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Gruess Gott - Frühjahr 2021

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Das Magazin über Gott und die Welt

SAKRAMENT Ambition. Als

SAKRAMENT Ambition. Als Kunstturnerin hat Lorena ihre Jugend mit Leistungssport verbracht. aber stets die Hoffnung zu vermitteln, die wir als Christen ans Leben haben“, sagt er. „Als Firmbegleiter möchte ich den Jugendlichen einfach den Himmel offenhalten.“ Die Firmung ist ein persönliches Glaubensbekenntnis auf freiwilliger Basis – und hat sich als Sakrament erst im Lauf der Geschichte so entwickelt. Ursprünglich waren Taufe, Firmung und Eucharistie ein Sakrament (das ist in der Ostkirche übrigens noch immer so). Erst ab dem 4. Jahrhundert haben sich daraus drei eigenständige Rituale entwickelt. Das hatte ganz pragmatische Gründe: Damals setzte sich die Ansicht durch, dass man kleine Kinder gleich nach der Geburt taufen sollte. Dafür waren die Bischöfe zuständig. Doch weil die Kirche so schnell wuchs, kamen die Bischöfe mit dem Sakrament der Taufe/Firmung/Eucharistie kaum noch hinterher. Also übernahmen Priester die Taufe, und die Bischöfe konzentrierten sich auf das Firmen – das ihnen als Vertreter der Apostel übrigens bis heute vorbehalten ist. SAKRAMENT, NOCH EINMAL 8.555 Firmungen wurden 2019 in Oberösterreich gespendet. Voraussetzung für die Firmung sind die Taufe und eine Firmkarte, die man nach Teilnahme an der Firmvorbereitung erhält. Ein Firmpate oder eine Firmpatin begleitet den Firmling – in der Kirche und auf dem weiteren Lebensweg. Die Jugendlichen werden vom Bischof mit Chrisam gesalbt, einem besonderen Öl, das früher Königen vorbehalten war. Durch die Handauf legung wird ihnen der Heilige Geist zugesagt. Er soll sie in ihrem Christsein bestärken. (Im Regelfall beauftragt der Bischof damit aber auch noch weitere Priester aus seiner Diözese.) Sie spenden den Firmlingen den Heiligen Geist – durch die Handauflegung und indem sie ihnen ein Kreuz mit Chrisam, einem besonderen Salböl, auf die Stirn zeichnen. Ein Gefühl der Gemeinschaft Die Teilung von Taufe und Firmung hat dazu geführt, dass sich das Firmalter nach hinten verschoben hat. Das ist aber nicht der einzige Grund. Denn wichtig ist auch, dass man bei der Firmung das „geistige Vollalter“ erreicht haben muss, um sich öffentlich zum katholischen Glauben bekennen zu können. Lange Zeit ist dieses Mindestalter bei nur sieben Jahren gelegen. Heute beträgt es 12 Jahre, die Pfarren entscheiden aber selbst über die Altersgrenze. Und viele Pfarren (zum Beispiel alle in Vorarlberg) haben in den letzten Jahren beschlossen, es auf 17 Jahre anzuheben – um sicherzugehen, dass sich die Jugendlichen bewusst zu diesem Schritt entscheiden. Auch die 18-jährige Lorena hat darüber nachgedacht, was er für sie bedeutet: „Für mich vollendet die Firmung das, was mit Vorfreude. Die Firmzeremonie wird für Lorena ein Fest ihres Glaubens: „Ich hab das Gefühl, dann bin ich noch mehr Teil der Gemeinschaft.“ 64

SAKRAMENT GEISTERSTUNDE Stefan Schöttl von der Diözese Linz erklärt den Heiligen Geist. Begleiter. Stefan Schöttl begleitet Firmlinge – mit Zelten, Radeln und natürlich viel Reden. der Taufe und der Erstkommunion begonnen hat. Ich hab das Gefühl, dann bin ich noch mehr Teil der Gemeinschaft.“ Den Jugendlichen das Gefühl zu vermitteln, dass sie zur Gemeinschaft gehören – das ist auch für Stefan Schöttl das Wichtigste. Er radelt mit den Firmlingen deshalb mehrere Tage durch Oberösterreich oder zeltet mit ihnen in der Natur. Je weniger die Vorbereitungszeit einem Unterricht gleiche, desto mehr könnten er und seine Kolleginnen bei den Jugendlichen bewirken: „Wenn sie merken, dass wir Erwachsenen uns Zeit für sie nehmen und gemeinsam versuchen, Antworten auf die Fragen zu finden, die das Leben an sie stellt, dann sind sie plötzlich offen für Religion.“ In der Gemeinschaft erfahren Jugendliche so bereits die Stärkung, die ihnen bei der Firmung symbolisch mitgegeben wird. „Wenn wir in der Gruppe zusammensitzen und eine gute Stimmung haben, sagen wir nicht umsonst, dass ein guter Geist da ist.“ Einer, der uns heilig ist. Der Heilige Geist ist kein Geist im klassischen Sinn. Oder? „Im Englischen gibt es die Unterscheidung zwischen ‚ghost‘, ‚mind‘ und ‚spirit‘. Im Deutschen gibt es nur den einen Begriff für alles: Geist. Daher kommt die Verwirrung, dass der Heilige Geist etwas Herumspukendes ist. Aber gemeint ist der ‚spirit‘, nicht der ‚ghost‘.“ Wie kann ich ihn mir dann vorstellen? „Eigentlich gar nicht. Er ist nicht greifbar und entzieht sich uns – genau das ist das Gute. Was wir sagen können: Der Heilige Geist ist schon seit der Schöpfung da. Im Alten Testament ist er die Gottesgeisteskraft – das schöpferische Element, das Leben schafft und lebendig macht. Er ist auch von Anfang an mit uns, schon seit unserer Zeugung. Die Firmung ist nur der Moment, in dem wir ihn uns in einem neuen Lebensabschnitt bewusst machen.“ Aber gibt es denn wirklich gar nichts, was es uns leichter macht, den Heiligen Geist zu verstehen? „Es gibt Bilder: den Windhauch, das Feuer, bei manchen Propheten ist er ein Säuseln oder eine sanfte Berührung. Wenn zwei Menschen eine Beziehung eingehen, ist er das Band zwischen ihnen. Der Heilige Geist hat mit Leben und Lebendigkeit zu tun, man kann ihn nicht ins Letzte definieren. Ein Stück weit ist er immer das Wunder, dem wir begegnen.“ Welche Rolle spielt er in der Dreifaltigkeit? „Die Einheit von Vater, Sohn und dem Heiligen Geist zeugt für mich davon, dass Gott in sich Beziehung ist. Es ist ein Gott in drei göttlichen Personen. Deshalb sind die Erfahrungen, die Jugendliche in einer guten Gemeinschaft machen, gleichzeitig auch göttliche Erfahrungen.“ Und was hat er mit Pfingsten zu tun? „Für mich übersetzt bedeutet das Pfingstereignis: Gott stiftet Beziehung. Die Jünger waren verzweifelt und haben sich eingesperrt. Und was hat der Heilige Geist mit ihnen gemacht? Sie hinausgetrieben, mit Feuerzungen begabt – und die Menschen haben sie auf einmal verstanden. Im Endeffekt sprechen wir alle unterschiedliche Sprachen: Männer, Frauen, Erwachsene, Jugendliche – und der Heilige Geist schafft Verständigung zwischen den Menschen.“ Was heißt das für die Firmung? „Man darf sich nicht vorstellen, dass der Heilige Geist runterrauscht, und dann ist er da. Wenn Jugendliche die Erfahrung machen, da ist mehr, als sie sehen können, ist das ein Hinweis auf den Heiligen Geist. Er ist in solchen Momenten spürbar. Und dann müssen wir darauf vertrauen, dass wir diese Erfahrung in der einen oder anderen Form wieder machen werden.“ 65