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Projektreise 02/2021

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Zeitschrift der Caritas Auslandshilfe

Christiane Gaar,

Christiane Gaar, Länderreferentin Senegal „Die Biogasanlage hat viele Vorteile: Neben der Produktion von organischem Dünger und Gas wird die Arbeitslast der Frauen reduziert und das Abholzen von Wäldern verringert.“ „Die Frauen tragen oft die Hauptlast in der Landwirtschaft, vor allem, wenn die Männer der Familie in den Städten versuchen, Arbeit zu finden.” Seynabou Diouf, Mitarbeiterin Caritas Tambacounda, Expertin für Ernährungssicherheit Ein Königreich für die Biene Überleben ist nicht genug In der kleinbäuerlichen Landwirtschaft spielen Bienen eine Schlüsselrolle. Sie tragen durch die Bestäubung von Pflanzen zur Vielfalt bei und helfen auf natürliche Weise bei der Schädlingsbekämpfung. Ihr Fehlen zwingt Bäuer*innen vermehrt zum Einsatz von teuren Pestiziden. An den Folgen dieser Schädlingsbekämpfung leiden Böden, Insekten und nicht zuletzt Kleinbäuer*innen. Der naheliegende Gedanke lautet daher: Wenn wir Kleinbäuer*innen unterstützen wollen, sollten wir uns um die Bienen kümmern. Sie helfen uns beim Helfen. Die Caritas unterstützt in Pakistan die Bienenzucht bei Kleinbäuer*innen. Mit Hilfe der Bienenzucht werden nicht nur natürliche Bestäuber gefördert, sondern Menschen in armen Regionen eine neue Einnahmequelle ermöglicht. Die Bäuer*innen erhalten von der Caritas Bienenstöcke, Schulungen zur Imkerei sowie die dazu erforderliche Ausrüstung (Schutzhandschuhe und Hüte, Bienenkästen, Rahmen für Bienenstöcke sowie Honigsiebe und -schleudern). Zafarrulah Khan, 67 Jahre alt, erhielt beispielsweise vor zwei Jahren eine mehrwöchige Imkereiausbildung samt Ausrüstung. Seither kann er vom Verkauf des Honigs ein kleines Zusatzeinkommen erwirtschaften. Sein bereits erwachsener Sohn Nias hat sich durch seine Mitarbeit viel Wissen angeeignet und absolviert derzeit ebenfalls die Ausbildung, um zukünftig die Aufgabe von Zafarrulah Khan übernehmen zu können. Der zusätzliche Bienenstock, der zum Abschluss überreicht wird, kann den Honigertrag weiter aufbessern und wer weiß, vielleicht wird genau das bald die Haupteinnahmequelle der Familie. Derzeit sieht es jedenfalls ganz danach aus. „Dank der Imkerausbildung kann ich meinen Honig verkaufen und etwas dazuverdienen. Mein Sohn wird dieses Geschäft eines Tages übernehmen und so für seine Familie sorgen .” Zafarrulah Khan, Imker aus Pakistan Wesentlicher Bestandteil des Projekts ist auch die Schaffung von Bodenschutzpflanzen entlang der Wegränder und Ackergrenzen. Gut für die Bienen – und gut für die gesamte Landwirtschaft, zumal die Erosion damit hintangehalten werden kann und die Artenvielfalt für Stabilität sorgt. Und was für die Bienen ein Königreich darstellt, bedeutet letztendlich für alle Kleinbäuer*innen einen höheren Ertrag und ein Schritt in Richtung Ernährungssicherheit. Autor: Andreas Zinggl Im Rahmen des Projekts werden Imker*innen wie Zafarrulah Khan ausgebildet, Bienenstöcke und Honigschleudern angeschafft sowie Bodenschutzpflanzungen durchgeführt, um Bienen einen geeigneten Lebensraum zu bieten. Mist als Wachstumsgarant Eine der neuen Biogasanlagen kurz vor der Fertigstellung. In der ersten Projektphase werden bereits vier Anlagen gebaut. 30 Bienenstöcke sind bereits aktiv 40 Imker*innen und ihre Familien profitieren Tausende Kleinbauern erhalten bessere Produktionsbedingungen durch die Bestäubung der Pflanzen Wie eine Biogasanlage im Senegal ländliche Entwicklung fördern soll. Es ist heiß in Sinthiou Djéka, einem kleinen Dorf in der Region Tambacounda im westlichen Senegal. Yaya Sidibe wischt sich den Schweiß aus der Stirn. Wie viele andere im Dorf ist er Kleinbauer und bereitet sich auf die nächste Regenzeit vor. Mais, Hirse und Erdnüsse will er auf 2 ha Land anbauen. Heute ist er damit beschäftigt, Kuhdung zu sammeln. Vor kurzem wurde mit der Unterstützung der Caritas in seinem Dorf eine Biogasanlage gebaut. Die soll nun kräftig von allen Dorfbewohner*innen mit tierischem Mist befüllt werden. Pünktlich zum Anbau der Pflanzen sollen dann alle davon profitieren, was eigentlich als Nebenprodukt von Biogasanlagen gilt: organischem Dünger. Der Erwerb von Dünger ist teuer und um hochwertigen Dünger selbst herzustellen, fehlt der Bevölkerung oft der Zugang zu Ressourcen oder Wissen. Der Einsatz von Mineraldünger ist zwar umstritten, aber verbreitet – Bodenfruchtbarkeit auf den nährstoffarmen Böden ohne Düngung herzustellen, ist sehr schwierig. Die typischen Bilder von Sahelböden sind bekannt: vertrocknet, versalzen, mit Rissen übersät, die Humusschicht weitgehend abgetragen. Auch Herr Sidibe hat regelmäßig mit dieser nährstoffarmen Bodenbeschaffenheit zu kämpfen. Die Herausforderung: um ein gutes Auskommen seiner Familie absichern zu können muss sich die Produktivität seiner Felder steigern, ohne gleichzeitig die Natur zu belasten und den Boden zusätzlich auszulaugen. Herr Sidibe hofft diesem Problem unter anderem mit selbst produzierten organischem Dünger begegnen zu können. Seine Frau freut sich über das in der Anlage produzierte Gas, welches sie nun zum Kochen verwenden kann. Normalerweise ist sie viele Stunden in der Woche damit beschäftigt für die Zubereitung der Mahlzeiten Feuerholz zu sammeln. Die dafür nötigen Abholzungen verschlechtern den Zustand des Bodens aber weiter. Die Biogasanlage hat für das Dorf viele Vorteile: Neben der Herstellung von organischem Dünger und Gas wird die Arbeitslast der Frauen deutlich reduziert und das Abholzen von Wäldern verringert. Autorin: Christiane Gaar Die Caritas Diözese Tambacounda im östlichen Senegal unterstützt im Kampf gegen Armut und Hunger vor allem Kleinbäuer*innen und ihre Familien, die besonders oft von Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Léon Sarr ist Programmmanager und erklärt, mit welchen Herausforderungen die ländliche Bevölkerung zu kämpfen hat und wie diesen begegnet werden kann. Die Arbeitsbedingungen für Kleinbäuer*innen sind schwierig, gleichzeitig stellen sie die Ernährung der Bevölkerung sicher. Caritas der Diözese St. Pölten Hasnerstraße 4, 3100 St. Pölten www.caritas-stpoelten.at Information: 02742 844 455 spendenservice@caritas-stpoelten.at www.caritas-stpoelten.at Spenden: Raiffeisenbank St. Pölten IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000 BIC: RLNWATWWOBG www.caritas-stpoelten.at Impressum: Medieninhaberin und Herausgeberin: Caritas St. Pölten | Für den Inhalt verantwortlich: Christoph Riedl | Redaktion: Andreas Zinggl, Lukas Steinwendtner, Christiane Gaar, Simone Modelhart Grafik: Sigrid Brandl | Hersteller: gugler Fotos: Caritas Kommunikationshaus | Verlagspostamt: Melk | Erscheinungsort: 3100 St. Pölten, Hasnerstraße 4 80 Prozent der senegalesischen Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Was kennzeichnet diesen Bereich und welche Herausforderungen sind damit verbunden? Ein Großteil dieser Menschen sind Subsistenzbäuer*innen, das heißt, sie produzieren nur für den eigenen Bedarf und das unter schwierigsten Bedingungen. Der Boden ist nicht besonders nährstoffreich, es fehlt an landwirtschaftlichen Geräten, gutem Saatgut, Dünger und Wissen. Der Zugang zu Krediten ist fast unmöglich, Investitionen wären aber bitter nötig. Außerdem ist Wasser ein knappes Gut – viele Anbaumethoden sind von der jährlichen Regenzeit abhängig und diese ist durch den Klimawandel immer stärkeren Schwankungen ausgesetzt. Für viele junge Leute sind diese Bedingungen nicht mehr attraktiv, weshalb sie in die Städte abwandern, um sich dort durchzuschlagen. Die Ausgangsbedingungen für Kleinbäuer*innen sind also denkbar schlecht. Wie kann sich ihre Situation in Zukunft verbessern? Man muss die Bedingungen so gestalten, dass Kleinbäuer*innen nicht nur überleben, sondern gut leben können. Das hat zum einen viel mit dem Zugang zu Ressourcen zu tun, auch einem guten Wassermanagement. Wasser müsste das ganze Jahr verfügbar sein, nicht nur von Juni bis September. Außerdem müssten Bäuer*innen sich selbst auch als Produzent*innen und Unternehmer*innen sehen, die durch ihre Produktion Einkommen schaffen. Gleichzeitig muss der Wert dieser lokalen Produkte auch gesehen und geschützt werden. Der Senegal importiert Reis aus Asien oder Zwiebeln aus Europa. Diese werden zum gleichen Preis oder sogar billiger angeboten als die lokalen Produkte. Wie soll das Kleinbäuer*innen motivieren, wenn die Konkurrenz so groß ist? Das klingt nach einem Kampf gegen Windmühlen. Was macht die Caritas konkret vor Ort, um diese Bedingungen zu verbessern? Wir engagieren uns auf unterschiedlichen Ebenen. Eine Mitarbeiterin, Seynabou Diouf, ist zum Beispiel Expertin für Ernährungssicherheit. Sie weiß, welche Maßnahmen eine Gruppe Menschen im Dorf treffen muss, um für schwierige Situationen, wie zum Beispiel Dürren, gerüstet zu sein. Besonderes Augenmerk dabei liegt in der Unterstützung der Bäuer*innen als Gemeinschaft. Wenn sie sich zusammenschließen, können sie ihre Forderungen besser vertreten und auch gemeinsam Materialien wie Traktoren oder Saatgut kaufen. „Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Wohl der Menschen, die Caritas versucht, Hunger und Armut zu bekämpfen. Das Wohl der Menschen ist aber abhängig vom Wohl der Natur.” Léon Sarr, Programmmanager Caritas Tambacounda Unterstützt die Caritas eine bestimmte Art der Landwirtschaft? Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Wohl der Menschen, die Caritas versucht, Hunger und Armut zu bekämpfen. Das Wohl der Menschen ist aber abhängig vom Wohl der Natur. Dünger ist im Senegal sehr teuer, eine richtige Düngung könnte die Erträge aber wesentlich steigern. Die senegalesische Regierung subventioniert synthetischen Dünger, der schnell Erträge gibt, aber langfristig die Böden auslaugt. Biologischer Dünger ist aber dreimal teurer. Wir versuchen den Bäuer*innen zu zeigen, wie sie selbst durch Biogasanlagen oder Kompostiermethoden biologischen Dünger herstellen können. Armutsbekämpfung soll also Hand in Hand gehen mit Umweltschutz. Videos und Fotos zum Thema finden Sie hier: caritas-stpoelten.at/projektreise Autorin: Christiane Gaar Durch und durch. Denn es wurde Cradle to Cradle Certified gedruckt. Das ist der weltweit höchste Ökodruckstandard, bei dem ausschließlich gesunde Inhaltsstoffe verwendet werden. Die Natur sagt „Danke“. Und Sie können der Caritas der Diözese St. Pölten für dieses gesunde Magazin danken. P80638_DS_2003_Anzeige_210x104mm.indd 2 11.01.21 14:44 Anzeige

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