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Gruess Gott - Frühjahr 2021

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Das Magazin über Gott und die Welt

Auf ein Bier mit Jesus

Auf ein Bier mit Jesus Aber jetzt komme ich zur entscheidenden Frage: Würde sich Jesus von mir auf ein Bier einladen lassen? „Ich glaube, da wäre er gern dabei“, antwortet Johann Hintermaier sofort. Denn eines ist klar: Jesus würde zu allen hingehen und allen zuhören. Egal ob Mann oder Frau, ob Jung oder Alt, ob Reich oder Arm. Auch zu denen, von denen sich alle anderen fernhalten. Da wäre es ihm egal, ob das ein Stammtisch von Neonazis ist oder eine Gruppe Obdachloser, die da sitzt. Er würde sich einfach dazusetzen, den Leuten Fragen stellen und sie zum Nachdenken bringen. Das hat er anscheinend so richtig gut gekonnt – sonst würde man nicht 2.000 Jahre danach immer noch darüber reden. Er würde natürlich auch zum Kindertisch gehen und mit den Kindern reden. Und vielleicht auch mit ihnen Fußball spielen. Für Bischofsvikar Johann Hintermaier spricht jedenfalls nichts dagegen. „Wobei ich mich frage, ob Jesus nicht lieber Trainer statt Fußballspieler wäre“, ergänzt er, „der Trainer ist ja einer, der genau weiß, wie man die Talente von jedem Spieler richtig einsetzt. Und der alles auf sich nimmt, egal ob die Mannschaft gewinnt oder verliert. Das würde gut zu Jesus passen.“ Daniela, Angestellte Licht, Liebe und Erlösung – dafür steht Jesus! Schuld, Scham und Bestrafung sind, glaube ich, nicht in seinem Sinne gewesen. Er war mutig in seinem Denken, geradlinig in seiner Sprache und gewagt in seinem Handeln. Sein Aussehen war vielleicht genauso, wie wir es uns vorstellen: langes Haar, schmale Nase und dunkler Bart. Ich würde ihn zwar nicht über seine äußere Erscheinung definieren, aber wenn ich an Jesus denke, dann kommt mir dieses typische Bild in den Sinn. Und für mich passt das. DER SCHWARZE Wir in Europa haben Jesus immer als Europäer dargestellt. In Afrika findet man dafür viele Bilder von Jesus als Afrikaner. Und wie zeigen ihn chinesische Christen? Natürlich als Chinesen. Bevor sich das Bild von Jesus in meinem Kopf mit dem von Jürgen Klopp verbindet, gebe ich es lieber auf, mir konkrete Vorstellungen zu machen. Dabei bin ich genau deswegen hergekommen! Aber so wie ich wollen eben alle Leute ein Bild von Jesus haben, das in ihre Welt passt. Das ist überall auf der Erde so: Auf äthiopischen Ikonen ist Jesus als Afrikaner dargestellt, in Zeichnungen von chinesischen Christen ist er ein Chinese. Und bei uns ist er Europäer. Alle machen sich ihr eigenes Bild von Jesus – und das ist vielleicht gut so. Denn wichtig ist die Botschaft, und die ist unabhängig von Hautfarbe, Frisur oder Kleidung. Aber sie lässt sich eben nicht immer so leicht in moderne Begriffe zwängen. „Und dann kommt ja noch die Sache mit der Dreifaltigkeit dazu“, sagt Theologe ZUSATZFOTOS: MAURITIUS IMAGES, GETTY IMAGES 42

[HERR]GOTT Johann Hintermaier und bringt damit mein schönes Fazit zum Zerbröseln. Wie kann man sich das jemals vorstellen? „Für mich lässt es sich am einfachsten so ausdrücken“, gibt er mir noch mit: „Jesus ist die Liebe Gottes, die ganz Mensch wird. Die grenzenlose Liebe. Dazu begleitet, stärkt und ermutigt uns der Heilige Geist.“ Aber bevor ich mich in diesen Gedankenstrudel werfe, gönne ich mir wirklich ein Bier. Wer weiß, vielleicht setzt sich Jesus ja zu mir – auch wenn ich ihn wahrscheinlich nicht erkennen würde. UND WER IST JESUS FÜR SIE? Senden Sie uns Ihre Gedanken an: gruessgott@dioezese-linz.at DER KITSCHIGE 1943 hat der Maler Adolf Hyła Jesus basierend auf der Vision der hl. Maria Faustyna Kowalska gemalt. Heute findet man ihn – oft mit LED-Lichtern geschmückt – auf Trödelmärkten in aller Welt. Gudrun, pensionierte Ärztin Auch wenn die Geschichten über Jesus vielleicht nur zum Teil stimmen, schwingt ein unglaublich großes Engagement für seine Mitmenschen darin mit – etwas, was 2.000 Jahre später verloren gegangen ist und was unsere moderne Gesellschaft heutzutage wirklich brauchen würde. Aber zum Glück gibt es Menschen , die sich für andere einsetzen. Diese Botschaft hat die Zeit überdauert. Gerhard, pensionierter Seelsorger Jesus war eine charismatische Person, die auf Menschen zugegangen ist – gerade auf Außenseiter, die wenig zu sagen hatten oder an Krankheiten litten. Durch seine Nähe hat er diesen Menschen Hoffnung gegeben, sie wieder aufgebaut und ihnen ein neues Leben ermöglicht, sodass sie wieder in die Gemeinschaft gefunden haben. Gleichzeitig hat er aber auch die Stille gesucht. Er ist alleine zum Beten in die Berge gezogen, um neue Kraft zu schöpfen und das Geheimnis des Lebens in die Welt hinauszutragen: Gott ist in jedem von uns. 43