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Gruess Gott - Frühjahr 2021

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Das Magazin über Gott und die Welt

HIMMEL Spielend ins Herz

HIMMEL Spielend ins Herz schließen Wer ein Familientandem starten will, braucht nicht viel – aber jedenfalls genügend Zeit. Denn Regelmäßigkeit gibt den Kindern das Gefühl: Da ist wer, auf den ich mich verlassen kann. „Und wenn sie mehrere Bezugspersonen haben, steigen die Chancen, dass sie Dinge kennenlernen und ausprobieren können, die es in der Herkunftsfamilie nicht gibt“, schildert Christa Tatár. Gemeinsam Hausaufgaben machen und lernen sei oft der Einstieg in ein Familientandem. Manchmal bleibt es dabei, manchmal kommen neue Aktivitäten dazu. Je nachdem, wie intensiv die Tandem partner sich auf die Sache einlassen möchten: „Oft wird gespielt und gewandert, und manchmal werden auch Gepflogenheiten wie Tischmanieren oder höflicher Umgang vermittelt.“ Bei unserem Treffen steht allerdings der Spaß im Vordergrund. Auf dem Spielplatz am Traunsee treffen wir nicht nur Caritas- Regionalkoordinatorin Barbara Moser, die das Projekt mit Elan unterstützt, sondern WE ARE FAMILY: SO KÖNNEN SIE MITHELFEN „Tandemfamilien haben einen großen Mehrwert für die Gesellschaft“, sagt Barbara Moser von der Caritas. Wer diesen Mehrwert schaffen und Teil einer Tandem familie werden will, kann sich jederzeit beim Pfarrservice bzw. der Regional koordination der Caritas melden. www.caritas-linz.at/ hilfe-angebote/ regionalcaritas Oder eine E-Mail schreiben an: pfarrservice@ caritas-linz.at Besonders. Christa Tatár verbringt viel Zeit mit Leon. Das tut ihm besonders gut, denn er hat eine Autismus-Spektrum-Störung und ADHS. auch zwei Tandem-Omas samt A nhang. Eine der Frisch gebackenen ist Regina Weiser, 58, die gemeinsam mit Tandemkind Hannah und deren Mutter Sabine die Sonne genießt. Ihre beiden erwachsenen Töchter leben in Wien – und so groß die Distanz dorthin ist, so groß war auch ihr Wunsch, sich für andere zu engagieren. Kennengelernt hat man sich beim Spaziergang. Und die Chemie hat gleich gestimmt. „Sabine, ihr Lebensgefährte Urban und ihre Tochter Hannah sind auf sich gestellt und brauchen eine Oma. Dazu muss man nicht verwandt sein, das passiert instinktiv“, erzählt sie. „Wenn Not an der Frau ist, bin ich da. Alleine das Wissen, dass man nicht alleingelassen wird, und zu spüren: Da gibt’s noch jemanden – das macht das Leben einfach leichter.“ Glück vermehrt sich Ihre Kollegin Katja Rainbacher, 60, kommt selbst aus einer Großfamilie und weiß, wie wichtig es ist, sich gegenseitig den Rücken freizuhalten. Während ihre Tandemkinder Amira und Melina um die Wippe toben, erzählt sie, was ihr Weltbild prägte: „Die Liebe, die man den Kindern schenken Zeit schenken. Für Hannahs Mutter Sabine ist „Teilzeitoma“ Regina eine große Erleichterung – und Bereicherung. 20

HIMMEL kann, ist das Wichtigste. Ich komme aus einer armen Familie, aber ich habe eine liebende Mutter gehabt und auch eine liebende Großmutter. Da tut Armut nicht weh“, sagt sie. „Es ist wahrscheinlich eher die seelische Verarmung, die uns zu schaffen macht.“ Was ihr am Tandemprojekt besonders gefällt: dass sie die Menschlichkeit, Wärme und Zuneigung weitergeben kann, die sie selbst genossen hat. „Es stimmt eben: Glück ist das Einzige, das sich vermehrt, wenn man’s teilt.“ Auch die Pensionistin ist davon überzeugt, dass alle Beteiligten profitieren: „Wenn man älter wird, ist es wichtig, »Wenn Not an der Frau ist, bin ich da. Alleine das Wissen, dass man nicht alleingelassen wird, und zu spüren: Da gibt’s noch jemanden – das macht das Leben einfach leichter.« Regina Weiser Zusammen. Katja Rainbacher möchte ihren Tandemkindern Melina und Amira jene Liebe zukommen lassen, die sie selbst erfahren hat. Tatkräftig. Christa Tatár mit Caritas-Regional koordinatorin Barbara Moser. Gemeinsam wollen sie das Projekt wachsen lassen. sich ein soziales Umfeld aufzubauen. Mit meinen Freundinnen aus der Handarbeitsgruppe habe ich schon immer auf karitativen Weihnachtsmärkten gearbeitet, und mit den Kindern bleibe ich jetzt weiter aktiv und fröhlich. Dafür kann ich Christa Tatár nur danken.“ Ein Dank, der die Initiatorin freut – und dazu anspornt, die Tandemgroßfamilie noch zu vergrößern: „Viele Menschen, vor allem Mütter, glauben, sie müssten alles alleine schaffen. Aber ich hätte es nicht alleine geschafft. Eine große Familie muss nicht miteinander verwandt sein. Und es würde uns freuen, wenn auch Sie, die diese Zeilen lesen, Teil dieser Familie werden wollen.“ 21