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COMPACT-Magazin 05-2016

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COMPACT Leben Wer gehört wem? Anheuser-Busch InBev (größte Brauereigruppe der Welt) Beck’s, Diebels, Dinkelacker, Franziskaner, Haake-Beck, Hasseröder, Löwenbräu, Spatenbräu, Unionsbräu Dr.-Oetker-Gruppe / Radeberger-Gruppe (größte Brauereigruppe in Deutschland) Allgäuer Brauhaus, Berliner Pilsner, Tucher Bräu, Berliner Kindl, Berliner Bürgerbräu, Potsdamer Rex Pils, Binding, Braufactum, Brinkhoff’s, Clausthaler, Dortmunder Union, DAB, Erbacher Premium Pils, Freiberger, Gilden Kölsch, Hansa Pils und Hansa Kölsch, Henninger, Hövels Original, Jever, Kronen, Kurfürsten Kölsch, Küppers Kölsch, Kronsberg Pils, Mahn und Ohlerich, Peters Kölsch, Radeberger, Rostocker, Schöfferhofer, Schlösser Alt, Schultheiss, Sester Kölsch, Sion Kölsch, Sternburg, Stuttgarter Hofbräu, Ur-Krostitzer, Wicküler Pils Heineken (Niederlande) Hacker-Pschorr, Kulmbacher, Paulaner Carlsberg (Dänemark) Astra, Duckstein, Gatzweilers Alt, Hannen Alt, Holsten Pilsener, Landskron, Lüneburger Pilsener, Lübzer Bitburger Holding Bitburger Braugruppe, König- Brauerei, Köstritzer Schwarzbierbrauerei, Licher, Wernesgrüner schmackliche» Unbedenklichkeit getestet wird, gibt das Gesetz keine Antwort. Warum die verwendeten Chemikalien nicht auf den Etiketten der Endprodukte vermerkt sein müssen, ist dagegen einfach erklärt: Rechtlich gelten technische Hilfsstoffe nicht als Lebensmittel und unterliegen deshalb keiner Kennzeichnungspflicht. Für den Verbraucher ist somit nicht nachvollziehbar, wie Bier auf diese Weise «veredelt» wurde, bevor es in die Flaschen kam. Dafür erhält er im Gegenzug oft ein totfiltriertes, turbogereiftes und gleichförmiges Einheitsprodukt, das nicht nur schlank in der Kostenstruktur ist, sondern vor allem auch schlank im Geschmack. Die Mikrobrauereien kommen! Doch noch sind Hopfen und Malz nicht verloren. Denn es gibt sie noch, die Hüter des guten Geschmacks: Brauer mit Leib und Seele, die sich mit ihren Bieren und ihrer Heimatregion identifizieren und für die Qualität und Nachhaltigkeit mehr zählen als Geld und Hektoliter. Einer von ihnen ist Michael Weiß aus dem Allgäu, Chef des Meckatzer Löwenbräu in vierter Generation. Sein Credo: Klasse statt Masse! Zu diesem Zweck setzt Meckatzer ganz auf regionale Rohstoffe aus kontrolliert-integriertem Anbau und auf entschleunigte Brauverfahren. Langsame Filtration und behutsame Reifung sind Selbstverständlichkeiten. «Slow Brewing» heißt die Zauberformel – dem Bier Zeit zur Entfaltung lassen. Gemeinsam mit Brüdern im Geiste engagiert sich Michael Weiß seit Jahrzehnten mit dem Ziel, das Bewusstsein der Verbraucher für hohe Standards und authentische Marken zu stärken. «Zusammen können wir viel mehr für eine neue Bierkultur tun, als wenn jeder für sich alleine vor sich hin arbeitet», erklärt er. Mit ihrer klaren Philosophie – «Erfolg durch Qualität in allem Tun» – stehen die Meckatzer nicht allein. In ganz Deutschland besinnen sich kleine und mittelständische Brauereien auf ihre Stärken und wenden sich ab vom stetigen «höher, schneller, weiter» um jeden Preis. Handwerk und Regionalität sind wieder im Trend. Immer mehr unabhängige Betriebe schließen sich zu Dachorganisationen wie den Freien Brauern zusammen, um den Großen gemeinsam die Stirn zu bieten. Die Zahl der deutschen Brauereien wächst, von 1.281 im Jahr 2005 auf heute 1.388. «Mittlerweile sind rund 50 Prozent der angemeldeten Betriebe sogenannte Mikrobrauereien mit einem Jahresausstoß bis 1.000 Hektoliter», heißt es beim Deutschen Brauer- Bund. Eine kulinarische Graswurzelrevolution. Unabhängige Brauereien haben eine Graswurzelrevolution begonnen. Die Zukunft deutscher Bierkultur scheint also trotz allem gesichert. Fragt sich nur, ob diese Zukunft noch den Popanz eines abgelebten Reinheitsgebots braucht, oder ob nicht ein neues «Qualitätsgebot» sehr viel zielführender wäre. Die hat Muckis: Zwölf Maßkrüge schleppte Kellnerin Sandra auf dem Oktoberfest 2006 durch ihr Bierzelt. Mit rund sechs Millionen Besuchern ist die Wiesn das größte Volksfest Deutschlands und hat inzwischen weltweit Nachahmer gefunden. Foto: picture-alliance / Sueddeutsche Bier vom Fließband – hier bei der Brauerei Stauder. Foto: picture alliance/dpa 58 _ Peter Wiegrefe schrieb in den letzten beiden COMPACT-Ausgaben über seine Reise nach Nordkorea.

COMPACT Leben Die Hexen sind los! _ von Pia Lobmeyer Die Walpurgisnacht: Christliches Erbe oder heidnisches Fest? Gaben sich wilde Frauen dem Teufel hin? Die offizielle Forschung dämonisiert unser kulturelles Erbe aus der germanischen Zeit. Dass Hexen auf Besen reiten sollen, übernahm man von den antiken Dämonenfiguren der Strigae. Foto: Unbekannt Der Frühling ist in Mitteleuropa die schönste Jahreszeit. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie unsere Vorfahren das Aufblühen und die milderen Temperaturen herbeisehnten, als man noch mit Feuer heizen musste und der Winter eine echte Lebensgefahr darstellte. Aus dem Mittelalter sind unzählige Minnelieder überliefert, in denen die «Maienzit» besungen wird. Eine Zeit der Sehnsucht, in der alles sprießt und grünt und die Liebe erwacht – kein deutscher Dichter, der dem Frühling nicht mindestens ein Gedicht gewidmet hätte! Wie aber passt zu dieser freudigen Zeit der Wiedergeburt der Natur die unheimliche Walpurgisfeier, die in ganz Deutschland jedes Jahr in der Nacht zum 1. Mai begangen wird? In Großstädten wie Berlin geht sie sogar mit Gewaltexzessen einher. Warum reiten in diesen Nachtstunden die Hexen, und wer oder was ist Walpurgis? Wer sich in der Lügenpresse über die Hintergründe und den Ursprung dieses Brauchs informieren will, wird – wie sollte es anders sein – enttäuscht. Allenfalls findet man Geschichten über die Frauen, die zu diesem Datum auf dem Besen geritten sein sollen – die Hexen. Man erfährt Bedrückendes über Foltermethoden, die bei den Prozessen gegen sie angewandt wurden – aber nach einer überzeugenden kultur- und symbolgeschichtlichen Deutung sucht man vergeblich. Es fällt schon auf: Die deutsche Journaille und die Historikerzunft scheuen die Mythen unseres Volkes wie der Teufel das Weihwasser und reden um den heißen Brei herum. Walburga – eine christliche Heilige? Beim Namen geht es schon los. Die Bezeichnung «Walpurgisnacht» wird im Mainstream von einer christlichen Missionarin hergeleitet – der aus England stammenden Heiligen Walburga aus dem 8. Jahrhundert. Die Benediktinerin sollte die noch widerspenstigen Germanen endlich zum Christentum bekehren. Weil sie am 1. Mai heilig gesprochen wurde, gehen offizielle Quellen davon aus, dass das Fest nach ihr benannt wurde. Alternative etymologische Herleitungen werden unter den Teppich gekehrt – zum Beispiel, dass der eindeutig germanische Name «Walburga» auch auf die «Walas» verweisen könnte, die weisen Frauen und kräuterkundigen Seherinnen der Germanen. Die Silbe «Wal» findet man jedenfalls auch in den urgermanischen Begriffen Walhalla, Walküre und Walvater – auch die Bezeichnung für den höchsten Gott Wotan klingt an. Auf einer griechischen Tonscherbe taucht «Waluburg» schon im 2. Jahrhundert nach Christus auf: Hier wird sie als eine «Sybille», also eine Seherin oder Prophetin, der Semnonen erwähnt, eines elbgermanischen Stammes, der die heutige Mark Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern besiedelte. Die Behauptung, Walburga sei ursprünglich die Maikönigin, eine Göttin des Waldes, der Fruchtbarkeit und Sinnlichkeit, gewesen, ist schwer zu belegen – sie erscheint aber plausibler als die komplizierte Herleitung von einer christlichen Heiligen, für deren Leben und Wirken es außerhalb von Kirchenchroniken keine stichhaltigen Belege gibt. Es war ja schließlich die gängige Pra- Es war gängige Kirchenpraxis, heidnische Bräuche umzudeuten. 59

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