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Gruess Gott - Frühjahr 2021

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Das Magazin über Gott und die Welt

Einsamkeit. 14 Tage lang

Einsamkeit. 14 Tage lang hat Kathrin Neuböck sich in diesem Zimmer ab gesondert, als sie Covid-19 hatte. Die schlimmste Zeit in ihrem Leben, sagt sie heute.

[HERR]GOTT ALS ALLES ANDERS KAM Das vergangene Jahr hat unser Leben durcheinandergewirbelt. Wie behält man trotz vieler Einschränkungen, privater Trauer und finanzieller Ausfälle den Mut und die Hoffnung? Drei Betroffene erzählen. PROTOKOLL: NIKOLAUS NUSSBAUMER FOTOS: ROBERT MAYBACH »Corona hat mir geholfen, mich neu zu orientieren.« Kathrin Neuböck, 39 Das vergangene Jahr war für mich anstrengend und zehrend. Ich bin an Covid-19 erkrankt, mein Unternehmen ist eingebrochen – und dennoch bin ich für vieles dankbar. Als gelernte Köchin habe ich 20 Jahre lang im Gastgewerbe gearbeitet. Als die Kinder zur Welt kamen, machte ich mich mit einem Cateringunternehmen selbständig. Ich richtete mir daheim eine Cateringküche ein und fuhr das Essen zu Hochzeiten, Weihnachtsfeiern, Geburtstagen und Familienfeiern aus. Das Jahr 2019 lief vom Umsatz her noch sehr gut, ich belieferte große Hochzeiten mit bis zu 120 Gästen. Doch 2020 brach das Geschäft komplett ein. Die geplanten Feiern wurden verschoben oder gleich ganz abgesagt. Mein Einkommen war weg. Nun waren wir allein auf das Gehalt meines Mannes Daniel, der bei der Katholischen Jugend arbeitet, angewiesen. Doch die Situation hatte auch ihre guten Seiten: Plötzlich hatte ich wieder freie Wochenenden und mehr Zeit für die Familie. Und auch die körperlichen Beschwerden waren weg. Davor war ich bei großen Hochzeiten tagelang mit Vorbereitungen beschäftigt; ich musste oft Kisten schleppen und Töpfe tragen, das schlug sich auf meine Bandscheiben. Doch jetzt war von den Kreuzschmer zen nichts mehr zu merken. Da beschloss ich, in Zukunft mehr auf mich und meine Gesundheit zu achten. Gleichzeitig hatte ich wieder mehr Zeit für meine ehrenamtlichen Tätigkeiten im Pfarrgemeinderat in Brunnenthal, im Team für Kinderliturgie und zum Halten von Totenwachen. Im Herbst 2020 erkrankte ich an Covid-19. Ich war 14 Tage außer Gefecht, müde und abgeschlagen. Ich hatte große Angst, meinen Mann und meine Kinder Maximilian und Cäcilia anzustecken. 14 Tage musste ich mich in einem Zimmer absondern. Die anderen blieben zum Glück von dem Virus verschont. Doch diese Zeit war die schlimmste in meinem Leben. Mit meinen Liebsten unter einem Dach zu leben und sie nicht umarmen zu können – das war das Furchtbarste daran. Und trotzdem hatte auch diese Erfahrung einen positiven Aspekt: Als auch noch Daniels Großmutter an Corona erkrankte, konnte ich – wieder vollständig gesund und ohne Risiko – dabei helfen, sie zu pflegen. Sie überlebte die Erkrankung leider nicht. Aber ich bin dankbar, dass ich an ihrer Seite sein konnte. Und ich weiß jetzt, dass ich in Zukunft beruflich für andere da sein möchte. Durch Zufall stieß ich auf die 55