Konvention im Kanton und Projektleiterin von «PartyHeart».AWARENESSSCHAFFHAUSENGinevra Lo Piccolo«PartyHeart» ist eine Informations- undSensibilisierungskampagne rund um einsicheres, respektvolles und verantwortungsbewusstesFeiern. «Das Ziel ist es,Menschen im Nachtleben niederschwelligzu unterstützen: mit Wissen, Orientierungund klaren Botschaften zu Achtsamkeit,Respekt und Toleranz», erklärt die ProjektleiterinHanna Vöhringer. Im Zentrumwürden gegenseitige Rücksichtnahme,Zivilcourage und Hinweise auf bestehendeHilfe- und UnterstützungsangeboteSo sehen die Plakate der Kampagne aus.Die Welt spinntund trauertGASTKOLUMNESCHAFFHAUSENUrs TannerLeider ist dasMotto meinerKolumnenaktueller denn je!Oje. Was für eineTragödie im Wallis.Horrorzahlen,Horrorunglück, Horrortrauer, Horrorschmerzen,Horrorausreden. Was fürein schlimmes, herzloses Behördenversagen.Zum Glück widerstandman (kurz!) dem Reflex, die Wirtein U-Haft zu nehmen. Das wäre imMoment reinste Alibibefriedigung à laRussland. Der Rechtsstaat muss mitaller Härte richten, und das wird Jahredauern. Das muss man aushalten. VielKraft, viel Lebenswillen, und ganz vielLebensmut allen Betroffenen. DerSchmerz und der Verlust sind unbeschreiblich.Leider ist die Staatsanwaltschaftim Falle der U-Haft eingeknickt.Eine ausserkantonale Staatsanwaltschaftwäre wohl notwendig und angesagt.Ich teile die Meinung des StrafrechtsprofessorsJositsch, dass es einemenschliche Tragödie sei. Doch ausrechtlicher Sicht handle es sich bei denim Raum stehenden Vorwürfen ummittelschwere Delikte. Um eine Untersuchungshaftoder ein Ausreiseverbotanordnen zu können, müsse eine ReiheVoraussetzungen erfüllt sein. BeimVerdacht mittelschwerer Delikte seiendiese Voraussetzungen kaum je erfüllt.Hinzu komme, dass es Hinweise aufeine mögliche Verdunkelungs- oderFluchtgefahr geben müsse.Die Verkündung der U-Haft am nationalenTrauertag (!) ist wohlfeil undleider falsch. Sicher muss man politischnachdenken über die Freiwilligkeiteiner Gebäudeversicherung (!), überkommunale Kompetenzen und massivesVersagen bei Brandschutzkontrollen.Und dass der Gemeindepräsidentnicht zurücktritt, ist eine bodenloseFrechheit. Für alle Betroffenen. Auchdie Weltpolitik dreht am Rad, KönigDonald dreht auf, Bösewichte werdenvorgeführt, tut der Falsche das Richtige,auch wenn es völkerrechtswidrig ist?Wahrscheinlich! Man wünschte sichnoch ein paar Halunken und Verbrecher,die so «abgeholt» werden. Nichtwahr, Herr Putin? Dass der mad kingdem befreundeten Nato-Staat DänemarkGrönland entreissen will, lassenwir mal unkommentiert…Und unserekleine Welt? Wie läufts im Paradies? Dafallen doch eher Probleme der KategorieLuxus auf. Sie erinnern sich? MaurusPfalzgraf, 25 Jahre alt, nicht gewähltals höchster Schaffhauser. Schlimm?Überhaupt nicht! Eher eine Auszeichnung;nicht alle sind präsidiabel. (DerSchreibende mitgemeint). Und dasmeine ich als Lob. Es sind schon vielePräsidentinnen und Präsidenten aufgefallen,politisch ausgeschaltet, eherunsicher in Geschäftsordnung undLeitung; das waren jeweils lange undanstrengende Ratsjahre! Aber auch das:Kategorie Luxusproblemchen. Denke,lieber Maurus, an den damals jung gewähltenSP-Kantonsrat Stefan Lacher,klug und strukturiert. Was macht derMann heute? Ich vermute glücklichund unabhängig, und ohne Einfluss inder AL 2.0. Bleiben Sie gesund!stehen. Das Projekt ist in Zusammenarbeitmit verschiedenen lokalen Akteurinnenund Akteuren in Schaffhausen entstanden.Darunter sind der Verein für Jugendfragen,Prävention und Suchthilfe (VJPS),die Fachstelle für Gewaltbetroffene undder feministische Salon zu finden. Dochwieso kommt die Kampagne genau jetzt?Laut Vöhringer wurden in den vergangenenJahren sowohl aus der Bevölkerung alsauch aus dem Umfeld von Clubs und Veranstaltendenvermehrt Forderungen laut,sich intensiver mit den Themen Awareness,Respekt und Toleranz im SchaffhauserNachtleben auseinanderzusetzen. Mit derkleinen Anfrage im Juni 2025, zur «chemischenUnterwerfung», also dem Einsatzvon K.-o.-Tropfen, wollte der Kantonsratzudem wissen, welche Massnahmen derKanton Schaffhausen ergreift und welchePräventionsangebote vorgesehen sind.«Die Kampagne ‹PartyHeart› knüpftdirekt an diese Anliegen an. Sie setzt auffrühzeitige Sensibilisierung sowie aufklare, leicht zugängliche Informationen.Denn je aufmerksamer und besser informiertMenschen sind, desto wirksamerlassen sich Übergriffe und Grenzüberschreitungenverhindern», erläutert dieProjektleiterin. Auf der Website findensich dazu vertiefende Informationen, beispielsweiseworauf alle beim Feiern achtensollten, um respektvoll und mit Freudedurch die Nacht zu gelangen, wo Respektendet und Grenzüberschreitungen beginnensowie zu Risiken beim Konsumvon Substanzen und rund um K.-o.-Tropfen.Ein weiteres zentrales Anliegen sei es,über Notrufnummern und Anlaufstellenzu informieren, wenn es im Ausgang zuBelästigungen, Diskriminierungen oderanderen Grenzüberschreitungen kommt.«Die Erfahrung zeigt, dass Menschen inbelastenden oder kritischen Situationendie nationalen Notrufnummern nicht immerabrufen können. Umso wichtiger istes, diese sichtbar und leicht zugänglich zumachen und so im Ernstfall Orientierungzu schaffen», sagt Vöhringer. «PartyHeart»richtet sich aber nicht nur an feierndeMenschen, sondern auch an die Veranstaltendensowie die Betreiberinnen undBetreiber von Clubs, Bars und Lokalen.«Auf der Website erhalten auch sie Tippsund Hinweise, um die Sicherheit zu erhöhenund Diskriminierung, Belästigung sowieandere Formen von Grenzüberschreitungenzu verhindern», fährt sie fort.Kleine Grenzverletzung,grosse BelastungRückmeldungen aus der Praxis zeigen, dassBelästigungen, abwertende Bemerkungenund Grenzverletzungen nach wie vor imAusgang existieren. «Eine Herausforderungbesteht darin, solche Situationen zuthematisieren und zu verhindern, ohnedabei zu pauschalisieren oder zu moralisieren»,sagt Vöhringer. Nach Einschätzungvon Club-Betreiberinnen und -Betreibernsind es vor allem die sogenannten kleinerenGrenzüberschreitungen, die schwerzu fassen sind: etwa anzügliche Sprücheoder verbale Abwertungen. «Oft handeltes sich um Situationen, die für Betroffeneunangenehm sind, jedoch noch nicht als sogravierend wahrgenommen werden, dasssie aktiv Hilfe in Anspruch nehmen», sagtdie Expertin. Genau hier setzt die Kampagne«PartyHeart» an:Sie will sensibilisierenund deutlich machen,dass auch diese Grenzüberschreitungennicht akzeptabel sind.Betroffene sollen ermutigtwerden, frühzeitigUnterstützungzu suchen. Gleichzeitigsollen alle Anwesendenaufmerksam bleibenund im Bedarfsfall einschreiten.RespektlosesVerhalten dürfe nichtals Normalität hingenommenwerden, betontVöhringer. Ebensomüsse klar sein, wie vorzugehen ist, wennes zu schwerwiegenden Grenzverletzungenkommt.«PartyHeart» als Bausteinder kantonalen Gewaltprävention«PartyHeart» ist nur eines von mehrerenProjekten in Hanna Vöhringers Arbeitsalltag.Die Umsetzung der Istanbul-Konventionist dabei von zentraler Bedeutung.Dieses Übereinkommen des Europaratsschützt Frauen und Mädchen vor verschiedenenFormen von Gewalt und ist imJahr 2018 in der Schweiz in Kraft getreten.«Um die Ziele auch im Kanton Schaffhausenzu erreichen, braucht es eine Zusammenarbeitauf unterschiedlichen Ebenen:international, national, interkantonalsowie im Austausch mit der Zivilgesellschaft»,erklärt sie. Diese Zusammenarbeitsei von unterschiedlichen Strukturen, Zuständigkeiten,Prioritäten und verfügbarenRessourcen geprägt. Hinzu kämen diekomplexe Koordination zahlreicher Akteurinnenund Akteure, kantonaler Fachstel-«je besser maninformiert ist,desto wirksamerlassen sich Grenzüberschreitungenverhindern.»Hanna VöhringerProjektleiterin «PartyHeart» undFachverantwortliche Istanbul-KonventionHanna Vöhringer ist Fachverantwortliche für die Istanbul-Konvention und Projektleiterin derKampagne «PartyHeart».Bilder: Ginevra Lo Piccololen sowie die Weiterbildung und Sensibilisierungvon Fachpersonen. Ebenso gelte es,strukturelle Ursachen von Benachteiligungund Gewalt abzubauen. «PartyHeart» seidabei als ein Baustein der kantonalen Gewaltpräventionsarbeitzu verstehen.Kampagne ist keine Ersatzlösungfür die eigene Auseinandersetzung«Bereits heute beteiligen sich etlicheSchaffhauser Clubs, Bars und Lokale ander Kampagne», sagt die Projektleiterin.Dies zeige, dass das Thema Awareness imNachtleben nicht nurals wichtig erachtet werde,sondern auch zunehmendim Bewusstseinverankert sei. «Ineinem nächsten Schrittsollen weitere Kooperationenfolgen undMassnahmen entwickeltwerden, die auf diejeweiligen Zielgruppenzugeschnitten sind»,fügt Hanna Vöhringerhinzu. «PartyHeart»soll sich dabei als ergänzendeDachkampagnein der InformationsundPräventionsarbeitetablieren. Die Teilnahme an der Kampagnestelle jedoch keine Ersatzlösung für dieeigene Auseinandersetzung mit Awarenessdar. Im Gegenteil: «PartyHeart» würdeauf Handlungsbedarf hinweisen, möglicheAnsatzpunkte aufzeigen und Betreiberinnenund Betreiber ermutigen, sich aktivweiterzubilden. «Gleichzeitig gibt es auchBetriebe, denen das Thema zwar ein grossesAnliegen ist, die bislang jedoch nichtüber ausreichende Kapazitäten für Schulungenverfügen. Auch diese sollen eingebundenund seitens des Kantons bestmöglichunterstützt werden», ergänzt sie.Vernetzt für ein gemeinsames ZielZum jetzigen Zeitpunkt lasse sich nochnicht beurteilen, ob die Kampagne erfolgreichsei, dafür sei es noch zu früh, sagt HannaVöhringer. Die bisherigen Rückmeldungenfielen jedoch durchweg positiv aus. Siewertet dies als ein erstes ermutigendes Zeichenfür die Akzeptanz und Relevanz derKampagne. Für das Jahr 2026 sind weitereSchritte geplant. So soll die Kampagne auchüber verschiedene Social-Media-Kanäle beworbenwerden. Je nach Bedarf sind zudemlängerfristige Schulungen und Weiterbildungenfür Clubs, Bars und andere Lokalevorgesehen. Auch das Informationsmaterialsoll schrittweise erweitert und aktualisiertwerden. Ab dem 1. Mai wird zudemschweizweit eine neue zentrale Opferhilfe-Telefonnummer eingeführt. Auch diesesoll in den beteiligten Lokalitäten gut sichtbarausgehängt werden, um Besucherinnenund Besuchern unkompliziert Orientierungund Unterstützung zu bieten. Umden Erfolg der Kampagne zu sichern, geltees laut der Projektleiterin, das Bewusstseinfür die angesprochenen Themen weiter zustärken. Ebenso wichtig seien eine offeneZusammenarbeit zwischen den beteiligtenAkteurinnen und Akteuren sowie die Anerkennung,dass Prävention ein zentralerBestandteil einer lebendigen und sicherenNachtkultur ist. Nur durch dieses gemeinsameEngagement könne langfristig einrespektvolles und sicheres Umfeld für allegeschaffen werden.Mehr Informationen finden Sie auf der Seite von«PartyHeart» partyheart.ch/.AnzeigeNEU: Freitag, 16. Januar2026, ab 18 Uhr für alleARANEA+FUN-NIGHTBoulder, Beats, LightsAranea+BiathlonSchnupperkletternBadminton • PickleballTschüttelikasten • PingPongRaclette • Glühwii + PunschHotPot • einpackenEintritt: CHF 10
Bock | Dienstag, 13. Januar 2026 3GesellschaftEin Arzt, der Journalist wurdeEr studierte Medizin und wurde schlussendlich auch Arzt. Ihn aber nur damit zu identifizieren, wäre zu kurz gegriffen. Sein beruflicher Weghatte dafür zu viele Abzweiger: Redaktor, Verleger, Politiker, Kolumnist. Richard Altorfer ist zwar nicht mehr praktizierender Arzt, aber nochlange nicht im Ruhestand. So kamen vor kurzem zwei Bücher mit unterhaltsamen Anekdoten aus seiner Zeit als Arzt auf den Markt.GESELLSCHAFTNEUHAUSEN AM RHEINFALLSandro Zoller«Ich bin leider schon satte 77. Der Kopftäuscht einen zwar darüber hinweg undfindet, dass er biologisch höchstens 65 sowiesozial 55 ist und eigentlich alles nochso gut wie mit 45 tun kann. Aber irgendwannsetzt sich bei allem Optimismusund aller Realitätsverweigerung die Biologiedurch», sagt Richard Altorfer halbschmunzelnd, halb nachdenklich.Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Tausendsassa.So war er in seinem Leben Arzt,Journalist, Kolumnist, Verleger sowie Philosophie-und Kunstgeschichte-Student. Undtrotz Sympathien für das linke politischeSpektrum nahm er aus unternehmerischenGründen für die FDP im Kantonsrat Einsitz.In den 90ern schrieb er unkonventionellemedizinische Kolumnen für die SchaffhauserNachrichten. Seit 17 Jahren erscheintregelmässig in dieser Zeitung der «Bock»-Splitter mit teilweise auf das absolute Minimumreduzierten Sätzen. Diese bestehen ausBeobachtungen, Gesprächsfetzen und Gedankenzu Tagesthemen sowie Meinungenvon anderen, wie etwa «Onkel Hugo».Wasser und Tinte im BlutSeit über 30 Jahren wohnt Richard Altorferin Neuhausen am Rheinfall. Aufgewachsenist er aber in Rheinfelden alsSohn einer italienischen Mutter und einesSchweizers. Medizin studierte er in Basel.Beruflich verschlug es ihn ins Appenzellerlandnach Heiden, in den zu Laufen-Uhwiesengehörenden Weiler Nohl, sowienach Beringen und Schaffhausen. «Irgendwiehat mich der Rhein nicht ganzlosgelassen. Vielleicht, weil ich Wassermannbin?»Vom schreibenden Arzt zum VerlegerIm Zuge eines Kurzgeschichten-Wettbewerbswurde 1980 eine Geschichte von ihmim Sammelband «Und es wird Montag werden»publiziert. «Das liess mich glauben,ich könne gut schreiben. Und so suchteich, in einer Pause meiner Weiterbildungzum Facharzt für Innere Medizin, nacheinem Schreibjob», erinnert sich Altorfer.Er fand eine Anstellung als Redaktor beider seit 1910 bestehenden medizinischenFachzeitschrift «ARS MEDICI». Zu dieserZeit war er an der Uni Zürich für einZweitstudium eingeschrieben: Philosophie,Kunstgeschichte und klinische Psychologie.«Der Redaktionsjob erlaubte mir, finanzielldurchzukommen.» Des einen Leid, des anderenFreud; infolge eines Todesfalls konnteAltorfer 1983 eine verwaiste Hausarztpraxisan der Schönbühlstrasse in Schaffhausenübernehmen. Und auch journalistischkonnte er sich weiterentwickeln. Anfangder Neunzigerjahre wurde ihm gar «ARSMEDICI» zum Kauf angeboten: «Alsogründete ich unternehmerisch ziemlich ahnungsloseinen Fachzeitschriftenverlag.»Die Doppelfunktion als Hausarzt und Publizistsei beinahe zum wirtschaftlichen Debakelgeworden. Dennoch habe diese beruflicheEntwicklung auch einen ungeplantenVorteil gehabt. Er sei zu jener Zeit in derSchweiz der einzige – oder zumindest fast –Verleger von medizinischen Fachzeitschriftengewesen, der parallel als Arzt praktizierte.Das habe seinen Texten und dem Verlageine besondere Legitimation und ihm einAlleinstellungsmerkmal verliehen.Vom Verleger zum Politiker«Ich war in Basel in der linken Szene grossgeworden und hatte Sympathien für diePOB, die Vorläuferpartei der POCH.» Eswar unter anderem die Zeit des Vietnamkriegs,des chilenischen Arztes und StaatsmannesSalvador Allende und des Kampfsgegen den Bau des AKW Kaiseraugst.«Dass die Welt komplizierter ist, als wirAlt-68er uns das damals vorstellten, wurdemir im Laufe der Selbstständigkeit als Arztund Verleger rasch klar», so der «Bock»-Kolumnist. Seine Sympathie für die gutmeinenden«Linken»sei bis heute geblieben.Die politische Haltunghabe sich aber seinenProblemen angepasst.Nachdem Dr. med.André Graedel, damalsLeitender Arzt derChirurgie am Kantonsspital,seinen Rücktrittaus dem Kantonsratbekannt gab, sei Altorfererstaunlicherweisevon der FDPangefragt worden, ober nicht kandidierenwolle. «Weder wollteich dies, noch konnte ich mir vorstellen,dass ich gewählt werde», erinnert sich Altorferlächelnd zurück. Aber seine Praxisund Kolumnen, damals für die SN, hättenihm die nötige öffentliche Bekanntheit beschertund schlussendlich zum Wahlsiegverholfen. Der unterdessen verstorbeneRechtsanwalt Gerold Meier, unverwüstlicherLiberale, welcher während 44 Jahrenim Kantonsrat Einsitz hatte, habe bei AltorfersAmtsantritt lakonisch gesagt: «Ärzteund Briefträger werden immer gewählt.»«Irgendwie hat michder Rhein nichtganz losgelassen.Vielleicht, weil ichWassermann bin?»Richard Altorfer«Bock»-Kolumnist, Alt Kantonsrat,Arzt im Ruhestand, VerlegerIm Kantonsrat kümmerte sich RichardAltorfer hauptsächlich um gesundheitspolitischeFragen, wie etwa die Selbstdispensation,sowie um kulturelle Themen.Was er in der Politik unter anderem gelernthabe? Nicht jedes Votum eines politischenKontrahenten persönlich zu nehmen.Von 1996 bis 2012 war er Teil des Politzirkus.Zum Glück, und nur ein wenig enttäuscht,wurde er 2012 nicht mehr in dendamals verkleinerten Kantonsrat gewählt.Medizin und HumorEr wisse nicht mehr, wer es war, jedenfallssuchten die SN einen Schreiber übermedizinische Themen. «Ich sagte zu,machte allerdings zur Bedingung, dassich schreiben könne, was ich wolle.»Artikel über Krampfadern, Grippe, Heuschnupfenoder eingewachsene Zehennägelüberliess er lieber anderen. Dennwas ihn in der Medizinjournalisten-Szeneherausstechen liess, seien seine Erfahrungenund Erlebnisse in der Praxis gewesen.«Und den Leuten gefiel das, offenbar vorallem wegen der Selbstironie, die manchenSchreibern, warum auch immer, abhandengeht.»In den Kolumnen ging es um seine Patientensowie eigene Erlebnisse, Ängste,Befindlichkeit, aber auch Unsicherheitenund Zweifel. Die Botschaft: Der Arzt istauch nur ein Mensch. Genau das sei esvermutlich gewesen,das die Leute positivanrührte.Ein Beispiel gefällig?In der Geschichte «Inden Löchern des Gedächtnisseshaust einZoo», welche Band Iden Titel verlieh, gehtes darum, dass RichardAltorfer den Nameneines Patienten, welchervor ihm steht, vergessenhat. «Irgendwannist es zu spät, umnoch zu fragen ‹Ähh,‘tschuldigung, tuetmer leid, wie heissed Sie jetz au scho wieder?›»Die Suche nach einem Ausweg undder Ausweg selbst sind die Geschichte.In der Medizin gehe es zwar oft, aber natürlichnicht immer um Leben und Tod.Manchmal liessen sich deshalb da unangenehmeSituationen des Patienten sowiedes Arztes mit Humor besser ertragen .Weiter habe er während seiner Karriere alsArzt gelernt, dass Patienten vertraut undmit ihnen auf Augenhöhe gesprochenwerden kann.In den beiden Büchern «In den Löchern des Gedächtnisses haust ein Zoo» und «Dieses Gurrenim Zeh» verarbeitet Richard Altorfer seine SN-Kolumnen aus den 90er-Jahren. Bild: zVg.Vom Kolumnisten zum Buchautor«Ein ‹sturer Mitarbeiter› und einige guteFreunde haben nicht aufgehört zu ‹stürmen›,ich müsse jetzt endlich diese Kolumnenals Buch herausgeben», erklärtder pensionierte Arzt. Als Verleger habe erdazu keine Zeit gefunden.Da er selbst ungern dicke Bücher liest,hat er sein Textmaterial auf zwei Bücheraufgeteilt. «Ich erzähle, hoffentlich allgemeinverständlichund selbstironisch.» Indiesem Zusammenhang müsse erwähntwerden, dass nie über einen Patienten, sondernhöchstens mit ihm gelacht werde.Ein klassisches Buch hat einen roten Faden.Und seine beiden Ausgaben? Nun,bei seinen kann nicht von typischen Bücherndie Rede sein. Wenn die einzelnenKurzgeschichten aber etwas innehaben,das sie alle verbindet, dann, gemäss Altorfer,folgende Botschaft: «Bitte, lieberPatient, liebe Patientin, denk daran, auchder Arzt ist nur ein Mensch, mit guten undschlechten Tagen, und wird dich und deinLeiden immer ernst nehmen und das fürdich Beste machen und verordnen. Aberauch Ärzte haben Angst, etwas falsch zumachen, Kopfschmerzen, Ärger zuhauseoder wissen nicht weiter.»Im «Bock»-Splitter schlug der ehemaligeKantonsrat einen anderen Weg ein. Die Kolumnenbestehen aus eigenen und geklautenGedankensplittern zum Tagesgeschehen,welche er oft bis zum «Gehtnichtmehr»kürze. Und gerade das Kürzen des zusammengetragenenMaterials nehme viel Zeit inAnspruch. Vielleicht schicke er deshalb dieKolumne – je nach Perspektive – jeweils erstspät abends oder frühmorgens.Und wann erscheint das Buch mit demaktuellen Arbeitstitel «Eine Geschichtein Splittern» mit meist satirischen Betrachtungendes Schaffhausers oder internationalenGeschehens? «Vielleicht in einemJahr. Jedenfalls muss ich mich durcheine Unsumme von Texten arbeiten. Eswären 2,5 Millionen Anschläge. Ob ichdas schaffe? Schauen wir mal.»AnzeigeWussten Sie, dass:Niedergang eines Industriezweigs:Die Schweiz hat 2023 Textilmaschinenim Wert von 515 Mio. Frankenexportiert. 1990 betrug der Wert2,9 Mrd. Franken.Die erste Geschichte von Band I, welche wie der Rest auch, auf wahren Begebenheiten beruht, istdie Namensgeberin des Buches.Bild: Sandro ZollerQuelle: Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik
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