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Gruess Gott - Herbst 2020

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Wenn die Welt Kopf steht - Das Magazin über Gott und die Welt

GOTT & DIE WELT

GOTT & DIE WELT Bergbaupatronin. Barbaras in den Tunneln Bartelkreuz in Ebensee (großes Bild), Grünburg (kleines Bild oben) sowie im Tunnel Lambach (kleines Bild Mitte). BARBARA MIT DEM TUNNELBLICK Den 4. Dezember kennen wir als Barbaratag. Er gilt als höchster Feiertag der Bergleute. Zeugnis davon findet sich – oft unbeachtet – in jedem Tunnel. Wer ein Licht am Ende des Tunnels sieht, sollte genauer hinschauen. Denn es könnte der obligatorische Barbara-Schrein sein. Tatsächlich: In jedem österreichischen Tunnel findet sich eine Statue der heiligen Barbara. Als Schutzpatronin der Bergleute muss sie über ihre Schützlinge wachen – und das Nächster Stopp. Einen Besuch wert: die Barbara- Statue in der unterirdischen Straßenbahnhaltestelle am Linzer Hauptbahnhof. geht am besten vor Ort. Dass gerade Barbara von Nikomedien, die man eigentlich vom Brauch mit den Kirschzweigen kennt, für den Bergbau zuständig ist, kommt nicht von ungefähr. Der Legende nach wurde sie, nachdem sie sich zum Christentum bekannt hatte, von ihrem Vater in einen Turm gesperrt. Sie flüchtete und konnte ihren Verfolgern nur entkommen, weil sich ein Felsspalt öffnete, der ihr als Versteck diente. Dabei soll – wenig überraschend – Gott seine Hände im Spiel gehabt haben. Heute ist es eben die Märtyrerin selbst, die ihre Hände schützend über die Bergleute hält. Und umgekehrt halten auch die Bergleute ihr die Treue. FOTOS: AMT DER OÖ. LANDESREGIERUNG, DIREKTION STRASSENBAHN & VERKEHR, DAVID VAAKNIN, VATIVISION 10

ERFÜLLT MIT NEUEM LEBEN Erfreulich: Es ist quasi die Wiedergeburt der Geburtskirche von Bethlehem. Nach sieben Jahren sind die Renovierungen an Dach, Fassade und Steinflächen abgeschlossen, einzig an der Geburtsgrotte Jesu wird noch GOTT AM SCHIRM HABEN Erbaulich: Der Vatikan verfolgt sein eigenes Programm – mit einer neuen Streaming-Plattform. Auf „VatiVision“ werden unter anderem Filme und Dokumentationen zur Kirchen- und Kunstgeschichte gezeigt, die all Heiliger Ort. In der Geburtsgrotte markiert ein Stern die Geburtsstelle Jesu. Dieser Teil der Kirche wird derzeit noch renoviert. gearbeitet. Ein freudiges Ereignis. Vor allem, weil dabei bisher unbekannte Mosaike entdeckt wurden. Wer neugierig auf Kunstwerke und Kirche geworden ist, kann sie – zumindest online – besuchen: www.meetingrimini.org Segen von oben. Bei einer Audienz in Rom hat das „Vati- Vision“-Team Papst Franziskus die neue Streaming-Plattform vorgeführt. jene ansprechen sollen, die sich mit christlichen Werten identifizieren. Derzeit allerdings nur auf Italienisch. Schon bald soll „Vati- Vision“ weltweit zu sehen sein – wann es eine deutsche Version gibt, steht aber noch nicht fest. Glossar des Glaubens SAKRAMENT, DAS [zakʁaˈmɛnt] Der Mensch begehrt sichtbare Zeichen – das fing schon mit Mose an. Damit nicht bei jedem Zweifel ein Dornbusch brennen muss, hat die römische Kirche rituelle Sakramente (von kirchenlateinisch sacramentum = Heilszeichen) eingeführt: sichtbare Zeichen also für die unsichtbare Wirklichkeit Gottes und sein Wirken am Menschen. Erst seit dem Mittelalter ist die Zahl der Sakramente auf sieben festgelegt. Von Anfang an als bedeutendste angesehen wurden das Sakrament der Taufe und der Eucharistie (der Kern der katholischen Messfeier). Dazu kommen Firmung, Beichte, Ehe, das Weihesakrament (Diakon, Priester, Bischof) und die Krankensalbung. Sakramente sind ein Geschenk Gottes – aber kein Blankoscheck, sondern eine Gabe für Personen, die bereit sind, Gottes Gnade zu empfangen. Wenn das zu kompliziert ist, hilft vielleicht der Vergleich, den der Jesuitenpater Christian Marte (siehe S. 38) zog: Ein Sakrament ist wie ein Espresso – die konzentrierte Anwesenheit Gottes. Im Alltag kennen wir das Wort aber eher als Ausruf: „Sakrament!“ (oft auch noch mit vorangestelltem „Herrgott-“.) Warum kirchliche Begriffe als Flüche so beliebt sind, darüber gibt es viel Rätselraten. Womöglich hat die Entweihung des Sakralen etwas Reinigendes. Vielleicht war es auch ursprünglich eine Anrufung Gottes, damit er einem im Ärger beistehe – quasi der Espresso unter den Stoßgebeten. Martin Foszczynski 11