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Gruess Gott - Frühjahr 2021

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Das Magazin über Gott und die Welt

HIMMEL Johannes Paul II.

HIMMEL Johannes Paul II. gestellt, was das Frauenpriestertum angeht – und das Nein der Kirche dazu bekräftigt. Andrea Rockenbauer, die sich mittlerweile ehrenamtlich als Mesnerin und Lektorin engagiert, glaubt trotzdem an eine Veränderung, wenn auch nur langsam. „Ich würde mir wünschen, dass wir das Thema Weihe für Frauen mutiger in die Hand nehmen“, sagt sie. „Frauen machen die Arbeit, werden aber oft nicht wertgeschätzt. Und die Charismen, die sie auch jetzt schon einbringen könnten, werden durch die Fokussierung der Kirchenführung auf das Primat der Weihe zu wenig wirksam.“ Von den 1.455 Frauen und Männern, die im pastoralen Dienst tätig sind, also hauptamtlich für die katholische Kirche arbeiten, sind tatsächlich eine große Mehrzahl Frauen: 883. Unter ihnen sind auch solche, die eine Führungsposition innehaben. Das Pastoralamt in Linz hat beispielsweise eine Direktorin. Auch sonst passiert in der Diözese Linz in Sachen Gleichberechtigung viel: Vor fast 20 Jahren wurde in der Diözese bereits ein „Equality-Leitbild“ erstellt, es gibt eine Frauenbeauftragte und eine Frauenkommission sowie Gleichstellungsbeauftragte in allen Ämtern. »Was wir an anderen Stellen sehen – dass das Amtsverständnis bröckelt und Hierarchien hinterfragt werden –, wird auch die katholische Kirche beeinflussen.« Edith Bürgler-Scheubmayr Blick nach vorn. Edith Bürgler-Scheubmayr meint: Mit der Weihe von Frauen wird es schneller gehen als gedacht. ANDREA ROCKENBAUER war lange Bereichs leiterin in einem großen Konzern und auch viele Jahre Obfrau des Pfarrgemeinderats Gmunden-Ort. Reformieren statt rebellieren Auch in der Caritas Oberösterreich herrscht ein hohes Bewusstsein für das Zusammenwirken von Frauen und Männern – und genau das schätzt Edith Bürgler-Scheubmayr an ihrem Arbeitgeber. Sie ist stellvertretende Direktorin der Caritas Oberösterreich, seit 1998 arbeitet sie in der Hilfsorganisation. „Ich habe Hierarchien bei uns immer so erlebt“, sagt sie, „dass die Person, die Führungsaufgaben übernimmt, an ihrer Arbeit gemessen wird. Egal, wer es war.“ Nur einmal wurden ihr im Umfeld ihres Glaubens die Grenzen aufgezeigt. Das war Ende der 1970er-Jahre. Damals wollte Edith Bürgler-Scheubmayr unbedingt Ministrantin werden. Doch erst 1992 wurden Mädchen als Ministrantinnen in Österreich zugelassen. Damals hat sie das nicht hinterfragt, heute weiß sie: „Ich würde es in einer Pfarre, in der Frauen gar keine Möglichkeit haben, Verantwortung zu übernehmen, sehr schwer aushalten.“ Zumal es ja Beispiele gibt, die zeigen, dass Gleichberechtigung eine Bereiche­ 32

Auf Augenhöhe. Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Caritas ist für Edith Bürgler-Scheubmayr ein zentraler Erfolgsfaktor. rung ist – nicht nur auf Pfarrebene. Die evangelische Kirche ist etwa stolz auf die Gleichstellung von Frauen und Männern. Die Frauenordination wird dort seit 1965 praktiziert und ist schon lange eine Selbstverständlichkeit. Darauf setzt auch Edith Bürgler-Scheubmayr: „Ich hab das Gefühl, dass ich das in der katholischen Kirche auch noch erleben werde. Was wir auch an anderen Stellen sehen – dass das Amtsverständnis bröckelt und Hierarchien hinterfragt werden –, wird auch die katholische Kirche beeinflussen.“ Sich von der Kirche zu verabschieden ist für die meisten Frauen keine Option. Maria Hagenschneider, eine der Aktivistinnen der Initiative „Maria 2.0“ für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der katholischen Kirche, schreibt in ihrem Buch „Es reicht jetzt! Frauen in der katholischen Kirche stehen auf“: „Die Lösung liegt nicht im Kirchenaustritt, sondern in Reformen.“ Das sieht auch Stefanie Hinterleitner so. Solange sie Teil der Gemeinschaft sei, könne sie mitreden und sich für die Frauen in der Kirche einsetzen. „Ich bin überzeugt davon, dass ich etwas bewirken kann“, sagt sie. „Ich versuche, meine Arbeit so gut wie möglich zu machen und eine gute Seelsorgerin zu sein. Wenn Menschen spüren, dass ich sie begleiten möchte, und merken, dass man mit mir genauso gut über Kirche und Glauben sprechen kann wie mit Männern, erkennen sie, falls sie das nicht schon gewusst haben: Frauen können das Gleiche wie Männer.“ Und dann ist die Frage nach dem Geschlecht vielleicht bald Geschichte. Andrea Rockenbauer geht es ähnlich. Auch EDITH BÜRGLER- SCHEUBMAYR ist seit 1998 Mitarbeiterin der Caritas Oberösterreich, wo sie die unter schiedlichs ten Aufgaben inne hatte. Heute ist sie die stellvertretende Direktorin. sie möchte für andere da sein. Das steht für sie im Vordergrund. „Glauben zu dürfen ist ein Geschenk“, sagt sie. „Mich hat mein Glaube gut begleitet, ich hab mich davon getragen gefühlt. Mir ist dadurch immer die notwendige Hilfe zuteilgeworden, darum bringe ich mich ein – damit es dieses Angebot für andere Hilfesuchende in Zukunft auch gibt.“ Die Frauen in der Kirche, sie suchen vielleicht die Weihe, aber nicht das Weite. Sie engagieren sich für die Gemeinschaft und machen das vor allem gerne. Ihr Gottvertrauen, es lässt sie eben auch an das Gute glauben: an Veränderung. 33