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Gruess Gott - Herbst 2020

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Wenn die Welt Kopf steht - Das Magazin über Gott und die Welt

HIMMEL DURCH UNSERER

HIMMEL DURCH UNSERER HÄNDE ARBEIT Gutes Wirtschaften beginnt dort, wo es über das Profitstreben hinausgeht. Denn Wirtschaft, das sind wir alle – vom CEO eines Großkonzerns bis zur Bio-Gemüsebäuerin. TEXT: MARTIN FOSZCZYNSKI FOTOS: ASA 12/GREGOR KUNTSCHER St. Martin im Innkreis: Wo für Jahrhunderte nur die sprichwörtliche grüne Wiese war, hin und wieder unterbrochen von ein paar Häusern, die sich um einen Kirchturm scharten, stehen heute riesige Hallen mit noch größeren Parkplätzen davor. Drinnen herrscht emsiges Treiben: In klimatisierter und staubfreier Atmosphäre wird 24 Stunden am Tag gefräst und geleimt, gebohrt und getestet. Etwa 3.000 Menschen arbeiten in den oberösterreichischen Werken der FACC AG; damit ist sie einer der größten Arbeitgeber des Landes. Und ohne ihre Arbeit könnte kein einziges Passagierflugzeug der Welt ROBERT MACHTLINGER hat als Lehrling beim Skihersteller Fischer begonnen. Als Fischer Advanced Composite Components, kurz FACC, gegründet wurde, wechselte er dorthin. Seit 2015 ist er CEO des Konzerns. abheben. Vom aerodynamischen Winglet über die schalldämmende Triebwerks- Ummantelung bis zur Passagierkabine in Leichtbauweise: Alle diese Komponenten werden hier im Innviertel für namhafte Kunden wie Boeing und Airbus gefertigt. „Unsere Technologien und Leichtbau- Komponenten haben dazu beigetragen, dass der CO2-Ausstoß der Luftfahrt in den letzten 40 Jahren halbiert wurde“, sagt Robert Machtlinger, CEO der FACC AG, nicht ohne Stolz. Als er vor über 30 Jahren hier anheuerte, war sie noch ein kleines Tochterunternehmen des Skiherstellers Fischer. Heute steht der einstige Fischer-Lehrling einem globalen Konzern mit tausenden Beschäftigten vor. Während wir durch die riesige Werkshalle gehen, sehen wir einige von ihnen ganz vertieft in ihre Arbeit. Manche schauen kurz auf und grüßen, der CEO grüßt zurück. Wir bleiben an einer durch- 30

»Vor 30 Jahren war das Innviertel ein industrielles Notstandsgebiet, heute ist es eine Wachstumsregion. Das spiegelt sich auch in Wohlstand und Zufriedenheit der Menschen wider.« Robert Machtlinger, CEO von FACC löcherten Zylinderhälfte aus Karbonfasern stehen und Robert Machtlinger bittet uns, den Kopf dort hineinzustecken. Und plötzlich ist es ganz still. Das betriebsame Werkeln in der Halle rückt in weite Ferne. „Genau das treibt uns seit jeher an“, sagt Machtlinger, „innovative Dinge zu entwickeln, die die Luftfahrt verbessern – und letztlich das Leben der Menschen.“ Der Ring aus Karbon ist eine Ummantelung für Flugzeugtriebwerke. Durch die spezielle Bearbeitung können sie bis zu 60 Prozent leiser gemacht werden. Er ist überzeugt, dass Mobilität ein Grundbedürfnis der Menschen ist. Wie es auch in Zukunft gestillt werden kann, ohne dass es auf Kosten der Umwelt geht, sieht er als Kernfrage seines Unternehmens. Doch derzeit muss sich Robert Machtlinger mit ganz anderen Fragen beschäftigen. Durch die Corona-Krise sind im ersten Halbjahr 2020 die meisten Flugzeuge am Boden geblieben. Bei FACC hat das für viel Kopfzerbrechen gesorgt. Es sind aber nicht nur wirtschaftliche Erwägungen, die Machtlinger umtreiben. Schon in der Vergangenheit versuchte das Unternehmen, etwas zur positiven Entwicklung der Region beizutragen. So setzte sich FACC dafür ein, dass in Ried eine HTL für Maschinenbau entstand – die Werkstätten stellte das Unternehmen zur Verfügung. Die Corona-Krise hat die Frage nach dem richtigen, menschengerechten Handeln noch einmal zugespitzt. Während für die FACC-Belegschaft bis Ende Septem- Mittendrin. Auch ein internationaler Konzern muss in der Region verwurzelt sein und ihr etwas zurückgeben können, findet FACC-CEO Robert Machtlinger. ber Kurzarbeit beantragt wurde, beschloss das Management, auf 20 Prozent seiner Netto-Bezüge zu verzichten, und zahlt in einen Härtefonds für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Als Vorstand eines börsennotierten Unternehmens muss Machtlinger aber auch Interessen der Aktionäre berücksichtigen – die Entscheidung, für 2019 die Dividende nicht auszuschütten, sondern als Zukunftskapital im Unternehmen zu belassen, stieß auch beim chinesischen FACC- Mehrheitseigentümer auf Zustimmung. Auch wenn sich das Unternehmen in Zukunft kleiner aufstellen muss – Robert Machtlinger ist überzeugt, dass es weiterhin eine wichtige Rolle in der Region erfüllen kann. „Vor 30 Jahren war das Innviertel ein industrielles Notstandsgebiet, heute ist es 31