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Gruess Gott - Herbst 2020

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Wenn die Welt Kopf steht - Das Magazin über Gott und die Welt

HIMMEL die am stärksten

HIMMEL die am stärksten wachsende Region Österreichs – und das spiegelt sich auch im Wohlstand und der Zufriedenheit der Menschen wider.“ Denn Wirtschaft ist mehr als Kapitalmärkte, Bilanzen und Leitzinsen – und sie ist auch mehr als nur Erwerbsarbeit. Es geht darum, die Ressourcen dieser Erde, die Arbeit der Menschen, das Wissen von Generationen und das investierte Kapital weise zu nutzen, um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen. Wer mit den Menschen im Land spricht, merkt, dass über dieses Ziel bemerkenswerte Einigkeit herrscht. Auch wenn es über den Weg dorthin ganz unterschiedliche Ansichten gibt. Turbulenzen. Corona hat den Luftfahrt-Konzern FACC voll erwischt. Doch CEO Robert Machtlinger lässt nichts unversucht, um die Jobs in der Region zu halten. sah sie – das „Bauernkind“ – die Anfänge einer anderen Entwicklung: das Sterben der bäuerlichen Betriebe. Infolge des EU-Beitritts und der Marktliberalisierung sanken die Preise für Lebensmittel, zahlreiche Landwirte wechselten in den Nebenerwerb oder gaben ihren Hof ganz auf. Ein zweites Schlüsselerlebnis waren Au-pair-Aufenthalte in Paris und London nach der Matura. Dem gehetzten Großstadtleben konnte sie wenig abgewinnen. Am stärksten aber irritierte sie das Konsumverhalten: „Die Leute standen in den riesigen Hypermarchés ratlos vor Regalen mit 20 Joghurtsorten, hinterließen Berge an Müll.“ Sie hatte Sehnsucht nach ihrem Zuhause, wo die Eltern – Landwirte mit Leib und Seele – täglich Essen vom eigenen Hof auf den Tisch stellten. Diese kleinbäuerliche Struktur wollte sie von nun an bewahren. Nachdem sie und ihr Mann einige Jahre in der Privatwirtschaft gearbeitet hatten, beschlossen sie, ihr Leben grundlegend zu ändern. Sie übernahmen das Grundstück eines alten Dreikanthofs und begannen 2007, Gemüse-Raritäten anzubauen. Heute ziehen sie mehr als Ein Garten Eden in Arbeit Einen anderen Blickwinkel auf ihre Heimatregion hat Margit Mayr-Lamm, Betreiberin der Bio-Landwirtschaft fairleben in Allhaming. Wir treffen sie mitten in den Vorbereitungen auf die Buschenschank-Eröffnung – die nicht ohne Zwischenfälle verlaufen: Zwischen Kukuruzfeldern und Wild wiese herrscht sympathisches Chaos. Ihr Mann Josef hat wieder mal Gartenwerkzeug im Gewächshaus, in dem seltene Gemüsesorten gedeihen, liegen lassen, eine freche Maus hat über Nacht die Tulpenzwiebeln aufgefressen. „Die üblichen Probleme im Bio-Idyll“, lacht sie. Wo der FACC-Boss vor einem Vierteljahrhundert industrielles Brachland ausmachte, Rare Gewächse. In ihrem Gewächshaus bauen die Mayr-Lamms seltene Gemüsesorten an, darunter über 60 verschiedene Sorten Paradeiser. 32

HIMMEL 60 verschiedene Sorten Paradeiser, Paprika, Zucchini, Gurken, Kürbisse, Melanzani, Chilis, Spinat und Asia-Salate, die sie auf den Bauernmärkten in der Region verkaufen. Ein weiteres Standbein ist der Verkauf von Jungpflanzen. Auch wenn das Unternehmen kostendeckend läuft – ein Vollblut-Betriebswirt würde sich angesichts des Businessplans von Margit Mayr-Lamm wohl an den Kopf greifen. Sie baut ausschließlich samenfeste Sorten an, deren Saatgut jeder Konsument selber vermehren kann. Überhaupt könnte Mayr-Lamms Betrieb viel größer sein, die Nachfrage nach Bio-Gemüse und Jungpflanzen ist enorm. Während der Corona-Krise MARGIT MAYR-LAMM betreibt seit 2007 die Bio-Landwirtschaft fairleben in Allhaming, wo sie Gemüse-Raritäten anbaut und sich ganz dem Prinzip des Gemeinwohls verschrieben hat. »Gutes Wirtschaften bedeutet, unseren Planeten für die Zukunft zu bewahren und so zu handeln, dass es möglichst wenig negative Auswirkungen auf andere hat.« Margit Mayr-Lamm, Bio-Bäuerin gab es einen regelrechten Ansturm auf die Märkte, erzählt Frau Mayr-Lamm. Doch statt auf Wachstum und Produktionssteigerung setzt sie auf Kooperationen mit benachbarten Betrieben. So erhält jeder ein Stück vom Kuchen – und für sie und ihren Mann geht sich ab und zu auch ein spontaner Badetag am nahen Attersee aus. Dass Mayr-Lamm mit ihrer Strategie einiges an Gewinn durch die Finger rieselt, bereitet ihr kein Kopfzerbrechen, denn sie sät etwas anderes, das für sie mehr Wert besitzt: biologische Vielfalt, starke lokale Wirtschaftskreisläufe und eine sichere Lebensmittelversorgung für alle. Sinnerfüllte Arbeit ist für sie, wenn sie dem Wohle aller dient und etwas für die Gemeinschaft leistet. Mayr-Lamm lässt ihren Betrieb anhand einer „Gemeinwohlbilanz“ bewerten, die weit mehr beinhaltet als nur finanzielle Kennzahlen. Denn beim Wirtschaften geht es ihr nicht nur darum, was unterm Strich herauskommt, sondern sie fragt sich auch: „Wie komme ich zu diesem Ergebnis? Wie gehe ich auf dem Weg Leben auf dem Land. Josef und Margit Mayr- Lamm konnten dem gehetzten Großstadtleben wenig abgewinnen – und setzen sich nun für den Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen ein. 33