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Leseprobe Gute Arbeit 06_2017

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titelthema PFlegezeit Gute Arbeit 6 | 2017 Zeit für Plege und Beruf angehÖrigenPFlege Mehrere Freistellungsansprüche erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Pfl ege, doch nicht alle haben etwas davon. Ein Recht auf befriste Teilzeit für alle – mit Rückkehrgarantie zur alten oder vollen Arbeitszeit – ist erneut politisch gescheitert. Jetzt können Betriebs- oder Dienstvereinbarungen befristete Teilzeit regeln. VON BIRGER BAUMGARTEN UND LAURIE-ANN KLEIN 8

Gute Arbeit 6 | 2017 pflegezeit titelthema Mit Stand Dezember 2015 waren in Deutschland bereits 2,7 Millionen Menschen auf Plege angewiesen. Im Zuge des demograischen Wandels geht das Bundesministerium für Gesundheit davon aus, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2020 um eine knappe weitere Million auf rund 3,5 Millionen Menschen erhöhen wird. 1 Rund zwei Drittel der Plegebedürftigen werden schon heute in häuslicher Umgebung, oft von nahen Angehörigen, geplegt. Egal ob es um Demenz, einen Schlaganfall oder einen Unfall geht: Pflegebedürftigkeit tritt oft plötzlich ein, und stellt die nahen Angehörigen vor große Herausforderungen. In solchen Fällen ist zeitliche Flexibilität am Arbeitsplatz unabdingbar, um dem Pflegebedürftigen beistehen und dessen Pflege organisieren zu können. Gesetzgeber schaft Gestaltungsspielräume Seit dem Jahr 2008 ist der Gesetzgeber deshalb bemüht, die berulichen Gestaltungsspielräume für plegende Angehörige zu verbessern. · So trat im Jahre 2008 das Pflegezeitgesetz in Kraft · im Jahre 2012 kam das Familienplegezeitgesetz hinzu · und mehrere Plegestärkungsgesetze haben die Situation der plegenden Angehörigen nach und nach verbessert. Es gab aktuell Bestrebungen, ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag (2013) umzusetzen: Teilzeit sollte durch eine Novellierung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes weiterentwickelt werden. Laut einem Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministeriums, der vor wenigen Tagen gescheitert ist, sollte ein Recht auf »befristete Teilzeit« verankert werden. Reichen bisherige gesetzgeberische Aktivitäten aus, um den Bedürfnissen von pflegenden Angehörigen gerecht zu werden? Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben Angehörige, die zur Pflege eines nahestehenden Menschen ihre Arbeitszeit reduzieren möchten? Und können Betriebs- oder Personalräte an dieser Stelle unterstützend wirken? 1. Regelungen nach dem Plegezeitgesetz Mit dem Plegezeitgesetz (PlegeZG) vom 28. Mai 2008 verfolgte der Gesetzgeber das Ziel, Beschäftigten die Möglichkeit zu eröfnen, plegebedürftige nahe Angehörige in häuslicher Umgebung zu plegen und so die Vereinbarkeit von Beruf und familiärer Plege zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden einige Freistellungsansprüche bzw. Ansprüche auf befristete Reduzierung der Arbeitszeit geschaffen. } Kurzzeitige Arbeitsverhinderung Gemäß § 2 Abs. 1 PlegeZG haben Beschäftigte das Recht, für einen Zeitraum von bis zu zehn Tagen der Arbeit fernzubleiben, wenn dies erforderlich ist, um für einen plegebedürftigen nahen Angehörigen in einer akut aufgetretenen Plegesituation eine bedarfsgerechte Plege zu organisieren oder eine entsprechende Darum geht es 1. Immer mehr Menschen erreichen ein hohes Alter, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass nahe Angehörige pflegebedürftig werden. Dafür benötigen Beschäftigte Zeit. 2. Arbeitnehmer/innen können z. B. die Pflegezeit und andere Arbeitsbefreiungen in Anspruch nehmen, aber teils erst ab bestimmten Betriebsgrößen. 3. Es besteht für diese Zeiten kein Entgeltanspruch gegenüber dem Arbeitgeber. Für einige Arbeitsbefreiungen kann ein Überbrückungsdarlehen beantragt werden. Hintergrund: unBezaHLte sorgearBeit Frauen wenden erheblich mehr unbezahlte Arbeit für die Kinder, Haushalt und Pflege auf als Männer. Das zeigt eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Frauen zwischen 18 und 64 Jahren verwenden 2,4-mal so viel Zeit für unbezahlte Fürsorgearbeit und das 1,6-fache für Hausarbeit auf wie Männer der Altersgruppe. Das hat Folgen: Fast jede zweite Frau arbeitet Teilzeit, bei Müttern ist Vollzeitarbeit die Ausnahme. Damit verringert sich das Einkommen, eigenständige Existenzsicherung wird erschwert, Rentenansprüche sind gering. Väter arbeiten fast ausschließlich in Vollzeit. Besonders groß ist das Missverhältnis, wenn die Kinder unter sechs Jahre sind. Väter mit kleinen Kindern haben mit 9:11 Stunden die längste Gesamtarbeitszeit von allen – nur ein Drittel davon verwenden sie auf Hausarbeit, Kinderversorgung oder Pflegen. Mehr lesen im WSI-Report 35 (April 2017): Hobler, Klenner, Pfahl, Sopp, Wagner, »Wer leistet unbezahlte Arbeit? Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege im Geschlechtervergleich.« www.boeckler.de 1 Bundesministerium für Gesundheit: Die Pflegestärkungsgesetze – Hintergründe zu den Neuregelungen in der Pflege vom 31.8.2016. 9

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