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Gruess Gott - Frühjahr 2021

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Das Magazin über Gott und die Welt

SEELEN- WANDERUNG Reisen

SEELEN- WANDERUNG Reisen kann eine spirituelle Erfahrung sein. Vielleicht können wir uns darauf besinnen, wenn es wieder in fremde Länder geht. TEXT: ANDREAS KICKINGER Sehnsucht stillen. Oft weiß man erst, was man auf Reisen gesucht hat, wenn man es gefunden hat. So wie Andreas Kickinger, als er zum ersten Mal am See Gennesaret in Israel stand. FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK, MARIUS HÖFINGER

[HERR]GOTT Vor mehr als dreißig Jahren durfte ich zum ersten Mal am Ufer des Sees Gennesaret stehen. Aus den biblischen Erzählungen hatte ich natürlich schon eine Vorstellung von dieser Gegend, in der Jesus als Wanderprediger unterwegs war. Aber live am Ort dieser Geschichten zu stehen und diesen Erzählungen noch einmal zu lauschen – das war ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Und obwohl es sich seither etwa fünfzigmal wiederholt hat, berührt und begeistert es mich immer wieder ganz tief. Menschen, die das Fernweh oft in fremde Länder zieht, werden diese wesentliche Erfahrung sicher verstehen. Es geht um positive Erinnerungen und Erlebnisse, die bleiben, die eine Sehnsucht stillen und aus deren Eindruck wir noch lange Kraft schöpfen können. Der Massentourismus macht uns diese Erlebnisse nicht unbedingt leichter. Denn oft geht es dabei eher um die Quantität abgehakter Reisepunkte und nicht um die Qualität. Dann klappern wir berühmte Touristenattraktionen ab, zwängen uns dort durch Menschenmassen – und fragen uns am Ende, warum wir überhaupt von zu Hause aufgebrochen sind. Am Ursprung des Reisens Dabei war das Reisen schon immer mit Spiritualität und persönlichem Wachstum verbunden. Alle Religionen kennen diese besonderen Orte wie Mekka, die Klagemauer oder den Ganges, deren Namen uns schon in den Bann ziehen. Der Aufbruch dorthin ist für viele Menschen ein Lebenstraum oder sogar Pflicht. Und meist geht es dabei nicht nur um das Ziel – das heute oft mindestens so überlaufen ist wie profane Touristenattraktionen –, sondern um den Weg ANDREAS KICKINGER ist Reiseleiter und Geschäftsführer von „Biblische Reisen“ – einem Reise veranstalter, der sich auf Studienreisen für alle, die an Religion, Kultur und Geschichte interessiert sind, spezialisiert hat. dorthin, der für sich schon eine spirituelle Erfahrung sein soll. Das bekannteste europäische Beispiel ist der Jakobsweg: Als im späten Mittelalter der Weg nach Osten ins Heilige Land zur Wallfahrt nach Jerusalem verschlossen schien, entwickelte sich am anderen Ende der bekannten Welt („finis terrae“) der Pilgerweg nach San tiago de Compostela. Stern und Pilgermuschel dienen bis heute als himmlisches und irdisches Zeichen für die modernen Pilger. Sind aber nicht die alten Pilgerreisen, wie jene auf dem Weg nach Santiago, genau die Reiseform, nach der sich heute so viele Menschen sehnen? Der neu gewordene Mensch Wie sehr wünschen wir uns, dass nach der Reise Kopf und Herz neu aufgeladen sind. Wie groß ist doch die Sehnsucht, nach dem Urlaub verändert und bereichert, gestärkt an Seele und Leib, zurück in den Alltag zu gehen. Sind es nicht genau diese Sprachmuster, wie jene des neu gewordenen Menschen, deren sich die Wellnessindustrie bedient? Es hat wohl seinen Grund, dass die Pilgerwanderungen auf dem Jakobsweg in ganz Europa boomen. Natürlich kann und muss nicht jede Reise eine Pilgerreise sein – doch egal wohin wir aufbrechen, wir können uns Inspiration bei dieser alten Form des Reisens holen. Damit der nächste Urlaub nach der coronabedingten Zwangspause auch das hält, was wir uns von ihm versprechen. Dafür gebe ich Ihnen auf den kommenden Seiten ein paar Anregungen aus meiner Erfahrung als Reiseleiter und Weltenbummler mit auf den Weg. Ich wünsche gute Reise! 45