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Gruess Gott - Frühjahr 2021

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Das Magazin über Gott und die Welt

SAKRAMENT AM SIEBTEN TAG

SAKRAMENT AM SIEBTEN TAG Sieben Tage, sieben Fragen, die zur Reflexion einladen. Diesmal haben wir sie einem gestellt, den man kaum vorstellen muss: Hubert von Goisern – erfolgreicher Volksmusiker, derzeit gefeierter Schriftsteller und schon immer ein kritischer Geist. INTERVIEW: ROBERT MARUNA 1. FOTOS: ASA 12/GREGOR KUNTSCHER Ihr aktuelles Album „Zeiten & Zeichen“ beginnt mit der unmissverständlichen Ansage: „Freunde, das Leben ist lebenswert!“ Was macht das Leben für Sie lebenswert? Ursprünglich stammt diese Liedzeile von Fritz Löhner- Beda, einem jüdischen Librettisten. Er hat diesen Text zu einer Zeit geschrieben, als man sich seines Lebens nicht mehr sicher sein konnte. Es war das Aufkommen des Nationalsozialismus Anfang der Dreißigerjahre. Wenig später wurde Löhner-Beda ins Konzentrationslager deportiert. Und selbst dort, wo das Leben vom Tod bestimmt war, hat er noch immer positive Lieder verfasst. Das inspiriert mich sehr. Denn es erinnert an eine Sache, die oft in Vergessenheit gerät: Egal wie schlecht es im Leben läuft, wir haben immer noch unsere Freunde. Und genau das bringt dieses Lied zum Ausdruck. Nicht nur, dass das Leben an sich lebenswert ist, sondern eben auch deshalb, weil es Menschen gibt, mit denen man sich über das Leben austauschen kann. Und in diesen Gesprächen findet man Freude, Inspiration und manchmal eben auch Hoffnung. 2. In jungen Jahren haben Sie Österreich den Rücken gekehrt und die Weite der Welt gesucht. Heute sind Sie einer der erfolgreichsten Volksmusiker des Landes. Was bedeutet Ihnen Heimat? Es ist ein Gefühl der Vertrautheit. Außerhalb meiner Heimat, also in einer Gesellschaft, die nicht meine ist, da kann es passieren, dass jemand kommt und sagt: „Friss, Vogel, oder stirb!“ Also entweder man passt sich dem Umfeld an, oder man lässt es bleiben. Zu Hause ist HUBERT VON GOISERN Seit 1986 trägt er den Künstlernamen, der auf seinen Heimatort anspielt – obwohl er davor überall auf der Welt war, nur nicht in Bad Goisern. 1992 wurde er mit „Heast as nit“ und „Koa Hiata madl“ berühmt und reiste weiter durch die Welt geschichte – etwa bei der „Linz Europa Tour“ auf einem Boot an der Donau. Im Jahr 2020 ist sein neuestes Album „Zeiten & Zeichen“ erschienen. das anders: Da würde ich so eine Ansage nicht einfach akzeptieren. Weil ich hier daheim bin, habe ich hier auch etwas mitzu reden. In dem Moment, wo man sich also einbringt, da wird es zur Heimat. Wenn man nur Gast ist, dann ist es schwierig, so ein Gefühl zu entwickeln, weil man im Grunde nur zusieht. 3. Ihr Debütroman „flüchtig“ handelt von der Flucht aus der gebirgigen Heimat quer durch Europa bis zum heiligen Berg Athos. Haben Berge auch für Sie etwas Heiliges? In gewisser Weise schon: Die Natur ist die große Kirche. Und je unberührter sie ist, desto intensiver ist das Gefühl. Sowohl das Meer als auch die Wüste und die Berge lösen dieses Empfinden bei mir aus. Das sind alles Orte, an denen der Mensch nicht viel verrichten kann – er bleibt ein Eindringling. Und genau dort kann ich sehr gut zu mir selbst und zu Gott kommen. Diese Landschaften strahlen beinahe schon eine Unvergänglichkeit aus, während in einer Stadt dauerhafte Veränderung stattfindet. In der Natur ist es das komplette Gegenteil: Ich betrachte einen Baum und erkenne, dass er viel mehr zu erzählen hat als ich selbst. ZUSATZFOTO: DDP IMAGES 68

Im Schlossgarten. Hubert von Goisern wohnt in der Nähe von Salzburg. Wir haben ihn im Schlosspark von Hellbrunn zum Gespräch getroffen. 69