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Gruess Gott - Frühjahr 2021

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Das Magazin über Gott und die Welt

HIMMEL das eigentlich

HIMMEL das eigentlich schon immer debattiert wurde. Nur Papst Johannes Paul II. meinte, da gäbe es nichts zu diskutieren. 1994 schrieb er: „Damit also jeder Zweifel (…) beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“ Doch die letzten Worte waren das noch lange nicht. Die katholische Kirche hat mittlerweile bewiesen, dass nicht alles bleiben muss, wie es immer war, wenn es um Frauen geht. Maria Magdalena ist – das hat Papst Franziskus verfügt – seit 2016 offiziell die „Apostelin der Apostel“. Die Kirche erkennt damit an, wie bedeutend Maria Engagiert. Stefanie Hinterleitner ist Seelsorgerin mit Leib und Seele. Sie würde sich sofort zur Diakonin weihen lassen. STEFANIE HINTERLEITNER hat in Linz Theologie studiert – mit dem Ziel, Seel sorgerin zu werden. Heute ist sie Pastoralassistentin in der Dompfarre Linz und Leiterin des Begegnungszentrums der Katholischen Jugend. Magdalena war (bevor Papst Gregor I. sie im 6. Jahrhundert zur ehemaligen Prostituierten und Sünderin gemacht hat). Sie gilt heute als eine der engsten Vertrauten Jesu. Sie war nicht nur die einzige Jüngerin, die bis zu seinem Tod bei ihm blieb, sondern auch die erste Zeugin seiner Auferstehung. Für viele Frauen in der Kirche ist Maria Magdalena ein echtes Vorbild. Diskussion um die Diakonin Auch Andrea Rockenbauer ist eine Frau, an der sich andere orientieren. Als Juristin hat sie in einem Konzern Führungspositionen übernommen, unter anderem in den Bereichen Revision und Risikomanagement. Als Pfarrgemeinderätin und Pfarrgemeinderatsobfrau hat sie sich außerdem viele Jahre lang und mit viel Hingabe für die katholische Kirche engagiert; zuletzt hat sie die Zukunftslösung für die Pfarren Gmunden- Ort und Gmunden – nämlich deren Zusammenlegung – mitgestaltet. Wäre Andrea Rockenbauer ein Mann, ist man sich in ihrem Umfeld sicher, hätte sie alles erreichen können: Diakon, Priester, Bischof! Sie selbst sieht das anders; sie habe nie eine derartige Berufung verspürt. „Ich denke, ich habe andere Fähigkeiten, die ich für eine gute Weiterentwicklung der Kirche einbringen kann“, sagt sie. Doch das Verständnis für die Ungleichheit der Geschlechter fehlt auch ihr. „Dass Frauen aus theologischen Gründen anders behandelt werden, ist für mich nicht logisch nachvollziehbar, sondern schlicht aus der Historie gewachsen.“ Deshalb wirken wohl auch viele der Argumente, die gegen eine 30

»Dass Frauen aus theologischen Gründen anders behandelt werden, ist für mich nicht logisch nachvollziehbar, sondern schlicht aus der Historie gewachsen.« Andrea Rockenbauer Priesterweihe für Frauen sprechen sollen, wie aus einer anderen Zeit. Die Sache mit der Person Christi zum Beispiel. Priester, die am Altar auftreten, tun das „in persona Christi“ – quasi als Vertretung für Jesus. Weil Jesus ein Mann war, müssten alle Priester männlich sein. Jesus war aber auch ein Jude aus Galiläa. Trotzdem dürfen Katholiken aus Österreich Pfarrer werden. Wie passt das zusammen? Das fragt sich auch Gregor Maria Hoff, katholischer Theologe und Professor für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie an der Universität Salzburg. Er sagt: „Gott lässt sich nicht über ein Geschlecht identifizieren. Sein Handeln sprengt die Grenzen sexueller Zuordnung. Führungsfigur. Andrea Rockenbauer hat nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Kirche viel Verantwortung übernommen. Ehrenamt. Andrea Rockenbauer übernimmt in ihrer Pfarre Aufgaben als Mesnerin und Lektorin. Seine Liebe zeigt sich unbegrenzt.“ Und das müsse sich auch in den Ämtern widerspiegeln. Der Linzer Bischof Manfred Scheuer sieht das ähnlich. Er setzt sich deshalb schon lange für die Weihe von Frauen zu Diakoninnen ein und hat die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern sogar in einem Brief an Papst Franziskus gefordert. Der wiederum lässt seit einiger Zeit tatsächlich darüber beraten, wie es mit dem Amt des Diakons weitergeht. Viele Frauen und Männer in der Kirche sehen diese Diskussion als Fortschritt. Gleichzeitig hat sich Franziskus aber schon vor vielen Jahren auf die Seite von Papst 31